Bücher mit dem Tag "türkei"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "türkei" gekennzeichnet haben.

594 Bücher

  1. Cover des Buches BLACKOUT - Morgen ist es zu spät (ISBN: 9783442380299)
    Marc Elsberg

    BLACKOUT - Morgen ist es zu spät

     (1.366)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald

    Blackout ist das zweite Buch, das ich von Marc Eisberg gelesen habe. Worum geht es? Vom einen Moment auf den anderen gehen in ganz Europa die Lichter aus. Der Strom ist weg, die Menschen sitzen mitten im Winter in ihren dunklen kalten Häusern, bald ohne Essen und Wasser, tagelang.  

    ·

    An diesem Moment - Tag 0 - starten wir in die Geschichte. Die Kapitel sind kurz, maximal 2 -7 Seiten. Zack zack gibt es gleich gefühlte 20 verschiedene Erzählstränge und einen Berg neuer Personen. Jo, man wird ganz schön hinein geworfen. Bis man sich mal halbwegs zurecht gefunden hat, dauert es schon mal 100 Seiten. Nochmal 200 Seiten später kann man dann der Handlung auch mit Vergnügen folgen, das Lese-Erlebnis bessert sich und von dem anfänglichen Schwarm an Figuren kristallisiert sich eine Handvoll Protagonisten heraus. 

    ·

    Und diese gefallen mir alle durchwegs. Einerseits weil man durch ihre verschiedenen Positionen (Regierung, Energiewirtschaft, Atomkraftwerk, Journalist,…) von vielen Blickwinkeln in die Story eintaucht und andrerseits, weil sie alle durchwegs rechts authentisch handeln. 

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    Generell finde ich den Blick auf die Abgründe der Menschheit sehr spannend. Bei Kälte und Hunger ist dann irgendwann jeder nur mehr sich selbst der nächste - auch das in meinen Augen sehr.. authentisch. Erschreckend, aber ich stelle mir die Reaktion der breiten Masse auf eine Katastrophe dieser Art ähnlich vor, wie sie in dem Buch beschrieben ist. 

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    Was sich für mich nicht ganz reimt: eine der Hauptfiguren, ein schnieker Italiener, ist ein Hacker. Und zufälligerweise der einzige weltweit (?) der der Lösung auf die Spur kommt.. und das auch noch in Rekordtempo? Natürlich, für eine flüssige Story geht das kaum anders. Aber trotzdem kommt mir das recht… abwegig vor. 

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    Wovon ich abraten möchte, ist parallel einen Serienmarathon mit „Chernobyl“ durchzuziehen. Da bekommt man dann doch ein flaues Gefühl im Magen, wenn Fiktion und Realität miteinander verschwimmen.

  2. Cover des Buches Inferno (ISBN: 9783404169757)
    Dan Brown

    Inferno

     (1.460)
    Aktuelle Rezension von: BuecherwurmNZ

    Brown schafft eine außergewöhnliche, nachdenkliche und gut ausgearbeitete Geschichte. Zu Beginn baut er gleich Spannung auf. Am Ende der Kapitel bin ich immer gespannt, wie es weitergeht und mag das Buch gar nicht aus der Hand legen. Die Geschichte ist in der dritten Person aus Sicht Robert Langdons geschrieben. Jedoch geben einige Kapitel Einblicke in andere Perspektiven von Personen, die für die Geschichte unersetzlich sind. Auf diese Weise erhält der Leser ein paar ergänzende Informationen über die Situation, was die Spannung noch zusätzlich steigen lässt. Was diese Personen aber mit dem Rätsel zu tun haben und was das alles zu bedeuten hat, erfährt der Leser erst später. 

    Die Protagonisten Robert Langdon und Sienna Brooks waren mir gleich sympathisch. Die Gedanken Langdons sind durch den Kursivdruck klar von der Handlung abgegrenzt. Dan Browns Schreibstil ist leicht zu lesen und man fliegt regelrecht durch die Seiten. Durch die genauen Beschreibungen ist die Handlung leicht nachzuvollziehen, was durch die anschaulichen Vergleiche noch unterstützt wird:
     „Die Erinnerungen kehrten nur langsam zurück … wie Blasen, die aus den Tiefen eines bodenlosen Brunnens an die Oberfläche steigen.“

    Die Geschichte wirkt durch zahlreiche italienische Sätze realistischer. Trotzdem ist alles zu verstehen, weil die wichtigen Aussagen noch einmal übersetzt wiedergegeben werden. 

    Allerdings gibt es zu Beginn vieler Kapitel und auch zwischendurch eine lange Erklärung über Dante, ein Kunstwerk oder einen Raum. Einerseits sind einige Erläuterungen interessant und wichtig, um das Rätsel zu verstehen und zu lösen, andererseits kommen sie so oft vor und sind ausufernd, dass sie mich nervten und langweilten. So zieht sich das Buch in die Länge und durch diese Beschreibungen schreitet die Handlung nur schleppend voran.

    Was mir neben den ausufernden Beschreibungen des Umfelds und deren Gegenstände ebenfalls nicht gefiel ist, dass zu Ende zwei Dinge ungeklärt bleiben. Das eine ist nicht wichtig, um die Geschichte zu verstehen, allerdings hätte ich mir eine Erklärung gewünscht, um meine Neugierde zu stillen und da es für mich unerklärlich und ein bisschen weit hergeholt ist. Die andere Sache ist von Bedeutung und lässt für mich das Verhalten von Sienna Brooks gegen Ende des Buches unglaubwürdig erscheinen. Aus diesem Grund finde ich die Handlung um Sienna Brooks am Ende nicht so gut gelungen. 

    Fazit:

    Trotz zweier Unklarheiten und den manchmal zu langen Beschreibungen von Kunstwerken ist Dan Brown ein spannendes, außergewöhnliches und rasantes Meisterwerk gelungen, das zum Nachdenken anregt. "Inferno" ist von diesem Autor mein erstes Buch, aber nach diesem kann ich sagen, dass Brown definitiv ein sehr guter Schriftsteller mit besonderem Schreibstil ist. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen!

  3. Cover des Buches Der Kaffeedieb (ISBN: 9783462048513)
    Tom Hillenbrand

    Der Kaffeedieb

     (105)
    Aktuelle Rezension von: AnjaLG87
    Dies war eins der wenigen Bücher, die ich zum OriginalPreis in einer Buchhandlung gekauft habe, weil mich Titel und Geschichte spontan so angesprochen haben. Die Idee, einen historischen Wirtschaftskrimi im Stil eines Abenteuerromans und am Beispiel der Verbreitung des Kaffees zu schreiben, finde ich großartig und sehr vielversprechend. Die Umsetzung fand ich dann aber leider unterirdisch und es handelt sich um eines der wenigen Bücher, die ich abgebrochen habe. Zum einen ist das Buch über und über mit Namen, Orten und "Insider-Infos" gespickt, die für mich als Leserin sehr schwierig zu verstehen und auseinander zu halten waren. Bestimmte Witze und Wortspiele habe ich deshalb leider auch nicht verstanden. Zweitens passiert viel, letztlich aber doch irgendwie nichts. Die Gruppe der Protagonisten kommt von einem Ort zum nächsten, aber dass man sich mithilfe der Beschreibungen ein Bild von der Umgebung machen könnte oder mitfiebert, ist nicht der Fall. Und drittens fand ich das Buch fast einen "Groschenroman". Als zum wiederholten Male von "ihren zarten Pfirsichen" = Brüsten die Rede war, war ich einfach raus. Das hat für mich nichts mit hoher Schreibkunst zu tun. 
  4. Cover des Buches Die Wildrose (ISBN: 9783492300384)
    Jennifer Donnelly

    Die Wildrose

     (324)
    Aktuelle Rezension von: Daphne1962

    Klappentext:

    Die Herzen von Willa Alden und Seamus Finnegan schlagen für die Gipfel der Welt – und füreinander. Doch auf einer schicksalhaften Bergtour erleidet Willa einen Unfall und ist fortan für ihr Leben körperlich gezeichnet. Voller Vorwürfe wendet sie sich von Seamus ab – die Trennung bricht ihm das Herz. Jahre später kreuzen sich ihre Wege ein zweites Mal, und ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt.

    Das es ein doch etwas kitschiges Buch werden würde, hätte man sich denken können. Aber ich wollte es dennoch mal lesen, denn die ersten beiden Bände der Autorin hatten mir recht gut gefallen. Bei diesem Buch kann ich sagen, es war ein Fehlgriff. Vorhersehbar, in die Länge gezogen, zu viele Zufälle. Es war einfach nicht für mich gemacht und ich habe mich da durchgequält. Vielleicht hat sich im Laufe der Jahre ja auch mein Anspruch verändert.

  5. Cover des Buches Melmoth (ISBN: 9783847906643)
    Sarah Perry

    Melmoth

     (105)
    Aktuelle Rezension von: Alju

    Worum geht es?

    Als die unscheinbare Helen Franklin eines Tages ein Manuskript von ihrem guten Freund Dr. Karel Pražan in die Hände bekommt, wird ihr Leben ziemlich auf den Kopf gestellt. Seit diesem Tag erscheint ihr Karel verändert und Helen spürt, dass etwas geschehen sein muss. Die Antwort soll das Manuskript liefern – und je mehr sich Helen mit diesem Schriftstück beschäftigt, desto eher hat sie das Gefühl selbst von einem Schatten verfolgt zu werden. Einen Schatten namens Melmoth – die Zeugin, die Reisende, die ruhelose Seele. Doch ist Melmoth lediglich ein Ammenmärchen, welches man Kindern abends erzählt oder entsprechen die Berichte aus dem Manuskript über Melmoth der Wahrheit?

    Meine Meinung zum Buch

    Bereits zu Beginn des Buches entfaltet der Roman eine Atmosphäre, die der Schauerliteratur des 18./19. Jahrhunderts sehr nahekommt. So wird viel Wert auf eine düstere Stimmung und ein unheimliches Setting gelegt, gleichzeitig wird hier auch mit der Erwartungshaltung des Lesers gespielt. Besonders interessant finde ich die Konstruktion der Erzählung in diesem Buch. Denn die Geschichte von Melmoth wird nicht linear erzählt, vielmehr ist es eine Zusammenstellung von Erzählungen, Berichten und Tagebucheinträgen von Menschen, die mit Melmoth auf die eine oder andere Weise in Berührung gekommen sind. Den roten Faden in diesem Buch bildet allerdings die Story um Helen. So wie Helen, erfährt auch der Leser im Laufe des Buches immer mehr über die unheimliche Figur Melmoth, die die Menschen in ihrer verzweifelsten Stunde aufsucht, um ihnen ein Angebot zu machen: zu sterben oder mit Melmoth bis ans Ende der Zeit über die Erde zu wandern. Insbesondere wird fortlaufend im Roman mit der Frage gespielt, ob Melmoth nur ein erfundenes Ammenmärchen ist oder sie tatsächlich existiert. Und je mehr sich Helen mit dem Manuskript auseinandersetzt, desto realer scheint Melmoth für sie zu werden. Das Ganze bietet natürlich auch viel Interpretationspotential für den Leser: Wofür steht Melmoth? Ist sie eine Metapher für Schuld oder ist Melmoth nur ein Phantom, welches in den Köpfen der Figuren entsteht? Oder könnte Melmoth in der Fiktion des Romanes womöglich doch real sein? Mit Helen machen wir uns als Leser auf dieses Mysterium zu ergründen. Hierbei muss ich an dieser Stelle jedoch betonen, dass man sich auf diese Gedankenspiele einlassen muss. Wer hier einen Horrorroman mit lauter Thrillerszenen erwartet, wird denke ich enttäuscht sein. Es ist ein Roman, das auf blutigen und direkten Horror verzichtet, sondern mit seiner düsteren Atmosphäre, seiner Erzählkonstruktion und narrativem Aufbau spielt. Gleichzeitig ist der Roman auch keine leichte Kost, denn hier werden ernste Themen wie Schuld, Reue und Buße behandelt.


    Fazit:

    Ein moderner Schauerroman mit unheimlicher Atmosphäre und toller Erzählkonstruktion, jedoch auch mit einigen Längen. 4 Sterne!

  6. Cover des Buches Blauschmuck (ISBN: 9783518425107)
    Katharina Winkler

    Blauschmuck

     (70)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82

    „Ich bin in meinem Zuhause, das kein Zuhause mehr ist, das immer meine Rettung in letzter Not war und mich in letzter Not nun nicht rettet.“

    Inhalt

    Filiz, aufgewachsen in einem kurdischen Dorf verliebt sich mit 12 Jahren in einen nur wenig älteren Jungen aus der Nachbarschaft. Die Eltern wollen der Verbindung nicht zustimmen, da brennt das junge Mädchen mit dem Geliebten einfach durch und bricht mit ihrem Elternhaus. Ihre Schwiegermutter kommt für die Vermählung der beiden auf und lässt sie bei sich wohnen. Doch schnell muss Filiz erkennen, dass ihr Mann ganz unter der Schirmherrschaft seiner Mutter steht und für die ist Filiz nur eine Dienstbotin, die sie nach Lust und Laune herumschubsen kann. Daran ändert auch die erste Schwangerschaft nichts – sie ist nichts wert, ihr Leben abhängig von der Gunst der anderen. Yunus ihr Geliebter bringt ihr längst kein Gefühl mehr entgegen, maximal beim erzwungenen Geschlechtsverkehr, oder wenn er sie mal wieder grün und blau schlägt. Als es ihm gelingt in Österreich eine Wohnung zu bekommen holt er Filiz nach und diese hofft immer noch auf ein anderes, selbstbestimmteres Leben. Doch Yunus ändert sich nicht, seine Gewalteskapaden werden immer schlimmer und die junge Frau fürchtet um ihr Leben und wenig später auch um das ihrer mittlerweile 3 Kinder. Auch in der Fremde wird sie nie Zuhause sein, solange Yunus an ihrer Seite ist – doch ihre Kraft, sich den Misshandlungen des Mannes zu widersetzen schwindet immer mehr …

    Meinung

    Die österreichische Autorin Katharina Winkler widmet sich in ihrem Debütroman der Thematik Misshandlung und Gewalt innerhalb der Ehe. Dabei nimmt sie eine wahre Begebenheit als Ausgangssituation, um zu zeigen wie bitter und nachhaltig die Spirale aus Machtmissbrauch, Abhängigkeit und Ausweglosigkeit sein kann, wenn man als Frau nicht nur in eine von Männern dominierte Welt hineingeboren wurde, sondern von klein auf daran gewöhnt ist, dass Frauen von Männern geschlagen werden und dies als normalen Zustand empfindet.

     Der sogenannte „Blauschmuck“ bezeichnet die Färbung der Haut an den verschiedensten Körperstellen der Frau in allen nur erdenklichen Nuancen, wenn sie wieder einmal Opfer häuslicher Gewalt geworden ist. Und fast jede Frau in dem kurdischen Heimatdorf der Protagonistin trägt mehr oder weniger „Blauschmuck“ und spricht doch nicht darüber, denn was allen passiert wird zwar geduldet, bleibt aber dennoch Privatsache. 

    Der Handlungsverlauf dieser Geschichte ist äußerst deprimierend, weil sich die Spirale aus Missachtung und Gewalt immer mehr steigert und nicht nur die Illusionen einer jungen Braut zerstört, sondern letztlich die ganze Familie im Griff hat: Kinder die sich fürchten, weil sie geprügelt werden, eine Mutter die weder Schutzschild sein kann noch die Kraft aufbringt, der Entwicklung etwas entgegenzusetzen. Besonders eindringlich wird die Abstumpfung der Betroffenen geschildert, die einst voller Überzeugung genau diesen Mann geheiratet hat, um mit ihm ihr Glück zu finden und dann feststellen muss, dass Selbstschutz das einzige ist, was ihr geblieben ist. Und obwohl mir persönlich das Gedankengut der Frau, gewachsen auf ihren Erfahrungen sehr fremd ist, schafft es die Autorin den fremden nationalen Hintergrund so zu integrieren, dass ich glaube, Filiz zu verstehen, ohne es tatsächlich nachempfinden zu können.

     Ein weiterer Pluspunkt ist die Art von generalistischer Erzählung, die nicht nur den Einzelfall dramatisch wirken lässt, sondern gezielt eine Vielzahl ähnlicher Fälle im Hinterkopf entstehen lässt, von denen man weiß, dass sie fast genauso ablaufen und nur die Namen und die Beteiligten andere sind.

    Fazit

    Ganz klar ein Roman, der 5 Sterne verdient, weil er in ansprechender literarischer Umsetzung eine bittere, grenzwertige Erzählung schildert, die stellvertretend für viele Familien steht und die trotz ihrer Unglaublichkeit immer noch auf der Tagesordnung steht, sofern ein gewisser kultureller Rahmen gegeben ist.

     Im besten Sinne ist dieses Buch emotional, obwohl es niemals so tief geht, dass man es nicht ertragen kann es ist brisant und zeitlos, abstoßend und fordernd zugleich und es bleibt lange in Erinnerung, weil man als Leser sehr viele Aspekte aufgreifen kann, über die es sich nachzudenken lohnt. 

    Auch die Definition von Liebe muss überdacht werden, nicht nur die zwischen Mann und Frau, sondern auch die zwischen Eltern und Kindern. Und nicht zu verachten der Aspekt der Abhängigkeit, die manchmal unumstößlich, aber nur dann gefährlich ist, wenn der vermeintlich „Stärkere“ seine Position ausnutzt, um sein Gegenüber zu unterdrücken. Ein absolut lesenswerter, zeitloser Roman über wahrgewordene Albträume, ständige Ängste und den Verlust eines sicheren Zuhauses.

  7. Cover des Buches Aprikosensommer (ISBN: 9783733500665)
    Deniz Selek

    Aprikosensommer

     (82)
    Aktuelle Rezension von: yen2405

    Eine detailreichere Rezension findet ihr auf meinem YouTube Kanal:

    https://youtu.be/4nWvOPhtYBk

    Als ich dieses Buch mir ertauscht hatte, hatte ich gedacht, dass es ein Sommerroman sei, welcher in Istanbul spielt. Anders als gedacht, fand dieser jedoch nicht hauptsächlich in Istanbul statt, sondern in Deutschland, und nur ein kleiner Teil der Handlung spielte sich in der Türkei ab. 

    Schade drum, jedenfalls wurde mir dies laut Klappentext angepriesen, und ich hatte auch durch das Cover da Gefühl, es sei so gedacht gewesen. 

    Allerdings davon abgesehen, war die Handlung in sich schlüssig, und man hatte zu keinem Zeitpunkt eine Lücke oder sowas feststellen können. Die Protagonistin handelte nachvollziehbar und schlüssig. 

    Der Schreibstil war flüssig oder etwas zu vernachlässigen, und man hatte in den paar Seiten, wo Istanbul vorkam, auch das Gefühl wirklich dort zu sein. 

    Lediglich an ein paar stellen ging mir die Handlung jedoch zu schnell, und der Zugang zur Protagonistin blieb mir auf eine unbeschreibliche Art und Weise verwährt. Ich konnte nicht in ihr Haut schlüpfen, wie es eigentlich gedacht war, wenn man aus der Ich-Perspektive erzählt.

    Fazit: Das Buch ist in sich authentisch. Die Autorin hat einen flüssigen Schreibstil und auch ihre eigenen Emotionen und Erfahrungen miteinfließen lassen. Trotz alle dem bleibt es jedoch ein gutes Buch, was man lesen kann, aber jetzt nicht muss. Deshalb gebe ich dem ganzen 4 von 5 Sternen. Der Roman was gut ausgearbeitet, aber die großen Gefühle blieben beim lesen jedoch aus.

  8. Cover des Buches Middlesex (ISBN: 9783499238109)
    Jeffrey Eugenides

    Middlesex

     (497)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Die Erzählung umfasst die Familiengeschichte mehrerer Generationen: Griechische Emigranten, die ihre Heimat verlassen und sich in den USA um die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts eine neue Zukunft aufbauen. Im Zentrum steht die Ich-Erzählerin Calliope, die als pubertierendes Mädchen erkennt, dass sie beiderlei Geschlecht in sich trägt und fortan als Junge weiterleben möchte. Die vielen medizinischen Einblicke machen das Lesen zwar nicht immer flüssig, da zur Verständlichkeit viele fachlichen Ausdrücke nachgeschlagen werden müssen, jedoch wird die Thematik umso lehrreicher vermittelt. Für Kenner der griechischen Mythologie gibt es zahlreiche Hinweise zu historischen Elementen.


    Das Buch ist eine wuchtige und bereichernde Lese-Erfahrung. In über 700 Seiten enthält es viele wunderbare Geschichten, historische Anhaltspunkte und spannenden Familienzusammenhänge. Eigentlich ein Roman wie ich ihn mir wünsche: lehrreich, dramatisch, anregend und sprachlich einnehmend geschrieben, ohne Plattitüden und unnötigem Geschwätz. Ich habe diese Erzählung sehr gerne gelesen und freue mich auf weitere Bücher des Autors.

  9. Cover des Buches Einmal mit der Katze um die halbe Welt (ISBN: 9783833871238)
    Martin Klauka

    Einmal mit der Katze um die halbe Welt

     (58)
    Aktuelle Rezension von: abuelita

    Ich hatte mir eigentlich ein ganz anderes Buch aus der Kategorie „Reisen mit Katzen“ gewünscht – das aber hat mein Sohn zuerst übersehen und mir das hier geschenkt. D.h. letztendlich bekam ich dann beide… 😊

    Martin aus Rosenheim will die – wenigstens halbe – Welt erkunden und zwar mit dem Motorrad und vor allem aber mit seiner Findelkatze Mogli. Hmm. Was sagt man dazu? So tierliebend, dass man die Katze nicht schon wieder alleine lassen will? Aber ist das auch für die Katze gut? Hier bin ich wirklich zwiegespalten. Im Laufe des Buches zeigt sich ja dann auch, dass es wirklich oft nur sehr großes Glück war, dass Mogli nicht „verloren“ ging.

    Vor allem die Fotos im Buch haben es mir angetan. Die Erzählungen fand ich dann weniger prickelnd, oft waren sie eher langweilig. So eine richtige „da bin ich aber dabei“ ! Beziehung konnte ich weder zu Martin Klauka und leider auch nicht zu Mogli aufbauen. Trotzdem fand ich das Buch nicht übel, und „Schriftsteller“ sind die wenigsten, die ein Buch über ihre Reise/n veröffentlichen. Von daher sollte man auch etwas Nachsicht walten lassen.

    Der Autor schildert in einer für mich eher emotionslosen Art und Weise seine Reise durch Europa, die Türkei, den Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate. Über Pakistan geht es nach Indien und nach Nepal .

    Ich bin mir gar nicht so ganz sicher, ob die Beiden jetzt wieder zu Hause oder noch unterwegs sind. Corona wird hier wohl auch einiges umgeworfen haben…..

  10. Cover des Buches Die Mitte der Welt (ISBN: 9783551583956)
    Andreas Steinhöfel

    Die Mitte der Welt

     (691)
    Aktuelle Rezension von: Current_mood_hiraeth

    In dem Jugendbuch aus dem Carlsenverlag geht es um den 17-jährigen Phil, der zusammen mit seiner eigensinnigen Mutter Glass und seiner zurückgezogen Schwester Dianne in einem alten Haus in Deutschland lebt.
    Mit einer Mutter die regelmäßig wechselnde Liebhaber hat und einer Schwester vor der sich die meisten fürchten, hat er es nicht leicht in seinem Ort.
    Der einzige Lichtblick ist der gutaussehende, jedoch unerreichbare Nicholas in den sich Phil bereits am Anfang des Buches unsterblich verliebt.

    Die Geschichte ist wunderschön, man fiebert mit der Familie und vor allem Phil mit, jedoch führt das an einigen Stellen auch zu großem Herzschmerz. Es ist unglaublich interessant das chaotische Leben dieses queeren Teenagers zu verfolgen. Oftmals hat man das Gefühl diese Familie ist verrückt, aber das macht das Buch angenehm ungewöhnlich.

    Das Buch ist aus der Perspektive von Phil geschrieben, wodurch man sich sehr gut in den Hauptcharakter hineinversetzen kann.
    Mir hat sowohl der Schreibstil, als auch die Geschichte sehr gut gefallen. Ich würde jedem dieses Buch empfehlen, unabhängig davon, was man für gewöhnlich liest. Es gibt Einblicke in eine ganz andere Welt.

    Aufgrund dessen würde ich dem Buch 5/5⭐ geben.

  11. Cover des Buches Der Geruch des Paradieses (ISBN: 9783036957524)
    Elif Shafak

    Der Geruch des Paradieses

     (50)
    Aktuelle Rezension von: KatrinaVerde

    Eine kluge Frau im Zentrum und so viele spannende Fragen zum Thema Religion, intelligent verpackt in einem Roman. Elif Shafak fordert zum Nachdenken heraus und füttert den Geist mit Nahrung. 

    Ein Frauenroman wie er sein sollte.

  12. Cover des Buches Der Fluch der Hebamme (ISBN: 9783426506066)
    Sabine Ebert

    Der Fluch der Hebamme

     (224)
    Aktuelle Rezension von: Lesebesessen

    Meinung:

    Historischer Roman, mit sorgfältig recherchierten historischen Details. Sehr lebendig und bildhaft geschrieben, wird der Leser in das 12. Jahrhundert zurückversetzt. Die Charaktere von Marthe, Lukas bleiben unverändert gut. In diesem Band treten zusätzlich Albrecht und seine Kumpane als die Verkörperung der menschlichen Abgründe, sowie Clara, Reinhard, Thomas (Sohn von Marthe) sowie Roland (Sohn von Raimund) in den Vordergrund sowie unzählige andere Namen. Und natürlich der erneut fehlgeschlagene Kreuzzug mit allen seinen Gewalttaten und der höchst fragwürdigen Rechtfertigung durch die Kirche. Sabine Ebert hat es wieder einmal geschafft sehr gut die damalige Zerstrittenheit auf allen Ebenen des Adels herauszuarbeiten, etwas unter dem vor allem das „einfache“ Volk zu leiden hatte. Ich jedenfalls weine diesem ehemaligen Adelsstand keine Träne nach, im Gegenteil.

    Fazit:

    Historischer Roman, sorgfältig recherchiert, fesselnd und kurzweilig erzählt: fünf Sterne.

  13. Cover des Buches Hawaii (ISBN: 9783446265868)
    Cihan Acar

    Hawaii

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Buecherschmaus

    Hawaii – das klingt nach Südseeparadies, nach Blumenketten, nach gutem Leben. (Wenn auch nur in der Fantasie). Das Hawaii, in das der Protagonist und Ich-Erzähler im Debütroman von Cihan Acar zurückkehrt, hat von dieser Fantasie so gar nichts. Hier, im einstigen Problemviertel Heilbronns, wohnen die sozial schwächsten Einwohner der schwäbischen Stadt. Und auch wenn die Zeiten, als Hawaii angesichts der dort herrschenden Drogenproblematik und der Kriminalität gerne „die Bronx“ von Heilbronn genannt wurde, vorbei zu sein scheint, gilt das Viertel immer noch als unterprivilegiert.

    Die Bewohner der schlichten, vierstöckigen Nachkriegsbauten sind multikulturell. Bis zu 90% haben einen sogenannten Migrationshintergrund, über ein Dutzend Nationalitäten sind hier zuhause, die Mieten sind niedrig.

    Eher zufällig ist die Familie von Kemal Arslan hier gelandet. Als ihre Wohnung in einem Heilbronner Vorort wegen Eigenbedarfs gekündigt wurde, fand sich auf die Schnelle nichts anderes. Dass das Viertel mitten im Industriegebiet, über das immer wieder eine Schwade Suppengeruch vom nahegelegenen Knorr-Werk wabert, aber keine Endstation sein muss, bewies Kemal. An ihm wurde der Traum vieler kleiner Jungs wahr, er wurde zum gutverdienenden Profifußballer beim türkischen Erstligisten Gaziantepspor. Eine gutaussehende deutsche Freundin aus gehobenem Haus, ein Jaguar, teure Klamotten – plötzlich konnte sich Kemal alles leisten. Die Leute im Viertel und die türkischen Fußballfans lagen ihm zu Füßen.

    Durch einen dummen Unfall, selbst verschuldet bei einem Autorennen, zerplatzte dieser Traum aber allzu bald. Ein komplizierter Bruch des Fußes zerstörte Kemals Fußballerkarriere. Und nun kehrt der 21jährige zurück in sein altes Viertel, nach Hawaii.

    Hier hat sich einiges geändert. Seine Freundin Sina hat einen neuen Freund und Kemal muss seinen neuen Weg erst finden. An vier heißen Sommertagen begleiten wir Kemal, besuchen mit ihm seinen kaputten Jaguar im Parkhaus, gehen mit ihm zum Vorstellungsgespräch beim zwielichtigen Unternehmer Tayfun, begleiten ihn in Kneipen, Clubs und zur Zockrunde mit seinen alten Freunden Hakan und Emre. So richtig zugehörig fühlt sich Kemal nicht mehr. Seiner genauen Beobachtungsgabe gerade aus dieser Position dazwischen, zwischen Arm und Reich, Migranten und Deutschen, verdanken wir authentische Milieustudien.

    Zugleich scheint sich etwas zusammenzubrauen in und um Heilbronn. Eine rechtsextreme Bürgerwehr – HWA – Heilbronn wach auf – macht die Gegend unsicher. Die mafiös agierende Kanka-Bande hält dagegen. Die Aggressivität wächst in den heißen Hundstagen, in denen Cihan Acar sein Hawaii spielen lässt. Der NSU-Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter, die Brandanschläge gegen Asylbewerberheime und der Messerangriff eines Heilbronner Rentners auf Migranten bilden einen Hintergrund für den Alltagsrassismus, der in der Stadt herrscht. Und auch die HWA hat ein reales Vorbild in der 2016 gebildeten Bürgerwehr „Helfende Hand“. Cihan Acar lässt die Konflikte und die Gewalt in Hawaii eskalieren. Das ist glücklicherweise Fiktion.

    Das Buch thematisiert den Alltagsrassismus der Provinz, verknüpft ihn mit der Identitätssuche eines jungen Mannes, dem der Lebenstraum vorerst geplatzt ist, und zeichnet ein authentisches und stimmungsvolles Bild des Nebeneinanders von schwäbischer Bevölkerung und türkischer Community. Das liest sich trotz aller Problematiken sehr leicht, sogar amüsant. Hin und wieder streut Cihan Acar Soziolekte ein, ohne dass das gewollt klingt. Das Porträt von Kemal als einem, der überall dazwischen steht, Verbundenheit zu allen Seiten empfindet, zugleich aber auch seinen Platz verloren hat, ist dabei besonders gut gelungen. Kemal lässt sich treiben, wohin, bleibt offen. Aber erst einmal weg.

    „Das mit der Reise ohne Ziel stimmt gar nicht. Ich wusste ganz genau, wo ich hinwollte. An einen Ort, an dem ich der sein kann, der ich bin. Nicht Kemal, der Fußballer, nicht Kemal, der Arbeitslose, der Herumtreiber, der Versager, der Verräter, der Verkäufer, der Typ zwischendrin. Sondern einfach nur ich.“

  14. Cover des Buches Die zitternde Welt (ISBN: 9783709981122)
    Tanja Paar

    Die zitternde Welt

     (83)
    Aktuelle Rezension von: Sikal

    Ende des 19. Jahrhunderts reist Maria hochschwanger dem Vater ihres ungeborenen Kindes von Österreich nach Anatolien nach. Wilhelm arbeitet dort als Ingenieur am Bau der Bagdadbahn mit und wollte sich erst ein Leben aufbauen, bevor er an Familie denkt. Doch meistens kommt es anders … Und so steht plötzlich Maria vor seiner Tür und lebt mit ihm in einem kleinen Dorf lange Zeit ohne Trauschein, denn in Anatolien fragt niemand danach. Die beiden bekommen drei Kinder, mussten auch den Tod eines Kindes miterleben. Als der Hauslehrer Frederic ins Dorf kommt und Maria Französischstunden nimmt, scheint sich einiges zu ändern. Doch Wilhelm ist klug und lässt seiner Frau die Freiheiten, die sie braucht. Als der Erste Weltkrieg naht und die beiden Söhne Erich und Hans ins wehrpflichtige Alter kommen, scheint nichts mehr so zu werden wie es war und die Türkei scheint kein sicherer Ort mehr zu sein für die Familie.

     

    Zurück in Österreich muss die Familie erleben, dass auch hier der Krieg alles verändert, Lebensträume durch die politischen Wirren zerstört werden und Familien nicht nur die Heimat verlieren sondern auch der Tod allgegenwärtig ist. Die Welt zittert …

     

    Der erste Teil des Buches zeigt den Mut einer Frau, sich auf Augenhöhe ihrem Mann zu stellen. Maria ist definitiv in einer falschen Zeit gelandet, denn durch ihre unkonventionelle Art und ihren Hang zur Freiheit, ist sie Vorreiterin einer Reformbewegung.

     

    Der zweite Teil zeigt den Zerfall der Familie, hier rückt das Leben Erichs in den Mittelpunkt, was mich manches Mal etwas verwirrt hat. Doch Erich ist anders – er lässt sich treiben und sucht nach einem besseren Leben. Traumatisiert durch den Kriegseinsatz, hängt er zu sehr an Opiaten.

     

    Tanja Paar hat einen schnörkellosen, reduzierten Schreibstil, den ich sehr schätze. Sie schafft es besonders im ersten Teil, die Atmosphäre Anatoliens einzufangen. Ein intensives Leseerlebnis. Im zweiten Teil gibt es viele Sprünge und Perspektivenwechsel, die dafür mehr an der Oberfläche bleiben. Erichs Orientierungslosigkeit wird gut eingefangen, hat mich aber ein wenig gestört.

     

    Die Charaktere sind sehr vielschichtig gezeichnet. Maria, die ihre Freiheit und ihre Kinder liebt und sich dann in eine verbitterte Frau verwandelt. Wilhelm, dem seine Arbeit über alles geht, gut für seine Familie sorgt. Die beiden haben eine Zweckgemeinschaft gefunden, schätzen und respektieren sich – ohne große Liebe.

     

    Nach dem Zuklappen des Buches, lässt mich diese Geschichte etwas gespalten zurück. Den ersten Teil finde ich äußerst lesenswert, der zweite Teil konnte mich nicht zur Gänze überzeugen, so gibt es 3,5 Sterne (gerundet 4).

  15. Cover des Buches Unschuldslamm (ISBN: 9783548285641)
    Judith Arendt

    Unschuldslamm

     (101)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    1. Die Handlung

    Die Handlung soll sich um die Schöffin Ruth Holländer drehen. Das tut sie an sich auch. Immer wieder geht es um die Gerichtsverhandlung und somit um das laufende Verfahren. Diese Bereiche sind gut gemacht und auch wirklich interessant. Das Problem das ich beim erneuten lesen hatte: Es kamen mir zu viele Passagen vor, die sich um das Privatleben von Ruth Holländer drehten. Bitte nicht falsch verstehen, ich mag es, wenn man auch etwas über den Hintergrund der Hauptfigur erfährt, hier hat es die Autorin dann aber teilweise doch übertrieben. Manchmal kam es mir so vor, als würde es mehr um ihre privaten Probleme, als um den Fall gehen, vor allem da man den ja aufgrund der Inhaltsangabe doch im Vordergrund sieht.

    Das hat sich dann auch auf die Spannung ausgewirkt. Waren die Passagen im Gerichtssaal sehr spannend und man fieberte mit, so brach die Spannung immer wieder ein, wenn es dann im private Problemchen oder ähnliche Dinge ging. Schade, denn hier wäre sicherlich mehr möglich gewesen.

    Der Fall selbst war interessant, aber irgendwie hat mich das Ende nicht zufrieden gestellt. Es fehlte so der gewisse Schwung und die Spannung am Ende.

    2. Die Protagonisten

    Ruth Holländer ist die Hauptperson hier, daneben spielt eigentlich nur noch der Staatsanwalt Eisenrauch eine wichtigere Rolle.

    Ruth ist geschieden, hat 2 Kinder und ein französisches Bistro. Als sie Schöffin wird, ist sie wenig begeistert, bis der erste Tag im Gericht vorbei ist. Sie ist sicherlich eine interessante Persönlichkeit, aber ihre Art war mir teilweise etwas zu schwankend. Mal dreht sich alles nur um das Gerichtsverfahren und sie vergisst alles um sich herum, dann wieder steht ihr Privatleben im Mittelpunkt und das Gericht ist vergessen. Es war mir ein zu großes Hin und Her bei ihr. Warum mir das beim ersten Lesen gefallen hat, kann ich so nicht mehr nachvollziehen.

    Der Staatsanwalt ist eine Sache für sich in diesem Buch. Irgendwie habe ich das Gefühl gehabt, man erfährt mehr aus seinem Privatleben, als von seiner Arbeit. Während die zufälligen, privaten Treffen mit Ruth sehr viele Details haben und man schon einen Einblick in das Leben des Staatsanwalts hat, so bleibt er vor Gericht irgendwie sehr farblos und ruhig. Ich finde dort hätte er offener und angriffslustiger auftreten müssen, dann wäre noch mehr Schwung in die Handlung gekommen.

    3. Die Handlungsorte

    Der Gerichtssaal 500 im Landgericht ist immer wieder da. Er wird kurz in knapp beschrieben, aber so ausreichend, dass man ihn sich vorstellen kann.

    Vom Bistro bekommt man einen guten Eindruck, hier geht die Autorin mehr ins Detail. Ein weiterer Hinweis darauf, dass das Buch mehr vom Privatleben handelt.

    Alle anderen Handlungsorte – der Ort in Anatolien, Ruths Wohnung, der Großmarkt – werden kurz abgehandelt und beschrieben, zu viele Details sind dort aber nicht vorhanden.

    Die Details waren gut, vielleicht hätte man mehr Details zum Gerichtssaal wählen können, aber es war in Ordnung.

    4. Sonstiges

    An sich hat mir der Schreibstil gut gefallen, er war soweit flüssig. Durch die fehlende Spannung fehlte mir dann aber doch der Schwung beim Lesen.

    Die Kapitel waren angenehm groß, man konnte gut ein Kapitel beenden, bevor man mit dem Lesen aufhört.

    Allerdings haben mir Schriftgröße und Schriftart nicht hundertprozentig zugesagt. Wer hier länger am Stück liest, dem tränen dann schon mal die Augen.

    Das Cover gefällt mir gut mit der Hütte und der lila Farbgebung. Schwer zu sagen, wohin diese Hütte gehört, dem Buch direkt zuordnen kann ich sie nicht.

    Die Papierqualität geht in Ordnung, die Buchstaben scheinen leicht durch, aber noch im Rahmen.

    5. Das Fazit

    3/5 Punkten

    Warum mir der Krimi beim ersten Lesen so gut gefallen hat, kann ich mittlerweile nicht mehr nachvollziehen. Die Spannung bricht immer wieder ein, da zu viel Wert auf den privaten Alltag gelegt wird. Das Gerichtsverfahren rutscht dadurch immer wieder in den Hintergrund. Das merkt man auch bei den Details von Personen und Handlungsorten. Beim erneuten Lesen konnte mich das Buch nicht mehr richtig überzeugen, auch wenn der eigentliche Gerichtsfall trotzdem spannend war.

  16. Cover des Buches Der Historiker (ISBN: 9783833303944)
    Elizabeth Kostova

    Der Historiker

     (301)
    Aktuelle Rezension von: Webbee

    Die Erzählerin dieser Geschichte ist selbst Historikerin und sie berichtet über Ereignisse, die sie vor 36 Jahren, als 16jähriges Mädchen erlebte. Der Anlass über ihre Erlebnisse zu berichten, war ein Ereignis, auf das ganz am Ende des Romans eingegangen wird und das aus der gesamten vorher erzählte Geschichte ein weiterhin ungeklärtes Mysterium macht. 

     Ebenfalls ein Mysterium bleibt der Name der Ich-Erzählerin, die anhand ihrer Erinnerungen durch Geschichte führt. Sie erinnert sich an ihren Vater - einen Historiker - hierzulande würde man wahrscheinlich Geschichtswissenschaftler sagen, der in den 1950er Jahren an einer amerikanischen Universität promoviert und während dieser Zeit Unvorstellbares erlebt hatte.

    Sie selbst erfährt von den Erlebnissen ihres Vaters nachdem sie als 16jährige in dessen Bibliothek auf ein seltsames Buch und einen Stapel Briefe gestoßen war. Diese Briefe begannen alle mit den Worten „Mein lieber, unglücklicher Nachfolger“

     Sie lebten damals in Amsterdam, denn ihr Vater war mittlerweile Diplomat und bereiste sämtliche europäische Länder, vornehmlich jedoch die in Südosteuropa. Auf diesen Reisen, zu denen er sie manchmal mitnahm, eröffnete er ihr nach und nach sein Geheimnis und das der Briefe, die sie gefunden hatte.

     Während der Zeit seiner Promotion in den 50er Jahren fand er ein seltsames Buch in der Universitätsbibliothek. Es war alt und völlig unbeschrieben. Nur in der Mitte des Buches war doppelseitig ein Drache abgedruckt und das Wort „Drakulya“. 

    Er stellt ein paar Nachforschungen an und landet schnell bei Vlad Tepes - dem eigentlichen Fürsten Dracula - und den Legenden, die sich um ihn ranken. Als er seinem Doktorvater Professor Rossi von dem Fund berichtet, löst das in diesem eine unerwartete Reaktion aus. Er zeigt Paul sein eigenes Exemplar dieses Buches, welches er vor vielen Jahren ebenfalls gefunden hatte und nie wieder loswerden konnte. 

    Auch dieser Historiker hatte damals begonnen, Nachforschungen anzustellen. Die führten ihn bis nach Istanbul. Dort jedoch geschahen Dinge, die ihn veranlassten, seine Suche ein für alle Mal zu beenden und sich nie wieder mit diesem Thema zu beschäftigen. 

    Rossi behauptete nämlich herausgefunden zu haben, dass Dracula noch lebt. Daraufhin händigte er Paul seine gesamten Forschungsunterlagen zu diesem Thema aus und wollte nicht mehr darüber reden.

    Am selben Abend verschwand der Professor unter mysteriösen Umständen.

    Paul machte sich auf die Suche nach seinem Doktorvater und ihm wurde schnell klar, wenn er Rossi finden wollte, musste er nach Dracula suchen.

     Auf dieser Suche lernt er Helen kennen, die angebliche Tochter seines Doktorvaters. Sie haben beide das Ziel, Dracula aufzuspüren und so schließen sie sich zusammen und machen sich auf eine gefährliche Reise die sie nach Istanbul, Ungarn und Bulgarien führt. 

    Nach und nach decken sie nicht nur die Geheimnisse von Vlad Tepes auf, sondern auch die von Professor Rossi, Helen und ihrer Mutter. Denn sie alle verbindet viel mehr mit Dracula als nur ein paar obskure Bücher. 

     Die in dem Roman erzählten Geschichten, die sich von den 30er bis zu den 70er Jahren erstrecken und dabei einen historischen Zeitraum von ungefähr 500 Jahren abdecken, werden zum Großteil in Briefform wiedergegeben. 

    Wenn die Ich-Erzählerin nicht gerade selbst spricht, liest man die Briefe von Professor Rossi oder ihrem Vater oder die von Mönchen und anderen Zeitzeugen aus dem 15. Jahrhundert. 

    Auf diese Weise wird ein sehr wirklichkeitsnahes Miterleben der Ereignisse erzeugt und das ist auch die Faszination, die von diesem Roman ausgeht. Die Orte an denen sich die Handlung hautsächlich abspielt tragen ebenfalls zu dieser Stimmung bei. Es sind Universitäten und deren Bibliotheken, uralte Archive, aus der Zeit gefallene Dörfer des Balkans, Kirchen und Klöster.

     Der Autorin ist es gelungen, eine Stimmung zu erzeugen, die den Geruch von altem Papier, die erhabene Ruhe von Bibliotheken und jede Menge düstere Ahnungen transportiert. 

    Auch wenn das Buch ab der zweiten Hälfte einige Längen aufweist, die nicht unbedingt notwendig gewesen wären, reißt die unterschwellige Spannung eigentlich nie ab. Die Gefahr ist allgegenwärtig; Misstrauen und Verzweiflung drohen der Geschichte immer wieder ein vorzeitiges Ende zu setzen.  

    Nicht jeder überlebt die gefährliche Suche nach der Wahrheit um Vlad Tepes und Professor Rossi und nicht jeder von dem man es glaubt, ist wirklich tot. 

     Der Historiker ist ein Roman der dem magischen Realismus zuzuordnen ist. Er spielt in unserer Welt und in Zeiten, die für uns noch greifbar sind. Er hat jedoch diese mystische oder auch magische Komponente - in diesem Fall den Vampirismus. 

    Dadurch dass die Autorin die Traditionen und Überlieferungen der mittelalterlichen Balkan-Region sehr ausführlich und aus wissenschaftlichem Sicht darlegt, erlangt man tatsächlich eine spannenden und durchaus neuen Zugang zu diesem Thema. Nach der Lektüre dieses Romans wird man die Geschichten um Dracula möglicherweise ab sofort in einem etwas anderen Licht betrachten.

     Fazit

     Der Historiker ist ein absolut lesenswerter, atmosphärisch dichter und fesselnder Roman, der einige Überraschungen bereithält. Wer mit „der Historiker“ am Ende wirklich gemeint ist, ist eine davon. 

  17. Cover des Buches Nicht ohne meine Tochter (ISBN: 9783404608515)
    Betty Mahmoody

    Nicht ohne meine Tochter

     (483)
    Aktuelle Rezension von: Janinezachariae

    Die Geschichte geht sehr tief, wenn man sie von ihrem Standpunkt aus betrachtet. Denn sie ist hier das Opfer. Sie, Betty, die eigentlich nur Urlaub mit ihrem Mann machen wollte. Doch ihre innere Stimme hatte sie schon gewarnt gehabt. Es nagte schon am Flughafen an ihr und als ihr Mann die Reisepässe einsammelte, ahnte sie schlimmes.

    Die ersten Wochen hat sie auch einigermaßen überstanden, bis auf die Kakerlaken und die allgemeine Hygiene bei ihrer Schwägerin. Aber Betty ist mutig und sie versucht es durchzuziehen, bis ihr Mann immer mehr Ausreden hervorbringt und die Heimreise somit verhindert.

    Diese gesamte Tortour geht sehr sehr lange und mittlerweile haben sie auch eine Tochter, Mahtob.

    Man bekommt allerdings nur die Sicht von Betty mit. Wie die Situation im Iran selbst aussah, zu jener Zeit, ist nicht übermittelt. Zumindest habe ich es nicht im Hörbuch erfahren. Ich habe auch die Fortsetzung „Endlich Frei“, die Geschichte der Tochter.

    Was mich beim Hörbuch gestört hat, war das permanente Seufen in der Stimme. Der Film war spannend aufgebaut und Sally Field spielte hervorrand die Betty. Doch im Buch oder Hörbuch war mir der Unterton einfach unfassbar langweilig und doch sehr anstrengend.

    Ab und zu habe ich auch ein Kapitel so gelesen, aber auch das ist schwierig gewesen.

    Was mich aber immer wieder hat aufstoßen lassen, war die Grundhaltung. Betty hat sich bewusst für ihren Mann entschieden, als sie ihn in Amerika kennengelernt hat. Er war Arzt und gebildet. Gutaussehend und liebenswert. Nichts deutete darauf hin, dass er anders ist.

    Als sie im Land ist, gibt es nichts positives mehr an dem Ort. Alles scheint eklig zu sein. Voller Kakerlaken, sogar im Essen und in der Küche. Kinder scheinen keinerlei Erziehung zu genießen und alles ist dreckig und schlecht. Nichts scheint ihr gut genug zu sein.

    War es wirklich so oder hat sie hinterher alles darauf porjiziert? Das kann ich nicht raushören oder rauslesen. Es ist schwierig die Zeiten zu rekonstruieren. 1984/1985?

  18. Cover des Buches Der Meisterkoch (ISBN: 9783455001488)
    Saygin Ersin

    Der Meisterkoch

     (42)
    Aktuelle Rezension von: fredhel

    Von der ersten Zeile an werden alle Sinne des Lesers angesprochen. Er fühlt sich in die Welt von 1001 Nacht hinein versetzt, wenn er dem aufregenden Lebensweg des kleinen Jungen mit dem herausragenden Geschmackssinn folgt. Auch wenn alle Sinneseindrücke opulent beschrieben werden, wird es niemals langatmig und ganz allmählich findet man sich in einem großartigen Abenteuer wieder, in dem ein junger Mann all sein Können, sein Wissen und seine Raffinesse einsetzt, um einen Weg zu der Liebe seines Lebens zu finden, die in einem Harem gefangen gehalten wird.
    Es ist eine fantastische Geschichte, poetisch und aufregend zugleich. Sie hat meine Erwartungen übertroffen, denn etwas Vergleichbares hatte ich noch nie in Händen. Orientalische Erzählkunst unterscheidet sich doch sehr deutlich vom hiesigen Mainstream. Wenn man sich darauf einlässt, wird man in eine andere Welt hineinkatapultiert.

  19. Cover des Buches Wo noch Licht brennt (ISBN: 9783709972991)
    Selim Özdogan

    Wo noch Licht brennt

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Aischa
    Özdogans letzter Teil der Trilogie rund um die Deutschtürkin Gül ist auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände gut zu lesen.
    Gül kehrt nach einigen Jahren in der Türkei erneut nach Deutschland zurück, um wieder bei ihrem Mann Fuat zu leben. Die Familie ist verstreut, ihre bereits erwachsenen Kinder leben teils in Deutschland, teils in der Türkei. Wo sich Gül zu Hause fühlt ist lange unklar, sie scheint irgendwo zwischen der türkischen und der deutschen Gesellschaft zu hängen. 
    Özdogan schildert die Gefühlswelt seiner Protagonistin sehr einfühlsam und mit ungewöhnlichen Bildern. Seine Sprache ist blumig, geradezu poetisch. So werden etwa Gefühle mit Farben assoziiert, und man findet noch weitere Synästhesien, die jedoch nie ins Kitschige abdriften.
    Gül wird von mehreren Schicksalsschlägen getroffen, ihr so sehr geliebter Vater stirbt in der Türkei, ohne dass sie ihn noch einmal sprechen kann, Güls Tochter wird jung Witwe. Gül muss nicht nur mit der Untreue ihres Ehemannes fertig werden, nein, er verspielt auch noch das gemeinsame Ersparte. Gül reagiert wenig, meist erträgt sie ihr Schicksal, sie ist gottergeben, bescheiden und doch sehr stark. Diese Stärke ist ihr selbst wohl kaum bewusst, sie ist zugleich in vielen Ängsten gefangen und begehrt nur selten auf. 
    Als Rentnerin geht sie wieder zurück in die Türkei, doch auch dort ist es nicht wirklich ein "nach Hause kommen". 
    Der Roman ist weniger eine Geschichte über kulturelle denn über individuelle Unterschiede. Ich habe sehr mit Gül gelitten, ihre Melancholie zieht sich fast wie ein roter Faden durch die Geschichte. Beeindruckt hat mich, wie sie ihr Schicksal anzunehmen vermag.
    Ein großer Roman über eine leise Frau.
  20. Cover des Buches Die leuchtenden Tage am Bosporus (ISBN: 9783458363972)
    Lucy Foley

    Die leuchtenden Tage am Bosporus

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Betsy
    "Die Minarette erheben sich in ihrer bleichen Eleganz bis in die Wolken hinauf. Die Stadt wirkt, als läge sie in einem Dornröschenschlaf."

    Istanbul 1921: Auch nach Ende des Krieges ist die Stadt noch immer von den siegreichen Entente-Mächten besetzt und die Einwohner haben sich notgedrungen mehr oder weniger damit arrangiert. Mittendrin die junge Nur, die aus wohlbehüteten Verhältnissen entstammt und fließend Englisch spricht, nun aber ihr Dasein gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter, sowie einem von ihr aufgenommenen verwaisten Jungen, in einer kleinen Wohnung fristet und sich neben dem Unterrichten mit Näharbeiten durchschlägt. Ihr Mann ist im Krieg gefallen, ihr geliebter Bruder verschollen und ihr ehemaliges Zuhause nun ein britisches Militärkrankenhaus. Als der Junge jedoch schwer krank wird, springt sie über ihren Schatten und bringt ihn zum leitenden britischen Arzt George, der nun in ihrem alten Zuhause lebt. Obwohl Nur in ihm den Feind sieht und nur Verachtung für ihn und seinesgleichen übrig hat, entspinnen sich dennoch nach und nach zarte Bande zwischen ihnen, die eigentlich nicht sein dürfen.

    "Die Finger, die die Zigarette halten, sind geschmeidig, elegant. Und doch, erinnert sie sich selbst, sind es die Hände von einem Menschen der nicht viel besser ist als ein Schlachter. Sie hat Augen, sie sieht die Uniform; er mag Arzt sein, aber er ist auch Soldat. Sein Titel ist nur ein eleganter Euphemismus für "Mörder"."


    Die Autorin versteht es mit Worten umzugehen und den Leser von Anfang an in ihren Bann zu ziehen, so poetisch, stimmungsvoll und berührend ist diese Geschichte, die trotz der ernsten Themen, und einer damit alles andere als leichten Handlung, nichtsdestotrotz einfach wunderschön ist. Dabei fließt die Geschichte recht ruhig dahin, schafft es aber dennoch den Leser zu fesseln, weil man bis zuletzt gespannt ist wie sie enden wird und dabei immer wieder gekonnt mit den Emotionen des Lesers gespielt wird. Dies gelingt nicht nur durch die melancholisch märchenhafte Atmosphäre, sondern vor allem auch, weil die Personen unglaublich vielschichtig dargestellt werden und auf sehr authentische Weise aufgezeigt wird, wie tragisch Krieg für alle Beteiligten ist und die Grenze zwischen Opfer und Täter oftmals nur hauchdünn ist, je nachdem wie die Umstände sind.

    "Krieg bedeutet, schreckliche Dinge für einen guten, ja sogar edlen Zweck zu tun. Jedes Kind weiß das. Jede Armee hat Verräter getötet, das ist einfach ein weiteres tragisches, aber notwendiges Nebenprodukt des Krieges. Es liegt nichts Würdevolles darin, sich selbst zu quälen."


    Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auch Zeitebenen erzählt. Anfänglich muss man sich ein wenig auf die schnellen Wechsel einstellen, vor allem da alles noch keinen echten Zusammenhang ergibt. Dies legt sich aber sehr rasch und gerade durch die unterschiedlichen Perspektivwechsel, die übrigens schön gekennzeichnet sind, bekommt man wunderbare Einblicke in die jeweiligen Personen und ist oftmals selbst hin- und hergerissen, da alle hier ihre ganz eigene Geschichte haben die sie ausmacht.

    Da wäre zum einen die für ihre Zeit sehr gebildete und selbstständige "Nur", eine Türkin, die einige Verluste hinnehmen musste, miterlebt hat wie ihr Zuhause von ihren Feinden okkupiert wurde und sich dennoch nicht unterkriegen lässt. "George", ein britischer Militärarzt, der offen für die Lebensweise des Orients ist und dessen Schönheit erkennt, aber auch schlimme Dinge im Krieg gesehen hat und offenbar ein Geheimnis hütet. Der "Junge", der von Nur aufgenommen wurde nachdem sie ihn in den zerbombten Trümmern seines Hauses gefunden hat und der anfänglich durchaus ein wenig für Fragezeichen beim Leser sorgt, weil man erst nach und nach mehr zu seinem Hintergrund erfährt und was genau es mit ihm auf sich hat. Der "Gefangene", der an der Front im 1. WK kämpft, beim Massenmord an den Armeniern dabei ist und von dem am Ende nichts mehr an den einst so sanften und lebensfrohen Mann erinnert, der er einmal war, sowie der "Reisende", der viele Jahrzehnte später mit einem Koffer voller wertvoller Erinnerungsstücke eine lange Reise antritt und quasi die Rahmenhandlung zu der ganzen Geschichte bildet. Der Inhalt des Koffer verknüpft dabei auf wunderschöne Art und Weise die Gegenwart mit der Vergangenheit, denn jeder einzelne Gegenstand daraus hat seinen ganz besonderen Platz in dieser Geschichte. Durchaus für eine gewisse Spannung sorgt dann auch die Identität des Reisenden, da man erst zuletzt wirklich sicher sein kann, um wen es sich dabei handelt, denn die Autorin versteht es durchaus geschickt den Leser immer mal wieder ein wenig unsicher werden zu lassen, ob er wirklich derjenige ist, für den man ihn hält.

    Der Leser taucht hier ein in das bunte und geschäftige Treiben auf dem Basar, bekommt die Schönheit am Bosporus gezeigt und kann die Gerüche der orientalischen Gewürze und des Kaffees fast schon selbst wahrnehmen. Zugleich zeigen sich aber auch die immer noch vorhandenen Spuren des Krieges, wie zerstörte Wohnviertel, Menschen die aus ihren Häusern vertrieben wurden, sowie das Misstrauen und der Unmut gegen die Besatzer. Vor allem über den Armenienkonflikt erfährt man einiges, der hier wie eine verhängnisvolle Wolke immer wieder über dem Ganzen zu schweben scheint und dessen Schilderungen einem einfach nur unter die Haut gehen. Besonders traurig ist dabei allerdings die Tatsache, dass dieser an den Armeniern verübte Genozid von der Türkei bis heute nicht anerkannt wird.

    "Die Wirren des Krieges", sagt er. "Ich glaube, die Menschen denken in dieser Situation, dass sie Teil von etwas Größerem sind als sie selbst. Doch häufig sind sie zu weniger geworden. Weniger menschlich. Sie werden zu Teilen einer Maschinerie, und eine Maschinerie besitzt keine Moral."


    Und inmitten all dieser Dinge entspinnt sich eine wunderschöne Liebesgeschichte, die so ganz anders ist als man es von anderen Geschichten her gewöhnt ist und gerade deshalb ihren ganz eigenen Reiz hat. Einerseits sehr subtil und regelrecht unschuldig, aber zugleich von einer Intensität die man selten so spürt wie hier, wo selbst eine kleine Berührung etwas Bedeutsames ist.

    Mit dem Ende zeigt die Autorin hier einmal mehr, dass sie ihr Handwerk versteht, denn erst auf der letzten Seite fügt sich jedes noch so kleine vorherige Detail zu einer wunderschönen Gesamtkomposition zusammen und präsentiert dem Leser einen emotionalen, aber auch unglaublich stimmungsvollen und passenden Abschluss zu dieser Geschichte. Damit wirkt die Geschichte nicht nur noch einige Zeit nach, sondern sorgt auch für feuchte Augen bei Leser.

    Schön wäre allerdings noch ein kleines Glossar mit all den türkischen Begriffen gewesen, die hier vorkommen, selbst wenn sich ein Großteil beim Weiterlesen von selbst erklärt, sowie ein paar historische Eckdaten, die das Ganze noch mal schön abgerundet hätten, auch wenn das nichts daran ändert, dass die Geschichte für sich genommen einfach großartig ist.

    Fazit: Eine wunderschöne, aber auch sehr berührende und melancholisch anmutende Geschichte, die mit ihrer wortgewaltigen und bildhaften Sprache, sowie ihrer ruhigen und gefühlvollen Art in der sie erzählt wird, verzaubert. Einmal mehr zeigen sich hier die verschiedensten Gesichter des Krieges und man wird gefangen genommen von der inneren Zerrissenheit der jeweiligen Protagonisten, die sehr authentisch dargestellt werden. Ein wunderbares Buch, das sowohl optisch als auch vom Inhalt her zu begeistern vermag und großes Gefühlskino bietet, ohne jedoch kitschig zu sein. Für mich eines dieser Bücher, das mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.
  21. Cover des Buches Die vierzig Geheimnisse der Liebe (ISBN: 9783036959122)
    Elif Shafak

    Die vierzig Geheimnisse der Liebe

     (55)
    Aktuelle Rezension von: Shannon

    Dieses Buch landete im Vorjahr bei mir unter dem Christbaum und ich hatte mich seither sehr auf die Lektüre gefreut. Die BBC listet es unter den 100 einflussreichsten "life-shaping" Werken und entsprechend groß waren die Erwartungen bei mir.

    Leider hat das Buch diese Erwartungen nicht erfüllt.

    Im Prinzip erhalten wir hier "Eat, Pray, Love" mit einer Prise Mystizismus. Es ärgern mich grundlegende Dinge, wie die Einwebung der Handlung über die Sufis in den Alltag einer stereotypischen, frustrierten, amerikanischen Hausfrau. Ich finde es so lächerlich, wie ihr Leben geschildert wird. Allein die Speisenfolge, die sie jeden Tag auftischt, ist absurd, weil in so kurzer Zeit nicht machbar. Und dann kriegt sie so mir-nichts-dir-nichts einen Job als Literaturkritikerin. Hallo?

    ! Vorsicht Spoiler!

    Natürlich wird dieser Handlungsstrang dann so aufgelöst, dass die werte Dame die Liebe ihres Lebens findet. Wie könnte es auch anders sein?

    Gleichzeitig passieren in der eingewebten Handlung Dinge, die ich so nicht stehen lassen kann. Es gab wohl historisch die Freundschaft der beiden Hauptprotagonisten und auch die 40 Regeln der Liebe sind spannend, aber im Wesentlichen gehen die beiden im Buch über Leichen und alles wird damit gerechtfertigt, dass sie ihre Prinzipien und ihre Liebe zueinander leben wollen. Mein Eindruck ist, sie sind einfach nur grenzenlos egoistisch.

    Schließlich gibt’s noch eine Anmerkung zu Ann Vielhaben, die das von mir gehörte Audiobook gesprochen hat: Frau Vielhaben hat eine sehr schöne Stimme und ich habe schon einige Bücher, die von ihr gesprochen wurden, gehört. Leider bin ich immer wieder enttäuscht, wenn ich auf ein von ihr gesprochenes Buch stoße. Sie scheint nicht zu wissen, dass Weniger oft Mehr ist. Ein Hauch mehr Subtilität würde ihr gut anstehen.

    Alles in allem eine enttäuschende Leseerfahrung.

  22. Cover des Buches Alles - worum es geht (ISBN: 9783446243170)
    Janne Teller

    Alles - worum es geht

     (46)
    Aktuelle Rezension von: kvel

    Inhalt und meine Meinung:

    Dieses Büchlein enthält eine Sammlung von ganz unterschiedlichen Kurzgeschichten, die im wesentlichen das „Alles“ thematisieren.


    Am besten hat mir gleich der erste Text mit dem Titel „Warum?“ gefallen.
    Eigentlich war diese Geschichte von allen die am schwersten Verständliche und machte mir somit den Einstieg in das Büchlein nicht leicht.

    Es wird ein Dialog geschildert, in dem eigentlich kaum etwas gesprochen wird.
    Und es geht auch aus den Dialogen kaum hervor, wer da mit wem spricht.
    Aber im Laufe des Textes klärt sich das Bild, so dass dies meiner Vermutung nach ein Patientengespräch einer Psychologin mit einem Jugendlichen ist, der eine Gewalttat begangen hat, in dem sie versucht das Motiv für diese Tat zu erfragen.
    Die begangene Gewalttat war, dass er genervt von einer brennenden Straßenlaterne jemanden mit einer herumliegenden Eisenstange zusammengeschlagen hat.

    Beispielzitat (S. 16):
    “Also bin ich nicht schuld?“
    „ ... Nein, eigentlich nicht … “
    “Du an meiner Stelle hättest das selbe getan?“
    „Äh … das weiß ich nicht … “
    „Du bist natürlich nie in meiner Situation gewesen. Aber mal angenommen …?“
    „Mal angenommen … Vielleicht ja … “
    „Du verstehst es also?“
    „ … “
    „Auf jeden Fall findest du es nicht merkwürdig, dass jemand in meiner Situation so was gemacht hat? […] Wenn man an die fehlenden Grenzen denkt, an das Licht der Straßenlaterne, den Rost der Eisenstange, dann ist es durchaus verständlich, dass ich das getan habe?“
    „ … Ja-a … “


    Diese Warum-Geschichte mit ihrem rudimentären Gespräch zeigt die Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit von Tätern zu ihren Motiven.
    Und die immerwährende Güte und positive Grundhaltung, um nicht zu sagen „Verständnis“, von Psychologen gegenüber Gewalttätern, obwohl sie das zugrundeliegende Motiv nicht verstehen.


    Fazit: Die Texte sollen meiner Meinung nach nicht gefallen, sondern sie sollen berühren und zum Nachdenken anregen.


  23. Cover des Buches Murder on the Orient Express (ISBN: 9780007119318)
    Agatha Christie

    Murder on the Orient Express

     (51)
    Aktuelle Rezension von: britsbookworld
    Hallo ihr Lieben :)

    Ich habe gestern Nacht noch das Buch "Murder on the Orient Express" von Agatha Christie beendet. Und was soll ich sagen: 5 von 5 Sterne und das sowas von verdient :)

    Ich habe es im Original gelesen, aber natürlich gibt es das Buch "Mord im Orientexpress" auch auf deutsch und ich glaube, so einen klassischen Krimi sollte jeder mal gelesen haben. Denn meiner Meinung nach LOHNT ES SICH WIRKLICH ^^

    Ich bin begeistert, ich weiß,dass dies nicht der letzte Roman der Autorin für mich gewesen sein wird und ich war wirklich bis zum Ende am Grübeln: Wer bitte ist denn hier der Mörder? Und genau das macht Agatha Christie zur Grande Dame des Kriminalromans :)

    Worum geht es ? (NATÜRLICH OHNE SPOILER)

    Der Ermittler Hercule Poirot reist mit dem Orient-Express. Eigentlich ist er unterwegs zu einem anderen Fall, als sich in einer stürmischen Nacht ein Mord ereignet. Ein Passagier wird tot in seiner Kabine aufgefunden. Draußen tobt ein Schneesturm, der Zug musste anhalten und weder die Polizei kann erreicht, oder ein anderes Team zum Ermitteln telegraphiert werden. Und so bleibt Poirot gar nichts anderes übrig, als mit seinem Freund M. Bouc und dem Arzt M. Constantine zusammen zu arbeiten und die gesamten Passagiere, die sich in dem Zug befinden zu befragen.... und dies ist wahrlich keine leichte Aufgabe, da der Zug überraschend voll ist und die Beweislage mehr als dürftig...

    Agatha Christie erschafft den perfekten Krimi in dem sie alleine schon das Buch in drei Bereiche unterteilt: Die Fakten, das Zusamm
    entragen der Beweise und dann am Ende wird die Lösung präsentiert. Dies hat mir außerordentlich gut gefallen. Zuerst das Geschehen wahrzunehmen, dann die einzelnen Passagiere genauer kennenzulernen und permanent mit raten zu können, wer hier was getan haben könnte, ohne zu wissen: Liege ich richtig? oder liege ich etwa total daneben? Ein klassischer Krimi, nach alter Vorgehensweise, der am Schluss die große Auflösung bringt. Ein perfekter Lesegenuss, der leider zu schnell vorbei war. Denn nach nur 3 Tagen (man kann es auch locker an einem Tag lesen) war für mich das Krimi-Abenteuer vorbei... Obwohl bereits im Jahr 1934 erschienen, ist das Buch auch heute noch ein Roman, den man einfach nicht aus der Hand legen kann, da weder die Sprache umständlich, oder die Geschehnisse unglaubwürdig, oder nicht mehr aktuell sind... ein zeitloser Krimi, der es wert ist, gelesen zu werden :)
  24. Cover des Buches Der Architekt des Sultans (ISBN: 9783036959467)
    Elif Shafak

    Der Architekt des Sultans

     (71)
    Aktuelle Rezension von: ysmn

    Elif Shafaks Roman nimmt den Leser mit auf eine Reise ins Istanbul des 16. Jahrhunderts. Sie öffnet uns die Tore der Stadt und des Sultanspalastes, führt uns in die Kerker, in Buchläden, Moscheen, Hamame und Bordelle. Die Straßen und Gassen der Stadt scheinen vor unseren Augen zum Leben zu erwachen. Gleichzeitig gewinnen wir Einblicke in das Denken der Menschen, in Traditionen, Wertvorstellungen und besonders in den tief verankerten Aberglauben, der die unterschiedlichsten Formen annimmt. Doch vor allem geht es Shafak darum, den Leser mit den Gebäuden, die in diesem Zeitraum unter der Aufsicht des berühmtesten und bedeutendsten osmanischen Architekten Sinan entstanden sind, vertraut zu machen. 

    Ihr Stil ist dabei stets flüssig. Sie schreibt gekonnt und versteht es, sich in ihre Charaktere hineinzufühlen. Es findet nie eine Verklärung oder Beschönigung statt. Ich hatte das Gefühl, dass Shafak der Zeit und ihren Menschen gerecht werden will und sie so wahrhaftig wie möglich darzustellen versucht.

    Trotz dieses Bemühens war ich mir manchmal doch zu sehr der Tatsache bewusst, dass ich einen Roman lese, der in unserer Zeit geschrieben wurde. An einigen Stellen war er zu konstruiert und zu romanhaft und hat es mir deshalb nicht erlaubt, vollständig ins Istanbul des 16. Jahrhunderts einzutauchen. Auch hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus noch mehr auf die Architektur und auf Sinan gesetzt worden wäre. 

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