Bücher mit dem Tag "tschechien"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "tschechien" gekennzeichnet haben.

82 Bücher

  1. Cover des Buches Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (ISBN: 9783596510979)
    Milan Kundera

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

    (1.175)
    Aktuelle Rezension von: Veezi

    Ich habe das Buch a) wegen dem Buchclub und b) wegen der "99 Bücher, die man gelesen haben muss" Challenge gelesen. Aber warum dieses Buch dazu zählt, habe ich keine Ahnung. Tomas und Theresa, Franz und Sabine sind alles Charaktere, die schwer zu ertragen sind. Tomas und Theresa sind in einer absolut toxischen Beziehung, Sabina treibt es gefühlt nur mit verheirateten Männern und Franz, als Professor, iwie total naiv. Kann ich gar nicht anders beschreiben. Knapp 300 Seiten und ich möchte einfach nicht mehr drüber nachdenken. Die wichtigen Themen, wie die Kommunistische Zeit von Russland über Polen und Tschechien kommt für meinen Geschmack viel zu Wenig zur Geltung. Stattdessen drehen wir uns um die Beziehungen der zwei Paare (die auch miteinander verknüpft sind) immerzu im Kreis. 

  2. Cover des Buches Daughter Of Smoke And Bone (ISBN: 9783596191987)
    Laini Taylor

    Daughter Of Smoke And Bone

    (1.346)
    Aktuelle Rezension von: Lyjana

    Nach langer Zeit hatte ich endlich mal wieder Glück bei einem der hiesigen Bücherschränke ein Buch zu finden, welches mich interessiert. „Daughter Of Smoke And Bone“ wurde mir schon häufig empfohlen, also dachte ich mir, dass ich diese Chance doch gleich mal nutze.  

    Und ganz ehrlich? Die Geschichte konnte mich positiv überraschen, auch wenn sie für mich letztlich kein Highlight geworden ist. Besonders gefallen hat mir das Worldbuilding. Erst wusste ich – trotz des Klapptextes – gar nicht so genau in welche Richtung sich der Plot wohl entwickelt, doch mit dem Auftauchen der Seraphim, Karous Suche nach ihrer Familie und den vielen kleinen Informationen, die nach und nach ans Licht kommen, habe ich schnell festgestellt, dass ich alles daran liebe. Gerade die Geheimnisse rund um die Chimären, aber ebenso um Karous Herkunft, Brimstones rätselhafte Verwendung für Zähne und Akivas Reue konnten mich mühelos fesseln.  

    Ich habe in den letzten Jahren immer wieder festgestellt, dass ich Bücher in der Ich-Perspektive vorziehe, wenn es darum geht die Emotionen unserer Protagonisten greifbar zu vermitteln. Hier merke ich – durch die fehlende Ich-Perspektive – das genaue Gegenteil. Viele Gefühle sind da, gerade zwischen Karou und Akiva, aber es besteht noch unfassbar viel Luft nach oben mich damit zu überzeugen. Nichtsdestotrotz habe ich die Zweifel, die Sehnsucht, aber genauso die tiefe Liebe, wie auch die Müdigkeit diesen Krieg noch weiter fortzuführen, toll wahrgenommen. Ich bin aber der Meinung, mit einer anderen Perspektive hätte mich die Geschichte umhauen können.  

    Persönlich hätte ich es zudem gerne gesehen, wenn der Inhalt von Zeit zu Zeit etwas weniger schnelllebig gewesen wäre. Ja, der Plot geht superschnell voran, ist spannungsgeladen und ebenso mysteriös, aber gerade um die zurückhaltenden Emotionen schöner hervorzuheben, hätte es für mich mehr Zweisamkeit, mehr Ruhe und mehr ausgearbeitete Momente zu zweit gebraucht.  

     

    Fazit 

    Zu meiner Freude hatte ich im Bücherschrank gleich doppelt Glück, den der zweite Teil wartet zu Hause bereits auf mich. Und, wenig überraschend, nach dieser Rezension, möchte ich natürlich super gerne erfahren, wie die Geschichte weitergeht.  

    Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.

  3. Cover des Buches Midnight Chronicles - Dunkelsplitter (ISBN: 9783736313484)
    Bianca Iosivoni

    Midnight Chronicles - Dunkelsplitter

    (321)
    Aktuelle Rezension von: Pilzi90

    In Band 3 dieser Reihe geht die Geschichte von Roxy und Shaw weiter. Nach dem schrecklichen Angriff auf das Hunterquartier reisen die beiden gemeinsam mi Ella nach Prag um dort weitere entflohene Seelen aus der Unterwelt zu finden und zurück zu schicken. 

    Das Leseempfinden war wieder sehr gut und ich mag den Schreibstil der Autorin. Die Geschichte ist fesselnd. 

    Ich bin gespannt wie es in Band 4 weiter geht. In diesem Band gab es einige Wendungen mit denen ich gerechnet habe, auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte. Jedoch hat mich das Ende hilflos zurück gelassen und ich hoffe das alles funktioniert. 

  4. Cover des Buches 9 Tage wach (ISBN: 9783841906298)
    Eric Stehfest

    9 Tage wach

    (81)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    E.S.s  (wie "Es" bei Stephen King) Crystal-Meth-Beichte, ein Meth-Diener mit Meth-ode. Schonungslos berichtet Eric über Drogenaussetzer, dem Versagen des Schließmuskels und wie er sein Meerschweinchen auf dem Gewissen hat. Gelegentlich verwickelt, wenn auf die Geschichte der Urgroßväter umgeblendet wird, die im Pervitin-Rausch für das "Dritte Reich" flogen und mordeten. Lianes unendliche Geduld hat mich im Film etwas verwundert, in der Buchvorlage zeigt sie an zumindest einer Stelle eine wachsende Ungeduld gegenüber dem eigenen mißratenen Nachwuchs. Und Richter und Staatsanwalt am Amtsgericht Pirna (und in der Verfilmung) habe ich auch nicht ganz ernst genommen.

  5. Cover des Buches Brief an den Vater (ISBN: 9783150148990)
    Franz Kafka

    Brief an den Vater

    (187)
    Aktuelle Rezension von: Karandi

    Ich muss sagen, dass ich mit Kafka zuweilen ein Problem habe, weil er mir arg depressiv scheint, was er ja auch letztendlich war. Aber Brief an den Vater ist einfach so echt, dass sich mein Hut davor ziehen muss. Emotional, ehrlich und persönlich. Wir dürfen in die Beziehung zwischen Kafka und seinem Vater Einblicken 

  6. Cover des Buches Racheherbst (ISBN: 9783442487950)
    Andreas Gruber

    Racheherbst

    (324)
    Aktuelle Rezension von: stefan182

    Inhalt: Durch Zufall wird die Leiche einer jungen Frau unterhalb einer Leipziger Brücke entdeckt. Zwar hat die Leipziger Polizei erste Anhaltspunkte, die in das lokale Drogenmilieu führen, doch die Spur verläuft schnell im Sande. Ein Umstand, den Walter Pulaski nicht hinnehmen will, sodass er in seiner Freizeit Ermittlungen anstellt. Schnell wird dabei klar: Pulaski jagt einem Serienmörder nach. In Wien übernimmt die mittlerweile in einer eigenen Kanzlei agierende Anwältin Evelyn Meyers einen neuen Fall - ohne zu wissen, dass dieser ihr Leben auf den Kopf stellen wird...

    Persönliche Meinung: "Racheherbst" ist ein Thriller von Andreas Gruber. Es ist der zweite Band um die beiden Ermittlerfiguren Walter Pulaski und Evelyn Meyers. Da der Fall in sich abgeschlossen ist und auch die Figurenbeziehungen, wie sie sich im ersten Band entwickelt haben, skizziert werden, kann man "Racheherbst" auch ohne Kenntnis des Vorgängers lesen. Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Perspektiven: Neben Pulaski und Meyers finden sich u. a. die Perspektive von Mikaela, die auf eigene Faust ermittelnde Mutter des Opfers, sowie die Täterperspektive. Leider hat mich "Racheherbst" zwiegespalten zurückgelassen. Grandios ist der Schreibstil, der sich flüssig und anschaulich lesen lässt; die Handlungsorte - u. a. Leipzig, Wien und Prag - werden atmosphärisch in Szene gesetzt. Auch die anomale Vorgehensweise des Täters ist ein Pluspunkt, da ich sie bisher in der Form noch nicht gelesen habe. Zudem gibt es einige wirklich kaum erwartbare Wendungen, die immer mal wieder für Spannung sorgen. In diesen Wendungen liegt allerdings zugleich ein Wermutstropfen: Insbesondere eine Wendung - ich bleibe hier bewusst vage - hat drastische Konsequenzen für eine handelnde Figur, die aber leider nicht wirklich aufgearbeitet werden. Auch die Täteridentität ist nicht so überraschend wie von Gruber gewohnt (am Ende habe ich mich ein bisschen gefragt, warum ich auf diese Auflösung 500 Seiten gewartet habe). Stellenweise fand ich außerdem Mikaela, die ermittelnde Mutter des Opfers, anstregend: Sie greift mehrfach auf die Ermittlungsergebnisse Pulaskis zurück, der hier sympathischer und menschlicher erscheint als in "Rachesommer", lässt Pulaski dann aber häufig - wortwörtlich - sitzen und begeht Alleingänge, die nicht unbedingt förderlich sind. Unter dem Strich ist "Racheherbst" aber kein schlechter Thriller. Über weite Strecken hat er mich gut unterhaltend; dennoch kommt er für mich nicht ganz an den ersten Band der Reihe heran.

  7. Cover des Buches Herz aus Schatten (ISBN: 9783736318328)
    Laura Kneidl

    Herz aus Schatten

    (345)
    Aktuelle Rezension von: LiveReadLove

    3,5 Sterne

    Nach einigen Anlaufschwierigkeiten konnte mich vor allem das letzte Drittel von "Herz aus Schatten" für sich einnehmen.
    Die Welt, die Magie und vor allem die Monster haben mein Interesse geweckt und gerade gegen Ende hat die Handlung ordentlich an Fahrt gewonnen.

    Was mich etwas enttäuscht hat, war letztlich die Auflösung, die irgendwie keine wirkliche Auflösung war. Es hat mit da eindeutig an Erklärungen gefehlt, als wäre am Ende irgendwie die Luft raus gewesen.
    Ich hatte das Gefühl, es wäre noch viel mehr möglich gewesen, gerade bei all diesen Monstern und möglichen Geschichten..

    Die Beziehung zwischen Lilac und Kayla fand ich sehr schön, denn es wurde sich viel Zeit gelassen. Sie haben eine Freundschaft und Basis aufgebaut, ehe sich mehr entwickelte, das hat mir sehr gefallen.

    Alles in allem ist "Herz aus Schatten" eine unterhaltsame Geschichte, die mich vor allem am Ende packen konnte.

  8. Cover des Buches Der Golem (ISBN: 9783899196542)
    Gustav Meyrink

    Der Golem

    (134)
    Aktuelle Rezension von: Anja_Weinhold

    Ich war ja schon etwas naiv als ich mir das Buch geholt habe, denn ich ging davon aus "Der Golem" sei eine romanversion der Sage um den Prager Golem. Meeep! Fehlanzeige. Der titelgebene Steinmensch kommt tatsächlich nur einmal vor. 

    In Gustav Meyrinks "Golem" geht es viel eher um die Lebensumstände im alten, prager Judenviertel, welches 1885 abgerissen und "grundsaniert" wurde. Genau in dieser Zeit spielt auch "Der Golem". Eine Zeit der Umbrüche, der Transzendenz. Tatsächlich macht das Buch viele Motive aus der Philosophie und der kabbalistischen Mystik auf, die man ohne Kenntniss gar nicht so einfach verstehen kann. Als jemand, der sich mit dem Judentum und erst recht mit dem Talmud und dem Kabbalismus nur sehr oberflächlich auskennt blieb mir da doch vieles verschlossen. Ohne Tante Google hätte ich vermutlich noch älter ausgesehen. 

    Das Buch stammt von 1915 und wurde gerade auch in der Weimarer Zeit nach dem 1. Weltkrieg hierzulande recht berühmt. (Meyrink ist ja "Österreich-Ungar") Und ohne Kenntniss von Meyrinks Biografie ist auch vieles nicht zu verstehen. Das z.b. der Abschnitt im Gefängnis eine Satire auf den KuK-Beamtenstaat ist lässt sich heutzutage ohne entsprechendendes Hintergrundwissen gar nicht mehr aus dem Buch selbst ziehen. 

    Das ist auch der große Minuspunkt. Dass das Buch außerhalb seiner Zeitepoche offenbar nur schwer verständlich ist. Auch die Romanhandlung selbst würde man heute so garantiert nicht mehr schreiben. Der Schreibstil ist, gelinde gesagt, kompliziert. Es sei denn man mag Gedankestriche. Und ich dachte immer mit Karl Marx' Texten hätte ich den Gedankenstrich-Super-GAU bereits erlebt. Nein, Meyrink legt da noch einen drauf. 

    Eigentlich hatte ich mir das Buch als Recherche zum prager Golem gekauft. Aber da dieser wirklich nur eine untergeordnete Rolle spielt taugt es dazu definitiv nicht. Allerdings gibt das Buch einen Eindruck von dem alten, prager Judenviertel von dem heute ja so gut wie nichts mehr übrig ist. (Von mir aus sind es ja nur rund 100 km nach Prag.) 

    Wer sich für Philosohie, Kabalismus und das Leben im Judenviertel interessiert, der dürfte hier fündig werden. Alle anderen dürften das Buch als eher anstrengend empfinden. 

    Deshalb nur 3/5 Sternen.



  9. Cover des Buches Blaue Frau (ISBN: 9783596708154)
    Antje Rávik Strubel

    Blaue Frau

    (68)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Zu Beginn des Romans „Blaue Frau“ sind die Leser*innen mit einer Situation konfrontiert, zu der erstmal keine Erklärung gereicht wird, sondern die ganz für sich steht: ein Zimmer, eine Frau. Sie ist in einer ihr fremden Gegend und harrt anscheinend aus. Sie ist erschüttert, tief in ihrer Psyche. Immer wieder erscheint ihr eine blaue Frau, eine Art Geist oder Projektion, wobei zunächst unklar ist, ob diese einen Schmerz oder eine Hoffnung verkörpert (oder beides in einem).

    Diese Anfangssituation des Buches ist klug inszeniert: Die unmittelbare und doch schleichende Konfrontation mit der Lage, in der sich Antje Rávik Strubel Protagonistin Adina befindet, bringt den Leser*innen ihre Person sofort nah, macht sie greifbar. Sie steht erstmal für sich. Auch, dass so zunächst das Opfer und nicht die Tat im Fokus steht, verändert die sonst übliche Dynamik in einem Buch über Missbrauch.

    Denn ein solcher Missbrauch ist der Schatten, das von Anfang an auf die Stimmung des Buches drückt, seine Atmosphäre erzeugt. Adina ist eine missbrauchte Person, in mehrfacher Hinsicht, körperlich, aber auch ihre Träume wurden missbraucht. Sie war schon weit gekommen: aus dem rückständigen tschechischen Dorf, wo sie aufwuchs, gelang ihr der Sprung nach Berlin, wo sie sogar eine Mentorin fand und eine Zukunft in Aussicht hatte. Aber dann geschahen Dinge, die sie zur Flucht nach Helsinki bewogen und nun ist sie einerseits ohnmächtig, andererseits befeuert von dem Wunsch nach Gerechtigkeit oder vielmehr: nach Sichtbarkeit.

    Denn Unsichtbarkeit ist das zentrale Thema von Strubels Roman: die Unsichtbarkeit der Träume von Frauen, die Unsichtbarkeit von Frauen im Rechtssystem und die Unsichtbarkeit von Osteuropäerinnen im Besonderen. Und die aus diesen Enttäuschungen und Verwundungen resultierende Unsichtbarkeit von Liebe und Zuneigung in den Augen derer, die immer und immer wieder die Machtverhältnisse aufgedrückt bekommen, bis sie als ständige Opfer dazu gezwungen sind, fast ausschließlich in ihnen zu denken.

    Ich muss zugeben, dass ich mich am Anfang mit dem Buch schwergetan habe und erst gegen Ende die Klugheit des Aufbaus und des Bogens, den Strubel schlägt, wirklich honorieren konnte. Es ist also eines dieser Bücher, die einen für ein bisschen Geduld und Einlassung fürstlich entlohnen. Und es ist ein Buch, dass jede*r, der sich mit feministischen Themen auseinandersetzen will und auch bereit ist, dabei eine vielschichtige Materie zu durchstreifen, lesen sollte.

  10. Cover des Buches Im Licht des neuen Tages (ISBN: 9783103974973)
    Jarka Kubsova

    Im Licht des neuen Tages

    (70)
    Aktuelle Rezension von: Magda

    „Aber die wahre Geschichte kannte nur der Wald.“      (263)

    Nachdem ihre Tochter Klara aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist, empfindet die Schriftstellerin Elli Hajek nur eine schreckliche Leere. Gleichzeitig hat sie Angst vom Zusammenleben mit ihrem Partner Jan, der ihr eine Stütze sein will und an eine gemeinsame Zukunft mit ihr denkt.  An einem abgelegenen Ort, in einer einsamen Waldhütte, hofft die Schriftstellerin all ihren Problemen und Sorgen zu entfliehen, und ihre jetzige Schreibblockade zu überwinden.

    „Erst hört man den Wald atmen. Dann flüstern. Dann gibt er die Dinge preis, die er aufbewahrt.“    (9)

    In der einsamen Hütte im Wald erinnert sich Elli Hajek an ihre Kindheit und die Geschichten, die ihr ihre tschechische Babička oft erzählt hat. Eine davon war die Geschichte über die verrückte Viktorka, die jahrelang in den böhmischen Wäldern lebte. Elli erfährt, dass Viktorka keine fiktive Figur ist, dass sie tatsächlich lebte. Um die ganze Wahrheit über Viktorkas Schicksal zu erfahren, reist Elli nach Tschechien, besucht die Orte des Geschehens und erlebt den Wald, der damals, für die von der Gemeinschaft verstoßene junge Frau, ihr Zuhause wurde. Dabei macht Elli Erfahrungen, die ihr helfen, sich selbst und ihre eigene Lebensgeschichte besser zu verstehen.

     

    In ihrem atmosphärischen Roman hat mich Jarka Kubsova in eine Welt des tschechischen Märchens und der Überlieferung entführt. Sie greift darin auf die klassische Märchengeschichte von Bozena Nemcova aus dem Jahr 1855 zu und verknüpft sie kunstvoll mit der Geschichte einer modernen Frau, der Schriftstellerin Elli Hajek.

    Das beliebte Viktorka-Erzählung ergänzt die Autorin mit den Ergebnissen von Ellis aktueller Recherche, welche ein neues Licht auf das Leben von Viktorka wirft. Viktorkas tragische Geschichte berührt und erschüttert zutiefst. Gleichzeitig wirkt sie erstaunlich aktuell, denn vieles davon, was Viktorka widerfahren ist, findet auch heutzutage in verschiedenen Milieus statt.

    Auch Ellis Geschichte hat mich beeindruckt und nachdenklich gemacht. Denn auch sie musste zuerst innehalten, über ihr bisheriges Leben nachdenken, zu sich selbst finden. Klug und nachvollziehbar schreibt die Autorin in dem Teil über solche Themen, wie Flucht, Sprache, Integrität, kulturelle Identität, Leben in Freiheit. Alles sehr wichtige Themen, heutzutage von großer Bedeutung.

    Ich habe den Roman sehr gerne gelesen, die atmosphärische Erzählung sehr genossen. Besonders die poetischen, gefühlvollen Beschreibungen der Natur, insbesondere die authentisch wirkenden Beschreibungen des lebendigen Waldes, sprachen mich innerlich an. Die Geschichten der beiden Frauen, einfühlsam erzählt, bleiben lange in meiner Erinnerung.

  11. Cover des Buches Blind Date mit einem Vampir (ISBN: 9783802590689)
    Katie MacAlister

    Blind Date mit einem Vampir

    (520)
    Aktuelle Rezension von: Milea

    Das Buch tönte so lustig - ich mag Vampirromane - leider war es eher enttäuschend. Die Protagonistin wirkt sehr anmassend, die Dialoge sind umständlich und die 'erotischen' Szenen sind nicht sehr erotisch. Ich meine... Sie spricht mit dem besten Stück und nennt ihn Mr Happy...

    Das Buch wirkt oft mehr als Aufzählung, den als Roman und enthält sehr viele Wiederholungen. 

  12. Cover des Buches Melmoth (ISBN: 9783847906643)
    Sarah Perry

    Melmoth

    (121)
    Aktuelle Rezension von: Sophiasticated

    Nach dem Erfolg von Die Schlange von Essex legt Sarah Perry mit Melmoth einen weiteren Roman vor, der sich deutlich dunkleren Themen zuwendet. Inspiriert vom klassischen Gothic-Roman Melmoth the Wanderer von Charles Maturin, versucht Perry, alte Schauerliteratur mit modernen Fragen nach Schuld, Verantwortung und Verdrängung zu verbinden. Das gelingt ihr streckenweise beeindruckend – aber nicht durchgängig.

    Im Zentrum steht Helen Franklin, eine zurückgezogen lebende Übersetzerin in Prag, deren nüchternes Dasein durch die Entdeckung eines mysteriösen Manuskripts aus dem Gleichgewicht gerät. Dieses erzählt von Melmoth, einer einsamen, geisterhaften Gestalt, die seit Jahrhunderten durch die Welt wandert und Menschen heimsucht, die Schuld auf sich geladen haben. Die Idee ist faszinierend – Melmoth als personifizierte Erinnerung, als Mahnung, die niemandem erlaubt zu vergessen oder sich reinzuwaschen.

    Perry verwebt mehrere historische und persönliche Erzählungen miteinander, die Einblicke in Grausamkeiten und moralisches Versagen geben – von den Gräueltaten des 20. Jahrhunderts bis zu intimen Momenten menschlicher Schwäche. Diese Geschichten sind oft eindrucksvoll, teils erschütternd – doch der rote Faden dazwischen wirkt nicht immer straff genug gespannt.

    Perrys Sprache ist elegant und atmosphärisch dicht, mit einem spürbaren Hang zum Literarischen. Die düstere, leicht entrückte Stimmung, die Prag als Schauplatz perfekt unterstützt, ist eine der großen Stärken des Romans. Auch die Idee, Schuld nicht als juristisches, sondern als existenzielles Phänomen zu betrachten, hebt Melmoth von bloßer Gruselliteratur ab.

    Doch genau hier liegt auch ein Problem: Der Roman will viel – vielleicht zu viel. Zwischen Gothic-Fiction, philosophischem Essay und psychologischem Drama bleibt die emotionale Wucht manchmal auf der Strecke. Die Figuren – allen voran Helen – wirken oft seltsam distanziert. Ihre inneren Kämpfe bleiben abstrakt, statt wirklich unter die Haut zu gehen. Wer eine packende Geschichte erwartet, wird stellenweise eher mit einer intellektuellen Meditation konfrontiert.

    Melmoth ist ein ambitionierter, atmosphärisch starker Roman mit einem interessanten Konzept. Sarah Perry beweist literarisches Können und wagt sich an große Themen. Doch nicht alles fügt sich zu einem runden Ganzen. Die emotionale Distanz, die Überfrachtung mit Motiven und das langsame Erzähltempo können das Leseerlebnis mitunter dämpfen. Ein gutes, nachdenkliches Buch – aber nicht unbedingt ein unvergessliches.

  13. Cover des Buches Die Mühle (ISBN: 9783570311929)
    Elisabeth Herrmann

    Die Mühle

    (164)
    Aktuelle Rezension von: lucatrkis

    Die meisten Charaktere mochte ich leider nicht und die, die ich mochte, starben nach kurzer Zeit. Zudem handelten die Figuren für mich teilweise nicht nachvollziehbar. (SPOILER) Zum Beispiel reagierte der Chauffeur der Limousine auf ein Klopfen an der Scheibe nicht, woraufhin eine Person der Gruppe versuchte die Tür zu öffnen. Während dem Fahren! Dann standen sie vor einer Hängebrücke und die Limousine fuhr weg. Aber die Gruppe hatte nichts anderes zu tun als sich zu betrinken. Außerdem  vertraute Lana Johnny nicht mehr so ganz und verdächtigte ihn sogar, sie umbringen zu wollen, trotzdem verbarrikadierte sie sich mit ihm im Haus. (SPOILER ENDE) Da ich auch nicht alle Charaktere mochte, war es mir teilweise sogar egal, ob jemand jetzt nun starb oder nicht. (SPOILER) Zum Beispiel war Franziska kurz davor grauenhaft zu sterben. Eigentlich hätte das spannend sein können, doch es war mir egal ob sie starb. (SPOILER ENDE) Was man dem Buch aber lassen muss ist, dass es sehr spannend war und mit einigen Wendungen überzeugen konnte. Auch das Setting gefiel mir richtig gut, ich konnte mir die Landschaft sehr gut vorstellen. Das Ende gefiel mir nicht so gut, der „Epilog“, der ein Jahr später spielte, war ganz nett.

  14. Cover des Buches Sechs Koffer (ISBN: 9783462050868)
    Maxim Biller

    Sechs Koffer

    (82)
    Aktuelle Rezension von: Nicolai_Levin

    Wie eigentlich immer bei Maxim Biller geht es auch in diesem Buch um die Familie Biller, die russisch-ukrainisch-jüdische Wurzeln hat, sich nach dem Krieg in Prag niederließ, von dort Ende der 1960-er nach Hamburg floh, wo Maxim aufwuchs, ehe er in München als Journalist und Schriftsteller erblühte.

    Während sich in „Mama Odessa“ alles um die Mutter, das Schreiben und die Sprache als Heimat und Bezugspunkt dreht, geht es in „Sechs Koffer“ um Bruderzwist, um Anerkennung und um Geld. Maxims Großvater, der Tate, wurde Anfang der 1960-er in Moskau wegen Schwarzmarkt- und Devisenvergehen hingerichtet, und die Familie rätselt seitdem, wer den Patriarchen verraten hat. 

    Da ist Semjon, Maxims Vater, der als Übersetzer (russisch-tschechisch) arbeitet, da sind dessen Brüder Wladimir (in Brasilien), Lev (als halbseidener Geschäftsmann in West-Berlin) und Dima, der Chemiker, der von 1960 bis 1965 wegen einer stümperhaft geplanten Flucht Richtung Westen in der CSSR im Gefängnis saß und der es danach irgendwie in die Schweiz geschafft hat, wo er in einem Rüstungsunternehmen arbeitet. Natalia, seine Frau, Filmdozentin und Femme Fatale, wollte erst Semjon heiraten, bevor sie Dima nahm, was ihm Rada, Semjons Frau und Maxims Mutter, nie verziehen hat.

    Die Familienaufstellung bietet schon so einiges an Dramatik, verschärft durch teils illegale Geschäfte und wilde Spionageeinsprengsel. Der Tate hat vierzigtausend Dollar in den Westen geschmuggelt - das reichte in den 1960-ern, um eine Villa im Grunewald zu kaufen! Und die Frage, ob jeder der Brüder seinen gerechten Anteil bekommen hat, wird höchst unterschiedlich beantwortet aus den verschiedenen Perspektiven, die uns der Autor Biller schildert.

    Das Buch bietet eine merkwürdige Mischung aus Zeitgeschichte mit Ost-West-Komponente, Familiensaga, Spionage- und Mafiastory, der Entwicklungsgeschichte des Icherzählers, der Suche nach jüdischer Identität und jüdischem Auskommen und natürlich der Frage, wer denn nun den Taten verraten hat. 

    Leider finden diese sehr unterschiedlichen Zutaten zu keinem runden Ganzen und auch erzählerisch holpert und stolpert es für meine Begriffe mit eingeschobenen langen Briefen und der Lektüre von Stasiakten.

    Am besten ist das Buch da, wo es persönlich wird. Wie die Kinder Maxim und Jelena bange auf die Ankunft des Onkels Dima warten, als der aus dem Gefängnis entlassen wird - und sie beide überzeugt sind, dass er den Großvater auf dem Gewissen hat. Das hat Pep und Feuer! Und auch die Fahrt des Fünfzehnjährigen in die Schweiz zu eben diesem Dima schildert Biller feinfühlig und exakt - und witzig dazu: das unendlich verklemmte Großmaul Miloslav, den er trifft und dem er sich anvertraut, weil er Tschechisch spricht, die Knutschereien mit der Cousine Nettie, das hat mir schon sehr gut gefallen.

    Der Rest leider nicht, auch wenn ich positiv anmerken will, dass es endlich mal ein Billertext ist, in dem Biller nicht in angesagten Szenebars von allen möglichen Literatenfreunden antisemitisch angekackt wird und ihnen deswegen beleidigt die Freundschaft kündigt.

  15. Cover des Buches Midnight Chronicles - Seelenband (ISBN: 9783736313491)
    Bianca Iosivoni

    Midnight Chronicles - Seelenband

    (231)
    Aktuelle Rezension von: sozicu

    Wer schneidet hier denn Zwiebeln?! Also wirklich, das hat mich echt mitgenommen.

    Der vierte Teil der Midnight Chronicles Reihe spielt sich (teilweise) gleichzeitig mit Teil 3 ab. Der Fokus liegt wie in Band 2 auf anderen Charakteren als Roxy und Shaw. Diesmal: Ella und Warden.

    Und Anfangs habe ich das gar nicht erwartet. Der Fokus lag irgendwie sehr auf Waynes und Ellas Vergangenheit. Was schon irgendwie passt, das Ganze zuerst aber für mich recht langatmig gestaltet hat. Zumal ich mir gerade am Anfang oft dachte, dass die beiden einfach ordentlich miteinander reden sollten. Im Nachhinein war das alles aber stimmig.

    Der Schreibstil ließ mich aber gut dran bleiben. Zum Glück! Denn dann wurde es nicht nur spannend, sondern der Bogen wurde fantastisch zur “Hauptstory” gespannt und die beiden miteinander verwoben.

    Ich bin echt baff, dass ich bisher alle Teile dieser Reihe so gut fand. Es gibt noch zwei weitere Bände und ich denke, dass das die perfekte Länge für diese Geschichte sein könnte. Es bleibt spannend!

  16. Cover des Buches Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939 (ISBN: 9783218010436)
    Walter Rauscher

    Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939

    (11)
    Aktuelle Rezension von: krimielse
    Der österreichische Historiker und Sachbuchautor Walter Rauscher bietet mit dem Buch "Das Scheitern Mitteleuropas 1918 -1939" einer informativen und lehrreichen, sachlichen, sehr gut lesbaren Überblick über die Geschehnisse zwischen den Weltkriegen. Ich war vor der Lektüre der Meinung, mich geschichtlich recht gut auszukennen und politische Zusammenhänge erkennen zu können, und wurde vom Autor eines besseren belehrt. Das Buch versorgt mit Informationen, die mir bisher so nicht bekannt waren, betrachtet die Ereignisse aus einer überraschenden Perspektive und zeigt so Zusammenhänge auf, die für mich neu und hochinteressant sind. Als sehr gelungen betrachte ich dabei die in meinen Augen völlig neutrale Herangehensweise. Es ist spannend, auf diese Art Wissenszuwachs zu erhalten, eine Erweiterung des Blickwinkels angeboten zu bekommen und aktuelle Bezüge herstellen zu können. Das Lesen wird angenehm und einfach gestaltet durch die chronologische Abfolge und durch die Einteilung des Buches in sieben Kapitel. Der Autor widmet sich in den einzelnen Kapiteln jeweils der Reihe nach verschiedenen europäischen Gebieten und Ländern. In durchgehend verständlichen Formulierungen erklärt Rauscher die Themenbereiche, Differenzen und Spannungen - die geografische Neuaufteilung, politische Entwicklungen und nationalen Bestrebungen von Sieger- und Verliererstaaten, die Darstellung von Entscheidungen und Fehlentscheidungen mit den bekannten verheerenden Folgen stehen im Vordergrund. Man kann als Leser dem zunehmenden Nationalismus in vielen europäischen Ländern, den aus Gebietsansprüchen und national-egoistischer Kurzsichtigkeit entstandene Konflikte ursächlich nachspüren, die Dramatik in der wirtschaftlichen Entwicklung bedingt durch Zwänge und Eingrenzung sehr gut verfolgen und verstehen. Erschreckend war für mich bei der Lektüre, dass sich Geschichte wiederholt, dass egoistischer Nationalismus nach wie vor auf der Tagesordnung steht und zunehmende Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit durchaus wieder zum Scheitern führen könnte. Wenn auch viele Komponenten bekannt sind besticht Rauschers Buch durch Detailtreue und Präzision im Aufzeigen von Zusammenhängen. Dabei schafft es das Buch auf lobenswerte Art, nicht vom Wesentlichen abzuweichen und wirkt dadurch nie verzettelt oder gar langweilig. Das Buch hat mich beeindruckt und überzeugt, es ist wichtig und sehr lesenswert , und mir 5 Sterne wert.
  17. Cover des Buches Geteiltes Haus (ISBN: 9783257074000)
    Alice Horáčková

    Geteiltes Haus

    (79)
    Aktuelle Rezension von: Federfee

    Über 800 Seiten, eine überwältigende, überbordende Fülle, ‘Lektionen’ in Geschichte, aufgepeppt durch persönliche Schicksale.

    Benetzko im Riesengebirge, einst Heimat der Sudetendeutschen, die dort mit Tschechen friedlich zusammenlebten - sich ‘ein Haus teilten’ - bis nach dem verheerenden Ersten Weltkrieg schon bald nationalistischen Tendenzen auftraten, der Nationalsozialismus erstarkte und bleibende Schäden anrichtete, die tschechische Bevölkerung tyrannisierte, die dann nach dem verlorenen Krieg den Spieß umdrehte, Rache ausübte und letztendlich die Sudetendeutschen für immer aus ihrer Heimat vertrieb.

    Im anfangs archaisch wirkenden Bergdorf lebten Tschechen und Deutsche zusammen, es wurden beide Sprachen gesprochen und untereinander geheiratet. Es waren mir anfangs ein wenig zu viele Personen, wobei aber ein Verzeichnis hinten im Buch ein wenig Klarheit verschaffte.

    Die Hauptpersonen stammen mehrheitlich aus den Familien Hollmann (deutsch) und  Honců (tschechisch). Die beiden Mädchen Anežka und Zdenka sind Freundinnen und bleiben es ein Leben lang, trotz rivalisierender Liebschaften, Nachkommen mit unklarer Herkunft und letztendlich der Vertreibung.

    Besonders die Mitglieder der Familie Hollmann stellen sehr unterschiedliche Typen dar: die bösartige Großmutter, der prügelnde und wildernde Vater, Vinzenz, der Nationalsozialist und Mitläufer, der schon als Kind geschäftstüchtige Hans, der sich später als Frauenheld hervortut und sich nicht nur in diesem Bereich nimmt, was er will, sondern schlimmer noch, der nur seine Geschäfte und Fabriken kennt, sich zum ausbeuterischen Profiteur entwickelt, der sich jüdisches Eigentum aneignet und noch nicht mal ein schlechtes Gewissen hat.

    Aber es gibt auch positiv besetzte Figuren: die Mutter Amalie Hollmann, die meint, man solle die Nationalitäten abschaffen und in Formulare ‘Gebirgler’ schreiben. Oder ihr Sohn Emil, der einen deutschen Namen hat, aber ‘ein tschechisches Herz’. So ähnlich äußert sich auch Anežkas Vater, der deutsche Bürgermeister Braun: ‘Ich wache morgens als Tscheche auf und gehe abends als Deutscher zu Bett.’ (43)

    Es gibt eine Fülle weiterer Personen, die das Geschichtliche für den Leser erfahrbar machen: den Ersten Weltkrieg mit seinen Grausamkeiten, die Eskalation des National-Sozialistischen während der Ersten und Zweiten Tschechischen Republik: Hakenkreuzschmierereien, Hitlerreden, Provokationen der Tschechen. KZs werden eingerichtet, Juden enteignet und vertrieben und schließlich die Annexion tschechischer Gebiete. Das wird hier besonders durch den Titel verdeutlicht ‘Geteiltes Haus’, denn die Risse gingen nicht nur durch Familien, Freundschaften und Nachbarschaften, sondern auch durch das Dorf Benetzko.

    Kurz erwähnt werden die schrecklichen Folgen des noch andauernden Krieges: entstellte Flieger im Lazarett oder die Flucht der Ostpreußen vor den Russen über die zugefrorene Ostsee.

    Nach Kriegsende kehren sich die Verhältnisse um: jetzt müssen sich die Deutschen fürchten, die Tschechen übernehmen, schließlich Vertreibung, Verlust der Heimat und allen Besitzes. ‘Jetzt kriegen sie die Rechnung’ (692). Die Tschechin Terezie fragt, was Frauen und Töchter damit zu schaffen hätten. ‘Muss man alles mit gleicher Münze heimzahlen? So nimmt es doch niemals ein Ende.’ (693)

    Aber auch die üblichen Rechtfertigungen werden thematisiert: ‘Wir können nichts dafür, es war die Gestapo.’ (721). Der zutreffende Einwand, auch jetzt wieder aktuell: ‘Verstehen Sie denn nicht, dass sie es sind, die das ermöglicht haben … Sie haben ihn gewählt, und sie haben ihn unterstützt.’

    Die Autorin Alice Horáčková, 1980 in Prag geboren, hat hier mit Hilfe von Fotos und nach Archivrecherchen die Geschichte der eigenen Familie erzählt.

    Fazit

    Eine vom Stil her leicht lesbare, aber ein wenig zu übervolle, historisch untermauerte Familiensaga, die die Hintergründe und Zusammenhänge der Vertreibung der Sudetendeutschen deutlich macht, große Politik an den Personen eines kleinen Dorfes verdeutlicht.

  18. Cover des Buches Schindlers Liste (ISBN: 9783570300046)
    Thomas Keneally

    Schindlers Liste

    (287)
    Aktuelle Rezension von: Cherubium

    Vorab: Ich kann jeden verstehen, dem es schwer fällt, Schindlers Liste komplett zu lesen.

    Denn Schindlers Liste list sich weniger wie ein Roman, sondern vielmehr wie ein Sachbuch, das in Romanform aufgearbeitet wird.

    Wer setzt sich schon hin, und liest einfach mal 300 Seiten im Brockhaus...

    Auch mir fiel es mitunter schwer, dran zu bleiben. Aber die in dem Buch geschilderten Hintergründe habe ich in dieser Form noch niemals irgendwo gesehen, gehört oder gelesen. Nicht in der Schule, nicht in unzähligen Dokus, nicht in der Verfilmung, nirgends.

    Das Buch erweitert den Horizont und öffnet einem auf schockierende Weise die Augen, was einem bis heute über die Schicksale der Juden nicht nur in Deutschland verschwiegen wird.

    Schindlers Liste ist ein historisches Manifest und Dokument.

    Mich hat, so schwer es auch wegen dem Inhalt und der Erzählweise zu lesen war, so viel wissen vermittelt und berührt, dass ich noch bevor ich das Buch zuende gelesen hatte, nach Krakau reisen musste, um die historischen Schauplältze vor Ort kennen zu lernen.

    Krakau ist durch und durch geprägt von seiner Geschichte und ich kann es nur jedem empfehlen, selbst diese Reise anzutreten.

    Das Buch, gerade weil es kein Vergnügen ist zu lesen, sollte in jeder höheren Jahrgangsstufe zur Pflichtlektüre werden.

  19. Cover des Buches Kafka - Sämtliche Erzählungen (ISBN: 9783866471702)
    Franz Kafka

    Kafka - Sämtliche Erzählungen

    (26)
    Aktuelle Rezension von: Erinnye
    Verschiedene Werke von Kafka in einem Band auf ca. 600 Seiten zusammengefasst. Es ist hierbei schwer eine allgemeine Bewertung abgzugeben, da natürlich eine Geschichte besser gefällt als die Andere. So ist jeder am besten beraten, wenn er sich selbst durch dieses Buch schmökert und seinen Favoriten dabei selbst herausfindet. Inhaltlich besteht dieser Band aus drei Teilen. 1. die Erzählungen, die Kafka selbst herausgebracht hat, 2. anderweitig Veröffentlichte und 3. aus dem Nachlass von Kafka entnommene. Mir war das Buch ein willkommener Begleiter im Alltag. So kann man z.B. super eine Erzählung unterbringen, wenn man auf den Bus wartet oder mal im Zug unterwegs ist, usw. und sich damit auch mal schnell unterwegs eine entspannende oder zum Nachdenken anregende Portion Kafka genehmigen. Dabei sind bekanntere Werke enthalten, wie z.B. "Die Verwandlung" oder "In der Strafkolonie", aber auch andere und kleinere Erzählungen finden hier ihren Platz. Lediglich den "Prozess" sowie die Briefe an den Vater habe ich vermisst - aber natürlich würden die das Werk dann auch sprengen und sind zurecht separat veröffentlicht. Wer Kafka's Stil mag ist mit diesem Band an Erzählungen sicherlich zufrieden.
  20. Cover des Buches HHhH (ISBN: 9783499255878)
    Laurent Binet

    HHhH

    (13)
    Aktuelle Rezension von: sofie

    “Nichts ist künstlicher als ein historischer Bericht mit Dialogen, die anhand von Zeugenberichten aus mehr oder weniger erster Hand rekonstruiert wurden, unter dem Vorwand, der toten Vergangenheit auf dem Papier Leben einhauchen zu wollen.” S. 33 

    “HHhH” steht für “Himmlers Hirn heißt Heydrich”. Laurent Binet erzählt darin – oder man sollte eher sagen versucht zu erzählen - die Geschichte vom Attentat auf Reinhard Heydrich im Jahr 1942 durch tschechoslowakische Widerstandskämpfer. Dabei reflektiert er aber die ganze Zeit dieses Vorhaben, hadert damit und lässt den Leser an seinen Zweifeln teilhaben. 

    Dabei ist er ein sehr unzuverlässiger Erzähler und für mich hat das den Reiz des Romans ausgemacht. So begründet er ausführlich, warum er keine kitschigen Szenen in seinem Roman haben will, um dann zwei Absätze weiter genau diese kitschige Szene zu beschreiben. Oder er berichtet von einer Begebenheit im Brustton der Überzeugung und erklärt dauernd, wie wichtig es ihm ist, nur historische Fakten zu liefern, um dann zehn Seiten später zuzugeben, dass die Begebenheit so nicht stattgefunden hat. 

    Zur Unzuverlässigkeit gehört auch, dass er sagt, er möchte einen Roman über die Attentäter schreiben. Das tut er auch, aber noch viel mehr geht es um Heydrich, der ja schon im Titel auftaucht und auch das Cover ziert. 

    Wenn man also Fakten will, sollte man lieber zu einem Sachbuch greifen. Auch wenn man natürlich trotzdem viel sowohl über Heydrich als auch über den tschechoslowakischen Widerstand lernt. Mir hat der Roman als solcher aber gerade wegen dieser Unsicherheiten sehr gefallen. 

    Nur zwei Dinge haben mich gestört: Zum einen teilweise die Übersetzung. An einigen Stellen werden die tschechischen Ortsbezeichnungen genutzt, wo es gut etablierte deutsche Ortsangaben gibt. Ich hatte den Eindruck, dass es darum geht, sich quasi von den Nationalsozialisten abzusetzen. Aber die deutsche Sprache war weit vor den Nazis in Prag präsent und die deutschen Ortsangaben haben meiner Meinung nach nichts Anrüchiges. Und es stört doch den Lesefluss, wenn man von die Vaclávské namestí liest, statt der Wenzelsplatz. 

    Das andere waren die Beschreibungen von Frauen, bei denen immer unnötigerweise auf deren Aussehen eingegangen wird. Sowohl bei den Partnerinnen des Erzählers als auch bei anderen Frauen. Ich bin der Meinung, dieses Buch wäre prima ohne die Erwähnung von Brüsten ausgekommen, aber der Autor sieht das offensichtlich anders. Ich habe überlegt, deswegen mehr als einen Stern abzuziehen, weil es mich wirklich genervt hat. Aber glücklicherweise (in diesem Fall) ist es ein eher männerlastiges Buch, sodass das nicht zu oft vorkommt. Daher insgesamt 4 von 5 Sternen.  


  21. Cover des Buches Die schwarze Dame (ISBN: 9783442490967)
    Andreas Gruber

    Die schwarze Dame

    (142)
    Aktuelle Rezension von: Lesehonig

    In diesem ersten Fall ermittelt der Versicherungsdetektiv Peter Hogart in Prag. Eigentlich wurde er engagiert, da die Detektivin, die zuerst nach Prag geschickt worden war, um einen großen Kunstraub aufzuklären, spurlos verschwunden ist. Doch in der goldenen Stadt treiben zwei Serienmörder ihr Unwesen. Und schon bald vermischen sich die beiden Fälle und Hogart wird in diesen kniffligen Fall hineingesogen. Dies war der erste Thriller von Andreas Gruber, doch er reicht leider noch nicht an die Nachfolgerthriller, die man von dem Autor kennt, heran. Die Idee fand ich wirklich sehr gut und auch die Hintergrundstory war sehr ausgeklügelt und durchdacht. Leider war man gedanklich dem Protagonisten schon immer eine nasenlänge voraus. Überraschungsmomente gab es so leider nicht. Ich merkte auch wie ich mich beim Lesen immer wieder ablenken ließ, da mich die Geschichte einfach nicht packen konnte. Sehr schön fand ich das Setting. Prag ist einfach eine tolle Stadt und das kommt in diesem Thriller besonders zur Geltung. Man merkt, dass große erzählerische Potential in diesem Buch, leider bedarf der Umsetzung jedoch noch der gewissen Feinschlief.

  22. Cover des Buches Nachts unter der steinernen Brücke (ISBN: 9783423140751)
    Leo Perutz

    Nachts unter der steinernen Brücke

    (48)
    Aktuelle Rezension von: claudiaZ

    Der Roman enthält viele Einzelepisoden, die sich letztendlich zu einem Gesamtbild fügen. Zwischendurch kann es etwas schwierig werden, den Überblick zu behalten. Denn die einzelnen Kapitel springen zeitlich hin und her. Trotzdem ist das Buch für mich unbedingt lesenswert.
    Die Haupthandlung spielt in Prag zu Zeiten des Kaisers Rudolf II. und beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Kaiser und den Prager Juden. Zunächst geht es um Geld, das dem Kaiser fehlt, da er einen kostspieligen Lebensstil hat. Es werden zum Beispiel Kunstschätze aus dem europäischen Ausland angeliefert und im Garten der Burg Raubtiere gehalten. Es geht aber auch um eine Liebesgeschichte, die auf magische Weise erblüht und den Kaiser seine Regierungsgeschäfte vergessen lässt. 

  23. Cover des Buches Die Schatten von Prag (ISBN: 9783985681983)
    Martin Becker

    Die Schatten von Prag

    (20)
    Aktuelle Rezension von: Chiarra

    Aus dem Nachwort des Buches:

    „… vom friedlichen Zusammenleben aller Nationalitäten in Prag blieb ein Traum, den vor allem  die jungen Künstler um Egon Erwin Kisch, Franz Kafka und Max Brod im Café Arco oder im Café Central träumten wo ganz selbstverständlich Deutsch und Tschechisch gesprochen wurde – oder eben im Montmartre, wo Kisch gemeinsam mit tschechischen und deutschen Nachtgestalten auf dem Tisch tanzte. Womit wir wieder beim Tanz und der Mechanik dieses Romans landen, der ein Spiel ist zwischen Fakten und Fiktionen und Fantasien. Wir haben beim Schreiben immer wieder den schmalen Steg zwischen Unwahrscheinlichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten betreten, dabei jedoch den Ehrgeiz entwickelt, ein wahrhaftiges Porträt über Kisch, seine Stadt Prag und seine Zeit zu entwerfen. „Gerade weil mir bei der Jagd nach der Wahrheit die Wahrheit entgangen war, wollte ich ihr fürderhin nachspüren“, hat Egonek selbst einmal bekannt. „Es war ein sportlicher Entschluß …“

    Dies beschreibt das Buch eigentlich ganz gut. Der Ehrgeiz, das Prag zu Zeiten Kisch und Kafka zu porträtieren ist in Teilen gelungen, doch manchmal war der "Alkoholtanz" einfach erdrückend. Der Tanz zwischen Fakten, Fiktionen und Fantasien ist leider nicht, der schmale Steg zwischen Unwahrscheinlichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten dagegen gelungen. 

    Hätte ich das Nachwort statt der Inhaltsangabe gelesen, ich hätte zu einem anderen Buch gegriffen. Das Buch ist für mich weder ein gelungener historischer Roman noch Krimi. Den zweite Teil werde ich nicht lesen. 

  24. Cover des Buches Winterbergs letzte Reise (ISBN: 9783442719679)
    Jaroslav Rudiš

    Winterbergs letzte Reise

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Buchvorstellung von meinem Blog www.schreibgewitter.de

    Immer wieder Wallenstein. Und Königgrätz. Ohne „s“ zwischen den beiden „g“.  Der Feldherr und der Ort, an dem sich der Krieg zwischen Preußen und Österreich durch eine blutige Niederlage letzterer entschied, spielen in der Gegenwart bestenfalls die Rolle von Randerscheinungen. In diesem Roman aber geht es nicht ohne sie. 

    Nun fragen Sie sich villeicht: Wo liegt eigentlich Königgrätz? Wo liegt Wallenstein könnte man auch fragen, doch das wäre gemein, denn der Begräbnisort des ermordeten Gerneralissimus ist eine Sache für sich. Beide Stätten lassen sich besuchen, so, wie es die beiden Protagonisten in Jaroslav Rudiš Roman „Winterbergs letzte Reise“ tun.

    Winterberg und sein Begleiter, Jan Kraus, bilden ein ungleiches Buddy-Gespann. Wie es sich gehört, ist es nolens volens aneinander gekettet, sie kommen nicht mehr von einander los und gehen den langen Weg gemeinsam. Das gleicht Wallenstein und Ferdinand, Generalissimus und Kaiser, die auch nicht voneinander losgekommen sind, wenn man Golo Manns Biographie über den Feldherrn folgen will.

    „Und doch wusste ich, dass Winterberg recht hatte.
    Es gibt kein Entkommen.
    Von seiner Geschichte.
    Von meiner Geschichte.“

    Jaroslaw Rudiš: Winterbergs letzte Reise

    Es gibt überhaupt kein Entkommen von Geschichte, denn die Gegenwart ist nichts anderes als Geschichte. Der Autor nimmt dabei dankenswerter Weise historische Begebenheiten aufs Korn, die in Deutschland unter einer dicken Schicht späterer geschichtlicher Ereignisse begraben sind. Der Zweite Weltkrieg, die Shoah und der Vernichtungskrieg haben wie Caterpillars alles zugeschüttet, was vorher geschah.

    Damit wurde auch ein Teil mitteleuropäischer Geschichte verborgen, in einer Region, die in Deutschland allzu oft einfach ignoriert wird, wenn der Blick nach Osten wandert. Ein Schicksal, das sich die mitteleuropäischen Staaten, die hierzulande oft schon Osteuropa zugeordnet werden, mit dem Balkan teilen. Bücher wie „Winterbergs letzte Reise“ ragen wie Hände von Verschütteten aus einer niedergegangenen Lawine und machen auf das Verborgene aufmerksam.

    (…) er wollte wissen, ja, ja, warum die Deutschen die Bahnhöfe mit den Feuerhallen verbunden haben, warum die Deutschen das ganze Europa in eine einzige große Feuerhalle verwandelt haben (…)“

    Jaroslaw Rudiš: Winterbergs letzte Reise

    Rudiš versteht sich darauf, seine Erzählung um Leitmotive zu stricken, sie mit einander zu verwickeln und zu verbinden, so dass sie über die gesamte Erzählung hinweg tragen. Eisenbahnen, Feuerhallen, Geschichte und der Krieg – um nur einmal einige zu nennen, wie das Zitat so schön zeigt. Dem Holocaust und dem Vernichtungskrieg entkommt man auch in diesem Buch nicht, wie auch, ist doch alles untrennbar mit der Bahn verknüpft.

    Ein anderes Motiv ist besagter Wallenstein, mit dem die böhmische, tschechische und deutsche Geschichte so eng verwoben ist. Der Generalissimus ist vieles gewesen, oft wird mit ihm Grausamkeit, Eroberungssucht und – historiographisch längst widerlegt – Verrat verbunden. Doch hat er vor 1648 den einzigen tragfähigen Frieden im Dreißigjährigen Krieg erzwungen und als erster und vielleicht einziger begriffen, dass Siege auf dem Schlachtfeld keinen Frieden bringen.

    Vor allem aber wollte er eine Universität gründen, die Vorbereitungen liefen bereits auf Hochtouren, als er von kaiserlichen Häschern ins Totenreich verfrachtet wurde. Mich bewegt bis heute eine Frage: Die Universität Havard wurde 1636 gegründet, ihr Einfluss ist unschätzbar. Was hätte es für Zentraleuropa bedeutet, wenn Wallensteins Projekt verwirklicht worden wäre? 

    Rudiš nutzt Wallenstein als Projektionsfläche für Assoziationen, zum Beispiel für den Tod des Vaters Winterbergs durch Sudetendeutsche Nazis, so genannte „Henlein-Trottel“.

    „Ja, ja, er war im Ratskeller plötzlich von allen verlassen, so wie Wallenstein in Eger von allen verlassen war.“

    Jaroslaw Rudiš: Winterbergs letzte Reise

    Dabei macht es der Autor dem Leser keineswegs leicht. Es sind keine glatten Marmorböden, über die man schreitet; es geht durch den Schlamm und Matsch diesiger Wintertage, man stapft über Schlachtfelder und durchmisst Orte, deren Gegenwart für Winterberg bereits vergangen ist. Das ist Europa, keine Wohlfühlpromenade.

    Die beiden Protagonisten haben manchen Strauß miteinander auszufechten, wie es sich für gute Buddy-Stories gehört. Der Autor lässt den Leser das enervierende Reden Winterbergs mitempfinden, er setzt zum Beispiel auf gnadenlose Wiederholungen, die jedoch im Laufe des Buches immer mehr verschwinden, je näher sich die beiden Gefährten auf ihrer Reise kommen.

    Winterberg ist alt, zu Beginn des Romans mehr tot als lebendig, ehe ihn ein einzelner, zufällig dahingesagter Satz aus dem Munde seines Begleiters aus dem Totenreich ins Leben zurückholt und auf die letzte große Reise schickt. Sein Leitmedium ist ein Baedeker-Reiseführer aus der Vorkriegszeit – 1913 erschienen. Das ist ein genialer Griff, wenn auch viele Leser möglicherweise mit den von Winterberg vorgetragenen Passagen wenig anfangen können.

    So entsteht eine Reise durch die Geschichte im eigentlichen Sinne, die Komposition ist so ungewöhnlich wie wirkungsvoll. Die meisten Regionen, die Winterberg und Kraus durchfahren, waren lange durch Grenzen klar getrennt. Die EU hat das Rad der Zeit wieder zurückgedreht, denn diese Gebiete gehörten einst bereits zu einem einzigen Staat: Österreich-Ungarn.

    „Es dämmerte immer mehr und wir waren in Tschechien.
    In Österreich, wie Winterberg sagte.
    In Böhmen.
    Winterberg freute sich und mir war schlecht.“

    Jaroslaw Rudiš: Winterbergs letzte Reise

    In allem steckt mehr als eine Warnung. Offene Grenzen, ein politisches Gebilde, das viele Völker beherbergte und am Ende in einer riesigen Katastrophe zerbrach, die trotz ihrer historisch horrenden Verluste nur das Präludium zu einer noch viel furchtbareren sein sollte – das war Österreich-Ungarn. Vieles, das als sicher gilt, würde vielleicht einfacher zerbrechen als man glaubt, die Krisen um die Flüchtlinge, Corona und den Neo-Imperialismus haben gezeigt, dass die Wölfe noch immer lauern.

    Was mir besonders eindrücklich in Erinnerung bleiben wird, ist die Erkenntnis, dass unweit meines eigenen Lebensmittelpunktes das eigentliche Zentrum Europas lag und liegt, verborgen im Nebel des Krieges wie ein unentdecktes Land. Dabei müsste man eigentlich nur mit der Bahn fahren, ein viel weniger gefährliches Unternehmen als die Atlantiküberquerung in einer Karacke oder Karavelle

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