Bücher mit dem Tag "staatsbildung"

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7 Bücher

  1. Cover des Buches Die Himmelsscheibe von Nebra (ISBN: 9783548061160)
    Harald Meller

    Die Himmelsscheibe von Nebra

     (13)
    Aktuelle Rezension von: U_Vollmer

    Das Buch ist sehr gut geschrieben und vermittelt den Lesern den Eindruck, Archäologen bei der Arbeit über die Schulter zu gucken.

    Mißtrauisch wurde ich das erste Mal, als mir auffiel, daß ein (populär-)wissenschaftliches Werk gänzlich auf Fußnoten verzichtet. Dann stellte ich fest, daß etliche der im Anhang aufgeführten Werke nur irgendwie die Bronzezeit behandeln. Danach folgte die Erkenntnis, daß die metallarchäologischen Untersuchungen lediglich den Befund "antik" -- d.h. in der Altertumsforschung: aus der Zeit vor dem Untergang des Weströmischen Reichs (476 n. Chr.) -- hergibt.


    Ein Beispiel für die Suggestionskraft der Autoren:

    Kapitel 21 -- "Armeen der Bronzezeit". 

    Aus allen möglichen Epochen der Bronzezeit und quer über Europa verteilt gibt es Hortfunde von Bronzebeilen und -dolchenin den unterschiedlichsten Stadien der Bearbeitung.. Nach dem Stand der Wissenschaft handelt es sich dabei um "Rohstoffdepots", d.h. von Händlern  mit dem Hintergedanken, den Inhalt zu verkaufen oder einzuschmelzen angelegt und dann aus den verschiedensten Gründen vergessen.  Wenn man bedenkt, daß die Ausgangsmaterialien für Bronze nur an wenigen Orten vorkommen und das Metall praktisch ohne Verluste "recylebar" ist, dürfte so etwas die gängige Praxis gewesen sein.

    Dann wird auf einen Hortfund näher eingegangen. 98 Beile und zwei Dolche als -- Achtung! -- Gußrohlinge, Gewicht etwa 25 kg. Es folgt eine knappe Darstellung des Standes der Wissenschaft (s.o.)

    Aber dann werden auf einmal, ohne konkrete Grundlage, Armeen herbeiphantasiert. Zitat: "Der Fund (...) brachte uns auf eine ganz andere, eine ganz banale Idee: nämlich die, daß diese Beile vor allem das sind, was sie sind: Beile, also Waffen (...) drängt sich eine einfache Deutung auf: Bei dem Haus handelte es sich um die Unterkunft oder den Versammlungsort der Männer, deren Waffen dort deponiert waren. Aus der Ethnologie kennen wir vielerorts Männerhäuser (...)" Es folgen Rechenbeispiele über die Bettengröße in Bundeswehrkasernen, Mutmaßungen über die Stabdolche als Offiziersinsignien usw.  Das liest sich sehr gut. Aber nüchtern betrachtet entpuppt sich das als wilde Spekulation ohne (archäo-)logische Beweise.

    Erstens werden in keiner Armee der Welt die Waffen zerlegt und vor dem Tor verbuddelt, weil das offensichtlicher Blödsinn wäre.

    Zweitens handelt es sich bei allen Funden um Geräte mit unterschiedlich starken Abnutzungserscheinungen bis hin zu halbfertigen Produkten -- eben die oben genannten Gußrohlinge.  

    Drittens wird dann mal eben mit großem Tamtam aus der angeblich bei allen Funden identischen Anzahl der  Beile und Dolche eine in "Centurien" von je 98 Soldaten und zwei Offizieren aufgeteilte "Armee" errechnet. Nur um anschließend kleinlaut zuzugeben, daß Anzahl und Verhältnis der Objekte bei anderen Hortfunden eben doch nicht passen. Die grandiose Erklärung: "Manches Beil blieb in der Erde, war vielleicht schon früher gefunden worden oder wurde als Souvenir behalten(...)"

    So kann man natürlich auch die Existenz von fliegenden Untertassen und kleinen grünen Männchen begründen: "Keine Beweise? Macht nichts, wir haben eben noch nicht genug gesucht oder sie sind geklaut worden."

    Dann wird doch tatsächlich  eine etwa um 1300 v.Chr. im mehrere hundert Kilometer entfernten Tollensetal geführten Schlacht als "Beweis" für die Existenz mehrerer mitteleuropäischer Großreiche gewertet. Ebenso wie die Plünderung Roms durch die Gallier (387 v.Chr.) und die Wanderung der Kimbern und Teutonen (113 -- 101 v.Chr.).

    Daß letztendlich weder ein räumlicher noch ein zeitlicher Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen und dem einen Hortfund, auf dem das ganze Phantasiegebilde beruht, besteht, wird von den Autoren natürlich übergangen.

    Dieses Kapitel bietet ein perfektes Beispiel für die Arbeitsweise der Autoren: Ausgehend von einem realen Objekt wird der Konsens der Archäologie durch eine "einfache/banale Überlegung" beiseite gewischt, anschließend wild drauflosspekuliert und zur Untermauerung der These (und um die Leser einzulullen) wahllos in der ganzen Weltgeschichte nach angeblichen Parallelen gesucht.


    Aber  auch das spärliche Literaturverzeichnis ist Augenwischerei:

    Die angegebenen Internetlinks führen ins Leere.

    Die vor mittlerweile fast 15 Jahren angekündigte wissenschaftliche Gesamtpublikation über die Objekte liegt immer noch nicht vor.

    Die angeblichen Beifunde, die nebenbei bemerkt der einzige Grund für die Datierung der Scheibe in die Bronzezeit sind,  können nicht als zusammengehörender Fund  nachgewiesen werden. U.a. wurde ein Meißel fälschlicherweise als Schwert bezeichnet (weil sonst die "Paartheorie" zusammenbricht).

     Die anhaftenden Erdreste gehören zu dem  in Mitteleuropa am häufigsten vorkommenden Bodentyp und sind keineswegs als Beweis für den Fundort Mittelberg geeignet.

    Die beiden Raubgräber widersprechen sich über die Position der Scheibe (waagerecht oder senkrecht). Diese wurde außerdem nachweislich bereits vor Jahrzehnten durch einen Baumpflug beschädigt und verlagert. usw. usw.

    Last but not least ist der Landesarchäologe Meller Spezialist für die römische Kaiserzeit. (Überspitzt gesagt: das wäre so, als ob ein Fachmann für klassische chinesische Literatur zusammen mit einem Journalisten ein Sachbuch über die Echtheit des Nibelungenliedes schriebe.)

    Fazit: Das Verhalten der beteiligten Wissenschaftler und Journalisten erinnert fatal an den "Piltdown-Schädel", die "Vinlandkarte" und andere Fehlinterpretationen, bei denen die Archäologen in die Irre geführt wurden, weil der angebliche Sensationsfund so schön in ihr Weltbild paßte. Ein einziger Bluff.

    (Aber als Beispiel für viel Lärm um Nichts durchaus unterhaltsam.)

  2. Cover des Buches Herr der Fliegen (ISBN: 9783104915715)
    William Golding

    Herr der Fliegen

     (838)
    Aktuelle Rezension von: Kayuri

    Die Geschichte handelt von einer Gruppe gestrandeter Jungs die versuchen zu überleben.

    Die Geschichte kam nur schwer in Gang. Es gab sehr viele Längen die durch den gewöhnungsbedürftigen Schreibstil nicht besser wurden. Die Themen die besprochen wurden sind ernste tiefgängige Themen. An Brutalität mangelte es dem Buch nicht. Die Geschichte konnte mich erst am Ende noch überzeugen.

    Die Charaktere sind nicht wirklich greifbar. Sie handeln wie wilde. Probleme und wie diese gelöst werden wirken auf den Leser. Jedoch waren viele Charaktere irgendwie austauschbar. Die Gruppendynamik gefiel mir persönlich nicht.

    Ein Klassiker ist das Buch. Ich denke auch das es durch die Themen eine Berechtigung hat als Klassiker gelautet zu sein. Ich hab es freiwillig gelesen und denke das Liebhaber von klassischer Literatur hier auf ihre Kosten kommen können.

  3. Cover des Buches Civilizing Argentina: Science, Medicine, and the Modern State: Science, Medicine and the Modern State (ISBN: 9780807877241)
    Julia Rodriguez

    Civilizing Argentina: Science, Medicine, and the Modern State: Science, Medicine and the Modern State

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Orisha
    Buenos Aires, das Paris Südamerikas. Argentinien, der Traum aller Auswanderer. Im 19. Jahrhundert bildete sich das heutige Argentinien. 1880 als Staat konsolidiert, will Argentinien zu einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden. Nimmt sich Europa und die USA zum Vorbild. Helfen sollen Immigranten, ebenfalls aus Europa. Mitbringen sollen Sie ihr Wissen, ihre Expertise, ihr Geld. 

    Rodriguez zeichnet in ihrem Buch ein anderes Bild Argentiniens. Ein Bild, dass von den Rassentheorien seiner Zeit beherrscht wird und das aufzeigt, dass nicht alle Gewinner im goldenen Zeitalter waren. Sie stellt die „Barbarei“ der „zivilisierten Welt“ gegenüber und zeigt auf, dass seit der kolonialen Unabhängigkeit Argentiniens die Ureinwohner (sog. native people), als Stellvertreter für den Rückschritt, systematisch ausgelöscht und verfolgt wurden – oftmals legitimiert durch eine enge Zusammenarbeit von Staat und Wissenschaft. Im Gegenzug wurden die Immigrationen aus Europa stimuliert, denn sie sollte die „zivilisierte“ Welt fördern. Doch mit den Immigranten kamen neue Probleme, denen man wiederum mit den Wissenschaften beizukommen versuchte.

    Ein spannendes Buch, dass differenziert eine neue Perspektive auf Argentinien eröffnet und den Leser ermutigt, auch die „guten, goldenen Zeiten“ zu hinterfragen. Wissenschaftlich gut aufgearbeitet und zugleich sehr verständlich geschrieben.

    Fazit: Erschreckend und spannend, differenziert und gut geschrieben. Eine Lektüre, die dem Leser Argentinien von einer anderen Seite her näher bringt.
  4. Cover des Buches Tyrannei und Herrschaft (ISBN: 9783499554438)
    Eli Sagan

    Tyrannei und Herrschaft

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  5. Cover des Buches Die Pastakönigin (ISBN: 9783822505366)
    Maria Orsini Natale

    Die Pastakönigin

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    In dieser ausladenden Familiensaga wird die Entstehung der italienischen Nudelindustrie geschildert, von ganz einfachen Anfängen bis zur hohen Professionalität und USA-Export. Nebenbei aber erfährt man auch viel über die italienische Staatsgründung und die Entstehung der Camorra. Und so ganz nebenher-beiläufig wird über das Schicksal der Familienangehörigen berichtet, die im Satz zuvor noch die Hauptperson waren, eine sehr interessante Erzählperspektive, wie ich finde. Man taucht auch häufig nur ganz kurz in einzelne Zeitabschnitte ein, um die Veränderungen bis dahin zu erfahren, und ist schon wieder weg. Ein schönes Buch einer viel zu ubekannten Autorin!
  6. Cover des Buches Die Mühlen der Zivilisation: Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten (ISBN: 9783518587294)
  7. Cover des Buches Sarmientos "Reisen": Vision eines neuen Amerika (ISBN: 9783881565493)

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