Bücher mit dem Tag "stefan zweig"

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52 Bücher

  1. Cover des Buches 1913 (ISBN: 9783596520534)
    Florian Illies

    1913

     (269)
    Aktuelle Rezension von: Annilove

    für Geschichts- und Kunstliebhaber sehr zu empfehlen, wer aber nichts daran sieht der wird in dem Buch auch nichts finden

  2. Cover des Buches Ostende (ISBN: 9783462046007)
    Volker Weidermann

    Ostende

     (80)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Weidermann gelingt es, die kurzlebige Stimmung der Exilliteraten Joseph Roth, Stefan Zweig, Irmgard Keun und der anderen, die aus Nazideutschland geflohen, aber eigentlich noch nicht im dauerhaften Exil nagekommen sind. Dieser Sommer 1936 im belgischen ostende ist gleichzeitig so sehr in der Zeit verfangen, wie er aus ihr herausfällt. Mit Leichtigkeit lesen wir die Seiten, schauen wir den Menschen in die Herzen und Köpfe, obschon die gewaltigen Veränderungen des Krieges schon dräuen. Weidermanns größte Leistung für mich: dass ich auf einmal etwas von Irmgard Keun lesen möchte, die mir auch Schultagen so sehr verhasst war.

  3. Cover des Buches Schachnovelle (ISBN: 9783328106739)
    Stefan Zweig

    Schachnovelle

     (1.267)
    Aktuelle Rezension von: Lesebiene017

    „Auf dem großen Passagierdampfer, der um Mitternacht von New York nach Buenos Aires abgehen sollte, herrschte die übliche Geschäftigkeit und Bewegung der letzten Stunde.“ (Erster Satz)

    Völlig überraschend erfährt der Ich-Erzähler, dass sich Weltschachmeister Mirko Czentovic, um den sich allerlei Anekdoten ranken, an Bord des Dampfers befindet. Das junge Schachtalent stammt nämlich aus einer bildungsfernen Schifferfamilie, gilt als wenig kommunikativ, teilnahmslos und der Welt abgewandt. Sobald er sich vom Schachbrett erhebt, „wird er trotz seines feinen Anzuges zu einer grotesken und beinahe komischen Figur“. Das ist etwas, das den Erzähler neugierig macht. Er möchte Czentovic unbedingt persönlich kennenlernen. Dazu greift er zu einer List, indem er Schachbretter aufstellt, die die Schachliebhaber – und den Weltmeister - heranlocken sollen.

    Tatsächlich findet sich mit dem vermögenden Geschäftsmann McConnor ein Spieler nach Maß, der das nötige Kleingeld besitzt, um Czentovic herauszufordern. Natürlich ist der großkotzige Selfmademan chancenlos, auch wenn die Partie große Aufmerksamkeit bei den anderen Passagieren erregt. Hinzu tritt auch Dr. B., ein unscheinbarer Anwalt. Er gibt letztlich die entscheidenden Tipps, die zu einem Remis führen und die sichere Niederlage McConnors verhindern. Niemand hätte erwartet, ein weiteres Schachtalent an Bord zu haben! Die Aufregung ist groß. Das Publikum wünscht sich natürlich eine Revanche. Dr. B. winkt aber vehement ab…

    In Folge wird Dr. B. seine Geschichte erzählen, wird berichten, wie er zum Schachspiel kam, wie das Spiel der Könige ihm in nationalsozialistischer Beugehaft einst das Leben rettete. Diese Geschichte ist sehr ergreifend und belegt, wie subtil totalitäre Machthaber mit ihren vermeintlichen Feinden oder Regimegegnern umgehen - ein Thema, dass nach wie vor große Aktualität genießt. Dr. B. wurde zwar nicht körperlich gefoltert, aber er wurde dem „Nichts“ ausgesetzt, in völliger Isolation gehalten:

    „…; man lebte wie ein Taucher unter der Glasglocke im schwarzen Ozean dieses Schweigens und wie ein Taucher sogar, der schon ahnt, dass das Seil nach der Außenwelt abgerissen ist und er nie zurückgeholt werden wird aus der lautlosen Tiefe. Es gab nichts zu tun, nichts zu hören, nichts zu sehen, überall und ununterbrochen war um einen das Nichts, die völlig raumlose und zeitlose Leere.“ (S. 44)

    Als Dr. B. geistig zu zerbrechen drohte, fand er ein kleines Schachbüchlein, das ihm nach eigener Aussage zwar das Leben rettete, seinen Verstand zunehmend aber von anderer Seite gefährdete….

    Die Schachnovelle ist Stefan Zweigs berühmtestes Werk, sie entstand 1942, kurz bevor sich der Autor das Leben nahm. Sie ist leicht lesbar, auch wenn man keine Kenntnisse über das Schachspiel hat. Zweigs Prosa hat große Klasse. Seine stellenweise seitenlangen Sätze besitzen Schönheit und Brillanz, wie man sie in zeitgenössischen Werken selten findet.

    Die Haupthandlung auf dem Schiff wird eindrucksvoll von der Geschichte des Dr. B. unterbrochen, die die psychischen Folgen von Terror und Machtausübung darlegt. Das Leichte verknüpft sich mit dem Schweren. Zweig hat wunderbare Haupt- und Nebencharaktere geschaffen, die man sich anhand seiner bildhaften Beschreibungen bestens vorstellen kann. Der bescheidene Dr. B. kontrastiert mit dem großmännischen McConnor, der wiederum einen Gegensatz zum introvertiert verschrobenen Schachmeister Czentovic bildet.

    Erwähnenswert sind die Anmerkungen sowie das informative Nachwort von Jeffrey B. Berlin, das sowohl biografische Eckdaten Stefan Zweigs benennt als auch eine historische Einordnung seines Werks vornimmt.

    Der Penguin Verlag hat seine bunte, im englischen Sprachraum bekannte, Klassikeredition nun auch deutschen Lesern zugänglich gemacht. Die Schachnovelle gehört zu den ersten sechs Sommertiteln 2021, weitere Bände dieser bezahlbaren, handlichen Taschenbuchausgaben werden folgen. Sie bilden einen farbenfrohen Hingucker in jedem Bücherregal.

    Es ist zu wünschen, dass die Schachnovelle in dieser modern frischen Ausgabe viele neue Leserschichten erreicht. Dieses fesselnde kurze Werk kann man getrost auch Menschen empfehlen, die den Einstieg in die Welt der klassischen Literatur suchen. Große Empfehlung!

  4. Cover des Buches Die Schachnovelle (ISBN: 9783868739657)
    Thomas Humeau

    Die Schachnovelle

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Literaturwerkstatt-kreativ

    "Literaturwerkstatt- kreativ / Blog"  stellt vor:

    Graphic Novel „Die Schachnovelle“ Stefan Zweig / Thomas Humeau

    „Ein Klassiker der Weltliteratur in neuem Gewand“

    New York 1947

    Der Passagierdampfer Kopernikus ist auf dem Weg von New York nach Buenos Aires. Auf dem Schiff befinden sich viele Reisende unterschiedlicher Couleur und Ambitionen. Da ist Emma die Tochter des Kapitäns, die den wortkargen Schachweltmeister Czentovic zu einem Schachspiel herausfordert und Dr. B. ein mysteriöser Österreicher, der ebenfalls ein hervorragender Schachspieler ist. 

    So kommt es zu einem Spiel zwischen Schachweltmeister Czentovic und Dr. B. Während der Schachpartie kommen bei Dr. B schlimmste Erinnerungen hoch. Er war Gefangener der Nazis gewesen und überlebte die Isolationshaft nur durch ein Schachbuch, das ihm zufällig in die Hände fiel. Er begann die Schachpartien in diesem Buch im Geiste nach zuspielen; die ihm jedoch am Ende fast den Verstand raubten.

    Fazit:

    Erst im letzten Jahr habe ich Graphic Novels für mich entdeckt und daran ist mein Sohn nicht ganz unbeteiligt, hat er doch Comics, Mangas und eben auch Graphic Novels schon seit seiner Kindheit in seinem Bücherregal stehen. 

    Bei diesem Format reizen mich vor allem die Klassiker und die jeweiligen neuen Interpretationen. Die Schachnovelle wurde von Stefan Zweig zwischen 1938 und 1941 im brasilianischen Exil geschrieben und ist sein letztes und zugleich bekanntestes Werk. Gelesen habe ich das Original bereits als Jugendliche und es gehört bis heute zu einen meiner Lieblingsbücher. Von daher war ich auch ganz gespannt, wie Thomas Humeau diese Adaption gelungen ist.

    Wenn man das Original von Zweig nicht kennen würde, wäre die – von Thomas Humeau – nicht unbedeutende Veränderung der Rahmenhandlung, sowie der Austausch der Protagonisten eigentlich kein Problem. Die neue Interpretation ist als eigenständiges Werk bestens umgesetzt und die Darstellung der einzelnen Charaktere ist Humeau gut gelungen. Persönlich fand ich den Austausch der Protagonisten von Ingenieur McConnor im Original gegen Emma in diesem Werk etwas irritierend, aber das obliegt letzten Endes natürlich der künstlerischen Freiheit von Thomas Humeau.

    Mit der Wahl seiner kräftigen Hauptfarben – Blau, Rot und Lila – hat der Illustrator ein sehr gutes Händchen bewiesen, diese spiegeln die Stimmungen der Charaktere und die Atmosphäre an Bord des Schiffes sehr gut wider. Die einzelnen Zeichnungen sind sehr ansprechend und detailreich gezeichnet. 

    Auf jeden Fall ist dieser Graphic Novel bestens geeignet jüngere Menschen Literaturklassiker näher zubringen, also auch als Klassenlektüre sehr empfehlenswert!




    https://literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com/2020/01/08/graphic-novel-die-schachnovelle-stefan-zweig-thomas-humeau/


    Besten Dank an den Knesebeck Verlag für das Rezensionsexemplar.




  5. Cover des Buches Marie Antoinette (ISBN: 9783849699116)
    Stefan Zweig

    Marie Antoinette

     (102)
    Aktuelle Rezension von: chloelenne
    Ich hasse es, wenn Leute Marie das Zitat "Let them eat cake" in den Mund legen. Das hat sie niemals gesagt, sondern stammt aus einem Buch von Rosseu. Nun gut. Hier geht es um das Buch von Stefan Zweig. Inhaltlich war es für mich informativ. Ich habe es gern gelesen und auch die Aufmachung meiner Ausgabe gefällt mir ganz gut. :)
  6. Cover des Buches Ungeduld des Herzens (ISBN: 9783746719740)
    Stefan Zweig

    Ungeduld des Herzens

     (92)
    Aktuelle Rezension von: Eilonwy

    Stefan Zweig hat fürs Herz geschrieben. Einfühlsam, prägent und liebevoll. Die innere Zerissenheit der Hauptfigur spürt man regelrecht. Der Schreibstil des Autoren führt auch geradezu diese Zerissenheit zu empfinden. Ebenso habe ich die Euphorie des Mädchens gefühlt. Ich hatte Gefühl, dass Stefan Zweig seine Seele in dieses Buch gepackt hat. Jeder stellt sich oftmals so viele Sinnfragen und findet keine Antwort fürs Richtig oder Falsch. Genau das kam bei diesem Buch deutlich durch. Moral und Mitleid sind überschneidend und führen unweigerlich dazu, sich selbst zu hinterfragen. Ich kann jedem dieses Buch nur wärmstens empfehlen. 

  7. Cover des Buches Stefan Zweigs brennendes Geheimnis (ISBN: 9783552057425)
  8. Cover des Buches Maria Stuart (ISBN: 9783746745558)
    Stefan Zweig

    Maria Stuart

     (87)
    Aktuelle Rezension von: Neeeele


    Wer kennt sie nicht, Maria Stuart, Königin von Schottland und von Frankreich mit Anspruch auf den englischen Thron? Und auch die "Hassliebe" zwischen Maria Stuart und Elizabeth I. dürfte hinlänglich bekannt sein.

    Stefan Zweig beschreibt hier sehr eindrücklich die Lebensgeschichte von Maria Stuart von der Geburt bis zu ihrem Tod 1587. Dabei beleuchtet er auch die Verbundenheit der beiden starken Frauen der Geschichte. Da mich das elizabethanische Zeitalter Englands schon immer sehr interessiert hat, waren mir doch die meisten Dinge bekannt, aber trotzdem konnte mich Stefan Zweig mit dem ein oder anderen geschichtlichen Hintergrund doch überraschen. In diesem biografischen Roman geht es hauptsächlich um die Intrigen, Verschwörungen und politischen Ränkespiele am schottischen und englischen Hof.

    Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und mir hat der Sprecher, Jan Koester, sehr gut zum Buch gefallen. Die Sprache ist der Zeit gemäß, allerdings nicht zu hochgestochen und unverständlich. Auch gut fand ich, dass Stefan Zweig unparteiisch und unaufgeregt schreibt und die geschichtlichen Fakten ohne Wertung wiedergibt. Sicher kennen viele von euch Maria Stuart und Elizabeth I. aus einschlägigen und bekannten Serien und Filmen. Die haben mir persönlich auch sehr gut gefallen. Trotzdem kann man jedem dieses Buch zusätzlich empfehlen, weil es eben sachlicher und weniger effekthaschend ist. Hier kommen dann die Faktenlieberhaber eher auf ihre Kosten.

    Mir hat das Buch sehr sehr gut gefallen und ich kann es nur jedem empfehlen der Interesse an diesem Teil der Geschichte hat. Den Schreibstil von Stefan Zweig fand ich auch super und so werde ich mir noch andere Biografien von ihm (er hat einige geschrieben) ansehen.

    Für Maria Stuart von Stefan Zweig vergebe ich volle 5*/5*.

  9. Cover des Buches Die Schachnovelle (ISBN: 9783863476892)
    Stefan Zweig

    Die Schachnovelle

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Sandrica89

    Mein erstes Buch von Stefan Zweig. Ich habe schon so viel von seiner Novelle gehört. Konnte mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, woher die Begeisterung kommt. Es geht doch nur um eine Partie Schach... Ich lag sowas von falsch, denn diese Geschichte hat mich mitgerissen und liess mich zum einen geschockt, zum anderen begeistert zurück.

    Ein Ich-Erzähler erzählt sein Erlebnis auf einem Schiff von New York nach Buenos Aires. Der Schach-Weltmeister Mirko Czentovic ist auch mit an Bord, jedoch bleibt er eher unter sich und redet mit niemandem. Der Ich-Erzählen will ihn unbedingt aus der Reserve locken und spielt im Raucherzimmer eine Partie Schach. Das Interesse des Weltmeisters ist zwar geweckt, aber er bleibt dennoch unter sich. Der Gegenspieler McConnor fühlt sich in seinem Ego angegriffen und überredet Mirko eine Partie Schach zu spielen. Allerdings nur unter Bezahlung. Die erste Runde geht an den Weltmeister, was McConnor nicht auf sich sitzen lassen möchte und fordert Revanche. Mehrere Personen spielen nun gegen Mirko uns sind wieder dabei zu verlieren, bis sich ein Mann mit einmischt und sie gewinnen tatsächlich. Nun fordert man, dass der Unbekannte gegen den Weltmeister spielt, dieser jedoch möchte nicht und geht. Am nächsten Tag trifft der Ich-Erzählen auf den Unbekannten und die beiden führen ein intensives Gespräch und erfahren, wie der Unbekannte so gut Schach spielen gelernt hat... 

    Ich war sprachlos, als ich das Buch beendet habe. Was harmlos begann entwickelte sich tatsächlich zu etwas grausames. Wir erfahren, was genau mit dem Unbekannten, Dr. B., passiert ist und wie er zum Schach spielen kam. Es hat mich berührt... das ist einfach nur grausam und das traurige ist: noch heute wird diese Methode verwendet. Was Stefan Zweig hier erzählt und uns klar machen will, ist sehr deutlich. Dieses Buch muss man gelesen haben.


  10. Cover des Buches Vorgefühl der nahen Nacht (ISBN: 9783896674432)
    Laurent Seksik

    Vorgefühl der nahen Nacht

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Nach seiner Flucht über Amerika und England kam Stefan Zweig 1940 mit seiner zweiten Frau Lotte nach Brasilien. Dort sollte er endlich den Frieden finden, der seiner verfolgten Seele so fehlte. doch das Exil in einem kleinen Ort, malerisch und ideal gelegen, stellte sich nicht als der Befreiungsschlag heraus, der er sein sollte, denn nun plagten auch die Geister seiner toten oder mit ungewisser Zukunft geschlagenen Freunde den Ausnahmeschriftsteller.
    Seksik schildert mit einer fast zeitzeugenartigen Intensität die Gewissenskämpfe, denen Zweig unterworfen war. Er beleuchtet die brasiliansche Zeit auch aus der Sicht seiner jungen Frau, die ihm in fast unterwürfiger Form ergeben war, dennoch unter dem grüblerischen und leidenden Zweig genauso litt wie unter ihrer Krankheit der Atemwege. Sensibel und mit teilweise mit erschütternder Deutlichkeit schreibt der Autor über die Ausweglosigkeit, die in den kollektiven Freitod des Paares führt. Ein eindringlicher und nachhaltiger Roman, dessen Intensität die wahre Kunst des Schreibers Seksik ausmacht.
  11. Cover des Buches Brennendes Geheimnis (ISBN: 9783745051902)
    Stefan Zweig

    Brennendes Geheimnis

     (44)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    "Brennendes Geheimnis" ist eine Novelle, die der Autor Stefan Zeig erstmals 1911 in dem Band "Erstes Erlebnis - Vier Geschichten aus Kinderland" veröffentlichte. Für mich ist es das erste Wer des Autors gewesen, daher war ich auf die Geschichte, aber vor allem auf die Art und Weise der Erzählung sehr neugierig.

    Es geht um einen jungen Baron, der namentlich nicht erwähnt wird. Er reist in den Semmering, einer Gemeinde in Niederösterreich, der als Kurort bekannt ist, um sich dort ein paar Tage die Zeit zu vertreiben. Sein Ziel ist es, sich von einer Frau die Tage versüßen zu lassen. Die einzige Frau, die seinem Geschmack entspräche ist eine Mathilde mit ihrem zwölfjährigen Sohn Edgar, der sich von einer längeren Krankheit erholt. Der Baron schmiedet den Plan, über den Sohn an die Mutter heranzukommen und hat damit auch nach kurzer Zeit erste Erfolge. Doch was er nicht ahnt ist die Kraft eines zurück gewiesenen Jungen.

    Ich habe viel über Zweig gelesen, daher hatte ich mir auch diese Novelle vorgenommen. Seine Leitthemen seien Tragik, Drama, Melancholie und Resignation - diese finden sich auch in "Brennendes Geheimnis" wieder. Mir hat die Sprache gut gefallen und auch die Art und Weise, wie er die "kleine Geschichte" dazu verwendet, den Charakteren eindrucksstarke Akzente zu verleihen.

  12. Cover des Buches Stefan Zweig: Amok - Novellen einer Leidenschaft [Auflage unbekannt] (ISBN: B001MSSCWM)
  13. Cover des Buches Meistererzählungen (ISBN: 9783596906475)
    Stefan Zweig

    Meistererzählungen

     (65)
    Aktuelle Rezension von: Flickercat

    Leidenschaft und Angst, Liebe und Hass, kurz: große, intensive Gefühle stehen in Stefan Zweigs Novellen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt und er versteht es, den Leser mit seinen Beschreibungen mitzureißen.
    Fast immer wird der Kern der Geschichten wunderbar fließend in eine gelungene Rahmenhandlung eingebettet. Die meisten der enthaltenen Novellen sind sehr melancholisch und teilweise auch ziemlich traurig, die Protagonisten dabei ganz unterschiedlicher Natur. Vom sich vernachlässigt fühlenden Jungen über die junge Frau, die ihr ganzes Leben einem Mann hinterherschmachtet, der sich nicht an sie erinnert, bis hin zum heimlichen Homosexuellen, der unter seiner Situation leidet. Ich hatte nie das Gefühl, dass die Geschichten sich zu sehr ähneln.

    Stefan Zweigs Stil ist dabei streckenweise ziemlich beschreibungslastig (ich finde ja die Szene in „24 Stunden im Leben einer Frau“ klasse, in der die namensgebende Frau über mehrere Absätze hinweg fasziniert die Hände von Roulette-Spielern „liest“ und ihre Schlüsse daraus zieht ^^). Er nimmt sich Zeit für kleine Gesten und Eindrücke, die so viel ausmachen und die die Figuren sehr bildhaft und nachvollziehbar für den Leser werden lassen.
    Mir hat diese bildhafte, intensive Art des Erzählens sehr gut gefallen.

  14. Cover des Buches Stefan Zweig. Gesammelte Werke in Einzelbänden / Maria Stuart (ISBN: 9783100970411)
    Stefan Zweig

    Stefan Zweig. Gesammelte Werke in Einzelbänden / Maria Stuart

     (13)
    Aktuelle Rezension von: Gerike
    Die Geschichte Maria Stuarts wird einem hier durch eine wunderschöne Schreibweise nähergebracht. Stefan Zweig geht sowohl auf historische Fakten als auch auf die Psyche der Charaktere ein. Dies macht das Buch spannend, interessant und hat mich besonders am Ende sehr berührt.
  15. Cover des Buches Die Welt von Gestern (ISBN: 9783596902583)
    Stefan Zweig

    Die Welt von Gestern

     (104)
    Aktuelle Rezension von: Buecher_und_mehr_kaffee

    Was bedeutet Heimat? Ein Begriff, der uns heute mehr umtreibt denn je und mit dem sich Stefan Zweig in seiner autobiografischen Erzählung mit seiner Heimat Österreich während beider Weltkriege auseinandersetzt. Die Vertreibung aus seiner Heimat, ausgelöst durch den zweiten Weltkrieg mit dem Gefühl nur noch Gast und immer Fremder zu sein, lässt er retrospektiv die Jahre Revue passieren und ist bestürzt von dem„Rückfall der Menschheit in längst vergessen gemeinte Barbarei mit ihrem bewussten Dogma der Antihumanität.“  


    Das Buch wurde 1943 posthum publiziert und ist das Vermächtnis des großen Literaten, geschrieben aus dem Exil. Es beschreibt die Welt zwischen 1881 und 1941 aus dem Blick eines Herzenseuropäers und als Zeitzeuge beider Weltkriege. Im Mittelpunkt steht weniger die historische Analyse als das subjektive Miterleben. 


    Beginnend mit seiner Kindheit in einer finanziell gut abgesicherten Familie, beschreibt er die Schulzeit, die Studienzeit und das Leben in Österreichs Kaffeehäusern. Für mich als #coffeeaddict ein interessanter Aspekt: Kaffeehäuser in Wien waren für Schüler damals ein Zufluchtsort, eine Bibliothek, in der man alles lesen konnte, was modern und angesagt war. Der Eintritt: 1 Tasse Kaffee. Niemand wurde vertrieben. Ein Treffpunkt aller Klassen, von jung bis alt.

    Er beschreibt tiefe Freundschaften mit Literaten. Er verkehrte mit Rilke und Rolland in Paris, mit James Joyce in London, traf Maxim Gorkij in Russland, konferierte mit Freud und Salvador Dali und erklärte die Rolle Bertha von Suttners für den Frieden Europas. Er war in Paris, London, Indien, Amerika und hatte Afrika bereist. Auch beschreibt er die Entstehung seiner ersten Werke und die Berühmtheit, die er als Autor seiner Zeit erlang.


    Die Kindheitsjahre und die Jugend vor dem 1. Weltkrieg werden sehr ideologisiert dargestellt aufgrund der priviligierten gesellschaftlichen Stellung. „Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muss ich bekennen, dass in diesem ersten Aufbruch der Massen etwas Großartiges, Hinreißendes und sogar Verführerisches lag, dem man sich schwer entziehen konnte.“ Am entsetzlichsten ist die Erzählung wie sich der Antisemitismus schleichend und Stück für Stück in Europa ausbreitete. 


    "Nie habe ich unsere alte Erde mehr geliebt als in diesen letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, nie mehr auf Europas Einigung gehofft, nie mehr an seine Zukunft geglaubt als in dieser Zeit, da wir meinten, eine neue Morgenröte zu erblicken. Aber es war in Wahrheit schon der Feuerschein des nahenden Weltbrands." Trotzdem ist dieses Buch keine Anklageschrift. 


    Gerade in einer Zeit, in der heute Krieg als Mittel der Politik wieder fast zügellos angewendet wird, brauchen wir die Gedanken von Stefan Zweig, der als Repräsentant des Humanismus ist, und als humanistischer Autor auf die „Schwarze Liste Schöne Literatur“ gesetzt wurde, welche die Grundlage der Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933 war.


    "Früher hatte der Mensch nur einen Körper und eine Seele. Heute braucht er noch einen Pass dazu, sonst wird er nicht wie ein Mensch behandelt."


  16. Cover des Buches Schachnovelle (ISBN: 9783867176125)
    Stefan Zweig

    Schachnovelle

     (29)
    Aktuelle Rezension von: Pongokater
    Vor Jahren habe ich Zeigs Schachnovelle gleich mehrmals gelesen und hatte sie als Meisterwerk in Erinnerung. Daher habe ich mir vor einigen Monaten die wiederveröffentlichte Hörspielfassung mit Gert Westphal und Mario Adorf beschafft- und war extrem enttäuscht. Deshalb ruhte die geschenkte neue Lesefassung von Christoph Maria Herbst auch länger "unberührt" auf dem Mp3-Player. Erst Hörstoff-Mangel auf einer längeren Autofahrt führte zum Reinhören und großer Begeisterung. Auch heute ist die Originalfassung von Stefan Zweig für mich ein Sprachkunstwerk voller präziser und anschaulicher Beschreibungen, aber auch tief anrührender Einblicke in die Abgründe der Nazi-Zeit und ihre Folgen für die Menschen. Ebenso ist die Schachnovelle eine anregende Reflexion über die Abgründe eines uralten Spiels.
  17. Cover des Buches Magellan (ISBN: 9783746715988)
    Stefan Zweig

    Magellan

     (47)
    Aktuelle Rezension von: Gulan
    "Was die Weisesten vermuteten seit tausenden Jahren, was die Gelehrten träumten, nun ist es durch den Mut eines einzelnen Gewißheit geworden: rund ist die Erde. Denn siehe, ein Mensch hat sie umrundet." (S.216)

    Anders als viele glauben, war zu Beginn des Zeitalters der Entdeckungen die Form der Erde keine große Diskussion mehr: Die Kugelform war weithin akzeptiert. Allerdings war der Erdumfang keineswegs bekannt. Kolumbus wiederentdeckte 1492 Amerika – zu seinem Glück, denn er hatte den Erdumfang völlig falsch eingeschätzt. In den folgenden Jahrzehnten gab es einen unvorstellbaren Boom an Entdeckungsreisen, doch eines war bis zum Jahre 1522 noch niemandem gelungen: Die Umrundung der Erde. Dies blieb einem Portugiesen in Diensten der spanischen Krone vorbehalten: Ferdinand Magellan. Doch wie es oft so ist, bleibt ihm der Ruhm zu Lebzeiten tragischerweise versagt, da er während der Fahrt getötet wird.

    Die Geschichte des Ferdinand Magellan und der ersten Weltumsegelung wird von Stefan Zweig chronologisch erzählt. Über Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt. Dafür über seinen Kriegsdienst in Indien, der in bis nach Malakka führt, wo die Portugiesen 1509 nur knapp der Vernichtung durch den Sultan von Malakka entgehen. Zwei Jahre später gehört Magellan zu den Soldaten, die Malakka schließlich erobern und den Portugiesen uneingeschränkten Einfluss auf die Handelswege zu den Gewürzinseln, den Molukken, sichern. Nach einem weiteren Militärdienst in Marokko wird Magellan schließlich aus dem Armeedienst entlassen. Seine neue Mission: Den Seeweg westwärts zu den Molukken finden, einen Weg, von dem viele denken, dass es ihn nicht gibt, dass der neue Kontinent Amerika eine unüberwindliche Barriere darstellt. Bei seinem König Manoel fällt Magellan in Ungnade, so dass er seinem Heimatland den Rücken kehrt und es in Spanien versucht. Tatsächlich erhält sein Plan in Sevilla Zustimmung und der spanische König Carlos I., später als Karl V. auch Herrscher über die Deutschen, finanziert das Vorhaben: Am 20. September 1519 stechen 5 Schiffe von San Lucar aus in See. Fast drei Jahre später, am 06.September 1522 kehrt als einziges Schiff die Trinidad zurück, mit 18 Mann von einst insgesamt 237 und ohne den Admiral Magellan.

    Die Geschichte der Weltumsegelung ist ein großes Abenteuer und genau so wird sie auch von Zweig erzählt. Enthusiastisch, detailreich, mit vielen Ausrufezeichen. Eine Reise, die alles beinhaltet, was man sich darunter vorstellt: Entbehrungen, Hunger, Meuterei, Desertion, die verzweifelte Suche nach dem Durchlass, „el paso“, die Entdeckung der Philippinen, der sinnlose Tod Magellans und schließlich die Rückkehr der wenigen. Zweig würdigt Magellan als großen Menschen. Er porträtiert ihn als zielstrebig, hartnäckig, stur, als eiskalten Taktiker, im Umgang mit Untergebenen streng, aber nicht ungerecht. Zweig verschweigt die Eigenarten des Seefahrers nicht, aber seine Bewunderung für dessen Tat ist unübersehbar. Seine Erzählung fußt auf verschiedenen Quellen, die wichtigste und bekannteste ist der berühmte Reisebericht des Antonio Pigafetta, einer der 18 Heimkehrer. Diese Ausgabe enthält außerdem eine Zeittafel, den Vertrag zwischen Carlos I. und Magellan, eine Kostenaufstellung der Flotte und eine Nachbemerkung des Herausgebers zu Entstehungsgeschichte dieses Werks.

    Die Biografie eines bedeutenden Seefahrers und gleichzeitig eine große Abenteuergeschichte, ein wenig altmodisch und vielleicht etwas zu undistanziert, aber dafür mitreißend und lebendig geschrieben.

  18. Cover des Buches Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau (ISBN: 9783745051933)
    Stefan Zweig

    Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Stefan Zweig schildert mit beißend ironischer, spöttischer und wunderbar lebhafter Sprache den Ehebruch einer Frau, die das Elend ihres der Spielsucht verfallenen Mann nicht mehr ertragen wird und aufgrund der Umstände ihren Mann betrügt. Während Stefan Zweig in Gestalt des Erzählers für ihr Verhalten Verständnis hat, äußern alle Gesprächspartner Unverständnis, resultierend aus einer verlogenen, unhinterfragt konservativen Gesellschaftsmoral.
  19. Cover des Buches Verwirrung der Gefühle (ISBN: 9783745022117)
    Stefan Zweig

    Verwirrung der Gefühle

     (50)
    Aktuelle Rezension von: Sookie70
    Stefan Zweigs Gesellschaftsromane/-novellen erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit. In diesem Band finden sich drei davon:

    VIERUNDZWANZIG STUNDEN AUS DEM LEBEN EINER FRAU
    Die gutbürgerliche Mrs. C. schlägt sich in einem Hotel moralisch auf die Seite einer Ehebrecherin. Dem Hauptprotagonisten, der aus der Ich-Perspektive erzählt, schüttet sie daraufhin ihr Herz aus. Auch Mrs. C. hat ein dunkles Geheimnis. Vor vielen Jahren begegnete sie einem jüngeren Mann, einem Spieler. Getrieben von der Hoffnung, ihn zu retten, lässt sie sich auf eine Affaire mit ihm ein...

    UNTERGANG EINES HERZENS

    Die Geschichte eines Vaters, der nicht akzeptieren kann, dass seine junge Tochter ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben führt. Er fühlt sich ausgeschlossen und unverstanden, und als Konsequenz daraus zieht er sich immer weiter in seine eigene Welt zurück...

    VERWIRRUNG DER GEFÜHLE

    Der junge Roland, Sohn aus gutem Hause, beginnt sein berliner Studentenleben mit Partys, Alkohol und flüchtigen Affairen. Als er zur Besinnung kommt, begegnet er an seiner neuen Universität einem Lehrer, der sein ganzes Fühlen und Denken umkrempeln soll. Es entspinnt sich eine außergewöhnliche Nähe, im Arbeiten und im Wohnen, letztendlich auch zur Frau seines Professors. Allerdings umgibt den Lehrer etwas Geheimnisvolles, immer wieder stößt er Roland von sich, um ihn dann nur noch näher an sich heranzulassen...

    Drei herrliche Novellen, die die Moral und die gutbürgerliche Lebenssituation im frühen 20. Jahrhundert wunderbar einfangen. In mitreißender, anspruchsvoller Sprache nimmt jede von Stefan Zweigs Geschichten mich auf seltsame Art gefangen. Eine Leseempfehlung!
  20. Cover des Buches Der deutsche Lyrikkalender 2012. Jeder Tag ein Gedicht (ISBN: 9782874480331)
  21. Cover des Buches Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam (ISBN: 9783746715117)
    Stefan Zweig

    Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam

     (19)
    Aktuelle Rezension von: matze9889
    Der intellektuelle Kampf ... spannender als viele es glauben... mit eines der besten bücher von zweig
  22. Cover des Buches Sternstunden der Menschheit (ISBN: 9783150206393)
    Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit

     (195)
    Aktuelle Rezension von: Seralina1989

    Eine Empfehlung einen Profs, weil im Buch viele sog. „Schwarze Schwäne“ in den Geschichten enthalten sein sollten. Schwarze Schwäne gelten hier als der am unwahrscheinlichsten eintretende (negative) Fall. Deswegen hat es mich interessiert und ich habe mir das Buch mH des Hörbuchs zu Gemüte geführt.

    Nicht immer sind die schwarzen Schwäne in den Anekdoten aus der Weltgeschichte so offensichtlich zu finden. Zeitgleich bekommt man aber auch einige interessante Entwicklungen aus der Geschichte, die man so – wenn überhaupt - vielleicht bisher noch nicht gekannt hat.

    Muss leider anmerken, dass in meiner Print-Ausgabe von Edition Anaconda 2 Kapitel fehlen (Cicero und Wilson). 

  23. Cover des Buches Phantastische Nacht und andere Erzählungen. (ISBN: B002A3C0H6)
    Stefan Zweig

    Phantastische Nacht und andere Erzählungen.

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Mondrac
    Einige der Geschichten sind zutiefst berührend, wie beispielsweise die des alternden Schauspielers, der durch einen weiblichen Fan aus besseren Tagen seine verloren geglaubte Würde wiedererlangt.
    Der scharfe Blick des Autors, der mit Röntgenkraft unter die Oberflächen schaut, dabei jedoch nie herabwürdigend wird, sei es auch noch so "schlammig" in diesen Untiefen, zeigt so einige menschliche Wahrheiten auf.
    Faszinierend ist immer wieder die facettenreiche Erzählweise, der feine, sensible Sprachstil des Autors, der es schafft, aus einer einfachen Landschaftsbeschreibung vor einem Sturm, den Leser in eine geradezu mythische Welt erweiterter Realitäten zu entführen.


  24. Cover des Buches Das unmögliche Exil (ISBN: 9783406697562)
    George Prochnik

    Das unmögliche Exil

     (2)
    Aktuelle Rezension von: michael_lehmann-pape
    Georg Prochnik – Das unmögliche Exil

    Corporated Identity für den Untergang einer Epoche und Geisteshaltung

    Viel wird Prochnik aus „Die Welt von Gestern“ zitieren. Und ebenso eng wird er seinem Protagonisten, Stefan Zweig auf den Spuren bleiben dort, in Petropolis, in seinem letzten Exil. Wo sich Zweig einerseits wohlgefühlt zu haben scheint, behauptet er zumindest.

    Wo aber andererseits zu erkennen sein wird, wie das ist, wenn einem Schriftsteller, einem „Sprachkünstler“ seine vertraute Umgebung, seine „Heimat“, ja, auch seine Sprache (zumindest im direkten Umfeld“ „genommen wird“.

    Und wie sich dies auch am äußeren Erscheinungsbild Zweigs niederschlagen wird. Der „Dandy“, der sein Leben lang auf Ästhetik Wert legte, der Autographen sammelte, dem das Kaffeehaus zweite Heimat war (die erste war der geistige Horizont der humanistischen Ideen, des Gesprächs, des intensiven Austausches mit so gut wie allen Geistesgrößen seiner Zeit) ist gar nicht so selten ein stückweit „zerknittert“ anzutreffen. Im Kaffeehaus gegenüber dem Domizil, versteht sich.

    Ein Exil, das bereits früher begann, in dem der Aufenthalt in dieser trostlosen Ecke New Yorks ebenso von Bedeutung für die beginnenden Depressionen des Autors von nicht geringer Bedeutung sein wird. Auch diesen Ort nimmt Prochnik in den Blick, auch persönlich, und ermöglicht dem Leser durch vielfache, fotografische Illustrationen auch Eindrücke aus „erster Hand“ zu den Lebensumständen Zweigs seit seinem erzwungenen Weggang aus Salzburg.

    Mehr aber noch enthalten diese Betrachtungen, über die Person Zweigs hinausgehend. Denn in dieser Person, von Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit an, stand und steht Stefan Zweig für den Gedanken des kosmopolitischen, die „Rettung der Welt“ durch die Kunst, durch das Gebäude der Ideen und, vor allem, durch das „Miteinander“ über nationale Grenzten hinweg der „Nation der kreativen Künstler“.

    Der Wettstreit in der Schule um das „schönste Gedicht“, die Portraits, die Zweig veröffentlichte über internationale Geistesgrößen, die Übersetzungen, die er anfertigte, um das Werk von Freunden und geschätzten „Kollegen“ in Deutschland bekannt zu machen. Voller Hoffnung, vermögend und mit gediegenem Lebensstil lebte Zweig die Jahre bis 1933. Eine feste Überzeugung des „Miteinanders“ hat ihn getragen und daher ist der Titel aus seiner Sicht bestens gewählt, den er seinen Memoiren gab, „Die Welt von Gestern“.

    Zerrüttet im Chaos des dritten Reiches, in seinen Augen auf immer verloren. Er selbst im Anblick einer langen, langen Wartezeit an Jahren in der Fremde, durch die militärischen Erfolge des dritten Reiches und die Kunde von der gnadenlosen Ausrottung „artfremden Seins“ entmutigt bis fast zur Verzweiflung.

    Momente, die Prochnik eindrucksvoll darstellt, denen er mit Empathie detailliert nachgeht. Weil es auch ihm eben nicht nur um die einzelne Person geht (was im Buch natürlich seinen Platz findet und schon spannend genug zu lesen isst), sondern auch im das, was „die Welt der Welt, der Mensch dem Menschen“ angetan hat. Und das gerade auf der Basis einer intellektuellen Schicht, die nach dem ersten Weltkrieg sich fest und sicher in der „gefestigten und festen Kunst“ verankert glaubte.

    So ergibt die Lektüre dieser Beschreibungen des Exils, ergänzt durch eine Reihe sehr persönlicher Anmerkungen des Autors, in denen er seine Verwobenheit in dieses Zeitgeschehen und das besondere Erleben des „Exils“ dem Leser ebenfalls zur Verfügung stellt, eine sehr zum Nachdenken anregende Lektüre.

    Bis hin zur genauen Schilderung des Freitodes des Ehepaars Zweig, das vor allem im Blick auf die junge Ehefrau überaus dramatisch dem Buch seinen Abschluss geben wird.

    So dass deutlich wird, Zweig war nicht nur geographisch und räumlich „am Ende der Welt“, nicht nur sprachlich „aus seiner Welt“, sondern auch in seinen festen Überzeugungen und seiner ideologischen Ausrichtung auf Ästhetik, Humanismus und Kunst „am Ende der Welt“, wie er sie kannte, angelangt.

    Gerade in der Gegenwart, in der vieles von dem, was ebenfalls als fest und gesichert geglaubt wurde an Frieden und Freiheit und internationaler Verflechtung wieder ins Wanken gerät.

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