Bücher mit dem Tag "sittenbild"

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28 Bücher

  1. Cover des Buches American Gods (ISBN: 9783847905875)
    Neil Gaiman

    American Gods

     (365)
    Aktuelle Rezension von: David_Lindsam


    Heftige Bilder, schnelle Szenenwechsel, Mythen zum Leben erweckt wie Blitzeinschläge …
    Aber welche Substanz bleibt, wenn man hinter die äußerst effektvolle Inszenierung schaut?

    Sucht und Frust …

    Tatsächlich habe ich viel Zeit für American Gods aufgewendet: das Buch gelesen (671 eng bedruckte Seiten), das Hörbuch gehört (24 Stunden!) und alle 26 Folgen der Serie angeschaut (noch mal 25 Stunden) … Warum bin ich nur so zwänglerisch gewissenhaft? – Das ist ja schlimm!
    Es hat mich einfach nicht losgelassen, dass American Gods bei einem anspruchsvollen Publikum, das sonst kaum Fantasy lesen dürfte, so gut angekommen ist. Drei renommierte (Fantasy-)Preise für dieses eine Buch – das müsste ein untrügliches Zeugnis für literarische Qualität sein. Und: Ja, es hat etwas … Deshalb blieb die Hoffnung bis zum Schluss, dass die Begeisterung plötzlich doch noch zuschlägt.
    Hat sie aber nicht. Ich war zwischendrin berauscht, wie im Taumel, gebannt wie das berühmte Kaninchen und danach verkatert und angeätzt.
     Was ist das für ein hartes Zeug, das einen fast süchtig macht, aber komplett ausgelaugt und total unzufrieden zurücklässt?

    Der Stoff

    Wie der Stoff selbst aussieht, ist schnell beschrieben: milchig-grau.
     Natürlich nicht, aber ähnlich hirn-vernebelnd schon und leider nicht so einfach auf einer geraden Erzähl-Linie abzubilden:

    Shadow, groß und beeindruckend, gehört scheinbar zu den Loosern. Frisch aus dem Knast entlassen, verunglückt seine Frau tödlich. Zudem war sie ihm nicht treu. Da kommt das Jobangebot des mysteriösen Mr. Wednesday gerade recht. Als Bodyguard begleitet Shadow seinen neuen Arbeitgeber auf dessen Reise – der Roadtrip beginnt. 

    Wednesday handelt wie ein heruntergekommener Trickbetrüger, und besitzt zugleich etwas von der Würde eines Gottes. Im House on the Rock (gibt es wirklich!) beruft er eine Versammlung ein: ein Thing der Götter. Wednesday offenbart sich als der Allvater Odin und fordert zum Kampf gegen die neuen Götter wie Kreditkarten, Schnellstraßen, Internet und Fernsehn, die nach seinen Worten die alten Götter töten wollen.

    Shadow wird in diesen Kampf hineingezogen, entführt, von seiner untoten Zombie-Frau gerettet und muss in einem idyllischen Dörfchen Unterschlupf suchen. Doch dann ermorden die neuen Götter Mr. Wednesday. Als er die Totenwache übernimmt, reist er selbst ins Reich der Toten und begreift, dass alles nur ein großer Trickbetrug war, der Odin wieder in Macht und Ehre bringen sollte. Doch er wird von den Toten zurückgeholt und beendet den Kampf der Götter. 

    Die ganzen Nebenhandlungen zu dieser Story wuchern übrigens wie Gestrüpp auf dem Weg und machen das Vorankommen unglaublich erlebnisreich, aber ebenso mühsam. Eingestreut werden Einwanderungsgeschichten (Sklaven aus Afrika, Begnadigte aus Irland, Wikinger, Südamerikaner, vorgeschichtliche Stämme aus Asien, etc.), Träume (von Büffelmenschen, Donnervögel u.a.) und Zwischensequenzen, die irgendwo in Amerika spielen und das Schicksal eines Gottes, einer Göttin aufgreifen (Ifrit aus der islamischen Mythologie, Wiskey Jack aus der indianischen Überlieferung, Bilquis/Königin von Saba als Sukubus, etc.).

    Niemand ist Amerikaner. (…) Nicht ursprünglich jedenfalls. (133)
    Als die Menschen nach Amerika kamen, haben sie uns hierher mitgenommen. Mich und Loki und Thor, Anansi und den Löwengott, die Leprechauns und Curicauns und Banshees, Kubera und Frau Holle und Astraroth … und euch alle. (…) Unsere wahren Gläubigen verstarben und hörten auf zu glauben, und uns blieb nichts anders übrig, als uns – besitzlos und verängstigt – mit dem wenigen durchzuschlagen, was wir an Verehrung und Glauben noch finden konnten.“ (166)
    Würdest du glauben, dass alle Götter, die sich die Menschen je ausgedacht haben, immer noch bei uns sind. (445)
    Götter sind groß (…) Aber das Herz ist größer. Denn aus unseren Herzen kommen sie, und dorthin werden sie wieder zurückehren …“ (470)

     

    Göttermigration nach USA wird zum Fantasy

    Die Grundidee ist so faszinierend wie aktuell. Was passiert mit den traditionellen Mythen und Göttern, deren Vorstellungen in den Köpfen von Einwanderer weiterleben, wenn sie im Schmelztiegel der Vielvölkernation USA zusammentreffen. Bleiben sie, verändern sie sich, verlieren sie an Bedeutung und Kraft? Afrika, Südamerika, Asien, Europa  … Protestanten, Katholiken, Muslime, Natur- und Geist-Religionen …  Was bedeutet dieser ethnische und religiöse Multilateralismus für das Land und sein Selbstverständnis. Über zwei Jahrhunderte hinweg bis heute waren immer rund ein Fünftel der im Lande lebenden Menschen dort nicht geboren – ein Dauereinwanderungsland. Das ist einmalig und faszinierend.

    In American Gods sind die Götter lebendig, nähren sich aus Verehrung und Opfer ihrer Gläubigen, sind unter uns, wie sie es schon immer waren.  Doch in dem Schmelztiegel der Kulturen geraten die alten Götter der Einwanderer nach Amerika schnell in Vergessenheit, verlieren ihren Glanz und müssen ein bescheidenes Dasein fristen, während neue Götter der „Kreditkarten“, des „Internets“ und des „Fernsehens“ (167) an Macht gewonnen haben und sich in dem dicken Jungen und Mister World materialisieren. Weil die alten Götter aufbegehren, sollen sie endgültig abgeschafft und umgebracht werden. Eine große Schlacht auf dem Götterhügel steht bevor und droht, sich wie ein katastrophales Unwetter in einem blutigen Gemetzel zu entladen.

    Dieses Setting stellt den Roman in die Genre-Ecke Mystery oder Fantasy

    Aber genau die Inkarnation von Göttern in realen Figuren wirkt in dieser Art auf mich fast plump allegorisierend und aufgesetzt. Sollen sie für das Denken und den Glauben der jeweiligen Einwanderer bzw. für die moderne Verwandlung stehen?
    Dass Internet und Fernsehen uns vereinnahmen und unendlich viel Zeit auf ihren Altären geopfert wird, ist eine banale Tatsache, für die man kein Buch lesen muss. Und warum sind die Hauptakteure für die alten Götter Odin und Loki, obwohl die Wikinger nun gerade nicht zu den Stämmen gehören, die Amerika besiedelt haben (auch wenn sich die Angelsachsen das gerne so vorstellen)?
    Tatsächlich ist Neil Gaiman in Südengland geboren und erst 1992, also grob 10 Jahre vor seinem Roman in die Staaten gezogen. Es ist also so etwas wie eine „Ich bin selbst Migrant und entdecke dieses neue Land“-Geschichte …

    Nordische Mythologie als Interpretationsraster

    „Mr. Englishman Gaiman, warum schreiben Sie einen US-Roadmovie? Fehlen Ihnen nicht die eigenen, tiefen Wurzeln für ein fundiertes Gefühl, was den amerikanischen Flickenteppich des Selbstverständisses ausmacht?“, frage ich.
    „(…) viele der Schlüssel, die ich verwendet habe, um Amerika aufzuschließen, sind germanischen Ursprungs“ (8), erklärt Gaiman.
    Das ist ja nicht zu übersehen. Nur: Warum sollte gerade dieser Blickpunkt etwas von der amerikanischen Gesellschaft verraten? – Weil die Götter wie „Ideen sind“ (83), die nicht sterben können und in anderen „Gestalten“ für immer bestehen bleiben (vgl. S. 83)?
    Es wirkt sehr rechtfertigend, wenn der Autor seinen Schlüssel erklären muss. Künstlerische Freiheit bleibt immer unbenommen. Nur aufgeschlossen hat dieser Schlüssel für mein Amerikabild relativ wenig, meinen Einblick in die Seele der USA kaum vertieft. Und das ist schade, denn gerade die kurzen Zwischengeschichten über Einzelschicksale von Einwandern waren ergreifend und enthüllend – Neil Gaiman ist ja ein Meister -, aber eben nur Beiwerk zu den großen Göttergeschichten. Und die handelten von ägyptischer und nordischer Mythologie, ein wenig von Vodoo aus Afrika wie auch Mystik des Islams und nur in Miniauftritten von den Ureinwohnern Amerikas. Das ist seltsam eklektizistisch und nicht im Geringsten repräsentativ für die große Zahl an Einwanderern aus Europa, Asien und Südamerika. Und deshalb kann es m.E. auch gar nicht in den Kern dessen vorstoßen, was Amerika in seinem Selbstverständnis ausmacht.

    Exzentrik-Effekt

    „Ich wollte ein dickes, merkwürdiges, ausschweifendes Buch schreiben, und das tat ich auch. Ich wollte ein Buch schreiben, das jene Seite von Amerika zeigte, die mich begeisterte und von denen ich besessen war (…)“, schreibt Neil Gaiman selbst in der Einleitung. Wenn das sein Ziel war, hat er es in dieser subjektiven Perspektive sicher erreicht und das Anliegen an sich gereicht einem Schriftsteller zur Ehre. Gefallen muss das Ergebnis deshalb noch lange nicht jedem.

    War es vielleicht nicht nur leidenschaftliche Exzentrik, sondern auch ein bisschen Effekthascherei, die den Autor antrieb? Denn der permanente Tabubruch ist nicht zu übersehen. Leichensezierungen, tödlich endender Sex, brutale Gewalt und Erniedrigung, derbste Gossensprache u.v.m. – keine Ahnung, was diese Elemente zum Gesamten beigetragen, außer dass sie das Adrenalin aufpeitschen. Manches ist noch nicht einmal originär, wie etwa das Penisstück im Mund der toten Frau von Shadow – das kennen wir aus John Irvings Garp.

    Sucht man nach der tieferen Ebene oder gar einer zweiten Interpretationsschicht – dann erschließt sich mir eine solche nur ziemlich schwer. Angebote gibt es wie Billigware aus dem Supermarktregal in jedem Abschnitt: Absurde, groteske und sinnige Sätze finden sich im Übermaß. Man sucht wie im Taumel nach mehr und ich bin mir sicher, dass man etwas finden wird. Intentional – also raffiniert aufgebaut und verschachtelt – wirkt es nicht. Dagegen bietet es effektvolle „Leerstellen“ (wie man es in der Literaturwissenschaft nennt), in die man etwas und vieles hineininterpretieren kann. Natürlich lässt sich das poetisch werten, ist es aber nicht für jeden.

    Der Schatten-Gott aus dem Comic-Universum

    Shadow, die Hauptperson, spielt in der Romanhandlung seinen Charakter wie eine Nebenrolle, ist treu und ehrlich, trotz krimineller Vergangenheit, aber auch ein wenig einfältig. Er ist ein Hüne und verkehrt wie selbstverständlich mit Göttern, obwohl ihm von allen ständig sein einfacher Geist vorgehalten wird. Und dennoch gelingt es gerade ihm und nur ihm, den Krieg der Götter Amerikas zu verhindern. Er ist der eigentliche amerikanische Held. Hätte in der Verfilmung der Schauspieler von Captain America diese Rolle eingenommen, so wäre das mehr als passend gewesen.
    Und so schließt sich der Kreis. Neil Gaimans erste Karriere als Comic-Autor (für den Text) findet in American Gods eine literarische Fortsetzung.
     Comics mag ich zwar sehr, aber eben nur gezeichnet. In literarischen Werken muss der geistige Pinselstrich schon etwas mehr bieten. Geschriebene Comic-Strips schätze ich nicht.

    Fazit

    Ein solch reiches Werk wie American Gods muss man erst mal erschaffen können und ich zolle an dieser Stelle ausdrücklich meinen höchsten Respekt. Und trotzdem hat es mich persönlich nicht bereichert, sondern zur heftigen Kritik gereizt. Aber auch diese ausführliche Auseinandersetzung ist eine Form der höchsten Würdigung, selbst wenn es ganz anders klingt.

    Vielleicht macht es die eigene Lesebiographie als Fantasy-Vielleser aus, dass mir und vielleicht auch anderen mit diesem Hintergrund ein vergleichbares Setting grundsätzlich vertraut ist und die manchmal absurd wirkenden Götter nicht zu faszinieren verstanden. Dagegen sind die plakativen, derben und effekthascherischen Elemente für mich stärker als solche spürbar. Für Freaks und Splatter-Freunde mag es ein ausgemachter Spaß sein. Für etwas mehr literarisch Interessierte wie mich wirkte es wie ein Cocktail mit hartem Stoff, der nur zu genießen ist, wenn man das Zeug gewohnt ist und dem hemmungslosen Rausch der Gedanken in Gestalt zügelloser Phantasie nicht abgeneigt ist. Eine Droge für buchlesende Adrenalin-Junkies, aufgeladen mit heftiger Bedeutung, ohne dies ein- oder aufzulösen. 

    Jede Menge Mythen werden aufgegriffen wie zufällige Begegnungen auf einem Road-Trip, aber sie wirken ohne eine spürbare Verbindung zum heutigen Amerika. Eine philosophische oder gar psychologische Dimensionen kann ich nur in sehr kleinen Ansätzen entdecken. Ehrlich gesagt halte ich das ganz für eine stimulierende Inszenierung, die natürlich ähnlich wie bei der Serie großartig umgesetzt ist, einen aber, inhaltsleer wie sie ist, total unbefriedigt zurücklässt. Ein cooler Trickbetrug – Odins Spiel.

    Meine Neil Gaimann Lese-Ära ist nach American Gods und Der Ocean am Ende der Straße für längere Zeit beendet. Ich wollte ihn gelesen haben und das ist nun geschehen.

    Und Du? Hat es dich eher angeregt oder abschreckt?

  2. Cover des Buches In einer kleinen Stadt (Needful Things) (ISBN: 9783453433991)
    Stephen King

    In einer kleinen Stadt (Needful Things)

     (597)
    Aktuelle Rezension von: carolin-jethon

    Diese Hammerstory mit so vielen und toll ausgearbeiteten Figuren, dass ich fast selbst das Gefühl hatte, in Castle Rock zu sein, plus das geniale Ende plus all die tollen Anspielungen auf die anderen King-Geschichten insbesondere auf "Cujo" machen "In einer kleinen Stadt" zu einem Erlebnis der besonderen Art. Es gehört definitiv mit zu Stephys besten Büchern und mit Leland Gaunt bleibt einer der besten Bösewichte aller Zeiten in Erinnerung!

  3. Cover des Buches Die Magie der kleinen Dinge (ISBN: 9783734103070)
    Jessie Burton

    Die Magie der kleinen Dinge

     (143)
    Aktuelle Rezension von: schokoloko29

    Nella wird an Johannes Brand, ein reichen Kaufmann in Amsterdam, verheiratet. Der Empfang in ihr neues zuhause ist alles andere als warmherzig. Seine kalte, unnahbare Schwester Malin ist in Wirklichkeit die Leiterin des Haushaltes. Und der Ehemann versucht sich Nella zu entziehen. Alles ist mehr Schein als Sein. Nella fühlt sich einsam und verloren. Dann schenkt ihr Mann als Hochzeitsgeschenk ihr ein Puppenhaus. Dieses darf sie selbst einrichten. Im Laufe der Zeit geschehen seltsame Dinge in Verbindung mit dem Puppenhaus. Als ob der Mensch, der die kleinen Nachbildungen hergestellt hat, geheime Geschehnisse vom Haushalt Brandt weiß. Nach und nach ist Nella mehr in der Lage hinter die Fassade von diesem Haushalt zu blicken. Nach dem Motto es ist nicht alles Gold was glänzt.

    Eigene Meinung:

    Vom Buch war ich zuerst sehr begeistert. Die Autorin versteht Stimmungen und Atmosphäre herzustellen. Als Leser ist man sofort drin in der dunklen, düsteren Atmosphäre, wo jeder seine Geheimnisse hat. Alle sind irgendwie verdächtig nur Nella als naive Protagonistin, die tat mir als Leser leid. Doch nach und nach wird das Buch immer zäher und langatmiger. Ich hatte teilweise das Gefühl, als wenn die Handlung einfach stehen blieb. Es gab immer wieder Wiederholungen. Szenen, bei denen die Handlung nicht voran ging und ich am Ende kein Interesse mehr verspürt hatte, das Ende zu lesen. Wirklich schade, denn die Autorin hat Potential und die Geschichte auch!

  4. Cover des Buches Der große Gatsby (ISBN: 9783311220008)
    F. Scott Fitzgerald

    Der große Gatsby

     (1.052)
    Aktuelle Rezension von: Blintschik

    Alle kennen die großen Partys des großen Gatsbys. Die Leute kommen von überall her und nehmen sogar uneingeladen an den berühmten Feiern teil, aber keiner kennt den Gastgeber Gataby wirklich. Deswegen ranken sich viele Gerüchte um ihn. Als Nick sein neuer Nachbar wird, lernt er ihn auf eine ganz andere Weise kennen und merkt, dass hinter dem bekannten Mann ein ganz anderer steckt.


    Dieses Buch ist einfach großartig. Allein wie es schon anfängt und man in diese lebendige und doch nachdenkliche Stimmung hineingezogen wird. Ich konnte mir richtig gut vorstellen, wie Nick, der Protagonist, die Geschichte erzählt. Dabei lernt man die Personen immer besser kennen und sieht die Schichten ihrer Persönlichkeit tiefer werden und die komplexen Beziehungen untereinander bringen einen zum Nachdenken. Die Geschichte wirkt ziemlich einfach und simpel und doch schwingen so viele Themen des Lebens mit, die der Autor tragisch und auch zynisch beschreibt.

    Ich für meinen Teil liebe dieses Buch und da es so schnell durchgelesen ist, kann man es immer wieder lesen und stößt dabei immer auf neue Details. Außerdem hat es einen einfachen und schönen Schreibstil, sodass man perfekt für ein paar Stunden in der Geschichte abtauchen kann.

  5. Cover des Buches Agnes Grey (ISBN: 9783423143561)
    Anne Brontë

    Agnes Grey

     (120)
    Aktuelle Rezension von: Mrshll_B
    Angefangen mit Jane Eyre und danach folgte Agnes Grey. Agnes Grey ist ein ruhiger und nachdenklicher Roman, der nicht mal so lang und kompliziert geschrieben ist, sodass ich -mit meinen 14 Jahren- ihn auch leicht verständlich lesen kann. Die Geschichte ist sehr schön und der Charakter passt. Als nächstes folgt für mich dann Sturmhöhe.
  6. Cover des Buches Buddenbrooks (ISBN: 9783596521487)
    Thomas Mann

    Buddenbrooks

     (2.362)
    Aktuelle Rezension von: AnnikaKemmeter

    Ein großes Stück Weltliteratur. Die Erzählweise ist erstklassig. Die Charaktere nur im Außenblick stereotyp, entfalten ihre Facetten, sobald sich der Autor ihnen zuwendet. Leider hat es auch seine Längen, vielleicht besonders für den heutigen Leser. Aber die Botschaft kommt auf leisen Sohlen und unaufdringlich erst ganz am Ende. Warum geht diese Familie unter? Für mich führt der falschverstandene Stolz und der selbsterzeugte Druck zu den entscheidenden Fehlentscheidungen.

  7. Cover des Buches Das Kindermädchen (ISBN: 9783442475452)
    Elisabeth Herrmann

    Das Kindermädchen

     (166)
    Aktuelle Rezension von: Lillianne

    Zum Buch :: Rückentext

    Joachim Vernau ist ganz oben in der Berliner Gesellschaft angekommen. Er steht kurz davor, in die wohlhabende und einflussreiche Familie der von Zernikow einzuheiraten, nicht ahnend, dass ihre Ehrbarkeit nicht viel mehr als Fassade ist. Als eine ukrainische  Frau auftaucht und behauptet, die von Zernikows haben im Zweiten Weltkrieg eine Zwangsarbeiterin beschäfigt, lässt das Fmilienoberhaupt sie kurzerhand rauswerfen - nur wenig später wird sie tot aus dem Landwehrkanal gefischt. Vernau beginnt, unangenehme Fragen  zu stellen und kommt nicht nur der Identität der Frau, sondern auch dem lukrativen Geschäft mit enteigneter Kunst auf die Spur. ... 

    Mein Kommentar:

    Wow, das war ein Krimi! Zum Schluss ging es dann doch noch etwas hektisch zu, so als ob die Autorin auf die Seitenzahl achtete. Viele Themen wurden aufgegriffen wie die verschleppten Ukrainerinnen, die in Deutschland als Zwangsarbeiterinnen ausgebeutet wurden und auch als Kindermädchen bei hochrangigen Nationalsozialisten arbeiten mussten sowie  von beschlagnahmten Kunstwerken oder auch Restitutionsansprüche der Jewish Claim. 

    »Mach' die Welt, wie sie dir gefällt« - so scheint  sich die Freifrau über die Jahrzehnte ihr Leben schöngeredet und das verdrängt hat, das ihren Sohn prägte: [S. 382] »Utz schwieg. Ich hoffte, dass er eines Tages Mitleid empfinden konnte mit dem verführten und manipulierten Kind, das er gewesen war. So vieles   war verborgen unter dicken Schichten des Schweigens. Er hatte gelebt und geliebt, aber immer mit halber Kraft, gebremst von etwas Unausgesprochenem, das ihn ungewollt zum Täter gemacht hatte. Die bitterste Erkenntnis aber kam jetzt erst hinzu: Das Gefühl,  auch eines der Opfer zu sein.«

    Ein paar Kleinigkeiten möchte ich allerdings doch erwähnen, weil sie einige Erinnerungen zurücklassen:
    [S. 18] Die Freifrau entfernt als einzige Reaktion auf Musik, die sich nicht hören wollte, ihr Hörgerät. Ich habe mich auf einer Zugfahrt auch dieser Taktik bedient.
    [S. 133] Im Halbschlaf hörte ich, wie irgendwo ein Hund bellte. Ein Auto angelassen wurde. Ein Feuerzeug klickte, und das Licht biss sich sekundenlang hinter meine geschlossenen Lider. <i>Ein Hinweis auf eine Zitatesammlung zu diesem Thema.</i>
    Und dann nach langen Abschnitten, in denen wir Sigruns Wahlkampf mit verfolgen, dann auf
    [S. 224] Die Umfragewerte sind katastrophal. Wir haben auch Wahlen im September 2021, der Wahlkampf hat angefangen, die Plakate hängen an den Masten. Der Spruch passt heute auch auf einige Parteien.
    [S. 384] Ich starrte auf den Kachelofen, eine wunderschöne Jugendstilarbeit aus Velten. Auf Pferdewagen nach Berlin gebracht, als der Bauboom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts dem kleinen Ort hinter der nördlichen Stadtgrenze eine kurze Blütezeit bescherte. Velten und das Kachelofenmuseum wird eines meiner nächsten Ausflugsziele sein.

    Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Bände. Offensichtlich ist der Autorin die Verknüpfung geschichtlicher Fakten, eingebettet in einen Fall, mit dem Rechtsanwalt Joachim Vernau befasst ist, wichtig. Auch für mich hochspannend zu lesen.

  8. Cover des Buches Radetzkymarsch (ISBN: 9783866478664)
    Joseph Roth

    Radetzkymarsch

     (124)
    Aktuelle Rezension von: happyoldendays

    Joseph Roths Roman „Radetzkymarsch“  ist eine langsam voranschreitende Erzählung, die voll ist von evokativen Bildern und Szenen, ihre wirkliche Stärke aber in der tragischen Verknüpfung dreier Generationen einer Familie offenbart.

    Die Tatsache, dass der Roman den Aufstieg und Niedergang der Familie Trotta vor dem Hintergrund des kollabierenden Habsburger Staatenverbandes behandelt, könnte den Eindruck erwecken, dass es sich um eine ereignisreiche, auf Handlung basierende Geschichte handelt, aber dem ist nicht so. Viel eher steht die innere Gefühlswelt der Protagonisten im Vordergrund, vom Autor durch feine Allegorien evoziert.

    Einige Passagen empfand ich beim Lesen als etwas langatmig. Ebenso erschloss sich mir der Zusammenhang  zwischen mancher detailreich ausgestalteten  Episode und der Gesamthandlung nicht, aber vieles offenbarte seinen tieferen Sinn schließlich gegen Ende des Buches.

    Zeitlich gesehen umfasst der Plot das Leben von Großvater-Vater-Enkel, es werden aber nicht alle Lebensstationen auserzählt. Der Fokus des Autors liegt vielmehr auf Einzelereignissen und wie sie von den Protagonisten erlebt werden, bzw. wie sie sich auf die nachfolgende Generation auswirken. So steht zu Anfang etwa die Heldentat des Großvaters Joseph Trotta, der dem Kaiser auf dem Schlachtfeld das Leben rettet. Durch diese impulsive Handlung werden die Trottas in eine höhere soziale Ebene gehoben und auf immer mit dem Kaiser und der Monarchie verbunden: Die ehemals slowenischen Bauern werden nun Berufsoffiziere und Beamte im Dienste der Habsburger. Damit einher geht die (teilweise unreflektierte) Identifikation mit dem militärischen Ehren- und Verhaltenskodex des ausgehenden 19. Jahrhunderts, welche dem Enkel schließlich zum Verhängnis werden wird.

    Das Leben des jüngsten von Trotta – Carl Joseph – nimmt den meisten Raum in der Erzählung ein. Er gerät mit dem schweren Familienerbe in Konflikt. Den „Helden von Solferino“, seinen Großvater, kennt er nur durch Erzählungen. Gleichzeitig aber hängt sein Ruhm über ihm wie ein Damoklesschwert, denn nur durch seinen guten Ruf, konnte der Enkel im Militär reüssieren. Frustriert über das eigene Versagen bei gleichzeitigem allerhöchsten Anspruch an sich selbst, verfällt Carl Joseph dem Alkohol und der Spielsucht.

    Was mir am „Radetzkymarsch“ besonders gut gefallen hat, sind die bildhaften Symbole, die Joseph Roth schafft, um einerseits Kontinuität, gleichzeitig aber auch die Veränderlichkeit der Dinge zu illustrieren. So etwa die mangelnde Fähigkeit der von Trottas miteinander zu kommunizieren und ihre Gefühle zu artikulieren. Dieses Handicap wird durch die Generationen weitergegeben und steht als großes Hindernis zwischen den Männern. Beinahe schmerzerfüllt folgt der Leser den Gesprächen zwischen Vater und Sohn, bei denen das Wesentliche aber stets unausgesprochen bleibt. Auf ähnliche Weise tritt Kaiser Franz Joseph immer wieder ins Leben der Familie. Einerseits verhilft er ihnen zu Status, andererseits führt die Pflichterfüllung in seinem Namen auch zu deren Untergang. Als alten, gebrechlichen  Mann lernt der letzte von Trotta den Kaiser kennen.  („Ein Greis dem Tode geweiht, von jedem Schnupfen gefährdet, hält den alten Thron, einfach durch das Wunder, dass er auf ihm noch sitzen kann.“) Historisch bahnt sich der Niedergang des Habsburgischen Reiches und politische Reform an; sinnbildhaft steht somit der überalterte, vergessliche Kaiser für die Degeneration der k.u.k. Monarchie. Es sind eben diese eleganten, bildhaften Verquickungen, die mich absolut begeistert haben. Noch Tage nach der Lektüre fallen mir Roths brillante Allegorien auf.

    Fazit: „Radetzkymarsch“ ist mehr als nur ein Historischer Roman, sondern ein gefühlvolles Porträt einer im Niedergang befindlichen Familie, die der eigenen Vergangenheit und den politischen Umständen erliegt.  

  9. Cover des Buches Madame Bovary (ISBN: 9783150206454)
    Gustave Flaubert

    Madame Bovary

     (588)
    Aktuelle Rezension von: Blintschik

    Der Schreibstil ist für einen Klassiker einfach zu lesen, sodass man sich schnell in die Geschichte einfinden kann. Und auch so ist die Handlung nicht schwer zu verstehen. Dennoch muss ich zugeben, dass der Autor dazu neigt abzuschweifen oder einzelne Momente unnötig in die Länge zu ziehen, was das Buch etwas verlängert, obwohl die eigentliche Geschichte ziemlich schnell erzählt wäre. Hierbei geht es letztlich um eine Frau, die vor Langeweile depressiv wird und dann nicht treu bleiben kann. Ehrlich gesagt fand ich, was das angeht, die Protagonistin ziemlich unsympathisch. Sie ist naiv, egoistisch und benimmt sich wie ein dummes Kind und oft musste ich einfach den Kopf über sie schütteln.

    Letztlich habe ich das Buch dennoch bis zum Ende gelesen, weil die steigende Spannung doch interessant war. Irgendwo ist es auch interessant zu sehen, wie das Leben der Frauen damals war. Trotzdem finde ich die Reaktion der Protagonistin überdramatisch und konnte ihr Verhalten deswegen nicht nachvollziehen. Für Leser, die gerne Klassiker lesen würde ich das Buch aber trotzdem empfehlen, da es gut zu lesen ist.

  10. Cover des Buches Die Topeka Schule (ISBN: 9783518471814)
    Ben Lerner

    Die Topeka Schule

     (64)
    Aktuelle Rezension von: wortzauber

    Ganz große Belletristik!


    Ben Lerner erzählt eine Familiengeschichte und malt mit ihr ein Sittengemälde der USA der 90er. Der Blickwinkel liegt auf Adam, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Aber auch auf der seiner beiden Eltern. Adam Gordon besucht die Highschool in den USA. Er ist Sohn eines Psychologenpaars. Seine große Leidenschaft ist das Debattieren und die Lyrik. Ihn zieht dir die Aufgabe an, möglichst viele Argumente sprachen kompakt in der möglichst kürzesten Zeit im Rahmen der Highschool Debatte vorzutragen. Die Geschichte setzt sich aus einer Aneinanderreihung von Perspektivwechseln geprägten Bruchstücke, die als Gleichung für die Sprache stehen.


    Sprachlich eine Meisterleistung. Ein forderndes aber auch sehr belohnendes Buch. Die Übersetzung aus dem englischen ist äußerst gelungen.

  11. Cover des Buches Bel Ami (ISBN: 9783958701595)
    Guy de Maupassant

    Bel Ami

     (78)
    Aktuelle Rezension von: divergent

    --- Der Inhalt ---

    Als abgehalfterter Veteran aus dem Algerien-Krieg kehrt der ungebildete Georges Duroy 1890 völlig mittellos nach Paris zurück. Zum Glück trifft er dort auf seinen alten Mitstreiter Charles Forestier, der mittlerweile als Verleger nicht nur zu Geld, sondern auch zu politischem Einfluss gekommen ist. Er führt ihn auch in seine Familie ein, in der Forestiers attraktive Frau Madeleine sogleich Duroys politisches Potential erkennt. Doch Georges Duroy ist kein Autor, seine Stärke besteht in der Kunst der Verführung. Auf seinem Weg zu Reichtum und Macht, nimmt er keinerlei Rücksicht – auch nicht vor den Frauen seiner Freunde.


    --- Meinung ---

    Ich habe das Buch vor Jahren mit großer Begeisterung gelesen. DIe Geschichte ist recht interessant und ich war auch gespannt, was man noch so für Geschichten mit "Bel Ami" erlebt. Das er ja wirklich mit jeder Frau, die auch nur erwähnt wird im Bett landet ist für mich nicht so verwunderlich, da er ein Charmeur ist, wie er nur im Buche steht.

    Guy de Maupassant hat mit "Bel Ami" einen Klassiker der französischen Literatur geschaffen! Mehr Menschen sollten dieses Buch lesen!

  12. Cover des Buches Ich kaufe New York (ISBN: B002AFLTXK)
    Frank Yerby

    Ich kaufe New York

     (5)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Westend (ISBN: 9783499000157)
    Martin Mosebach

    Westend

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Giselle74
    Dieser 1992 erstmals erschienene Roman ist schlicht ein großartiges Stück deutscher Literatur in Tradition von Manns "Buddenbrooks". Über drei Generationen hinweg verfolgt Martin Mosebach das Leben zweier Familien im Frankfurter Westend in der Nachkriegszeit.
    Alfred Labonté wächst nach dem Tod seiner Mutter und dem Verschwinden seines Vaters bei seinen Großtanten auf. Die Familie zehrt noch vom Ansehen seines Urgroßvaters, der einen allseits bekannten Kolonialwarenladen führte.
    Lily Has dagegen ist die Tochter eines Kunstsammlers und gezwungenermaßen Nutznießers des Familienvermögens, welches seine Mutter in einer Haus- und Grundstücksverwaltung festlegen liess.
    Zwei Familien, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: die Schwestern Labonté, die Wert legen auf Anstand, Manieren und Traditionen, die einen Haushalt führen, in dem nahezu alle Handlungen vorherbestimmt sind und immer noch den Regeln ihres Vaters folgen, stehen im Grunde für das Leben vor dem Krieg. Lilys Vater Eduard dagegen stammt zwar auch aus einer traditionsreichen Familie, wurde aber von seiner Mutter von den Geschäften ferngehalten und hat nun einen Vorstandsposten in der "Verwaltung", deren wahre Leitung jedoch in den Händen seines Vetters Fred Olenschläger nebst Sekretärin liegt. In dem Versuch, sich freizuschwimmen, beginnt Eduard moderne Kunst zu sammeln und wendet sich überhaupt von allen Familientraditionen ab.
    Diese Zusammenfassung ist allerdings nur grob und wird der Vielschichtigkeit des Romans keineswegs gerecht. Denn Mosebach erzählt nicht nur eine Familiengeschichte, nein, er betrachtet aus dem Kleinen das Große, schafft ein Panorama der deutschen Nachkriegszeit aus den Menschenschicksalen, den Veränderungen im Viertel, in der Stadt, in der Welt. Die Zeiten ändern sich, ein Menschenschlag stirbt aus, ein anderer entsteht, Häuser werden abgerissen, eine neue Architektur wird umgesetzt, Beton ist nun á la mode.
    Als Kind hatte ich ein Bilderbuch über einen Bauernhof im Wandel der Zeiten. Und ein wenig habe ich mich daran erinnert gefühlt bei der Lektüre. Jede Seite zeigte eine weitere Modernisierung. Die Nachkriegszeit brachte ähnlich rasante Änderungen und nicht alle Menschen konnten ebenso rasant umdenken.
    Martin Mosebachs Charakterzeichnungen sind grandios: vom Hausmeister mit obligatorischem Schäferhund über den nur äußerlich weltmännischen Architekten bis zur Geliebten Has' mit dem goldenen Haarkranz, alle sind einerseits Individuen mit persönlichen Neigungen und andererseits Stellvertreter ihrer Art.
    Hinzu kommen die elegante Sprache, der feine Humor und die Tatsache, dass der Roman trotz seiner fast 900 Seiten keine Sekunde langatmig ist, sondern durchgängig auf seinem hohen Niveau bleibt, mit einem Erzählfluss, wie man ihn nur ganz selten noch erleben darf. Ein sprachliches und erzählerisches Meisterwerk mit einer beeindruckenden stofflichen Dichte!
    Wer sich für dieses Kapitel deutscher Geschichte interessiert, abseits von Petticoat und Italiensehnsucht, dafür detailgenau und tiefgehend, der zumindest einen Blick werfen in dieses Buch, dass mir durchgehende Lesefreude bereitet hat.
  14. Cover des Buches Neue Kultur der Vernunft: Impulse für ehrliche Politik, sachgerechte Meinungsbildung und eine hohe Ethik des Zusammenlebens (ISBN: 9783847672760)
  15. Cover des Buches Das Bildnis des Dorian Gray (ISBN: 9783958703872)
    Oscar Wilde

    Das Bildnis des Dorian Gray

     (1.871)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Meine Erwartungen für das Buch waren enorm. Ein Klassiker mit einer Idee, die von vielen Autoren beneidet wird. Es ist eines der Bücher, die man einmal im Leben gelesen haben muss, das in meiner Liste ganz oben stand, doppeltgestrichen und mit sechszehn Rufzeichen. Ich wurde enttäuscht. Nicht nur das, es kam mir so vor, als würde der Autor seine großartige Idee und einen tollen Anfang vergeuden.

    Stellenweise ist das Buch langatmig. Die Dialoge ziehen sich dahin, mittendrinn erzählt der Autor über das Sammler-Hobby von Dorian Gray, schildert von all seinen Errungenschaften, deren Schönheit zwar in der Beschreibung liegt, aber deutlich schnell ihre Faszination verliert. Meistens spielt die Geschichte bei einer Teeparty ab, in der die Figuren herumschwaffeln.

    Der Anfang war wirklich gut. Das war alles so interessant, die Dialoge funktionierten, Dorians Liebe für die Schauspielerin hat mich begeistert. Ich war verliebt in die Figuren, verliebt in jede einzelne davon. Dann kam dieser Zeitsprung, der die Geschichte vorangetrieben hat, damit die anderen alle älter werden und Dorian selbst so frisch und jung blieb, wie in den ersten Zeilen. Ab da verlor das Buch für mich seinen Reiz. Die liebevollen Schilderungen eines naiven Kindes wurden mit dem Alltag ersetz, das bloß aus Geheimnissen zu bestehen schien und natürlich mit endlosen Dialogen, die die Handlung so weit in den Hintergrund drückten, dass ich die Figuren aus den Augen verlor.

    Das Ende war vorhersehbar. Ich habe mir da so viel mehr gehofft, dass sich die Idee richtig entfaltet und Dorians Geheimnis über die anderen Figuren sich ergoss, um auch sie in den Abgrund zu treiben. Das kam nur bei einer Figur vor, während alle anderen verschont blieben. Für mich fühlte es sich so an, als würde dadurch der Autor seine großartige Idee vergeuden.

    Es sind schöne Sätze drinnen. Dorians Liebe für die Schauspielerin besaß eine starke Ästhetik, dass ich die kleine Dame vor Augen hatte, wie sie in die unterschiedlichen Rollen schlüpfte und jedes Mal als eine liebreizende Frau wieder heraustrat. Ich fand das wunderbar. Doch ansonsten hat mich das Buch leider enttäuscht.

  16. Cover des Buches Sapphira und das Sklavenmädchen (ISBN: 9783442743049)
    Willa Cather

    Sapphira und das Sklavenmädchen

     (6)
    Aktuelle Rezension von: WildRose
    Das Buch "Sapphira und das Sklavenmädchen" fand ich sehr interessant und die Landschaftsbeschreibungen waren wirklich schön und detailliert. Doch mir haben Spannung und emotionale Tiefe gelegentlich gefehlt. Daher vergebe ich 3 Sterne.
  17. Cover des Buches Mehr als Geld und Gier (ISBN: 9783898799959)
    André Kostolany

    Mehr als Geld und Gier

     (2)
    Aktuelle Rezension von: h3nn1ng

    Kostolany ist beste Unterhaltung. Auch wenn wir in „Mehr als Geld und Gier“ keine Aktientipps bekommen, werden wir viel über Menschen und Märkte lernen.

    http://wirtschaftsbuch.net/kostolany-mehr-als-geld-und-gier/
  18. Cover des Buches Die Geschichte der Wapshots (ISBN: 9783453405776)
    John Cheever

    Die Geschichte der Wapshots

     (21)
    Aktuelle Rezension von: Viv29
    Dieses Buch war ein erfreulicher Zufallfund. Versprochen wird die Geschichte einer amerikanischen Familie, was eigentlich auch stimmt, aber die Geschichte ist letztlich gar nicht relevant. Die Wapshots sind eine recht wenig bemerkenswerte Familie. Der Vater ein wenig skurril, die Großtante ausgesprochen skurril, eigentlich schon exzentrisch, aber ansonsten sind keine Persönlichkeiten unter ihnen, über die man ein Buch schreiben würde. Sie tun auch nichts Außergewöhnliches, sind nicht in historische Entwicklungen verstrickt, durchleben keine dramatischen Liebesqualen, sondern leben einfach nur ihr recht durchschnittliches Leben.

    Was also macht dieses Buch dann so ungemein lesenswert? Er ist Cheevers herrlich trockener Stil. Lakonisch erzählt er seine Geschichte, kommt fast ohne Dialoge aus. So wie man es liest, würde es einem vielleicht auch ein Bekannter bei einem Drink erzählen. Der Humor des Autors blitzt immer wieder durch, sei es in herrlichen Formulierungen, in den liebevoll ausgearbeiteten exzentrischen Charakteren oder skurrilen kleinen Episoden, mit denen er das Geschehen anreichert. Hier und da wurde es mir ein wenig zu skurril, aber das ist Geschmackssache und im Allgemeinen fand ich die Einfälle einfach herrlich. Man merkt dies sofort auf den ersten Seiten, wenn Cheevers eine unaufgeregte Beschreibung des im Niedergange begriffenen Ostküstenstädtchens St. Botolphs und seiner Bewohner gibt. Manche von den dort Beschriebenen kommen nie wieder vor, die meisten nur noch mal in einer Seitenbemerkung und trotzdem sind sie so lebensnah und farbig beschrieben, daß der Leser ganz begeistert ist. Das Episodenhafte ist eine weitere Ungewöhnlichkeit des Romans. Die Wapshotsöhne Moses und Coverly sind die einzigen, die uns die ganze Zeit begleiten, ihr Vater Leander kommt immer wieder vor, während die Mutter zu Anfang sehr präsent ist und dann immer weiter zurücktritt. Andere Charaktere und Vorgänge werden uns mit der o.g. farbigen Detailfreude beschrieben und verschwinden dann sang- und klanglos, wenn ihre Episode beendet ist. Dies würde nicht jedem Autor gelingen, aber Cheevers schafft es hervorragend, daß man sich einfach treiben läßt und sich auch irgendwann gar nicht mehr fragt, wo es denn nun eigentlich hingehen soll. Hier ist die Reise das Ziel und der Leseprozeß ist ein wenig wie eine Ostereiersuche - man weiß nicht, wo das nächste Osternest genau steckt und was enthalten ist, aber man weiß, es wird einem munden.

    Ich habe mich sehr gerne auf diese Reise begeben und mich von Cheevers und seinem wundervollen Schreibstil führen lassen. Die Belohnung war ein erfreuliches Lesevergnügen der etwas ungewöhnlicheren Art.
  19. Cover des Buches Josefine Mutzenbacher und ihre 365 Liebhaber (ISBN: 9783836110396)
    Josefine Mutzenbacher

    Josefine Mutzenbacher und ihre 365 Liebhaber

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Bastelfee
    Auch in diesem Buch gibt es genügend Passagen, die ein gewisses Maß an Lust erzeugen und auch die kesse Redensweise von Josephine Mutzenbacher lässt einen das ein oder andere Mal schmunzeln. Für all diejenigen, die ihre Freude an dem Vorgänger hatten, und mehr von dem Leben der Mutzenbacher erfahren möchten, kann ich eine Leseempfehlung aussprechen.
  20. Cover des Buches Würde (ISBN: 9783442743926)
    Andrew Brown

    Würde

     (13)
    Aktuelle Rezension von: Angel10
    Der Roman spielt in Kapstadt, Südafrika.
    Richard Calloway, Anwalt, befindet sich in ener persönlichen Krise. Sein Job, seine Familie, die Dinnerpartys seiner Frau langweilen ihn.
    Sein Klient Svritsky, ein Russe, überfährt einen farbigen Jungen und begeht Fahrerflucht. Richard bekommt ihn gegen Kaution frei, obwohl es Zeugen für den Unfall gibt, die die Polizei aber noch nicht gefunden hat.
    Svritsky empfiehlt ihm zur Entspannung eine Massage. Da lernt er Abayomi kennen, eine junge Frau, die mit ihrem Mann Ifasen und ihrem kleinen Sohn aus Nigeria vor politischer Verfolgung geflohen ist und in Kapsatadt ums nackte Überleben kämpft.  Ifasen, ausgebildeter Lehrer, verkauft Plastikmobiles und Abayoumi, auch gebildet, verdient ihr Geld mit erotischen Massagen.

    Der Leser erfährt einiges über den Bürgerkrieg und die bittere Armut in Nigeria, ebenso kommen Korruption und das organisierte Verbrechen in Südafrika zur Sprache

    Ifasen wird eines Tages grundlos, angeblich wegen Drogenbesitztes, verhaftet. Die unmenschlichen Bedingungen in südafrikanischen Gefängnissen werden geschildert.

    Richard, verliebt in Abayoumi, hilft Ifasen aus dem Gefängnis zu bekommen. Er weiß allerdings nicht, dass es ihr Mann ist.

    Auf den letzten Seiten kommt es zu einer Katastrophe und der Leser erfährt, wer hinter allem steckt.

    Meiner Meinung nach ist "Würde" ein sehr eindringliches Buch, was sicher nicht den Massengeschmack trifft.
    Einen Stern Abzug gibt es für die ausschweifende Beschreibung der Midlife crises, was beinahe dazu geführt hätte, das Buch ungelesen zur Seite zu legen.
  21. Cover des Buches Der letzte Mad Man (ISBN: 9783833307690)
    Jerry della Femina

    Der letzte Mad Man

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Della Femina ist ein Insider der Werbebranche und berät die Serie "Mad men", die von einer Werbeagentur in den 60ern berichtet und wie sich damals die USA und die Wirtschaft verändert haben. Im Vergleich zu der Beschreibung auf der Rückseite des Buches wird viel über die Arbeit in Werbeagenturen, den Umgang mit Großkunden und dem ständigen Auf-dem-Sprung-sein zu einer anderen Agentur berichtet, aber immer interessant und ironisch gebrochen. Ein leicht verdaulicher Schmöker.
  22. Cover des Buches Stiefels Stein (ISBN: 9783842511200)
    Gerd Stiefel

    Stiefels Stein

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  23. Cover des Buches Der Hirschpark (ISBN: 9783811821910)
    Norman Mailer

    Der Hirschpark

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Mailer rechnet gnadenlos mit Hollywood und seinem Starsystem ab, und allzuviel hat sich seit den 50er Jahren nicht verändert. Gleich zu Beginn heißt es, es sei das Schwerste, zwei gleichrangige Menschen zu finden, die einfach nur miteinander befreundet sein wollten, weil alle bedeutenden Menschen permanent mit einer Wolke von Speichelleckern umgeben seine. Mailer berichtet aus dem Hollywood-Ferienort Desert d`Or in der kalifornischen Wüste, in der sich die Filmprominenz zum Urlaub vom Filmdreh einfindet. Jeder ist dreimal geschieden, wenn irgendwo eine Kamera auftaucht, verändert sich jeder total, und die Besäufnisse finden rund um die Uhr statt. Und was man vom McCarthy-Ausschuß zu halten hat, bekommt man gleich zu Anfang mit. Ein tolles Buch, es wäre mal wieder Zeit für eine Neuauflage.
  24. Cover des Buches De spectaculis /Über die Spiele (ISBN: 9783150084779)
    Tertullian

    De spectaculis /Über die Spiele

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden

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