Bücher mit dem Tag "verfall"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "verfall" gekennzeichnet haben.

34 Bücher

  1. Cover des Buches Buddenbrooks (ISBN: 9783596712731)
    Thomas Mann

    Buddenbrooks

    (2.426)
    Aktuelle Rezension von: HarryPlotter

    Die Buddenbrooks ist kein optimistischer Roman. Im Mittelpunkt stehen Johann Buddenbrook und später seine Kinder Thomas und Tony; am Ende bleibt nur noch Hanno. Man erlebt, wie die Familie nicht nur an gesellschaftlichem Ansehen verliert, sondern allmählich zerfällt.

    Schon zu Beginn wird deutlich, dass alles auf einen Niedergang hinausläuft. Während sich gesellschaftliche Verhältnisse und Machtstrukturen verändern, versuchen Thomas und Tony, den Namen und die Würde der Familie zu bewahren – doch die neuen Zeiten sind unerbittlich. Viele Nebenfiguren verstärken dieses Bild einer Welt, die zunehmend überholt wirkt.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn einige Passagen – besonders um Hanno – etwas schwerfällig waren. 

  2. Cover des Buches Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie (ISBN: 9783596522507)
    Rachel Joyce

    Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

    (162)
    Aktuelle Rezension von: Mongeri

    Ich habe das Buch sehr gern gelesen. Die Verbindung zwischen Gefühlen und Musik und was Musik uns sagen kann, hat mich dazu bewegt die Titel, die in dem Buch genannt werden, zu suchen und sie mir anzuhören.

    Die Geschichte ist recht seicht und vorhersehbar, aber ich mochte die Charaktere und ihre Verbindungen ausgesprochen gerne.

    Ich würde das Buch jedem weiter empfehlen, der Sommerlektüre sucht. 

  3. Cover des Buches Prinz Kaspian von Narnia (Die Chroniken von Narnia, Bd. 4) (ISBN: 9783764151447)
    C. S. Lewis

    Prinz Kaspian von Narnia (Die Chroniken von Narnia, Bd. 4)

    (405)
    Aktuelle Rezension von: Fallendreams

    Trotz den wenigen Seiten kam mir die Story einen Ticken zu lang vor. Aslan als den heiligen Schöpfer zu sehen, fand ich dieses mal ein wenig befremdlich.

    Für ein Kinderbuch ist es teilweise sehr brutal. Da musste ich doch 1-2x genauer lesen, wenn ein Kopf fiel.

    Trotzdem fand ich Kaspians Geschichte und den Weg zum Thron interessant zu lesen.

  4. Cover des Buches Töchter (ISBN: 9783499290152)
    Lucy Fricke

    Töchter

    (122)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Das Buch lässt mich doch mit gemischten Gefühlen zurück. Das Absurde war richtig gut, an manchen Stellen auch lustig, an anderen traurig.

    Die Protagonistin reist mit der besten Freundin und ihrem Vater nach Schweiz, wo er sich zum Sterben in einen Krankenhaus begeben soll. Die Idee ist für die Tochter schrecklich und doch lässt der Vater ihr keine andere Wahl.

    Während der Reise trennt sich die Protagonistin von den beiden, um nach ihrem eigenen Vater zu suchen, nicht den echten, sondern den, den sie zum Vater gemacht hat. Er ist der Ex-Lover ihrer Mutter, der später die Familie verlassen hat. Die Protagonistin ist besessen von ihm und will die Lücke füllen, die er hinterlassen hat.

    Natürlich kommt alles anders, als man erwartet, und die Wendung hat mich enttäuscht, weil ich mir so sehr ein Happyend gewünscht habe. Das ist gut. Das hat die Autorin echt gut gemacht.

    Aber das Ende ist dann so etwas wie ein Filmriss, in der die Geschichte plötzlich endet und ich keine Ahnung mehr hatte, was ich damit anfangen sollte. Das tat beim Lesen echt weh und ich habe mich etwas hintergangen gefühlt.

    Manchmal sind ihre Lebensweisheiten ermüdend. Immer wieder werde ich belehrt über ihre Figuren und über das Leben, als wäre die Autorin knapp Hundert geworden und müsse sich die Seele herauskotzen.

    Aber ihr Stil ist großartig. Sie hat es geschafft, dass ich ihre Figuren zu lieben begonnen habe, dass mir die verrückte Reise Spaß gemacht hat. Es ist schon ein schönes Buch, aber ich hätte mir ein deutlich besseres Ende gewünscht. Schade.

  5. Cover des Buches Seht, was ich getan habe (ISBN: 9783492235273)
    Sarah Schmidt

    Seht, was ich getan habe

    (65)
    Aktuelle Rezension von: beereadytoread

    In „Seht, was ich getan habe“ wendet sich Sarah Schmidt einem historischen Mordfall zu:

    4. August 1892: Abby und Andrew Borden werden am helllichten Tag ermordet. Das Tatwerkzeug ist eine Axt – 19 bzw. 29 Hiebe sollen die Opfer getroffen haben. Zeug:innen gibt es keine, doch eine Verhaftung lässt nicht lange auf sich warten: Lizzie Borden, die jüngste Tochter, die ihren Vater tot aufgefunden hat, wird der Tat beschuldigt. Die Beweislage ist allerdings lückenhaft und widersprüchliche Aussagen möglicherweise auf Medikamente zurückzuführen. Ist es möglich, dass eine junge Frau ihre Stiefmutter und ihren Vater auf solch brutale Art tötet? Eine Frage, die bis heute ungeklärt bleibt.

    So viel zur Historie. Der Roman ermöglicht einen ergänzend Blick hinter die Fassade der angesehenen Familie: Wie gut haben sich die Bewohner:innen des Hauses wirklich verstanden? Was hat sie bewegt, geärgert oder begeistert? Wie könnte der Tag der Tat sowie die davor und danach abgelaufen sein? Könnte Lizzie die Täterin sein?

    Historischen Fakten verknüpft mit Fiktion. Ich muss sagen, dass diese Kombination für mich ziemlich verlockend klingt. Entsprechend neugierig war ich auf die Umsetzung der Geschichte. Ich hatte beim Auswählen des Buches allerdings erwartet, dass die Geschichte die Richtung eines historischen Krimis einschlägt, das Buch beleuchtet jedoch eher die Familiendynamik und zeigt innere Zerwürfnisse auf – verlorene und doch behütete Wünsche, beflügelnde und zerstörte Hoffnungen sowie ein Netz aus Abhängigkeit und Einsamkeit. Die Geschichte ist ruhig gehalten, die Sprache teilweise blumig und die Schilderung der Umgebung auch auf Sinneseindrücke wie Geruch und Geschmack ausgeweitet. Die eingestreuten Erlebnisse und Erinnerungen lenken die Sympathien durchaus in bestimmte Richtungen, haben Konfliktfelder aber auf verschiedene Arten unterstrichen. Meine Erwartungen waren insgesamt andere, schlecht gefallen hat es mir aber nicht!

    Das „Lizzie Borden House“ ist in Fall River übrigens die Top 1 Aktivität bei Trip Advisor. Es sind nicht nur Touren durch das Haus buchbar, sondern auch Übernachtungen. Richtig gelesen, das Haus/Museum dient nach den Touren als Bed & Breakfast. So lässt sich z. B. dort schlafen, wo die Leiche von Abby gefunden wurde. Morgens erwartet einen dann ein Frühstück, das dem der Bordens am Tattag ähnelt. Verrückt oder?

  6. Cover des Buches Der traurige Prinz (ISBN: 9783499242052)
    Michael Degen

    Der traurige Prinz

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Mit Oskar Werner, dem preisgekrönten, oscarnominierten und zu seiner Zeit vielgeachteten Schauspieler, kam ich zum ersten Mal durch „Fahrenheit 451“ in Berührung. Den Roman von Ray Bradbury sollte, meiner Meinung nach, jeder bibliophile Mensch einmal im Leben gelesen haben. Thematisiert wird dort der feindliche und zerstörerische Umgang mit Literatur in einer dystopischen Welt, die ob ihres aufklärerischen, kraftvollen und meinungsfördernden Charakters als Bedrohung angesehen und verbrannt wird. Der Besitz von Büchern ist strafbar, nur Fernsehen und synthetische Drogen helfen den Menschen über den Tag und machen sie zu leicht kontrollierbaren, willenlosen Geschöpfen. Feuerwehrmann Montag, in der Verfilmung von François Truffaut von Oskar Werner gespielt, zweifelt jedoch an der Richtigkeit dieses Systems und lehnt sich heldenhaft dagegen auf.
    Werner ist in diesem und anderen Filmen trotz namhafter Nebendarsteller stets der Mittelpunkt der Handlung, obwohl er eher zurückhaltend, fast schüchtern spielt. Doch schafft er es, den Zuschauer mit seiner reduzierten Gestik und seinem Charisma zu begeistern.
    Eben diese Begeisterung verspürt auch Michael Degen, als er nach einer Aufführung in Vaduz im Jahr 1983 von Oskar Werner eingeladen wird, mit diesem auf seiner Teixlburg den Abend zu verbringen. Der große Mime, Jahrgang 1922, hat sich mittlerweile aus dem Geschäft zurückgezogen und lebt isoliert von der Welt des Films und des Schauspiels auf seinem Anwesen in Liechtenstein. Umso überraschender kommt die Offerte für Michael Degen, der in Werner nicht weniger als ein Idol der Branche sieht:
    „Diese unverwechselbare, männlich und immer noch jugendlich klingende Stimme, mit diesem leicht wienerischen Tonfall darin. Jeder einschlägige Theatergänger hätte ihn daran sofort erkannt. Ja, das konnte nur er sein. Er, den ich als mein Vorbild bezeichnet hätte – wäre ich unbescheidener gewesen.“
    Wer jetzt denkt, dass die folgenden knapp 250 Seiten eine Anbetung des Genies von Werner seien und sich innerlich schon auf eine einzige Lobhudelei vorbereitet, sieht sich getäuscht. Degen zollt dem Kollegen großen Respekt, das ist in jeder Szene dieses Buches zu spüren. Doch ist er sich auch seiner eigenen Person und Fähigkeiten bewusst und betrachtet den ehemaligen Weltstar durchaus kritisch.
    Untertitelt ist diese Geschichte mit „Roman einer wahren Begegnung.“ Und angesichts der Tatsache, dass das hier wiedergegebene Treffen beim Erscheinen des Buches schon dreißig Jahre zurückliegt, darf von etlichen Lücken im Gedächtnis des Erzählers ausgegangen werden, die durch fiktive Inhalte gefüllt werden. Es wird in Der traurige Prinz viel Raum gelassen für die Ansichten Werners, für Geschichten aus seiner Wiener Kindheit, in der er mehr Zeit mit seiner Großmutter als seiner Mutter verbrachte, die sein Dasein fast bedauerte und in Phasen der Depression mehrfach Selbstmord verüben wollte.
    Den jungen Oskar Bschließmayer, so der bürgerliche Name Werners, zieht es schnell an das renommierte Wiener Burgtheater, wo die glanzvolle Karriere eines Schauspielers beginnt, der für sein Spiel fast nichts an Arbeit investieren muss. Michael Degen zeichnet in einer Mischung aus wörtlicher und indirekter Rede den Lebensweg Werners auf und gibt auch Auskunft über seine eigene Person; hier treffen sich Kollegen verschiedener Prägung, deren charakterliche und ideelle Gegensätzlichkeiten die Spannung innerhalb der Geschichte auf einem konstant hohen Niveau halten.
    Was neben den, teils bissigen, Passagen der Rede-Gegenrede besonders hervorsticht, ist die tiefe Diskrepanz zwischen der humanistischen, freiheitlich orientierten Weltsicht Werners und seiner tiefen Verachtung für das Geschäft des Schauspielens, der Bühne und der Fiktion:
    „Irgendwann fließen Phantasie, Wunschdenken und Realität ineinander, sodass man gar nicht mehr erkennen kann, was was ist. Und dieses Gemenge überantwortet man dann der Nachwelt. Scheußlich.“
    Je weiter der Roman voranschreitet, desto mehr demaskiert sich das Idol Oskar Werner und entblößt dabei sein verletzliches, von Zerrissenheit und panischer Angst vor dem Alter geprägtes Inneres. Begleitet von unheimlichen Mengen von Alkohol, Zigaretten, Stimmungsschwankungen und mitunter beleidigenden Kommentaren und Fragen seinem Gast gegenüber changieren die Monologe des Altmeisters zwischen dem Lob der Vergangenheit, der Wut auf die Gegenwart und der Angst vor der Zukunft:
    „Im Grunde war er noch immer der Despot, zu dem er sich im Laufe der Jahre entwickelt hatte. Er sprach zwar nach wie vor bewundernd von seinen Vorbildern, ohne aber auch nur eines von ihnen kennengelernt zu haben. Reinhardt, Barrault, Jouvet – sie waren unerreichbar, weil sie längst tot waren. Umso leichter konnte er sie anhimmeln und verklären. Sie widersprachen ihm nicht, forderten nichts von ihm.“
    Degen versteht es, zwei Seiten einer Medaille aufzuzeigen und das Treffen mit Oskar Werner zu einem nicht nur für ihn unvergesslichen Moment werden zu lassen. Auch der Leser fühlt mit dem Star, ballt die Fäuste gegen das von ihm so verhasste Nazi-Regime, dem er in seiner Kindheit und Jugend zwangsweise dienen musste, begleitet ihn erst auf die Bühne des Burgtheaters, später vor die Kameras Hollywoods und schüttelt konsterniert den Kopf ob der Undankbarkeit und der nicht enden wollenden Litanei gegen seinen alten Beruf und dessen Vertreter.
    Dieser Weg schließlich führt bis zum bitteren Ende, dass in der endgültigen Demontage Werners als ernstzunehmender Schauspieler auf den kleinen Bühnen der Bundesrepublik und final in einem Marburger Hotel endet, in dem Oskar Werner im Jahr 1984 tot aufgefunden wird. Obwohl der Roman schon lange hätte enden können, bringt Degen auch diese unrühmlichen, heute vergessenen Episoden dieses so einzigartigen Lebens vor das geistige Auge des Lesers und ins kollektive Gedächtnis der Kenner Oskar Werners zurück.
    Vielleicht ist dieses schonungslose Ende der richtige Abschluss dieser Geschichte, in deren Mitte zwar das Treffen der beiden Schauspieler steht, die aber eine leise, respektvolle Verbeugung vor einem der Größten der Zunft darstellt. Sie hinterlässt ein Gefühl des Mitleids, der Fassungslosigkeit und gleichzeitig der Neugier, diese so facettenreiche Person näher kennenzulernen.
    Der traurige Prinz ist ein Buch, dass sich wunderbar eignet, um einen Blick hinter die Kulissen der Bühnen- und Filmarbeit zu werfen. Und das darüber hinaus einen Menschen zeigt, der schließlich an der Unvereinbarkeit von Genie, Wunsch und Realität zerbrach.
  7. Cover des Buches Was zu dir gehört (ISBN: 9783446258525)
    Garth Greenwell

    Was zu dir gehört

    (27)
    Aktuelle Rezension von: renee
    "Was zu dir gehört" von Garth Greenwell ist ein Roman über einen namenlosen Ich-Erzähler, der aus den USA nach Bulgarien gereist ist, er arbeitet dort als Lehrer an einer renommierten Schule in Sofia. Schon darüber habe ich mich sehr gewundert. Warum gerade Bulgarien? Warum reist jemand aus den USA nach Bulgarien? Aber gut, ist halt einfach so. Man könnte ja auch sagen warum nicht. Jedenfalls lernt dieser namenlose Ich-Erzähler auf der Suche nach einem sexuellen Kontakt in den Tiefen des bulgarischen Kulturpalastes in Sofia den charismatischen Mitko kennen. Fortan tanzen die beiden jungen Männer umeinander herum. Es beginnt ein Reigen um Liebe und Freundschaft, ein Ringen um Nähe und Distanz. Es geht um das, was die beiden zusammenbringt und auch um das, was die beiden trennt. Dabei stellt sich der Ich-Erzähler dann auch den Fragen aus seiner Vergangenheit, eine gewisse Selbstreflektion beginnt. Was macht jeden von uns zu dem Menschen, der er/sie ist? Elementare Fragen tauchen auf. Und das Ganze ist derartig intensiv geschrieben, dass man öfters einfach mal die Luft anhält/betroffen ist, wegen der Handlung, aber genauso erwischt einen auch diese Wortgewalt. Eine wunderschöne Wortkunst hat dieser Autor hier erschaffen, es ist ein Roman, der innehalten lässt, zum Sinnieren einlädt. Ein Roman mit einer Handlung, die besticht, die nachdenklich macht, die nachhallt. Dieser Roman ist auch ein Blick in die Gefühlswelt von jemandem, der Ausgrenzung erfährt, der am Rand steht. Ich habe mich beim Lesen gefragt, warum dies so ist, warum diese Ausgrenzung existiert, denn es ist ein Mensch, ein Mensch der lebt, ein Mensch der Stärken und Schwächen hat, ein Mensch der sympathisch und unsympathisch ist. Letztendlich ist dies hier ein Mensch wie wir alle. Ein Mensch der lebt, der liebt, der begehrt, der geliebt/begehrt werden möchte und der sich selbst hinterfragt. Und das alles geschieht in einer zutiefst ehrlichen Form, eine ehrliche Form, die manchmal schon etwas weh tut. Ich gebe eine Leseempfehlung, auch wenn ich weiß, dass dieses Buch einigen wegen der Handlung absolut nicht gefallen wird. Aber wer hat gesagt, dass Borniertheit etwas ist, was Betroffenen hilft?
  8. Cover des Buches The Rose Society (ISBN: 9781101996188)
    Marie Lu

    The Rose Society

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Worum geht’s?

    Nachdem Adelina von der Dagger Society ausgeschlossen wurde, macht sie sich zusammen mit ihrer Schwester Violetta auf die Suche nach anderen Malfettos, um ihre eigene Gemeinschaft von Young Elites zu gründen. Tatsächlich finden die beiden schnell Verbündete, darunter der berühmt-berüchtigte Dieb Magiano. Doch auf ihrem Rachefeldzug wird Adelina immer öfter von blutrünstigen Visionen heimgesucht und handelt skrupellos wie nie zuvor. Während sie gegen die Dunkelheit in ihrem Herzen ankämpft, schmiedet die Dagger Society eine Allianz mit Königin Maeve, um Giulietta zu Fall zu bringen, die neue Herrscherin von Kenettra.

    Meine Meinung

    Nachdem der erste Band der Young Elites – Reihe mit einem Cliffhanger geendet hatte, war ich sehr froh, die Fortsetzung gleich zur Hand zu haben. In der Danksagung am Ende dieses Romans bezeichnet Marie Lu ihre Protagonistin als „villain-in-training“ (in etwa „Bösewicht in Ausbildung“) und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Adelina wird im Laufe des zweiten Bands zusehends grausamer und skrupelloser, sehr zur Sorge ihrer alten und neuen Freunde. Zudem treiben die dunklen Kräfte, ohne die Adelina nicht mehr leben kann, sie buchstäblich in den Wahnsinn, auch wenn sie selbst das nicht wahrhaben will. Die Demütigungen, die sie ertragen musste, erklären den Hass und die Angst in ihrem Herzen zwar, entschuldigen ihr Handeln aber nicht. Ich habe im Laufe dieses Bands eine immer größere Abneigung gegen Adelina entwickelt. Nicht einmal so sehr wegen ihrer Taten an sich, sondern wegen ihres ständigen Selbstmitleids und der fadenscheinigen Ausreden, mit denen sie ihr Handeln vor sich selbst rechtfertigt. Marie Lu hat mit Adelina zweifellos eine interessante und außergewöhnliche Hauptfigur geschaffen, nur keine besonders liebenswerte.

    Tatsächlich waren Adelinas neuer Verbündeter, der Dieb Magiano, und ihre Schwester Violetta die einzigen Figuren, die ich wirklich uneingeschränkt sympathisch fand. Der leitende Inquisitor Teren ist ein Fanatiker, die beiden konkurrierenden Königinnen Maeve und Giulietta sind genauso rücksichtslos wie Adelina und die Dagger Society verfolgt sowieso ihre ganz eigene Agenda.

    Alles in allem ist „The Rose Society“ ein genauso düsterer Roman wie sein Vorgänger, überwiegend dunkle und triste Schauplätze tragen zusätzlich zu der bedrohlichen Atmosphäre bei. Wie bisher alle Bücher von Marie Lu ist „The Rose Society“ packend geschrieben und hat bei mir ein Kopfkino in Gang gesetzt. Die Autorin wechselt zwischen unterschiedlichen Perspektiven und benutzt diese Erzählweise geschickt dazu, Spannung zu erzeugen. Während jede Partei mit allen Mitteln um ihre Ziele kämpft, verwischen die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr. Magiano und Adelina haben allerdings ein paar wirklich süße, romantische Momente zusammen – eine nette Abwechslung in dieser ansonsten eher trostlosen Geschichte. Wie im ersten Band ist die Story sehr spannend und actionreich, allerdings hat mir vor allem zu Beginn ein klein wenig der rote Faden gefehlt.

    Fazit

    Eine packende, toll geschriebene Fortsetzung mit einer außergewöhnlichen, wenn auch nicht besonders sympathischen Protagonistin.

  9. Cover des Buches Knockemstiff (ISBN: 9783453676787)
    Donald Ray Pollock

    Knockemstiff

    (43)
    Aktuelle Rezension von: NiWa

    Knockemstiff in Ohio ist ein Kaff im Mittleren Westen der USA und ein Sammelsurium verlorener Seelen, die zwischen dem Wunsch nach Veränderung in einem trostlosen Moloch der Hoffnungslosigkeit versinken. 

    „Knockemstiff“ ist das Debüt von Donald Ray Pollock, der sich daraufhin mit „Das Handwerk des Teufels“ einen Namen machte. In seinem Erstling beschreibt er die Schicksale von Außenseitern, die ineinanderfließen, auseinanderdriften und allein von einer sanften Brise über den Rand gedrängt werden.

    Der Autor lädt Leserinnen und Leser nach Knockemstiff in Ohio ein. Es handelt sich dabei um einen Ort im Mittleren Westen der USA, wo sich der berüchtigte Fuchs und die berühmte Henne „Gute Nacht“ sagen. In Knockemstiff ist der Fuchs allerdings ordentlich zugedröhnt und hält das Drogenbesteck in der Hand, während die Henne schamlos rülpst und unter ihren verlotterten Federn eine Bierflasche verschwinden lässt. 

    Hier ist es dreckig, es ist versifft. Staub wird aufgewirbelt, worin sich schmierige Gestalten verstecken und im Dreck am Boden wälzen. In Knockemstiff ist die Hoffnung längst gestorben und der Weg zur Hölle ist gebahnt.

    Bei diesem Werk handelt es sich um keinen Roman, sondern eher um Kurzgeschichten, die manchmal ineinander gehen. Jeder Geschichte liegt eine Figur zugrunde, welche in der Tristesse ihres Daseins gefangen ist. Pollock nimmt hiermit den sogenannten Whitetrash unter die Lupe. Es handelt von Sucht, Gewalt, Inzest, geistige Verwirrung und die Hoffnungslosigkeit, mit der die Charaktere ihrer Situation ausgesetzt sind.

    Pollock schreibt mit einer Wucht, die wie die Faust in den Magen schlägt. Er beschönigt und verschnörkelt nicht, er setzt an, wo es weh tut, und zeigt den Leser:innen, dass der Bodensatz der Gesellschaft von vornherein keine Chance auf ein würdiges Leben hat.

    Gleichermaßen hebt er mahnend den Zeigefinger, und verdeutlicht, dass man selbst auf einem guten Weg durch einen falschen Schritt im Abgrund landet, aus dem es kein Entkommen gibt.

    Pollock urteilt nicht und überlässt es den Leser:innen ihre Schlüsse zu ziehen. Für mich ist „Knockemstiff“ ein Gemälde sozialer Verwahrlosung und Verrohung, welche sich durch den Sumpf der amerikanischen Gesellschaft ziehen. Das Kaff steht meiner Meinung als Appell an die Menschlichkeit, dass man keinesfalls über Existenzen urteilen darf, weil sie häufig niemals die Chance auf das Streben nach Glück hatten.

    Erneut hat mir Donald Ray Pollock ins Gewissen geredet, meine Seele aufgewühlt und mein Weltbild durch den Schmutz gezogen. Meiner Meinung nach ist es ein äußerst düsteres, brutales und grausames Werk, das vor Dreck steht und sicherlich für zarte Gemüter ungeeignet ist. Wem vor den nach Jauche stinkenden Seiten nicht graust, dem lege ich dieses Werk nahe.

  10. Cover des Buches Andere Stimmen, andere Räume (ISBN: 9783036959436)
    Truman Capote

    Andere Stimmen, andere Räume

    (30)
    Aktuelle Rezension von: Nespavanje

    Nach dem Tod seiner Mutter, kommt der erst 13 jährige Joel Knox bei einer Freundin der Verstorbenen unter. Schließlich bleibt er dort nicht lange, denn er soll zu seinem, ihn bisher völlig unbekannten Vater, nach Alabama ziehen. Dort angekommen fehlt von ihm jede Spur und seine Stiefmutter Amy lässt es anfänglich nicht zu, dass er ihn sieht.


    Andere Stimmen, andere Räume ist der Debütroman von Truman Capote, obwohl er bereits seit seiner Kindheit geschrieben hatte und auch für die eine oder andere Kurzgeschichte, Preise und Anerkennungen bekommen hat. 2004 tauchte überraschend das Manuskript zu - Sommerdiebe - auf und 2015 erschien - Wo die Welt anfängt - eine Reihe von Kurzgeschichten, die er als 14-17 jähriger geschrieben hatte, und die erst kurz vorher in der Public Library in New York gefunden worden waren.


    Dieser Roman sorgte bereits ungelesen für Furore, schuld daran trug das Portrait-Foto am Umschlag. Es zeigte den 15 jährigen in einer lasziven und zu einladenden, und sexuell unterschwelligen Körpersprache. Es war im Jahr 1948 der am meisten diskutierte Roman und stand 9 Wochen auf der Bestsellerliste des New Yorkers. In der Biografie - Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie. - von Lawrence Grobel, nahm er Bezug auf dieses Bild und wollte sich wohl deswegen, ein wenig die Hände in Unschuld waschen:


    "Das Buch bekam sehr gute Kritiken. Es war ein Bestseller. Aber seltsamerweise, weckte ein Foto von mir, auf dem Umschlag des Buches, eine Menge Kontroversen. Es erschien zwölft Wochen lang, kein "Time", ohne dass etwas Boshaftes über mich darin stand. Alle möglichen schrecklichen Dinge wurden gesagt und geschrieben.(...) Ich hatte damit nichts zu tun. Es war einfach eine Fotografie, die ein Freund von mir gemacht hatte, sie sollte nirgends veröffentlicht werden. Man wollte ein Foto von mir und ich war in Kalifornien, also sagte ich zu Mir. Linscott, meinem inzwischen verstorbenen Lektor, er solle doch in meine Wohnung gehen, in der Schreibtischschublade seien eine Menge Fotografien von mir(...)"


    Heutzutage kann man es sich kaum vorstellen, dass ein Roman nur wegen eines Portrait-Fotos so eine große Publicity zu teil wird. Gerade wenn mir ein Schriftsteller so gut gefällt, wie es Truman Capote tut, setze ich mich meist mit der Entstehung seiner Werke und auch mit der Biografie des Schaffers auseinander. Für die Leser die das nun nur wenig interessiert hat, nun meine Meinung zum Werk:


    Ich musste den Roman erst ein wenig sacken lassen, bevor ich diesen besprechen konnte. Natürlich hab ich mir Gedanken darum gemacht. Er hat insgesamt sehr wenig Handlung, es ist ein Coming of Age Roman und lebt von den Beschreibungen und der Stimmung und der stilistischen Erzählung, die Truman Capote sein eigen nennt. Joel, der Hauptprotagonist, ist sich anfänglich noch ziemlich unsicher. Ihm gegenüber steht eine unbekannte ländliche Welt der Südstaaten, der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts, eigenartige Menschen und sein Vater, der ihm ein Unbekannter ist. Hier würde ich behaupten, dass auch biografisches mit eingeflossen ist, denn für den Schriftsteller, war auch sein Vater ein Unbekannter. Und auch Truman Capote hat seine Kindheit in den Südstaaten verbracht. Ab Mitte des Romans bleibt vieles nur Angedeutet. Vage verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Surrealität. Diese metaphernschwere Erzählung muss man schon mögen, ihm allerdings nun Langeweile vorzuwerfen, grenzt schon an einem Sakrileg. Nachdem ich - Wo die Welt anfängt - mit Begeisterung gelesen habe, war ich mir sicher, dass mir auch eine restlichen Werke gefallen. Dieser Roman ist Teil der neu editierten Werke Truman Capotes, im achtbändigen Schmuckschuber, den der Kein&Aber Verlag 2008 herausgebracht hat. Für jeden Fan, kann ich dieses Schmuckstück, wärmstens empfehlen.

  11. Cover des Buches Grandhotel Angst (ISBN: 9783328100881)
    Emma Garnier

    Grandhotel Angst

    (79)
    Aktuelle Rezension von: Buecherkiste

    Die Geschichte plätschert so vor sich hin. Die Spannung wird ansatzweise aufgebaut, kann sich allerdings nicht durchgehend halten. Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil der einen guten Eindruck der damalige Zeit vermitteln. Das Ende hat mich tatsächlich überrascht und das nicht im negativen Sinne.

  12. Cover des Buches Verfall: Band 1 (ISBN: B0772SF1RH)
    April Nierose

    Verfall: Band 1

    (57)
    Aktuelle Rezension von: Desiree_Miao_Miao

    Hanna hat Schlimmes erlebt und muss herausfinden, wem sie vertrauen kann. Die Menschen in ihrem Umfeld machen es ihr da nicht leicht, außerdem verschwand ihr Freund David und liefert nach seiner Rückkehr keine Erklärung. Gleichzeitig erfahren wir die grausame Geschichte von Marilyn, die sich einige Jahre zuvor ereignete.


    April zieht mal wieder alle Register und ich glaube sie hat eine sehr obsessive Beziehung zu Kellern 😹 Bitte beachtet, Aprils Thriller sind keine klassischen Thriller, es gibt durchaus Hardcore Elemente die einen an seine Grenzen bringen. 


    Die Protagonisten wirken eher etwas jünger. Es wirkt ein bisschen wie New Adult Gone wild. Die Figuren sind allesamt keine Menschen, die man mag. Ihre Handlungen und Gedankengänge sind erschreckend, aber es ist so realistisch, weil man immer weiß, dass jeder Charakter etwas erlebt hat, was sie oder ihn zu seinen Taten bringt. Man lernt also erst die Psyche des Charakters kennen und versucht direkt zu erraten, wie jemand so werden kann. April beschreibt die Personen wirklich sehr spektakulär, als würde man direkt in ihren Kopf sehen, eine sehr gute Darstellung. 


    Dabei bleibt sie aber bei ihrer wunderbaren, gehobenen, künstlerischen Sprache, die ich schon in Unerreichbar geliebt habe. Diese jungen Menschen wirken sehr gebildet, was mir auch ein bisschen Mind Fck beschert hat, weil man sie so noch weniger einschätzen kann. 


    Durch die drei verschiedenen Zeitzonen kommt man nicht nur automatisch ins Rätseln, man wird vor zig Cliffhanger gestellt, die mich dazu brachten, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Man möchte unbedingt wissen, was diesen Menschen so geformt hat, denn man kommt nicht mit so einem Hass und Schmerz auf die Welt.


    Nach Band 1 überlege ich natürlich auch, wie der Titel zur Geschichte passt. Alle Charaktere sind an irgendeiner Stelle im Leben zerbrochen, aber ich denke, da kommt noch ganz viel und ich werde mit Sicherheit noch einige Male in meinen Gedankengängen durchgeschüttelt. Das Cover ist übrigens - so schlicht es erstmal aussieht - ein richtig tolles Symbol für das, was einen im Buch erwartet. Menschen mit Rissen und Abgründen, die man nur aus den dunkelsten Träumen kennt. 

  13. Cover des Buches Im Schatten der Bräutigamseiche (ISBN: 9783956497889)
    Petra Pfaender

    Im Schatten der Bräutigamseiche

    (43)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    ✿ Kurz zur Geschichte ✿
    Nach dem Tod ihrer Großmutter kehrt Johanna Petersen in ihre Heimatstadt Eutin zurück. Obwohl sie sehr an dem alten Haus ihrer Familie hängt, sieht sie keine andere Möglichkeit, als es zu verkaufen. Kurz vor dem entscheidenden Termin will sie ein letztes Mal Abschied nehmen. Von ihrer Großmutter. Von ihrer Kindheit. Aber auch von ihrer Vergangenheit. Als sie aus dem Astloch der uralten Bräutigamseiche einen geheimnisvollen Brief zieht, scheint es, als würde sich ein Kreis schließen. Plötzlich ist sie einem tragischen Geheimnis auf der Spur, das das Schicksal ihrer Familie damals wie heute bestimmen soll.
    (Quelle: Amazon)
    ✿ Meine Meinung ✿
    Bei diesem Roman hat mich zuerst das Cover angesprochen und dann der Klappentext, beides passt hervorragend zusammen. Mit dem Hintergrund das es diesen Baum, der als Liebesbriefkasten fungiert, in Echt gibt, hat mir die Geschichte noch besser gefallen. Man darf jetzt keine große literarische Lektüre erwarten und die Liebesgeschichte im Heute, zwischen Johanna und Jan, war sehr vorhersehbar, aber trotz allem hat mir das Buch gut gefallen. Ich muss positiv erwähnen, das die Erzählung aus dem Damals richtig spannend aufgebaut wurde. Ab und zu hätte ich gerne noch etwas mehr über Emilie und den Maler Friedrich Lindner erfahren, da ihre Liebesgeschichte so dramatische Folgen hatte. Mit dieser Zeitebene, 1936/1937 hat mich die Autorin sehr gut unterhalten können. Was mir etwas zu kurz kam, war das man die Bräutigamseiche vielleicht noch hätte besser und öfters in den Plot einbauen können. Wer Liebesgeschichten mag, ob mit oder ohne Happy-End und dazu noch ein tragisches Familiengeheimnis, dem würde ich diesen Roman sehr ans Herz legen.
    Info: Hier ist die Adresse, wer einmal zur Bräutigamseiche fahren möchte: Dodauer Forst, 23701 Eutin
    ✿ Fazit ✿
    Ein Wohlfühl-Roman, den man so einfach weglesen kann, ohne groß mitdenken zu müssen, man kann sich voll und ganz von den Gefühlen der Charaktere mitreissen lassen.
  14. Cover des Buches Shore, Stein, Papier (ISBN: 9783492315241)
    $ick

    Shore, Stein, Papier

    (46)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Sicks Lebensgeschichte, Grimme-Online-Award-gekrönt die Youtube-Ausgabe, angefangen mit dem Gefühl des Unerwünschtseins und von Anfang an widerspenstig gegen jede Autorität. Daß er seinen Drogenlebenswandel allein damit begründet, nicht gewollt zu sein und dieses Gefühl betäuben zu müssen, greift meiner Meinung nach ein bißchen kurz, auch andere Kinder bzw Jugendliche mit diesem Gefühl werden nicht zum drogenverschlingenden Dauerkriminellen. Interessant, wie Sick die Symptome beschreibt, die man beim "affig-"sein spürt, wenn der Körper auf Drogenentzug reagiert, wie dauernd laufende Nase oder Augentränen, hab ich so noch nirgends anders gelesen. Man kann ihm natürlich nur die Daumen drücken, daß Sick das Cleansein durchhält (man wundert sich, daß der Körper so einen Drogenmarathon überhaupt so lange mitmacht). Und sonst: Dümmster Junkie ever, "wie Shore ist Heroin?"

  15. Cover des Buches Das Methusalem-Komplott (ISBN: 9783896673107)
    Frank Schirrmacher

    Das Methusalem-Komplott

    (29)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Schirrmachers Schrift gegen Altenhaß und für eine Neuorientierung der Gesellschaft. Er selbst hat den Zustand des alten Mitmenschen ja nicht mehr erleben müssen. Man wundert man sich über die subtilen Einflüsterungen der Gegenwartsgesellschaft, wie man vermeintlich Alte aufs "Altenteil" schieben möchte, daß die Best ager auch in fortgeschrittenen Alter häufig körperlich und geistig noch voll da sind, hat einen selbst überrascht. Gerad wurde Joe Biden wegen seines Alters als möglicher Präsidentschaftskandidat gegen Donald Trump wegen seines Alters ausgemustert (trotz offenbar recht guter Bilanz seiner Präsidentschaft), die "Heute-Show" witzelte über das "Greise Haus", und in der Werbung gibt es wieder nur Junge und Ganzjunge, sogar auf der AOK-Mitgliederzeitschrift sind nur junge gesunde Menschen. Viel hat sich nicht geändert, obwohl wir laut Schirrmacher längst in der Gerontokratie leben müßten. Augenöffnend und klug, aber auch anspruchsvolle Kost.

  16. Cover des Buches Mein Leben mit Mozart (ISBN: 9783104013640)
    Eric-Emmanuel Schmitt

    Mein Leben mit Mozart

    (54)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Schmitt beschreibt seine wechselhafte Beziehung zu Mozart und seinen Werken, wie Mozart ihm als todessehnsüchtigem Pubertierenden das Leben rettette. Auch seine zwischenzeitliche Mozart-Verleugnung, weil W.A.M. als nicht "cool" genug galt und er manchen vermeintlich "einfacheren" Stücken nichts abgewinnen konnte, spricht er an, was ihm heute eher peinlich ist. Stark sind Schmitts Briefe v.a. an den Stellen, als er von der Aids-Epidemie berichtet und wie diese ihm die Füße unter den Beinen weggezogen hat. Ich kenne mich mit Mozart zu wenig aus, um hier eine kompetente Bewertung abgeben zu können, aber die Musikbegeisterung des Autors spricht aus jeder Zeile. Vielleicht auch für mich ein Einstieg? Vermutlich eher der Griff zu einer Mozart-Biographie.

  17. Cover des Buches 12 Monkeys (ISBN: 9783943864205)
    Elizabeth Hand

    12 Monkeys

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Hellena92


    Das Jahr 2035. In den verlassenen Städten haben die Tiere die Herrschaft übernommen. Die Erdoberfläche ist entvölkert, nachdem eine Virenkatastrophe im Jahre 1996 nahezu die gesamte Menschheit dahingerafft hat. Die wenigen Überlebenden vegetieren in einem klaustrophobischen Unterweltsystem dahin. Die einzige Hoffnung auf ein besseres Leben besteht darin, einen selbstmörderischen Boten durch die Zeit zurückzuschicken, auf daß dieser den Ursprung der Apokalypse lokalisieren möge. Der Schwerkriminelle James Cole ist einer der Auserwählten...

    Mein Fazit: 

    Das Hörbuch ist gut gelungen , der Sprecher ist klasse gewählt. Die Geschichte ist ziemlich hart, aber spannend. Sehr erschrocken habe ich mich über die psychischen Schäden durch Zeitreisen, die hier sehr real zur Geltung kommen. Uve teschner spricht und interpretiert das so unglaublich authentisch, dass ich teilweise Gänsehaut bekam. Die Paradoxa der Zeitreisen hat die Autorin ehenfalls sehr gut durchgedacht.  Ich mochte das Hörbuch, ab und an war es mir jedoch zu lang gezogen. 



  18. Cover des Buches Alles was glänzt (ISBN: 9783442718993)
    Marie Gamillscheg

    Alles was glänzt

    (66)
    Aktuelle Rezension von: Coriso

    Tief im Stollen des alten Bergwerks rumort es. Der Berg ist seiner Steine beraubt, ausgehöhlt. vor Jahren prophezeite ein Journalist bereits, dass der Berg bald zusammenbrechen wird. Das Dorf verwaist zusehens, die Dorfbewohner träumen sich weg, träumen von der Stadt, einem anderen Leben. 

    Das Dorfleben wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, nach denen die jeweiligen Kapitel benannt sind. Das Natur-Setting und die Düsternis der Stimmung sind gut beschrieben, so dass die Dorfatmosphäre gut nachempfindbar ist. Dennoch sind mir die Dorfbewohner mit ihren Sehnsüchten fremd geblieben und ich es bleibt am Ende das Gefühl in den vielen Anspielungen und kurzen Passagen etwas überlesen zu haben.

  19. Cover des Buches Der Fluch - Bachmann ist King - Stephen King ist Bachmann (ISBN: B00HP33SDQ)
    Richard Bachmann

    Der Fluch - Bachmann ist King - Stephen King ist Bachmann

    (90)
    Aktuelle Rezension von: lucatrkis

    „Der Fluch“ begann recht vielversprechend, das erste Kapitel fand ich richtig spannend und gut geschrieben, doch das zweite Kapitel versetzte meiner Begeisterung direkt wieder einen kleinen Dämpfer. King-typisch wimmelte es darin von ausschweifenden Beschreibungen, was die Spannung deutlich störte. Dennoch gefiel mir die erste Hälfte des Buches, trotz einiger Längen. Als Billy sich nach 160 Seiten aber (SPOILER) auf die Suche nach dem alten Mann begab und dem Wanderzirkus nachreiste (SPOILER ENDE), baute die Geschichte für mich ziemlich ab. Das Buch war stellenweise sehr langatmig, (SPOILER) als er von Stadt zu Stadt zog und nach den Durchreisenden fragte, bis er schließlich ihren Aufenthaltsort ermittelt hatte und sich mit Ginelli, einem kriminellen Restaurantbesitzer, zusammentat, um den Fluch aufheben zu lassen. (SPOILER ENDE) Zum Ende hin wurde es dann noch einmal ein bisschen spannend, der Schluss gefiel mir persönlich allerdings nicht so gut. (SPOILER) Nach all den Anstrengungen hätte ich mir gewünscht, dass Billy den Fluch endgültig von sich nehmen und sich mit seiner Familie versöhnen kann. Außerdem mochte ich es nicht, dass Ginelli gestorben ist, weil er mir als Billys Partner ans Herz gewachsen ist (SPOILER ENDE), aber das ist einfach Geschmacksache.

    Fazit: „Der Fluch“ begeisterte mich besonders in der ersten Hälfte, die zweite Hälfte fand ich eher schwach. Wirklich toll fand ich jedoch, dass im Buch auch thematisiert wurde, wie die weißen Stadtmenschen die Menschen vom Wanderzirkus ausnutzen.

     

     

  20. Cover des Buches das vergnügen, dekadent zu sein. von der kunst, in england zu leben. aus dem englischen von dr. klaus machold (ISBN: B003H1XFCE)

    das vergnügen, dekadent zu sein. von der kunst, in england zu leben. aus dem englischen von dr. klaus machold

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Goerge Mikes ist England-Zugereister ungarischer Herkunft und beschreibt das den Übrigen-Länder-Angehörigen seine neue Wahlheimat. MAn befindet sich Ende der 70er Jahre in einer veritablen Wirtschaftskrise, das pound sterling liegt am Boden, aber gleiehwohl bseteht kein Grund zur Panik, oder eben the british way. Man beschwert sich nie (NIEMALS!), steht brav Schlange an, wer das nicht tut, muß Ausländer sein, und Homosexuelle haben bekanntermaßen keinen Humor. Mit letztgenannter Aussage würde der Autor heutzutage einen ziemlichen Shitstorm auslösen, aber nichts anmerken lassen (wieder very british). Mir fehlen noch die Teppichböden in den englischen Bädern, darüber kann man sich auch trefflich amüsieren. Ein schönes Portrait des "typisch" Englischen, dazu empfehle ich die Fotos von Martin Parr (RIP).

  21. Cover des Buches Es war einmal eine Stadt (ISBN: 9783827013453)
    Thomas Reverdy

    Es war einmal eine Stadt

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Thomas_Lawall

    Ohne seinen Begleiter Patrick, der ihn immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringt, könnte Eugène den Eindruck gewinnen, sich irgendwie im falschen Film zu befinden. In selbigem wäre es durchaus möglich, bei der Zwischenlandung ins falsche Flugzeug gestiegen zu sein, oder dass vielleicht "ein anderer Eugène" in das "wahre Detroit" geflogen sein könnte.

    Doch die Realität der sich abzeichnenden Krise gewinnt immer mehr die Oberhand. Eugènes Spezialgebiet ist das "Industrial Engineering". Als Ingenieur in einem Automobilkonzern tätig, wurde er nach diversen, jedoch nicht näher definierten Misserfolgen nach Detroit versetzt. Dort will er mit einer Handvoll Kollegen ein Entwicklungsbüro leiten, um mit diesen "eine Art Eliteteam für ein Kooperationsprogramm der Autobauer zu bilden" - was immer dies bedeuten möge. 

    Vor dem Hintergrund der Immobilienkrise ab 2007 beschreibt Thomas Reverdy das Leiden einer Stadt, die einen beispiellosen Niedergang zu verzeichnen hat und dies nicht erst seit dem Konkurs von General Motors 2009 und der Insolvenz, die Detroit 2013 anmelden musste. Ethnische Konflikte, Wegzug der Bevölkerung, eine ebenso marode wie korrupte Verwaltung und ein Anstieg der Kriminalität waren ebenfalls Tagesordnungspunkte eines nicht funktionierenden Systems.

    Deshalb ist es auch gar nicht wichtig, die Figuren in seinem Roman genau zu zeichnen. Sie definieren sich eher durch das, was sie tun oder auch nicht tun. Sie wirken wie Schachfiguren einer ebenso höheren wie nicht sichtbaren und schon gar nicht kontrollierbaren Macht. Sie müssen sich auch untereinander nicht zwangsläufig kennen, weshalb die Handlungsebenen offen bleiben. Sich zu treffen ist nicht (in jedem Fall) vorgesehen und auch gar nicht nötig. 

    Es reicht die Möglichkeit oder eine Ahnung von Schnittmengen. Der zwölfjährige Charlie, der nach einer folgenschweren Nacht, mit mehr als nur einem schlechten Gewissen, nach Hause kommt beispielsweise. Es ist nur einer von vielen großartigen Momenten in diesem Roman, wenn Charlie nicht einmal bewusst ein vorbeifahrendes Auto registriert, kurz bevor er das Haus betritt. "Vielleicht war es Eugène auf dem Weg ins Büro." 

    Die Menschen in "Es war einmal eine Stadt" sind Mittel zum Zweck. Thomas Reverdy richtet Scheinwerfer auf einzelne, scheinbar wahllos herausgegriffene Einzelschicksale, einzelne Ameisen, die versuchen, ihren stark beschädigten Bau notdürftig zu reparieren und irgendwie in ihm zurechtzukommen. 

    Jenes "Dive In" ist eine "andere Welt". Die schäbige Bar, in welcher ein "endloser Sommer" herrscht und in welcher "die betäubten Empfindungen der durch die Krise entvölkerten Stadt plötzlich wieder an die Oberfläche" kommen lässt, ist für Eugène zunächst ein Hoffnungsschimmer, und doch bestätigt diese Insel letztlich das marode Ganze.

    Unglaublich, wie kraftvoll Thomas Reverdy erzählt und beschreibt. Beispielsweise als Eugène den ersten Abend in Detroit erlebt: "Überall roch es nach anderswo." Oder wenn es Ereignisse und Taten gibt, deren Folgen "zu groß" sind, "Münder und Herzen" verschließt, oder jene Stadt, die sich komplett in Luft aufzulösen scheint.

    Schildert er den Zustand, einen Brand und schließlich den Zusammensturz eines Hauses auf mehreren Seiten, könnte man meinen, es handle sich um den langsamen Tod eines lebendigen Wesens. Diese Poesie des Untergangs könnte, Satz für Satz auseinandergenommen, eine mehrteilige Gedichtbandreihe füllen. Der Rezensent wagt zur Veranschaulichung und als Experiment die Isolation eines einzelnen, wahllos herausgegriffenen Satzes, welcher folgenden Vierzeiler ergeben würde:

    "Anscheinend ist das Leben 
    manchmal wie ein Roman
    und braucht einen Unbekannten,
    um erzählt zu werden."

    Thomas Reverdy hat neben aller literarischen Kunstfertigkeit aber noch andere Überraschungen zu bieten ... die jetzt aber auch solche bleiben sollen. Es kann jedoch sicher ausgeplaudert werden, dass er einem, vielleicht sogar mehrmaligen, Genrewechsel nicht unbedingt ablehnend gegenüber steht. 

    Fazit: Düsteres Buch - glänzende Sprache. Sensibles Portrait eines Verfalls mit erschreckender Allgemeingültigkeit. "Spuren eines ungewissen Lebens".
  22. Cover des Buches Ashen Winter (ISBN: 9781933718989)
    Mike Mullin

    Ashen Winter

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Die Trilogie „Ashfall“ von Mike Mullin begann ich im Februar 2014. Der gleichnamige erste Band „Ashfall“ erhielt von mir 3 Sterne; ich fand ihn gut, aber unspektakulär. Es war mir daher nicht so wichtig, die Geschichte weiterzuverfolgen. Ich brauchte knapp drei Jahre, um mir den zweiten Band „Ashen Winter“ vorzunehmen. In dieser Zeit war Mike Mullin nicht untätig. 2015 verkündete er, dass aus der Trilogie eine Tetralogie werden würde. Mullins Deadline für das Manuskript des vierten Bandes ist der 31.12.2017. Schwer zu sagen, wann mit einem Erscheinungstermin gerechnet werden kann. Ich sehe das entspannt, weil ich ohnehin nicht sicher bin, ob ich die Entscheidung, die Geschichte um eine Episode zu erweitern, gutheiße. Abwarten und Tee trinken.

    10 Monate sind vergangen, seit der Supervulkan unter dem Yellowstone Nationalpark ausbrach und die USA in ein Katastrophengebiet verwandelte. Nach ihrer beschwerlichen Reise haben sich Alex und Darla gut auf der Farm seines Onkels Paul eingelebt. Die Familie arbeitet hart, um einen bescheidenen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Doch all die anstrengende Arbeit vermag Alex nicht von seiner Sorge um seine Eltern abzulenken, die noch immer nicht aus Iowa zurückgekehrt sind. Als ihm unerwartet ein Hinweis auf ihren Verbleib in die Hände fällt, hält er es auf der Farm nicht länger aus. Gemeinsam mit Darla wagt er sich abermals hinaus in den vulkanischen Winter, um seine Eltern zu retten. Schnell wird den beiden klar, dass der Überlebenskampf der Menschheit in vollem Gange ist – gnadenlos und brutal. Ressourcen werden knapp und humanitäre Grenzen verwischen zusehends. Alex und Darla müssen entscheiden, wie weit sie zu gehen bereit sind, um einander zu beschützen. Bewahrt ihre Liebe sie davor, zu Monstern zu werden?

    In „Ashen Winter“ beschreibt Mike Mullin eine neue Stufe gesellschaftlichen Verfalls. Während „Ashfall“ die unmittelbaren Auswirkungen des Vulkanausbruchs beleuchtet – das Chaos, die Überforderung, die kopflose Panik – zeigt der zweite Band, welche Möglichkeiten die Menschen gefunden haben, um sich mit den neuen Umständen zu arrangieren. Mullin stellt der Menschheit unmissverständlich ein Armutszeugnis aus. Er skizziert ihr wahres Gesicht als hässliche, destruktive, egoistische und grausame Fratze, die sich erst offenbart, wenn die Kontrollmechanismen der Zivilisation wegfallen. Die bittere Vision, die er prophezeit, fand ich als Zynikerin definitiv glaubhaft. Lediglich der äußerst kurze Zeitraum des Verfalls erschreckte mich. Nicht mehr als 10 Monate braucht die Menschheit laut Mullin, um ihre Menschlichkeit abzustreifen. Selbstverständlich begegnen Alex und Darla auf ihrer Rettungsmission durchaus auch gütigen, rechtschaffenen Menschen, aber meist werden sie mit barbarischer, herzloser Anarchie konfrontiert. Ich fand die Darstellung der sozialen Konsequenzen des vulkanischen Winters überzeugender als die Handlung selbst. Obwohl „Ashen Winter“ im Vergleich zum Vorgänger deutllich aufregender ist, hatte ich erneut Schwierigkeiten mit dem Spannungsbogen, der meiner Meinung nach inkonsequent konstruiert ist. Immer wieder manövriert Mullin seinen Protagonisten und Ich-Erzähler Alex in langatmige, schwer aufzulösende Sackgassen, die sowohl ihn als auch die Leser_innen in eine Warteposition zwingen. Um Alex zu befreien, muss Mullin zu extremen Mitteln greifen, was zu übertrieben abenteuerlichen Actionszenen führt, die problemlos von einem Spezialeffekte-Team aus Hollywood stammen könnten. Wir sprechen von Verfolgungsjagden, Überfällen, Schießereien und – man glaubt es kaum – einer Fahrt auf dem Dach eines Transporters. Alex ist nun nicht der besonnenste Mensch der Welt, doch etwas weniger draufgängerische Impulsivität hätte der Autor ihm ruhig zugestehen können.
    Nichtsdestotrotz gefiel mir seine charakterliche Entwicklung grundsätzlich gut, weil er sich an einem Scheidepunkt befindet. Seine Erlebnisse ließen ihn rasend schnell reifen; er schwankt zwischen erwachsenem Verantwortungsbewusstsein und jugendlicher Naivität. Besonders seine Gefühle für Darla sind seinem Alter weit voraus. Die äußeren Bedingungen entfachten eine Verbindung zwischen ihnen, die viel tiefer ist als eine normale Teenagerromanze. Sie sind ein Team und verlassen sich aufeinander, obwohl Alex sich sicher stärker auf Darla stützt als sie auf ihn. Ihre herrische, aggressiv-fürsorgliche Art kommt ihm meiner Ansicht nach entgegen, weil sie ihn an seine Mutter erinnert. Nachdem, was Alex über die Beziehung zu seiner Mutter offenbart, sind Parallelen erkennbar und man sagt ja nicht grundlos, dass man meist einen Partner wählt, der den eigenen Eltern ähnlich ist. Vor diesem Gesichtspunkt ist die Dynamik zwischen ihnen wirklich interessant und ich frage mich, ob Mike Mullin sie bewusst beabsichtigte.

    Unter dem Yellowstone Nationalpark liegt tatsächlich ein Supervulkan, der jeder Zeit ausbrechen könnte. Das geologische Untersuchungsamt, das für dessen Überwachung verantwortlich ist, hält eine baldige Eruption zwar für unwahrscheinlich, aber die Möglichkeit besteht. Deshalb finde ich die „Ashfall“-Tetralogie so faszinierend: das Ausgangsszenario ist schlicht und realistisch. Dadurch unterscheidet sich die Reihe maßgeblich von der Masse der Young Adult – Dystopien auf dem Markt. „Ashen Winter“ ist ein guter zweiter Band, der die Menschheit überzeugend von ihrer schlimmsten Seite zeigt. Wenngleich es Mike Mullin etwas an schriftstellerischer Finesse und einem Gespür für inhaltliche Ausgewogenheit mangelt, hat mich diese Fortsetzung gut unterhalten. Ich mag den Protagonisten Alex und beobachte sein persönliches Wachstum mit Freude, weil es einen so starken, positiven Kontrast zur Degeneration der Gesellschaft darstellt. Fragt sich nur, ob er als edler Held in einer zerfallenden Gesellschaft menschlicher Monster langfristig überleben kann.

  23. Cover des Buches Acqua alta (ISBN: 9783866487086)
    Isabelle Autissier

    Acqua alta

    (38)
    Aktuelle Rezension von: Miamou

    Der Roman beginnt mit dem Untergang Venedigs. Guido Malegatti zieht mit einer Gondel seine Kreise und sieht dabei die Überreste einer großen historischen Stadt. Danach folgt über das Buch hinweg eine große Rückblende, die beschreibt, wie es überhaupt soweit kommen konnte. Mit dem Untergang Venedigs wurde nämlich auch der Untergang der Familie Malegatti besiegelt - beide absehbar und dann eingetreten. 

    Mich hat "Acqua alta" vor allem durch seine Atmosphäre beeindruckt. Isabelle Autissier beschreibt Venedig so eindringlich, dass ich beim Lesen oft das Gefühl hatte, selbst durch die Gassen zu gehen. Die Stadt ist hier nicht nur Kulisse, sondern wirkt wie eine eigene Figur – voller Schönheit, Geschichte und gleichzeitig unglaublich verletzlich. Für mich ist sie ein Juwel, bei dem man richtig spürt, wie sehr es bedroht ist. 

    Gerade die Themen Massentourismus und Klimawandel haben mich immer wieder nachdenklich gemacht. An manchen Stellen liest sich der Roman fast wie ein Sachbuch – zum Beispiel, wenn erklärt wird, dass Venedig in den letzten 100 Jahren um 25 cm gesunken ist oder wenn das MOSE-Projekt sehr detailliert beschrieben wird. Das hat meinen Lesefluss manchmal etwas gebremst, gleichzeitig fand ich es aber auch spannend, weil es die Dringlichkeit des Themas so klar macht und ich habe mich mehr als einmal dabei erwischt neben dem Roman auch selbstständig einiges zu Venedig zu recherchieren. 

    Was mir besonders gefallen hat: Ich habe schon mehrere Bücher von Autissier gelesen und mag sehr, wie sie mit Moral umgeht. Auch in "Acqua alta" hatte ich nie das Gefühl, dass sie mit erhobenem Zeigefinger schreibt – obwohl die Botschaft deutlich ist.

    Die Figuren sind dabei eigentlich nicht unbedingt sympathisch, und trotzdem konnte ich ihre Haltungen nachvollziehen. Gerade das fand ich wirklich gelungen. Der Vater und Politiker Guido, der – auch durch seine eigene Herkunft geprägt – um jeden Preis die Wirtschaft am Laufen halten will. Die Tochter Lea, die sich in ihrem Idealismus ganz der Rettung Venedigs verschreibt und sich darin fast verliert. Und die Mutter Maria Alba, die lange im Hintergrund bleibt, kaum eingreift – und am Ende den höchsten Preis zahlt. Obwohl diese Positionen so unterschiedlich sind, wirken sie alle auf ihre Weise verständlich. Genau das macht es für mich schwer, die Figuren einfach moralisch zu verurteilen – und genau darin liegt für mich eine große Stärke des Romans. 

    Ein Roman, der nicht nur mit einer sehr aktuelle Thematik besticht, sondern auch aufzeigt, wie schnell Moral zu einem Luxusgut werden kann, wenn die Krise heftig zu werden droht. Ich empfehle diesen kleinen Schmöcker also von Herzen weiter. 

  24. Cover des Buches Ins Schwarze (ISBN: 9783803113399)
    Vincent Almendros

    Ins Schwarze

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    Der Anfang: «Bisher war ich ein Mann ohne Geschichte gewe-sen. Vielleicht, weil ich in einem abgelegenen Dorf geboren wurde, mitten im Nichts. Das nämlich war Saint-Fourneau, ein elendes Kaff. Dorthin zurückzukehren war mir immer schwierig vorgekommen. Dazu muss man wissen, dass meine Mutter noch dort lebte.»


    Er kehrt an den Heimatort zurück, den er als zehnjähriger verlassen hat. Seine Großeltern hatten ihn zu sich geholt, weil seine Mutter ihm ein Reinigungsmittel zu trinken gegeben hatte. Die Hochzeit seiner Cousine steht an. Und wieso nennt Laurent seine Freundin Claire nun Constance? Dieser Sommerausflug aufs Land ist wenig romantisch. Schwarzer Humor, falsche Fährten, verdichtete Spannung. Vincent Almendros erzählt einen eleganten Familienthriller …


    «Man hörte im Haus die Fliegen umherschwirren. Sie klebten als schwarze Punkte an den Scheiben und surten hinter den Gardinen, nervös wie vor einem Gewitter.»


    In Saint-Fourneau erwarten das junge Paar ein leeres Haus, tote Fliegen auf dem Fußboden und ein Onkel in schmutzigen Gummistiefeln. Nur seinetwegen ist Laurent zurückgekommen. Die Begegnung mit der Mutter wird auf den nächsten Tag verschoben. Die Stimmung ist bedrohlich, untergründig lauert Gewalt. Etwas muss vorgefallen sein. Vincent Almendros arbeitet mit Doppeldeutigkeit und Wortspielen, gilt als einer der raffiniertesten Stilisten der französischen Gegenwartsliteratur. Verdichten, Geheimnisse offenlassen, so einiges bleibt der Fantasie des Lesenden überlassen. Warum hat Laurent seit dem Tod seines Vaters das Dorf gemieden? Was ist damals wirklich geschehen? Das Verhältnis zur Cousine lässt auch einiges offen – schon gar das Verhältnis zum Onkel. Wer ist Claire? Der Autor beschreibt exakt mit wenigen Worten seine skurrilen Dorfbewohner.  Letztendlich passiert nicht viel, spannend ist die verdichtete Beziehung zwischen den handelnden Personen, das, was passiert oder nicht geschieht – die Leerstellen. Das alles  erzeugt eine vibrierende Atmosphäre. Ein klasse literarischer Thriller!



    Vincent Almendros, geboren 1978 in Avignon, lebt und schreibt in Paris. Sein zweiter Roman «Ein Sommer» wurde 2015 mit dem Prix Françoise Sagan ausgezeichnet.


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