Bücher mit dem Tag "spd"
28 Bücher
- Roger Willemsen
Das Hohe Haus
(82)Aktuelle Rezension von: CocuriRubyEin Jahr lang (2013), beobachtet der Autor und Journalist, das Parlament im Bundestag von der Besuchertribüne aus und schildert uns in dem Buch, was er beobachtet und teilt seine Gedanken dazu mit. Was sich daraus ergibt, ist der erschütternde Zustand unserer Politik und Debattenkultur.
Ebenfalls, erhält man immer mal wieder Informationen zu dem „Hohen Haus“ selbst, dem Gebäude, der Architektur, der Beschaffenheit, der Symbolik und Geschichte. Dem Herzstück unserer Demokratie.
In diesem Rahmen dessen beschreibt er das Spektakel, was sich unter der Tribüne abspielt, stets mit Einordnung wer spricht, Zitate und Parteizugehörigkeit.
Das Bild welches sich schnell ergibt, durch die bloße Schilderung was ist, lässt beim Lesenden ein erstaunliches Bild zurück. Es zeigt Muster auf, die wenig schmeichelhaft sind.
Bereits die Entrückung der Bürger, die teilnahmslos dem Theater zuschauen, welches sich unter ihnen abspielt – die Politik ihrerseits gänzlich entrückt, die keine Verbindung herstellen kann, die keine Ahnung haben, wie die Lebensrealität derer aussieht und auch kein Blick auf sie richtet.
Die politische Debatte, eigentlich das Kernstück der Demokratie, gleicht real in seiner Form einer Horde Brüllaffen: Es wird zwischen gerufen, beleidigt, es wird geschwafelt, es wird gelogen, es wird diffamiert, es wird versucht zu argumentieren – niemand hört zu.
Alle Positionen und Statements sind bereits vorgefasst – sie bildet sich nicht in der Debatte.
So beschreibt der Autor: Der Bürger/Zuschauer darf kein Kaugummi im Mund haben, weil das nicht zur „Würde des Hauses“ passe, während die Abgeordneten ihr völliges Desinteresse demonstrieren, wenn Abgeordnete anderer Parteien sprechen.
Es ist grotesk, von den Schülern auf der Zuschauertribüne verlangt man viel mehr Disziplin ab, als von den Volksvertretern.
So beschreibt der Autor: „Die Sprache im Parlament changiert zwischen grob vereinfachend und populistisch“ (vor allem von CDU/CSU und FDP – AfD gab es damals noch nicht). „Aufgewärmte Emotionen, halbkalte Überzeugungen, wo Argumente fehlen, treten Strandpunkte ein.
Nur selten findet man Aufrichtigkeit in den Reden oder echte Überzeugungen oder gar Ideen, die drängend vorgetragen werden. Selten die Momente in denen ein Problem aus dem „politischen Gerangel heraus geholt (wird), um (es) vor allem zu lösen“ und wie sich das auch auf die Zuschauer auf der Tribüne überträgt.
„Die Entscheidungen sind fatal, die Entscheidungsträger trotzdem banal. Zukunft als Synonym für Rendite – Wirtschaft gibt die Idee vor, was Zukunft sei.“ Armut wird höhnisch durch Zwischenrufe dementiert, die bloße Existenz dessen abgesprochen, „die rhetorische Sanftmut wächst (nur) wo es um Rüstungsgüter geht.“
Politische Entscheidungen werden nicht in oder nach der Parlamentsrede getroffen. Diese sind längst gefasst, im Undurchsichtigen, in den Hinterzimmern – fern ab der Öffentlichkeit, nah mit dem Wirtschafts- und Finanzwesen, Medienvertretern und Lobbyisten.
Der einzelne Abgeordnete ohne dem Fraktionszwang unterlegen, der Parteilinie und nicht unbedingt seinem Gewissen folgend.
Am Ende kommt man gar nicht drum herum, zu dem Schluss zu gelangen, wie unwürdig unser Parlament ist, wie unwürdig die sog. Politische Debatte und wie höhnisch und anmaßend viele der Abgeordneten sind.
Diese Politik ist eine Theaterinszenierung (für die Medien), das zeigt dieses Buch extrem gut auf.
Noch deutlicher: Es ist nichts sinnvolles oder gar zukunftsweisendes aus diesem Parlament zu erwarten. Jede gute Idee/Gedanke würde gegen die stumpfe Bewahrung des Status Quo scheitern – die Parlamentsmehrheit würde sich gegen jede notwendige Veränderung zur Wehr setzen.
Die großen Probleme, wie Klimaerhitzung, Ressourcenverbrauch, Migrationsbewegungen, Armutsbekämpfung, etc. sind nicht im Parlament zu lösen, sondern außerhalb.
- Martin Sonneborn
Herr Sonneborn geht nach Brüssel
(43)Aktuelle Rezension von: BuecherbaerchenIn Vorbereitung an die anstehenden EU-Wahlen habe ich mir vorgenommen dieses und das nachfolgende Buch von Sonneborn zu lesen. Während man am Anfang oft kichern und schmunzeln muss, so schockiert ist man doch am Ende, wie der politische Alltag in Brüssel abläuft. Klüngelei, undemokratische Verhaltensweisen und Verachtung des Wählers werden hier humoristisch dargestellt, was auch bitter notwendig ist, um nicht vor Wut umzukippen.
- Sarah Kuttner
Kolumnen
(213)Aktuelle Rezension von: HoldenDer erste Teil Kuttnerscher SZ- und Musikexpress-Kolumnen, schlagfertig und meinungsstark, mit Kommentaren zu winterlicher Bekleidung, Jungs-Indierock-Bands, Rudolf Mooshammer, aktuellen Politikern undundund, einige der erwähnten Rockbands kann man jetzt (wieder-)entdecken, weil vielen von ihnen ist damals kein rechter Erfolg vergönnt gewesen ist. Angela Merkels Hängegesichtigkeit und Karriereristenfresse waren schon derber Shit, und irgendwo hat man den Eindruck, als sei die gute Frau Kuttner auch ein kleines bißchen langweilig, weil sie sich aus so vielen Sachen gar nichts macht (Rockkonzerte bzw. -festivals, Karneval, Aprilscherze usw).
- Robin Alexander
Die Getriebenen
(15)Aktuelle Rezension von: HoldenDie Durchtriebenen, die Umtriebigen, die Herumtreibenden, die Angetriebenen: Hinter Merkels Flüchtlingspolitik mit dem Catch phrase "Wir schaffen das" herrschte erstaunlich viel Planlosigkeit, Belauern des politischen Gegners auf ganz hohem Niveau und erstaunlich viel Improvisation. Unglaublich, wie viele Zugeständnisse man dem Autokraten Recep Tayyip Erdogan für den EU-Türkei-Deal machen wollte, daß dieser sich zunächst prowestlich verhalten wollte und sogar den Ausgleich mit Israel anstrebte, spielt insofern keine Rolle. Getrieben und häufig rachsüchtig agiert hier fast jeder, ständig versucht einer, den anderen über den Tisch zu ziehen, und mit der Einführung des Sebastian Kurz macht bereits hier ein "Fähnlein im Wind" auf sich aufmerksam. Oder sind mit den "Getriebenen" vielleicht die flüchtenden Menschen gemeint, auf deren Rücken sich hier alles abspielt?
- Hans-Joachim Noack
Helmut Schmidt
(11)Aktuelle Rezension von: MasauDas Buch bildet einen guten, kompakten Überblick über das Leben des ehemaligen Bundeskanzlers. Für jeden Laien und Interessierten ein guter Einstieg. Ich persönlich wäre sogar gern noch tiefer in das Thema vorgedrungen. Man begleitet Helmut Schmidt von seiner Kindheit über die Zeit als Wehrmachtsoffizier bis hin zu seiner Amtszeit als Bundeskanzler. Man bekommt ein besseres Verständnis zu seinen damaligen Handlungen und deren Hintergründe zur jeweiligen Zeit. - Robin Alexander
Machtverfall
(3)Aktuelle Rezension von: Zsadista„Machtverfall – HB“ ist ein Report aus der Feder des Autors Robin Alexander.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, es wurde vom Autor selbst vorgelesen.
Ich verlange von solchen Büchern, dass sie neutral, realistisch, linear und fundiert geschrieben werden. Vor allen Dingen sollten sie neutral gegenüber den Personen in dem Buch sein.
Von meinen Erwartungen wurde hier nichts, aber absolut nichts eingehalten. Es kam mir eher vor, wie ein schlechter möchte-gern Roman.
Am Anfang wurde der Punkt „linear“ schon über den Haufen geworfen. Da ging es von mitten in der Corona Pandemie, zu den Anfängen der Flüchtlingskriese, über die Wirtschaftskriese zu den Anfängen der Corona Pandemie und wieder zurück. Zeitweise wusste ich nicht, in welchem Jahr ich mich gerade befand. Für ein Hörbuch ganz schwer mitzukommen.
Den Punkt „realistisch“ kann man hier auch absolut abhaken. Oder hat der Autor Robin Alexander vielleicht eine Glaskugel, die ihm sagt, was zum Beispiel, zwischen Frau Merkel und Frau Kramp-Karrenbauer bei einem Vier-Augen-Gespräch gesagt wurde. Das Buch sprüht nur so von Gesprächen, Gedanken und Überlegungen, die wohl jeder Politiker gerne einem Autor auf die Nase binden würde ( Ironie off ). Es kam mir einfach nur hineininterpretiert und ausgedacht vor. Bis hin zu dem Brief, der im Kanzleramt rund ging, von dem die kleinen Beamten und vor allen Dingen die Bürger nichts wissen sollten. Aha, da wurde es interessant. Mich interessierte dann, was darin stand und wie der Autor an den Inhalt des Briefes gekommen sein könnte. Nein, der Autor tat das dann ab, dass auch der Autor nicht weiß, was darin stand. Boah, mega! Er weiß nicht, was darin stand? Hat die Glaskugel ihren Dienst versagt? Und warum muss man das dann erwähnen? Es gibt mit Sicherheit hunderte verschlossener Briefe, die nur für den Adressaten bestimmt sind und nicht für andere. Man bedenke seine eigene Post, ist ja auch nicht für den Nachbarn. Also, warum muss man das extra erwähnen?
Den Punkt „neutral“ gibt es erst gar nicht. Das Hörbuch geht 13 Stunden und 15 Minuten. Nach einer Stunde war mir schon klar, aus welchem politischen Lager der Autor kommen muss. Wenn man aus dem politischen Gegenlager kommt, kann man einfach keinen neutralen Report schreiben. So zeigt es sich auch hier, das kann man als neutraler Leser nicht von der Hand weisen. Ich muss dann auch sagen, als die Lobhuddelei auf eine gewisse Partei angefangen hat, habe ich das Hörbuch abgebrochen.
Zusammen mit den angeblichen Gesprächen und Gedanken wirkt das Buch einfach wie ein schlechter Roman, in dem man das Ur-Böse und seine Machenschaften darstellen will. Es wird ohne Hintergründe zu erwähnen drauf gehauen, was die Tasten hergeben. Das Printbuch müsste eigentlich doppelt so viele Seiten, wie der Text haben, um die ganzen Quellenangaben anzugeben, wo der Herr Autor das alles herhat was er zu Buche bringt.
So hat er es zum Beispiel nicht einmal nötig, einer Ärztin, die angeblich etwas sehr wichtiges herausgefunden hat, einen Namen zu geben, damit der geneigte Leser dies einmal nachprüfen könnte. Nein, die Dame bleibt anonym. Könnte man also auch einfach mal so erwähnt haben, weil es super in den Text passte. Ob es stimmt? Entweder blind glauben oder sich durch hunderte Seiten im Internet suchen.
Beispiel seiner Effekthascherei in dem Buch sind folgende Punkte. Er schiebt alles was schlecht an der Pandemie Regelung war, Frau Merkel, Frau Kramp-Karrenbauer, Herrn Laschet und/oder Herrn Söder in die Schuhe. Alles Schlechte ist auf ihrem Mist gewachsen. Wenn ich allerdings zurück denke, wurden die meisten Entscheidungen von allen Länderchefs getroffen. Und nicht nur von seinen drei liebsten Bösewichten. Frau Kramp-Karrenbauer spielt in seinem Buch ja keine große Rolle, daher nehme ich sie da mal raus. Dazu genommen, wenn man den Ausführungen des Autors einmal genau zugehört hat, sind eigentlich alle negativen Entscheidungen vom RKI und der WHO getroffen worden. Die Politiker haben sich auf ihre Berater verlassen und deren Entscheidungen weiter getragen. Was eigentlich auch ganz klar ist. Wenn mir ein Chef des Robert Koch Institutes und jemand aus der Welt Gesundheits-Organisation etwas sagt, dann halte ich mich daran und treffe keine eigenen Entscheidungen. Da ich mit der Materie wenig Ahnung habe, höre ich auf Experten. Warum also, tritt der Autor ständig auf den Entscheidungen der Politiker herum?
Jetzt könnte man dagegen stellen, das Buch geht ja auch nur um die drei/vier Personen und ihre schlechten Entscheidungen, sowie der Streit in der Partei. Aber warum also kommt dann gegen Ende dieser Lobgesang auf die Partei der Grünen und ihre Vorsitzenden? Neutral geht wirklich anders.
Kurz und gut, ich finde das Buch einfach unmöglich. Viel zu viel aus der Nase des Autors heraus gezogen, zu sehr auf die eigene politische Meinung geschrieben, durcheinander, stümperhaft, effektheischend und bösartig in eine Richtung. Wie schon erwähnt, ich mag solche Bücher, jedoch müssen sie neutral und fundiert geschrieben sein. Wenn es ginge, würde ich hier noch Punkte abziehen, was leider nicht geht und ich auch noch einen Stern vergeben muss.
- Jakob Augstein
Links oder rechts?
(7)Aktuelle Rezension von: Antonia_SalomonDas ist schon lange kein Schlagabtausch mehr, sondern das schlaffe Wiederholen von längst Gesagtem, wobei Augstein als rechthaberischer Ideologe zunehmend langweilt. - Hans Leyendecker
Die Korruptionsfalle
(3)Aktuelle Rezension von: HoldenLeyendecker berichtet uns aus der um sich greifenden und flächendeckenden Korruption, die vor keiner Branche und keiner Gesellschaftsschicht halt macht. An manche der ganz bekannten Fälle (zB Mannesmann-Vodafone) konnte man sich noch erinnern, nach 20 Jahren wäre eine aktualisierte Neuauflage wünschenswert. Daß in Deutschland bei diesen Zuständen überhaupt noch "was läuft"! Grotesk, was da abgelaufen ist, wie dreist und selbstüberzeugt die Betreffenden vorgegangen sind. Leider kann man keine Partei ausnehmen, auch nicht die selbst favorisierte. Irgendwie denkt man doch, daß das Ganze eher in den Großstädten und den Metropolregionen stattgefunden hat, aber die größeren Unternehmen in unserer Provinz hier (v.a. die Entsorgungsbetriebe) sieht man jetzt auch mit anderen (mißtrauischen) Augen. H.L. ist uns bei unserer Pragfahrt mit der Referendars-AG 2002 in zwei Tagen mindestens drei Mal über den Weg gelaufen. Entscheidungsträger, hört den Autor!
- Anja Reich
Der Fall Scholl: Das tödliche Ende einer Ehe. Eine True-Crime-Story
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Klaus-Dietmar Henke
Adenauers Watergate: Die Geheimoperation des BND gegen die SPD-Spitze
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Saul K. Padover
Lügendetektor: Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Bruno Jonas
Vollhorst
(5)Aktuelle Rezension von: HoldenB.J. zeigt uns die Horstisierung der Gesellschaft auf, v.a. die unserer politisch und demokratisch gewählten Spitzenpolitiker, und läßt sie Luft aus so mancher aufgeblasener Elitenpersönlichkeit. Manches brennt sich geradezu ein, wie daß Deutschland ein Beamtenstaat ist, in dem die Hälfte der Steuereinnahmen für den eigenen "Zirkus" für die eigenen Bedürfnisse verbracht wird. Mir als (halbgelungenen) Juristen leuchtet ein, daß er sich über die Fülle an Gerichten in Deutschland echauffiert, die ohne Ende Papier produzieren und das Ganze einfach kein Ende nehmen will. Wenn er die Existenzberechtigung einiger Bundesländer anzweifelt, möchte ich anfügen, daß man schon berechnet hat, wie milliardenteuer eine Zusammenlegung einiger (kleinerer) Bundesländer werden würde, man beachte jetzt den Wahnsinn mit der Pendelei in die "Bundesstadt" Bonn. Die persönlichen Einschübe, wie die Überlegungen über eine neue Küche, bremsen das Ganze etwas, aber insgesamt eine sehr erhellende Lektüre.
- Miriam Hollstein
Miss Tschörmänie
(5)Aktuelle Rezension von: HoldenEin Biographiecomic über die erste deutsche Kanzlerin, überraschend tiefschürfend, so daß auch Randfiguren (sorry!) wie Eva Christiansen und Ronald Pofalla vorkommen. Die Lebensgeschichte DER Bundeskanzlerin bis ins Jahr 2009, als das Buch erschienen ist, vielleicht als Kontrastprogramm zu Merkels gerade erschienener Autobiographie "Freiheit", die angeblich wenig Neues und wenige tiefere Einblicke gewährt. Den besoffenen Sturz in den Swimmingpool findet man hier leider vergeblich, ansonsten kann man feststellen, wie A.M. sich Schritt für Schritt weiter nach vorne in der Politik geschoben hat, dabei ständig unterschätzt wurde und sich doch durchsetzen konnte, als sie in wichtigen Momenten ihrer Karriere Härte zeigte. Und es kommen wirklich alle Personen und Ereignisse vor, die für die Kanzlerin und für die CDU von Bedeutung waren, anders als man vielleicht vor Lesen des Buches erwartet hätte.
- Henning Venske
Lallbacken
(2)Aktuelle Rezension von: HoldenUnd ob man so was noch sagen darf! Venske stellt die Dummschwätzer und Windbeutel in der deutschen Politik und der Wirtschaft bloß, so intensiv geschrieben, daß man nur einige Seiten "auf mal" lesen kann. Lallbacke folgt auf Lallbacke, Inkompetenz folgt Ahnungslosigkeit, und auch die Partei der eigenen Präferenz geht nicht ungeschoren daraus hervor. Wunderbar "auf links" geschrieben, keiner der "deutschen Anführer" kann sich noch herausreden, man habe nichts gewußt. Wie sähe eine Neuauflage aus mit AFDlern und Friedrich Merz? Man kann es nur erahnen, lesen würde man es schon gerne.
- Sibel Daniel
Sturmtage
(27)Aktuelle Rezension von: BrischidliestgerneDie historischen Ereignisse sind eng verknüpft mit den Charakteren in "Sturmtage“. Heute zu wissen, was damals geschah, gibt dem Ganzen ein besonderes Grauen und unterstreicht den Mut und zwischendurch die Hoffnungslosigkeit der einzelnen Personen. Auseinandergerissen, wiedergefunden – bleibt es eine Zeit ständiger Unsicherheit. Dann zu wissen, wer zu mir steht, wem ich vertrauen kann, ist damals wie heute essentiell und existenziell wichtig für unser Leben heute und morgen.
Dass Johanna auch Kraft aus der Einsamkeit in der Hütte schöpft, ist für mich besonders beeindruckend. Dort hat sie ihr Zeichnen wiederentdeckt und mit dem Hund einen verlässlichen Freund gefunden. Las sich sehr spannend für mich, da ich mir diese einsame Situation überhaupt nicht vorstellen kann.
Die Nazis haben Kraft durch Propaganda und eine perfide Sündenbocktheorie gefunden. Starke Netzwerke in die adligen und politischen Kreise haben den Weg geebnet und mit Gewalt wurden ihre Regeln umgesetzt. Wer will so leben? Immer noch seltsam, diese Zeit historisch zu betrachten. Umso wichtiger ist es für mich, dieses Buch gerade über den Widerstand in Deutschland und Europa zu lesen. Gut, dass es so viele Beispiele und wahre Geschichten dazu gibt. „Sturmtage“ ist absolut spannend und ergreifend zu lesen! Danke dafür!
- Harald Schmidt.
Mulatten in gelben Sesseln
(40)Aktuelle Rezension von: HoldenHarald Schmidts Focus-Kolumnen aus den Jahren 2004/2005 sowie sein gefaktes Tagebuch vorneweg. Man wundert sich, an wie viele Politiker und viele Aufgeregtheiten von damals man sich gar nicht mehr erinnern kann, die in den Kolumnen vorkommen. Aber ein schöner Rückblick auf einen Ausschnitt deutscher Geschichte, gewohnt ironisch/süffisant/schwarzhumorig. Deutschland als Weltbelehrer, Weltexportmeister, welt sympathischstes Land mit herausragender Aufnahmekultur.
- Claudius Crönert
Spieler - Gegenspieler: Eine Deutsch-Deutsche Nachkriegsgeschichte
(2)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeDas Hörbuch hat mich positiv überrascht.
Der Autor und Journalist Claudius Crönert erzählt die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland anhand von 24 Porträts. Konrad Adenauer ist dabei und Helmut Schmidt, Angela Merkel und Helmut Kohl. Jedes Porträt wird erzählt in etwa 30 Minuten.1. September 2025
- Markus Feldenkirchen
Die Schulz-Story
(15)Aktuelle Rezension von: Igno2017 in Deutschland – Bundestagswahlkampf. Die SPD steckt in ihrer bis dato wohl schwersten Krise. Was sie auch macht, die Wähler rennen weg und ihre Umfragewerte fallen von einem historischen Tief ins nächste. Anfang 2017 gelingt ihr scheinbar der Coup: Martin Schulz, bislang Präsident des EU-Parlaments, soll überraschend die Kanzlerkandidatur übernehmen. Die Ankündigung ist der Startschuss für eine lange nicht mehr erlebte Euphoriewelle, die Umfragewerte steigen rasant, obwohl noch gar nichts geschehen ist. Der Bundesparteitag wählt Schulz mit dem ebenfalls historischen Ergebnis von 100%. Der Druck ist riesig. Und der Absturz wird ein tiefer sein.
Die Schulz-Story: Ein Jahr zwischen Höhenflug und Absturz ist das Ergebnis eines Jahres hautnaher Wahlkampfbegleitung durch den SPIEGEL-Journalisten Markus Feldenkirchen. Das Buch umfasst 320 Seiten und erschien 2018 bei DVA, einem Imprint von Random House. Die zugehörige SPIEGEL-Reportage wurde mit dem Nannen-Preis ausgezeichnet.
Die Schulz-Story ist ein in Deutschland bislang ziemlich einzigartiges Experiment. Martin Schulz ließ sich auf eine sehr nahe Begleitung seines gesamten Wahlkampfes durch den SPIEGEL-Journalisten Markus Feldenkirchen ein. Einzigartig ist es vor allem durch die Absprache, dass das Buch am Ende ohne Abnahme veröffentlicht würde. Damit bekam Feldenkirchen einerseits einen sehr persönlichen Einblick, andererseits die Möglichkeit ein ungeschöntes Werk zu schreiben. Martin Schulz trat einst an als Vertreter eines offenen Politikstils nahe den Menschen, das Projekt ist im Prinzip ein logischer Schritt.
Und das Projekt hat sich gelohnt, ob man Schulz oder die SPD nun mag oder nicht. Feldenkirchen berichtet detailliert über zahlreiche Stationen des Wahlkampfes, öffentliche Veranstaltungen wie Planungsmeetings. Dabei nimmt er regelmäßig eine resümierende Haltung an. Er analysiert treffsicher, wo die Ursachen für Schulz’ fortlaufendes Scheitern lagen. Wurde Schulz selber in der medialen Wahrnehmung wegen fehlender Professionalität und ähnlichem maßgeblich für das katastrophale Wahlergebnis verantwortlich gemacht, ergibt sich durch den tieferen Einblick eine wesentlich andere Perspektive. Denn neben Schulz sind es vor allem Sigmar Gabriel und die SPD-Granden selber, die die Kampagne von Anfang an auf unruhige See geschickt haben.
So ergibt sich mit der Zeit auch ein anderes Bild von Martin Schulz selber. Zahlreiche Entscheidungen, die ihm öffentlich angelastet wurden – auch weil es offensichtlich war -, stellen sich in einem anderen Licht dar. Exemplarisch, weil es im Nachhinein betrachtet persönlich wohl der drastischste Fehler war, sei da die Entscheidung, in der Neuauflage der GroKo das Außenministerium zu übernehmen. Was nach außen wie eine machtpolitische Entscheidung und ein vollkommen offensichtlicher Fehler aussah, entpuppt sich als Teil eines vielschichtigen Prozesses, den Schulz nur noch bedingt steuern konnte. Feldenkirchen offenbart einen Prozess, der mit dem Moment beginnt, in dem Schulz als Kanzlerkandidat in Frage kommt, der sich über die gesamte Zeit spannt und auf den Schulz selber erstaunlich wenig Einfluss nehmen konnte. Man könnte sagen, er geriet in eine Maschinerie, die er, obwohl er Parteivorsitzender war, kaum steuern konnte.
Insofern zeigt Die Schulz-Story auch die ganze persönliche Tragik auf, die diese Kandidatur mit sich gebracht hat. Überhaupt ist das Buch zu einem großen Teil ein sehr persönliches. Es geht tatsächlich fast so sehr um den Privatmann Martin Schulz wie um den Kanzlerkandidaten. Feldenkirchen schreibt dabei so, dass man nicht selten mit dem Kandidaten leidet. Er wird greifbarer als die erst Lichtgestalt und dann Witzfigur, als die er vor und nach der Wahl beschrieben wurde. Möglicherweise ist das Buch auch vor allem so gut geworden, weil Schulz diese ganzen Entwicklungen erleiden musste und so krachend scheiterte. Was die Tragik nur erhöht.
Im Bereich der politischen Berichterstattung ist Die Schulz-Story auf jeden Fall ein empfehlenswertes Werk. Mehr Spitzenpolitiker, die ein Politikverständnis pflegen, das solche Begleitungen möglich macht, würden dem Ansehen der Spitzenpolitik sicher einen guten Dienst erweisen.























