Bücher mit dem Tag "ukraine"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "ukraine" gekennzeichnet haben.

126 Bücher

  1. Cover des Buches Alles ist erleuchtet (ISBN: B005C37GUW)
    Jonathan Safran Foer

    Alles ist erleuchtet

    (529)
    Aktuelle Rezension von: Joroka

    Ich habe zuerst den Film gesehen, zu dem das Buch als Vorlage diente; und dieser hat mir ausgesprochen gut gefallen. Normalerweise ist man von der filmischen Umsetzung eines literarischen Werkes enttäuscht, im vorliegenden Fall war es gerade umgekehrt.

    Die Geschichte eines jungen jüdischen Amerikaners (Jonathan Safran Foer), der in die Ukraine fährt und sich dort mit Hilfe eines radebrechenden, machohaften Reiseführers und dessen "blinden" Opa als Fahrer, nebst "Blindenhund" auf die Suche nach der Vergangenheit seines eigenen Großvaters macht, ist im Buch als eine der vier Handlungsstränge enthalten.

    Daneben geht es um die Geschichte von "Brod", die dem gleichnamigen Fluss "entspringt", als ihre Eltern im Jahre 1791 dort mit Fuhrwerk in den Fluten versinken; des weiteren um die Geschichte der Heirat von Jonathans Großvater vor Zerstörung des Schtetls um 1940 und um die Kommentare von Alex, dem ukrainischen Reisebegleiter von Jonathan, der scheinbar diese Geschichten Korrektur ließt.

    Ganz schön verwirrend und so kam es mir beim Lesen auch durchgehend vor. Hätte ich zuvor den Film nicht gesehen, hätte ich bezüglich Orientierung wohl auch gewiss einige Probleme gehabt. Nun, das mag "innovativ" sein, aber meinem Lesevergnügen zumindest nicht zuträglich.

    Natürlich sind alle Geschichten miteinander verwoben und auch Alexs Großvater ist involviert. Ein bisschen dick aufgetragen, wie ich finde.

    Negativ aufgestoßen ist mir auch die unnötig obszöne Sprache, die in manchen Passagen benutzt wird.

    Fazit: Insgesamt kein wirklich schlechtes Buch. Aber es kommt halt wie ein besonders bemühtes Erstlingswerk eines noch nicht ganz ausgereiften Schreiberling rüber.

  2. Cover des Buches Die Wohlgesinnten (ISBN: 9783833306280)
    Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten

    (160)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Nach der großen Ankündigung und dem großen Erfolg in Frankreich konnte man sehr gespannt sein. Der Autor hat wohl die nötige Distanz um dieses >Eisen< anzupacken. Leider passiert dann sehr wenig. Lobenswert ist die genaue Recherche und das Aufarbeiten von Zahlen und Orten, aber Ereignisse werden zum Teil nur gestreift und das Buch wird bald langweilig. Es ist sehr enttäuschend, man kann fast von einem Machwerk sprechen denn von all dem angekündigten, versprochenen ist nichts übrig. Es wird soviel angepackt, aber dann plötzlich fallen gelassen und der Autor nimmt seine Erzählfäden oft nicht mehr auf und so ist es nicht interessant, nicht brisant, nicht aufklärend oder aufrüttelnd, sondern einfach nur langatmig, langweilig und überhaupt nichts sensationelles.

  3. Cover des Buches Die Wolke (ISBN: 9783473544011)
    Gudrun Pausewang

    Die Wolke

    (955)
    Aktuelle Rezension von: Perse
    • Details:

    Ausgabe: Taschenbuch 

    Erscheinungsjahr: 1987

    Altersempfehlung: ab 12 Jahren

    Verlag: Ravensburger 

    Genre: Jugendliteratur

    Seitenanzahl: 223

    • Inhalt:

    Was niemand wahrhaben wollte, passiert: Deutschland erlebt einen atomaren Unfall. Die 14-Jährige Janna-Berta verliert ihre Familie und ist auf sich allein gestellt.

    • Wie das Buch zu mir gefunden hat:

    Das Buch hat mich über ein Verschenkeregal gefunden. Ich habe damals den Film im Schulunterricht gesehen und wollte schon immer das Buch dazu gelesen haben, jetzt habe ich es endlich getan...

    • Meinung:

    Das Thema dieses Buches ist unheimlich intensiv. Gudrun Pausewang erzählt die Geschichte klar, hart und absolut authentisch. Beim Lesen trifft einen der ungeschönte Realismus dieser Welt mit voller Wucht. Das Buch zeigt schmerzhaft, dass in unserer Gesellschaft und Politik eben nicht immer alles "Friede, Freude, Eierkuchen" ist.

    • Fazit:

    Zu Recht den Jugendliteraturpreis 1988 gewonnen. Dieses Werk gehört für mich zur Pflichtlektüre!

    • Empfehlung:

    Für alle, die qualitativ hochwertige Jugendliteratur suchen und/oder Fans von Gudrun Pausewang sind.

    Eine Kauf- und Leseempfehlung von mir!

    • Tipp:

    Schaut euch den gleichnamigen Film von 2006 an.

    • Lieblingszitate:

    "Kein Ton von den Herren, die so gerne reden."

    Prolog - Seite 7

    "Versagen ist menschlich. Mit Versagen nicht zu rechnen, ist verantwortungslos und unmenschlich.''

    Prolog - Seite 9

    "»Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.«"

    Kapitel 1 - Seite 23

    "»Handeln Sie mit Verantwortungssinn!«"

    Kapitel 2 - Seite 33

    "Das also würde der neue Unterschied zwischen Arm und Reich sein."

    Kapitel 8 - Seite 127

    "»Die Leute fangen schon wieder an zu vergessen«,..."

    Kapitel 10 - Seite 153

    "»Menschen sind zu allem fähig«,..."

    Kapitel 10 - Seite 154

  4. Cover des Buches Vielleicht Esther (ISBN: 9783518244562)
    Katja Petrowskaja

    Vielleicht Esther

    (40)
    Aktuelle Rezension von: Sarange

    Ich brauchte eine Weile, bis ich in dieses assoziative, intuitive Schreiben hineinfinden konnte (v.a. der Anfang des Buches war aus meiner Sicht völlig verstolpert), um dann seine Poesie zu genießen und gleichzeitig mit der Ich-Erzählerin die Tiefen ihrer Trauer auszuloten - über schmerzende Gewissheiten ebenso wie über Eventualitäten und Leerstellen, die bleiben werden trotz intensivster Spurensuche - in Wien, Warschau, Kiew, Auschwitz, Yad Vashem... - nach ein paar hinterlassenen Fitzelchen der Existenz ihrer zahlreichen und in ihrer jeweiligen Gesellschaft sehr aktiven Vorfahren. Ein Haschen nach Wind.

    Im Zuge dieser tragischen Recherche und Reflexion darüber entfaltet die Autorin ein wahres Panoptikum aus verschlungenen biografischen Wegen, aus sich aneinander reibenden und gegenseitig zersplitternden, die Menschen zwischen sich zermahlenden politischen Systemen im Laufe des 20. Jahrhunderts, aus religiösen Bruchstücken verschiedenster Ausprägungen des Juden- und Christentums, aus geschichtskluger, aber persönlich entwurzelter Nachlese in Akten, archivierten Zeitungsartikeln, Fotos und Bröckchen von mündlich überlieferten oder angedeuteten Familienlegenden, aus Verweisen auf die griechische Mythologie, auf Goethe, Bulgakow, Tolstoi... Das alles in einer scheinbar assoziativen, aber klug und feinfühlig Verknüpfungen herstellenden, poetischen und traurig-humorvollen Schreibweise, in der ich der Autorin tief bewegt durch ihre Gedanken und Gefühle gefolgt bin.

  5. Cover des Buches Radetzkymarsch (ISBN: 9783843059572)
    Joseph Roth

    Radetzkymarsch

    (133)
    Aktuelle Rezension von: claudiaZ

    Die Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Dies wird anhand des Aufstieges und des Niedergangs der Familie von Trotta über mehrere Generationen dargestellt. Die Geschicke der Familie sind durch einen Zufall im Leben des Großvaters auf alle Zeiten mit dem Kaiser Österreich-Ungarns verbunden. Der Fokus liegt dabei ganz und gar auf dem männlichen Teil der Familie, was den tatsächlichen damaligen Verhältnissen entsprechen dürfte. Denn es geht um Themen wie Ehre, Pflichterfüllung, Standeskodex, die schon im Kindes- und Jugendalter maßgebend sind. Im familiären Bereich trägt dies dazu bei, dass das Verhältnis zwischen den Generationen formell und unpersönlich ist und die Schranken oftmals nicht überwunden werden können.

    Sowohl für das Kaiserreich als auch für die Familie von Trotte nimmt die Handlung einen schicksalhaften Verlauf. Dabei empfand ich das Buch allerdings nicht niederschmetternd, was ich dem Schreibstil Joseph Roths zurechne. Aus diesem Grund wird dies nicht das letzte Buch gewesen sein, welches ich von dem Autor gelesen habe.

     

  6. Cover des Buches Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch (ISBN: 9783423219068)
    Marina Lewycka

    Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch

    (322)
    Aktuelle Rezension von: Xirxe

    Den ersten Teil des Buches habe ich vermutlich wie viele andere Leserinnen und Leser auch mit wachsender Entrüstung gelesen: Gierige, materialistisch eingestellte Osteuropäerin nimmt armen alten Mann aus. Stellenweise recht komisch, manchmal auch beklemmend. Doch dann mischen sich neue Töne ein: Ganz so einfach sind die Schuldzuweisungen doch nicht zu verteilen. Der Vater der Erzählerin ist schwierig, er braucht Hilfe beim Baden, es gibt Probleme mit Pipi, er hat sexuelle Wünsche an seine Ehefrau, hat ihr deshalb auch eine Brustvergrößerung gezahlt, ist zänkisch - Dinge, die die (erzählende) Tochter Nadja am liebsten verdrängen würde. Dagegen stehen die eigentlichen Gründe der neuen Stiefmutter Valentina für diese Heirat: Ihrem Sohn die Chance auf ein besseres Leben zu ermöglichen, selbst auch jetzt schon ein besseres Leben als in der Ukraine zu führen (Wer die Verhältnisse in manchen der ehemaligen Teile der früheren UdSSR kennt, kann dies verstehen) - Nadja fängt an sich zu fragen, was sie denn an Valentinas Stelle getan hätte. Und so, wie sich in der zweiten Ehe ihres Vaters nicht alles als so eindeutig und klar darstellt wie man beim ersten Blick vielleicht denken würde, so entwickelt sich auch das Verhältnis der beiden Töchter. Es zeigt sich, dass die große Schwester nicht einfach nur ein eiskalter materialistischer Charakter ist, sondern das es auch hier noch eine andere, weitere Wahrheit gibt, die erst nach und nach zu Tage tritt. Es ist ein guter Unterhaltungsroman, der einem an einem aktuellen Thema zudem klar vor Augen führt, dass nichts so einfach zu sein scheint, wie man beim ersten Lesen meint. Hinter der scheinbar klaren Schwarz-Weiß-Realität (da gut und da böse) stecken unzählige Grautöne. Mich hat dies Buch ziemlich nachdenklich gestimmt..

  7. Cover des Buches Sie kam aus Mariupol (ISBN: 9783499290657)
    Natascha Wodin

    Sie kam aus Mariupol

    (65)
    Aktuelle Rezension von: Schmuck_Guggerin

    Die Mutter der Autorin, die aus Mariupol stammt, wurde zusammen mit ihrem Mann als „Ostarbeiterin“ nach Deutschland verschleppt. 

    Von der Autorin nur zärtlich „meine arme, kleine, verrückt gewordene Mutter“ genannt, weiß sie sehr wenig, ja fast nichts von der Mutter. 

    Das, was verloren ging, treibt die Autorin zu all ihren Recherchen. Tief kann sie eintauchen, in das kurze Leben ihrer Mutter und stößt dabei auf etliche Verwandte. Sie alle haben ein Leben geführt, das Spuren hinterlassen hat. 

    Natascha Wodin hat ein notwendiges Buch geschrieben und das nicht nur für die heutige Zeit. Es lohnt sich, diese Geschichte als Teil der Vergangenheit zu kennen.

  8. Cover des Buches Samson und Nadjeschda (ISBN: 9783257247343)
    Andrej Kurkow

    Samson und Nadjeschda

    (111)
    Aktuelle Rezension von: Frie

    Die Geschichte entfaltet sich ruhig und unaufgeregt – passend zum verschmitzten, freundlichen Gesicht des Autors auf dem Schutzumschlag. 

    Wir begleiten Samson, der bei einem Überfall seinen Vater verliert und selbst nur durch Glück überlebt, jedoch eine Ohrmuschel einbüßt. 

    Kiew, 1919: Die Revolution wirbelt alles durcheinander, die Machtverhältnisse wechseln ständig, und Samson gerät durch Zufall zur Polizei – nicht wegen seiner Erfahrung, sondern weil er präzise und klar schreiben kann.

    Sein erster Fall entwickelt sich fast beiläufig aus Beobachtungen in seiner eigenen Umgebung, doch schon bald zieht die Geschichte immer größere Kreise. Es ist spannend und zugleich leise erzählt, wie Samson versucht, die Geheimnisse zu entwirren, und dabei auf unerwartete Weise Hilfe bekommt – eine charmante Ideen, mit der Kurkow überrascht.

    Auch die Liebesgeschichte mit Nadjeschda beginnt intensiv, verliert jedoch an Raum, je mehr Samson in seine Fälle hineingezogen wird. Das macht die Erzählung umso authentischer: Das Leben in dieser Zeit lässt kaum Platz für Privatheit.

    Besonders gelungen ist die atmosphärische Dichte: Kurkow zeichnet ein lebendiges Bild von Kiew zur Zeit der Revolution – Straßen, Gerüche, Geräusche, Unsicherheiten. Man taucht tief ein in diese Epoche, die zwischen Chaos und Neubeginn schwankt.

    Ein Lob verdient auch die Gestaltung des Buches: Der Einband passt wunderbar zur Stimmung der Geschichte, die kurzen Kapitel werden von kleinen Zeichnungen begleitet, und der Vorsatz zeigt eine stilisierte Karte Kiews mit den markierten Schauplätzen.

    Mich hat dieses Buch wie ein warmes Tuch umhüllt. Eine stille, bildhafte und kluge Erzählung, die mir gut gefällt.

  9. Cover des Buches Die andere Hälfte der Hoffnung (ISBN: 9783426304839)
    Mechtild Borrmann

    Die andere Hälfte der Hoffnung

    (78)
    Aktuelle Rezension von: EngelAnni

    In "Die andere Hälfte der Hoffnung" werden eigentlich drei Geschichten parallel erzählt. Die eines Mädchens, welches aus den Fängen eines Menschenhändlers entkommt und bei einem Bauern Unterschlupf findet, die eines Polizisten, der zwei Mädchen sucht und sich auf die Spur der Menschenhändler begibt und die einer Mutter eines der verschwundenen Mädchen, die ihre Lebensgechichte in der Ukraine erzählt.

    Zwei der drei Geschichten gefallen mir richtig gut. Dem Polizisten konnte ich sehr gut folgen und ich fand es spannend, wie der Menschenhändlerring gejagt wurde und auch der Polizist kommt mir sehr sympatisch rüber.

    Auch die Geschichte der Mutter berührt mich, sie schreibt ihre Lebensgeschichte auf. Sie hat 1986 In der Nähe von Tschernobyl gelebt. Diese Geschichte hat mich sehr bewegt.

    Leider gefällt mir die Geschichte von dem Mädchen, was fliehen kann nicht so gut.  Deswegen vergebe ich "nur" vier Sterne.

  10. Cover des Buches Aleksandra (ISBN: 9783985681396)
    Lisa Weeda

    Aleksandra

    (23)
    Aktuelle Rezension von: esmerabelle

    Aleksandra ist noch jung, als sie während des Zweiten Weltkrieges als Zwangsarbeiter aus ihrer Heimat in der Ost-Ukraine nach Deutschland verfrachtet wird. Nach Kriegsende kehrt sie nicht zurück, sondern zieht in die Niederlande, heiratet zweimal, bekommt Kinder. Mit ihrer Familie in der Ukraine bleibt der Kontakt bestehen.

    2018 ist Aleksandra 94 und beauftragt ihre Enkelin Lisa, nach Lugansk zu fahren, um das Grab ihres 2015 verschollenen Onkels Koljas zu finden. Sie soll ihm ein Tuch bringen, das mit den Lebens- und Todeslinien der Familie bestickt ist, damit Kolja im Jenseits seinen Seelenfrieden finden kann.

    In Lugansk angekommen, gerät Lisa sofort in den Palast der Erinnerungen, eine Art magischen Ort der verlorenen Don Kosaken, die nicht in Frieden gestorben sind. Hier trifft sie ihren vor langem verstorbenen Urgroßvater und beginnt mit ihm eine Reise durch die Geschichte dieses Teils des Landes und ihrer Familie.


    Ich habe „Aleksandra“ von Lisa Weeda dreimal angefangen, bevor ich mich dazu durchringen konnte, es ganz zu lesen. Für mich war die Lektüre in erster Linie Chaos. Dabei bin ich gar keine Gegnerin von Wechseln in der Zeitebene und Erzählperspektive. Im Gegenteil, es ist meistens eine Bereicherung, wenn eine Geschichte aus mehreren Winkeln beleuchtet wird. Aber Weedas Strukturierung konnte ich nicht folgen. Die Vielzahl an Personen, die ungünstiger Weise auch ab und an ihre Vornamen teilen (was man natürlich schlecht ändern kann, wenn man von der eigenen Familie berichtet) hat mich überfordert. Und das, trotzdem man zu Beginn vorgewarnt wird und auch einen Stammbaum zu Rate ziehen kann. Dass die Perspektive dazu noch oft etwas unvermittelt zwischen „ich“, „er“, „sie“ und „wir“ springt, tut ihr Übriges. Für mich war das zu viel des Guten und hat keinen Lesestrom entstehen lassen.


    Und dann ist da noch die – ja, wie soll ich es nennen? Die surreale oder mythische Ebene. Und hier muss ich erwähnen, dass ich nur sehr, sehr selten Zugang zu diesem Kunstgriff habe. Der Palast der verlorenen Don Kosaken und die weißen Hirsche haben mich überhaupt nicht abgeholt. Allerdings kann man Kommentare finden, dass gerade dieser Punkt für einige Leser das Buch besonders lesenswert gemacht hat. Wie man dazu auch stehen mag, eine originelle, wenn vielleicht auch nicht einzigartige, Idee hatte Weeda hier auf jeden Fall.


    Auf der anderen Seite hat dieser Roman auch starke Komponenten. Es gibt Passagen, die mich völlig gefesselt und in die Geschichte hineingezogen haben, insbesondere jene, in denen Nikolai von dem erzählt, was die Familie durchmachen musste. Wäre das Buch in dieser Perspektive geblieben, hätte es weniger mit Symbolik um sich geworfen, wäre ich womöglich ein Fan geworden.


    Mit ihrem Debüt wollte Lisa Weeda ihrer eigenen Aussage nach einen Beitrag zum Krieg in der Ukraine leisten und ihren Vorfahren ein Denkmal setzen. Das ist ihr auf ihre Art sicherlich gelungen und eigentlich ist das ja das einzige, was zählt. Würde man mich aber nach Büchern fragen, die mir die Ukraine inklusive ihrer historischen Problematik näher gebracht haben, würde mir „Aleksandra“ wohl nicht als Erstes einfallen. Aber ein weiteres Puzzleteil kann dieser Roman durchaus liefern.

  11. Cover des Buches Russische Spezialitäten (ISBN: 9783446282476)
    Dmitrij Kapitelman

    Russische Spezialitäten

    (131)
    Aktuelle Rezension von: buch_leselust

    Sprachlich wirklich ein herausragendes Werk.


    Wir haben es im Buchclub gelesen und waren uns einig, dass es sprachlich ganz besonders und unglaublich bildlichen war. Die eigenen Wortschöpfungen bereichern den Ausdruck und die beschriebene Atmosphäre. 


    "Die Limonaden strahlen lila, rot, grün, golden und enthalten genug Farbstoff, um ein Einhorn anzulocken." (Seite 21)


    In diesen vernichtenden knapp 200 Seiten werden mit viel Witz und dennoch Ernsthaftigkeit die Auswirkungen des Ukraine Krieges erläutert. Aber aus einer ganz persönlichen und nahbar alltäglichen Sicht.

    Viele hat das sehr berührt und einiges erklärt.

  12. Cover des Buches Leben (ISBN: 9783863912345)
    Oleg Senzow

    Leben

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Federfee

    Bisher sträflich von mir vernachlässigt: ukrainische Schriftsteller und über Russland und die Ukraine besser Bescheid zu wissen. Das will ich jetzt nachholen, so gut es geht und will alles lesen, was mir dazu in die Finger fällt.

    Dieser kurze Bericht des ethnischen Russen ukrainischer Staatsbürgerschaft, auf der Krim geboren und aufgewachsen, umfasst in losen, nicht chronologischen Texten seine Kindheit und Jugend, seine Liebe zu einem Hund, seine Familie, seine teilweise desaströsen Schulerlebnisse, die ihn aber lehrten, Psychoterror auszuhalten und nie aufzugeben.

    'Nicht aufgeben. Sich stets treu bleiben. Und: nicht unbedingt versuchen, wie die anderen zu sein.'

    Sie geben auch Einblick, welche Einflüsse diesen tapferen, unbeugsamen Mann geformt haben, der sich später auf dem Maidan engagiert und die Annexion der Krim verurteilt hat. Dass er dafür bitter bezahlen musste, beschreibt er in einem Straflager-Tagebuch, das ich auch lesen werde. Es scheint, als ob ihm einige Kindheitserinnerungen Kraft und Stärke geschenkt hätten.

    'Meine Welt war begrenzt, hatte aber keine Grenzen. Sie war voll, eine Schale voll kindlichem Glück.' ('kindlichen Glücks' müsste es eigentlich heißen).
  13. Cover des Buches Als das Leben unsere Träume fand (ISBN: 9783404176007)
    Luca Di Fulvio

    Als das Leben unsere Träume fand

    (135)
    Aktuelle Rezension von: Anirah

    Dieses Buch ist absolut nichts für schwache Nerven und meiner Meinung nach schlichtweg ekelhaft. Lassen Sie sich nicht von dem recht harmlos wirkenden Einband täuschen – der Inhalt steht in krassem Gegensatz zur optischen Aufmachung.

    Meine Kritikpunkte:

    • Exzessive Gewalt: Das Buch reiht eine detailgetreue Gewaltszene und Vergewaltigung an die nächste. Die Beschreibungen gehen dabei bis ins kleinste, unnötige Detail.

    • Sadistischer Unterton: Beim Lesen drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, dass hier eine gewisse Freude an sadistischen Szenen besteht. Besonders eine Szene – in der eine Frau mit Essen ruhiggestellt wird, während sie missbraucht wird, gefolgt von einem regelrechten Abschlachten – ist schlichtweg verstörend und abstoßend.

    • Fehlende Grenze: Es gibt einen Unterschied zwischen einer harten Geschichte und einer Aneinanderreihung von Grausamkeiten, die psychologisch fragwürdig wirken.

    Fazit: Ich war einfach nur geschockt. Wer keine Lust auf detailliert beschriebene Grausamkeiten und Sadismus hat, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Für mich war es eine absolut grenzwertige Erfahrung, die ich niemandem weiterempfehlen kann.

  14. Cover des Buches Tagebuch einer Invasion (ISBN: 9783709981795)
    Andrej Kurkow

    Tagebuch einer Invasion

    (14)
    Aktuelle Rezension von: Ramie70

    Im Zeitraum vom  29.12.2021 (vor dem Krieg) bis 11.07.2022 wurden die Aufzeichnungen in Form eines Tagebuchs niedergeschrieben. Es zeigt sich, dass die Kriegsgefahr sich schon allmählich vorher anbahnte. Das eigene Leben zu retten ohne Habseligkeiten mitnehmen zu können, ist unfassbar. Es gab viele Informationen, die nicht in den Medien berichtet wurden. So habe ich mehr Details erfahren, die mich traurig gemacht haben. Der Alltag im Kriegsgebiet wurde so detailliert beschrieben, dass ich mir das bildlich vorstellen konnte. Zuflucht im U-Bahn System und die Angst, das der Familie oder Freunden etwas passieren könnte, ist unerträglich. Der Autor erzählt seine Geschichte in Form einer Biografie. Es war wirklich beeindruckend, wie sich die Leute untereinander halfen. Trotz Krieg wurden die Felder bestellt. Das Leben geht weiter. Im Glossar werden Orte und Personen näher erläutert. Das Cover ist besonders gut gelungen. Es zeigt auf einer Briefmarke, wie ein Soldat den Stinkefinger zeigt, am vorbei fahrenden Kriegsschiff. Dieses Buch ist unbedingt weiter zu empfehlen. Ich freue mich auf eine Fortsetzung. 

  15. Cover des Buches Kukolka (ISBN: 9783746635392)
    Lana Lux

    Kukolka

    (181)
    Aktuelle Rezension von: izzy_books

    „Kukolka“ fesselt von der ersten Seite an. Die Geschichte der jungen Samira, geprägt von Armut, Ausbeutung und dem Kampf ums Überleben, wird schonungslos erzählt. Intensiv, unbequem und emotional aufwühlend, vermittelt der Roman die Härten des Lebens auf eindrucksvolle Weise. Ein kraftvolles, unbedingt lesenswertes Werk.


  16. Cover des Buches Wir sehen uns wieder am Meer (ISBN: 9783596711987)
    Trude Teige

    Wir sehen uns wieder am Meer

    (137)
    Aktuelle Rezension von: Nordlichtliest

    Durch das Buch „Als Großmutter im Regen tanzte“ bin ich auf die Autorin Trude Teige aufmerksam geworden. Schnell hat sie mein Herz durch ihr Buch und ihren fantastischen Schreibstil gewonnen, sodass ich „Und Großvater mit den Wellen atmete“ ebenfalls gelesen und geliebt habe. Mit „Wir sehen uns wieder am Meer“ hat Trude Teige einen ausgezeichneten dritten Teil herausgebracht.

    In diesem Band spielt Birgit die Hauptrolle. Anders als Anneliese, die sich freiwillig als Krankenschwester für die Front meldet, entschließt sich Birgit Oslo und dem Reichskrankenhaus unter deutscher Leitung hinter sich zu lassen und im nördlich gelegenen Bodø in einem Krankenhaus unter norwegischer Leitung als Krankenschwester zu arbeiten. Schnell stellt Birgit fest, dass auch im Norden die Deutschen ihre Schreckensherrschaft durchsetzen.
    So lernt sie Nadia kennen, die als junges Mädchen aus der Ukraine verschleppt wurde, um in einer Fischfabrik zu arbeiten und erfährt mehr über die katastrophalen Zustände in den Lagern. Birgit möchte der jungen Frau unbedingt helfen und sie aus ihrer verzweifelten Lage befreien.
    Ihre Entscheidung sich dem norwegischen Widerstand anzuschließen steht bereits fest. Als dann auch noch Sascha, ein russischer Kriegsgefangener, eingeliefert wird, verliebt sie sich. 
    Doch welche Gefahr birgt diese Liebe?
    Wie wird Nadia der Zwangsarbeit entkommen? Werden sie sich alle am Meer wiedersehen?

    Mit diesem dritten und leider letztem Band der „Großmutter Reihe“ hat Trude Teige erneut ein Kapitel des zweiten Weltkriegs und der Zeit danach beschrieben, die mir vorher nicht bekannt war. Ausgezeichnet recherchiert und mit ihrem hervorragenden Schreibstil, führt sie die Leser durch kurze, spannende Kapitel!

    Danke für diese tolle Reihe, Trude Teige!

    5 Sterne - und eine große Leseempfehlung! 

  17. Cover des Buches Aller Tage Abend (ISBN: 9783328604013)
    Jenny Erpenbeck

    Aller Tage Abend

    (65)
    Aktuelle Rezension von: Joroka

    Eine spannende Frage. Was wäre mit einem Kleinkind passiert, wenn es nicht gestorben wäre? Das ist für mich der Aufhänger dieses Buches. Die Geschichte startet um die Jahrhundertwende in Galizien und endet nach dem Mauerfall in Berlin.

    Nachgezeichnet wird das Schicksal einer jüdischen Frau, die rechtzeitig aus Deutschland nach Moskau floh und dort alles andere als einen sicheren Ort fand. Es gab weitere Situationen, in denen sie zu Tode hätte kommen können, und vielleicht ist sie das auch. Trotzdem begleiten wir sie bis zu ihrer letzten Lebensphase: hochbetagt, verwirrt und in einem Altenheim.

    Für mich war es vor allem eine spannende Zeitreise in dunkle Kapitel unserer Geschichte. Eingeschoben sind „Intermezzi“, die infrage stellen, was wir gerade gelesen haben. Darüber hinaus gibt es stark komprimierte Abschnitte. So lässt sich der Roman nur phasenweise flüssig lesen; dann stolpert man und muss sich erst einmal wieder richtig aufrichten, um sich dann, mit Griff zum Handlauf, weiter voranzutasten.

    Ich mag außergewöhnliche Bücher. Dieses wird noch eine ganze Weile bei mir nachwirken, da es ihm gelang, mich mit meiner eigenen Lebensgeschichte sowohl hinter als auch vor mir zu verbinden. Auch stilistisch ein außergewöhnlicher Stoff.

    Fazit: ein besonderes Buch, nicht immer leicht zu lesen

  18. Cover des Buches »Wenn Ende gut, dann alles« (ISBN: 9783328603573)
    Volker Klüpfel

    »Wenn Ende gut, dann alles«

    (191)
    Aktuelle Rezension von: SissyScheible

    Ich habe die Figur der Svetlana sofort ins Herz geschlossen. Die ukrainische Putzfrau, die Tommi, einem angehenden Bestsellerautor, der im Wohnmobil lebt, zur Seite steht und mit ihm gemeinsam ermittelt, ist für mich ganz klar das Highlight des Buches. Selten habe ich in einem Krimi eine so gut getroffene und sympathische Figur erlebt.


    Besonders liebe ich ihre angeblich ukrainischen Sprichwörter, die sie auf Deutsch immer etwas falsch wiedergibt und die dadurch herrlich komisch sind. Auch ihre kuriosen ukrainischen Hausmittelchen haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Genau diese Eigenheiten machen Svetlana zu einer Figur mit großem Wiedererkennungswert.


    Hier kommt allerdings das Aber: Die eigentliche Geschichte hat mich von Anfang an nicht gepackt. Immer wieder habe ich das Buch weggelegt und erst Tage später weitergelesen. Der Fall wirkte auf mich leider recht fad und vorhersehbar. Letztlich habe ich das Buch nur wegen Svetlana bis zum Ende gelesen.


    Fazit: Aus dem Duo Svetlana und Tommi könnte eine richtig tolle Krimireihe werden. Dafür dürfte Tommi für meinen Geschmack noch etwas mehr Tiefe bekommen und weniger naiv wirken. Vor allem wünsche ich mir einen spannenderen und weniger vorhersehbaren Fall. Vielleicht ist das im zweiten Band bereits gelungen. Im Moment habe ich allerdings nicht das Bedürfnis, ihn zu lesen.

  19. Cover des Buches Internat (ISBN: 9783518472330)
    Serhij Zhadan

    Internat

    (17)
    Aktuelle Rezension von: OmaGrete

    Den Krieg, den der Wester ignoriert hat.
    Wenn man sich nicht einmischt passiert einem nichts, so glauben viele Bewohner der Station über die Auseinandersetzung im Donbass herumzukommen. Auch Pascha ein Ukrainischlehrer, versucht seinen Alltag zu leben, ungeliebt von den Schülern und nicht ernstgenommen von seiner Familie.
    Nun muss er seinen Neffen aus dem Internat aus der Stadt abholen - viel zu spät "die anderen" übernehmen die Stadt.
    Pascha stellt sich der Aufgabe und will seinen Neffen heimholen, der HInweg vom Aufbruch, Stillstand und Flucht geprägt.
    Zhadan findet Worte und Bilder, die den Konflikt für den Leser sehr nah erlebbar machen, die Zermürbung, die Wehrlosigkeit, die Sinnlosigkeit und das Leiden der Zivilbevölkerung.
    Und immer wieder die Sprache russisch/ukrainisch die immer wieder zum Ausdruck bringt ob Freund und Feind.
    Frank Arnold hat gut gelesen und auch den aufmüpfigen Sascha eine Stimme gegeben.
    Kommen sie nach Hause?

  20. Cover des Buches Das Phantom des Alexander Wolf (ISBN: 9783446288980)
    Gaito Gasdanow

    Das Phantom des Alexander Wolf

    (68)
    Aktuelle Rezension von: Federfee

    Danke, Herr Filipenko! Wenn Sie in Ihrem neuesten Buch der Hauptperson Nesterenko nicht die unsäglichen Worte über Gaito Gasdanow in den Mund gelegt hätten, dass er keine Wörter zu Sätzen fügen könne, hätte ich ihn so bald nicht gelesen, obwohl er schon länger auf meiner Liste steht. Also mal schnell ausgeliehen, damit ich mir selber ein Bild machen kann. Und das Buch 'Das Phantom des Alexander Wolf' hat mir gefallen, wobei mir allerdings klar ist: ich muss es irgendwann noch einmal lesen. Es ist so tiefgründig und vielschichtig, aber beim ersten Mal will man wissen, wie es weiter und zu Ende geht. Bei einem zweiten Lesen könnte ich dann den Gedanken über Liebe und Tod und über den Krieg und seine seelischen Folgen mehr Aufmerksamkeit schenken.

    Beim Lesen ist mir allerdings etwas Merkwürdiges passiert. Interessiert mich Boxen? Nicht im Geringsten; ich würde nie etwas darüber lesen wollen. Und doch habe ich in diesem Buch mit wachsender Faszination gestaunt, wie Gasdanow mich eingefangen hat: Der Ich-Erzähler muss für einen Kollegen einspringen und für seine Zeitung einen Bericht über einen Boxkampf schreiben. Er bereitet sich akribisch vor und beschreibt auch den eigentlichen Kampf packend und spannend.

    Worum geht es überhaupt in diesem 1947/1948 in New York erschienenen Roman, der 1936 in Paris spielt, wo es von Exilrussen nur so wimmelt? Ein blutjunger Mann erschießt irgendwo in Südrussland während des Krieges in Notwehr einen Mann, blickt ihm noch einmal in die Augen und kann dieses Ereignis nie mehr vergessen. Es verfolgt ihn sein Leben lang und wird hier zu einer Geschichte gesponnen, in der man das Konstruierte, die Zufälle kritisieren könnte. Aber dazu ist es einfach zu gut geschrieben. Denn als der junge Mann in Paris ein Buch liest, findet er darin seine Geschichte von damals mit Einzelheiten, die nur der vermeintlich Erschossene wissen kann. Er versucht, ihn zu finden... Ob es ihm gelingt, sei nicht verraten, denn trotz aller Tiefsinnigkeit ist das Buch auch spannend. Was der Ich-Erzähler auf jeden Fall findet, ist die Liebe.

    Der Schriftsteller

    Falls es jemanden interessiert: Wer ist Gaito Gasdanow, eigentlich Georgi Iwanowitsch Gasdanow? Er wurde 1903 als Sohn ossetischer Eltern (Kaukasus) in St. Petersburg geboren, wuchs teilweise in Sibirien und Charkow (Charkiw) auf und ging als Sechzehnjähriger zum Militär. Er erlebte die Schrecken des Bürgerkriegs und das Chaos der damaligen Zeit: mal Rote, mal Weiße, mal Deutsche, mit Wrangels Armee von der Krim evakuiert, in Gallipoli interniert, nach Konstantinopel geflohen, Bulgarien und endlich in Paris angekommen, einem Zentrum der russischen Emigranten in den späten Dreißigern.

    Was für ein Leben dort! Gelegenheitsarbeiten, obdachlos, bitterarm, später nachts Taxichauffeur, tagsüber Vorlesungen an der Sorbonne, Schreiben, Teilnahme an literarischen Kreisen, den Russki Montparnasse. Dort fand sein 1929 erschienener erster Roman 'Abend bei Claire' viel Anklang. - Später lebte er in München als Redakteur bei Radio Liberty. Er starb dort 1971 an Lungenkrebs, wurde aber in Paris begraben.

    Wie schade, dass er so lange Zeit relativ unbeachtet blieb! Dabei wurde ihm nachgesagt, er schreibe besser als Nabokow, er sei der russische Camus. Neun Romane hat er geschrieben und viele Erzählungen.

    Er schreibt handlungsarm, spürt der menschlichen Psyche nach, macht sich Gedanken über den Sinn des Lebens, vermischt das aber mit der Schilderung von Situationen und Ereignissen, so dass es nicht langweilig wird. Mir hat das oben erwähnte Buch so gut gefallen, dass ich bald mehr von ihm lesen möchte.

  21. Cover des Buches Graue Bienen (ISBN: 9783257245547)
    Andrej Kurkow

    Graue Bienen

    (69)
    Aktuelle Rezension von: Sikal

    „Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten.“ Mit dieser Devise lebt der Bienenzüchter Sergej im Donbass, zusammen mit seinem „Freundfeind“ Paschka hält er die Stellung in dem ansonsten verlassenen Dorf. Die beiden trotzen dem Geschützfeuer, dem Leben ohne Strom und dem Hoffen auf Kohlelieferungen und Lebensmittel. Doch der Fokus in Sergejs Leben richtet sich nicht etwa auf seine Familie, die bereits vor einiger Zeit das Weite aus der Region suchte, sondern auf seine Bienenstöcke, die er pflegt und behütet. Eines Tages kommt er auf die Idee, seine Bienen in eine Region zu bringen, in der es friedlicher zugeht, damit sie in Ruhe Nektar sammeln können.

    Auf diesem Roadtrip dürfen wir Sergej begleiten und sämtliche Stationen miterleben. Kurkow zeichnet einen Spagat zwischen den Wirren des Krieges, den Überlebensstrategien der Zivilbevölkerung und den Bemühungen um die Bienen. Denn letztendlich geht es ums Überleben in einem Krieg, wo es nur Verlierer geben kann. Die politischen Hintergründe werden nicht explizit erwähnt, werden aber subtil eingeflochten – beispielsweise in den Träumen Sergejs oder in einem Gespräch mit einer Verkäuferin. Obwohl Sergej ein unpolitischer Mensch ist und sich um seine Bienen kümmern möchte, entkommt auch er dem Regime nicht und kann nicht immer mit seinen Geschichten überzeugen.

    Auch wenn die Geschichte dahin zu plätschern scheint, trifft den Leser immer wieder der Ernst der Situation und lässt diese nachhallen. Wie auch in anderen Büchern Kurkows wird dem Leser schnell klar, in welche Situationen sich der Protagonist hineinmanövriert, er selbst scheint es nicht zu merken und stolpert in so manches Problem.

    Kurkows Stil zu schreiben begeistert und fesselt, diese ruhige und gelassene Art überträgt sich auf seine Charaktere. Es scheint, dass hier niemals zu viel Adrenalin zum Einsatz kommt und doch folgt man mit Spannung der Geschichte.

    Ein Buch, das langsam gelesen werden will und Aufmerksamkeit verdient. 5 Sterne

  22. Cover des Buches Reisen mit Russen und andere Unglücksfälle (ISBN: 9783426514689)
    Alexandra Fröhlich

    Reisen mit Russen und andere Unglücksfälle

    (18)
    Aktuelle Rezension von: eileen

    Das ist der zweite Teil von Meine russische Schwiegermutter und andere Katastrophen. Ich habe es sofort verschlungen. Es war nicht ganz so witzig, wie der erste für mich, da es etwas ernster wurde, aber trotzdem habe ich mich gefreut darüber und hatte meinen Spaß. Ich könnte noch viele andere Teile davon lesen!

  23. Cover des Buches Mirror (ISBN: 9783746632346)
    Karl Olsberg

    Mirror

    (135)
    Aktuelle Rezension von: Doscho

    „Dein bester Freund bist du selbst!“ So wirbt die Firma Walnut Systems für ihre neuen technischen Geräte, die Mirrors. Diese simulieren perfekt die Wünsche und Vorstellungen des jeweiligen Nutzers und begleiten sie so durch das Leben. Doch was, wenn dieser perfekte Lebensbegleiter gar nicht so perfekt ist?


    Thriller über Künstliche Intelligenzen haben schon immer eine große Faszination auf mich ausgeübt. Karl Olsbergs „Mirror“ macht da keine Ausnahme. Zunächst beginnt alles recht harmlos und man sieht sogar, wie so ein System manchen Menschen wirklich helfen kann, das Leben zu bewältigen. Besonders herausgreifen möchte ich hier die Geschichte des Autisten Andy, der mithilfe des Mirrors sogar lernt, eine Freundin zu finden.

    Doch mehr und mehr kommen die Schattenseiten und Ungereimtheiten der ganzen Technik zum Tragen, bis alles in einem eskalierenden Showdown gipfelt. Zwischen extremen Befürwortern, die in ihrer schmerzenden Naivität auch über Leichen gehen bis hin zu extremen Gegnern, die um ihr Leben kämpfen müssen, weil sie die Wahrheit erzählen, ist alles dabei.

    Das Erschreckendste an dem Roman ist jedoch, dass man sich immer wieder dabei ertappt, zu denken, dass das Ganze in mehr oder weniger naher Zukunft durchaus so passieren kann. Auch das Nachwort des Romans, bei dem ich einige Fakten gelesen habe, bei denen mir mulmig geworden ist, lässt einen eher nachdenklich darüber werden, ob der Inhalt des Romans wirklich fern jeglicher Realität ist, wie teilweise behauptet wird.


    „Mirror“ ist also eine eher grausame Dystopie über Verführungen, aber auch Grausamkeiten technischer Innovation, die nachdenklich macht. Dafür spreche ich eine Buchempfehlung und die Höchstwertung aus.

  24. Cover des Buches Weggeworfen (ISBN: 9783960290001)
    Tina Voß

    Weggeworfen

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Drei
    Dieser Thriller macht Spaß und hinterläßt Neugier auf den zweiten Teil. Das kleine bisschen hannoversches Lokalkolorit machte mir besondere Freude.

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