Bücher mit dem Tag "straßenbahn"
14 Bücher
- Julia Franck
Liebediener
(46)Aktuelle Rezension von: NiJoHm,.....so zum ersten mal weiss ich nicht so recht was ich schreiben soll. Der Schreibstil ist einfach nur komisch und ich nicht mit ihm warm geworden.
Mehr wie den Klappentext kann und möchte ich nicht verraten. Wenn ich noch einen Satz mehr schreibe, dann braucht ihr nicht mehr das Buch zu lesen. Zum einen passiert nicht viel mehr zund zum anderen möchte ich hier nicht das Geheimnis um Albert lüften.
Für mich hat das Buch keinen Sinn gemacht und ich frage mich warum es geschrieben wurde und was es mir sagen wollte bzw. versucht hat zu sagen? Bei mir kam jedenfalls nichts an außer Langeweile! - Paula Fürstenberg
Familie der geflügelten Tiger
(45)Aktuelle Rezension von: katzenminzeGerade erst hat Johanna ihr Elternhaus verlassen und ist nach Berlin gezogen um in der Großstadt eine Ausbildung als Straßenbahnfahrerin zu beginnen. Ihre Mutter hätte es lieber gehabt, wenn Johanna ein Studium begonnen hätte; doch was ist die schon für ein Vorbild, wenn sie als ausgebildete Tierärztin lieber im Zoo die Ställe ausmistet und ein Fundtier nach dem anderen im Wohnzimmer gesund pflegt?
Ein Vater kommt in Johannas Leben nicht vor. Laut ihrer Mutter hat der kurz vor der Wende – Johanna war gerade Zwei – in den Westen rübergemacht und anschließend nie wieder von sich hören lassen. Doch das ändert sich nun! Ihr Vater Jens meldet sich, aber er ist krank und die beiden haben keine Chance mehr, richtig miteinander zu reden. Dabei hat Johanna so viele Fragen. Was ist damals passiert, dass er Frau und Kind verlassen hat? Und warum hat er sich nie wieder gemeldet? Ohne die Möglichkeit, Antworten von ihrem Vater zu bekommen, macht Johanna sich auf Spurensuche bei anderen Familienmitgliedern und in ihrer Fantasie.
Der kurze Roman ist in einem angenehm ruhigen, etwas lakonischen Ton geschrieben, der gut zu Johannas Geschichte und introvertiertem Charakter passt. Die Straßenbahnfahrerausbildung fand ich ein schönes Detail und besonders der Beginn des Romans hat mich gleich mitgezogen.
Paula Fürstenberg beschreibt gekonnt den Bruch einerseits, den das Ende der DDR für dessen Bewohner dargestellt hat und das Unverständnis andererseits, das Johannas Generation für dieses vergangene System aufbringt. Auch Kritik an der DDR sowie an den Folgen der eiligen Wiedervereinigung klingen an. Da der Roman recht kurz ist, passiert das allerdings eher in Nebensätzen und ich fand das Thema – wenn auch ganz anders umgesetzt – in Daniela Kriens Roman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ irgendwie geschickter eingeflochten und stimmungsvoller erzählt.
Was mir leider nicht gefallen hat, war der Umgang der anderen Figuren mit Johanna und ihren Fragen nach der Vergangenheit. Durchweg alle Frauen mit denen sie redet – ihre Mutter, ihre Halbschwester und ihre Großmutter – reagieren abweisend und sind sauer auf Johanna, weil sie ihnen ihre Version der Ereignisse nicht unbesehen glaubt. Diese Reaktionen fand ich absurd: Wer bitte wird sauer auf eine junge Frau, die nie einen Vater hatte, nie mit ihm sprechen konnte und so viele berechtigte Fragen nach dem Warum hat? Verständnis? Mitgefühl? Unterstützung? Das gab es bei keiner der anderen Figuren und das fand ich einfach komplett unglaubwürdig.
So hat mich der Roman nach dem guten Start leider etwas verloren, war aber insgesamt trotz kleiner Kritikpunkte eine interessante Lektüre mit einer stillen, manchmal etwas seltsamen aber liebeswerten Erzählerin.
- Kathleen Becker
MARCO POLO Reiseführer Lissabon
(8)Aktuelle Rezension von: Dr_MWenn man fremde Städte entdecken will, dann sucht man vielleicht nach irgendeiner wiedererkennbaren Struktur, um sich nicht zu verirren. Das ist in Lissabon recht schwer, weil die Altstadt auf zahlreichen Hügeln entstand und mit einer schier endloses Zahl enger Gassen und schmaler Straßen zusätzlich desorientierend wirkt.
Obwohl ich schon einige Marco-Polo-Führer benutzt hatte und seine immer wiederkehrende Gliederung kenne, empfand ich diesen zunächst als nicht besonders nützlich, weil er nicht dabei hilft, einen Zugang zu dieser auf den ersten Blick verwirrenden Stadt zu finden. Doch auf den zweiten Blick wurde es besser. Eine im Reiseführer empfohlene Fahrt mit der Straßenbahn Linie 28 brachte ein wenig Orientierung. Allerdings sollte man die Bahn nur benutzen, wenn dies touristisch organisiert wird. Mit der normalen Linie zu fahren, lohnt sich nur, wenn man einen der Sitzplätze ergattern kann. Sonst wird die Fahrt zur Tortur. Dass man dabei auch Geld und Dokumente verlieren kann, steht bereits in diesem Reiseführer. Viel besser, viel teurer, aber bezahlbar ist dagegen eine Fahrt in einem der sogenannten Tuktuks, deren Fahrer auch gerne irgendwo anhalten und die Stadt zeigen und erklären.
Wirklich empfehlenswert sind in diesem Reiseführer die sogenannten Erlebnistouren am Ende. Tour 1 ("Lissabon perfekt im Überblick", reine Gehzeit 90 Minuten, allerdings ständig hoch und runter, 6-7 km) eignet sich wirklich perfekt zur ersten Erkundung der Altstadt.
Reiseführer sollen einladen, aber gleichzeitig bei der Wahrheit bleiben. Diesen Spagat leistet dieses Buch ganz gut. Vom Fluss aus sieht die Altstadt in der Tat malerisch aus, ebenso von den Gipfeln der einzelnen Hügel. Bei genauerem Hinsehen entfaltet sich jedoch sehr oft ein eher morbider Charme. Während man im Erdgeschoss der Häuser (selbst auf zentralen Plätzen) alles noch scheinbar in Ordnung ist, zeigt der Blick in die oberen Etagen nicht selten unbewohnte und dem Verfall ausgesetzte Gebäude auf deren Dächern bereits die Natur die Rückeroberung begonnen hat. Ein wenig davon ahnt man bereits beim vorbereitenden Lesen dieses Führers. Die Wirklichkeit schockiert dann nicht mehr ganz so heftig.
Nachdem ich die Stadt in ihrem Aufbau verstanden hatte und mich einigermaßen orientieren konnte, empfand ich die zahlreichen Tipps in diesem Reiseführer als hilfreich. Wenn man schnell sein will, sollte man unbedingt die Metro benutzen. - Ingrid Noll
Halali
(12)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderNina Petri ist eine renomierte Schauspielerin und Hörbuchsprecherin und fasziniert auf diesem Hörbuch wieder einmal aufs Neue und zieht alle Register.
Holda ist 80 Jahre alt und erzählt ihrer Enkelin Laura eine Geschichte. Und zwar die Geschichte von Karin und Holda, zwei Sekretärinnen in den Gründungstagen der Republik. Es ist Holdas Geschichte und die ist mehr als spannend. Denn durch Zufall stolpern die zwei jungen Frauen in einen Spionagefall, der bis in die höchsten Ministerien reicht und der auf einmal nicht mehr harmlos und witzig ist, sondern spannend und sogar sehr bedrohlich. Laura lauscht gespannt. Leichtfüßig, humorvoll, spannend und mit einer Prise Deutscher Geschichte. Ingrid Noll ist einfach sehr gut und beherrscht es, eine lustige Story mit viel schwarzem Humor und ungeheurer Spannung zu erzählen. - Kerstin Sjöberg
Kooma
(28)Aktuelle Rezension von: CharleaCovergestaltung und Idee der Geschichte waren Grund dafür, dass ich mich überhaupt dafür interessiert habe.
Leider liest sich die Geschichte, als wäre es eine Rohfassung, die für einen kommenden Roman dient, nicht wie ein Roman. Für eine Kurzgeschichte fand ich die Geschichte nicht pointiert genug, für eine Roman waren sowohl Protagonisten als auch Antagonisten zu wenig ausgearbeitet.
- Joachim Masannek
Die Wilden Fußballkerle - Band 5
(14)Aktuelle Rezension von: KymLucaDeniz will unbedingt Fußball spielen, doch sein rassistischer Trainer schmeißt ihn nach dem verlorenen Spiel gegen die wilden Fußballkerle aus der Mannschaft. Da lädt Willi ihn zu einem Probetraining in den Teufelstopf ein. Er erkämpft sich seinen Platz in die Mannschaft hart, doch Leon und Fabi verlassen daraufhin das Team...
Dieser wilde Kerle Band hat mir nicht ganz so gut gefallen wie die vorherigen, war aber trotzdem gut. Es geht wie immer um Fußball und Freundschaft, aber in diesem Teil auch um den (unterschwelligen) Rassismus von einem Teil der deutschen Bevölkerung. - Annett Gröschner
Die Städtesammlerin
(9)Aktuelle Rezension von: AlexandraKAnnett Gröschner nimmt den Leser mit auf Reisen. In den verschiedensten Ländern fährt sie mit der Straßenbahnlinie 4 und berichtet von ihren Erlebnissen.
Das Buch beginnt mit einem Einführungskapitel. In diesem wird erklärt warum die Autorin immer mit der Linie 4 fährt. Dieses Kapitel ist etwas holprig zu lesen wegen den ganzen Straßennahmen, jedoch lohnt es sich dran zu bleiben.
Generell sind die Kapitel kurz und man kann immer mal schön zwischendurch in eine andere Welt abtauchen. Natürlich gibt es über einige Orten mehr zu erzählen als über andere. Die Kapitel sind abwechslungsreich und passend gestaltet. Einige sind besser andere nicht ganz so gelungen. So fand ich das Kapitel 13.27 Uhr – an der Trolleybushaltestelle Horeastraße vollkommen unnötig. Denn darin erzählt die Autorin auf 2 1/2 Seiten wie sie an der Haltestelle Kinder beobachtet.
In anderen Kapiteln erzählt sie auf ca. 10 Seiten ausführlicher über die Strecke und die Eindrücke, die sie auf der Straßenbahnfahrt sammelt. Was mir sehr gut gefällt ist, dass das Buch sehr gut recherchiert ist. Die Autorin verwebt gekonnt geschichtliche Hintergründe über die Städte, ihre Bauten und ihre Bewohner. Auch über die technischen Voraussetzungen der Straßenbahn ist sie bestens informiert.Was ich als sehr störend empfand, waren die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler in diesem Buch. Die Autorin ist studierte Germanistin und das Buch durchlief ein Lektorat, da sollten solche groben Schnitzer, wie sie hier zu finden sind, nicht passieren.
Die Städtesammlerin hat mich für zukünftige Reisen inspiriert, mir fremde Kulturen näher gebracht und mir auch etwas die Angst genommen. Letztlich ist es ein nettes Buch für zwischendurch und vor allem für reiselustige Leser zu empfehlen. Man kann das Buch gerne lesen, man muss es aber nicht.
- Daniela Schetar
DUMONT Bildatlas Lissabon
(4)Aktuelle Rezension von: Dr_MIn Lissabon muss man sich einfach verlieben. Erbaut auf sieben Hügeln, liegt die Stadt unweit der Atlantikmündung des Tejo, an dem man sich immer orientieren kann, wenn man sich irgendwann einmal in den engen Gassen der Altstadt verlaufen hat. Beim ersten Besuch hatte ich anfangs erhebliche Schwierigkeiten, die Struktur dieser malerischen Stadt zu begreifen. Eine lange Fahrt in einem Tuck-Tuck und die freundlichen Erklärungen brachten Abhilfe. Man landet bei einer solchen Stadtbesichtigung wenigstens auf einem der sieben Hügel, und von oben sieht man eben besser, wie diese Metropole aufgebaut ist.
In diesem "Bildatlas" steht etwas vom maroden Charme Lissabons. Was damit allerdings gemeint ist, bleibt Lesern unklar, die dort noch nie gewesen sind. Setzt man sich beispielsweise auf eine Bank am Rossio, einem der zentralen Plätze Lissabons, und lässt den Blick an den Häuserfronten entlanggleiten, dann sieht man unten das pralle Leben. Oben aber wachsen schon Sträucher aus den Fenstern der Daches oder des Obergeschosses. Jedenfalls war das noch vor zwei Jahren so. Neben einem solchen Gebäude steht vielleicht ein toll saniertes Haus. Andere befinden sich vom Zustand her irgendwo dazwischen. Bilder des Verfalls sieht man in Reiseführern nie, das wäre erstens unfreundlich und zweitens nicht typisch. Aber es gibt ihn eben, diesen morbiden Charme, wobei in Lissabons Altstadt die Betonung eindeutig auf Charme liegt.
Dieser Zwitter aus Bildband und Reiseführer zum kleinen Preis stellt die Stadt in zwei Dritteln seines Seitenumfangs vor, schön geordnet nach den Stadtteilen am Tejo. Die moderne Stadt dahinter bleibt weitestgehend ausgespart, was vielleicht auch gut so ist. Im letzten Drittel des Heftes werden Sehenswürdigkeiten aus der Umgebung Lissabons vorgestellt.
Natürlich eignet sich das Format nicht unbedingt zum Mitnehmen nach Lissabon. Obwohl dieser Atlas auch viele praktische Hinweise und eine Reihe wirklich sehenswerter Orte in Lissabon und Umgebung vorschlägt, hatte ich in diesem speziellen Fall ein paar Orientierungsschwierigkeiten. Die Karten sind leider etwas zu klein, um wirklich spezielle Punkte zu finden. Beispielsweise erkennt man die Endpunkte der empfohlenen Straßenbahnlinien 28 nicht unbedingt. Ebenso hatte ich Probleme, sofort die Standorte zweier Kirchen zu finden, die im Text eindrucksvoll beschrieben werden.
Nach meiner Erfahrung braucht man für einen Besuch einen zweiten Reiseführer mit besserem Kartenmaterial und einem anderen Format. Praktische Hinweise, wie etwa das Metro-Netz oder eine praktische Beschreibung von Möglichkeiten nach Belem zu kommen, wären auch nicht schlecht.
Kurz: Für eine Reiseplanung ist dieser Bildatlas sehr schön, für den tatsächlichen praktischen Gebrauch eher weniger. - Lukas Holliger
Das kürzere Leben des Klaus Halm
(7)Aktuelle Rezension von: Livricieux»Und weil er darauf nichts mehr sagte, küsste sie Halm, der in den letzten Wochen selber bärtig geworden war, so kurz und endgültig auf die Nasenspitze, wie man ans Ende eines Satzes einen Punkt setzt.« (S.221)
Kurz zum Inhalt
Ein arbeitsloser (und über das gesamte Buch hinweg auch namenloser) Filmvorführer verlässt seine Wohnung nur noch für die regelmässigen Besuche beim Arbeitsamt und Tramfahrten quer durch die Stadt Basel. Während dieser Fahrten kann er ein bisschen seiner Einsamkeit entfliehen, indem er den Fahrgästen Namen gibt und sich ein Leben für sie ausdenkt. Diese Ideen hält er in einem Notizheft fest, dass er in der Papeterie von Klaus Halm gekauft hat. Als er diesen eines Tages beobachtet, wie er mit einem neu gekauften Kinderwagen in ein Tram einsteigt, beschliesst er ihm zu folgen.
Klaus Halm scheint das genau Gegenteil seiner selbst zu sein, denn mit Frau, Kind und Arbeit hat er alles, was dem Filmvorführer fehlt. Und noch mehr hat Klaus Halm, er hat nämlich auch Yvonne, in die er sich unsterblich verliebt hat. Und während Halm in schöner Regelmässigkeit das Rheinufer und die Betten wechselt, versinkt der Filmvorführer immer mehr in seinen Beobachtungen. Bis nicht einmal mehr die beiden Protagonisten wissen, wer hier eigentlich wessen Leben lebt.
Meine Gedanken
Lukas Holligers Das kürzere Leben des Klaus Halm ist für den Schweizer Buchpreis nominiert und mir deswegen ins Auge gefallen. Die Sprache der Leseprobe faszinierte mich in ihrer Klarheit und Verspieltheit gleichermassen. Mit Wortspielen und einzigartigen Metaphern erzählt Lukas Holliger eine Geschichte zwischen Traum und Realität. Die Grenzen scheinen zu verwischen, mal ist man hier, mal dort. Mal scheint die Handlung diese Wendung zu nehmen, in der nächsten Szene, schaut alles aber wieder komplett anders aus. Ich muss gestehen, manches mal blätterte ich wieder zurück, nur um zu sehen, dass ich die vorhergehende Szene doch richtig im Kopf hatte und jetzt wirklich alles wieder über den Haufen geworden wurde. Die Lektüre von Das kürzere Leben des Klaus Halm erfordert einiges an Konzentration. Da war nix mit nebenher lesen, wenn der Mann TV guckt, ich musste mich oft ins Schlafzimmer zurück ziehen, um ungestört zu sein und der Geschichte folgen zu können.
»Freundeskreise sind Maskenbälle. Ein billiger Vergleich, ich weiss. Aber es führt zu einer kostbaren Einsicht. Der Einsicht, dass wir unsere Masken vollständig erst ablegen, wenn wir einsam sind.« (S.9)
Überrascht wurde ich vom Zynismus und der Ironie der beiden männlichen Protagonisten. Während der Filmvorführer und Ich-Erzähler zu Beginn des Buches nur so vor Zynismus sprüht, die Fahrgäste in wenigen Blicken erfasst und entlarvt und dies alles mit scharfen, präzisen Worten beschreibt, so ist Halm voller bissiger Ironie, wenn er beispielsweise darüber sinniert, dass er sich nach der Reparatur des WC-Spülkastens dem Sinn des Lebens näher sehe, als nach dreissig Arbeitstagen in der Papeterie.
Daran muss man sich als Leser*in erst einmal gewöhnen, muss damit umgehen. Wie bereits gesagt, das Buch erfordert Konzentration und ein bisschen Grips.
Der Dreiecksgeschichte um Yvonne, Halm und der Filmvorführer wird in diesem Roman viel Platz geboten. Allerdings driftet Lukas Holliger nie ab in Kitsch und Klischees, vielmehr bietet er feine, kleine Einblicke ins Beziehungsgeflecht und Familienleben der Protagonisten. Und auch die gewohnte Ironie bleibt nicht aus. So werden vom Autor einige Lebensthemen von Paaren und Eltern in diese kurze Geschichte gepackt.
Über lange Strecken plätschert die Geschichte so vor sich hin bis dann zur finalen Wendung, die dramatischer und turbulenter nicht sein könnte. Nicht nur die Ereignisse überschlagen sich, sondern auch das Erzähltempo und der Schreibstil werden von einer alles erfassenden Unruhe gepackt. Holliger spielt mit SMS und Mail Verläufen, Rückblenden und alternativen Handlungssträngen, die plötzlich ins Leere laufen. Besonders raffiniert ist das erzählerische Band, welches die Leben von Halm und dem Filmvorführer verschränkt und umkehrt. Bis man am Ende nicht mehr weiss, wer hier eigentlich wessen Leben lebt.
Fazit
Mit Das kürzere Leben des Klaus Halm hat Lukas Holliger einen faszinierenden Roman geschrieben, der voller unglaublicher Wendungen und Irrungen ist. Nicht nur die Themenvielfalt begeistert, sondern auch die stilistischen Wendungen und Finessen.
Auch wenn der Roman nicht ganz einfach zu lesen ist und neben Konzentration und Fantasie auch ein bisschen Grips erfordert, so ist er doch eine klare Leseempfehlung meinerseits. - Peter Märkert
JANINA TOT: Justizkrimi
(20)Aktuelle Rezension von: MeReiJanina tot ist ein Justizkrimi von Peter Märkert, der seine Erfahrungen in der Bewährungshilfe einfließen lässt und das Buch somit an Authentizität gewinnt.
Janina steht gerne im Mittelpunkt, genießt die Aufmerksamkeit und intrigiert gerne zwischen ihrer Freundin Larissa und ihrem Freund Frederik. Zu beiden unterhält sie eine Beziehung.Doch dann wird Janina in den Ruhrwiesen tot aufgefunden. Sofort werden Frederik und Larissa verdächtigt.
Frederik ist bereits einmal gewalttätig geworden und wird seitdem von der Bewährungshelferin Marie Marler betreut. Sie will nicht glauben, dass Frederik etwas mit Janina´s Tod zu tun hat. Aber liegt sie damit richtig? Hauptkommissar Christian Kramer sieht das anders.Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr leicht, da man direkt mitten im Geschehen ist und es direkt interessant startet.
Der Schreibstil ist einfach zu lesen und auch die Kapitel haben eine gute Länge.
Die Protagonisten wurden sehr gut ausgearbeitet und auch die Gefühlslagen toll beschrieben. Auch die örtliche Beschreibung ist gut gelungen, so dass man sich als Leser ein gutes Bild machen kann.Peter Märkert hat es geschafft, die Spannung durchweg aufrecht zu erhalten und mich ans Buch zu fesseln. Die ein oder andere falsche Spur inbegriffen.
Allerdings hatte ich bereits vor Ende den/die Täter/in im Auge und somit war das Ende dann nicht mehr ganz so überraschend, wie ich es mir gewünscht hätte.
Dennoch aber ein unterhaltsamer und spannender Krimi, der Einblicke in die Arbeit der Bewährungshilfe gibt, was ich sehr interessant fand.
- Wolfgang Wußmann
Die Straßenbahn kommt: Die Geschichte der Bamberger Tram von 1897 bis 1922
(1)Aktuelle Rezension von: Thomas_LawallMan könnte ja vermuten, dieses Buch könne nur für einen recht überschaubaren Leserkreis interessant sein, welcher dann noch weiter auf jene Minderheit zu reduzieren wäre, die sich den Luxus einer Leidenschaft für historische Verkehrsmittel leistet.
Dieser Irrtum kann aber ebenso schnell wie nachhaltig aus der Welt geschafft werden, denn die Autoren bieten in diesem Werk ein sehr breit angelegtes Konzept an. Natürlich dreht sich alles, wie es der Titel unzweifelhaft andeutet, um die Geschichte der Bamberger Straßenbahn, welche vor fast 100 Jahren ihren Dienst einstellte. Doch nach einem Vorwort und Vorstellung des Autorenteams, holen diese erst einmal sehr weit aus.
Die Zeit der Kutschen näherte sich dem Ende, wobei es noch einige Zwischenstufen, wie Pferdeomnibus und Pferdebahn, gab, die aus heutiger Sicht mehr als kurios erscheinen. Mitte des 19. Jahrhunderts nahm das "Industrielle Zeitalter" Fahrt auf und mit der ersten Eisenbahnverbindung von Nürnberg nach Fürth begann eine völlig neue Epoche.
Was sich im Großen abzeichnete, musste auch Auswirkungen im Kleinen zeigen. Wie sollte man die allerorts entstehenden Eisenbahnanbindungen - in Bamberg war es 1844 soweit - innerorts im Rahmen der jeweiligen Erfordernisse weiterführen? Vor diesem Hintergrund schildern die Autoren den schwierigen und langwierigen Entwicklungs- und Entscheidungsprozess, der zur Einrichtung einer elektrischen Straßenbahn in Bamberg führte.
Das ist ebenso informativ wie spannend. Selbst unterhaltsame Anteile, beispielsweise Auszüge der "Ortspolizeilichen Vorschriften zum Betrieb der Straßenbahn", die man standesgemäß als formulierungstechnische "Entgleisungen" bezeichnen könnte, fehlen nicht. Viel Raum nehmen Vorschriften zum Thema Geschwindigkeit ein. Insbesondere wenn es "Menschen, Tiere oder andere Verkehrshindernisse" betrifft.
Auch ein Blick in damalige "Tarifverträge" mag belustigen oder gar befremden, denn die Verdienstmöglichkeiten in der "guten alten Zeit" gestalteten sich mit Monatsgehältern im zweistelligen Bereich mehr als bescheiden. Überlange Arbeitszeiten und Anzahl der freien bzw. Urlaubstage können regelrecht erschrecken.
Die Auswahl des Bildmaterials, aus den Beständen des Stadtarchivs, der Staatsbibliothek sowie aus dem Privatarchiv Müllers, ist ebenfalls erlesen, wobei die historischen Fotos, insbesondere die großformatigen, insofern einen unschätzbaren Wert besitzen, als bis heute fast keinerlei Materialien aus jener Zeit erhalten geblieben sind, die in Zusammenhang mit der damaligen Bahn stehen. Einzig ganze 41 Wandrosetten für die Befestigung der Oberleitungen sind noch zu finden! Dachte man ...
Doch zunächst zu einer weiteren Besonderheit des Buches, denn Hauptinitiator Gerd Müller, der 2015 die Idee zu diesem Buch hatte, der Bamberger Heimat- und Mundartautor Wolfgang Wußmann sowie Fotografenmeister Jürgen Schraudner haben sich die Mühe gemacht, die damalige Linienführung komplett zu begehen, um die wenigen Spuren der Bamberger Straßenbahn zu sichten. Sämtliche Stellen, an denen sich noch jene gusseisernen Halterungen an Hauswänden befinden, wurden katalogisiert und auf einem zweiseitigen Plan verzeichnet! Jedenfalls fast alle, denn ganz aktuell sind es bereits zwanzig weitere Stellen, die aufmerksame Zeitgenossen entdeckt haben.
Doch damit nicht genug, denn weitere Recherchen beleuchten, im Zusammenhang mit dem Personennahverkehr, die Zeit nach der Bahn bis in die Gegenwart. Komplettiert wird das Werk durch "Erinnerungen von Zeitzeugen", zahlreiche Hinweise auf Sehenswertes in Bamberg, sowie eine zwölfseitige Dokumentation wichtiger Ereignisse in Bamberg ab 1844 bis 2018, bescheiden als "Randnotizen" tituliert.
Etwas Kritik ist nur formal und ausschließlich in Richtung Verlag anzumelden. So hätte dem Buch ein sorgfältigeres Lektorat gutgetan, sowie eine Grafikabteilung, welche grobkörnige Fotos, wie auf Seite 85, oder eine Vielzahl, die viel zu dunkel geraten sind, vor Drucklegung noch dementsprechend korrigiert.
Mit einer elektrischen Bahn hat alles angefangen und aus heutiger Sicht zeichnet sich eine bemerkenswerte Parallele ab, denn die Zukunft wird ebenfalls und unzweifelhaft elektrisch sein! So befindet sich im Schlussteil des gelungenen Werkes ein ausführlicher Blick in die Konzepte für den Nahverkehr der Zukunft.
Auch diese Passage ist allgemeingültig und somit dürfte "Die Straßenbahn kommt", weit über die Stadtgrenzen Bambergs hinaus, einen größeren Leserkreis ansprechen, was die zweite (hoffentlich korrigierte) Auflage, Anfang 2018 erschienen, belegt. Und noch etwas: Wer die Stadt noch nicht kennenlernen durfte, wird es spätestens nach Lektüre dieses Buches wollen. - Tina Krehan
Die Stuttgarter Straßenbahnen wimmeln
(1)Aktuelle Rezension von: NelebooksInhalt (LB): "Tom und seine Familie fahren quer durch Stuttgart: mit Bussen, Straßenbahnen, der Zahnradbahn, der Seilbahn zum Waldfriedhof und mit der Killesbergbahn. Sie schauen in die Werkstätten, besuchen das SSB-Zentrum und das Straßenbahnmuseum und schauen dabei zu, wie neue Gleise verlegt werden. Ein Spaß für die ganze Familie!"
Aufmachung: Das Cover ist ansprechend und passend. Es ist genauso aufgemacht wie das Innenleben. Es gibt viel zu entdecken und es verrät auch, dass es um die Bahnen geht. Die Illustrationen sind sehr gut gelungen. Sie sind ansprechend, kindgerecht, abwechslungsreich und es gibt viel zu entdecken. Das Buch ist sehr groß und aus sehr sicken stabilen Seiten, so dass man es sich gut mit einem Kind anschauen kann.
Meinung: Bei der Betrachtung kann man gleich mit dem Cover starten. In dem Buch werden bei den Abbildungen verschiedene Stationen, die die Stuttgarter Straßenbahnen betreffen, durchlaufen, unter anderen Haltestellen, Werkstatt und Büros. Durch dies ist es sehr abwechslungsreich. Auch kann hier ein Spiel bspw. daraus gemacht werden, dass einige Dinge/Personen sich wiederholen und man sie gemeinsam sucht (Papagei, Fotograf etc.). Ich finde, dass dies ein gelungenes Wimmelbuch ist, bei dem es einiges zu entdecken gibt, gleichzeitig nimmt das Kind nebenbei mit, was bei den Bahnen alles nebenbei eine Rolle spielt und dazugehört.
- Pierre Caillou
Mein blinkendes Soundbuch – In der Stadt
(2)Aktuelle Rezension von: gaby2707Unser kleiner Enkel liebt Bücher, die Geräusche von sich geben über alles. So haben wir uns sehr gefreut, als „Mein blinkendes Soundbuch – In der Stadt“ von Pierre Caillou aus dem arsEdition Verlag bei uns eingetroffen ist. „Im Einsatz“ aus der gleichen Reihe steht schon in unserem Enkel-Bücherregal.
Neben der Müllabfuhr, die mit einer Kehrmaschine frühmorgens die Straßen sauber macht, gibt es noch einem Motorrad, der ein Mädchen mit Hund über den Zebrastreifen gehen lässt; die Polizei, die zu einem Unfall kommt; eine Straßenbahn, die durch die Straßen rattert und den Schülerlotsen, der die Kinder sicher über den Zebrastreifen leitet. Sie alle lernen wir bei ihrem Einsatz kennen.
Auf jeder Seite gibt es eine kleine Geschichte, die erzählt, was wir hier gerade erleben. Nachdem ich auf der Rückseite des Buches beim Batteriefach den Sound eingeschaltet habe, kann´s auch schon los gehen. Auf jeder Seite befindet sich ein kleiner verdeckter Soundchip, den unser Jüngster sofort entdeckt und aktiviert hat. Ein Licht an unterschiedlichen Stellen beginnt zu blinken und die verschiedensten Geräusche, die toll auf das jeweilige Bild und auch auf kleine Kinderohren abgestimmt sind, legen los.
Ein tolles Kinderbuch mit dicken abwaschbaren Seiten und abgerundeten Ecken, das kleinen Kinderhänden nichts übel nimmt und das immer wieder angeschaut und angehört wird.
- Stefan Slupetzky
Die Rückkehr des Lemming
(8)Aktuelle Rezension von: ulrikerabeTheo Ptak ist Tramwayfahrer in Wien. Jeden Tag lenkt er den D-Wagen vom Hauptbahnhof nach Nussdorf und wieder zurück. Doch plötzlich ändert sich der alltägliche Trott. Denn die junge Frau, die jeden Morgen bei der Augasse einsteigt, die scheinbar Unscheinbare, wie Theo sie nennt, hat ihn komplett verzaubert. Völlig von den Schienen ist Theo, als er eines Morgens beobachtet, wie die heimlich Angebetete gegen ihren Willen in ein Auto gezerrt wird. Theo besinnt sich an den angeheirateten weitschichtigen Onkel Leopold, der ja einmal bei der Kripo Wien war. So macht er sich auf, zum Onkel Poldi, der kein geringerer ist als Leopold Wallisch, Ex-Kieberer, nun Nachtwächter im Tiergarten Schönbrunn, der Lemming.
Er ist wieder zurück der Lemming. Nur ungern und sehr zögerlich lässt er sich auf eine Rückkehr ins alte Metier ein. Gemeinsam mit Chefexperten, hoppla, Chefinspektor Polivka begibt er sich auf die Suche nach den Entführern und stoßen auf einen Toten. Als die Opfer immer mehr und die Verdächtigen immer weniger mehr werden, begeben sich der Lemming und Polivka auf einen Roadtrip der besonderen Art.
„Die Rückkehr des Lemming“ ist der fünfte Band um den schrägen Leopold Wallisch, bekannt als der Lemming. Der Wiener Autor und Musiker Stefan Slupetzky hat da schon einen besonderen Kultcharakter entworfen. Der Kriminalfall wird fast zur Nebensache, wenn Slupetzky mit Worten spielt, Reime schüttelt, das Image des morbiden Wien pflegt. Dass Slupetzky aber auch ein begnadeter Geschichtenerzähler ist, beweist er mit dem Nebenstrang, der uns in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges führt und die Palette der schrägen Vögel (neben Lemming und Polivka) bereichert.
Der Wiener Krimi lebt von seinen herrlich skurrilen Figuren, dem wunderbaren Wortgeplänkel. Unter der Oberfläche des bisweilen brachialen Witzes schlummern aber oft ganz kleine feine Spitzen.
Vielleicht muss man WienerIn sein, um dieses Buch zu verstehen. Ich jedenfalls liebe es von Herzen.
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