Bücher mit dem Tag "soziologie"
219 Bücher
- Richard David Precht
Wer bin ich - und wenn ja wie viele?
(667)Aktuelle Rezension von: teilzeitbaeuerinRichard David Precht erklärt in diesem Sammelroman in verschiedenen kurzen Einzelgeschichten die essentiellen Fragen des Lebens. Er flechtet dabei gekonnt, die Lebensläufe der berühmtesten Philosophen der vergangenen Jahrhunderte und deren Denkweise ein. Die Geschichten sind rasch zu lesen, sind so geschrieben, dass auch Laien (so wie ich) es gut verstehen und dennoch ansprechend, dass man gerne weiter liest. Die Fragen gehen nicht in die Tiefe, geben jedoch einen kleinen Einblick in die Philosophie unserer westlichen Welt.
- Geneva Lee
Royal Passion
(1.516)Aktuelle Rezension von: Isa_Bella✨ Hörbuch-Tipp: Royal Vibes & große Gefühle ✨
Ich habe gerade Royal Passion von Geneva Lee gehört – und was soll ich sagen… ich bin sowas von in diese glamouröse Welt abgetaucht 😍👑
💙 Darum geht’s:
Eine ganz normale junge Frau trifft auf einen britischen Royal – und plötzlich ist nichts mehr normal. Zwischen Luxus, Öffentlichkeit und verbotener Anziehung entwickelt sich eine Story, die genau die richtige Mischung aus Drama und Romance liefert.
🎧 Hörbuch-Feeling:
Die Sprecherin bringt richtig Emotion rein – ich hatte mehrfach das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Besonders die intensiven Momente? Gänsehaut!
💭 Mein Eindruck:
Ja, die Story ist ein klassischer Royal-Romance-Trope – aber genau das macht den Reiz aus. Man weiß, worauf man sich einlässt, und bekommt genau das: prickelnde Spannung, viel Gefühl und ein bisschen Eskapismus.
⭐ Mein Fazit:
Perfekt für alle, die Lust auf eine leichte, romantische Geschichte mit königlichem Flair haben. Ideal für lange Spaziergänge, Autofahrten oder gemütliche Abende auf der Couch.
👉 Würde ich es nochmal hören? Definitiv ja. - Ernest Hemingway
Der alte Mann und das Meer
(1.078)Aktuelle Rezension von: Bigsale3In diesem äussert kurzen Buch handelt es sich von einem alten Mann, der ein Fischer ist, aber nie mit besonders grosser Menge an Fischen heimkehrt. Er lebt in einer bescheidenen kleinen Hütte am Rande des Meeres in einem Dorf und wird ab und zu von einem Jungen besucht, der ihm ziemlich ans Herz gewachsen ist. Dieser Junge hatte ihn früher oft beim Fischen begleitet, aber seine Eltern haben ihm verboten, mit dem alten Mann zu arbeiten, weil der Mann von Unglück verfolgt sei. Er finge nicht genügend Fische bei ihm, sagten sie. Und da sie in ärmlichen Verhältnissen leben, solle er sich einen anderen Fischer suchen, mit dem er auf die See fährt.
Also fährt der alte Mann selbst aufs Meer hinaus und tut alles so, wie immer.
Doch als plötzlich ein riesiger Fisch an seinem Angelhaken anbeisst, beginnt ein Kampf, der den Mann an seine Grenzen bringt.
Meine persönliche Meinung dazu:
Während ich das Buch gelesen habe, fand ich es nicht besonders spektakulär und habe mich immer wieder gefragt, wohin das wohl führen möge.
Doch als ich schliesslich am Ende angelangt war und es zugeklappt hatte, war ich überrascht.
Dieses Buch hat mich Nachdenken lassen, denn eigentlich ist es sehr tiefgründig und enthält eine Lehre.
Deswegen blicke ich mit positiver Rezension auf dieses Buch zurück, da es eigentlich genial geschrieben und durchdacht wurde.
- Morton Rhue
Morton Rhue "Die Welle", Literaturseiten
(2.336)Aktuelle Rezension von: schnegge1998Wenn man an die heutige Zeit in der Schule denkt, wird wohl jeder sagen, dass mehr Disziplin und Respekt den Schülern gut tun würden. Dementsprechend finde ich das Buch sehr beeindruckend, wie schnell sowas aber auch ein anderes Format einnehmen kann. Das buch ist sehr gut geschrieben und kann den ernst der Lage gut rüberbringen. Den Film finde ich jedoch noch besser, deswegen ziehe ich ein Punkt ab.
- Samira El Ouassil
Erzählende Affen
(26)Aktuelle Rezension von: Elenchen_hWir Menschen lieben Geschichten. Wir erzählen sie über uns selbst und andere, sie begegnen uns - natürlich - im Kino, im Fernsehen und in Büchern, aber auch in dem, was unsere Gesellschaft zusammenhält und spaltet. Die beiden Geisteswissenschaftler*innen Samira El Ouassil und Friedemann Karig widmen sich in ihrem Sachbuch "Erzählende Affen" der komplexen Frage, wie Geschichten unser Leben und unsere Gesellschaft prägen. Dabei geben sie in der ersten Hälfte des Buches viel Grundwissen zu modernen Literaturtheorien an die Hand und spezialisieren sich insbesondere auf die Heldenreise, die - wie ich lernen durfte - auf fast alle unsere Geschichten anwendbar ist. Beispiele für die Heldenreise geben sie zuhauf, von antiken Epen wie "Illias" und die "Odyssee" bis hin zu den modernen Sagen wie "Harry Potter" oder "Der Held der Ringe" ist alles dabei, leider spoilern die beiden auch gerne einmal die Enden der Geschichten. In der zweiten Hälfte von "Erzählende Affen" geht es um aktuelle Narrative der Politik, Klimakrise und Gesellschaft - und wie sie anders erzählt werden könnten, um Veränderungen anzustoßen. Ich fand Karigs und El Ouassils Thesen durchaus spannend und habe auch viel aus ihrem Sachbuch mitnehmen können, allerdings leidet das Buch für mich unter seiner Ausführlichkeit. Die zahlreichen Fußnoten und Exkurse haben meinen Lesefluss sehr gehemmt, auch sprachlich habe ich "Erzählende Affen" als viel zu akademisch und schwer zugänglich empfunden. Zudem hatte ich am Ende des Buchs das Gefühl, dass trotz der Seitenstärke und Themenfülle die nötige Tiefe verloren gegangen ist. Von mir gibt es daher nur eine Empfehlung, wenn ihr euch besonders für das Thema Macht von Geschichten interessiert.
- Carolin Emcke
Gegen den Hass
(53)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerWer sich auch nur ein wenig im Internet bewegt, weiß es schon lange: die Menschenfeinde versuchen lautstark, organisiert und hemmungslos ihren Hass als die wahre Meinung des Volkes, die aufrichtige Mehrheitsmeinung zu verkaufen. Dass es diesen rechten bis rechtsextremen Rand in jeder Gesellschaft gibt, ist nichts Neues. Dass diese fanatische Minderheit bis zu 20 Prozent der deutschen Gesellschaft ausmacht, könnte man auch seit Jahren wissen, wenn man die entsprechenden Studien verfolgt hätte. Hier haben die bürgerliche Mitte und die Verteidiger der offenen Gesellschaft schlichtweg zu lange weggeguckt. Die autoritären Charaktere mit ihrer Radfahrermentalität (Erich Fromm), nach oben buckeln und nach unten treten, die preußischen Untertanen, versuchen den Diskurs zu okkupieren und ihre Meinung als mehrheitsfähig in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren.
„Die Sorge erlebt zur Zeit eine erstaunliche Aufwertung. In der Sorge, so die rhetorische Suggestion, artikuliere sich ein berechtigtes Unbehagen, ein Affekt, der politisch ernst genommen und keinesfalls kritisiert werden sollte. Als seien ungefilterte Gefühle per se berechtigt. Als käme unreflektierten Gefühlen eine ganz eigene Legitimität zu.“
Obsessiver Hass
Erst mit dem Erstarken von Pegida und AfD wacht die im Konsum erstarrte offene Gesellschaft langsam auf. Erst mit dem Rückfall zahlreicher Deutscher in den völkischen Hass-Habitus schrecken Intellektuelle wie Carolin Emcke oder Harald Welzer auf. Es ist dringend an der Zeit die offene Gesellschaft zu verteidigen und sich klar und deutlich als Mehrheitsgesellschaft gegen den Hass zu positionieren. Emckes Plädoyer trifft den Kern der Debatte, was die Reaktionen der besorgten Bürger (u.a. in Amazon Rezensionen und Kommentaren) eindringlich bestätigen. Der Hass ist obsessiv geworden. Und seit geraumer Zeit werden aus den Worten auch Taten. Was Sarrazin, Pirinçci, Don Alphonso (Rainer Meyer), Höcke und sonstige Protagonisten der Neurechten sprachlich und gedanklich vorbereiten, führen die Hohlköpfe der neuen SA, die Hooligans, Kameradschaften, Freundeskreise und wie sich die rechtsextremen Gewaltaffinen auch nennen mögen, auf den Straßen aus.
„Den Hass und die Angst schüren nicht zuletzt die, die sich von ihm Gewinn versprechen. Ob die Profiteure der Angst in der Währung der Einschaltquoten denken oder in Wählerstimmen, ob sie mit einschlägigen Titeln Bestseller produzieren oder sich mit griffigen Schlagzeilen Aufmerksamkeit verschaffen – sie alle mögen sich distanzieren von dem sogenannten »Mob« auf der Straße, aber sie wissen ihn ökonomisch für sich zu nutzen.“
Mehr noch, muss man hinzufügen, sie sind sich in der Sache einig, lediglich die Methoden halten sie für falsch. Es ist diese Allianz der Hetzer mit dem Mob, die das gesellschaftliche Gefüge gefährden und der Menschenfeindlichkeit den Nährboden bieten. Carolin Emcke beginnt „Gegen den Hass“ mit genau solch einer Melange aus Worten und Taten. Clausnitz, wiedermal ein deutscher Ort, nach den überwunden geglaubten 90er Jahren, der zu einem Symbol des Hasses geworden ist.
„Clausnitz ist nur ein Beispiel für den Hass und die Raster der Wahrnehmung, die ihn vorbereiten und formen, die Menschen unsichtbar und monströs zugleich machen. In Clausnitz traf es einen Bus mit Geflüchteten. In anderen Städten, in anderen Regionen trifft es Menschen mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen Sexualität, einem anderen Glauben, einem uneindeutigen Körper, es trifft junge oder alte Frauen, Menschen mit einer Kippa oder einem Kopftuch, Menschen ohne Obdach oder ohne Pass, was immer gerade als Objekt des Hasses zugerichtet wird. Sie werden eingeschüchtert, wie in diesem Fall, oder kriminalisiert, sie werden pathologisiert oder ausgewiesen, angegriffen oder verletzt.“
Als zweites Beispiel für „Hass und Missachtung“ führt Emcke den institutionellen Rassismus in den USA an. Es ist ein Beispiel, exemplarisch und nicht der Fingerzeig auf andere. Der institutionelle Rassismus ist kein Problem der USA, dort hat er lediglich eine spezifische Geschichte mit einer spezifischen und nicht einfach übertragbaren Ausprägung. Aber die Strukturen des Rassismus, die Missachtung des Lebens, die Menschenfeindlichkeit sind sehr wohl auch bei uns auszumachen.
Der Mord an Eric Garner und sein Ausruf „This stops today“ ist Warnung, Mahnung und Aufforderung an alle Demokraten sich den Hass entgegenzustellen. Wie Harald Welzer es in „Wir sind die Mehrheit“ schrieb: Die Weimarer Republik scheiterte nicht, weil sie zu viele Feinde hatte, sie scheiterte, weil sie zu wenig Freunde hatte. Ebenso wie Welzer ruft Emcke dem Leser zu: Werdet Freunde der offenen Gesellschaft! Stellt euch gegen den Hass! Wir sind die Mehrheit!
Der zweite Teil des Buches ist der Versuch den Kern der völkischen Ideologie, wie sie im Rassismus, bei Pegida, AfD und Neurechten gepflegt wird, aufzudecken: Homogen, Natürlich, Rein. Die Dreifaltigkeit der Einfältigkeit. Die Nähe von Neurechten, besorgten Bürgern und Islamisten wird hier besonders deutlich. Die Fundamentalisten sind immer gegen das vermeintlich Unnatürliche, das Unreine, die Biologisierung der eigenen Ideologie, der eigenen Ressentiments. Menschenfeinde sind Menschenfeinde – auch wenn sie es, geblendet von ihrem Hass, nicht erkennen werden.
Emcke schließt das Buch mit dem dritten Teil, einem Plädoyer für den Pluralismus, die offene Gesellschaft. Hinter allem steht die Mahnung Eric Garners: Es muss heute aufhören! Der Hass muss aufhören.
Während der erste Teil des Buches im journalistischen Stil geschrieben ist, dominiert im zweiten und dritten Teil ein philosophisch-akademischer Ton. Hierdurch wird meines Erachtens Potenzial verschenkt. Solche Bücher bedürfen einer großen Reichweite. Dass die besorgten Bürger das Buch nicht lesen werden, versteht sich von selbst. Aber die Mehrheitsgesellschaft besteht nicht nur aus Akademikern und Intellektuellen. Das ändert aber natürlich nichts an der Wichtigkeit des Buches und der trefflichen Analyse und Argumentation.
- Tara-Louise Wittwer
Sorry, aber ...
(64)Aktuelle Rezension von: Henri3tt3Ich wünsche mir, dass alle dieses Buch lesen. Denn "Ey, sorry, ey!" macht einfach nichts besser, wenn jemand immer wieder denselben egoistischen Mist macht. Ich hatte mal einen Freund, der mir immer vorsorglich Blumen mitgebracht hat, wenn er mehr als eine Stunde zu spät kam. Dazu ein Dackelblick, aber keine absehbare Änderung seines Verhaltens. Und ich mag gar keine Schnittblumen. Die bringen mir meine Lebenszeit auch nicht zurück.
Gleichzeitig muss endlich Schluss damit sein, dass man sich ständig für Dinge entschuldigen muss, die man nicht ändern kann oder für die man selbst gar keine Verantwortung trägt.
Danke, liebe Tara-Louise Wittwer! Danke für diese deutlichen Worte, diesen Rant, diesen längst überfälligen Rundumschlag!
- Rutger Bregman
Utopien für Realisten
(47)Aktuelle Rezension von: Hannah007Beim Lesen dieses Buchs bekomme ich direkt den Eindruck, einen besseren Überblick über verschiedene Zusammenhänge in der Gesellschaft, vor allem bezogen auf Ungleichheit zu erhalten.Er schreibt sehr spannend und begründet seine Thesen gut nachvollziehbar mit Quellennachweisen.
Ich halte hier einige der für mich bemerkenswertesten Gedanken fest.
Macht der Sozialstaat in der heutigen Form z.B. wirklich Sinn?
Oder verlängern die Ausbildungsmaßnahmen nicht noch die Arbeitslosigkeit?
Muss das BIP nicht grundlegend neu gedacht werden, Sozialwesen und andere Werte mit einberechnen, die positive Auswirkungen für die Menschen haben, miteinbeziehen und schädliche Aspekte nicht als Wert berechnen?
Und sollten wir nicht so langsam die wirklichen Ziele verfolgen, also z.B. Kinderarmut zu beseitigen statt nur einzudämmen?
Generell sorgt Ungleichheit nur für mehr soziale Probleme, selbst Reiche leiden unter einer höheren Ungleichheit.
Seine Begründung, wieso bedingungsloses Grundeinkommen die Lösung für so viele Probleme sein könnte, finde ich sehr inspirierend.
Und gleichzeitig finde ich es immernoch traurig, zu lesen, aus welchem Grund in den USA das Grundeinkommen nur knapp vor einer Einführung doch nicht eingeführt wurde...
Außerdem könnten wir am Sozialstaatsapparat sparen.
Wie schaffen wir es, die sinnlosen Jobs, die nur dazu dienen im Kapitalismus Geld zu verdienen, abzuschaffen und stattdessen mehr Freiheit zu erlangen?
Als Frauen in den Arbeitsmarkt eintraten, hätte die Arbeitszeit insgesamt verkürzt werden können.
Es muss für Arbeitgeber mehr Anreize geben, Arbeit auf Teilzeitkräfte aufzuteilen.
Langfristige Verbesserungen für die Gesellschaft sollten außerdem in der Schule beginnen: wir müssen dazu übergehen, Werte statt Kompetenzen weitergeben zu wollen.
Der technologische Fortschritt allein wird nicht alle Menschen automatisch von den Gewinnen profitieren lassen: wir brauchen Umverteilung!
Wir brauchen letzten Endes um die Ungleichheit zu bekämpfen eine weltweite progressive Vermögenssteuer! (Piketty)
Auch Entwicklungshilfe muss kritisch hinterfragt werden und sollte sich an den Ergebnisse aus Studien orientieren.
Außerdem sollte bedacht werden, dass arme Länder durch Steuerhinterziehung mehr Geld verlieren als sie durch Entwicklungshilfe bekommen.
Auch zu den Chancen von Migration äußert er sich sehr positiv:
Freie Arbeitskräfte-Migration würde den globalen Wohlstand erheblich fördern, Grenzen hingegen fixieren Ungleichheit.
Der soziale Zusammenhang wird nicht durch Diversität, sondern Armut, Arbeitslosigkeit und Diskriminierung geschwächt.
Einwanderer müssen nicht zwangsläufig Arbeitsplätze wegnehmen, sondern können auch neue schaffen.
Im Gegenteil würde die Alternative dazu, Einwanderer einzustellen, also die Abwanderung von Unternehmen, das Lohnniveau auf dem Arbeitsmarkt viel stärker drücken.
Außerdem sind Immigration nicht arbeitsscheu und nutzen laut einer Statistik von 2011 seltener das Sozialsystem des Aufnahmelandes als Einheimische. Ein Land kann dennoch Einschränkungen beschließen, was immerhin besser ist als pauschale Vertreibung.
Auch muss man sich bewusst machen, dass Grenzen die Rückkehr von Einwanderern nur verringern.
Besonders interessant finde ich auch den Gedanken, eine Gesellschaftsveränderung kann nur durch Krisen Erfolg haben und daher ist es entscheidend, für den Moment der Krise passende Ideen bereit zu haben.
Das Problem scheint zu sein, dass Politiker, die wieder gewählt werden wollen, sich nur Ansichten leisten können, die im Rahmen des Akzeptablen sind. Also lasst uns gemeinsam diesen Rahmen ausweiten und für wirklich fortschrittliche Ideale kämpfen! - Henry Miller
Wendekreis des Krebses
(117)Aktuelle Rezension von: buchwanderer„…denn die Tragödie unserer Welt besteht gerade darin, daß nichts mehr imstande ist, sie aus ihrer Lethargie aufzuscheuchen.“ (S.8)Zum Inhalt:
Zusammen mit „Wendekreis des Steinbocks“ – erschienen 1939 – stellt der Roman „Wendekreis des Krebses“ ein autobiografisches Versatzstück im Schaffen Henry Millers dar. Der Text beschreibt die Suche Millers nach seinem ganz persönlichen künstlerischen Ich in einem moralisch als verrucht zu bezeichnenden Umfeld, das ihm jedoch keineswegs die enge Freundschaft seiner ebenfalls in Paris lebenden, ähnlich gesinnten Landsleute versagt, ja sie vielmehr sogar fördert. Obwohl die Begrifflichkeit der „Biografie“ eine logische zeitliche Abfolge unterstellen ließe, so wird der Leser diese hier vermissen – oder dies als erfrischend anders empfinden. Anaïs Nin bringt es in ihrem Vorwort von 1934 prägnant auf den Punkt: „Das Buch wird allein durch Fluß und Wechsel der Ereignisse auf seiner eigenen Achse gehalten. Gerade weil es keinen Mittelpunkt gibt, ist auch keine Rede von Heldentum oder Kampf, da auch keine Rede von Willen ist, sondern nur von Hingabe an das Strömen.“ (S.7). Millers Sinn dafür, einer pragmatischen Weltsicht eine gewisse, ihm eigene Art der Komik abzugewinnen, finden sich in mehr oder weniger subtilen Wendungen, Schilderungen seiner Wegbegleiter und -begleiterinnen, sowie in der nahezu fatalistischen, jedoch keinesfalls in Selbstmitleid sich suhlenden, Sicht der Vergänglichkeit von Leben, Liebe, Wertesystemen und politischen, moralischen und wirtschaftlichen Ansichten. Ein Buch über die Suche nach dem „Zustand des Mit-sich-selbst-einig-Seins“1).
Fazit:
Millers Text „schlug die entscheidende Bresche in eine Mauer von Heuchelei und Prüderie.“, so der Klappentext und es handelt sich dabei um den sozialverträglichen Hauch eines Beschreibungversuches, mit welch ausdrucksgewaltiger, brachialer Erzählgewalt der Autor mit Tabus bricht. Ein Leben auf der scharfen Schneide zwischen künstlerischer Freiheit, der Suche nach dem nächsten Essen, der Negation bourgeoiser Normen und Rituale, der kompromisslosen Verwirklichung eigener künstlerischer Vision und die Kollision all dieser menschlichen Eisberge im sozialen Malstrom des Paris nach der Jahrhundertwende. Als eine „exstatische Befreiung“1) von den einschränkenden Normen des New Yorks der zwanziger Jahre bezeichnet es Jörg Drews. Es ist kein geschliffen feines Changieren, vielmehr ein rüder Bruch, der in jedem Absatz erneut kristallisiert, den Leser oft vor den Kopf stößt, aber auch gleichzeitig nicht aus seinem Bann entlässt. Ein Buch das definitiv Lust auf mehr Henry Miller macht.
Zum Buch:
Der rororo-Verlag liefert mit dieser Ausgabe von Henry Millers Klassiker einen kompakten Taschenbuchrahmen in solider Verarbeitung, dessen griffiger Bedruckstoff in Kombination mit einer stabilen Verleimung einen sehr positiven haptischen Gesamteindruck hinterlässt. Gesetzt aus der Aldus® in sehr kleiner Type, wirkt der Text ausgesprochen kompakt, ja beinahe gedrängt, was sich überdies ausgezeichnet mit dem Inhalt verträgt. Generell werden typografische Akzente, wenn überhaupt, nur sehr verhalten eingesetzt, was jedoch keineswegs störend wirkt. Als einziger Minuspunkt wäre die Wahl des Bedruckmaterials, welches leicht zum Vergilben neigt, zu erwähnen.
1) Kindlers Literatur Lexikon Bd.11, S. 703 - Eva Illouz
Warum Liebe weh tut
(15)Aktuelle Rezension von: SokratesSelten ein so gutes soziologisch-fachwissenschaftliches Buch gelesen, dessen Inhalt sich am eigenen und beobachteten Leben bestätigen lässt: Geschlechterverhaltensweisen, die Einstellung von Männern zu Bindung und Beziehung, die Sexualisierung der Gesellschaft/Geschlechter und vielem mehr. Eva Illouz bringt die Rollen von Liebe und Geschlecht in pointierter Weise auf den Punkt, schreibt offen und lebendig, und arbeitet trotzdem mit fachwissenschaftlichen Ausdrücken und Interpretationsansätzen, sodass das Buch nicht in die pseudowissenschaftliche Literatur abdriftet. Erhellend, bestätigend und deshalb unbedingt empfehlenswert! - Michel Foucault
Überwachen und Strafen
(28)Aktuelle Rezension von: SokratesFoucault erklärt die soziologischen, kriminalhistorischen und rechtshistorischen Ursachen für die seit dem Ende der Frühen Neuzeit in Frankreich einsetzende Schwerpunktverlagerung der Strafrechtsfunktion. Er zeigt anhand vieler exemplarischer Beispiele, wie sich die Sühnefunktion immer weiter in den Vordergrund schob und die Bestrafung der „Seele“ des Täters an Bedeutung gewann. Waren die alten Strafen noch drakonisch und orientierten sich an ihrer Schwere (Schmerzmaß, Eindruck auf das bei der Vollziehung der Strafe zuschauende Volk), soll nun der Täter „erzogen“ werden und v.a. „in der eigenen Schale“ gequält werden. Mit dieser mehr nach innen (= auf die Täterpsyche) gerichteten Straftheorie entwickelte man sich weg von der Exekution auf dem Marktplatz hin zu einer Strafverbüßung in staatlichen Gefängnissen. Deren Organisation und Arbeit sowie die Rolle der Juristen und Richter wird ausführlich dargestellt und bewertet. - Thomas Morus
Utopia
(132)Aktuelle Rezension von: titanreadsUtopia ist ein lesenswerter Literaturklassiker von Thomas Morus über die ultimative Utopie, genauer die Welt Utopia, bei der niemand weiß, wo diese sich befindet. Sie beschreibt ein total faires, durchklügeltes System von Inselmenschen, die alle das selbe Gut teilen, ohne jegliche Arm-Reich-Schiene und mit perfekt ausgearbeitetem Rechtssystem. Der fiktive Raphael Hytholodaeus trifft hierin auf Morus und auf Petrus Aegidius und erzählt von seiner Zeit in eben jenem erwähnten Utopia. Raphael erklärt das Bestrafungssystem, erzählt von Lust in Utopia und von der Wissenschaft, welche dort noch nicht genutzt wird, aber gleichzeitig, wie die Utopier diesen fehlenden Wissensstand ausgleichen. Den Kindern wird früh bereits beigebracht, dass bloßer Reichtum nicht viel wert ist und geistige und körperliche Arbeit sich immer auszahlt. Jeder in Utopia hat eine klare Rolle und Bestimmung und jeder hilft jedem.
Hierbei wirkt alles leider sehr trocken in Hytholodaeus Erzählungen und gelegentlich kann es vorkommen, dass Seiten leider schnell unbewusst eher überflogen als gelesen werden. Die wenigen Rollen in der Utopie sind leider sehr platt und wenig charakterstark darrgelegt.
Eine Empfehlung für Geschichts- und Literaturliebhaber, da diese die viele Detailarbeit und den Schreibstil sehr schätzen werden. Aber auch der "neutrale" Leser kann Gefallen daran finden, wenn auch nur zum entspannten Lesen.
- Laurie Penny
Unsagbare Dinge
(14)Aktuelle Rezension von: BrombeereWorum geht es?
Um die systematische Benachteiligung von Frauen in vielen Bereichen des Lebens.Worum geht es wirklich?
Ansprüche, Sex und Selbstbestimmung.Lesenswert?
Ja, ein wirklich gutes Sachbuch, das sich lohnt.
Es ist nicht Pennys erstes Werk und sie kann auf jeden Fall schreiben, Dinge klug in einen Zusammenhang setzen und beim Lesen auf diverse Probleme unserer Gesellschaft hindeuten. Logisch verknüpft sie die unterschiedlichen Bereiche und die dort einhergehende Diskriminierung und stellt Forderungen.Die Sprache ist rotzig, frech, direkt, aber wunderbar lesbar und an vielen Stellen auch sehr unterhaltsam. Das hat mir gut gefallen; auch wenn ich verstehen kann, dass das nicht für jede*n Leser*in gilt. Die Wortwahl ist umgangssprachlich und derb in einigen Sätzen, aber auch das passt irgendwie sehr zu dem Inhalt dieses Buches. Zudem beschreibt sie einzelne Szenen humorvoll, sodass das Buch auch noch unterhaltsam und nicht nur lehrreich ist. An einigen Stellen benutzt sie eine inklusive Sprache, allerdings nicht durchgängig und ab und zu finden sich leider auch diskriminierende Aussagen.
Auch wenn ich die Sprache zu Beginn als frisch und gut empfunden habe, war es geballt auf den gut 250 Seiten dann schon sehr viel und zwischendrin auch das ein oder andere Mal anstrengend.
Ob man hier neues dazu lernt, hängt vermutlich vom Wissensstand ab, mit dem man dieses Buch beginnt. Aber auch, wenn man schon einiges gelesen hat zu den Themen, ist Pennys Zusammenfassung und Schlussfolgerung bereichernd, wirkt in sich schlüssig.
Ich kann nicht sagen, ob ich nun zwingend ein weiteres Buch eben dieser Autorin lesen möchte. Erst mal ist eine kleine Sättigung eingetreten.
Wirklich positiv überrascht bin ich von der Lesbarkeit dieses Titels aus den „Nautilus Flugschriften“, da ich ein eher langweiliges und schwer lesbares Sachbuch erwartet/befürchtet habe und somit sehr erstaunt war über die gute Lesbarkeit und die unwissenschaftliche Sprache. Da habe ich gleich Lust, noch andere Bücher aus der Reihe kennenzulernen.
- Orna Donath
Regretting Motherhood
(18)Aktuelle Rezension von: Lolo_HmpfIn Regretting Motherhood geht es um Orna Donaths Analyse der bereuten Mutterschaft anhand von Interviewausschnitten Ihrer Studienteilnehmerinnen.
Das Thema finde ich sehr spannend, aber - ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt - ich konnte mich mit der Erzählstruktur nicht anfreunden. Sehr viele Schachtelsätze und Wiederholungen. Ich bin gedanklich immer wieder abgeschweift oder hab nach der halben Seite gemerkt, dass ich sie zwar gelesen, aber den Inhalt nicht aufgenommen habe. Ich habe auch einige Abschnitte übersprungen.
Der Interviewanteil hätte höher sein können. Schließlich heißt der Untertitel des Buches "wie Frauen mit einem unerlaubten Gefühl leben". Da bin ich davon ausgegangen, dass man wirklich mehr darüber erfährt, wie der Weg der Mutterschaft der Studienteilnehmerinnen aussieht. Das wird immer nur kurz angerissen.
Ich denke man hätte das ganze etwas knackiger und weniger umständlich schreiben können.
- Reni Eddo-Lodge
Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche
(53)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerViele Sätze kennt man, doch kaum Jemand hat den Mut zu sagen: Es reicht. Ehrlicher Text und ein Beigeschmack, der nicht jedem gefallen wird Ich konnte viele Dinge nachvollziehen und finde, dass es dringend zur Debatte gebraucht wurde. Sehr gutes Buch für alle, die sich informieren und nicht urteilen wollen.
- Aladin El-Mafaalani
Wozu Rassismus?
(15)Aktuelle Rezension von: monerlFazit / Kurzmeinung:
Es gibt neben Klima und Corona noch weitere große Themen. Dazu gehört für mich der Kampf gegen den Rassismus .
Es gibt auch einige ganz tolle Bücher zu dem Thema. Dieses hier gehört dazu!
„Wozu Rassismus“ ist ein so, so gutes und wichtiges Buch! Ich habe, obwohl ich mich schon einige Zeit mit Rassismus beschäftige, unglaublich viel gelernt! Alle Kapitel sind verständlich und gleich wichtig! Es geht von der Definition zur Historie und Ideologie, strukturellem & institutionellem Rassismus, rassistischer Diskriminierung, Rassismuskritik unvm.
Einiges kenne ich aus dem Alltag, auf anderes werde ich jetzt vermehrt achten. Der Kampf gegen Rassismus geht weiter, macht alle mit!
Und vor allem: Lest oder hört dieses Buch, stellt es euch ins Regal, damit ihr immer mal wieder reinlesen könnt! So viele, tolle Sätze zum Markieren und Wiedergeben. Eine echte Schatzgrube fürs Miteinander!
- Stephan Siegfried
Do you speak Psychopath?
(7)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerBeides hängt hier zusammen und wird anschaulich erklärt. Meist jedoch in geschäftlichen Verbindungen und nicht im privaten Bereich. - Didier Eribon
Rückkehr nach Reims
(49)Aktuelle Rezension von: MeazostroEribon legt hiermit einen autobiographischen und nonfiktionalen Roman vor, der in vielen Teilen zumindest andeutungsweise in eine soziologische Analyse abgleitet. Dies thematisiert er dabei ebenso wie die Entstehung des Romans selbst im Inhalt: Eribon kehrt nach dem Tod seines Vater, inzwischen selbst im späten mittleren Alter und als Professor für Soziologie in seine Heimat Reims zu seiner Mutter zurück. Dabei erinnert er sich an seine Kindheit in ärmlichen proletarischen Verhältnissen, zeichnet verschiedene familiäre Schicksale als Paradebeispiele dieser Klassenherkunft sowie die örtliche Historie nach und beschreibt seinen eigenen Lebensweg, seine Entfremdung von Familie und Arbeitermilieu, schließlich seine von Intellektualismus und Homosexualität geprägte Identitätsbildung als Flucht und seine Karriere. Die zentralen Themen sind das unterschiedliche soziale Kapital der durch die Klassenherkunft bedingten Individuen, die Scham vor der eigenen ärmlichen Herkunft, Homosexualität als Identitäts- und Ausgrenzungsmerkmal und schließlich die paradoxe Beziehung zwischen linker Theorie und der konkreten Arbeiterschaft. Gerade für Letzteres lehnt sich Eribon explizit an Bourdieus reflexive Sozialwissenschaft an (vgl. dazu P. Bourdieu: Ein soziologischer Selbstversuch), was die Position des Buches zwischen autobiographischer Literatur und Soziologie erklärt. Dass somit theoretische Analysen einem größeren Publikum zugemutet werden, finde ich prinzipiell ebenso begrüßenswert, wie den Versuch das Medium als bereits in sich reflektiert zu präsentieren. Leider scheint Eribon sich mit diesem methodischen Ausgangspunkt bereits zu begnügen, weshalb es den Analysen paradoxerweise an Reflexion mangelt.
Eribon weißt etwa zurecht auf die paradox anmutende Entwicklung einer sich selbst als links-sozialistisch verstehenden Arbeiterschaft und ihrer Vereinnahmung durch rechtspopulistische Kräfte hin, wobei nicht die politischen Inhalte, als vielmehr die Auflehnung gegen eine soziale Umwälzung des gesellschaftlichen Bewusstseins entscheidend wären – sich also letztlich die Frage stellt, ob unter heutigen Maßstäben die Arbeiterschaft je links gewesen oder dies nicht selbst bereits Teil einer verklärenden linken Theorie gewesen sei. Eribon sucht die Antwort jedoch im Versagen der linken Strömungen, dass er in der Anerkennung von individualistisch geprägten neoliberalen Paradigmen sieht, weshalb er für die Rückkehr des Klassenbewusstseins in kollektiven Forderungen plädiert – also gerade das fordert, dass er in seinem eigenen Leben tunlichst vermeiden wollte. Zwar findet Eribon den klugen Gedanken, dass die Demokratisierung ihr Versprechen an Klassendurchlässigkeit nicht halten kann, da mit ihr immer die institutionelle Verschiebung der machterhaltenden Strukturen einhergeht, jedoch stellt sich damit für mich umso mehr die Frage, wer denn jetzt die Arbeiterschaft sei, von der sich Eribon entfremdet und die er letztlich beschwört.
Insgesamt tun sich für mich einige Ungereimtheiten auf: Die soziale Scham etwa wird, nach Eribons eigenen Beschreibungen, nicht von seinem Umfeld aus anderen sozialen Schichten befördert, sondern stets von ihm allein. Dies mag verständlich sein (angesichts des hier nicht in Zusammenhang gebrachten neoliberalen Paradigmas formeller Gleichheit und individueller Leistungsbemessung), aber der Schluss von der individual-psychologischen auf die soziologische Ebene ergibt sich daraus nicht zwangsläufig. Stattdessen wirft Eribon ihn teils mit dem Mangel an sozialem Kapital zusammen, der wesentlich einfacher nachzuvollziehen ist, aber analytisch davon zu trennen wäre – etwa die notwendige Finanzierung des Zeitraumes für eine Dissertation.Neben durchaus treffenden Feststellungen verfällt Eribon dem selbst bemitleidenden Narrativ, dass alle Schwierigkeiten seines Lebens letztlich auf seine Klassenherkunft zurückzuführen sind. Gleichzeitig schafft er es nicht eine glückliche Lebensentwicklung zu diagnostizieren, alle Errungenschaften scheinen ihm stets hart erarbeitet, verdient und immer noch unter Wert verkauft. Sein Stipendium ist auf seinen Status als "bester Student jemals" (er paraphrasiert seine Professoren und lässt es mal unkommentiert so stehen) zurückzuführen, seine schlechten Noten aber auf die verstockten Dozenten und sein Scheitern bei der Dissertation auf das mangelnde soziale Kapital. Seine Arbeit als Journalist sei als verachtungswürdige Arbeit bei minderwertigen Zeitungen aus materialistischer Notwendigkeit erfolgt, sein späterer Erfolg im ursprünglich gewählten Bereich der Philosophie und Soziologie eine Unausweichlichkeit gewesen, im Vergleich mit Menschen aus anderen Klassen aber viel zu spät eingetreten. Man wird den Eindruck einfach nicht los, dass er sich ein Feindbild in der Bourgeoisie imaginiert, auf den er auch seinen ganzen Selbsthass projiziert und gleichzeitig selbst der neoliberalen Idee einer individuellen Leistungsgesellschaft unterliegt. Dass die materielle Sicherung der Lebensverhältnisse unabhängig von der Klassenherkunft durch ein geisteswissenschaftliches Studium und Arbeit in dessen spezifischem Feld keineswegs garantiert ist, dass ein Leben in der Hauptstadt nicht allen möglich ist, dass man als Professor selbst zu den Spitzenverdienern gehört und dies nur einer Hand voll gleichermaßen qualifizierten Menschen durch glückliche Umstände zu Teil wird, das alles scheint Eribon nicht zu sehen.
Wie allein an dieser Rezension deutlich zu sehen sein dürfte, hat mich das Buch viel zum Nachdenken angeregt. Gerade weil viele kluge Gedankengänge und Beobachtungen präsentiert werden, scheint es mir so notwendig den Finger auf die blinden Flecke zu legen und die teils zu vereinfachende Darstellung anzuprangern, die sich unter dem Deckmantel der individuellen Erfahrung als unangreifbar wähnt. Für kritische Leserinnen eine absolute Empfehlung.
- Marie Jahoda
Die Arbeitslosen von Marienthal
(16)Aktuelle Rezension von: EdelnickelIch habe auch dieses Buch im Zuge meines Soziologiestudiums gelesen und ich habe es nicht bereut.
Jahoda, Lazarsfeld und Zeisel führten eine Studie über die Arbeitslosen von Marienthal durch, einer durch wirtschaftliche Krisen sehr gebeutelten Gegend. Sie wollten herausfinden, welche Auswirkungen Arbeitslosigkeit und damit einhergehende Armut zeigt, warum einige nicht die Möglichkeit ergriffen, in andere Gegenden zu gehen und was diese Umstände für die nachfolgende Generation bedeutet.
Das Buch lässt sich sehr gut lesen. Wissenschaftliche Methoden und Vorgehensweisen sind gut erklärt, Daten werden angenehm präsentiert aber auch die menschlichen Aspekte gehen nicht verloren, was in vielen anderen Studien leider oft passiert. Trotz der Wissenschaftlichkeit war ich an einigen Stellen gerührt, ergriffen oder fassungslos. Man kann sich gut in die Betroffenen hineinversetzen. Und gerade an der Stelle über die Wünsche der Kinder musste ich mich doch sehr zusammenreißen.
Großartiges Werk, daher 5 Sterne von mir! - Jessica Koch
Dem Ozean so nah
(154)Aktuelle Rezension von: Michi_93In diesem letzten Band geht es um die Geschichte von Tina. In den beiden anderen Bänden der Danny-Reihe haben wir bereits vieles von Tina erfahren können. Leider nicht nur gutes, daher wissen wir schon was uns in diesem Teil der Reihe erwarten wird. Es ist keine leichte Geschichte. Und dass alles davon echt und wahrhaftig passiert ist, ist nochmal was ganz anderes. Gänsehautmomente. Tina hat ein schreckliches Schicksal erlitten, mit denen wohl die wenigsten klarkommen würden, so auch Tina. In diesem Roman wiederholt sich vieles aus den anderen beiden Bänden, dennoch finde ich schön, dass auch Tina ihre Geschichte bekommen durfte. Wir erfahren weniger neues, nur kleine Häppchen. Aber ehrlich gesagt, war ich gar nicht enttäuscht darüber. Es ist keine leichte Kost, keines der Bücher dieser Reihe. Jeder sollte für sich abwägen, ob er es durchhält zu lesen oder nicht. Wer die Reihe gelesen hat, wird wissen wieso. Eine Reihe mit ganz viel Verzweiflung, Freundschaft und die wahre Liebe. Schreckliche Schicksale zweier ganz toller Menschen. Eine harte aber berührende Geschichte.
Jessica Koch`s Schreibstil ist sehr angenehm und man hat das Gefühl, dass sie mit diesen Büchern ihre Geschichte erst so richtig verarbeiten konnte. Ein Teil davon wird immer bleiben. Beim Lesen merkt man, wie viel Jessica Danny und Tina noch immer bedeuten.
Fazit: Eine ganz tolle Reihe, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Danke Jessica Koch, dass du uns deine Geschichte erzählt hast.
- Andreas Knuf
Sei nicht so hart zu dir selbst
(5)Aktuelle Rezension von: paperloveMeine Rezension findet ihr auch auf: https://mrspaperlove.blogspot.com
Wer meinen Blog verfolgt, weiss, dass ich auch immer wieder Sachbücher lese und rezensiere, natürlich vorausgesetzt, das Thema interessiert mich. In diesem Fall war genau das der Fall: "Selbstmitgefühl" ist nicht nur etwas, das für mich selbst wichtig ist, sondern auch etwas, das immer wieder Thema in Gruppen- und Einzeltherapien bei meiner Arbeit ist. Während das Konzept hinter dem Begriff noch eher leicht zu verstehen ist - hier sehr vereinfacht als Buchtitel miot den Worten "Sei nicht so hart zu dir selbst" zusammengefasst - finde ich die praktische Anwendung im Alltag viel komplexer und schwieriger. Da das Buch gerade eine alltagsnahe und übungsorientierte Anleitung verspricht, klang es fast schon perfekt für mich.
Das Buch wurde von Andreas Knuf geschrieben, der selbst als ausgebildeter Psychotherapeut tätig ist. Damit bringt er eine gute Voraussetzung mit, dass er weiss, wovon er da schreibt. Und genau das merkt man auch beim Lesen. Es gelingt Knuf sehr gut, dem Leser - und vor allem Laien - das Konzept des Selbstmitgefühls näher zu bringen. Dabei greift er immer wieder auf Beispielen aus dem Alltag oder seiner Arbeit heraus, in denen ich mich sehr gut wiedererkennen konnte. Der erste Teil befasst sich vor allem mit dem theoretischen Hintergrundwissen, das für meinen Geschmack etwas kompakter hätte ausfallen können. Aber vielleicht lag es auch einfach daran, dass mir das meiste davon schon bekannt war.
Der zweite Teil sollte sich dann dem versprochenen praktischen Teil widmen. Doch leider, wie so oft bei solchen Büchern, fällt der Praxisteil dann nicht so umfangreich aus, wie versprochen. Der Autor spricht im Schlusswort selbst nur von insgesamt 3 Übungen, die er im Buch vorstellt und das finde ich sehr enttäuschend. Die Übungen werden auch nur kurz angeschnitten und erfahrungsgemäss würde ich behaupten, dass es für jemanden, der wirklich unter sehr selbstkritischen Gedanken leitet, schwierig ist, die Übungen alleine umzusetzen. Damit liefert das Buch nicht ganz das, was es auf der Frontseite und der Inhaltsangabe verspricht.
Fazit: Selbstmitgefühl ist ein wichtiges Thema, das dem Leser von einem erfahrenen Psychologen und Psychotherapeuten auf verständliche Weise nähergebracht wird. Ich vermute, dass jeder sich in dem einen oder anderen Beispiel wiedererkennt und selbstmitfühlender mit sich umgehen könnte. Leider bleibt es aber insgesamt bei der Theorie, denn der praktische Teil besteht lediglich aus 3 groben Übungen, die aus meiner Sicht ganz ohne (Vor-)Erfahrungen nicht ganz so einfach umzusetzen sind. Das vorgängige Versprechen von vielen alltagsnahen, praxisorientierten Übungen wird leider nicht eingehalten, deshalb hat mich das Buch eher enttäuscht zurückgelassen. Als theoretischer Input zum Thema sicher hilfreich, aber dabei bleibt es leider auch.
- Meredith Haaf
Wir Alphamädchen
(30)Aktuelle Rezension von: RevontuletEine tolles Buch zum Einstieg in den Feminismus. Ich habe mich bis jetzt nie für eine Feministin gehalten, weil das für mich etwas militantes war, etwas, dass Frauen dazu bringt, sich die Haare abzuschneiden und ihre BHs zu verbrennen. Aber in diesem Buch geht es um Frauenthemen, die wichtig sind und für die es sich zu kämpfen lohnt. Wichtige Themen wie Verhütung, Vergewaltigung, Arbeitsplätze,... werden angesprochen, und zwar auf eine witzige und leicht verständliche Art. Ich kann jetzt mit gutem Gewissen behauten, dass ich Feministin bin und trotzdem lebe ich als Frau und mit BH und kann mich des Lebens erfreuen. - Robin DiAngelo
White Fragility: Why It's So Hard for White People to Talk About Racism
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