Bücher mit dem Tag "sudetenland"
9 Bücher
- Brigitte Riebe
Marlenes Geheimnis
(151)Aktuelle Rezension von: rapoedDie Autorin schafft es mit ihren Büchern immer wieder tiefe Spuren bei mir zu hinterlassen, so auch wieder mit dieser bewegenden Familiengeschichte.
Als Nane zur Beerdigung ihrer Großmutter Eva an der Ort ihrer glücklichen Kindheit zurück kommt, ahnt sie nicht, dass sich auch in ihrem zukünftigen Leben etwas gravierend verändern muss. Hier in Rickenbach, am wunderschönen Bodensee hat sie sich immer wohlgefühlt und bedauert zutiefst, dass sie sich die letzten Jahre so wenig um ihre Großmutter gekümmert hat. Von Marlene, der Schwester ihrer Mutter erhält sie einen Brief und Aufzeichnungen ihrer Oma, diese Aufzeichnungen haben es in sich, und haben auch mich emotional aufgewühlt. Nach und nach erfahren wir in Rückblenden, was Eva und Marlene in längst vergangen Zeit, der Zeit des 2. Weltkrieges und der erfolgten Vertreibung aus dem Sudetenland, auf kilometerlangen Flucht alles durchstehen mussten. Das ist so bewegend, berührend, geht tief unter die Haut. Steht die Geschichte doch für unzählig erfahrenes Leid und macht deutlich was es heißt, von heute auf morgen alles zu verlieren, Vertriebene, Flüchtlinge zu sein. Der tägliche Kampf ums nackte Überleben. Hunger, Elend, Erniedrigungen, Ablehnung, schutzlos zu sein. Mit aller Kraft kämpft Eva mit klein Marlene um einen neuen Anfang am Bodensee. Ein Heimatgefühl kann neu entstehen, es ist nicht zwangsläufig da wo man geboren wurde. Integriertät, Anerkennung, berufliche und persönliche Verwirklichung, voneinander lernen und tief empfundene Liebe, helfen sich in einer neuen Umgebung wohl zu fühlen, lassen neue Wurzeln wachsen.
Brigitte Riebe hat uns mit diesem außerordentlich starken Roman all das näher gebracht. Öffen wir die Augen und unsere Arme auch für all die Menschen, die vor ungewollten Krieg fliehen müssen, zeigen wir Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft. Gemeinsam können wir etwas bewegen. Jeder Mensch hat es verdient glücklich zu sein, ganz gleich wo er eine neue Heimat findet.
Für mich war diese Geschichte äußerst tiefgreifend, authentisch, gut recherchiert, nachwirkend und sie wird mir im Gedächtnis bleiben.
Für mich war es ein ausgesprochen bewegendes und tiefgründiges LeseHighlight. - Robert Harris
München
(84)Aktuelle Rezension von: MarcsbuechereckeRobert Harris und mich verbindet eine seltsame Beziehung. Nachdem ich vor Ewigkeiten ein Buch von ihm gelesen hatte (Ghost), war ich ihm irgendwie verfallen und war mir bei jedem Buch, welches ich danach von ihm in die Hand bekommen habe sicher, dass ich es lesen muss. Gemacht habe ich es irgendwie nie.
München lag dann auch irgendwie Ewigkeiten in meinem Regal rum, bis ich es dann vor einiger Zeit einfach spontan in die Hand genommen habe.
Harris' Schreibstil hat es auch hier geschafft, mich sofort in seinen Bann zu ziehen - er hat eine Eigenart an sich, wie ich sie bisher selten erlebt habe. Harris gelingt es innerhalb von zwei Sätzen mich vollkommen in seine Geschichte zu packen - und das obwohl die Geschichte selber nicht wirklich packen kann.
Wie so oft bei Harris' Werken mit historischem Bezug verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität hier sehr gekonnt und sorgen zusätzlich für einen Spannungsbogen innerhalb des Spannungsbogens. Zumindest bei mir, weil man nie genau weiß, wann der nächste Grenzüberschritt kommt
Leider war es das dann auch schon mit den positiven Sachen an dem Buch. Die Geschichte plätschert so vor sich hin, die Charaktere sind relativ flach und das Ende bzw. das Setzen des Endpunktes innerhalb der realen Geschichte haben mich nicht überzeugen können. Dennoch hat gerade der Schreibstil dafür gesorgt, dass ich mir noch einige andere Bücher von ihm anschaffen werde.
Fazit:
Ein Thriller, der durchaus seine Stärken - vor allem im realen Setting - hat, leider aber auch einige Schwächen hatte. Im Großen und Ganzen halten sich die Punkte die Waage. Kurz: ein klassisches "Standard-Buch".
- Gabriele Sonnberger
Abschied von der Heimat
(29)Aktuelle Rezension von: eva_caro_seidelDie fünfjährige Erika wird von ihren Eltern zur Tante nach Böhmen geschickt, ein schreckliches Schicksal, zumal die Kleine ihre Mutter sehr vermisst. Dass wir die Gedanken einer Fünfjährigen klar strukturiert präsentiert bekommen, ist nicht ganz überzeugend, die weiteren Ereignisse, die aus Sicht der heranwachsenden Erika gezeigt werden, schon.
Eine ganz unsympathische Figur ist Coele, der Erikas Leben maßgeblich prägt und später als überzeugter Nazi noch mehr Unheil stiftet als in seiner Jugendzeit.
Erika gewinnt ihre strenge, unnachgiebige Tante lieb. Nicht nachvollziehbar ist, dass Erika bei einem Treffen mit der Mutter wieder bei der Tante bleiben muss, obwohl die Mutter eigentlich geplant hatte, Erika zur Familie heimkehren zu lassen. Die Mutter, die sich gegenüber der Tante nicht durchsetzen kann, obwohl es um ihr eigenes Kind geht? Schwer zu glauben.
Ansonsten gewinnt man einen sehr guten Eindruck von Erikas Leben in Hohenfurth, die Geschichte fesselt einen. Erikas mutiger Einsatz für den Widerstand ist bewundernswert und sorgt für Spannung.
Insgesamt - trotz winziger Schwächen - eine klare Leseempfehlung.
- Doris Jannausch
Als hätten die Engel im Sande gespielt
(1)Aktuelle Rezension von: AMCLiestEines meiner absoluten Lieblingsbücher, das ich mehr wie einmal gelesen habe und da ich jetzt die Fortsetzungen gefunden habe, musste ich von Beginn die gesamte Triologie von Doris Jannausch lesen.
Das Mädchen Franziska wird 1925 in Teplitz im Sudeteland geboren und träumt von frühester Kindheit an, Schauspielerin zu werden. In diesen schwierigen Zeiten bleibt sie gänzlich unpolitisch und auch irgendwie egoistisch, um sich ihren Traum zu erfüllen. Dafür lernt sie hartnäckig und ehrgeizig. Auf ihrem Weg zu ihrer Bestimmung wird sie von ihrer bestimmenden Mutter, ihrem weichen Vater, ihrer hilfsbereiten Verwandtschaft und von verschiedenen Freundschaften mit Mädchen als auch mit Burschen geprägt.
Doris Jannausch schreibt mit leichter Hand das Leben und das Umfeld Franziskas, detailreich , psychologisch gut fundiert und hält sich dabei an die historischen Fakten, ohne dabei belehrend oder streng zu wirken. Daher fällt für mich dieser Roman eher unter den Begriff Unterhaltungsliteratur als Historische Romane, auch wenn die Geschichte des Sudetenlandes genau dargestellt wird.
- Franz Kurowski
Feldwebel Kurt Knispel
(1)Aktuelle Rezension von: AngelsammyBitte das angehängte Bild beachten.
Kurt Knispel ist am 20.09.1921 in Salisfeld, Zuckmantel geboren. Im Sudetenland.
Er war ein Panzerkommandant im Zweiten Weltkrieg. Am 15. Mai 1940 wurde er zur 4. Kompanie der Panzerersatz- und Ausbildungsabteilung 15 in Sagan einberufen. Im Anschluss an die Grundausbildung bildete man ihn zum Richtschützen für Panzer aus. Im November 1940 erfolgte die Versetzung in die 3./ Panzerregiment 29,
das der 12. Panzer-Division unterstellt war. Dort wurde er zum Lade- und Richtschützen eines Panzer IV ausgebildet.
Als Angehöriger einer Panzer-IV-Besatzung nahm Knispel mit der 12. Panzer-Division ab dem 22. Juni 1941 am Russlandfeldzug teil. Zunächst war die Division der Heeresgruppe Mitte zugeteilt (Kesselschlachten von Minsk und Smolensk), ab September dann der Heeresgruppe Nord, um den Angriff auf Leningrad zu unterstützen. Während der sowjetischen Gegenoffensive im Winter 1941/42 erlitt die Division schwere Verluste und wurde zur Auffrischung nach Estland abgezogen. Im Verlauf der Abwehrkämpfe gelang es Knispel, Panzer, Lastwagen und Geschütze in größerer Stückzahl auszuschalten.
Im Mai 1942 wurde Knispels Einheit zurück nach Deutschland verlegt und dort mit dem neuen Panzer IV F2 ausgerüstet. Die Einheit wurde der 3. Abteilung des Panzer-Regiments 4 der 13. Panzer-Division unterstellt. Mit dieser nahm Knispel ab August an der deutschen Sommeroffensive Fall Blau teil. Für seine Erfolge (u. a. Zerstörung von 12 feindlichen Panzern) wurde er zum Unteroffizier befördert und mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Wegen einer Erkrankung war er ab dem 19. November 1942 in einem Feldlazarett bei Naltschik in Behandlung.
Nach dem Lazarettaufenthalt absolvierte er einen Lehrgang für den neuen Panzerkampfwagen VI Tiger. Ab April 1943 unterstand er der 1. Kompanie der Schweren Panzer-Abteilung 503. Für die Zerstörung von 27 feindlichen Panzern im Rahmen des Unternehmens Zitadelle erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse. Am 20. Mai 1944 wurde ihm das Deutsche Kreuz in Gold verliehen.
Ab Juni 1944 kommandierte Knispel einen Panzerkampfwagen VI Tiger II, mit dem er im Sommer des Jahres an der Westfront gegen die in der Normandie gelandeten Alliierten eingesetzt wurde. Nach einer Auffrischung in Deutschland wurde die Schwere Panzer-Abteilung 503 Anfang Oktober 1944 nach Ungarn verlegt, wo sie gegen die Debrecener Operation eingesetzt wurde.
Einen Tag nach der Beförderung zum Feldwebel erlitt Knispel am 28. April 1945 durch einen Granatsplitter eine schwere Kopfverletzung, als sein Tiger II beim Kampf mit sowjetischen Panzern getroffen wurde und die mitgeführte Munition explodierte. Er starb zwei Stunden später im Lazarett.
Knispel wurden insgesamt 168 Abschüsse feindlicher Panzer zugerechnet, davon 126 als Richtschütze und 42 als Panzerkommandant. Dies gilt als die höchste Anzahl von Abschüssen durch einen Soldaten während des Zweiten Weltkrieges. Weitere 30 Abschüsse sind unbestätigt. Eine ähnlich hohe Abschusszahl erreichten nur die deutschen „Panzerasse“ Michael Wittmann und Otto Carius.
Im Jahre 2012 identifizierte eine Gruppe von tschechischen Enthusiasten den Ort von Knispels Beisetzung im Dorf Vrbovec. Am 9. April 2013 entdeckten Archäologen des Mährischen Landesmuseums die Überreste von Knispel und anderen 21 deutschen Soldaten in einer Feldbegräbnisstätte. Am 12. November 2014 wurden von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge seine sterblichen Überreste im deutschen Soldatenfriedhof des Zentralfriedhofs Brünn beigesetzt. ( Quelle: das Buch selbst und Wikipedia).
Das Außergewöhnliche an ihm war, dass er absolut unkonventionell war. Ihm war die Ideologie der Nazis absolut fremd.
Er hatte sich sogar einmal mit einem SSler geprügelt, als dieser einen Gefangenen misshandelt hatte. Er legte auch keinen großen Wert auf "militärisch korrektes Aussehen", was ihn bei all der Zucht und Ordnung umso bemerkenswerter ist.
Deswegen eckte er auch bei der ihm verhassten Obrigkeit an und machte auch keine "nennenswerte Karriere". Tragisch, dass er bereits im Alter von 23 Jahren infolge solch eines Wahnsinns einen derart sinnlosen Tod erleiden musste.
Das Buch ist zwar kurz, mit 160 Seiten, aber sehr anschaulich und aussagekräftig geschrieben. Mit Fotos und Informationen. Kurt Knispel ist mir sympathisch, weil er eben so Anti war, für was das Dritte Reich ansonsten so stand.
- Gabriele Sonnberger
Aufbruch voller Sehnsucht
(18)Aktuelle Rezension von: NadyErika und ihre Tante sind, nachdem sie aus Böhmen vertrieben wurden, mittellos und völlig ausgelaugt in Wien angekommen. Gott sei Dank können sie bei Verwandten unterkommen, da die „Ausländer“ in Wien natürlich nicht mit offenen Armen aufgenommen werden.
Doch Erika gibt nicht auf und versucht einen geeigneten Job zu finden, denn sie möchte auch jetzt ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben. Als sie Erich kennenlernt ist es für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch Erich ist mit Erikas Freiheitsdrang nicht unbedingt einverstanden.Leider konnte mich der 2. Band dieser Trilogie nicht ganz so sehr mittreißen. Ich fand es zwischendurch sehr langweilig und die Seiten zogen sich nur so dahin. Klar habe ich mich darüber gefreut, den weiteren Weg von Erika und ihrer Tante Mimi zu verfolgen, aber für mich war dieser Teil eher unspektakulär.
Er bekommt von mir 3 von 5 Sterne und ich kann noch nicht sagen, ob ich diese Familiensaga weiterverfolgen werde. - Josefine Blom
Unter einem anderen Himmel
(37)Aktuelle Rezension von: krasuEin sehr berührender Roman, den ich nicht wieder aus der Hand legen konnte. Sympathische Charaktere, eine wundervolle Geschichte in zwei Zeitebenen, die sich perfekt ergänzen .... ich habe mitgelebt, mitgeliebt und mitgelitten (und einige Taschentücher verbraucht). Danke für dieses tolle Buch!
- Bettina Flitner
Meine Mutter
(82)Aktuelle Rezension von: BriVorab eine kleine Warnung – die folgende Besprechung setzt sich mit der Verarbeitung von Selbstmord und Depression auseinander.
Man nenne es Zufall oder Fügung, im Grunde ist es müßig zu hinterfragen, weshalb Bettina Flitner gerade als die letzten Termine ihrer Lesereise zu Ihrem Buch über ihre Schwester, deren Selbstmord und das gemeinsame Aufwachsen, anstehen, ein Brief erreicht, der an ihre Mutter adressiert ist. Eigentlich hätte der Brief sie niemals erreichen dürfen.
Senn Flitner ist nicht mehr oft in Celle und ihre Mutter nahm sich Mitte der 80er Jahre bereits das Leben. Und doch kommt dieser Brief an und zwingt sie geradezu, sich nun auch mit dem Tod der Mutter, den sie so lange Jahre bereits verdrängt hat, auseinanderzusetzen. Wie schon bei ihrem ersten Buch, begibt sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Doch dieses Mal versucht sie zu ergründen, woher dieser familiäre Drang der Selbsttötung kommen mag, um aufkeimende Zweifel am eigenen Empfinden zu zerstreuen.
Natürlich macht es einem Angst, wenn die Reihe der Familienmitglieder, die sich selbst das Leben nahmen, immer länger wird. In Flitners Familie sind es zahlreiche nahe und nähere Verwandte, die keinen anderen Ausweg mehr sahen und so fragt sich die Autorin, ob diese Ausweglosigkeit auch sie einst ereilen könnte. Der Selbstmord der Schwester hat sie tief getroffen, bildeten sie doch in ihrer Kindheit eine Einheit, die gegen jegliches Unbill von außen Schutz bot, der dringend nötig war. Doch im Erwachsenenalter zerfaserte das starke Band, das sie einst verband, bis es sich komplett auflöste.
Flitner setzt sich intensiv mit ihrer Familiengeschichte auseinander, die, wie alle Familiengeschichten, Lücken und nicht nachprüfbare Narrative enthält. Sie kann dabei auf diverse Tagebücher und Aufzeichnungen naher Verwandter zurückgreifen – ein Glücksfall gerade mit Blick auf die deutsche Vergangenheit. Mütterlicherseits erzählt diese Geschichte zwar von Tatendrang, Aufbauwillen und Gemeinschaftssinn, doch gleichzeitig brennt sich von außen unentrinn- und unveränderbar zweimal aufgrund der rasch aufeinander folgenden zwei Weltkriege, großes Leid in das Familiengefüge.
Flitner reist sogar an den Ort, an dem ihr Urgroßvater ein Sanatorium aufgebaut hatte, das ihr Großvater mit ihrer Großmutter weiter betrieb und wo ihre Mutter in zauberhafter Landschaft aufwuchs. Wölflesgrund liegt heute auf polnischem Gebiet und wirkt in Flitners Beschreibungen wie die Blaupause zu Thomas Manns Zauberberg. Die Nacherzählung der Zeit, in der die Familie noch dort ansässig war, zog die Leserin komplett in ihren Bann. Atmosphäre und Gegend waren nahezu greifbar.
Flitners Mutter Gisela muss mit ihrer Familie den geliebten Ort, an dem sie trotz des zweiten Weltkriegs eine doch recht freie und umsorgte Kindheit verbracht hatte, 1946 verlassen. Die gesamte Familie kommt zunächst bei einer „Freundin“ der Familie in sehr beengten Verhältnissen in Celle unter. Flitners Großvater ist Mediziner und kann die Familie damit auch hier rasch über Wasser halten. Die Freundin jedoch ist, das spürt seine Tochter Gisela schon lange, mehr als nur eine platonische Freundin. Mehrfach hat sie bereits versucht, die häufigen Besuche und gemeinsamen Urlaube zu unterminieren. Oft mit Erfolg, doch der Vater hält an der offensichtlich doch engeren Beziehung fest, während seine Ehefrau dankbar für Giselas Intervention ist.
Dieses familiäre Spannungsverhältnis erlebt später auch Flitner selbst in ihrer Kernfamilie. Der Versuch, eindeutige Hinweise auf auslösende Momente für das, was sie bei ihrer Mutter als „Einfrieren“ wahrnimmt, zu finden, gelingt nicht ganz. Denn was bei den vielen Dokumenten fehlt, die Flitner durchforsten konnte, ist die Stimme Giselas selbst.
Aber genau das charakterisiert so viele Frauen dieser Generation, die als Kinder schon furchtbares erlebt haben, sich immer danach orientieren mussten, zu überleben und sich eben anpassten. Ihre eigene Stimme finden konnten nur die wenigsten. Deutlich arbeitet Flitner das zwischen den Zeilen heraus. Dabei hat sie hier nicht nur versucht, ihre eigenen Ängste einzuordnen oder beruhigen, sondern hat ihrer Mutter gegenüber letztendlich ein Versprechen eingelöst. Ihrer Mutter, die trotz der eigenen Schwierigkeiten, zu sich zu finden, für sich selbst einstehen zu können, ihre Tochter ermutigt hat, anders zu leben. Auch wenn es nicht den Anschein haben mochte.
Das Versprechen, alles zu notieren, alles aufzuzeichnen hätte nicht liebevoller erfüllt werden können.
- F. Dörr-W. Kerl-Osmipreß GmbH
Ostdeutschland und die deutschen Siedlungsgebiete in Ost- und Südeuropa in Karte, Bild und Wort
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