Bücher mit dem Tag "sozialismus"

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83 Bücher

  1. Cover des Buches Kinder der Freiheit (ISBN: 9783404173204)
    Ken Follett

    Kinder der Freiheit

    (490)
    Aktuelle Rezension von: Kyra112

    Die nächste Generation steht vor den Herausforderungen der Nachkriegszeiten und stolpert damit mitten in den Kalten Krieg. Während George in den USA gegen die Unterdrückung der Schwarzen kämpft, muss sich Rebecca mit dem System in der DDR auseinandersetzen, ebenso wie ihr Bruder Walli und auch in Großbritannien gibts die ein oder andere Herausforderung.

    „Kinder der Freiheit“ von Ken Follett ist der Abschlussroman der Jahrhunderttrilogie.

    Ich habe dieses Buch wirklich mehrere Jahre vor mir hergeschoben. Nicht, weil mich der Roman abschreckt, sondern die Dicke des Buches.
    Ken Follett schreibt wirklich sehr realistisch und auch absolut mitreißend. Es gab viele Abschnitte, bei denen ich einfach ganz schnell weiterlesen wollte, weil’s wirklich spannend war. Auch hat mich das Buch animiert, einzelne historische Ereignisse oder Personen noch einmal nachzuschlagen und mich fundierter zu informieren. 

    Hin und wieder bin ich bei den Figuren durcheinander gekommen. Es sind ja doch einige Personen und damit Handlungsstränge, die hier behandelt werden und manchmal waren mir die Sprünge zu abrupt, sodass ich erstmal kurze Zeit zum Überlegen brauchte, um zu realisieren, über welche Figur ich nun lese.

    Nervig waren die vielen Beziehungen oder nicht-Beziehungen. Da war ja wirklich bei der neuen keine Beziehung dabei, die wirklich funktioniert hat. Irgendwie hat jeder es geschafft, das Ganze in den Sand zu setzen.

    Mich hat der Teil um die Kennedys etwas gelangweilt. Das war mir alles zu viel, während man zum Schluss das Gefühl hatte, Ken Follett rennt durch die Geschichte, also gerade, was die 70er/80er Jahre betrifft.

    Es war ein interessantes Buch, aber es war mir doch etwas zu viel des Guten. Wer gerne solche dicken Wälzer liest, ist hier richtig, aber für jene, die es eher kompakter lieben, ist der Roman gar nichts.

  2. Cover des Buches Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (ISBN: 9783596510979)
    Milan Kundera

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

    (1.171)
    Aktuelle Rezension von: Veezi

    Ich habe das Buch a) wegen dem Buchclub und b) wegen der "99 Bücher, die man gelesen haben muss" Challenge gelesen. Aber warum dieses Buch dazu zählt, habe ich keine Ahnung. Tomas und Theresa, Franz und Sabine sind alles Charaktere, die schwer zu ertragen sind. Tomas und Theresa sind in einer absolut toxischen Beziehung, Sabina treibt es gefühlt nur mit verheirateten Männern und Franz, als Professor, iwie total naiv. Kann ich gar nicht anders beschreiben. Knapp 300 Seiten und ich möchte einfach nicht mehr drüber nachdenken. Die wichtigen Themen, wie die Kommunistische Zeit von Russland über Polen und Tschechien kommt für meinen Geschmack viel zu Wenig zur Geltung. Stattdessen drehen wir uns um die Beziehungen der zwei Paare (die auch miteinander verknüpft sind) immerzu im Kreis. 

  3. Cover des Buches Farm der Tiere (ISBN: 9783864459870)
    George Orwell

    Farm der Tiere

    (996)
    Aktuelle Rezension von: Papercut

    „Farm der Tiere“ ist eine kurze, aber außerordentlich wirkungsvolle politische Parabel. In der scheinbar einfachen Geschichte eines Bauernhofs, auf dem die Tiere die Herrschaft der Menschen abschütteln, entlarvt Orwell mit scharfem Witz und bitterer Ironie die Mechanismen von Macht, Manipulation und Verrat an Idealen. Die anfängliche Hoffnung auf Gleichheit und Gerechtigkeit weicht Schritt für Schritt einer neuen Tyrannei – subtil, logisch und erschreckend plausibel erzählt.


    Besonders eindrucksvoll ist Orwells Sprache: klar, zugänglich und dennoch vielschichtig. Die Tiere sind prägnant charakterisiert und stehen symbolisch für gesellschaftliche Gruppen, ohne dabei ihre erzählerische Lebendigkeit zu verlieren. Gerade diese Einfachheit macht die Allegorie so kraftvoll; sie erlaubt Leserinnen und Lesern jeden Alters, die Geschichte zu verstehen, während ihre politische Tiefe mit zunehmender Reflexion immer deutlicher wird.


    Trotz seines historischen Bezugs wirkt das Buch zeitlos. Die dargestellten Strategien der Propaganda, die Umdeutung von Regeln und die schleichende Konzentration von Macht sind auch heute noch erschreckend aktuell. „Farm der Tiere“ ist daher nicht nur Pflichtlektüre im schulischen Kontext, sondern ein Werk, das zum kritischen Denken anregt und lange nachhallt.

  4. Cover des Buches Morton Rhue "Die Welle", Literaturseiten (ISBN: 9783956867842)
    Morton Rhue

    Morton Rhue "Die Welle", Literaturseiten

    (2.336)
    Aktuelle Rezension von: schnegge1998

    Wenn man an die heutige Zeit in der Schule denkt, wird wohl jeder sagen, dass mehr Disziplin und Respekt den Schülern gut tun würden. Dementsprechend finde ich das Buch sehr beeindruckend, wie schnell sowas aber auch ein anderes Format einnehmen kann. Das buch ist sehr gut geschrieben und kann den ernst der Lage gut rüberbringen. Den Film finde ich jedoch noch besser, deswegen ziehe ich ein Punkt ab.

  5. Cover des Buches Die Geschichte der getrennten Wege (ISBN: 9783518469538)
    Elena Ferrante

    Die Geschichte der getrennten Wege

    (280)
    Aktuelle Rezension von: Alina35

    Die Geschichte der getrennten Wege ist für mich einer der kraftvollsten Bände der Neapolitanischen Saga. Ferrante erzählt Elenas und Lilas Erwachsenenjahre mit einer beeindruckenden Klarheit und emotionalen Wucht. Die Freundschaft der beiden bleibt komplex, widersprüchlich und zutiefst menschlich – mal Nähe, mal Distanz, immer voller Spannung. Besonders stark ist, wie Ferrante die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche Neapels mit den inneren Kämpfen der Figuren verwebt. Ein fesselnder, reifer Roman, der lange nachhallt.

  6. Cover des Buches Kältezone (ISBN: 9783404187898)
    Arnaldur Indriðason

    Kältezone

    (165)
    Aktuelle Rezension von: JochenBender

    Ein langsam erzählter Krimi ohne Knalleffekte, bei dem der Autor gekonnt Schritt um Schritt die Spannung aufbaut. Mein Kopfkino sprang sofort an und ich folgte dem bärbeißigen Kommissar mit Vergnügen bei seinen Ermittlungen quer durch Island. Dabei erfuhr ich auch viel persönliches über ihn und seine Kollegen. Dies störte jedoch nicht, sondern machte die Figuren lebendig, zu echten Menschen.

    Auf ziemlich skurrile Weise wird ein noch skurrilerer Fall aufgedeckt: Weil nach einem Erdbeben der Spiegel eines Sees um über vier Meter sinkt, geben die Fluten eine seit Jahrzehnten dort liegende Leiche frei. Der Tote wurde an ein russisches Spionagegerät aus den frühen Sechzigern gebunden im See versenkt. So lebte nicht nur der kalte Krieg in Island wieder auf, sondern wurde ich als Leser mit der Geschichte isländischer Sozialisten bekannt gemacht, die zum Studium nach Leipzig durften. Dort wurden die Idealisten mit dem real existierenden Sozialismus konfrontiert, der wenig bis nichts mit ihren Wunschvorstellungen gemein hat. An dessen Schattenseiten wie Stasi statt Freiheit, Dogma statt Demokratie zerbrachen manche und kehrten desillusioniert heim. Ich wünschte, junge deutsche Fans von Frau Reichinek und ihrer Linken würden das Buch lesen. Vielleicht würden sie dann manche Lügen leichter durchschauen.

    Ein spannender und absolut lesenswerter Krimi.

  7. Cover des Buches Machandel (ISBN: 9783328100249)
    Regina Scheer

    Machandel

    (65)
    Aktuelle Rezension von: rose7474

    Dieser Roman wurde mir empfohlen und er sprach mich gleich an, da es um zeitgeschichtliches geht in der DDR. Ich mag solche Geschichten sehr und wurde hier nicht enttäuscht. 

    Ich brauchte etwas Zeit um in die Geschichte reinzukommen. Dann jedoch packte es mich und wollte immer weiterlesen. Die verschiedenen Perspektiven gefielen mir sehr gut und die Schicksale berührten mich sehr ubd brachten mich zum Nachdenken. Ein Buch wofür man etwas Zeit braucht aber wichtig gegen das Vergessen ist. Ich werde es irgendwann nochmal lesen und noch mehr von Regina Scheer. 

    Daher eine absolute Leseempfehlung von mir und wohlverdiente 5 Sterne. 

  8. Cover des Buches Das gläserne Meer (ISBN: 9783832197971)
    Josh Weil

    Das gläserne Meer

    (33)
    Aktuelle Rezension von: Christian_liest
    Dima und Jarik sind unzertrennliche Zwillinge die auf dem Bauernhof des Onkels aufwachsen. Beide arbeiten in einem Gewächshaus "Oranzeria". Das gläserne Meer welches aufgrund reflektierender Spiegel geschaffen wurde um den ewigen Tag herzustellen. So wird sichergestellt das das Gewächshaus noch produktiver arbeiten kann. Schon bald verbindet die beiden nicht mehr das Abenteuer und die russischen Sagen sondern nur noch die Arbeit. Ihre Lebensläufe kläffen immer mehr auseinander, der eine als Erfolgreicher Geschäftsmann mit Frau und Kind, der andere Zwilling der dem ganzen hinterherhingt. Ein dicker Wälzer mit einem sehr schönem Cover und einem tollen Titel. Wenn man erst man den Schreibstil versteht und sich gewöhnt geht das Buch runter wie Öl. Die Geschichte ist schön detailliert und liebevoll geschrieben. Einige Wörter waren mir unbekannt, das ist aber das einzige Manko an dem Buch. Würde ich immer wieder lesen.
  9. Cover des Buches Utopia (ISBN: 9783717524564)
    Thomas Morus

    Utopia

    (132)
    Aktuelle Rezension von: titanreads

    Utopia ist ein lesenswerter Literaturklassiker von Thomas Morus über die ultimative Utopie, genauer die Welt Utopia, bei der niemand weiß, wo diese sich befindet. Sie beschreibt ein total faires, durchklügeltes System von Inselmenschen, die alle das selbe Gut teilen, ohne jegliche Arm-Reich-Schiene und mit perfekt ausgearbeitetem Rechtssystem. Der fiktive Raphael Hytholodaeus trifft hierin auf Morus und auf Petrus Aegidius und erzählt von seiner Zeit in eben jenem erwähnten Utopia. Raphael erklärt das Bestrafungssystem, erzählt von Lust in Utopia und von der Wissenschaft, welche dort noch nicht genutzt wird, aber gleichzeitig, wie die Utopier diesen fehlenden Wissensstand ausgleichen. Den Kindern wird früh bereits beigebracht, dass bloßer Reichtum nicht viel wert ist und geistige und körperliche Arbeit sich immer auszahlt. Jeder in Utopia hat eine klare Rolle und Bestimmung und jeder hilft jedem. 

    Hierbei wirkt alles leider sehr trocken in Hytholodaeus Erzählungen und gelegentlich kann es vorkommen, dass Seiten leider schnell unbewusst eher überflogen als gelesen werden. Die wenigen Rollen in der Utopie sind leider sehr platt und wenig charakterstark darrgelegt. 

    Eine Empfehlung für Geschichts- und Literaturliebhaber, da diese die viele Detailarbeit und den Schreibstil sehr schätzen werden. Aber auch der "neutrale" Leser kann Gefallen daran finden, wenn auch nur zum entspannten Lesen.

  10. Cover des Buches Die Schlange von Essex (ISBN: 9783847900306)
    Sarah Perry

    Die Schlange von Essex

    (170)
    Aktuelle Rezension von: MademoiselleMeow

    𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞 𝐯𝐨𝐧 𝐄𝐬𝐬𝐞𝐱 ist ein Buch, das ich allein wegen seiner hübschen Optik in meiner Sammlung haben wollte. Und natürlich auch wegen des verlockenden Klappentextes um den Mythos eines Seeungeheuers, welches einen kleinen englischen Ort im 19. Jahrhundert heimsucht. Aber meine Bücherei hatte es da und weil Bücher nun mal teuer sind, durfte es nur als Leihexemplar bei mir einziehen.


    Der Roman begleitet eine Vielzahl von Personen, wobei die junge Witwe Cora und der Pfarrer Will die Hauptfiguren bilden. Cora ist voller Wissensdurst, folgt den Thesen Darwins und als sie hört, im Küstenort Aldwinter habe man eine Seeschlange gesichtet, ist sie sofort Feuer und Flamme. Könnte es sich doch um ein prähistorisches Wesen handeln.
     Die Dorfgemeinde glaubt aber eher an ein mystisches Ungeheuer. Will Ransome glaubt an keines von beidem, ist aber zunehmend fasziniert von Cora, mit der er aber auch immer wieder aneinander gerät.


    Ich hatte einige Probleme mit dem Roman.

    Erst einmal gibt es zu viele Personen, von denen kaum eine sympathisch ist. Jede von ihnen hat seine eigene interessante Geschichte zu erzählen, die aber nicht genug Raum bekommt, weil eben zu viel los ist.


    Das Paar Cora und Will hatte für mich null Chemie, zumal Will mit einer sehr lieben Frau verheiratet ist und mit Cora nichts gemeinsam hat. Cora ist anders und darin liegt der Reiz. Aber wie soll man mit eine Romanze mitfiebern, wenn die Verliebten nie einer Meinung sind und andere mit ihrem Verhalten verletzen?


    Auch wenn es hier um ein mystisches Wesen geht, erwartet keine Fantasy. Die Schlange steht für vieles. Wissenschaft und Aberglaube, Medizin, Massenhysterie, soziale Ungerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben zu jener Zeit. Alles interessante Themen, über die ich gern gelesen habe. Man hätte es aber vielleicht besser auf drei verschiedene Romane aufgeteilt, damit jedes Thema für sich glänzen kann.


    Von mir erhält der Roman trotz meiner Kritik eine positive Bewertung, denn er hat mich sehr gut unterhalten. Und auch das versöhnliche Ende hat mir gefallen.

  11. Cover des Buches Diesseits der Mauer (ISBN: 9783455021851)
    Katja Hoyer

    Diesseits der Mauer

    (7)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Der Historikerin Katja Hoyer gelingt hier ein richtig eindrucksvolles Buch zur Geschichte der DDR. Die 1985 in Guben geborene Katja Hoyer absolviert ihr Geschichtsstudium in Jena und ging 2010 nach England, wo sie lebt und arbeitet.

    Mit ihrem Buch „Diesseits der Mauer“, 2023 bei Hoffmann und Campe auf Deutsch erschienen, als Übersetzung von „Beyond the Wall. East Germany“, welches ebenso 2023 bei Allen Lane in London erschien, begeistert sie mich ungemein. 1989 war Katja Hoyer 4 Jahre alt, was ihr vielleicht half, einen nicht verfärbten Blick auf den Osten zu wagen. Ich weiß nicht, ob ich dies könnte und ich würde nicht sagen, dass ich irgendwie DDR-nostalgisch veranlagt wäre. Dennoch verbinden mich einige Jahre mit der DDR, auch und gerade diese prägenden Coming of age. Das verändert. Ebenso wie mich so manch ein Blick aus fremden Augen auf diesen Osten regelrecht ärgert. 

    Deswegen habe ich auch etwas warten müssen mit der Lektüre. Man muss reif sein für ein Buch und dies trifft noch mehr auf Geschichtsbücher über die DDR zu. Denn wenn man im Osten aufgewachsen ist und immer noch dort lebt, hat man für gewöhnlich sehr feine Antennen bei diesem Thema. Denn mit Ruhm bekleckert hat sich Deutschland beim Thema Osten auf gar keinen Fall. Auch wenn dies im Westen oft niemand hören will. Denn dieses unsägliche Jetzt hat mit diesem Damals zu tun. Leider!

    Aber zurück zu dem Buch. Obwohl ich mich durchaus als eine geschichtlich bewanderte Ostfrau halte, hat mich „Diesseits der Mauer“ oft verblüfft. Ja, dieses sehr gut recherchierte Buch vermittelt Neues und ich empfehle es schon deswegen. Schon in den ersten Kapiteln hatte mich Katja Hoyer erreicht, erstaunt und überzeugt. Ein so wichtiges Buch! Ein weiterer Pluspunkt bei diesem Buch ist der Ton, einerseits wird der Informationsfluss durch Berichte von Zeitzeugen gelockert, andererseits gelingt Katja Hoyer ihr Blick auf die DDR wirklich gut, und zwar weder verklärt noch voreingenommen, was fast ein Meisterstück ist, denn dieses Thema polarisiert ungemein.

    Ich finde dieses Buch sollte eine Pflichtlektüre sein für jeden in Deutschland, zusammen mit „Ungleich vereint“ von Steffen Mau. Vielleicht wäre dann einiges anders. Bildung hilft ja für gewöhnlich. Wobei vielleicht auch eine Haltung helfen könnte, kein Opfer sein und die Schuld bei Anderen suchen zum Beispiel. Immer die eigene Beteiligung beim Geschehen erfragen, die eigene Wahl bei den Wegkreuzungen des Lebens. So lebt es sich meines Erachtens deutlich besser, ruhiger und inhaltlich voller. 

  12. Cover des Buches Dr. Siri und seine Toten (ISBN: 9783442466795)
    Colin Cotterill

    Dr. Siri und seine Toten

    (169)
    Aktuelle Rezension von: Argentumverde

    Laos 1976 - Das Land ist frisch im Kommunismus angekommen. Nach dem Umsturz muss ein systemtreuer Rechtsmediziner her. Und so wird Dr. Siri Paiboun mit 72 Jahren befördert, statt in den Ruhestand zu gehen. Soll es doch in der neuen Volksrepublik möglichst wenig Verbrechen oder ungeklärte Tode geben. Nur der Arzt versteht seine Aufgabe etwas medizinischer und beginnt prompt mit einiger Unterstützung von Assistenten, Polizei und einem alten Freund seine Fälle genauer zu untersuchen. 

    Die Autoren erschaffen hier einen authentisch-skurrilen Charakter, der ohne entsprechende Ausbildung oder das benötigte Handwerkszeug, aber mit viel Geist, Intuition und Herzblut an seine Aufgabe geht, der nicht im System befangen ist, über den Tellerrand schauen kann, aber trotz alledem im System gefangen ist. Aber nicht nur die Figur des Doktors, sondern auch seine Assistenten, sein Freund, die Lehrerin Oum und Inspektor Phosy sind interessante, Charaktere, die mit einem Augenzwinkern zu genießen sind und Leben in die Geschichte bringen. Das Buch überzeugt mit einem wunderbaren Humor, viel klugem Wortwitz und flüssigem Schreibstil. Dabei bleibt der klare, ernüchternde Blick auf das kommunistische Laos aber absolut präsent. Das alltägliche Leben im Laos der 70er Jahre spielt eine mehr als wichtige Rolle.

    Mein Fazit: Ein wunderbares Buch, dass mit viel Humor zu lesen ist, dabei spannend und fesselnd von Anfang bis Ende und mit einer durchaus eigenwilligen, aber passenden mysteriösen Note. Hinzu kommen starke Charaktere, die viel Potenzial für Band 2 bieten.


  13. Cover des Buches Die Selbstgerechten (ISBN: 9783593516103)
    Sahra Wagenknecht

    Die Selbstgerechten

    (22)
    Aktuelle Rezension von: kevintellermann

    Das Buch von Wagenknecht, die sich gerade politische selbstständig macht, nimmt eine altlinke Position ein, aus der die neulinke kritisiert und ihr das linkssein abgesprochen wird. So lange man an das ohne Identifikation liest, ist das eine akzeptable Meinungsäußerung, die man abwägen kann. Wenn man in irgendein politisches Extrem neigt, hat das Buch Triggerpotential und bestätigt nur bereits vorgefertigte Meinungen.

    Tipp: Neutral lesen und einrordnen. Auf dieser Basis gute 4/5 Sternen.

  14. Cover des Buches Durch Mauern gehen (ISBN: 9783442776054)
    Marina Abramović

    Durch Mauern gehen

    (24)
    Aktuelle Rezension von: ryoma
    Ich kannte die Performance-Künstlerin zuvor nicht. Ich war von Anfang an gefesselt. Ein Buch das zum einen unterhaltend ist, zum anderen vermutlich fast jeder Mensch etwas für sich daraus ziehen kann. Traurig und lustig zugleich. Lediglich das letzte Kapitel wirkte ein wenig gehetzt und auch nicht mehr so spannend. 
  15. Cover des Buches Das Känguru-Manifest (ISBN: B005I5EF6C)
    Marc-Uwe Kling

    Das Känguru-Manifest

    (255)
    Aktuelle Rezension von: Henri3tt3

    Erstaunlich, dass dieses (Hör-)Buch schon so alt ist. Die Themen sind entweder zeitlos oder wieder oder immer noch aktuell, z.B. die Frage, wofür die Abkürzung CDU steht. Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Dafür kann man sich aber wunderbar kichernd und gackernd auf dem Boden wälzen z.B. über die falsch zugeordneten Zitate, den Wettbewerb mit den unerkannten Beleidigungen und die Halt-mal-kurz-Falle. Ich hatte großen Spaß.

  16. Cover des Buches Kranichland (ISBN: 9783499274015)
    Anja Baumheier

    Kranichland

    (114)
    Aktuelle Rezension von: EmmaWinter

    Kranichland ist ein Sehnsuchtsland; dorthin ziehen die Kraniche im Herbst und Marlene beneidet sie um diese Freiheit. Sie hat 1968 in Ost-Berlin nicht die Möglichkeit zu reisen, wohin sie möchte. Gemeinsam mit ihrem Freund Wieland plant sie die Flucht über Prag, dort werden sie jedoch von der Stasi abgefangen. 

    Die Autorin öffnet ein Nähkästchen voller Geheimnisse und Schweigen in einer Familie, die an den sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat glauben möchte, jedoch letztlich daran zerbricht. Erst mit der Enkelgeneration wird das Schweigen gebrochen und nun müssen alle mit den Scherben leben. Dem Genre wird der Roman gerecht, er unterhält und hat durchaus spannende Momente. Leider hatte er für mich aber auch einige Schwächen. Die Charaktere sind recht platt und klischeehaft. Ich konnte mit keiner Figur richtig mitfiebern, sie blieben mir fremd. Es passiert viel, was ohne Bezug zur Handlung bleibt und dann einfach im Sande verläuft. Außerdem waren einige Szenen und Charaktere einfach nicht glaubhaft, da wird der gute Wille schon sehr strapaziert.

    Interessant sind die Bezüge zur Geschichte der DDR, Fluchtversuch, Austausch politischer Gefangener etc. Das wird gut vermittelt. Von einer Bekannten habe ich mir sagen lassen, dass auch die häufig erwähnten Einrichtungsgegenstände absolut typisch gewesen seien, die hätten ihre Eltern auch gehabt, u. a. das Pastellgemälde des Wiener Schokoladenmädchens oder eine Vase aus Meißner Porzellan. Diese Objekte spielen im Roman eine wichtige Rolle und gerade die Symbolik der Vase ist wirklich gut gemacht.

    Alles in allem ein Unterhaltungsroman, der mir etwas zu "leicht" in der Sprache war, stellenweise einfach unglaubwürdig und mit Geheimnissen und Verschwiegenheit überfrachtet. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und dieser Roman hat eine große Fangemeinde. Mir hat "Die Erfindung der Sprache" von der Autorin wesentlich besser gefallen, das Buch kann ich sehr empfehlen, es ist völlig anders geschrieben. 

  17. Cover des Buches Maschinenwinter (ISBN: 9783518260081)
  18. Cover des Buches Vom Anfang bis heute (ISBN: 9783328100065)
    Loel Zwecker

    Vom Anfang bis heute

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Wolfhound

    Loel Zwecker komprimiert uns hier die Weltgeschichte auf unter 500 Seiten. 

    Dabei schafft er es durch seinen Schreibstil, aber auch durch vereinzelt eingestreute unnütze Anekdoten, den manchmal doch recht trockenen Geschichtsaspekt aufzulockern. An einigen Stellen konnte ich mir ein Schmunzeln oder auch Lachen nicht verkneifen. 

    Die Themen sind gut aufgearbeitet und machen auch Spaß. So bekommt man einen schönen knackig kurzen Einblick in vielen Aspekte unserer Geschichte.

    Jedoch werden auch hier (unvermeidbare?!) Schwerpunkte wie z. b. die französische Revolution gesetzt und andere Bereiche werden nur angerissen. So werden Jahrhunderte der afrikanischen Geschichte nur wenige Seiten. 

    Auf der anderen Seite sind so schwierige Themen wie Rassismus und die Kolonialisierung meiner Meinung nach gut dargestellt und aufgearbeitet.

    Leider ist der lockere, moderne Stil des Buches auch auf einigen Strecken etwas anstrengend und die Coolness und der Humor wirken zu gewollt, was mir zum Ende hin den Lesespaß etwas verhagelt hat. Dennoch ist es ein absolut lesenswertes Buch, aus dem man einiges mitnehmen kann und das mein Wissen in einigen Belangen doch wieder sehr aufgefrischt hat

  19. Cover des Buches Tête-à-Tête (ISBN: 9783257246711)
    Martin Walker

    Tête-à-Tête

    (16)
    Aktuelle Rezension von: RobertLeFaouet

    Es sollte mal wieder ein Provence-Krimi sein, aber nach den ersten 20 Seiten habe ich ihn weggelegt. Wohlgemerkt nicht Tête-à-Tête von Martin Walker sondern einen anderen Krimi, den ich hier nicht nenne. Grausame Folterszenen, eine verstümmelte Frauenleiche, das war nicht das Richtige für mich.
    Deshalb habe ich mich für Bruno Courrèges entschieden, weil ich wusste, dass mich hier eher Entspannung erwartet.
    So war es denn auch. Eine dreissig Jahre alte Leiche, oder vielmehr, was von ihr übrig geblieben ist, ein Mordverdacht und der Versuch, diesen alten Fall aufzuklären, darum geht es im engeren Sinne. Daneben spielt die zunehmende Waldbrandgefahr im Périgord eine Rolle. Das Feuer wird von Bruno natürlich heldenhaft und erfolgreich bekämpft.

    Es ist schon sehr leichte Lesekost, aber wer Bruno, seine Kochkünste, seine Weine und seine symphatische Persönlichkeit mag, kann sich entspannt zurücklehnen.

  20. Cover des Buches Wir sehen uns unter den Linden (ISBN: 9783426522356)
    Charlotte Roth

    Wir sehen uns unter den Linden

    (60)
    Aktuelle Rezension von: Mia80

    3,5 Sterne.

    Im Rahmen der Subleichen Challenge habe ich „Wir sehen uns unter den Linden“ gelesen. Es handelt sich um ein älteres Buch von Charlotte Roth und ich fand es interessant zu sehen, wie sie hier bereits Themen angerissen hat, aus denen sie in den Folgejahren Romane entwickelt hat, wie zum Beispiel Carola Neher oder das Wintergarten Varietè. 

    Eigentlich lese ich Geschichten auf verschiedenen Zeitebenen gerne. In diesem Fall hat es für mich allerdings nicht so gut funktioniert. Das lag daran, dass die Abschnitte der jeweiligen Ebenen sehr lang sind (mehrere Kapitel) und zudem auch größere Zeitsprünge eingebaut wurden. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass ich immer wieder rausgerissen wurde und nicht richtig in die Handlung eintauchen konnte. 

    Den Teil, der in der Vergangenheit spielt, habe ich sehr gerne gelesen. Wir begleiten hier Ilo, ihre Entwicklung von einer jungen, sorglosen Künstlerin zu einer verheirateten Mutter, der die Sorge um ihren Mann und ihre beste Freundin in politisch unruhigen Zeiten und während des zweiten Weltkriegs zusetzt. Ich habe mit ihr und ihren Lieben mitgelitten und fand das Schicksal der einzelnen Charaktere sehr bewegend. 

    Der zweite Handlungsstrang spielt in den 50er und 60er Jahren mit Sanne, der Tochter von Ilo, im Zentrum. Sanne ist extrem linientreu und steht voll und ganz hinter der Politik der DDR. Leider war sie für mich eine sehr unsympathische Protagonistin. Sie hat im Grunde keine Freunde, was mich bei ihrer Art kaum wundert. Sie akzeptiert keine andere Meinung außer der ihren, welche im Grunde genommen auch nicht wirklich ihre ist. Die eingebaute Liebesgeschichte mit dem Koch Kelmi fand ich ganz und gar sonderbar. Kelmi ist gezeichnet wie der lustige Trottel in einem Theaterstück und artikuliert sich dementsprechend. Sanne und Kelmi treffen sich zufällig auf der Straße. Beide haben nichts gemein, Sanne beteuert auch immer wieder, eigentlich nichts mit ihm zu tun haben zu wollen doch Kelmi heftet sich hartnäckig an ihre Fersen. Für mich war diese Liebesgeschichte sehr unecht. 

    Das Ende des Buches kam dann abrupt und war mit seinem offenen Ende unbefriedigend für mich. 


  21. Cover des Buches Das verborgene Leben des Fidel Castro (ISBN: 9783404608973)
    Juan Reinaldo Sanchez

    Das verborgene Leben des Fidel Castro

    (1)
    Aktuelle Rezension von: GernotUhl

    Aus: https://www.eulengezwitscher.com/single-post/rezension/castro

    Er war der ewige Revolutionär: Fidel Castro. Auf der großen Bühne der Sozialromantik hat er alle Rollen gegeben: er war der Aufrührer an der Uni, der ehrenvoll gescheiterte Putschist als junger Rechtsanwalt, der heldenhafte Guerillakämpfer in den Bergen der Sierra Maestra, der erste Arbeiter und Bauer des sozialistischen Karibikidylls auf Kuba und der große Freund der Dritten Welt. Zwei neue Biografien erlauben ungewohnte Blicke in die Maske dieses begnadeten Selbstinszenierers.

     Was ist das für ein Mann, der sein Leben für Ideale riskiert, die er dann verrät und entehrt?

    Der junge Fidel Castro streitet gegen den kubanischen Militärdiktator Batista und für seine (gewöhnungsbedürftigen) Vorstellungen von Freiheit und Demokratie. Zumindest gibt er das vor. Denn kaum, dass seine siegreiche Revolution den Tyrannen vertrieben hat, sitzt auch schon der nächste große Unterdrücker in Havanna. Anfangs jubeln ihm die vermeintlich befreiten Kubaner euphorisch zu, weil Castro die amerikanischen Konzerne enteignet und den Großgrundbesitz auf die armen Landbauern verteilt. Sie bewundern ihn dafür, dass er den wutschnaubenden US-Politikern in Washington trotzig die Stirn bietet (auch wenn er sich dafür den Sowjets andienen muss). Sie freuen sich über bessere Bildung und Gesundheitsversorgungen, und sehen geflissentlich darüber hinweg, dass Castros Kuba auch nichts anderes als eine Zweiklassengesellschaft ist. Sie feiern einen Volkstribunen, der selbst mit der Machete das Zuckerrohr schneidet und können doch nicht wissen, dass hinter der Fassade des genügsamen Landmanns ohne eigenen Besitz ein den Luxus liebender Macho steckt, der sich eine geheimgehaltene Paradisinsel, eine Yacht und viele andere Annehmlichkeiten gönnt. 

    Davon berichtet Castros ehemaliger Leibwächter in leuchtenden Farben. Juan Reinaldo Sanchéz' Blick auf den Maximo Lider ist eine Abrechnung.Was ist das für ein Mann, der sein Leben für Ideale riskiert, die er dann verrät und entehrt? Der junge Fidel Castro streitet gegen den kubanischen Militärdiktator Batista und für seine (gewöhnungsbedürftigen) Vorstellungen von Freiheit und Demokratie. Zumindest gibt er das vor. Denn kaum, dass seine siegreiche Revolution den Tyrannen vertrieben hat, sitzt auch schon der nächste große Unterdrücker in Havanna. Anfangs jubeln ihm die vermeintlich befreiten Kubaner euphorisch zu, weil Castro die amerikanischen Konzerne enteignet und den Großgrundbesitz auf die armen Landbauern verteilt. Sie bewundern ihn dafür, dass er den wutschnaubenden US-Politikern in Washington trotzig die Stirn bietet (auch wenn er sich dafür den Sowjets andienen muss). Sie freuen sich über bessere Bildung und Gesundheitsversorgungen, und sehen geflissentlich darüber hinweg, dass Castros Kuba auch nichts anderes als eine Zweiklassengesellschaft ist. Sie feiern einen Volkstribunen, der selbst mit der Machete das Zuckerrohr schneidet und können doch nicht wissen, dass hinter der Fassade des genügsamen Landmanns ohne eigenen Besitz ein den Luxus liebender Macho steckt, der sich eine geheimgehaltene Paradiesinsel, eine Yacht und viele andere Annehmlichkeiten gönnt. Davon berichtet Castros ehemaliger Leibwächter in leuchtenden Farben. Juan Reinaldo Sanchéz' Blick auf den Maximo Lider ist eine Abrechnung.Analyse des Wissenschaftlers, Abrechnung des Bodyguards Der langjährige Bodyguard will am Ende seiner Laufbahn ins Gefängnis geraten sein, weil er um Vorruhestand gebeten habe. Solcher Undank löst die Bande der bedingungslosen Loyalität - und Sanchéz plaudert durchaus kurzweilig aus dem Nähkästchen. Es ist zwar nicht wirklich sensationell oder ganz und ganz unvorstellbar, was er da ans Licht bringt, denn dass Macht korrumpiert, ist ja an sich keine echte Überraschung. Aber Sanchéz zerstört eines der Bilder, das Castro zeitlebens von sich zeichnet: Das des uneigennützigen, väterlichen Herrschers, dessen Freizeit nur Kuba gilt, aber nie den eigenen Vergnügungen.

    Wesentlich weniger aufgeregt nähert sich Roman Rhode Castros Lebensgang und Lebenswerk. Was Rhode vorgelegt hat, ist nicht weniger als ein Lehrstück politischer Biografik. Nüchtern und distanziert beschreibt und analysiert er die Entwicklung von Castro und Kuba. Er beherrscht die mehrsprachige und vieltausendseitige Literaturlage (was allerdings zur Folge hat, dass er mitunter etwas zuviel voraussetzt) und er fällt kein Vorurteil. Aber seine geradezu emotionslose Schilderung führt nochmals eindringlicher vor Augen, wie Castro seine eigenen Ideale ins Gegenteil verkehrt. Beeindruckend ist die exemplarische Anatomie des Schauprozesses gegen den ehemaligen General Ocho (von dem auch Sanchéz erzählt). Rhode zeigt, wie Castro kurzen Prozess mit allen macht, die ihm nicht folgen. Der einstige Freiheitskämpfer verachtet die Freiheit des Andersdenkens straft selbst Widerworte von engen Vertrauten mit Kerker (wie im Fall Sanchéz) und Tod (wie bei Ochoa). Beide Biografien tragen auf ganz unterschiedliche Weise - Boulevard und Wissenschaft - dazu bei, dass der Mythos Castro bröckelt und dass seine Legende möglicher kürzer lebt, als er selbst...

     

    Eulengezwitscher. Bücher, Biografien und Blog von Gernot Uhl

  22. Cover des Buches Die Farbe Rot (ISBN: 9783406714269)
    Gerd Koenen

    Die Farbe Rot

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Wedma

    Für dieses Werk konnte ich mich leider absolut nicht begeistern. Der Anfang war toll, also wollte ich mir das Ganze näher anschauen, aber je weiter ich las, desto übler wurde mir dabei zumute. Die anfängliche Begeisterung verflog spätestens nach den ersten vierhundert Seiten. Dort wurde neutral, dann aber eher abwertend berichtet. Sobald es um Russland und seine Geschichte ging, wurde der Ton zunehmend abschätzig herablassend. Ich gewann leider immer mehr den Eindruck, dass der werte Autor weder Kommunismus im Allgemeinen noch Russland im Besonderen mag.


    Je weiter ich las, desto eher ich bereit war, dem Rezensenten aus der 1-Stern-Abteilung bei amazon recht zu geben, der meinte: „Dieser Schreiberling des Kapitels ist lebenslang seiner antikommunistischen Linie treu geblieben. Es ist schon auffällig u. zudem lächerlich das vor allem ehemalige Mitglieder der K-Gruppen, die übrigens schon immer antisowjetisch agierten, heute in der BRD zu den großen Erklärern des Weltkommunismus stilisiert werden. Koenen, Schlögel, Schroeder oder ein Posener kippten früher ihren Müll auf die Sowjetunion und heute sicher nicht zufällig auf Russland.......“ 


    Diese anti-Einstellung des Autors konnte ich deutlich wahrnehmen, im weiteren Verlauf irritierte sie mich unsäglich. Wäre ihm etwas am Thema, am Land insg. gelegen, hätte er einen anderen Ton angeschlagen und Mittel und Wege gefunden, das Ganze nicht so grässlich darzustellen.


    Für Laien schaut Koenen wie ein Kenner aus. In der Sache liegt er oft richtig. Bloß seine Interpretationen sind leider eher fragwürdiger Natur. Zudem fehlten mir leider die Quellen als Beleg manch seiner steilen Thesen, Darstellungen wichtiger Momente blieben auf dem Hörensagen Niveau. Bei einem guten Sachbuch sind einwandfreie Quellenangaben aber unerlässlich.


    Mir waren die Inhalte nicht neu. An mehreren Stellen entstand der Eindruck, dass der werte Autor bloß an der Oberfläche gekratzt hatte. Oft musste ich feststellen: Da sind nur die Eisbergspitzen, auf die er die Aufmerksamkeit der Leser fokussiert hatte. Aber warum brachte er ausgerechnet das? Und dann noch auf diese abwertende Art und Weise? Das Scheußlichste geht vor, war wohl die Devise. Oft genug krallte er sich an eine einzelne Quelle, an die Meinung nur eines Autors, der z.B. das Geschehen an der Südfront 1918 schilderte, und natürlich war es das Grässlichste, was da zu finden war. Zudem war der Text oft so staubtrocken, dass ich mich da förmlich durchbeißen musste. Ich habe gehofft, dass es vllt später besser wird. Fehlanzeige.


    Weshalb schreibt man dann ein Werk, indem Russland eine große Rolle spielt und die restlichen achthundert Seiten Gegenstand der Ausführungen ist, wenn man so negativ dem gegenüber eingestellt ist, was man schreibt? Ist es eine Art Racheakt?, a lá: Ich erzähle rus. Geschichte, aber so widerwärtig, dass einem die Haare zu Berge stehen, damit die Russen so bescheiden, milde gesagt, in der Öffentlichkeit stehen. Denn klar ist: Derjenige, der die Geschichte erzählt, hat auch die Deutungshoheit, zumindest im Rahmen seines Buches. Und es wird womöglich Leute geben, die dieser Darstellung Glauben schenken werden, da der werte Autor sich als Kenner russischer Geschichte anschickt.


    In dem Sinne ist dieses Werk eine klare anti-russische und anti-Kommunistische Meinungsmache, anders gesagt: Propaganda. Und diese ist, wie wohl bekannt, ein Machtinstrument. Funktioniert bloß nur, solange man sie nicht als solche erkennen kann.


    Fazit: Wer gern anti-kommunistische, bzw. anti-russische Schriften liest, ist hier goldrichtig. Eine grässliche, einseitige Darstellung in schwarzen Tönen, abschätzig dargeboten, die noch Ihresgleichen sucht.


    Ansonsten muss man es sich nicht antun. Zu dem Thema habe ich schon bessere Bücher gelesen. Zu den Anfängen von Kommunismus schreibt sehr gut Jürgen Neffe in „Marx. Der Unvollendete“. Es gibt auch andere Werke zur rus. Geschichte. Ohne die Rachegelüste und/oder ähnl. Allüren.


    Mehr als zwei Sterne kann ich hier leider nicht vergeben.

  23. Cover des Buches Im Wasser sind wir schwerelos (ISBN: 9783455011395)
    Tomasz Jedrowski

    Im Wasser sind wir schwerelos

    (119)
    Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee

    Polen im Jahr 1980. Ludwik hat sich verliebt - in Janusz. An einem verborgenen See im Wald können sie diese Liebe leben, doch es ist gefährlich. Als der Sommer sich dem Ende zuneigt, müssen die beiden zurück in die Stadt... 

    ❤️ Ich habe das Buch gemocht, doch ich hatte Probleme mit dem Schreibstil. Die Ich-Erzählweise hat hier für mich nicht so gut funktioniert, was sehr schade ist. Die Thematik fand ich total interessant und schön. 

    29.03.2026

  24. Cover des Buches Swimming in the Dark (ISBN: 9781526604972)
    Tomasz Jedrowski

    Swimming in the Dark

    (9)
    Aktuelle Rezension von: bookswithjacki

    Im sozialistischen Polen der 80er Jahre verlieben sich Ludwik und Janusz ineinander, doch ihre Liebe wird von der Gesellschaft nicht akzeptiert. Nachdem sie einen traumhaften Sommer zusammen verbringen, müssen sie sich entscheiden, ob und inwiefern sie ihre Bezehung fortführen wollen und können.. In dem Buch steckt viel von Polens Geschichte des 20. Jahrhunderts, verpackt in einer fesselnden Story und einem tollen Schreibstil. Ich hätte mir noch mehr schöne Momente zwischen den beiden gewünscht.

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