Bücher mit dem Tag "traumatisierung"

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39 Bücher

  1. Cover des Buches Die Tanzenden (ISBN: 9783492070140)
    Victoria Mas

    Die Tanzenden

     (198)
    Aktuelle Rezension von: Buecher_lesen_traeumen

    "Die Tanzenden" war auf jeden Fall ein Buch, bei dem mich vor Allem das Cover überzeugt hatte, weshalb ich es unbedingt haben wollte.

    Vom Cover und Klappentext her hatte ich mich auf jeden Fall auf eine etwas andere Geschichte eingestellt als die, die mich letztlich erwartet hat. 🤨

    Die Geschichte wird in der Erzählperspektive erzählt und trotz dessen, konnte ich mich richtig gut auf die Charaktere einlassen und mich in sie hineinversetzen!

    Mich konnte die Geschichte total fesseln und hat mich stellenweise ziemlich erschreckt! Vor allem, weil gewisse Dinge damals (um 1885) wirklich passiert sind. 😔

    Die Protagonisten Geneviève und Eugénie sind einfach nur bewundernswert!

    Wenn ihr also mal Lust auf einen Roman habt, der euch nach Paris in eine Zeit entführt, in der Frauen aus den banalsten Gründen weggesperrt und für verrückt erklärt wurden, ihr gleichzeitig mal wieder starke Protagonistinnen erleben wollt, dann schnappt euch genau dieses Buch und begleitet Geneviève und Eugénie durch eine ziemlich schräge und irgendwie auch heutzutage unvorstellbare Zeit! 😵

  2. Cover des Buches Verdammnis (ISBN: 9783453438217)
    Stieg Larsson

    Verdammnis

     (2.536)
    Aktuelle Rezension von: Andrea_Willi

    Der erste Drittel und das letzte Drittel waren wirklich interessant. Ich hab das Buch nicht in einem Rutsch durchgelesen da es irgendwann recht langatmig wurde und ich pausen machte. Der Schluss war dann wirklich wieder spannend und habe ich an einem Stück  durchgelesen. Der erste Teil der Reihe hat mir besser gefallen. 

  3. Cover des Buches Die Sünde der Engel (ISBN: 9783442372911)
    Charlotte Link

    Die Sünde der Engel

     (425)
    Aktuelle Rezension von: katzekatzekatze

    Ich habe mich wirklich unglaublich gequält beim Lesen dieses Buches. 

    Es war einfach so unglaublich SCHLECHT, dass ich gar nicht so richtig weiß, wo ich anfangen soll.

    Vielleicht damit, dass die Charaktere alle langweilig, flach, blass und völlig stereotyp sind. Die Storyline lebt alleine davon, dass alle immer "irgendwie so ein Gefühl" haben, das nervt einfach nur noch, weil sich die Autorin es damit echt supereinfach gemacht hat und gar nichts wirklich Sinn macht. Das hat mich beim Lesen sogar schon richtig aufgeregt.

    Die Geschichte dümpelt langweilig vor sich hin, bis sie in einem völlig abstrusen und sehr vorhersehbaren und fast schon lächerlichen Ende gipfelt. Die Charaktere, vor allem Janet, sind einfach nur unsympathisch und teilweise dumm wie Brot.

    Abgerundet wird das von einem absolut hölzernen und nur schwer zu ertragenen 0815 Schreibstil, den man vielleicht aus schlechten Fanfictions kennt. Der Funke springt einfach zu keinem Zeitpunkt über.

    Nie wieder werde ich ein Buch dieser Autorin anfassen, das war verschwendete Lebenszeit.

  4. Cover des Buches Meine dunkle Vanessa (ISBN: 9783570104279)
    Kate Elizabeth Russell

    Meine dunkle Vanessa

     (170)
    Aktuelle Rezension von: Aksi

    Kein Buch hat in letzter Zeit so viele Emotionen in mir hervorgerufen wie »Meine dunkle Vanessa« von Kate Elizabeth Russell. Dies ist auch nicht verwunderlich, denn in dem Roman geht es um grooming und sexuellen Missbrauch. Und als ob das nicht schon unerträglich genug wäre, redet sich die missbrauchte Protagonistin ein, das, was ihr als 15-jähriges Mädchen passiert ist, sei kein Missbrauch, sondern Liebe gewesen.

    Erzählt wird die Geschichte in zwei Zeitlinien, die sich ständig abwechseln. In der ersten Zeitlinie befinden wir uns in der Gegenwart, im Jahr 2017, als Protagonistin Vanessa Wye Anfang 30 ist. Hier zeigt die Autorin, was aus Vanessa wurde und wie die schrecklichen Ereignisse, die ihr als junges Mädchen passiert sind, ihr Leben geprägt haben. Die zweite Zeitlinie umschließt eine Zeitspanne vom Jahr 2000 bis 2007. Dies ist der Zeitraum, indem das Unheil seinen Lauf annimmt und wie Vanessa sich dadurch verändert. Beide Zeitlinien ermöglichen den Lesern und Leserinnen eine gute Gegenüberstellung von Gegenwart und Vergangenheit.

    Der Schreibstil der Autorin ist derart authentisch, dass ich den Eindruck hatte, Vanessa sei eine reale Person. Der Text wühlt auf und sorgt für verschiedene Emotionen, sodass man nicht anders kann, als zu glauben, dass sie nur von jemanden stammen können, dem alles genauso in Wirklichkeit passiert ist. Ich konnte die Geschehnisse, die Vanessa passiert sind, nur mit Mühe ertragen, bei manchen Szenen kam mir die Galle hoch. Noch erschreckender ist aber die Tatsache, dass das, was Vanessa durchmachen muss, tagtäglich überall auf der Welt geschieht. Auch wenn die Thematik alles andere als einfach ist, konnte ich nicht aufhören, diesen Roman zu lesen. Ab und zu musste ich das Buch zwar zur Seite legen, um das Gelesene zu verdauen, aber es gab keine Stellen, die sich gezogen hätten oder sonst irgendwie fehl am Platz wären.

    Besonders herausfordernd sind die Szenen mit Vanessa und Strane, weil Strane einfach abartig ist. Anders kann ich ihn nicht beschreiben. Er manipuliert Vanessa und treibt mit ihr seine Psychospielchen. Dabei handelt er stets kalkuliert und präzise. Es ist einfach unglaublich, wie er mehrere Jahre lang unbemerkt mit allem durchkommt. Vielleicht ist Strane aber auch ein Indiz dafür, dass der Gesellschaft vieles einfach egal ist. Es gibt einige Momente, in denen verschiedene Personen eine Gelegenheit hatten, etwas zu unternehmen, es aber doch nicht getan haben, aus welchen Gründen auch immer.

    Auch wenn Vanessa die Leidtragende ist, ist es mit ihr etwas komplizierter, als es auf den ersten Blick aussieht. Als sie das erste Mal Strane begegnet, hat Vanessa es nicht einfach. Sie hat keine Freunde, mit ihren Eltern scheint sie auch nicht gerade verbunden zu sein und sie ist sehr labil. Es dauert nicht lange, bis Strane das erkennt und es anschließend ausnutzt. Ab da ist Vanessa wie eine Fliege, die im Netz einer Spinne feststecken bleibt und nie wieder herauskommt. Ab hier wird es prekär, denn Vanessa erkennt nicht, in welcher Lage sie sich befindet und dass sie dringend Hilfe braucht. Im Gegenteil, sie redet sich ein, sie habe die Kontrolle über Strane und nicht umgekehrt. Manchmal verteidigt sie Strane sogar, was mir die Haare zu Berge stehen ließ.


    Fazit

    »Meine dunkle Vanessa« von Kate Elizabeth Russell zeigt auf schonungslose Art und Weise, dass man vor Menschen wie Strane, nirgendwo sicher sein kann. Auch wenn ich dieses Buch als lesenswert empfinde, sollte letztendlich jeder selbst entscheiden, ob er sich mit diesem schwierigen Thema auseinandersetzen will, denn es erfordert starke Nerven.

  5. Cover des Buches Kalter Strand (ISBN: 9783839224250)
    Anne Nordby

    Kalter Strand

     (83)
    Aktuelle Rezension von: PoldisHoerspielseite

    Tom Skagen, Ermittler bei der international agierenden Skanpol, wird aus Hamburg in eine dänische Ferienhaussiedlung geschickt, wo er den Tod einer deutschen Frau untersuchen soll. Sowohl er und seine Kollegin Jette Vestergaard gehen davon aus, den Fall gemeinsam mit der dänischen Polizei kurzfristig lösen zu können. Doch sie haben sich getäuscht, wie perfide der Täter vorgegangen ist. Und Tom hat immer wieder mit den Dämonen seiner Vergangenheit zu kämpfen…

    Anne Nordby hat mit „Kalter Strand“ den ersten Roman einer Thriller-Reihe um ihren Ermittler Tom Skagen begonnen, der gleichzeitig ihr Debütroman ist. Dabei hat sie einen sehr gelungenen Weg gefunden, ihre Hauptfigur mit interessanten Wesenszügen und Macken auszustatten, ohne dies jedoch zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Seine Angststörung ist kein wesentliches Element des Romans, hat aber dennoch immer wieder Einfluss auf die Handlung. Der Hintergrund wird dabei gelungen angereichert, einige Facetten werden aber noch offengelassen, was wahrscheinlich für weitere Romane der Reihe aufgespart wird – das Interesse an dieser Entwicklung ist auf jeden Fall gegeben. Auch die anderen Figuren sind gut ausgearbeitet und mit interessanten Charakterzügen versehen – erwähnenswert ist dabei vor allem noch die kühl und abweisend wirkende Jette, zu der ich nach und nach eine immer engere Bindung aufbauen konnte. Die beschriebene Szenerie ist überzeugend und lebendig, die Umgebung ist gut, aber nicht überzogen geschildert. Die Sprache ist gradlinig und recht schnörkelfrei, wirkt aber manchmal auch etwas schlicht. Der Lesefluss wird dadurch aber nicht gestört.

    Die Handlung des Romans ist zweigeteilt. Einerseits begleitet der Leser natürlich das Ermittlerteam bei ihren Recherchen, die spannend, aber nicht überzogen wirken. Die Recherchen sind logisch aufgebaut, lassen neben den harten Fakten auch die Intuition der Ermittler zu, wirklich dem Zufall wird aber nichts überlassen. Der zweite Handlungsstrang dreht sich um einen Familienvater, der von einem unbekannten Täter, der sich selbst als „Das Auge“ bezeichnet, zu grausigen Taten gezwungen wird. Das bringt eine sehr düstere Stimmung mit sich, zumal man sich immer wieder fragt, wie man selbst in dieser Situation reagieren würde – sehr intensiv. Die Wechsel zwischen den beiden Szenarien sind sehr abrupt und quasi immer durch einen Cliffhanger gekennzeichnet, was manchmal leider schon aufgesetzt wirkt, unverkennbar aber auch für zusätzliche Spannung sorgt.

    „Kalter Strand“ ist mit dem internationalen Setting, interessanten Figuren und der Dynamik der beiden Handlungsstränge spannend gelungen und liest sich einfach herunter. Das Interesse ist dabei bei mir nicht abgeflaut, immer wieder habe ich den kommenden Ereignissen entgegengefiebert. Das ist schon gelungen, wenngleich auch nicht ganz so nachhaltig wie einige andere Geschichten, die sich mir einfach mehr eingebrannt haben. Lesenswert ist der erste Teil um Tom Skagen aber allemal.   

  6. Cover des Buches Schoßgebete (ISBN: 9783492301527)
    Charlotte Roche

    Schoßgebete

     (440)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Die Geschichte hinter der Roman ist ja recht tragisch. Mir tut die Autorin auch wirklich leid. Ich verstehe auch, dass sie sich das Leid von der Seele schreiben musste, aber ob das so ein Buch rechtfertigt ist fraglich.


    Die Protagonistin Elisabeth ist eine 33 jährige Fotografin, verheiratet und Mutter einer Tochter.  Man kann Elesabeth kaum von der Autorin, Charlotte Roche, trennen. Wie diese hat Elisabeth ein schreckliches Familiendrama zu bewältigen.

    Obwohl Elisabeth brav zu einer Therapeutin geht stellt sie sich nicht besonders geschickt im Leben an. Hochneurotisch versucht sie jedem Aspekt ihres Lebens und das ihrer Familie zu kontrollieren. Sie wartet geradezu darauf, dass etwas

    Furchtbares geschieht. Immer auf die nächste Katastrophe vorbereitet zu sein ist ganz schön anstrengend. Das macht sie zur anstrengenden Protagonistin.

    Die viel beklagten Sexszenen sind noch am angenehmsten zu lesen.


    Dinge über den Unfall, der Elisabeth (Charlotte) so kaputt gemacht hat, zu lesen hat mich traurig gemacht.

    Schon klar, jeder trauert auf seine Weise.

    Aber, dass die Autorin die Tragödie ihrer Familie so detailreich der Öffentlichkeit präsentiert sehe ich eher kritisch.  


  7. Cover des Buches Ich bin nicht tot (ISBN: 9783453439061)
    Anne Frasier

    Ich bin nicht tot

     (59)
    Aktuelle Rezension von: Buecherbaronin

    Auf den ersten 200 Seiten war ich hin und weg von der großartigen Idee, die Protagonistin, mit der ein Roman bekanntlich steht und fällt, als Opfer eines grauenvollen Verbrechens zu zeigen. Jude muss neu lernen, ihren Alltag zu bestreiten, muss mit Ängsten und Erinnerungen kämpfen.

    Darin liegt auch die größte Stärke des Thrillers: Jude in ihrem neuen alten Leben zu begleiten, das sich anders anfühlt und in dem sie keinen Platz mehr zu finden scheint. Ob die schwierige Beziehung zu ihrer Familie, das Wiedersehen mit ihrem Ex oder die Wiederaufnahme ihrer Arbeit, Jude muss an allen Fronten mit ihrem Trauma kämpfen.

    Bei dem Fall, mit dem sie und ihr neuer Partner Uriah Ashby betraut werden, sieht es anders aus. Die Morde, die die beiden Detectives aufdecken müssen, nehmen nie richtig Fahrt auf, wirken zu konstruiert und wollen keine richtige Spannung aufkommen lassen. Weder sind die Handlungen des Killers noch der Fortlauf der Handlung stets nachvollziehbar. Da kann “Ich bin nicht tot” nicht mit den großen Vertretern des Genres mithalten.

    Hinzu kommt, dass im Grunde Jude und ihre Geschichte der Star des Thrillers sind; in diesen besonderen Momenten, wenn Jude allein ist und mit sich um jede alltägliche Handlung kämpfen muss oder Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld begegnet, ist der Roman richtig gut. Der Rest wirkt eher wie schmückendes Beiwerk. Und ich persönlich empfand die überraschende Wendung am Schluss als zu gewollt.

  8. Cover des Buches In der Finsternis (ISBN: 9783492309134)
    Sandrone Dazieri

    In der Finsternis

     (138)
    Aktuelle Rezension von: a_thousand_books

    In der Nähe von Rom verschwindet ein Junge beim Picknick mit seinen Eltern, die Mutter wird ermordet aufgefunden. Die Polizei hält den Vater für schuldig. Inspektor Rovere scheint allerdings nicht von seiner Schuld überzeugt zu sein und zieht die nach einem schief gegangenen Einsatz beurlaubte Colomba hinzu, um parallel zu den offiziellen Ermittlungen den wahren Täter zu finden. Dies ist der erste Regelverstoß Colombas in einer langen Reihe weiterer im Laufe des Falls. Als Berater ziehen die beiden Dante Torre hinzu, der als Sechsjähriger entführt und nach elf Jahren Gefangenschaft in einem Silo fliehen und seitdem an Klaustrophobie leidet. Relativ schnell ist er überzeugt: Der Junge wurde vom gleichen Mann entführt wie er damals.

    Und dann quält man sich durch über 500 Seiten Jagd auf den „Vater“, wie der Entführer genannt wird.

    Zuerst möchte ich herausstellen, was mir gefallen hat: Das Setting in Italien war mal wieder etwas anderes. Die Konstellationen (und Korruption) der Polizei fand ich interessant, die Orte waren so beschrieben, dass man sich die Handlung dort bildlich vorstellen konnte, aber es war auch nicht zu viel. Besonders die Beschreibung des sozialen Brennpunkts, in den sich Colomba und Torre im Laufe des Buchs flüchten, fand ich spannend. Auch spannend ist die Handlung an sich. Ich wollte die ganze Zeit wissen, wer der Vater denn nun ist. Allerdings ist der Weg dahin mühsam gewesen.

    Jetzt die Kritik: Ich habe die Geschichte unnötig aufgebläht empfunden. Es ging im Schneckentempo voran. Einige Kapitel und Passagen brauchte man für den Fortgang der Geschichte überhaupt nicht und sie waren auch nicht so spannend oder mitreißend geschrieben, dass sie dem Leser irgendetwas gegeben hätten oder dass ich sie gern gelesen hätte. Die sich wiederholenden Beschreibungen der Gedankenwelt der Figuren und ihre Reflektionen über den Fall waren ausgedehnt und störten den Lesefluss. Das Ganze hätte man um mit Sicherheit gute 100 Seiten kürzen können, dann wäre auch die Spannung aufrecht erhalten geblieben.

    Der Erzählstil war für mich ebenfalls an manchen Stellen etwas holprig. Eigentlich wird aus der Dritten Person aus der Perspektive von Colomba oder Torre erzählt, jedoch gibt es Stellen, an denen der Erzähler innerhalb eines Satzes plötzlich auf eine Art allwissenden Erzähler springt. Das fand ich störend, denn so konnte ich mich nicht richtig in Colomba, die für mich die eigentliche „Heldin“ des Thrillers ist, hineinfühlen. Die Figur Torre bleibt dem Leser insgesamt eher fremd. Erst gegen Schluss gibt es mehr Einblicke in seine Gefühle und Gedanken, doch richtig mit ihm anfreunden konnte ich mich nur schwer.

    Die Auflösung hat extrem lang auf sich warten lassen und hat sich dann noch in ihrer Gänze hingezogen. Zwar fand ich die Auflösung insgesamt gelungen, aber ein großer Überraschungsmoment blieb aus. Dafür war die Lösung wieder zu komplex und bestand aus zu vielen Einzelteilen.

    Für mich insgesamt eine starke Geschichte, deren Längen die Spannung leider zunichtemachen.

  9. Cover des Buches Schmetterling im Sturm (ISBN: 9783518465448)
    Walter Lucius

    Schmetterling im Sturm

     (38)
    Aktuelle Rezension von: brauchnix

    "Schmetterling im Sturm" ist wohl ein Erstling und der Beginn einer Reihe. Er hatte miach aus verschiedenen Gründen angesprochen. Zum einen ist es ein sehr schöner Titel, der bereits meine Neugierde weckte und das Cover ist interessant, auch wenn es nichts wirklich Neues ist, da Krimis und Thriller in letzter Zeit oft ähnliche Cover hatten. Das Thema erschien mir in der Leseprobe ungewöhnlich und wenn ich auch schon von Männern gehört habe, die vor allem in asiatischen Ländern als Frauen leben, so war mir das Ganze bei Kindern noch relativ unbekannt und ich wollte gerne mehr davon erfahren. Schön fand ich auch die Idee einer Hauptdarstellerin, die eine kampferfahrene Afghanin ist - also eine ungewöhnliche Ausgangslage.

    Man merkte am gut lesbaren Schreibstil, dass der Autor kein Anfänger ist. Außerdem benutzte er durch häufige Wechsel der Perspektive, dass die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wurde und dadurch mehr Tiefe bekam. Die Hauptperson Farah ist eine durchaus sympathische und in weiten Teilen auch glaubwürdige Protagonistin gewesen auch wenn mir die Beschreibungen ihrer Gedanken und ihres Innenlebens etwas zu langatmig waren. Ebenfalls unwillig war ich, dass sie etwas mystische Erscheinungen hat und mit diesen Zwiesprache hält. So was mag ich ungefähr genauso wenig wie ahnungsvolle Träume. Beides hat meiner Meinung nach in einem Thriller nichts verloren.
    Die politische und kulturpolitische Ebene war wie erwartet durchaus interessant aber leider habe ich im Endeffekt viel zu wenig über die Kinder und die Täter erfahren und konnte auch nicht nachspüren, in welchem Kontext das alles zu Land und Leuten steht.

    Größtes Manko des Buches war aber das Tempo und der Spannungsaufbau. Hier hätte man durch ein kluges Lektorat sicherlich ein ausgeglicheneres Ergebnis erzielen können, denn über zwei Drittel des Buches zieht sich die Geschichte wie Kaugummi in die Länge und im letzten Drittel wird dann plötzlich so viel Action reingepackt, dass ich total überrascht war und das Gefühl hatte, plötzlich in einem anderen Buch zu sein. Leider hat sich bei mir also der gute Eindruck nicht bis zum Schluss gehalten und ich musste mal wieder erfahren, dass es gar nicht so einfach ist, ein eigentlich packendes Thema in einen spannenden Thriller umzuwandeln der sich bis zum Finale hin steigert.

  10. Cover des Buches Altes Land (ISBN: 9783328602101)
    Dörte Hansen

    Altes Land

     (622)
    Aktuelle Rezension von: Seehase1977

    Vera war fünf, als sie 1945 mit ihrer Mutter aus Ostpreußen geflohen ist. Auf einem Hof im Alten Land finden sie Zuflucht und obwohl Vera sich immer fremd gefühlt hat in dem großen und kalten Bauernhaus, ist sie geblieben. 60 Jahre später steht Veras Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn vor der Tür. Auch Anne ist eine Flüchtende, davongelaufen von gesellschaftlichen Vorstadtkonventionen und von ihrem Mann, der jetzt eine andere liebt. Zwei Frauen, die sich fremd sind und doch mehr gemeinsam haben als sie ahnen…

    Meine Meinung:

    Tief verborgen in den hintersten Reihen meines Bücherregals stand der Roman „Altes Land“ von Dörte Hansen. Gott sei Dank habe ich ihn gefunden, denn dieser Roman ist ganz wunderbar und mit großartiger Sprache erzählt. 

    Tatsächlich war für mich der Einstieg etwas holprig. Ich wusste nicht so recht, was mich erwartet und wo genau die Reise hingehen soll. Doch dann hat es mich gepackt, ich verschwinde im Alten Land und tauche ein in die Geschichte über drei Frauen aus drei Generationen, von alteingesessenen Bauern die Veränderungen scheuen und von solchen, die meinen es besser zu machen. Die Autorin erzählt von Übermüttern und Übervätern, von  Vorstadt-Hippstern und von den Konflikten, die der Generationswechsel grundsätzlich mitsichbringt. 

    Dörte Hansen beobachtet genau, sie spielt ganz außergewöhnlich mit Worten, erzählt authentisch und mit wundervoller und doch schnörkelloser Sprache. In jeder Zeile spürt man ihre Zuneigung für das Alte Land und ihre Bewohner, scheut sich aber auch nicht, festgefahrene Strukturen zu kritisieren, oft auf ironisch-liebevolle und humorige Weise. Die Figuren sind lebensnah gezeichnet, haben alle ihre Stärken und Schwächen.

    Mein Fazit:

    Ein eindrücklicher Roman, sehr schön erzählt, mit authentischen Protagonisten und mit dem Alten Land ein eindrucksvoll beschriebenes Setting. Leseempfehlung!

  11. Cover des Buches Neuntöter (ISBN: 9783453421851)
    Ule Hansen

    Neuntöter

     (130)
    Aktuelle Rezension von: Siko71

    Klappentext:

    Berlin, Potsdamer Platz. Beim Klettern auf einem Baugerüst macht ein Junge eine grausame Entdeckung: Drei Leichen, einbandagiert in Panzertape, hängen in schwindelerregender Höhe an den Gerüststangen. Sie sehen aus wie Mumien und scheinen in dieselbe Richtung zu blicken, als würden sie auf etwas warten. Als die menschenscheue Fallanalystin Emma Carow auf den Fall angesetzt wird, ist ihr schnell klar, dass er für ihre Karriere entscheidend ist. Doch je fester sie sich verbeißt, desto mehr droht ein altes Trauma sie in den Abgrund zu ziehen. 

    Ich habe das Buch bei gut der Hälfte abgebrochen. Bis dahin habe ich mich mehr oder weniger gequält. Ab und zu kommt mal eine spannende Stelle und man denkt, es geht so weiter, aber das ist nicht so, es wird durch viele Nebensächlichkeiten genommen. Auch kann ich zu den Protagonisten keine richtige Beziehung aufbauen, mir kommen die alle irgendwie gelangweilt rüber. Für mich ein absolut langweiliger Krimi ohne Spannung und zu langatmig.

  12. Cover des Buches Die Musik der Wale (ISBN: 9783548605944)
    Wally Lamb

    Die Musik der Wale

     (219)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Ich hab das Buch vor ca 2 Jahren gelesen und kann mich nur an ganz wenige Details erinnern (das ist bei mir normal). Auf jeden Fall aber erinnere ich, dass ich das Buch wirklich lesenswert fand und es weiterempfehle an Leute, die gerne mäßig spannende, aber kurzweilig und lebensnah geschriebene Romane "wie sie das Leben so schreibt" lesen.
  13. Cover des Buches Wüstenblume (ISBN: 9783426789858)
    Waris Dirie

    Wüstenblume

     (1.526)
    Aktuelle Rezension von: angeltearz

    Zwischendurch mag ich es ganz gerne mal ein Buch über das Leben eines anderen Menschen zu lesen. Aber auch nur, wenn es auch eine Aussage hat. Ich höre auch unheimlich gerne meinen Großeltern und auch früher meiner Urgroßmutter zu, wie sie von ihrem Leben erzähl(t)en. Irgendwie hat doch jeder sein Päckchen zu tragen, die einen mehr und die anderen weniger. Und ich bin leider sehr neugierig und frage nach – wenn es mich interessiert.

    Waris Dirie ist ein Mensch, der sehr viel in seinem Leben durchmachen musste und ich freue mich darüber sehr, dass sie ihre Geschichte niedergeschrieben hat. Und ja, ich bin absolut davon überzeugt, dass sie dieses Buch selber geschrieben hat. Denn der Schreibstil ist einfach – stellenweise sogar sehr einfach. Aber das passt einfach zu dem Buch und zu ihrer Geschichte. Es macht das Ganze direkt noch glaubwürdiger. Waris möchte hier nicht Geld machen mit dem Buch, wie es dann doch einige Promis machen. Nein, sie möchte von ihrem Leben erzählen und sie möchte aufklären. Ganz weit oben die Beschneidung von Frauen. Immer noch ein absolutes Tabu-Thema und auch nicht wirklich real. Leider!

    Waris musste es selber durchstehen unter ganz schlimmen Bedingungen, die mir gar nicht in den Kopf gehen wollen. Es ist so schrecklich, was ihr angetan wurde. Es ist fast noch schrecklicher, dass es immer noch gemacht wurde, weil es zu einer Tradition gehört. Es gehört sich einfach so in Somalia, wo Frauen als Gegenstand bzw. als Besitz angesehen werden. Es ist einfach unglaublich und so unreal. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr es mich belastet.


    Ich finde, dass jeder dieses Buch gelesen haben sollte. Waris Dirie ist ein Mensch, auf den man aufsehen kann. Sie hat so viel durchgemacht und ist heute eine Frau, die für ihr Recht einsteht. Sie ist gewachsen mit ihrem Leben und hat das Beste daraus gemacht. Auch wenn sie es nicht schreibt, ist sie sicherlich das eine oder andere Mal zusammengebrochen und hat an dem gezweifelt, was sie getan hat. Aber letztendlich ist sie von Grund auf eine starke Frau und das sollte ein Vorbild sein. Für mich ist sie es jedenfalls.


    Von mir gibt es für dieses Buch eine ganz dicke Leseempfehlung.

  14. Cover des Buches Katzenauge (ISBN: 9783833310645)
    Margaret Atwood

    Katzenauge

     (44)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Elaine, eine Malerin, reist nach Toronto, in die Stadt ihrer Kindheit. Einst hatte sie sie verlassen, wegen dem darin erlebten Grauen. Nun kommt sie zurück wegen einer Ausstellung über ihr Werk, ein äußerst interessantes Werk, ein bedeutendes Werk einer irgendwie faszinierenden Malerin. Und zurück sind auch die Erinnerungen. 


    Erzählt wird in zwei Handlungssträngen, einmal wird das Geschehen um die Ausstellungseröffnung geschildert und zum anderen erfolgen Rückblicke in die Vergangenheit.


    Eine Vergangenheit, die es in sich hat! Die junge und mit ihren Eltern und ihrem Bruder etwas zurückgezogen lebende Elaine, die Familie fährt im Sommer in die kanadische Wildnis, die Eltern sind Biologen, lernt die etwas ältere und erfahren wirkende Cordelia kennen. Elaine und ihre beiden bisherigen Freundinnen Grace und Carol bilden schnell mit Cordelia eine befreundete Mädchengruppe. Schnell wird klar, dass das keine Freundschaft ist, die manipulative Cordelia beherrscht bald das Geschehen. Cordelia zieht gekonnt alle Strippen und lenkt die drei ihr nicht gewachsenen Mädchen, dabei geht das Ganze in meinen Augen deutlich über Mobbing hinaus, wird zu einem Psychoterror, dessen Opfer jedoch meist Elaine ist. Bis eines Tages der Bogen überspannt wird und das genannte Gefüge auseinanderbricht. Trotzdem wird natürlich klar, dass das Geschehen Folgen für Elaine haben wird, denn die erlittenen Traumata machen etwas mit ihr. Trotzdem sie die Beziehung zu Cordelia mehr oder weniger erst einmal beendet, spukt Cordelia nach wie vor in Elaines Kopf herum und beherrscht eigentlich ihr weiteres Leben. 


    Ich habe mich etwas schwer getan mit diesem Buch, das Feuer sprang nicht sofort über. Die Sprache klang so anders, so kühl, so emotionslos, so kalt. Aber hier schaut ja Elaine zurück, Elaine spricht und Margaret Atwood legt in ihr Geschriebenes den Charakter der Elaine und das gelingt ihr geradezu meisterhaft. Aber das wurde mir erst sehr spät klar. 


    Gleichzeitig ist dieses Buch auch ein Blick zurück, ein Blick zurück in vergangene Zeiten und damit verbunden natürlich eine Gesellschaftskritik. Wie könnte es auch anders sein, es ist schließlich ein Atwood-Buch und die Atwood lässt hier selbst Erlebtes mit einfließen, also was den Blick in eine vergangene Zeit betrifft!


    Und ich kann wieder einmal nur sagen, lest dieses Buch, einerseits ein absolut gelungenes Psychogramm einer gepeinigten Seele und andererseits ein gelungener Blick in eine vergangene Zeit und eine darin enthaltene interessante Gesellschaftskritik!

  15. Cover des Buches Fleisch ist mein Gemüse (ISBN: 9783939716617)
    Heinz Strunk

    Fleisch ist mein Gemüse

     (434)
    Aktuelle Rezension von: deidree

    Laut den vorliegenden Rezensionen habe ich mir dieses Buch schenken lassen, weil ich es mir interessant und witzig vorstellte.

    Leider war es für mich nur zäh und langweilig. Es passiert ganz selten, dass ich ein Buch abbreche. „Fleisch ist mein Gemüse“ hier ist allerdings so eines. Ab der Hälfte habe ich seitenweise weiter geblättert, etwas gelesen, und wieder viele Seiten übersprungen. Die letzten paar Seiten habe ich wieder gelesen und nicht das Gefühl gehabt, dass mir etwas entgangen ist.

    Grundsätzlich erzählt der Autor ständig das Gleiche. Und das nicht einmal überzeugend witzig. Von einem Tanzabend zum nächsten, Alkohol, Glückspiel, keine Frauen, Gesicht mit Pickel, Mutter der es gesundheitlich immer schlechter geht, bis sie am Ende stirbt, Tagesablauf zum Kaputtmachen. Tja, das war es dann auch schon. 

    Wird das ganze Buch dafür verwendet zu beschreiben wie es bei dieser einen Tanzkapelle ablief, so war das Ende im Schnellverfahren erzählt. Innerhalb einiger Seiten trennt er sich von der Gruppe, Mutter stirbt, er zieht um und aus. 

    Dazu passt noch nicht einmal das Cover. Schade, für mich enttäuschend.

                                                                                                   

  16. Cover des Buches Deine kalten Hände (ISBN: 9783746637310)
    Han Kang

    Deine kalten Hände

     (71)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Als ich "Die Vegetarierin" von Hang Kang gelesen habe, war ich von der Geschichte begeistert und ließ mich von der Autorin durch die eigenartige Welt ihrer Protagonistin führen. Zumindest in den ersten beiden Akten. Der dritte Akt fühlte sich irgendwie sinnlos an, als wüsste die Autorin nicht, wie sie das Buch zu einem Ende führen sollte. Hier ist es leider nicht anders.

    Wir folgen einem Künstler, der von Händen fasziniert ist und seine Gipsabdrücke bewundert. Wir folgen seiner Freundin, die mit Esssucht und Bulimie kämpft. Das alles war so interessant, so spannend, die Freundin völlig unberechenbar und wütend, der Autor immer eigenartig ruhig, als würde er das Leben selbst nicht spüren.

    Die Autorin nimmt sich Zeit für ihre Figuren, gibt ihnen alle ein Leben, führt uns da durch und zeigt auf glaubhafte Weise das Verhalten der Figuren. Da hatte sie mich schon und auch wenn mir die Figuren angewidert haben, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als dass sie glücklich werden. So etwas gelingt nur richtig guten Autoren.

    Im dritten Akt ging ihr aber eindeutig wieder die Puste aus. All die Vorarbeit ging verloren, die Protagonistin verlor ihre Rolle und wurde von einer anderen Figur ersetzt, die genauso schräg und verrückt war, aber unmöglich ihren Platz einnehmen konnte. Da verlor das Buch seinen Reiz und irgendwie begann es mich plötzlich zu langweilen.

    Es ist kein schlechtes Buch, ganz und gar nicht, tolle und glaubwürdige Figuren, guter Spannungsbogen, Konflikte sind da, Wendungen auch und die Handlung beschränkt sich nicht auf Gedanken allein, sondern gibt genug Platz für die Gefühle. Akt 1 und Akt 2 waren der reinste Wahnsinn und haben Lust auf den dritten Akt gemacht. Nur eben hat dieser Akt dann irgendwie alle zerstört. Vor allem dieses hoffnungsvolle Zwinkern im aller letzten Teil fand ich nur noch schlecht. Dennoch habe ich es gerne gelesen. Schlussendlich wurde ich zu dem Bildhauer und durfte in seine Welt eintauchen.

  17. Cover des Buches Der dritte Zwilling (ISBN: 9783941378469)
    Ken Follett

    Der dritte Zwilling

     (889)
    Aktuelle Rezension von: leipzigermama

    Wieder mal ein Thriller von dem ich direkt gefesselt wurde. Denn hier waren so viele Personen direkt miteinander vernetzt, dass man nur schwer glauben konnte, wie normal sie trotz all der Vorfälle noch im Umgang miteinander sein konnten.
    Dabei ist das Werk von Ken Follett gar nicht so neu und wurde sogar verfilmt. Wie konnte dieses Thema dann nur so an mir vorbei gehen? Denn mich faszinierten hier die Abgründe der menschlichen Seele, die Follett wirklich gut ausgearbeitet hat.
    Doch wie fantastisch es am Ende wirklich wird, konnte ich beim Titel und der Kurzbeschreibung noch gar nicht absehen. Denn hier geht es nicht einfach darum, dass sich Zwillingsbrüder nicht kennen und wohl bei der Geburt getrennt wurden. Es ist tatsächlich eine viel dramatischere, sogar verrücktere, Geschichte, die dahinter steckt. Schön geschmückt mit aktuellen Ereignissen wie der Vergewaltigung, Brandstiftung und Zerstörung der Karriere.
    Definitiv lesenswert! Und ich geh jetzt mal auf die Suche nach dem Film. Der reizt mich. Wobei ich hoffe, dass er nicht zu arg vom Buch abweicht.

  18. Cover des Buches 8 1/2 Millionen (ISBN: 9783037340554)
    Tom McCarthy

    8 1/2 Millionen

     (16)
    Aktuelle Rezension von: yoko
    Nun kann ich wieder atmen. Vernünftig atmen. Ich sehe nicht mehr aus, wie eine hochschwangere Frau, die in den letzten Wehen liegt. Ich bin kein winselndes Wesen, das auf dem Boden hockt und nach Luft schnappt. Der Blutdruck ist einigermaßen normal, nehme ich mal an. Jetzt, wo das Buch ganz brav geschlossen neben mir liegt. Selten hat mich ein Roman dermaßen in den Wahnsinn getrieben wie „8 ½ Millionen“ von Tom McCarthy. Bereits auf den ersten Seiten schleicht sich so eine arrogante Gewissheit an. Sie flüstert dir ins Ohr: „Dieses Buch ist schräg!“ Vollkommen verdreht und abgefahren. Es stimmt. Verrückt geht es schon los. Der Ich-Erzähler erfährt, dass er für seinen Unfall 8 ½ Millionen Pfund Schadensersatz bekommt. Einzige Bedingung: Er darf nicht darüber sprechen, was ihm passiert ist. Als er die Nachricht erfährt, ist er vollkommen aus dem Häuschen und reißt seinen gesamten Telefonanschluss aus der Wand. Damit er weiterhin mit seinem Anwalt zu diesem Sachverhalt sprechen kann, rennt er raus zur nächsten Telefonzelle. Doch dort endet das Gespräch auch wieder unerwartet, weil er nicht ausreichend Geld dabei hatte. Also flitzt er nach oben in die Wohnung, holt wieder Geld und steht erneut in der Telefonzelle. Es klingt schon jetzt ziemlich skurril, was man mit den Augen aufsaugt. Und es geht noch weiter. Auf einer Party entdeckt der Protagonist im Bad einen Riss. Der Augenblick ist das auslösende Moment für eine wahnwitzige Idee. Plötzlich taucht aus den Tiefen seiner Erinnerung eine Szene auf, die ihn davon spült an einen Ort des vollkommenen Glücks. All das, was er plötzlich vor sich sieht, will er wieder haben. Er erinnert sich an eine Situation, die ihn glücklich gemacht. Genau das möchte er nochmals erleben. Eine wahnwitzige Eingebung ist geboren. Welche und wie sie sich fortbewegt, verrate ich nicht. Dafür ist das Buch da. Während ich die Geschichte las, habe ich überlegt, was man nicht alles mit dem Geld anstellen kann. Manche Leute kaufen sich Häuser, Autos und Yachten. Der Protagonist hingegen kauft sich einen Teil seiner Vergangenheit zurück und spürt in seiner eigenen Inszenierung das Glück, was andere beim Kauf der oben aufgezählten Dinge erleben. Wir wissen jedoch alle, dass konsumiertes Glück nicht ewig anhält. Und so öffnet sich ein Sog der Sucht, aus dem ich mich als Leserin nicht mehr entziehen konnte. Stattdessen rief ich – nicht nur einmal: „Das ist doch verrückt!“ Normalerweise sind die Spannungsbögen der Bücher wie kleine Berge. Man beginnt im Tal, arbeitet sich zum Gipfel empor, verschnauft und steigt dann wieder ab. Hier ist es etwas anders. Der Plot wächst und wächst, hört nicht auf. Wie ein Virus breitet er sich aus. Die Oberfläche wird rau, bis alles verschwimmt. Der Protagonist plant sich in Trance und nimmt den Leser mit. Die Augen werden glasig, der Atem schneller. Man japst nach Luft, dreht den Kopf gerade zum Ende hin von links nach rechts. Und in dem Augenblick, als man sich dem Ende nähert, greift man sich Stift und Papier und zeichnet alles nach. Die Mine krakelt vor sich hin und der Stift wackelt. Das ist der Augenblick, in dem man sich diese eine Szene zurückwünscht. Diese und sonst keine andere. Verwirrt? Super! Dann sind die besten Voraussetzungen für dieses großartige literarische Meisterstück geschaffen! Und bitte: Vergesst das Atmen nicht!
  19. Cover des Buches Marionetten (ISBN: 9783939716815)
    John le Carré

    Marionetten

     (66)
    Aktuelle Rezension von: P_Gandalf

    ... handelt von einem jungen Tschetschenen, der auf dubiosen Wegen nach Hamburg und zwischen alle Fronten gelangt.

    Issa Karpow, Sohn eines korrupten russischen Generals kommt nach Hamburg, um dort sein Erbe - das Schwarzgeld seines Vaters - anzutreten. Schnell stellt sich heraus, dass Issa in verschiedenen Ländern in Gefängnissen sass. Ebenso schnell werden deutsche, britische und amerikanische Geheimdienste auf ihn aufmerksam. Zumal Geheimdienste auch bei der Einrichtung des Schwarzgeldkontos ihre Finger im Spiel hatten.

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    Le Carre baut hieraus eine vielschichtige Geschichte auf, die den Leser dazu zwingt, sich Gedanken zu machen.

    Neben Issa  spielen 

    • + eine junge Anwältin, die die Interessen von Flüchtlingen in Deutschland vertritt,
    • + ein alternder britischer Privatbankier, der die Schwarzgeldkonten als eine Belastung aus der Vergangenheit empfindet,
    • + die ineffizienten deutschen Geheimdienste, die aus dem Schatten ihrer angelsächsischen Kollegen hervortreten wollen und nach den Attentaten von 2001 "alles richtig machen" möchten und
    • + ein geheimnisvoller, islamischer Gelehrter die Hauptrollen.

    Alle Personen werden gut charakterisiert - ich konnte mich leider mit keiner Person identifizieren.

    Le Carre beschäftigt sich zu weilen ein wenig langatmig mit den Beweggründen einer jeden Fraktion und man fragt sich, ob nicht alle Marionetten sind.

    Am Ende kommt es zu einem recht überraschenden und plötzlichen Showdown und der Leser bleibt mit der Frage zurück, ob man nun tatsächlich Terroristen dingfest gemacht hat oder Unschuldigen terroristische Aktivitäten untergeschoben hat.

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    Mein Fazit: lesenswert

    Ein gut geschriebener Roman, um das auch Jahre später noch aktuelle Thema, wie weit dürfen Geheimdienste gehen dürfen, um unseren westlichen Lebensstil zu schützen. 

    Punkteabzug gibt es von mir dafür, dass der Roman seine Längen hat und leider nur mäßig spannend ist.


  20. Cover des Buches Black Box (ISBN: 9783426514481)
    Michael Connelly

    Black Box

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Bei den Unruhen, die durch das Skandalurteil ausgelöst wurden, weil die Rodney King verprügelnden Polizisten freigesprochen wurden, wird eine dänische Journalistin erschossen, deren Leiche nur durch Zufall in einer Durchfahrt gefunden wird. Zur genauen Tatortsichtung war keine Zeit, nur eine Patronenhülse konnte sichergestellt werden. Der Fall läßt Ermittler Bosch keine Ruhe, 2012 (exakt 20 Jahre später) greift er den Fall nochmals auf, um Gerechtigkeit herbeizuführen. Daß er bemüht ist, den Mord an einer Weißen aufzuklären, könnte für Verärgerung in der afroamerikanischen Gemeinde führen, und sein neuer Vorgesetzter O`Toole (the tool) streut ihm Sand ins Getriebe. Insgesamt ein routiniert runtergeschriebener Thriller, nicht so schlecht, aber die Chrakaterzeichnung hat man zB bei Mankell schon viel besser gesehen.
  21. Cover des Buches Windows on the world (ISBN: 9783548262413)
    Frédéric Beigbeder

    Windows on the world

     (48)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Das Buch war das erste von einem bedeutenderen Autor, das nach 9/11 erschienen ist und die Terroranschläge thematisiert (2003 genaugenommen): Ein Immobilienmakler nimmt seine beiden Söhne mit in das Restaurant unter dem Dach des Nordtrums des World Trade Centers, als kurz danach die Hölle ausbricht und Rettung unmöglich ist. Beigbeder erspart keine grausigen Details, er selbst sagt, man kann sich nur vorstellen, was wirklich an diesem Morgen in dem Hochhaus passierte.
  22. Cover des Buches Draußen vor der Tür (ISBN: 9783746733678)
    Wolfgang Borchert

    Draußen vor der Tür

     (220)
    Aktuelle Rezension von: sapphowasright

    Dieses Buch beinhaltet ein Theaterstück und mehrere Kurzgeschichten und damit das Lebenswerk des Autors. Das Stück handelt von einem Soldaten, der aus Russland zurückehrt und kein Zuhause hat zu dem er sich wenden kann, also wandert er von Tür zu Tür. Borchert hat es als "Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will", das liegt aber keineswegs an der Qualität des Stücks sondern an der schrecklichen Situation, die es beschreibt. Die Kurzgeschichten handeln von ähnlich verzweifelten Situationen während und nach dem Krieg. Es ist ganz bestimmt kein leicht verdaulicher Lesestoff und bedarf möglicherweise Nachbesprechung also empfehle ich ein Lesen in Gruppen oder ein Niederschreiben von Gedanken in eine Art Tagebuch zur besseren Verarbeitung. Wer sich in einer geeigneten psychischen Lage befindet sollte sich dieses Kunstwer aber auf keinen Fall entgehen lassen. Borchert kann mit Worten spielen wie kaum ein anderer und die Hoffnungslosigkeit und der bittere Schmerz der erzählungen lassen mich nie unberührt. cw: Selbstmord (vor allem im Theaterstück und "Das Holz von morgen), Essen, Krieg, Ratten, Tod, Mord, Vergewaltigung

  23. Cover des Buches Imagination als heilsame Kraft: Ressourcen und Mitgefühl in der Behandlung von Traumafolgen (Leben lernen) (ISBN: 9783608891782)
  24. Cover des Buches Hundewinter (ISBN: 9783551319364)
    K. A. Nuzum

    Hundewinter

     (55)
    Aktuelle Rezension von: Barbara62
    Dessa Dean ist elf Jahre alt und lebt mit ihrem Vater fernab der Zivilisation in einem Häuschen im Wald. Seit ihre Mutter vor ihren Augen an Unterzuckerung im Schneesturm erfroren ist, ist das Mädchen traumatisiert. Während ihr Vater seine Tage als Jäger draußen verbringt, traut sich Dessa Dean nur noch bis auf die Terrasse, dann werden ihre Ohrenschmerzen so stark, dass sie umkehren muss. Erst als ein verletzter, einsamer Hund sie zu besuchen beginnt, der Angst vor geschlossenen Räumen hat, setzt allmählich ein Heilungsprozess ein. Die Erfahrung, gebraucht zu werden, beginnt das Trauma in den Hintergrund zu drängen, und Dessa Dean wächst über sich hinaus, als es darauf ankommt... 

    Mit großen Erwartungen bin ich an dieses Buch gegangen, das 2011 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch nominiert war. Nach der Lektüre bin ich zwiegespalten: Als Erwachsene finde ich den Titel rundherum beeindruckend, vo Cover über die Naturschilderungen, die ruhige, sensible Erzählweise und die Worte, die die US-amerikanische Autorin K. A. Nuzum für das Trauma und die beginnende Heilung von Dessa Dean findet. Aber ich das Buch meinen Töchtern mit elf Jahren hätte? Ehrlich gesagt eher nicht, denn dafür empfinde ich es als zu traurig und melancholisch, auch wenn das Ende hoffen lässt. Ich bin mir aber sicher, dass es ihnen heute, als junge Erwachsenen, genauso gut gefallen würde wie mir.

    http://mit-büchern-um-die-welt.de/n-a-nuzum-hundewinter/

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