Bücher mit dem Tag "verdrängung"
67 Bücher
- Sebastian Fitzek
Die Therapie
(4.002)Aktuelle Rezension von: GklisboaIch kannte Fitzek nicht, bis ich nach Deutschland zog. Nach einiger Recherche wurde mir empfohlen, mit diesem Buch anzufangen, um Sebastians Schreibstil kennenzulernen. Und ich kann sagen, dass mir das erste Buch schon jetzt sehr gut gefallen hat … die Geschichte ist leicht verständlich und fesselt einen vom ersten Kapitel bis zum Schluss. Mit einigen unerwarteten Wendungen.
Es ist faszinierend, über Dinge nachzudenken, die im Leben anderer Menschen passieren, die wir uns nie vorstellen können! Und diese Reise in die Gedankenwelt eines Menschen wird Ihre Sicht auf die Realität verändern.
Und dieser neue Einband ist ein Geschenk für alle Bücherliebhaber wie mich. Er ist weich und fühlt sich jedes Mal gut an, wenn man das Buch zum Lesen in die Hand nimmt.
- Ava Dellaira
Love Letters to the Dead
(1.013)Aktuelle Rezension von: rose7474Ich fand das Buch im Bücherschrank und hatte keine Erwartungen daran. Dieses Jugendbuch hatte ein sehr interessantes Thema und war gefühlvoll geschrieben. Der Schreibstil war sehr flüssig und gut zu lesen.
Mich hat es berührt. Doch es gab immer mal kleine Längen. Daher 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
- Bianca Iosivoni
Finding Back to Us
(637)Aktuelle Rezension von: Bookworm_99Im Grossen uns ganzen eine schöne Geschichte. Mich konnte nur die Liebesbeziehung nicht so ganz überzeugen.
Es hat für mich nicht so richtig geknistert zwischen den beiden Protagonisten. Es gab viel Drama aber keine greifbare Chemie. Eigentlich mag ich es ja total gerne wenn sich die Protagonisten einen Schlagabtausch liefern, aber hier war er irgendwie ein wenig einseitig. Keith hatte gute Sprüche auf Lager, aber er wirkte oft ein bisschen arrogant und eingebildet. Er war zu fest von sich selbst überzeugt. Callie hingegen hat ihm gegenüber eigentlich vor allem Feuer gespuckt und versucht ihm aus dem Weg zu gehen.
Für mich ist der Funke nicht übergesprungen.
Den Schreibstil von Bianca Iosivoni mochte ich wieder sehr gerne. Das war erst mein zweites Buch von ihr und ich bin sehr gespannt auf ihre weiteren Bücher, denen ich sehr gerne ebenfalls eine Chance geben möchte. 📚✨
- forbidden love
- stepsister x stepbrother
- single POV
- S. K. Tremayne
Eisige Schwestern
(627)Aktuelle Rezension von: honeyandgoldIn diesem Jahr hab ich einfach kein Glück. Das zweite Buch aus 2026 gestaltet sich erneut eher als Flop. Der Anfang fühlt sich ein wenig an wie ein Horrorfilm, unsere Protagonistin hat ihre Tochter durch einen tragischen Unfall verloren. Lydia, ihre Zwillingschwester, leidet unter psychischen Problemen und die Ehe mit ihrem Mann Gus läuft auch nicht mehr so toll. Plötzlich behauptet Lydia ihre verstorbene Schwester zu sein und unsere Protagonisten Sarah stoßt immer wieder an ihre Psychischen Grenzen.
Das Ganze jetzt Psycho-Thriller zu nennen ist schon sehr weit hergeholt. Wir begleiten ein trauernde Mutter auf ihrem Weg. Sarah jedoch dreht irgendwann komplett durch und beschuldigt ständig ihren Mann, ohne vorher die Fakten zu überprüfen und natürlich stellt sich alles dann als falsch heraus. Gut, Gus ist auch kein Heiliger und ebenso unsympathisch wie Sarah. Ich hab selbst keine Ahnung von Kinder Erziehung aber ich hab mir oft die Haare gerauft.
Das Ende war tatsächlich ganz in Ordnung. Aber Psycho-Thriller würde ich es trotzdem nicht nennen.
- Gudrun Pausewang
Die Wolke
(956)Aktuelle Rezension von: EllenKnorr„Jetzt werden wir nicht mehr sagen können, wir hätten von nichts gewusst.“
Ziemlich harte Lektüre. Gudrun Pausewang hat eine Erzählweise bei der man denkt man steckt mittendrin. Das Buch ist beklemmend, macht Angst und appelliert an unsere Menschlichkeit. Ich bin auch der Meinung, dass das Buch nicht als Jungendbuch gelistet werden sollte.
- Annette Hess
Deutsches Haus
(240)Aktuelle Rezension von: PepaleFrankfurt 1963: Eva ist Dolmetscherin. Durch einen Zufall kommt sie an eine Job als Übersetzerin für Polnisch beim Auschwitz Prozess. Unbedarft und naiv stürzt sie sich in ihre Arbeit, ohne zu ahnen was sie dort erwartet. Die Berichte der Zeugen wie Juden ermordet, gedemütigt, gefoltert wurden, setzen Eva schwer zu. Evas Eltern hatten ihr abgeraten diesen Job zu übernehmen. Am Ende sind ihre Eltern in das ganze Geschehen verknüpft und die Familie zerstört.
Mit ihrem Verlobten führt sie eine typische Beziehung, wie es in den 1960er Jahren verbreitet war, sie ordnet sich ihm unter. Das Gesellschaftliche Rollenbild sah es so vor, sonst galten Frauen als „unweiblich“.
Annegret, die ältere Schwester von Eva, leidet unter dem Helden-Syndrom (Profilneurose). Als Säuglingsschwester infiziert sie Babys mit Bakterien um sie hinterher wieder gesund zu pflegen und dafür Lob und Geschenke zu bekommen.
Die Autorin hat gut recherchiert.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Geschichte ist fesselnd und bewegend. Die Protagonisten sind gut beschrieben und entwickeln sich weiter.
Es handelt sich um eine gelungene Geschichte.
- Daniel Glattauer
Die spürst du nicht
(336)Aktuelle Rezension von: AleksandraDas Buch erzählt die Geschichte zweier wohlhabender und angesehener Familien. Eine der ist die bekannte Politikerin. Damit sich ihre Tochter nicht langweilt nimmt sie deren Mitschülerin mit, ein Flüchtlingskind. Gemeinsam verbringen sie alle ihren Urlaub in Toskana, Italien. Als Aayana, das Flüchtlingskind, im Schwimmingpool ums Leben kommt, nimmt die Geschichten ihren tragischen Lauf.
Das Cover zeigt genau diese Thematik, ein Schwimmbecken mit Wasser und die Beine einer Person, die gerade ins Wasser steigen will. Es ist ein sehr einfaches Bild, deutet aber unmittelbar auf das tragische Ereignis und schafft eine sehr bedrückende Atmosphäre.
Der Aufbau des Buches hat mir sehr gut gefallen. Zu Beginn erinnerte mich die Gestaltung fast an ein Theaterstück, da die Handlung in einzelnen Szenen erzählt wird. Besonderen Reiz gaben die jeweiligen Zeitungsausschnitte und die fiktiven Leserkommentare. Genau solche Kommentare kennt man heute aus den sozialen Medien oder Online-Zeitungen. Während man sie im Alltag nur oberflächlich liest, erlebt man sie in dieser Geschichte aus der Sicht der Betroffenen. Dadurch wirken sie viel verletztender und regen den Leser zum Nachdenken an.
Das Besondere an diesem Roman ist, dass nicht die Frage, warum kam es zu dieser Katastrohe, behandelt wird, sondern wie die Beteiligten mit der Schuld, Gewissensbissen, Trauer und Scham umgehen. Der Roman zeigt die Auswirkungen, wie ein solches Ereignis auf alle Betroffen hat.
Für mich ist dieses Buch mehr als ein Roman - es ist ein Weckruf. Es richtet sich an Menschen, die das Schicksal anderer nicht wahrnehmen und ihnen dadurch die Themen wie Flucht und Flüchtlingspolitik gleichgültig geworden sind. Die Geschichte fordert auf mehr Empathie zu entwickeln und hinter die Schlagzeilen die Menschen zu sehen.
Der einzige Kritikpunkt, meinerseits, ist der Schreibstil. Es ist bereits das zweite Buch, da ich von Daniel Glattauer gelesen habe und ich komme immer noch nicht mit der nüchternen, kühlen und trockenen Art klar. Zwar passt dieser Schreibstil sehr gut zu dieser Geschichte, dennoch konnte ich nicht nicht ganz damit anfreunden. Dieses ist aber Geschmacksache und hat keinen Einfluss auf die Bedeutung des Romans.
Ob der Roman ein Happy End hat, möchte ich nicht verraten. Fakt ist, dass die Katastrophe das Leben aller Beiteiligten nachhaltig verändert. Genau deshalb hinterlässt das Buch einen sehr bleibenden Eindruck.
Insgesamt ist die spürst du nicht ein sehr bewegendes und wichtiges Buch, dass nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch dazu, mehr Mitgefühl für andere Menschen zu entwickeln. Deshalb kann ich den Roman, trotz meiner Kritik an dem Schreibstil, nur weiter empfehlen.
- Romy Hausmann
Marta schläft
(400)Aktuelle Rezension von: yana27Nadja hat von Geburt an kein einfaches Leben gehabt: geboren in Polen, Tochter von einer Frau, die regelmäßig männliche "Gäste" empfängt, mit 15 Jahren die Geburt ihres Bruders "assistieren" muss und die mit 15 Jahren in den Jugendknast kommt.
Mithilfe ihres Rechtsanwaltes Herrn Ludwig- genannt Onkel Adwo- bekommt Nadja nach der Entlassung aus dem Jugendgefängnis in seiner Kanzlei in Deutschland einen Job. Doch gerade dort gerät sie in einen Komplott, wo ihre Vergangenheit sie wieder einholt.
Dieses Buch hat mich sehr verwirrt. Bis zur Hälfte des Buches wusste ich wirklich nicht um was es eigentlich geht. Wer schreibt zum Beispiel "Brief 28", um wem geht es überhaupt wenn der Kapitel "Juni 2014" heißt? Ich war wirklich kurz davor das Buch abzubrechen, weil nichts für mich einen Sinn ergibt. Aber gegen Ende des Buches klärt sich alles auf. Der Buchtitel "Marta schläft" ergibt am Ende auch einen Sinn.
Für dieses Buch benötigt man meiner Meinung nach ein wenig Geduld, damit man als Leser*in in die Geschichte reinkommt.
- Eva Menasse
Dunkelblum
(99)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannBereits häufiger wurde der Frage nachgegangen, ob Literatur (oder Kunst allgemein) in der Lage sei, positiv auf Menschen, und damit auf die Gesellschaft insgesamt, einwirken, die Welt zumindest ein kleines Bisschen besser machen könne. Mit Büchern wie dieses von Eva Menasse stünden die Chancen jedenfalls nicht schlecht.
„Dunkelblum“ ist ein fiktiver Ort, eine Kleinstadt in Österreich unmittelbar an der Grenze zu Ungarn. Die Geschichte spielt kurz vor dem „Fall der Mauer“ 1989, erschöpft sich allerdings nicht in dieser Zeit, sondern greift zurück in die dunkle Geschichte der Nazi-Vergangenheit des Ortes und seiner Bewohner. Markiert dabei die Gegensätze zwischen denjenigen die „Mitmachen“ (oder nur „Zuschauen“) und denen die „aussortiert“ werden. Und danach unterscheidet der „Eiserne Vorhang“ in „Hüben“ und „Drüben“ – auch in den Köpfen der „Hiesigen“, wahlweise der „Unsrigen“. Konsequenterweise steht man auf der „richtigen Seite“ und qualifiziert die „von Drüben“, die „Drüberen“, die „Drüberisch“ sprechen, bereits wortwählerisch ab. Insofern wird die geographische Lage zu einem Brennglas menschlicher „Möglichkeitsräume“.
Dabei hätte man genug zu tun mit der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, bräuchte kein solches Ventil, wenn es denn nicht so schmerzhaft wäre, und im Umkehrschluss so einfach, sich eines Sündenbocks zu bedienen, der einem diese Last abnimmt. Oder ganz einfach sich seine Wahrheit zurechtbastelt, so wie hier beschrieben: „Dem Gedächtnis Einzelner ist nur in begrenztem Ausmaß zu trauen, die meisten erinnern sich lediglich an das, was ihnen selbst in den Kram passt, ihre eigene Rolle in ein besseres Licht rückt oder ihre Gefühle schont.“ Es funktioniert, solange es eben geht. Und in diesem Fall sind es gleich mehrere Ereignisse, die dafür sorgen, dass die Ereignisse aus der Vergangenheit (zum Beispiel die Hinrichtungen in den letzten Tagen des Nazi-Regimes) ans Licht drängen.
In diesem vielstimmigen Konzert der Stimmen, im Wechselspiel von Beharren und Aufklären, passieren außergewöhnliche Dinge, die diesem Roman zusätzlich eine gewisse Spannung verleihen. Es braucht allerdings einige Zeit, bis man diese Stimmen im Kopf sortiert bekommt. Zum Glück gibt es im Anhang ein „Figurenverzeichnis“ (mit Kurzbeschreibungen). Und für die Nicht-Österreicher ein „Glossar der Austriazismen“. So geholfen kann man sich ganz auf das Geschehen einlassen, Dinge hinterfragen und letztlich seine eigene Haltung überprüfen.
(15.8.2023)
- Cora Carmack
Faking it - Alles nur ein Spiel
(334)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDas Buch hat mir tatsächlich etwas besser als Band 1 gefallen. Max und Cadens Geschichten zu verfolgen ist einfach toll. Ein toller Schreibstil.
- Pierre Jarawan
Ein Lied für die Vermissten
(56)Aktuelle Rezension von: gstDer Libanon war einst die Schweiz des nahen Ostens, mit Skipisten in den Bergen und Jetskis am Strand. Allerdings, so führt der Autor aus, hat die Bevölkerung noch keinen Tag echte Demokratie erlebt. Unter der schönen Oberfläche brodelt es.
Das spürt man deutlich in diesem Roman, in dem Amin 1994 als Zwölfjähriger nach Beendigung des Bürgerkriegs (1975 bis 1990) in sein Geburtsland zurückkehrt. Nach dem Tod seiner Eltern hatte seine Großmutter mit ihm das Land verlassen. Zuviel war ihr genommen worden und sie wollte das Kind in Sicherheit aufwachsen lassen.
Im Buch begleiten wir Amin durch die Straßen von Beirut, wo er vieles entdeckt, das ihm fremd ist. Diese Fremdheit macht sich auch beim Lesen breit. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich an manchen Stellen überlegte, ob ich überhaupt weiterlesen soll. Denn über weite Strecken war ich enttäuscht, weil das Buch so ganz anders war, als Pierre Jarawans erster Roman „Am Ende bleiben die Zedern“ (zwar ging es auch darin um den Libanon, war aber sehr viel einfacher zu lesen). Allerdings kamen dann auch immer wieder Abschnitte, die mein Interesse so sehr auf sich zogen, dass sich alles in mir gegen einen Abbruch wehrte. Letztendlich bin ich froh, durchgehalten zu haben.
Obwohl ich den Libanon schon in anderen Büchern kennenlernen durfte, erfuhr ich viele neuen Tatsachen über die Geschichte dieses kleinen Landes im Osten des Mittelmeeres, das mit Syrien eine lange gemeinsame Grenze hat. Zum Beispiel verschwanden hier während des Bürgerkriegs über 17.000 Menschen spurlos. Auch die Zerstörung Beiruts wird auf Amins Erkundungszügen deutlich. Dabei begleitet ihn sein Freund Jafar, der sich ihm nach und nach immer mehr entzieht und eines Tages unauffindbar ist.
Pierre Jarawan (*1985) wurde als Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter in Jordanien geboren. Beide Eltern waren vor dem Bürgerkrieg geflohen und nahmen ihn im Alter von drei Jahren mit nach Deutschland, wo er bereits 2012 Meister im deutschsprachigen Poetry Slam wurde. Heute lebt er mit seiner Familie in München.
Fazit: Das Buch erfordert Zeit und Aufmerksamkeit. Es eignet sich nicht zum Nebenbeilesen. Aber es lohnt sich, und es bleibt in Erinnerung!
- Jan Weiler
Kühn hat zu tun
(106)Aktuelle Rezension von: Lilli33Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch (21. Mai 2016)
ISBN-13: 978-3499266829
Preis: 11,00 €
Spannender Krimi und mehr
Inhalt:
Kriminalhauptkommissar Martin Kühn, verheiratet mit Susanne, zwei Kinder, stolzer Besitzer eines Eigenheims, schwirrt der Kopf. In seiner Wohnsiedlung geht es drunter und drüber. Irgendwas stimmt mit dem Baugrund nicht, Neonazis bilden eine Bürgerwehr, ein kleines Mädchen ist verschwunden und hinter Kühns Garten liegt eine Leiche, aufs Übelste zugerichtet.
Meine Meinung:
Dies ist der Auftaktband der Reihe um den Münchner Polizisten Martin Kühn. Er hat mir in seiner Vielseitigkeit ausgesprochen gut gefallen. Dicht an der Seite des sympathischen, aber auch ein bisschen verschrobenen Protagonisten erleben wir einige turbulente Tage mit polizeilichen Ermittlungen, aber auch einigen privaten Problemen, wobei sich alles irgendwie vermischt.
Besonders Kühns innere Monologe vermögen zu fesseln und bringen auch die Ermittlungen voran. Was den Täter angeht, hatte ich zwar schon früh den richtigen Riecher, doch was genau dahintersteckt, hat mich letztendlich doch sehr überrascht und fasziniert.
Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung für diesen tollen Kriminalroman.
Die Reihe:
1. Kühn hat zu tun
2. Kühn hat Ärger
3. Kühn hat Hunger
★★★★★
- Frank Schätzing
Was, wenn wir einfach die Welt retten?
(59)Aktuelle Rezension von: Boris_GoroffNach "Der Schwarm" habe ich mich auf ein Sachbuch von Schätzing gefreut und wurde maßlos enttäuscht.
Als Sachbuch taugt es nichts, da keine einzige seiner Behauptungen und Fakten mit einer Quellenangabe belegt wird.
Als satirisches oder humoristisches Werk kann es leider auch nicht betrachtet werden, dafür erfüllt es die Kriterien nicht und liefert lediglich unwitzige und abgedroschene Plattitüden.
Der Autor sollte sich wieder Science Fiction und Fantasy widmen. Aber zum Profit machen kann man das Klima-Thema jederzeit hernehmen.
- Tana French
Der dunkle Garten
(115)Aktuelle Rezension von: LisamaxiDer dunkle Garten ist eine spannende Familiengeschichte,teils Krimi,teils mit spannenden Elementen.Toby Hennessy wird in seiner Wohnung überfallen,und zieht sich schwer traumatisiert in das alte Haus seiner Eltern zurück.,welches ein düsteres Geheimnis birgt.Tana French baut Spannung auf,und konnte mich „ packen“!
- Sabine Bode
Nachkriegskinder
(24)Aktuelle Rezension von: StephanusMit Interviews verschiedener Menschen gelingt es der Autorin die Hintergründe der Elterngeneration der Nachkriegskinder zu beleuchten. Die Kriegsheimkehrer und Trümmerfrauen, die dann selbst zu Eltern wurden zeigten in Erziehung, Verhalten und sozialer Kompetenz noch starke Traumatas, die die Kinder oft nicht verstanden bzw. verstehen konnten. Entsprechend wurde das Verhalten der Eltern abgelehnt und hiergegen dann auch oft rebelliert. Ein gelungener Einblick in die Eltern der Nachkriegskinder und nicht nur lesenswert für Menschen ab Jahrgang 1947, die selbst betroffen waren, sondern auch für Jüngere, deren Eltern aus dieser Generation nach 1947 sind und deren Verhalten zu verstehen.
- Raphaela Edelbauer
Das flüssige Land
(126)Aktuelle Rezension von: EmmaWinterRuth Schwarz ist Physikerin in Wien, die schon einige Zeit an ihrer Habilitation schreibt. Als ihre Eltern bei einem Autounfall sterben, möchten sie deren Wunsch erfüllen und die Beerdigung im Geburtsort Groß-Einland arrangieren. Aber wo befindet sich dieser Ort, den Ruth nur vom Hörensagen kennt, gelegen irgendwo zwischen Niederösterreich und der Steiermark? Auf ihrer tagelangen Irrfahrt gelangt Ruth irgendwann in die Gastwirtschaft zur tausendjährigen Eiche und damit findet sie den ersten Anhaltspunkt. Groß-Einland entpuppt sich als geheimnisvoller Ort, den Ruth mehrere Jahre nicht verlassen wird, was wir schon auf Seite 11 erfahren. Der Ort gleicht einem Museumsdorf und steht wortwörtlich auf wackeligen Beinen, denn unter ihm befindet sich das "Loch", das von allen Einwohnern konsequent ignoriert wird.
Was für eine Geschichte! Eine Naturwissenschaftlerin wird mit einem Naturphänomen konfrontiert und gleichzeitig wird alles in eine unglaublich phantasievolle, fantastische Geschichte verpackt, die letztlich die Vergangenheit anprangert. Mir hat das alles sehr gut gefallen. Die vielen sprachlichen Anspielungen: da ist ein "Raster verrutscht", da "hängt alles schief" und da werden "Leerstellen gestopft", das alles ist doppeldeutig und passt so gut. Gemeinsam mit der Protagonistin verliert man zudem den Bezug zu Zeit und Raum. Die Geschichte ist voller skurriler Figuren und es ist beeindruckend, mit welchem Gleichmut die wunderlichsten Dinge beschrieben und von diesen Figuren durchgeführt und akzeptiert werden. Für mich hält der Klappentext die Ankündigung eines "unheimlich, spannend, aberwitzig und kaum zu fassenden" Textes absolut ein. Ein gelungener Debütroman, der es zu Recht auf die Shortlist des Deutschen und des Österreichischen Buchpreises 2019 geschafft hat. Wer einmal einen "Heimatroman" der ganz anderen Art lesen möchte, sollte zugreifen.
- Helen Callaghan
Dear Amy
(223)Aktuelle Rezension von: BookLookerDie Lehrerin Margot Lewis, die nebenbei eine Kolumne mit dem Titel „Dear Amy“ schreibt, bekommt von einem Mädchen einen beunruhigenden Leserbrief.
Liebe Amy,
Ich bin von einem fremden Mann entführt worden.
Ich weiß nicht, wo ich bin. Er wird mich töten, wenn du mich nicht findest.
Bitte hilf mir.
Bethan Avery
Der Absender ist ein Mädchen, das schon vor 19 Jahren entführt wurde.
Margot Lewis macht sich auf die Suche nach dem Mädchen, bis die Geschichte eine unerwartete Wendung nimmt.
Mich hat der Psychothriller schon vom Cover her angesprochen. Es ist in Grautönen und mit giftgrüner Farbe gestaltet, was sofort ins Auge fällt.
Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut, flüssig lesen und es wir in dem ersten Drittel des Buches schon von Anfang an Spannung aufgebaut. Das zweite Drittel ist etwas langatmig, weil eher die Beziehung zu dem Mann und zu der Freundin der Protagonistin im Mittelpunkt steht.
Darüber sieht man aber gerne hinweg, wenn man den letzen Teil des Buches, mit der unerwarteten Wendung liest, der nur so von Spannung trotzt.
Alles in einem gibt es einen großen Spannungsbogen, der sich über den ganzen Thriller hin zieht und lediglich von kleinen Stellen, in denen interpersonale Bezüge im Vordergrund stehen unterbrochen wird.
Die Autorin hat es geschafft eine sehr interessante Protagonistin zu erschaffen die sehr gut mit den passenden Charakterzügen ausgeführt ist.
Ich war zum Ende des Buches so perplex, dass ich es am liebsten gleich nochmal gelesen hätte um nochmal genauer auf die Protagonistin zu achten, und das ist eine tolle Leistung der Autorin. - Charles Dickens
Eine Weihnachtsgeschichte. Schmuckausgabe mit Goldprägung
(526)Aktuelle Rezension von: Fee04Was, wenn die größte Liebesgeschichte aller Zeiten eigentlich eine Geschichte über Hass ist? ❤️🩹
Vor rund 430 Jahren schrieb Shakespeare über zwei Menschen, die sich liebten und an einer Welt zerbrachen, die ihre Liebe nicht zuließ.
Romeo und Julia.
Montague und Capulet.
Liebe und Hass.
Und ein Ende, das bis heute niemand vergisst.Eine Tragödie in fünf Aufzügen, die mit einem Prolog beginnt und uns direkt hineinzieht in die Feindschaft zweier Familien und die heimliche Liebe ihrer Kinder.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Geschichte nach mehr als vier Jahrhunderten noch immer funktioniert. Weil sich Menschen verlieben, Familien streiten, Vorurteile zerstört werden und Liebe manchmal gegen eine ganze Welt ankämpfen muss.
„Die armen Opfer unserer Zwistigkeiten.“ (letzter Aufzug/Seite 111)
Dieser Satz aus dem letzten Aufzug fasst für mich noch einmal alles zusammen. Denn Romeo und Julia sind nicht nur Opfer ihrer tragischen Liebe, sie sind Opfer eines Hasses, den sie selbst nie geschaffen haben.
Und diese wunderschöne Schmuckausgabe macht aus einem Klassiker auch optisch ein kleines Schmuckstück. Zart, edel und mit einem Einband, der schon beim ersten Anblick Lust macht, Shakespeare wiederzuentdecken.
Romeo und Julia ❤️ vor über 400 Jahren geschrieben und noch immer mitten ins Herz.
William Shakespeare
Romeo und Julia
aus dem Englischen von August Wilhelm von Schlegel
Verlag : Anaconda
- Meghan March
Richer than Sin
(187)Aktuelle Rezension von: AlisonLincoln Riscoff ist vor Jahren durch seinen Großvater, den Kommodore, wieder in seine Heimatstadt Gabel beordert worden. Er folgt dem Ruf, auch wenn er in New York bereits seine Erfolge geschafft hat.
Whitney Gable hat Streß mit Ricky und fährt frustriert in eine Bar. Hier lernt sie Lincoln kennen, ohne zu wissen wer er ist. Die beiden tauschen keine Namen. Zwischen ihnen stimmt alles und sie verbringen eine aufregende sinnliche Nacht zusammen in der Jagdhütte von Lincolns Familie.
Am nächste Morgen erkennt Whitney, daß sie die Nacht mit dem Erzfeind der Familie verbracht hat und flieht.
Lincoln interessiert der jahrelange Fehde zwischen den Familien nicht. Er schafft es, das zwischen ihnen eine Beziehung erblüht. Doch seine Familie ist alles andere als begeistert.
Die Geschichte pendelt ständig zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, was zu Beginn noch schön ist, im Laufe der Geschichte jedoch stört. Zeitgleich erlebt man in der Vergangenheit und der Gegenwart das gleiche, und dadurch passiert nicht wirklich sehr viel.
Lincoln ist ein starker Charakter, der seinen eigenen Willen hat und das Potenzial, sich seiner Familie zu widersetzen. Whitney beugt sich viel zu schnell der Gesellschaft und ist eher beeinflussbar.
Die Geschichte ist flüssig geschrieben und eine schöne Lektüre für zwischendurch, mit Cliffhänger - Gail Honeyman
Ich, Eleanor Oliphant
(66)Aktuelle Rezension von: Karina213Inhaltswarnung: Der Roman behandelt emotionale und körperliche Kindesmisshandlung, häusliche Gewalt, Suizidalität und einen Suizidversuch, problematischen Alkoholkonsum, Tod, Verlust sowie traumatische Erfahrungen im Zusammenhang mit einem Brand.
Spoilerwarnung: Diese Rezension enthält wesentliche Spoiler zur Vergangenheit Eleanors und zur Auflösung am Ende des Romans, da sich gerade daran die psychologische Entwicklung der Figur besonders gut nachvollziehen lässt.
Einordnung ins Genre
Ich, Eleanor Oliphant ist ein Gegenwartsroman mit Elementen einer Tragikomödie und eines psychologischen Entwicklungsromans. Im Mittelpunkt steht weniger eine handlungsreiche äußere Geschichte als die allmähliche Veränderung einer sozial isolierten Frau und die Frage, wie ihre Vergangenheit ihre Wahrnehmung von sich selbst und anderen Menschen geprägt hat.
Zu Beginn erinnert der Roman noch stärker an eine skurrile Gesellschaftskomödie. Eleanor führt ein streng geregeltes Leben, hält sich selbst für vernünftig und unabhängig während sie gleichzeitig viele soziale Regeln nur begrenzt versteht. Andere Menschen beobachtet sie dagegen mit erstaunlicher Genauigkeit und wundert sich regelmäßig über deren vermeintliche soziale Inkompetenz. Gerade die Diskrepanz zwischen ihrem Selbstbild und ihrer Wirkung nach außen erzeugt viel trockenen Humor.
Mit zunehmender Handlung tritt der psychologische Entwicklungsroman stärker hervor. Was zunächst schrullig oder weltfremd wirkt, bekommt nach und nach eine biografische Bedeutung. Hinter Eleanors Eigenheiten zeigen sich Trauma, Scham, Einsamkeit, problematischer Alkoholkonsum und ein tief verunsichertes Verhältnis zu Nähe. Dass der Roman diese schweren Themen mit Humor verbindet, ohne Eleanors Geschichte ins Lächerliche zu ziehen, gehört für mich zu seinen großen Stärken.
Erster Eindruck
Ich habe schnell in Eleanors Erzählstimme hineingefunden. Ihre kontrollierte, manchmal beinahe pedantische Art, andere Menschen zu beurteilen, hat mich häufig amüsiert, gerade weil sie selbst viele soziale Codes nicht erkennt. Der Roman macht sie dabei nie zur bloßen Witzfigur. Hinter dem Humor ist von Anfang an eine deutliche Fremdheit gegenüber der sozialen Welt spürbar.
Schon früh fällt außerdem auf, wie sehr Eleanor ihr eigenes Leben als völlig unproblematisch beschreibt, obwohl von außen vieles alarmierend wirkt. Sie lebt isoliert, hält Beziehungen auf Abstand und benötigt am Wochenende große Mengen Alkohol, damit die Gedanken und Gefühle ruhiger werden. Diese Diskrepanz zwischen äußerem Funktionieren und innerer Belastung zieht sich durch den gesamten Roman.
Inhalt, Plot und Spannung
Die Handlung braucht vergleichsweise wenig äußere Aktion. Viel wichtiger ist, dass Eleanor zunehmend Erfahrungen macht, die ihrem bisherigen Verständnis von Beziehungen widersprechen. Parallel dazu gibt der Roman ihre Vergangenheit nur fragmentarisch frei. Dadurch entsteht eine leise Spannung, weil Leser:innen lange deutlich mehr Fragen an Eleanors Geschichte haben als Eleanor selbst.
Der spätere Reveal um ihre Mutter funktioniert deshalb für mich so gut. Dass die wöchentlichen Telefonate nie real, sondern nur in Eleanors Vorstellung stattgefunden haben, und ihre Mutter bereits seit einem Brand von 1997 tot ist, verändert rückwirkend zahlreiche frühere Szenen. Die Auflösung wirkt nicht wie ein nachträglich aufgesetzter Überraschungseffekt, sondern passt zu einer Figur, deren Vergangenheit nur in Fragmenten verfügbar ist und deren Beziehung zur Mutter psychisch weiterbesteht, obwohl die reale Person längst nicht mehr lebt.
Besonders gelungen finde ich, dass der Roman trotz dieser schweren Themen nicht in eine düstere Grundstimmung kippt. Humor und Tragik bleiben lange nebeneinander bestehen. Dadurch trifft die spätere Auflösung um Eleanors jüngere Schwester Marianne und den Brand umso härter.
Stil und Sprache
Eleanors Perspektive trägt den Roman. Ihre Sprache ist kontrolliert, genau und stellenweise ungewöhnlich förmlich. Gleichzeitig registriert sie Gerüche, Kleidung, Körper, Umgangsformen und vermeintliche soziale Fehler anderer Menschen mit großer Aufmerksamkeit. Dass ausgerechnet sie sich dabei regelmäßig über die soziale Inkompetenz anderer wundert, gehört zu den komischsten Elementen des Buches.
In der Hörbuchfassung kommt noch eine weitere Ebene hinzu. Besonders in den Gesprächen mit „Mami“ verändert sich Eleanors Stimme und wirkt deutlich kindlicher. Für mich lässt sich das als situative Regression lesen: Sobald die Mutter psychisch präsent ist, fällt Eleanor in eine frühere Beziehungsposition zurück, in der Angst, Gehorsam und der Wunsch nach Anerkennung eng miteinander verbunden sind.
Psychologische Motive und Figurenentwicklung
Psychologisch ist für mich der zentrale Gedanke des Romans, dass Eleanor nicht deshalb allein lebt, weil sie keine Beziehungen braucht. Sie hat gelernt, Bindungsbedürfnisse möglichst klein zu halten, weil Nähe in ihrer bisherigen Biografie mit Abwertung, Angst, Kontrolle und Gewalt verbunden war.
Gerade deshalb gehören ihre korrigierenden Beziehungserfahrungen für mich zu den gelungensten Aspekten des Buches. Sammy nimmt im Krankenhaus ihre Hand und bedankt sich bei ihr, Raymonds Mutter nimmt sie selbstverständlich mit an den Tisch und Eleanor erlebt dort eine Form von Wärme und Versorgung, die für sie keineswegs selbstverständlich ist. Besonders berührend fand ich den Moment, in dem sie beobachtet, wie Raymonds Mutter ihren Sohn ansieht und darin Liebe erkennt. Eleanor ist also keineswegs unempfänglich für zwischenmenschliche Feinheiten. Sobald sie sich sicher fühlt, nimmt sie Nähe sehr genau wahr und reagiert tief darauf.
Auch ihr Alkoholkonsum fügt sich in dieses Bild. Der Wodka dient nicht dem Genuss, sondern der Affektregulation. Unter der Woche gibt die Arbeit Struktur, am Wochenende fällt diese weg und damit entsteht Raum für Einsamkeit, Erinnerungen und Gefühle. Der Alkohol übernimmt die Funktion, all das zu dämpfen. Dadurch erscheint ihr Konsum weniger als isoliertes Suchtproblem und mehr als Teil eines größeren Systems aus Vermeidung, Kontrolle und Selbstschutz.
Eleanors Geschichte lässt sich dabei gut vor dem Hintergrund einer komplexen Traumafolgestörung lesen, ohne die Figur nachträglich diagnostizieren zu müssen. Wiederholte interpersonelle Gewalt, instabile Bezugspersonen, ein massiv negatives Selbstbild, Probleme mit Nähe, Schwierigkeiten in der Affektregulation, Vermeidung und traumatisches Wiedererleben ergeben zusammen ein sehr stimmiges Bild.
Besonders eindrücklich ist, wie tief die Abwertungen der Mutter in Eleanor weiterleben. Sie wurde nicht nur als Kind beschämt und misshandelt, sondern hat die mütterlichen Urteile so sehr übernommen, dass sie sich selbst weiterhin durch diese Augen betrachtet. Selbst die Schuld für den Betrug ihres späteren gewalttätigen Partners sucht sie bei sich. Darin zeigt sich weniger ein einzelner negativer Gedanke als ein tief verankertes Schamschema: Nicht nur, dass andere sie schlecht behandeln, Eleanor hält sich selbst für die Ursache dafür.
Die spätere Auflösung um die Mutter macht diesen Mechanismus noch deutlicher. Obwohl die reale Mutter seit Jahren tot ist, spricht ihre Stimme in Eleanor weiter. Sie kritisiert, droht, wertet ab und versucht sogar, die Psychotherapie zu kontrollieren. Für mich funktioniert das weniger als klassische Halluzination sondern vielmehr als literarische Darstellung einer vollständig internalisierten Täterinnenstimme.
Auch Marianne fügt eine weitere Ebene hinzu. Eleanor musste schon als Kind Verantwortung für ihre jüngere Schwester übernehmen und sich um sie sorgen, obwohl sie selbst Schutz gebraucht hätte. Diese Parentifizierung passt sehr gut zu ihrer späteren Überzeugung, alles allein bewältigen zu müssen und keine Hilfe zu benötigen.
Psychotherapie und ein fachlicher Kritikpunkt
Die Psychotherapie fügt sich insgesamt gut in Eleanors Entwicklung ein, weil sie dort erstmals einen Raum bekommt, in dem die Version ihrer Mutter nicht mehr die einzige Wahrheit darstellt. Sie beginnt, Erinnerungen neu einzuordnen, ihre Wahrnehmung ernster zu nehmen und die Macht der Mutter innerlich zu relativieren.
Eine frühe Therapieszene hat mich dennoch irritiert. Eleanor verlässt die Sitzung deutlich aufgewühlt und konsumiert unmittelbar danach Alkohol. Gerade nach einer akuten suizidalen Krise und bei ihren offensichtlichen Schwierigkeiten mit der Affektregulation hätte ich erwartet, dass das Sitzungsende etwas sorgfältiger vorbereitet und ihr aktueller Zustand noch einmal eingeschätzt wird. Eleanors Reaktion fand ich nachvollziehbar, die therapeutische Rahmung an dieser Stelle weniger. Für meine Gesamtbewertung bleibt das ein einzelner fachlicher Kritikpunkt innerhalb einer ansonsten sehr überzeugenden Entwicklung.
Feministische Aspekte
Eine ausgearbeitete feministische Ebene steht nicht im Mittelpunkt, dennoch spielen geschlechtsspezifische Machtverhältnisse eine Rolle. Eleanor erlebt später schwere Gewalt durch einen Partner, der sie finanziell ausnutzt, betrügt und körperlich misshandelt. Auffällig ist dabei vor allem, wie lange sie Verantwortung für sein Verhalten bei sich selbst sucht. Umso wichtiger finde ich, dass der Roman ihre Entwicklung am Ende nicht über eine romantische Beziehung abschließt. Raymond ist für Eleanor zentral, aber er wird nicht zur Belohnung dafür, dass sie nun „heil“ genug für Liebe wäre. Zwischen beiden gibt es Nähe und Potenzial, doch der Roman lässt diese Entwicklung offen und langsam.
Fazit
Ich, Eleanor Oliphant hat mich vor allem deshalb überzeugt, weil der Roman Trauma nicht nur über Rückblenden oder große Enthüllungen erzählt, sondern über Beziehung. Eleanor verändert sich, weil sie nach und nach Erfahrungen macht, die ihrem bisherigen inneren Modell widersprechen. Menschen können bleiben. Nähe kann sicher sein. Fürsorge muss keine Gegenleistung verlangen. Der Reveal um ihre Mutter und Marianne hat mich emotional sehr getroffen, gleichzeitig endet die Geschichte nicht hoffnungslos. Eleanor ist am Schluss nicht geheilt und ihre Vergangenheit verschwindet nicht. Sie beginnt aber, ihre eigene Geschichte anders zu verstehen, Hilfe anzunehmen und die Stimme ihrer Mutter von der eigenen zu trennen. Besonders gelungen fand ich, dass daraus keine große Liebesgeschichte mit Raymond gemacht wird. Das Ende bleibt sanft und versöhnlich, ohne das Geschehene kleinzureden. Ich habe das Buch mit einem Kloß im Hals beendet und trotzdem mit einem guten Gefühl, weil Eleanor zum ersten Mal nicht einfach nur überlebt, sondern allmählich anfangen kann, ihr eigenes Leben zu führen. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.
- Ellen Sandberg
Keine Reue
(60)Aktuelle Rezension von: Kathrin_KleineckeDie Geschichte entfaltet sich mit einer Mischung aus Spannung, psychologischer Tiefe und diesem typischen Sandberg‑Ton, der gleichzeitig ruhig erzählt und doch gnadenlos unter die Haut geht. Jede Figur wirkt greifbar, fehlerhaft, menschlich – und genau das macht den Roman so stark.
Besonders beeindruckt hat mich, wie geschickt Sandberg Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt. Die Enthüllungen kommen im richtigen Tempo, nie zu früh, nie zu spät, und jede Wendung sitzt. Die Atmosphäre ist dicht, manchmal bedrückend, aber immer fesselnd.
- Ellen Sandberg
Die Schweigende
(175)Aktuelle Rezension von: sebastian_leseorbit„Die Schweigende“ von Ellen Sandberg ist genauso mitreißend geschrieben wie die vorherigen Bücher der Autorin, die ich gelesen habe. Bei diesem Buch war ich wieder überrascht, wie schnell man durch die Seiten fliegt, weil die Geschichte so fesselnd ist, dass man wissen möchte, wie sie endet und damit auch, wie sich das Rätsel am Ende auflöst. Diese Geschwindigkeit erreicht die Autorin aus meiner Sicht vor allem durch den Aufbau der Geschichte: Denn die Geschichte spielt abwechselnd im Jahr 2019 in München und in den Jahren 1956 und fortfolgende. So wechseln die verschiedenen Handlungsstränge immer wieder ab und das Ende der einzelnen Kapitel ist so geschickt gewählt, dass man schon automatisch weiterlesen möchte. Im Vergleich zu den anderen Büchern von Ellen Sandberg fand ich bei diesem Band, dass an der einen oder anderen Stelle zu viel Nebenhandlungen aufgemacht wurden. Den Streit zwischen den Geschwistern Anne und Geli hätte es aus meiner Sicht nicht gebraucht. Da es nur ein kleiner Nebenstrang ist, hat es aber keinen großen Einfluss auf die gesamte Geschichte.
Das Besondere an den Büchern von Ellen Sandberg ist, dass die Handlung meistens auch mit Geschehnissen aus der (deutschen) Geschichte zu tun hat. An dieser Stelle auch eine Trigger-Warnung (und evtl. auch ein kleiner Spoiler), aber bei „Die Schweigende“ geht es auch um die Missstände in katholischen Heimen, die in den 1950er und 1960er Jahren geherrscht haben. Daher wird auch von Misshandlungen an Kindern, die dort betreut wurden, erzählt. Diese Handlungen zu lesen wühlt auf und lässt einen auch schockiert zurück. Evtl. ist dies auch dem einen oder anderen Leser bzw. der einen oder anderen Leserin zu viel. Es gehört aber zu dieser Geschichte dazu und ist von der Autorin auch so eingebaut, dass es zwar aufwühlt, man es aber auch aushalten kann – auch wenn es einen fassungslos zurücklässt.
Alles in allem ist „Die Schweigende“ wieder ein toller Roman mit einem spannenden Rätsel in der Handlung. Beim Lesen fliegt man durch die 544 Seiten, und wenn man das Buch nach dem Lesen zuschlägt, ist es schade, dass die Geschichte schon fertig erzählt ist und man nicht noch mehr Zeit mit Familie Remy verbringen darf.
- George Saunders
Lincoln im Bardo
(53)Aktuelle Rezension von: SunnySue"Ich will mit alldem sagen, wir hatten etwas bedeutet. Wir waren geliebt worden. Waren nicht einsam, nicht verloren, nicht schuldig, sondern weise, jede und jeder auf ihre und seine Art. Dass wir abtraten tat weh."
Ein sprachliches und poetisches Feuerwerk mit jeder Menge schwarzem Humor, originell, irgendwie auch faszinierend und stellenweise gar erhellend liefert uns George Saunders mit seinem Roman "Lincoln im Bardo".
"Oh, wie pathetisch! - abgezehrt, von eingegrabenen Zügen unsagbarer Traurigkeit gezeichnet, das Aussehen eines einsamen Mannes, einer Seele mit so tiefem Kummer, so tiefer Bitternis, dass kein menschliches Mitgefühl je heranreichen könnte. Dies war weniger der Präsident der Vereinigten Staaten, besagte mein gewonnener Eindruck, als vielmehr der traurigste Mensch der Welt."
Wir befinden uns in der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Abraham Lincoln ist der amtierende Präsident und gibt einen Empfang, als eine Etage über ihm sein geliebter Sohn Willie an Typhus verstirbt. In den damaligen Zeitungsberichten ist zu lesen, dass der trauernde Vater das Grabmal seines Sohnes allein aufsuchte, um seinen Sohn noch einmal in den Armen zu halten.
George Saunders beschäftigt sich in diesem Roman mit Abraham Lincolns Trauerprozess.
Und so werden im Laufe dieser Nacht die Geister der Toten wach, denn Willie Lincoln befindet sich im Bardo, dem tibetischen Zwischenreich, in dem Verstorbene auf ihre Wiedergeburt warten. Und hier entbrennt schon bald ein großer Streit um die Seele des Jungen.
"Am Tag, als Willie Lincoln begraben wurde, hob ein starker Wind überall Dächer von den Häusern und riss Fahnen in Streifen."
Und ich muss auch direkt sagen, dass ich dieses Buch genau zur richtigen Zeit gelesen habe - nämlich im Urlaub. Ich kann mir gut vorstellen, dass es mir zu einer anderen Zeit, in der ich vielleicht nicht die innere Ruhe dafür gehabt hätte, überhaupt nicht gefallen hätte. Denn dieser Roman liest sich ein wenig wie ein Drogenrausch und zugleich war es wie ein Theaterstück. Ich sah die drei Herren und auch die anderen Geister wie auf einer Bühne zusammenkommen und sich Sätze, Geschichten und Fragmente davon hin- und herwerfen, wie Kinder es mit einem Ball tun. Es war einerseits verwirrend und andererseits hatte es auch wieder etwas für sich. Es ist irre und wirr, poetisch und auch pathetisch, irgendwie auch genial, aber auch geistig sehr fordernd.
"Und da saß der Mann, eine Last auf dem Haupt, über welche die Welt sich wundert - gekrümmt unter der Bürde auf Herz und Haupt -, taumelnd unter solchem Schlag, dass ihm sein Kind genommen ward!"
Es fällt mir wirklich schwer, dieses Werk in Worte zu fassen. Ich kann nur jedem Interessierten raten sich eine Leseprobe zu besorgen. Denn das Buch ist schon sehr eigen und wahrscheinlich nicht jedermanns Sache.
"Flogen niedrig über Hügel uns Pfade, rauschten geschwind durch Kranken-Heimstätten und Schuppen und Bäume und sogar einen Hirsch aus jenem anderen Reich."
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Frank Heibert.
- Julian Barnes
Vom Ende einer Geschichte
(254)Aktuelle Rezension von: Lina_StamerJulian Barnes erzählt die Geschichte eines Mannes, der im Laufe seines Lebens erkennen muss, dass das menschliche Gedächtnis einen täuschen und sogar belügen kann. Auf spannende Weise wird im Verlauf der Geschichte, zur Überraschung des Lesers, so einiges widerlegt, was der Protagonist glaubte zu wissen. Der Roman ist in der ich-Form geschrieben. Die Verfilmung des Romans war für mich eine Enttäuschung, da der Roman einer meiner Lieblingsbücher ist und weitaus mehr Tiefgang hatte, als die Verfilmung.























