Bücher mit dem Tag "tagebuchaufzeichnungen"
6 Bücher
- Iris Krumbiegel
Jonahs Versprechen
(10)Aktuelle Rezension von: UlrikeBodeWow, dieses Buch hat mich wirklich unglaublich gefesselt und berührt. Das Cover wie auch der Klappentext deuten schon auf eine tiefgründige und tragische Geschichte hin, die zu Tränen rührt aber auch Hoffnung gibt.
Die Themen wie Vergangenheitsbewältigung, Vertrauen, Nächstenliebe und Verlässlichkeit bis in den Tod wurden von der Autorin toll umgesetzt und mit einen einfühlsamen und flüssigen Schreibstil einfach wunderbar in eine berührende Geschichte eingebettet.
Was sehr gut in diesem Buch bearbeitet wurde ist, dass man durch die Stärke eines anderen selbst seine Stärke findet und erkennt. Ich war wirklich beeindruckt und musste das gelesene erst einmal selbst verarbeiten, bei dem eigene Probleme so klein werden, dass sie sich fast von selbst auflösen.
Eine klare Leseempfehlung kann ich hier nur geben und werde sicher noch einige Bücher dieser Autorin lesen.
- Maxie Wander
Leben wär eine prima Alternative
(15)Aktuelle Rezension von: WortklauberIm Sommer 1976 bekommt die in der DDR lebende österreichische Schriftstellerin MaxieWander die niederschmetternde Diagnose Krebs.
Hier setzt auch der erste der drei Teile des Buches ein, vom Text auf dem Buchdeckel abgesehen, unkommentiert: mit ihrem Einzug in die Frauenklinik der Charité. Der uninformierte Leser weiß nicht viel von ihr, abgesehen von den paar genannten Eckdaten. „1933 in Wien geboren“, heißt es da, „lebte seit 1958 mit ihrem Mann, dem österreichischen Schriftsteller Fred Wander, in der DDR“. Tagebuchaufzeichnungen, anders als Lebenserinnerungen, und Briefe sind so: lückenhaft, sprunghaft, unvollständig. Der Leser des Buches, in dem diese Tagebucheinträge und Briefe veröffentlicht sind, kennt die Frau nicht, um die es da geht, aber das ist auch nicht weiter schlimm. Eine Frau ist das, deren Leben durch eine Krankheit auf den Kopf gestellt wird. Maxie Wander beschreibt ihre Klinikaufenthalte, die Verhältnisse auf der Frauenstation, hält Eindrücke über ihre Mitpatientinnen fest, hadert mit Ärzten und dem Krankenhaussystem, dem der Kranke letztendlich ausgeliefert ist. Eine öffentliche Anklage ist das nicht, höchstens eine stille Klage.
Der zweiteTeil greift zurück auf Jahre davor, gesunde Jahre, aber auch die nicht frei von Leid und Verlust. So schreibt Maxie Wander über den Tod ihrer Tochter, die 1968 an den Folgen eines Unfalls starb.
Der dritte Teil setzt nach der Behandlung der primären Krebserkrankung ein. Nun weiß man mehr über sie als nur, dass sie krank ist und mit der Krankheit ringt. Der Mensch ist inzwischen klar hervorgetreten. Man meint fast, sie zu kennen.
Es seien „keine Offenbarungen“, schreibt Fred Wander im Vorwort. Offenbarungen nicht, aber es gibt kleine funkelnde Momente, Erkenntnisse, Einsichten, ermutigende, aufrüttelnde, auch bittere. Sie schreibt von der Familie, auch über das Schreiben, das Ringen damit. Man spürt die Zerrissenheit, ihre Ängste, ihren Zorn, auch ihren Kampfgeist und ihren Mut – und zuletzt auch ihre Einsicht in die bittere Wahrheit. „Weiterleben“, schreibt sie, „so reduziert, das ist nicht einfach.“
Erst 44-jährig, stirbt Maxie Wander 1977 in Potsdam. Die Veröffentlichung ihres Buches „Guten Morgen, du Schöne“ (Protokolle von Frauen), hat sie nur um wenige Monate überlebt. - A. Collin
ENDLOS: Der besondere Mensch hält die Zeit an und erlebt Unglaubliches
(1)Aktuelle Rezension von: Gene_KWusste Dostojewski, dass die russische Seele auch...
...richtig lustig sein kann?
Nichts da von Schwermut.
Nein, fröhlich erzählt A. Collin in ihrem Erstling eine Geschichte, die sehr an den Weltbestseller "Der seltsame Fall des Benjamin Button" von F. Scott Fitzgerald angeleht ist, ohne aber dessen Tiefe zu erreichen.
Fluffig geht der Erzählstrang aus zwei Perspektiven durch das belustigte Hirn und hinterlässt genetische Spuren, die vielleicht in naher Zukunft schon ausgelesen werden können.
Wer weiss das schon.
Ich grabe schon mal einen grossen Teich im Garten.Mit Vorteil ein Teich für Karpfen!
Warum?
Finde es selbst heraus bei der kurzweiligen Lektüre dieser Leseempfehlung meinerseits.
Schnappatmung garantiert!
Eben noch unter Kronleuchtern ...: Die Revolution 1918/1919 aus Sicht der bayerischen Königstöchter
(6)Aktuelle Rezension von: BuchgespenstNach Ende des Ersten Weltkriegs stand Deutschland vor einem völligen politischen Umsturz: der Kaiser musste Abdanken, Könige und Fürsten waren entmachtet und auch in Bayern wurde der König entthront. In einer Nacht und Nebel-Aktion musste die Familie fliehen – getrennt. Die Königin schwer krank, Ludwig III stolz und ungebrochen, die Kinder vor einer ungewissen Zukunft. Dazu war die Flucht beeinträchtigt von filmreifen Pannen und wilden Gerüchteküchen.
Im Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher lagern die Tagebücher, Briefe und Notizen, in denen die Ereignisse jener ungewissen Zeit von den Königstöchtern selbst und ihren Begleitern festgehalten sind. Christiane Böhm hat sie hier zu einem Kaleidoskop zusammengestellt, das dem Leser einen unglaublichen Einblick in die Zeit, aber auch die persönliche Tragödie der Königsfamilie gibt. Trockene politische Ereignisse bekommen ein Gesicht. Es war nicht nur die Zeit, in der ein völlig neues Land gegründet wurde, ein politisches Novum begann, sondern auch Tragödien innerhalb der so verhassten Herrscherfamilien geschahen. Das reiche Foto- und Kartenmaterial illustriert die Aufzeichnungen und so folgt man mit angehaltenem Atem der Familiengeschichte bis zur letzten Seite. Eine weitere historische Lücke schließt sich mit diesem Buch. Großartig!
- Hera Lind
Für immer deine Tochter
(57)Aktuelle Rezension von: mamenuMeine Meinung
Manchmal trifft einen ein Buch so tief, dass man nach dem Lesen erst einmal still dasitzt. Genau das ist mir hier passiert. Ich hatte nicht erwartet, so hineingezogen zu werden emotional, gedanklich, fast körperlich. Es geht um eine Geschichte, die nicht nur vom Überleben im Krieg erzählt, sondern auch davon, wie lange verschlossene Wahrheiten unser Leben verändern können. Und darum, wie wichtig es ist, die eigene Vergangenheit zu kennen selbst wenn sie weh tut.
Paula stößt in der Küche ihrer verstorbenen Mutter auf ein altes Tagebuch – und was sie darin liest, stellt ihr gesamtes Leben auf den Kopf. Ihre Mutter Anna hatte nie ein Wort über die dramatischen letzten Kriegstage 1945 verloren, über ihre Flucht aus Pommern mit dem neugeborenen Baby, über das monatelange Verstecken auf einem Dachboden, über die Angst, den Hunger, die allgegenwärtige Todesgefahr.
Beim Lesen von Annas Aufzeichnungen taucht man tief ein in eine Zeit, in der jede Entscheidung über Leben oder Tod entscheiden konnte. Besonders berührend war für mich die Begegnung mit Karl, dem Deserteur, der Anna und Paula das Leben rettet ein Moment voller Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit.
Ich musste während des Lesens mehrmals innehalten und tief durchatmen. Die Beschreibungen von Not, Leid und Angst gehen unter die Haut. Und doch schwingt immer auch etwas anderes mit: Mut, Hoffnung, Liebe und die unerschütterliche Kraft einer Mutter, ihr Kind zu beschützen.
Für Paula bringt das Tagebuch nicht nur die Wahrheit über ihre Herkunft ans Licht es lässt auch ihr eigenes Leben in einem neuen Licht erscheinen. Eine Welt bricht zusammen, aber es öffnet sich auch eine neue Tür: die Suche nach den eigenen Wurzeln.
Die Autorin hat mich mit dieser Geschichte vollkommen mitgenommen. Ich habe mitgelitten, mit gehofft und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine sehr lohnenswerte – bewegend, erschütternd und gleichzeitig voller Wärme.Ein Buch, das zeigt, wie stark Menschen in Extremsituationen sein können und wie wichtig es ist, den eigenen Ursprung zu kennen. Für mich eine absolute Leseempfehlung.
- Michel Viotte
Die vielen Leben des Jack London
(1)Aktuelle Rezension von: Dr_MEin solcher Satz drückt recht treffend die Ambivalenz in Jack Londons Charakter aus. Er hätte schließlich auch einfach aufhören können ohne sich irgendetwas abzuschneiden. Andererseits war London stets in Projekte verstrickt, die enorme finanzielle Mittel verschlangen. Nur durch seine Schriftstellerei konnte er seinen ruhelosen Lebensstil aufrecht erhalten.
London verstarb vor 100 Jahren in einem Alter, wo Männer eigentlich erst richtig aufblühen. Doch Londons Lebensenergie schien schon einige Jahre vor seinem Tod verbraucht zu sein. Man kann das in dieser großartigen Bild-Text-Biografie sehr gut nachvollziehen. Der französische Autor hält sich dabei angenehm mit Urteilen zurück, obwohl sich solche Einschätzungen bei London geradezu aufdrängen. Michel Viotte überlässt das Urteilen seinen Lesern. Diese können Londons Leben in recht kurzen, gut lesbaren und sehr informativen Texten und vielen Bildern verfolgen.
Jack London lebte sein nicht langes Leben offenbar mit großem Optimismus und voller Selbstvertrauen, jedoch auch ohne Rücksicht auf mögliche Folgen seiner Lebensweise. Vielleicht hätte ihm sein kurzer Abstecher zu den Goldgräbern in Klondike eine Warnung sein sollen, denn schon da zeigte sich, dass er seine Belastbarkeit stark überschätzte. Aber das schien London nicht zu tangieren. Immer wieder begab er sich auf große Reisen, deren Strapazen ihn wohl nicht interessierten, deren Preis er jedoch später teuer bezahlen musste. Besonders seine Südseereise auf seinem Segler Snark brachte ihm auf Samoa Entzündungen und Geschwüre, die nicht heilen wollten.
Nebenbei wollte er auch noch unbedingt Farmer sein, baute sich ein riesiges Haus, musste in dieser Zeit jedoch auch wieder dringend auf große Reisen gehen und unzählige Filmprojekte realisieren. Vielleicht stimmt es tatsächlich, dass jedem Menschen nur eine gewisse Menge an Lebensenergie zugeteilt wird, mit der man entweder zurückhaltend umgehen oder sie ungehemmt verbrauchen kann. Bei London war diese Lebensenergie in seinem vierzigsten Jahr verbraucht. Seine Asche liegt unter einem Stein seines kurz vor der Vollendung abgebrannten Hauses auf seiner Farm.
Über Londons Bücher erfährt man in diesem Band nur das Nötigste. Es geht dem Autor vielmehr um das Leben (oder die vielen Leben) des Jack London. Die Bildauswahl ist nicht nur großzügig, sondern auch informativ. Da viele Porträts von London gezeigt werden, kann man sich so auch einen gewissen Eindruck von seinem Wesen machen.
Am Rande sei bemerkt, dass mich eine Fotografie dann doch etwas verwirrt hat. Sie zeigt Kalifornier an Deck eines Seglers, der sie nach Alaska bringen sollte, wo sie dann ins Land des Goldes reisen wollten. Auf dem Foto sieht man jedoch eine Tanzveranstaltung an Deck mit zahlreichen Frauen. Irgendwie hatte ich mir diese Klientel anders vorgestellt.
Dieser biografische Band zeigt sehr informativ das kurze und ruhelose Leben von Jack London in vielen recht persönlichen Fotografien, mit denen es möglich wird, sich diesen ungewöhnlichen Mann in seiner Welt vorzustellen. Sehr beeindruckend.





