Bücher mit dem Tag "sociological science fiction"

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6 Bücher

  1. Cover des Buches Utopia (ISBN: 9783717524564)
    Thomas Morus

    Utopia

     (133)
    Aktuelle Rezension von: derbuecherwald-blog

    Vollständige Rezension: http://derbuecherwald.blogspot.com/2020/08/rezension-utopia.html

    "Utopia" ist auf jeden Fall ein etwas anspruchsvollerer Klassiker. Denn Thomas Morus Beschreibung von Utopia ist nicht gerade spannend und ereignisreich. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass ich einiges daraus mitnehmen konnte und mich diese Lektüre angeregt hat, über viele politische und menschliche Eigenarten nachzudenken.


    Anfangs war ich etwas von dem trockenen und ereignislosen Schreibstil enttäuscht, weil ich eher einen Reisebericht ähnlich zu Gullivers Reisen erwartet hatte. Mit dieser Erwartung war der detailreiche Bericht, den ich stattdessen bekam, natürlich ernüchternd. Als ich mich jedoch damit abgefunden hatte, habe ich gemerkt, dass Morus Roman viele interessante Gedankenspiele enthält und manchmal sogar modern wirken konnte, etwa wenn er von Gleichberechtigung spricht. Daher würde ich dieses Werk als interessante und bildende Lektüre bezeichnen, aber nicht als besonders leicht zu lesen und würde es vor allem allen empfehlen, die sich für Politik und Staatssysteme interessieren.


    Die Ausgabe des Manesse Verlags ist natürlich wieder schön gestaltet und so handlich, dass ich das Buch, während ich es gelesen habe, überallhin mitnehmen konnte. Das Nachwort habe ich diesmal als etwas kryptisch empfunden und war meiner Meinung nach nicht so hilfreich zum weiteren Verständnis des Romans, wie ich mir erhofft hatte.

  2. Cover des Buches Nimmerwiederkehr (ISBN: 9783945713402)
    Alexander Kröger

    Nimmerwiederkehr

     (1)
    Aktuelle Rezension von: buchwanderer
    „Ich halte absolute Vernunft der Menschheit für eine Utopie.“ (S.7)

    Zum Inhalt:

    Die Erde ist nach dem von Menschenhand verursachten Super-GAU durch das HAARP-Experiment ( siehe „Der erste Versuch“) auf einem guten Weg sich zu erholen – zumindest soweit es die Natur anbelangt. Ähnliches könnte auch der empfindlich geschrumpften menschlichen Gesellschaft beschieden sein, deren Mangel v.a. jener an technischen Fachkräften zu sein scheint.

    Doch erneut bewahrheitet sich jenes eherne Gesetzt, das der Mensch aus seiner Geschichte nur eines lernt, nämlich, dass er nichts aus ihr lernt. „»Die Leute sind eingebettet in Harmonie, Selbstzufriedenheit und staatlich stimulierter Aufbaueuphorie.«“ (S.74) So kann man einen nicht unerheblichen Teil der neuen Zivilisation beschreiben. Ressourcen sind noch aus den Altbeständen der Untergegangenen „Alten“ vorhanden. Materielles stellt keinen wirklichen Engpass dar. Und doch sind es schon wieder ideologisch motivierte Zwistigkeiten, die entzweien.

    Überschattet wird all dies zudem noch durch eine zufällige Entdeckung, deren Endgültigkeit ernüchtert: ein Asteroid befindet sich auf direktem Kollisionskurs mit der Erde und könnte – einem schlechten kosmischen Scherz gleichend – der Menschheit nun endgültig den Garaus machen. Selbst Angesichts dieser Herausforderung, gelingt es nicht Unzufriedene, ewige Nörgler, ja sogar gewaltbereite Demagogen an einen Tisch zu bringen.

    So ist der Ausgang dieses Wettlaufs gegen die Zeit trotz hohem Einsatz einiger Weniger und den durchaus fundierten Ideen welche von unterschiedlichsten Akteuren zusammengetragen werden mehr als fraglich…

    Fazit:

    Alexander Kröger zeichnet in seinem Roman „Nimmerwiederkehr“ eine recht nüchterne, man könnte sogar versucht sein zu behaupten desillusionierende Sicht einer Menschheit, die – knapp dem ersten selbsverschuldeten Untergang entronnen – nicht wirklich essentiell dazugelernt hat. Vor allen was persönliche Animositäten, politisches Machtdenken und Manipulation von Massen anbelangt beschleicht den Leser immer wieder ein Déjà-vu mit bitterem Beigeschmack.

    Im Gegensatz zur Natur, die sich, vom Menschen nicht mehr kontrolliert, in weiten Teilen erholt hat, gelingt es der menschlichen Rumpfgesellschaft scheinbar nur marginal wirklich neue zukunftsträchtige und tragbare Ideen zu entwickeln und auch umzusetzen. Selbst angesichts einer erneuten Bedrohung – diesmal durch ein kosmisches Ereignis – gelingt es nicht, individualistische Tendenzen, subversive Machtfantasien oder schlicht bürokratische Hürden hintanzustellen resp. zu überwinden.

    Der Mensch als soziales Wesen kann scheinbar nicht aus seiner Haut. Zu sehr hat man scheinbar überwundenes verinnerlicht und nimmt es jeden Tag, jeden Weltuntergang, erneut mit, sozusagen als Basisprogramm menschlich-gesellschaftlichen Scheiterns. Auch wenn immer wieder von globalem Zusammenhalt und Aufbaustimmung geredet wird, so lässt sich der Eindruck nicht abschütteln, dass die Spezies Mensch wohl nicht unbedingt jenes Skillset aufweist, welches ihr das Überleben vereinfachen oder gar erst ermöglichen würde.

    Zum Buch:

    Nachdem es sich bei Band 11 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.
  3. Cover des Buches Das zweite Leben (ISBN: 9783945713396)
    Alexander Kröger

    Das zweite Leben

     (1)
    Aktuelle Rezension von: buchwanderer
    „»Das zweite Leben«, sagte Helen gedankenvoll. »Es beginnt, wie ein Leben beginnen muss: Von vorn! An uns wird es wohl liegen, etwas darauf zu machen.«“ (S.243)

    Zum Inhalt:
    Die Erde ist jene, die nach dem HAARP-Experiment zurückblieb: eine ohne Menschen – oder fast ohne. Solche nämlich, die sich unter schützenden Gesteins- oder Wassersäulen befanden blieben zu ihrem eigenen Erstaunen verschont, will heißen am Leben.

    Den Anhängern einer Vereinigung, welche sich darauf spezialisiert hatte, Menschen in Stase über lange Zeit schlafend am Leben zu erhalten, um sie in einer von den Schlafenden selbst gewählten fernen Zukunft wiederzubeleben, hatten genau dieses zweifelhafte Glück: sie überlebten und werden nun sukzessive von der Automatik, die ihre Stasiskammern überwacht geweckt.

    So entsteht ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus Männern und Frauen, in dem jeder seine Historie vor dem „Schlafexperiment“ mitbringt. Nachdem sich keiner an der Oberfläche entweder an die Menschen zu erinnern scheint oder sie der Gesellschaft schlicht und einfach egal zu sein scheinen, beginnt ein Suchen der Erwachten nach Möglichkeiten aus dem stillgelegten Bergbau, der ihre Schlafmaschinerie beherbergte, einen Weg nach Oben, in eine unbekannte Freiheit zu finden.

    Im Wesentlichen entspinnt sich die Handlung aus ebendieser Motivation: dem Erreichen der Oberfläche. Auf dem Weg kommen die durchwegs realistisch gehaltenen Szenarien – hier glänzt der Autor mit seiner Erfahrung in Sachen Bergbau, war er in seinem Brotberuf doch ausgebildet auf diesem Gebiet – den Protagonisten stets als physische wie auch psychische Hindernisse in den Weg. Gekennzeichnet ist die von Kröger entworfene Gemeinschaft dabei, bis auf wenige Ausnahmen, von Zusammenhalt, der nicht nur – aber auch – auf Druck der äußeren Umstände entsteht resp. aufrecht erhalten wird.

    Würde man es überspitzt formulieren wollen, könnte man sagen: der Weg ist das eigentliche Ziel der Erzählung. V.a. dann, wenn der Leser – Vorsicht Spoiler-Alarm ! – das Ende nach der Lektüre des Vorgängerbandes mehr als nur erahnen kann. Dieses Ziel kulminiert in der Passage: „›Das zweite Leben – jetzt ist es‹, dachte sie [Helen], und ihr war, als sei sie neu geboren – gereift, emporgestiegen aus dem dunklen Schoß, als habe sie in größter Bedrängnis und Qual, den Weg nach außen bewältigt – zu Licht und Wärme.“ (S.216)

    Fazit:
    Die Geschichte ist kein Ausbund an Spannung, die Handlung relativ überschau- und vorhersehbar, was jedoch ihren Charme ausmacht, ist die Ausarbeitung des Miteinanders von unterschiedlichsten Charakteren, wie sie Alexander Kröger entworfen hatte und wie er eine solche Konvergenz anhand der Umstände für möglich erachtete.

    Bei manchen ebendieser Charaktere fehlt – aus meiner Sicht – trotz der 244 Seiten und erheblicher narrativer Möglichkeiten das Quäntchen Tiefe, Dimensionalität, die sie glaubwürdig(er) und nicht so flach erscheinen hätte lassen. In Kombination mit dem Band „Der erste Versuch“ zweifelsohne eine unterhaltsame Lektüre, aber ebenso zweifelsfrei nicht der Weisheit letzter Schluss. Hier hatte Kröger schon besser Erzählungen verfasst.

    Zum Buch:
    Nachdem es sich bei Band 9 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.
  4. Cover des Buches Begegnung im Schatten (ISBN: 9783945713419)
    Alexander Kröger

    Begegnung im Schatten

     (1)
    Aktuelle Rezension von: buchwanderer
    »Den Teufel werden sie [spätere Generationen] fragen, was wir heute darüber gedacht haben mögen. Moral, Ethik? Wann hätten sie in der Geschichte jemals eine Rolle gespielt, wenn es um Macht, Profit und Ruhm ging. Und man muss auch stets Fragen, um wessen Moral es geht und welcher Epoche sie verhaftet ist.«

    Zum Inhalt:

    Die Schichten im Kohletagbau sind für Fritz Hegemeister alles andere als abwechslungsreich. Der Trott ist für alle noch verbliebenen Arbeiter im Revier derselbe – und nicht wenigen gefällt diese Kontinuität, sichert sie doch einen bei weitem nicht mehr so sicheren Arbeitsplatz. Hegemeister ahnt nicht, welchen Wirbel das Stück Blech, das der Zahnkranz der Schaufel am Ausleger seines Baggers zutage fördert, lostreten wird.

    Schon bald stellt sich das Artefakt, eingebettet in das Millionen Jahre alte Kohleflöz, als ein Flugobjekt außerirdischen Ursprungs heraus. Die Ereignisse beginnen sich – zuerst im Verborgenen, dann, als es nicht mehr zu verheimlichen ist, unter Einbezug der Öffentlichkeit – zu Überschlagen. Und dies keinesfalls in rein positiver Sicht. Zu allem Überfluss wird aus dem silbernen Raumer der Leichnam eines der beiden aufgefundenen Extraterraner entwendet, um mit dessen Hilfe den Versuch zu wagen, die Besucher erneut zum Leben zu erwecken.

    So machen sich offizielle, sowie wesentlich dunklere Quellen, versucht aus teils egoistischen, teils durchwegs heeren wissenschaftlichen Beweggründen – oder einer Kombination aus beiden – daran, den Wissensstand rund um den nunmehr erbrachten Beweis intelligenten außerirdischen Lebens zu Ruhm und/oder zu Geld zu machen. Nicht selten ist es das träge Procedere der offiziellen Stellen, welches dabei helle Köpfe in dunkle, illegale und höchst fragwürdige Entscheidungsszenarien drängt. Und selbst wenn es gelänge Leben aus den Überresten der seit Äonen verschütteten raumfahrenden Besucher zu erschaffen, wie würde es mit den Menschen interagieren? Wie wären seine Anschauungen? Wer würde prägender sein: Umwelt oder Genetik? Würde eine gelingende Integration, ein fruchtbares Miteinander überhaupt möglich sein? Oder wären es Dankbarkeit, Aggression oder gar Resignation über die Einsamkeit, welche die Fremden in ihrem Handeln prägen würde…?

    Fazit:

    Alexander Kröger versucht sich in diesem Text u.a. an einer Auseinandersetzung mit der Frage nach der ethischen Aufgabe und Verantwortung von Wissenschaft angesichts einer einmaligen Gelegenheit. Einer Gelegenheit zum einen das Wissen der Menschheit sprunghaft zu erweitern, zum anderen jene der persönlichen Profilierung und nicht zuletzt schlicht materiellen Bereicherung seiner Schlüsselfiguren. Angesichts dieser moralisch ethischen Implikationen, für die auch Kröger keine finalen Antworten beanspruchen will, gerät das Szenario des ersten Kontaktes mit einer Außerirdischen Lebensform beinahe zu einer Nebenhandlung. Es liest sich die Geschichte streckenweise einem Krimi nicht unähnlich.

    Auch im vorliegenden Buch erkennt der Leser die zentralen Themenstränge und „Steckenpferde“ des Autors wieder. Seien es nun die Bedenken gegenüber Gentechnik, bzw. des unverantwortlichen Einsatzes derselben, das Potential welches er in assimilierenden Nutztieren sieht (so zu finden u.a. auch in „Die Marsfrau“ ), sowie eine durchwegs pragmatisch nüchterne Sicht auf den Menschen als nicht zwingend stets sozial denkendes und handelndes Wesen.

    Lässt man sich auf teils etwas gewagten – v.a. in biologischen Belangen – Prämissen der Handlung ein, entsteht ein durchwegs runder Erzählverlauf. Aus meiner Sicht nicht der beste der bisherigen Ausgaben aus der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW), aber jedenfalls lesenswert.

    Zum Buch:

    Nachdem es sich bei Band 11 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.
  5. Cover des Buches Expedition Mikro (ISBN: 9783945713358)
    Alexander Kröger

    Expedition Mikro

     (2)
    Aktuelle Rezension von: buchwanderer
    „Mir jedenfalls flößt alles Respekt ein, was lebt, selbst wenn es uns Menschen im Augenblick nicht sosehr nützlich erscheint.“ (S.115)

    Zum Inhalt:

    Die Welt der Mikros , wie die genetisch verkleinerten Menschen auch genannt werden, stößt nach Generationen der abgeschotteten Entwicklung  an ihre Grenzen. Grenzen des zusehends mehr zerfallenden Schutzraumes, Grenzen der gesellschaftlich sozialen Belastbarkeit und Grenzen der Gesundheit.

    Nachdem von der ersten großen Expedition auch nach langer Zeit des Hoffens und Wartens keine Rückmeldung erfolgte, wird ein zweiter ambitionierter Versuch mit der Ozean II gestartet. Die Mannschaft aus hochmotivierten und -qualifizierten Männern und Frauen startet in’s Ungewisse, getrieben von der Hoffnung Kontakt aufzunehmen. Kontakt zu den Makros. Jenen Wesen, um die sich Geschichte und Geschichten ranken.

    Als es schlussendlich gelingt die großen Menschen ausfindig zu machen stellen sich Fragen, deren Tragweite erst peu à peu überschaubar wird: Wissen sie überhaupt von der Existenz der Kleinen? Kann es wirklich sein, dass sie die großen Brüder und Schwestern sind? Wie können Gesellschaften die sich über viele Jahrzehnte getrennt entwickelten zusammenfinden, Gemeinsames erarbeiten? Und sind sie wirklich bereit zu helfen, v.a. nachdem sie das gut gehütete Geheimnis des Ursprungs der Mikros erfahren haben?

    Fazit:

    Mit „Expedition Mikro“ nimmt Alexander Kröger seine Leser mit in eine Welt, in der die miniaturisierten Menschen mit gänzlich anderen physikalischen Unwägbarkeiten zu kämpfen haben, als dies bei den Großen der Fall ist. Sei es die Oberflächenspannung des lebensnotwendigen Wassers, die Aggregatzustände der Treibstoffe ihrer Fortbewegungsmittel oder die simple Aufgabe – aus Sicht der Mikros – enorme Strecken zurückzulegen, um das keinesfalls gesicherte Ziel der Kontaktausnahme mit den Makros zu erreichen.

    Vordergründig geht es um teils halsbrecherische Bewährungsproben in denen schon mal Fische zu Seemonstern und Ameisen zu Fressfeinden werden. Ein wenig dahinter klingt jedoch stets die Auseinandersetzung Krögers mit aktuellen Themen wie Überbevölkerung, Abrüstung, Gentechnik und der generellen Entwicklung der Menschen als soziales Wesen an. Wie solche Themen auch heute präsent sind zeigt u.a. der aktuelle Film „Downsizing“ von Alexander Payne (Trailer), freilich mit einem gänzlich anderen sozialphilosophischen Hintergrund.

    Krögers grundsätzlich gesellschaftsutopische Einstellung der (moralischen) Entwicklung des Menschen zum Besseren ist auch in diesem Text unübersehbar. (Pointiert zusammengefasst, hat diesen Grundtenor Alexander Baumbach in einem Artikel zu Krögers „Sieben fielen vom Himmel“ , einem Buch das auch hier im Rahmen der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) rezensiert wurde.) Die Welt der großen Menschen, Makros genannt, wie auch jene der kleinen Menschen wird bevölkert von größtenteils integren, der Gemeinschaft verpflichteten Individuen, die zwar nicht gänzlich altruistisch agieren, deren zentrale Lebensprämisse jedoch das Vorantreiben der menschlichen Vervollkommnung in einer politisch wirtschaftlichen Gemeinschaft ist, in der der Einzelne sowohl nach bestem Wissen gefördert wird, als auch diese Gemeinschaft mit seinen Gaben, seinem Wissen zu vervollkommnen trachtet.

    Auch wenn es manchem als augenscheinliche Selbstverständlichkeit erscheint, schließlich wird das Buch nicht selten als genrebegründend geführt, so fielen mir die vielen Parallelen zu Thomas Morus‘ „Utopia“ des Gesellschaftsentwurfes in Krögers Weltbild besonders auf. Insbesondere in den Passagen über die Bedeutung resp. Bedeutungslosigkeit von Geld als Macht- und Zahlungsmittel wird dies z.B. auf S.203f plastisch hervorgehoben.


  6. Cover des Buches Der erste Versuch (ISBN: 9783945713389)
    Alexander Kröger

    Der erste Versuch

     (3)
    Aktuelle Rezension von: buchwanderer
    „Wieder einmal hatte sich gezeigt, dass der Geist Mammon regierte und dass nicht davor zurückgeschreckt wurde, ihn mit allen Mitteln auf dem Sockel zu halten.“ (S.48)

    Zum Inhalt:


    Die Menschheit giert nach mehr und mehr Rohstoffen. Solchen, die noch unentdeckt unter der Erdoberfläche schlummern, ebenso wie jene deren Ressource der menschliche Geist zu sein verspricht. Ein Projekt welches auf beide Zugriff zu gewähren scheint wird mit Hochdruck in die Realität umgesetzt: das HAARP.

    Wo es Aussichten auf Ressourcen gibt, sind skrupellose Konzerne und ebensolche Glücksritter nicht weit. Ohne Rücksicht auf Menschen, Material oder gar die Implikationen des Projektes auf die Umwelt, bekriegen sich global agierende Gruppen – und dies nicht nur finanziell. In diesen Mahlstrom werden auch Milan Nowatschek, ein Anhänger der Zweitlebensgemeinschaft und Álina verstrickt. Milan lässt sich, um dem Wahnsinn der gegenwärtigen Gesellschaftsentwicklungen zu entgehen, für viele Jahre in eine Art Stasis versetzen, darauf hoffend – wie so viele „Kunden“ der Zweitlebensgemeinschaft –, dass mit ihrem Wiedererwachen sich die Dinge zum Besseren gekehrt haben würden.

    Álina wird als Spezialistin auf den Mars beordert um dort eine aufsehenerregende Entdeckung in Augenschein zu nehmen. Das dort aufgefundene Artefakt tritt jedoch in den Hintergrund, als sie unter der Marsoberfläche auf Spuren von extraterrestrischem Leben stößt, welches das Potential birgt, das Terraforming auf dem roten Planeten und Jahrzehnte nach vorne zu katapultieren. Um dies zu bewerkstelligen sind jedoch noch umfassende Tests auf der Erde notwendig. Während ihres Aufenthaltes eben dort versucht Álina ihren Milan wieder zu sehen, ist jedoch außerordentlich irritiert, als sie bei dem Mann der sich als Milan ausgibt auf immer neue Ungereimtheiten stößt, welche sie letzten Endes zu dem Schluss führen, dass dies nicht jener Milan sei, der lange Zeit ihr Lebensgefährte war.

    Das Glück jedoch ist ihr auf verzwickte Art und Weise hold, wird sie doch recht bald wieder auf den Mars gerufen, um dort ihre wissenschaftliche Arbeit weiterzuführen. Auch lernt sie auf dem Roten ihren zukünftigen Lebenspartner kennen und lieben. Die Rückreise zur Erde wird jedoch für beide zu einem Erwachen in einer Dystopie, deren Ursprung in der Gigantomanie und verantwortungslosen Fortschrittsgläubigkeit der HAARP-Projektierer ihren Ursprung hatte. Die weltumspannende Rechnung zahlt dabei die gesamte Menschheit, die ohne ihre Marskolonie, sowie die belächelten Anhängern der Zweitlebensgemeinschaft ihrem biologischen Untergang ins Auge sehen müsste…

    Fazit:


    Eine ausgesprochen düstere Perspektive ist es, die Alexander Kröger in diesem Text ausarbeitet. Wo sonst in seinen Geschichten eher eine Menschheit agiert, die aus Fehlern gelernt hat, ja beinahe geläutert an einer großen Gemeinschaft der Völker – nicht nur terrestrischer – arbeitet, springt den Leser dieses Bandes eine finstere, triste Dystopie auf beinahe allen Seiten förmlich entgegen. Dies mag anfänglich etwas irritierend sein, v.a. wenn man die vorigen Bände der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) gelesen hat, die einen durchweg positiv optimistischen Grundton verströmen, zeigt jedoch eine interessante andere Facette aus dem narrativen Repertoir des Autors.

    Auch in dieser Geschichte werden wieder rege Verweise auf andere Erzählungen des Autors angestellt, wie z.B. auf „Die Marsfrau“ (vgl. S.35). Der Mars und dessen Kolonisierung stellen in Krögers Erzähluniversum ohnehin ein zentrales Thema dar. Sei es als Überlebenschance wie als als logische nächste Etappe in der Exploration des Raums außerhalb unseres blauem Heimatplaneten.

    Zum Buch:


    Nachdem es sich bei Band 8 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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