Bücher mit dem Tag "thomas mann"

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116 Bücher

  1. Cover des Buches Der Zauberberg (ISBN: 9783596904167)
    Thomas Mann

    Der Zauberberg

     (526)
    Aktuelle Rezension von: Federfee

    Nun gut, dann eben doch ;-) Aber es wird eher mein persönlicher Eindruck als eine systematische Rezension.

    Noch nie habe  ich ein Buch gelesen, das solche Widersprüche in mir hervorgerufen hat. Anfangs war ich nahe dran, es in die Ecke zu werfen und auch zwischendurch immer mal wieder ... anfangs, dann fand ich zunehmend faszinierende Passagen und Formulierungen und nun lese ich es ganz langsam und genussvoll noch einmal.

    Eine Novelle sollte es werden und und am Ende war es ein Roman von nahezu 1000 Seiten, 'ganz mit historischem Edelrost überzogen' (9), denn er spielt in der Zeit vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der Inhalt braucht nur wenige Sätze: Der junge angehende Ingenieur aus gutem Hause – Hans Castorp aus Hamburg – besucht seinen lungenkranken Vetter in einem Sanatorium in Davos. Aus den geplanten drei Wochen werden sieben Jahre im Hochgebirge und wir nehmen als Leser an der Entwicklung / Verwandlung (?) des jungen Mannes teil und an der Faszination, die die abgeschottete Welt des Sanatoriums darstellt.

    Negatives

    Was mir nicht gefallen hat, kann ich klar benennen: die verschachtelte Sprache fand ich anfangs schwierig zu lesen, die langen Sätze – aber man gewöhnt sich dran. Schlimmer: die Dialoge zwischen dem Humanisten Settembrini und dem zynischen Jesuiten Naphta. Da wimmelt es nur so von Schlagworten – s. das Beispiel -  und ich vermute, Thomas Mann hat das extra so geschrieben, vielleicht als Kritik? An einer Stelle kommt Castorp zur gleichen Überzeugung wie ich, dass Naphta und Settembrini beide Schwätzer sind (am Ende der Schneeszene). Dabei ist mir Settembrini jedoch sympathisch.

    '...so wurzelte der Menschenwürde-Begriff derer, die das körperliche Zuchtmittel daraus verbannen wollten, in dem Liberal-Individualismus der bürgerlichen Humanitätsepoche, einen aufgeklärten Absolutismus des Ich...' (625).

    Gelangweilt haben mich die ausführlichen Schilderungen der Wissensgebiete, mit denen sich 'unser Held', der junge Hans Castorp intensiv beschäftigt: Medizin, Astronomie, etc.

    Wenn ich es aber recht bedenke, gibt es aber viel mehr, was mir gefallen hat:

    Das Thema Zeit (Auszüge)

    Die Zeit, fragwürdig und von 'eigentümlicher Zwienatur', ein geheimnisvolles Element (9), kommt immer wieder vor, natürlich auch in jedermanns Leben. 'Was ist die Zeit?' fragt Castorp. Eine geradezu philosophische Frage, auf die es wahrscheinlich keine endgültige Antwort gibt, weil Zeit relativ ist, vom Empfinden her mal schneller, mal langsamer vergeht, obwohl es vielleicht messbar der gleiche Zeitraum ist. Es scheint, als ob die Patienten im Sanatorium Probleme mit der Zeit haben, aus der Zeit gefallen sind...

    Prof. Kurzke schreibt in seiner Biographie, dass Thomas Mann selbst die Zeit ständig gemessen hat, dass er die runden Zahlen liebte (70. Geburtstag,...) und in seinem Tagebuch Monatsanfänge, Feiertage u.v.m. markierte.

    Einige schöne Szenen (Beispiele)

    Gleich am Anfang beschreibt Thomas Mann, was eine Reise, ein Ortswechsel, mit einem macht, wie der Alltag entschwindet, einiges unwichtig wird, was wahrscheinlich jeder im Urlaub auch schon so empfunden hat. Er kann diese Gedanken und Gefühle nur schöner und treffender ausdrücken als unsereins.

    Es gibt viele Schilderungen von großer sprachlicher Schönheit, z.B. ein erinnerter Spaziergang am Meer, die verschneite Bergwelt oder die Schneeszene, wo Castorp fast von der 'hexagonalen Regelmäßigkeit' (den Schneeflocken) zugedeckt wird, weil er im 'weißen, wirbelnden Nichts' die Orientierung verloren hat. (661)

    Auch eine traurige Sterbeszene ist sehr einfühlsam beschrieben. Allerdings wird über 'das Eigentliche' nicht geredet, wahrscheinlich vor lauter hanseatischer Zurückhaltung.  'Lebensunziemliche Angelegenheiten der Natur' (728) werden nicht thematisiert.

    Humor und Personenbeschreibungen

    Den Humor empfinde ich teilweise als zynisch, besonders im Angesicht von Krankheit und Tod, und die Personenbeschreibungen beruhen wohl auf sehr genauer Beobachtung, sind aber bissig bis boshaft.

    • Bei hohem Schnee werden die Toten von einem noch höher gelegenen Sanatorium mit dem Bobschlitten hinuntergeschafft.
    • Hofrat Behrens nennt seine Patienten 'Lungenpfeiferchen' (421).
    • Auf dem Friedhof in Davos liegt 'ungefestigtes Volk, das sich aus aller Welt hier zusammengefunden hat und zur horizontalen Daseinsform endgültig eingekehrt war.' (443)

    Nachdenkenswerte Sätze (nur wenige von vielen)

    Man kann mit dem Worte 'menschlich' jede Schlamperei und Schlappheit zudecken.' (406)
    '… jene Dummheit von Augenblickswesen, die nicht zu denken vermag, dass es noch wieder anders kommen kann, sowie vor allem Gier nach Abwechslung und zeitverschlingende Ungeduld.' (497)

    Die Sprache (Beispiele)

    Das Kreative und Wortschöpferische hat mir besonders gut gefallen:

    • 'Er probierte ihr den Namen an.' (194)
    • Der Husten eines Patienten: 'schauerlich kraftloses Wühlen im Brei organischer Auflösung' (23)
    • das Thermometer als 'Quecksilberzigarre' (70) – Hans raucht Zigarren.
    • Bei der Aussprache eines slawischen Namens: 'wildes Lautgestrüpp' (583)
    • Castorp wird im Flachland wieder 'im Dienst der völkerverbindenden Verkehrstechnik tätig sein' (226 unten)g anstatt 'Schiffbau'

    Fazit

    Je mehr ich schreibe, desto mehr fällt mir ein. Und ich habe nur annähernd und ganz wenig aufgeschrieben, aber es scheint schon ausufernd viel zu sein. Aber einmal muss Schluss sein.

    Kann ich den 'Zauberberg' empfehlen? Ich weiß es nicht. Nein, lieber nicht, zu groß ist die Gefahr, dass sich jemand langweilt. Mich hat dieser Roman zunehmend fasziniert und ich weiß nicht mal genau, warum. Zauber, Zauberberg, magic mountain.

  2. Cover des Buches 1913 (ISBN: 9783596520534)
    Florian Illies

    1913

     (272)
    Aktuelle Rezension von: Annilove

    für Geschichts- und Kunstliebhaber sehr zu empfehlen, wer aber nichts daran sieht der wird in dem Buch auch nichts finden

  3. Cover des Buches Die Stille der Lärchen (ISBN: 9783462047349)
    Lenz Koppelstätter

    Die Stille der Lärchen

     (78)
    Aktuelle Rezension von: Mary2

    Ein weiterer Südtirol-Krimi aus der Feder von Lenz Koppelstätter liegt hier mit „Die Stille der Lärchen“ vor.

    Das Cover zeigt eine traumhafte Kulisse, die den Hintergrund für den gewaltsamen Tod der 17-jährigen Marie bildet. Nahe bei den Urlärchen, einem bekannten Naturdenkmal im Ultental, liegt die erschossene Schülerin.

    Das Dorf meint den Täter rasch zu kennen, ein anderer legt jedoch ein Geständnis ab.

    Commissario Grauner und Saltapepe suchen lange nach einem Motiv und stoßen auf Schweigen im Dorf, ein verfallenes Heilbad sowie literarische Rätsel.

     

    Mir hat auch dieser Krimi gut gefallen. Wieder versteht es der ortskundige Autor, die Atmosphäre Südtirols einzufangen und die Leser in das hintere Ultental mitzunehmen. Beigefügtes Kartenmaterial bildet eine gelungene Ergänzung zum Text. Die beiden unterschiedlichen Ermittler stellen ein gutes Team dar. Die persönlichen Nebenschauplätze von Grauner und Saltapepe halten sich in einem angemessenem Umfang. Das im ersten Band der Reihe erwähnte Geheimnis aus der Vergangenheit von Grauner wird etwas erhellt, ist aber noch nicht zu Ende erzählt.

     

    Der Krimi bleibt bis zum Schluss rätselhaft, eine echte Chance, mitzuraten hat der Leser nicht, da unerwartete Wendungen immer wieder eingearbeitet sind.

     

    Nach gut 300 Seiten ist die Lösung gefunden, es bleibt der Eindruck eines soliden und sehr stimmungsvollen Krimis. Gerne mehr aus der Reihe!

  4. Cover des Buches Die Tochter des Zauberers - Erika Mann und ihre Flucht ins Leben (ISBN: 9783746635811)
    Heidi Rehn

    Die Tochter des Zauberers - Erika Mann und ihre Flucht ins Leben

     (38)
    Aktuelle Rezension von: JackieBrown

    Diesen Satz prägte Erikas Bruder und er beschreibt den Stellenwert, den Erika für die Familie Mann hatte. Heidi Rehn gelingt es, mit dem biografischen Roman "Die Tochter des Zauberers" 🎩 ein feines und doch gestochen scharfes Portrait einer klugen, mutigen, lebenshunrigen Frau zu zeichnen, die in der Aufopferung für andere aufgeht und sich dabei selbst vergisst. Heidi Rehn beleuchtet den Ausschnitt der Emigration in Erikas Leben und zeigt, wie schwer es war in den USA 🇺🇲 Fuß zufassen. Hin und her gerissen zwischen zwei Männern, von der Geliebten nach und nach distanziert, entscheidet sich Erika für die Liebe.❤ Leider nicht ohne Folgen. In der für sie vermeintlich unpassendsten Lage, ist sie guter Hoffnung und entscheidet sich gegen das Kind. In ihrer Verzweiflung ist Erika der Ansicht, diese Entscheidung allein treffen und verantworten zu müssen.🖤🖤🖤
    Aber auch die Reduzierung auf "die Tochter von..." macht ihr zu schaffen und wird ihr nicht gerecht. Es kostet sie viel diesen Titel abzulegen und doch wird sie ihn nie ganz los. Wunderbar geschrieben, mit vielen kleinen Detailierten Eindrücke, hat mich das Buch berührt.
    Ein großartige Frau im Schatten der Manns.

  5. Cover des Buches Ostende (ISBN: 9783462046007)
    Volker Weidermann

    Ostende

     (81)
    Aktuelle Rezension von: cosima73

    Im Sommer 1936 zieht es Stefan Zweig nach Ostende. Er will arbeiten, in Ruhe, Ruhe haben von seiner Frau, mit der er schon lange nicht mehr glücklich ist, Ruhe haben von dem, was zu Hause abgeht politisch. Er schreibt an seine Sekretärin und Geliebte, Lotte Altmann nach London, sie solle mitsamt ihrer Schreibmaschine nach Ostende kommen. Sie würden da einfach leben. Es ist nicht das erste Mal, dass Stefan Zweig in Ostende ist, es ist ein sicherer Wert, er weiss, wer und was ihn da erwartet: Viele seiner Schriftstellerkollegen und Freunde, die wie er auf der Flucht sind vor einem Regime in einem Land, das das ihre nicht mehr sein kann, weil ihre Bücher da nicht mehr erscheinen dürfen: Joseph Roth, Irmgard Keun, Hermann Kesten, Ernst Toller, Egon Erwin Kisch.

    «Jetzt sind sie Menschen auf der Flucht in einer Urlaubswelt.»

    Besonders mit Joseph Roth verbindet Stefan Zweig eine enge Freundschaft – eigentlich mehr als das. Es ist eine grosse Bewunderung für dessen Schaffen, das er aber am Alkohol zugrunde gehen sieht; und Roth damit. Der jüngere Freund, dem Alkohol durchaus zugetan, steht finanziell und gesundheitlich immer am Abgrund, ist auf die Hilfe seines brüderlichen Freundes angewiesen, kann sie aber doch nicht ganz annehmen, da er sich für die Abhängigkeit schämt und sich nicht unterlegen zeigen will.

    Roth trifft in Ostende auf Irmgard Keun, es ist der Beginn einer zweijährigen Beziehung, welche neben der grossen Liebe (Roth ist wohl Keuns grösste Liebe in ihrem Leben) aus Schreiben und Trinken besteht, die beiden sind in beidem sehr fleissig.

    Volker Weidermann ist ein wunderbares Porträt der Schriftsteller auf der Flucht gelungen. Mit feinem Blick, zielsicherer Sprache und genügend Wissen, die Inhalte auf leichte Art zu erzählen malt er ein Bild einer Oase in der Zeit, welche einerseits die Wunden durchscheinen lässt, andererseits die Kompensationsstrategien der Einzelnen aufzeigt – und dies ohne moralinsaure Stimme, ohne abschätzigen Ton, ohne zu stark zu Psychologisieren.

    Fazit
    Ein grossartiges Buch über die Geschichte einiger Schriftsteller auf der Flucht, das mit viel Hintergrundwissen, Menschlichkeit und einem gut lesbaren Erzählfluss aufwartet. Eine ganz grosse Leseempfehlung.

  6. Cover des Buches Tonio Kröger/ Mario und der Zauberer (ISBN: 9783596213818)
    Thomas Mann

    Tonio Kröger/ Mario und der Zauberer

     (170)
    Aktuelle Rezension von: EliasWittekind
    "Tonio Kröger" ist weniger intellektuell und sentimentaler als Thomas Manns andere Bücher. Sein Herz hängt an diesem Buch. Meines auch!
  7. Cover des Buches Der Tod in Venedig (ISBN: 9783596904075)
    Thomas Mann

    Der Tod in Venedig

     (445)
    Aktuelle Rezension von: Der_Buchklub

    Zur vollständigen Buchbesprechung geht es hier:

    https://www.podbean.com/media/share/pb-3wa9m-f72663

    Vorsicht, Spoiler!

  8. Cover des Buches Buddenbrooks (ISBN: 9783596521487)
    Thomas Mann

    Buddenbrooks

     (2.362)
    Aktuelle Rezension von: AnnikaKemmeter

    Ein großes Stück Weltliteratur. Die Erzählweise ist erstklassig. Die Charaktere nur im Außenblick stereotyp, entfalten ihre Facetten, sobald sich der Autor ihnen zuwendet. Leider hat es auch seine Längen, vielleicht besonders für den heutigen Leser. Aber die Botschaft kommt auf leisen Sohlen und unaufdringlich erst ganz am Ende. Warum geht diese Familie unter? Für mich führt der falschverstandene Stolz und der selbsterzeugte Druck zu den entscheidenden Fehlentscheidungen.

  9. Cover des Buches Faro (ISBN: B009SZR5C4)
    Ole R. Börgdahl

    Faro

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Michael Stromm ist „Torpedo-Mixer“ auf dem U-810 als es von den Alliierten vor den Kanarischen Inseln versenkt wird. Zusammen mit dem schwer verletzten Kaleun gelingt es ihm, in Schlauchboot zu ergattern. Michael hat Glück, er überlebt und wird vom Leuchtturmwärter von Faro, Paulus, gefunden, während Sieber tot an Land gespült wird. Paulus versorgt gemeinsam mit Serina den Verletzten, beschafft ihm falsche Papiere und gibt ihn als schwedischen Neffen aus. Die Ruhe ist trügerisch, denn das neutrale Spanien leidet unter der Diktatur Francos, dessen seinerzeitige Machtübernahme von den Hitler unterstützt worden ist. Es kommt, wie es kommen muss: Zum einen verliebt sich Michael in Serina und zum anderen wird er verraten und liefert sich mit den deutschen Spionen einen gewaltigen Schusswechsel, dem er mit knapper Not entkommt. 

    Jahre später treffen sich Serina und Michael bei Paulus‘ Begräbnis wieder und beschließen, nach Argentinien zu reisen. Was dann folgt, ist eine wilde Hatz auf Leben und Tod durch Argentinien und Chile führt, denn Michael ist noch immer in Besitz jener Dokumente, die seinerzeit der Kaleun Sieber mit sich geführt hat.  

    Meine Meinung: 

    Dieser fesselnd erzählte historische Roman zeugt von akribischer Recherche des Autors. Hier kommen fasst alle Lesergruppen auf ihre Rechnung: die U-Boot-Fans, die das Leben und die Arbeit auf den Stahlkolossen faszinierend finden, jene die, die Gedanken eines einfachen Mechanikers zum NS-Regime kennenlernen wollen, jene, die auf rasante Verfolgungsjagden und Verschwörungstheorien nicht verzichten wollen und, ein bisschen Liebesgeschichte (aber nur andeutungsweise). Diese unterschiedlichen Gruppen unter einen Hut, zu bringen, ist eine große Kunst. 

    Der Arbeitsalltag auf einem U-Boot ist detailliert beschrieben. Man kann förmlich die Enge spüren und den Geruch von Diesel und Schmierfett sowie die ungewaschenen Körper der Mannschaft riechen.  

    Auch die Stimmung und die historischen Details aus dem Spanien von 1943 sind elegant in die Handlung verwoben. Obwohl einige vermuten oder sogar wissen, dass Michael Deutscher ist, dauert es recht lange, bis er verraten wird. 

    Die Zeitspanne zwischen dem Verrat und dem Wiedersehen ist mir - vor allem in Hinblick auf die sonstige detailreiche Schreibweise des Autors - ein wenig ins Hintertreffen geraten. Da hätte ich mir schon ein paar Informationen mehr erwartet. Sieben Jahre sind eine lange Zeit, in der sowohl Michael als auch Serina viel erlebt haben (müssen). 

    Den Entschluss, nach Argentinien zu fahren, um die nun endlich geöffneten Papiere von Kaleun Sieber zu überprüfen, finde ich grundsätzlich in Ordnung. Ich persönlich hätte schon viel früher die Dokumente angesehen. Interessant ist auch hier, die Einbettung in die politischen Gegebenheiten (Juan Peron ist Dikataor, Eva Perons Tod) und die vielen Auswanderer aus Deutschland. Das Netzwerk der NS-Zeit besteht nach wie vor und dass sich Michael und Serina darin verstricken, ist auch gut dargestellt. Lediglich die Verfolgungsjagden in Eis und Schnee empfinde ich ein wenig zu dick aufgetragen. Dass Südamerika ein Sammelbecken für Faschisten aller Art war, ist ja belegt und mir bekennt. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass viele NS-Bonzen die selben Fluchtrouten benutzten, die zuvor die verfolgten Juden benutzt haben. 

    Sehr gut sind die Charaktere gelungen, vor allem Michael Stromm, dessen Wandlung vom Saulus zum Paulus nachvollziehbar ist. Der Torpedomechaniker ist ein Kind seiner Zeit, aufgewachsen mit der Indoktrination der NS-Propaganda erkennt er erst auf Maspalomas, beim Hören von BBC und die Ansprachen von Thomas Mann, dass im Deutschen Reich nicht alles so ist, wie es Goebbels & Co. darstellen. Oder der Leuchtturmwärter Paulus (Warum heißt der nicht Pablo?) und Serina, die beide nichts mit dem faschistischen Franco-Regime zu tun haben wollen - glaubhaft gezeichnet. Ich kann sie mir gut vorstellen, diese Serina, die mit ihrem Buick auf der Insel herumfährt (hier habe ich immer Sophia Loren im Kopf).  

    Die fehlenden Jahre zwischen Verrat und Wiedersehen sowie die, für mich James-Bond-artige Schnitzeljagd in Argentinien kosten den 5. Stern. 

    Fazit:

    Ein fesselnder historischer Krimi, der wie schon beschrieben, mehrere Zielgruppen anspricht. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

     

  10. Cover des Buches Sunset (ISBN: 9783492274180)
    Klaus Modick

    Sunset

     (51)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Die beiden Zeitgenossen Lion Feuchtwanger und Bertold Brecht verband nicht nur ihr schriftstellerisches Schaffen sondern vielmehr eine tiefe Freundschaft. Trotz grossen Gegensätzen haben sich die beiden gegenseitige immer wieder inspiriert. In dieser feinsinnigen und stillen Erzählung von Klaus Modick verwebt sich Vergangenheit und Gegenwart. Lion Feuchtwanger erinnert sich in seinem Haus am Meer Kaliforniens an die wunderbare Zeit mit seinem Weggefährten und die Nachricht vom Tode Brechts, der um einige Jahre jünger war als er selbst, trifft ihn schwer. Im Inneren oft als eigenen Sohn betrachtet, führt er geistige und träumerische Zwiegespräche mit seinem fernen Freund.

    Lion Feuchtwanger reflektiert aber auch über seine literarische Arbeit, über die Umstände der Zeit, die Geschichte Israels und Palästinas und die persönlichen und weltpolitischen Katastrophen. Er hat keine Wahl, wie Klaus Modick schreibt, sondern er muss sich der Wahrheit stellen, da er an den Sieg der Vernunft glaubt.

    Ein kleines Meisterwerk, das wie ich finde, sehr lesbar und lehrreich ist, in einer gepflegten und aussergewöhnlich schönen Sprache, die jeden Satz zu einem Lesegenuss macht.

  11. Cover des Buches Faserland (ISBN: 9783462301465)
    Christian Kracht

    Faserland

     (371)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Das Buch fühlt sich so an, als hätte es ein Kleinkind geschrieben. "Ich mag die eine Frau sehr", "Ich mag das nicht", "mein Arsch ist klebrig" und natürlich wird in jedem Kapitel gekackt, gepisst und gefurzt. Der übermäßige Brauch von dem Wort "dass" macht auch eindeutig klar, dass der Autor die Schönheit der deutschen Sprache nicht zu würdigen weiß.

    Die Handlung beschränkt sich auf Saufen und Rauchen, irgendwo kommt auch ein bisschen Sex und natürlich sind da auch Drogen dabei. Was wäre schon ein nihilistisches Buch ohne Drogen? Die Figur selbst ist reich und oberflächlich, eine Zutat, die man in so vielen Drecksbüchern schon gelesen hat, dass das einem aus dem Hals hängt. Warum dürfen sich die Reichen alles erlauben und werden dafür geliebt, während die Arme für jede Handlung gehasst werden?

    Ich will nichts in ein Buch interpretieren. Ich will nicht den tieferen Sinn darin suchen, sondern ich lasse mich immer vom Autoren leiten, von einem Satz zum nächsten und das hier fühlte sich schon wie eine Beleidigung an. Ich habe mich zu tote gelangweilt. Soll der Protagonist seine geliebte Jacke sonst wohin stecken. Seit American Psycho können mich solche Bücher nicht schockieren.

  12. Cover des Buches Der Tod in Venedig und andere Erzählungen (ISBN: 9783596900275)
    Thomas Mann

    Der Tod in Venedig und andere Erzählungen

     (147)
    Aktuelle Rezension von: Der_Buchklub

    Zur vollständigen Buchbesprechung geht es hier:

    https://www.podbean.com/media/share/pb-3wa9m-f72663

    Vorsicht, Spoiler!

  13. Cover des Buches Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (ISBN: 9783100483430)
    Thomas Sprecher

    Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

     (289)
    Aktuelle Rezension von: Nickmeh

    Es fängt spannend an, wie man es bei Romanen von Mann gewohnt ist. 

    Er erzählt die Geschichte eines Jungen namens Felix Krull, der schon früh für sich entdeckt, wie man durch Lügereien, im Leben etwas erreichen kann. Vor allem der Anfang (bis hin zur Mitte) ist interessant: Felix wird in wohlhabenden Verhältnisse groß, da sein Vater sich aber verspekuliert, todkrank wird und letztlich früh verstirbt, muss er mit seiner Mutter nach Frankfurt ziehen, die in der Nähe des hiesigen Bahnhofsviertels, eine kleine Pension eröffnet. Nach einer Weile wird Felix Hotelpage in einem renommierten Pariser Hotel. Er kommt mit seiner eleganten und redegewandten Art gut bei den Gästen an. Mich als Leser hat immer seine Sensibilität in Bezug auf Natur und Tierwelt imponiert, was vielleicht verwundert, wenn man bedenkt, wie lügnerisch, betrügerisch und kaltschnäuzig Felix zuweilen ist.


    Nach einer Zeit macht er dann eine Weltreise, unter einer falschen Identität. Ihm führt es zuerst nach Lissabon. Nur von dieser Station bekommen wir etwas mit. Der Roman endet abrupt wie zusammenhanglos. Vom Ende bin ich daher wirklich enttäuscht.

  14. Cover des Buches Doktor Faustus (ISBN: 9783596904037)
    Thomas Mann

    Doktor Faustus

     (131)
    Aktuelle Rezension von: muprl
    Das Buch ist schwierig, ohne Zweifel. Wahrscheinlich das Werk von Thomas Mann, das dem Leser beim "normalen" Lesen am meisten abverlangt. Doch man sollte sich nicht vom musikalischen Fachvokabular nicht abschrecken lassen. Ich verstehe auch nichts von Musik und konnte doch das Wer in vollen Zügen genießen. Der Schreibstil ist so unachahmlich ironisch gebrochen und trotzdem liegt der Ton einer Legende zugrunde. Der mystische Aspekt des Teufelspaktes wird halb realistisch, halb allegorisch sehr dezent eingewoben und ist so keineswegs eine "Fantasyeinlage", sondern spielt auf so viele kulturelle, menschliche und politische Ebenen an, dass jedem Leser die eine oder andere Idee dazu kommen muss. Die Grundkonstruktion einen Freund Leverkühns, den "Chronisten" Zeitblom, Leverkühns Geschichte erzählen zu lassen, macht es trotzdem leicht, dem Erzählfluss zu folgen. Trotz der Komplexität der Geschichte und Gedankenwelt gelingt es Thomas Mann den Roman zu einem runden Ende zu führen, dass für mich eigentlich ein einziges Wort dieses Buch beschreibt: Genial!
  15. Cover des Buches Die Erzählungen (ISBN: 9783100485144)
    Thomas Mann

    Die Erzählungen

     (45)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Genial. Die Sprache und die Bilder sind einmalig.
  16. Cover des Buches Mephisto (ISBN: 9783499276866)
    Klaus Mann

    Mephisto

     (320)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle

    Als Klaus Mann den Roman  schrieb wollte er eine Wirkung erzielen und sein Qualitätsmaßstab war, ob er diese Wirkung erreichte oder nicht. Mein Maßstab ist notwendigerweise ein anderer.

    Der Ich Erzähler behauptet steif und fest, der Held der Geschichte, der eitle Schauspieler Höfen sei ein Karrierist, einer, der alles für seine Karriere tut und sich den Nazis andient. Aber mehr als ein Mitläufer wird aus ihm nicht. Er schafft es zwar, in den unmittelbaren Umkreis der Macht zu gelangen, aber zu mehr als einem Hofnarren, langt es bei ihm nicht. Er gibt sich nicht einmal als Nazis und seinem anfallsweise auftretendem schlechten Gewissen gibt er auch immer wieder nach.

    Klaus Mann benutzte vorallem eine realistische Palette, dabei viele Klischees. Seinem Hofgen ist weder dämonisch noch lächerlich.

    Interessanter sind die Einblicke ins Schauspielerleben, die man in dem Roman erhält.


  17. Cover des Buches Wiesenstein (ISBN: 9783406700613)
    Hans Pleschinski

    Wiesenstein

     (52)
    Aktuelle Rezension von: Sigismund
    Fünf Jahre nach seinem viel gelobten Roman „Königsallee“ um Nobelpreisträger Thomas Mann widmet sich Hans Pleschinski (61) nun in seiner auch für literaturwissenschaftlich Unerfahrene absolut lesenswerten Romanbiografie „Wiesenstein“, im März beim Verlag C. H. Beck erschienen, dem Leben und Wirken des Dramatikers und Lyrikers Gerhart Hauptmann (1862-1946). Während die vordergründige Romanhandlung nur Hauptmanns letzte Lebensmonate zwischen März 1945 und Juni 1946 in seiner geliebten Jugendstilvilla Wiesenstein, „der mystischen Schutzhülle meiner Seele“, im niederschlesischen Agnetendorf umfasst - also die dramatischen Wochen zwischen letzten Kriegstagen, russischer Besetzung, polnischer Rache und der Vertreibung aller Deutschen -, lässt Pleschinski in Gesprächen des Hauspersonals, in Rezitationen aus Hauptmanns Werken, in Tischgesprächen des Dichters oder in dessen Erinnerungen nicht nur das Leben des 83-Jährigen bis in dessen Kindheit als Hotelierssohn in Bad Salzbrunn vor unseren Augen ablaufen. Der Autor zeigt uns vor allem das kulturelle Vermächtnis des in seiner literarischen Vielfalt wie auch politisch schwer einzuordnenden Nobelpreisträgers. Gewiss, manche Passage hätte Pleschinski vielleicht kürzer fassen können. Dennoch bleibt der Roman auch für literaturwissenschaftliche Laien interessant und spannend zu lesen. Der Autor wertet nicht, lässt auch nichts aus. Er verdeutlicht, dass nicht nur Macht, sondern auch Ruhm korrumpiert: Hauptmann wurde zeitlebens, ungeachtet der Widersprüchlichkeit seiner Werke, von Öffentlichkeit und Machthabern wenn nicht verehrt, dann doch geehrt. Schon zu Kaisers Zeiten erhielt er 1912 den Literaturnobelpreis, wurde zum Nationaldichter erhoben. Förderte der Schriftsteller bei Ausbruch des Ersten wie des Zweiten Weltkriegs in seinem Werk die Kriegseuphorie, wandelte er sich nach ersten Verlusten plötzlich zum Pazifisten. Von den Nazis wurde der Volksdichter gebraucht, auch missbraucht. Selbst die russischen Besatzer wissen nach Kriegsende, sein Loblied zu singen. Zuletzt erscheint der ostzonale Kulturwissenschaftler Johannes R. Becher in der Villa Wiesenstein und will unter Verweis auf Hauptmanns Vorkriegsdrama „Die Finsternisse“, in dem er die immerwährende Verfolgung des jüdischen Volkes beklagt hatte, den schon Todgeweihten noch für das neue Deutschland gewinnen. Jeder findet also in der Vielfalt der Werke Hauptmanns für sich mindestens eines, das dem aktuell angesagten Zeitgeist entspricht und alle unpassenden zu vernachlässigen ermöglicht. Pleschinski zeigt die Widersprüche Hauptmanns: Zum 80. Geburtstag nahm dieser 1942 die Ehrungen der Nazis entgegen. Er bewirtete in der Villa Wiesenstein in Kriegszeiten den in Polen als Generalgouverneur eingesetzten Hans Frank ebenso wie später russische Kommandanten. Hauptmann wandelte als gefeierter Nationaldichter zwischen den Welten. Er selbst, den Hitler in die „Liste der Gottbegnadeten“ aufgenommen hatte, hielt sich im Rückblick für überparteilich, nennt sich in Pleschinskis Buch selbst einen „Kompromissler“, gesteht kurz vor seinem Tod aber dann doch mit Blick auf seinen langjährigen Rivalen um die Publikumsgunst, den frühzeitig emigrierten Thomas Mann: „Wer nur zuschaut, ist deswegen noch lange nicht unschuldig.“ Pleschinskis Roman „Wiesenstein“ ist ein wunderbares Buch, das jeder Freund deutscher Literatur lesen sollte.
  18. Cover des Buches Tonio Kröger (ISBN: 9783100482815)
    Thomas Mann

    Tonio Kröger

     (51)
    Aktuelle Rezension von: RobinBook
    Wir mussten dieses Buch auszugsweise im Schulunterricht lesen - und waren fast alle davon so angetan,  dass es sich anschließend nicht wenige von uns, darunter auch ich, vom Taschengeld kauften, weil wir MEHR wollten. Das war der Einstieg zu "Königliche Hoheit", den "Buddenbrooks" und anderen Werken Thomas Manns...
  19. Cover des Buches Der Brief des Zauberers (ISBN: 9783746631424)
    Britta Böhler

    Der Brief des Zauberers

     (14)
    Aktuelle Rezension von: urwort
    „Not und Widrigkeit sind keine Hindernisse für den Schöpfergeist. Vielleicht sind sie sogar notwendige Voraussetzungen.“

    Der Schriftsteller Thomas Mann (1875-1955) gönnte sich mit seiner Familie zu Zeiten Hitlers Machtergreifung nach langen Reisen Erholung außerhalb Deutschlands. 1933 blieben seine Werke bei der Bücherverbrennung zwar verschont, dennoch wird ihm eine Heimkehr abgeraten, weshalb er sich bald im Schweizer Exil widerfindet – mit einem Bruchteil seiner Habe.

    „Man fühlt sich unbedeutend und nichtig, wenn man sich die Erde zwischen all den anderen Gestirnen vorstellt. Ein klitzekleines Sandkorn, nicht mehr. Und ein Menschenleben ist nicht einmal ein Blinzeln in der Gewaltigkeit des Weltalls.“

    Zwei Jahre sind vergangen, ihn traf noch nicht das Schicksal der anderen Exilanten, die in Deutschland nicht mehr veröffentlichen dürfen. Doch nun möchte auch er Stellung nehmen – dieses Buch handelt nicht von Thomas Mann als Autor, sondern er als Mensch mit Ängsten und inneren Zerwürfnissen tritt in den Vordergrund. Drei Tage ringt Mann mit der Entscheidung den „Korrodi-Brief“ zu veröffentlichen.

    „Wo ich bin, ist Deutschland.“

    Britta Böhler legt ein gut recherchiertes Debut vor, welches uns Buddenbrooks’ Autor aus einfühlsamer Perspektive betrachten lässt. So interessant die Geschichte auch ist, so banal ist der Schreibstil. Ob eine bewusste Vereinfachung erzielt wurde oder Roman mit Sachbuch verwechselt wurde, bliebt offen. Die Lektüre liest sich schnell, Kenntnisse über Manns Werk sind dabei nicht vonnöten; vielmehr eignet es sich als blumige Ergänzung zu dessen Biographie. Trotz der vielversprechenden Idee bleibt die Lektüre unbefriedigend.  
  20. Cover des Buches Der Tod in Venedig (ISBN: 9783957282682)
    Susanne Kuhlendahl

    Der Tod in Venedig

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    «Damit ein bedeutendes Geistesprodukt auf der Stelle eine breite und tiefe Wirkung zu üben vermöge, muß eine geheime Verwandtschaft, ja Übereinstimmung zwischen dem persönlichen Schicksal seines Urhebers und dem allgemeinen des mitlebenden Geschlechtes bestehen.» (Tod in Venedig – Thomas Mann)


    Susanne Kuhlendahl hat die Novelle «Der Tod in Venedig» von Thomas Mann als Graphik Novel umgesetzt. Wo Thomas Mann Worte sprechen lässt, benutzt sie das Bild. Natürlich ist auch Text enthalten – und der ist originalgetreu. Es ist alles enthalten, was diesen Fünfakter ausmacht: die Symbolkraft und die Sinnhaftigkeit: Schönheit, Begierde, Abgrund.


    Thomas Manns schreibt über den erfolgreichen, alternden Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der in Venedig beim Anblick des fast vierzehnjährigen Knaben Tadzio seiner Schönheit verfällt. Ein Klassiker der deutschen Literatur. In Tadzio erkennt der Künstler die Essenz der Schönheit, zitiert griechische Klassiker immer wieder. Seine Begierde wächst, der verfolgt den Jüngling auf Schritt und Tritt. Eine unmögliche Liebe mit tragischem Ausgang. In seine pädophile Neigung verstrickt, verliert von Aschenbach dabei zunächst seine Würde und um Schluss sich selbst. Der Leser ahnt von Anfang an, dass dem Schriftsteller der Tod bevorsteht, figürlich treten immer wieder Personen und Symbole auf, die das Ende ankündigen. Susanne Kuhlendahl hat diese Symbolkraft, sowie die Zerrissenheit und Gier des Protagonisten fein umgesetzt, seinen Verlust der Würde. Auf seiner Fahrt nach Venedig beobachtet der Schriftsteller einen alten Mann, der sich zwischen jungen Leuten herumtreibt, sich ihnen anbiedert, sich kleidet, als wäre er einer von ihnen. Von Aschenbach ist angewidert. Beim Verlassen des Schiffs spricht der Mann den Schriftsteller an, verliert dabei sein Gebiss. In Szenen wie diesen geht Susanne Kuhlendahl in die Tiefe, zoomt mit ihren Zeichnungen die Details heraus.


    «Sein Mund wässert, er drückt die Augen ein, er leckt die Mundwinkel, und die gefärbte Bartfliege an seiner Greisenlippe sträubt sich empor. ‹Unsere Komplimente›, lallt er, zwei Fingerspitzen am Munde, ‹unsere Komplimente dem Liebchen, dem allerliebsten, dem schönsten Liebchen ...› Und plötzlich fällt ihm das falsche Obergebiss vom Kiefer auf die Unterlippe. Aschenbach konnte entweichen. ‹Dem Liebchen, dem feinen Liebchen›, hörte er in girrenden, hohlen und behinderten Lauten in seinem Rücken, während er, am Strickgeländer sich haltend, die Fallreepstreppe hinabklomm.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)



    Thomas Mann lässt seinen auktorialen Erzähler Gustav von Aschenbach beobachten, kritisiert das Verhalten des Schriftstellers voller Ironie. Dann wieder wechselt die Perspektive zum Icherzähler von Aschenbach. Für ihn ist Schönheit eng mit Jugend verbunden. Als er Tadzio am Strand beobachtet, beschreibt er ihn so:


    «Sein honigfarbenes Haar schmiegte sich in Ringeln an die Schläfen und in den Nacken, die Sonne erleuchtete den Flaum des oberen Rückgrats, die feine Zeichnung der Rippen, das Gleichmaß der Brust traten durch die knappe Umhüllung des Rumpfs hervor, seine Achselhöhlen waren noch glatt wie bei einer Statue, seine Kniekehlen glänzten, und ihr bläuliches Geäder ließ seine Körper wie aus klarerem Stoff.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)


    Diese zeichnerische Umsetzung des Stoffs ist Susanne Kuhlendahl sehr gut gelungen. Aquarelle, Zeichenstift mit Aquarelltechnik in Farbe gesetzt, großflächig, oder ins Detail gezoomt, ist jedes Bild für sich ein Genuss. Jede Doppelseite ist eine Einheit, ein Szenenausschnitt. Figurentiefe und Emonationalität entsteht durch die Ausdruckskraft der Gesichtszüge und Körperhaltung – hier haben mich die Details beeindruckt. Auch die Symbolhaftigkeit des Todes ist schauerlich gut gelungen: ein Passant in München, der Gondoliere in Venedig, Träume, Visionen, die vergammelten roten Erdbeeren. Von Aschenbach, streng, diszipliniert, unzufrieden und arrogant, löst sich immer weiter auf in Entsetzen und Verzweiflung. Thomas Mann sagte über seine Novelle, sie sei die «Tragödie einer Entwürdigung» – und es ist der Autorin wunderbar gelungen, dies zeichnerisch umzusetzen. 




    «Er liebte das Meer aus tiefen Gründen: aus dem Ruheverlangen des schwer arbeitenden Künstlers, der vor der anspruchsvollen Vielgestalt der Erscheinungen an der Brust des Einfachen, Ungeheueren sich zu bergen begehrt; aus einem verbotenen, seiner Aufgabe gerade entgegengesetzten und ebendarum verführerischen Hange zum Ungegliederten, Maßlosen, Ewigen, zum Nichts.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)



    Das optische Bild der Jugend als Ideal, faltenfrei, grauhaarfrei, feste, rosige Haut, schlanke, elastische Körper, die strotzende Kraft des jungen Menschen, jung sein, gesund sein, Hochleistung erbringen – Schönheit. Ein noch heute aktuelles Thema. Verliebt, Gier. Was ist Liebe? Von Aschenbach wechselt in der Novelle nicht ein Wort mit dem schönen Knaben, weiß nichts über ihn, er liebt den jungen, anziehenden Körper. Er beobachtet Tadzio, verfolgt ihn – heute ein klares Stalking. Er schert sich auch einen Kehricht darum, dass Tadzio das verunsichert, es ihn stört. Die Novelle ist noch heute als Schullektüre gelistet – und diese Graphic Novel kann ich empfehlen. Vielleicht ein Einstieg zu Thomas Mann.


    Familie Mann wohnte in München und hat sich 1911 länger in Venedig aufgehalten. Und den polnischen Jungen Tadzio gab es dort wirklich. Insofern trägt die Geschichte einige autobiografische Züge.


    Susanne Kuhlendahl ist Illustratorin. Vor allem das Erzählen von komplexen Geschichten in Bildern, das Mitfühlen- und Miterlebenlassen des Lesers ist ihre Leidenschaft. Die Diplom-Designerin arbeitet für namhafte Schulbuch-, Kinderbuch-, Bastel- und Kalenderverlage. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.


  21. Cover des Buches Die Manns (ISBN: 9783596195664)
    Tilmann Lahme

    Die Manns

     (17)
    Aktuelle Rezension von: UteSeiberth
    Ich hatte mich vor vielen Jahren schon einmal mit der berühmten Familie von Thomas Mann beschäftigt als ich von Klaus Mann den "Wendepunkt" gelesen hatte. So habe ich nach dem neuen Buch von Tilmann Lahme gegriffen um zu sehen,was er noch an weiteren unbekannten Dokumenten ausgegraben und bearbeitet hat und es ist tatsächlich ein etwas anderes Bild dieser Familie entstanden als ich es in Erinnerung hatte. Im Schatten des "Zauberers",wie Thomas Mann oft genannt wurde, war es nicht einfach für die Kinder einen eigenen literarischen Weg zu finden.
    Das ist lediglich Klaus Mann und Golo Mann gelungen,der eine als Literat und der andere als Historiker.Da die Familie vor dem "Dritten Reich" nach Amerika flieht, zeigen sich auch die familiären Abgründe ,Eifersucht,Drogen und persönliches Unglück, wie es mir bisher nicht bekannt war.Das hat mich an Tilmann Lahmes Buch so fasziniert und trotzdem ist es nicht schwierig zu lesen.
  22. Cover des Buches Frau Thomas Mann (ISBN: 9783499629778)
    Inge Jens

    Frau Thomas Mann

     (36)
    Aktuelle Rezension von: Federfee

    Thomas Mann, immer nur Thomas Mann, Thomas Mann, der große Poet, einer der bedeutendsten deutschen, weltweit bekannten Autoren, der Wortmagier, der 'Zauberer', wie ihn auch seine Kinder nannten. Aber was wäre er ohne Katia gewesen, seine Frau Katharina Pringsheim, Frau Thomas Mann, wie sie sich ohne Scheu manchmal selber nannte! Dabei soll niemand denken, sie sei ein Heimchen, eine untergeordnete Frau oder gar 'Zubehör', wie sie selbst sich einmal bezeichnet hat.

    Ganz im Gegenteil! Sie hat – ungewöhnlich für die damalige Zeit – Abitur gemacht und ein Mathematikstudium begonnen (Vater Mathematikprofessor). Das Haus Pringsheim, ein Palais in der Arcisstraße in München, war ein Mittelpunkt der illustren Münchner Gesellschaft. In ihrem sehr reichen, sehr liberalen jüdischen Elternhaus war Katia den Umgang mit Professoren, Adligen und Künstlern gewohnt und auch, dass es in Gesprächen keine Tabus gab. Die langjährige Geliebte des Vaters saß mit am Teetisch... Wahrscheinlich war es diese Prägung des Elternhauses, der souveräne Umgang mit prekären Konstellationen, der es Katia später ermöglichte, mit der latenten Homosexualität ihres Ehemannes umzugehen.

    Dabei wollte sie eigentlich nicht heiraten, hatte aber – wie später Briefe belegen – doch den Wunsch, eine Familie zu gründen. Aber es war eine Vernunftehe, wie so oft in der damaligen Zeit, wenn man sich auch als unbeteiligter Leser des Eindrucks nicht erwehren kann, dass von beiden Seiten später Liebe im Spiel war, nur eben keine romantische, wie man sich das heute vorstellt. Aber es gab Respekt, Achtung, ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und vor allem von Katias Seite der Wunsch, alles für ihn und seinen dichterischen Erfolg zu tun.

    'Ich habe ein meinem Leben nie tun können, was ich hätte tun wollen,'

    sagt sie als alte Frau. Aber ich sage: sie hat es wahrscheinlich nicht anders gewollt. Sie war seine Begleiterin auf zahlreichen Vortragsreisen, seine Ratgeberin, Ideengeberin und Kritikerin, seine engste Vertraute und die Mutter von sechs Kindern. Sie hat ihr ganzes Leben auf ihn ausgerichtet.

    Es gäbe noch viel zu sagen, über das unstete Leben, die vielen Häuser, das belastende Exil, die häuslichen Probleme mit Dienstboten und vor allem mit den Kindern, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

    Die Biografie beruht auf Hunderten von Briefen und anderen Schriftstücken und erforderte mehr als vier Jahre Recherche-Arbeit. Sie ist leicht und sehr interessant zu lesen und ich kann sie nur empfehlen.

  23. Cover des Buches Königliche Hoheit (ISBN: 9783596904013)
    Thomas Mann

    Königliche Hoheit

     (34)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Mario und der Zauberer (ISBN: 9783946257059)
    Thomas Mann

    Mario und der Zauberer

     (202)
    Aktuelle Rezension von: Herbstrose

    Im August 1926 macht eine deutsche Familie im italienischen Badeort Torre di Venere Urlaub, wo sie im Grand Hotel abgestiegen sind. Sie fühlten sich jedoch nicht wohl dort, weil eine nationalistisch aufgeladene Stimmung herrschte und die überwiegend italienischen Gäste offensichtlich bevorzugt behandelt wurden. Nach einigen Beschwerden zogen sie in eine kleinere Pension um, deren Wirtin überaus nett und freundlich war. Als sich gegen Ende ihres Urlaubs der Zauberkünstler Cipolla ankündigte, drängten die Kinder darauf, die Vorstellung zu besuchen. Dieser Zauberkünstler entpuppte sich allerdings mehr als begabter Hypnotiseur dem es ohne Mühe gelang, einigen Personen im Publikum seinen Willen aufzuzwingen und sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Als dann Kellner Mario auf die Bühne gerufen wird, bahnt sich ein Drama an … 

    Thomas Mann (1875-1955) war ein deutscher Schriftsteller und einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Nach der Machtübernahme Hitlers emigrierte der überzeugte Gegner des Nationalsozialismus mit seiner Familie 1933 zunächst in die Schweiz und dann 1938 in die USA. Er schrieb unzählige Romane, Erzählungen, Novellen und Essays, für die er zahlreiche Ehrungen und Preise erhielt und für die er 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Viele seiner bekanntesten Werke wurden auch verfilmt. 1944 nahm Thomas Mann die amerikanische Staatsbürgerschaft an und kehrte 1952 zurück in die Schweiz, wo er bis zu seinem Tod in Zürich lebte. 

    In der 1930 erschienenen Novelle „Mario und der Zauberer“, der, nach seinen eigenen Aussagen, eine wahre Begebenheit zugrunde lag, schildert Thomas Mann in der Person eines Familienvaters als Ich-Erzähler seine Erlebnisse während eines Italienurlaubs in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dabei zeigt sich sehr gut die Stimmung nach der Machtübernahme Mussolinis und die bereits aufkommende Fremdenfeindlichkeit. In der Person des Zauberers und Hypnotiseurs Cipolla wird sehr eindringlich die Gefahr verdeutlicht, die von einer machtbesessenen Person ausgehen kann der er es gelingt, einzelne Personen, eine Gruppe oder gar ein ganzes Volk zu manipulieren und seinen Willen aufzuzwingen.       

    Mit seiner bildgewaltigen Sprache schafft es der Autor, den Leser zu fesseln und ihn tief in das Geschehen hinein zu ziehen. Die schwüle Hitze der Augusttage, die emotional aufgeladene Stimmung der Einheimischen sowie die angespannte Atmosphäre während der abendlichen Zaubervorstellung sind hautnah zu spüren. Durch das schon gleich zu Anfang angekündigte „Ende mit Schrecken“ lässt sich eine Anspielung auf die faschistische Bewegung mit seinen späteren tödlichen Folgen erkennen. Das Thema „Willensfreiheit“ wird dabei ebenfalls stark thematisiert, und ist wohl, betrachtet man den Ausgang der Geschichte, die versteckte Aufforderung, sich gegen jegliche Manipulation zu wehren.  

    Fazit: Ein Klassiker der deutschen Literatur und eine zeitgeschichtliche Momentaufnahme. 

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