Bücher mit dem Tag "vertreibung"

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321 Bücher

  1. Cover des Buches Gejagt (ISBN: 9783596187300)
    P.C. Cast

    Gejagt

     (1.679)
    Aktuelle Rezension von: leas_leseliebe

    Die roten Jungvampyre sind nun endlich kein Geheimnis mehr und auch Zoes Freunde sind sich jetzt im Klaren darüber, dass Neferet für alle eine Bedrohung darstellt. Doch leider bleibt die Hohepriesterin nicht ihr einziger Feind, denn ihr neuster Liebhaber Kalona scheint mit seiner dunklen Aura das gesamte House of Night in seinen Bann zu ziehen. Daher halten sich Zoe und ihre Freunde zurzeit in den Tunneln bei den roten Jungvampyren auf, aber sie wissen, dass sie sich nicht ewig vor Kalona verstecken können. Sie müssen ihn stoppen und der Schlüsseln, den es dazu braucht, liegt in der Vergangenheit. Doch diese Wahrheiten vermag Zoe teils gar nicht zu wissen, denn sie hat ja eigentlich schon genug Probleme in ihrem Leben wie zum Beispiel ihre drei Freunde.

     

    Die "House of Night"-Bücher schiebe ich immer mal zwischendurch ein, wenn ich gerade nichts zu lesen habe, da wir in unserer Stadtbibliothek über die gesamte Reihe verfügen. Da ich schon vor längerer Zeit den vierten Band gelesen hatte, hatte ich zu Anfang Schwierigkeiten, wieder in die Geschichte reinzukommen. Generell mag ich diese Reihe aber  sehr gerne, da sie spanned ist  und mich immer gut unterhält. In jedem Band kommen neue mysteriöse Aspekte dazu, die die Geschichte stets komplexer werden lassen und sie wird darüber hinaus auch durch viele Charaktere bereichert, die im Verlauf der einzelnen Bände dazutreten. Eigentlich liebe ich alle Romanfiguren, vor allem Zoes Freundeskreis (einschließlich Aphrodite), doch mit Zoe habe ich so manches Mal meine Schwierigkeiten. Auch wenn ich es nur ungern behaupte, finde ich, dass Zoe sich vor allem in den letzten beiden Teilen ein bisschen wie ein Flittchen aufführt. In Band vier waren es Loren, Erik, Stark und Heath und in Band fünf setzt sie all diese Romanzen einfach fort (außer natürlich mit Loren, aber der ist ja auch tot). Dies provoziert mich beim Lesen immer ungemein, da ich Erik einfach über alles liebe und es nicht ertragen kann, dass Zoe so mit ihm umspringt und gleichzeitig noch was mit zwei oder drei anderen Typen hat.

    Abgesehen davon mag ich Zoe als Protagonistin aber auch sehr gerne und auch ihre Grandma ist einfach goldig.

    Die Bücher haben sich für mich alle ziemlich schnell lesen lassen, da sie fesselnd und spannend sind, und das sogar, obwohl in dem fünften Teil handlungsmäßig eigentlich gar nicht so viel passiert ist. Außerdem finde ich es total süß, dass die Autorinnen Mutter und Tochter sind und meiner Meinung nach haben die beiden echt einen super Schreibstil und einen Talent für tolle Dialoge, die einen zum Schmunzeln bringen. Zudem ist die Reihe überwiegend an die Jugend adressiert, da zwischendurch immer mal wieder Vergleiche mit berühmten Schauspielern oder TV-Serien gezogen werden und die Beziehung der Freunde untereinander genau wie in einem normalen Teenagerleben ist.

    Ich bin also mal gespannt, wie sich die Geschichte im Laufe der kommenden Bände noch entwickeln wird und wie oder ob Zoe ihr Jungsproblem löst.

     

    "House of Night" ist also eine tolle Reihe, die ich jedem empfehlen kann, der Vampir-Stories mag und bis jetzt waren alle fünf Bücher für mich sehr ansprechend.

  2. Cover des Buches Die Melodie der Schatten (ISBN: 9783404177745)
    Maria W. Peter

    Die Melodie der Schatten

     (182)
    Aktuelle Rezension von: Nick_Coll

    Das Buch „Die Melodie der Schatten“ von Maria W. Peter, welches ich mir extra für diesen Spätherbst gelassen und gelesen habe, erzählt eine bewegende Geschichte, die von überall von einer düsteren Landschaft Schottlands des 18. Jahrhunderts umgeben ist.

     

    Den etwa 700 Seiten umfassenden Mittelpunkt des Buches bildet allerdings die Geschichte über Menschen, deren Leben vor existenziellen Herausforderungen stehen. Die historischen Tatsachen sind gut recherchiert und die Stimmung dieser Zeit ist einfach hervorragend eingefangen, sodass das raue Leben im schottischen Norden sehr anschaulich rüberkommt. Die zärtlichen und doch kraftvollen Schilderungen mögen einen zutiefst berühren oder gar erschrecken, wenn man erfährt, wie mit Menschen umgegangen wurde, wie die ganzen Landstriche ausgeblutet und verwaist sind. Vielleicht deswegen erscheinen in den alten Gemäuern nachts dunkle Traumbilder und seltsame Geräusche? Liegt auf diesem entferntesten Eck des Landes ein Fluch, seit die gälischen Pächter gewaltsam vertrieben wurden? Des zu erfahren soll der Leser selbst im Laufe der Handlung.

     

    Mit dem Buch ist der Autorin nochmals ein landschaftlich sensationell schöner und ans Herz gehender Roman geglückt, der zeigt, worum es im Leben wirklich geht: Menschlichkeit oder Missgunst, Gerechtigkeit oder Neid. Sie wirft die Fragen auf, welche moralische Schuld ein Mensch ertragen kann, ohne zu zerbrechen, und zu welchem Preis es gelingt, die individuelle Freiheit zu bewahren.

     

    Am Ende des Buches hegt man schon die Hoffnung, dass Maria W. Peter vielleicht noch einmal in die Highlands zurückkehrt und eine neue Geschichte erzählen wird… Und wieder mit großer sprachlicher Eleganz und einem Sinn für Emotionen.

  3. Cover des Buches Olga (ISBN: 9783257070156)
    Bernhard Schlink

    Olga

     (196)
    Aktuelle Rezension von: Das_literarische_Parkett

    Eine große Überraschung in der letzten Woche war für mich Bernhard Schlinks Roman Olga, der von der Lebensgeschichte einer Frau erzählt, die in bescheidenen Verhältnissen um die Jahrhundertwende aufwächst und deren Leben geprägt ist von ihrer innigen Beziehung zu ihrem Geliebten Herbert und ihrem inneren Widerstand gegen seine zeitgeistigen Lebensvorstellungen.
    Olga ist eine bedächtige, auf den ersten Blick unscheinbare Frau, die den Weg durch ihr von Schicksalsschlägen gezeichnetes Leben ganz mühelos findet und im Gegensatz zum aufgewühlten Zeitgeist und den Söhnen der Weltkriege zwischen Richtig und Falsch unterscheiden kann.
    Bernhard Schlink gelingt es seine Figuren trotz oder gerade wegen seiner distanzierten und unaufgeregt ruhigen Sprache in warme und lebendige Piktogramme zu verwandeln.
    Dieser Minimalismus an Adjektiven und Beschreibungen führt zu einer unverschleierten Sicht auf Olga, den Waldrand, an dem sich Herbert und Olga das erste Mal Leben lieben und auf die Nähmaschine, die einer gealterten Frau mit ganz wolkenlosen Augen sicher in den faltigen Händen liegt.
    Das Leben von Olga geht stets weiter, umrandet ist es vom Zeitgeschehen, das tragisch und sinnlos daherkommt, mit den Unglücken des Alltags, Krankheit und dem Vergessen. Aber Olga ist nicht gleichgültig, sondern sie hat eine Seele, die ganz fest verankert in ihrem Kern ist und eine Perspektive, die das Große verabscheut und das Kleine wertschätzt und trotzdem nicht puristisch und spießbürgerlich urteilt.
    Als ich Olga gelesen habe , war es in mir ganz still und friedsam - so friedsam und gleichmütig, wie sich der Lauf der Jahreszeiten Olgas Alltagsleben wiederholt. Olga ist betroffen von ihrer Umwelt, aber verliert sich nicht im Weltgeschehen und in den naiv anmutenden Irrungen ihrer Mitmenschen. In dieser Schlichtheit liegt etwas unglaublich ergreifendes und in der Narration des Simplen etwas ganz Tiefes.
    Es gibt wohl wenige Schriftsteller, die treffender als Bernhard Schlink den richtigen Ton für so eine Lebensgeschichte getroffen hätten und die mit einer vorsichtigen Stimme, die von gereiften Erfahrungen zeugt, vom Lauf des Lebens erzählen.

  4. Cover des Buches Die Wanderhure (ISBN: 9783426629345)
    Iny Lorentz

    Die Wanderhure

     (3.734)
    Aktuelle Rezension von: SotsiaalneKeskkond

    Konstanz, 1410: Die junge Bürgerstochter Marie bekommt einen Heiratsantrag von Graf Ruppert. Zunächst scheint das Glück perfekt, doch der hinterlistige Graf hat es aber nur auf das reiche Erbe der Kaufmannstochter abgesehen. doch da ist es schon zu spät und Marie und ihr Vater fallen einer Intrige zum Opfer. Marie muss in Schimpf und Schande die Stadt verlassen und ist in Zukunft auf sich alleine Gestellt. Um zu überleben bleibt ihr nur mehr die Möglichkeit, ihren Körper zu verkaufen. Doch Marie will sich nicht so einfach geschlagen geben und sinnt auf Rache. 

    Über den Schreibstil von Iny Lorentz braucht man eigentlich nicht diskutieren. Die Bücher des Autorenduos lassen sich leicht und flüssig lesen, ohne, wie das bei manchen anderen historischen Romanen passiert, zu ausschweifend und langatmig zu werden. Im Gegensatz zu den anderen Büchern von Iny Lorentz fand ich dieses allerdings sehr langweilig. Die Geschichte nahm für mich nicht wirklich Fahrt auf und das Potenzial von Maries Schicksal wurde meiner Meinung nach nicht ganz ausgeschöpft. Für meinen Geschmack waren Teile der Handlung zu konstruiert, andere zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Sorry, aber Marie ist keine Goddess. und kein Racheengel, dem irgendwie Superkräfte verliehen wurde. Abgesehen davon, dass unsere Protagonistin irgendwie gleichzeitig zu viel Pech und zu viel Glück hatte, wurde ich auch so nicht warm mit Marie. Sie wirkte auf mich kalt und in Teilen auch unauthentisch. Auch hatte sie - abgesehen von ihrem Schicksal natürlich - nichts spannendes an sich. Ein weiterer Punkt, den ich bemängeln muss, ist, dass die Geschichte nicht besonders Gut mit dem historischen Hintergrund verflochten ist. Bei den anderen Büchern von Iny Lorentz hat dies meiner Ansicht nach viel besser geklappt. Hier hatte man zwar mit dem Konzil von Konstanz und in weiterer Folge mit der Hinrichtung von Jan Hus eine gute Möglichkeit, allerdings wurde diese nicht genutzt und die Geschichte blieb in historischer Sicht sehr flach, und hätte eigentlich zu fast jedem beliebigen Zeitpunkt spielen können. 

    Um ehrlich zu sein hatte ich, nachdem ich schon einige andere Bücher von Iny Lorentz gelesen habe, mir mehr erwartet. ich verstehe den Hype, der um diese Reihe gemacht wird nicht ganz, da meiner Meinung nach andere Bücher des Autorenduos die Aufmerksamkeit viel mehr verdient hätten. Trotzdem kann ich das Buch an alle empfehlen, die gerne einen seichten und lockeren historischen Roman. Außerdem ist das Buch gut für den Einstieg in das Genre geeignet. 

  5. Cover des Buches Während die Welt schlief (ISBN: 9783453356627)
    Susan Abulhawa

    Während die Welt schlief

     (218)
    Aktuelle Rezension von: Quacki24

    4,5 Sterne

    Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal beim Lesen eines Romans so viel gelernt habe. Der Nahost-Konflikt war für mich immer einfach nur ein Wort, weit weg von meinem Verständnis, meiner Komfortzone und meinem Interesse. Doch jetzt, nach Beenden dieses Buches, ist es ein gewaltiger Ansturm von Bildern und Gefühlen. Für mich zählt es ganz klar zu den wichtigsten Büchern, die ich je gelesen habe.
    Lieblingszitat: "Es gibt keinen Ort, an den sie fliehen kann in diesem Land, in dem sogar Schatten entwurzelt werden."

  6. Cover des Buches Ich bleibe hier (ISBN: 9783257071214)
    Marco Balzano

    Ich bleibe hier

     (193)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Schwendele

    Ungefähr mit 14 Jahren waren wir auf Klassenfahrt in Südtirol. Und ich weiß noch genau, wie wir am Reschensee einen Stopp eingelegt haben. Dieses Bild des Kirchturmes, das auch auf dem Cover abgebildet ist, hat mich dann sofort wieder an diesen Besuch damals erinnert. Ich wusste, dass dort einst ein Dorf war, und dass die Bewohner damals jenes Dorf räumen musste. Mehr Gedanken, was dies für diese Familien jedoch damals bedeutet haben könnte, sind mir jedoch bislang nicht in den Sinn gekommen.

    Nun, 30 Jahre später, und mit einer gewissen Lebenserfahrung, ist dies anders. Daher hat mich das Buch sofort neugierig gemacht. Der Autor schafft es, mit der Geschichte einen detaillierten Eindruck über die Lebensumstände der Bewohner Südtirols in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zu vermitteln. Eigentlich eine Zeit des Aufbruchs, nach dem „letzten großen Krieg“ wie damals viele dachten. Die Geschichte wird erzählt von Trina. Sie schreibt an Ihre Tochter, welche früh das elterliche Anwesen verlassen hat, und zur Tante gegangen ist. Sie beschreibt die Umstände, wie es sich in Südtirol lebt Nach dem Krieg. Man spricht deutsch, fühlt sich dem vergangenen Kaiserreich nahe, und findet sich plötzlich Italien zugehörend unter einem faschistischen Regime, und wird ausgegrenzt. Diese Ausgrenzung entzieht einem die Grundlage. Und immer sind da Bestrebungen, dass man in der eigenen Heimat unerwünscht ist, ja geradezu vertrieben wird.

    “Ich bleibe hier“ beschreibt die Geschichte einer Familie, die sich nicht vertreiben lassen möchte, und dabei Dinge erträgt, die fast zu viel sind für ein Menschenleben. Faschismus, Nationalsozialismus, Weltkrieg, Hunger, Kälte, Verrat, Machtlosigkeit. 

    Mich hat der Roman von Marco Balzano sehr betroffen gemacht. Er führt sehr gut vor Augen, was Generationen vor uns durchleben mussten. Und welch hohes Gut die Demokratie unserer heutigen Zeit ist. Ein Gut, das wir unbedingt und vor allen nationalistischen Strömungen und Bestrebungen verteidigen müssen. 

  7. Cover des Buches Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten (ISBN: 9783734103278)
    Anne Jacobs

    Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten

     (104)
    Aktuelle Rezension von: Leser44

    Der erste Band der Gutshaus-Saga konnte mich überzeugen! Ich hatte hohe Erwartungen, da ich die Tuchvilla-Saga sehr mag, und obwohl „Das Gutshaus-Glanzvolle Zeiten" sehr anders ist, hat es mir sehr gut gefallen.


    Zuerst war ich überrascht, dass der Großteil des Romans in den Jahren 1990/91 spielt und nur recht wenige Kapitel zur Zeit des 2. Weltkrieges stattfinden. Doch auch 1990 ist, vor allem für jüngere Leser, eine geschichtlich spannende Zeit. 


    Der Schreibstil der Autorin ist, wie gewohnt, flüssig und angenehm. Die Handlung und die Charaktere werden bildhaft beschrieben. Sowohl Franziska, als auch ihre Enkelin Jenny und das ehemalige Hausmädchen Mine sind sehr authentisch und wirken trotz Ecken und Kanten sympathisch. Die Kapitel werden aus verschiedenen Perspektiven und mit Zeitsprüngen geschrieben. Das Ende dieses ersten Bandes klärt die meisten offenen Fragen. Umso mehr bin ich gespannt, wie sich der nächste Band entwickeln wird.


    Fazit: Ein gelungener Auftakt! Anders als die Tuchvilla-Saga, aber dennoch überzeugend. Freue mich schon auf den nächsten Band!


  8. Cover des Buches Die Wunderfrauen: Alles, was das Herz begehrt (ISBN: 9783596700325)
    Stephanie Schuster

    Die Wunderfrauen: Alles, was das Herz begehrt

     (156)
    Aktuelle Rezension von: RedAnnli

    [Rezension]

    Inhalt:

    Deutschland im Jahr 1953. 

    Die Erinnerungen und Folgen des 2. Weltkrieges sind noch überall spürbar. 

    Und doch...macht sich Aufbruchstimmung breit. 

    Die Schrecken des Krieges hallen noch nach und doch versucht ein jeder das Beste aus seiner Situation zu machen. 

    So auch Luise, die sich von je her einen eigenen Gemischtwarenladen erträumt.

    Die lebendurstige Helga träumt von einem anderen Leben, außerhalb ihres streng konservativen Elternhauses. 

    Oder die sanfte Marie, die aus ihrer Heimat in Schlesien vertrieben wurde und daran schwer zu tragen hat. 

    Die Arztgattin Annabell hingegen sehnt sich nach dem perfekten Familienleben. 

    Vier Frauen, vier unterschiedliche Lebensgeschichten die das Schicksal zueinander führt. 


    Eigene Meinung:

    Der Titel und auch der Klapptext versprechen eine lebendige Zeitreise, in die Jahre des Weltwirtschaftswunders. 

    Die Autorin präsentiert eine historisch korrekte, sehr gut recherchierte und mitreißende Geschichte von vier jungen Frauen in der Nachkriegszeit. 

    Der Schreibstil ist angenehm flüssig und die Kapitellänge genau richtig. 

    Die Charaktere der vier Protagonistinnin sind alle sehr unterschiedlich und ihr Wesen sehr gut beschrieben. 

    Alle vier Protagonistinnin waren mir, mit ihren Stärken und Schwächen, sehr sympathisch und ich hatte keine Probleme mich in ihre Gedanken und Gefühle hineinzuversetzen. 

    Die Geschichten der vier Frauen sind äußerst bewegend und haben mich tief berührt und Erinnerungen geweckt an die Erzählungen meiner beiden Omis. 

    Spannend ist auch, wie sich die so unterschiedlichen Lebenswege der Frauen aufeinander zu bewegen. 

    Am Ende des Buches war klar....ich muss wissen wie es mit Luise, Helga, Marie und Annabell weitergeht!


    Fazit:

    Insgesamt ein tolles Buch über das Schicksal und seine Fügungen von vier wunderbaren Wunderfrauen! 

    Ich freue mich jetzt schon auf die folgenden Romane von den Wunderfrauen die ich garantiert lesen werde! 

    Eine ganz klare Leseempfehlung von mir, dafür gibt es... 🥁 ...fünf Sterne !


  9. Cover des Buches Trümmerkind (ISBN: 9783426304921)
    Mechtild Borrmann

    Trümmerkind

     (234)
    Aktuelle Rezension von: 3lesendemaedels

    Familie Dietz lebt im vom Krieg zerstörten Hamburg. In einem Keller findet der 14jährige Hanno eine weibliche Leiche. Verstört flieht er und trifft auf seine Schwester Wiebke mit einem kleinen Jungen an der Hand. Obwohl die Familie kaum überleben kann, denn die Mutter schlägt sich mit Näharbeiten für die englischen Besatzer durch und der Vater ist verschollen, nehmen sie ihn aus Mitleid auf.
    Heinrich Anquist führt ein großes Gut in der Uckermark. Als sie Rote Armee 1945 das Haus stürmt, kann er mit seiner Familie im letzten Augenblick flüchten. Versteckt im Wald beobachten sie die Plünderung. Doch bald wird die Familie getrennt und die Spur des Vaters verliert sich in den Tagen nach dem Ende des Krieges. Seine Tochter Clara flüchtet wenig später nach Lübeck und hofft auf eine Wiedervereinigung der verbliebenen Familie.
    Die Handlung des Buches setzt in den 90er-Jahren ein und führt die Handlungsstränge zu einem bewegenden Stück deutscher Geschichte zusammen.

  10. Cover des Buches Salz für die See (ISBN: 9783551560230)
    Ruta Sepetys

    Salz für die See

     (73)
    Aktuelle Rezension von: Chianti Classico
    Januar 1945, die letzten Kriegstage brechen an, als sich die Wege von vier Jugendlichen mit völlig unterschiedlichen Wurzeln und Hintergründen kreuzen.
    Gemeinsam machen sie sich auf nach Westen auf der Flucht vor der Roten Armee.

    "Salz für die See" ist ein Einzelband von Ruta Sepetys, der aus den wechselnden Ich-Perspektiven von Joana Vilkas, Florian Beck, Emilia Sto żek und Alfred Frick erzählt wird.

    Florian ist Preuße, der auf einer geheimen Mission unterwegs ist. Er ist schweigsam und gebildet, zeigt aber auch eine Lässigkeit, die man in den letzten Kriegstagen selten sieht. Er will nach Westen, um dort nach seiner Schwester Anni zu suchen.
    Joana ist einundzwanzig und hat ihr Heimatland Litauen vor vier Jahren verlassen. Sie hat Glück, dass sie deutsche Vorfahren hat, denn so darf sie legal nach Deutschland reisen. Sie ist eine hingebungsvolle Krankenschwester, der das Wohl ihrer Mitmenschen sehr am Herzen liegt.
    Die fünfzehn Jahre alte Polin Emilia wird von Florian aus einer schlimmen Situation gerettet und ist ihm danach völlig ergeben, eine Verbindung, die ich sehr spannend fand! Wie sie alle, musste auch Emilia in Kriegszeiten Schreckliches erleiden und doch hat die ihren Mut nicht verloren. Sie ist eine richtige Kämpferin!
    Alfred ist siebzehn Jahre alt und Matrose in Gotenhafen. In Gedanken schreibt er heldenhafte Briefe an seine Jugendliebe Hannelore, doch die Realität ist eine ganz andere. 
    Während ich Florian, Joana und Emilia sehr mochte, kam ich mit Alfreds Art überhaupt nicht klar. Er ist sehr egoistisch und fanatisch, dem Reich und Hitler absolut zugetan. Er ist kein Sympathieträger, aber auch seine Sicht hat einen interessanten Einblick in die Geschehnisse gegeben!

    Die vier Protagonisten haben mir insgesamt richtig gut gefallen! Sie stehen auf unterschiedlichen Seiten und haben völlig verschiedene Wurzeln und doch kreuzen sich ihre Wege und sie helfen sich gegenseitig. Besonders ihre Geschichten fand ich sehr spannend, denn der Krieg hat sie nicht verschont und ihre Familien auseinandergerissen. 
    Es gibt auch eine zarte Liebesgeschichte, die sich nicht in den Fokus gedrängt hat und die mit sehr gut gefallen hat! Ein kleines Licht in diesen dunklen Tagen!

    Dank der kurzen Kapitel, die oft nur ein bis zwei Seiten lang waren, ließ sich das Buch sehr gut lesen! Allerdings fand ich es anfangs doch etwas schwierig eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen, da die Perspektive zu schnell und zu oft gewechselt hat. 

    So gut sich das Buch auch lesen ließ, die Handlug war keine leichte Kost. 
    Die letzten Kriegstage im Jahr 1945 zeigen Menschen, die alles verloren und nur noch wenig Hoffnung haben. Eine Hoffnung ist, dass sie mit einem Schiff über die Ostsee nach Deutschland fliehen können, doch für viele Menschen endet diese Hoffnung im eiskalten Meer. Ruta Septeys beschönigt nichts, sondern zeigt sehr realistisch, wie schlimm die Situation der Menschen damals war.
    Ich war vom Zweiten Weltkrieg schon immer fasziniert und habe viele Fakten förmlich inhaliert. Vom Untergang der Wilhelm Gustloff hatte ich trotzdem noch nie etwas gehört. Dabei ist es eine der größten Katastrophen der Seefahrt, von der bis heute nur wenige wissen! Allein das zeigt schon, wie wichtig "Salz für die See" ist. Man muss sich erinnern, um zu verhindern, dass solche Gräueltaten noch einmal passieren!
    Ruta Sepetys mischt gut recherchierte Fakten mit vielfältigen Charakteren und lässt auch noch andere sehr spannende historische Tatsachen einfließen, eine sehr gelungene Mischung! 

    Fazit:
    "Salz für die See" von Ruta Sepetys ist ein sehr wichtiges Buch, das über den Untergang der Wilhelm Gustloff erzählt.
    Mir haben die vielfältigen Charaktere mit ihren völlig unterschiedlichen Wurzeln richtig gut gefallen, auch wenn ich Schwierigkeiten hatte, eine richtige Bindung zu ihnen aufzubauen, was auch an den sehr kurzen Kapiteln lag.
    Ruta Sepetys hat für ihren Roman sehr gut recherchiert und erzählt eine spannende Geschichte, die mich wirklich mitreißen konnte!
    Ich vergebe sehr gute vier Kleeblätter!
  11. Cover des Buches Bis ans Ende der Geschichte (ISBN: 9783328100515)
    Jodi Picoult

    Bis ans Ende der Geschichte

     (188)
    Aktuelle Rezension von: Kathrin_Schroeder

    Schuld in allen Facetten - Vergebung und Rache

    Sage fühlt sich schuldig und hässlich - denn als ihre Mutter nach einem Autounfall starb, saß sie am Steuer. Seitdem versteckt sie sich, ihr Gesicht mit der Narbe und sich ganz, so weit wie möglich. Nur in einer Trauergruppe und nachts als Bäckerin allein im Cafe - und bei den Kollegen bei der Übergabe und bei dem verheirateteten Liebhaber akzeptiert sie Menschen um sich.

    In der Trauergruppe begegnet sie dem etwa 90jährigen Josef, der der auserwählte Gutmensch ihrer Gemeinde war und beginnt eine schüchterne Freundschaft.

    Dazwischen immer wieder eine Geschichte, fast ein Märchen mit viel Gewalt und einer unmöglichen Liebe.

    Backen mit unendlich viel Liebe und Perfektion in der Geschichte bei Sage und ihrer Großmutter Minka.

    Nach und nach entwickelt sich die Geschichte zu einer Geschichte rund um den Holocaust, Schuld und Mitschuld, Vergebung, Rache und Strafe. Manches ist an den Haaren herbei gezogen, vieles vorhersehbar, manches fein ineinander verwebt. Es häufen sich Klischees und alles ist überfrachtet und dennoch nimmt die Geschichte mit in beiden Wortsinnen. Am Ende steht man wie Sage vor einem Scherbenhaufen und muss sein eigenes Bild der Geschichte selbst zusammenfügen.

    #Holocaust #Shoah #Schuld #Rache #Vergebung #BisansEndederGeschichte #JodiPicoult #KathrinliebtLesen



  12. Cover des Buches Ein Sommer im Rosenhaus (ISBN: 9783746632629)
    Nele Jacobsen

    Ein Sommer im Rosenhaus

     (62)
    Aktuelle Rezension von: rose7474

    Der Roman hat mir mittelmässig gefallen. Die Protagonisten blieben für mich blass und die Handlung war vorhersehbar. Ganz nett für zwischendurch aber nichts was sich von der Masse abhebt und mir lange in Erinnerung bleiben wird. Da habe ich schon bessere Wohlfühlromane gelesen.

  13. Cover des Buches Wovon wir träumten (ISBN: 9783442479689)
    Julie Otsuka

    Wovon wir träumten

     (152)
    Aktuelle Rezension von: Dolores999

    Das Buch behandelt das Schicksal der japanischen Arbeitsimmigranten im letzten Jahrhundert in den USA. 

    Es ist sehr klug, packend, fesselnd und poetisch geschrieben. Besonders den stimm- und namenlosen Frauen wird auf geniale Weise eine Stimme gegeben. Es berührt einen tief.

  14. Cover des Buches Farm der Tiere (ISBN: 9783257057140)
    George Orwell

    Farm der Tiere

     (736)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Es ist deprimierend. Nach dem ich 1984 gelesen habe, dachte ich, das Buch hier besäße nicht die gleiche Härte, schlussendlich geht es um eine Farm, um Tiere, um Hund, Schwein, Scharf, Hühner und Pferde. Dennoch war es ein harter Brocken, der von einer Evolution bis Diktatur geht und einem schwer im Magen sitzt.

    Die Hoffnung weicht der Ungerechtigkeit, die Freiheit einer Zuordnung und es ist voll mit den gleichen Lügen und Falschmeldungen, die 1984 den Leser abgestraft hat. Im Buch findet die gleiche Trennung zwischen Arm und Reich, die allgegenwertig ist. Die dummen Hühner, Kühe, Pferde und Schafe arbeiten für die grausamen Schweine, die ein Leben voller Luxus genießen und keine Skrupel kennen.

    Man merkt das am Anfang und alles, was man tut, ist hoffen auf das Beste. Orwell kennt kein Erbarmen und trifft den Leser direkt dort, wo es richtig wehtut. Ich war am Ende schockiert, es hat mich deprimiert und ich habe das Buch, das gutgeschrieben und interessant ist, richtig gehasst. Vom ganzen Herzen gehasst. Das Buch ist gemein, fies, brutal und nichts für schwache Nerven.

  15. Cover des Buches Weil du mich riefst (ISBN: 9782919809318)
    Emma Wagner

    Weil du mich riefst

     (83)
    Aktuelle Rezension von: Lerchie

    Tina und Ihr Vater führen in London ein Restaurant, als eines Tages ein gAst behauptet, dass ihr Armreif, der von ihrer Mutter stammt, aus Zypern kommt. Tinas Neugier ist geweckt und sie will Näheres erfahren, zumal ihr Vater jede Verbindung dorthin bestreitet. Aber Tina will es wissen und reist mir ihrer besten Freundin auf die Insel der Götter. Sie verliebt sich dort nicht nur in die wunderbare Landschaft, sondern auch in den jungen Alec. Doch irgendetwas scheint er zu verheimlichen. Hat es etwas mit ihrer Geschichte zu tun? Und da ist da noch der Mann mit der Narbe im Gesicht. Wer ist er? Diese Reise in die Vergangenheit verändert sehr viel für Tina…

     

    Meine Meinung

    Ich habe dieses Buch bei einer Adventskalenderaktion gewonnen. Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht. Ich habe es nicht bereut, bei dieser Aktion mitgemacht zu haben, denn das Buch war richtig schön spannend von Anfang an. In dieser Geschichte, war ich – auch dank des angenehm unkomplizierten Schreibstils der Autorin, ohne Unklarheiten im Text – schnell drinnen konnte mcih gut in die Protagonisten hineinversetzen. In Tina, die verständlicherweise unbedingt wissen wollte, was es mit diesem Armreif auf sich hatte. Ein Armreif, der angeblich aus Zypern stammte, wie ein griechischer Restaurant-Gast behauptet hatte. Und das eben, obwohl Tinas Vater leugnete, jemals dort gewesen zu sein. Auch in Alec konnte ich mich hineinversetzen. Aber davon jetzt nicht noch mehr, sonst verrate ich zu viel. Nur noch soviel, dass ich hier wieder etwas Geschichte gelernt habe, Geschichte, die Zyperns Teilung betrifft. Es hat mich auf jeden Fall gefesselt, gut unterhalten und ich konnte richtig darin eintauchen.  Von mir eine Leseempfehlung sowie die volle Bewertungszahl.

  16. Cover des Buches So weit die Störche ziehen (ISBN: 9783548062525)
    Theresia Graw

    So weit die Störche ziehen

     (115)
    Aktuelle Rezension von: AlinaOberem16

    Das Buch hat ein sehr schönes Cover. Der Schreibstil ist gut und flüssig. Ich fand das Buch von Anfang an sehr fesselnd und wollte weiterlesen, während ich das Buch gelesen habe ist in meinem Leben etwas passiert was für mich alles verändert hat und ich wusste nicht mehr weiter.
    Die Geschichte von Dora hat mir geholfen meinem Leben und dem Schmerz für eine kurze Zeit zu entfliehen.
    Das junge Mädchen muss sofort nachdem ihr Vater in den Krieg eingezogen wird ganz plötzlich Erwachsen werden und den Hof alleine in stand halten.
    Sie hat beistand von zwei Männern von denen einer zu ihrem Verlobten wird, doch ist dieser Mann wirklich der richtige für sie?

    Ich fand das Buch und die Geschichte sehr gelungen. Der Schreibstil war sehr flüssig und die Charaktere waren leicht ins Herz zu schließen.
    Ich werde das Buch auf jeden Fall weiter Empfehlen.

  17. Cover des Buches Die Mittagsfrau (ISBN: 9783596175529)
    Julia Franck

    Die Mittagsfrau

     (385)
    Aktuelle Rezension von: Yoyomaus

    Zum Inhalt:

    1945. Flucht aus Stettin in Richtung Westen. Ein kleiner Bahnhof irgendwo in Vorpommern. Helene hat ihren siebenjährigen Sohn durch die schweren Kriegsjahre gebracht. Nun, wo alles überstanden, alles möglich scheint, lässt sie ihn allein am Bahnsteig zurück und kehrt nie wieder. Julia Franck erzählt das Leben einer Frau in einer dramatischen Zeit - und schafft zugleich einen großen Familienroman und ein eindringliches Zeitepos.


    Helene und ihre Schwester leben ein gutes Leben. Zwar ist die Mutter psychisch instabil, aber auf den Vater können sie sich verlassen. Als dieser jedoch für den Dienst im ersten Weltkrieg eingezogen wird, ändert sich das Leben der Schwestern schlagartig. Während die Große sich als Krankenschwester ausbilden lässt, ist die Kleine noch mitten in ihrer jugendlichen Entwicklung. Sie ist fasziniert von der guten Freundin der Großen und wünscht sich auch ein bisschen so zu sein wie sie. Als der Vater wieder aus dem Krieg zurück kommt ist er verwundet. Die Große übernimmt seine Pflege, versucht ihn mit Morphium über die Schmerzen zu helfen. Doch bald muss die erkennen, dass die Große das Morphium für sich selbst nimmt und es kommt wie es kommen muss, der Vater stirbt. Fortan beginnt für die Schwestern eine turbulente Reise. Die Große nimmt die Kleine mit zu der reichen Tante in die Stadt, wo sie das Leben in vollen Zügen genießen. Es scheint keine Grenzen mehr zu geben und die Kleine - Helene - verliebt sich und verlobt sich schließlich. Doch es sind die Wirren des zweiten Weltkrieges die immer mehr um sich greifen. Ihre Mutter kommt in ein Zuchthaus und ihr Verlobter wird auf offener Straße von einem Auto angefahren. Helene ist hoffnungslos. Doch da taucht ein neuer Mann in ihrem Leben auf. Eine Chance für ein gesichertes Leben? Und was wird aus der großen Schwester, wenn sie weg zieht? Kann sie sie mit ihrer Lebensgefährtin allein lassen? Das Schicksal um Helene meint es wirklich nicht gut mit ihr und so muss sie sich schließlich entscheiden, was wirklich wichtig ist.


    Die Mittagsfrau hatte ich zufällig im Regal entdeckt und mir das Buch eher auf Verdacht gekauft. Ich bin nicht enttäuscht worden. Die Geschichte ist ergreifend, fesselnd, schockierend. Sie ist emotional und man muss sich oft die Frage stellen, wie man sich selbst wohl in dieser Situation verhalten hätte. Helene ist wirklich ein armes Kind. Die Mutter hat psychische Störungen und so können die Kinder sie nur an den guten Tagen sehen. Mit der Verletzung des Vaters verschwindet er quasi ganz aus der Bildfläche. Er ist zwar da, aber immer wenn Helene ihn sieht scheint es ihm schlechter zu gehen, bis er schließlich dahin siecht. Die Schwester hingegen, die man erst bewundert hat, verurteilt man dann als Leser, wenn man begreift, dass diese die Schmerzmittel selbst als Drogen für sich genommen hat. Mit dem Umzug in die Stadt geht das Leben für Helene bergauf. Eine Ausbildung als Krankenschwester, bei der sie aber unter anderem bald miterleben muss, wie man behinderte Frauen zwangssterilisiert, da diese nicht mit in das System passen. Wer die Geschichte aufmerksam liest, der erkennt auch bald, dass die Mutter schlicht und einfach verloren ist, nachdem man sie in eine Anstalt einweist und man kann sich wohl auch zusammen reimen, was wirklich mit ihr passiert. Genauso verhält es sich mit Helenes Verlobten der auf offener Straße einem "Verkehrsunfall" zum Opfer fällt. Zufall? In meinen Augen keinesfalls. Auch muss Helene nun auch auf sich selbst achten und auch die große Schwester, wohnen sie bei ihrer Tante die Jüdin ist und stinkreich - somit rutschen sie selbst auch in den Fokus. Helene muss sich etwas einfallen lassen und endlich, als man denkt, dass sie einen sicheren Hafen gefunden hat, da passiert das nächste Unglück.


    Empfehlen möchte ich das Buch allen, die einen Schicksalsroman suchen. Ihr kommt hier voll und ganz auf eure Kosten. Die Story ist leicht geschrieben und beginnt mit dem Ende, bevor Helenes Geschichte wirklich aufgerollt wird. Das Buch spricht alle Tabuthemen der damaligen Zeit an, ohne sich nur an einem Thema festzubeißen. Es geht um Sex vor der Ehe, lesbische Beziehungen, Drogenmissbrauch, Abtreibung, die Wirren des ersten und des zweiten Weltkriegs und die Folgen. Es ist wirklich interessant die Geschichte aus solch einem Blickwinkel präsentiert zu bekommen. Dabei schreibt die Autorin detailliert, was ich persönlich richtig gut finde. Dieses Buch ist nicht nur einfach zum lesen, sondern es regt auch zum nachdenken an. Gut gemacht.


    Idee: 5/5

    Spannung: 5/5

    Emotionen: 5/5

    Details: 5/5


    Gesamt: 5/5



    • Taschenbuch: 429 Seiten
    • Verlag: Fischer Taschenbuch; Auflage: 1. (April 2009)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3596175526
    • ISBN-13: 978-3596175529
    • Größe und/oder Gewicht: 12,5 x 2,9 x 19 cm
  18. Cover des Buches Der Fluch der Hebamme (ISBN: 9783426506066)
    Sabine Ebert

    Der Fluch der Hebamme

     (224)
    Aktuelle Rezension von: Lesebesessen

    Meinung:

    Historischer Roman, mit sorgfältig recherchierten historischen Details. Sehr lebendig und bildhaft geschrieben, wird der Leser in das 12. Jahrhundert zurückversetzt. Die Charaktere von Marthe, Lukas bleiben unverändert gut. In diesem Band treten zusätzlich Albrecht und seine Kumpane als die Verkörperung der menschlichen Abgründe, sowie Clara, Reinhard, Thomas (Sohn von Marthe) sowie Roland (Sohn von Raimund) in den Vordergrund sowie unzählige andere Namen. Und natürlich der erneut fehlgeschlagene Kreuzzug mit allen seinen Gewalttaten und der höchst fragwürdigen Rechtfertigung durch die Kirche. Sabine Ebert hat es wieder einmal geschafft sehr gut die damalige Zerstrittenheit auf allen Ebenen des Adels herauszuarbeiten, etwas unter dem vor allem das „einfache“ Volk zu leiden hatte. Ich jedenfalls weine diesem ehemaligen Adelsstand keine Träne nach, im Gegenteil.

    Fazit:

    Historischer Roman, sorgfältig recherchiert, fesselnd und kurzweilig erzählt: fünf Sterne.

  19. Cover des Buches Firelight – Flammende Träne (ISBN: 9783785579244)
    Sophie Jordan

    Firelight – Flammende Träne

     (515)
    Aktuelle Rezension von: H_B_S_004

    Jacinda hat sich vor den Menschen als Drachen verwandelt, nur um Will zu retten. Deswegen wird sie zum Rudel zurückgebracht, denn dort muss sie sich den Regeln unterordnen und Will vergessen. Trotzdem fühlt sie sich zu Cassian hingezogen, dieser war schon immer in sie verliebt. Die Hoffnung von Jacinda ist noch da, dass sie und Will eines Tages doch zusammen sein könnten. Als es zu Greifen nah ist, muss sie sich entscheiden...


    Es beginnt mit der Flucht vor den Jägern, da Jacinda sich in einen Drachen verwandelt hat, um Will zu retten. Cassian flüchtet mit Jacindas Familie aus Chaparral, doch die Straße wurde von den Jägern blockiert. Dann geschah das Unfassbare...


    Das Cover sieht wirklich wunderschön aus, denn dieses Mal ist es nicht "feurig", sondern schlicht. Die hellen bzw. den Pastellfarben haben so eine gewisse Kälte, aber nicht auf schlechte Art und Weise, sondern es ist eine kleine Brise von Kälte bzw. Frische. Ich finde das Cover ist einfach passend zum Inhalt im Buch, weil ja die Drakisiedlung in den Bergen ist und dort ist es kühl und frisch.


    Der Schreibstil war in diesem Buch spannender als im ersten Band, weil die Autorin mehr Spannung und Sachen eingebaut hat, die einfach unerwartet waren. Die Autorin hat die Gefühle von Jacinda gegenüber Will gut beschrieben und man konnte meistens das fühlen, was Jacinda fühlt. Die Hin- und Her bei Jacinda zwischen Will, der aus einer Drachenjägerfamilie kommt und Cassian, der Sohn von Severin, der Drakiprinz war für mich sehr schön zu lesen, denn es war nicht zu übertrieben, wie es manchmal in anderen Büchern ist.


    Die Charaktere wurden sehr gut in Szene gestellt, sowie auch Jacinda, die zwischen ihren Gefühlen zu Will und dem Drakiprinzen Cassian hin und her gerissen ist. Was mir auch gefallen hat, ist, dass auch andere Rudelmitglieder zu Wort kamen, wie zum Beispiel Severin, der Vater von Cassian und er ist der Rudelanführer.


    Der Inhalt war super zu lesen, also es war nicht langweilig und die spannenden Momente kamen, für mich, sehr unerwartet. Aber was man sagen kann, ist, dass der zweite Band deutlich spannender ist und es war echt cool die verschiedenen Drakis im Rudel kennenzulernen, also die Visiocrypter, die Onyxdrakis, die Erddrakis und andere. Um es einfach so zu sagen, das Rudel kann man im Band 2 näher kennenlernen.


    Kritik: An dem zweiten Band von der Firelight-Trilogie habe ich dieses Mal nichts zu kritisieren.


    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Firelight-Flammende Träne spannender ist als der erste Band, weil einfach manche Sachen einfach unerwartet kamen und ich liebe es, wenn etwas Unerwartetes passiert. Das Cover sieht einfach erfrischend, sowie auch kühl aus und das im guten Sinne. Man konnte mit Jacinda mir fühlen und man konnte auch in dem Band auch mehr Personen im Rudel kennenlernen, wie zum Beispiel Severin, Miriam und andere Personen. Also am meisten hat mir das Näherkennenlernen der anderen Drakis vom Rudel gefallen. 

  20. Cover des Buches Die Blechtrommel (ISBN: 9783423138192)
    Günter Grass

    Die Blechtrommel

     (542)
    Aktuelle Rezension von: Lorenz1984

    Danke Herr Grass für diesen längeren Ausflug in die Welt von Oskar Matzerath. 

    Dieses Buch kann ich definitiv mit nichts vergleichen was ich bisher gelesen habe... 

    Jedem zu empfehlen der Lust auf etwas unkonventionelles hat! 

  21. Cover des Buches Gesamtausgabe (ISBN: 9783596905911)
    Anne Frank

    Gesamtausgabe

     (2.386)
    Aktuelle Rezension von: Papiertiger17

    Der historischen Zusammenhänge und der immensen Bedeutung dieses Zeitdokumentes bewusst, trafen mich die Lebensfreude und die teils sehr unterhaltsamen Anekdoten der jungen Autorin doch unvorbereitet. So überrascht, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Das Tagebuch der Anne Frank gewährt ein fesselndes Eintauchen in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und lässt einem ganz beiläufig erfahren, wie es ist, von einem deutschen Unrechtsstaats das eigene Daseinsrecht abgesprochen zu bekommen. Es ist unfassbar, dass die Deutschen damals ihre ethnischen Säuberungen sogar im Radio angekündigt haben. Und alle haben gewusst, was mit jenen passiert, die weggeholt und abtransportiert wurden. Alle haben es gewusst!

  22. Cover des Buches Der weiße Stern (ISBN: 9783426511701)
    Iny Lorentz

    Der weiße Stern

     (68)
    Aktuelle Rezension von: SotsiaalneKeskkond

    Nach ihrer Flucht aus dem von Repressionen geplagten Deutschland und der gefährlichen Atlantiküberquerung haben es Gisela und Walther endlich nach Amerika geschafft. Zwar war der Plan des Paares, sich in den USA niederlassen, doch letztendlich stranden sie in der mexikanischen Provinz Tejas. Die dortige Verwaltung sucht händeringend nach Siedlern und so bekommen Gisela und Walther ein Stück Land, dass sie bewirtschaften können und beginnen sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Das Leben schreitet voran und so steht Gisela bereits kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes, währen Walther Bekanntschaft mit den Komantschen macht, die in der Nähe des Siedlungsraums leben. Nach anfänglichen Sorgen bemerken die beiden aber recht schnell, dass es sich neben den Indigenen recht gut leben lässt, und diese ein willkommener Handelspartner sind, und so entspinnt sich ein reger Handel zwischen Walther und dem Oberhaupt der Komantschengruppe. Diese guten Beziehungen machen sich auch dann bezahlt, als Giesela nach der Geburt des Kindes nicht dazu in der Lage ist, ihr Kind zu säugen, und Walther die junge Navajo Nizhoni, dir kurz zuvor ihr eigenes Kind verloren hat, den Komantschen abkaufen kann. Nach anfänglicher gegenseitiger Abneigung zwischen den drein entsteht schon nach kurzem zwischen ihnen ein starkes freundschaftliches Band, das scheinbar unzerstörbar ist. 

    Sprachlich unterscheidet sich das Buch nicht von seinem Vorgänger. Ein einfacher lockerer Schreibstil, der mich als Leser sofort in die Geschichte eintauchen lies. Auch mangelt es dem Buch durchaus nicht an Spannung. Soweit alles top und genau so gut wie der Vorgängerband. Die Charakterzeichnung wirkte allerdings in diesem Buch blasser, als noch in "Das Goldene Ufer". Walther, vor allem aber Giesela konnten mich nicht so überzeugen, wie im Buch davor. Sie wirkten auf mich deutlich blasser und auch langweiliger. Ich konnte keine Sympathien in solchem Maße aufbauen, wie ich es im ersten Teil tat. Mir entglitten also die Hauptcharaktere, dafür aber konnten die Nebencharaktere mich größtenteils für sich einnehmen. Vielleicht wirkten sie auf mich auch ein wenig interessanter als Giesela und Walther, da die beiden meiner Meinung nach nicht sonderlich viel Potenzial haben, und dieses bereits zu einem großen Teil ausgeschöpft wurde. Ein wenig daran gestoßen habe ich mich auch, dass ich stellenweise ein wahrlich unangenehmes Gefühl beim Lesen mancher Situationen hatte. Gewisse Stellen wirkten auf mich zu übertrieben freundlich und manche Dialoge fand ich einfach nur extrem cringe. Das ist aber Geschmackssache. Ich bin einfach kein Fan von übertrieben kitschigen Situationen und auch übertrieben glückliche Happy-Ends kann ich gar nicht leiden. Überzeugen konnten mich Iny Lorentz aber wieder mit den Beschreibungen des drum herum und den historischen Fakten, die in die Geschichte eingebunden wurden. an bekommt einen recht guten Eindruck davon, was es bedeutete, sich im 18. Jahrhundert eine Farm aufzubauen, und welchen Gefahren an dabei ausgesetzt ist. Auch erfährt an einige recht interessante Details über den den texanischen Unabhängigkeitskrieg, da dieser genau in die Handlungszeit des Buches fällt und teilweise sogar eine recht große Rolle spielt, ohne dass dabei allerdings die Leser:innen von zu vielen Informationen erschlagen werden. Da haben Iny Lorentz wieder bewiesen, was sie so können. 

    Kurz gesagt ist das Buch eine durchaus würdige Fortsetzung von "Das goldene Ufer", auch wenn dabei ein Teil des alten Charmes der Protagonisten verloren geht. 

  23. Cover des Buches Die hellen Tage (ISBN: 9783596512737)
    Zsuzsa Bánk

    Die hellen Tage

     (298)
    Aktuelle Rezension von: gretavox

    In ihrem Roman „Die hellen Tage“ ignoriert Zsuzsa Bánk scheinbar alle Tipps, die Schreibratgeber für Autoren bereit halten: Auf 541 Seiten enthält das Buch keinen einzigen Dialog, die Sätze sind verschachtelt und lang, gehen manchmal fast über eine Seite, und es passiert eigentlich nichts Weltbewegendes oder Spannendes. Dennoch entwickelt das Buch einen eigentümlichen Sog, dem man sich als Leser/in nur schwer entziehen kann. Mir jedenfalls ging es so. Selten habe ich in jüngster Zeit ein Buch gelesen, das mich so gefesselt und nicht ein einziges Mal gelangweilt hat. 

    Ein Großteil der Faszination beruht sicher auf der außergewöhnlichen Freundschaft der drei Protagonisten Aja, Karl und Seri. Die Autorin nimmt sich Zeit, ihre Beziehung mit allen Höhen und Tiefen zu entwickeln. Aber es sind vor allem die Väter und Mütter, deren Schicksale berühren: Karls Eltern haben das Trauma eines verlorenen Kindes zu verkraften, Seris Mutter den frühen Tod ihres Ehemanns und dessen Geheimnis. Ajas Mutter Evi, eine ehemalige Zirkusartistin und zunächst Analphabetin, meistert ihr Leben auf ihre ganz eigene unaufdringliche, warmherzige Art, ohne dabei jedoch ihre Ziele aus den Augen zu verlieren. 

    Faszinierend ist auch der ungewöhnliche Schreibstil der Autorin. Obwohl die Sätze ausufernd und verschlungen sind, bereiten die Bilder und Vergleiche pures Lesevergnügen.

    Natürlich enthält das Buch Unstimmigkeiten und Schwächen: Gewisse Schilderungen wie „das schief hängende Tor, der Klatschmohn, die Weizenfelder, Karls blasser Fleck unter der Schläfe“ werden in ihrer fast wörtlichen Wiederholung etwas überstrapaziert. Was die Charaktere angeht, so fällt auf, dass die jungen Leute keinerlei Begegnungen mit anderen Menschen außer denen in ihrem engen Kosmos zu haben scheinen und die Motivation für ihr Handeln nicht immer nachvollziehbar ist. Unglaubwürdig ist auch, dass es keinerlei erotische Komponente zwischen ihnen gibt.

    Der Roman ist nichts für Menschen, die auf jeder Seite Spannung und Action erwarten. Wer sich aber auf die leisen Töne einer wunderbaren Sprache einlassen kann, liegt mit diesem Buch genau richtig.

  24. Cover des Buches Gehen, ging, gegangen (ISBN: 9783328101185)
    Jenny Erpenbeck

    Gehen, ging, gegangen

     (116)
    Aktuelle Rezension von: Knigaljub

    Da macht sich eine knapp 50jährige weiße Schriftstellerin auf, Geflüchtete zu interviewen. Sie lernt, was es heißt, der deutschen Bürokratie auf Gedeih und Verderb ausgesetzt zu sein: Keine Arbeitserlaubnis bekommt man (oder wenn dann nur sehr schwer) beispielsweise und bei Fingerabdrücken in Italien oder anderswo aufgrund des Schengen-Abkommens nicht einmal einen fairen Asylprozess. Ach Mensch, ich bin doch Schriftstellerin, und diese Ungeheuerlichkeiten gehören niedergeschrieben, denkt sie sich. Aber einfach so die Geschichten von Geflüchteten erzählen? Nein, da muss noch literarischer Gehalt hinter: Ich mache einen alten weißen Mann, einen frisch emeritierten Professor der Altphilologie, zum Protagonisten, dann habe ich einen guten Grund für möglichst viele intertextuelle Anspielungen und eine Chance, Abi-Lektüre zu werden…

    Zugegeben: Ich weiß natürlich nicht, was die Beweggründe dafür waren, Gehen, ging, gegangen so zu schreiben, wie es geschrieben wurde, aber was ich weiß, ist, dass ich anfangs noch neugierig war, wohin die Reise mit solch einem Protagonisten wohl geht, und dass ich es ganz gut gemacht fand, Richard, den hochgebildeten, angesehenen, wohlverdienenden Egozentriker entlarvt zu sehen. Richard kennt gefühlt die gesamte europäische Literatur in sämtlichen Epochen, zitiert aus Faust und denkt in Brechtschen Versen, aber welche Länder mit welchen Hauptstädten zu Afrika gehören – das weiß er nicht. Und dieser Richard geht nun, verwitwet und seit Kurzem emeritiert, aus einer Art Forschungsinteresse heraus zu einer Flüchtlingsunterkunft und befragt die dort wohnenden Menschen. 

    Woher kommst du? Warum bist du hier? Warum hast du ein Handy?

    Und die Geflüchteten erzählen, denn Erpenbeck lässt nicht nur den alten weißen Egozentriker, nennen wir ihn Akono (dazu später mehr), einen ganz selbstverständlichen Anspruch auf die Geschichten der Geflüchteten erheben, sondern lässt den einen Interviewten mehrfach äußern, dass er den Menschen hier seine Geschichte schulde. Und damit sind wir auch schon bei einem wesentlichen Kritikpunkt an dem Buch: Es reproduziert White Supremacy in einem derart hohen Maß und auf teilweise so subtile Weise, dass ich es irgendwann immer unerträglicher fand, es zu lesen. (Hier: der Schwarze schuldet dem Weißen seine Geschichte). Warum ¾ dieses Buches dem Wurstbrot-und-Tagesschau-Alltag Richards gewidmet sind, mag ja gute Gründe haben, genervt hat es irgendwann dennoch ganz schön. Aber schlimmer ist, wie die Teile, die den Geschichten der Geflüchteten gewidmet sind, erzählt werden. Drei Beispiele:

    1. Raschid erzählt:

    Wir versuchten wegzukommen. Meine Brüder, meine Neffen, meine Onkel, die Nachbarn. Alle rannten und schrien. Überall lagen Leute herum, alles war voller Blut. Einer meiner jüngeren Brüder hatte sich zuerst in einem Mangobaum am Rand des Platzes versteckt. (S. 112)

    --> Raschid erinnert sich also daran, dass es nicht irgendein Baum, sondern ein MANGObaum war, unter dem sich sein Bruder versteckt, nennt aber diesen Bruder nicht beim Namen. Ist das eine realistische Figurenrede oder doch eher eine implizite Exotisierung?

    2. Richard erhält ein „Geschenk“ (S. 257) von Raschid, nämlich einen weiteren Teil von dessen Geschichte:

    Ich wusste nicht, dass sie das Viertel, in dem meine Firma war, auch schon blockweise abgesperrt hatten. Wir kamen nicht mehr durch. Die Soldaten brachten mich, meine Kinder und auch drei schwarze Angestellte von mir in ihr Lager. (S. 237f.)

    --> Raschid charakterisiert seine drei Angestellten also einzig dadurch, dass sie (wie er) „schwarz“ sind. Warum erwähnt er das? Ist das eine realistische Figurenrede oder doch eher eine ziemlich weiße Perspektive, die da durchschimmert? 

    3. Ein Fest bei Richard.

    Als es zu dämmern beginnt, und Richard die Spirituslaternen anzündet, ruft Raschid: Wie in Afrika! Er nimmt eine Laterne und schwenkt sie begeistert. (S. 342)

    --> Ja, Raschid sagt „wie in Afrika“. Ist es realistisch, dass er – wie Richard – den ganzen Kontinent über einen Kamm schert? 

    An dieser Textstelle wird auch deutlich, wie die Geflüchteten, wenn nicht gerade das Opfernarrativ gefüttert wird, gewissen Stereotypen entsprechen (hier: kindlich-fröhlicher Afrikaner). Es scheint, hier wurde versucht, einen gewissen komödiantischen Aspekt einfließen zu lassen. Den Höhepunkt dessen bildet eine Szene im Auto:

    Während die drei Nigerianer sich lachend und schubsend hinten hineinzwängen, sitzt Rufu, der Mond von Wismar, schon ernst und still vorn auf seinem Platz neben Richard. […]. Abdusalam beginnt zu singen, und Richard erzählt, dass es über solche Fuhren, wie es diese gerade ist, auch ein deutsches Lied gibt, und beginnt seinerseits: Hab mein Wagen vollgeladen, voll mit Afrikanern! Er weiß natürlich, dass in der Urfassung nicht von Afrikanern die Rede ist, sondern von alten, beziehungsweise jungen Weibern – aber was die Silbenzahl angeht, sind die Afrikaner perfekt. An einer roten Ampel blickt Richard, der noch aus voller Kehle singt, während die Männer hinten klatschen und johlen, und sogar Rufu im Rhythmus mit dem Kopf nickt, zufällig in ein Nachbarauto hinein, darin sitzt eine junge Familie: Vater, Mutter, zwei Kinder – alle die Köpfe zu Richards Auto gedreht, stumm und fassungslos angesichts so vieler ausgelassener Mohren und eines offensichtlich verrücktgewordenen Weißen. Als er mit einem Hüh, Schimmel! Bei Grün wieder anfährt, hört Richard noch, wie hinter der in ihrem Staunen festgefrorenen Familie ein Hupkonzert einsetzt. (S. 198)

    --> Stereotyp singende, fröhliche Afrikaner, hier von der Erzählinstanz als M*** bezeichnet, rufen eine dermaßen große „Fassungslosigkeit“ bei einer jungen Familie (vermutlich weiß, denn Hautfarben werden im Buch nur in den unterschiedlichsten Nuancen bei den Schwarzen Geflüchteten beschrieben) hervor, dass sie stehenbleiben und ein Hupkonzert verursachen (übrigens in Berlin, als ob man da nie Schwarze sähe) – spätestens hier hatte Erpenbeck mich verloren. Schön ein bisschen rassistischen Slapstick-Humor einbauen, damit dem weißen Leser die Beschäftigung mit diesem Buch nicht allzu sehr auf den Magen schlägt, oder was war die Intention hinter dieser Szene?

    Aber nicht nur fremde Menschen lässt Erpenbeck staunen, auch Richard selbst ist ganz verwundert, dass ein Weihnachtsbild mit einem Schwarzen Geflüchteten „genauso friedlich wie all die Fotos reinrassig deutscher Weihnachtsfeste“ (S. 242) aussehe. Ja, „reinrassig deutsch“ steht da – was auch immer das sein soll, die „reine deutsche Rasse“. Klar, Richard als Protagonist denkt so, aber so unsympathisch und ignorant er auch gezeichnet sein mag, dass er wirklich eine Nationalität (deutsch) als „Rasse“ definiert, finde ich unglaubwürdig. (Übrigens ebenso wie die Tatsache, dass er für einen Arzt dolmetscht (vgl. S. 288) – auf Englisch, denn das ist offensichtlich die Sprache, in der er sich mit den Geflüchteten verständigt. Kann der Arzt wirklich kein Englisch?)

    Bleiben wir bei Akono aka Richard: Dieser kann sich nämlich nicht nur die Hauptstädte der afrikanischen Länder nicht merken, sondern kommt auch mit diesen ganzen afrikanischen Eigennamen durcheinander. Also benennt er kurzerhand manche der Geflüchteten um. Immerhin benennt er sie nicht nach sich selbst, sondern nach griechischen Göttern, dennoch benennt hier ein Weißer Schwarze um, was unangenehm an den Umgang mit Sklaven erinnert. Gerade, weil Richard am Ende doch zum White Savior in diesem Buch mutiert, stößt es besonders bitter auf, dass er die Verwendung dieser "Spitznamen" bis zum Schluss durchzieht.

    Apropos Schluss: Konsequenterweise ist der natürlich nochmal ganz Richard gewidmet. Konsequenterweise kommt heraus, dass er schon immer ein ignorantes, egozentrisches Arschloch war, auch in Bezug auf seine Frau. Bereits im gesamten Roman hatte sich gezeigt, dass Richard Frauen objektiviert – die Deutschlehrerin der Geflüchteten beispielsweise ist ihm nicht mal einen Namen wert. Stattdessen überlegt er (alter Sack) sich, wie es wäre, etwas mit ihr (junge Frau) zu haben.

    Zu dem unsympathischen Protagonisten gesellen sich andere Figuren, die ebenfalls reichlich überzeichnet wirken: der Hölderlinleser Andreas zum Beispiel oder Monika und Jörg, die „ein Restaurant mit vierzig verschiedenen Sorten Büffelmozzarella“ (S. 242) in Italien besuchten, sich aber an dem Anblick von „Afrikanerinnen […] am Straßenrand“ (S. 243) in der Toskana störten und Richard warnen: „Da musst du aufpassen, die schleppen oft Krankheiten ein, Hepatitis, Typhus und Aids. Hab ich zumindest gehört.“ (ebd.) 

    Auch mitten aus dem Leben gegriffen ist der Tacitus rezitierende Anwalt:

    Sie kennen doch sicher den schönen Abschnitt in Tacitus‘ „Germania“ über die Gastfreundschaft unserer Vorfahren? Ja, sagt Richard und nickt. Wenn ich Ihnen die Passage kurz noch einmal in Erinnerung rufen darf? Sie dürfen. Der Anwalt steht auf, geht zu seinem Bücherregal, die Rockschöße wehen im unerklärlichen Bürowind, zieht den Tacitus aus dem Regal und schlägt das kleine Buch an einer Stelle, an der ein Zettel eingelegt ist, auf. […] Und nun beginnt der Anwalt zu rezitieren: Es gilt bei den Germanen als Sünde, einem Menschen sein Haus zu verschließen, wer es auch sei; … (S. 309)

    Mit besonders viel Weisheit kann auch Anne, die Fotografin, um sich werfen. Bei Richard ist eingebrochen und Schmuck gestohlen worden, „der Klavierspieler“, dem Richard seit einiger Zeit das Klavierspielen beigebracht hat, steht direkt im Verdacht, denn er habe ja gewusst, dass Richard nicht Zuhause sei. Anne weiß Rat:

    Du musst einfach herauszufinden versuchen, ob es dein Klavierspieler war. […] Du denkst also, dass er es war. Du verurteilst ihn, ohne dass er eine Chance hatte, sich zu äußern. Das ist nicht schön. […] Frag ihn, ob er es war. […] Wenn er es wirklich gewesen sein sollte, der dir den Ring geklaut hat, dann schrei ihn an! Sag ihm, dass du, verdammt nochmal, den Ring zurückhaben willst! Mach ihm eine Szene! […] Weil du ihn ernst nehmen musst. Wenn du seinen Verrat entschuldigst, bist und bleibst du der großkotzige Europäer. (S. 316f.)

    Weißte Bescheid? Schrei die Leute an, nur dadurch zeigst du ihnen, dass du dich nicht über sie stellst. Was sind das für Figuren in dem Roman? Wo leben die alle? Warum sind die so dermaßen überzeichnet, dass man keinerlei Identifikationspotential geboten, aber permanent Kotzreiz bekommt?

    Insgesamt habe ich das Gefühl, dass Erpenbeck irgendwie schon gute Absichten hatte, aber gut gemeint ist eben nicht automatisch gut gemacht. Neben der oben ausführlich skizzierten (für mich sehr fragwürdigen) Figurenzeichnung war es insbesondere der insgesamt belehrende Ton, der mir missfiel: Nicht nur wurde dem Leser beispielsweise mindestens drei Mal erklärt, was es mit dem Schengen-Abkommen auf sich hat, nicht nur wurde permanent wiederholt, dass die Geflüchteten doch nur arbeiten wollen und nicht können, sondern auch die Einschübe von Elementen klassischer Schullektüre und die rechtlichen Grundlagen von Asylprozessen kamen mir des Öfteren künstlich eingebaut vor. 

    Mag ja sein, dass Erpenbeck mit der Wahl ihres Protagonisten und dem Raum, den er im Roman im Vergleich zu den Geflüchteten einnimmt, gerade darüber zum Nachdenken anregen wollte, wer eigentlich Geschichte(n) schreibt, wer stets im Fokus steht und wer nicht – für mich ging das vollkommen nach hinten los. Weder schafft sie es, dass man sich mit dem Protagonisten (oder irgendeiner anderen Figur) identifiziert (und dadurch zum Nachdenken angeregt wird), noch erhalten die Schicksale der Geflüchteten genügend Raum, im Gegenteil bleiben die Geflüchteten gesichts- und teilweise namenlose exotisierte „Randphänomene“ in dieser gefühlt schnell niedergeschriebenen und mit möglichst viel Wissen zusammengeworfenen, aber fragwürdige Narrative bedienenden Geschichte. Dass nicht auf Selbstreflexion, sondern Systemkritik, auf der man sich dann ausruhen kann, abgezielt wurde, zeigt auch die provokante Anspielung, die einen fragwürdigen Vergleich zu Judendeportationen zieht:

    Jetzt entsteigen den vorderen Mannschaftswagen Polizisten in voller Montur: Kampfanzüge, Helme mit heruntergeklapptem Visier, Knüppel, Pistole. [...] Richard fragt sich, ob tatsächlich 40 schwerbewaffnete Männer notwendig sind, um 12 afrikanische Flüchtlinge aus so einem Heim zu tragen, ganz zu schweigen von den übrigen rund 150 Polizisten, die in den anderen Wagen auf ihr Startsignal warten. Morgen, das weiß er jetzt schon, wird in der Zeitung stehen, wieviel der Einsatz gekostet hat, und die Kosten werden vom Volk der Buchhalter den Objekten des Abtransports als Schuld zugeschrieben werden, wie das auch in anderen Zeiten, wenn Deutschland irgendwen hat abtransportieren lassen, üblich gewesen ist. (S. 258f.)

    Was mir am Ende der Lektüre nur bleibt, ist folgende Frage: Warum genau wird/wurde dieses Buch so gefeiert?

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