Bücher mit dem Tag "umwelt"
423 Bücher
- Frank Schätzing
Der Schwarm
(5.460)Aktuelle Rezension von: Dennis_MoellerBei "Der Schwarm" weiß ich gar nicht wie und wo ich anfangen soll. Vermutlich muss ich ein wenig ausholen.
1. Eigentlich war ich schon immer eine Leseratte. Als Kind "Das lustige Taschenbuch", "Asterix & Obelix", die Reihe um "Bert's gesammelte Katastrophen", "Komissar Kugelblitz" und viele andere "Klassiker". Nach Jahren der Pause, Fußball und Freunde waren wichtiger, fing ich während meines Studiums, vom Kommilitonen angetrieben, wieder mit (skandinavischen) Thrillern. Da ich über 18 Monate täglich bis zu zwei Stunden in Zügen verbrachte, kam ich hinterher auf eine gute Lesequote. Als ich vom Studium in den Beruf wechselte, verlor ich das Lesen wieder aus den Augen.
2. Als ich bei eben diesem Kommilitonen und seiner Freundin Zuhause war, unterhielten wir uns über Bücher. Natürlich musste ich Farbe bekennen und berichtete, dass ich mal wieder lange nichts gelesen hätte. Da sagte seine Freundin zu mir ich solle doch bitte bitte "Der Schwarm" lesen. Es sei soooo gut und sie habe es kaum aus der Hand legen können. Zunächst skeptisch aber schließlich vertrauensvoll in diesen Tipp, habe ich das Buch bestellt, um mir die knapp 1000 Seiten an einem ruhigen Sonntag reinzuziehen ;-)
3. Nicht ganz Sonntag, aber der zweiwöchige Urlaub in der Dominikanischen Republik könnte doch ein angemessener Anlass sein. Ja, was war? Überspritzt gesagt lag ich bei 30 Grad zwei Tage am Pool und habe dieses Buch regelrecht verschlungen. Die Seiten sind noch heute vom Wasser leicht angewellt. Der Urlaub war 2021 und seit ich "Der Schwarm" gelesen habe, bin ich wieder Buch addicted. Nicht direkt wie heute 40+ im Jahr, aber der Gedanke, was es für starke Schriftsteller und Geschichten gibt, lässt mich jedes Mal neu in die Buchhandlung gehen.
Langes Intro, nun zum Buch. Ich weiß noch genau, wie ich nach den ersten 200-300 Seiten gedacht habe, wie jemand eine derartige Recherchearbeit in Mikro- und Meeresbiologie leisten kann. Wahnsinn Frank Schätzing. Dazu spannend, spannend, spannend ohne plump zu sein, wissenschaftlich korrekt und nachvollziehbare Personen und Personenhandlungen (hat man auch nicht immer) und und und. Die Liste der positiven Eigenschaften ist fast endlos.
Passend zur Story gab es zu der Zeit vermehrte Orca- und Walangriffe auf Schiffe sowie Segelboote. Es war also 2021 auch noch brandaktuell - ja, ist es heute auch noch, aber diese Ereignisse machten mein Leseerlebnis nochmal extra besonders. So wie ich hier gerade schreibe, könnte ich es mal wieder zur Hand nehmen. So wie ich auf der Sonnenliege lag, habe ich mich auf eine tolle Verfilmung gefreut á la "The Abyss". Bekommen hat das Buch eine viertklassige ZDF-Serie. Schade.
- Maja Lunde
Die Geschichte der Bienen
(1.094)Aktuelle Rezension von: SeitenwindDie Aneinanderreihung der drei einzelnen Handelsstränge ist anfangs sehr mau. Manch einer ist dramatischer und relevanter als der andere. Hier und da beschäftigte ich mich eher damit, einen Favoriten zu krönen als mich den Inhalten zu widmen - weil sie einfach zu schnell auserzählt sind.
Die Stärken sind gewisse Dialoge und Handlungsorte, die einen mitnehmen und die man aus dem eigenen Leben wiedererkennt (z.B. Vater-Sohn-Verhältnis).
Insgesamt wird leider zu sehr im Detail dramatisiert. Das Buch müsste überarbeitet und gerafft werden, dann wäre es auch eine sehr solide Filmvorlage.
- Sebastian Fitzek
Noah
(2.132)Aktuelle Rezension von: EllenKnorr"Der Mensch ist wie ein Parasit, der den Wirt so lange aussaugt, bis er gemeinsam mit ihm stirbt. Er sorgt ganz alleine für seinen Untergang."
Ich hatte anfangs gar nicht erwartet, dass das Buch doch so ernst ist und von einem so realistischem Thema handelt. Die Story ist durchgehend spannend und regt doch zum Nachdenken an. Wieder mal ein sehr guter Fitzek. Klare Leseempfehlung.
- T. C. Boyle
Die Terranauten
(351)Aktuelle Rezension von: wortknaeuelEine kleine Gruppe junger Wissenschaftler wetteifert Mitte der 90er Jahre um einen von acht begehrten Plätzen in einem ökologischen Experiment. Für zwei Jahre sollen sie unter einer riesigen Glaskuppel leben und sich völlig autark in den verschiedenen künstlich geschaffenen Biotopen – vom kleinen Regenwald bis zum Mini-Ozean – selbst versorgen. Nichts geht rein, nichts darf raus! Die Geschichte beginnt mit der Bekanntgabe der Auserwählten, vier Männer und vier Frauen, die sich jeweils auf einem Spezialgebiet gegen ihre Mitbewerber durchgesetzt haben und nun in die "Ecosphere 2" einziehen dürfen. Zurück bleiben die Verlierer mit der Hoffnung, in zwei Jahren zum Nachfolger-Team aufrücken zu können. Draußen bleiben natürlich auch Freunde, Liebhaber und die Planer, Manager und Sponsoren des Experiments. In den zwei Jahren erleben wir aus Sicht von Dawn und Ramsay innerhalb, sowie Linda außerhalb der Kuppel, wie sich aus dem ökologischen Experiment ein Beziehungskuddelmuddel entwickelt.
T.C. Boyle kann gut erzählen, da ist dieser Roman keine Ausnahme. Er beruht übrigens auf einer wahren Begebenheit, denn so ein Experiment hat es ungefähr zu jender Zeit tatsächlich gegeben. Allerdings habe ich mich von Klappentext und Buchcover täuschen lassen. Zu dem Zeitpunkt, als ich mir das Ebook kaufte, hatte ich noch nie etwas von Boyle gelesen und einen spannenden dystopischen (oder utopischen) SciFi-Romans erwartet. Stattdessen dreht sich alles um Neid, Eitelkeit und Eifersüchteleien zwischen den Wissenschaftlern, um Wer-mit-wem sowie am Rande auch um den Einfluss von Geld und Medien. Wenn man Boyle kennt, hätte man sich denken können, dass es vorwiegend um die sozialen, zwischenmenschlichen Aspekte in diesem Szenario gehen wird.
Die Handlung ist zwar durchaus unterhaltsam und auf satirische Weise komisch, aber insgesamt wenig spannend. Auch die Charaktere empfand ich als flach und uninteressant. Eher ein schwacher Boyle.
- Dan Brown
Meteor
(1.822)Aktuelle Rezension von: KarandiAuch wenn das Buch schon älter ist, finde ich die Botschafters dahinter zeitlos. Ein Meteorit wird gefunden und ihn ihm ist versteinertes Leben entdeckt worden, was die ganze Welt in ein Staunen versetzt und für immer verändert. Doch am Ende kommt eine Verschwörung ans Tageslicht, die seinesgleichen sucht. Es ist zwar nur ein Roman aber nicht jede fiktive Geschichte beruht auf Fantasievolle Geisteskraft des Autoren. In manchen steckt auch ein Fünkchen Wahrheit und ich denke, man wäre gut darin beraten nicht alles, was Institutionen die durch Fördergelder finanziert werden an Ergebnisse und Neuerungen hervorbringen, sofort Glauben zu schenken. Denn werden keine Ergebnisse geliefert, werden Gelder gestrichen. Von daher sollte man vielleicht nicht immer sofort alles glauben, was einem aufgetischt wird. Ich weiß nicht, ob das die Botschaft war, welche das Buch verbreiten wollte aber es ist die, die ich daraus gezogen habe und ich finde sie großartig. Abgesehen davon ist das Buch packend geschrieben und zieht einen wirklich in seinem Bann.
- Alan Weisman
Die Welt ohne uns
(193)Aktuelle Rezension von: Lilith_McCoyWenn wir morgen einfach weg wären 🌍
📖 Titel: Die Welt ohne uns – Reise über eine unbevölkerte Erde
🖋️ Autor: Alan Weisman
📚 Gelesen als: Buch
⭐⭐⭐⭐½ B+Worum geht es?
Was geschähe mit der Erde, wenn die Menschheit plötzlich verschwände? Alan Weisman macht daraus ein riesiges, wissenschaftlich fundiertes Gedankenexperiment. Er untersucht mit Fachleuten aus Biologie, Geologie, Ingenieurwesen und anderen Disziplinen, wie schnell unsere Städte zerfallen, U-Bahnen volllaufen, Pflanzen Straßen zurückerobern und Tiere Lebensräume wiederbesiedeln würden. Gleichzeitig fragt er, welche Hinterlassenschaften uns besonders lange überdauern würden, darunter Plastik und radioaktive Stoffe.
Meine Meinung
Faszinierend fand ich vor allem den Perspektivwechsel: Hier wird nicht gefragt, wie lange wir die Erde noch retten können, sondern was die Erde macht, sobald sie uns los ist. Und die Antwort ist gleichermaßen beruhigend und ernüchternd: Vieles, was wir für dauerhaft halten, wäre erstaunlich vergänglich. Anderes würden wir dem Planeten dagegen noch sehr lange hinterlassen.
Weisman arbeitet dabei nicht einfach mit spektakulären Zukunftsbildern. Er betrachtet auch Orte, an denen menschlicher Einfluss bereits stark reduziert ist, etwa die koreanische DMZ oder alte Waldgebiete.
Manche Passagen sind sehr detailreich und bremsen den Lesefluss etwas. Trotzdem bleibt das Gedankenexperiment stark, weil es unseren Einfluss auf die Erde sichtbar macht, indem es uns gedanklich einfach daraus entfernt.
Fazit
Ein kluges, hervorragend recherchiertes Sachbuch, das zeigt: Die Erde braucht uns wesentlich weniger, als wir sie brauchen.
⭐⭐⭐⭐½ B+
- Andreas Eschbach
Ausgebrannt
(404)Aktuelle Rezension von: blackburniousAusgebrannt ist ein fesselnder und zugleich beklemmender Thriller, der eine zentrale Frage stellt: Wie geht unsere Welt weiter, wenn das Öl – unser wichtigster Rohstoff – zur Neige geht? Andreas Eschbach zeichnet ein erschreckend realistisches Szenario, das gerade in der heutigen Zeit aktueller wirkt denn je.
Mit viel Detailreichtum und einem starken Gespür für gesellschaftliche Zusammenhänge zeigt der Autor, wie abhängig unser Alltag vom Öl ist – und wie schnell ein globales System ins Wanken geraten kann. Die Handlung ist spannend, stellenweise hochdramatisch und regt immer wieder zum Nachdenken an.
Einziger kleiner Kritikpunkt: An manchen Stellen wirken die technischen Erläuterungen etwas umfangreich. Dennoch bleibt die Geschichte durchweg packend und atmosphärisch dicht erzählt.
Fazit: Ein intensiver, beunruhigender Zukunftsthriller, der lange nachhallt und aktueller kaum sein könnte. 4 von 5 Sternen.
- Marc Elsberg
EDEN - Wenn das Sterben beginnt
(102)Aktuelle Rezension von: MichisBuecherDingsBumsDer neuste Polit-/Wirtschaftsthriller bietet wieder jede Menge Lesestoff zum Nachdenken und Diskutieren. Anknüpfend an die vorherigen Thriller von Marc Elsberg besticht auch das aktuelle Werk durch intensive und tiefgründige Recherche. Marc Elsberg versteht es immer wieder eine spannende, fiktive Handlung mit realer Sichtweise auf das politisch- und klimatische Zeitgeschehen unterhaltsam und informativ zu verstricken.
Leider wird es für mich persönlich ein wenig to much, als die KI ins Spiel kommt und fortwährend diesen Thriller prägt. Die IT spezifischen Begriffe sind sicherlich korrekt und notwendig, überfordern mich als normaler IT.User doch ein wenig und lassen mich doch das ein oder andere mal stirnrunzelnd zurück. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, wie realistisch einige Geschehnisse in Echtzeit, manchmal ein wenig abgewandelt, aber in der Sache absolut deckend,bereits auf dem Planeten Erde und in unserer unmittelbaren Umgebung, unseren Alltag bestimmen. Dies macht aus einem echten Lesevergnügen auch wieder einen Weckruf für uns ALLE.
- T. C. Boyle
Blue Skies
(249)Aktuelle Rezension von: eastEin Sommer wird heißer als der andere, das Klima frisst die Ernten auf und die Insekten verschwinden, während die Familie Cullen versucht, ihr Leben weiterzuleben. Die Eltern schlagen sich mit kalifornischen Waldbränden herum, ihr Sohn jagt den letzten Insekten hinterher und ihre Tochter lebt ein mehr oder minder traumhaftes Leben an der Küste Floridas. Sie versuchen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, während die Welt jeden Tag mehr auf eine Katastrophe zu schlittert…
Mit seinem zynischen Nahe Zukunft Klimaroman „Blue Skies“ nimmt uns T.C. Boyle mit in eine Welt, die unserer mittlerweile gar nicht mehr so unähnlich ist. Hitze, Dürre, Wetterextreme und Mangel sind an der Tagesordnung, werden das neue Normal, während die Menschen versuchen, sich ihre Realität schönzureden oder sie zu ignorieren. In dieser Lebenswirklichkeit folgen wir den Mitgliedern der Familie Cullen, abwechselnd der Mutter Ottilie, ihrem Sohn Cooper und ihrer Tochter Cat.
Alle drei zeichnen sich nicht gerade durch uneingeschränkte Freundlichkeit und Menschlichkeit aus. Der Autor zeigt hier Menschen nicht von ihrer besten Seite, sondern von der, die zugelassen hat, dass es überhaupt so weit kommt. Während draußen die Welt untergeht, wird noch fleißig Champagner gebechert, damit die Apokalypse aushaltbar bleibt. Ottilie meint, sie leiste einen ausreichend großen Beitrag, wenn sie Grillen zum Verzehr in ihrer Küche züchtet, ihr Sohn Cooper ist zwar ein engagierter Biologe, der jedoch mehr als alles andere in Selbstmitleid versinkt und Cat ist die schlimmste von allen, weil ihr die Welt wohl kaum egaler sein könnte.
Doch im Lauf dieser unangenehmen, unwirtlichen Geschichte kommen alle drei nicht umhin, die Wirklichkeit, in der sie leben, anzuerkennen. Sie lernen allerdings nichts aus ihren Fehlern, stattdessen bechern sie munter weiter und tun so, als würde schon wieder alles gut werden. „Blue Skies“ ist kein motivierendes Buch, eher ein einschüchterndes, das in seinen Hintergründen gut recherchiert und deshalb auch ziemlich beängstigend ist, aber nur wenig Hoffnung spendet. Vermutlich war das auch nicht das Anliegen des Autors, eher wollte er seine Leser kurz angebunden mit der Nase voran in das Problem der Menschheit tunken: Dass wir immer noch nicht genug bekommen können, obwohl es schon beinahe zu spät ist, dass wir gar nicht umkehren wollen, auch wenn wir es vielleicht könnten, weil es ja doch sehr unbequem wäre, auf das eine oder andere zu verzichten.
In diesem Ton vergeht das ganze Buch, das immerhin fast sieben Jahre Handlungszeitraum umfasst, eine Zeit, in der eine Katastrophe die nächste jagt, in der der Autor die unangenehme, drückende Atmosphäre konstant gleich bleiben lässt und immer wieder alle Ereignisse vorwegnimmt, sodass man sich als Leser im Angesicht der nächsten Katastrophe schon lange Seiten vorher unwohl fühlt.
So bleibt es dann auch bis zum Schluss, man muss den Charakteren dabei zusehen, wie sie kaum dazulernen, sich praktisch weiter ihr eigenes Grab schaufeln. Der Autor vermittelt seine Botschaft äußerst eindringlich, sein Buch ist allerdings auch häufig äußerst abstoßend und maßgeblich geprägt von unfassbarem Alkoholkonsum und so bleibt, bis auf einen äußerst zwiespältigen, zynischen „Hoffnungsschimmer“ am Ende vor allem eine Menge Trostlosigkeit als Leseeindruck zurück.
- Neal Shusterman
Dry
(586)Aktuelle Rezension von: AutorinLauraJaneNach einigen anderen Büchern des Autors, habe ich mich auch an diese Dystopie gewagt und muss sagen: Es war schlimm. So schlimm!
Also, im positiven Sinn!
Auch diese Geschichte scheint nur einen Schritt von der Realität entfernt und dafür liebe und hasse ich die Bücher von Neal Shusterman. Mit dem Klimawandel ist auch dieses dystopische Szenario gar nicht mehr so weit entfernt, könnte wieder genau so geschehen, in nur ein paar Jahrzehnten.
Man wird sofort in die Handlung hineingeworfen, denn die Geschichte beginnt mit der Katastrophe. Der Wasserhahn wird aufgedreht, aber es kommt kein Wasser heraus. Der Name des Buches ist hier also definitiv Programm, Wassermangel zieht sich durch das ganze Buch und noch nie habe ich beim Lesen so viel getrunken. Ich hatte ständig durst und je weiter die Handlung voranschritt, desto schlimmer wurde es.
Wie oft bei seinen Büchern erleben wir die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, hier aus Alyssas Sicht und der ihrer Familie, die von der Katastrophe völlig überrascht werden. Aber auch aus Sicht von Kelton, dessen Familie Prepper sind, und sich auf eine solche Katastrophe (und andere) vorbereitet haben. Alle Charaktere sind gut ausgearbeitet, haben ihre eigenen nachvollziehbaren Gedanken und Handlundsgründe und sind durchweg Sympathisch. Bis auf Henry, der ist ein Arsch.
Es fühlt sich nach der völlig falschen Wortwahl an, aber ich hatte mit der Geschichte sehr viel Spaß. Es hat mich mitgerissen und noch lange nach Beenden des Buches beschäftigt.
- Maja Lunde
Die Letzten ihrer Art
(187)Aktuelle Rezension von: ArtVandaleyIm dritten Teil ihres Klimaquartetts widmet sich Maja Lunde den Wildpferden und zieht in drei Erzählsträngen einen weiten Bogen über die Entdeckung und den Fang bis zu einer Zeit in der Zukunft im Jahr 2064 in der es um die Natur - man kann es erahnen - schlecht bestellt ist. Das gilt auch für die Pferde.
"Die Letzten ihrer Art" ist mit über 600 Seiten der längste Teil ihres Quartetts. Das gibt uns Gelegenheit, tief in die Charaktere einzutauchen, mit ihnen zu fiebern oder vor allem zu leiden. Dadurch das auch menschliche Schicksale dargestellt werden, wird deutlich, das auch Mensch und Tier sich am Ende doch ähnlicher sind, als mancher wahrhaben will. Das ist ein weiterer neben vielen anderen Gründen, die Natur zu respektieren und zu schützen.
- Katharina Herzog
Faye - Herz aus Licht und Lava
(235)Aktuelle Rezension von: MarcelineIch kann mir gut vorstellen, das mein 13 jähriges Ich dieses Buch spannend gefunden hätte. Aber jetzt, doppelt so alt ist es für mich ein absolutes nö.
Die Protagonistin wirkt echt derbe unglaubwürdig, ihre anbandelnde Beziehung ist super seltsam und die ganze Situation mit dem Baum, dem Herz und den 18 Jahren ist total schräg.
Also ok für jüngere Leser.
Aber für mich war’s Zeitverschwendung.
- Frank Schätzing
Der Schwarm
(257)Aktuelle Rezension von: Kathrin_Hermann"Der Schwarm“ ist definitiv mal etwas anderes. Sci-Fi aber neu und ungewohnt, mit einer guten Portion Wissenschaft, die aber keinesfalls trocken rüberkommt, sondern spannend und das alles sogar aus Deutschland (kein importierter US-Roman, wie dies ja sonst oft bei Bestsellern der Fall ist). Das Buch liest sich flott, 200 Seiten weniger hätten ihm aber auch nicht geschadet.
Richtig spannend wird es meiner Meinung nach erst gegen Ende – vorausgesetzt, man hat die letzten 15 Jahre unter einem Stein gelebt und noch nicht mitbekommen, worum es im Roman geht. Falls Sie tatsächlich noch nichts darüber wissen – lesen Sie das Buch. Der Genuss dürfte doppelt so groß sein.
Was mich etwas genervt hat, waren die Passagen, in denen Schätzing anfängt, seine teils krude Weltsicht auszupacken. Da wird der Mensch zum Tier gemacht und als böses Wesen dargestellt, das den Planeten runterrockt und ständig geht es irgendwie um Gott und darum, dass der Mensch ja wohl doch nicht die Krone der Schöpfung sei?
Zur Evolutionstheorie kann man stehen, wie man will und manche von Schätzings Gedanken sind auch folgerichtig. Aber das ganze Gejammer wiederholt sich dreimal extensiv in diesem Buch und das ist einfach zweimal zu viel. Doch diese Passagen gehen vorüber...
Ich glaube übrigens, dass Schätzing sich in der Figur des Sigur Johanson selbst ins Buch gesetzt hat – graumelierter Herr, exzentrischer Lebemann, intellektueller Weintrinker, heimlicher Held neben der offiziellen Hauptfigur Leon Anawak und natürlich mit einer Ausstrahlung gesegnet, der das weibliche Geschlecht nichts entgegenzusetzen hat. Bisschen peinlich, aber okay. Der Autor ist ja Herr seiner eigenen Welt.
Fazit: Solides Werk mit stellenweise nerdigem B-Movie-Touch. Wäre es damals nach dem Tsunami nicht so gehypt worden, hätte es wohl nicht diese krasse Berühmtheit erreicht. - Nicky Singer
Davor und Danach
(180)Aktuelle Rezension von: LadyMuffinchenMhairi ist auf dem Weg zu ihrer Großmutter in den Norden. Einer der wenigen Orte, wo es noch Wasser und Nahrung gibt, denn die Welt steht vor dem Abgrund. Die Ressourcen werden rationiert und Menschen ab 67 müssen die Erde durch die Spritze verlassen. Auf ihren Weg begegnet sie einem kleinen Jungen. Eigentlich will Mhairi ihn nicht mitnehmen, aber ihre Menschlichkeit lässt es nicht zu ihn zurückzulassen. Also nimmt sie den stummen Jungen mit und durchläuft dabei viele Stationen, um sich in den Norden zu retten...
Man steigt direkt in die bereits laufende Geschichte ein. Mhairi ist auf der Flucht, scheinbar vor der Vergangenheit und der Zukunft und sich selbst. Wieso lernt man erst später, doch eines wird bereits auf den ersten Seiten klar: Sie ist für ihr Alter bereits sehr weit. Sehr selbstbewusst und reif, sie durch- und überdenkt alles, studiert ihre Umgebung und die Menschen und legt sich Alternativpläne in Sekunden zurecht. Sie war eine angenehme Protagonistin, die auch immer öfter an der Gesellschaft zweifelt, die sich eigene Regeln in der 'neuen' Welt geschaffen hat.
Dann ist da der Junge, der stille und doch so liebe Junge. Mhairi tut alles für ihn, ohne genau zu wissen wieso. Mag es Verantwortungsbewusstsein oder ein Gefühl der Wiedergutmachung sein, keine Ahnung, aber es funktioniert einfach zwischen den beiden. Durch die Reise wachsen sie auch ohne Worte zusammen und diese sich entwickelnde Beziehung wird gut und verständlich dargestellt. Denn wenn man nichts mehr hat, klammert man sich an das, was einen noch aufrecht stehen lässt. Ich glaube, dass Mhairi durch diesen Jungen den Sinn im Leben wiedergefunden hat, nachdem sie so viel durchmachen musste.
Doch die anderen Charaktere finde ich schwierig. Generell die ausgesäten Gedanken, um das Überleben eines kleinen Kreises zu sichern. Ich verstehe den Grundgedanken, aber es ist ein Kampf zwischen Moral und Gesetz, welches nicht bis zum Ende stringend durchgesetzt wird. Die Ideen der Gesellschaft sind nicht partout schlecht, aber es ist hart und irgendwie machte mich vieles dann einfach sprachlos.
Das Ende ist einfach chaotisch und es scheint mir, als hätte es nicht für mehr gereicht. Manche Ideen sollen scheinbar nicht ausreifen und so empfinde ich das Buch insgesamt als Auf und Ab. In manchen Situationen stark und dann zäh.
Der Schreibstil ist gut, man kann durch die recht kurzen Kapitel pflügen.
Insgesamt finde ich das Buch mittelmäßig gut, es regt zum Nachdenken an, hat mich dann aber doch nicht im Großen zufriedengestellt. Eine Dystopie bei der es für mich noch an etwas gefehlt hat 🌐
- Maja Lunde
Die Geschichte des Wassers
(406)Aktuelle Rezension von: GothicQueenNachdem ich damals „Die Geschichte der Bienen“ gelesen hatte, wanderte der Nachfolgeband von Maja Lunde sofort als E-Book in mein digitales Bücherregal. Dort lag er nun eine ganze Weile, bis ich dieses Jahr im Urlaub am Meer saß und mir die Geschichte wieder in den Sinn kam. Es war die absolut richtige Entscheidung, das Buch genau in dieser Kulisse endlich zur Hand zu nehmen. In ihrem im März 2018 im btb Verlag erschienenen Roman „Die Geschichte des Wassers“ entwirft die 1975 in Oslo geborene norwegische Autorin erneut ein eindringliches Zukunftsszenario. Die Handlung ist geschickt in zwei Zeitebenen unterteilt: Im Jahr 2017 begibt sich die fast 70-jährige norwegische Umweltaktivistin Signe mit ihrem Segelboot auf eine riskante Reise in Richtung Frankreich, während im Jahr 2041 eine verheerende Dürre die Menschen in Südeuropa zur Flucht zwingt. Inmitten dieser lebensfeindlichen Kulisse stoßen der junge Vater David und seine kleine Tochter Lou in einem vertrockneten Garten auf ein verlassenes Segelboot – es ist Signes Boot, das zur Brücke zwischen den Generationen wird.
Ich fand den Roman insgesamt sehr spannend und habe ihn regelrecht verschlungen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Schicksale von Signe und David miteinander verwoben sind und wie sich ihre Wege weiterentwickeln. Dass die Autorin die Erzählung am Ende mit einem offenen Finale auflöst, hat mir allerdings überhaupt nicht gefallen, da ich einfach keine offenen Enden mag. Alles in allem war es für mich aber ein gutes Buch, dem ich solide 4 von 5 Sternen gebe, auch wenn mich der Vorgängerband über die Bienen insgesamt noch ein Stück mehr überzeugen und fesseln konnte. Nach diesem Abschluss habe ich mich auch dazu entschieden, den nächsten Teil der vierteiligen Reihe erst einmal nicht auf meine Wunschliste zu setzen.
- Peter Wohlleben
Das geheime Netzwerk der Natur
(37)Aktuelle Rezension von: sbalunzia„Was passiert, wenn wir unbedacht ein Rädchen entnehmen, haben wir anhand zahlreicher Beispiele gesehen. (…) Es kommt zu einer Kettenreaktion, die das ganze System verändern kann.“ Dieser prägnante Abschnitt aus dem zweitletzten Kapitel fasst für mich die Essenz des Buches auf eindrucksvolle Weise zusammen.
„Das geheime Netzwerk der Natur“ von Peter Wohlleben ist ein äußerst lehrreiches und faszinierendes Buch. Trotz seiner wissenschaftlichen Tiefe gelingt es dem Autor, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen und die vielschichtigen Beziehungen innerhalb der Natur durch Beispiele zu veranschaulichen. Wohlleben beleuchtet Themen wie den Einfluss von Rehen und Hirschen auf den Flusslauf, die Gründe, weshalb Glühwürmchen leuchten, die erstaunliche Kommunikation zwischen Bäumen und Pilzen, die Entwicklung der Natur über Millionen von Jahren wird thematisiert und er zeigt auf, wie unser menschliches Eingreifen all dies beeinflusst.
Ich habe das Buch in kleinen Happen über mehrere Wochen hinweg gelesen. Besonders bereichernd war mein Engagement in einem Bergwaldprojekt während dieser Zeit. Nach diesem praktischen Einsatz konnte ich das Buch mit anderen Augen betrachten und die Zusammenhänge noch viel intensiver nachvollziehen. Wohllebens Werk schafft ein tiefes Verständnis für die Natur und die Bedeutung anderer Lebewesen in unserem Ökosystem. Es regt dazu an, über unser Verhältnis zur Natur nachzudenken und die Verantwortung, die wir tragen, ernst zu nehmen.
Für mehr Rezensionen: Instagram -> book_recommender_sbalunzia
- Laline Paull
Die Bienen
(109)Aktuelle Rezension von: PMelittaMDie Honigbiene Flora 717 entspricht nicht der Norm, sie ist zu groß, in den Augen der Bienen im Stock zu hässlich, und. geboren als Hygienearbeiterin kann sie Dinge, die sie nicht können dürfte, zum Beispiel kann sie sprechen.
Eine Biene als Protagonistin, ein Bienenstock als Handlungsort, das ist schon sehr besonders und originell. Als Leser:in lernt man so einiges über das Leben der Honigbienen. Das Zusammenleben im Stock funktioniert nur, weil jede Biene ihre Aufgabe hat und weiß, was sie tut. Da Flora anders ist, wird ihr Misstrauen entgegengebracht, da sie aber durch ihre vielen Fähigkeiten, die Arbeit, zu der sie eingeteilt wird, gut meistert, bekommt sie dennoch eine gewisse Anerkennung. Doch dann passiert Flora 717 etwas, das gegen alle Regeln verstößt, sie legt ein Ei, und muss nun, um sich und ihr Ei zu schützen, besonders kreativ sein.
Da Flora verschiedene Aufgaben übertragen bekommt, bekommt man als Leser:in auf ihren Spuren einen guten Einblick in ein Bienenvolk, lernt sogar die Königin und verschiedene Legenden kennen, fliegt mit Flora hinaus in die Welt, lernt andere Insekten kennen, die ihren Weg kreuzen, vor allem diejenigen, die der Horde angehören, den Feinden der Bienen, vor allem Wespen und Spinnen, erfährt aber auch, wie die menschliche Zivilisation auf den Stock auswirkt, zum Beispiel, während und nach der Heimsuchung, also, wenn der Imker sich am mühsam erarbeiteten Honig bedient, den Bienen Teile ihres Vorrates stiehlt, aber auch, wie sich Technik und Umweltverschmutzung auswirkt. Einige Szenen wirken sehr brutal, aber in der Natur passieren solche Dinge.
Was mich sehr gestört hat, war, dass die Bienen sehr vermenschlicht wurden, ich bin sicher, dass der Roman auch anders funktioniert hätte, besonders der religiöse Part und das Huldigen der Männlichkeit, also der Drohnen, fand ich überzogen. Die Überraschung, die nicht nur Flora sondern auch die Leser:innen bezüglich Floras letztem Ei erleben, konnte ich mir noch einigermaßen erklären, auch wenn es nicht explizit so erwähnt wurde, schöner wäre es gewesen, wenn die Autorin eine deutliche Erklärung geliefert hätte, so ist es doch fragwürdig.
Leider konnte mich der Roman auch nicht packen, stellenweise hat er mich sogar eher gelangweilt. Klar gab es die eine oder andere spannende Szene, wenn etwa fremde Tiere in den Stock eindringen, aber auch das hat nur relativ kurz gewirkt. Am Ende hatte ich mir von dem Roman mehr erwartet.
Der Roman hat gute und schlechte Seiten, es ist interessant, in einen Bienenstock blicken zu können, und eine Biene auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Allerdings wurden in meinen Augen die Bienen zu sehr vermenschlicht, und leider konnte mich der Roman auch nicht wirklich packen. - Charlotte McConaghy
Zugvögel
(301)Aktuelle Rezension von: LesehonigDie Menschheit hat die Wildtiere fast gänzlich ausgerottet. Nur noch wenige Exemplare einer Art halten am Überlebenskampf fest. So auch die Küstenseeschwalbe. Ein kleiner Vogel, der auf der Suche nach Nahrung einmal um die ganze Welt fliegt. Franny ist Ornithologin und fasziniert von diesem Vogel. Denn sie haben etwas gemeinsam, auch sie kämpft verzweifelt um ihr Überleben. Doch anders als der kleine Vogel kämpft sie mit ihren inneren Dämonen, die sie fast manisch ins Verderben treiben. Sie schließt sich einem Fischerboot an und setzte sich und die Crew den Naturgewalten aus, immer auf der Suche nach den seltenen Vögeln. Dieses Buch stand nun längere Zeit ungelesen in meinem Regal. Ich hatte auch keine direkten Vorstellungen von der Geschichte und fand den Klappentext eher nichtssagend. Neben einem Roman erwartet einen hier eine Dystopie und spannende Thrillerelemente. Die Geschichte hat eine Sogwirkung durch viel Ungesagtes und doch hat mich Franny manchmal mit ihrer penetranten Art so wütend gemacht, dass ich das Buch tagelang nicht weiterlesen konnte. Beenden musste ich es dann aber doch, weil mich die Geschichte nicht losgelassen hat. Ein sehr gut geschriebenes Buch mit Elementen, die ich nur schwer ertragen konnte.
- Tanya Stewner
Alea Aquarius 1. Der Ruf des Wassers
(346)Aktuelle Rezension von: Lia_BischoffIch liebe dieses Buch! Die Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen, und die Charaktere sind so interessant, einzigartig und geheimnisvoll, dass ich am liebsten ohne Pause weiterlesen möchte. Besonders gefällt mir, wie viele Fragen offenbleiben und wie sehr die Figuren neugierig machen. Man spürt auf jeder Seite, dass da noch so viel mehr verborgen liegt, das entdeckt werden will. Lennox geht mir mit seiner übermäßig beschützenden Art zwar stellenweise echt auf die Nerven , trotzdem hoffe ich sehr, dass er und Alea zusammenkommen. Gleichzeitig habe ich diese leise Sorge im Hinterkopf, dass sie am Ende vielleicht irgendwie verwandt sein könnten … bitte nicht.
- Kazuo Ishiguro
Klara und die Sonne
(132)Aktuelle Rezension von: Aischa„Klara und die Sonne“ ist der erste Roman, den Kazuo Ishiguro veröffentlicht hat, nachdem er den Literaturnobelpreis erhalten hat. Die Grundannahme dieser Dystopie hat mich von Anfang an gefesselt: In einer nicht näher beschriebenen Zukunft gibt es humanoide Roboter, sogenannte KF (Künstliche Freunde), die der zunehmenden Isolation und Einsamkeit von Jugendlichen entgegenwirken sollen.
Bemerkenswert fand ich, dass Ishiguro der Künstlichen Intelligenz sichtlich offen gegenübersteht. Er zeichnet kein einfaches Schreckensbild einer von Technik beherrschten Zukunft. Problematisch ist in seinem Roman weniger die KI selbst als vielmehr der Leistungsanspruch unserer Gesellschaft und das zunehmend von Algorithmen geprägte Denken der Menschen. Das nur vage skizzierte gesellschaftliche Umfeld lässt eine starke Orientierung an Erfolg und Optimierung erkennen. Besonders deutlich wird dies daran, dass Eltern die Möglichkeit haben, ihre Kinder durch Genomeditierung zu verbessern. Diese Kinder werden als „gehobene Kinder“ bezeichnet (im englischen Original: „lifted children“). Die Eingriffe sollen ihnen bessere Bildungs- und Aufstiegschancen ermöglichen, bergen jedoch gleichzeitig erhebliche gesundheitliche Risiken.
Mit der deutschen Übersetzung des Begriffs bin ich allerdings nicht ganz glücklich. Das englische „lifted“ enthält mehrere Bedeutungsebenen: Die Kinder werden im übertragenen Sinn gesellschaftlich „angehoben“ und zugleich durch medizinische Eingriffe verbessert bzw. aufgewertet. „Gehobene Kinder“ wirkt im Deutschen dagegen eher wie eine Bezeichnung für Kinder aus einer höheren sozialen Schicht und vermittelt den Zusammenhang mit genetischer Veränderung weniger direkt. Eine Übersetzung wie „aufgewertete Kinder“ oder „verbesserte Kinder“ würde diese Bedeutung meiner Meinung nach klarer wiedergeben.
Der Roman stellt zentrale Fragen, die heute aktueller erscheinen denn je: In welchem Maß kann Menschlichkeit durch Roboter und KI nachgeahmt werden? Was macht den Menschen aus? Welche Bedeutung haben Beziehungen, Liebe und Fürsorge? Und wodurch erhält ein Leben seinen Sinn? Obwohl der Roman bereits 2021 erschienen ist, wirken diese Themen angesichts der aktuellen Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz besonders relevant.
Erzählt wird die Geschichte konsequent aus Klaras Perspektive. Klara ist eine künstliche Freundin, die der kranken Josie Gesellschaft leisten soll. Ihre Wahrnehmung der Welt ist ungewöhnlich: Einerseits verarbeitet sie Informationen erkennbar digital – so zerlegt sie beispielsweise ihr Sichtfeld in einzelne Kästen. Andererseits interpretiert sie ihre Beobachtungen auf eine sehr menschliche, fast kindlich-naive Weise. Besonders die Sonne erhält für Klara eine beinahe mythologische oder religiöse Bedeutung; sie glaubt an deren heilende Kraft. Dadurch bekommt der Roman stellenweise den Charakter eines modernen Märchens. Dies passt auch dazu, dass Ishiguro den Stoff ursprünglich als Kinderbuch veröffentlichen wollte.
Gerade diese Darstellung Klaras war für mich jedoch auch ein Schwachpunkt. Einerseits erscheint sie wie ein hochentwickeltes technisches System, andererseits besitzt sie Hoffnung, Glauben und Gefühle. Diese Mischung ist interessant, aber nicht immer vollständig überzeugend. Klara – oder besser gesagt ihre Darstellung – hat mich teilweise sogar etwas genervt: Es wird sehr häufig und mit nahezu denselben Formulierungen betont, dass sie sich zurückzieht, um den Menschen Privatsphäre zu lassen. Auch weist der Roman meiner Meinung nach einige Längen auf.
Trotz dieser Kritikpunkte ist „Klara und die Sonne“ eine äußerst lesenswerte Dystopie. Der Roman erreicht für mich nicht ganz die Eindringlichkeit und emotionale Wirkung von Ishiguros früherem Werk „Alles, was wir geben mussten“, beschäftigt sich aber auf sehr anregende Weise mit Fragen nach Menschlichkeit, Einzigartigkeit, Technik und den Bedingungen eines erfüllten Lebens.
- Ann Kidd Taylor
Mit dir am Meer
(107)Aktuelle Rezension von: Lesefieber22Maeve lebt Ihren Traum. Sie reist als Haiforscherin zu den Meeren dieser Welt und verbringt ihre Zeit am liebsten unter der Wasseroberfläche. Doch dabei begleitet sie immer wieder der Gedanke an Ihren Ex-Freund Daniel. Bei der Rückkehr nach einer Forschungsreise steht sie ihm unvermittelt gegenüber. Rasch scheinen alte Gefühle wieder hochzukochen. Doch da ist auch noch Nicolas, ein Meeresbiologe von ihrer letzten Reise...
Dieser Roman ist einmal etwas ganz anderes. Das Thema mit den Meeresbewohnern und besonders den Haien fand ich spannend und eine gelungene Abwechslung zu den üblichen Settings. Stellenweise hat dadurch der Roman zwar eher einem Sachbuch geähnelt, das hat mich aber gar nicht gestört. Die Protagonisten fand ich interessant und gut dargestellt. Einzig mit der Hauptfigur Maeve hatte ich zwischendurch etwas Mühe, weil ich ihre Handlungen und Entscheidungen nicht immer nachvollziehen konnte. Richtig schön fand ich dagegen das Ende, da ist mein Herz direkt geschmolzen.
Ein schöner Sommerroman, der einem tief in die Geheimnisse des Meeres abtauchen lässt.
- Leo Aldan
Das Feuer der Erde
(92)Aktuelle Rezension von: Tanja96Das Feuer der Erde Klappentext:
Auf einer Expedition in die Antarktis macht die Vulkanforscherin Dr. Georgina Finley eine erschreckende Entdeckung: Erwachen unter dem Jahrtausende alten Eis hunderte Vulkane? Rund um die antarktische Platte registrieren Seismographen merkwürdige Schwingungen. Erdbeben erschüttern Neuseeland und Chile. Eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes kündigt sich an. Doch niemand, weder Wirtschaftsbosse noch Politiker, will Georginas Warnungen glauben. Mit einem Mal sieht sich die junge Wissenschaflerin inmitten eines weltweiten Komplotts aus Machtgier und Manipulation. Jayden Turkov, ein skrupelloser Industrieboss, der den Energiesektor ganzer Kontinente beherrscht, setzt alle Hebel in Bewegung, um sie auszuschalten. Viel Zeit bleibt Georgina nicht, um die Umweltkatastrophe und damit den Tod von Millionen Menschen zu verhindern. Sie trifft eine folgenschwere Entscheidung...
An sich ist das Buch spannend geschrieben und ich bin auch sehr leicht reingekommen. Was mich am Anfang gestört hat ist, dass zwei Situationen nicht bis zum Ende beschrieben wurden. Dann wiederum hatte sich der Autor von Kleinigkeiten wieder aufgehalten. Da hatte er dann alles bis aufs kleinste Detail beschrieben...was der Spannung nicht wirklich einen Abbruch getan hat, aber es hat gestört.
Gut fand ich auch, dass das Buch zwischendurch aus verschiedenen Perspektiven geschrieben wurde, so das man quasi überall auf der Welt dabei war als die Katastrophen anfingen. Und manche Protagonisten wurden auch mehrfach "besucht".
Die Hauptfigur und ihre Kolleginnen hat mir sehr gut gefallen, ein schönes Frauenteam was sich super ergänzt, total sympathisch ist, voll Frauenpower steckt und sich nicht unterkriegen lässt. Sie lassen sich immer wieder was einfallen wie sie aus ihren verzwickten Situationen wieder rauskommen.
Der Jayden Turkov, der Wirtschaftsboss, ist ein zwielichtiges Arschloch. Er schreckt vor nichts zurück um alles zu bekommen was er will. Weder vor Waffengewalt, Erpressung noch vor Mord.
Mein Fazit von dem Buch:
Wer mal ein etwas anderes Weltuntergangs Szenario haben möchte, kommt bei diesem Buch voll auf seine Kosten. Das Thema Klimaerwärmung und den daraus resultierenden Schaden für die Erde ist aktueller wie noch nie und wird bei dem Buch super mitgenommen. Man sollte manchmal doch auch auf die Wissenschaftler / innen hören, da sie voll in dem Thema drin sind.
Von mir eine klare Buchempfehlung!
- Daniel Suarez
Bios
(61)Aktuelle Rezension von: StephanvaBios greift die Idee auf, wie wohl eine Welt aussieht, in der Fakten, wie ein eindeutiges DNA-Profil, nicht mehr verlässlich sind. Das ist eine spannende Idee und ich konnte mich gut in den Protagonisten hineinversetzen. Nur, weil etwas auf den ersten Blick technisch unmöglich scheint, muss es nicht so sein. Auch zeigt Daniel Suarez ganz schonungslos auf, was die Menschen mit Technologien machen, wenn sie sie einsetzen können (hier z. B. die illegalen Reproduktionszentren mit genmanipulierten Babys). Dieses Buch treibt so manche Idee auf die Spitze und sollte auch als eine Art Weckruf dienen, dass sich technologischer Fortschritt auch gegen uns richten kann.
- Marc Elsberg
°C – Celsius
(126)Aktuelle Rezension von: walli007Aus einem Flugzeug heraus werden in Reiseflughöhe eigenartige Objekte gefilmt. Bei den Filmen, die sofort online gestellt werden, mag so mancher an Independence Day denken. Aber es ist kein Film und der amerikanische Sicherheitsrat tagt. Man ist kurz davor die Armee zu alarmieren. Da kann die hinzugeschaltete Klimawissenschaftlerin Faye das Gremium davon überzeugen, dass es sich nicht um einen Angriff handelt. Die Drohnen sind in einer anderen Mission unterwegs, die die Welt verändern wird. China scheint entschlossen, die Macht über das Klima übernehmen zu wollen. Wie soll die Welt auf diesen Vorstoß reagieren? Das ist eine Frage, die sich nicht nur die UNO Mitarbeiterin Faye stellt.
In diesem Thriller wird ein wirklich brandaktuelles Thema behandelt. Der Klimawandel schreitet immer weiter voran. Die arrivierten Mächte tun nicht genug, um die Entwicklung wenigstens aufzuhalten. Und so ist es hier China, das die Initiative ergreift. Die Politiker und Wissenschaftler sind überrascht. Schnell müssen sie jetzt sein. Doch welche Folgen wird die Aktion der Chinesen haben. Gibt es neben der Rettung des Klimas weitere Ziele. Hierauf kann es schon schneller eine Antwort geben als erhofft. Und wie heutzutage üblich, stellt sich die Frage nach den Strippenziehern im Hintergrund.
Marc Elsberg ist für seine spannenden Thriller bekannt, mit denen er soweit es einem Romanschriftsteller möglich ist tagesaktuelle Themen aufgreift. Der Klimawandel und was man noch tun kann, um Schlimmeres zu verhindern ist sicher tagesaktuell. Man muss nur die Nachrichten schauen oder die Zeitung lesen. Gedanken über Lösungsansätze wie sie der Autor erzählt, gibt es tatsächlich. Doch sind sie wirklich vorhersehbar. Oder sollte man lieber versuchen dem Klima mit den klassisch bekannten Mitteln zu helfen? Was allerdings leider seit Jahren und Jahrzehnten nicht gelingt, weil dem immer irgendwelche egoistischen wirtschaftlichen Interessen entgegenstehen. Vielleicht wäre eine eher geradlinige Erzählung angenehmer zu lesen gewesen, aber mega spannend ist dieser Thriller allemal.
3,5 Sterne























