Bücher mit dem Tag "umbruch"
36 Bücher
- Kami Garcia
Eighteen Moons - Eine grenzenlose Liebe
(232)Aktuelle Rezension von: BemyberlinbabyIm dritten Teil der Reihe schlägt Ridley sich damit herum, ein normaler Mensch zu sein, während Link sich als Inkubus behaupten muss. Sie mischen zusammen die Highschool auf und halten Ethan und Lena auf Trapp. Die Welt ist vom Rad des Schicksals bedroht und Ethan kämpft mit einer ganz eigenen Gefahr in seinen Albträumen. Er wird vergesslich und scheint nicht mehr er selbst zu sein. Um die Ordnung der Dinge wieder herzustellen und den neuen Mysterien auf den Grund zu gehen, wagen sie sich in dunkle Gefilde und erfahren dabei einiges über Sarafines Vergangenheit.
Das Buch kann in Sachen Spannung nicht mit den ersten beiden mithalten, hat aber dennoch seinen Charme. Ich fand es toll, die Charaktere noch mal ganz anders erleben zu können.
- Rena Fischer
Chosen - Die Bestimmte
(280)Aktuelle Rezension von: Dia87Diese Geschichte gibt einen zu denken, was ist richtig und was falsch. Jede Seite sagt von sich, dass sie das Richtige tut. Doch wer dazu, es für richtig hält, dass dafür Leben genommen werden müssen, dann halt inne. Denn es scheint dann wohl klar, da stimmt was nicht. Hab den Mut und stell dich gegen die Mächtigen.
- Amor Towles
Ein Gentleman in Moskau
(153)Aktuelle Rezension von: holzmair_evaAm 21 Juni 1922 wird Graf Alexander Rostov von den Bolschewiken zu lebenslangem Hausarrest im berühmten Moskauer Hotel Metropol verurteilt, doch wird er diesen Hausarrest nicht in seiner edlen Suite mit Blick auf das Bolshoi-Theater verbringen, sondern in einem Dachzimmerchen ohne Komfort.
Das ist die Ausgangslage für den 462 Seiten umfassenden Roman von Amor Towles, in dem das Leben des fiktiven Grafen Rostov, wohl nicht zufällig gleichen Namens wie die Rostovs in Tolstois "Krieg und Frieden", bis zum Jahr 1954, das für den Protagonisten in vielerlei Hinsicht eine Zäsur darstellt, nachgezeichnet wird.
Brillant werden historische Ereignisse mit dem Schicksal des Grafen verwoben, der aufgrund seiner Erziehung die neuen Lebensumstände mit Disziplin und Neugierde zu meistern sucht. Er kann den geänderten Zeiten auch einiges abgewinnen, schließt Freundschaft mit dem kleinen Mädchen Nina, mit der Schneiderin Marina, dem Oberkellner, dem Chefkoch, macht sich nützlich (er ist unschlagbar, wenn es um die richtige Sitzordnung bei Treffen von Parteiapparatschniks geht), wird irgendwann selbst als Kellner eingestellt, denn seine ausgesuchte adelige Höflichkeit prädestiniert ihn geradezu für diesen Job.
Später wird ihm die erwachsene Nina ihre Tochter übergeben, weil sie ihrem Mann in die Verbannung folgt, und Graf Rostov mutiert zum spätberufenen Vater. Und, und, und.
Es geschieht so viel in diesem Hotel, das der Graf nie verlassen darf, dass die Leserin sich auf jedes neue Kapitel freut.
Das Buch - eine Empfehlung!
- Zeruya Shalev
Liebesleben
(266)Aktuelle Rezension von: Nicolai_LevinDies ist die Geschichte einer Obsession. Ja'ara ist Ende Zwanzig, verheiratet mit dem herzensguten Joni, auf der Suche nach einem Dissertationsthema und im Kampf um eine der raren Dozentenstellen an der Uni. Ihr weiteres Leben scheint vorgezeichnet mit Promotion, Kindern und Wohnungskauf. Da verfällt sie Arie, einem Freund ihrer Eltern und setzt mit dieser leidenschaftlichen Affäre ihre ganze Existenz aufs Spiel. Wie sich herausstellt, als die Sache schon im vollen Gange ist, kam Arie aus Frankreich nach Israel zurück, weil seine Frau, die Krebs im Endstadium hat, in Israel sterben wollte. Für Arie ist Ja'ara bereit, alles aufzugeben: Ihren Mann, ihre Familie, ihr Promotionsprojekt.
Es tut mir leid: Bei mir funktioniert dieses Buch nicht - auf keiner der möglichen Ebenen.
Rational ist das Entflammen Ja'aras schon mal nicht zu erklären. Sie riskiert ihre bürgerliche Existenz, ihre Ehe, ihre wissenschaftliche und berufliche Zukunft mit dieser Affäre. Arie hat ihr weder Status noch Geld zu bieten; was er beruflich macht, bleibt ein Geheimnis, man munkelt, es seien Geheimdienstaufträge gewesen, die ihn nach Frankreich geführt haben. James Bond aber ist er beileibe keiner.
Egal: Liebe und Leidenschaft sind nicht immer rational. Schauen wir also auf die emotionale Ebene. Ja'ara hat ihr Päckchen zu tragen: Ein kleiner Bruder ist im Babyalter gestorben, die Ehe der Eltern verläuft spätestens von da an lieblos und von Verbitterung geprägt. Ihren Mann Joni hat sie nicht aus romantischer Liebe geheiratet, sondern in erster Linie, um von zu Hause wegzukommen. Überhaupt ist da nicht viel Liebe in ihr, auch nicht viel Sicherheit. Aber Arie ist der letzte, der Ja'aras Bedürfnisse nach Zuwendung, nach Halt, nach Bestätigung erfüllen könnte. Der ist nichts als ein alternder Hallodri, ein Schürzenjäger, der - wie Ja'ara selbst zum Schluss erkennt - ihre Abhängigkeit von ihm genießt und im Grunde braucht.
Bleibt die Erotik. Aber auch da sieht es mau aus: In den reichlich expliziten Sexszenen findet Ja'ara bei Arie keine Erfüllung, keine Ekstase. Ihr Verlangen, sich ganz Aries Willkür hinzugeben, ist wohl mehr der Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit geschuldet - als dominanter Herr im Bett taugt Arie jedenfalls auch nicht viel. Und wenn der Text beim Publikum prickelnde Erotik verbreiten soll, kann ich nur sagen, dass er bei mir keinerlei Erregung auslösen konnte.
Nein, ich finde keine Erklärung für all das, was in diesem Buch geschieht, ich kann es überhaupt nicht nachvollziehen und verstehen. Stattdessen sitze ich ratlos und schüttle den Kopf über die dusselige Kuh, die sich da sehenden Auges kaputtmacht.
Dabei ist die Geschichte sprachlich flüssig, um nicht zu sagen: über weite Strecken sogar stilistisch efreulich geschrieben. Das hat Hand und Fuß, und man erkennt, dass dieses Buch genau so gedacht und konzipiert war. Da ist keine Stümperin am Werk, die mal eben ein bisschen Schweinkram zusammenschreibt.
Vielleicht liegt des Rätsels Lösung in der jüdischen Semiotik. Die Szene im letzten Kapitel deutet darauf hin, in der Ja'ara gegenüber ihrem Professor die Frau des Baumeisters aus dieser Geschichte von der Zerstörung des Tempels so vehement von Schuld freispricht. Nun, da bin ich raus: Nichtbiblische jüdische Legenden sind mir gänzlich fremd, dieser Symbolik kann ich nicht folgen.
Was in meinem beschränkten abendländischen Blick bleibt, ist eine psychisch labile Frau, die unberechenbar ist und deren Entscheidungen mir verschlossen bleiben. Eine Amour Fou, die eben genau das ist: "fou" - närrisch, bescheuert, verrückt. Aber, sorry: Für das erratische Sexleben einer (pardon!) durchgeknallten Bekloppten ist mir meine Zeit und Energie zu schade, da les ich lieber was Bereichernderes.
- Sofie Cramer
SMS für dich
(331)Aktuelle Rezension von: michellemm6605Ich habe mir das Buch vor längerer Zeit gekauft, da es die Vorlage zum Film war - dafür muss ich aber leider sagen, hat mich das Buch überhaupt nicht gepackt. Die Geschichte an sich ist natürlich trotzdem wunderschön, aber es hat bis zu 65% ungefähr gedauert, bis da überhaupt irgendwas passiert ist, außerhalb des SMS-Verlaufs. Das Ende muss ich sagen, war super unbefriedigend und im Vergleich zum Film (falls ich mich noch recht erinnern kann) super langweilig. Klar ist es schön, dass sie sich vertragen haben, aber nach dem letzten Vorfall ist nichts passiert, was man als Aussprache werten könnte und das finde ich schade. Das ganze Buch über wurde sooo ausführlich über den SMS-Verlauf berichtet und dann kommt innerhalb von 20 Seiten ein Konflikt, ein „vertragen“ und das gesamte Ende… Das fand ich sehr schade, und ich muss zugeben, ich hätte generell mehr von diesem Buch erwartet.
Um aber mal die Kritik hinter mir zu lassen, ich fands es auf der anderen Seite auch gut, dass man sich in die Charaktere so gut eindecken konnte. Carla war für mich eine sehr starke Protagonistin, die auch eigentlich sehr gut mit ihren Problemen und ihrem Verlust umgehen konnte und auch Sven war innen drin eigentlich ein richtiger Golden Retriever, wie ich finde. Auch der Schreibstil hat mir an sich sehr gut gefallen, da man immer ein gutes Bild von Orten und Situationen vor Augen hatte.
- Doris Knecht
Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
(196)Aktuelle Rezension von: RamgardiaDie Ich-Erzählerin, eine verlassene Ehefrau in den Wechseljahren, muss sich von ihren Kindern und der großen Wohnung verabschieden und wir erleben ihre wechselnden Gefühle. Wenn die Kinder flügge werden, schwanken wir Mütter natürlich immer zwischen der Trennung und der damit verbundenen Freiheit. Die Frau ist genau wie Doris Knecht eine Schriftstellerin, die zwar mit ihren Büchern Geld verdient, aber sich die große Wohnung nicht mehr leisten kann. Deshalb widmet sie viele Seiten des Buches der Suche nach einer neuer Bleibe. Auch für den Sohn muss etwas gefunden werden. Zum Glück gibt es eine gute Freundin, die sie unterstützt. Auch familiär ist die Frau gut eingebunden, wenn sie auch schon früh das elterliche Haus in Vorarlberg, das sie einengte, verlassen hat.
Viele Gefühle, die diese Frau durchleb, sind mir vertraut, andere kann ich nur schwer nachvollziehen. Ich denke da wohl praktischer. Sie braucht lange, um sich einzugestehen, was für die die beste Lösung ist. So fand ich die Sache mit der Wohnung doch etwas nervig. Ein Psychologin, die sie regelmäßig besucht meint, dass die Leute nicht unbedingt von ihren Probleme lesen wollen, und an manchen Stelle habe ich mir gewünscht, sie hätte auf sie gehört. Das Buch liest sich leicht und es gibt durchaus auch humorvolle Stelle, in erster Linie, wenn es um ihre Zwillingsgeschwisterpaare geht.
- Sven Regener
Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt
(89)Aktuelle Rezension von: FortiDas Buch über Karl Schmidt, die tragische Nebenfigur in Sven Regeners "Herr Lehmann", die wohl am stärksten in Erinnerung blieb. Es sind fünf Jahre nach "Herr Lehmann", nach dem Mauerfall, nach Karls psychischem Zusammenbruch vergangen. Karl lebt jetzt in Hamburg und hat sich mit seinem Leben zwischen Drogen-WG und Hilfshausmeister- und Hilfstierpflegerjob in einem Kinderheim arrangiert. Aus dieser ruhigen Welt, in der es schon rebellisch ist heimlich einen Eisbecher zu essen und in der ihm niemand allzu viel zutraut, wird er von seinem alten Freunden aus Berliner Zeiten Ferdi und Raimund gerissen, die ihn als Fahrer für eine Tour durch Techno-Clubs engagieren. Karl wird (wieder) zu Charlie und zum Tourmanager. Ohne viel Aufhebens übernimmt die neue Rolle und managet souverän den Kindergarten bestehend aus neun DJs unter Drogeneinfluss und zwei Meerschweinchen, mit dem er quer durch Deutschland unterwegs ist. Statt dass jemand auf ihn, den Verrückten, den Ex-Multitoxer, aufpasst, passt er nun auf andere auf. Erinnerungen an alte Zeiten werden wach und im Hintergrund lauert immer die Angst vor einem Rückfall.
Die Handlung ist überschaubar und ohne große Überraschungen, stattdessen viele absurde Gespräche und Einblicke in Karl Schmidts Gedanken. Das könnte öde sein, ist bei Sven Regener sehr kurzweilig und oft sehr witzig. Dabei trifft er genau das richtige Maß und den richtigen Ton zwischen dem (Wahn-)Witz dieser Tour und den persönlichen, nicht ganz einfachen Befindlichkeiten von Karl Schmidt. - Emily Henry
Kein Sommer ohne dich
(299)Aktuelle Rezension von: ellisbucheckeIn Kein Sommer ohne dich geht es um Poppy und Alex, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten unddennoch seit Jahren eine besondere Freundschaft verbindet. Bis etwas passiert, das alles verändert. Jahre später verreisen sie noch einmal gemeinsam, und plötzlich steht all das im Raum, was nie ausgesprochen wurde.
Ich habe das Buch unglaublich gern gelesen. Der Schreibstil ist humorvoll, leicht und gleichzeitig emotional, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Immer wieder musste ich schmunzeln, und genauso oft hat mich die Geschichte berührt. Besonders Poppys Job fand ich unfassbar spannend.
Die Tension zwischen Poppy und Alex ist durchgehend spürbar. Dieses ständige Hin und Her, die unausgesprochenen Gefühle und verpassten Momente haben mich komplett abgeholt. Gleichzeitig wollte ich Poppy zwischendurch am liebsten schütteln, damit sie endlich erkennt, dass Alex der Eine ist.
Ich habe auch die Rückblicke ihrer gemeinsamen Sommer geliebt. Es war so schön zu sehen, wie sich ihre Beziehung entwickelt und wie beide über die Jahre hinweg wachsen und sich verändern.
Für mich war dieses Buch die perfekte Sommerlektüre und durfte mich passenderweise durch meinen Sommerurlaub begleiten! ☀️
- Jamie Craft
Die verbotene Seite
(38)Aktuelle Rezension von: sigridptDie siebzehnjährige Fabrikantentochter Marie Fuchs lebt wohl behütet im Frankfurt des Jahres 1887. Doch immer mehr beginnt sie die Welt um sich herum in Frage zu stellen. Besonders nachdem sie durch Zufall die Arbeiterin Carla kennen gelernt hat. Eine Geschichte, die in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche spielt. Marie macht viele neue Erfahrungen und ist am Ende mehr denn je entschlossen, ihren Beitrag zu leisten, um die Welt zu verbessern.
Eine bewegende Geschichte. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und natürlich auch sehr gern fünf Sterne.
- Sam Eastland
Roter Zar
(48)Aktuelle Rezension von: ArmilleeDie Geschichte beginnt 1929, 10 Jahre nach der Ermordung des letzten Zaren und seiner Frau, den 4 Töchtern, sowie Alexei, der einzige Sohn.
Pekkala war ein enger Vertrauter des Zaren und nach der Revolution wurde er als Zwangsarbeiter in die sibirische Taiga geschickt. Er ist dort Baummarkierer, lebt völlig isoliert in einer selbstgebauten Erdhöhle und eigentlich überlebt man in dieser unwirtlichen Gegend in diesem Beruf im Schnitt nur 6 Monate.
1929 ist Stalin an der Macht und die Gerüchte um den Goldschatz des Zaren sind nie verstummt.
Nun wird Pekkala begnadigt, aber nur, wenn er die Ermittlungen aufnimmt um den oder die Mörder der Zarenfamilie zu finden. Sollte ihm das gelingen, ist er frei.
Ich sage es mal vorweg : ich bin kein Fan von diesem ganzen Spionagekram, Gulag, Kommunisten, Kalter Krieg, Bomben + andere Waffen u.s.w.
Aber ich habe mich schon auf den ersten Seiten festgelesen. Obwohl hier alles versammelt ist, was ich nicht mag, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Und das sagt eine Menge über die Qualität aus. Mein erstes Buch von Sam Eastland.
Es gibt zwei Handlungsstränge :
-> die Gegenwart, wie Pekkala wieder gefunden und rekrutiert wird. Dann begleitet ihn der Leser auf der Suche nach der (gefährlichen) Wahrheit bis zur Aufklärung.
-> der Rückblick, der bei Pekkalas Elternhaus und seinem älteren Bruder beginnt. Seit Vater ist Bestatter und Pekkala hilft ihm schon in jungen Jahren bei der Arbeit, denn später soll er alles übernehmen. Aber das Schicksal will es anders. Pekkala bewirbt sich für die Ausbildung als Kadett, um dem Zaren zu dienen / beschützen. Ich werde als Leser zur ersten Begegnung mitgenommen, lerne viel über den Tagesablauf der Zarenfamilie, wie es politisch sehr gefährlich wurde, das Exil und schließlich der scheußliche Mord an sechs Menschen..
Und auch ich will wissen -> wer war das ?
Und ich will wissen, ob es den Zarenschatz wirklich gibt !
Die fiktive Geschichte wirkt absolut real. Ich war dabei.
Am Ende des Buches hat der Autor die wahre Abfolge aufgelistet.
Ein Buch ist auch dann für mich super, wenn mich das Gelesene so bewegt, dass ich weiter im Internet recherchiere und noch mehr wissen will. Ich schau mir die Bilder und Fotos an und habe das Gefühl : dieser Autor hat mich 100% abgeholt.
- Andreas Izquierdo
Revolution der Träume
(172)Aktuelle Rezension von: schmoekerstundeEine ebenso kraftvolle wie einfühlsame Fortsetzung des ersten Bandes – ein Roman, der zeigt, wie gefährlich es sein kann, zu träumen. Und wie lebensnotwendig.
In der Enge der 1950er-Jahre, in einem Nachkriegsstaat, der seine Bürger mit einem dichten Netz aus Überwachung, Ideologie und Verrat umgarnt, kämpfen drei junge Menschen um ihr innerstes Recht: das auf Freiheit.
Carl sucht sie im Denken – in Gedanken, die nicht kontrolliert, nicht gelenkt, nicht gleichgeschaltet sind. Doch Freiheit im Kopf bedeutet nicht automatisch Freiheit im Leben.
Artur, klug und ehrgeizig, wählt zunächst den Weg der Anpassung. Doch je weiter er geht, desto deutlicher spürt er die Brüche – und fragt sich, wie viel Selbstverrat ein Mensch ertragen kann.
Und Isi – rebellisch, unerschrocken, voller Feuer. Für sie ist Wahrheit kein Ideal, sondern eine Notwendigkeit. Sie stellt sich gegen das System – wissend, was es kosten kann.
Andreas Izquierdo erzählt diese Geschichte mit großer Empathie, feiner psychologischer Tiefe und einer Sprache, die nachhallt. Ein Roman über Freundschaft, Mut und den leisen Widerstand des Geistes gegen die Macht. - Lucas Fassnacht
Die Diplomatin
(72)Aktuelle Rezension von: _jamii_Die Diplomatin Conrada van Pauli hat eine große Aufgabe vor sich: Ein achtloser Online-Post hat dazu geführt, dass sich die Armen gegen die Reichen erheben. Es kommt zu Unruhen, Demonstrationen und Anschlägen auf der ganzen Welt. Straßenschlachten und Polizeigewalt bestimmen das tägliche Leben – alles dokumentiert unter dem Hashtag KillTheRich. Nun ist es an ihr – zusammen mit dem alternden indischen Starjournalist Bimal Kapoor – einen globalen Bürgerkrieg zu verhindern. Während Conrada nach Brasilien reist, um sich ein Bild der Lage zu machen, verfolgt Bimal eine Spur, die nach Frankreich führt. Doch beide haben sich mächtige Feinde gemacht, die vor nichts zurückschrecken werden ...
Der Schreibstil ist interessant, aber sehr beschreibend. Teilweise werden beispielsweise die politischen Institutionen oder Abläufe viel zu detailliert erklärt, ohne dass die Handlung wirklich vorwärts geht, das stört den Lesefluss immer wieder enorm.
Es wird vor allem aus den Perspektiven von Conrada und Bimal erzählt, die beiden bilden den roten Faden der Geschichte. Neben ihnen werden aber auch immer wieder kurze Ausschnitte aus den Perspektiven von beinahe unzähligen anderen Personen erzählt, manche sind tatsächlich für den Verlauf der Geschichte relevant, die meisten sind aber einfach nur unnötig und verwirren mehr als etwas anderes. Diese Zwischenspiele hätte man ersatzlos streichen können.
Weder Conrada noch Bimal konnten mich wirklich in ihren Bann ziehen, sie blieben die ganze Zeit über eher unnahbar.
Die Geschichte ist grundsätzlich gut, die Ausgangslage sehr spannend. Die Geschichte zog sich aber für mich sehr in die Länge, ohne dass die Geschichte wirklich merklich vorwärts geht. Die Unzufriedenheit des «einfachen Volkes» ist die ganze Zeit gut zu spüren, die Wut schaukelt sich auch im Verlauf der Zeit immer mehr auf.
Das Ende ist dann eher enttäuschend, wo während der Geschichte alles bis ins kleinste Detail erklärt wird, gibt es hier im für mich entscheidenden Moment einen Zeitsprung und nichts wird wirklich zu Ende aufgeklärt.
Zwar grundsätzlich gute und realitätsnahe Geschichte, hat aber Verbesserungspotenzial.
- Saller
Wenn Martha tanzt
(114)Aktuelle Rezension von: AbnunchaEin Debütroman von Tom Saller, eine Reise eines jungen Mannes nach New York um ein Büchlein seiner Urgroßmutter zu versteigern, ein unbekannter Käufer bietet viel Geld dafür, aber wofür fragt man sich, es gilt ein Geheimnis zu Lüften. Das Buch ist eine Hommage an das Bauhaus in Weimar an Studierende und Künstler bis hin zur Machtübernahme der Nationalsozialisten, was zur Schließung der Schule führt. Martha, die als Studierende an der Kunstschule ist reist bei der Schließung der Schule zurück zu ihren Eltern in ein Dorf in Pommern. Eine Familie die mit der Musik lebt und deren Haus immer lebendig ist. Im Gepäck nicht nur das besagte Notizbuch, hier ist noch nicht zu erahnen was für einen immensen Wert es einmal haben wird, sondern auch ein Kind. Wer ist dieses Kind und wie kann der Weg hier weitergehen, der Krieg droht. Ein sehr gelungener Debütroman, den ich gerne gelesen habe. Allerdings hat mir das Ende nicht gefallen, wirkt wie unüberlegt, leider. Vielen Dank.
- Nino Haratischwili
Das mangelnde Licht
(6)Aktuelle Rezension von: sursulapitschiDieses Buch nimmt einen wirklich mit.
In Brüssel findet eine große Retrospektive zum Werk einer Fotografin statt. Dina ist seit 20 Jahren tot, aber ihre Bilder sprechen noch heute von Georgien in allen Facetten, von Armut und Bürgerkrieg, aber auch von Jugend, und Freundschaft in den 90ern. Ihre drei besten Freundinnen treffen dort zum ersten Mal wieder zusammen, seit den Ereignissen damals. Sie sehen diese Bilder, erinnern sich.
Man taucht ein in eine Welt voller Korruption, Gewalt und Patriarchen. Blutige Bandenkriege sind Normalität, Schwestern und Töchter Handelsware, Drogen Währung oder Flucht. Dazu kommen noch echte militärische Konflikte durch russisch-abchasische Querelen. Die Geschichte Georgiens ist bewegt und leidvoll, trotzdem konnte man dort auch schöne Zeiten erleben.
Man lernt hier Georgier kennen als buntes Bild von Individualisten, kunstsinnige Eigenbrötler mit Familiensinn, originelle Menschen, die zusammenhalten.
In tausenderlei Rückblenden erfährt man vom Leben dieser vier Mädchen von damals bis heute, wirklich ausführlich, man braucht schon etwas Geduld. Nach und nach fügen sich die Episoden zu einem Bild zusammen, erzählen von Dramen und viel Liebe, von Grausamkeiten und Freundschaft. Es ist sehr nachvollziehbar, wunderschön erzählt, mit einem leichten Hang zum Blumigen und ganz viel Atmosphäre, man spürt den herrlichsten Sommer, auch wenn über allem tiefste Trauer liegt.
Das Hörbuch dauert 25 Std. und 33 Minuten und hat seine Tücken. Die Sprecherin liest sehr engagiert, ohne zu beachten, dass diese besonders schöne Sprache keine Deko braucht. Diese Sprache wirkt von selbst und wenn man sie deklamiert, wird Poesie zum Pathos. Es hilft, wenn man es etwas schneller abspielt, aber es ist auch ein bisschen schade um den schönen Text.
Dieses Buch ist aufwühlend und poetisch, keine leichte Kost, aber eine eindringliche Reise nach Georgien. Was genau da passiert ist, verstehe ich noch immer nicht ganz. Die Autorin setzt schon einiges an Wissen voraus, aber man bekommt einen plastischen Eindruck. Vielleicht ist es auch ein Buch zum zweimal lesen, vielleicht sogar ganz bestimmt.
- Lucy Foley
Die leuchtenden Tage am Bosporus
(26)Aktuelle Rezension von: Betsy"Die Minarette erheben sich in ihrer bleichen Eleganz bis in die Wolken hinauf. Die Stadt wirkt, als läge sie in einem Dornröschenschlaf."
Istanbul 1921: Auch nach Ende des Krieges ist die Stadt noch immer von den siegreichen Entente-Mächten besetzt und die Einwohner haben sich notgedrungen mehr oder weniger damit arrangiert. Mittendrin die junge Nur, die aus wohlbehüteten Verhältnissen entstammt und fließend Englisch spricht, nun aber ihr Dasein gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter, sowie einem von ihr aufgenommenen verwaisten Jungen, in einer kleinen Wohnung fristet und sich neben dem Unterrichten mit Näharbeiten durchschlägt. Ihr Mann ist im Krieg gefallen, ihr geliebter Bruder verschollen und ihr ehemaliges Zuhause nun ein britisches Militärkrankenhaus. Als der Junge jedoch schwer krank wird, springt sie über ihren Schatten und bringt ihn zum leitenden britischen Arzt George, der nun in ihrem alten Zuhause lebt. Obwohl Nur in ihm den Feind sieht und nur Verachtung für ihn und seinesgleichen übrig hat, entspinnen sich dennoch nach und nach zarte Bande zwischen ihnen, die eigentlich nicht sein dürfen.
"Die Finger, die die Zigarette halten, sind geschmeidig, elegant. Und doch, erinnert sie sich selbst, sind es die Hände von einem Menschen der nicht viel besser ist als ein Schlachter. Sie hat Augen, sie sieht die Uniform; er mag Arzt sein, aber er ist auch Soldat. Sein Titel ist nur ein eleganter Euphemismus für "Mörder"."
Die Autorin versteht es mit Worten umzugehen und den Leser von Anfang an in ihren Bann zu ziehen, so poetisch, stimmungsvoll und berührend ist diese Geschichte, die trotz der ernsten Themen, und einer damit alles andere als leichten Handlung, nichtsdestotrotz einfach wunderschön ist. Dabei fließt die Geschichte recht ruhig dahin, schafft es aber dennoch den Leser zu fesseln, weil man bis zuletzt gespannt ist wie sie enden wird und dabei immer wieder gekonnt mit den Emotionen des Lesers gespielt wird. Dies gelingt nicht nur durch die melancholisch märchenhafte Atmosphäre, sondern vor allem auch, weil die Personen unglaublich vielschichtig dargestellt werden und auf sehr authentische Weise aufgezeigt wird, wie tragisch Krieg für alle Beteiligten ist und die Grenze zwischen Opfer und Täter oftmals nur hauchdünn ist, je nachdem wie die Umstände sind.
"Krieg bedeutet, schreckliche Dinge für einen guten, ja sogar edlen Zweck zu tun. Jedes Kind weiß das. Jede Armee hat Verräter getötet, das ist einfach ein weiteres tragisches, aber notwendiges Nebenprodukt des Krieges. Es liegt nichts Würdevolles darin, sich selbst zu quälen."
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auch Zeitebenen erzählt. Anfänglich muss man sich ein wenig auf die schnellen Wechsel einstellen, vor allem da alles noch keinen echten Zusammenhang ergibt. Dies legt sich aber sehr rasch und gerade durch die unterschiedlichen Perspektivwechsel, die übrigens schön gekennzeichnet sind, bekommt man wunderbare Einblicke in die jeweiligen Personen und ist oftmals selbst hin- und hergerissen, da alle hier ihre ganz eigene Geschichte haben die sie ausmacht.
Da wäre zum einen die für ihre Zeit sehr gebildete und selbstständige "Nur", eine Türkin, die einige Verluste hinnehmen musste, miterlebt hat wie ihr Zuhause von ihren Feinden okkupiert wurde und sich dennoch nicht unterkriegen lässt. "George", ein britischer Militärarzt, der offen für die Lebensweise des Orients ist und dessen Schönheit erkennt, aber auch schlimme Dinge im Krieg gesehen hat und offenbar ein Geheimnis hütet. Der "Junge", der von Nur aufgenommen wurde nachdem sie ihn in den zerbombten Trümmern seines Hauses gefunden hat und der anfänglich durchaus ein wenig für Fragezeichen beim Leser sorgt, weil man erst nach und nach mehr zu seinem Hintergrund erfährt und was genau es mit ihm auf sich hat. Der "Gefangene", der an der Front im 1. WK kämpft, beim Massenmord an den Armeniern dabei ist und von dem am Ende nichts mehr an den einst so sanften und lebensfrohen Mann erinnert, der er einmal war, sowie der "Reisende", der viele Jahrzehnte später mit einem Koffer voller wertvoller Erinnerungsstücke eine lange Reise antritt und quasi die Rahmenhandlung zu der ganzen Geschichte bildet. Der Inhalt des Koffer verknüpft dabei auf wunderschöne Art und Weise die Gegenwart mit der Vergangenheit, denn jeder einzelne Gegenstand daraus hat seinen ganz besonderen Platz in dieser Geschichte. Durchaus für eine gewisse Spannung sorgt dann auch die Identität des Reisenden, da man erst zuletzt wirklich sicher sein kann, um wen es sich dabei handelt, denn die Autorin versteht es durchaus geschickt den Leser immer mal wieder ein wenig unsicher werden zu lassen, ob er wirklich derjenige ist, für den man ihn hält.
Der Leser taucht hier ein in das bunte und geschäftige Treiben auf dem Basar, bekommt die Schönheit am Bosporus gezeigt und kann die Gerüche der orientalischen Gewürze und des Kaffees fast schon selbst wahrnehmen. Zugleich zeigen sich aber auch die immer noch vorhandenen Spuren des Krieges, wie zerstörte Wohnviertel, Menschen die aus ihren Häusern vertrieben wurden, sowie das Misstrauen und der Unmut gegen die Besatzer. Vor allem über den Armenienkonflikt erfährt man einiges, der hier wie eine verhängnisvolle Wolke immer wieder über dem Ganzen zu schweben scheint und dessen Schilderungen einem einfach nur unter die Haut gehen. Besonders traurig ist dabei allerdings die Tatsache, dass dieser an den Armeniern verübte Genozid von der Türkei bis heute nicht anerkannt wird.
"Die Wirren des Krieges", sagt er. "Ich glaube, die Menschen denken in dieser Situation, dass sie Teil von etwas Größerem sind als sie selbst. Doch häufig sind sie zu weniger geworden. Weniger menschlich. Sie werden zu Teilen einer Maschinerie, und eine Maschinerie besitzt keine Moral."
Und inmitten all dieser Dinge entspinnt sich eine wunderschöne Liebesgeschichte, die so ganz anders ist als man es von anderen Geschichten her gewöhnt ist und gerade deshalb ihren ganz eigenen Reiz hat. Einerseits sehr subtil und regelrecht unschuldig, aber zugleich von einer Intensität die man selten so spürt wie hier, wo selbst eine kleine Berührung etwas Bedeutsames ist.
Mit dem Ende zeigt die Autorin hier einmal mehr, dass sie ihr Handwerk versteht, denn erst auf der letzten Seite fügt sich jedes noch so kleine vorherige Detail zu einer wunderschönen Gesamtkomposition zusammen und präsentiert dem Leser einen emotionalen, aber auch unglaublich stimmungsvollen und passenden Abschluss zu dieser Geschichte. Damit wirkt die Geschichte nicht nur noch einige Zeit nach, sondern sorgt auch für feuchte Augen bei Leser.
Schön wäre allerdings noch ein kleines Glossar mit all den türkischen Begriffen gewesen, die hier vorkommen, selbst wenn sich ein Großteil beim Weiterlesen von selbst erklärt, sowie ein paar historische Eckdaten, die das Ganze noch mal schön abgerundet hätten, auch wenn das nichts daran ändert, dass die Geschichte für sich genommen einfach großartig ist.
Fazit: Eine wunderschöne, aber auch sehr berührende und melancholisch anmutende Geschichte, die mit ihrer wortgewaltigen und bildhaften Sprache, sowie ihrer ruhigen und gefühlvollen Art in der sie erzählt wird, verzaubert. Einmal mehr zeigen sich hier die verschiedensten Gesichter des Krieges und man wird gefangen genommen von der inneren Zerrissenheit der jeweiligen Protagonisten, die sehr authentisch dargestellt werden. Ein wunderbares Buch, das sowohl optisch als auch vom Inhalt her zu begeistern vermag und großes Gefühlskino bietet, ohne jedoch kitschig zu sein. Für mich eines dieser Bücher, das mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.
- Norris von Schirach
Blasse Helden
(56)Aktuelle Rezension von: FKlmpDer Roman "Blasse Helden" liefert spannende und interessante Einblicke in eine turbulente Zeit der russischen Geschichte sowie die Gesellschaft. Teilweise fällt es schwer dem Handlungsstrang zu folgen, da aus meiner Sicht ein klarer, roter Faden fehlt und die vielen Namen teilweise nicht sehr eingängig sind. Insgesamt dennoch ein gelungenes und empfehlenswertes Buch.
- E. M. Forster
A Room with a View
(27)Aktuelle Rezension von: SakukoDie junge Lucy macht mit ihrer Cousine Charlotte als Anstandsdame eine Reise nach Italien. Sie ist von ihrer unzufriedenen, manipulativen Cousine eingeengt, schließt aber eine Freundschaft mit Mr. Emmerson, ein freigeistiger Mensch mit wenig Takt aber voller Freundlichkeit, der wegen seiner rauen, direkten Art von der restlichen Gesellschaft in der Pension abgelehnt werden.
Lucy versucht für sich herauszufinden was richtig und gut ist, und steht dabei zwischen der altmodischen, korrekten Art ihrer Cousine, Emmersons direkter Freundlichkeit und der modernen, aber diplomatischen Art des Pastors Beebe.
Nach der Reise blendet das Buch um auf Lucys Heimat Windy Corner, wo Lucy nun mit dem weltgewandten Cecil verlobt ist, den sie in Rom getroffen hatte. Aber auch die Emmersons ziehen durch Cecils zutun dorthin.
Das Buch beginnt interessant. Die Situation in der italienischen Pension mit ihren unterschiedlichen Charakteren wird prägnant und witzig erzählt und auch über den Tourismus und seine verschiedenen Ausprägungen wird bissig gesprochen. Die Autorin Ms Lavish, die sich möglichst exzentrisch und anders geben möchte, die steifen, altmodischen, gutmütigen Misses Alan, der ehrliche aber depressive George und sein Vater der freidenkende Mr. Emmerson, der snobische Kaplan Mr Eager zeigen verschiedene Archetypen der britischen Gesellschaft auf, die sich gerade im Umschwung befindet. Die Dialoge sind spannend und es passieren einige unvorhergesehene Dinge. Auch die Analyse bzw. Kritik der damaligen Gesellschaft kommt hier gut rüber.
Den zweiten Teil in England fand ich leider etwas wirr. Wir lerne ein paar neue Charaktere kennen, Lucys Bruder, der kindliche Freddy, ihre Mutter die liebenswerte, bodenständige Mrs Honeychurch, der wichtigtuerische, herablassende Cecil und für sich genommen sind diese auch alle interessant genug.
Leider werden die Dialoge immer schwerer zu verstehen, oft ist einfach nicht klar, wer wann redet. Die Beschreibungen werden sehr ausschweifend, zeitweise fast poetisch, und manchmal werden Gegenstände personifiziert und kommen zu Wort. Es wirkt seltsam.
Auch wird der Plot verworrener, die Motivation der Charaktere lässt sich oft schwer verstehen.
Lucy wird selbstbewusster, eigenständiger, aber auch teilweise eher melodramatisch und übertrieben. Während ich ihre Motivation durchaus verstanden habe fand ich ihre Handlungen oft nicht unbedingt durchdacht oder sinnvoll.
Ich fand auch im zweiten Teil ging die Gesellschaftskritik wieder etwas unter, oder vielleicht wurde sie einfach von den schwer verständlichen Dialogen und der ausschweifenden Sprache überlagert.
Ich bin froh das Buch gelesen zu haben, es hat viele sympathische Momente und gute Charaktere, ich wünschte mir nur der zweite Teil wäre klarer und verständlicher gewesen. - Brigitte Riebe
Die Schwestern vom Ku'damm: Ein neuer Morgen
(84)Aktuelle Rezension von: Tine13Fashion bleibt auf der Höhe der Zeit, im „Kaufhaus Thalheim“, zaubert Chefdesignerin Miriam Feldmann immer wieder raffinierte Schnitte aus dem Zauberkoffer ihrer Mutter. Dazu kommt eine schicksalhafte Begegnung, die ihre Vergangenheit heraufbeschwört und ein unerwartetstes Ereignis, das ihr Leben auf den Kopf stellen wird!
Es bleibt immer spannend mit den 4 Schwestern! Der Band „Ein neuer Morgen“, widmet sich der Außenseiterin Miriam Sternberg, dem unehrlichen Kind von Friedrich Thalheim. Autorin Brigitte Riebe lässt die Kriegsjahre an Hand von Miriams Erinnerungen wieder aufleben und erzählt von ihren Erlebnissen als U-Boot in Berlin. Aber auch die Zeit ab 1966 wird intensiv betrachtet, wie der Aufstieg Willy Brands zum Bundeskanzler, Flower-Power, RAF und andere damals angesagten Themen. Der mitreißende Schreibstil sorgt für unterhaltsame und aufregende Stunden, es mach Freude wieder mit der Familie Thalheim durch die Zeit zu reisen:). Das Cover ergänzt die Serie, im Modestil von Twiggie mit den Swinging Sixties, ist es auch wegweisend zum Inhalt!
Mein Fazit: „Die Schwestern vom Ku’damm“ ist eine wunderbare und empfehlenswerte Serie der Bestsellerautorin, deren Lektüre mir viel Freude bereitet hat. Miriams Schicksal und Erlebnisse in diesem Teil fand ich besonders bewegend und aufregend. Großartig!
- Claudia Rusch
Meine freie deutsche Jugend
(39)Aktuelle Rezension von: Holden"für Irmgard, ganz herzlich, Weimar 16.10.03" lautet die Widmung, dem bleibt eigentlich nichts hinzuzufügen, nur das hier die Lebensgeschichte eines Vorbilds an Zivilcourage anschaulich präsentiert wird. Wäre man selbst so tapfer gewesen, man weiß es nicht, aber durch die Erziehung zum Querdenken durch ihre Mutter und deren Freunde wurden die Energien der kleinen Claudia in die richtigen Bahnen gelenkt. Das DDR-Unrecht wird drastisch angeklagt, so daß kein Platz mehr für Ostalgie und Verklärung bleibt, erst mit der "Wende" wurden die Oppostitionellen zu "echten" DDR-Bürgern, aber aufhalten ließ sich der hier schreibende Wirbelwind nicht. Auch ein Vorbild an Lebensenergie und der Beweis dafür, was man als Individuum erleben kann.
- Gerhard Schweizer
Türkei verstehen
(5)Aktuelle Rezension von: JazzH"Türkei verstehen" ist nach "Die Türkei" aus dem Jahr 2008 Schweizers zweites Buch über die Türkei. Daher gibt es wirklich sehr viele Parallelen. Teilweise liest sich das Buch wie eine Wiederholung. Schade. Wenn er bei diesem Buch sich mehr ausschließlich auf die neuen Erschließungen in den Jahren zwischen 2008, dem Erscheinen seines ersten Buchs über die Türkei bis 2016 fokussiert hätte, wäre das sicherlich besser gewesen - für den Leser, der sich bei dem zweiten Buch ein wenig irritiert fühlt, da er fast alles schon aus dem ersten Buch kennt, als auch für die Umwelt, da umsonst Bäume gefällt werden mussten.
Sollten Sie dagegen das erste Buch nicht kennen, so empfehle ich ausschließlich dieses Buch zu kaufen.
- Åsa Hellberg
Willkommen im Flanagans (Das Hotel unserer Träume 1)
(76)Aktuelle Rezension von: luckynelliDas Buch entführt uns in die 60er Jahre in ein Hotel in London. Immer wieder führt uns die Autorin in die Vergangenheit von Linda Lansing, der neuen Hotelbesitzerin. Durch die Rückblende werden die Hintergründe der Geschichte verständlich. Die Geschichte ist spannend erzählt. Eine junge Frau, die sich gegen alle Widrigkeiten zur Wehr setzt und das Flanagans erfolgreich durch die Jahre bringt. Der Auftakt der Trilogie ist gelungen - ein flüssiger Schreibstil, eine interessante Geschichte, eine kämpferische Protagonistin, eine einflussreiche Freundin und die interessanten Mitarbeitenden in ihrem Hotel. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Büchern auch die Geschichten der Mitarbeitenden erzählt wird. Ein sehr lesenswertes Buch.
- Petra Grill
Ein Hauch von Amerika
(34)Aktuelle Rezension von: TauglanzDie Geschichte in dem Buch verläuft in zwei Zeitebenen. Mal von 1933 bis 1952. Und dann von 1951 bis 1952. Wobei dann am Schluss die zwei Zeitebenen zu einer Zeitebene werden.
Am Ende des Buches gibt es noch Erklärungen und eine Zeittafel.
Amy ist mit ihren Eltern über Paris nach Amerika geflüchtet. Dort hat sie einen amerikanischen Soldaten geheiratet. Dieser wird nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland versetzt.
Schweren Herzens kehrt sie mit Jim, ihren Mann nach Deutschland zurück. Eigentlich wollte sie nie mehr dorthin zurück.
Zurück in Kaltenberg lernt sie Marie kennen. Marie führt ihr den Haushalt und diese interessiert sich sehr für die Malerei.
Mit der Zeit werden die beiden Frauen zu Freundinnen. Und Amy beginnt wieder zu träumen.
Das Buch ist um einiges besser als die Verfilmung. Es war wirklich spannend zu lesen und ich konnte es kaum aus der Hand legen.
- Ilse Tielsch
Das letzte Jahr
(15)Aktuelle Rezension von: BirPet“Das letzte Jahr” von Ilse Tielsch erschien im Verlag Edition Atelier mit Erstveröffentlichung im Jahr 2006.
...ich spüre, daß etwas vorgeht, was nicht normal ist.”
Mähren, im Frühjahr 1938, im letzten Jahr vor Ausbruch des ersten Weltkrieges.
Elfi ist neun Jahre alt, wohnt dort mit ihren Eltern und glaubt, dass ihr dort nie etwas passieren könne. Sie ist stolze Besitzerin eines Fahrrades und flitzt damit durch die hügelige Landschaft ihrer Heimat, trifft ihre Freundinnen, schwimmt und liest gerne. Die Erwachsenen werden alle komisch, Elfi schnappt neue Worte auf, wie “Erbmasse” und “arisch”, doch niemand will ihr erklären, was sie bedeuten, auch das Hausmädchen, die Marschenka, hilft ihr da nicht weiter. Geschäfte schließen, weil ihre Inhaber Juden sind, auch ihre Freundin Lilly zieht plötzlich mit ihrer Familie weg, verschwindet, wie andere Familien. Elfi versteht überhaupt nicht, was da los ist und was das alles soll, wieso es plötzlich ein Unterschied sein soll, ob der Mensch ein Christ oder Jude ist, schließlich war er das ja schon immer so und nicht erst jetzt.
“Wenn die Erwachsenen einem aber etwas nicht sagen wollen,kann man als Kind nichts machen.”
Elfi ist die Protagonistin dieses Romans und erzählt Leser*innen aus ihrer Perspektive. Sie ist begeisterte Radfahrerin, lebt behütet, fühlt sich sicher in ihrer kleinen Stadt und möchte, wenn sie groß ist nach Amerika zu den Indianern oder zum Zirkus. Sie ist ein sehr aufmerksames Kind, aufgeweckt, raffiniert, neugierig, fröhlich, gerecht, sensibel und empathisch. Auf ihre kindliche, naive und liebenswerte Art berichtet sie von den Geschehnissen, die sie mehr und mehr verunsichern. denn sie steht alleine mit all dem da, niemand vermag ihr ihre Fragen beantworten zu wollen. So versucht sie sich die Dinge selber zu erklären, was in ihrem Alter unmöglich ist und verzweifelt etwas, fühlt sich einsam, ausgeschlossen und hat Angst. Elfi’s Emotionen sind sehr greifbar, ich konnte sie nachempfinden.
Die Personen sind alle gut, wenn natürlich hier aus kindlicher Sicht beschrieben, nicht in der Tiefe eines erwachsenen Erzählers. Gerade dies ist der Reiz an diesem Roman von Ilse Tielsch, eben genau diese kindliche, schnörkellose und authentische Erzählung über diese Zeit. Als Leser*in weiß man natürlich, was da alles auf Elfi zurollt, welche Bedeutung all die Veränderungen haben. Besonders interessant fand ich, dass die Autorin in Mähren aufwuchs und 1929 geboren wurde, somit 1938 neun Jahre alt war, wie Elfi.
“Es ist jetzt alles anders, als es früher gewesen ist, und ich fühle mich gar nicht wohl dabei, weil es Geheimnisse gibt, die mir niemand erklären will.”
Elfi hat mich berührt, gerne hätte ich sie manches Mal getröstet oder einfach in den Arm genommen. Sie hat mir mit ihrer kindlichen, unbefangen Art aber auch wieder verdeutlicht, wie wichtig es ist im Dialog mit unseren Kindern zu sein, besonders in schweren Zeiten, ihnen Halt, Zuversicht und Sicherheit zu schenken. Sie nicht alleine zu lassen, so schwer es auch manchmal ist, wenn man selber gerade am Fliegenfänger hängt.
Die ganze Zeit nimmt Elfi Leser*innen mit in ihre Welt, beschreibt uns Situationen, ihr Leben, die zwischenmenschlichen Beziehungen, ihre Abenteuer und Erlebnisse sehr präzise. Ich habe den Roman gerne gelesen, anfangs wirkt alles noch sehr unbedarft, aber mit einem Mal nimmt er an Dichte sehr zu, die Atmosphäre ändert sich und Fahrt kommt auf.
Ein Gesellschaftsroman, der ehrlich ist, kritisch und mit einer ganz besonders mutigen und tapferen kleinen Heldin. Und auch wenn Elfi eine fiktive Figur ist, so waren ihre Erlebnisse wohl doch so oder so ähnlich real im Leben der Autorin. Beeindruckende 146 Seite.























