Bücher mit dem Tag "sitten"
8 Bücher
- Rafik Schami
Die geheime Mission des Kardinals
(121)Aktuelle Rezension von: Michelles_NotebookSeitenlange Monologe, eine langsam dahintröpfelnde Geschichte ohne Spannungsbogen und ein frustrierendes Ende ohne echte Ermittlungsarbeit - das fasst diesen Roman gut zusammen. Ich habe ganze Abschnitte übersprungen, da mich die immer wiederkehrenden Themen wirklich gelangweilt haben. Mitgefiebert habe ich an keiner Stelle, einzig die Frustration über das korrupte System konnte ich nachfühlen. Einen flotten Krimi hatte ich nicht erwartet, aber eine atmosphärisch dichte Erzählung über einen Kriminalfall in einer ganz anderen Kultur. Am Ende fand ich die Geschichte aber vor allen Dingen langatmig.
- Axel Hacke
Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen
(34)Aktuelle Rezension von: AliraDer Text des Buches handelt vom Zusammenleben der Menschen und der immer wieder auftretenden Frage „Wie wollen wir miteinander umgehen?“ Gerade in Zeiten, die immer rauer werden, sollte sich jeder mit dem Begriff „Anstand“ auseinandersetzen. Und weil es für „Anstand“ viele Definitionen gibt, ein paar Zitate aus diesem absolut lesenswerten Buch:
Es geht, wenn es um Anstand geht, um eine grundsätzliche Solidarität mit anderen Menschen, ein Empfinden dafür, dass wir alle das Leben teilen, ein Gefühl, das für die großen und grundsätzlichen Fragen ganz genauso gilt wie für die kleinen, alltäglichen Situationen.
Alle populistischen Führer unserer Zeit finden ihren Anhang nicht nur unter denen, die den Anschluss an ein wirtschaftlich auskömmliches Leben schon verloren haben, sondern es gibt auch halbwegs gut Situierte, die Angst haben, dass sie schon bald nicht mehr so gut situiert sein könnten. Es geht um die Angst vor dem Absturz und das Gefühl, dass diese Angst nicht wahrgenommen wird.
2017 hat man untersucht, wie zu diesem Zeitpunkt die AfD ihre Anhänger rekrutierten: Die AfD fand Unterstützer aus der Mitte der Gesellschaft. Sie sei „die Partei der sich ausgeliefert fühlenden Durchschnittsverdiener“. Der Menschen, die große Angst vor Katastrophen und vor dem Gefühl, auf die gegenwärtige Politik einen Einfluss nehmen zu können. Und diese Zukunftsangst konzentriert sich auf einen Punkt: die Zuwanderer aus anderen Ländern.
Wenn man Angst hat, ist es sehr nützlich, sich diese Angst einzugestehen. Weil sie durch Unterdrücken nämlich noch viel größer wird. Das heißt auch, sie nicht für sich behalten, sondern sie mit anderen zu teilen. Zu erfahren, dass man damit nicht alleine ist. Zweitens hilft es, den Verstand einzuschalten, soferne das möglich ist. Das bedeutet, Realität ins Spiel zu bringen und vernünftig mit dieser Angst umzugehen, damit diese Angst nicht zu Hass wird.
Wir leben in Frieden, in Freiheit und zu einem großen Teil auch in Wohlstand. Wenn es um unser Zusammenleben geht, kann ein wenig Interesse für die, mit denen man zusammenleben muss oder sogar will, nicht schaden.
Wem die allgemeine Wirklichkeit zu unüberschaubar und unkontrollierbar ist, wer das Gefühl hat, in dieser Wirklichkeit ein Niemand zu sein, einer, der nicht gefragt wird und der nichts zu sagen hat und ohne Zugriff ist auf die Entwicklung des Lebens im Großen und im Kleinen, der baut sich seine eigene Wirklichkeit. Weil der Mensch sich selbst nicht aushält, wenn er sich als komplett bedeutungslos empfindet.
Die Selbstradikalisierung vieler Menschen: ihre Flucht in einen Hass auf alles Fremde und Ungewohnte; in Ernährungsweisen, von denen man sich am Ende nichts anderes als die Rettung der Welt erhofft; in einen Fitnesswahn, der in die komplette Ich-Fixierung führt; in den Wahn einer politischen Korrektheit, in der jeder umstellt ist von Sprachgesetzen, die es um jeden Preis einzuhalten gilt; das alles ist Ausdruck jener großen Suche nach Sicherheit und Selbstwertgefühl in einer zutiefst verunsichernden Zeit. Am Ende führt es (und hat natürlich schon geführt) zu Fanatismus, zur Verschließung gegenüber dem anderen und Neuen, zur Unfähigkeit, was die Auseinandersetzung mit anderen angeht.
Es geht darum: Was will ich eigentlich selbst? Man muss eine Haltung haben, man muss sie sich erarbeiten. Und es hilft reden. Es hilft der Versuch, zu überzeugen. Das hört nie auf. Und vielleicht heißt, seinen Verstand zu gebrauchen: zu verstehen, dass der andere seine Gründe hat, warum er sich verhält, wie er sich verhält, und versuchen, diese Gründe zu verstehen. Reden hilft immer.
Wir müssen gewisse Kompliziertheiten in unserer Welt aushalten und verstehen, dass sie nicht lösbar sind, obwohl man versuchen muss, sie zu lösen. Und dass man sich die Flucht ins Simple verbietet.
Die Dummheit als Gefühlsfehler, die ihren Ursprung in Furcht vor dem Leben, in Angst vor der Zukunft, ja in Panik hat. Und in der Unfähigkeit, damit auf andere Art als hassend umzugehen.
Bestimmten Leuten bringt man natürlich nie Anstand bei. Man muss nur zusehen, dass sie nirgendwo Oberhand gewinnen und den Ton bestimmen dürfen.
Menschen, die gar nicht unanständig sind, werden manchmal von den Unanständigen einfach mitgezogen.
Der Mensch ist ein Herdentier. Er passt sich dem an, was in seiner Herde gilt, an Normen und Standards des Verhaltens, ob man das gut findet oder nicht – und deswegen muss man aufpassen auf das, was gilt.
Zu den wirklichen Fähigkeiten des Menschen gehört: hinter sich zu lassen, was in anderen Jahrtausenden wichtig war für sein Überleben, jetzt aber nicht mehr wichtig ist. Hinauszuwachsen über seine Instinkte, seine unmittelbaren Gefühle, seine Bequemlichkeit und Faulheit und Neigung zur Seelendummheit, über seine Standardeinstellungen und default settings. Zu dem zu finden, was ihm auch gegeben ist, was er aber bisweilen erst einmal in sich suchen muss: das Verstehen und den Verstand, alles, was er an Größe in sich trägt.
Und dabei ist nicht nur von denen die Rede, die wir verstehen, die uns ähnlich sind, die wir mögen, mit denen wir sympathisieren, die unsere Ziele teilen, die ein Leben führen, das aussieht wie unseres. Sondern auch von den Feigen, den Verängstigten, den Unverschämten, den Dummen, den Lauten, den Leisen, den Störrischen, den Fremden, denen wir etwas schulden. Was schulden wir ihnen? Jedenfalls Respekt und den Versuch, zu verstehen. Anerkennung, Rücksicht, Wohlwollen, Freundlichkeit und jene Solidarität, die Grundlage dessen ist, was wir den menschlichen Anstand nennen könnten.
Der eine Sache jedes Einzelnen ist und damit eine Sache von uns allen.
- Gabriella Engelmann
Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers
(162)Aktuelle Rezension von: LangeweileDie Journalistin Anna März kehrt erneut nach Sylt zurück, um Fenja Lorenzen weiter bei der Suche nach ihrer verschollenen Schwester zu unterstützen. Außerdem möchte sie Fenja Sohn Eric, in denen sie sich beim vorigen Mal verliebt hat, gerne wieder sehen.
Während es in Band 1 hauptsächlich um Fenja ging ,steht nun ihre Schwester Martje im Mittelpunkt.
Sie verschwand 1958 in einer Sturmnacht und die Suche nach ihr blieb erfolglos.
Die Geschichte wird nun in wechselnden Zeitabschnitten zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt, wobei die Vergangenheit den größten und in meinen Augen auch deutlich interessanteren Teil, ausmachte.
Während mir Bd. 1 sehr gut gefallen hat, fand ich von Anfang an, nicht den richtigen Zugang zu der Fortsetzung.Es gab in der Gegenwart einige Ungereimtheiten und die Geschichte verlor sich immer mehr in Belanglosigkeiten,ganz im Gegensatz zum interessanten Part in derVergangenheit.
Was ich, ebenso wie im ersten Teil, sehr loben kann,ist die Beschreibung der wunderschönen Nordseeinseln.Da ich die Inseln Aus eigener Anschauung kenne, konnte ich die Atmosphäre in vollen Zügen genießen.
Zum Schluss kam es mir so vor,als gäbe es ein Limit bei der Seitenzahl,weswegen das Ende sehr abrupt war und außerdem ziemlich konstruiert wirkte.
Ich hatte mich sehr auf die Fortsetzung gefreut, sie ließ mich aber leider ziemlich enttäuscht zurück. Deshalb von mir diesmal nur drei Sterne. - Nancy Pfeil
Thalél Malis
(42)Aktuelle Rezension von: ErinLenarisVor drei Tagen habe ich „Das Flüstern der Flammen“, den Auftaktband von Nancy Pfeils Thalél Malis-Trilogie ausgelesen, doch die eindringlichen Bilder und Botschaften lassen mich noch immer nicht los. Die verfeindeten Reiche sind so lebendig beschrieben, dass man die frostige Luft in den Lahnwäldern förmlich riechen kann, das Knacken der anartischen Lagerfeuer hört und graue Wolkenfetzen über die dunklen Zinnen Thalél Malis‘ hinwegziehen sieht. Herausragend ist jedoch die menschliche Ebene der Romane. Selbst Nebenfiguren lernt man innerhalb weniger Zeilen so persönlich kennen, dass man um sie trauert, wenn sie im Kampf fallen. Nancy Pfeils Umgang mit ihren Charakteren erinnert stellenweise an George R.R. Martins „Game of Thrones“, doch bei aller ungeschönten Gewalt bleibt stets die menschliche Tragik im Zentrum. Mit seinen nachdenklichen Passagen ist Thalél Malis ein eindrucksvolles Anti-Kriegs-Manifest, dessen Ende den Leser am Rand eines Abgrunds taumeln lässt. Eine düstere Präsenz zieht auf, Magie knistert aus jeder Zeile ... ich muss unbedingt weiterlesen!
- Lisa Kleypas
Die Wallflowers - Daisy & Matthew
(42)Aktuelle Rezension von: ClaudinchenIch kenne die anderen drei Teile leider nicht.
Aber wenn dieses Buch schon so gut war, muss ich die ersten drei Teile auch unbedingt lesen.
Daisy ein "Mauerblümchen" muss unbedingt heiraten, wenn es nach ihrem Vater geht. Er setzt ihr ein Ultimatum wenn sie innerhalb von zwei Monaten keinen Mann findet, soll sie Matthwe Swift heiraten.
Das will Sie nicht, weil er nach Ihrer Erinnerung nach nicht gut aussieht und nach dem Verhalten ihres Vaters gleicht.
Doch es kommt anders als Daisy denkt.
Mr. Swift hält nichts von einer Hochzeit, da er Angst hat sein Geheimnis kommt ans Licht.
Dieses Buch ist spannend, lustig, spannend und aufregend.
- Amy Liptrot
Nachtlichter
(82)Aktuelle Rezension von: WortgedankenNach Jahren eines wilden und von Alkohol bestimmten Lebens in London kehrt Amy, erschöpft und auf der Suche nach einem neuen Weg, zurück nach Orkney (Schottland), wo sie aufgewachsen ist. Dort, inmitten der rauen Natur und Einsamkeit, beobachtet sie Vögel, schwimmt im eisigen Nordmeer und lässt sich von den Polarlichtern faszinieren. Die Natur wird für sie zur Quelle der Kraft und Klarheit. Schritt für Schritt findet sie zurück zu sich selbst und lernt, ohne Alkohol zu leben.
Ein Buch, was so vieles vereint und mich sehr beschäftigt hat - nicht nur wegen der ehrlichen und mutigen Selbstreflexion über Alkoholsucht und dem Wunsch nach dem Leben, sondern vor allem auch wegen der atemberaubenden Beschreibungen der Orkneyinseln. Die raue, einsame Natur wird so lebendig geschildert, dass ich beim lesen das Meer rauschen hörte. Ein stilles, starkes Buch über Selbstfindung - und eine Liebeserklärung an die schottische Inselwelt.
- Rolf Uliczka
Deichbrückenmord in Bensersiel. Ostfrieslandkrimi
(43)Aktuelle Rezension von: GiseAuf der Deichbrücke in Bensersiel wird ein toter Jogger aufgefunden: Es ist Jano Wilts, der mit seiner Frau auf Urlaub am hiesigen Campingplatz war. Schnell wird klar, dass er ermordet wurde. Es bieten sich eine Menge Verdächtige an, denn nach dem Tod seines Vaters wollte er den elterlichen Hof übernehmen. Doch seine Stiefmutter und deren Tochter hatten bereits andere Pläne für das Grundstück. Die Kommissare Nina Jürgens und Bert Linnig müssen ermitteln, was diese vertrackte Situation mit dem Mord zu tun hatte...
Dies ist bereits das zwölfte Buch aus der Reihe um die Kommissare Bert Linnig und Nina Jürgens. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, kann man das Buch allerdings auch ohne weitere Vorkenntnisse lesen: Kurze Rückblicke auf bisherige Geschehnisse im privaten Bereich der Ermittler erleichtern es Neueinsteiger, sich im Geschehen zurechtzufinden. Wie bereits in den vorherigen Fällen erfährt der Leser auch diesmal wieder einige regionale Besonderheiten, so dass man sich sehr schnell gedanklich in die Region versetzt fühlt, mit touristischen und kulinarischen Einblicken aus dem Saterland. Wichtig ist in diesem Buch vor allem das Erbrecht, das den Hof eigentlich dem Sohn des Verstorbenen zuspricht – wenn, ja, wenn es nicht zusätzlich noch menscheln würde und um das Erbe ein dicker Konflikt entstanden wäre. Verdächtige gibt es deshalb jede Menge. Und auch wenn das Erbrecht zunächst etwas kompliziert erscheint, gelingt es dem Leser, die Zusammenhänge gut zu erfassen. Man merkt bei der Lektüre die sorgfältige Recherche dahinter. Zusätzlich schafft es der Autor Rolf Uliczka, den Leser mit neuen Wendungen zu überraschen.
Mir gefällt nicht nur die spannende Unterhaltung durch die gut konstruierten Fälle des Wittmunder Ermittlungsteams, sondern auch der regionale Aspekt, der jedesmal sehr gut in die Geschichte eingebaut ist. Auch diesmal hat mich der Autor damit überraschen können, und ich freue mich schon auf den nächsten Band dieser Reihe. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.
- Bettina Pohlmann
Frühstück mit Giraffen
(12)Aktuelle Rezension von: sabatayn76‚denn Reisen, das bedeutet für uns nicht nur, die Welt zu sehen, sondern vor allem, die Magie des Lebens zu spüren‘ (Seite 17)
Zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern macht sich Bettina Pohlmann auf zu einer Reise um die Welt. Innerhalb von fünf Monaten bereisen sie Südafrika, Singapur, Indien, Nepal, Vietnam, Kambodscha, Australien, Neuseeland, die Cook Islands, die USA und Kanada.
Pohlmann und ihre Familie machen halt in pulsierenden Städte und auf abgelegenen Campingplätzen, übernachten in einem 5-Sterne-Hotel mit Endlospool und in einer Holzhütte am See, entdecken Bauwerke und Landschaften, lernen unterschiedlichste Menschen kennen, erfahren von ihrem Leben, ihrem Alltag, ihren Sorgen und ihrer Lebenszufriedenheit.
Pohlmann erzählt in ‚Frühstück mit Giraffen‘ nicht nur von den verschiedenen Schauplätzen ihrer Reise, von Geschichte und Politik, von Flora und Fauna, sondern zudem von persönlichen Anekdoten und von den Besonderheiten beim Reisen mit Kindern. Mir hat diese Mischung gut gefallen, und das gesamte Buch liest sich sehr unterhaltsam und ist dennoch informativ und lehrreich.
Pohlmann zeigt auf sehr sympathische Weise, dass man auch als Familie und ohne Backpackererfahrung seinen Traum leben kann, aber auch, was es zu beachten gilt, mit welchen Problemen man konfrontiert werden könnte.
Die Autorin erzählt so anschaulich, dass man sich in jedem Land genau vorstellen kann, was die Familie erlebt und beobachtet hat. Dabei sind die Schilderungen so natürlich, dass sich das Buch anfühlt, als säße man mit einer Freundin bei einem Kaffee und würde von ihrer Weltreise erfahren.
Nach dem Lesen hatte ich zum ersten Mal ganz ernsthaft die Idee, dass so eine Weltreise auch etwas für uns sein könnte, denn Pohlmann macht deutlich, dass man zwar bisweilen Nerven wie Stahlseile braucht, dass so eine Reise aber letztendlich plan- und machbar und ein großes Abenteuer ist.







