Bücher mit dem Tag "südamerika"
213 Bücher
- Daniel Kehlmann
Die Vermessung der Welt
(3.454)Aktuelle Rezension von: JosseleDer sehr erfolgreiche Roman von Daniel Kehlmann über die Lebensgeschichten des Mathematikers Carl Friedrich Gaus und des Naturforschers Alexander von Humboldt erschien 2005. Es handelt sich offensichtlich um eine Mischung zwischen historisch realer und fiktiver Handlung. Im ersten Kapitel erhält Gauß eine Einladung von Humboldt nach Berlin und macht sich auf die Reise. In den folgenden Kapiteln wird die teils fiktive Lebensgeschichte der beiden Wissenschaftler abwechselnd und episodenweise erzählt. Manches bleibt dabei ungeklärt, z.B. wie Humboldt und sein Begleiter sich von der Insel im Orinoko retten können, nachdem ihr Boot abgetrieben ist. Das wirkt unvollständig und ein wenig beliebig.
Die Erzählweise ist durchweg ironisch und teilweise schwarzhumorig, die beiden Wissenschaftler erscheinen geradezu kindlich bzw. kindisch in ihrem Streben nach Erkenntnis. Das ist zwar ganz lustig, mehr aber auch nicht. Es wird den beiden Hochkarätern in jedem Fall aus meiner Sicht nicht wirklich gerecht.
Dem Buch fehlt aus meiner Sicht auch ein roter Faden respektive ein innerer Zusammenhang. Zwar sind die Kapitel teilweise chronologisch erzählt, aber dazwischen befinden sich mitunter große Zeitsprünge, so dass die Kapitel einzeln für sich allein stehen, mit nur marginalem Bezug zueinander. Aus meiner Sicht wirkt das eher wie ein Manuskript oder ein Entwurf, der noch an einigen Stellen der Ergänzung bedarf, denn wie ein fertiges Buch.
Insgesamt bin ich von dem Buch daher eher enttäuscht als angetan, was vielleicht auch an den übergroßen Erwartungen liegen kann, die ich nach all den zahlreichen Lobpreisungen der Literaturwelt daran hatte. Zwei Sterne.
- Lucinda Riley
Die sieben Schwestern
(1.331)Aktuelle Rezension von: Renate1964Lucinda Riley lässt sich in dieser Geschichte von der Mythologie inspirieren und erzählt die Biografien von sieben Schwestern, die von Pa Salt aus unterschiedlichen Erdteilen adoptiert worden sind. Ich finde die Idee interessant und mir gefällt auch der Bezug zur Vergangenheit. Freilich ist viel vorhersehbar und es ist leicht zu lesen, aber ich habe mich gut unterhalten
- Jorge Bucay
Komm, ich erzähl dir eine Geschichte
(333)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannBekanntlich sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Ähnliches gilt wohl für gute Geschichten – zumindest, wenn diese, wie hier geschehen, gut, das heißt passend, erzählt werden. Passend im Sinne von erhellend bzw. auf den Punkt bringend. Es sind allesamt Geschichte mit einem „Aha-Effekt“ (oder: so habe ich das ja noch gar nicht gesehen), eingebettet in einen therapeutischen Prozess. Und in diesem Sinne sowohl erklärend als auch zielführend eingesetzt.
Geschichten bewegen die Menschen seit Genrationen. Man könnte auch sagen: Menschen haben sich mit ihren Geschichten zu dem entwickelt, was sie heute sind. Diese Geschichten erfüllen einen gewissen Qualitätsanspruch, sonst wären sie nicht immer wieder (weiter-)erzählt worden.
Es sind Geschichten, die die menschlichen Tiefen ausloten, zum Nachdenken und teilweise auch zum Schmunzeln anregen. Mit anderen Worten: Sie sind emotionsgeladen sowohl im Sinne von Nachhaltigkeit (wie könnte man die Geschichte des an einen kleinen Pflock festgebundenen Elefanten jemals wieder vergessen?) als auch im Sinne von Wirksamkeit. Man wird nicht umhinkommen, seine eigene Geschichte in diesen „Märchen aus aller Welt, Sufi-Gleichnissen, Zen-Weisheiten, antiken Sagen [sowie] selbst-Erfundenes“ einzubinden.
Dabei wechseln meist kürzere Dialoge zwischen dem Therapeuten Jorge (wahlweise „der Dicke“) und seinem Patienten/Klienten, dem Studenten Demian, und einer dazu passenden Geschichte ab. Unterstützt wird dieser Prozess durch eine oft zweifelnde Nachdenklichkeit der hilfesuchenden Person. Dieses Wechselspiel ist von einer enormen Intensität, der man sich kaum entziehen kann: “‘Eine Fabel, ein Märchen oder eine Anekdote‘ bekräftigte Jorge, ‚kann man sich hundertmal besser merken als tausend theoretische Erklärungen, psychoanalytische Interpretationen oder formale Lösungsvorschläge.“
Sichtbar wird allerdings auch, wie wichtig ein gutes Therapeuten-Klienten/Patienten-Verhältnis für einen gelingenden therapeutischen Prozess ist: „Der Dicke lächelte und setzte die Miene des verständnisvollen Großvaters auf, die ich bisweilen als ‚wie blöd bist du eigentlich, mein Lieber‘ interpretierte und ansonsten wie eine riesige Umarmung empfand, die besagte, ‚ich bin ja da‘ oder ‚alles ist gut‘.“
Man kann dieses Buch nur weiterempfehlen, nicht nur wegen der hier erzählten Geschichten, sondern auch wegen der besonderen Beziehungsgestaltung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten, die man sich ähnlich auch im nicht-therapeutischen Rahmen wünschen würde.
(3.7.2021)
- Gabriel García Márquez
Hundert Jahre Einsamkeit
(573)Aktuelle Rezension von: NikoVoss»Hundert Jahre Einsamkeit« ist für mich ein ambivalentes Buch.
Der Anfang hat mich wirklich beeindruckt: die Figuren, die gesellschaftlichen Beobachtungen, die fantastischen Elemente wie Zirkus und Zauberer – das war stark und originell. Márquez hat ein Talent, Stimmungen einzufangen, und das spürt man sofort.
Aber je weiter ich gelesen habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass er mit aller Gewalt möglichst viel Handlung in dieses Werk pressen wollte. Wahrscheinlich auch als Gegenreaktion auf die damalige Kritik an „zu flachen“ Romanen. Hier wird wirklich jede Seite genutzt, um Handlung voranzutreiben – bis ins Extreme. Für mich führte das dazu, dass sich vieles wiederholt und im Kreis dreht.
Etwa bei 70–80 % habe ich abgebrochen, weil es mir zu monoton wurde: immer wieder dasselbe Muster, immer wieder neue Figuren, die sich ähnlich verhalten. Schade, denn der Beginn war stark. Für mich gehört „Hundert Jahre Einsamkeit“, trotz des riesigen Lobes, eher zu den schwächeren Werken von Márquez. Deshalb nur 3 Sterne.
- Max Frisch
Homo faber
(3.289)Aktuelle Rezension von: Jiko_TunaEin Klassiker, der Eindruck hinterlässt - vielleicht auch keinen guten :-). Das Buch hat den Mut einen unsympathischen Hauptprotagonisten zu haben, dessen Verhalten man (nach Nachdenken) nachvollziehen kann aber nicht nachahmen möchte. Wenn man leichte Unterhaltung möchte sicher nicht geeignet. Es thematisiert schwierige Tabu-Themen ohne moralisch sein zu wollen. Ein Buch seiner Zeit, könnte aber auch in der heutigen Zeit Relevanz haben kann (man redet halt nicht darüber).
Ich wollte es unbedingt fertig lesen, um zu wissen wohin die Handlung geht und endet. Es ist ein kurzes Buch und daher nicht sehr zeitaufwändig. Mich hat es erst später zum Nachdenken angeregt als ich indirekt mit dem offensichtlichen Hauptthema betroffen war.
Empfehlen kann ich das Buch, wenn man gerne Bücher liest, die den Zeitgeist bestimmter Epochen widerspiegeln. Ich mag etwas skurrile und morbide Bücher, daher hat es mir gefallen.
- Isabel Ibañez
What the River Knows (Geheimnisse des Nil 1)
(306)Aktuelle Rezension von: Roman-TippsBei “Geheimnisse des Nil – What the River knows” von Isabel Ibanez, dem 1. Band einer Dilogie, war ich lange am Hin und Her überlegen, ob ich es lese oder lieber nicht. Das unglaublich schöne Cover, der schöne Buchschnitt und die Vorfreude auf einen Fantasy-Roman, der in Ägypten spielt, entfachten zwar meine Neugierde, aber ein Teil des Klappentextes schreckte mich ab – nämlich der Hinweis, dass die Protaginistin auf “einen gutaussehenden” Charakter trifft. Ich hatte die Befürchtung, dass das ganze Buch über eine belanglose, unverständliche und oberflächliche Liebesgeschichte im Vordergrund stehen würde. Doch ich muss sagen, dass die Autorin mich mehr als positiv überraschen konnte. Und dass dieses Lese-Abenteuer es schaffen konnte, mein Herz zum Schlagen zu bringen, und zu meinem Jahres-Buchhighlight 2025 wurde.
In “Geheminisse des Nil – What the River knows”, welches 1884 spielt, dreht es sich um Inez Olivera, die vom mysteriösen Tod ihrer Eltern in Ägypten erfährt und daraufhin kurz entschlossen sich alleine auf den weiten Weg nach Ägypten begibt, um mehr darüber zu erfahren. Dort hofft sie Antworten von ihrem Onkel Ricardo zu bekommen, welcher mit ihren Eltern zusammen bei archäologischen Ausgrabungen gearbeitet hatte. Doch anstelle von Antworten, häufen sich nur neue Fragen.
Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen Perspektiven in Form des Ich-Erzählers erzählt. Zum einen aus der Sicht von Inez Olivera, zum anderen aus der Sicht von Whitford Hayes, dem “Assistenten” von Ricardo – beide sehr tiefgründige Charaktere. Inez fand ich von Anfang an sehr sympathisch. Sie ist beharrlich – wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, macht sie es auch -, risikofreudig und ideenreich, aber leider auch sehr vertrauensselig. Ganz alleine ist sie mit einer List nach Ägypten aufgebrochen, um herauszfinden, wie ihre Eltern gestorben sind. Es gab nicht selten Situationen, in welchen sie mit diesem Einfallsreichtum glänzt und die Handlung in ungeahnte und abenteuerliche Bahnen lenkt und so manchen erstaunlichen Ausweg aus Schwierigkeiten findet. Was Whit betrifft, so ist er ein Charakter, der zwar anfangs relativ unsympathisch wirkte, aber schnell meine Neugier wecken konnte. Er ist zwar zynisch, in sich gekehrt, schottet seine Gefühle für die Außenwelt ab und hat ein dunkles Geheimnis sowie ein anscheinend unerschöpfliches Reservoir an Waffen und Charme – ein wahrer Abenteurer -, aber es gibt immer mal wieder Momente, wo sich zeigt, dass er ein loyaler Freund ist, auf den man sich in einer lebensbedrohlichen Situation absolut verlassen kann. Und der humorvolle und krasse Schlagabtausch zwischen Inez und Whit ist ja mal einmalig gut!
Neben den beiden gibt es natürlich auch noch weitere Charaktere, wie z. B. Inez’ Onkel Ricardo, der ihr anscheinend so einiges verschweigt, oder dessen Geschäftspartner Abdullah sowie die beiden mysteriösen Charaktere, die von Ricardo zur Sicherung der Ausgrabungsstätte angeheuert wurden. Allerdings erschienen diese ein bisschen blass. Dass hier jedoch jeder Charakter ein Geheimnis hat, verlieh der gesamten Handlung eine schöne Krimi-Note. Und über allem die Frage: Könnte einer von ihnen etwas mit dem Verschwinden ihrer Eltern zu tun haben? Was ist wirklich passiert? In Ägypten kommen Inez jedoch nur immer mehr Fragen, als dass sie Antworten auf diese bekommt. Und ohne es zu ahnen gerät sie in einen gefährlichen und tödlichen Konflikt.
Die Handlung fand ich total spannend, sodass die Seiten nur so dahinflogen und ich es kaum erwarten konnte weiterzulesen. Es gab Momente mit Nervenkitzel, Herzklopfen und Spannung, aber auch Humor. Am Ende wartete ein recht actionreicher Showdown – und ein krasser Cliffhanger. Eine “Liebesgeschichte” ist zwar am Rande vorhanden, aber ich fand diese emotional und nachvollziehbar erzählt, sodass ich auch hiervon mitgerissen werden konnte. Außerdem hat die Autorin hier auch eine wahnsinnig schöne Atmosphäre geschaffen und ein buntes und abenteuerliches Ägypten vor meinen Augen entstehen lassen. Magie ist hier bis zu einem gewissen Maß eingebunden.
Isabel Ibanez’ Schreibstil ist ganz großartig – locker und amüsant. Sie schafft es selbst in den aufregendsten Momenten eine Prise Humor mit einzubringen. Nur sind die Dialoge nicht immer passend zu der Zeit, in welcher die Handlung spielt.
Negative Punkte: Einige Dinge liefen hier zu einfach. Des Weiteren kam es mir gegen Ende vor, als müsste die Handlung mal eben beschleunigt und damit überstürzt zu einem Abschluss gebracht werden, was ich sehr bedauerlich finde. Ein paar Dinge waren auch nicht so gut durchdacht. Der Showdown war ziemlich kurz, schnell und einfach gelöst. Und dann die Ungereimtheiten. So trifft Inez am Ende kurz entschlossen eine Entscheidung, die zu ihrem bisherigen Charakter nicht passt. Und dann (Achtung Spoiler!): Woher wusste Ricardo am Ende, wohin die beiden entführt wurden? Und warum fragte ihn das hinterher keiner? Nun ja.
Insgesamt konnte mich der Auftaktband jedoch begeistern und meine Vorfreude auf die Fortsetzung “Geheimnisse des Nil – Where the Library Hides”, welches ich gleich im Anschluss gelesen hatte, absolut steigern. ^^
Fazit:
Ein ganz wundervoller, atmosphärischer und historischer Fantasy-Krimi mit Nervenkitzel, emotionalen Momenten, Spannung, gefährlichen Abenteuern, vielen Geheimnissen und interessanten Charakteren. Und ein paar Kritikpunkten. Für mich ein ganz tolles Leseabenteuer, mit welchem ich viel Spaß hatte. Buchhighlight!
- Gabriel García Márquez
Die Liebe in den Zeiten der Cholera
(501)Aktuelle Rezension von: Steve91Marquez weltberühmter Liebesroman wurde 1985 veröffentlicht und beschreibt die Jahrzehnte währende Liebesgeschichte zwischen Florentino Ariza und Fermina Daza auf einer nicht näher genannten karibischen Hafenstadt um 1900. Während sich Ariza schon als Jugendlicher unsterblich in Daza verliebt, angefangen bei Liebesbriefen bis hin dazu, dass er auch in Erwachsenenjahren versucht, so viel wie möglich in ihrer Nähe zu sein, so heiratet Daza im Verlauf den wohlhabenden Arzt Juvenal Urbino. Dennoch hört Ariza nicht auf, Daza zu lieben und als Urbino stirbt, steht er, auch wenn mittlerweile über 50 Jahre vergangen sind, wieder auf Dazas Matte. Das ist auch der Zeitpunkt, an dem der Roman einsetzt.
In Rückblenden wird dann die Liebesgeschichte in all ihren Facetten erzählt: von der Schwärmerei in den jungen Erwachsenenjahren über vor allem Arizas Affären über den "sicheren Hafen" der Ehe zwischen Daza und Urbino mit all den Konventionen und alltäglichen Herausforderungen bis hin zur Zuneigung von Daza und Ariza im Alter.
Garcias Erzählstil ist dabei blumig und poetisch, es finden sich zahlreiche Wendungen und allgemeine Betrachtungen zum Leben selbst und zur Liebe. Die Charakterisierung der Figuren ist dabei ausführlich und teilweise extrem ausschweifend. Dies trifft auch auf die Beschreibungen der Handlungen und der Orte zu.
Marquez Buch ist ein Meisterwerk, aber um es zu lesen braucht man Durchhaltevermögen. Teilweise war es mir zu langatmig und entsprechend schwer zu lesen. Dennoch, empfehlenswert!
- Stefan Zweig
Die Welt von Gestern
(115)Aktuelle Rezension von: itwt69Das Leben des Autors und Künstlers von den späten 1880-ern bis 1939: Es ist kaum verwunderlich, dass sich Stefan Zweig nach diesem ereignisreichen und niederschmetternden Erfahrungen das Leben nahm, weil er es nicht mehr ertragen konnte, was in seiner Heimat verbrochen wurde. Ein ehrlicher und intimer Blick auf die Kunstszene der ersten 4 Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts liefert dieses Buche ebenso wie für mich neue Einblicke in die Psychologie der vom Krieg gebeutelten Menschen zwischen den Weltkriegen.
- Isabel Allende
Das Geisterhaus
(852)Aktuelle Rezension von: KlausEffing"Das Geisterhaus" von Isabel Allende: Manche Bücher entfalten ihre ganze Kraft erst beim zweiten Lesen – und genau so ging es mir mit "Das Geisterhaus". Der Roman ist aus dem Jahr 1982 und die 500 Seiten aktueller denn je. Erstmals las ich das Buch Anfange der 1990er Jahre.
Isabel Allendes Familienepos um Esteban Trueba und die starken Frauen in seinem Leben – Clara (seine Frau), Blanca (Tochter) und Alba (Enkelin) – hat mich diesmal noch tiefer bewegt, klüger gemacht (hoffentlich!) und teilweise sprachlos zurückgelassen.Allende erzählt von Liebe, Macht und Erinnerung – aber auch von der Geschichte eines Landes, das von politischen Spannungen und gesellschaftlichen Ungleichheiten geprägt ist. Sie verbindet das Private mit dem Politischen, das Reale mit dem Magischen, ohne je den Blick für das Menschliche zu verlieren.
Clara, die Träumerin, führt uns in eine Welt voller Geistigkeit und innerer Freiheit. Esteban, ihr Gegenpol, steht für Härte und Tradition – und verkörpert zugleich die zerstörerische Seite von Macht und Besitz. Zwischen beiden entspinnt sich ein Drama, das Generationen überspannt. Die Entwicklungen in Chile, das Aufkommen der Demokratie und die blutigen Umstürze werden gekoppelt mit der Familiengeschichte. Das Geisterhaus ist hierbei ein Mittelpunkt der Handlung.
Besonders berührt haben mich diese beiden Sätze: „Sie glaubte, dass man nur mit der Erinnerung dem Tod trotzen kann.“ und „Das Gedächtnis ist zerbrechlich, und die Erinnerungen verschwinden mit der Zeit, wie der Rauch des Rauchs.“ Diese Worte fassen das Herz des Romans zusammen: "Das Geisterhaus" ist eine Erzählung über das Erinnern, über die Spuren, die Liebe und Leid in Familien hinterlassen – und über den Versuch, aus Geschichte und Schmerz neue Hoffnung zu schöpfen.
Ein zeitloser, kluger und emotionaler Roman, der zeigt, wie eng persönliche und politische Schicksale verwoben sind.
Beim zweiten Lesen hat er mich noch mehr in seinen Bann gezogen – vielleicht, weil man heute stärker spürt, wie aktuell seine Themen geblieben sind. Ein Meisterwerk über Erinnerung, Mut und das Weiterleben der Geister in uns. - Mario Vargas Llosa
Das böse Mädchen
(228)Aktuelle Rezension von: KlausEffing**Das böse Mädchen** – Mario Vargas Llosa
Mario Vargas Llosa entführt uns in diesem faszinierenden Roman (Erscheinungsjahr 2006, knapp 400 Seiten) in die Welt von Ricardo und seiner lebenslangen Liebe für das "böse Mädchen." Diese rätselhafte Frau taucht immer wieder in Ricardos Leben auf, nur um ihn dann wieder zu verlassen – jedes Mal unter neuer Identität und mit einem geheimen Ziel. 🌍
Von den Straßen Limas über das Paris der 60er bis hin nach London und Tokio – der Roman ist fast eine Reise um die Welt und gleichzeitig eine Zeitreise durch politische und gesellschaftliche Umbrüche, von Revolutionen bis zum Kalten Krieg. Ricardo bleibt stets der naive Träumer, ein Übersetzer, der sich nach einem ruhigen Leben sehnt. Das böse Mädchen hingegen ist das Gegenteil: eine Frau voller Geheimnisse, ehrgeizig und bereit, für ihre Freiheit fast alles zu opfern.
Die Spannung zwischen beiden Figuren ist elektrisierend, mal romantisch und zart, dann wieder brutal und distanziert. Vargas Llosa zeigt meisterhaft die dunklen Seiten der Liebe und fragt, wie weit wir für unsere Sehnsüchte gehen würden. Dabei bringt er Erotik, Ironie und bittere Realität zusammen und schafft ein Porträt von Liebe, das sowohl verstörend als auch faszinierend ist.
Eine packende Lektüre über eine ungewöhnliche Liebe – für alle, die von Geschichten über Leidenschaft und die Macht der Sehnsucht nicht genug bekommen können - Meike Winnemuth
Das große Los
(256)Aktuelle Rezension von: schokobookMeike Winnemuth hatte 2010 bei Günther Jauch eine halbe Million Euro in der Sendung Wer wird Millionär gewonnen.
Was macht man mit 500.000 Euro? Meike packt ihren Koffer . Nicht in die Luxushotels Europas, sondern sie reist, ein Jahr lang und jeden Monat ein anderes Land und wohnt in airbnb. Alleine! Mit einem Koffer und nur das nötigste. Ihre Erlebnisse hält die Journalistin in einem Blog fest und per Mails an ihre Freunde und Bekannten. Am Ende stellt sie fest, dass sie das Geld nicht unbedingt brauchte, da sie ja weiter gearbeitet hatte, als Journalistin ist das sicher auch so machbar. Aber das Geld hat den Mut gegeben JETZT. Und ich finde das Buch ist inspirierend und das nochmals anders als Eat,Pray Love. Was sich für Möglichkeiten auf tun ist absolut interessant. Das Buch ist locker geschrieben. Hat immer mal wieder Bildmaterial und macht nachdenklich.
- Christopher Schacht
Mit 50 Euro um die Welt. Wie ich mit wenig in der Tasche loszog und als reicher Mensch zurückkam
(126)Aktuelle Rezension von: HopeandliveChristopher Schacht erfüllt sich nach seinem Abitur einen großen Traum, er will um die ganze Welt reisen. Nicht das ein solcher Traum für junge Menschen ungewöhnlich wäre, ich kenne kaum einen, den nach dem Abitur nicht das Reisefieber packt, doch Christopher reist auf eine ganz besondere Art und Weise, mit nur 50 Euro in der Tasche, seinem Rucksack und dem festen Willen, nicht mit dem Flugzeug zu fliegen, macht er sich auf den Weg. Da würden schon einmal einige junge Menschen den Rückzieher machen. Doch wer sich die gutgelaunte Frohnatur auf dem Cover anschaut, gewinnt schon vor dem Lesen den Eindruck, bei dem könnte es klappen, der lässt sich nicht so schnell von seinem Vorhaben abbringen.
Christopher nimmt uns mit und schreibt während der ganzen Reise Tagebuch, frisch von der Leber weg, was ihn bewegt und berührt und das fast immer positiv und humorvoll. Dennoch ist es kein Easy-going, er macht sehr viele gute Erfahrungen auf seiner Reise, durchaus auch mal negative, die ihn jedoch keinesfalls dazu bewegen, die Reise abzubrechen. Es gelingt ihm diese Erfahrungen hinter sich zu lassen und einfach weiter zu gehen in dem festen Vertrauen, es wird sich ein Weg zu seinem nächsten Ziel öffnen.
Während der Reise lernt er auch immer mehr auf Gott zu vertrauen und das fließt in seine Tagebucheinträge mit ein und der Leser kann auch erkennen, dass Christopher in diesen vier Jahren, in denen er von seiner Familie getrennt war, zu einem erwachsenen Menschen gereift ist. Interessant war, dass er sich immer einen offenen und freundlichen Blick auf die Menschen, die ihm begegneten, bewahrt hat und vielfach auch wirklich Bewahrung erlebte. Er war sich auch nicht zu schade, alle möglichen Arbeiten zu erledigen um seine Reisekasse aufzubessern und hat in etliche Berufsgruppen hineingeschnuppert. So ist er mit dem Segelboot, zu Fuß, mit der Bahn, dem Bus (häufig völlig überfüllt und leicht marode), irgendwelchen Lastwagen etc. gereist.
Auf dieser Reise hatte er auch schriftlichen Kontakt mit einer jungen Frau aufgenommen und sie haben sich auf diese Weise so gut kennengelernt und füreinander Gefühle entwickelt, dass sie sich schlussendlich trafen und beschlossen zusammen weiter durch das Leben zu reisen. Mir hat dieser Reisebericht sehr gut gefallen, oftmals habe ich es aus Sicht einer Mutter gelesen und dachte, oh, das musste jetzt auch noch sein;):), doch es lohnt auf jeden Fall auf Reisen zu gehen und wenn es wie bei mir oft literarisch ist.
- Ken Follett
Die Pfeiler der Macht
(769)Aktuelle Rezension von: MikeyDas Bankhaus Pilaster ist eine der angesehensten und größten Banken in London. Grund dafür ist auch die Art und Weise, wie das Unternehmen geführt wird. Oberste Priorität hat die Sicherheit der Anlagen und die Ehrbarkeit der Leitung. So müssen selbst auch Angehörige der Familie, die es in der Bank zu etwas bringen wollen, von klein auf alle relevanten Abteilungen in der Bank durchlaufen. Protegierung gibt es nicht.
Dieses Prinzip gilt umso mehr für Hugh Pilaster, dessen Vater einst sein Kapital aus der Bank gezogen hat, um sich selbstständig zu machen und deshalb als das schwarze Schaf der Familie gilt; erst recht natürlich, als er bankrott geht und sich umbringt. Ein schweres Erbe für Hugh.
Und dann ist da noch seine Tante Augusta Pilaster, deren ehrgeizigen Ziele es sind, ihren Mann als Seniorpartner, gern auch im Adelsstand und natürlich auch ihren unfähigen Sohn Edward in gehobener Stellung zu sehen, sowie dessen toxische Beziehung zu seinem Jugendfreund Micky Miranda, der, ebenfalls von Ehrgeiz zerfressen, seine Stellung in der Familie ausnutzt und versucht, für seinen Vater in Cordoba mittels dubioser Geldanlagen Kapital von der Bank zu bekommen und dafür auch vor mehrfachen Mord nicht zurückschreckt. Dieses Dreiergespann führt letztendlich zum Bankrott des angesehenen Bankhauses.
Ich muss sagen, als ich vor kurzem Folletts Buch „Die Brücken der Freiheit“ als erstes Buch von ihm gelesen habe, war ich schwer von diesem Autor enttäuscht. Ich hatte gar schon einen Hype um diesen Autor vermutet, der nicht gerechtfertigt ist. Hier bin ich aber angenehm überrascht. Sicher, es ist und bleibt Unterhaltungsliteratur, reicht nicht an ähnliche Familiensagas, z.B. Galsworthys Forsyte-Saga oder Thomas Manns Buddenbrooks (auch wenn die Ähnlichkeit der Thematik zu letzterem unverkennbar ist) heran, will es aber auch gar nicht.
Die Geschichte ist spannend erzählt und man fiebert mit. Am Ende geht natürlich (wie oft bei solcher Literatur) wieder alles hopplahop. Wer meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich dahinter in der Regel immer Bestrebungen des Autors vermute, endlich fertig zu werden. Aber diesmal sind trotzdem 4 Sterne durchaus gerechtfertigt. Ein Buch, was erstmal bei mir bleibt und nicht zurück zum Büchertausch wandert. - Sue Monk Kidd
Die Erfindung der Flügel
(298)Aktuelle Rezension von: PondofwordsDie Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Handful und aus der Sicht von Sarah erzählt und man begleitet deren Leben für mehrere Jahrzehnte. Ich fand es unglaublich spannend zu sehen, wie sich beide zu starken Frauen entwickeln, die trotz ihrer unterschiedlichen Situationen versuchen sich von den Zwängen ihrer Zeit zu befreien.
Was ich auch sehr toll fand war, dass Sarah nicht als die weiße Heldin dargestellt wurde die Handful rettet. Beide Frauen sind alleine stark und stehen für sich ein.
Beeindruckend fand ich auch, dass der Roman auf der Geschichte der Grimké Schwestern beruht, die die ersten Pionierinnen der Bewegung gegen die Sklaverei waren.
Alles in allem kann ich das Buch nur jedem ans Herz legen. Es ist spannend geschrieben und trotz des doch eher schweren Themas und manchen Szenen leicht zu lesen und an vielen Stellen auch unterhaltsam. Ich bin nur so über die Seiten geflogen und für mich gehört es zu meinen Jahreshighlights! 😊
- Isabel Ibañez
Where the Library Hides (Geheimnisse des Nil 2)
(57)Aktuelle Rezension von: eastNach den schockierenden Enthüllungen über ihre Eltern und deren Rolle in geheimen Ausgrabungen im Herzen Ägyptens setzt Inez‘ Onkel alles daran, seine neugierige Nichte wieder loszuwerden und zurück nach Argentinien zu schicken. Inez jedoch denkt nicht mal daran, das Land, von dem sie schon ihr ganzes Leben lang geträumt hat, einfach zu verlassen. Doch sie muss sich nicht nur mit der drohenden Gefahr durch ein mächtiges Schmuggelsyndikat herumärgern, sie ist auch allein vollkommen mittellos. Der einzige Ausweg: Heiraten…
Isabel Ibañez hat dem Leser schon im Auftakt der Geheimnisse des Nil-Dilogie abverlangt. Im Finale setzt sie dem dann aber auch noch mal die Krone auf. Beim Betrachten der Bücher im Regal, beim Lesen der Klappentexte könnte man meinen, hier erwarte einen ein altägyptisches Fantasyabenteuer voller rätselhafter Hieroglyphen, mysteriöser Statuen und vielleicht der einen oder anderen Mumie. In der Realität jedoch bleiben die meisten Geheimnisse Ägyptens unentdeckt. Während Inez nämlich zwar von Wüste und Entdeckungen träumt, hängt sie den tatsächlichen Ereignissen meist stark hinterher.
Bereits im ersten Teil war sie eine schwer nachvollziehbare Protagonistin, die sich zu sehr von ihren Eindrücken und zu wenig von den harten Fakten leiten lassen hat. Das führte dazu, dass sie ständig den Wald vor lauter Bäumen nicht erkennen konnte und von einer Falle direkt in die nächste gewandert ist und der Leser vor Verzweiflung über ihre Arglosigkeit einen Schreikrampf nach dem anderen bekommt. Nun, in Band zwei geht es munter genauso weiter.
Tatsächlich legen sogar mehrere Charaktere der lieben Inez nahe, doch mal ihre Weltsicht zu überdenken. Sogar ihr Ehemann persönlich klärt sie über ihre Naivität auf. Sinn hat das aber natürlich keinen, die arme Inez ist trotzdem wieder jedes Mal überrascht, wenn jemand sie hintergeht, benutzt und dann im Dreck liegen lässt. Alle anderen haben das aber natürlich schon kommen sehen und sind von der Handlung des Buches überhaupt nicht beeindruckt.
Leider weiß diese auch nicht so wirklich, wo sie eigentlich hinmöchte. Während es in Band eins wenigstens noch um Inez Suche nach ihren Eltern ging, herrscht hier größtenteils Chaos. Inez ist gefangen zwischen den Intrigen von anderen Charakteren, die sie gar nicht als solche erkennt, lässt sich ständig manipulieren und ändert ihre Meinung alle fünf Minuten je nach dem, wie der Wind gerade steht. Zwar will sie nach wie vor ihre Mutter finden, aber es vergeht doch das ganze Buch, bis es dann endlich zum großen Showdown kommt. Der wiederum war dann auch nicht mal so besonders.
Das ganze restliche Buch wurde stattdessen von Inez damit verbracht, all ihre Handlungen zu hinterfragen und stets die falschen Schlüsse daraus zu ziehen, sich erst auf das gröbste das Herz brechen lassen und dann, oh wunder, dem Geliebten alles zu verzeihen. Aber auch die mitleiderregendsten Gründe machen aus einem notorisch lügenden Idioten keinen Heiligen. Kurzum, die Liebesgeschichte bleibt für mich ein Buch mit sieben Siegeln, genau wie die Überreste der Magie, die zwar überall gejagt werden, über die am Ende des Tages aber auch niemand irgendetwas weiß.
Das Buch endet dann sehr plötzlich mit einem seltsam platzierten Happy End, das die Liebesgeschichte abschließt, aber sonst eher wenig Fragen beantwortet. Schade, aber das ägyptische Wüstenabenteuer im Stil des legendären Films „Die Mumie“, das groß beworben wurde, findet man hier leider nicht.
- Isabel Allende
Violeta
(166)Aktuelle Rezension von: rose7474Von Isabel Allende habe ich bisher noch nie etwas gelesen. Das wird nicht mein letztes Buch von ihr sein. Von Isabel Allende werde ich defintiv noch mehr lesen.
Das Buch konnte mich gleich fesseln und berühren. Ich wollte es kaum aus der Hand legen. Der Schreibstil der Autorin begeisterte mich gleich obwohl er besonders ist. Es war eine interessante Geschichte über eine starke Frau. Ganz klasse und berührend. Man erfuhr viel zeitgeschichtliches in Chile.
Eine absolute Leseempfehlung und wohlverdiente 5 Sterne von mir.
- Andrea Wulf
Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur
(86)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderAlexander von Humboldt ist Namensgeber von Schulen, Straßen und mehr und ist fast jedem ein Begriff. Wer war der Kerl aber eigentlich und was hat er mit unserem heutigen Leben und vor allem, mit dem Klimaschutz zu tun? Andrea Wulf hat recherchiert, geforscht, gefragt und beleuchtet und uns ein tolles Buch beschert. Auf über fünf Hundert Seiten, tauchen wir in das Leben von Alexander von Humboldt ein und erfahren sehr viel und sie zieht eben Schlüsse bis heute und nimmt uns so mit, auf eine ganz spannende Reise. Tolle Lektrüe und auch gut als Vorbereitung für Vorträge und Referate.
- Jean Liedloff
Auf der Suche nach dem verlorenen Glück
(46)Aktuelle Rezension von: Natascha_WDas Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" erzählt die Lebensweise der Yequana-Indianer, welche eine komplett andere Herangehensweise ans Leben haben als die meisten Menschen in der heutigen Zeit. Vor allem der Unterschied bei der Kindsaufzucht wird deutlich klar.
Es ist empfehlenswert das Buch vor dem ersten Kind zu lesen, da man ansonsten mit schweren Schuldgefühlen zu kämpfen haben wird. Denn das Buch erklärt u.A. wieso wir unseren Kindern mit guter Absicht dennoch ihr Leben schwer machen und die Erziehung zu lebenslangen Problemen führen kann. Ich bin überzeugt davon, dass die Ansätze des Buches der Wahrheit entsprechen und wir dringendst unser System verändern müssen!
Auch wenn das Buch recht altmodisch geschrieben und manchmal schwer zu verstehen ist, kann ich es nur jedem empfehlen zu lesen. Vor allem aber spätestens dann, wenn Nachwuchs ansteht.
Meine liebsten Textstellen:
- Babys sind in der Tat zu einer Art Feind geworden, den die Mutter besiegen muss. Weinen muss ignoriert werden, um dem Baby zu zeigen, wer der Herr ist.
- Damit will ich nicht sagen, dass der "Wilde" von Geburt an intelligenter ist als wir, jedoch glaube ich wirklich, dass das natürliche Potential unserer Geisteskräfte durch den von einer Verzerrung der Persönlichkeit ausgehenden Druck beschädigt werden kann.
- Eine still dasitzende Mutter wird ihr Baby durch Gewohnheit dazu bringen, das Leben als langweilig und langsam zu betrachten.
- Harry Harlow machte aufsehenerregende Experimente, die die Wichtigkeit enger Umarmung durch die Mütter für die psychologische Entwicklung von Affenkindern bewiesen.
- Ein ängstlicher Blick, ein Wort darüber, was die Mutter denkt: "Lass das nicht fallen!", oder ein Versprechen: "Pass auf, du fällst gleich!" können das Mädchen - obwohl dies seinem Selbsterhaltungstrieb und seinem Nachahmungsbestreben entgegenwirkt - schließlich zum Gehorchen veranlassen, so dass es den Teller fallen lässt und / oder vom Stuhl stürzt.
- Ein Beispiel dafür ist das "Casanova-Syndrom", das einen Mann zu dem Versuch treibt, sich seine Liebenswertheit durch zahlreiche Eroberungen zu beweisen.
- Die Erwartung, ihre Suche nach Liebe müsse durch ihren eigenen liebesbedürftigen Säugling endlich belohnt werden, ist die Tragik vieler Frauen.
- Selbsthass, der sich daraus ergibt, dass einem in der Frühkindheit nicht das Gefühl eigener Richtigkeit vermittelt wurde, ist eine der Hauptgrundlagen für irrationalen Hass. - Gioconda Belli
Bewohnte Frau
(90)Aktuelle Rezension von: Ms_KatinkaGioconda Belli ist es nicht nur gelungen, meine Wissenslücke über Nicaragua zu schließen und mich mit Haut und Haaren ein Gefühl für dieses Land bekommen zu lassen. Neben politischer Geschichte und Revolution stellt sie vor allem eine so starke und beeindruckende Protagonistin in den Mittelpunkt ihres Romans, dass ich dieses Buch gerne als „Pflichtlektüre“ empfehlen würde. Es geht um das wütende Hinterfragen von weiblichen Rollenbildern, die Sinnlosigkeit von gesellschaftlichen Klassen/ Schichten und (Un-) Gerechtigkeit und dadurch auf jeder Seite dieses Buches auch um den Sinn des Lebens.
Stark. Beeindruckend. Wunderbar.
Und dabei ist „Die bewohnte Frau“ bereits 1991 das erste Mal verlegt worden.
- Melanie Raabe
DIE WAHRHEIT
(419)Aktuelle Rezension von: KarenAydinWorum geht es?
Philipp Petersen verschwindet auf einer Geschäftsreise in Südamerika spurlos. Nach sieben Jahren erhält seine Frau Sarah eine Nachricht. Philipp ist am Leben und auf dem Weg nach Hamburg. Mit ihrem gemeinsamen Sohn Leon wartet sie am Flughafen auf die Rückkehr des Ehemanns und Vaters. Doch der Mann ist ein Fremder. Wer ist er? Und warum reagieren alle so, als wäre es Philipp? Sie gehen nach Hause und die Situation wird immer bedrohlicher.
Kritik
Die Ausgangssituation ist spannend. Was würde man in einem solchen Fall machen? Zur Polizei gehen? Was soll die tun? Was, wenn es keine gemeinsamen Freunde gibt, die man sieben Jahre zuvor hatte? Wer kann einem helfen?
Trotz dieser sehr guten Idee hat mir dieser Roman bislang am wenigsten gefallen. Dies liegt zum einen an dem Stil, den ich als etwas anders empfunden habe als in den anderen Romanen von Raabe, die ich bislang gelesen habe. In der Werbung stand „atemlose Spannung“. Atemlos war für mich die Prosa. Knappe, kurze Sätze, viele Ellipsen, was einen stakkatoartigen Effekt erzielt. Das kann man machen, in den Situationen, in denen es dramatisch wird und die Ich-Erzählerin die Kontrolle über die Situation verliert. Hier war es mir eindeutig zuviel und ich hatte manchmal eher das Gefühl, dass die Autorin die Kontrolle über die Erzählung verloren hat, sich zu sehr hat von dem Verlangen tragen lassen, hübsche und ungewöhnliche Sprachbilder zu erzielen. Viele Sätze hintereinander, die gleich beginnen und gleich aufgebaut sind, die ein bisschen an meinen Nerven gezerrt haben, Bilder und Überlegungen, die für mich nicht so gut funktioniert haben.
„ob es das gibt, die Liebe? Ich frage mich, wo sie hingeht, wenn wir aufhören zu lieben, verpufft sie in der Kälte des Weltalls, sickert sie in unsere Zellen und verändert unser Erbgut?“
Auch ist die Auflösung für mich eher unbefriedigend gewesen, das ist aber nun sehr subjektiv, grundsätzlich ist schon alles sehr stimmig und von Beginn an vorbereitet.
Die beiden zentralen Charaktere, Sarah und der Fremde sind befremdlich, aber schon ungewöhnlich und stimmig gezeichnet. Sie neigt zu impulsiven, unüberlegten Aktionen, die überhaupt keinen Sinn machen, aber so ist das nunmal, man macht halt immer mal etwas, was blödsinnig ist; er ist seltsam, ein bisschen grausam und sein Verhalten ist erst logisch nachvollziehbar, wenn man bis zum Ende durchgehalten hat.
Also, alles in allem ist es schon ein solider Psychothriller, der nicht langweilig ist, für mich aber kein Vergleich zu „Schatten“ oder „Falle“.
- Tom Michell
Der Pinguin meines Lebens
(40)Aktuelle Rezension von: AnjaKoenigeine tolle geschichte, die so viel verbindet. sie bringt information über pinguine und über geschichtliches, über land und leute, über freundschaft der besonderen art. wunderschön wie aus einer tierrettung mehr entsteht und durch andere menschen noch zusätzliche aspekte mit reinfliessen. liest sich gut und ist total interessant. für mich auf jeden fall eine empfehlung wert.
- Voltaire
Candide
(150)Aktuelle Rezension von: leas_bookdiaryOkay, erstmal: Candide ist kein klassischer Roman, bei dem du dich mit den Figuren anfreundest, mitfieberst und am Ende weinst. Es ist eher eine ironische Ansammlung Papier. Voltaire fragt: Ist die Welt wirklich die beste aller möglichen – oder einfach nur ein absurdes Schlachtfeld voller Leid, Zufälle und gebrochener Hoffnungen? Und um das zu klären, schickt er Candide, diesen naiven Softie, einmal quer durch die Hölle: Krieg, Naturkatastrophen, Vergewaltigung, Inquisition, Versklavung – wirklich alles. Und jedes Mal denkt man sich: Kann das noch absurder werden? Und ja, es wird absurder. Am Ende bleibt von der großen philosophischen Frage vor allem eins übrig: „Aber wir müssen unseren Garten bestellen.“ Es geht nicht ums große Ganze, sondern darum, was man selbst ändern kann. 😶🌫️🌪️
Candides Reise ist ehrlich ein einziges Chaos. Kaum ist ein Problem überstanden, wartet schon das nächste. Es ist wie ein Speedrun durch alles, was schieflaufen kann. Die Kapitel sind schon sehr kurz, das Tempo hoch, und manchmal fühlt es sich an, als hätte Voltaire einfach gewürfelt, was als Nächstes passiert. Die Figuren? Alle überzeichnet. Kunigunde, die große Liebe, verblasst zur Karikatur. Pangloss, der „Alles ist gut“-Philosoph, ist so absurd optimistisch, dass man irgendwann nur noch ironisch mit den Augen rollt. Und trotzdem: Genau das ist der Punkt. Voltaire hinterfragt alles: Religion, Philosophie, Macht. 🧠🎯
Wirklich jeder Satz hat so einen spitzen Unterton, dass man fast Angst hat, weiterzulesen. Ich mein: Voltaire ist ein König der Ironie – aber nach 50 Seiten war ich ein bisschen müde vom Dauerzynismus. Was mich trotzdem abgeholt hat: die Klarheit. Keine überflüssigen Metaphern, kein Pathos – alles ist auf den Punkt, fast schon trocken. Und gerade dadurch entfaltet die Kritik Wucht. ✍️
Ich hab das Buch nicht geliebt, aber es hat mich trotzdem beschäftigt. Dieses konstante Scheitern, diese gebrochene Hoffnung in jedem Kapitel, das geht einem irgendwann unter die Haut. Ich dachte erst, ich les so einen entspannten Klassiker für zwischendurch. Stattdessen saß ich da und dachte: Was zur Hölle ist das für ein Weltbild und es passt viel zu sehr zur Realität. 😳🌍
Fazit: Ich würde diesen Klassiker empfehlen, wenn man Lust auf bissige Klassiker hat, die sich nicht ernst nehmen, aber trotzdem eine Menge sagen. ⭐️⭐️⭐️
- Carlos María Domínguez
Das Papierhaus
(248)Aktuelle Rezension von: _MiriamAnne_Das Papierhaus ist eine stille, tief berührende Liebeserklärung an die Bücher – an ihre Macht, unser Denken zu formen, unser Inneres zu füllen und unser Leben nachhaltig zu verändern. Carlos María Domínguez erzählt mit großer Poesie davon, was Bücher uns lehren und wie eng sie mit unseren Erinnerungen, Gefühlen und Identitäten verwoben sind. Dieses schmale Werk regt zum Nachdenken an: über Besitz und Verlust, über Lesen als Lebensform und über die Beziehung, die wir zu unseren Büchern aufbauen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies in dem Zitat:
„Niemand hat es gern, wenn ihm ein Buch abhandenkommt. Lieber verlegen wir einen Ring, eine Uhr oder unseren Schirm als ein Buch, das wir vielleicht nicht mehr lesen werden, das aber mit dem vertrauten Klang seines Titels ein altes, vielleicht verloren gegangenes Gefühl in uns wachruft.“
Hier wird spürbar, dass Bücher weit mehr sind als bloße Gegenstände, sie sind emotionale Anker, Erinnerungsräume und Begleiter durch verschiedene Lebensphasen.
Auch das zweite Zitat hat mich tief bewegt:
„Ich habe Bücher gekauft solange ich denken kann. Wer sich eine Bibliothek aufbaut, der baut sich ein ganzes Leben auf. Sie ist nämlich nie die Summe ihrer einzelnen Exemplare.“
Diese Worte fassen das Wesen des Buches perfekt zusammen: Eine Bibliothek ist kein Regal voller Papier, sondern ein Spiegel des eigenen Lebens, der Gedanken, der Träume und der Entwicklung eines Menschen.
Das Papierhaus ist poetisch, klug und leise ein Buch, das nachhallt und den Blick auf das eigene Lesen verändert. Ich empfehle es jedem, der Bücher liebt und der spüren möchte, warum sie für viele von uns unverzichtbar sind.
- Linda Belago
Die Blume von Surinam
(30)Aktuelle Rezension von: Krimifee86Bei „Die Blume von Surinam“ handelt es sich nach „Im Land der Orangenblüten“ um Teil 2 der Reihe rund um die Plantagenbesitzerin Julie. Wie der Name schon sagt spielt das Buch in Surinam, kurz nachdem die Sklaverei in dem südamerikanischen Land abgeschafft wurde. Das merken auch Julie und ihr Mann. Denn obwohl sie ihre Sklaven immer sehr gut behandelt haben, fällt es ihnen immer schwerer, Arbeiter für ihre Zuckerrohrplantage zu finden. Deshalb heuern auch sie indische Kontraktarbeiter an. Doch nicht nur ist die Zusammenarbeit zwischen ihnen und den ehemaligen Sklaven schwierig, auch sind die indischen Traditionen und die Kultur nichts, was Julie tolerieren kann. Entsprechend bahnt sich eine Katastrophe an, die noch dadurch verstärkt wird, dass ein alter Feind auf der Bildfläche erscheint.
Ich mochte das Buch und mochte es auch irgendwie nicht. Das liegt vor allem daran, dass ich Julie irgendwie als Person nicht mehr so sehr mochte. Da sie die Protagonistin ist, ist das entsprechend schwer. Sie war mir zu steif, zu schwerfällig, zu wehleidig, stellenweise sogar zu arrogant. Nichts mehr über von der energiegeladenen Frau, die wir noch aus dem ersten Band kennen. Dafür mochte ich ihren Sohn Henry umso mehr, auch wenn er sich ebenfalls (jedenfalls in Teilen) sehr dumm verhält. Ich mochte seine Freundschaft mit Karini, die im Übrigen mein Lieblingscharakter ist. Ebenfalls nicht mochte ich leider die Kontraktarbeiter, allen voran Inika. Ja, sie tat mir leid, aber trotzdem ist sie in meinen Augen einfach eine falsche Schlange. Und zwar die ganze Zeit und ihr Verhalten denjenigen gegenüber, die ihr Gutes wollen, ist einfach nur grauenhaft.
Zur Geschichte an sich muss ich sagen, dass es mir zu viel war. Es gab vielleicht auch einfach zu viele Charaktere, denen zu viel widerfahren ist. Das hat mich persönlich sehr gestört. Hier wäre definitiv weniger mehr gewesen, damit man sich auf einen Strang der Erzählung fokussieren kann. Nichtsdestotrotz haben mir einige Handlungsstränge richtig gut gefallen, insbesondere natürlich Henry und Karini, aber auch die Geschichte rund um Martins Vater war interessant. Die indischen Kontraktarbeiter hätte es für meinen Geschmack aber nicht gebraucht.
Fazit: Ich fand das Buch ganz gut und vergebe auch immerhin 6 von 10 Punkten. Nichtsdestotrotz – sollte er jemals erscheinen – ich brauche keinen weiteren Teil aus Surinam.
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