Bücher mit dem Tag "vertreibung"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "vertreibung" gekennzeichnet haben.

134 Bücher

  1. Cover des Buches Altes Land (ISBN: 9783328602101)
    Dörte Hansen

    Altes Land

    (765)
    Aktuelle Rezension von: Renate1964

    Ein Buch, welches sich mit vielen Fragen auseinandersetzt. Eine Hauptfigur ist Vera,ein ehemaliges Flüchtlingskind.Ihre Mutter  war aus Ostpreußen vertrieben auf einem Hof im alten Land gestrandet,hatte den kriegsversehrten Hoferben geheiratet und für einen anderen verlassen. Bei der nun alten Vera zieht nach einer unglücklichen Liebe die Nichte Anne mit Sohn Leon ein. Neben der berührenden Familiengeschichte gibt es Städter mit idyllischen Vorstellungen, Generationskonflikte und viel mehr. Es ist sehr ironisch und realistisch, aber auch zum Nachdenken 

  2. Cover des Buches Während die Welt schlief (ISBN: 9783453427808)
    Susan Abulhawa

    Während die Welt schlief

    (263)
    Aktuelle Rezension von: melunchained

    Susan Abulhawa leistet mit diesem Roman einen  bedeutsamen Beitrag zur Aufklärung über die Realität in Palästina. Das Buch sticht vor allem deshalb heraus, weil Abulhawa durch ihren ungefilterten und zugleich poetisch- empathischen Schreibstil tiefe Einblicke in das menschliche Leid der Protagonisten gewährt, während westliche Werke in der Regel von einer sprachlichen Dehumanisiering der palästinensischen Opfer des Krieges geprägt sind.

    Ein emotional aufrüttelnder und spannungsgeladener Roman in einem politisch und historisch realen Setting im Kontext des Nahostkonflikts und aufgrund der  aktuellen Ereignisse definitiv eine Pflichtlektüre für jeden. 

  3. Cover des Buches Die Verlorene (ISBN: 9783596710546)
    Miriam Georg

    Die Verlorene

    (247)
    Aktuelle Rezension von: Simone_081

    Abbruch nach 210 Seiten

    Dieses Buch hat mir wieder einmal gezeigt, warum ich deutsche Bücher häufig nicht mag.
    Das Problem ist, dass die Geschichten sich irgendwie alle gleich anhören, vor allem historische Romane. Es geht eigentlich immer (oder meistens) um den Zweiten Weltkrieg. Immer gibt es - sehr klischeehaft - von einer modernen Person mit eigenen Problemen (Mutterschaft - ja oder nein) irgendein Familiengeheimnis aufzudecken, über das - oh Wunder - vorher noch nie jemand etwas gesagt hat oder irgendetwas wusste. Als wenn das glaubwürdig wäre... Wenn das so wäre, dann hätten sehr viele Deutsche Leichen im Keller ihrer Vorfahren zu entdecken.

    Ich fand die Geschichte fad und klischeehaft. Die Figuren haben mir nichts gegeben, die Handlung war für mich sehr bruchstückhaft (natürlich zwei Handlungsebenen, aber auch die historische Ebene wurde noch einmal aufgeteilt in mehrere Episoden, Anekdoten, POVs und Ereignisse) und deskriptiv (viele Landschaftsbeschreibungen und Beschreibungen von Tätigkeiten auf einem Hof in Schlesien). Warum kann ein Buch nicht mehr linear erzählt werden?! Mittlerweile ist das ja fast schon eine Besonderheit.

    Mir fehlt bei deutschen Autoren (und Verlagen) einfach ein bisschen Mut, mal was Neues zu wagen und Geschichten anders zu erzählen, andere Thematiken zu auszuprobieren, anstatt immer wieder dieselben ausgetreteten Wege zu gehen.
    Wer gerne Mainstream liest und eine weitere Geschichte, die im Zweiten Weltkrieg verortet ist, mag, wird hier fündig.

  4. Cover des Buches Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten (ISBN: 9783734103278)
    Anne Jacobs

    Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten

    (127)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ich habe das Buch unheimlich schnell weggelesen. Die Grundidee hinter der Geschichte ist interessant, aber die Umsetzung bleibt insgesamt doch eher seicht. Es ist kein Buch, das tief schürft oder einen noch tagelang beschäftigt, aber die Seiten fliegen beim Lesen einfach so dahin. Für mich war es eine nette, unaufgeregte Unterhaltung für ein paar gemütliche Lesenachmittage. Mal schauen, ob ich Band zwei der Reihe auch noch lesen möchte.

  5. Cover des Buches Der Gesang der Berge (ISBN: 9783458682608)
    Nguyễn Phan Quế Mai

    Der Gesang der Berge

    (134)
    Aktuelle Rezension von: Firebee

    Huong wächst bei ihrer Großmutter in Hanoi auf. Vater, Mutter und Onkel kämpfen im Vietnamkrieg. In Rückblicken wird die Lebensgeschichte der Großmutter und ihrer Kinder erzählt und in der Gegenwart die Geschichte von Huong. 

    Entstanden ist ein spannendes, leicht und flüssig zu lesendes Familienepos. Durch die geschickte Kombination aus Gegenwart und Rückblicken wird die Geschichte Vietnams des 20. Jahrhunderts präsent. Ich habe mich mit der Geschichte Vietnams in der Vergangenheit auseinandergesetzt, aber einiges war mir vorher nicht so präsent oder hatte ich vergessen. 

    Durch diese gelungene Prosaerzählung macht es Spaß sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzten. Die Autorin hat es geschafft ein großartiges Bilderkino in meinem Kopf zu zaubern .

  6. Cover des Buches Piccola Sicilia (ISBN: 9783596702619)
    Daniel Speck

    Piccola Sicilia

    (171)
    Aktuelle Rezension von: Stolli

    Piccola Sicilia von Daniel Speck ist der direkte Nachfolger von Bella Germania und hat mich erneut mitgerissen, die teilweise sehr bedrückenden Stimmungen, insbesondere in Tunis, waren ganz tief zu spüren.

    Die Charaktere waren sehr gut beschrieben, ich konnte mich gut einfühlen. Gerade Yasmina war sehr negativ aber das war wohl so gewollt.

    Der Schreibstil wunderbar, ich konnte das Buch oft nicht aus der Hand legen.

    Wie in anderen Rezensionen war auch für mich das Ende einfach zu offen aber dies soll ja in Jaffa Road aufgeklärt werden.

  7. Cover des Buches Ich bleibe hier (ISBN: 9783257261806)
    Marco Balzano

    Ich bleibe hier

    (280)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Es gibt Regionen in Europa, die haben eine besonders dramatische, eine besonders leidvolle Geschichte. Süd-Tirol oder Alto Adige Sudtirolo (ital.) gehört sicher dazu. Die alternative Namensgebung verweist schon auf das politische, teils kriegerische Hin und Her in dieser inzwischen (1972) autonomen Provinz Italiens. Und zwischen den Mühlsteinen widerstreitender „Interessen“ reibt sich die Bevölkerung auf. Und nicht nur einmal stellt sich ihnen die Frage: Bleiben oder Fortgehen, Verharren oder Neuanfang?

    „Bis zum Marsch auf Bozen [1922] verlief das Leben in den Grenztälern im Rhythmus des Jahreszeiten. Es schien, als käme die Geschichte nicht bis hier herauf.“ Doch dann sind es gleich zwei Großereignisse, die die Bevölkerung in der Nordostecke Südtirols nachhaltig beeinflussen: der Zweite Weltkrieg (den Faschisten Mussolinis trotzen oder dem „Gröfaz“ hinterherlaufen?) sowie ein gewaltiges Staudammprojekt (mit Umsiedlungen). In einer anrührenden Geschichte werden die daraus entstehenden Konflikte im Großen wie die persönlichen Kämpfe innerhalb einer Familie geschildert.  Und über dieser ohnehin am Existenzminimum lebenden Familie schwebt, meist unausgesprochen, die Sehnsucht nach der in jungen Jahren fortgegangenen der Tochter (erzwungen oder freiwillig?). 

    Diese Sehnsucht bildet sich auch in der Erzählweise (Ich-Erzählerin) der Geschichte ab, die auch als eine Art Berichterstattung der Mutter an die Tochter gelesen werden kann – inklusive der immer wieder anbrandenden Gefühle: „Die wenigen Fotos, die ich noch [von dir] habe, hole ich nur selten hervor, mit der Zeit ist man nah am Wasser gebaut. Und ich hasse es zu weinen […], weil es mich nicht tröstet.“

    In diesem Roman wird nicht nur eine bewegende Geschichte erzählt, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte sichtbar gemacht – sowie eine, trotz aller Unbilden des Lebens, aufmunternde Lebenshaltung der Erzählerin: „Die einzige Möglichkeit weiterzuleben ist vielleicht, sich zu verändern und nicht zu erstarren.“

    (9.4.2022)

  8. Cover des Buches Trümmerkind (ISBN: 9783426304921)
    Mechtild Borrmann

    Trümmerkind

    (299)
    Aktuelle Rezension von: Lesekatze22

    Mechthild Borrmann beschreibt in ihrem Roman "Trümmerkind" die spanndende Lebensgeschichte der Familien Dietz, Anquist u.a.

    3 Zeitstränge, die am Ende zusammengeführt werden. 

    Der Vater wird vermisst, der Sohn Hanno Dietz kämpft im Hamburg der Nachkiegszeit für seine Schwester und Mutter ums Überleben. Seine Mutter hält die Familie mit Schneiderarbeiten über Wasser.

    Es ist kalt und es fehlt an Nahrung, ja, eigentlich an allem. Auf einer "Räubertour" treffen Hanno und seine Schwester in der Nähe einer toten Frau auf einen Jungen.

    Im Köln der 90er Jahre begibt sich die junge Frau Anna Meerbaum, da ihr Mutter ein großes Geheimnis zu hüten scheint, auf eine Reise in die Vergangenheit ihrer Familie. 

    Heinrich Anquist lebt mit seiner Familie in der Uckermark und verliert fast alles, als die Russen näher kommen. 

    Wer sind wir? Wo liegen unsere Wurzeln?

    Eine spannende Geschichte, eingehüllt in einen Kriminalfall.

    Man spürt recht schnell, welche Wendung die Geschichte nehmen könnte, doch die authentischen Beschreibungen lassen den Leser gebannt beim Lesen verweilen. 

  9. Cover des Buches Suleika öffnet die Augen (ISBN: 9783746634517)
    Gusel Jachina

    Suleika öffnet die Augen

    (69)
    Aktuelle Rezension von: Vanderkatz

    Ein unglaublich schöner Roman, der mich von Anfang an fasziniert hat. So tiefgründig, erschreckend, erschütternd, spannend und gleichzeitig unheimlich warm und rührend. Der Schreibstil der Autorin ist einzigartig,  sehr authentisch und lässt fantastische Bilder vor dem inneren Auge entstehen, die für sich genommen schon Meisterwerke sind. Auch die Nebenfiguren sind meisterhaft dargestellt. Kulturen, Traditionen, Geschichte, Schicksalsschläge, Volksmärchen, Natur und unglaublicher Mut sind kunstvoll ineinander verwoben. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so begeistert hat. 

  10. Cover des Buches Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt (ISBN: 9783596705634)
    Stephanie Schuster

    Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt

    (202)
    Aktuelle Rezension von: Buchwurm05

    Inhalt:
    1953. Endlich geht es in Deutschland wieder aufwärts. Die mageren Jahre sind vorbei. Während Luise von einem eigenen Laden träumt, nehmen Luises Brüder die heimatvertriebene Marie bei sich auf dem Bauernhof auf. Helga, die aus reichem Haus stammt, flüchtet vor ihren Eltern und beginnt eine Ausbildung als Krankenschwester in der Geburtsklinik von Dr. von Thaler. Durch ein Missverständnis zieht sie den Zorn von dessen Gattin Annabel auf sich. Jede versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen. Noch wissen sie nicht, dass sich ihre Wege immer wieder kreuzen werden.....

    Leseeindruck:
    "Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" ist der erste Band einer Trilogie. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Luise, Marie, Helga und Annabel geschrieben. So konnte ich sie nach und nach besser kennenlernen und wurde tief in die Geschichte hineingezogen. Es hat mich gut und kurzweilig unterhalten, ihren Lebensweg zu verfolgen. Ich habe es bewundert, wie sie das Beste aus ihrer Situation gemacht und immer wieder Mut gefasst haben. Dabei kam es gerade zum Ende hin auch zu Szenen, die ich so nicht erwartet habe. Auf der einen Seite wurde es nicht langweilig und es gab für mich unerwartete Wendungen. Auf der anderen Seite, hat das gar nicht zu den Figuren gepasst. Auch, wenn das jeweils in Ausnahmesituationen geschehen ist, kam mir persönlich das etwas zu unerwartet.

    Fazit:
    "Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" hat mir unterhaltsame Lesestunden beschert. Es ist eher ein leichter Roman, bei dem ich mich schnell in die Figuren hineinversetzen konnte. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

  11. Cover des Buches Wer den Wind sät (ISBN: 9783406817984)
    Michael Lüders

    Wer den Wind sät

    (45)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Michael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen  Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.

  12. Cover des Buches Machandel (ISBN: 9783328100249)
    Regina Scheer

    Machandel

    (65)
    Aktuelle Rezension von: rose7474

    Dieser Roman wurde mir empfohlen und er sprach mich gleich an, da es um zeitgeschichtliches geht in der DDR. Ich mag solche Geschichten sehr und wurde hier nicht enttäuscht. 

    Ich brauchte etwas Zeit um in die Geschichte reinzukommen. Dann jedoch packte es mich und wollte immer weiterlesen. Die verschiedenen Perspektiven gefielen mir sehr gut und die Schicksale berührten mich sehr ubd brachten mich zum Nachdenken. Ein Buch wofür man etwas Zeit braucht aber wichtig gegen das Vergessen ist. Ich werde es irgendwann nochmal lesen und noch mehr von Regina Scheer. 

    Daher eine absolute Leseempfehlung von mir und wohlverdiente 5 Sterne. 

  13. Cover des Buches Wiesenstein (ISBN: 9783406700613)
    Hans Pleschinski

    Wiesenstein

    (54)
    Aktuelle Rezension von: HansDurrer

    Hans Pleschinski, geboren 1956, als freier Autor in München lebend, nimmt sich in diesem Roman Gerhart Hauptmanns an, der zusammen mit Thomas Mann (über den Pleschinski den ganz wunderbaren Roman „Königsalleee“ geschrieben hat) zu den grossen Figuren der deutschen Literatur (beide sind Nobelpreisträger) zählt. „Wiesenstein“ beginnt im März 1945 mit dem Aufbruch des greisen und pflegebedürftigen Hauptmann und seiner Entourage (inklusive Masseur) vom Sanatorium Dr. Weidner im eben zerstörten Dresden nach Schlesien, in seine Villa „Wiesenstein“, einem prächtigen Anwesen im Riesengebirge.

    Ich staune, welche Ehrerbietung die Leute dem Dichter Hauptmann, der offenbar lange schwankte „zwischen der Poesie und dem Wunsch, ja, ein neuer Michelangelo zu werden“ entgegenbringen. Ja, ich staune überhaupt, dass einem Dichter einmal Ehrerbietung entgegengebracht worden ist – solche Zeiten sind lange her. Allenthalben wird er „Herr Dr. Hauptmann“ genannt, der vielfach Geehrte, der nun mit einem Pfleger auf dem eisigen Bahnhof steht. Es ist höchst beeindruckend wie es Hans Pleschinski gelingt, die damalige Simmung zu vermitteln.

    Von Propagandaminister Dr. Goebbels (wieder ein Doktor) war Hauptmann zwar wenig geschätzt, von dessen Widersachern auf der Kulturbühne dafür (und auch deswegen) um so mehr. Und wie fürstlich der Mann gelebt hat! „Ein Lebenshöhepunkt – von Galadiners gerahmt – waren natürlich die Gerhart-Hauptmann-Festspiele in Breslau gwesen: vierzehn Stücke en suite füllten damals, in den Zwanzigerjahren, die Theater.“

    Dem Dichter war offenbar eine heftige Radikalität eigen. So lässt Hans Pleschinski die Sekretärin Annie Pollak sagen: „Vor dieser Lebensberuhigung hatte Hauptmann, pardon, wenn ich’s so ausdrücke, gesoffen, randaliert. Jetzt wurde er – man kennt solche Umschwünge – zum strikten Abstinenzler.“ Worauf der Masseur Paul Metzkow meint: „Ich glaube, der Wunsch meldet sich beim Menschen und in der Geschichte regelmässig. Heute hui, morgen pfui. Erst Schwung durch Schnaps, dann Prohibition. Und dann wieder andersrum.“

    Dass Hauptmann, im Gegensatz zu seinem Nobelpreiskollegen Mann („Der eine, Mann, war eher zerebral, der andere, Hauptmann, oft vulkanisch. – Gut, dass wir beide haben! Das ist ein geistiger Reichtum“, so Hans Pleschinski in einem Gespräch mit seinem Lektor Martin Hielscher), nicht ins Exil ging, bedeutet nicht, dass er ein Nazi war, schon von seinem ganzen Wesen her, konnte er gar keiner sein. „Hauptmann sagt: Selbst wenn ich Antisemit wäre, so müsste es mich doch stutzig machen, dass Gott soviele Juden mit so zauberhaften Gaben beschenkt hat.“ Doch die Privilegien, die Hauptmann geniesst, sind nicht gratis. Natürlich benutzen ihn die Nazis für ihre Zwecke und scheuen auch nicht davor zurück, sinnentstellend in seinen Dresden-Appell, der das Kultur-Verbindende hervorhob, einzugreifen und in eine parteiische Beschuldigung der Alliierten umzuwandeln.

    Ausser dem „Bahnwärter Thiel“, den wir in der Schule durchgenommen hatten (und ich nicht erinnere), habe ich von Gerhart Hauptmann nichts gelesen. Von seinem Stück „Die Weber“ habe ich gehört. Anders gesagt: „Wiesenstein“ war für mich eine Einführung in Leben und Werk dieses Mannes, der ganz offensichtlich weltweit wahrgenommen wurde (sogar James Joyce übersetzte Stücke von ihm) und zwar eine, die mich auch Einiges über das Leben lehrte. „Man möchte sagen, seine Seele öffnete sich der unberechenbaren Vielfalt der Schöpfung.“

    Hans Pleschinski ist ein begnadeter Erzähler. „Dorn mochte jede Jahreszeit. Der Sommer, dieser Brüllaffe, heizte allem ein, was kreuchte und fleuchte, die Käfer schossen über den Stein, die Ameisen schleppten, was sie konnten, aber ein wohliges Ächzen erfüllte die Natur. Im Herbst durften alles und jeder ermattet sein, Gärtner Dorn rechte Laub und Nadeln, liebte die Abkühlung im Gesicht, den kräftigen Duft aus der Erde und freute sich auf den Winter, wenn das Dunkel ruhiger machte, die Schlitten vorfuhren und der Atem dampfte. Schon um fünf Uhr früh schippte er dann den Fussweg von Schneewehen frei, liess die Frostluft willig an ihm beissen, fühlte umso mehr seine Lebenswärme. Und wenn er danach die Brotkante in den Malzkaffee stippte, den ersten Schluck getrunken hatte, kam er sich wie neugeboren vor. Bohnenkaffee war den Herrschaften vorbehalten. Er träumte dann am Küchentisch, liess die Frauen schwatzen und lauschte dem Klappern der Töpfe und Pfannen.“

    Solche Sätze schärfen meine Wahrnehmung – und das ist einer der Gründe, weshalb ich Bücher lese. Wie auch diese, die mich die Dinge neu (der Gedanke ist mir nicht neu, ihn so wohlwollend auszudrücken hingegen schon) sehen lassen. „Das unentschiedene Schwanken scheint eine Spezialität von ihm zu sein. Nun gut, wer wankt, gewahrt vielleicht mehr als derjenige, der stur geradeaus schreitet.“ Oder dieser: „Nichts auf Erden kann zufriedenstellen.“

    Eindrücklich auch, wie Pleschinski den Einmarsch der Sowjetarmee nördlich von Görlitz schildert. Oder die Plünderungen und Enteignungen am Kriegsende. Man glaubt, sich selber mittendrin zu befinden. Überhaupt hat mich Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen des Autors, der den Krieg ja nicht selber erlebt hat, verblüfft, erstaunt und tief beeindruckt. Ganz wunderbar auch sein Witz und seine Formulierungsgabe. „Madame hingegen wirkte gelegentlich, einer selbst auferlegten Fasson halber, ein wenig indigniert. Da dies zumeist keine Konsequenzen zeitigte, blieb es, wenn sie ihre Lippen kurz spitzte, eher bedeutungslos. Oft sah sie auch nur schlecht.“

    „Wiesenstein“ ist ein tief beeindruckendes, rundum grossartiges Werk!

  14. Cover des Buches Olga (ISBN: 9783257244991)
    Bernhard Schlink

    Olga

    (223)
    Aktuelle Rezension von: Aleksandra

    Das Buch Olga handelt - wie der Titel schon vermuten lässt - vom Leben der Protagonistin Olga. Sie ist eine Frau, die zwischen Liebe und Einsamkeit, zwischen Warten und Erfüllung gefangen ist, Sie kämpft in ihrer Zeit ums Überleben und muss ihren Weg größtenteils allein gehen. Im Kern erzählt der Roman die Geschichte einer beeindruckend starken Frau.

    Vom Cover her hat mich das Buch zunächst gar nicht angesprochen. Es ist sehr schlicht gestaltet. In Nachhinein muss ich aber sagen, dass es perfekt zum Roman passt, denn auch dieser ist auf eine angenehme Weise schlicht erzählt. Oft sind gerade die einfachen Dinge die schönsten. Auf dem Cover sieht man eine Frau, die auf einer Klippe steht und aufs Meer blickt. Ich nehme an, dass sie Olga darstellen soll, die darauf wartet, dass Herbert von seinen Expeditionen zurückkehrt.

    Besonders gefallen haben mir die Sprache und der Ausdruck. Der Roman in einer ruhigen, angenehmen und eher literarischen Sprache geschrieben - nicht modern oder umgangssprachlich, sondern zeitlos und stilvoll.

    Der Aufbau besteht aus relativ kurzen Kapiteln, die Olga von ihrer Kindheit bis an das Ende ihres Lebens begleiten. Danach wird die Geschichte aus der Perspektive einer Person weitererzählt, die Olga sehr nahesteht. Dadurch erhält der Roman am Ende noch einmal eine ganz besondere Tiefe.

    Das Buch lebt nicht von großer Spannung oder überraschenden Wendungen. Es ist ein ruhiger Roman, den man langsam lesen und genießen sollte. Genau wie Olga wartet, wartet auch der Leser darauf,  wohin die Geschichte führt und was am Ende deutlich wird,

    Mit der Hauptfigur Olga konnte ich mich sehr gut identifizieren. Ich finde sie eine fantastische und bemerkenswert starke Frau. Nach außen hin zeigt sie ihre Gefühle kaum. Erst gegen Ende des Buches erkennt man ihre wahren Emotionen, ihre Ängste, Wünsche und Träume., Dadurch wirkt sie sehr menschlich und berührend. 

    Die Handlung spielt vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg sowie während des Zweiten Weltkriegs und in der Zeit danach. Die politischen Ereignisse werden allerdings nur am Rande behandelt. Im Mittelpunkt steht immer Olgas persönlicher Kampf um ihr Leben.

    Dieses Buch sollten man unbedingt bis zur letzten Seite lese. Erst ganz am Ende erschließt sich seine eigentliche Schönheit und Bedeutung. Wer auf Spannung und ein schnelles Erzähltempo hofft, wird vermutlich enttäuscht sein. Wer jedoch ruhige, tiefgründige Literatur schätzt, wird mir diesem Roman viel Freude haben.

  15. Cover des Buches Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910 (ISBN: 9783608949148)
    Aram Mattioli

    Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910

    (15)
    Aktuelle Rezension von: Samuel_Pickwick

    In seiner Monografie „Verlorene Welten“ beschreibt der Schweizer Historiker Aram Matiolli die Geschichte der indigenen Völker auf dem Gebiet der USA im Zeitraum vom 1700 bis 1910. Trotz der vielen Details ist das Buch gut und flüssig geschrieben. Es liest sich gut, aber das was man liest, ist schrecklich.


    Dass über dem amerikanischen Experiment eines demokratischen Staats, der sich den Idealen der Aufklärung verpflichtet, ein dunkler Schatten des schlimmsten Rassismus gegenüber den aus Afrika verschleppten Sklaven liegt, ist allen bekannt. Mattioli deckt schonungslos eine weitere Schande auf: der Umgang mit den indigenen Nationen, den Indianervölkern, die im Laufe der Expansion nach Westen um ihr Land, ihre Kultur und in großer Zahl auch um ihr Leben gebracht wurden.


    Mich hat selten ein Sachbuch so erschreckt und frustriert. Dennoch natürlich eine klare Leseempfehlung für historisch Interessierte.

  16. Cover des Buches I love you, Fräulein Lena (ISBN: 9783328603122)
    Hanna Aden

    I love you, Fräulein Lena

    (49)
    Aktuelle Rezension von: Leseraupe

    Zugegeben - der Titel hätte mich fast davon abgehalten dieses Buch zu kaufen, weil ich keinen Nachkriegsschmachtfetzen lesen wollte. Mein Vertrauen in den Penguin Verlag hat dann aber gesiegt, und ich wurde nicht enttäuscht.

    Völlig unkitschig las ich,  wie die beiden Minderjährigen, Lena und ihre Schwester Margot nach ihrer Vertreibung aus Pommern hunderte Kilometer weiter in einem kleinen Ort in Nordfriesland Fuß fassten und sich einlebten. Mir gefiel, dass sie die Hoffnung nie aufgegeben haben und sich selbst treu geblieben sind. Der Glaube an Gott und an das Gute, Anstand und ihre jeweilige Begabung begleiteten sie.

    Ganz besonders fand ich auch, wie die Autorin auf die einzelnen Charaktere der Dorfbewohner eingegangen ist. Wie empfanden sie ihre Lage nach dem Krieg? Woran hielten sie fest? Wer konnte loslassen und sich neu ausrichten? Da kamen viele negative Dinge zum Vorschein. Die Schuld, die man im Krieg auf sich geladen hatte, unbeugsamer Stolz, der Drang nach Macht, andere zu bevormunden oder selbst besser dazustehen, sexualisierte Gewalt, Schmerz über Verlust und Niederlage. Ich bin beeindruckt, wie psychologisch versiert Hanna Aden diese Themen in ihrem Roman behandelt.

    Zudem konnte ich einiges über das Nachkriegsdeutschland lernen, zum Beispiel, dass viele Deutsche keine Ahnung vom Ausmaß der Vernichtungslager hatten und die Besatzer massive Aufklärungsarbeit leisten, auch indem sie die Bevölkerung zwangen, sich Filmmaterial anzusehen.

    Ich habe diesen Roman sehr genossen und freue mich auf die Fortsetzung.


  17. Cover des Buches Das einzige Kind (ISBN: 9783426528365)
    Hera Lind

    Das einzige Kind

    (301)
    Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee

    Anni ist erst fünf Jahre alt, als sie Weihnachten 1944 von ihrer Mutter getrennt und in ein jugoslawisches Kinderheim verfrachtet wird. Annis Mutter Amalie wird in ein Arbeitslager nach Sibirien gebracht. Anni hat noch Glück im Unglück - ihre Großeltern sind bei ihr und ermöglichen ihr die Flucht aus dem Heim. 

    Der Roman erzählt die Geschichten von Amalie, Anni und ihren Großeltern über viele Jahre hinweg. 

    Es ist zwar ein Roman, er basiert aber auf wahren Begebenheiten, was die Geschichte nur noch berührender macht. Mich hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Unglaublich, was diese Menschen durchgemacht haben. 

    Das ist eines dieser Bücher, das auch nach dem Beenden der Lektüre nachhallt. 

    20.01.2026

  18. Cover des Buches Ein Sommer im Rosenhaus (ISBN: 9783746632629)
    Nele Jacobsen

    Ein Sommer im Rosenhaus

    (66)
    Aktuelle Rezension von: rose7474

    Der Roman hat mir mittelmässig gefallen. Die Protagonisten blieben für mich blass und die Handlung war vorhersehbar. Ganz nett für zwischendurch aber nichts was sich von der Masse abhebt und mir lange in Erinnerung bleiben wird. Da habe ich schon bessere Wohlfühlromane gelesen.

  19. Cover des Buches Alle müssen mit (ISBN: 9783596035380)
    Lo Malinke

    Alle müssen mit

    (39)
    Aktuelle Rezension von: peedee

    Die Geschwister Inge, Klaus und Uwe haben seit Jahren keinen Kontakt zueinander – erst bei der Testamentseröffnung ihres verstorbenen Vaters kommt es zu einem Wiedersehen. Den Geschwistern wird mitgeteilt, dass das Erbe nur dann ausgezahlt wird, wenn sie gemeinsam nach Polen reisen, um dort die Asche ihres Vaters zu verstreuen. Ein Roadtrip der besonderen Art…

    Erster Eindruck: Das Cover ist sehr gut gelungen, der Buchtitel ist in die Strasse „eingebaut“ – gefällt mir.

    Das war für mich das zweite Buch von Lo Malinke, nach „Alle unter einer Tanne“. Jenes Buch, das sein Debüt war, hat mir ausgezeichnet gefallen. Etliche Klischees wurden zwar arg strapaziert, aber auf eine witzige, bissige Art. Daher war ich sehr gespannt auf das vorliegende Buch. Und?

    Wie mein Rezensionstitel schon verrät, kam es bei mir schweren Herzens zu einem Buchabbruch nach 135 von 335 Seiten. Normalerweise hat ein Buch (und somit der Autor) ca. 50 Seiten Zeit, mich zu überzeugen. Da ich dieses Buch unbedingt mögen wollte – schliesslich fand ich das obgenannte Debüt wirklich toll –, gab ich ihm viel mehr Zeit (und Seiten). Ich merkte jedoch mit jeder weiteren gelesenen Seite, dass es mich einfach so gar nicht packt. Mich interessieren z.B. menschliche Ausscheidungen jedwelcher Art überhaupt nicht (und sie bieten für die Geschichte auch keinen Mehrwert). Ich konnte zu keiner einzigen Person eine Beziehung aufbauen – alle haben mich nur genervt und ich habe fortlaufend den Kopf geschüttelt. Die Geschwister Inge, Klaus und Uwe haben seit Jahren nicht miteinander gesprochen und jeder macht dem anderen insgeheim Vorwürfe. Darüber sprechen? Sicher nicht! Inge idealisiert ihren verstorbenen Vater, auf den Klaus sehr wütend ist. Uwe wirkt spätpubertär und ist eher gleichgültig – er hat andere Sorgen mit sich selbst und seinem Liebesleben. Das wiederum – Uwe ist schwul – ist für Klaus offenbar ein schwieriger Punkt. Inge und ihre Tochter Jule haben sich im Grund der Dinge auch nicht viel zu sagen. Diese Vierergruppe muss also mit dem Notariatsgehilfen den Roadtrip nach Polen unternehmen, um das Erbe antreten zu können. Aber was gibt es überhaupt zu erben? Was erhoffen sich die Geschwister von dieser Reise? Eine bessere Beziehung zueinander?

    Auf dem Cover steht „Ein unvergesslicher, erhellender Roadtrip.“ – diesem Votum kann ich mich leider nicht anschliessen. Von mir gibt es aufgrund des Buchabbruchs leider nur 1 Stern, schade.

  20. Cover des Buches Die Melodie der Schatten (ISBN: 9783404177745)
    Maria W. Peter

    Die Melodie der Schatten

    (189)
    Aktuelle Rezension von: kupfis_buecherkiste

    Fiona soll mit ihrer Tante in die Highlands, doch da wird sie nicht angkommen. Ihre Kutsche wird überfallen, Fiona kann als einzige fliehen, der Kutscher und ihre Tante kommen um. Fiona flüchtet sich auf ein Anwesen, wo sie mürrisch empfangen wird. Das Hauspersonal ist verhalten, der Hausherr verhält sich sehr mürrisch ihr gegenüber. Zudem schleicht ein schwarzer Mann im Haus herum, und erschreckt Fiona nicht nur einmal. Zudem hört Fiona stimmen und Melodien im Haus. Trotz Unmut des Hausherren fängt Fiona an zu forschen, was es mit dem Haus und deren Besitzer auf sich hat. Nach und nach kann sie Vertrauen zum Hauspersonal, aber auch zu den Einwohnern des Ortes aufbauen. Dabei erfährt sie die Geschichte, die nicht nur den Hausherren betrifft, sondern auch ihren Vater – und sie muss sich entscheiden, zu wem sie hält. 

    Die Handlung dieses Buches findet im Jahre 1837 in den schottischen Highlands statt. Fiona entspricht nicht der typischen Rolle einer Frau, die man gewinnbringend verheiraten kann. Sie leidet an Fallsucht, und ihr Vater möchte sie zwar verheiraten, ist aber nicht ganz glücklich, weil er weiß, dass sich keiner seiner kranken Tochter annehmen möchte. Zudem ist er Richter, und möchte sein Ansehen waren. Dagegen hat Aidan Thristan als Hausherr keinen Ruf mehr zu verlieren. Seine Geschwister und sein Vater haben in der Region viele Menschen gewaltsam vertrieben, er selbst war als Verurteilter in Australien. Fiona versucht jedoch, Aidan von der Familienschuld zu befreien, weil sie erkennt, dass er ein gutes Herz hat. Dabei stößt sie aber in ein Wespennest, und muss sich nachher entscheiden, auf wessen Seite sie steht. Denn sie muss feststellen, dass ihr Vater die Finger im Spiel hatte, als Aidan verurteilt wurde. 

    Das Buch hat mir grundsätzlich gut gefallen. Es lässt sich gut und einfach lesen, und man kann gut dabei bleiben. Das Buch wird mit Schauerliteratur beworben. Hier muss ich leider sagen, die habe ich vergeblich gesucht. Ja, der Mord am Kutscher und an Fionas Tante sind grausam gewesen. Auch der beschriebene schwarze Mann hat durchaus seinen Hang zur Spannung. Aber unter einer Schauerliteratur verstehe ich mehr Gruselfaktor, den ich einfach für meinen persönlichen Lesegeschmack vermisst habe. Ich würde das Buch eher als Historienroman bewerben. In dieses Genre passt das Buch perfekt. Denn die Autorin Maria W. Peter beschreibt eindringlich, wie Highland Clearances abgelaufen sind. Auf grausame Weise wurden die Highlands geräumt, um den Platz für die Schafzucht zu bekommen. Die betroffenen Menschen wurden gewaltsam auf Auswanderschiffe geschafft, die nach Australien oder auch nach Nordamerika gebracht wurden. Die Autorin erzählt diese Geschichte nahbar am Fall von Aidan Thirstane, und webt Fiona als Liebesgeschichte wunderbar mit ein. Zugegeben, aufgrund des Klappentextes war ich auf eine andere Geschichte eingestellt, die vielleicht auch etwas mehr mit Fantasy oder wirklicher Schauerliteratur zu tun hat. Ich fahr eigentlich auf ein Schlossgespenst oder ein Fluch eingestellt. Doch letzterer Fluch offenbarte sich als Geschichtsroman, dessen Geschichte ich aus Schottland nicht kannte. Das hat mich positiv überrascht und ich konnte durch dieses Buch recht viel lernen. Also lasst euch vom Klappentext nicht irritieren und lest dieses Buch, das leicht zu lesen ist, auch wenn es eine anspruchsvolle Geschichte verbirgt. Definitiv lesenswert.









  21. Cover des Buches Hier sind Löwen (ISBN: 9783596523436)
    Katerina Poladjan

    Hier sind Löwen

    (62)
    Aktuelle Rezension von: Julietta89

    Katerina Poladjans Roman Hier sind Löwen begleitet eine Restauratorin, die in einer alten Bibliothek in Armenien arbeitet und dort auf ein beschädigtes Evangelienbuch stößt. Während sie Seite für Seite rekonstruiert, entfaltet sich nicht nur die Geschichte dieses Buches, sondern auch eine tiefere Verbindung zur Vergangenheit und zur Region. Der Roman erzählt dabei zwei Geschichten: eine in der Gegenwart und eine, die in die Vergangenheit führt – in die Zeit des Genozids an den Armeniern.

    Meine Leseeindrücke

    Der Roman war angenehm zu lesen, mit einem klaren, oft poetischen Schreibstil, der nie aufdringlich wird. Besonders gelungen fand ich die Verflechtung der beiden Zeitebenen – Gegenwart und Vergangenheit greifen subtil ineinander und ergänzen sich atmosphärisch wie inhaltlich.

    Die Protagonistin wirkte auf mich oft suchend, fast verloren – was dem Buch etwas Meditatives verlieh, zugleich aber auch Fragen aufwarf. Ihre Reise fühlte sich wie eine stille Selbstfindung an, deren Ziel mir manchmal unklar blieb. Das mag durchaus gewollt sein, ließ mich aber streckenweise orientierungslos zurück.

    Ich hatte mir erhofft, mehr über die armenische Geschichte zu erfahren – zumindest in historisch-konkreterer Form. Zwar ist die Vergangenheit durch das alte Buch und durch einzelne Rückblenden präsent, doch blieb vieles eher angedeutet als ausgeführt. Das Ende empfand ich als offen – eigentlich etwas, das ich schätze – doch in diesem Fall wirkte es auf mich eher unentschlossen als bewusst offen.

    Was das Buch für mich dennoch lesenswert machte, waren die Charaktere: fein gezeichnet, still, aber mit Tiefe. Es sind oft die kleinen Begegnungen und Gesten, die haften bleiben. Auch die Atmosphäre – das leise Stauben der Bibliothek, das Licht über den Hügeln Armeniens – bleibt im Gedächtnis.

    Fazit

    Hier sind Löwen ist ein leiser, nachdenklicher Roman über Identität, Erinnerung und die Kraft der Bücher. Wer eine dichte Handlung oder ein historisches Panorama erwartet, wird hier vielleicht weniger fündig. Wer sich aber auf ein ruhiges, literarisches Nachspüren einlassen kann, findet in diesem Buch eine feinsinnige Erzählung über das, was bleibt – zwischen den Zeilen, zwischen den Zeiten.

  22. Cover des Buches Wolfszeit (ISBN: 9783499633041)
    Harald Jähner

    Wolfszeit

    (23)
    Aktuelle Rezension von: Viv29

    Diese Buch stand eine ganze Weile ungelesen in meinem Regal. Keineswegs aus Mangel an Interesse, sondern weil ich mir angesichts des Umfangs und Themas eine zwar lohnenswerte, aber doch schwergängige Lektüre erwartete, der ich mich nicht nebenbei widmen wollte. Nun kann ich sagen: lohnenswert ist diese Lektüre absolut, schwergängig dagegen keineswegs! Ich war sofort gebannt von der Erzählweise des Autors. Hier wird Geschichte so erzählt, wie ich es schätze: fundiert, respektvoll und trotzdem eingängig. Das Buch vermittelt auf ungemein unterhaltsame Weise eine Vielzahl interessanter Fakten, darunter zahlreiche, die mir auch als Geschichtsfan neu waren. Harald Jähner kündigt im Vorwort an, den Nachkriegsjahren den Schleier der Düsternis ein wenig nehmen zu wollen und tatsächlich gelingt es ihm, aufzuzeigen, wie viel positive Stimmung es trotz der Not und dem Leid gab. Überhaupt wohnt der Erzählweise eine Leichtigkeit inne, die das Lesen angenehm gestaltet. Dabei mangelt es ihm aber nie an Ernst und Respekt, wo dieser angebracht ist und natürlich ist den tiefdunklen Aspekten ebenfalls Raum gewidmet. Es wird nichts beschönigt, die allgemeine Ausrichtung des Buches ist aber von einem erfreulichen Facettenreichtum, welcher die emotionale Vielfalt dieser Zeit hervorragend widerspiegelt.

    Jähner zitiert zahlreiche Zeitgenossen, die uns teilweise im Laufe des Buches immer wieder begegnen, was eine angenehm persönliche Komponente in das Buch bringt und auf den Blick auf das eröffnet, was ich immer am interessantesten finde: wie sich geschichtliche Ereignisse auf die Menschen auswirkten. Auch die zahlreichen Fotos sind anschaulich, während umfangreiche Quellenangaben im Anhang die sorgfältige Recherche beweisen. Wir erfahren über Politik ebenso wie über Liebesbeziehungen, über den Schwarzmarkt ebenso wie über die Begründung ungewöhnlicher Karrieren wie z.B. der Beate Uhses, oder der Entwicklung Volkswagens, von den Schicksalen derer, die nach einem entwurzelten Leben in Lagern den Weg in einer bürgerliche Existenz nicht (mehr) fanden. Es gibt unterhaltsame Informationen, so mußte ich schmunzeln, daß es gerade Frankfurt gelang, als einzige Stadt die Trümmerbeseitigung so durchdacht anzugehen, daß sie damit noch Gewinn machten. Vereinzelt wechselten mir die Themen zu schnell, hätte ich mir mehr Informationen gewünscht, aber das waren Ausnahmen. Es ist beeindruckend, welche Themenvielfalt hier versammelt ist, ohne daß es auf Kosten der Tiefe geht.

    „Wolfszeit“ ist Geschichtsvermittlung, wie es sein soll: unterhaltsam wie ein Roman, dabei bestens recherchiert und von unglaublicher Informationsvielfalt. Rundum gelungen!

  23. Cover des Buches Neid (ISBN: 9783492306812)
    Arne Dahl

    Neid

    (39)
    Aktuelle Rezension von: PoldisHoerspielseite

    Auch im Hochsommer mit einer Hitzewelle in Europa kann sich das Ocop-Team keine Auszeit gönnen. Sie sind auf der Spur eines Menschenhändlerrings, der insbesondere mit dem Betteln in Fußgängerzonen Profit macht. Währenddessen will Paul Hjelm die EU-Politikerin Marianne Barriere unterstützen, die unter Druck gerät, nachdem sie einen kontroversen Gesetzentwurf eingebracht hat. Und auch der Mord an einem Wissenschaftler, der einen Durchbruch bei der Elektromobilität geschafft hat, hält das international agierende Team auf Trab…

    Arne Dahls „Ocop“-Reihe ist auf vier Bände angelegt, „Neid“ ist der dritte Band – und so kennt der Leser natürlich schon die Charaktere und die grundlegenden Zusammenhänge. Der Einstieg fällt dementsprechend leicht, wenn man die vorigen Bände kennt. Wenn man die Strukturen aber noch nicht kennt, dürfte man leicht überfordert sein. Besonders die vielen schnellen Wechsel zwischen den verschiedenen Ermittlern sind dabei durchaus herausfordernd, da man sich immer erst einmal orientieren muss. Die einzelnen Stränge sind dabei auch durchaus auch schon anspruchsvoll und erzählen sehr interessante Szenerien, aber es ist eben die Kombination aller Teile, die so reizvoll ist. Gelungen ist auch wieder, dass man die Charaktere noch ein wenig besser kennenlernt und diese andere Seiten von sich zeigen können – natürlich nicht in dem Maße, wie das bei einem einzigen Ermittler der Fall ist. Aber es ist eben auch die Vielfalt, die diese Romanreihe ausmacht.

    Wie man es von Arne Dahl und insbesondere den Ocop-Bänden bereits gewohnt ist, scheinen die verschiedenen Handlungsstränge zunächst unabhängig voneinander zu verlaufen. Es gibt nur wenige Überschneidungen, erst nach und nach dämmert dem Leser, wie alles zusammenhängen könnte. In vielen Punkten kann man dabei richtig lesen, entscheidende Details sind aber dennoch überraschend und wendungsreich ausgearbeitet. Ich mag den einsetzenden Aha-Effekt an einem gewissen Punkt, an dem sich alles zusammensetzt. Das ist spannend geschrieben und hätte aus meiner Sicht die eingebauten Action-Szenen nicht gebraucht, wirklich gestört haben mich diese aber dann doch nicht.

    „Neid“ zeigt weitere finstere Seiten der menschlichen Seele, handelt von Habgier, Machtwillen und einer geringen Wertschätzung anderer Menschen. Verpackt ist das in einen dynamisch erzählten und spannenden Thriller, der auf den verschiedenen Ebenen gut funktioniert und noch weiter an Reiz gewinnt, wenn die Stränge zusammengeführt werden. Das ist elegant und flüssig geschehen, sodass ein lesenswerter und packender Thriller entstanden ist.

  24. Cover des Buches Wimmerholz (ISBN: 9783849577643)
    Michael Paul

    Wimmerholz

    (20)
    Aktuelle Rezension von: Maritahenriette

    Nach dem 2.Weltkrieg sind Hunderte von deutschen Wehrmachtsangehörigen über die Ostsee nach Schweden geflohen. Dort in Lagern  interniert warteten sie auf die Überführung nach Deutschland und sollten dort den Engländern übergeben werden.  Die damalige schwedische Regierung hielt sich jedoch nicht an diese Zusage. Aus Angst vor der russischen Gefangenschaft verletzten,  verstümmelten oder haben sich viele Millitärangehörige selbst getötet. Der 30. November 1945 geht in die schwedische Geschichte als der.      "blutige Freitag "ein. 

    MEINE MEINUNG :
    Michael Paul verarbeitet die historische Tatsache um die fiktive Geschichte des Soldaten Martin Greven und der zehnjährigen Lena. 
    Am Anfang des Buches musste ich mich ein wenig an den Schreibstil gewöhnen. Durch die detailgetreue Recherche und die einfühlsame Geschichte um das Waisenkind Lena wurde ich schnell in den Bann gezogen. Die lebensgefährliche Flucht über die Ostsee,  das Lagerleben und die Überführung der deutschen Wehrmachtsangehörigen nach Russland hat der Autor sehr bildlich und eindrucksvoll geschildert. Diese Tatsache war für mich teilweise sehr bedrückend zu lesen und hat mich zum denken angeregt. Gerade der Kontrast zwischen den sich zuspitzenden Lagerleben,  der Hilfsbereitschaft der schwedischen Bevölkerung, die mitunter im Roman Martin und und das Kind verstecken, führten mich während des lesens in eine "emotionale Achterbahn ".
    Die real existierende geheime Organisation der Werwölfe,  welche hier Martin und Lena bedrohen,  hat der Autor in seinem Buch sehr ausdrucksvoll eingesetzt. 

    FAZIT :
    "Wimmerholz " von Michael Paul besitzt verschiedene Handlungsstränge welche mit viel Spannung und Gefühl umgesetzt wurde. Der Kontrast zwischen Angst, Gewalt,  Hilfsbereitschaft und Liebe macht das Buch nicht unbedingt zur einfachen Kost. Die Umsetzung realer,  aber nicht jedem präsenter Vergangenheit in einem Roman, ist  nach meiner Meinung,  sehr gelungen und absolut lesenswert. 

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