Bücher mit dem Tag "türkin"
6 Bücher
- Dilek Güngör
Ich bin Özlem
(13)Aktuelle Rezension von: TashaWinterWenn Özlem, eine in Deutschland geborene Türkin, sich mit ihrem Namen vorstellt, geschieht das fast nie, ohne dass ihr Gegenüber Zuschreibungen vornimmt. Bestimmte Erwartungen und Vorstellungen scheinen unweigerlich mit ihrem Namen verknüpft zu sein. Özlem ist mit einem Deutschen verheiratet, ihre Kinder haben deutsche Namen und sie kennt das Herkunftsland ihrer Eltern nur von Besuchen. Dennoch wird sie immer wieder damit konfrontiert, dass sie andere Wurzeln hat. Äußerst nachvollziehbar ist dargestellt, wie diese Erwartungshaltungen und auch die Abwertungen der Türkei gegenüber, die Özlem immer wieder erleben muss, auch zu einem Wandel in ihrem eigenen Denken und in ihrer Gefühlswelt führen.
Man erlebt mit, wie Özlem innerlich immer angespannter und letztlich auch wütender wird, nicht nur auf Grund von offen zur Schau gestelltem Rassismus, sondern auch durch die Mikroaggressionen, die sie in ihrem Freundeskreis erleben muss. Wenn zum Beispiel darüber gesprochen wird, dass eine Schule, auf der viele türkische Kinder sind, die angeblich kaum Deutsch sprechen, keine gute Schule sei.Dilek Güngör lässt ihre Protagonistin verletzlich und zugleich stark erscheinen, wenn sie sich immer wieder einer Welt stellt, die ihr das Gefühl gibt, dass ihr etwas fehlt, um vollkommen dazuzugehören. Leser*innen sind ganz nah bei ihr, wenn sie ihren Alltag bestreitet, sich auch mit ihren türkischen Eltern auseinandersetzt, die bestimmte Erwartungen haben, wie zum Beispiel, dass eine schwangere Frau den Vater ihres Kindes auch heiraten sollte. Ihr Ehemann steht hinter ihr, versteht aber gleichzeitig nicht alle Hürden, die Özlem zu nehmen hat und kann ihre Verletzung im Angesicht von Diskriminierung nicht immer nachvollziehen.
Ich fand es unglaublich spannend und bereichernd, die Welt durch Özlems Augen wahrnehmen zu dürfen und es hat mich dazu gebracht, einige Verhaltensweisen meinserseits nochmal zu überdenken, denn selbst was als Kompliment gemeint ist kann, wenn dadurch othering betrieben wird wiederum verletzend wirken. Sehr deutlich wird hier, wie schwierig es ist, einer Mehrheitsgesellschaft, die sich dauerhaft in den eigenen Verhaltensweisen bestärkt, gegenüberzutreten. Immer wieder sehen sich Menschen, denen Özlem ihre eigenen Verletzungen offenbar, selbst als Opfer.
Für mich ein absolut wichtiger Roman, der mich trotz oder vielleicht gerade wegen der sachlichen Sprache oft sehr getroffen hat. Dilek Güngör wurde mit ihrem Roman „Vater und Ich“ für den Deutschen Buchpreis nominiert und auch auf diesen Roman freue ich mich sehr. - Thomas Kowa
Boys don't cry
(16)Aktuelle Rezension von: Leseeule96Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Ich habe vorher noch nie etwas von Booksnacks gehört, fand die Idee aber eigentlich total gut. Dort gibt es Kurzgeschichten als Ebook zum Downloaden, wenn man einfach nur mal grad eine kurze Wartezeit überbrücken muss, zum Beispiel in der Bahn, im Wartezimmer beim Arzt oder auch einfach, wenn man mal Langeweile hat und keins der vorhandenen Büchern auf die momentane Laune zutreffen.
Nun zu dieser Geschichte: außer in der Schule habe ich noch keine Kurzgeschichten gelesen - abgesehen von eShorts, diese haben dann aber doch meistens vier bis sechs Mal so viele Seiten gehabt wie dieses Ebook, welches mit 11 Seiten wirklich sehr kurz ist, zumal es erst nach wenigen Seiten überhaupt richtig los geht.
Zum Inhalt brauch ich nichts sagen, oben gibt es eine Zusammenfassung und viel mehr gibt es da auch nicht zu sagen.
Ehrlich gesagt habe ich mich ein bisschen schwer mit dieser Kurzgeschichte getan. Sie war einfach ZU kurz. Ich habe schon verstanden, welche Message der Autor rüber bringen will, jedoch ist diese nicht so ganz angekommen - meiner Meinung nach. Es waren einfach zu viele Themen, für so wenig Seiten, sodass einfach nicht näher drauf eingegangen werden konnte.
Mein Fazit: Ich persönlich würde wohl keine 1,49 € für eine solch kurze Geschichte ausgeben und wenn ich überlege, wie lange ich manchmal beim Arzt warten muss, dann sind solche Booksnacks auch nichts für mich. Es war wirklich nur ein fünfminütiges Lesevergnügen und für 45-90 Minuten Wartezeit habe ich dann doch lieber immer ein "richtiges" Buch dabei. Nichtsdestotrotz: Wenn ich zurück an meine Schulzeit denke, dann finde ich diese Kurzgeschichte wäre toll für den Unterricht, zum auseinander nehmen, analysieren und diskutieren.
Da ich dieses Buch einfach nicht mit einem "normalen" Buch vergleichen kann, gebe ich keine Punktebewertung ab, sondern sage einfach: ich fand es okay, aber es ist auch kein Muss. - Michael Kull
Jasmin: ... aber nicht meine Seele
(23)Aktuelle Rezension von: LivillaJasmin, jung und ohne Ausbildung, lernt den reichen David kennen, der sie vom Fleck weg heiratet und verwöhnt. Ein paar Jahre geht das gut, dann steht sie vor den Trümmern ihrer Ehe. Ihr Mann zahlt weder für sie noch den Jungen Unterhalt. Aus Angst, ihren Sohn in einem Sorgerechtsprozess zu verlieren, nimmt sie es hin. Um den siebenjährigen Till versorgen zu können, muss sie einen Aushilfsjob annehmen und sich den Launen ihres Chefs Volker beugen. Mit ihm sie notgedrungen sogar eine Beziehung ein. Zum Glück lernt sie die hilfsbereite Türkin Filiz kennen, die ein entsetzliches Schicksal hinter sich hat und im ältesten Gewerbe der Welt arbeitet. Jasmin wird Zeugin der Entführung ihrer Freundin, durch die ihr eigenes Leben eine Wendung erfährt.
Ich finde den Roman um Jasmin ihren Sohn Till, die starke, lebenskluge Filiz, den widersprüchlichen Volker und die anderen, meist liebenswerten Figuren sehr lesenswert. Allerdings gibt es auch die anderen. Mir gefällt besonders Jasmins Entwicklung. Aus einem naiven Mädchen wird eine selbstbewusste Frau.
Themen wie Prostitution und Ehrenmord sind heikel, hier werden sie von Michael Kull verständnisvoll, in einem schnörkellosen Stil beschrieben. Dass es für Jasmin besser ausgeht, als erwartet, lässt mich mit einem guten Gefühl zurück. Dagegen hat mich Filiz Schicksal mitgenommen – gerade weil vieles meiner Fantasie überlassen bleibt. Ihres ist aus dem Leben gegriffen, hart und ungewiss. Wer sich für Menschen und ihre verschlungenen Lebenswege interessiert, ist hier richtig.
- Dilek Güngör
A wie Ada
(13)Aktuelle Rezension von: JanewayIm Roman A wie Ada folgen wir dem Leben der Titelheldin Ada, Kind von türkischstämmigen Migranten, von ihren Kindergartentagen bis ins mittlere Alter, als sie selber Kinder und einen Mann hat. Die kurzen Kapitel erzählen von ihrem Wunsch nach Zugehörigkeit, gleichzeitig aber auch von ihrer Unsicherheit im Umgang mit ihren Mitmenschen, dem Zerrissensein zwischen dem Wunsch, sich selber zu sein, und sich anzupassen. Spannende Kurzeinsichten in ein Leben, poetisch geschrieben.
- Betül Durmaz
Döner, Machos und Migranten
(7)Aktuelle Rezension von: mariameerhaba"Wo er hinging, entzieht sich meiner Kenntnis" - Das ist fast Beamtendeutsch, fachlich, klinisch, kompliziert formuliert, eiskalt und unschön. Ich habe den Satz als Beispiel genommen, weil es deutlich zeigt, wie schrecklich die Formulierungen des Buches sind. Die Autorin beschreibt nicht, sondern protokolliert ihr Leben und das Leben einzelner ihrer Schüler, wodurch der Text nicht besser als ein Wikipedia-Eintrag ist.
Der Titel gibt an, dass die Autorin von ihrem "zartbitteren Lehrerleben" schildert, doch der Anfang ist nur ihrer Familie gewidmet, in der sie berichtet, wie sie nach Deutschland (zuerst nach Österreich) ausgewandert sind. Es war interessant, aber die Formulierungen so schrecklich, dass man nicht mitfühlen konnte. Wenn jemand starb, jemand weinte, Angst hatte, wütend wurde, wenn einer der Personen etwas fühlte, wurde das Gefühl in ein Wort in einem einzigen Satz gepackt und danach wie eine lästige Angelegenheit fortgewischt. Es wurde nicht zartbitter, es war einfach nur da, um schnell wieder vergessen zu werden.
Der Anfang mit ihrer detaillierten Familiengeschichte hat im späteren Verlauf gar keinen Einfluss auf die drauffolgenden Ereignisse. Der Vater, die Mutter und auch nicht der Bruder bekommen keinen weiteren Auftritt mehr, sodass man sich fragen muss, wieso man das alles gelesen hat, wenn es gar keine Bedeutung für die Handlung besitzt. Ich habe das Buch auch nicht in der Erwartung gekauft, dass ich die Lebensgeschichte der Autorin kennenlernen würde, sondern mehr von ihrer Lehrerschülerbeziehung als Migrantin wissen wollen.
Im zweiten Abschnitt, in der die Probleme der Schüler geschildert werden, macht sie aus den einzelnen Episoden ihrer Figuren eine Art Personenbeschreibung, die einen Lebensabschnitt einer Figur in Kurzform schildert und danach links liegenlässt. Aufkommende Konflikte, die für Spannung sorgen könnten, werden einfach im Keim erstickt und jeder Schüler und Schülerin ist dazu verdammt, nach fünf Seiten aus der Handlung rausgeworfen zu werden.
Sogar wenn man einen Moment lang das Leben eines Schülers als Interessant empfindet und deutlich mehr von ihm erfahren möchte, gönnt das die Autorin dem Leser das nicht, sondern lässt die Figur nach ihrem beschränkten Auftritt wieder verschwinden.
So erfährt man nichts von ihrem "zartbitteren Lehrerleben", denn sogar in ihrer Rolle als Lehrerin kann sie sich nicht entfalten, weil sie alles nur anschneidet und keinen Moment lang sich in einen Konflikt vertieft. Auch in ihrem eigenen Leben werden die Konflikte nicht bearbeitet, interessante Momente werden kurz angeschnitten und dann wieder weggeworfen, als wollte sie vor uns ein Geheimnis bewahren, dabei habe ich mich genau darauf gefreut. In einer Szene wird die Lehrerin darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht Türkisch in der Schule reden soll und sie quittiert es damit, dass sie türkisch mit einer Türkischlehrerin spreche und sie die beiden Sprachen beherrscht. Wie die andere Person auf diese Aussage reagiert, liest man nicht und genauso wenig, was darauffolgt. Es verschwindet einfach aus dem Text. Wieso macht man so etwas? Wieso zeigt sie uns das nicht? Wieso mischt sie die Geschichten der Figuren nicht untereinander und macht daraus eine ganze Geschichte?
Der Titel ist toll gewählt und auf mich suggeriert, dass ich ein Teil von ihrem Lehreralltag als Migrantin lesen werde, aber sie lässt sich nicht wirklich drauf ein. Dass sie eine Migrantin ist, spielt absolut keine Rolle. Eine andere Person ohne diesen Hintergrund hätte es wahrscheinlich nicht anders erzählt und erlebt, so dass auch dieses Detail seine Bedeutung einbüßt.
Das Buch ist schlecht. Wirklich schlecht. Es funktioniert nicht, sondern ist bloß ein Bericht, der verschiedenen Themen anschneidet, ohne auf eines davon einzugehen. Ein Zeitungsartikel besitzt mehr Tiefe, ein Facebookeintrag mehr Emotionen, eine Werbunganzeige mehr Kraft.





