Bücher mit dem Tag "tolstoi"
12 Bücher
- Leo Tolstoi
Anna Karenina
(1.104)Aktuelle Rezension von: Malte_HermannWenn ich Leo Tolstois „Anna Karenina“ lese, spüre ich von der ersten Bahnhofsszene an ein leises Grollen unter den Füßen: metallisches Zischen, neugierige Blicke, ein Vorzeichen von Unheil. Anna tritt für mich wie ein warmer Lichtkegel in eine kalte Gesellschaft; ihr Blick auf Wronskij entzündet eine Liebe, die zugleich Befreiung und Sturz bedeutet. Ich folge ihr durch Salons, Waggons und Gerüchte, durch die starre Höflichkeit von Petersburg und die klatschenden Kreise Moskaus. Ihr Ehemann Karenin wirkt korrekt wie ein Protokoll: Er schützt die Form und übersieht den Menschen. Ich schäme mich stellenweise über eine Welt, die Skandal wittert, aber Mitgefühl spart. (Mehr zu Anna Karenina: https://love-books-review.com/de/anna-karenina-von-leo-tolstoi/ )
Parallel gehe ich mit Lewin über Felder. In Gesprächen mit Bauern, in Mühen und Zweifeln sucht er Sinn, Gott und Arbeit zu verbinden. Zwischen abgewiesenem Antrag, Rückzug und Rückkehr wächst in mir Ruhe: In Kittys Blick und der Geburt des Kindes erkennt Lewin eine demütige, leise Wahrheit. Diese zweite Geschichte erdet die erste; sie zeigt mir, dass Glück nicht flackert wie Feuerwerk, sondern glüht wie eine kleine Flamme, die man gegen Wind schützt.
Je weiter ich lese, desto enger wird Annas Raum. Eifersucht, Schlaflosigkeit, Morphium und die Unmöglichkeit einer ehrlichen Zugehörigkeit lassen ihre Sprache spröde werden. Am Ende schneiden die Zugräder durch meine Gedanken: ein Entschluss, grausam klar. Ich bleibe erschüttert und zugleich dankbar, weil Tolstoi mir beides schenkt – das Porträt einer Gesellschaft, die Menschen zu Rollen verengt, und die Ahnung, dass Sinn im einfachen Guten liegt. Anna bleibt ein brennender Schatten; Lewin, ein stilles Versprechen von Alltag und Gnade.
- Leo Tolstoi
Krieg und Frieden (Leo Tolstoi)
(516)Aktuelle Rezension von: Itsnotabout_HappyendingsTolstois "Krieg und Frieden" ist ein zeitloses Meisterwerk, das die Schicksale russischer Adelsfamilien während der napoleonischen Kriege verfolgt, insbesondere die Entwicklungen von Pierre Besuchow, Andrej Bolkonski und Natascha Rostowa. Der Roman verbindet persönliche Geschichten mit historischen Ereignissen und zeigt die psychologische Tiefe der Charaktere. Besonders eindrucksvoll sind Pierres und Nataschas Wandlungen. Tolstois schonungslose Darstellung des Krieges, insbesondere der Schlacht von Borodino, entlarvt heroische Mythen und thematisiert die Sinnlosigkeit des Krieges sowie die Rolle des Individuums in der Geschichte.
Die Detailtreue des russischen Gesellschaftslebens im 19. Jahrhundert ist bemerkenswert, auch wenn die Vielzahl an russischen Namen und die Länge des Romans eine Herausforderung darstellen können.
Empfohlen für:
- Liebhaber komplexer Literatur
- Geschichtsinteressierte
- Leser philosophischer Themen
- Fans tiefgehender Charakterentwicklung
Weniger geeignet für:
- Leser, die schnelle Unterhaltung suchen
- Personen, die lange philosophische Passagen vermeiden
- Leser, die Schwierigkeiten mit vielen Charakteren und Handlungssträngen haben
Ein hilfreicher Tipp für das Lesen ist, eine Liste der Hauptcharaktere und deren Beziehungen zu erstellen.
- Stefan Zweig
Sternstunden der Menschheit
(213)Aktuelle Rezension von: Timo_JancaManch ausgewähltes Ereignis mag bekannt sein, jedoch versteht es Stefan Zweig die Geschichten emotional und mit tiefer Anteilnahme zu begleiten. Ihn interessieren die persönlichen Beweggründe und was die Betroffenen in der Stunde des Schicksals empfunden haben. Detailverliebte Beschreibungen und dramatische Sprache lassen u.a. die Entdeckung zweier Ozeane oder eine Episode aus Goethes Leben vor dem geistigen Auge lebendig entstehen.
- Leo Tolstoi
Die Kreutzersonate
(124)Aktuelle Rezension von: SudaTolstoi mag ja tolle Romane haben, aber dass seine Kurzgeschichten weniger bekannt sind, hat gute Gründe: Unerständliche Charaktere, merkwürdige Handlungen und eine veraltete Moral, die durch seine Erklärung im Nachwort nur extremer zu werden scheint. Selbst mit großzügiger Interpretation ein Buch, das man nur mit einer Mischung aus Unverständnis und Irritation liest.
- Leo N. Tolstoi
Auferstehung
(19)Aktuelle Rezension von: mabo63Die Geschichte des Fürsten Nechliudow der als Geschworener in einem Prozess die Angeklagte Prostituierte Maslowa als seine Jugendliebe Katjuscha wiedererkennt. Katjuscha wird fälschlicherweise schuldig des Giftmordes an einem Ihrer Kunden gesprochen. Nechliudow fühlt sich mitschuldig an Ihrem Niedergang und reist Ihr nach bis nach Sibirien, fortwärend gegen die Justiz ankämpfend.
Tolstoi schildert in diesem Roman eindrücklich die Auswüchse der Justiz und dessen willkürlichen Aparat. Er plädiert an die Menschenliebe, an den Glauben zu Gott.
Empfehlenswerte Lektüre
- Leo Tolstoi
Auferstehung: Roman (Fischer Klassik)
(1)Aktuelle Rezension von: FilzblumeFischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2011/ Zitat: „Nechliudow passierte nicht zum erstenmal im Leben das, was er »die Reinigung der Seele« nannte. »Reinigung der Seele« nannte er jenen seelischen Zustand, da er sich plötzlich, zuweilen nach einem großen Zeitraum, einer Verlangsamung, manchmal aber auch eines Stehenbleibens des inneren Lebens bewußt ward und sich an die Reinigung all dieses Kehrichts machte, welcher sich in seiner Seele angehäuft hatte und die Ursache dieses Stehenbleibens .„ Handlung: Fürst Dmitrij Nechljudow wird zu einer Gerichtsverhandlung als Schöffe geladen. Als der Fall wegen des Giftmordes angeklagten Prostituierten Katjuscha Maslowa vor Gericht kommt, erkennt er das Mädchen wieder, das er vor vielen Jahren auf dem Gut seiner Tanten verführt hatte. Dort lebte sie, als Dienstmädchen und als Ersatztochter. Während der Verhandlung wird ihm klar, dass sie unschuldig ist, doch wegen der Schöffen, die sich mit dem Rechtssystem schwer tun, wird sie zur Zwangsarbeit verurteilt. Das Urteil erschüttert Nechljudow, der doch eine große Schuld trägt, weil er sie damals verführt und verlassen hat. Von Schuldgefühlen geplagt und dem Schicksal der Maslowa verbunden ändert er sein Leben und stellt auch die Gerichtsbarkeit in Frage. „Ich sage Katjuscha, daß ich ein Taugenichts bin, daß ich schuldig vor ihr bin, und ich werde alles tun, was ich kann, um ihr Schicksal zu mildern. Ja, ich werde sie aufsuchen und sie bitten, mir zu verzeihen. Ja, ich werde um Verzeihung bitten, wie die Kinder bitten.“ Er möchte Katjuscha heiraten und folgt ihr in die Verbannung nach Sibirien. Dabei nimmt er extreme Veränderungen auf sich. Tolstoi übt Kritik an dem russischen Rechtssystem, an deren Beamten, und prangert das Gefängniswesen aufs Äußerste an. Dort herrschen unmenschliche Zustände und die Zellen sind völlig überfüllt, auch weil die Gerichtsbarkeit versagt. Auch die russisch —orthodoxe Kirche wird kritisiert. Die Liebesgeschichte zwischen Nechljudow und Katjuscha ist kompliziert und wird anhand der gesellschaftlichen Situation zum Instrumentarium. Tolstoi setzt sich auch mit der Figur des Fürsten auseinander, und ich habe bemerkt, das auch er, als Person, sich mit der Thematik Adel, Bauerntum stark auseinander setzt. Teilweise propagiert er revolutionäres Gedankengut, dabei hatte ich als Leser den Eindruck, das er die zwischen den Klassenschichten herrschenden Unterschiede zwar sieht, aber auch keine wirkliche Lösung hat. Am Ende geht es darum, wie der Mensch ist, das der Mensch sich nicht in Schubladen stecken läßt, das der Mensch sich ändern kann, wenn er will. Kap 59 „Es ist einer der gewöhnlichsten und verbreitetsten Aberglauben, daß jeder Mensch nur eine ihm zugehörige, bestimmte Eigenschaft habe, daß ein Mensch gut, böse, klug, dumm, energisch, apathisch und so weiter sei. Die Menschen pflegen nicht so zu sein,“ Teil 2 »Ja, ja«, dachte er, »das Werk, das durch unser Leben geleistet wird, das ganze Werk, sein ganzer Sinn ist unbegreiflich und kann mir nicht begreiflich sein. Wozu waren die Tanten da? Warum starb Nikolenka Irtenjew? Und ich lebe noch? Warum war Katjuscha? Und meine Verrücktheit? Warum war der Krieg? Und mein ganzes darauf folgendes wüstes Leben? Alles das zu begreifen, das ganze Werk des Herrn zu begreifen, liegt nicht in meiner Macht. Seinen Willen aber zu tun, der in meinem Gewissen geschrieben steht, liegt in meiner Macht, und das weiß ich unzweifelhaft. Und wenn ich seinen Willen tue, bin ich unzweifelhaft ruhig.“ Teil drei Kapitel 19 Ist das Schlüsselerlebnis von Nechljudow und auch von Katjuscha, beide haben im Laufe der Geschichte vom Prozess bis zur Verbannung ihre Persönlichkeit reifen lassen. Der Begriff der Auferstehung findet hier seine Auflösung. Bis dahin habe ich im wörtlichen Sinne mehr als „ achttausend Werst“ gebraucht. Das Buch liest sich als Roman, als Gerichtsprotokoll, als Dokumentation — alles in allem ansprechend, aber in die Länge gezogen. Für das Buch sollte sich der Leser Zeit nehmen. Für mich war dieses letzte Werk vom Schriftsteller das größte und schwierigste zugleich, was sich zu lesen lohnt. 5 Sterne für den Inhalt, 1,5 Sterne Abzug, wegen der Längen. Fazit: 3,5 Sterne ⭐️ - Geir Kjetsaa
Lew Tolstoi
(3)Aktuelle Rezension von: JeunesseDoreeEine gelungene Beschreibung von Tolstois facettenreichen Werdegang vom orientierungssuchenden Tunichgut bis zum einsamen Asketen, der seinen eigenen Moralvorstellungen gerecht zu werden versucht. Kjetsaa schreibt unterhaltend, setzt sich kritisch mit Tolstois teilweise recht widersprüchlichen Leben auseinander, interpretiert die wichtigsten seiner Werke und geht auch auf die Auswirkungen ein, die Tolstoi auf die Menschen weltweit hatte. Das großformatige Buch glänzt durch eine schöne Aufmachung und wird zwischen den Kapiteln immer wieder durch zahlreiche Fotos aufgelockert. Tolstoi gehört für mich nicht nur zu den genialsten Schriftstellern, die je gelebt haben, sondern auch zu den Konsequentesten unter den Moralpredigern und sein Hang zum einfachen Leben unter dem christlichen Leitsatz "Die eigenen Feinde zu lieben", mag zwar in der Praxis kaum umsetzbar sein, ist aber immer noch eines der erstrebenswertesten und schönsten Ideale. Durch die Biographie wird einem erst bewusst, wie autobiographisch Tolstois Werke mitunter sind und das viele von diesen auf realen Ereignissen basieren (wer hätte z.B. gedacht, daß es eine Frau wie Anna Karenina gegeben hat?). Hätte Kjetsaa an einigen Stellen Tolstois Leben mit etwas mehr Detailreichtum beschrieben, oder ausgeschmückt, wäre das Lesevergnügen perfekt gewesen. - John Sutherland
Schauplätze der Weltliteratur
(62)Aktuelle Rezension von: Lesehoernchen99In dem Buch "Schauplätze der Literatur" sind über siebzig Orte versammelt, die alleine durch ein Buch bekannt wurden. Für Literaturliebhaber*Innen eine wunderbare Sammlung mit vielen bekannten Orten und vielen Illustrationen.
Das Buch macht auf den ersten Blick vielleicht nicht so viel her, aber es ist eine großartige Sammlung. Die Größe, wie ein dickes Bilderbuch, macht es leicht, sich darin zu verlieren, sich die Schauplätze und Orte von berühmten Büchern anzuschauen.
Reich bebildert, Landkarten, Illustrationen, all das lädt zum Träumen ein. Dazu kommt der Text, wie in einem Sachbuch, Erklärungen über die Bücher, Zitate oder auch biografische Daten über die Autoren machen es lesenswert und interessant.
Ein Nachschlagewerk zu Klassikern, wenn man gerne mal hinter die Kulissen schauen möchte. Mir gefiel die Mischung aus Sachtext, Bildern und Illustrationen. Damit wird eine gute Verbindung zu dem jeweiligen Buch hergestellt. Hat mir sehr gefallen und wird immer mal wieder durchgeblättert.
- Barbara Schaefer
Winter
(19)Aktuelle Rezension von: Buechergarten》INHALT:
Frühling, Sommer und Herbst ähneln einander. Nur der Winter steht für sich. Die Welt gerät in einen anderen Aggregatzustand: Wasser gefriert. Die Landschaft wird erst kahl, dann weiß. Was macht das mit den Menschen?
Barbara Schaefer lebte vier Wintermonate in Grönland, an der rauen, isolierten Ostküste. Sie war überwältigt von der grimmigen Landschaft und den harten Lebensbedingungen. Sie wanderte über den gefrorenen Baikalsee, suchte den Schnee am Kilimandscharo, überquerte auf Schneeschuhen eine Hochebene in Schweden, reiste nach Norwegen, in die Arktis und in die Alpen und versuchte dabei zu ergründen, was das ist: Winter. Und warum der so viel Freude bringen kann. Sie hörte Winterlieder, las Winterbücher, sah Winterfilme. Sie hat draußen manchmal jämmerlich gefroren – und wollte dennoch in diesen Momenten nirgends anders hin. Denn anstatt am Strand zu liegen, trifft sie lieber Menschen im Winter. In den Bergen, am Meer, in der Stadt.
》EIGENE MEINUNG:
Schon die Aufmachung dieses Buches passt für mich perfekt ins Bild und ist etwas Besonderes. Es handelt sich um ein Hardcover, jedoch ohne Schutzumschlag. Der Leineneinband hat eine tolle Struktur und ist in einer blaugrauen – für mich sehr winterlichen – Farbe gefärbt. Der Titel steht groß im Mittelpunkt und ist wie „Eine Liebeserklärung“ und der Name der Autorin von weißen, verschieden großen Punkten – Schneeflocken – umgeben. Ein wenig schade fand ich es, dass die Schrift am Buchrücken sich leider mit fortschreitendem Gebrauch etwas abgelöst hat. Dafür liebe ich das Lesebändchen und beim ersten Aufschlagen erwartet einen auch eine Überraschung: So farblich zurückhaltend die Gestaltung von außen auch ist, die erste/letzte Seite sind in einem tollen Orangeton gehalten. Mit so etwas hatte ich gar nicht gerechnet und finde den Kontrast und die Wirkung auf mich als Leser ganz toll!
Zu Beginn finden wir ein fein gestaltetes Inhaltsverzeichnis, dass uns die großen Kapitel „Winterliebe“, „Nordwärts“, „In die Stadt“, „In den Bergen“ und „Vom Eise befreit“ mit vielen Unterpunkten aufzeigt. Darauffolgend beginnt jedes dieser großen Kapitel mit einem winterlichen Aquarell. Eine umfangreiche Bibliografie ergänzt am Ende die Ausführungen und in beiden Umschlagseiten befinden sich toll gestaltete Karten. Diese waren für mich aber eher Zier als wirkliche Information. Etwas problematischer fand ich die sehr kleine Schrift, die mir das Lesen nicht unbedingt erleichtert hat.
Da ich „Winter“ als Sachbuch eingruppiert habe steht unter „Inhalt“ mal wieder der Original-Klappentext. Für mich klang er in erster Linie nach einem Reisebericht – dann habe ich jedoch viel mehr bekommen! „Eine Liebeserklärung“ trifft es perfekt: In den fünf angesprochenen Kapiteln werden die verschiedensten Aspekte des Winters beleuchtet. Die eigenen Reisen der Autorin sind natürlich damit verflochten, bilden für mich aber nicht den Mittelpunkt, sondern eher einen roten Faden. Im Buch selbst geht es um viel mehr und so viel Verschiedenes: Was sind eigentlich Eis, Schnee, Eisblumen, etc. Wie entsteht dies alles? Welche Forschungen wurden dazu angestellt? Es geht um Eisklettern, Lawinen, verschiedene Reisen, historische Persönlichkeiten rund um das Thema, Maler, Autoren, Polarforscher, Kindheitserinnerungen, Schicksale. Natürlich dürfen auch die Polarlichter, Wintersport, Klimawandel, Wissenschaft und Tiere im Winter nicht fehlen. Über das „Natürlich“ im letzten Satz musste ich jetzt selbst etwas lachen, denn das war es für mich eigentlich zu Beginn überhaupt nicht. Dieses Buch hat mich in so vielen Aspekten überrascht und ich höre jetzt auch damit auf so viele dieser aufzuzählen. Wo ich am Anfang noch damit gehadert habe, dass ich keinen rechten roten Faden fand, war ich zum Schluss völlig begeistert von der lockeren Zusammenstellung von „Winterthemen“!!
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Es war zu jeder Zeit unterhaltsam und flüssig zu lesen, auch wenn einem das ein oder andere Thema mal mehr, mal weniger lag. Ich habe so viel Wissenswertes erfahren, ohne je das Gefühl zu haben in einem Lehrbuch zu lesen. Barbara Schaefer schreibt mit einer solchen Begeisterung, dass es einfach ansteckend ist. Ich habe in einer anderen Rezension gelesen dieses Buch sei ein „Reiseverführer“ und kann nur zustimmen. Auch wenn ich, als Winterfan, für viele Orte und Unternehmungen daraus wohl doch nicht gemacht bin. ;)
》FAZIT:
Die Vielseitigkeit und Unvorhersehbarkeit dieses Buches hat mir wahnsinnig gut gefallen – es ist eine Mischung aus Reise- und Erlebnisbericht, Geschichte und Kultur, sowie Wissenschaft und noch so vielem mehr! Die Autorin hat mich in eine tolle Winterstimmung versetzt und zum Nachdenken angeregt! Außerdem habe ich viel dazu gelernt! Man merkt wie sehr sie den Winter liebt und im Laufe des Lesens auch wie sehr man selbst ihn mag! Auch als Geschenk kann ich mir „Winter“ sehr gut vorstellen.
- Margriet de Moor
Kreutzersonate
(18)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDas Buch ist nur bedingt mit dem Tolstois zu vergleichen. Es hat dieselbe Thematik, spielt aber im 20sten Jahrhundert. Die Gespräche zwischen van Vlooten und dem jungen Zuhörer erstrecken sich nicht auf die Zeitdauer einer Zugfahrt, sondern über mehrere Jahre. Sie treffen sich immer mal wieder auf einem Flughafen und benützen aus beruflichen Gründen dieselbe Maschine. Der Ich-Erzähler erzählt van Vlootens Geschichte.
Auch hier geht es um eine Liebe, eine Ehe, die in Eifersucht endet. Aber die Hauptperson "van Vlooten" ist nicht mit P. zu vergleichen, finde ich. Van Vlooten hat eine ganz andere Geschichte, als er Suzanna Flier begegnet. Er ist blind, weil er sich wegen einer unerfüllten Liebe selbst umbringen wollte, dies allerdings misslang, er gerettet wurde und lebenslange Blindheit zurückbehält.
Der Charakter van Vlootens ist meines Erachtens auch ein anderer, er wirkt trotz der negativen Beschreibungen auf mich sympathischer. Wirkt P. doch sehr grobschlächtig, brutal, kantig und egoistisch, so ist van Vlooten trotz allem eher feinfühlig, gebildet, schöngeistig und eher bemitleidenswert.
Stellenweise wirkt seine beschriebene Bosheit und "Brutalität" auf mich sehr aufgesetzt. Es passt nicht zu ihm und der Situation, in der sie stattfindet. Seine Stimme scheint trotz allem eher milde.
Man merkt auch, dass das Buch von einer Frau geschrieben wurde. Das Frauenbild ist weitaus sicherer, selbständiger, selbstbewusster und weniger hilflos, als das Tolstois. Die Beschreibungen darüber, wie die Frauen die Männer betören oder im Griff haben, hören sich hier weitaus weniger negativ an.
Das Buch ist auch nicht so extrem aufgebaut. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern auch Überlegungen, die ein Grau zulassen könnten. Es handelt sich auch nicht um einen Monolog van Vlootens (im Vergleich zu den Monologen P.). Hier ist alles aus der Sicht des Mitreisenden erzählt, der sehr viel aus seiner Sicht beiträgt und einfließen lässt.
Leider kann ich nicht so ins Detail gehen, ohne Spoiler zu produzieren. Aber mit diesem Buch konnte ich „mehr anfangen“, weil es vielleicht einerseits neuere, gemeint sind modernere Gedanken zum Ausdruck bringt, die nicht so absolut und extrem sind und die Hauptperson und alle anderen Figuren zugänglicher für mich sind, aber….
Andererseits zeigte mir dieses Buch aber auch, wie „genial“ Tolstoi geschrieben hat. Er hat es mit seiner Sprache und Darstellung viel besser geschafft, die Menschen, wie auch uns, dazu zu bewegen Stellung zu beziehen. Dabei soll es erst mal egal sein, welche Art dieser Stellungsbezug ist. Moor schafft das mit ihrem Buch nicht. Zumindest nicht bei mir. So paradox es klingt: Tolstois Kreutzersonate fand ich ausdrucksstärker. Ein weichherziger und bemitleidenswerter P. wäre irgendwie lächerlich in dieser Geschichte. Dabei spreche ich allerdings bewusst nicht von dem, w a s er schreibt.
Moors Kreutzersonate liest man, denkt noch ein wenig daran und das war es. Tolstoi dagegen, wird mir und ich schätze allen, die das Buch hier gelesen haben in der einen oder anderen Form immer irgendwie im Gedächtnis bleiben. Moors „Schreibstil" wirkt auf mich oberflächlicher und weniger emotional. War es laut Klappentext scheinbar auch beabsichtigt „distanziert“ zu schreiben, so finde ich es bei dieser Thematik nicht so angebracht.
- Thomas Mann
Goethe
(2)Aktuelle Rezension von: BuchgespenstThomas Mann war ein begeisterter Goethe-Leser und ein großer Kenner von dessen Leben und Werk. In seinen Essays über den Titanen der deutschen Literatur zitiert er kenntnisreich aus Primär- und Sekundärliteratur. Als Leser lässt man sich nur zu gerne fesseln und vergisst dabei leicht, dass hier kein Literaturwissenschaftler mit fundierter Rechercheleistung spricht, sondern ein Künstler, der selbst Dichtung schafft. Im Anhang ist nur zu oft zu lesen, wo sich Mann vertan, falsch zitiert oder zugeordnet hat. Das beeinträchtigt den Spaß an der Lektüre allerdings nicht. Die Beweihräucherung Goethes hält sich dabei in Grenzen zu Gunsten von Textinterpretation und Editionsgeschichte. Besonders fesselte mich der längste Essay „Goethe und Tolstoi“ zwei Titanen, die erstaunlich viele Gemeinsamkeiten haben.
Es empfiehlt sich allerdings nicht die Essay-Sammlung am Stück zu lesen. Je weiter man kommt desto häufiger findet man Abschnitte, die Mann von sich selbst abgeschrieben hat. Ganze Passagen sind identisch und das wird nervig.
Als ein Leser, der weder von Goethe noch von Mann viel hält war ich äußerst positiv von diesem Buch überrascht. Literaturwissenschaftliche Abhandlungen und Essays interessieren mich immer und das hat mich wieder dazu gebracht zu einem Buch zu greifen, das eigentlich weit außerhalb meines Interessenfeldes liegt. Ich habe es nicht bereut. Ein hochinteressantes Werk, das vor allem in der „Ansprache im Goethejahr 1949“ auch einen Blick auf das Nachkriegsdeutschland und Exilliteraten wirft.
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