Bücher mit dem Tag "sittengemälde"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "sittengemälde" gekennzeichnet haben.

56 Bücher

  1. Cover des Buches Stolz und Vorurteil (ISBN: 9783596907205)
    Jane Austen

    Stolz und Vorurteil

     (4.081)
    Aktuelle Rezension von: pinkdinoprincess

    Inhalt: Elizabeth Bennet wohnt mit ihren Eltern und ihren vier Schwestern in ländlicher Nachbarschaft. Als ein junger Gentleman mit Namen Bingley ein Anwesen in ebendieser Nachbarschaft mietet, ist schnell klar: Eine der Bennet-Schwestern soll ihn heiraten. Doch Bingley kommt nicht allein, ist doch der noch vornehmere Mr. Darcy sein ständiger Begleiter. Doch Mr. Darcy ist stolz und sucht nicht die Nähe auch nur einer seiner neuen Nachbarn und Nachbarinnen. Besonders Elizabeth entwickelt eine Abneigung gegen den voreingenommen Edelmann, die von den Erzählungen des Soldaten Wickhams nur bestärkt wird. Doch wer spricht die Wahrheit? 

    Fazit: Ich habe "Stolz und Vorurteil" nun bereits zum dritten Mal gelesen. Ich muss zugeben, dass die Ausgabe, die ich diesmal las, eine weniger angenehme Übersetzung beinhaltete als meine favorisierte Ausgabe. Die Geschichte hat dennoch einen ungebrochenen Zauber für mich. Mr. Darcy ist eine vielschichtige Persönlichkeit, dessen Schüchternheit und soziale Scheu nur noch mehr für ihn sprechen. Ebenso sind Elizabeths Offenheit und Neckereien echte Highlights. Mr. Bingleys Charakter kann ohnehin eigentlich nur geliebt werden. Ich möchte dieses Buch immer und immer wieder lesen! 

    Empfehlung: Ich würde es am liebsten jedem Menschen zum Lesen geben. ❤️

  2. Cover des Buches Die Farben des Feuers (ISBN: 9783608963380)
    Pierre Lemaitre

    Die Farben des Feuers

     (125)
    Aktuelle Rezension von: Tausendléxi

    1927, der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt soll zu Grabe getragen werden. Ein großes Staatsbegräbnis wurde anberaumt. Alles was Rang und Namen hat, ist zu Ehren des mächtigen Bankiers erschienen. Madeleine, seine Tochter, steht unvermittelt an der Spitze des Imperiums. Madeleine ist geschieden, ihr Ex-Mann verbüßt noch eine Haftstrafe, und Mutter des siebenjährigen Paul. Paul verunfallt am Tag des Begräbnisses seines geliebten Großvaters schwer. 

    Mit dem Tode von Marcel Péricourt verändern sich viele Leben. Madelaine sollte zwar die Geschäfte ihres Vaters weiterführen, doch ist sie nach dem Unfall ihres Sohnes ganz auf seine Gesundung bedacht und überlässt die Führung dem langjährigen Buchhalter Gustav Joubert. Der Privatlehrer von Paul, André Delcourt, beziehungsweise Liebhaber von Madelaine, wird nur noch geduldet. Doch er hat schon längst andere Pläne. Charles, der Bruder von Marcel, befindet sich in einer heiklen Lage, denn sein Bruder half ihm immer wieder großzügig mit Geld aus. Nun muss er sich anders behelfen. Er hat auch schon ein besonderes Vorhaben im Auge. 

    Um Paul macht sich Madelaine sehr große Sorgen, denn der Junge wirkt hochgradig depressiv. Erst als die junge, polnische Krankenschwester Vladi, sich seiner annimmt, scheint es mit Paul aufwärtszugehen. Vladi führt ihn ein in die Welt der Oper und Paul entdeckt seine hingebungsvolle Begeisterung für die Opern-Diva Solange Gallinato. Und gerade in dem Moment, an dem Madelaine wieder Hoffnung schöpfen könnte, wird sie Opfer eines gemeinen Komplotts. Sie verliert Hab und Gut. Die Vorboten des Zweiten Weltkrieges warten auf und Madelaine beginnt ihren ganz persönlichen Rachefeldzug.

    Mit einem rasanten Tempo überschlagen sich die Ereignisse in diesem Roman. Es ist faszinierend was sich Pierre Lemaitre so alles einfallen lässt, wie er die Fäden geheimnisvoll und ausgeklügelt zusammen fügt. Das ist Unterhaltung vom feinsten. Gehaltvoll wartet der Roman mit bitterbösen Intrigen und mannigfaltiger Spannung auf.Sehr große Leseempfehlung!

  3. Cover des Buches Gut Greifenau - Nachtfeuer (ISBN: 9783426521519)
    Hanna Caspian

    Gut Greifenau - Nachtfeuer

     (109)
    Aktuelle Rezension von: aly53

    Nachdem der erste Band der Gut Greifenau Saga schon so gut war, musste ich direkt weiterlesen. Und oh mein Gott, im zweiten Band geht es richtig ab. Dieser schlägt den ersten Band, in meinen Augen um Längen.


    Der Schreibstil der Autorin ist ungeheuer mitreißend, einnehmend und einfach gnadenlos fesselnd. Ich konnte das Buch nicht einen Moment zur Seite legen, weil so unglaublich viel passiert ist.

    Die Charaktere bekommen hier noch mehr Tiefe und Präsenz.

    Sie sind authentisch, greifbar und so lebendig.

    Wobei mir tatsächlich die Nebencharaktere noch besser gefallen, als die Grafensprösslinge. Vielleicht weil es Schicksale sind, die so unglaublich nahe gehen.

    Weil sie geprägt von Trauer, Leid und großer Tragik sind und trotz der Hilflosigkeit, hat man das Gefühl, die Hoffnung nie ganz zu verlieren.

    Mein ganz besonderer Liebling ist Albert. Seine Geschichte erhält wahnsinnig viel Tiefe und Intensität. Was mir einfach so unfassbar gut gefällt.

    Das heißt aber nicht ,dass die Grafensprösslinge weniger Kämpfe ausfechten. Jeder hat sein Päckchen zu schultern, was definitiv auch mit an der Zeit liegt, in der die Geschichte spielt.

    Diesmal im Zeitraum von 1914 – 1917.

    Ein leidgeprüftes und schwieriges Jahr, an dem jeder zu knabbern hat.

    Aber es liegt nicht nur am Krieg, der alles verändert.


    Es gibt Träume, Wünsche und Hoffnungen.

    Und immer mehr hat man das Gefühl, es löse sich alles auf.

    Arm oder reich. Es spielt keine Rolle.

    Jeder kämpft ums Überleben.

    Man taucht in tiefe Krater der Abgründigkeit ein und wird immer wieder aufs neue schockiert.

    Machtmissbrauch, Gewalt und Entsagungen sind an der Tagesordnung.

    Dabei gab es eine Szene, die mich besonders tief getroffen hat und innerlich bluten ließ.

    Und dann sieht man nur, wie diese Ereignisse gelöst werden und es kanalisierte sich daraus, eine so immense Wut und Scham.

    Wie ist es möglich, dann noch das eigene Gesicht zu wahren?

    Wie kann man noch in den Spiegel schauen, ohne verschämt wegzuschauen, weil man den eigenen Anblick nicht erträgt?

    Ich bin einfach nur komplett schockiert.


    Man hat das Gefühl, dieser Band besteht nur aus Tragik, Verlusten und Schicksalsschlägen.

    Aber es ist nicht so, denn es gibt unglaublich viel Hoffnung und auch Glück.

    Hanna Caspian baut hier einige Twists ein, die mich definitiv überrascht haben.

    Manchmal positiv, manchmal weniger.

    Fakt ist, die Menschen machen ihre Erfahrungen, wachsen daran oder versuchen einfach nur zu überleben.

    Manchmal gepaart mit Egoismus, manchmal auch nur einfach mit Arroganz.

    Aber es gibt auch Mitgefühl ,Vertrauen und Loyalität. Ein so wichtiger Aspekt.


    Ganz besonders der zwischenmenschliche Aspekt wird hier so groß geschrieben. Verbunden mit psychologischen Feingefühl erhält es einfach so viel Tiefe, dass es mich einfach richtig beeindruckt hat.

    Die Kriegszeiten kann man nicht wegwischen, sie sind da und haben auch Einfluss auf die Handlung. Diesbezüglich wird man mit sehr viel Wissen und den Hintergründen konfrontiert. Was auch nicht spurlos an einem vorübergeht.

    Dabei geschehen Dinge, die man nicht gutheißt, aber sie sind da.

    Unauslöschlich ins Gehirn gebrannt.

    Sie lassen die Menschen zerbrechen, verändern sie und auch alles um sie herum.

    Die Ziele nehmen andere Richtungen ein, der Fokus verschiebt sich immer mehr und bei alledem muss man aufpassen, dass man sich selbst nicht verliert und das, woran man glaubt verrät.

    Das Ende hat mich besonders getroffen und sprachlos gemacht. Ein Riesen Cliffhanger tut sich auf und ich hänge nun völlig in der Luft.

    So unglaublich spannend, herzzerreißend und tragisch zugleich.

    Ich muss unbedingt wissen, wie es weitergeht.


    Fazit:

    Band 1 der Gut Greifenau Saga war ja schon richtig gut, aber in Band 2 geht es richtig zur Sache.

    Voller Dramatik, Tragik und Verzweiflung behaftet, versucht jeder zu überleben.

    Ein zweiter Band, der extrem nahe geht und so einige Themen ans Licht bringt ,die definitiv nicht ohne sind.

    Er ist düster, beklemmend und so eindringlich und intensiv.

    Trotz der Schwere und Ernsthaftigkeit, hat dieser Band großes Potenzial, zu meiner neuen Lieblingsreihe zu mutieren.

    Wer historische Familiensagen liebt, sollte diese unbedingt lesen.

    Herausragende Ausarbeitung mit viel Empathie und Ernsthaftigkeit, dabei liegt der Fokus auf den zwischenmenschlichen Aspekten, verbunden mit psychologischen Feingefühl.

    Ich bin absolut beeindruckt und begeistert.

  4. Cover des Buches Gute Geister (ISBN: 9783442714506)
    Kathryn Stockett

    Gute Geister

     (678)
    Aktuelle Rezension von: dominona

    Bücher begeistern mich immer dann, wenn ich die Figuren in meinem Kopf sprechen hören kann und das Bedürfnis habe, mit ihnen in Kontakt zu treten und meine Güte, was hat mich dieses Buch mitgenommen. 

    Es geht um Geschichten, die erzählt werden müssen, um Kommunikation zwischen Lebenswelten, die teils weit voneinander entfernt sind, aber eben oft auch nicht und um Grenzen im Kopf, die keine sein müssen. 

    Uneingeschränkte Leseempfehlung! 

  5. Cover des Buches Emma (ISBN: 9783959671156)
    Jane Austen

    Emma

     (1.101)
    Aktuelle Rezension von: lanasreadingpassion

    Das Buch war witzig und romantisch zugleich, wobei die Romanze nicht im Vordergrund stand, zumindest hat es sich nicht so angefühlt. Das Buch wurde zur Unterhaltung geschrieben, es ist nicht umsonst eine Komödie und ein Liebesroman zugleich. Emma ist eine tolle, willensstarke Protagonistin und ihre Entwicklung hat mir sehr gefallen. Mr. Knightley hat mir auch sofort gefallen und ich habe so lange darauf gewartet bis zwischen ihnen etwas passiert. Der Humor ist toll, zwar anders (für mich nicht immer sofort verständlich gewesen), denn das Buch wurde 1977 veröffentlicht. Der Schreibstil fiel mir anfangs etwas schwer, aber man gewöhnt sich daran und ich habe es trotzdem genossen.
    Ein schöner und witziger Liebesroman, der gut unterhält. Mir persönlich hat aber die Leidenschaft zwischen Emma und Mr. Knightley etwas gefehlt.

  6. Cover des Buches Fräulein Gold: Scheunenkinder (ISBN: 9783499004292)
    Anne Stern

    Fräulein Gold: Scheunenkinder

     (86)
    Aktuelle Rezension von: Annabelle_Frtz

    Berlin 1923: Ein Jahr ist vergangen, nachdem Hulda, die Hebamme vom Winterfeldtplatz, ihren ersten Ermittlungsanfall angetreten hat. Eines Tages verschwindet ein Neugeborenes, dem Hulda erst vor kurz auf die Welt geholfen hat, doch keinen scheint dies wirklich zu stören, außer Hulda, denn sie sieht, in welchem schlechten Zustand sich die Mutter des Kindes befindet. Gerade Huldas neue Bekanntschaft, der Rabhi der Familie, ist es, der ihr plötzlich zur Seite steht und mit ihr die Suche nach dem verschollenen Kind antritt. Dabei decken die zwei so einige dunkle Machenschaften auf...

    Obwohl man beide Teile sicherlich auch unabhängig voneinander lesen kann, da die Fälle um die es geht, in sich abgeschlossen sind, finde ich die Hintergrundgeschichte zu Hulda und ihren Verhältnissen doch auch sehr spannend. Ich mochte Huldas Entwicklung von Band 1 zu Band 2 unglaublich gern. Ich finde man konnte eine gewisse Sicherheit in ihrem Selbstvertrauen im zweiten Band spüren, die im ersten Teil noch nicht so gefestigt war. Hulda ist einfach durch und durch ein liebenswürdiger Charakter, der trotz alledem auch seine Schwächen aufweist und somit für die Leser*in unglaublich nahbar wirkt. Das Setting ist auch dieses Mal wieder grandios beschrieben. Ich habe die Beklemmung regelrecht gespürt, jedes Mal wenn Hulda im Scheunenviertel unterwegs war.

    Besonders gut gefallen mit auch die Unterhaltungen zwischen Hulda und Bert, in denen man mehr zu der aktuellen politische Situation der damaligen Zeit erfährt und es die Geschehnisse historisch in einen sehr spannenden Kontext setzt. Bert als Nebencharakter ist gerade in diesem Band sehr faszinierend und ich folge auch seiner Hintergrundgeschichte mit großem Interesse.

    FAZIT: Ich bin wirklich sehr gespannt, in welche zwielichtigen Geschehnisse sie im dritten Band geraten wird.

    * Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen herzlichen Dank an das Team vom Rowohlt Verlag.

  7. Cover des Buches Krieg und Frieden (ISBN: 9783446235755)
    Leo Tolstoi

    Krieg und Frieden

     (473)
    Aktuelle Rezension von: Radagast

    Mit jugendlichen Optimismus begann ich diesen historischen Roman zu lesen. Zuvor vorsorglich Block und Stift bereit gelegt, was sich als klug erwies.
    Dieser Roman ist in vier Bücher aufgegliedert. Die Themen die darin aufgegriffen werden sind der Krieg zwischen 1805-1812 und deren Feldzüge und Strategien, die gesellschaftlichen Stellungen in der höheren angesehenen Aristokratie, Heiratspolitik und viel Poesie.
    Ich kam mir beim lesen zeitweise vor als wäre ich mit dabei in diesen Roman. Ob es sich um die gesellschaftlichen Ebenen und Verstrickungen handelte, oder auf dem wild umkämpften Schlachtfelder ging, mein Kopfkino war auf Empfang.
    Bei manchen Kapiteln machte ich Pausen um das gelesene sacken zu lassen. Nicht deswegen dass ich es nicht verstanden hätte, sondern wegen dem Schreibstil. Ich konnte mich daher gut in die Geschichten hinein versetzen. Auch die Protagonisten waren plastisch gut beschrieben.
    Vor allem war es spannend mit zu erleben wie sich die Hauptprotagonisten entwickelten. Wer wurde mit wem verheiratet? Wer verstarb? Wie gefestigt wurde der jeweilige Charakter im laufe der Geschichte?
    Abgesehen das ich tagelang eine Pause einlegte beim Lesen, ja ich habe geschwächelt, da es phasenweise doch etwas langatmig ist, war es für mich eine grandiose Geschichte!

  8. Cover des Buches Vor dem Fest (ISBN: 9783442749898)
    Saša Stanišić

    Vor dem Fest

     (176)
    Aktuelle Rezension von: Petra54

    Es scheint Mode zu sein, alle Wörter in Großbuchstaben zu schreiben. Ich mag das nicht, weil es sich so nicht gehört und es sich schwerer lesen lässt.

    Dieses Buch wurde trotzdem (oder deshalb?) mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet und ist DER SPIEGEL BESTSELLER. Das hätte mich warnen müssen.


    Der Anfang (Leseprobe) liest sich witzig und in einer ganz neuen frischen Sprache, was mich sofort begeisterte. Doch schnell kippt genau dieser neue Witz ins nervig Bemühte ab. Auf Seite 18 gab ich das Weiterlesen auf. Bis dahin habe ich nicht herausfinden können, worum es in dieser „Weltliteratur aus der Uckermark“ (FAZ) geht.


  9. Cover des Buches Der große Gatsby (ISBN: 9783311220008)
    F. Scott Fitzgerald

    Der große Gatsby

     (1.052)
    Aktuelle Rezension von: Blintschik

    Alle kennen die großen Partys des großen Gatsbys. Die Leute kommen von überall her und nehmen sogar uneingeladen an den berühmten Feiern teil, aber keiner kennt den Gastgeber Gataby wirklich. Deswegen ranken sich viele Gerüchte um ihn. Als Nick sein neuer Nachbar wird, lernt er ihn auf eine ganz andere Weise kennen und merkt, dass hinter dem bekannten Mann ein ganz anderer steckt.


    Dieses Buch ist einfach großartig. Allein wie es schon anfängt und man in diese lebendige und doch nachdenkliche Stimmung hineingezogen wird. Ich konnte mir richtig gut vorstellen, wie Nick, der Protagonist, die Geschichte erzählt. Dabei lernt man die Personen immer besser kennen und sieht die Schichten ihrer Persönlichkeit tiefer werden und die komplexen Beziehungen untereinander bringen einen zum Nachdenken. Die Geschichte wirkt ziemlich einfach und simpel und doch schwingen so viele Themen des Lebens mit, die der Autor tragisch und auch zynisch beschreibt.

    Ich für meinen Teil liebe dieses Buch und da es so schnell durchgelesen ist, kann man es immer wieder lesen und stößt dabei immer auf neue Details. Außerdem hat es einen einfachen und schönen Schreibstil, sodass man perfekt für ein paar Stunden in der Geschichte abtauchen kann.

  10. Cover des Buches Das Herz der Nacht (ISBN: 9783802584978)
    Ulrike Schweikert

    Das Herz der Nacht

     (143)
    Aktuelle Rezension von: Asbeah

    Wien im 19. Jahrhundert - Hier lebt Fürst Andras Bathory, ein Jahrhunderte alter Vampir. Um seine Geschichte soll es gehen, wie ich aus dem Klappentext entnahm. Aber eigentlich ging es mehr um ein Sittengemälde dieser Zeit. Ich habe den Eindruck, als hätte die Autorin einfach nur alle historischen Personen und Ereignisse im fraglichen Zeitraum aneinandergereiht und dann versucht, eine passende Geschichte darum herum zu stricken. Vorzugsweise mit einem Vampir, weil dies gerade in Mode war.

    Ein Zuviel an historischen Informationen um Politik, Kunst und Kultur machte mir das Lesen unerträglich, obwohl ich gern historische Romane lese. Kriminalfall und Vampir gerieten ins Hintertreffen, und zwar so sehr, dass mir lange, sehr lange nicht klar war, wohin das Ganze eigentlich führen sollte. Da dies die Vorgeschichte zu der Peter von Borgo Trilogie ist, welche ich noch lesen möchte, habe ich durchgehalten. Doch bis es endlich zu interessanten Kapiteln kam, verging  mehr als das halbe Buch. Als sich die Geschichte langsam auf den Vampir konzentrierte, war es für mich längst egal. Die Weitschweifigkeit der Belanglosigkeiten hat mein Interesse abgetötet und am Ende blieb mir nur ein Schulterzucken..Keiner der Charaktere konnte mein Interesse wecken. Selbst der Vampir blieb blass und wenig anziehend. Ich kann nur hoffen, dass die anschließende Trilogie nicht auf gleiche Weise geschrieben wurde...

    Fazit: Dieses Buch sorgt für reichlich Langeweile und schlechte Laune! Der Schreibstil ist allerdings professionell und flüssig, deshalb 2 Sterne (gefühlt 1 Stern)


  11. Cover des Buches Das Böse unter der Sonne (ISBN: 9783455650273)
    Agatha Christie

    Das Böse unter der Sonne

     (139)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Einer der bekanntesten Krimis mit Hercule Poirot, die Verfilmung läuft ja des öfteren im TV. Auch wenn man die Auflösung schon kennt (die hier natürlich nicht verraten wird), ist es doch atemberaubend, wie am Ende das Image des bildschönen Mordopfers um 180 Grad gewendet wird und man fetsstellt, daß so ziemlich nur Unwahrheiten und Gehässigkeiten über sie kursierten. Ehepaar Gardener ist zum Schießen, und Monsieur Poirot erwacht nur ganz langsam aus seiner Sommerlethargie, wenn er den "Sherlock Holmes spielt". Auch ein sehr schönes Zeit- und Gesellschaftsporträt!

  12. Cover des Buches Wo Licht ist (ISBN: 9783866482333)
    Sarah Moss

    Wo Licht ist

     (31)
    Aktuelle Rezension von: MareikeHerzpotenzial
    Ein Bild zeigt zwei junge Mädchen. Gelangweilt rekeln sie sich auf einem großen Sessel, zarte Stoffe umspielen ihre jungen Körper, alles wirkt zart, doch der Blick der Mädchen ist kühl. Besonders der, des älteren Mädchens hat eine Härte, die der Maler eingefangen und für die Ewigkeit in seinem Bild eingeschlossen hat. Das Mädchen ist Ally, die Tochter eines bekannten Malers des 19. Jahrhunderts. Gemalt wurde sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester. Sie standen viele Male Modell für den Vater Alfred Moberly oder dessen besten Freund. Etwas, was die Mutter der Mädchen gar nicht gern sah. Für sie ist die Kunst ihres Mannes Dekadenz in Reinform und ihr Mann ein verschwendungssüchtiger Träumer. Sie gönnt weder sich noch ihren Töchtern ein ihrem Stand und Einkommen entsprechendes Leben. Alle Annehmlichkeiten hält sie für überflüssig und fokussiert sich fast bis in den Wahn auf die mittellosen und geächteten Frauen der Gesellschaft. Sie arbeitet unermüdlich im Armenhaus, betreut misshandelte Frauen, traumatisierte Mädchen von der Straße und hungernde Waisen. Ihr Groll gegen das System sitzt tief und für sie ist der Verursacher des Leides ganz klar: Der Mann.
    Sie bewegt sich zunehmend in den Kreisen von Frauenrechtlerinnen und sucht nach Wegen, ihre Töchter in dieser Bewegung einzubinden. Es steht schnell fest, dass Ally, als die intelligentere und fleißigere der beiden Töchter als eine der ersten Frauen studieren und Ärztin werden soll.
    Doch Ally ist zwar intelligent, doch vor allem auch unsicher und leicht in Panik zu versetzen. Ihr Vater und sein kreatives Umfeld geben ihr immer nur kurze Verschnaufpausen im ständigen Kampf um die Anerkennung und ganz besonders der Liebe ihrer Mutter.
    Sarah Moss erschafft mit Ally eine Figur des sehr frühen Feminismus und der Anfänge der Frauenbewegung. Tatsächlich gab es in den späten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die ersten Frauen mit Medizinabschluss. Doch den Weg, den diese Frauen bestreiten mussten, ihre Motivationen, ihre Ängste und Probleme sind sicherlich ein eher unbehandeltes Thema der Literatur.
    Elegant und mit viel Präzision beschreibt die Autorin den Weg von Ally und den anderen Figuren des Buches, ohne dabei eine zu vernachlässigen. Jede Person wird in ihrer Komplexität und inneren Antrieben beschrieben. Das ist zuweilen etwas anstrengend, weil es viel Raum einnimmt, doch zugleich wirkt es stimmig und plausibel. Ohne diese intensive Innensicht der Figuren, würde man sich manchmal sehr an ihrem extremen Verhalten stören. Doch so wirkt es nahezu tragisch, wie die Mutter oder auch Ally in ihren eigenen Verhaltensmustern gefangen sind.
    Jedem Kapitel ist eine Bildbeschreibung wie in einem Museumskatalog vorangestellt. Bilder von der jungen Braut Morberlys, dann der Kinder, schließlich der jungen Frauen, die aus ihnen geworden sind. Besonders in den Anfangskapiteln spielen diese Bilder und ihre Entstehungsgeschichte eine wichtige Rolle. Doch mit zunehmenden Alter Allys, die sich erst in der zweiten Hälfte zur Protagonistin entwickelt, rücken die Bilder in den Hintergrund.
    Schon ziemlich lange schiebe ich diese Rezension jetzt vor mir her. Es liegt sicherlich nicht daran, dass ich dafür keine Zeit hatte. Es liegt auch nicht daran, dass dieses Buch schlecht gewesen wäre.
    Ich bin mir tatsächlich auch nach fast zwei Monaten nach der Lektüre noch nicht ganz sicher, wie ich es bewerten soll.
    SarahMoss_Licht_ist_Cover_MareSicherlich ist es ein unheimlich gutes Buch, die Idee mit den Bildern am Anfang der Kapitel hat mir ausgesprochen gut gefallen und die Gesichte von anderen historischen Romanen deutlich abgegrenzt. Doch leider ist die Autorin nicht konsequent mit ihrer Idee. Ab der Hälfte etwa steht die junge Tochter des Malers und ihr emanzipatorischer Lebensweg im Fokus, dass man fast die kreative Atmosphäre der ersten Kapitel vergisst. Es scheint fast wie zwei Romanentwürfe, die hier miteinander verbunden worden. Dieser Gedanke kam mir irgendwann beim Lesen und hat mich nicht mehr losgelassen.
    Und das ist schade, denn die Geschichte ist toll, das Setting gut gewählt, die Figuren facettenreich und authentisch gezeichnet und die Sprache ist kraftvoll, elegant und fesselnd. Eigentlich ein richtig tolles Buch. Eigentlich. Es bleibt ein „ja, aber“ zurück und das ärgert mich. Denn es wirkt wie verschenktes Potenzial. Ich habe zwar bisher noch nichts von der Autorin gelesen, doch überzeugt sie mich sprachlich mit „Wo Licht ist“ absolut. Aktuell schreibt sie wohl an einer Fortsetzung, wieder mit dem Fokus auf der medizinischen Karriere von Ally. Ein tolles, noch kaum beleuchtetes Thema, auf das ich mich definitiv freue. Doch hoffe ich sehr, dass dieses Mal ein Lektor oder die Autorin selbst für eine klarere Struktur und Einheitlichkeit sorgt. Dann bin ich restlos selig.

    Fazit:

    Ein starker und thematisch frischer Roman über die ersten Emanzipationsversuche der Frauen in Großbritannien. Sprachlich zuweilen etwas langatmig, jedoch von starker Ausdruckskraft. Leider wurde die wunderschöne Idee mit den Bildbeschreibungen pro Kapitel nicht konsequent genug beibehalten.
  13. Cover des Buches 1794 (ISBN: 9783492317948)
    Niklas Natt och Dag

    1794

     (186)
    Aktuelle Rezension von: JasMin

    Klappentext übernommen:

    Nach den Ereignissen des letzten Jahres fällt Jean Michael Cardell in ein tiefes Loch. Die Ermittlungen im Fall der verstümmelten Leiche gaben seinem Leben einen Sinn. Nun ist er wieder da, wo er vorher war. Bis zu dem Tag, als ihn eine Frau kontaktiert: Ihre Tochter wurde in der Hochzeitsnacht auf grausamste Weise zugerichtet und getötet. Als Täter wird deren frisch angetrauter adeliger Ehemann identifiziert und in ein Irrenhaus eingewiesen. Die Mutter der Getöteten glaubt diese Version jedoch nicht und sucht Hilfe bei Cardell. Seine Nachforschungen führen diesen erneut in die Abgründe Stockholms, und er muss feststellen, dass die Stadt verruchter und gefährlicher ist als je zuvor. 

    "1794" ist, nach "1793" der zweite Band der "Winge und Cardell ermitteln"-Reihe. 

    Man lernt einige komplett neue Protagonisten kennen, allerdings tauchen auch alte Bekannte aus "1793" auf, sodass ich definitiv empfehlen würde, zunächst Band 1 der Reihe zu lesen. Für alle, bei denen "1793" bereits etwas länger her ist, gibt es eine Namensliste zu Beginn, die so einige Charaktere wieder in Erinnerung ruft. Das fand ich sehr hilfreich.

    "1794" war wieder sehr atmosphärisch geschrieben. Ich habe es genossen, die dunkelsten Seiten Stockholms kennen zu lernen und bin sehr froh, dass sich die Menschheit weiter entwickelt hat und man solche derartigen Zustände heutzutage nicht mehr antrifft. Gelegentlich hatte ich sogar das Gefühl, den beschriebenen Gestank selbst in der Nase zu haben, obwohl das definitiv nicht so sein konnte :-)

    Mir haben die Charaktere sehr gut gefallen, denen man, im Laufe des Buches, begegnet. Jeder hat seine eigenen Abgründe, Hoffnungen und Sehnsüchte, sodass man sich nur allzu gut in die meisten hinein versetzen kann. In einigen konnte man auch eine gewisse Entwicklung erkennen, was mir besonders gut gefallen hat.

    Durch den Klappentext habe ich gedacht, dass ich die Hauptgeschichte kenne. Leider kam diese, für mich persönlich, dann doch etwas kurz. Wer kurze, knackige Geschichten sucht, der wird hiermit wohl nicht glücklich werden. Der Schreibstil ist teilweise etwas ausschweifend. Allerdings lernt man dadurch die Charaktere viel besser kennen.

    Am Ende gab es noch ein, zwei Entwicklungen, die ich so nicht vorher gesehen habe

    Ich empfehle das Buch all denjenigen, die bereits "1793" gelesen haben und davon nicht abgeschreckt wurden. Es geht spannend, fesselnd und verstörend weiter. Definitiv nichts für zart besaitete Leser*innen.



  14. Cover des Buches Der Gang vor die Hunde (ISBN: 9783038820017)
    Erich Kästner

    Der Gang vor die Hunde

     (60)
    Aktuelle Rezension von: Kati_Ebner

    In "Der Gang vor die Hunde" gibt Kästner einen unverblümten und klaren Einblick in die Gesellschaft der damaligen Zeit. 

    Bei dieser Erzählung werden viele (unschöne) Themen aufgefriffen und als Satire wiedergegeben. Obwohl einiges zum Lachen ist, wird es bei näherer Betrachtung doch sehr traurig. 

    Für diese Zeit greift Erich Kästner das Thema Sexualität erstaunlich offen auf. Prostitution, gleichgeschlechtliche Liebe, Bordelle mit männlichen Bediensteten die von gut situierten Damen gebucht werden und Frauen, die den Männern zu viel werden. 

    Abseits dieser Themen kommen aber auch Zeitgeist und die unterschiedlichen Sichtweisen der Generationen zur Geltung. Woran glauben die Menschen damals, was hatten sie für Hoffnung und Träume, gab es Moral und Anstand, welche Vorstellungen vom Leben sind realistisch?

    Jakob Fabian, der Protagonist, entspricht nicht der gängigen Vorstellung eines Bürgers seiner Stellung damals. Er ist weder besonders ehrgeizig, noch verfolgt er hochtrabende Ideale oder verspürt den drängenden Wunsch eine Familie zu gründen. Er wohnt in einem kleinen Zimmer bei einer alten Witwe und lässt sich durchs Leben treiben. Das Gegenteil davon ist sein bester Freund Labude, der seit fünf Jahren an einer Arbeit feilt, politisch engagiert und mit sich selbst nie zufrieden ist. 

    Das Buch behandelt diverse komplexe und interessante Themen wie Sexualität, Selbstmord, Depressionen, Liebe, die Stellung der Frauen, die Konflikte zwischen Personen mit unterschiedlichen politischen Ideologien und dem Unterschied von Menschen mit Geld und Macht und denjenigen, die ebendies erreichen wollen.

    Mit kurzen Sätzen und einfachen Worten schafft es Kästner, den Leser die Welt von damals näher zu bringen und ihn über die Situation nachdenken zu lassen. Durch die Augen von Fabian werden die Politischen Entwicklungen und individuellen Einstellungen kritisch

    Diese Auflage beinhaltet einen großzügigen Anhang mit diversen Anmerkungen, sowie zwei Nachworten von Erich Kästner aus verschiedenen Jahren.

  15. Cover des Buches Die Geister schweigen (ISBN: 9783596194544)
    Care Santos

    Die Geister schweigen

     (47)
    Aktuelle Rezension von: Viv29
    Auf Care Santos bin ich durch das wundervolle Buch „Als das Leben vor uns lag“ aufmerksam geworden. Auch in „Die Geister schweigen“ beweist sie ihren angenehmen Schreibstil, ihr flüssiges Erzähltalent.
    Care Santos führt uns hier durch mehrere Jahrzehnte in der Geschichte von Barcelona und der fiktiven Familie Lax. Am Ende der 1880er lernen wir die feudale Welt des spanischen Großbürgertums kennen, die nach dem Ersten Weltkrieg ein wenig bröckelt und vom Spanischen Bürgerkrieg brutal zerstört wird. Ebenso wie die Familie begleitet uns ihr Stadtpalais in Barcelona durch die Geschichte, wird uns immer vertrauter.

    Die Geschichte wird auf ständig wechselnden Zeitebenen erzählt – wir beginnen im Jahr 1932, springen im nächsten Kapitel ins Jahr 1889, sind in einem weiteren Kapitel kurz in den 1920er Jahren und so geht es weiter. Es ist wie bei einem Familienalbum, in dem auf Zufall verschiedene Seiten aufgeschlagen werden. Diese Zeitsprünge gelingen Care Santos hervorragend. Es ist nie verwirrend, es webt sich alles ins Gesamtgeschehen. Ein Leitmotiv des Buches sind Gemälde und so kann man die Erzählweise auch sehen: es wird immer ein kleines Stück des Gemäldes ausgemalt, auf wechselnden Stellen der Leinwand, und irgendwann ist das Bild komplett. Eine Zeitleiste und ein Stammbaum vorne im Buch helfen ein wenig bei der Gesamtzuordnung der Geschehnisse, aber ich habe diese kaum gebraucht. Es hat Spaß gemacht, sich der Familie Lax auf diese Weise zu nähern, durch die Jahrzehnte zu springen und ich war immer gespannt, welchem Jahr, welchen Personen wir uns im nächsten Kapitel widmen würden. Briefe, Zeitungsartikel und Bildbeschreibungen aus Ausstellungsstücken runden die Geschichte ab, liefern auch manchmal nützliche historische Informationen.

    Leider gibt es auch eine durchaus gravierende Schwäche des Buches: in einer Art Rahmenhandlung kehrt Violeta, vierte Generation der Lax, im Jahre 2010 aus den USA nach Barcelona zurück. Während es zu Anfang noch eine neue Perspektive hineinbringt, das Stadtpalais nun in der Gegenwart zu sehen, sind Violetas Kapitel quälend langweilig. Nach den farbigen zwei ersten Generationen der Familie scheint nicht so viel Persönlichkeit übrig geblieben zu sein. Violetas Vater Modesto kommt nur am Rande vor und interessiert schon nicht sonderlich, aber Violeta ist völlig farblos. Ihre Geschichte erfahren wir hauptsächlich durch zähe Emails, die sie schreibt und erhält, und nach der Intensität der Geschichte zwischen 1889 und 1940, den schillernden vielseitigen Charakteren, ist Violetas persönliches Leben dröge und hält die Geschichte eher auf. Auch die „Geheimnisse“, die sie entdeckt, wurden durch den eigentlichen Roman schon hinreichend (und besser) dargestellt. Man hätte den gesamten 2010-Teil streichen können und das Buch hätte meines Erachtens dadurch erheblich gewonnen und volle fünf Sterne bekommen.

    Der Klappentext fängt den wesentlichen Charakter des Buches meiner Meinung nach nicht gut ein. „Was ist mit den Frauen ihrer Familie geschehen?“ wird da gefragt und dunkelste Geheimnisse angedeutet. Um „vier Generationen von Frauen“ soll es gehen. Es gibt genau ein Familiengeheimnis, das sich schnell abzeichnet und das für mich gar nicht der Höhepunkt des Buches war. Ansonsten ist den Frauen der Familie nichts „geschehen“. Und es geht nicht um „vier Generationen von Frauen“, es geht um vier Generationen einer Familie, beziehungsweise in der Essenz um zwei Generationen einer Familie, die eine ganze Reihe faszinierender Persönlichkeiten aufweisen – Frauen und Männer.

    Wenn man die überflüssigen 2010-Episoden wegläßt, kann man zum Buch sagen: Die Verwebung der Familie mit der Geschichte Barcelonas ist gut gelungen (wenn auch an manchen Stellen einige historische Details etwas zu krampfhaft hineingenommen wurden und dadurch vereinzelte Szenen langatmig wurden, die Geschichte aufhielten). Man erfährt so viel Interessantes über das Leben der Oberschicht wie auch der Dienstboten, ist sowohl beim sich allmähliche ändernden Alltag wie auch bei den dramatischen geschichtlichen Entwicklungen direkt dabei. Die Familienbeziehungen sind wundervoll dargestellt und vielschichtig. Eine facettenreiche farbenfrohe Familiensaga mit gelungen ungewöhnlicher Erzählweise. Die Charaktere und auch das Haus haben mich berührt, ich habe viel über Barcelona in diesen Jahrzehnten erfahren und Care Santos Schreibstil wieder einmal sehr genossen.
  16. Cover des Buches Die Judenbuche (ISBN: 9783746042916)
    Annette von Droste-Hülshoff

    Die Judenbuche

     (448)
    Aktuelle Rezension von: Malka_Draper

    Achtung, diese Inhaltsangabe ist komplett und enthält daher Spoiler!

    Die Novelle erzählt die Geschichte von Friedrich Mergel, geboren im 18. Jahrhundert, der in Armut und Verwahrlosung in einer westfälischen Kleingemeinde aufwächst. Sein Vater, ein brutaler Alkoholiker, stirbt schon früh und hinterlässt eine gebrochene Ehefrau. Auch weiterhin scheint F.s Leben unter schlechtem Stern zu stehen und ist von schrecklichen Todesfällen geprägt. Er wird von seinem Onkel Simon in Obhut genommen und hilft ihm bei dessen zwielichtigen Geschäften. F. wird hochmütig und verschafft sich unter den Dorfbewohner Respekt durch Fäuste. Ihm folgt auf Tritt und Schritt der unehrliche Sohn Simons, Johannes.

    Wilderei und Holzdiebstahl stehen an der Tagesordnung und eine kriminelle Gang, die Blaukittel, roden still und heimlich und trotz nächtlicher Kontrollen große Teile des Waldes. Bei einem solchen Überfall stirbt der Förster und F. verheimlicht wichtige Hinweise.

    Auf einem großen Dorffest prahlt F. mit seiner neuen Taschenuhr und wird vom Juden Aaron aufgefordert, seine Schulden für die Uhr zu begleichen. F. flieht und fühlt sich zutiefst gedemütigt. In derselben Nacht verschwindet Aaron und wird drei Tage später tot unter einer Buche im Wald gefunden. F. und J. fliehen und bestätigen den Mordverdacht. Die jüdische Gemeinde trauert um ihren verstorbenen Glaubensgenossen und sich enttäuscht, dass die Tat nicht aufgeklärt werden kann. Sie erwerben die Buche und besehen sie mit einer hebräischen Inschrift, welche die Dorfbewohner nicht lesen können.

    Achtundzwanzig Jahre später taucht ein alter Mann auf, der sich als J. ausgibt und behauptet, der Sklaverei entkommen zu sein. Er wird freundschaftlich im Dorf aufgenommen, verschwindet jedoch spurlos. Er wird aufgehängt an der „Judenbuche“ gefunden und als F. identifiziert. Nun wird die Inschrift übersetzt: »Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast.«

    Die kurze Geschichte hat nur knapp 40 Seite und liest sich dadurch ziemlich schnell in ein bis zwei Stunden. Das ist aber auch schon fast alles, was ich an Gutem sagen kann. Die Formulierungen sind prägnant und kurzgehalten, es gibt einige beschreibende Landschaftserklärungen, man merkt, dass die Autorin selbst eine große Liebe für die Landschaft hat. Die Handlung ist theoretisch spannend, aber durch die Knappheit sehr sachlich geschrieben, zum Teil mit Jahreszahlen versehen.

    Es ist eine Geschichte, bei der man sich am Ende wundert, wieso man sie überhaupt gelesen hat bzw. was man aus ihr mitnehmen kann. Sie gewährt einen Einblick in eine Kleingemeinde, die aus Abschottung eigene, moralisch verwerfliche, Sitten und Regeln entwirft. Sie zeigt auf, welche Auswirkungen Armut, soziale Diskriminierung und Ausgrenzung auf den Charakter haben können. Sie spielt auf religiöse Riten an und Gottes Sinn für Gerechtigkeit. Ein bisschen Stoff für Interpretationen gibt es wohl doch.

    Das spannendste ist wohl, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht und dass die Lebensgeschichte der Personen sogar noch größtenteils nachvollzogen werden können.

    Insgesamt bin ich froh, dass ich diese Lektüre nicht in der Schule lesen musste!

  17. Cover des Buches Fegefeuer der Eitelkeiten (ISBN: 9783499236747)
    Tom Wolfe

    Fegefeuer der Eitelkeiten

     (105)
    Aktuelle Rezension von: Babscha
    Sherman McCoy ist leitender Rentenhändler bei einer Investmentfirma an der Wall Street. Wohnung in der Park Avenue, Ferienhaus in den Hamptons, geschätztes und gut vernetztes Mitglied der Upper East Side Manhattans, dekadent, narzisstisch, schicke Ehefrau und wohlgeratene Tochter. Ein echter Gunner also, ein selbsternannter Master of the Universe.  

    Bis er eines Abends seine junge Geliebte am Flughafen abholt, mit seinem Sportwagen die Ausfahrt verpasst und sich nach einer Odyssee durch New York zuletzt in den düsteren Straßen der Bronx festfährt. Hier kommt es zu einem tragischen Unfall, bei dem die beiden einen schwarzen Jugendlichen überfahren und lebensgefährlich verletzen. Die darauf folgende Fahrerflucht setzt sodann eine Maschinerie in Gang, deren einziges Ziel Shermans vollständige Vernichtung ist.

    Wolfe seziert in seinem bereits in der 80ern geschriebenen Debütroman scharfzüngig, absolut respektlos und mit genialem Verständnis menschlicher Unzulänglichkeiten und Charakterschwächen die Mechanismen und Gesetzmäßigkeiten des gesellschaftlichen Miteinanders aller Schichten, die diese amerikanische Großstadtmetropole am Laufen halten und legt dabei mal unterschwellig, mal plakativ, den Finger in jede denkbare Wunde amerikanischer Lebensrealität. Nicht nur seine Hauptfigur, auch ungezählte andere Protagonisten dieses Monumentalwerks werden dabei genüsslich und gekonnt so lange durch die Mangel gedreht, bis man sich als Leser nur noch schaudernd abwenden kann ob der geschilderten Abgründe aller Art. 

    Ein zeitloser, unbedingt lesenswerter Klassiker, eine offene und unverändert gültige Gesellschaftskritik. 

  18. Cover des Buches Wer war Jack the Ripper? (ISBN: 9783442458066)
    Patricia Cornwell

    Wer war Jack the Ripper?

     (90)
    Aktuelle Rezension von: Vespasia
    Patricia Cornwell hat keine Kosten und Mühen gespart, dem Ripper-Geheimnis auf die Spur zu kommen. Für sie steht fest: Walter Sickert, exzentrischer Maler mit deutscher Abstammung, ist der Schuldige. Sie hat eine Fülle von Indizien zusammengestellt, die Sickert hieb- und stichfest als Mörder entlarven sollen.

    Zum einen muss gesagt sein: das Buch ist schlicht und ergreifend spannend. Es liest sich gut und bleibt interessant. Ich bin keinesfalls Experte im Gebiet der Kriminologie, ich habe wenig Ahnung von Jack the Ripper und habe mich bisher wenig bis gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Die meisten Fakten, die Cornwell nennt, waren für mich dementsprechend neu. Sie schreibt viel zu den Opfern, zu den Tathergängen, der Polizeiarbeit und dem England zu dieser Zeit. All dies ist sehr interessant, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass für „Ripperologen“ das meiste bekannt sein dürfte.

    Sie schreibt aus ihrer Sicht, wodurch das Buch manchmal ein wenig durcheinander wirkt. So springt sie von einem Mord zu Ripper-Briefen zur Biografie von Walter Sickert und wieder zum nächsten Mord. Zudem ist es so, dass sie selbst so sicher ist, Sickert als Mörder enttarnt zu haben, dass sie wenig Raum für eigene Gedanken lässt und „Sickert“ und „Ripper“ oftmals als Synonyme gebraucht. Sie bringt auch einige Indizien an, die beweisen sollen, dass Sickert der Schuldige ist. Zwar klingt viel von dem, was sie schreibt, schlüssig und überzeugend, allerdings gibt es – soweit ich nach eigenen Nachforschungen weiß – auch einige Indizien, die gegen Sickert als Täter sprechen. Diese bleiben von ihr aber gänzlich unerwähnt.Ihre "Beweise" beruhen zumeist auf Vermutungen und eigenen Interpretationen.

    Das „Porträt des Killers“ ist dementsprechend hauptsächlich ein Porträt Walter Sickerts, andere mögliche Täter werden kaum in Betracht gezogen. Eventuell wäre es besser gewesen, sich weniger auf Sickert als Täter einzuschießen und ein wenig kritischer an die Sache heranzugehen. Viele „Beweise“ wirken für mich ein wenig zurechtgebogen, keinesfalls stichfest, wie im Klappentext beworben. Was das Buch aber gut schafft: nach der Lektüre hatte ich große Lust, mich weiter mit dem Ripper zu beschäftigen, mein Interesse wurde geweckt. Cornwell hat ein ausführliches Quellenverzeichnis, das eine grobe Orientierung bietet. Ob Sickert nun der Mörder war oder einfach nur ein exzentrischer und unsympathischer Zeitgenosse, "Spaß" beim lesen (sofern man hier von Spaß reden kann) hatte ich jedenfalls.

    Fazit: Letztendlich gibt es viele Bücher und Dokumentationen, bei denen der Mörder „entlarvt“ wird. Die Beweise, die in diesem Buch angeführt werden, führen für mich letztendlich ähnlich wahrscheinlich zum Täter wie in sämtlichen Dokus, die ich mittlerweile gesehen habe. Mit anderen Worten: die Identität des Mörders ist immer noch nicht gesichert. Das Buch von Cornwell ist dennoch interessant, wenn man ihre Erkenntnisse mit Vorsicht genießt. Außerdem regt dieses Buch dazu an, sich noch genauer mit den Morden zu beschäftigen – Bücher zu dem Thema gibt es glücklicherweise genug.

  19. Cover des Buches Die Tochter des Salzsieders (ISBN: 9783426639382)
    Ulrike Schweikert

    Die Tochter des Salzsieders

     (140)
    Aktuelle Rezension von: Odenwaldwurm
    Wegen des Covers habe ich das Buch nicht gekauft. Die Kurzbeschreibung und der Ort des Geschehens waren für mich interessant. Aber nach dem ich die ersten Seiten gelesen habe, habe ich meine Entscheidung auch nicht bereut. Die Autorin kann einen gut in die alte Zeit zurück versetzen und wann kann sich gut vorstellen wie die Leute zu dieser Zeit gelebt haben.


    Inhalt: Die Geschichte spielt in Schwäbisch Hall einer Salzsieder Stadt in Württemberg. Die jungen Anne Katharina Vogelmann ist die Tochter eines wohlhabenden Salzsieders und unzufrieden mit ihrer Rolle als das sittsame Mädchen, das nur auf den Ehemann zu warten hat. Ihr beschauliches Leben ändert sich, als sie dunkle Geheimnisse und sogar einen Mord entdeckt. 
  20. Cover des Buches A Room With a View (ISBN: 9781448015252)
    E. M. Forster

    A Room With a View

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Sakuko
    Die junge Lucy macht mit ihrer Cousine Charlotte als Anstandsdame eine Reise nach Italien. Sie ist von ihrer unzufriedenen, manipulativen Cousine eingeengt, schließt aber eine Freundschaft mit Mr. Emmerson, ein freigeistiger Mensch mit wenig Takt aber voller Freundlichkeit, der wegen seiner rauen, direkten Art von der restlichen Gesellschaft in der Pension abgelehnt werden.
    Lucy versucht für sich herauszufinden was richtig und gut ist, und steht dabei zwischen der altmodischen, korrekten Art ihrer Cousine, Emmersons direkter Freundlichkeit und der modernen, aber diplomatischen Art des Pastors Beebe.
    Nach der Reise blendet das Buch um auf Lucys Heimat Windy Corner, wo Lucy nun mit dem weltgewandten Cecil verlobt ist, den sie in Rom getroffen hatte. Aber auch die Emmersons ziehen durch Cecils zutun dorthin.

    Das Buch beginnt interessant. Die Situation in der italienischen Pension mit ihren unterschiedlichen Charakteren wird prägnant und witzig erzählt und auch über den Tourismus und seine verschiedenen Ausprägungen wird bissig gesprochen. Die Autorin Ms Lavish, die sich möglichst exzentrisch und anders geben möchte, die steifen, altmodischen, gutmütigen Misses Alan, der ehrliche aber depressive George und sein Vater der freidenkende Mr. Emmerson, der snobische Kaplan Mr Eager zeigen verschiedene Archetypen der britischen Gesellschaft auf, die sich gerade im Umschwung befindet. Die Dialoge sind spannend und es passieren einige unvorhergesehene Dinge. Auch die Analyse bzw. Kritik der damaligen Gesellschaft kommt hier gut rüber.

    Den zweiten Teil in England fand ich leider etwas wirr. Wir lerne ein paar neue Charaktere kennen, Lucys Bruder, der kindliche Freddy, ihre Mutter die liebenswerte, bodenständige Mrs Honeychurch, der wichtigtuerische, herablassende Cecil und für sich genommen sind diese auch alle interessant genug.
    Leider werden die Dialoge immer schwerer zu verstehen, oft ist einfach nicht klar, wer wann redet. Die Beschreibungen werden sehr ausschweifend, zeitweise fast poetisch, und manchmal werden Gegenstände personifiziert und kommen zu Wort. Es wirkt seltsam.
    Auch wird der Plot verworrener, die Motivation der Charaktere lässt sich oft schwer verstehen.

    Lucy wird selbstbewusster, eigenständiger, aber auch teilweise eher melodramatisch und übertrieben. Während ich ihre Motivation durchaus verstanden habe fand ich ihre Handlungen oft nicht unbedingt durchdacht oder sinnvoll.

    Ich fand auch im zweiten Teil ging die Gesellschaftskritik wieder etwas unter, oder vielleicht wurde sie einfach von den schwer verständlichen Dialogen und der ausschweifenden Sprache überlagert.

    Ich bin froh das Buch gelesen zu haben, es hat viele sympathische Momente und gute Charaktere, ich wünschte mir nur der zweite Teil wäre klarer und verständlicher gewesen.
  21. Cover des Buches Gefährliche Liebschaften (Roman) (ISBN: 9783730601037)
    Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos

    Gefährliche Liebschaften (Roman)

     (114)
    Aktuelle Rezension von: paulinala

    Den meisten Leser/innen sagt der Film zu "les liaisons dangereuses" mit Spitzenbesetzung etwas. Der meiner Meinung nach wunderbar umgesetzte Film wird nur noch durch die zu Grunde liegende Textgrundlage übertroffen. 

    Das an sich etwas in die Jahre gekommene Genre des Briefromans, das sich gerade in der französischsprachigen Literatur etablierte, trägt ungemein zum Lesefluss und zur Geschichte bei.

    Die Leserin/ der Leser findet sich selbst als der einzig allwissende Teilnehmer der Manipulation der Protagonistin und des Antagonisten inmitten einer fiktiven Realität wieder. Sobald wir als Lesende in die Welt der reicheren Schicht Frankreichs eintauchen, sobald erahnt uns auch das Gefühl, als würden wir Teil einer Historie werden, die sehr real wirkt, die wir aber nicht ändern können, weil wir nach Lektüre der Briefe wissen, dass diese postpartum gesammelt und veröffentlicht wurden. Die Illusion ist nahezu perfekt, der Autor erscheint selbst kam bis gar nicht, um den Briefverkehr nicht zu stören. Stattdessen gibt er Annotationen und stellt sich selbst als den Editor und Herausgeber dar.

    Besonders beeindruckend wirkt auch die gesamte Figurenkonstellation und Komposition der einzelnen Charaktere. Diese verkörpern, jeder für sich, ein eigenes Bild der jeweiligen Zeit und reflektieren insbesondere intensiv die verschiedenen Rollen der Frau in der Adelsschicht. 

    Das sind beispielsweise das naive, junge Mädchen, die gebrochene Frau im Rachefeldzug, weil ihr Herz gebrochen wurde und sie durch ständige Unterdrückung und Machtspiele zu dem machte, was sie ist, und der erbitterte Tanz mit den männlichen Gegenspielern.

    Die männlichen Figuren sind in diesem Falle sowohl die Opfer der Launen der weiblichen Figuren, als auch gefangen in einer Illusion, dem weiblichen Geschlecht überlegen zu sein.

    Viele Lesende sprechen hier von einer Art romantisierten Feminismus, was ich aber so nicht unterschreiben möchte. Das in der Zeit der Veröffentlichung herrschende Bild der Frau unterscheidet sich stark von dem, was die Marquise verkörpert und entspricht eher dem von Cécile Volanges.

    Natürlich ist es in einer Art und Weise revolutionär, die Frau in ihrem Charakter der Marquise so darzustellen, stark und mächtig, aber dennoch wird sie am Ende zerstört durch die Überlegenheit eines Mannes, der sie letztendlich  zu ihrem eigenen Fehlverhalten verleitete. 

    Das schockende Moment befindet sich am Ende, als die weibliche Protagonistin, die Marquise, von ihrem Gegenspieler durch eine weitere Racheaktion kurz vor seinem Tod zerstört wird.

    Wer sich einmal an die Faszination Briefroman herantrauen möchte, sollte dieses Meisterwerk unbedingt lesen!

  22. Cover des Buches Tom Jones (ISBN: 9783538063280)
    Henry Fielding

    Tom Jones

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Laupi
    Ein wundervoller auktorialer Erzähler führt durch die Handlung, die immer wieder von Kommentaren zur Moral oder den Geschehnissen unterbrochen werden. Es ist Arbeit das Buch zu lesen - also nichts für den einfachen Zeitvertreib, aber es lohnt sich, weil der Erzähler den aufmerksamen Leser immer wieder mit herrlicher Ironie oder die Handlung den Leser mit schönen Bilder belohnt.
  23. Cover des Buches Drei Fälle für Adam Dalgliesh (ISBN: 9783958625297)
    P. D. James

    Drei Fälle für Adam Dalgliesh

     (10)
    Aktuelle Rezension von: MissStrawberry

    Diese Box beinhaltet drei Titel – insgesamt ergibt da satte 26 Stunden Hörgenuss! Wie immer liest Frank Stieren wunderbar und löst unweigerlich Bilder im Kopf des Hörers aus. Text und Sprecher bilden eine geniale Einheit.

     

    Jeder der drei Fälle – es sind die ersten drei aus der Feder von P.D. James -  ist auf seine Weise unterhaltsam und spannend. Allen dreien ist gemeinsam, dass sowohl eine Prise Humor, als auch eine Spur Bissigkeit darin eingewoben wurden. Typisch P.D. James, total britisch, wunderbar zu hören. Die einzelnen Figuren sind so urig und speziell, dass man nur so staunt. Trotz allem wirken die Figuren nicht albern oder total künstlich – im Gegenteil! Man kann sie sich so gut vorstellen, dass es fast unmöglich scheint, dass es sie nicht tatsächlich gibt.

     

    Adam Dalgliesh ist ein völlig anderer Detective Chief Inspektor, als man die so kennt. Er schreibt selbst Bücher, lässt sich über andere Autoren und Bücher aus, ist ständig auf einer Spur, aber auch oft auf einer falschen. Er ist einfach nicht perfekt und bleibt sich dabei selbst treu. Das gefällt!

     

    Böse ausgedrückt zieht sich jeder Fall. Doch mir gefällt der Stil sehr gut. Dalgliesh sammelt Fakten, stellt Theorien auf, es ergeben sich neue Zusammenhänge, weitere Indizien und Beweise tauchen auf, alles wunderbar gemütlich und gemächlich. Er lässt sich Zeit. Und das wird im Stil eben sehr deutlich.  Dalglieshs Gedankengänge werden in Gesprächen mit anderen dem Leser offenbart. Nichts wird einfach so aus der Luft gegriffen. Der Hörer kombiniert automatisch mit – und wird jedes Mal aufs Glatteis geführt, denn die Pointe und die Auflösung der Fälle ist jedes Mal wieder eine Überraschung.

     

    Man muss ein bisschen aufpassen, denn es gibt ordentlich viele Figuren und man verpasst schnell den Anschluss, wenn man sich nicht voll auf das Hörbuch einlässt. Ganz im Stile von Agatha Christie fällt auch P.D. James immer wieder ein neuer „Streich“ ein, wie der Hörer überrascht werden kann.

     

    Fazit: Ganz im alten englischen Stil bekommt man hier drei Cosy-Crime-Storys, die alles, aber nicht gewöhnlich sind. Herrlich! Dafür gibt es von mir fünf Sterne!

  24. Cover des Buches Unter der Asche (ISBN: 9783743166783)
    Tom Finnek

    Unter der Asche

     (79)
    Aktuelle Rezension von: Schlehenfee

    London, 1666: Die Pest hat sich fast aus der Stadt verabschiedet, doch Geoff Ingrams Vater stirbt daran. Zur Waise geworden, wird der Eremit Master Gerrard der Vertraute des Jungen. Geoffs Bruder verschwand vor zwei Jahren, jetzt ist auch seine Schwester Jezebel wie vom Erdboden verschluckt.

    Doch die ist aufs Land geflohen, da sie schwanger ist, bedroht wird und der Liebste ebenfalls an der Pest starb.

    So manch tot geglaubter lebt in diesem historischen Roman dennoch. Schließlich werden Liebe, Zurückweisung und Eifersucht zu einem Gemisch werden, das den großen Brand von London auslöst.


    Was wirklich passiert ist, liegt bis heute im Dunklen. Tom Finnek hat in „Unter der Asche“ seine Version der Entstehung des großen Brands von London im September 1666 erzählt. Dabei bedient er sich vieler realer Personen, die damals die Stadt bevölkerten. Ich bin mir aber ziemlich sicher dass zumindest die Familie Ingram der Fantasie des Autors entstammt.

    Mir gefiel, dass ein gutes, authentisch wirkendes Bild der Stadt von damals gezeigt wird, was Theater, Schänken und arm und reich angeht. Außerdem spielen kirchliche Reformgruppen wie die „Digger“ und „Quäker“ eine große Rolle. Eine Erklärung würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.

    Jedenfalls werden sehr viele Charaktere eingeführt, deren Geschichte und Handlungen aber nicht alle etwas mit dem Brand zu tun haben, sondern eher mit den Protagonisten.

    Nach sehr viel Vorrede war ich ziemlich auf die Ereignisse, die den Brand auslösten gespannt. Leider wurden meine Erwartungen diesbezüglich nicht erfüllt, es war eher unspektakulär. Ich hatte mir da einfach etwas dramatischeres, größeres vorgestellt.

    Man bekommt in „Unter der Asche“ zwar ein vielschichtiges Bild der damaligen Gesellschaft, aber vieles davon ist schmückendes Beiwerk und füllt nur die Seiten. Also „viel Rauch um nichts“...

    Der Brand wird erst am Ende kurz behandelt, ein paar Seiten und Charaktere weniger wären für mich auch in Ordnung gewesen. Als historischer Roman war „Unter der Asche“ durchaus interessant, konnte mich aber nicht so fesseln wie erhofft, daher drei Sterne.

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