Bücher mit dem Tag "vietnam"
84 Bücher
- Ken Follett
Kinder der Freiheit
(490)Aktuelle Rezension von: Kyra112Die nächste Generation steht vor den Herausforderungen der Nachkriegszeiten und stolpert damit mitten in den Kalten Krieg. Während George in den USA gegen die Unterdrückung der Schwarzen kämpft, muss sich Rebecca mit dem System in der DDR auseinandersetzen, ebenso wie ihr Bruder Walli und auch in Großbritannien gibts die ein oder andere Herausforderung.
„Kinder der Freiheit“ von Ken Follett ist der Abschlussroman der Jahrhunderttrilogie.
Ich habe dieses Buch wirklich mehrere Jahre vor mir hergeschoben. Nicht, weil mich der Roman abschreckt, sondern die Dicke des Buches.
Ken Follett schreibt wirklich sehr realistisch und auch absolut mitreißend. Es gab viele Abschnitte, bei denen ich einfach ganz schnell weiterlesen wollte, weil’s wirklich spannend war. Auch hat mich das Buch animiert, einzelne historische Ereignisse oder Personen noch einmal nachzuschlagen und mich fundierter zu informieren.Hin und wieder bin ich bei den Figuren durcheinander gekommen. Es sind ja doch einige Personen und damit Handlungsstränge, die hier behandelt werden und manchmal waren mir die Sprünge zu abrupt, sodass ich erstmal kurze Zeit zum Überlegen brauchte, um zu realisieren, über welche Figur ich nun lese.
Nervig waren die vielen Beziehungen oder nicht-Beziehungen. Da war ja wirklich bei der neuen keine Beziehung dabei, die wirklich funktioniert hat. Irgendwie hat jeder es geschafft, das Ganze in den Sand zu setzen.
Mich hat der Teil um die Kennedys etwas gelangweilt. Das war mir alles zu viel, während man zum Schluss das Gefühl hatte, Ken Follett rennt durch die Geschichte, also gerade, was die 70er/80er Jahre betrifft.
Es war ein interessantes Buch, aber es war mir doch etwas zu viel des Guten. Wer gerne solche dicken Wälzer liest, ist hier richtig, aber für jene, die es eher kompakter lieben, ist der Roman gar nichts.
- Paul Auster
4 3 2 1
(128)Aktuelle Rezension von: Steve914 3 2 1 wurde 2017 auf deutsch veröffentlicht und ist Paul Austers Opus magnum. In diesem über 1200 Seiten langen Roman stellt Auster vier verschiedenen ablaufende Leben ein und derselben Person vor, nämlich die Leben des Archie Ferguson.
Die einzelnen Versionen von Archies Leben werden dabei in zeitliche Abschnitte unterteilt, von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter, also circa bis zum Ende des Studiums.
Es sind nicht nur die Entscheidungen Archies sondern auch die Entscheidungen seiner Mitmenschen und deren Handlungen, die Zufälle und Schicksale, die deren Leben bestimmen, die die jeweils andere Version von Archies Leben entstehen lassen und vorantreiben.
Es gibt einige zentrale Figuren, wie natürlich seine Eltern, Freunde und Verwandte, die sich in allen Varianten von Archies Leben wiederfinden. Aber auch hier ändert sich, je nach Vergangenheit und Ereignissen, der Umgang miteinander. Diesen Entwicklungen zu folgen ist dabei nicht immer einfach, 4 3 2 1 ist kein Werk, das man zwischendurch liest. Wer aber durchhält, und dazu kann ich nur jedem raten, wird mit einer bzw. vier Geschichten belohnt, die sich intensiv mit der Frage nach Schicksal, nach Zufall und der Selbstbestimmtheit unseres Lebens auseinandersetzen.
Austers Sprachgewalt ist dabei beeindruckend. Manche Sätze gehen über mehrere Seiten, sind dabei aber nicht langatmig und treiben die umfangreiche Handlung weiter voran. Die Dialoge sind pointiert und genau, jede Figur wird auf ihre Weise durch ihre Tätigkeiten und ihre Sprache unverwechselbar.
Neben den zentralen Fragen des Romans, Schicksal und Zufall und die Konsequenzen unserer Entscheidungen, findet sich hier auch ein Ritt durch die amerikanische Nachkriegsgeschichte, vor allem durch die Veränderungen der Gesellschaft der USA in den 1960er Jahren. Eine Auseinandersetzung mit den Studentenprotesten, mit dem Vietnam Krieg, mit Baseball und Basketball, mit Literatur, nicht zuletzt mit der Sexualität.
Austers Werk hat mich tief beeindruckt. Seine Sprachgewalt, seine Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen des Schicksals und des Zufalls sowie die umfangreiche Darstellung so vieler Themen - Geschichte, Politik, Sport, Literatur und viele mehr - machen 4 3 2 1 für mich zu einem Roman, den Liebhaber anspruchsvoller Literatur gelesen haben müssen. - Ocean Vuong
Auf Erden sind wir kurz grandios
(184)Aktuelle Rezension von: Aukje'Little Dog' ist der Sohn einer vietnamesischen Mutter die Analphabetin ist. Zudem ist sie die Tochter von Lan und einem amerikanischen Soldaten, der aber kurz vor Ende des Krieges Vietnam bereits verlassen hatte. Gemeinsam wandert er mit seiner Mutter, seine Großmutter und seine Tante nach Hartford, Connecticut aus und hoffen auf ein besseres Leben. Nun muss er mit fünf Jahren relativ schnell englisch lernen um für seine Mutter und Großmutter übersetzen zu können, da beide schlecht bis gar nicht die Sprache sprechen können. Er wächst unter ärmlichen Verhältnissen auf und wird von anderen gehänselt da er eher schwächlich ist. Zudem haben beide Frauen ein Kriegstrauma das sich bei seiner Großmutter durch Schizophrenien zeigt und seine Mutter sehr schnell ausrasten lässt und ihn regelmäßig schlägt. Mit 14 Jahren lernt er im Sommer während der Erntearbeit auf einer Tabakfarm Trevor kennen. Er fühlt sich durch ihn das erste Mal gesehen und entwickelt Gefühle für ihn.
Ich mochte dieses Buch unheimlich gerne. Es ist in Briefform geschrieben die er seiner Mutter schickt, mit dem wissen das diese sie gar nicht lesen kann da sie Analphabetin ist. Diese Tatsache machte die Story für mich noch ein wenig tragischer. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt wobei sich der erste um sein aufwachsen in Hartford und das Leben mit seiner Mutter und Großmutter beschäftigt. Der zweite beschäftigt sich um Trevor und der letzte um den Verlust der Menschen in seinem Leben. Wie bereits gesagt möchte ich das Buch und las es in einem durch und es löste eine Bandbreite an Emotionen in mir aus.
- John Irving
Owen Meany
(474)Aktuelle Rezension von: Trishen77Um es direkt zu sagen: Owen Meany ist ein starker, unterhaltsamer und berührender Roman und neben Gottes Werk und Teufels Beitrag und Das Hotel New Hampshire (meinetwegen auch noch Garp) sicherlich eines der besten Bücher aus der Feder des großen John Irving. Spätestens mit diesem Buch hat er es unabdinglich gemacht, dass man mindestens einen seinen seiner Romane einmal gelesen haben muss, wenn einem kein wesentlicher Bestandteil vom Bücherkosmos unserer Zeit fehlen soll. Und der Kern dieser Rezension sei somit schon vorweggenommen: Man lese John Irvings Werke - es wird einen auf eine unnachahmlich Weise bereichern.
In diesem Roman, in dem es um solch brisante Themen wie Religion, Schicksal und Vietnamkrieg geht, ist Irving nicht nur auf der Höhe seiner Fabulierkunst, im gelingt auch eine geradezu unwiderstehliche Verschmelzung von Komik, Alltag und schmalgehaltener Tragik, die insgesamt in der Figur Owen Meanys gipfelt. Es ist eine groteske, eigenwillige, aber doch überlebensgroße Figur, wie es sie kein zweites Mal gibt - die Erfindung eines Menschen, in dem sich auf so feinsinnige Art unprofane Intelligenz, verwirrende Physis, bedingte Willensstärke und innere Einkehr zusammenfinden, ist ein Kunststück, dass sehr leicht zur Parodie hätte werden können, wäre es nicht auf so wunderbare Weise in eine 800 Seiten lange Erzählung von Schicksal, Leben und Geschichte eingebettet, in deren Verlauf sich der unnahbare Charakter im Blick des Lesers wandelt, bis man ihn am Ende fast vollständig als eine Erscheinung, die über Literatur hinausragt, empfindet - ein unverlgleichliches Erlebnis.
"Owen Meany, der selten viele Worte um etwas machte, sondern ganz im Gegenteil die gesprächslähmende Angewohnheit hatte, Bemerkungen fallen zu lassen wie Münzen in einen tiefen Wasserteich... - Bemerkungen, die, wie die Wahrheit, auf den Grund des Teiches niedersanken und dort liegenblieben, dem Zugriff entzogen..."
Voll szenischer Komik, aber auch mit der ewigen und leicht unerbittlichen Lebendigkeit des Daseins (zu der das Vergehen von Zeit und der Tod gehören, was Irving als einer der wenigen großen Romanciers vollendet darzustellen weiß) gefüllt, ist es manchmal schwer, den Roman als etwas zu sehen, dass auf etwas hinauswill (und weißt auf diese Art eine erstaunlich authentische Nähe zum Wesen des Lebens selbst auf) oder der wirklich vorankommt. Man muss, wenn man sich an einen Irving-Roman macht, begreifen, dass es Irving in seinen Büchern zentral immer um Lebensläufe geht und um das Motiv dieser Lebensläufe. Er ist kein sehr psychologischer Erzähler, wenn er auch für die jeweilige Materie, die seine (Haupt-)Figuren beschäftigt, immer sehr viel Zeit aufwendet, da sie ja das Leben mit all seinen Widrigkeiten elementar ausmachen - weil sie das sind, was in den Widrigkeiten als Bedingung, Halt oder Ursache gilt. Ein Leben, das auch immer Erinnern & Denken ist und im Kern stets von der Unausweichlichkeit mancher Dinge begleite wird, so kann bei John Irving lernen, ist stets mehr als eine Geschichte, es ist ein Kosmos der Begebenheiten, Wünsche, Ängste, Begriffe, die genauso dazu gehören wie Taten und Ereignisse, die in den Rillen zwischen den Platten der Tage und Stunden genauso eine entscheidende Rolle spielen, wie der Moment, zu dem man immer wieder in Gedanken zurückkehrt, der nicht loslässt, der dazugehört, zu dem, was einen als Lebenden mit der Welt verbindet und vom Tod trennt.
"Das Gedächtnis ist etwas Schreckliches; der Mensch vergisst - es vergisst nie. Es sortiert die Dinge und legt sie ab. Es bewahrt sie für einen auf, oder es verdeckt sie vor einem - und ruft sie einem wieder in Erinnerung, ganz wie es ihm passt. Man denkt, man besitzt ein Gedächtnis, doch das Gedächtnis besitzt den Menschen."
Nach jedem neuen Irving fühle ich mich gleichsam angefüllt und doch geleert. Die Erkenntnis von Sterblichkeit ist eine wiederkehrende Erfahrung beim Lesen - ich bin sicher, er zielt darauf nicht ab, aber es gehört bei den umfassenden Geschichten die er schreibt nun einmal elementar dazu - und in gewissem Sinne trösten diese Bücher einen zur gleichen Zeit, in dem sie einem diese Ahnungen nahebringen. Trost, auch das bleibt am Ende eines Irvings meistens mit großen Buchstaben auf der Innenseite der Hand zurück, mit der man das Buch zuklappt. Dünn auf die Hand geschrieben, so zart, fast schon am Verwischen. Und doch erinnert man sich gerade deswegen an das Gefühl eines Irving Buches noch sehr gut, das summa summarum, das zusammengezogene Bild, das bleibt. Und nur für dieses Bild, dass man an der Wand seines Lebens hängen hat, lohnt sich schon das Lesen jeder Seite. - Karin Kalisa
Sungs Laden
(151)Aktuelle Rezension von: LottchenDiese Geschichte liest sich wie ein modernes Wohlfühlmärchen. Alles fängt an mit Sungs Sohn, der ein Kulturgut aus Vietnam mit in die Schule nehmen soll. Er fragt seine Großmutter und gemeinsam schleppen sie eine alte Holzpuppe zur Aula, wo die Großmutter mithilfe der Puppe eine berührende Geschichte erzählt, die in Prenzlberg vieles in Gang setzt, was noch lange nachwirken wird.
Mir hat der Erzählstil der Geschichte sehr gut gefallen. Man hat das Gefühl, das man am Rande steht und zuschaut, obwohl man mittendrin ist. Die Erzählstimme greift manchmal vor oder zurück, was dazu führt, dass man als Leser neugierig bleibt oder manche Zusammenhänge besser versteht.
Obwohl das Buch sich locker liest und viel Spaß bereitet, muss man sich schon ein wenig konzentrieren, da oft von Person zu Person gesprungen wird und man da aufpassen muss, den Faden nicht zu verlieren. Mir hat das aber sehr gut gefallen, weil man immer wieder neue Sichtweisen kennenlernt und jedes Mal aufs Neue überrascht wird.
Insgesamt eine unterhaltsame, warme Geschichte über einen herrlichen Stadtteil in Berlin, in der Wunder wahr werden. Ich habe viel über Vietnam und das Leben der vietnamesischen Gastarbeiter in der DDR gelernt, aber auch über, was es bewirken kann, wenn Menschen mal ihre Scheuklappen ablegen und miteinander in Dialog gehen.
Eine großartige, hoffnungsvolle Geschichte, die mich oft ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Lesenswert!
- Nguyễn Phan Quế Mai
Der Gesang der Berge
(132)Aktuelle Rezension von: FirebeeHuong wächst bei ihrer Großmutter in Hanoi auf. Vater, Mutter und Onkel kämpfen im Vietnamkrieg. In Rückblicken wird die Lebensgeschichte der Großmutter und ihrer Kinder erzählt und in der Gegenwart die Geschichte von Huong.
Entstanden ist ein spannendes, leicht und flüssig zu lesendes Familienepos. Durch die geschickte Kombination aus Gegenwart und Rückblicken wird die Geschichte Vietnams des 20. Jahrhunderts präsent. Ich habe mich mit der Geschichte Vietnams in der Vergangenheit auseinandergesetzt, aber einiges war mir vorher nicht so präsent oder hatte ich vergessen.
Durch diese gelungene Prosaerzählung macht es Spaß sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzten. Die Autorin hat es geschafft ein großartiges Bilderkino in meinem Kopf zu zaubern .
- Helen Hoang
Kissing Lessons
(393)Aktuelle Rezension von: Love_Books1Als Autistin tut Stella sich nicht nur schwer mit Körperkontakt, sondern lässt sich auch ungern überraschen oder weicht von ihren Routinen ab. Alles Dinge, die das Erleben körperlicher Liebe schwierig machen oder ihm sogar im Weg stehen. Aber Stella ist eine Macherin und getriggert durch den hartnäckig von ihrer Mutter geäußerten Wunsch nach Enkelkindern beschließt sie, das Sprichwort „Übung macht den Meister“ wörtlich zu nehmen. Sie engagiert den Escort Michael für Unterrichtsstunden, um all die Dinge zu erlernen, die einem zukünftigen Partner gefallen könnten. Dass die Körperlichkeit dabei auch bei ihr Gefallen auslösen sollte, kommt ihr gar nicht in den Sinn. Doch Michael nimmt ihren Auftrag zwar an, interpretiert seine Aufgabe aber anders, als sie sich das zunächst vorgestellt hatte… Ihr Arrangement bringt sie einander näher als gedacht und entwickelt sich nach und nach zu viel mehr als beide sich eingestehen wollen.
Von der ersten Seite an zog mich der einfühlsame Schreibstil der Autorin in die Geschichte hinein. Sie schafft es, die Figuren in der ganzen Vielfalt ihres jeweiligen Wesens greifbar zu machen und holte mich über 400 Seiten hinweg durchgehend emotional ab. Das Buch beginnt recht direkt, ohne viel Vorgeplänkel, und wird auch ziemlich schnell „spicy“ (soweit Stella das in den Anfangszügen ihres Unterrichts eben zulassen kann). Die Idee, sich einen Escort als Übungslehrer für’s Küssen, Sex und Co zu nehmen, erscheint einerseits lustig-skurril, andererseits werden Stella’s Gedankengänge dem Leser so zugänglich gemacht, dass die Sache einem gleichzeitig auch irgendwie vollkommen logisch vorkommt. Ich konnte mich bis zum Ende sehr gut in Stella und auch in Michael einfühlen und habe beide Charaktere sehr geliebt.
Besonders gut gefallen hat mir außerdem, wie die beiden miteinander umgehen: unheimlich respektvoll und wertschätzend, die Grenzen des jeweils anderen respektierend, aufmerksam für die Bedürfnisse des Gegenübers und letztlich einfach liebevoll. Und zwar nicht nur Michael, der aufgrund von Stella’s Autismus besondere Sorgfalt walten lässt, sondern beidseitig! Natürlich gibt es auch Missverständnisse, kleinere Streits, und Ähnliches. Aber niemand wird ausfallend, nichts geht unter die Gürtellinie, es gibt ein Macht-Missverhältnis und auch nichts Toxisches. Diese Tatsache hat die Geschichte für mich zu einem absoluten Wohlfühlbuch gemacht und ich finde, so und nicht anders sollte jedes Paar miteinander umgehen. Wünsche mir mehr Geschichten mit diesem Vibe!
Das Thema Autismus wird meiner Meinung nach (bin kein Experte!) wunderbar in die Geschichte eingeflochten und ist natürlich die Basis aller Handlung. Aber ich mochte, dass es nie als „Problem“ der Protagonistin in den Mittelpunkt gestellt wurde, sondern einfach den Rahmen des Ganzen festlegte. Positiv finde ich auch, dass Michael ebenfalls seinen ganz eigenen Background und seine Sorgen hat. Hierdurch entspinnt sich eine verwobene Beziehung, die beiderseits spannend zu verfolgen ist.
Zu guter Letzt: Aufhänger und Inhalt der Geschichte sind natürlich etwas ganz Besonderes! Etwas in diese Richtung habe ich noch nie gelesen und werde es vermutlich auch nicht mehr (außer Helen Hoang’s Folgebände… 😉) und das macht das Buch für mich originell und einzigartig. Es wird mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben und wenn das ein Buch schafft: Was will man mehr.
Insgesamt eine absolute Leseempfehlung für alle Green Flag-Liebhaber, die Lust auf einen mal ganz anderen Inhalt haben als man sonst so liest, aber weder auf viel Gefühl noch auf eine ordentliche Portion Spice verzichten wollen.
- Johan Harstad
Max, Mischa und die Tet-Offensive
(31)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchMax, Mischa und die Tet-Offensive ist für mich der Inbegriff, was Literatur zu schaffen vermag. Sie erlaubt Einblicke in die Innenwelt verschiedenster Menschen, zeigt geschichtliche Ereignisse von innen und betrachtet sich nicht bloss wie eine Tagesschau-Reportage, Literatur verzaubert, verwirrt, macht nachdenklich. Aber zu guter Letzt lebt man während des Lesens in einer Welt, die sich nur dem Leser durch das Lesen öffnet und erschliesst. Johann Harstad ist mit seinem über 1000-seitigen Werk ein Meisterstück gelungen, das ich nur wärmsten weiterempfehlen kann. Ob im Sommer auf dem Liegestuhl oder im Winter vor dem Kamin, man wünscht sich, man müsste erst nach der letzten Seite wieder aufstehen und in die eigene Welt zurückkehren. Für mich eines der besten Bücher die ich je gelesen habe!
- Marguerite Duras
Der Liebhaber
(193)Aktuelle Rezension von: GwhynwhyfarDer Anfang: «Eines Tages, ich war schon alt, kam in der Halle eines öffentlichen Gebäudes ein Mann auf mich zu. Er stellte sich vor und sagte: »Ich kenne Sie seit jeher. Alle sagen, Sie seien schön gewesen, als Sie jung waren, ich bin gekommen, Ihnen zu sagen, daß ich Sie heute schöner finde als in Ihrer Jugend, ich mochte Ihr junges Gesicht weniger als das von heute, das verwüstete.»
Sie treffen sich auf einer Fähre über dem Mekong, es ist ein ungleiches Paar im Indochina der dreißiger Jahre. Er ein Chinese aus reichem Elternhaus, etwas mehr als 12 Jahre älter, sie eine französische Halbwaise, die mit ihrer Mutter und zwei Brüdern in einem einst herrschaftlichen Haus am Fluss lebt, die sich Direktorin nennt, eine kleine Schule auf dem Land führt. Finanziell stehen sie schlecht. Das Mädchen geht auf ein französisches Gymnasium in Saigon, schläft in der Woche im Internat. Ein abgedunkeltes Zimmer oberhalb des geschäftigen Straßenlebens in Saigon wird der heimliche Zufluchtsort der Liebenden. Sie ist seine Obsession, sie hat ihn in der Hand.
«Doch dann, eines Tages, sind sie nicht mehr da. Sie sind jetzt tot, die Mutter und die beiden Brüder. Auch für die Erinnerungen ist es zu spät. Jetzt liebe ich sie nicht mehr. Ich weiß nicht mehr, ob ich sie geliebt habe. Ich habe sie verlassen. Ich habe den Duft der Haut meiner Mutter nicht mehr im Kopf, die Farbe ihrer Augen nicht mehr in meinen Augen. Ich erinnere mich nicht mehr an die Stimme, nur manchmal an jene sanfte Stimme der Erschöpfung am Abend.
Das Lachen, ich höre es nicht mehr, weder das Lachen noch ihr Geschrei. Es ist vorbei, ich erinnere mich nicht mehr.»
Marguerite Duras beschrieb immer wieder Tabuthemen – in diesem Fall das sexuelle Verhältnis einer fünfzehnjährigen Französin, die in Saigon eine Amor foe mit einem zwölf Jahre älteren Chinesen hat. Er holt sie täglich mit seiner Limousine und Chauffeur von der Schule ab und sie haben Sex miteinander. Für sie ist es ein Spaß, er wird zeitlebens nicht von ihr loskommen. Seinem Vater, einem Bauunternehmer, gehören ganze Straßenzüge in Indochina, und der hat bereits für den Sohn eine Ehe arrangiert. Bekommt die Mutter nichts mit, fragt man sich. Doch, anfänglich hat sie einen Verdacht, schimpft. Aber dann lädt der Chinese die Familie zum Essen ein – über das, was zwischen den beiden läuft, wenn sie allein sind, wird einfach geschwiegen. Das Geld des Chinesen lockt. Die Familie behandelt den Mann von oben herab – weil er ein Chinese ist, obwohl er ihnen weit überlegen ist. Die Mutter kümmert sich letztlich nicht um das Mädchen, sondern ausschließlich um ihren ältesten Sohn, den sie von vorn bis hinten verwöhnt. Er wird sie zeitlebens abzocken, nichts auf die Reihe bekommen, Unsummen von Geld verspielen. Auch für den talentierten jüngsten Sohn interessiert sich die Mutter nicht – er ist daher eng mit seiner Schwester verbunden. Leider stirbt er früh.
«Meine Brüder werden nie das Wort an ihn richten. Als sei er unsichtbar, als fehle ihm die Konsistenz, um von ihnen wahrgenommen, gesehen, gehört zu werden. Und zwar deshalb, weil er mir zu Füßen liegt, weil vorausgesetzt wird, dass ich ihn nicht liebe, dass ich wegen des Geldes mit ihm zusammen bin, dass ich ihn nicht lieben kann, dass dies unmöglich ist, dass er alles von mir erdulden würde, ohne in seiner Liebe nachzulassen. Und dies, weil er ein Chinese ist, weil er kein Weißer ist.»
Eine toxische Familie, eine Familie im Verfall. Marguerite Duras spricht manchmal von dem Mädchen, dann fällt sie wieder in die Icherzählerin, lässt in der Schwebe, ob sie autobiographisch schreibt. Die alternde Schriftstellerin, die ihre Erinnerungen niederschreibt, blickt zurück auf ihre Jugend, auf ihre Mutter, auf ihre Familie, daran, wie sie zerfallen ist. Man fragt sich, ist es diese Beziehung Prostitution, weil der Chinese das Mädchen bezahlt, die Mutter finanziell unterstützt, die Spielschulden des älteren Bruders begleicht. Das Mädchen genießt den Sex, macht sich aber nicht viel aus dem Mann an sich. Der Roman ist in Erinnerungsfragmenten geschrieben, Sprünge in Zeit und Raum, dicht und schnörkellos, distanziert. Nach Erscheinen hat es 1984 wilde Empörung über die französischen Lolita gegeben, und letztlich erhielt Marguerite Duras den wichtigsten Literaturpreis des Landes dafür: der Prix Goncourt. Es wurde immer wieder spekuliert, was von dem Roman autobiographisch war, was fiktiv. Die Autorin hat die Leserschaft zeitlebens darüber im Dunkeln gelassen. Ein Klassiker, den es sich lohnt zu lesen!
«Nie guten Tag, guten Abend, ein gutes neues Jahr. Nie danke. Nie ein Gespräch.
Nie das Bedürfnis zu reden. Alles bleibt stumm, fern. Eine Familie aus Stein, versteinert bis zur Undurchdringlichkeit, unzugänglich. Tag für Tag versuchen wir einander umzubringen. Nicht nur, daß wir nicht miteinander reden, wir schauen uns nicht einmal an.»
Marguerite Duras wurde am 4. April 1914 in der ehemaligen französischen Kolonie Gia Dinh, dem heutigen Vietnam als Marguerite Donnadieu geboren und starb am 3. März 1996 in Paris. Sie besuchte das Lycée Français in Saigon und machte 1931 Abitur. Ein Jahr später siedelte die Familie nach Paris um, wo sie an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Paris und an der École des Sciences Politiques studierte. Von 1935 bis 1941 arbeitete sie als Sekretärin im Ministère des Colonies. 1939 heiratete sie Robert Antelme. Beide waren ab 1940 in der Résistance aktiv. Antelme wurde später ins Konzentrationslager Dachau deportiert. 1943 erschien ihr Debütroman Les Impudents (Die Schamlosen) unter dem Pseudonym Marguerite Duras, welchem keine besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zuteil kam. Mit Un Barrage contre le Pacifique(Heiße Küste), das 1950 erschien, hatte Duras größeren Erfolg. Sie schrieb nicht nur Romane, sondern verfasste auch Theaterstücke und trat als Filmregisseurin in Erscheinung. Neben ihren literarischen Beiträgen war Duras für ihre offene politische Haltung bekannt, insbesondere in Bezug auf Frauenrechte, und sie engagierte sich aktiv in der feministischen Bewegung in Frankreich. Der Roman L’Amant (1984; Der Liebhaber; Film 1992) gewann 1984 den renommierten Prix Goncourt.
- Ocean Vuong
On Earth We're Briefly Gorgeous (English Edition)
(42)Aktuelle Rezension von: Licia"On Earth We're Briefly Gorgeous" by Ocean Vuong is a letter of a Vietnamese immigrant son to an illiterate mother. Jack aka Little Dog writes to his mother about his relationship with her and with his grandmother, how he grew up in a nail salon, had to deal with poverty, experienced the effects of the PTSD of his mother from the Vietnam War and never belonged anywhere as a half Vietnamese and gay boy.
I listened to the audiobook of this and let me tell you - it was an emotional rollercoaster. At first I was pretty surprised, because this book is not only a novel but rather a gigantic, 256 pages long poem. The writing style of Ocean Vuong is quite exquisite, in every sentence of the book he forms the English language into something aesthetic and mesmerizing. It took me quite some time to get used to this, but in the end I kind of really enjoyed it. Not every sentence is thus understandable the first time you read or hear it. Especially as an audiobook it can get pretty confusing when five minutes alone are used to describe a setting or how a person acts specifically. Because of that I would recommend reading the book rather than listening to the audiobook to really be able to follow the plot.
What also threw me off a little bit, was the contrast between the intention with which this book was written and how it was elaborated. Bear in mind: The book is about a boy who writes a letter he would like his mother to read but who also knows that his mother will never read it because she can neither speak English very well nor read. A great idea for a novel, you would think, and quite original too. There is already a conflict given just by this book existing. And most of the story, especially the beginning, really followed that thought. But as you read further, you realize, that it is more so a memoir of Little Dog's life. He describes the relationship with his first real love, Trevor, and how they were intimate with each other very much in detail and very vividly, which you wouldn't really expect in a letter that is adressed to his own mother.
Other than that, though, the scenes of Little Dog's life are beautifully described and it is very interesting to learn about the problems a Vietnamese immigrant family has to face in America, especially in Hartford, Conneticut. For the first time, I heard about the tragedy of the Oxytoncin crisis in Amercia, about the Vietnamese rituals for funerals, about the meaning of Vietnamese names such as Little Dog's own mother, who is called hồng, which means rose in English. I also heard about the struggle of being gay as a Vietnamese immigrant and even about a Vietnamese dish, rice with Jasmine tea. In the end, the author itself states that his intention with this book was not for the reader to understand every single line, but rather take something from it to be more present in their own lives. Here's a direct quote of one if his interviews: "I would hope that readers approach the book, read it, and not necessarily take anything away, not posses anything, but perhaps just more of themselves. If they could see more of themselves in the book and they can carry that and participate in more parts of their lives than before."
So in conclusion this read was at first surprising and at times pretty confusing too. But in the end I can say that I have learned a lot about the consequences of the Vietnam War, the struggles of Vietnamese immigrants and much much more.
That is why I give this book 4 out of 5 stars.
Before you read this, though, you should know, that this is a very emotional read. There are many scenes that describe violence and abuse as well as death.
- Jack Ketchum
Jagdtrip
(32)Aktuelle Rezension von: Jessica-buchmomentDieses Buch konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen. Es dauert sehr lange bis überhaupt erst einmal eine Spannungsbogen aufgebaut wird. Der erste Teil des Buches ist einfach langweilig und es fiel mir sehr schwer, dabei zu bleiben. Im späteren Verlauf des Buches, wenn es dann „zur Sache“ geht, ist der Teil der Geschichte dann viel zu schnell erzählt. Da stimmen die Relationen meiner Meinung nach nicht.
Auch die Kategorisierung „Horror“ kann ich nicht nachvollziehen. Mit dem Horrorgenre hat das Buch nicht viel zutun. Die Vorstellung, bei einem Campingausflug von einem Kriegsveteran gejagt zu werden, ist sicherlich eine Horrorvorstellung, da hört es mit dem Horror dann aber auch schon auf.
Was ich aber gut an diesem Buch finde – es ist interessant, mal einen Einblick in so ein Leben nach dem Krieg zu bekommen und zu sehen, was Krieg aus einem Menschen machen kann. „Jagdtrip“ ist zwar eine Geschichte, aber keine, die an den Haaren herbeigezogen ist. Es ist ja kein Geheimnis und natürlich auch absolut keine Überraschung, dass Menschen erheblich verändert aus einem Krieg zurückkehren.
- Viet Thanh Nguyen
Der Sympathisant
(51)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDer Vietnamkrieg (1955-1975) ist eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Bis zu fünf Millionen Vietnamesen wurden ermordet, davon waren etwa 4 Millionen Zivilisten. Mehrere Millionen Menschen wurden verstümmelt. Die USA setzten bei ihren Flächenbombardements Napalm- und Splitterbomben ein. Bei diesem Bombenterror wurden mehr Bomben abgeworfen als während des Zweiten Weltkrieges auf allen Kriegsschauplätzen zusammen. Sie erklärten ganze Gebiete als Free-Fire-Zone in denen jegliches Leben vernichtet werden durfte mit dem Maßstab des Bodycounts, also so viele „Gegner“ wie möglich zu töten. Wobei der Gegner dadurch definiert wurde, dass er tot war. Ist er tot, war es ein Vietcong und nur ein toter Vietcong ist ein guter Vietcong. Bis heute leidet die Bevölkerung unter den Bombenblindgängern und Landminen sowie der chemischen Kampfführung mit Agent Orange, so dass es immer noch jährlich Verletzte und Tote gibt. Bis heute glaubt jedoch ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung es wären gerade einmal 100.000 Vietnamesen ermordet worden. Dass die USA diesen Krieg verloren haben, ist den meisten Menschen ebenso wenig bewusst. „Amerika hat den Krieg zwar verloren, aber den Krieg um die Erinnerung daran überall außerhalb Vietnams gewonnen, denn es dominiert das Filmemachen, die Buchveröffentlichungen, die Kunst und die historische Dokumentation.“ Viet Thanh Nguyen hat mit Der Sympathisant einen brillanten Roman geschrieben, der die Geschichte des Vietnamkrieges aus vietnamesischer Perspektive erzählt und damit die Dominanz der US-Geschichtsschreibung zumindest zum Wanken bringt.
Mythos Vietnamkrieg
Der Sympathisant ist ein namenloser Erzähler, der offensichtlich ein Geständnis zu Papier bringen muss. Was es damit auf sich hat, bleibt lange im Unklaren. Von Beginn an ist allerdings deutlich, was der Erzähler ist. „Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern.“ Viet Thanh Nguyen hat einen Doppelagenten erschaffen, der zwar für die Amerikaner und Südvietnamesen arbeitet, tatsächlich aber ein Agent der Nordvietnamesen ist. Dabei ist der Spion einem realen Vorbild nachempfunden nämlich Phạm Xuân Ẩn. Wie so vieles in Nguyens Geschichte ist wenig erfunden. Es sind literarische Verdichtungen, chronologische Abweichungen, die Protagonisten sind fiktiv, sind aber zugleich auch real, wenn auch nicht im konkreten individuellen Fall.
Ngyuens Roman wird vom Feuilleton als moderner Spionagethriller gelabelt. Und das liegt natürlich auch nahe, beschreibt sich der Ich-Erzähler doch als Agent. Letztlich ist das aber nur die Rahmenhandlung, die einen zusätzlichen Spannungsbogen erzeugen und vor allem die Episoden verbinden soll. Denn letztlich ist der Sympathisant vor allem eine Abrechnung. Eine Abrechnung mit dem vorherrschenden westlichen Narrativ. Und dazu muss Nguyen zahlreiche Mythen auf- und angreifen, um sie möglicherweise für den einen oder anderen Leser auch zu zerstören. Dieser Kern der Erzählung ist selbst dermaßen spannend, dass bereits diese vietnamesischere Perspektive einen unglaublichen Spannungsbogen erzeugt. Als dritte Ebene gibt es noch eine Freundschaft dreier Männer, die bis ins Kinderalter zurückreicht und über ideologische Grenzen hinweg bestehen bleibt. Allerdings schließen sich zwei der Revolution an, während sich der dritte nicht nur für Südvietnam entscheidet, sondern auch an einem der grausamsten Mord- und Folterprogramme teilnimmt, der Operation Phoenix. Ein Vabanquespiel zwischen Konfrontation und Kooperation.
Herz der Finsternis
Der Agent ist ein Intellektueller. Trotz oder gerade wegen seiner professionellen Gespaltenheit, reflektiert er den Krieg, die USA, Vietnam, die Soldaten, Geheimdienste, Zivilisten, Politiker und nicht zuletzt sich selbst kritisch. Dadurch wird ein vielfältiger Blick auf die Jahre des Krieges und kurz danach geworfen. Kaum etwas wird ausgelassen. Ein Höhepunkt des Romans stellt sicherlich die Kritik an Hollywood dar. Der Spion verlässt 1975 am Ende des Vietnamkrieges (der in Vietnam Amerikanischer Krieg heißt), das Land und „flüchtet“ mit anderen Militärs in die Vereinigten Staaten. Hier soll er die Opposition, die Konterrevolutionäre überwachen.
Er wird mehr oder weniger durch Zufall zum Berater für einen Vietnamfilm. Und dieser Film ist eine Anspielung auf die bekanntesten Vertreter des Genres. Man kann Parallelen zu Platoon, Full Metal Jacket und allen voran Apocalypse Now entdecken. Zu Francis Ford Coppolas Film gibt es eine herausragende Dokumentation seiner Frau Eleanor Reise ins Herz der Finsternis. Viele Szenen des Romans sind eine direkte Anspielung hierauf. Die grotesken wahren Ereignisse rund um Coppolas Film werden kongenial von Nguyen adaptiert und zu seiner Generalkritik verarbeitet.
„Ich war so naiv zu glauben, den Organismus Hollywood von seinem Ziel abbringen zu können, nämlich der Lobotomisierung und Ausbeutung des Kinopublikums auf der ganzen Welt. Der zusätzliche Nutzen Hollywoods war Geschichtsschreibung nach dem Prinzip des Tagebaus. Die Realität blieb zusammen mit den Toten unter der Oberfläche, das staunende Publikum bekam nur die winzigen, funkelnden Diamanten. Hollywood erschuf nicht nur Monster, es war selbst ein Monster…“
Es ist definitiv von Vorteil wenn man den Film Apocalypse Now kennt und noch gewinnbringender ist es, wenn man ein wenig von den Entstehungszusammenhängen des Films weiß. Wer sich nicht gleich die dreieinhalb Stunden Fassung „Redux“ anschauen möchte oder auch für die Dokumentation keine Zeit hat, sollte auf jeden Fall vorher den Artikel Am Ende waren alle verrückt gelesen haben. Nguyen greift mit seiner Hollywoodkritik einen Kern des amerikanischen Selbstverständnisses an. Die Traumfabrik produziert eben nicht nur schöne Märchen und fantastische Geschichten, sondern auch und nicht zuletzt erzeugt Hollywood das herrschende Narrativ, die einzig gültige Deutung über die Geschichte und Gegenwart.
„Mit Filmen klopfte Amerika den Rest der Welt weich, erbarmungslos attackierte Hollywood die mentalen Abwehrkräfte des Publikums mit der Hit-, der Smash-, der Spektakel-, der Blockbuster- und ja, sogar mit der Kassenflopbombe. Es spielte keine Rolle, welche Geschichte die Zuschauer zu sehen bekamen. Entscheidend war, dass es die amerikanische Geschichte war, die sie sahen und mochten – bis zu dem Tag, an dem sie vielleicht selbst von den Flugzeugen bombardiert wurden, die sie in amerikanischen Filmen gesehen hatten.“
Das Grauen des Krieges
Eine Geschichte über den Vietnamkrieg kommt nicht ohne Folter aus. Die Wahrheit kann in einem Roman nicht verarbeitet werden, dazu waren die Foltermethoden schlichtweg zu grausam. Ngyuen greift aber einen wichtigen Aspekt der Folter auf, der zudem noch hochaktuell ist. Bei Folter geht es nicht darum Geständnisse zu erpressen oder Informationen zu gewinnen. Das ist lediglich die Rechtfertigung. Tatsächlich geht es bei Folter um Terror. Wir können euch schlimmeres antun als den Tod. Wir können euch den Tod verweigern. Die Amerikaner haben von den Nazis und den Franzosen im Algerienkrieg gelernt und die Foltermethoden verfeinert und verwissenschaftlicht. Herausgekommen ist KUBARK – das Handbuch, die Anleitung zum Foltern. Dabei geht es darum, die Persönlichkeit des Gefangenen zu brechen. Was in der Sympathisant teilweise grausam beschrieben wird, ist nichts anderes als das was immer noch gegenwärtig im Namen des War on Terror geschieht. Nicht nur hier hat Der Sympathisant Ähnlichkeiten mit dem kongenialen Roman American War von Omar El Akkad.
„Wir seiften uns ein mit Tristesse und duschten uns ab mit Hoffnung, und obwohl wir fast jedem Gerücht glaubten, das uns zu Ohren kam, weigerte sich fast jeder von uns zu glauben, dass unsere Nation untergegangen war.“
Der Sympathisant ist nicht nur eine Lektion in Geschichte, es ist eine Lektion in Selbst- und Medienkritik. Dass Viet Thanh Nguyen dieses schwierige Thema herausragend verpackt hat, zeigt nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Pulitzerpreis. Was allerdings auch bedeutet, dass er nicht allzu sehr aneckt. Denn eine schonungslose Erzählung sehe noch einmal ganz anders aus. Das wäre dann aber wohl zu konfrontativ geworden und damit wäre auch das Publikum nicht erreicht worden.
Sein großartiger Schreibstil trumpft mit unzähligen grandiosen Metaphern, Sprachbildern und Allegorien auf, die es trotz des teils brutalen Themas schaffen, eine satirisch groteske Stimmung zu erzeugen. Der Sympathisant ist jetzt schon ein Klassiker. Feinste Literatur mit einem wichtigen und bewegenden Thema.
- Alice Greenway
Weisse Geister
(44)Aktuelle Rezension von: Feder-und-PergamentMit ihrer unglaublich schönen und bildhaften Sprache entführt Alice Greenway den Leser in eine ganz andere, bezaubernde Welt. Beim Lesen hat man sogleich das Gefühl, man könne die feuchte Luft auf der eigenen Haut spüren und die Vielzahl an Gerüchen, die in Verbindung mit diesem Ort und seinen Bewohnern stehen, in der eigenen Umgebung wahrnehmen.
Die Autorin beeindruckt mit vielen liebevollen Details und Beschreibungen, wie etwa, wenn es um die Flora und Fauna des Ortes geht.
Aber auch die Gedanken und Gefühle ihrer Figuren, sowie deren Beziehungen untereinander schildert sie eindrücklich.
Es ist faszinierend zu erkennen, wie sehr das Leben von Kate und ihrem Vater mit dem Dschungel und dem Krieg verbunden ist.
Das Interesse des Vaters an dem Vietnamkrieg und damit verbunden auch seine Arbeit als Photograph in diesem Krieg ist ja letztlich auch mit der Grund, warum jedem in dieser Familie etwas zu fehlen scheint.
Das Bedürfnis der älteren Schwester Frankie nach Geltung und Aufmerksamkeit nimmt im Verlauf des Buches immer mehr zu und wird auch immer erschreckender. Ihr Tod scheint unvermeidbar zu sein und war dennoch sehr erschütternd.
Während nun die beiden Schwestern im Verlauf des Buches immer mehr von ihrer Unschuld verlieren, ein Prozess, der nicht leicht zu beobachten ist, bietet der taube Junge Trost und fast eine Art Ausgleich dar, da er für Kate jemand ist, an den sie sich wenden kann und dem sie auch von der schweren Tasche mit Litschis erzählt. - Marc-Uwe Kling
Die Känguru-Offenbarung (Känguru 3)
(234)Aktuelle Rezension von: Henri3tt3Ich höre die Geschichten vom Känguru immer abends zusammen mit Kind 2, ein liebgewonnenes Ritual. Dieser dritte Teil der inzwischen fünfbändigen Trilogie ist leider nicht so großartig wie der zweite, aber dennoch ist es natürlich das Känguru und damit noch immer um Klassen besser als so viele andere Werke dieser Art. Vor allem "Blutig" (siehe Hörprobe) und "Ich vermisse nichts" haben uns so gut gefallen, dass wir sie mehrmals gehört haben und dabei kichernd unterm Tisch lagen.
- Corina Bomann
Die Jasminschwestern
(201)Aktuelle Rezension von: WortkosterinGesamteindruck: Der Roman hat mich enttäuscht, angefangen mit dem irreführenden Titel, denn das Schicksal der "Jasminschwestern" wird in der Handlung nur gestreift. Bei mir wurden durch Klappentext, Buchcover und Werbung als Spiegel-Bestseller bestimmte Erwartungen an Inhalt und Qualität geweckt, die der Roman nicht erfüllen konnte.
Handlung und Erzählweise: Die Erzählstruktur ist simpel gestrickt: Die vietnamesische Urgroßmutter Hanna erzählt der Protagonistin Melanie, die in gerade in einer Lebenskrise steckt (das ist die Rahmenhandlung, die in der Gegenwart in Berlin spielt) ihre dramatische Lebensgeschichte. Die anfängliche Rückblende nach Saigon zu Hannas jungen Jahren war für mich die stärkste Passage des Romans. Corina Bomann bringt Zeit- und Lokalkolorit ein – davon hatte ich mir noch mehr gewünscht, die Autorin verlässt diesen Schauplatz aber wieder zu schnell.
Einige interessante Aspekte enthält die Episode über das Ballhaus im Berlin der 1920er Jahren. Hierzu hat die Autorin gut recherchiert.
Recht schwach und viel zu kurz fand ich hingegen die Episode in Paris (Beruf Hutmacherin). Bei den Schilderungen der Pariser Lebenswelt fehlte es mir an Details und Stimmung, ich konnte nicht richtig in das Lebensgefühl eintauchen.
Die Rahmenhandlung ist für mein Empfinden zu dürftig ausgearbeitet: Die Liebesgeschichte zwischen Melanie und ihrem erkrankten Partner sowie ihren Flirt mit dem Gärtner fand ich zu oberflächlich.
Ich hatte den Eindruck, dass die Autorin für diesen Roman aus ihrer Ideenkiste zu viele Einzelteile in den Roman gepackt hat, wobei die Rahmenhandlung von Melanie, die der Erzählung ihrer Urgroßmutter zuhört, das Ganze nur lose zusammenhält. Mir fehlte beim Lesen ein übergreifender dramatischer Spannungsbogen und eine "organische" Verbindung der Einzelteile, die episodenhaft aneinandergereiht sind. Ein Flickenteppich mit einigen interessanten Einzelteilen, aber irgendwie ohne Herz. Und es werden zu viele dramatische Ereignisse und schicksalhafte Fügungen in die Lebensgeschichte von einer Person (Hanna) gepackt, das ist nicht mehr glaubwürdig und wirkt überfrachtet.
Figuren: Sämtliche Figuren wirkten auf mich schemenhaft und klischeebehaftet. Mir fehlte eine psychologische Komplexität, die aus Romanfiguren echte Menschen macht. Die Frauengestalten sind sich alle zum Verwechseln ähnlich. Für mich blieb beim Lesen durchweg eine emotionale Distanz zu den Figuren bestehen, das Innenleben der Figuren wurde nicht wirklich spürbar, sondern alle Emotionen und Gedankengänge wurden von der Autorin nur "von außen" benannt. Zumindest ist bei mir der Funke nicht übergesprungen, vielleicht geht es anderen Leserinnen anders.
Stil: Die Autorin schreibt sprachlich auf einem recht simplen Niveau - finde ich als Leserin, die eine gewisse sprachliche Eleganz schätzt. Der Wortschatz des Romans ist solide (Mainstream), mir fehlt jedoch die sprachliche Varianz und das Besondere. Einige Wörter und Floskeln werden zu häufig wiederholt. Der Roman ist flüssig lesbar und leicht verständlich, aber manchmal werden die Dinge für meinen Geschmack zu platt "ausbuchstabiert". Ich bevorzuge eine subtilere Erzählweise, bei der es auch zwischen den Zeilen etwas zu entdecken gibt, in der Bildhaftes und das Unausgesprochene die Fantasie beflügeln.
Fazit: Der Roman konnte bei mir weder Verstand noch Herz ansprechen. Vielleicht gebe ich der Autorin mit einem anderen Werk demnächst eine zweite Chance, denn Corina Bomann begeistert seit Jahren viele Leserinnen und ich würde diesen Zauber auch gerne entdecken.
Tipp: Wer gerne Historienromane über Frauenschicksale in exotischen Gefilden liest, dem kann ich diese versierten Autorinnen empfehlen:
- Doris Cramer (meine Favoriten: Das Leuchten der Purpurinseln, Die Perlen der Wüste, Das Lied der Dünen)
- Nicole C. Vosseler (meine Favoriten: Zeit der wilden Orchideen, Unter dem Safranmond, Der Himmel über Darjeeling)
- Laila El Omari (meine Favoriten: Die Farbe der Pfefferblüte, Tages des Monsuns)
- Kristin Hannah
Die Frauen jenseits des Flusses
(195)Aktuelle Rezension von: gosureviewsKristin Hannah hat mit Die Frauen jenseits des Flusses einen jener Romane geschrieben, die ihre Leser mit chirurgischer Präzision dort treffen, wo Literatur besonders wirksam wird: im Spannungsfeld zwischen historischem Gedächtnis und persönlicher Verwundung. Dass Hannah ein Talent für emotional aufgeladene Stoffe besitzt, ist bekannt. Neu ist hier jedoch der Fokus. Statt sich erneut im längst überliterarisierten Zweiten Weltkrieg einzurichten, richtet sie den Blick auf jene Frauen, die im Vietnamkrieg dienten und anschließend aus dem kollektiven Gedächtnis radiert wurden. Allein dieser Perspektivwechsel verleiht dem Roman eine Dringlichkeit, die weit über das übliche historische Unterhaltungskino hinausreicht.
Frances McGrath beginnt ihre Reise als Tochter eines patriotischen amerikanischen Bilderbuchhaushalts, geschniegelt von Idealen, geschniegelt auch von der Erwartung, hübsch zu lächeln, den richtigen Mann zu heiraten und ansonsten möglichst wenig Aufsehen zu erregen. Der Vietnamkrieg zertrümmert diese Kulisse schneller, als Frankie begreift, worauf sie sich eingelassen hat. Hannah schildert die Lazarette, die Hitze, den metallischen Geruch von Blut und verbrannter Haut mit einer Wucht, die bisweilen beinahe dokumentarisch wirkt. Das ist kein dekorativer Historienroman, der Krieg als exotische Kulisse missbraucht. Hier wird amputiert, geschrien, gestorben. Man spürt förmlich die Erschöpfung jener Menschen, die versuchen, Körper zusammenzuhalten, während ringsum jede politische und moralische Ordnung kollabiert.
Besonders stark ist der Roman dort, wo er die Rückkehr nach Amerika beschreibt. Der eigentliche Skandal dieses Buches liegt nämlich nicht im Krieg selbst, sondern in der gesellschaftlichen Verdrängung danach. Männer kehrten als traumatisierte Veteranen zurück. Frauen kehrten zurück und mussten sich anhören, sie seien nie dort gewesen. Hannah macht aus dieser historischen Absurdität den emotionalen Kern ihres Romans. Frankie wird nicht nur vom Krieg beschädigt, sondern auch von einer Heimat, die keinerlei Sprache für ihre Erfahrung besitzt. Gerade darin liegt die nachhaltigste Qualität des Buches: Es erzählt PTSD nicht als abstraktes Diagnoseetikett, sondern als soziale Isolation, als Entfremdung vom eigenen Leben, als permanente Unsichtbarkeit.
Und doch ist Hannah nicht frei von ihren bekannten Schwächen. Sie liebt die große emotionale Geste manchmal etwas zu sehr. Das Drama wird hier nicht selten mit der Schaufel nachgelegt. Kaum verheilt eine Wunde, öffnet sich bereits die nächste. Manche Wendungen wirken kalkuliert tränenheischend, einige romantische Verwicklungen besitzen ungefähr die Subtilität einer Krankenhausserie aus den Achtzigern. Gerade die Liebesgeschichten geraten oft erstaunlich kitschig und stehen seltsam quer zur sonstigen Härte des Romans. Manchmal scheint Hannah ihrem Stoff nicht ganz zu vertrauen und polstert deshalb jede emotionale Erschütterung zusätzlich mit Sentimentalität aus. Das ist schade, weil die historischen Aspekte stark genug wären, um ganz ohne melodramatische Verstärker auszukommen.
Dennoch wäre es kleinlich, diesen Roman auf seine dramaturgischen Übertreibungen zu reduzieren. Hannah versteht etwas Entscheidendes über populäre Literatur: Sie weiß, wie man Geschichte emotional erfahrbar macht, ohne dabei in trockene Pädagogik abzugleiten. Ihre Figuren mögen gelegentlich wie Träger maximaler Gefühle konstruiert wirken, aber sie bleiben lebendig genug, um einen nicht loszulassen. Vor allem die Freundschaften unter den Krankenschwestern besitzen jene glaubwürdige Wärme, die den Roman immer wieder rettet, wenn er Gefahr läuft, in sentimentales Fahrwasser abzudriften.
Am Ende bleibt ein Buch, das weniger durch literarische Feinmechanik überzeugt als durch seine moralische Wucht. Die Frauen jenseits des Flusses ist kein makelloser Roman. Er ist zu laut, zu emotional, zu verliebt in seine Tragödien. Aber vielleicht braucht genau dieses verdrängte Kapitel amerikanischer Geschichte ein Buch, das nicht flüstert, sondern insistiert. Hannah gibt den Frauen von Vietnam keine nüchterne Fußnote der Historie. Sie gibt ihnen ein Denkmal aus Schmerz, Wut und Überlebenswillen. Und das hinterlässt Wirkung.
- Joe Haldeman
Der Ewige Krieg
(6)Aktuelle Rezension von: daniel_bauerfeld
Zum ersten Mal sind drei Science-Fiction-Klassiker von Joe Haldeman in einer Gesamtausgabe vereint: Der ewige Krieg, seine Fortsetzung Am Ende des Krieges sowie der Begleitroman Der ewige Frieden. Die vorliegende Ausgabe, ein voluminöser und entsprechend gewichtiger Prachtband, kommt als gebundenes Buch (echt traditionelle Fadenbindung) mit rotem Lesebändchen daher. Die Übersetzung wurde vom Mantikore Verlag neu angefertigt, das Lektorat hat saubere Arbeit abgeliefert. Somit ist die Aufmachung der Gesamtausgabe eigentlich nur von ihrem Inhalt zu toppen. Dies sollte eigentlich mit Leichtigkeit gelingen: Die einzelnen Titel der Reihe wurden vielfach ausgezeichnet. Hugo-, Nebula-, Locus- und John W. Campell Memorial Award, nur um die wichtigsten Preise zu nennen.
Das Buch Der ewige Krieg erschien erstmals 1975 bzw. drei Jahre später in Deutschland. Der Vietnam-Veteran Haldeman schrieb sein Buch als Reaktion auf den für Amerika so bitteren Krieges: „Ich wollte einen autobiografischen Roman über das dramatischste Jahr meines Lebens schreiben. [Das Thema] schien naheliegend zu sein. Fast jeder Schriftsteller, der Soldat ist, schreibt einen Kriegsroman. Ich hatte vorwiegend Science Fiction gelesen, also war es selbstverständlich, dass ich einen Science-Fiction-Kriegsroman schrieb“, so der Autor in einem Interview aus dem Jahr 2012. Aber auch die Jetztzeit besitzt ihre kriegerischen Auseinandersetzungen – so gesehen hat das Buch noch immer nichts an Brisanz verloren. Dem Ego des Autoren entspricht der Soldat William Mandella, dessen Leben die Leser in den Stationen seiner Militärlaufbahn Private, Sergeant, Lieutenant und Major miterleben. Mandella wurde einberufen, gegen die Alienrasse der Taurier in den Krieg zu ziehen. Die Grundausbildung bereitet die Krieger auf ihren Kampfeinsatz in den Weiten des Weltalls vor. Als erster Einsatz ist der Angriff auf eine Basis der Taurier geplant. Per Raumschiff geht die Reise mit Hilfe der Nutzung von schwarzen Löchern voran. Doch während der erste Einsatz für Mandella und sein Team nur wenige Monate dauert, so sind bei ihrer Rückkehr auf die Erde ganze 23 Jahre vergangen. Schnell wird den Veteranen klar, dass sie für ein Leben auf der neuen Erde nicht mehr geschaffen sind. Zu vieles hat sich dort verändert. So verpflichten sich die Soldaten für einen weiteren Einsatz.
Haldeman war nicht nur Soldat in Vietnam. Er studierte auch Physik, Mathematik, Astronomie und Informatik. Ein ausgebildeter Physiker, wie auch seine Romanfigur William Mandella. Gerade in den detaillierten Beschreibungen der Weltraumreisen merkt man dem Autor sein enormes Wissen und die Sachkenntnis an. Zudem ist die Geschichte in der Ich-Perspektive geschrieben. Dadurch wirkt das Geschehen noch viel greifbarer und eindringlicher. Der flotte Schreibstil des Autors lässt den Lesern keine große Möglichkeit, das Buch für längere Zeit aus der Hand legen zu wollen. Es ist faszinierend zu lesen, wie die Zukunftsvorstellungen aus den 1960er und 1970er Jahren aussahen und wie überholt sie teilweise heute bereits sind.
Der Band Am Ende des Krieges spinnt die Geschichte von Mandella weiter. Nach dem Ende des Krieges gibt es für die Soldaten eigentlich keine Verwendung mehr. Mandella bietet sich die Möglichkeit, auf einem erdfernen Planeten ein neues Leben zu starten. Doch dort erwarten ihn und seine Familie vielfältige Probleme. Zwanzig Jahre nach dem Erscheinen von Der ewige Krieg führte Haldeman die Geschichte zu ihrem Abschluss. Dies war vom Autor eigentlich nie so geplant: „Viele Jahre lang habe ich gesagt, dass The Forever War [Der ewige Krieg] abgeschlossen sei; es brauchte keine Fortsetzung. Doch dann hat man mir viel dafür bezahlt, eine Novelle zu schreiben, die im gleichen Universum ansetzte. Nachdem ich diese geschrieben hatte, bemerkte ich, dass man sie zu einem Roman erweitern konnte – Forever Free [Am Ende des Krieges].“ Die Fortsetzung ist überaus gelungen und gerade das Ende vermag zu überraschen. Darauf dürfen die Leser sehr gespannt sein.
Das dritte Buch der Gesamtausgabe steht hingegen in keinem Zusammenhang mit Der ewige Krieg. Das Kernthema der ersten beiden Bücher bleibt aber auch hier erhalten: Der Mensch als Teil des Kriegshandwerks. Der ewige Frieden spielt im Jahr 2043. Im Mittelpunkt steht der junge Teilzeitsoldat Julian – auch er ist, wie der Zufall es so will, ausgebildeter Physiker. Das Buch ist das philosophischste der drei Werke und sollte dementsprechend wesentlich ruhiger und langsamer gelesen werden. Dementsprechend gewandelt ist auch der Schreibstil des Autors. Vollkommen zu Recht hat auch dieser Roman Aufnahme in die Gesamtausgabe gefunden. Die drei Antikriegsromane lassen die Leser nachdenklich zurück: „Wir haben uns moralisch noch nicht so weit entwickelt, dass wir ohne Krieg auskommen; in dieser Hinsicht hat sich nicht viel geändert. Vielleicht wird die Menschheit dem in der Zukunft entwachsen; vielleicht passiert dies auch nicht schnell genug und wir vernichten uns vorher selbst. Ich weiß es wirklich nicht. Es ist nicht meine Aufgabe, die Zukunft vorherzusagen.“ Die Leser von Joe Haldeman werden sich jedenfalls Gedanken machen, was denn die Zukunft für die Menschheit bereithalten mag. Nicht nur für Science-Fiction-Fans ist diese hoch zu lobende Gesamtausgabe interessant. Der noch relativ junge Verlag hat hier sein Meisterstück abgeliefert. Im Zusammenhang mit Der ewige Krieg darf der Ausdruck Meilenstein vollkommen zu Recht in den Mund genommen werden. - Helen Hoang
Love Challenge
(187)Aktuelle Rezension von: LadyMuffinchenEsme ist alleinerziehende Mutter und lebt im Vietnam. Dort versucht sie alles, um ihrer Tochter, sich selbst und ihrer weiteren Familie ein gutes Leben zu ermöglichen. Plötzlich erhält sie die Chance in Amerika ein neues Leben zu bekommen. Alles, was sie dafür tun muss ist Khai, einen autistischen Mann, zu heiraten. Khais Mutter versucht alles, um ihrem Sohn eine Frau zu bescheren, während dieser dies partout nicht will. Kann Esme seine Meinung vielleicht ändern?
Khai ist ein wunderbarer Protagonist. Obwohl manche seine Art wohl befremdlich finden mögen, ist er dennoch liebenswert. Er selbst tut sich schwer damit Gefühle zu erkennen und auszudrücken, was nun mal am Autismus liegt. Er betrachtet alles sachlich und eigentlich ist diese Art und Weise auch mal interessant. Für jemanden mit einem sachlichen Denken scheinen Khais Handlungen und Gedanken nachvollziehbar sein. Für jemanden, der nicht derart die Welt betrachtet, ist dies manchmal einfach unmöglich. Doch gerade das macht die Story unberechenbar und doch weiß man, dass es sich schon fügen wird.
Dann ist da Esme, die aufopfernde und wirklich charakterstarke Frau, die viel mehr ist und kann, als sie sich selbst zutrauen will. Sie ist emotional und offen, sie verurteilt Khai nicht direkt und mit ihrer fröhlichen Art und ihrem Charme hat sie nicht nur einige Lacher beim Lesen auf ihrer Seite, die Khai so jedoch nicht versteht.
Die weiteren Charaktere sind ebenfalls gut getroffen. Manche kennt man bereits aus Teil eins, welchen man unabhängig von diesem hier lesen kann. Dennoch finde ich es schön, das sie einen Cameoauftritt haben.
Der Schreibstil ist locker und leicht. Man kann durch die Seiten pflügen und viel zu schnell ist man fertig mit dem Buch.
Insgesamt hat mir die Authentizität sehr gut gefallen. Mal aus dem Blickwinkel eines Autisten alles zu betrachten bereichert das Weltbild und hilft für Verständnis zu sorgen. Die Reihe gefällt mir wirklich gut und ich kann daher auch Band zwei wärmstens empfehlen 🪷
- Marc Kemper
Um mich herum stehen bekannte Gesichter
(30)Aktuelle Rezension von: AmbermoonAm Ende der Welt sieht Camilla Hamilton ihre einzige Chance auf einen Neubeginn: Ein verheerender, von ihr verschuldeter Autounfall hat ihr Leben unwiderruflich aus der Bahn geworfen und die junge Forscherin an den Rand der absoluten Selbstaufgabe gedrängt. Angetrieben von der Hoffnung, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen, begibt sie sich auf eine verheißungsvolle Reise an den Polarkreis.
Statt der geplanten Forschungsreise ereilt Camilla jedoch eine weitere Katastrophe, als ihr Flugzeug über der russischen Tundra abstürzt. Inmitten der eisigen Wildnis, meilenweit von jeglicher Zivilisation entfernt, nimmt sie einen Überlebenskampf an, den sie längst verloren geglaubt hat…
Wozu ist ein Mensch - und sein Verstand - fähig, um sich vor Unheil zu schützen? Marc Kemper erzählt eine atmosphärische Geschichte über Depression, Schuld, Zweifel und den folgenreichen Kampf gegen die Natur... (Klappentext)❆❆❆❆❆
"Camilla rekapitulierte all die Tode, die sie hätte sterben sollen: Der Autounfall. Der Drogencocktail. Der Flugzeugabsturz. Der Bär. Das Eis. Der Hunger. Und doch war sie noch am Leben. Ein Leben, dass sie - obwohl sie jetzt so hart darum kämpfte - gar nicht mehr wollte."
(S. 113)Camilla, eine junge Paläontologin, ist am Ende. Durch einen Unfall, den sie verschuldete, kam ein Kind ums Leben und Schuldgefühle treiben sie in die Depression. Der Entschluß ist gefasst - sie möchte sich das Leben nehmen, denn mit dieser Schuld kann und möchte sie nicht weiterleben.
Kurz bevor es um sie herum für immer finster wird, ruft ihr Chef an und eröffnet ihr ein Angebot - eine Expedition an den Polarkreis. Dies wäre weit genug weg, um zu vergessen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen und so nimmt sie dieses Angebot an. Jedoch kommt alles anders als geplant, denn den Zielort wird Camilla nie erreichen.
Das Flugzeug stürzt über der russischen Tundra ab und Camilla schließt ein weiteres Mal mit dem Leben ab, doch auch jetzt läuft ihr Lebensfaden wieder weiter.
Nun heißt es überleben, überleben in einer unwirtlichen eisigen Welt, gemeinsam mit nur wenigen Überlebenden und einem Minimum an Ausrüstung und Essen. Doch wenn Camilla gedacht hat, sie könne jetzt erst recht die Vergangenheit vergessen, dann hat sie sich getäuscht, denn diese holt sie immer wieder ein.
Und so ist dies nicht nur ein Kampf ums Überleben, sondern auch ein Kampf gegen die eigenen Dämonen."Sie hatte schon ewig keinen so klaren Nachthimmel gesehen. Selbst in solch verzweifelten Situationen warf einem das Universum hin und wieder einen Knochen hin. Doch nur wenn man den Kopf hoch hält, kann man die Sterne sehen."
(S. 70)Marc Kemper konnte mich bereits mit seiner "Schmerzflimmern"-Reihe begeistern und dementsprechend neugierig war ich auf seine neue Novelle. Diese unterscheidet sich jedoch stark von "Schmerzflimmern", sowohl von der Stimmung und der Atmosphäre her, als auch von der Grundthematik. Hier werden nämlich ernste Töne angeschlagen, jedoch nicht minder intensiv.
Der Autor schafft es die Gefühle der Protagonisten hervorragend zu transportieren, was bei Depression nicht unbedingt einfach ist. Aufgrund dessen und da man aus der Sicht von Camilla liest, hat man das Gefühl in ihrem Kopf zu sitzen, durch ihre Augen zu sehen und auch die eisige Kälte wie Nadelstiche auf der Haut zu spüren.
Gemeinsam mit Camilla stellt man sich der Herausforderung im eisigen Sibirien zu überleben und macht sich gleichzeitig daran die eigenen Dämonen zu bekämpfen.
Auch die anderen Überlebenden haben ihre Dämonen mitgebracht, jeder läuft vor irgendetwas davon und so mancher wird nicht mehr zurückkehren."Auch Camilla hatte Studien über das Polar T3-Syndrom gelesen. Wissenschaftliche Abhandlungen, die herausfanden, inwiefern der Aufenthalt in diesen Regionen dazu führte, dass Forscher und Entdecker schneller dazu neigten, Dinge zu vergessen. Wohingegen es für die meisten betroffenen Menschen eher ein Grund zur Sorge darstellt, war es für Camilla möglicherweise exakt das, wonach sie sich so sehr sehnte."
(S. 19)Marc Kempers Schreibstil ist flüssig, direkt und ungeschönt. Gleichzeitig schafft er es eine unglaubliche Atmosphäre zu erschaffen, welche die Grundstimmung ebenso betrifft wie auch das Setting. Die Story ist mitreißend, intensiv und spannend zu verfolgen. Vor allem was die Entwicklung der Protagonistin betrifft.
Es gab für mich im Verlauf ein paar Logikschnitzer, welche die Handlung der Protagonisten betraf, doch die überraschende Wendung am Ende rückte all das in ein völlig anderes Licht und somit passte doch wieder alles hervorragend zusammen.
Ich will hier nicht näher darauf eingehen. Es sei nur so viel gesagt - es erinnerte mich in gewisser Weise an den Film "The Sixth Sense". So ein Plot Twist kann mich immer wieder begeistern.So far, so good, nun kommen wir jedoch zu den Kritikpunkten, welche doch mein Lesevergnügen etwas schmälerten.
Während der Autor hin und wieder so manch intensiven Moment zu rasch verstreichen lässt, hält er sich bei manchen Erklärungen zu lange auf. Dadurch wird zwar ersichtlich, dass der Autor viel Arbeit in die Recherche gesteckt hat, dies jedoch meist völlig belanglos war.
Aufgrund dessen fällt die Atmosphäre manchmal in sich zusammen und störte dadurch meinen Lesefluß."Rotes Blut kam aus Adern und Arterien. Blutungen, die man mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit provisorisch behandeln konnte. Schwarzes Blut hingegen bedeutete eine Verletzung der inneren Organe. Blut, welches mit Magensäure in Kontakt gerät, verdunkelt sich. Natürlich hatten ältere Menschen in der Regel von Natur aus dunkleres Blut,...."
(S. 52)Die Story dürfte in den frühen 90ern angesiedelt sein, so klar erwähnt wird das jedoch nicht. Die wenigen Andeutungen hätte man auch völlig lassen können, denn die Story selbst funktioniert auch ohne diese sehr gut.
Weiters hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, vor allem bezüglich Camillas Vergangenheit und ihrer Dämonen. Diese werden zwar immer wieder erwähnt, jedoch nie näher darauf eingegangen. Und auch alles Weitere wird meiner Meinung nach viel zu schnell abgehandelt.Fazit:
Die Novelle besticht durch ihre dichte Atmosphäre, der Schreibstil ist genial und die Story mitreißend. Letztere hätte so viel hergeben können, doch meiner Meinung nach fehlt hier das Wichtigste, nämlich Tiefgang. Davon hätte ich mir wirklich mehr gewünscht.
Man blickt immer nur kurz in Camillas Vergangenheit und ihre Dämonen werden ständig und immerzu erwähnt, doch beides wird nie näher erläutert. All das mühsam erbaute Konstrukt bekommt dadurch Risse und alles verpufft ohne Eindruck zu hinterlassen. Was ich bei der Thematik Depression sehr schade finde.
Alles wird viel zu schnell abgehandelt und ließ mich irgendwie nicht ganz zufrieden zurück. Es hätte so verdammt gut werden können, wenn sich der Autor mehr Zeit und mehr Seiten zugestanden hätte.© Pink Anemone (inkl. Autoren-Info, Leseprobe)
- David Frogier de Ponlevoy
Hanoi Hospital
(21)Aktuelle Rezension von: AnnejaNeben Krimödien haben es mir schon seit geraumer Zeit die Länderkrimis aus dem Conbook Verlag angetan. Neben Japan und China war mit Hanoi Hospital nun Vietnam dran, ein Land, mit welchem ich mich ehrlich gesagt noch nie wirklich auseinandergesetzt habe. Trotzdem bestand eine rege Neugier an fremden Kulturen, weswegen ich mit wachsender Spannung in dieses Buch startete.
Vietnam war für mich immer ein Land der Armut, da ich es durch die Medien, nicht anders präsentiert bekam. Doch wo die Dokumentationen stets nur einen Aspekt dieser Kultur aufzeigten, schaffte es David Frogier de Ponlevoy Kultur, die gesellschaftliche Struktur und einen Krimi zu vereinen. Dabei heraus kam ein Buch, welches nichts verschwieg und doch die Bräuche und Sitten des Landes eindrucksvoll beschrieb. Hier war ich sehr froh, dass der Autor nichts verschönerte, sondern klar zeigte, wie er Vietnam erleben durfte. Natürlich nicht aus seiner Person, aber anhand seiner Charaktere, welche aus unterschiedlichen Schichten kamen und teilweise sogar deutsche Wurzeln hatten.
Hier wäre zu erste Anne zu nennen, welche eigentlich Vân Anh heißt. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und kommt, wegen eines Praktikums nach Vietnam. Hier wartet jedoch nicht nur Arbeit auf sie, sondern auch die Familie und die hat erst einmal ein Ziel. Nämlich die junge Frau verheiraten. Ja in Vietnam laufen die Uhren ein wenig anders, doch hier steht ihr, ihre Cousine Linh bei, welche in Vietnam arbeitet. Neben dieser Sicht, darf man auch die von Tuân erleben, welcher durch die Krankheit seiner Freundin in eine missliche Lage gerät, jedoch alles tut, um Yên wieder gesund zu bekommen. Aber auch die Ärzte darf man nicht vergessen, denn auch die lassen in ihr Leben schauen und überraschten mich dabei am laufenden Band. Überrascht klingt dabei fast zu freundlich, denn ehrlich gesagt, war ich entsetzt.
Leider fühlte sich der Krimiaspekt nicht ganz so an wie ein Krimi, da z.B. vonseiten der Polizei kaum Ermittlungen stattfanden und eigentlich die 2 Mädels alles zusammen trugen. Dabei entstand auch kein richtiger Fall, wie man ihn vielleicht kennt, sondern eher eine Recherche. Diese hatte es allerdings in sich und brachte erschreckende Zustände hervor. Auch hier muss ich den Spannungsbogen loben, denn die Geschehnisse, egal ob rund um den Fall oder um das Land selbst waren immer interessant und sorgten dafür das ich nicht nur viele AHA-Momente hatte, sondern auch das Buch nicht mehr zur Seite legen wollte.
Wer wie ich, vor lauter Namen schon einmal den Überblick verliert, dem wart auch diesmal wieder geholfen. Nach der Geschichte wartet nicht nur ein Personenverzeichnis, sondern auch ein Glossar, das schwierige Begriffe erklärt. Wie auch in vorherigen Länderkrimis, nutze ich dieses gern, da man manchmal aus dem Kontext nicht ganz heraus lesen konnte, um was es sich nun eigentlich handelt. Die Erklärungen im Glossar sind übrigens sehr gut verständlich und endeten für mich meist mit einem „Achsooo“.
Das tat ich schließlich auch nicht und erlas wie gebannt das Ende, welches nochmal ein paar Überraschungen parat hatte. Ich konnte es also mit Erleichterung zuklappen und mich daran erfreuen, nicht nur eine spannende Story gelesen , sondern auch etwas gelernt zu haben.
Mein Fazit
Dieses Buch verdient den Namen „Länderkrimi“, wie kein Anderer. Tolle Ansichten in eine fremde Kultur, glaubhafte Charaktere aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und ein spannender Fall, welcher mich an seine Seiten fesselte, ja, der Autor hat aus meiner Sicht alles richtig gemacht, weswegen ich hoffe noch mehr Bücher wie dieses, von ihm erscheinen.
- Kristin Hannah
Liebe und Verderben
(155)Aktuelle Rezension von: Lunacat.
3,75 Sterne 🌟
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Dieses Buch war echt eine Achterbahn der Gefühle! Starten wir mal zuerst mit den positiven Dingen: Ich habe dieses Buch GEFÜHLT, und wie ich es gefühlt habe. Ich habe so verdammt mitgelitten und fast geweint, war geschockt und mitgerissen pur!
Die Charaktere waren zwar keine Lieblingscharaktere; sie hatten alle ihre 👍s & 👎s, aber ich habe wirklich mit ihnen gelitten.
Der Schreibstil war ganz gut, aber mir leider viel zu ausführlich. Von 600 Seiten waren 200 Landschaftsbeschreibung, die ich teilweise dann nur noch überflogen habe.
Das Problem war, dass das Setting - Alaska und hauptsächlich Winter - das komplette Gegenteil von dem ist, was ich gerne lese. Hätte man mir 200 Seiten von Rom im Sommer detailliert beschrieben, wäre ich voll dabei gewesen. Ich hasse nämlich den Winter wirklich sehr und er deprimiert mich und noch schlimmer ist für mich das "Land" als Gegensatz zur Stadt. Alaska verkörpert meinen Horrorort...
Die ersten 300 Seiten haben sich auch ziemlich gezogen, muss ich ehrlich gesagt sagen. Dann kamen irgendwann 100 Seiten, die phänomenal waren, aber danach wurde es auch wieder langsam. Mit dem Ende bin ich aber so zufrieden. ♡
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Fazit:
Wer Alaska, das Land und den Winter liebt, gerne über Natur liest und gleichzeitig einen tiefgründigen Roman sucht, hat hier etwas Perfektes gefunden.
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"𝕷𝖊𝖓𝖎 𝖜𝖔𝖑𝖑𝖙𝖊 𝖚𝖓𝖙𝖊𝖗 𝖉𝖊𝖒 𝕿𝖎𝖘𝖈𝖍 𝖙𝖗ö𝖘𝖙𝖊𝖓𝖉 𝖓𝖆𝖈𝖍 𝕸𝖆𝖙𝖙𝖍𝖊𝖜𝖘 𝕳𝖆𝖓𝖉 𝖌𝖗𝖊𝖎𝖋𝖊𝖓, 𝖉𝖔𝖈𝖍 𝖉𝖆𝖓𝖓 ü𝖇𝖊𝖗𝖑𝖊𝖌𝖙𝖊 𝖘𝖎𝖊 𝖊𝖘 𝖘𝖎𝖈𝖍 𝖆𝖓𝖉𝖊𝖗𝖘. 𝕾𝖎𝖊 𝖍𝖆𝖙𝖙𝖊 𝕬𝖓𝖌𝖘𝖙, 𝖉𝖆𝖘𝖘 𝖊𝖗 𝖘𝖊𝖎𝖓𝖊 𝕳𝖆𝖓𝖉 𝖟𝖚𝖗ü𝖈𝖐𝖟𝖎𝖊𝖍𝖊𝖓 𝖜ü𝖗𝖉𝖊. 𝖀𝖓𝖉 𝖉𝖔𝖈𝖍 𝖜𝖔𝖑𝖑𝖙𝖊 𝖘𝖎𝖊 𝖎𝖍𝖒 𝖎𝖗𝖌𝖊𝖓𝖉𝖊𝖙𝖜𝖆𝖘 𝖌𝖊𝖇𝖊𝖓, 𝖊𝖙𝖜𝖆𝖘 𝖙𝖚𝖓, 𝖉𝖆𝖘 𝖘𝖊𝖎𝖓 𝕷𝖊𝖎𝖉 𝖛𝖎𝖊𝖑𝖑𝖊𝖎𝖈𝖍𝖙 𝖊𝖎𝖓 𝖇𝖎𝖘𝖘𝖈𝖍𝖊𝖓 𝖑𝖎𝖓𝖉𝖊𝖗𝖓 𝖐𝖔𝖓𝖓𝖙𝖊."
- Steffen Kopetzky
Propaganda
(24)Aktuelle Rezension von: CorsicanaDie berühmte Schlacht im Hürtgenwald, eines der Traumata der Amerikaner, hat mich schon länger interessiert. Ich komme nämlich aus der Nordeifel und meine Oma aus Vossenack (mittendrin) und mein Vater war im 2 Weltkrieg in dieser Schlacht und ist dort in Amerikanische Kriegsgefangenschaft gekommen. Da mir das Buch "Monschau" von Steffen Kopetzky sehr gut gefallen hatte, habe ich mich als daran gemacht "Propaganda" zu lesen. Der Autor spannt einen weiten Bogen vom 2. Weltkrieg bis zum Vietnamkrieg und den Pentagon Papers. Historisch sehr akribisch recherchiert und ziemlich ausführlich dargestellt. Also durchaus Kritik am Krieg. Aber dann geht es in den Hürtgenwald und die seitenlangen Beschreibungen von Kriegstaktiken, Schlachten, Divisionen usw. langweilten mich zusehends. Alles zwar sehr grausam, das ist mir schon klar. aber eben als Beschreibung ziemlich blutleer. Ich glaube, dafür interessieren sich eher Männer. Vielleicht ein Vorurteil. Ich will auch gar nicht sagen, dass der Autor den Krieg verherrlicht, gar nicht. Er beschreibt auch ziemlich gut, dass selbst Hemingway, Prototyp eines Machos und voller toxischer Männlichkeit, in diesem Massaker sein Verhältnis zum Krieg wohl überdachte, jedenfalls schrieb er nie das geplante Buch über diese Schlacht. Da Hemingway auf dem Weg in den Hürtgenwald auch in meinem Heimatdorf Station macht (wird sogar im Buch erwähnt!) interessierte mich das Thema schon länger. Neu war für mich, dass auch J.D. Salinger Kriegsreporter war. Und der fiktive Erzähler dieser Geschichte lernt sie alle kennen, auch Bukowski in New York. als sie alle noch Schriftsteller werden wollten und dann teilweise in der Propaganda landeten. Dieser Aspekt war interessant: Wie wichtig ist Propaganda (heute würde man PR oder Social-Media-Marketing sagen) für Meinungsbildung und Kriegsgewinn?
Ansonsten habe ich mich aber leider ziemlich durch das Buch gequält, obwohl ich viele Orte, Täler und Landschaften kannte und einen persönlichen Bezug hatte. Und ja: Hemingway lese ich jetzt sicher nicht mehr. Salinger aber nochmals.
- Isabella Maria Kern
LI
(12)Aktuelle Rezension von: Jeanette_LubeDieses Buch erschien 2016 im IATROS-Verlag und beinhaltet 349 Seiten.
Peter, ein arroganter Jornalist, besucht das erste Mal ein Bordell. Und danach ist für ihn nichts mehr, wie es war. Als er dort auf die minderjährige Li trifft, ist ihm die Lust auf Sex sofort vergangen und er verspricht, ihr zu helfen. Doch Li nimmt sich noch in derselben Nacht das Leben. Peter versteckt Beatrice bei sich, da sie von ihren Zuhältern gesucht wird. Damit riskiert er sein Leben und wird obendrein auch noch gekündigt. Er meint, den Verstand zu verlieren, als er dann auch noch Lis Stimme hört... Man kann an paranormale Aktivitäten glauben oder nicht... Doch Peter hört Lis Stimme, nachdem sie ihrem jungen Leben ein Ende gesetzt hat. Der Leser wird mit einem Selbstmord, einem Mord, mit der Liebe und dem wohl aussichtslosen Kampf um eine bessere Welt konfrontiert. Es handelt sich um einen spannenden, paranormalen Thriller.
Der Schreibstil der Autorin Isabella Maria Kern ist ausgesprochen flüssig, der Thriller ist sehr aufregend, spannend und fesselnd geschrieben. Man merkt auch am Inhalt, dass sich die Autorin mit einem echt schwierigen Stoff auseinander gesetzt hat. Ich konnte das Buch nicht mehr aus den Händen legen, so hat mich die Geschichte der jungen Li in ihren Bann gezogen. Die Geschichte Lis hat mich zutiefst berührt. Man hat ja schon des Öfteren gehört, dass es Menschen gibt, die nach dem Tod eines geliebten Menschen noch mit dem Toten kommunzieren. Ich finde es wunderbar, wie Li immer wieder in Peter Gegenwart präsent ist, geht es doch hier darum, dass Li Peter eine Botschaft mit auf den Weg gibt. Leider gibt es sehr viele junge Mädchen, die aus verschiedenenen Ländern hierher geholt werden, um hier in Bordelle verschleppt zu werden, dabei wird ihnen zuvor eine wunderbare Zukunft und ein tolles Leben versprochen. Dieser Thriller hat mich sehr zum Nachdenken angeregt, er rüttelt wach und auch, nachdem ich ihn gelesen habe, wird er noch lange in mir nachwirken. Dies ist ein schwieriges Thema und für viele ein Tabu, frei nach dem Motto: Davon will ich gar nichts wissen! Peter hat sich in diesem Buch echt super entwickelt, auch wenn für Li das Leben vorbei ist, hilft er nicht nur Beatrice... Aber ich will hier nichts verraten! Ich kann diesen Thriller auf jeden Fall weiter empfehlen. Lest ihn und ihr werdet es nicht bereuen! Isabella Maria Kern schreibt selbst in ihrem Klappentext, dass dieser Roman nicht nur zum Unterhalten sondern auch zum Nach- und Umdenken anregen soll. Das hat sie bei mir auf jeden Fall geschafft!























