Bücher mit dem Tag "strafrecht"
23 Bücher
- Sebastian Fitzek
Das Joshua-Profil
(1.435)Aktuelle Rezension von: Alina35Das Joshua‑Profil ist ein rasanter Thriller, der von der ersten Seite an fesselt. Die Idee eines Systems, das zukünftige Straftaten vorhersagt, ist packend umgesetzt, und die Handlung bleibt durchweg spannend. Einige Wendungen wirken etwas konstruiert, insgesamt ist die Geschichte aber klug aufgebaut und hält die Spannung bis zum Schluss.
- Karsten Dusse
Achtsam morden
(889)Aktuelle Rezension von: ImmersivBuchreiheAchtsam morden hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Idee überrascht.
Ein Rechtsanwalt, der eher aus einer Mischung aus Überforderung und Zufall in eine Mordgeschichte hineingerät – kombiniert mit Achtsamkeitsübungen, die sich durch das ganze Buch ziehen.
Genau dieser Kontrast macht den Reiz aus. Man weiß manchmal nicht so genau, ob man gerade einen Krimi liest oder ein Buch über Selbstoptimierung – und genau das ist wahnsinnig unterhaltsam.
Der Humor ist dabei sehr eigen, trocken und teilweise ziemlich schwarz, funktioniert für mich aber genau deshalb so gut.
Für mich ein richtig origineller Krimi, der sich deutlich von klassischen Genrevertretern abhebt.
- Elisa Hoven
Dunkle Momente
(135)Aktuelle Rezension von: dunis-lesefutterIch geh mal davon aus, dass hier niemand mit dem Gesetz in Konflikt geraten möchte. Und doch passiert es sehr viel Menschen oft vorsätzlich, manchmal aus Versehen und teilweise auch ungerechtfertig. Wenn das so ist, dann braucht man eine*n gute*n Anwalt/Anwältin
Eva Herbergen zum Beispiel. Die fiktive Romanfigur, die die Autorin – selber Juristin – geschaffen hat, zählt uns 9 Fälle. Deren Verläufe sind nicht wirklich so gewesen, ziehen aber ihre Essenz aus realen Straftaten und deren Aufarbeitung. Eine breite Palette von Abgründen tut sich auf. Raffinierte Straftäter die es geschickt hinbekommen falsche Finten zu legen, junge Frauen, die es nicht besser wussten oder junge Männer die glauben, dem Rechtssystem ein Schnippchen schlagen zu können.
Oft sind es dunkle Momente, die über Recht und Unrecht entscheiden.
Ich hab hier viel gelernt. Unser Rechtssystem ist nicht unbedingt so dicht das überführte Straftäter immer ihre Strafe bekommen. Wenn man einmal freigesprochen wurde kann man für die Straftat nicht mehr verurteilt werden -das wusste ich nicht. Oder das zur Verteidigung auch schon mal eine repräsentative Umfrage gestartet wird.
Die Autorin lässt ihre Erzählerin nicht immer gut dastehen. Sie neigt zu Fehlentscheidungen , was zufolge hat, dass sie große Last auf ihren Schultern tragen muss. Auslöser für viele ihrer Handlungen scheint ein Fall zu sein, der schon etwas weiter zurückliegt, und der am Ende vieles erklärt aber nicht alles rechtfertigt.
Es war sehr kurzweilig sich in die unterschiedlichen Straftaten einzulesen. Am Anfang hatte ich große Probleme die Fälle nicht als reale Geschichten wahrzunehmen. Das eine oder andere kam mir auch bekannt vor. Doch mehr und mehr wurde es deutlicher, dass Eva eine Romanfigur ist, die auch eine eigene Geschichte mitbringt, die sich eng mit den Fällen verknüpft. Das ist schon wirklich gut konzipiert.
Abschließend bleibt mir nichts als festzustellen, dass oft nichts so ist, wie es scheint, ein Urteil nicht immer gerecht ist und Anwält*innen eine große Verantwortung tragen auch nach einer Verurteilung oder einem Freispruch. Am Berührendsten finde ich den Gedanken, dass es manchmal wichtig ist, jemandem eine Geschichte zu schenken, damit das Weiterleben einfacher ist. Dabei spielt die Wahrheit nicht immer eine Rolle.
Eine Empfehlung für alle, die einen packenden Kick suchen, jenseits von TrueCrime und blutigem Thriller.
- Kristina Moninger
Neun Tage Wunder
(130)Aktuelle Rezension von: KerstinMCBei dem Cover konnte ich irgendwie nicht nein sagen. Es ist eine gemalte Momentaufnahme am Wasser. Zwei Personen gehen der Sonne entgegen, erkennbar an den langen Schatten, die sie werfen. Für mich ist es einfach ein wunderschönes Bild.
Neun Tage Wunder von Kristina Moninger erschien im Rowohlt Verlag. Das dazugehörige Hörbuch wurde im Argon Verlag veröffentlicht und von Marian Funk und Martha Kindermann eingelesen. Die beiden verleihen den Protagonisten Anni und Ben ihre Stimmen.
Das Buch lag über ein Jahr auf meinem SUB und wartete geduldig auf seine Lesezeit. Manchmal ist es genau so: Man möchte ein Buch unbedingt lesen und wenn es dann endlich da ist, findet man den richtigen Moment nicht. Also habe ich mir das passende Hörbuch bei BookBeat heruntergeladen, den Stimmen der Sprecher gelauscht und mich gefragt, warum diese Geschichte so lange auf mich warten musste.
Erzählt wird auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart begleite ich Anni und Ben in ihrem Leben in Glückstadt. Parallel dazu erlebe ich Anni und Lukas vor zehn Jahren und diese wenigen, aber prägenden Tage, die sie miteinander verbracht haben. Durch den Wechsel der Ich-Erzähler Anni und Ben sowie der Zeitebenen wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der bis zum Schluss trägt. Als Leser möchte man unbedingt wissen, was es mit diesen neun Tagen auf sich hat und wie sie sich auf die Gegenwart auswirken.
Ich hing förmlich an den Lippen von Anni und Ben und war fasziniert von Bens neuem Roman, der sich ganz unverhofft aus einer Begegnung heraus entwickelt und sein Leben ins Wanken bringt. Besonders schmunzeln musste ich bei den kurzen Gedankenspielen am Rande: „Was würde Angela Merkel jetzt sagen?“ Es ist ein wiederkehrender Impuls, um neue Perspektiven zu gewinnen. Ganz unweigerlich musste ich dabei an Miss Merkel von David Safier denken, was mich zusätzlich zum Lächeln brachte, auch wenn die Geschichten inhaltlich nichts miteinander zu tun haben.
Ich hatte einige sehr schöne Hörstunden, und Neun Tage Wunder wurde meine erste abgeschlossene Geschichte im Jahr 2026. Wie schon bei den vorherigen Büchern der Autorin habe ich den Schreibstil sehr genossen und bin flüssig durch die Geschichte getragen worden.
Magst du Liebesromane mit Rückblenden? Liebst du Geschichten in Geschichten? Dann könnte Neun Tage Wunder von Kristina Moninger genau das Richtige für dich sein. Ben schreibt an seinem aktuellen Liebesroman, und als Leser darf man live miterleben, wie seine Geschichte entsteht. Eingebettet ist das Ganze in sein Leben mit Anni und ihre Rückblicke auf die traumhaften Tage vor zehn Jahren mit Lukas, die ihre Welt nachhaltig verändert haben. Dich erwartet eine emotionale, spannende Geschichte mit einem Ende, das ich so nicht unbedingt erwartet hätte. Von mir gibt es eine klare Hör- und Leseempfehlung. Marian Funk und Martha Kindermann haben erneut großartige Arbeit geleistet und so hätte ich ihnen noch lange zuhören können.
- John Grisham
Der Gerechte
(53)Aktuelle Rezension von: supersusiIch liebe sie Justizkrimis von John Grisham. Jeder Fall beleuchtet einen anderen Aspekt des amerikanischen Justizsystems, mal wird ein Prozeß aus Seiten der Staatsanwaltschaft geschildert, mal fiebert man mit einem Richter mit, mal geht es um Geschworene, mal um Zeugen oder Berufungsrichter. In diesem Buch geht es um einen Verteidiger, der oft angefeindet wird, weil er Abschaum vertritt. Es geht auch nicht nur um einen Prozeß, sondern zeigt die Vielfältigkeit des Berufes, denn einge der Mandanten sind unschuldig. Alles in allem ist der Strafverteidiger Sebastian Rudd ein unsympathischer Typ, dem man aber dennoch Sympathie entgegen bringt. Seine Methoden und Hobbys sind eher fragwürdig und auch, dass seine Kanzlei ein Lieferwagen, eingerichtet mit Bar und Waffenschrank ist, entspricht sicher nicht dem Bild, was man von einem integeren Anwalt hat. Sein einziger Vertrauter ist sein Fahrer, der zudem als Leibwächter und Golfcaddie fungiert.
Dieses Buch ist etwas anders, als die typischen Grishams, aber mir hat es dennoch gut gefallen. Und auch, wenn seine Gerichtskrimis spannender sind, konnte man auch dieses Buch schwer aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht.
- Tess Tjagvad
In Case We Dare
(57)Aktuelle Rezension von: rinchens_buchweltNach dem Ende von Band 1 habe ich mich sehr gefreut das es zurück zu Gold, Bright & Partners geht.
In diesem Buch geht es um Laurel und Aaron.
Aaron Bates ist Juniorpartner in der Kanzlei und wird ihr neues Mentor. Beide arbeiten an einem Mordfall und lernen sich dabei besser kennen.
Das Buch hat einen leichten Schreibstil. Durch den Mix Liebesgeschichte und dem Mordfall bleibt das Buch spannend. Die Gefühle von Laurel und Aaron kommen richtig schön beim lesen rüber.
- Kirsten Heisig
Das Ende der Geduld
(83)Aktuelle Rezension von: HoldenJugendrichterin Heisigs Aufklärungsbuch über Jugendgewalt. Erfreulicherweise wird nicht so getan, als sei die Gewalt vom Himmel gefallen oder bestimmten Bevölkerungsgruppen immanent. Unter den äußerst negativen Lebensbedingungen, unter denen manche der Kinder aufwachsen mußten, wäre es schwer gewesen, die "Kurve zu kriegen". Daß Heisig schreibt, daß bei Heranwachsenden häufig Erwachsenenstrafrecht angewandt werde, kann ich so nicht stehen lassen. Meinem Kenntnisstand wird nur bei Trunkenheitsfahrten das allgemeine Strafrecht angewendet, weil Trunkenheitsfahrten in jedem Alter vorkämen, ansonsten wird immer Jugendstrafrecht angewandt. Im übrigen erstaunlich, in was für Bereichen sich ein Jugendrichter auskennen muß, abseits der reinen Paragraphenarbeit in StGB und JGG. Und manche der Themen, die Heisig nur kurz anreißt, sind inzwischen in den Mittelpunkt der Diskussion getreten, zB Cybermobbing, Social Media und die sog. "Ehrenmorde".
- Veikko Bartel
Mörder
(37)Aktuelle Rezension von: BuecherakteCover: Das Cover passt sehr gut zu seinem Vorgänger. Die dunkle Gestalt mit dem Hoodie passt, wenn auch etwas klischeebelastet, sehr gut zum Buch.
Inhalt: Im Buch werden sechs Fälle aufgezeigt in denen Männer gemordet haben. Es sind sechs grundverschiedene Fälle, mit Männern, die aus den verschiedensten Beweggründen, Vergangenheiten und Lebensweisen zu Mördern geworden sind.
Fazit: Ich war von Mörderinnen bereits total begeistert gewesen und habe mich entsprechend auch auf dieses Buch sehr gefreut. Es ist etwas anders als der Vorgänger, steht diesem aber in keinster Weise nach. Während es bei Mörderinnen für mich eher darum ging zu verstehen, wie diese Frauen zu Mörderinnen wurden, habe ich bei Mörder viel mehr mit einer eigenen moralischen Vorstellung und meinem tatsächlichen Handeln auseinander gesetzt. Nicht im Hinblick auf die Mörder, sondern viel mehr in Hinblick auf den Autor, dem Strafverteidiger, und dem Gesetz. Fassungslosigkeit, Mitleid, Wut und Angst. Das sind alles Emotionen, die das eigene Urteil beeinflussen und zumindest in den Köpfen der Bevölkerung Berücksichtigung findet. Doch ist ein Mord weniger schlimm, wenn der Mörder uns aufgrund seiner schweren Kindheit Leid tut?
Das Buch zeigt mehr noch als Mörderinnen auf, wie der Beruf eins Strafverteidigers aussieht und wie sehr dieser eigentlich dem Gesetz dient. Denn ich persönlich, wüsste nicht, ob ich bei einigen der beschriebenen Mandanten so fair blieben könnte und mich für jeden in gleichem Maße engagieren könnte.
Jedenfalls zurück zum Buch selbst, der Schreibstil ist sehr angenehm, was bei der Thematik gar nicht so leicht ist. Die Taten selbst nicht genau geschildert wurden und hier auf den Schockeffekt/ Sensationslust verzichtet wurde, diese wurde hier schlichtweg auch gar nicht benötigt. Generell beherrscht der Autor es sehr gut den Leser in diese für ihn doch recht unbekannte Thematik einzuführen und zum Nachdenken anzuregen.
Entsprechend kann ich Mörder von Veikko Bartel guten Gewissens allen True Crime und Thriller Lesern empfehlen. Daher bekommt das Buch 5/5 Sternen. - Andreas Föhr
Eisenberg
(141)Aktuelle Rezension von: ChiarraDie Protagonisten der neuen Krimiserie Rachel, Sascha, Sarah und Oberstaatsanwalt Schwindt sind sehr sympathisch dargestellt und ich freue mich schon, im zweiten Teil auf sie zu stoßen.
Die Geschichte ist sehr spannend aufgebaut und entwickelt sich immer mehr zu einem Katz- und Mausspiel mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft sowie den Anwälten. Der Schreibstil mit einer Prise Humor hat mir ebenfalls gut gefallen.
Gute vier, aber keine fünf Sterne vergebe ich, da in de Mitte der Geschichte einige Längen und leider insgesamt so einige Ungereimtheiten und Unwahrscheinlichkeiten vorkommen.
Mein erster Krimi des Autors, von dem ich schon lange einmal etwas lesen wollte und nicht enttäuscht wurde. Freue mich schon auf den zweiten Teil!
- $ick
Shore, Stein, Papier
(46)Aktuelle Rezension von: HoldenSicks Lebensgeschichte, Grimme-Online-Award-gekrönt die Youtube-Ausgabe, angefangen mit dem Gefühl des Unerwünschtseins und von Anfang an widerspenstig gegen jede Autorität. Daß er seinen Drogenlebenswandel allein damit begründet, nicht gewollt zu sein und dieses Gefühl betäuben zu müssen, greift meiner Meinung nach ein bißchen kurz, auch andere Kinder bzw Jugendliche mit diesem Gefühl werden nicht zum drogenverschlingenden Dauerkriminellen. Interessant, wie Sick die Symptome beschreibt, die man beim "affig-"sein spürt, wenn der Körper auf Drogenentzug reagiert, wie dauernd laufende Nase oder Augentränen, hab ich so noch nirgends anders gelesen. Man kann ihm natürlich nur die Daumen drücken, daß Sick das Cleansein durchhält (man wundert sich, daß der Körper so einen Drogenmarathon überhaupt so lange mitmacht). Und sonst: Dümmster Junkie ever, "wie Shore ist Heroin?"
- Michelle Alexander
The New Jim Crow
(6)Aktuelle Rezension von: JulesBarroisThe new Jim Crow – Michelle Alexander (Autorin), Gabriele Gockel, Thomas Wollermann (Übersetzer), Antje Kunstmann Verlag, 19.10.2016, 24 €, ISBN 978-3-95614-128-7
Jim Crow, so wurde die rassistische Rassengesetzgebung in den Vereinigten Staaten genannt, die ab 1964 aufgehoben wurde. Michelle Alexander sieht einen „New Jim Crow“, die den alten Jim Crow durch die Praxis der Masseninhaftierungen seit 1980 abgelöst hat.
Die unerwünschten Anderen stehen in diesem rassischen Kastensystem im Fadenkreuz von Polizei, Justiz und Politik.
Die Autorin Michelle Alexander ist Hochschullehrerin an der Ohio State University am Moritz College of Law und Anwältin, vor allem für Sammelklagen wegen Rassen- und Geschlechterdiskriminierung.
In sechs Kapiteln belegt sie ihre Thesen von der Masseneinkerkerung im Zeitalter der Farbenblindheit mit Fakten und Beispielen.
Ihr Buch umfasst fast die ganze Geschichte der USA, vor allem der Gesetzgebungsseite her: Von der Abschaffung der Sklaverei durch den 13. Zusatzartikel der Verfassung im Jahre 1833 bis zum Anti-Drug-Abuse-Act von 1986. „Neben anderen harten Maßnahmen sah das Gesetz Mindesthaftstrafen für den Handel mit Kokain vor, und zwar deutlich schärfere für das vor allem mit Schwarzen assoziierte Crack als für das klassische Kokain, das hauptsächlich von Weißen konsumiert wurde.“ (Seite 86)
Sie liefert „eine Bestandsaufnahme der Mittel, mit denen der Krieg gegen die Drogen die Jagd auf einen derart hohen Prozentsatz der US-Bevölkerung und dessen Wegschließung ermöglicht.“ (Seite 95)
All diese Gesetze, Vorgehensweisen, Deals und illegale Machenschaften gehen in erster Linie zu Lasten der Afro-Amerikaner, die in Gefängnissen überrepräsentiert sind. Human Right Watch berichtet, „dass im Jahre 2000 in 7 Bundesstaaten 80 – 90 Prozent der Personen, die wegen Drogenvergehens im Gefängnis saßen, Afroamerikaner waren.“ (Seite 143)
Aber mit einer Verurteilung z.B. wegen eines Schuldeingeständnisses, nur um eine milderes Urteil zu bekommen ist das Martyrium noch lange nicht zu Ende. „Der Täter wird vielleicht zu einer Bewährungsstrafe, Gemeindedienst oder zur Übernahme der Gerichtskosten verurteilt. Ohne Wissen dieses Delinquente […] verliert er aufgrund seiner Verurteilung die Berechtigung zu vielen vom Bund finanzierten Gesundheits- und Sozialleistungen, zum Erhalt von Lebensmittelmarken, einer Sozialwohnung und von Bildungsbeihilfen des Bundes. Ihm kann der Führerschein entzogen werden und er kann sich nicht mehr für bestimmte Tätigkeiten und Berufe bewerben.“ (Seite 200)
Und all das hat dazu geführt, dass ein neues, brutales und ungerechtes System der rassischen und sozialen Kontrolle entstanden ist. „Heute befinden sich mehr Afrikaner in den Mühlen der Justiz - im Gefängnis oder unter Bewährungs- und Meldeauflagen auf freiem Fuß - als es im Jahre 1850, ein Jahrzehnt vor dem Bürgerkrieg, Sklaven gab.“ (Seite 247)
Vor dreißig Jahren wurden in den Vereinigten Staaten weniger als 350.000 Menschen in Gefängnissen und Gefängnissen festgehalten. Heute übersteigt die Zahl der Insassen in den Vereinigten Staaten 2.000.000. Alexander belegt, dass dieses System der Masseneinkerkerung als ein eng vernetztes System von Gesetzen, Politikern, Sitten und Institutionen arbeitet, die kollektiv arbeiten, um den untergeordneten Status einer Gruppe zu gewährleisten, die weitgehend durch Rasse definiert wird.
Das Buch von Michelle Alexander ist sehr gut dokumentiert und die Autorin argumentiert sehr systematisch. Es ist alarmierend, provokant und überzeugend. Und es sollte auch uns, die Leser sensibilisieren für ein Thema, das weit über die USA und die dortigen Afroamerikaner hinausgeht. Denn auch bei uns gibt es „Kastensysteme“, Ausgrenzung und Benachteiligung von Minderheiten, Reiche und Arme, Erfolgreich und schändliche Verlierer. Für all diese gelten auch hier die Worte des afroamerikanischen Schriftstellers James Baldwin: „Du wurdest hineingeboren in eine Gesellschaft, die Dir mit brutaler Deutlichkeit und auf jede nur mögliche Art und Weise zu verstehen gab, dass du ein wertloser Mensch bist.“ (Seite 353)
Dieses aufschlussreiche Buch kann Ihnen dazu verhelfen, die Welt in einer anderen Art und Weise zu sehen.
Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages
http://www.kunstmann.de/titel-0-0/the_new_jim_crow-1186/
Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de
- Dan Gordon
Murder in the First
(2)Aktuelle Rezension von: HoldenEine wahre Begebenheit, die traurige Geschichte von William Moore, einen Kleinkriminellen, der aufgrund eines Fluchtversuchs von der Gefängnisinsel Alcatraz ins pechschwarze "Loch" gesteckt wird, drei Jahre in völliger Dunkelheit gehalten wird, und als er aus der Isolationsfolterhaft entlassen wird, den vermeintlichen Verräter Avery Clark brutal vor aller Augen tötet. Sein Verteidiger Henry "Hank" Davidson schreibt Rechtsgeschichte, indem er das menschenunwürdige System Alcatraz anprangert, das Moores psychisches Leiden verursacht hat. Davidson gibt nicht auf, obwohl ihm beruflich und privat alle möglichen Steine in den Weg gelegt werden. Unglaublich, daß es laut Anhang bis 1963 gedauert hat (ca. 20 Jahre nach dem aufsehenerregenden Mordprozeß gegen Moore), bis man das Foltergefängnis endlich geschlossen hat. Direktoren und Wärter hat man wahrscheinlich nicht zur Rechenschaft gezogen, so ist das ja häufig.. "In the first" entspricht vielleicht dem Dolus directus 1. Grades, den man als Strafrechtsstudent kennengelernt hat. Erinnert an "Papillon" und "Die Verurteilten".
- Karin Slaughter
Die gute Tochter
(22)Aktuelle Rezension von: ButtaKarin Slaughter ist schon recht heftig in ihrer Erzählung. Ich mochte den aufbau der Geschichte und die Schwestern sehr gerne, auch ihre Arbeit an dem Fall.
Ehrlich gesagt hat mich das Ende nicht wirklich überrascht weil ich das vorhergesehen habe aber das hat der Story auch keinen Abbruch getan und die Wendungen in der Geschichte der Schwestern waren dafür überraschend. Auch das Trauma fand ich gut dargestellt.
- Reinhard Werth
Die Natur des Bewusstseins
(3)Aktuelle Rezension von: PhilippWehrliWerth startet mit der originellen Feststellung Wittgensteins, dass auch subjektive Empfindungen, wie etwa der Schmerz, den Wissenschaften zugänglich sind. Denn würde das Wort ‚Schmerz’ etwas rein Subjektives bezeichnen, so würde es im Gespräch zu Verwirrung führen, weil ja keiner wissen könnte, was der andere darunter versteht. Das Bewusstsein und die subjektiven Erlebnisse, die den Inhalt des Bewusstseins bilden, sind also nicht rein privat, sondern anderen Personen zugänglich.
So findet der Leser eine ganze Reihe kluger Bemerkungen und Erklärungen, die irgendwie mit dem Bewusstsein, mit der Wahrnehmung oder mit dem Willen zu tun haben. Aber die Gesamtaussage ist mir jedenfalls nicht wirklich klar geworden. Dabei sind die einzelnen Abschnitte durchaus empfehlenswert.
Empfehlenswert für alle Lehrpersonen ist der lange Abschnitt über die Aufmerksamkeit. Während Aufmerksamkeitsstörungen unter Psychologen und Pädagogen alltäglich diskutiert werden, ist auch in die Fachliteratur bemerkenswert vage, was Aufmerksamkeit eigentlich ist. Reinhard Werth, der sich schon in seinem Buch ‚Legasthenie und andere Lesestörungen’ mit dem Lernen befasst hat, macht auch hier verständlich, was bei gewissen Lernschwierigkeiten passiert und wie man allenfalls dagegen ankämpfen kann.
Aufschlussreich ist z. B. eine Bemerkung zum Bogenschiessen: Das Hauptproblem beim Bogenschiessen ist, dass der Schütze seine Aufmerksamkeit nicht gleichzeitig auf das Ziel und auf das Loslassen des Pfeiles richten kann. Selbst so einfache Bewegungen, wie einen Pfeil loszulassen, erfordert die volle, ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Schütze bemerkt dies selber nicht, aber während er den Pfeil loslässt, wird er kurzzeitig blind für das Ziel. Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb Pfeile daneben gehen. Wenn nun also Schüler behaupten, sie können problemlos neben den Hausaufgaben Musik hören, chatten und einen Fernseher laufen lassen, dann kann man sich nun vorstellen, wie falsch diese Schüler liegen.
Empfehlenswert für Richter und Anwälte sind die Ausführungen zur Frage des freien Willens im Zusammenhang mit dem Strafrecht. Werth zitiert mehrere Paragrafen des deutschen Strafrechts, das aber in anderen europäischen Ländern ähnlich sein dürfte. Insbesondere ist nach dem deutschen Strafrecht nur vorsätzliches Handeln strafbar, sofern nicht das Gesetz bei fahrlässigem Handeln ausdrücklich mit Strafe droht. Ob ein Täter vorsätzlich oder aus dem Affekt gehandelt hat, muss nicht selten von Gerichtsgutachtern beurteilt werden.
Der Autor selber hat z. B. in Experimenten festgestellt, dass eine unvorbereitete Person rund 532 bis 847 Millisekunden benötigt, um seinen Körper vor einem überraschenden Messerstich 50 cm zurück zu ziehen. Wenn also z. B. ein Polizist, der überraschend von einem Verbrecher mit einer Waffe angegriffen wird, innerhalb von etwa 200 Millisekunden auf den Verbrecher schiesst, dann könne dies keine Willensentscheidung sein. Ausser „dass der Polizist sich bereits lange im Voraus dafür entschieden hat, in einer solchen Situation so zu schiessen (da er die oben beschriebenen Zeitverhältnisse kennt) und diese Reaktion so eingeübt hat, dass sie zu einem vorprogrammierten Reflex wurde.“
Nun scheint mir das eher der Normalfall oder zumindest der wünschenswerte Fall zu sein, dass ein Polizist, der mit einer geladenen Waffe unterwegs ist, sich vorher schon einmal überlegt hat, wie er in verschiedenen denkbaren Situationen reagieren würde. Als langjähriger Badmintonspieler weiss ich auch, dass man eine Reaktion nicht sehr lange vorprogrammieren muss. Es reicht durchaus, während des Spiels zu entscheiden, den nächsten Smash in die rechte hintere Ecke abzuwehren. Bei der konkreten Ausführung habe ich dann auch nicht mehr Zeit als besagter Polizist. Das ist aber auch nicht nötig, weil ich den Schlag schon vorher geplant habe.
Das Thema freier Wille und Strafrecht regt natürlich zu weiteren Diskussionen an. Was soll denn das Ziel einer Strafe sein? – Geht es darum, sich an den Bösewichten zu rächen? Oder wäre es nicht sinnvoller, den zukünftigen Schaden zu minimieren? - Wenn immer mal wieder Äste von einem Baum fallen und Spaziergänger invalide schlagen, frage ich nicht danach, ob der Baum das bewusst macht oder nicht.
Die von Reinhard Werth zusammen gestellten Überlegungen sind also wohl sicher nicht abschliessend. Aber sie sind eine gute Grundlage für den wichtigen Dialog zwischen Strafrechtlern und Gehirnforschern.
Bemerkenswert deutlich ist in diesem Zusammenhang Werths Fazit, wenn es um Wiederholungstäter geht: „Die häufig geübte Praxis, Wiederholungstäter fortwährend mit Bewährungsstrafen oder kurzen Gefängnisstrafen zu belegen und ihnen unermüdlich psychotherapeutische oder sozialtherapeutische Massnahmen angedeihen zu lassen, kann nur als Unkenntnis oder vorsätzliches Ignorieren psychobiologischer Erkenntnisse gewertet werden.“
Empfehlenswert ist das Buch auch für alle, die mit Patientenverfügungen und insbesondere mit Sterbehilfe zu tun haben. Denn die Frage nach der Willensfreiheit stellt sich natürlich auch bei Patientenverfügungen.
Ein weiteres Gebiet, das wohl einige Leser interessiert, ist die Frage, ob Tiere ein Bewusstsein haben. Auch dazu findet man einige interessante Fakten, obwohl das Buch in dieser Frage nicht sehr in die Tiefe geht.
Man kann nicht behaupten, Reinhard Werth habe das Bewusstsein in diesem Buch erklärt. Er hat einige interessante Aspekte dazu aufgezeigt. Aber auch wenn sicher noch einige Diskussionspunkte offen sind, hat er zur Frage, ob es eine unsterbliche Seele gibt eine klare Antwort, der wohl die meisten Gehirnforscher zustimmen würden:
„Aus allen wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen folgt unzweifelhaft, dass ohne Hirnfunktion keine unserer Fähigkeiten, Empfindungen, Erfahrungen und nichts, was unser Bewusstsein sonst ausmacht, existieren kann.“
Auch zu dieser Behauptungen findet man eine gute aber gewiss nicht ganz abschliessende Begründung in diesem Buch. - Sabine Rückert
ZEIT Verbrechen
(32)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeTrue Crime lese und höre ich sehr gerne. In diesem Fall habe ich das Hörbuch gehört. Es war anders aufgebaut, als ich es von vielen anderen True Crime Hörbüchern kenne, aber ich fand die ausgewählten Fälle sehr spannend und zum Teil auch erschreckend/schockierend. Was mir an mancher Stelle gefehlt hat, waren noch ein paar mehr Infos über die Täter und deren Verurteilungen.
28.03.2025
- David Schraven
Die Mafia in Deutschland: Kronzeugin Maria G. packt aus
(1)Aktuelle Rezension von: HoldenSpannend wie ein Krimi: Die Lebensgeschichte der Maria Giordano, die durch ihren prügelnden Mann zur Mafiamittäterin wurde und schließlich gegen die Mafiabosse aussagte. Unglaublich, wie rückständig die Familienverhältnisse in den 90ern in Italien waren, und wie schlecht der Zeugenschutz in Italien organisiert ist. Das Porträt einer außergewöhnlichen Frau, die man sich in der deutschen Politik wünschen würde. Einen Bericht über Maria von Maik Meuser findet man noch auf youtube.
- Heinrich Schönfelder
Schönfelder Deutsche Gesetze, gebundene Ausgabe ohne Fortsetzung. Ausg.II/2013
(2)Aktuelle Rezension von: HoldenDer Häßlichfelder, Häßlichacker, nicht mit der roten Mao-Bibel zu verwechseln. Das Einsortieren der neuen losen Blätter in den Schmöker war die Pest, fast das Schlimmste am Jurastudium. Nicht zum "Von vorne nach hinten"-Lesen, eher so zum Nachschlagen, und mittlerweile auch mit einem Ergänzungsband geliefert. Für Studienanfänger nicht notwendig erforderlich, da reichen auch die kleineren Bücher, ebenfalls aus der Beck-Reihe. Ansonsten auch als Türstopper und Unterlage für Biergläser geeignet.
- Hans Leyendecker
Die Korruptionsfalle
(3)Aktuelle Rezension von: HoldenLeyendecker berichtet uns aus der um sich greifenden und flächendeckenden Korruption, die vor keiner Branche und keiner Gesellschaftsschicht halt macht. An manche der ganz bekannten Fälle (zB Mannesmann-Vodafone) konnte man sich noch erinnern, nach 20 Jahren wäre eine aktualisierte Neuauflage wünschenswert. Daß in Deutschland bei diesen Zuständen überhaupt noch "was läuft"! Grotesk, was da abgelaufen ist, wie dreist und selbstüberzeugt die Betreffenden vorgegangen sind. Leider kann man keine Partei ausnehmen, auch nicht die selbst favorisierte. Irgendwie denkt man doch, daß das Ganze eher in den Großstädten und den Metropolregionen stattgefunden hat, aber die größeren Unternehmen in unserer Provinz hier (v.a. die Entsorgungsbetriebe) sieht man jetzt auch mit anderen (mißtrauischen) Augen. H.L. ist uns bei unserer Pragfahrt mit der Referendars-AG 2002 in zwei Tagen mindestens drei Mal über den Weg gelaufen. Entscheidungsträger, hört den Autor!
- Rolf Schmidt
Strafrecht Besonderer Teil I
(2)Aktuelle Rezension von: HoldenDas Buch zum Besonderen Teil des StGB in der 98er Auflage, das in diesem Fall den ganzen BT enthält. Gut lesbar und gut gegliedert, mit farblich unterlegten Merksätzen, aber für die Examensvorbereitung reicht es hinten und vorne nicht, und laut unserem Repetitor (Doc Schneider) enthält das Buch auch einige Fehler. - Ingo Bott
Pirlo - Falsche Zeugen
(65)Aktuelle Rezension von: Veronika_Becker1
Keine schlechte Fortsetzung der Reihe, man kommt so langsam an .Trifft alte. Bekannte , versteht Immer mehr die Verknüpfungen. Im großen und ganzen eine spannende Sache , zu erfahren was und wie es vor Gericht und drum herum zu gehen kann. Mich bringen nur immer zu viele Personen die mitspielen und nur wage zu unterscheiden sind aus dem Lesefluss. Trotzdem bin ich auf den dritten Teil gespannt. - Mark Benecke
Mordmethoden: Ermittlungen des bekanntesten Kriminalbiologen der Welt
(2)Aktuelle Rezension von: ArcherMark Benecke ist Kriminalbiologe und als solcher wahrscheinlich einer der berühmtesten oder zumindest der Öffentlichkeit bekanntesten. Nun hatte ich natürlich auch erwartet, dass er sich in dem (Hör)Buch zum größten Teil mit seinem Fachgebiet beschäftigt, der Wissenschaft der Krabbeltiere beim Untersuchen von Morden und anderen Verbrechen. Das gerät jedoch in den Hintergrund; wen das nicht stört und wer sich trotzdem gern vom Autor selbst unterhalten lässt, ist hier richtig.
Benecke berichtet über einerseits sehr bekannte Fälle wie die Entführung des Lindbergh-Babys oder auch den Mordfall O. J. Simpson. Was mich bei diesen mir relativ bekannten Fällen wirklich bei der Stange hielt (genauso auch bei "Papa" Denke, einem der schlimmsten deutschen Serienmörder), war die Art, wie Benecke diese Sachen angeht. Erst umreißt er kurz die anscheinend allen bekannten Fakten, doch nachdem er seinen Leser/Hörer auf den Stand der Medien gebracht hat, fängt er an, die Fälle neu zu beleuchten. Was ich auch wusste, aber gerade hier sehr deutlich vor Augen geführt bekam, war, dass man extrem schnell die Meinungen von Nicht-Juristen beeinflussen kann. Ich würde es jetzt nicht mehr ausschließen, dass der zum Tode verurteilte Entführer des Lindbergh-Babys fälschlich bezichtigt wurde und Lindbergh selbst dahinter steckt. Genauso gut schafft er es immer wieder, Zweifel an herkömmlichen "Wissen" über bekannte Fälle zu schüren. Interessant war auch sein Bericht über die Body Farm, in denen Tote unter natürlichen Verhältnissen, also im Freien, vergraben, ihre Zersetzung beobachtet und dokumentiert wird.
Man könnte jetzt meinen, diese ganzen vorgestellten Fälle hätten wenig mit Mordmethoden und auch nur selten etwas mit Kriminalbiologie zu tun. Doch wenn man über den irreführenden Titel des Buches hinwegsehen kann und wen es auch nicht stört, dass Benecke eine teilweise hektische (doch sehr verständliche) Aussprache hat, wer außerdem Interesse an True Crime hat, der wird hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. - Klaus Volk
Die Wahrheit vor Gericht
(2)Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-PapeInteressante Einblicke über das Ziel des Rechtssystems
„Es war nicht der Erfolg, der mich so faszinierte, dass ich anschließend immer wieder Verteidigungen übernahm. Es war das Erlebnis, wie alle Beteiligten – Staatsanwälte, Richter und Verteidiger – um die Wahrheit ringen“.
Das ist, was Klaus Volk in seinem beruflichen Leben umtreibt, dass ist, wovon dieses Buch handelt. Und wenn er Sokrates mit seinem berühmten „Ich weiß, dass ich nichts wie?“ (und das ist die Wahrheit) zitiert, dann wird dem Leser umgehend klar, das, zumindest vor Gericht, „die Wahrheit“ etwas nicht einfach zu Fassendes ist. Relativ. Subjektiv. Nur dann, wenn auch etwas „beweisbar“ ist (was nicht immer heißt, dass dann auch „die Wahrheit ans Licht käme“).
„und alle wissen, dass sie am Ende nicht sicher wissen werden, was denn nun wirklich wahr war“. Mit Einschränkungen, im Übrigen, denn die ein oder andere zumindest „Klarheit“ (und das ist ja nah an der Wahrheit) wird sich doch einfinden im Reigen der vielfachen Beispiele, die Volk in seinen Darlegungen mit verarbeitet.
Andererseits (und das Kapitel sei sehr empfohlen für die grundsätzliche Frage, wie das im deutschen Rechtssystem mit der Wahrheit und der Wahrheitsfindung so ist, da, wo Volk vom Beruf des Strafverteidigers reflektiert berichtet, da wird auch klar, was er mit Finten und strategischen Tricks meint. Und dennoch dringt auch hier das verbindende juristische Ethos durch, der alle Beteiligten Am Strafsystem doch verbindet und prägt.
Auch wenn man Klienten trifft, die eine Verabredung lieber in Mexiko stattfinden lassen. Ein Klient, der trotz seines sehr auffälligen Gefährts eigentlich mitten im Versuch war, eben nicht gesehen, heißt gefunden zu werden. Und mit einer kleinen Weiterbuchung (einer jener „sauberen“ Tricks) konnte dann eine doch etwas andere Ausgangslage hergestellt werden.
Und wenn dann noch dazu tritt, dass die eigentliche Strafe eher für Achselzucken sorgt, aber die Folgen der Strafe (Waffenschein, Jagdschein, Ehrenämter in Gefahr) für äußerste Unruhe teils sorgen, dann ist man mitten drin im Rechtssystem, in der Bewertung der „Wahrheit“ und was eigentlich (zumindest Mandanten) deutlich wichtiger ist, als jene ominöse „Wahrheit“.
Und dennoch schwingt die Wahrheit auch in solchen Haltungen und Fällen mit, denn es geht, selbst wenn ein Strafmaß erträglich zu sein scheint, doch immer um Existenzielles. Um den Ruf, die Lebensumstände, um das, was man sich als Leben aufgebaut hat.
Dies arbeitet Volk immer wieder sichtbar heraus und zeigt damit auf, wie aus trockenen Paragraphen, einem sich Winden von Mandanten oder einem „Jagdtrieb“ bei Staatsanwälten ein ganzes Geflecht von Linien, Motiven, Folgen sich um jenen Kern beginnt zu drehen, der vielleicht die eigentliche Wahrheit enthält.
Und alle beteiligten Elemente und Vorgänge finden in lockerer Sprache und gut verständlich dargestellt Eingang in das Buch. Sei es der „Instanzenzug“, der schon manchen weiter mitgeschleift hat, als eigentlich geplant war, sei es der „Vergleich“ und „die Absprache“, sei es eine interessante Reflexion des „Zweifels“ mit seinen Varianten des „im Zweifel bleiben“, „jenseits des Zweifels anlangen“, „diesseits des Zweifels“ verharren müssen oder gar „zwei halbe Wahrheiten“ irgendwie zu einem Ganzen vereinigen zu müssen, auch wenn das am Ende nicht wirklich befriedigend wirkt.
Dazu gesellen sich weniger bekannte Sachverhalte, die doch eine starke Rolle zu spielen vermögen, man lese nur die sachkundigen Ausführungen des Autors über das „Beweisverbot“ und das, was er so lapidar benannt „Räuber und Gendarm“ nennt.
Alles in allem ein hochinteressantes Werk, dass zum einen sachkundig in die Realität der Rechtsfindung in Deutschland von allen möglichen Seiten her eindringt und das zum anderen auch die Grundfrage nach dem, was unter „rechtlicher Wahrheit“ in der juristischen Praxis zu verstehen ist.
Eine anregende und kompetente Lektüre. - 8
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