Bücher mit dem Tag "stalinismus"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "stalinismus" gekennzeichnet haben.

100 Bücher

  1. Cover des Buches 1984 (ISBN: 9783548234106)
    George Orwell

    1984

     (3.901)
    Aktuelle Rezension von: flower2

    Anfangs war ich völlig begeistert vom Buch. Es ähnelte total der ersten Corona-Pandemie 2019. Deswegen verdient es den eigentlichen Titel 2019-2023, weil die Unterdrückung der soziale Kontakte vorhanden ist, alles ist Tabu, was Spaß machte.

    Es ist auch ein Vergleich mit "Big Brother is watching you". Was ich hoch anrechne, dass George Orwell es damals in den ´49 geschrieben hat und heute immer mehr damit zu tun hat, jedem zu "belauschen & ein Auge auf alle zu haben".

    Winston Smith arbeitet im Büro und trifft auf einmal Julia. Mit ihr hat er eine heimliche Affäre, da das Gesetz die Liebschaften immer mehr abschaffen wollen. 

    Das krasse fand ich, dass man beantragen musste, dass man Kinder haben möchte. Etwas verwirrt, so viel Kontrolle & darüber dokumentiert wird.

    Teil 1 & 2 fand ich super, konnte ich durchlesen.

    Leider bei Teil 3, die letzten 100 Seiten, habe ich abgebrochen, da es so verwirrend war & langweilig, dass die Spannung weg war.

    Letzendlich ging im letzen Teil nur, dass Winston & Julia gefangen worden sind, da sie erwischt worden sind bei der Affäre. Sie verraten sich gegenseitig, beim Verhör.

    Und Winston sei krank, dem eingeredet wurde, dass er sich alles zusammengesponnen hat, mit der Überwachung. Irgendwie hää-Moment gehabt.

    Dann treffen Winston & Julia sich durch Zufall und tuen so, als hätten sie sich geliebt und sich "nicht gegenseitig verraten".

    Etwas unglücklich bin ich im letzten Teil.

  2. Cover des Buches Rote Kreuze (ISBN: 9783257071245)
    Sasha Filipenko

    Rote Kreuze

     (168)
    Aktuelle Rezension von: solveig

    Kreuze ziehen sich in abgewandelten Formen durch das ganze Buch. Es sind nicht nur die kleinen roten Kreuze, welche die 91jährige Tatjana Alexejewna zur Orientierung an Türen malt, weil sie an beginnendem Alzheimer leidet. Das Rote Kreuz als Organisation wird für sie zum Auslöser einer großen Last, die ihr Gewissen jahrzehntelang plagt. Als Übersetzerin  des NKID, des "Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenheiten", landen während des 2. Weltkriegs zahlreiche Briefe des Internationalen Roten Kreuzes auf ihrem Schreibtisch, die den Austausch von Kriegsgefangenen vorschlagen. Auf einer der Listen mit den Namen sowjetischer gefangener Soldaten entdeckt Tatjana auch den ihres Mannes und löscht ihn, um ihn und ihre kleine Familie zu schützen; denn als mögliche Vaterlandsverräter sind sie alle gefährdet.

    Genau wie es Tatjana leicht gelingt, ihren jungen Nachbarn Alexander mit der Erzählung   ihres Schicksals während und nach der Stalinära zu faszinieren, versteht es Filipenko ganz wunderbar, seine Leser in das Leben seiner Protagonistin hineinzuziehen. So werden wir Zeugen eines langen wechselhaften Lebenslaufs, der von Unglück und Verlust geprägt ist.

    Das Kreuz als Symbol für Schmerz und Leid  -  Tatjanas Stärke zeigt sich in dem Willen, die  Schicksalsschläge zu überleben. Mit bitterem Humor und viel Sarkasmus trägt sie ihr Kreuz und findet einen neuen Sinn darin, andere Frauen, die von der Willkür des Stalinsystems betroffen sind, zu unterstützen  -  eine beeindruckende Zeitzeugin, die sich darum bemüht, die vielen Opfer jener Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

     

  3. Cover des Buches Das achte Leben (Für Brilka) (ISBN: 9783548289274)
    Nino Haratischwili

    Das achte Leben (Für Brilka)

     (199)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania

    Zu „Juja“ bin ich ein wenig zwiegespalten. Ich finde Nino Haratischwili großartig. Ich habe bereits die Bücher „Das achte Leben (für Brilka)“ und „Die Katze und der General“ gelesen. Ersteres war absolut großartig und auch das zweite ein wirklich toller, wenn auch ein wenig düsterer Roman. Ich habe die Autorin auch schon live gesehen, eine sehr interessante und faszinierende Person.

    „Juja“ war Haratischwilis Debüt und ich bin mir nicht sicher, ob ich weitere Bücher hätte lesen wollen, wenn ich mit diesem Buch begonnen hätte.

    In „Juja“ geht es um ein Buch aus den 50er Jahren, nach dessen Lektüre sich mehrere Menschen das Leben genommen haben. Die Autorin soll ein 17-Jährige gewesen sein, die am Ende des Buches ebenfalls Selbstmord begangen hat. Das ganze Buch ist äußerst beklemmend und immer wieder recht wirr. Es gibt mehrere Figuren und Zeitebenen, zwischen denen die Autorin wechselt. Und auch wenn am Kapitelanfang das Jahr und die Figur stehen, hat es immer etwas gedauert, ehe ich wieder in diesem Teil der Geschichte angekommen bin.

    Jahre nach Veröffentlichung des Buches gibt es Menschen, die diese Geschichte genauer unter die Lupe nehmen wollen. Wer war die Autorin? Warum haben sich so viele umgebracht? Was hat es mit dieser Geschichte auf sich?

    Die Figuren für sich waren schon interessant, aber durch die Einstreuungen des „Buches“ war das Ganze etwas unheimlich. Dennoch reicht es nicht aus, mich von weiteren Büchern der Autorin abzuhalten. Ich bleibe dieser Frau (lese-)treu.

  4. Cover des Buches Der Lärm der Zeit (ISBN: 9783462048889)
    Julian Barnes

    Der Lärm der Zeit

     (74)
    Aktuelle Rezension von: Erzaehlwas_Sascha

    Der Roman "Der Lärm der Zeit" von Julian Barnes erzählt aus dem Leben des berühmten russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch. In drei Stationen wird erzählt wie dieser sich mit den politischen Machtverhältnissen auseinandersetzen muss. Sein Leben wird zum Kampf um künstlerische Freiheiten und die Frage welche Opfer man für Kunst und Leben bringen möchte. Auch wenn der Ausgang des Protagonistenleben bekannt ist, gelingt Barnes zu diesen Aspekt ein gelungener Spannungsaufbau. Dabei wird das Leben nicht überdramatisiert, sondern die Tragik wird kunstvoll passend arrangiert.

    Es ist mein erster Roman von Julian Barnes und sogleich hat er mein Leserherz erobert und so wird es keinesfalls der letzte gewesen sein. Barnes ist ein richtig toller Künstlerroman gelungen, der zugleich auch noch sachlich über die Rolle der Kunst in unserer Gesellschaft nachdenkt. Dies gelingt Barnes, in dem in seinem Roman keine reine Biografie von Schostakowitsch verhandelt wird. 

    Für mich ist das Wunderbare an diesem Buch, dass sich zeigt wie Kunst auch Zeit überdauert und dabei nie nur sich selbst dient, sondern den Menschen. Genau deshalb sollte dieses Buch auch viel gelesen werden.

  5. Cover des Buches Kolyma (ISBN: 9783442472352)
    Tom Rob Smith

    Kolyma

     (279)
    Aktuelle Rezension von: nord_zeilen

    Bereits ab der ersten Szene des Buches, baut der Autor Spannung auf. Diese Spannung wird immer wieder durch kleine Verfolgungsjagden oder anderen Zwischenereignissen gesteigert. Die Atmosphäre ist detailreich beschrieben, sodass mir das Buch an manchen Stellen sogar zu brutal war. Ab und zu musste ich es weglegen, um die Geschehnisse im Buch zu verarbeiten. Grundlegende Geschichtskenntnisse sind in diesem Fall sinnvoll, um den Geschichtsstrang zu verstehen.

    Der Hauptcharakter Leo Demidow ist mir zu Anfang sehr sympathisch, allerdings ändert sich das im Laufe des Buches. Leo setzt sein Leben auf`s Spiel, um seine Tochter zu retten, die ihn hasst und seine Liebe nicht erwidert. Dieses Verhalten erscheint mir naiv und ich kann seine Handlungen nicht immer nachvollziehen.

    Obwohl das Buch immer wieder in Zeitabschnitte gegliedert ist, gehen mir manche Geschehnisse zu schnell. Dabei geht es nicht um fehlendes Verständnis, sondern darum, dass die Ereignisse in der Realität nicht so schnell ablaufen können.

    Insgesamt kann das Buch den Leser durch die durchgehende Spannung sowie den lebhaften und detailreichen Schreibstil fesseln, weshalb ich das Buch mit vier Sternen bewerte.

  6. Cover des Buches Kind 44 (ISBN: 9783442481859)
    Tom Rob Smith

    Kind 44

     (748)
    Aktuelle Rezension von: Nimmie_Aimee

    In der Sowjetunion unter der Macht von Stalin gibt es offiziell keine Verbrechen. Und die Verbrechen die Begangen werden, werden als Unfall deklariert. So auch in Moskau 1953 als der Sohn von dem besten Freund des Geheimdienstoffiziers Leo Demidow tot aufgefunden wird. Der Obduktionsbericht ist deutlich, es kann kein Unfall gewesen sein. Nach und nach tauchen weitere Morde auf, die nicht als solche Ausgewiesen werden und Leo beginnt zu ermitteln. Damit stellt er sich aber dem Regime entgegen und gerät so selbst in Gefahr.

    Ein super tolles Buch! Ein packender Thriller, der einen nicht loslässt. Es lässt sich sehr gut lesen, sodass man richtig in die Geschichte eintauchen kann. Die Geschichte ist grausam und brutal über die Ermordung von Kindern. Die Zeit in der Sowjetunion wird gut und glaubhaft dargestellt. Man kann sich gut vorstellen wie es dort wohl tatsächlich gewesen ist.

    Eine absolute Leseempfehlung!

    Es gibt auch einen Film dazu, den ich nach dem Buch gesehen habe. Mir hat er gut gefallen, tolle Schauspieler (Tom Hardy, Noomi Rapace, Gary Oldman) und das schreckliche Verbrechen wird gut umgesetzt. Man sollte das Buch aber vorher gelesen haben, da sonst einige Sachen die wichtig sind nicht deutlich genug rüberkommen. Der Film allein ist also etwas schwer verständlich. Aber in Kombination mit dem Buch ist er gut.

    Kind 44 ist der erste Teil (meines Wissens) einer Trilogie. Die anderen Bände habe ich noch nicht gelesen, freue mich aber schon drauf, denn ich bin gespannt wie es weitergeht. Man kann das Buch aber auch gut alleinstehend lesen.

  7. Cover des Buches Die Liebenden von Leningrad (ISBN: 9783453873391)
    Paullina Simons

    Die Liebenden von Leningrad

     (249)
    Aktuelle Rezension von: ni_ne_ll

    Wow Wow Wow... dieses Buch war wirklich eine reine Achterbahnfahrt der Gefühle... Ich habe das Buch leider viel zu lange vor mich hin geschoben. Hätte ich gewusst, was da auf mich zu kommt.. 

    Das Buch hat mir wirklich sehr gefallen. Ich konnte es einfach überhaupt nicht aus der Hand legen. Es wurde nie langweilig und es war so spannend und interessant Tatiana, ihre Familie und Alexander zu verfolgen.

    Der Schreibstil war wirklich schön und flüssig zu lesen. Er war sehr harmonisch und hat mir die Zeit des 2. Weltkrieges in Leningrad (St. Petersburg) sehr gut nah gebracht. Außerdem konnte ich mich vor allem durch den Schreibstil sehr in die Zeit zurückversetzen und hatte das Gefühl wirklich hautnah Tatianas Geschichte mitzuerleben. Ich denke, dass vor allem der Schreib-/ und Erzählstil der Autorin, dazu beigetragen hat, dass ich das Buch gar nicht aus der Hand legen konnte.

    Die Autorin hat alle Protagonisten sehr gut und bildlich dargestellt, sodass ich mir die Geschichte richtig gut vorstellen konnte. Außerdem waren alle Protagonisten sehr authentisch dargestellt. Die Geschichte war auch sehr authentisch und glaubwürdig, unter Berücksichtigung der damaligen Zeit und das Leben in der Sowjetunion erzählt. Die Leser werden definitiv nicht verschont, was Schicksalsschläge usw. während des 2. Weltkrieges angeht. Das macht die Geschichte nur noch authentischer und alle Szenen werden so klar und bildlich erzählt, dass man das Gefühl hatte, man wäre selbst im kalten Winter dabei gewesen.

    Die Liebesgeschichte zwischen Tatiana und Alexander, war wirklich sehr schön, aber dennoch im Verlaufe der Geschichte natürlich auch tragisch. Es war schon ein großes Auf und Ab mit den Beiden. In anderen Büchern hätte mich sowas eher gestört, aber in diesem Buch hat die Autorin es geschafft mich vollkommen mitzunehmen. Wahrscheinlich konnte ich einfach hier über einige Dinge gut hinweg sehen, weil diese Liebesgeschichte unter anderen Bedingungen läuft, als die Liebesgeschichten, die in der heutigen Zeit spielen. Deswegen konnte ich auch relativ gut über Alexanders Charakter hinwegsehen. Ich mochte Alexander eigentlich ganz gerne, aber manchmal war ich eher erschrocken über ihn, da er doch sehr herrisch und besitzergreifend ist. Tatiana war ein tolles Mädchen, die mich aber auch mit ihrem naiven und zu gutmütigem Charakter etwas genervt hat. Aber ich sehe das alles nicht so problematisch, weil die Menschen damals einfach anders gelebt haben und auch anders aufgewachsen sind.

    Abschließend kann ich nur sagen, dass ich echt geflasht von dieser Geschichte bin und unbedingt wissen will, wie es mit den beiden nun weitergeht. Ich hoffe, der 2. Band kann mich auch so überzeugen.

  8. Cover des Buches Farm der Tiere (ISBN: 9783257057140)
    George Orwell

    Farm der Tiere

     (743)
    Aktuelle Rezension von: shadowpercy

    Begeistert und erschüttert zugleich.

    George Orwell erzählt die Geschichte des Farmers Jones, dessen Tiere, angestiftet von einem alten Eber, eine Revolution durchführen, um besser behandelt zu werde, ohne den Einfluss von Menschen. Nachdem die Revolution gelingt, und Old Major der Eber stirbt, bricht eine neue Zeit an. 

    Hier erzählt Orwell die Geschichte der UdSSR nach der Oktoberrevolution und kritisiert totalitäre Systeme. Es wird deutlich zur Schau gestellt, wie sich diese Systeme entwickeln und ausbreiten. Basierend auf Manipulation, Verdrängung und Gewalt. Wie eine Sache, die sich anfangs s richtig und gerecht anhört, in eine grauenvolle totalitäre Struktur verwandelt, geprägt von Gewalt und Blut.

    Dieses Buch regt jedem zum Nachdenken an ob man es nun bewusst tut, oder nicht. Man kommt nicht drum herum sich an aktuellen Geschehen zu orientieren und sie miteinander zu vergleichen.

    Definitiv lesenswert

     

  9. Cover des Buches Atemschaukel (ISBN: 9783596512034)
    Herta Müller

    Atemschaukel

     (261)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Eindringlich, wortgewaltig und unprätentiös schildert Herta Müller die Geschichte eines Rumäniendeutschen und dessen Schicksal in einem russischen Gefangenenlager nach dem zweiten Weltkrieg. Die Erzählung lehnt sich an die eigenen Erfahrungen von Oskar Pastior, einem Lyriker und Übersetzter aus Siebenbürgen.


    Der Alltag in den Arbeitslagern ist von Mangel, Entbehrung und Grausamkeit durchsetzt. Trotzdem findet die Autorin eine Sprache, die weder anklagend noch schuldzuweisend ist, sondern sachlich und mit grosser Intensität das Los und die ganze Hoffnungslosigkeit dieser Menschen beschreibt. Dieses verdaut man als Leser nur stückweise und die unmenschlichen Zustände lassen einem sprachlos zurück.


    Eine beklemmende Lektüre einer grossen Schriftstellerin. Herta Müller wurde 2009 der Literaturnobelpreis verliehen.

  10. Cover des Buches Agent 6 (ISBN: 9783442475032)
    Tom Rob Smith

    Agent 6

     (156)
    Aktuelle Rezension von: Sassl

    In diesem Abschluss der Trilogie um Leo Demidow begleiten wir ihn in 30 Jahren russischer, amerikanischer und afghanischer Geschichte der Geheimdienste und des Kommunismus. 

    Nach den ersten beiden Teilen Kind 44 und Kolyma hat mich Agent 6 leider enttäuscht. Der Politthriller hat wahnsinnig viele Längen, die sich um zu viel Politik der Geheimdienste drehen. 

    Der eigentliche Plot ist sehr interessant. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin ist großer Anhänger des Kommunismus. Doch nach vielen Jahren des Erfolgs wird er wird er von den Sowjets fallengelassen und von seinen eigenen Landsleuten verachtet. Nach einem Mordanschlag auf Jesse versucht Leo alles, um den wahren Täter zu finden.

    Die Geschichte beginnt jedoch bereits 15 Jahre vor dem Mord und erzählt wie Leo seine Frau Raisa kennengelernt hat. Anschließend vergehen 15 weitere Jahre, in denen wir Leo nach Afghanistan begleiten. Diese Ausflüge waren mir viel zu langatmig und lange Zeit wusste ich gar nicht, wo alles hinführen soll. Um den tatsächlichen Agenten 6 geht es schließlich auch nur auf den letzten 100 Seiten.

    Alles in allem kein schlechter Politthriller, aus dem Tom Rob Smith jedoch viel mehr hätte machen können nach den fabelhaften ersten beiden Teilen der Trilogie.

  11. Cover des Buches Fegefeuer (ISBN: 9783442742127)
    Sofi Oksanen

    Fegefeuer

     (102)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania

    Mein erstes Buch von Sofi Oksanen, meine erste Finnin. Eine heftige Geschichte, die ich leider auch ein wenig genau so erwartet habe: Stalinismus, Missbrauch, Propaganda, Parteizugehörigkeit, Verrat. Der Familie Pekk bleibt nichts erspart.

    Aliide Truu lebt in einem alten Bauernhaus mitten in der Provinz von Estland. Sie hat ein schweres Leben hinter sich, von dem sie stark gezeichnet ist. Eines Tages taucht ein Mädchen vor ihrer Tür auf. Obwohl Aliide skeptisch ist und stets das Schlimmste befürchtet, nimmt sie das Bündel von Mensch mit in ihr Haus.

    Das Bündel Mensch entpuppt sich als eine junge, russische Frau namens Zara, die auf Grund scheinheiliger Versprechungen in den Westen geflohen ist und dort ein leider sehr übliches Schicksal erleiden musste: Sie gerät in die Prostitution. Die beiden Frauen haben Schwierigkeiten miteinander zu kommunizieren, dabei verbindet sie eine recht ähnliche Leidensgeschichte. Während Zara sich also bei Aliide versteckt, versucht sie gleichzeitig herauszufinden, ob es sich bei Aliide tatsächlich um die Schwester ihrer Großmutter handelt.

    Ein Buch, bei dem mich das Gefühl beschleicht bestimmte Nationalitäten schreiben stets über bestimmte Themen. Gab es tatsächlich nichts anderes als politisch auf der richtigen Seite zu stehen? Macht? Unterdrückung? Folter und Missbrauch? Es scheint wohl so.

    Die Geschichte beider Frauen erscheint mir so typisch. Warum trifft es immer die Gleichen? Warum setzen sich diese Leiden in der gesamten Familie fort? Ist es wie ein Teufelskreis, dem man einfach nicht entfliehen kann?

    Eindringlich beschrieben bleibt man doch betroffen zurück und ich kann wirklich nicht sagen, ob es am Ende ein gutes Buch war.

  12. Cover des Buches Der Geiger (ISBN: 9783426654446)
    Mechtild Borrmann

    Der Geiger

     (136)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Ilja Wassiljewitsch Grenko war ein großer Geiger, der sein Instrument nie ungeschützt durch die Gänge und Flure trug. Schließlich war die Stradivari ein Geschenk von Zar Alexander II und befand sich seit 1862 im Familienbesitz.

    Im Mai 1948 wird der Musiker urplötzlich nach einer Aufführung in Moskau verhaftet und verschwindet mitsamt seiner Geige spurlos. Seiner Frau wird weisgemacht, dass er in den Westen geflohen ist, weshalb sie und ihre Kinder für zehn Jahre ins Arbeitslager nach Sibirien gebracht werden. Als Leser wissen wir bald mehr über Iljas Schicksal, der ebenfalls in die Weiten Sibiriens verschleppt wurde.

    In einem weiteren Erzählstrang widmet sich die Autorin den Nachkommen, die sich in der Gegenwart auf die gefährliche Suche nach der Wahrheit und dem Verbleib der Geige machen.


    Mechthild Borrmann. geboren 1960, debütierte 2006 mit einem Krimi, dem zwei weitere folgten. 2012 erhielt sie für „Wer das Schweigen bricht“ den Deutschen Krimipreis. 


    Auch dieses Buch liest sich wie ein Krimi, wurde aber als Roman gekennzeichnet. Spannend, erschreckend und erschüttert erfuhr ich als Leserin, wie sich korrupte russische Staatsdiener auf Kosten unbescholtener Bürger bereicherten. Ich durchlebte Straflager im kalten Sibirien und wie sich unter diesen unmenschlichen Zuständen Menschlichkeit breit machte. 

    Dies war mein erstes Buch von Mechthild Borrmann, wird aber sicherlich nicht mein letztes bleiben. Selten wurde mir Zeitgeschichte so mitreißend dargeboten. 

  13. Cover des Buches Die Abenteuer des Joel Spazierer (ISBN: 9783423143233)
    Michael Köhlmeier

    Die Abenteuer des Joel Spazierer

     (55)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania

    Joel Spazierer wird eigentlich mit einem ganz anderen Namen in Budapest 1949 geboren. Er ist von Anfang an ein sehr ungewöhnliches Kind, lügt und betrügt seit er sprechen kann, da er aber ein sehr hübsches und charmantes Kind ist, glaubt und verzeiht ihm jeder alles. Seine Großeltern, bei denen er aufwächst, werden von Stalins Männern abgeholt und so kommt es, dass er als Kleinkind 5 Tage alleine in der Wohnung zurückbleibt. Seine Leben gestaltet sich ungewöhnlich und voller negativer Entwicklungen: Er stiehlt, lügt, betrügt und mordet sogar, er kommt viel in der Welt herum. Von Anfang an zeichnet ihn ein gewisses kriminelles Verhalten aus. Als er Jahre später einen Freund wiedertrifft, der seine Geschichte aufschreiben will, erfahren wir die ganze Geschichte dieses „bösen“ Menschen und sind dennoch fasziniert, was ihm alles geschieht und was er daraus macht.

    Eine Lebensgeschichte wie ein Schelmenroman. Als Leser ist man mal entsetzt, mal belustigt und immer wieder erstaunt, was dieser Mann doch alles zuwege bringt und vor allem wie.

    Ich habe Joel gerne begleitet und musste immer wieder den Kopf über diese eigensinnige Figur schütteln. Seine Taten sind alles andere als heroisch und doch kann man ihm nie so richtig böse sein, schon gar nicht über einen längeren Zeitraum. Und obwohl es um die Schattenseiten unserer Gesellschaft geht, wie schon im Klappentext heißt, ist Joel Spazierer in meinen Augen ein Überlebenskünstler. Er hat nur kein Gefühl dafür, was böses oder falsch ist. Besonders fasziniert hat mich, dass er immer wieder mit den wenigstens Wörtern, die da wären „Ja“, „Nein“, „Weiß nicht“ durch alles durchkommt. Die Menschen in seinem Umfeld interpretieren immer das in eines dieser Wörter hinein, was sie selbst hören wollen und brauchen. Kein Wunder, dass Joel Spazierer so ein Leben führen kann und damit sehr gut durchs Leben kommt. Ich habe mich wirklich gut unterhalten gefühlt.

  14. Cover des Buches Secondhand-Zeit (ISBN: 9783518465721)
    Swetlana Alexijewitsch

    Secondhand-Zeit

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania
    Ich muss zugeben, dass ich in dieses Buch nur reingelesen habe, aber es zeigt ein ziemlich verrücktes und auch trauriges Bild, dass die Russen von ihrem eigenen Land haben. Es hilft wirklich das ehemalige Sowjetimperium, wie Swetlana Alexijewitsch es nennt, besser zu verstehen. So viel Leid und Schmerz musste die Bürger dieses Landes erfahren. Ein wirklich lohnendes Buch!
  15. Cover des Buches Roter Herbst in Chortitza (ISBN: 9783765509889)
    Tim Tichatzki

    Roter Herbst in Chortitza

     (17)
    Aktuelle Rezension von: vielleser18
    Was für ein bewegender Roman !

    Erzählt wird die Geschichte von Willi und seinem Freund Maxim. Willi gehört zu der Mennonitengemeinde von Osterwick, einem kleinen Ort in der Ukraine. Ihre Vorfahren kamen auf Einladung von Katharina der Großen aus Deutschland und besiedelten die Gebiete. Von den Menschen, die 1919, als die Geschichte beginnt,  in Osterwick lebten, hat kaum einer Deutschland je gesehen, dennoch werden Sprache und Traditonen von Generation zu Generation weitergegeben. Genauso wie das Rechts der Mennoniten auf Kriegsdienstverweigerung.
    1919 herrscht Bürgerkrieg. Der erste Weltkrieg ist zu Ende, der Zar gestürzt. Es herrst Gewalt und Willkür, Kämpfe zwischen den "Roten und den "Weißen" - und mittendrin Willi und sein Freund Maxim. Maxim und sein Vater konnten nach Osterwick flüchten, während seine Mutter und seine zwei Schwestern gefangen genommen wurden. Die kommende Zeit wird eine Zerreißprobe, nicht nur für die Freunde, sondern auch für die Dorfbevölkerung.
    Repressalien, Konfizierungen und hohe Abgabequoten, die erfüllt werden sollen. Sollte man sich wehren ? Wie lang kann alles ertragen und erduldet werden?
    Hier beginnt die Geschichte von Willi und Maxim und führt uns durch die bitteren Jahre bis 1947. Am Ende des Buches rundet noch ein Ausblick auf 70 Jahre später die Geschichte ab.

    Es ist keine reine fiktive Geschichte, es sind die Erinnerungen und Erlebnisse seiner Schwiegermutter, die der Autor Tim Tachatzki zu diesem Roman verarbeitet hat. Damit sie nie in Vergessenheit geraten. Ihre Geschichte ist die von vielen. Es sind die Erinnerungen an Zeiten des Umbruchs, der Willkür, der Diktatur und Krieg, geprägt von Gewalt und Hungersnöten, Zeiten, in denen es ums reine Überleben, aber auch um das Festhalten am Glauben ging. Es geht um die Opfer und ihr Leid, aber auch die Täter werden beschrieben.

    Die Sichtweisen verändern sich im Buch, die Grausamkeiten werden so ziemlich deutlich beschrieben. Keine leicht Lektüre, man fühlt und leidet mit. Nicht alles ist leicht zu ertragen. Dennoch ist es wichtig, dass es erzählt wird, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

    Von mir bekommt "Roter Herbst in Chortitza" volle Leseempfehlung. Wichtiges Thema, fesselnd erzählt  - die Geschichte einer Russlanddeutschen Familie, aber auch die einer dunklen Zeit.
  16. Cover des Buches Der Meister und Margarita (ISBN: 9783844810295)
    Michail Bulgakow

    Der Meister und Margarita

     (371)
    Aktuelle Rezension von: Curtis

    Zu dem Buch kann man nur eines sagen: Lesen!

    Ein absoluter Klassiker und nicht ganz einfach zu begreifen. Empfehle zusätzliche Hintergründe zum Buch zu recherchieren. Sehr spannend.

  17. Cover des Buches Kind 44 (ISBN: 9783785736616)
    Tom Rob Smith

    Kind 44

     (52)
    Aktuelle Rezension von: MAZERAK

    Leo Demidow ist Geheimdienstoffizier in Moskau. Als ein kleiner Junge grausam ermordet an den Bahngleisen gefunden wird, hält man ihn zurück: Denn im Nachkriegs-Russland 1953 gibt es keine Morde. Als ein zweites Kind, auf gleiche weise zugerichtet, umgebracht wird, nimmt Leo heimlich Ermittlungen auf und stürzt sich und seine Frau damit in tödliche Gefahr.

    Ich habe die Hörbuchfassung genossen und mich ordentlich gegruselt. Moskau im Winter, Nachkriegszeit, das bedeutet eisige Kälte, völlige Armut und Hunger für die Menschen, die noch dazu der gewaltsamen und tödlichen Willkür der Miliz ausgesetzt sind. Leo, selbst im Geheimdienst tätig, macht sich mit seinen Nachforschungen schnell Feinde und gerät zunehmend unter Druck. Aber was er dann, hartnäckig und unter größter Gefahr, aufdeckt, übersteigt alle grausigen Erwartungen…

    Das Hörbuch wird gelesen von Bernd Michael Lade, bekannt aus den Leipziger „Tatorten“. Er gibt dieser ohnehin schon unheimlichen und bedrückenden Geschichte den perfekten Klang. Rau und düster erzählt er von Leo’s Entdeckungen, den Bedrohungen, welchen er ständig ausgesetzt ist und haucht dabei den Protagonisten Leben ein, so dass man sie vor dem geistigen Auge sehen kann. 

    Kind 44 ist ein absolut spannender Krimi, der durch die Umstände der Nachkriegszeit und die andauernden Bedrohungen für die Menschen zusätzlich düster, schaurig und einfach bedrückend ist. Die Handlungen sind nicht vorhersehbar, man wird überrascht und ist schließlich völlig schockiert!  Ein ganz besonderer Krimi, der einem wirklich nahe geht. Absolut empfehlenswert!

  18. Cover des Buches Der Archipel GULAG (ISBN: 9783596184231)
    Alexander Solschenizyn

    Der Archipel GULAG

     (49)
    Aktuelle Rezension von: DrGordon
    Das Buch zum Thema sowjetisch-russischer Terror und kommunistischer Diktatur. Trotzdem der Autor gut beschreibt, das die Gulags bereits zur Kaiserzeit existiert haben. Egal mit wem ich über das Thema Vertreibung, Verbannung des sowjetischen Kommmunismus rede, empfehle ich Solschenizyn zu lesen. Als ein Art Grundlagenwerk Wenn ich Archipel Gulag gelesen habe, kann ich andere Bücher und Autoren (z.B. Herta Müller oder der chinesische Nobelpreisträger Gao Xingjian) besser verstehen und einordnen. Das Buch lässt niemanden kalt. Resumée: Absolut empfehlenswert und lesenswert.
  19. Cover des Buches Animal Farm (ISBN: 9781440455865)
    George Orwell

    Animal Farm

     (314)
    Aktuelle Rezension von: nana_what_else


    „ALL ANIMALS ARE EQUAL. BUT SOME ANIMALS ARE MORE EQUAL THAN OTHERS.“
    aus: Animal Farm von George Orwell. Textrechte: Penguin, Seite 90.


    Klappentext: Mr. Jones of Manor Farm is so lazy and drunken that one day he forgets to feed his livestock. The ensuing rebellion under the leadership of the pigs Napoleon and Snowball leads to the animals taking over the farm. Vowing to eliminate the terrible inequities of the farmyard, the renamed Animal Farm is organized to benefit all who walk on four legs. But as time passes, the ideals of the rebellion are corrupted, then forgotten. And something new and unexpected emerges …

    Animal Farm – the history of a revolution that went wrong – is George Orwell’s brilliant satire on the corrupting influence of power.


    Persönlicher Leseeindruck: Ich weiß nicht, ob es Pech ist oder ein riesengroßes Glück, dass ich Animal Farm nicht als Schullektüre vorgesetzt bekam. Einerseits wünschte ich mir, ich hätte diese Büchlein schon vor Jahren gelesen, andererseits bin ich froh darüber, dass ich es ganz für mich lesen und wirken lassen durfte.


    Auf Manor Farm werden die fleißigen Tiere ausgebeutet, unterdrückt, vernachlässigt. Als der Farmer Jones eines Tages im Suff schließlich sogar vergisst, seine geschundenen Tiere zu füttern, ist für diese klar: So geht es nicht weiter, es ist Zeit zu handeln. Sie stehen solidarisch zusammen und organisieren sich, um Jones zu vertreiben und die Farm zu übernehmen, um in Zukunft selbst die Früchte ihrer harten Arbeit zu ernten und die Fesseln der Unterdrückung ein für allemal zu sprengen.

    Die Regeln ihrer Gemeinschaft gründen auf Gleichheit, Solidarität und Fairness. Während ihre Revolution zu Beginn erfolgreich zu sein scheint, beginnen die Schweine immer und immer mehr die Charakterzüge ihrer einstigen Unterdrücker anzunehmen, werden immer „menschlicher“, immer skrupelloser und treten das Gebot der Gleichheit schließlich mit Füßen.

    Schließlich kommt es, wie es kommen muss – die Revolution frisst ihre eigenen Kinder.


    „Now, comrades, what is the nature of this life of ours? Let us face it, our lives are miserable, laborious and short. We are born, we are given just so much food as will keep the breath in our bodies, and those of us who are capable of it are forced to work to the last atom of our strength; and the very instant that our usefulness has come to an end we are slaughtered with hideous cruelty. […] The life of an animal is misery and slavery: that is the plain truth.“
    aus: Animal Farm von George Orwell. Textrechte: Penguin, Seite 3.


    Bereits 1945 erschienen, hat der Text bis heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt, im Gegenteil: Er veranschaulicht auf einzigartige Weise das sich stete Wiederholen revolutionärer Akte, die von Hoffnung auf eine bessere Zukunft befeuert und Solidarität getragen zunächst Erfolg versprechen, sich jedoch in ihr Gegenteil verkehren und schlussendlich in Despotismus enden.

    Während des Lesens wird man – trotz der Einfachheit der Sprache – beinahe erschlagen von den Lesarten, die der Text anbietet und den Eindrücken, die damit einhergehen.

    Die berühmteste Interpretation der Fabel ist sicher jene, dass Animal Farm als Parabel für die Geschichte der Sowjetunion gelesen werden kann – von der Unterdrückung der Bürger hin zu Revolutionen, zur Entwicklung des Kommunismus und dem Einmünden aller hoffnungsfrohen Bestrebungen in eine paranoide Gewaltherrschaft, deren Gesicht Stalin war. Spannend sind dabei die Zuordnungen der Figuren zu historischen Persönlichkeiten, Gesellschaftsschichten oder Ereignissen, die teilweise bereits durch die sprechenden Namen der Vierbeiner angedeutet werden.

    Animal Farm ist jedoch unglaublich vielschichtig und verhandelt auf verschiedenen Diskursebenen Fragen der Moral und Ethik. Da schwingen Fragen mit über die Unantastbarkeit der (Menschen-)Würde, den Wert des Einzelnen in einer Gesellschaft, in der das Konzept der Gleichheit zweckinstrumentalisiert wird, über Freiheit und sehr reale aber dystopisch wirkendeWirtschafts- und Regierungssysteme.

    Sprache und Struktur der Fabel sind einfach gestrickt, ihre Komplexität wird erst deutlich, wenn man beginnt, die Allegorien aufzudröseln, den Entstehungskontext unter die Lupe zu nehmen und den Text auch in seiner Aktualität wirken zu lassen.

    Für mich bot der Text nicht nur aufgrund seiner politischen Aufgeladenheit jede Menge Denkstoff. Auch die implizit verhandelte Dialektik von Tierischem und Menschlichem beschäftigte mich noch lange. Unterstellt man jemandem „unmenschlich“ zu handeln, so attestiert man ihm meist ein Fehlen von Empathie und moralischer Geleitetheit. Dass in dem Buch dieses Konzept immer und immer wieder verkehrt wird, das Tierische für Würde, das Menschliche für Korrumpierbarkeit steht – so verlieren die Schweine peu à peu all ihre Integrität, in dem sie sich nach und nach menschliche Charakterzüge und Handlungsweisen aneignen – lädt gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Selbstüberhöhung des Menschen über Flora und Fauna (zum Glück, endlich!) international diskutiert wird, zu noch ein wenig mehr Selbstreflexion ein.


    „The creatures outside looked from pig to man, and from man to pig, and from pig to man again: but already it was impossible to say which was which.“
    aus: Animal Farm von George Orwell. Textrechte: Penguin, Seite 95.


    Als Manko dieser Penguin-Ausgabe sei noch kurz erwähnt, dass in ihr das Vorwort, das bereits 1945 der Zensur zum Opfer fiel (ironisch, da in ihm die Pressefreiheit verhandelt wird), nicht abgedruckt ist.

    Fazit: Animal Farm ist ein kurzer Text, aber einer, der es in sich hat. Die Fabel vereint so viele Bedeutungsschichten und lässt im Spannungsfeld ihrer Historizität und Aktualität so viele Lesarten zu, dass es sich lohnt, sie auch ein zweites oder drittes Mal zu lesen: Genügend zu entdecken gibt es auf jeden Fall.

  20. Cover des Buches Der Archipel GULAG I (ISBN: 9783596184248)
    Alexander Solschenizyn

    Der Archipel GULAG I

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Hypochrisy
    In den drei Bänden seines monumentalen Werks »Der Archipel GULAG« hat Solschenizyn die Geschichte des GULAG, dieses Reichs des Terrors, mit der dokumentarischen Sorgfalt eines Historikers und der Sprachgewalt eines großen Epikers aufgezeichnet. »Was die vorliegenden Seiten enthalten, ist keine Beschreibung des Lagerlebens, sondern eine politische Vorgeschichte, die Chronik der Entstehung dieses unheimlichen Inselreichs …« (Neue Zürcher Zeitung)
  21. Cover des Buches Die Tänzerin im Schnee (ISBN: 9783746628028)
    Daphne Kalotay

    Die Tänzerin im Schnee

     (30)
    Aktuelle Rezension von: MyriamErich

    Einfühlsam und zart wird hier die Geschichte der russischen Primaballerina Nina Rewkaja beschrieben.

    Der Einstieg in die Geschichte erscheint zu Beginn relativ anstrengend. Das Buch weißt einige Längen auf, die man zu gerne überspringen würde.

    Die Geschichte startet in den USA, wo die berühmte Primaballerina ihren Bernsteinschmuck versteigert. Doch was hat es mit diesem auf sich? Was erzählt er für eine Geschichte und wer ist diese Primaballerina wirklich?

    Parallel zu der Geschichte aus der Gegenwart, gibt es eine Art Rückblick auf das Leben Ninas. Diese Parallelgeschichte lässt zu Beginn sogar spannender und interessanter anmuten, als die Versteigerung der Bernsteine. Beschrieben wird der Beginn Ninas am Bolschoi Theater zusammen mit ihrer besten Freundin Vera, mit der sie durch dick und dünn geht und die gerade durch die Regierung ihre Eltern verloren hat.

    Diese Freundschaft droht jedoch im Laufe der Geschichte zu zerbrechen. Während Nina zur gefeierten Primaballerina wird, verliebt sich die hübsche Vera in den Juden Gerschtein. Dieser wird aber von der Regierung verhaftet und in einer psychiatrischen Anstalt interniert. Sehr deutlich wird in diesem Werk die Macht der sowjetischen Regierung und deren Überwachungsapparates.

    Das Ende der Geschichte zeichnet einen tollen Spannungsbogen. Es ist sehr tragisch und dramatisch, aber auch überraschend. Hin- und hergerissen zwischen Hass und Liebe, zerbricht die Primaballerina schließlich an dem dunklen Geheimnis, das sich ihr offenbart und flieht aus der Sowjetunion.

    Obwohl das Buch einige Längen aufweist, die erst am Ende Sinn ergeben, ist es sehr interessant, stimmungsvoll und spannend geschrieben. Die Zusatzinformationen zu Buch, Autorin und Bolschoi-Theater, ergänzt durch ein Ballettglossar, runden das ganze sehr schön ab.

    Mein Fazit: Ein wunderschönes Buch mit einer dramatisch traurigen Geschichte, für die man sich allerdings etwas Zeit nehmen muss, um sie in ihrer vollendeten Schönheit auszukosten.

  22. Cover des Buches Der Scherz (ISBN: 9783423125215)
    Milan Kundera

    Der Scherz

     (77)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Am 28. November 2019 wurde Milan Kundera wieder tschechischer Staatsbürger – 40 Jahre, nachdem ihn die Staats- und Parteiführung der CSSR ausgebürgert hatte, weil sich der Schriftsteller des wiederholten antikommunistischen Dissidententums schuldig gemacht hatte. Mit einem völlig ahnungslosen Gespür für den richtigen Zeitpunkt war dies genau der Tag, an dem ich den „Scherz“ von Kundera ausgelesen hatte – sein Erstling, für den ihn die Parteiführung aber wahrscheinlich auch schon hätte aus dem Land werfen mögen.

    „Der Scherz“ ist eine aus der Laune heraus abgesendete Postkarte des aktivistischen Studenten Ludvik, der damit eigentlich die Hundertfünzigprozentige Markéta provozieren wollte, aber eigentlich nur sein eigenes Leben zerstörte: Von der Uni, aus der Partei und ins Arbeitslager geworfen, landet Ludvik sogar im Gefängnis, weil er nicht begriffen hatte, dass der kommunistische Aufbruch der tschechoslowakischen Gesellschaft etwas Totalitäres hatte. Und Fanatiker wie Totalitaristen haben eines gemeinsam: Sie verstehen absolut keinen Spaß. Ludvik kann sich damit nicht abfinden und hegt einen Hass auf jene, die ihn weiland verstießen. Um diesen Hass in Rache zu verwandeln, verabredet er sich mit Helena in seiner Geburtsstadt, wo er sich an ihr stellevertretend für ihren Gatten rächen will. Kein schöner Zug – wie überhaupt Ludvik kein Sympath ist. Einerseits erregt sein Schicksal in der kommunistischen Unterdrückungswelt der 1950er Jahre das Mitleid des Lesers, immerhin fühlt man seine Machtlosigkeit angesichts des Apparats, den andere besser bedienen können. Anderseits ist Ludvik ein gnadenloser Egoist – was ironischerweise sogar einer der Parteivorwürfe gegen ihn ist.

    Von den letzten zwanzig Jahren zwischen Ludviks „Scherz“ und der Handlung in seiner Geburtsstadt erzählen sieben Kapitel, die aus der Sicht von Ludvik, Helena, Jaroslaw und Kostka geschrieben sind. Geschickt komponiert Kundera die Sichtweisen der handelnden zusammen – oder besser: gegeneinander. Man versteht, dass Jaroslaw, der idealistische Volksmusiker, der nach dem Urgrund der tschechoslowakischen Seele tauchen will, und Ludvik Gegenpole ein und desselben individuellen Scheiterns im falsch aufgezogenen Kommunismus sind. Helena und Kostka hingegen finden ihre Nischen und dort so etwas wie Glück: in Naivität oder festem Christenglauben.

    Kunderas Roman erschlägt einen fast mit seiner Dichtigkeit: Man hat das Gefühl, zwischen den Zeilen und Worten sei gar kein Platz mehr für etwas anderes. Wie eine feste Walze überfährt einen die Erzählung bunt, gnadenlos, empathisch, gefühlvoll und klug. Nach der „Unerträglichen Leichtigkeit des Seins“ ist dies meine zweite Kundera-Erfahrung, die ich noch weitaus intensiver empfand.

    Dennoch ziehe ich einen Stern von der Wertung ab, weil mir die Frauenfiguren nicht gefallen. Alle – Lucie, Helena, Jaroslaws Frau Vlasta – sind schwach und dienen den handelnden Männern stets dazu, sich als Beschützer, Retter oder Gestalter ihrer eignen, männlichen Welt aufzuspielen. Möglicherweise schimmert hier die virile Welt der Altvorderen noch hindurch?

    „Der Scherz“ jedenfalls meint es ernst und geht unter die Haut.

  23. Cover des Buches Macht und Widerstand (ISBN: 9783596034550)
    Ilija Trojanow

    Macht und Widerstand

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    INHALT: Der Roman spielt in Bulgarien zur Zeit des Kalten Krieges und den Jahren nach der Wende, und Metodi Popow und Konstantin Scheitanow sind die gegensätzlichen Pole um die sich die Geschichte dreht. Popow, ein Lebemann und erfolgreicher Offizier der Staatssicherheit mit engen Beziehungen zur Regierung, und auch nach 1990 noch eine feste Größe im Staatsapparat; Scheitanow dagegen ein Querulant, der der Stasi schon zu Schulzeiten auffällt und sein Leben Kampf widmet, ein Dorn im Fleisch, einer, der nie locker lässt.

    Beide kommen aus derselben Stadt, sind ungefähr im gleichen Alter und geraten ihr Leben lang aneinander, als ob sie zur Symbiose bestimmt seien. Während Popow sich im Wohlwollen der Obrigkeiten sonnt, durchlebt Scheitanow alle Höllen in den bulgarischen Gefängnissen und Arbeitslagern. Nach seiner Rehabilitierung und dem Fall des Eisernen Vorhangs sucht er in den Akten nach Hinweisen: Wer hat ihn bespitzelt? Wer waren seine Freunde, wer seine Verräter? Doch es bleibt ein Kampf, denn die Mächtigen von damals sitzen auch heute noch am längeren Hebel.

    FORM: Die zahlreichen Kapitel springen abwechselnd zwischen den Perspektiven Popows und Scheitanows hin und her, die aus heutiger Sicht die Ereignisse von damals schildern. Popows Sprache ist die eines gutmütigen Onkels, bauernschlau, hemdsärmelig und lebensbejahend. Scheitanow dagegen spricht ohne Humor, voller Bitterkeit und Sarkasmus.

    Unterbrochen wird dieses Erinnerungspingpong zum einen durch Auszüge aus den Akten Scheitanows und zum anderen – und das ist stilistisch der größte Kniff des Romans – durch Wortmeldungen der vergangenen Jahre. Trojanow hat versucht, jedem Jahr einen Charakter, eine Stimme zu verleihen. 1958 spricht anders als 1990 oder 2007; die Themen sind andere, so auch die Zuhörer.

    Auch außerhalb der eigentlichen Geschichte kann der Roman viel zur Erweiterung des Horizonts beitragen. Zum Beispiel schreibt Trojanow den Fund des Thrakischen Goldes seinen Figuren zu, und auch über Kyrill und Method wusste ich vor der Lektüre nichts. Ganz abgesehen von der jüngeren bulgarischen Geschichte, ein Land, gar nicht weit weg und doch so fern, das wohl noch so einiges aufzuarbeiten hat.

    FAZIT: Mir ist bei der Lektüre etwas ganz merkwürdiges passiert: Mir war der Protagonist unsympathisch und der Antagonist sympathisch! Das geht doch so nicht! Was ist denn hier los? Aber es geht. Und es ist wohl auch nicht ganz ungewollt. Durch diese Verdrehung umgeht Trojanow geschickt die Klischees von Gut und Böse.

    Ich hatte die große Befürchtung, auch MACHT UND WIDERSTAND sei in dieser für politische Romane typischen Nüchternheit und Humorlosigkeit geschrieben, was sich aber dankenswerter Weise nicht bestätigte. Im Gegenteil: Zwischendurch musste ich sogar laut lachen. (Popows siebzigster Geburtstag oder die Frage, wer denn das KOMMUNISTISCHE MANIFEST geschrieben habe sind großartig humorvolle Szenen.) Ganz klare Abstriche muss ich jedoch bei den Dialogen machen, die mir oft sehr gestelzt und zähflüssig vorkamen. Ansonsten kann ich sagen: Ein wichtiges Buch – vier Sterne.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

  24. Cover des Buches Der Duft der Imperien (ISBN: 9783446265820)
    Karl Schlögel

    Der Duft der Imperien

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Clari

    Anhand von Düften Zeitgeschichte darzustellen, das ist eine originelle Idee.

    Karl Schlögel hat sich dieser Aufgabe unterzogen.

    Er beschreibt die Jahrhundertwende vom 19. bis weit ins zwanzigste Jahrhundert.

    Es geht um die Düfte von Chanel Nr. 5 in Frankreich und Rotes Moskau in Russland.

    Noch herrschen in Russland die Zaren. Karl Schlögel bemüht eine Vielzahl der Namen von Personen, die an der Entwicklung der beiden Düfte maßgeblich beteiligt waren.

    In Wirklichkeit geht es um die Zuordnung der Düfte, die unweigerlich mit Orten und mit Geschichte verbunden waren. Karl Schlögel erinnert an das berühmte Beispiel von M. Proust, dem bei dem Duft von Madeleines Erinnerungen an seine Urlaube mit seiner Großmutter kamen.

    Sehr entscheidend bei der Namensgebung und Etablierung der beiden Düfte waren Polina Shemtschushina Molotowa in Russland und Coco Chanel in Frankreich. Molotowa war die Frau des späteren Außenministers der Sowjetunion, Molotow.

    Coco Chanel ist die berühmte Modedame in Paris. Beide waren in die jeweiligen politischen Verhältnisse mit verwickelt.

    Chanel hatte sich aus armen Verhältnissen stammend in die Welt der high society hochgearbeitet und verkehrte mit allen Großen von Rang und Namen der dreißiger Jahre. Sie war im Grunde unpolitisch wechselte aber gelegentlich die Seiten.

    Ihre Kontakte pflegte sie in England ebenso wie in Frankreich und Deutschland. Unter ihnen gab es Künstler, Politiker und hoch gebildete Schichten aus Intellektuellen und Schriftstellern. Auf diese Weise konnte sie auch ihren Einfluss geltend machen, um ihren Landsleuten in prekären Situationen zu helfen.

     

    In Russland ist es die russische Revolution, die das gesellschaftlichen Leben veränderte. Nicht aber die Sehnsucht nach den gepflegten Düften!

     

    Molotowa agiert politisch und tritt 1918 der Partei der Bolschewiki bei. Nach langen Jahren politischer Arbeit wurde sie als Jüdin 1949 zu fünf Jahren Verbannung verurteilt.

    Ihr Weg durch zahlreiche hohe Ämter in Politik und Wirtschaft findet ausführlich Erwähnung in den Darstellungen von Karl Schlögel. U.a. war sie auch für die Kosmetikindustrie tätig, daher ihre Verbindung zu dem russischen Parfum Rotes Moskau.

     

    Im Mittelpunkt der beschriebenen Ereignisse stehen die dreißiger Jahre, in denen Nationalsozialismus, die Folgen der russischen Revolution, Verfolgung und Krieg zu den zentralen Ereignissen des Jahrhunderts wurden.

    Viele interessante Einzelheiten zum Regime unter Stalin machen immer wieder Staunen, wie die Anhänger Stalins jede noch so infame Strafe hinnahmen, ohne von ihm abzufallen.

    Der Autor hat zahlreiche Einzelheiten zu den gesellschaftlichen Verbindungen der beiden Frauen in ihrer Zeit parat. Er hat für seine Ausführungen alles gründlich recherchiert.

     

     

    In der Gegenüberstellung der beiden Frauen Coco Chanel und Polina Molotowa ersteht ein ganzes Jahrhundert mit den unterschiedlichen Tendenzen: Luxus, Reichtum, Bürgertum (Chanel) gegen Funktionärsmacht, Intrigen, politische Dominanz in allen gesellschaftlichen Bereichen ( Molotowa).

     

    Ein hoch gelungenes aber dank der unzähligen Namensnennungen nicht ganz leicht zu lesendes Werk. Für Geschichtsinteressierte eine ganz neue Art, die Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts zu betrachten.

    Eine lange Reihe von Anmerkungen vervollständigen das Werk zu einem ausgezeichneten Zeitdokument auf dem Weg über die „Düfte“!

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