Bücher mit dem Tag "stalinismus"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "stalinismus" gekennzeichnet haben.

101 Bücher

  1. Cover des Buches Das achte Leben (Für Brilka) (ISBN: 9783548289274)
    Nino Haratischwili

    Das achte Leben (Für Brilka)

     (233)
    Aktuelle Rezension von: FrancieNolan

    Ich möchte einmal versuchen eine kurze Rezension zu diesem Buch dazulassen, obwohl es sicher schon hinreichend beschrieben wurde. Aber es ist ein beeindruckendes Buch, dass einen, trotz kleiner Mängel, sicherlich nicht so schnell loslässt und das Geschichte in Einzelschicksale umsetzt, in einer Weise darstellt, die man auf dem deutschen Büchermarkt leider zu selten findet. (Sozusagen ein Gegenentwurf zu all dieser Massenware an Büchern mit Frauenrücken auf dem Cover;-)) 

    Es ist ein opulenter, fast barocker Roman, ein Familienroman „der alten Schule“, in modernem Stil geschrieben, und erinnert mich stark an die südamerikanischen Romane, z.B. einer Isabel Allende. Auch der kleine fantastische Anteil ist dabei.
    Das muss man wissen, das wird vielleicht nicht jedem gefallen, und es gibt durchaus ein paar Stellen, an denen man davon sprechen kann, dass hier zu durchsichtig konstruiert wurde oder zu viele Zufälle eine Rolle spielen. Im Gesamtbild macht das aber gar nichts.

    Man liest diese 1280 Seiten eher atemlos, sie fesseln definitiv und bringen den Leser mit immer neuen, erstaunlich schonungslos geschilderten Familiendramen voran. Auch wenn die Historie Georgiens und der Sowjetunion manchmal mehr in Aufzählungen stattfindet, als in vertieften Analysen, wird sie hier eben durch das Personal sehr lebendig, vor allem aber die Auswirkungen von Geschichte, die verbissene Ideologien, Machtstreben usw. auf den Einzelnen haben, wie Hass entsteht und wie sich das alles auswirkt. Es ist also auch ein großer psychologischer Roman und die Charakterdarstellung ist außerordentlich.

    Ich glaube, dass dieses Buch das Zeug zum Klassiker hat und habe es wirklich sehr gerne gelesen, es wird nicht mein letztes Buch der Autorin gewesen sein.

  2. Cover des Buches Atemschaukel (ISBN: 9783596512034)
    Herta Müller

    Atemschaukel

     (273)
    Aktuelle Rezension von: claida

    In dem Roman "Atemschaukel" von Herta Müller wird intensiv, mitreißend und zerstörend echt über die Deportation in ein russisches Arbeitslager berichtet.

    Die Person die man durch den Roman und die 5 Jahre im Lager begleitet ist der 17-Jährige Leopold Auberg. Man erfährt über sein Leben vorher, wie es sich im Lager langsam verändert und das Leben danach. Geprägt hat ihn der Satz der Großmutter "Ich weiß du kommst wieder", geglaubt hat es keiner bis er plötzlich wieder vor der Tür stand. Genau wie viele andere, aber nicht alle. Der Schrecken, die Arbeit, der Hunger alles wird aufgegriffen und detailliert erzählt. Vor allem alles was sich im und ums Lager abgespielt hat.

    Nachdem ich in den, zugegebener Weise sprachlich nicht ganz einfachen, Roman reingekommen bin, hat mich die Geschichte mitgerissen und nachhaltig beeindruckt. Man merkt in jedem Satz, dass der Roman auf Erzählungen des Oskar Pastior beruht. Er wurde damals deportiert und eigentlich wollte die Autorin mit ihm gemeinsam dieses Buch schreiben. Leider verstarb er vorher plötzlich, doch die Notizen der vielen Gespräche hat sie in diese Geschichte umgewandelt. 

    Die Emotionen die das Buch bei mir ausgelöst hat sind nicht in Worte zu fassen. Einfach erschreckend wie Menschen behandelt wurden und es auf dieser Welt immer noch werden. Ein paar Jahre zerstören ein ganzes Leben bzw. eine ganze Familie. Die Kapitel, welche alle Namen und bestimmte Themen haben, greifen ineinander und erzählen diese berührende Geschichte, die ich sicher nie ganz vergessen werde.

    Fazit: Das wichtige totgeschwiegene Thema, russisches Arbeitslager, wird durch die Erzählung sichtbar gemacht! So wichtig und doch so zerstörend!


  3. Cover des Buches Kind 44 (ISBN: 9783442481859)
    Tom Rob Smith

    Kind 44

     (760)
    Aktuelle Rezension von: Bookphil

    Die Geschichte spielt in Russland, es sterben Menschen. Leo ist die Hauptfigur in dieser Geschichte, es gibt Intrigen und Verrat. Leo bleibt sich und seinen Linien treu, merkt aber in der Handlung des Buches, dass der Schein trügen kann. Seine nächsten Liebenden könnten sein Verderben sein. 

    Eine Verfolgungsjagd in der Geschichte fand ich super gut beschrieben und man konnte mit Leo mitfiebern.

    Am Anfang war es etwas schwer für mich in die Geschichte reinzukommen, dies legte sich aber schnell.

    Das Buch ist mit politischem Bezug.

    Wer Problem damit hat, nachts gut zu schlafen, sollten dieses Buch meiden. Es ist nichts für schwache Nerven. 

  4. Cover des Buches Agent 6 (ISBN: 9783442475032)
    Tom Rob Smith

    Agent 6

     (158)
    Aktuelle Rezension von: Sassl

    In diesem Abschluss der Trilogie um Leo Demidow begleiten wir ihn in 30 Jahren russischer, amerikanischer und afghanischer Geschichte der Geheimdienste und des Kommunismus. 

    Nach den ersten beiden Teilen Kind 44 und Kolyma hat mich Agent 6 leider enttäuscht. Der Politthriller hat wahnsinnig viele Längen, die sich um zu viel Politik der Geheimdienste drehen. 

    Der eigentliche Plot ist sehr interessant. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin ist großer Anhänger des Kommunismus. Doch nach vielen Jahren des Erfolgs wird er wird er von den Sowjets fallengelassen und von seinen eigenen Landsleuten verachtet. Nach einem Mordanschlag auf Jesse versucht Leo alles, um den wahren Täter zu finden.

    Die Geschichte beginnt jedoch bereits 15 Jahre vor dem Mord und erzählt wie Leo seine Frau Raisa kennengelernt hat. Anschließend vergehen 15 weitere Jahre, in denen wir Leo nach Afghanistan begleiten. Diese Ausflüge waren mir viel zu langatmig und lange Zeit wusste ich gar nicht, wo alles hinführen soll. Um den tatsächlichen Agenten 6 geht es schließlich auch nur auf den letzten 100 Seiten.

    Alles in allem kein schlechter Politthriller, aus dem Tom Rob Smith jedoch viel mehr hätte machen können nach den fabelhaften ersten beiden Teilen der Trilogie.

  5. Cover des Buches Meister und Margarita (ISBN: 9783423143011)
    Michail Bulgakow

    Meister und Margarita

     (430)
    Aktuelle Rezension von: claudiaZ

    Grundsätzlich mag ich Bücher, in denen die Handlung nicht vorhersehbar ist, die mich vielmehr überraschen. Hier stellte sich für mich beim Lesen jedoch die Frage, ob das Maß überschritten wurde.

    Zu Beginn konnte ich die Handlung sehr gut nachvollziehen und die gesellschaftskritische Satire gut interpretieren. Später ging für mich die Handlung komplett ins Fiktionale über. Interessant fand ich die Einbindung des Erzählstrangs, der in Jerschalaim spielt.

    Hilfreich war im Nachhinein, das in meiner Ausgabe enthaltene Nachwort der Übersetzerin Alexandra Berlina. Vieles wurde dadurch verständlicher. Auch habe ich mich mit dem Leben bzw. den Lebensumständen Bulgakows beschäftigt, wodurch nochmals Einiges klarer wurde. Vor diesem Hintergrund finde ich den Roman wirklich bemerkenswert. Ein re-read ist nicht ausgeschlossen.

  6. Cover des Buches Secondhand-Zeit (ISBN: 9783518465721)
    Swetlana Alexijewitsch

    Secondhand-Zeit

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania
    Ich muss zugeben, dass ich in dieses Buch nur reingelesen habe, aber es zeigt ein ziemlich verrücktes und auch trauriges Bild, dass die Russen von ihrem eigenen Land haben. Es hilft wirklich das ehemalige Sowjetimperium, wie Swetlana Alexijewitsch es nennt, besser zu verstehen. So viel Leid und Schmerz musste die Bürger dieses Landes erfahren. Ein wirklich lohnendes Buch!
  7. Cover des Buches Die Abenteuer des Joel Spazierer (ISBN: 9783423143233)
    Michael Köhlmeier

    Die Abenteuer des Joel Spazierer

     (56)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania

    Joel Spazierer wird eigentlich mit einem ganz anderen Namen in Budapest 1949 geboren. Er ist von Anfang an ein sehr ungewöhnliches Kind, lügt und betrügt seit er sprechen kann, da er aber ein sehr hübsches und charmantes Kind ist, glaubt und verzeiht ihm jeder alles. Seine Großeltern, bei denen er aufwächst, werden von Stalins Männern abgeholt und so kommt es, dass er als Kleinkind 5 Tage alleine in der Wohnung zurückbleibt. Seine Leben gestaltet sich ungewöhnlich und voller negativer Entwicklungen: Er stiehlt, lügt, betrügt und mordet sogar, er kommt viel in der Welt herum. Von Anfang an zeichnet ihn ein gewisses kriminelles Verhalten aus. Als er Jahre später einen Freund wiedertrifft, der seine Geschichte aufschreiben will, erfahren wir die ganze Geschichte dieses „bösen“ Menschen und sind dennoch fasziniert, was ihm alles geschieht und was er daraus macht.

    Eine Lebensgeschichte wie ein Schelmenroman. Als Leser ist man mal entsetzt, mal belustigt und immer wieder erstaunt, was dieser Mann doch alles zuwege bringt und vor allem wie.

    Ich habe Joel gerne begleitet und musste immer wieder den Kopf über diese eigensinnige Figur schütteln. Seine Taten sind alles andere als heroisch und doch kann man ihm nie so richtig böse sein, schon gar nicht über einen längeren Zeitraum. Und obwohl es um die Schattenseiten unserer Gesellschaft geht, wie schon im Klappentext heißt, ist Joel Spazierer in meinen Augen ein Überlebenskünstler. Er hat nur kein Gefühl dafür, was böses oder falsch ist. Besonders fasziniert hat mich, dass er immer wieder mit den wenigstens Wörtern, die da wären „Ja“, „Nein“, „Weiß nicht“ durch alles durchkommt. Die Menschen in seinem Umfeld interpretieren immer das in eines dieser Wörter hinein, was sie selbst hören wollen und brauchen. Kein Wunder, dass Joel Spazierer so ein Leben führen kann und damit sehr gut durchs Leben kommt. Ich habe mich wirklich gut unterhalten gefühlt.

  8. Cover des Buches Der Geiger (ISBN: 9783426654446)
    Mechtild Borrmann

    Der Geiger

     (139)
    Aktuelle Rezension von: Julitraum

    Der hochtalentierte Geige Ilja Grenko gibt in Moskau im Jahr 1948 ein erfolgreiches Konzert. Doch direkt nach Abgang aus dem Saal wird er mitsamt seiner wertvollen Stradivari-Geige noch vor Ort von Männern in Zivil verhaftet. Die Geige wird natürlich beschlagnahmt. Man wirft ihm vor, Fluchtpläne zu hegen und verurteilt ihn zu 20 Jahren Straflager in Sibirien.

    Jahrzehnte später in Deutschland wird Sascha Grenkos Schwester vor seinen Augen erschossen. Warum? Sie hatte ihn kurz vorher angerufen und ihm um seine Hilfe gebeten. Sascha will den Mörder seiner Schwester finden und deckt dabei die Wahrheit über die Deportation seines Großvaters und die verschollene Geige auf.

    Dies war nicht mein erstes Buch dieser wirklich begnadeten Autorin und wieder war ich sofort in den Bann der Geschichte gezogen. Sie versteht es wie immer, den interessierten Leser in die Nachkriegszeit der Sowjetuninon zu ziehen, das Ausmaß der damaligen Zustände verdeutlicht zu bekommen, alles eingewebt in eine spannede Familiengeschichte. Dabei ist bei der Autorin jeder Satz klug gewählt und kein Satz zu viel. Dramatisch, bedrückend und spannend - einfach mehr als gelungen.

  9. Cover des Buches Farm der Tiere (ISBN: 9783257261370)
    George Orwell

    Farm der Tiere

     (763)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Der geschichtlich vorbelastete Mensch entdeckt sehr schnell, das Orwell hier mehr oder weniger 1:1 die russische Revolution beschreibt.

    Die ganze Erzählung ist eine Parabel auf die Entwicklung des Sozialismus in der Sowjetunion, die Tiere stehen entweder für konkrete Personen, wie Stalin oder Trotzki oder für Bevölkerungsgruppen wie die Intelligenzija in der Sowjetunion.  

  10. Cover des Buches Roter Herbst in Chortitza (ISBN: 9783765509889)
    Tim Tichatzki

    Roter Herbst in Chortitza

     (18)
    Aktuelle Rezension von: vielleser18
    Was für ein bewegender Roman !

    Erzählt wird die Geschichte von Willi und seinem Freund Maxim. Willi gehört zu der Mennonitengemeinde von Osterwick, einem kleinen Ort in der Ukraine. Ihre Vorfahren kamen auf Einladung von Katharina der Großen aus Deutschland und besiedelten die Gebiete. Von den Menschen, die 1919, als die Geschichte beginnt,  in Osterwick lebten, hat kaum einer Deutschland je gesehen, dennoch werden Sprache und Traditonen von Generation zu Generation weitergegeben. Genauso wie das Rechts der Mennoniten auf Kriegsdienstverweigerung.
    1919 herrscht Bürgerkrieg. Der erste Weltkrieg ist zu Ende, der Zar gestürzt. Es herrst Gewalt und Willkür, Kämpfe zwischen den "Roten und den "Weißen" - und mittendrin Willi und sein Freund Maxim. Maxim und sein Vater konnten nach Osterwick flüchten, während seine Mutter und seine zwei Schwestern gefangen genommen wurden. Die kommende Zeit wird eine Zerreißprobe, nicht nur für die Freunde, sondern auch für die Dorfbevölkerung.
    Repressalien, Konfizierungen und hohe Abgabequoten, die erfüllt werden sollen. Sollte man sich wehren ? Wie lang kann alles ertragen und erduldet werden?
    Hier beginnt die Geschichte von Willi und Maxim und führt uns durch die bitteren Jahre bis 1947. Am Ende des Buches rundet noch ein Ausblick auf 70 Jahre später die Geschichte ab.

    Es ist keine reine fiktive Geschichte, es sind die Erinnerungen und Erlebnisse seiner Schwiegermutter, die der Autor Tim Tachatzki zu diesem Roman verarbeitet hat. Damit sie nie in Vergessenheit geraten. Ihre Geschichte ist die von vielen. Es sind die Erinnerungen an Zeiten des Umbruchs, der Willkür, der Diktatur und Krieg, geprägt von Gewalt und Hungersnöten, Zeiten, in denen es ums reine Überleben, aber auch um das Festhalten am Glauben ging. Es geht um die Opfer und ihr Leid, aber auch die Täter werden beschrieben.

    Die Sichtweisen verändern sich im Buch, die Grausamkeiten werden so ziemlich deutlich beschrieben. Keine leicht Lektüre, man fühlt und leidet mit. Nicht alles ist leicht zu ertragen. Dennoch ist es wichtig, dass es erzählt wird, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

    Von mir bekommt "Roter Herbst in Chortitza" volle Leseempfehlung. Wichtiges Thema, fesselnd erzählt  - die Geschichte einer Russlanddeutschen Familie, aber auch die einer dunklen Zeit.
  11. Cover des Buches Roter Zar (ISBN: 9783426510490)
    Sam Eastland

    Roter Zar

     (45)
    Aktuelle Rezension von: PMelittaM

    1929: Pekkala war das Smaragdauge des Zaren, sein besonderer Ermittler. Nach Jahren im Gulag in Sibirien, bittet man ihn schließlich den Tod der Zarenfamilie zu untersuchen, und stellt ihm im Zuge dessen seine Freiheit in Aussicht.

    „Roter Zar“ ist der erste Band einer Reihe und bereits 2010 entstanden. Mir hat die Erzählweise gut gefallen, abwechselnd erfährt man das aktuelle Geschehen bzw. Pekkalas Erinnerungen aus der Zeit vorher, wir erfahren so, wie er das Smaragdauge des Zaren wurde, und schließlich im Gulag landete. Pekkala ist ein interessanter Charakter, den man gut kennenlernt. Er versucht sein bestes zu geben, hat aber auch Schwächen. Ich bin gespannt, wie er sich im Laufe der weiteren Bände entwickeln wird.

    Es gibt zwei weitere wichtige Charaktere, die Pekkala bei seinen Ermittlungen zur Seite stehen, einer ist recht zwielichtig, und stammt aus Pekkala Vergangenheit, der andere ist ein junger Mann, der eigentlich Küchenchef werden wollte, nun aber Kommissar ist. Wahrscheinlich wird einer der beiden zukünftig weiter eine Rolle spielen, auch hier bin ich gespannt.

    Natürlich weiß man heute, was mit den Romanows passiert ist, im Anhang finden sich dazu auch Anmerkungen des Autors. Trotzdem ist es interessant, den Ermittlungen zu folgen, die nicht ganz den historischen Verlauf wiedergeben. Man erfährt auch ein bisschen darüber, wie man im bolschewikischen Russland lebt, und auch Stalin tritt auf. Der Fall hat einige überraschende Wendungen, ganz zufrieden bin ich mit der Auflösung nicht, ich frage mich, warum Pekkala das mit seinen Erfahrungen und Fähigkeiten nicht früher erkannt hat – aber, wenn man bedenkt, was er alles erlebt hat, ist es auch nicht ganz unwahrscheinlich. Es fehlt vielleicht ein bisschen an Spannung, aber die habe ich hier auch gar nicht gebraucht, viel interessanter waren die einzelnen Entwicklungen, die Menschen und Hintergründe.

    Mir hat der Roman gut gefallen, auch wenn er ein bisschen die Geschichte beugt, wenn man aber die vielen Gerüchte rund um das, was mit den Romanows geschah, kennt, hätte es immerhin so sein können. Pekkala ist eine interessante Figur, ich freue mich darauf, ihn in weiteren Romanen wiederzutreffen. Von mir gibt es 4 Sterne, da mir die Auflösung nicht ganz logisch erscheint, insgesamt ist der Roman aber lesenswert.

  12. Cover des Buches 1984 (ISBN: 9783548289458)
    George Orwell

    1984

     (3.970)
    Aktuelle Rezension von: Minijane

    Den Klassiker „ 1984“ von George Orwell wollte ich schon lange mal lesen und damit eine Bildungslücke schließen. Ich kann jetzt sagen, dass ich selten ein so düsteres und hoffnungsloses Buch gelesen habe. 

    Orwell entwirft in seinem Roman einen grausamen Überwachungsstaat aus dem es kein Entkommen gibt. Die Ideologie die hinter dieser Welt, die sich Ozeanien nennt, verbirgt, ist einfach nur menschenverachtend. Die Bewohner dieses totalitären Staates werden ständig überwacht und, fallen sie negativ auf, werden sie gefoltert ( und das zu lesen war nur schwer auszuhalten) oder getötet bzw. vaporisiert, wie man die Erschiessung hier nennt.

    Wenn man bedenkt, wie alt das Buch ist (1949 erstmals erschienen) und wie viele der düsteren Visionen tatsächlich wahr geworden sind, ist dieser Klassiker wirklich ein wichtiges Buch, dass man vielleicht mal lesen sollte. Wir haben das Glück in einer Demokratie zu leben und holen uns Alexa freiwillig ins Haus, aber andere Staaten sind schon deutlich näher an die dystopische Welt von Orwell herangerückt. Das Buch kritisiert auch keinen speziellen Staat aber erinnert sehr massiv daran, dass Demokratie und Freiheit nicht selbstverständlich sind.

  13. Cover des Buches Der Lärm der Zeit (ISBN: 9783442716524)
    Julian Barnes

    Der Lärm der Zeit

     (80)
    Aktuelle Rezension von: mabo63


    Wie lebt man in einer Zeit voller Angst und Schrecken, unter dem Regime von Stalin und vor allem wie lebt man als Künstler in einer solchen Zeit? Kann man das überhaubt Leben nennen oder ist es in Wahrheit nicht ein andauerndes 'überleben'?


    Der Roman mit biografischen Hintergrund erzählt vom Leben des Dmitri Dmitrijewitch Schostakowitsch (wohl einer der bedeutensten russischen Komponisten des 20. Jahrhundert).


    Nachdem Schostakowitsch bei Stalin in Ungnade gefallen war (das sei keine Musik sondern albernes Zeug) -  fürchtet er um sein Leben: er wäre nicht der erste Komponist oder Künstler der plötzlich einfach 'verschwindet' oder einen tragischen Unfall hat..

    Er muss sich mit der Macht arangieren um zu überleben, hält u.a. an einem Musikerkongress in den USA eine propagandistische Rede für den sowjetischen Staat, fühlt sich derart unter Druck dass er gar andere Kunstschaffende verleumdet.

    Und immer ist da die Angst die ihn umgibt, in der er lebt.


    "Das warten auf die Exekution ist eines der Themen die mich mein Leben lang gemartert haben, viele Seiten meiner Musik sprechen davon"

    D. Schostakowitsch


    oder wie schreibt Barnes eindrücklich:

    .. 'das Leben war noch nicht mit ihm fertig. Das Leben war die Katze, die den Papagei am Schwanz die Treppe hinunterzog; sein Kopf knallte gegen jede Stufe.'


    Leseempfehlung.

  14. Cover des Buches Der Lärm der Zeit (ISBN: 9783839815311)
    Julian Barnes

    Der Lärm der Zeit

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Er trainierte seinen Körper nicht, er bewohnte ihn. Eines von so vielen wunderbaren Zitaten. Leider kann man sie bei einem Hörbuch nicht anstreichen. Es wären auch zu viele. Auch, wenn mich die Story nicht wirklich gefesselt hat, habe ich jeden Satz genossen, weil hier jedes Wort genau getroffen wird und platziert sitzt. 

    Eine wirkliche Neuentdeckung für mich. J

    ulian Barnes werde ich mir merken.

  15. Cover des Buches Der Archipel GULAG I (ISBN: 9783596184248)
    Alexander Solschenizyn

    Der Archipel GULAG I

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Hypochrisy
    In den drei Bänden seines monumentalen Werks »Der Archipel GULAG« hat Solschenizyn die Geschichte des GULAG, dieses Reichs des Terrors, mit der dokumentarischen Sorgfalt eines Historikers und der Sprachgewalt eines großen Epikers aufgezeichnet. »Was die vorliegenden Seiten enthalten, ist keine Beschreibung des Lagerlebens, sondern eine politische Vorgeschichte, die Chronik der Entstehung dieses unheimlichen Inselreichs …« (Neue Zürcher Zeitung)
  16. Cover des Buches Die Tänzerin im Schnee (ISBN: 9783746628028)
    Daphne Kalotay

    Die Tänzerin im Schnee

     (30)
    Aktuelle Rezension von: MyriamErich

    Einfühlsam und zart wird hier die Geschichte der russischen Primaballerina Nina Rewkaja beschrieben.

    Der Einstieg in die Geschichte erscheint zu Beginn relativ anstrengend. Das Buch weißt einige Längen auf, die man zu gerne überspringen würde.

    Die Geschichte startet in den USA, wo die berühmte Primaballerina ihren Bernsteinschmuck versteigert. Doch was hat es mit diesem auf sich? Was erzählt er für eine Geschichte und wer ist diese Primaballerina wirklich?

    Parallel zu der Geschichte aus der Gegenwart, gibt es eine Art Rückblick auf das Leben Ninas. Diese Parallelgeschichte lässt zu Beginn sogar spannender und interessanter anmuten, als die Versteigerung der Bernsteine. Beschrieben wird der Beginn Ninas am Bolschoi Theater zusammen mit ihrer besten Freundin Vera, mit der sie durch dick und dünn geht und die gerade durch die Regierung ihre Eltern verloren hat.

    Diese Freundschaft droht jedoch im Laufe der Geschichte zu zerbrechen. Während Nina zur gefeierten Primaballerina wird, verliebt sich die hübsche Vera in den Juden Gerschtein. Dieser wird aber von der Regierung verhaftet und in einer psychiatrischen Anstalt interniert. Sehr deutlich wird in diesem Werk die Macht der sowjetischen Regierung und deren Überwachungsapparates.

    Das Ende der Geschichte zeichnet einen tollen Spannungsbogen. Es ist sehr tragisch und dramatisch, aber auch überraschend. Hin- und hergerissen zwischen Hass und Liebe, zerbricht die Primaballerina schließlich an dem dunklen Geheimnis, das sich ihr offenbart und flieht aus der Sowjetunion.

    Obwohl das Buch einige Längen aufweist, die erst am Ende Sinn ergeben, ist es sehr interessant, stimmungsvoll und spannend geschrieben. Die Zusatzinformationen zu Buch, Autorin und Bolschoi-Theater, ergänzt durch ein Ballettglossar, runden das ganze sehr schön ab.

    Mein Fazit: Ein wunderschönes Buch mit einer dramatisch traurigen Geschichte, für die man sich allerdings etwas Zeit nehmen muss, um sie in ihrer vollendeten Schönheit auszukosten.

  17. Cover des Buches Macht und Widerstand (ISBN: 9783596034550)
    Ilija Trojanow

    Macht und Widerstand

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    INHALT: Der Roman spielt in Bulgarien zur Zeit des Kalten Krieges und den Jahren nach der Wende, und Metodi Popow und Konstantin Scheitanow sind die gegensätzlichen Pole um die sich die Geschichte dreht. Popow, ein Lebemann und erfolgreicher Offizier der Staatssicherheit mit engen Beziehungen zur Regierung, und auch nach 1990 noch eine feste Größe im Staatsapparat; Scheitanow dagegen ein Querulant, der der Stasi schon zu Schulzeiten auffällt und sein Leben Kampf widmet, ein Dorn im Fleisch, einer, der nie locker lässt.

    Beide kommen aus derselben Stadt, sind ungefähr im gleichen Alter und geraten ihr Leben lang aneinander, als ob sie zur Symbiose bestimmt seien. Während Popow sich im Wohlwollen der Obrigkeiten sonnt, durchlebt Scheitanow alle Höllen in den bulgarischen Gefängnissen und Arbeitslagern. Nach seiner Rehabilitierung und dem Fall des Eisernen Vorhangs sucht er in den Akten nach Hinweisen: Wer hat ihn bespitzelt? Wer waren seine Freunde, wer seine Verräter? Doch es bleibt ein Kampf, denn die Mächtigen von damals sitzen auch heute noch am längeren Hebel.

    FORM: Die zahlreichen Kapitel springen abwechselnd zwischen den Perspektiven Popows und Scheitanows hin und her, die aus heutiger Sicht die Ereignisse von damals schildern. Popows Sprache ist die eines gutmütigen Onkels, bauernschlau, hemdsärmelig und lebensbejahend. Scheitanow dagegen spricht ohne Humor, voller Bitterkeit und Sarkasmus.

    Unterbrochen wird dieses Erinnerungspingpong zum einen durch Auszüge aus den Akten Scheitanows und zum anderen – und das ist stilistisch der größte Kniff des Romans – durch Wortmeldungen der vergangenen Jahre. Trojanow hat versucht, jedem Jahr einen Charakter, eine Stimme zu verleihen. 1958 spricht anders als 1990 oder 2007; die Themen sind andere, so auch die Zuhörer.

    Auch außerhalb der eigentlichen Geschichte kann der Roman viel zur Erweiterung des Horizonts beitragen. Zum Beispiel schreibt Trojanow den Fund des Thrakischen Goldes seinen Figuren zu, und auch über Kyrill und Method wusste ich vor der Lektüre nichts. Ganz abgesehen von der jüngeren bulgarischen Geschichte, ein Land, gar nicht weit weg und doch so fern, das wohl noch so einiges aufzuarbeiten hat.

    FAZIT: Mir ist bei der Lektüre etwas ganz merkwürdiges passiert: Mir war der Protagonist unsympathisch und der Antagonist sympathisch! Das geht doch so nicht! Was ist denn hier los? Aber es geht. Und es ist wohl auch nicht ganz ungewollt. Durch diese Verdrehung umgeht Trojanow geschickt die Klischees von Gut und Böse.

    Ich hatte die große Befürchtung, auch MACHT UND WIDERSTAND sei in dieser für politische Romane typischen Nüchternheit und Humorlosigkeit geschrieben, was sich aber dankenswerter Weise nicht bestätigte. Im Gegenteil: Zwischendurch musste ich sogar laut lachen. (Popows siebzigster Geburtstag oder die Frage, wer denn das KOMMUNISTISCHE MANIFEST geschrieben habe sind großartig humorvolle Szenen.) Ganz klare Abstriche muss ich jedoch bei den Dialogen machen, die mir oft sehr gestelzt und zähflüssig vorkamen. Ansonsten kann ich sagen: Ein wichtiges Buch – vier Sterne.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

  18. Cover des Buches Metropol (ISBN: 9783499000973)
    Eugen Ruge

    Metropol

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Ana80

    Die deutschen Charlotte und Wilhelm leben in Moskau. Geflohen vor den Nationalsozialisten und für ihre Überzeugung kämpfend, haben sie sich der kommunistischen Partei angeschlossen und sich ins Mutterland der Revolution begeben. Sie arbeiten zusammen mit Kommunisten aus etlichen Ländern beim Nachrichtendienst Komintern. Auf einer Urlaubsreise durch ihre neue Heimat erfahren sie durch die Zeitung, dass einem Bekannten von ihnen der Prozess gemacht wurde. Von da an beginnt für beide eine Odyssee, denn wer einen „Volksfeind“ kennt, müsste doch ebenfalls ein solcher sein und gerät somit automatisch unter Verdacht.

    Eugen Ruge nimmt uns in diesem Roman erneut mit auf eine Reise durch seine Familiengeschichte. Er erzählt die Geschichte von seiner Großmutter Charlotte und deren „Mann“ Wilhelm, die für einige Zeit in Moskau gelebt haben. In der Zeit von Stalins Großer Säuberung werden die beiden ins Hotel Metropol verbannt und fristen dort ein Dasein abseits von dem allgegenwärtigen Luxus. Sie sind von der Arbeit freigestellt, müssen sich für ihre Bekanntschaften rechtfertigen und tatsächlich auch um ihr Leben fürchten, denn nach und nach werden immer mehr Menschen aus ihrem Umfeld „abgeholt“.

    Schon der Prolog hat mich mitgenommen auf eine Reise in eine mir sehr fremde Welt. Ich tauchte ein in ein spannendes Leben in politisch unsicheren Zeiten sowie ein sehr unsicheres Land. Das gesamte Buch über konnte mein Interesse auch durchaus erhalten bleiben, denn diese schlimme und unsichere Situation der beiden vermag Ruge durchaus gut darzustellen. Oft blieben mir Situationen allerdings irgendwie zu vage. Insgesamt würde ich das Buch als eindrücklich und dennoch nicht einnehmend beschreiben. Ich blieb gerne dabei, war aber nie gänzlich gefesselt.

    Empfehlen kann ich es trotzdem all denjenigen, die gerne mehr über das Leben im Moskau der Jahre 1936 bis 1938 erfahren möchten.

  19. Cover des Buches Die Liebenden von Leningrad (ISBN: 9783453422322)
    Paullina Simons

    Die Liebenden von Leningrad

     (252)
    Aktuelle Rezension von: Ales_Ia_Sela

    Eines meiner absoluten Lieblingsbücher. 

    Die Geschichte von Tatjana und Alexander ist einzigartig und bewegend. 

  20. Cover des Buches Rote Kreuze (ISBN: 9783257246131)
    Sasha Filipenko

    Rote Kreuze

     (176)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Alexander fängt neu an und zieht mit seiner Tochter um. Die Vermieterin berichtet von der netten alten Dame, die nebenan wohnt. Leider hat sie Alzheimer. Alexander lernt Tatjana kennen und fast jedes mal neu. Sie aber erinnert sich an früher an die bewegte und auch schreckliche Geschichte Russlands. Sie erzählt ihm von ihrer Schuld un ihrem Leid. Aber auch Alexander hat ein Schicksal, dass nur sehr wenige mit ihm teilen. Die Beiden werden Vertraute, Erzähler und Zuhörer und entfalten somit ganz unbewusst die Geschichte Russlands und all ihre Facetten. Der Autor versteht es wunderbar Stimmungen zu Erzeugen und Geschichte lebendigwerden zu lassen und er beschreibt wunderbar, was Gefühle und Angst mit einem machen und was ein Gespräch für einen Menschen bedeuten kann. Tolles Buch!
    Das Cover Bild ist hervorragend gewählt wieder einmal.

  21. Cover des Buches Der Duft der Imperien (ISBN: 9783446265820)
    Karl Schlögel

    Der Duft der Imperien

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Clari

    Anhand von Düften Zeitgeschichte darzustellen, das ist eine originelle Idee.

    Karl Schlögel hat sich dieser Aufgabe unterzogen.

    Er beschreibt die Jahrhundertwende vom 19. bis weit ins zwanzigste Jahrhundert.

    Es geht um die Düfte von Chanel Nr. 5 in Frankreich und Rotes Moskau in Russland.

    Noch herrschen in Russland die Zaren. Karl Schlögel bemüht eine Vielzahl der Namen von Personen, die an der Entwicklung der beiden Düfte maßgeblich beteiligt waren.

    In Wirklichkeit geht es um die Zuordnung der Düfte, die unweigerlich mit Orten und mit Geschichte verbunden waren. Karl Schlögel erinnert an das berühmte Beispiel von M. Proust, dem bei dem Duft von Madeleines Erinnerungen an seine Urlaube mit seiner Großmutter kamen.

    Sehr entscheidend bei der Namensgebung und Etablierung der beiden Düfte waren Polina Shemtschushina Molotowa in Russland und Coco Chanel in Frankreich. Molotowa war die Frau des späteren Außenministers der Sowjetunion, Molotow.

    Coco Chanel ist die berühmte Modedame in Paris. Beide waren in die jeweiligen politischen Verhältnisse mit verwickelt.

    Chanel hatte sich aus armen Verhältnissen stammend in die Welt der high society hochgearbeitet und verkehrte mit allen Großen von Rang und Namen der dreißiger Jahre. Sie war im Grunde unpolitisch wechselte aber gelegentlich die Seiten.

    Ihre Kontakte pflegte sie in England ebenso wie in Frankreich und Deutschland. Unter ihnen gab es Künstler, Politiker und hoch gebildete Schichten aus Intellektuellen und Schriftstellern. Auf diese Weise konnte sie auch ihren Einfluss geltend machen, um ihren Landsleuten in prekären Situationen zu helfen.

     

    In Russland ist es die russische Revolution, die das gesellschaftlichen Leben veränderte. Nicht aber die Sehnsucht nach den gepflegten Düften!

     

    Molotowa agiert politisch und tritt 1918 der Partei der Bolschewiki bei. Nach langen Jahren politischer Arbeit wurde sie als Jüdin 1949 zu fünf Jahren Verbannung verurteilt.

    Ihr Weg durch zahlreiche hohe Ämter in Politik und Wirtschaft findet ausführlich Erwähnung in den Darstellungen von Karl Schlögel. U.a. war sie auch für die Kosmetikindustrie tätig, daher ihre Verbindung zu dem russischen Parfum Rotes Moskau.

     

    Im Mittelpunkt der beschriebenen Ereignisse stehen die dreißiger Jahre, in denen Nationalsozialismus, die Folgen der russischen Revolution, Verfolgung und Krieg zu den zentralen Ereignissen des Jahrhunderts wurden.

    Viele interessante Einzelheiten zum Regime unter Stalin machen immer wieder Staunen, wie die Anhänger Stalins jede noch so infame Strafe hinnahmen, ohne von ihm abzufallen.

    Der Autor hat zahlreiche Einzelheiten zu den gesellschaftlichen Verbindungen der beiden Frauen in ihrer Zeit parat. Er hat für seine Ausführungen alles gründlich recherchiert.

     

     

    In der Gegenüberstellung der beiden Frauen Coco Chanel und Polina Molotowa ersteht ein ganzes Jahrhundert mit den unterschiedlichen Tendenzen: Luxus, Reichtum, Bürgertum (Chanel) gegen Funktionärsmacht, Intrigen, politische Dominanz in allen gesellschaftlichen Bereichen ( Molotowa).

     

    Ein hoch gelungenes aber dank der unzähligen Namensnennungen nicht ganz leicht zu lesendes Werk. Für Geschichtsinteressierte eine ganz neue Art, die Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts zu betrachten.

    Eine lange Reihe von Anmerkungen vervollständigen das Werk zu einem ausgezeichneten Zeitdokument auf dem Weg über die „Düfte“!

  22. Cover des Buches Doktor Shiwago (ISBN: 9783100022455)
    Boris Pasternak

    Doktor Shiwago

     (86)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Nach dem Tod seiner Mutter kommt der zehnjährige Juri Schiwago zu seinem Onkel Nikolai Wedenjapin und reift bei ihm zum Mann heran. Er absolviert ein Medizinstudium und heiratet seine Jugendliebe Tonja. Parallel dazu lernen wir die hübsche Larissa Antipowa, genannt Lara, kennen und erfahren, wie sie als Erzieherin in einem Privataushalt anfängt und sich später zu einem Studium an der Universität entschließt. Bei einem tragischen Unfall lernen Juri und Lara sich kennen, verlieren sich aber wieder aus den Augen. Erst viele Jahre später, im großen vaterländischen Krieg, treffen sie einander wieder. Juri ist inzwischen ein angesehener Arzt, der von einer Gewehrkugel verletzt wurde. Lara hat sich als Krankenschwester freiwillig an die Front gemeldet und pflegt ihn im Lazarett gesund. Viel Zeit zum Durchatmen bekommen niemand, denn danach breitet sich die Februarrevolution von Moskau stetig weiter aus. Das ganze Land befindet sich im Umbruch und Dr. Schiwago wird von seiner Familie getrennt und zur Zwangsarbeit verurteilt. Als er nach vielen Jahren freikommt, trifft er Lara wieder und verliebt sich in sie. Anstatt zu seiner Familie zurückzukehren, bleibt er bei Lara, obwohl sie beide wissen, dass ihr Glück nicht von langer Dauer ist. Schließlich zwingen die Umstände sie zur erneuten Trennung und Juri versucht sein Leben allein unter Kontrolle zu bekommen. Doch nicht einmal seine Arbeit als Arzt sagt ihm mehr zu.
    Boris Pasternaks berühmter Roman erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte des Doktor Schiwago, festgemacht an vielen wichtigen Punkten der russischen Geschichte. Neben Hauptpersonen Juri und Lara tauchen mehrere hundert Personen auf – manche nur kurz, andere länger. Dadurch zeigt sich sowohl sein epochaler Umfang als auch seine größte Schwäche. Die Geschichte ist viel zu weitläufig erzählt. Vor allem ab dem Beginn der Februarrevolution ufert die Handlung immer weiter aus. Zig Kapitel haben nichts mit Juri oder Lara zu tun und man merkt deutlich, dass der Autor hier etwas den Fokus verloren hatte. Statt fortlaufender Handlung überwiegen ellenlange Dialoge und Monologe, damit scheinbar jede Person ihre Weltansicht detailliert erläutern kann. Leider setzt sich das bis zum Ende fort. Selbst nach Doktor Schiwagos unspektakulärem Tod ist die Geschichte nicht vorüber, sondern noch mehr Gespräche und Erkenntnisse müssen ausgetauscht werden. Hätte man da einiges gekürzt, es hätte dem Roman vermutlich nicht geschadet. Zumal die Geschichte durch (viel zu) vielen Ansichten eher sachlich erscheint und dadurch Gefühle und Leidenschaft meist ins Hintertreffen geraten. Man leidet daher auch nicht mit den Figuren, sondern weiß vorwiegend über die äußeren Umstände Bescheid.

  23. Cover des Buches Was für ein schöner Sonntag! (ISBN: 9783937793160)
    Jorge Semprun

    Was für ein schöner Sonntag!

     (44)
    Aktuelle Rezension von: Jetztkochtsie
    Ich habe das Buch nun trotz Leserunde auf Seite 185 abgebrochen. Die ersten Seiten versprachen ein wunderbares Leseerlebnis, Sempruns Art zu erzählen war bezaubernd, seine Sprache herrlich und wunderschön, trotz des traurigen Themas. Je weiter man liest um so mehr fühlt man sich in ein Schulbuch mit Belehrungen über den Kommunismus der damaligen Zeit versetzt. Die Zusammenhänge werden (zumindest für mich) nicht mehr klar. Ich konnte Semprun nicht mehr folgen und war zu gelangweilt, um mir Mühe zu geben.
  24. Cover des Buches Moskau, Bel Étage (ISBN: 9783462042436)
    Grigori Rjaschski

    Moskau, Bel Étage

     (12)
    Aktuelle Rezension von: SiCollier
    Ich lebe, dachte sie, sie lebt noch, die alte Mähre, sie atmet und stößt sogar Dampf aus, wie eine Lok auf dem Abstellgleis, der man noch einmal eingeheizt hat. (Seite 123)

    Meine Meinung

    Was für ein Buch!

    Wodurch ich auf dieses Buch aufmerksam geworden bin, weiß ich nicht mehr. Und letztlich ist das auch egal, es hat seinen Weg zu mir gefunden und sämtliche Erwartungen übertroffen. „Ein Panorama der russischen Gesellschaft im Wandel der Zeiten“ heißt es im Klappentext, und selten hat ein Verlagstext mehr auf ein Buch zugetroffen, wie es hier der Fall ist.

    Der Roman hebt rückblickend im Jahre 1903 an und spannt einen Bogen über hundert Jahre bis ins Jahr 2003 - hundert Jahre mit Freud und Leid, vom zaristischen Rußland über die Sowjetunion hin zum Rußland unserer Tage. In all den Umwälzungen und dem Chaos, das diese lebhaften Zeiten mit sich bringen, gibt es einen, eigentlich zwei, ruhende Pole: das Haus in der Trjochprudny-Gasse und seine Bewohnerin Rosa Markowna. Ihr Mann hatte das Haus einst erbaut, war ein anerkannter und berühmter Architekt, aber wie das zu Stalins Zeiten so war, hat ihm das letztlich auch nicht mehr viel genützt.

    Und so bleibt Rosa Markowna, die letzte, die die jüdischen Traditionen ihrer Familie hoch hält und versucht, diese nebst Sitte und Anstand über die Jahre und Jahrzehnte hinweg auf die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Was ihr mal mehr, mal weniger gelingt. Wie ein Fels in der Brandung steht sie fest, läßt alles an sich abprallen und versucht, ihre kleine Welt zu halten und einen guten Einfluß auszuüben. Viele Rückschläge und Enttäuschungen muß sie im Laufe der Jahre hinnehmen, doch sie ist aus hartem Holz geschnitzt, unterkriegen läßt sie sich nicht.

    Immer wieder ziehen neue Mieter in das Haus, nicht immer werden die Wohnungen auf „normalem“ Wege frei und im Laufe der Jahre entpuppt sich sogar ein KGB-General als liebenswerter Nachbar. Es geht Auf und Ab, als Leser erleben wir ein Jahrhundert Zeitgeschichte hautnah mit und sind manchmal froh, daß nur wir wissen, wie die Dinge wirklich zusammen hängen und Rosa Markowna so manche Enttäuschung erspart bleibt, die ihr am Ende möglicherweise doch ihr gutes Gemüt geraubt hätte.

    Ein Buch, das vom Hauch der Geschichte durchweht wird, über dem auch an Sonnentagen eine leichte Melancholie liegt und das bei allem Schrecken doch niemals eine positive Grundstimmung verleugnen kann. Ein Buch, das schlimme Zeiten schildert, bis hin zu üblen Gestalten der Russenmafia unserer Tage, und in dem eine Frau wie Rosa Markowna zeigt, daß auch solche Zeiten mit Anstand und Würde zu überstehen sind, daß man sich sein eigenes kleines Glück auch unter widrigsten Umständen schaffen und erhalten kann.

    Ein Buch, das mich von Anfang an tief in seinen Bann gezogen und fasziniert hat, woran gewißlich auch die überaus gelungene Übersetzung (soweit ich das beurteilen kann) ihren Anteil hat.

    Ein Buch, welches ich so schnell nicht mehr vergessen kann.

    Was für ein großartiges Buch!


    Mein Fazit

    Ein grandioses Panorama des Hauses in der Moskauer Trjochprudny-Gasse und seiner Bewohner im Verlauf von nahezu hundert Jahren. Eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe.

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