Bücher mit dem Tag "vietnamkrieg"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "vietnamkrieg" gekennzeichnet haben.

43 Bücher

  1. Cover des Buches 4 3 2 1 (ISBN: 9783499271137)
    Paul Auster

    4 3 2 1

    (128)
    Aktuelle Rezension von: Steve91

    4 3 2 1 wurde 2017 auf deutsch veröffentlicht und ist Paul Austers Opus magnum. In diesem über 1200 Seiten langen Roman stellt Auster vier verschiedenen ablaufende Leben ein und derselben Person vor, nämlich die Leben des Archie Ferguson.
    Die einzelnen Versionen von Archies Leben werden dabei in zeitliche Abschnitte unterteilt, von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter, also circa bis zum Ende des Studiums.
    Es sind nicht nur die Entscheidungen Archies sondern auch die Entscheidungen seiner Mitmenschen und deren Handlungen, die Zufälle und Schicksale, die deren Leben bestimmen, die die jeweils andere Version von Archies Leben entstehen lassen und vorantreiben.
    Es gibt einige zentrale Figuren, wie natürlich seine Eltern, Freunde und Verwandte, die sich in allen Varianten von Archies Leben wiederfinden. Aber auch hier ändert sich, je nach Vergangenheit und Ereignissen, der Umgang miteinander. Diesen Entwicklungen zu folgen ist dabei nicht immer einfach, 4 3 2 1 ist kein Werk, das man zwischendurch liest. Wer aber durchhält, und dazu kann ich nur jedem raten, wird mit einer bzw. vier Geschichten belohnt, die sich intensiv mit der Frage nach Schicksal, nach Zufall und der Selbstbestimmtheit unseres Lebens auseinandersetzen.
    Austers Sprachgewalt ist dabei beeindruckend. Manche Sätze gehen über mehrere Seiten, sind dabei aber nicht langatmig und treiben die umfangreiche Handlung weiter voran. Die Dialoge sind pointiert und genau, jede Figur wird auf ihre Weise durch ihre Tätigkeiten und ihre Sprache unverwechselbar.
    Neben den zentralen Fragen des Romans, Schicksal und Zufall und die Konsequenzen unserer Entscheidungen, findet sich hier auch ein Ritt durch die amerikanische Nachkriegsgeschichte, vor allem durch die Veränderungen der Gesellschaft der USA in den 1960er Jahren. Eine Auseinandersetzung mit den Studentenprotesten, mit dem Vietnam Krieg, mit Baseball und Basketball, mit Literatur, nicht zuletzt mit der Sexualität.
    Austers Werk hat mich tief beeindruckt. Seine Sprachgewalt, seine Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen des Schicksals und des Zufalls sowie die umfangreiche Darstellung so vieler Themen - Geschichte, Politik, Sport, Literatur und viele mehr - machen 4 3 2 1 für mich zu einem Roman, den Liebhaber anspruchsvoller Literatur gelesen haben müssen.

  2. Cover des Buches Der menschliche Makel (ISBN: 9783446262386)
    Philip Roth

    Der menschliche Makel

    (366)
    Aktuelle Rezension von: Lulia

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht der hochangesehene Professor Coleman Silk, dessen Karriere durch einen vermeintlich rassistischen Kommentar zerstört wird wobei niemand ahnt, dass Coleman selbst Afroamerikaner ist, der seit früher Jugend als weißer Jude lebt. Danach lernt er die fast halb so alte Faunia Farley kennen, die ebenfalls ihre Geheimnisse trägt. Die Handlung dreht sich vor allem um die Geschehnisse rund um diese beiden Personen, die teilweise zu sehr ins Detail abgleitet, wodurch das Lesen etwas zäh wird.
    Bei den Protagonisten stehen vor allem Coleman und Faunia im Mittelpunkt der Geschichte. Relevante Nebenprotagonisten, wie Faunias gewalttätiger Ehemann, Colemans Familie und sein Freund Nathan Zuckermann bereichern die Handlung durch ihre Sicht auf die Ereignisse. Besonders hervorzuheben ist, dass es Wechsel zwischen den unterschiedlichen Erzählperspektiven (Er/Sie und Ich) gibt, die dem Roman eine originelle Note geben.
    Wer vielschichtige Romane mit einer sehr hohen Detailtiefe mag, wird hier fündig.
    Der Schreibstil ist facettenreich und besticht durch seinen z.T. komplexen Satzbau, der ein wenig Eingewöhnung braucht.
    Minuspunkte: Die z.T. sehr hohe Detailtiefe macht die Handlung an manchen Stellen sehr zäh, was durch den Schreibstil noch zusätzlich verstärkt wird. Daher würde ich 3,5 Sterne vergeben, aber da das nicht geht, runde ich auf 4 Sterne auf.

  3. Cover des Buches Auf Erden sind wir kurz grandios (ISBN: 9783442770083)
    Ocean Vuong

    Auf Erden sind wir kurz grandios

    (186)
    Aktuelle Rezension von: Mirarim

    MEINUNG

    Ganz ehrlich: Wäre dieses Buch nicht Teil unseres Buchclubs gewesen, hätte ich wahrscheinlich zwischendurch aufgehört. Und die zweite Wahrheit ist aber: Ich bin sehr froh, dass ich so ein bisschen “gezwungen” war, es weiter zu hören.

    Ocean Vuong hat seiner Hauptfigur Little Dog eine besondere Erzählstimme gegeben. Im Grunde genommen sind all das Briefe an seine Mutter, zusammen gestückelt in einem Buch. Aber es sind keine klassischen Briefe mit “Liebe… Dein…”, oder die eine Geschichte immer komplett erzählen. Vielmehr sind es Ausschnitte und Erinnerungen, die ausformuliert sind. Genau das hat auch zu einem sehr poetischen Stil geführt. Das Buch zu lesen, ist mir etwas schwer getan, zum Anhören (bei einer Tätigkeit, bei der man auch gut zuhören kann), war es aber super. Auch, weil es wirklich gut vorgelesen war.

    Faszinierend fand ich, dass man beim Lesen/Hören die ganze Zeit denkt, dass es autobiografisch ist - meines Wissens nach, ist das aber nicht so. Durch die Direktheit in den Briefen und die Eindrücklich und Nähe, in der erzählt wird, entsteht dieser Eindruck aber sehr.

    Genau diese Schilderungen gehen oft wirklich nahe und hallen nach. Ich finde insbesondere auch deshalb, weil Little Dog selber in einem Brief schreibt, dass er das nur aufschreibt, weil seine Mutter das wahrscheinlich selbst nie lesen können wird - dementsprechend ehrlich und zum Teil auch genau waren die Beschreibungen.

    Insgesamt sind viele Bilder zurückgeblieben. Es waren spannende Gedanken und Beschreibungen. Ein für mich sehr eindrückliches Buch.


    KLAPPENTEXT

    Ein Roman, der die amerikanische Identität neu definiert. Und der Brief eines Sohnes an die vietnamesische Mutter, die ihn nie lesen wird: Die Tochter eines amerikanischen Soldaten und eines vietnamesischen Bauernmädchens ist Analphabetin, kann kaum Englisch und arbeitet in einem Nagelstudio. Sie ist das Produkt eines vergessenen Krieges. Der Sohn, ein schmächtiger Außenseiter, erzählt – von der Krankheit der Großmutter, den geschundenen Händen der prügelnden Mutter und seiner tragischen ersten Liebe zu einem amerikanischen Jungen. Ocean Vuong schreibt mit traumhafter Klarheit von einem Leben, in dem Gewalt und Zartheit aufeinanderprallen.

  4. Cover des Buches Ein seltsamer Ort zum Sterben (ISBN: 9783499259654)
    Derek B. Miller

    Ein seltsamer Ort zum Sterben

    (89)
    Aktuelle Rezension von: Ana80

    Sheldon Horowitz zieht mit 82 Jahren, nach dem Tod seiner Frau, zu seiner Enkelin nach Oslo. Da er dort relativ einsam ist, hat er viel Zeit, über sein Leben und die Vergangenheit nachzudenken.
    Eines Tages hört Sheldon Lärm im Treppenhaus und als er die Tür öffnet betreten eine Frau und ein kleiner Junge seine Wohnung. Nicht lange Zeit danach ist die Tür aufgebrochen, die Frau ermordet und Sheldon ist mit dem kleinen Jungen, aus dem er nicht so richtig schlau wird, auf der Flucht entlang des Oslofjords.

    Mich konnte dieses Buch sehr schnell fesseln. Während man Sheldon und den kleinen Jungen auf ihrer seltsamen Flucht begleitet, gibt es unfassbar viele Momente zum Schmunzeln, zum Nachdenken und auch zum herzhaft Lachen. Derek B. Miller ist es hier gut gelungen verschiedenste Elemente, die das Lesen zum Genuss machen miteinander zu verbinden. Mir gefiel der Aufbau des Buchs und dass man nach und nach etwas über das bewegende Leben von Sheldon erfährt.

    Es ist ein kleines bzw. kurzes Buch, was manchem vielleicht unbedeutend erscheint, in mir aber durchaus nachklingt. Ich empfehle es jedem, der Lust hat eine berührende Geschichte zu lesen, die mal spannend und mal komisch ist und von herzerwärmenden Figuren erzählt. 

  5. Cover des Buches Die Frauen jenseits des Flusses (ISBN: 9783746642789)
    Kristin Hannah

    Die Frauen jenseits des Flusses

    (198)
    Aktuelle Rezension von: BellaVampir

    Von Anfang bis Ende ein fesselndes Buch mit einer sehr emotionalen Geschichte.

    Jede(r) für sich hat sein Päckchen und seinen Schmerz zu tragen und versucht auf seine Weise sein Glück im Leben zu finden.

    Und die Erkenntnis, dass Familie und die Liebe zueinander, das Teilen seiner Trauer miteinander das Leben erträglicher macht und Hoffnung gibt.



  6. Cover des Buches Natchez Burning (ISBN: 9783746632100)
    Greg Iles

    Natchez Burning

    (87)
    Aktuelle Rezension von: MichaelSterzik

    I have a Dream (ich habe einen Taum) – dass sind die Worte in einer der berühmtesten Reden von Martin Luther King. Der Afroamerikanischer Bürgerrechtler hielt seine Rede am 28. August 1963 vor mehr als 250.000 Menschen vor dem Symbol der Freiheit – dem Lincoln Memorial in Washington.

    In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Politiker, wie Robert F. Kennedy, J.F. Kennedy und Martin Luther King zu Schlüsselgestalten gegen den Rassismus. Allesamt kämpften diese politisch, sozial und ökonomisch für eine Gleichheit innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Für diese Zukunftsvisionen bezahlten sie einen viel zu hohen Preis – sie wurden ermordet. Vielleicht nicht ausschließlich wegen des Themas der Gleichstellung der amerikanischen Bürger vor dem Gesetz, aber faktisch spielte diese eine wesentliche Rolle. 

    Im Süden der USA wurden unbeschreibliche Verbrechen an Afroamerikaner verübt. Manchmal unter den Augen von korrupten Polizeibeamten, die ggf. private Beziehungen zum Ku-Klux-Klan hatten. Dieser rassenfeindliche und sehr gewalttätige Geheimbund kämpfte auch mit paramilitärischen Mitteln für die Vorherrschaft der Weißen Rasse. Attentate, Mord, Brandstiftung, Raub, Vergewaltigung usw., die Liste der Verbrechen dieses Klans ist lang.

    Analysiert man die Umstände dieser drei Morde an J.F.Kennedy, seinem Bruder Robert und Martin Luther King, so gibt es zwar Täter, aber widersprüchliche Aussagen, viele Ermittlungspannen und noch immer viele, viele offene Fragen, die bisher nicht final beantwortet worden sind. Verschwörungstheorien bringen uns hier nicht weiter – aber Greg Iles verarbeitet in seinem vorliegenden Roman: „Natchez Burning“ seine eigene Theorie.

    Penn Cage, Bürgermeister von Natchez, Mississippi, hat eigentlich vor, endlich zu heiraten. Da kommt ein Konflikt wieder ans Tageslicht, der seine Stadt seit Jahrzehnten in Atem hält. In den sechziger Jahren hat eine Geheimorganisation von weißen, scheinbar ehrbaren Bürgern Schwarze ermordet oder aus der Stadt vertrieben. Nun ist mit Viola Turner, eine farbige Krankenschwester, die damals floh, zurückgekehrt – und stirbt wenig später. Die Polizei verhaftet ausgerechnet Penns Vater – er soll sie ermordet haben. Zusammen mit einem Journalisten macht Penn sich auf, das Rätsel dieses Mordes und vieler anderer zu lösen. (Verlagsinfo)

    „Natchez Burning“ von Greg Iles ist 2016 im Aufbau Verlag erschienen und ist der erste Band einer Trilogie. Der 1000-Seiten starke Roman ist ein absoluter Spannungsgarant. Beachtlich ist es, dass die Spannung enorm schnell auftaucht, aber auch über den gesamten Band diese hält. Es gibt keine langatmigen Passagen, keine überflüssigen Dialoge, oder Nebenfiguren, die man hätte ersparen können. Der Unterhaltungswert immer aktiv – auf jeder Seite – in jedem Kapitel und auch wenn die Perspektiven zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseln und auch der Erzähler ausgetauscht wird – die Atmosphäre ist außergewöhnlich spannend. 

    Die Verbrechen – die Morde in den 60er Jahren, die die Saat sind für die tödliche Ernte, sind mit einer unglaublich fesselnden Atmosphäre erzählt. Diese Wellen der Gewalt bringen ein Treibgut an Sünden, Rache und Vergeltung mit, die nicht nur die alten Wunden aufreißen, sondern ein Massaker anrichten. 

    Die Südstaaten sind immer gut für Verbrechen und vom Winde verweht werden diese auch durch die Jahre nicht. „Natchez Burning“ ist so authentisch und realistisch erzählt, dass obwohl es eine fiktive Geschichte ist, zu keinem Zeitpunkt man den Eindruck erhält, dass es hier zu übertrieben zugeht. Greg Iles widmet sich allerdings auch nicht nur dem Thema der Rassendiskriminierung, sondern baut sich ein Fundament aus Familiengeschichten, politischen Morden, von korrupten Polizeibehörden, die Macht des Journalismus und der Medien usw. 

    Doch alle diese Themen können nur spannend erzählt werden, wenn die Figuren passend aufgestellt sind. Das sind sie – nichts dem Zufall überlassen und jeder ist der Unschuldige mit den sehr schmutzigen Händen. Emotional ist „Natchez Burning“ stark ausgebaut. Nicht nur, dass man eine Wut auf die Mörder entwickelt, immer schwingt neben dieser Wut auch eine Traurigkeit mit, wenn das Schicksal in der Vergangenheit zuschlägt, nur um wenig später in der Gegenwart um so härter auszuteilen. 

    „Natchez Burning“ von Greg Iles ist für mich einer der stärksten Thriller mit historischem Hintergrund in den letzten fünfzehn Jahren. Diesen Spannungsbogen so souverän am oberen Limit zu halten und auch noch bis zum Ende zu steigern, ist grandios. Das Ende des Romans ist allerdings noch kein abschließendes Ende. Von einigen Personen muss man sich verabschieden und nicht nur die „bösen“ Täter sterben. Es gibt tragische, dramatische Verluste auf beiden Seiten. 

    Fazit

    Beschreiben wir das Wort Spannung – so fällt mir dazu dieser Roman ein. Ein solcher Pageturner auf den man sich stark konzentrieren muss – aber man mit einer großen Schatzkiste mit Unterhaltung, Dramatik, und viel Emotionen belohnt wird. 

    „Natchez Burning“ von Greg Iles muss man unbedingt lesen.

    Michael Sterzik 

  7. Cover des Buches Der Sympathisant (ISBN: 9783453439603)
    Viet Thanh Nguyen

    Der Sympathisant

    (51)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Der Vietnamkrieg (1955-1975) ist eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Bis zu fünf Millionen Vietnamesen wurden ermordet, davon waren etwa 4 Millionen Zivilisten. Mehrere Millionen Menschen wurden verstümmelt. Die USA setzten bei ihren Flächenbombardements Napalm- und Splitterbomben ein. Bei diesem Bombenterror wurden mehr Bomben abgeworfen als während des Zweiten Weltkrieges auf allen Kriegsschauplätzen zusammen. Sie erklärten ganze Gebiete als Free-Fire-Zone in denen jegliches Leben vernichtet werden durfte mit dem Maßstab des Bodycounts, also so viele „Gegner“ wie möglich zu töten. Wobei der Gegner dadurch definiert wurde, dass er tot war. Ist er tot, war es ein Vietcong und nur ein toter Vietcong ist ein guter Vietcong. Bis heute leidet die Bevölkerung unter den Bombenblindgängern und Landminen sowie der chemischen Kampfführung mit Agent Orange, so dass es immer noch jährlich Verletzte und Tote gibt. Bis heute glaubt jedoch ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung es wären gerade einmal 100.000 Vietnamesen ermordet worden. Dass die USA diesen Krieg verloren haben, ist den meisten Menschen ebenso wenig bewusst. „Amerika hat den Krieg zwar verloren, aber den Krieg um die Erinnerung daran überall außerhalb Vietnams gewonnen, denn es dominiert das Filmemachen, die Buchveröffentlichungen, die Kunst und die historische Dokumentation.“ Viet Thanh Nguyen hat mit Der Sympathisant einen brillanten Roman geschrieben, der die Geschichte des Vietnamkrieges aus vietnamesischer Perspektive erzählt und damit die Dominanz der US-Geschichtsschreibung zumindest zum Wanken bringt.

    Mythos Vietnamkrieg

    Der Sympathisant ist ein namenloser Erzähler, der offensichtlich ein Geständnis zu Papier bringen muss. Was es damit auf sich hat, bleibt lange im Unklaren. Von Beginn an ist allerdings deutlich, was der Erzähler ist. „Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern.“ Viet Thanh Nguyen hat einen Doppelagenten erschaffen, der zwar für die Amerikaner und Südvietnamesen arbeitet, tatsächlich aber ein Agent der Nordvietnamesen ist. Dabei ist der Spion einem realen Vorbild nachempfunden nämlich Phạm Xuân Ẩn. Wie so vieles in Nguyens Geschichte ist wenig erfunden. Es sind literarische Verdichtungen, chronologische Abweichungen, die Protagonisten sind fiktiv, sind aber zugleich auch real, wenn auch nicht im konkreten individuellen Fall.

    Ngyuens Roman wird vom Feuilleton als moderner Spionagethriller gelabelt. Und das liegt natürlich auch nahe, beschreibt sich der Ich-Erzähler doch als Agent. Letztlich ist das aber nur die Rahmenhandlung, die einen zusätzlichen Spannungsbogen erzeugen und vor allem die Episoden verbinden soll. Denn letztlich ist der Sympathisant vor allem eine Abrechnung. Eine Abrechnung mit dem vorherrschenden westlichen Narrativ. Und dazu muss Nguyen zahlreiche Mythen auf- und angreifen, um sie möglicherweise für den einen oder anderen Leser auch zu zerstören. Dieser Kern der Erzählung ist selbst dermaßen spannend, dass bereits diese vietnamesischere Perspektive einen unglaublichen Spannungsbogen erzeugt. Als dritte Ebene gibt es noch eine Freundschaft dreier Männer, die bis ins Kinderalter zurückreicht und über ideologische Grenzen hinweg bestehen bleibt. Allerdings schließen sich zwei der Revolution an, während sich der dritte nicht nur für Südvietnam entscheidet, sondern auch an einem der grausamsten Mord- und Folterprogramme teilnimmt, der Operation Phoenix. Ein Vabanquespiel zwischen Konfrontation und Kooperation.

    Herz der Finsternis

    Der Agent ist ein Intellektueller. Trotz oder gerade wegen seiner professionellen Gespaltenheit, reflektiert er den Krieg, die USA, Vietnam, die Soldaten, Geheimdienste, Zivilisten, Politiker und nicht zuletzt sich selbst kritisch. Dadurch wird ein vielfältiger Blick auf die Jahre des Krieges und kurz danach geworfen. Kaum etwas wird ausgelassen. Ein Höhepunkt des Romans stellt sicherlich die Kritik an Hollywood dar. Der Spion verlässt 1975 am Ende des Vietnamkrieges (der in Vietnam Amerikanischer Krieg heißt), das Land und „flüchtet“ mit anderen Militärs in die Vereinigten Staaten. Hier soll er die Opposition, die Konterrevolutionäre überwachen.

    Er wird mehr oder weniger durch Zufall zum Berater für einen Vietnamfilm. Und dieser Film ist eine Anspielung auf die bekanntesten Vertreter des Genres. Man kann Parallelen zu Platoon, Full Metal Jacket und allen voran Apocalypse Now entdecken. Zu Francis Ford Coppolas Film gibt es eine herausragende Dokumentation seiner Frau Eleanor Reise ins Herz der Finsternis. Viele Szenen des Romans sind eine direkte Anspielung hierauf. Die grotesken wahren Ereignisse rund um Coppolas Film werden kongenial von Nguyen adaptiert und zu seiner Generalkritik verarbeitet.

    „Ich war so naiv zu glauben, den Organismus Hollywood von seinem Ziel abbringen zu können, nämlich der Lobotomisierung und Ausbeutung des Kinopublikums auf der ganzen Welt. Der zusätzliche Nutzen Hollywoods war Geschichtsschreibung nach dem Prinzip des Tagebaus. Die Realität blieb zusammen mit den Toten unter der Oberfläche, das staunende Publikum bekam nur die winzigen, funkelnden Diamanten. Hollywood erschuf nicht nur Monster, es war selbst ein Monster…“

    Es ist definitiv von Vorteil wenn man den Film Apocalypse Now kennt und noch gewinnbringender ist es, wenn man ein wenig von den Entstehungszusammenhängen des Films weiß. Wer sich nicht gleich die dreieinhalb Stunden Fassung „Redux“ anschauen möchte oder auch für die Dokumentation keine Zeit hat, sollte auf jeden Fall vorher den Artikel Am Ende waren alle verrückt gelesen haben. Nguyen greift mit seiner Hollywoodkritik einen Kern des amerikanischen Selbstverständnisses an. Die Traumfabrik produziert eben nicht nur schöne Märchen und fantastische Geschichten, sondern auch und nicht zuletzt erzeugt Hollywood das herrschende Narrativ, die einzig gültige Deutung über die Geschichte und Gegenwart.

    „Mit Filmen klopfte Amerika den Rest der Welt weich, erbarmungslos attackierte Hollywood die mentalen Abwehrkräfte des Publikums mit der Hit-, der Smash-, der Spektakel-, der Blockbuster- und ja, sogar mit der Kassenflopbombe. Es spielte keine Rolle, welche Geschichte die Zuschauer zu sehen bekamen. Entscheidend war, dass es die amerikanische Geschichte war, die sie sahen und mochten – bis zu dem Tag, an dem sie vielleicht selbst von den Flugzeugen bombardiert wurden, die sie in amerikanischen Filmen gesehen hatten.“

    Das Grauen des Krieges

    Eine Geschichte über den Vietnamkrieg kommt nicht ohne Folter aus. Die Wahrheit kann in einem Roman nicht verarbeitet werden, dazu waren die Foltermethoden schlichtweg zu grausam. Ngyuen greift aber einen wichtigen Aspekt der Folter auf, der zudem noch hochaktuell ist. Bei Folter geht es nicht darum Geständnisse zu erpressen oder Informationen zu gewinnen. Das ist lediglich die Rechtfertigung. Tatsächlich geht es bei Folter um Terror. Wir können euch schlimmeres antun als den Tod. Wir können euch den Tod verweigern. Die Amerikaner haben von den Nazis und den Franzosen im Algerienkrieg gelernt und die Foltermethoden verfeinert und verwissenschaftlicht. Herausgekommen ist KUBARK – das Handbuch, die Anleitung zum Foltern. Dabei geht es darum, die Persönlichkeit des Gefangenen zu brechen. Was in der Sympathisant teilweise grausam beschrieben wird, ist nichts anderes als das was immer noch gegenwärtig im Namen des War on Terror geschieht. Nicht nur hier hat Der Sympathisant Ähnlichkeiten mit dem kongenialen Roman American War von Omar El Akkad.

    „Wir seiften uns ein mit Tristesse und duschten uns ab mit Hoffnung, und obwohl wir fast jedem Gerücht glaubten, das uns zu Ohren kam, weigerte sich fast jeder von uns zu glauben, dass unsere Nation untergegangen war.“

    Der Sympathisant ist nicht nur eine Lektion in Geschichte, es ist eine Lektion in Selbst- und Medienkritik. Dass Viet Thanh Nguyen dieses schwierige Thema herausragend verpackt hat, zeigt nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Pulitzerpreis. Was allerdings auch bedeutet, dass er nicht allzu sehr aneckt. Denn eine schonungslose Erzählung sehe noch einmal ganz anders aus. Das wäre dann aber wohl zu konfrontativ geworden und damit wäre auch das Publikum nicht erreicht worden.

    Sein großartiger Schreibstil trumpft mit unzähligen grandiosen Metaphern, Sprachbildern und Allegorien auf, die es trotz des teils brutalen Themas schaffen, eine satirisch groteske Stimmung zu erzeugen. Der Sympathisant ist jetzt schon ein Klassiker. Feinste Literatur mit einem wichtigen und bewegenden Thema.

  8. Cover des Buches Die Känguru-Offenbarung (Känguru 3) (ISBN: 9783844908435)
    Marc-Uwe Kling

    Die Känguru-Offenbarung (Känguru 3)

    (234)
    Aktuelle Rezension von: Henri3tt3

    Ich höre die Geschichten vom Känguru immer abends zusammen mit Kind 2, ein liebgewonnenes Ritual. Dieser dritte Teil der inzwischen fünfbändigen Trilogie ist leider nicht so großartig wie der zweite, aber dennoch ist es natürlich das Känguru und damit noch immer um Klassen besser als so viele andere Werke dieser Art. Vor allem "Blutig" (siehe Hörprobe) und "Ich vermisse nichts" haben uns so gut gefallen, dass wir sie mehrmals gehört haben und dabei kichernd unterm Tisch lagen.

  9. Cover des Buches Unser kostbares Leben (ISBN: 9783426308387)
    Katharina Fuchs

    Unser kostbares Leben

    (160)
    Aktuelle Rezension von: Painiapulu

    ,,Unser kostbares Leben" war mein drittes Buch von Katharina Fuchs. Von ,,Zwei Handvoll Leben" und ,,Neuleben" war ich hellauf begeistert, leider konnte ich mich mit ,,Unser kostbares Leben" nicht ganz so anfreunden. 

    Dieses Mal hatte ich Schwierigkeiten, mit den Charakteren warm zu werden und brauchte generell viel Zeit, um mich einzulesen. Minka und Caro sowie deren Familien verwechselte ich immer wieder, wodurch ich einige Passagen oft nochmal lesen musste. Die Politik und die Rivalität zwischen SPD und CDU nahm für meinen Geschmack in diesem Roman zu viel Raum ein - was sicher spannend sein mag, wenn man ein vertiefendes Interesse für diese Themen mitbringt. Ich persönlich fand dadurch einige Kapitel sehr trocken und zäh zu lesen, die Spannung hat mir hier gefehlt.

    Sehr interessant hingegen fand ich jene Handlungsstränge, die die Themen Umweltschutz, Tierversuche und Medikamentenmissbrauch an Minderjährigen behandelten. Hier pausierte ich auch immer mal wieder und googelte aus Interesse im Buch beschriebene Begriffe oder Ereignisse.

    Ab dem letzten Drittel des Buches, als sich einige Situationen zuspitzten und die Handlung etwas Fahrt aufnahm, war mehr Spannung vorhanden und ich wollte gerne wissen, wie es endet. Bis dorthin musste ich mich aber etwas durchbeißen, was ich mir von einem Buch eben nicht erwünsche. Daher 3 / 5 ⭐. Da ich die Autorin und ihren Schreibstil aber grundsätzlich sehr gerne mag, werde ich ,,Lebenssekunden" zu gegebener Zeit auf jeden Fall eine Chance geben.

  10. Cover des Buches The Rules of Magic: Eine zauberhafte Familie (ISBN: 9783596700608)
    Alice Hoffman

    The Rules of Magic: Eine zauberhafte Familie

    (125)
    Aktuelle Rezension von: Hellena92

    Finde deine Magie! Mit „The Rules of Magic“ hat die Bestseller-Autorin Alice Hoffman eine berührende Geschichte über Liebe, Magie und den wunderbaren Zusammenhalt der Familie geschrieben.
    New York, Anfang der 60er Jahre. Franny, Jet und Vincent Owens sind keine gewöhnlichen Kinder, denn sie entstammen einer Familie von Hexen: Die schöne Franny hat blasse Haut und, passend zu ihrem Temperament feuerrote Haare. Jet ist sensibel und kann Gedanken lesen, und der charismatische Vincent verfügt schon in jungen Jahren über eine überwältigende Anziehungskraft auf das andere Geschlecht. Alles riecht nach Ärger, und dass die drei das magische Talent ihrer Vorfahren geerbt haben, macht die Sache nicht besser.

    Von Beginn an gibt ihre Mutter Susanna ihren Kindern deshalb ein paar Regeln mit auf den Lebensweg: keine Spaziergänge bei Mondschein, keine roten Schuhe, keine schwarze Kleidung, keine Katzen oder Krähen im Haus, und das Allerwichtigste: »Verliebt euch nie, niemals!«

    Mein Fazit:

    Ich halte es kurz: mein Fall war es nicht. Die einzelnen Geschichten konnten mich nicht abholen und nach mehrmaligem beginnen, musste ich aufhören, war nur noch genervt 

  11. Cover des Buches Der beste Sommer aller Zeiten (ISBN: 9783442491605)
    Elin Hilderbrand

    Der beste Sommer aller Zeiten

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Fanti2412

    Die Familie Levin ist eine Patchworkfamilie und verbringt regelmäßig ihre  Sommer im Ferienhaus, das Großmutter und Matriarchin Exalta gehört, auf der  Insel Nantucket.
    Doch der Sommer 1969 soll anders werden, als die vorherigen.
    Der einzige Sohn Tiger verrichtet Dienst in der US-Army im Vietnam-Krieg. Mutter Kate ist in großer Sorge um ihn ebenso wie die jüngste Tochter Jessie, die Tiger sehr nahe steht.
    Kates Mann David arbeitet viel und erscheint, wenn überhaupt, nur an den Wochenenden auf Nantucket.
    Die älteste Tochter Blair ist hochschwanger und reist deshalb nicht mit in die Ferien. Und die mittlere Tochter Kirby möchte sich von der Familie etwas abnabeln und nimmt einen Ferienjob auf der Nachbarinsel Martha’s Vineyard an.
    Doch der Sommer wird turbulenter, als alle Familienmitglieder vorher geahnt haben.

    In diesem Roman erzählt Elin Hilderbrand die Geschichte einer Familie im legendären Sommer 1969. Als Setting dient, wie so oft in ihren Romanen, die Insel Nantucket, die die Autorin gut kennt, da sie selbst dort lebt.
    Diese schöne Insel bietet eine ideale Kulisse für einen Sommerroman und die bildhaften Schilderungen von Strand und Meer sorgen auch für ein schönes Sommer- bzw. Urlaubsfeeling.
    Aber in der Familie Levin geht es so gar nicht sommerlich leicht zu. Überwiegend erzählen die weiblichen Familienmitglieder die Geschichte, kapitelweise jeweils aus ihrer Sicht. So ist man an allen nah dran und erlebt ihre Gefühle, Sorgen und Nöte mit.
    Mutter Kate ist so in Sorge um ihren Sohn Tiger, der im Vietnam-Krieg dient, dass sie kaum Ruhe findet und ihren Kummer oft in Alkohol ertränkt.
    Nesthäkchen Jessie ist das erste Mal verliebt, leidet aber auch unter den strengen Regeln ihrer Großmutter, die sie dazu nötigt Tennis spielen zu lernen und jeden Morgen recht früh mit ihr in den Tennisclub geht.
    Tochter Kirby hat sich selbstständig gemacht und jobbt in einer Pension auf der Nachbarinsel, wo sie auch einige eindrückliche Erlebnisse hat.
    Die älteste Tochter Blair sitzt hochschwanger zu Hause und ist in ihrer Ehe gar nicht so glücklich, da ihr Mann sie vernachlässigt.
    So habe sie alle ihr Päckchen zu tragen.

    Die Autorin thematisiert in dieser Geschichte vielfältige Themen, die in dieser Zeit aktuell waren. So geht es neben Sexualität und sexueller Belästigung auch um die Stellung der Frau, den Vietnamkrieg und Rassismus. Aber auch die Ereignisse dieses Sommers, wie die Mondlandung und das kommende Woodstock-Festival, bilden einen Hintergrund für die Handlung.

    Mir hat es Freude gemacht, den Sommer mit der Familie auf Nantucket zu erleben und ihre vielen kleinen und großen Sorgen mitzuerleben. Die Angst um den Sohn Tiger konnte ich gut nachvollziehen und ich war gespannt, ob die Familie eine traurige oder eine gute Nachricht erreichen wird. Auch die Frage, wie sich die einzelnen Probleme der Protagonistinnen am Ende entwickeln würden konnte mich fesseln.

    Auch wenn es in der Geschichte kaum Höhepunkte oder spektakuläre Ereignisse gibt, konnte mir der Roman den Sommer 1969 näher bringen und hat mich letztendlich auch gut unterhalten und Sommerfeeling vermittelt!


    Fazit: 4 von 5 Sternen


    © https://fanti2412.blogspot.com


  12. Cover des Buches Liebe und Verderben (ISBN: 9783746635767)
    Kristin Hannah

    Liebe und Verderben

    (156)
    Aktuelle Rezension von: Lunacat

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    3,75 Sterne 🌟 

    .

    Dieses Buch war echt eine Achterbahn der Gefühle! Starten wir mal zuerst mit den positiven Dingen: Ich habe dieses Buch GEFÜHLT, und wie ich es gefühlt habe. Ich habe so verdammt mitgelitten und fast geweint, war geschockt und mitgerissen pur!

    Die Charaktere waren zwar keine Lieblingscharaktere; sie hatten alle ihre 👍s & 👎s, aber ich habe wirklich mit ihnen gelitten.

    Der Schreibstil war ganz gut, aber mir leider viel zu ausführlich. Von 600 Seiten waren 200 Landschaftsbeschreibung, die ich teilweise dann nur noch überflogen habe.

    Das Problem war, dass das Setting - Alaska und hauptsächlich Winter - das komplette Gegenteil von dem ist, was ich gerne lese. Hätte man mir 200 Seiten von Rom im Sommer detailliert beschrieben, wäre ich voll dabei gewesen. Ich hasse nämlich den Winter wirklich sehr und er deprimiert mich und noch schlimmer ist für mich das "Land" als Gegensatz zur Stadt. Alaska verkörpert meinen Horrorort...

    Die ersten 300 Seiten haben sich auch ziemlich gezogen, muss ich ehrlich gesagt sagen. Dann kamen irgendwann 100 Seiten, die phänomenal waren, aber danach wurde es auch wieder langsam. Mit dem Ende bin ich aber so zufrieden. ♡

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    Fazit:

    Wer Alaska, das Land und den Winter liebt, gerne über Natur liest und gleichzeitig einen tiefgründigen Roman sucht, hat hier etwas Perfektes gefunden.

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    "𝕷𝖊𝖓𝖎 𝖜𝖔𝖑𝖑𝖙𝖊 𝖚𝖓𝖙𝖊𝖗 𝖉𝖊𝖒 𝕿𝖎𝖘𝖈𝖍 𝖙𝖗ö𝖘𝖙𝖊𝖓𝖉 𝖓𝖆𝖈𝖍 𝕸𝖆𝖙𝖙𝖍𝖊𝖜𝖘 𝕳𝖆𝖓𝖉 𝖌𝖗𝖊𝖎𝖋𝖊𝖓, 𝖉𝖔𝖈𝖍 𝖉𝖆𝖓𝖓 ü𝖇𝖊𝖗𝖑𝖊𝖌𝖙𝖊 𝖘𝖎𝖊 𝖊𝖘 𝖘𝖎𝖈𝖍 𝖆𝖓𝖉𝖊𝖗𝖘. 𝕾𝖎𝖊 𝖍𝖆𝖙𝖙𝖊 𝕬𝖓𝖌𝖘𝖙, 𝖉𝖆𝖘𝖘 𝖊𝖗 𝖘𝖊𝖎𝖓𝖊 𝕳𝖆𝖓𝖉 𝖟𝖚𝖗ü𝖈𝖐𝖟𝖎𝖊𝖍𝖊𝖓 𝖜ü𝖗𝖉𝖊. 𝖀𝖓𝖉 𝖉𝖔𝖈𝖍 𝖜𝖔𝖑𝖑𝖙𝖊 𝖘𝖎𝖊 𝖎𝖍𝖒 𝖎𝖗𝖌𝖊𝖓𝖉𝖊𝖙𝖜𝖆𝖘 𝖌𝖊𝖇𝖊𝖓, 𝖊𝖙𝖜𝖆𝖘 𝖙𝖚𝖓, 𝖉𝖆𝖘 𝖘𝖊𝖎𝖓 𝕷𝖊𝖎𝖉 𝖛𝖎𝖊𝖑𝖑𝖊𝖎𝖈𝖍𝖙 𝖊𝖎𝖓 𝖇𝖎𝖘𝖘𝖈𝖍𝖊𝖓 𝖑𝖎𝖓𝖉𝖊𝖗𝖓 𝖐𝖔𝖓𝖓𝖙𝖊."

  13. Cover des Buches Das Wunder der Achtsamkeit (ISBN: 9783958830967)
    Thich Nhat Hanh

    Das Wunder der Achtsamkeit

    (16)
    Aktuelle Rezension von: dreamlady66

    In diesem wunderschön gestalteten HandBuch mit LeseBändchen per NeuAusgabe 2022 hat der Autor das Thema Meditation mit sinnvollen Übungen in das AlltagsLeben eingebaut.
    Diese Übungen wurden von ihm selbst entwickelt.
    Man staunt, wie einfach jeder Mensch seinen Alltag damit glücklich gestalten kann und dadurch auch mehr Achtsamkeit erlebt.

    Alles in allem ein handliches Buch im Hardcover, das man sich immer wieder zur Hand nehmen kann, um damit anstrengende AlltagsSituationen besser zu meistern.

    Gerne vergebe ich hierfür eine LeseEmpfehlung und Anschaffung an Interessierte.
    Meine Bewertung liegt bei vollen 5*!
    Danke dafür an den Theseus-Verlag.

  14. Cover des Buches Die große Welt (ISBN: 9783499248474)
    Colum McCann

    Die große Welt

    (106)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Corrigan lebt in einem kleinen Bus auf der Straße und widmet sein Leben den Armen, Bedürftigen, den Huren und den Mittellosen. An dem Tag wo die Geschichte beginnt kümmert er sich um die schöne mit dreißigerin Hure und ihre junge Tochter und möchte ihnen vor Gericht bei stehen. Es gibt aber noch viele andere Menschen die sein Leben kreuzen und die an diesem Tag eine Wendung oder ein besonderes Ereignis erwarten. Mitten im Leben halten alle plötzlich Inne, denn hoch über ihren Köpfen balanciert ein Seiltänzer über ein Drahtseil zwischen den Hochhäusern hin und her und versprüht eine ganz eigene und unwiederstehliche Magie. Colum McCann entführt uns ins alte New York und lässt Geschichten, Personen und Schicksale lebendig werden. Der Auftakt des Buches ist einfach nur großartig, aber dann gibt es immer wieder Durchhänger. Er verliert sich manchmal in seinen Erzählungen und für den Leser schwindet immer mal wieder das Interesse an den Figuren. Wenn er aber wieder beginnt genauer zu erzählen und einen Gang raus nimmt, dann ist das ganz große Erzählkunst.

  15. Cover des Buches Das Leben, das wir begraben (ISBN: 9783865526410)
    Allen Eskens

    Das Leben, das wir begraben

    (88)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Allen Eskens "das Leben, das wir begraben"


    Ein Thriller der ans Herz geht.


    Es ist schon eine ganze Weile her das ich diesen Thriller vom Festa Verlag gelesen hatte und dennoch ist er mir immer noch in Erinnerung geblieben.

    Nicht weil es blutig oder grausam zu ging, im Gegenteil, er ging mir einfach nur ans Herz und hat mich mit jeder Faser meines Körpers gepackt, zerrissen und zu Tränen gerührt.


    Wir begleiten Joe Talbert, der ein Interview mit einem völlig fremden führen soll. Er entdeckt dabei im Pflegeheim Carl Iverson. Auf dem ersten Blick ein harmloser alter Mann, aber weit gefehlt.

    Albert wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt weil er die Nachbarstochter vergewaltigt und anschließend ermordet haben soll.

    Joe entdeckt bei seinem Interview's mit Carl aber Ungereimtheiten, ist der Justiz damals ein Fehler unterlaufen? 


    Geschrieben ist dieser emotionale Thriller in zwei Teile, einmal begleiten wir Joe bei seiner Detektivarbeit, auf der anderen Seite lernen wir den krebskranken Carl. Und seine Lebensgeschichte ist so packend, grausam und traurig. 

    Ich habe jeden Satz geliebt beim Lesen, auch wenn es mitunter sehr weh tat zu lesen, und ich muss gestehen, normalerweise bin ich nicht so emotional beim Lesen das ich weinen muss. 


    Aber diese Story hat mich zu Tränen gerührt. Die Story hallte lange in mir nach und auch jetzt noch, Monate später denke ich an das Leben von Carl und Joe zurück..

  16. Cover des Buches Sag niemals stirb (ISBN: 9783959671842)
    Tess Gerritsen

    Sag niemals stirb

    (130)
    Aktuelle Rezension von: supersusi

    Eigentlich liebe ich die Bücher von Tess Gerritsen. Dieses habe ich an einem Tag gelesen, aber nicht, weil es ein Pageturner war, sondern weil es so grottenschlecht war, dass ich es schnell beenden wollte. Manche Passagen waren so kitschig, dass ich sie nur überflogen habe. Ich glaube ich bleibe bei den Rizzoli und Isles Krimis der Autorin, denn die sind richtig rasant und spannend.

    Willy (weiblich) Maitland reist nach Vietnam, um ihren Vater zu finden, der vor zwanzig Jahre als Soldat mit seinem Flugzeug abgestürzt ist. Dort trifft sie auf Guy Barnard, der ihr seine Hilfe anbietet. Er erzählt ihr von einem US-Piloten, der für den Feind geflogen ist. War ihr Vater etwa ein Verräter? Kaum in Vietnam angekommen, entgeht sie nur knapp einem Mordanschlag, den Guy verhindert hat.

    Anfangs war es noch spannend, dann häuften sich die Toten und Guy und Willy kamen sich näher. Sie weist ihn ständig ab, fühlt sich aber dennoch zu ihm hingezogen. Und so geht das die ganze Zeit. Es ist soooo kitschig. Und die Story wird auch immer unrealistischer und abstruser. Und auch was dahintersteckt und die Beweggründe für das Handeln bzw. Nichthandeln von jemandem sollen wohl heldenhaft aufopfernd sein, sind aber nur dämlich.  Ich bin froh, dass ich es durch habe. Lovestorys sind nicht die Stärke der Autorin.

    Keine Empfehlung.

  17. Cover des Buches Wo auch immer ihr seid (ISBN: 9783442772919)
    Khuê Pham

    Wo auch immer ihr seid

    (79)
    Aktuelle Rezension von: Wafaooo

    „Wo auch immer ihr seid“ ist ein ruhig erzählter, einfühlsamer Roman, der Familiengeschichte, politische Vergangenheit und persönliche Identität miteinander verknüpft. Khuê Pham nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise zwischen Vietnam, Deutschland und den USA und eröffnet damit einen vielschichtigen Blick auf Migration, Zugehörigkeit und die Last familiärer Erwartungen.


    Im Zentrum steht Kieu, die Hauptfigur, die gemeinsam mit ihrer Familie nach Little Saigon in Kalifornien reist, um dort Verwandtschaft zu besuchen. Der Tod der Großmutter und ein hinterlassener Brief bilden den erzählerischen Ankerpunkt. Über diesen Brief entfaltet sich nicht nur die Geschichte der Familie, sondern auch die des Landes selbst – inklusive der Zeit, in der die Kommunisten in Vietnam an die Macht kamen und viele Familien zur Flucht gezwungen wurden.


    Pham gelingt es, historische Fakten und persönliche Schicksale miteinander zu verweben, ohne den Text zu überfrachten. Der Schreibstil ist angenehm, klar und gut verständlich, sodass man schnell in die Erzählung hineinfindet. Besonders interessant sind die Passagen, in denen die politische und gesellschaftliche Entwicklung Vietnams aus der Perspektive der Familie beleuchtet wird.


    Dennoch wirkt Kieus (Kim) Innenwelt stellenweise überzeichnet. Einige ihrer Gedanken und Reaktionen im Hinblick auf ihr Leben in Deutschland können anstrengend wirken. Ihr Empfinden von Fremdsein und Entfremdung ist nachvollziehbar, doch teilweise werden diese Gefühle so stark betont, dass sie an Glaubwürdigkeit verlieren. Dies nimmt der Figur an einigen Stellen die notwendige Balance.


    Insgesamt ist „Wo auch immer ihr seid“ jedoch ein gut lesbarer, informativ gestalteter Roman, der sowohl Einblicke in ein Stück vietnamesischer Geschichte bietet als auch Fragen nach Identität, Herkunft und ‚Zuhause‘ stellt. Trotz kleiner Schwächen in der Charakterzeichnung liefert das Buch einen wertvollen, perspektivenreichen Beitrag zur gegenwärtigen Literatur über Migration und Familiengeschichte.

  18. Cover des Buches Blow (ISBN: 0312267126)
  19. Cover des Buches Made in Washington (ISBN: 9783406816055)
    Bernd Greiner

    Made in Washington

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Dr_M

    So wird der amerikanische Präsident Richard Nixon in diesem Buch zitiert. Er meinte damit das Flächenbombardement Vietnams durch die US-Truppen. Leider ist der Mensch im allgemeinen ziemlich vergesslich. In Vergessenheit ist geraten, dass es die USA waren, die erstmals und nicht kriegsentscheidend Atomwaffen einsetzten. Im Vietnamkrieg entlaubten sie den Dschungel mit einem Gift, das großflächig versprüht wurde. Und dies alles für die göttlichen Werte des Westens, die überall im Einklang mit dem Völkerrecht tapfer verteidigt wurden.

    In diesem Buch zieht sein Autor Bilanz über das Wirken der USA in der Welt seit 1945. Auch hier wird man feststellen, dass man entweder vieles einfach nicht weiß oder es vergessen oder verdrängt hat. Gleich zu Beginn des Textes wird man mit einer aufschlussreichen Feststellung konfrontiert. "Eine Signatur des amerikanischen Jahrhunderts", schreibt der Autor, sei "die mehrheitsfähige Behauptung, als auserwählte Nation das Recht zu haben, sich über die Rechte anderer hinwegsetzen zu können."

    Das muss man verstehen, will man das Vorgehen der USA seit 1945 richtig einordnen. Die Politik der USA ist seit den 1930er Jahren geprägt von einem „überzüchteten Nationalismus, ausufernden Verlustängsten und dem Phantasma totaler Sicherheit“, heißt es in diesem Buch. Und weiter: "Gott hat einen Plan für die Welt und die USA setzen ihn unter seiner Aufsicht um". Wo man sich anderswo angesichts solcher Vorstellungen an den Kopf fasst, ist dieser Gedanke in den USA offenbar tief verwurzelt. Im Westen Europas folgt man diesen Wahnvorstellungen leider ebenfalls, obwohl man ihnen eigentlich schlechte Erfahrungen gemacht hat.

    Besonders der Vietnamkrieg ist für all dies ein lehrreiches Beispiel. Die USA sprechen dabei von ihrem Trauma. Allein schon das ist bezeichnend für ihre Selbstbezogenheit, denn das Trauma liegt wohl eher bei Vietnam. Für die Rolle der USA in der Welt hatte dieses kleine Land keine wirkliche Bedeutung. Es ging am Ende lediglich um die Glaubwürdigkeit der USA als Weltmacht. Welche unfassbaren Opferzahlen bei der Zivilbevölkerung Vietnams zu beklagen waren, spielt bis heute keine Rolle.

    Überall dort, wo die USA Konflikte anzettelten und verschärfen, findet man hinterher neben den unzähligen Opfern auch zerstörte und unregierbare Länder. In diesem Buch findet man all diese Fälle aufgelistet und sachlich kommentiert.

    Konstruktive Beiträge der USA wird man vergebens suchen. Stattdessen zahlreiche Umstürze, ruinierte Länder, völkerrechtswidrige Angriffskriege (etwa 2003 gegen den Irak), die Bombardierung missliebiger Regime (etwa in Serbien ab März 1999 oder in Libyen) oder Kriege unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Terror. Siegreich war man fast nie, dafür aber richtete man massiven Schaden an.

    Die Bilanz ist ernüchternd und erschreckend. Gelernt hat man weder in den USA, noch anders wo im Werte-Westen daraus. Im Gegenteil, man glaubt auch jetzt wieder, man könne anderen den eigenen Willen aufdrücken. Doch die USA und mit ihnen der gesamte Westen haben ihr Blatt schwer überreizt. Ein Blick in die Geschichte des Britischen Weltreichs zeigt mit aller Deutlichkeit, dass man das eher nicht wahrhaben wollen wird. Noch heute meinen die Briten, sie wären eine Weltmacht.

    Leider zeigt die Geschichte auch, dass Wahnvorstellungen nicht selten dazu führen, dass man andere in den eigenen Untergang mitreißen will. Wollen wir hoffen, dass es diesmal anders kommt.

    In jedem Fall trägt dieses Buch zum besseren Verständnis der Gegenwart bei, denn es zeigt, welcher rote Faden die US-Politik seit fast einem Jahrhundert durchzieht.

  20. Cover des Buches Unterwegs mit Jungs (ISBN: 9783499230974)
    Beverly Donofrio

    Unterwegs mit Jungs

    (9)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Oh Bev, wo warst du in meiner Jugend, bei uns nur Kackbratzen. Jase kann sich glücklich schätzen, so eine starke Mutter gehabt zu haben. Sehr anrührend, und mit viel Selbstironie geschrieben. "Babies making babies" (Suicidal tendencies).

  21. Cover des Buches A Different Truth (ISBN: 9780997780017)
  22. Cover des Buches The Sympathizer (ISBN: 9781472151360)
    Viet Thanh Nguyen

    The Sympathizer

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Ingrid_Davis

    ... das ich je gelesen habe. Am Anfang fand ich es ein bisschen schwierig hineinzukommen, aber ich bin froh, dass ich durchgehalten habe, denn das Buch hat den Pulitzer Preis absolut zu Recht bekommen.


    Die Geschichte eines Viet Cong Schläfer-Agenten, der beim Fall Saigons aus Vietnam flieht und danach in den USA für den kommunistischen Norden spioniert, ist eine sarkastische, intelligente und teils brutale Abrechnung mit dem Vietnam-Krieg, den kapitalistischen USA und dem kommunistischen Nord-Vietnam gleichermaßen. Es ist so sarkastisch, dass einem das Lachen oft im Hals stecken bleibt und entlarvt die geopolitische Arroganz der USA genauso wie das ideologisch-brutale System des Kommunismus.
    Eigentlich kommt keiner gut weg, und das macht es so ungewöhnlich, so ehrlich und zu einem Buch, das mir noch lange nachgehen wird.
    Absolute Leseempfehlung, aber Obacht: Nichts für schwache Nerven.
  23. Cover des Buches KOPFJÄGER: Horror-Thriller (ISBN: 9783958350106)
    Tim Curran

    KOPFJÄGER: Horror-Thriller

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Lilli33

    Format: E-Book

    Seitenzahl der Print-Ausgabe: 85 Seiten

    Verlag: Luzifer-Verlag (22. Mai 2017)

    Originaltitel: Headhunter

    Übersetzung: Nicole Lischewski

    Preis: 2,99 €


    Weder Thriller noch Horror


    Inhalt:

    1970. Mike McKinney ist als Reporter in Vietnam und begleitet die Truppen. Immer wieder hört er die Legende vom Kopfjäger, einem riesigen Wesen, das Köpfe sammelt. Bis er eines Tages das Gefühl hat, dass der Kopfjäger hinter ihm her ist …


    Meine Meinung:

    Was ganz interessant und mystisch hätte sein können, ist eigentlich nur ordinär. Fäkalsprache, wo man hinschaut - das macht keinen Spaß, auch wenn mir bewusst ist, dass dies die tatsächliche Atmosphäre im Krieg veranschaulichen soll. Die Spannungskurve hat zwar eine positive Steigung, aber nur ganz leicht. Stattdessen reihen sich endlose Schilderungen von Leichen jeglicher Verstümmelungsgrade sowie Kriegsgräuel aneinander. 


    Der Kopfjäger kommt erst spät ins Spiel, und auch da erreicht mich der angebliche Horror nicht. Als Horror empfinde ich bei diesem Roman einzig die ordinäre Sprache.


    ★★☆☆☆


  24. Cover des Buches Die Kriegsverkäufer (ISBN: 9783518124154)
    Andreas Elter

    Die Kriegsverkäufer

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Mario_Veraguth

    Der Grundkonflikt zwischen freier Meinungsäußerung und dem Argument für eine Zensur im Sinn der nationalen Sicherheit im Kriegsfall liefert beiden Standpunkten triftige Argumente. Strittig und bedenklich wird es jedoch, wenn mit Beendigung der Kampfhandlungen die Zensur und Beeinflussung der Presse sukzessive weiter ausgebaut werden, wie es momentan der Fall ist.

    In den Kinderschuhen der Propaganda zu Zeiten des ersten und zweiten Weltkriegs gab es zum Frohlocken der Zensoren weder schnelle Datenübertragung noch Fernsehen. Somit war der Beschneidung der Informationsverbreitung im Wesentlichen, mit strengen Auflagen für Reporter an der Front und dem Verbot der Verbreitung von subversiven Meinungen, Genüge getan. Auch wenn das Deaktivieren der Sonderregelungen und Einschränkungen der freien Meinungsäußerung nach Kriegsende immer erst mit Verzögerung und mitunter leichter Unlust von Seiten der Regierung und des Militärs vonstatten gingen, so wurde Redefreiheit und freier Presse doch wieder der wichtige Platz in der Gesellschaft eingeräumt.

    Interessant ist, dass bis zum heutigen Tag kein Gericht die Einschränkungen und Repressalien von Seiten des Staates gegen die Medien in Friedenzeiten verurteilt oder auch nur einem Prozess zugestimmt hat. Häufig wurde die sich, durch Beendigung des Konflikts von selbst einstellende, Hinfälligkeit einer genaueren Betrachtung als Argument ins Feld geführt.

    Eine grundlegende Änderung der Verhältnisse kam mit Fernsehen und dem Vietnamkrieg. Wo bisher nur Radio und Zeitungen als verhältnismäßig leicht zu kontrollierende Medien im Spiel waren, taten sich mit dem Siegeszug der Television gänzlich neue Perspektiven der Beeinflussung auf. Der Vietnamkrieg ist auch das bisher einzige Beispiel eines Kriegs in dessen Verlauf die Meinung der Bevölkerung gänzlich zugunsten der Kriegsgegner kippte, was den Zensoren noch als Lehrbuchbeispiel für wesentlich ausgefeiltere Techniken dienen sollte. Durch Videoaufnahmen des wahren Gesichts des Krieges konnte sich die beschönigende Berichterstattung der Nixonadministration nicht mehr rechtfertigen lassen und die unverhohlenen Lügen wurden in den Fokus der Aufmerksamkeit gezerrt. Allein das Nixon eine Einteilung in gute und böse Presse, quasi Freunde und Feinde vornahm, spricht Bände über die Mentalität dieser historischen Persönlichkeit. Nichtsdestotrotz wurden die investigativen Journalisten zum Vorwand der Schaffung einer modernen Dolchstoßlegende herangezogen. Nicht die Soldaten in Vietnam hätten den Krieg verloren, sondern die durch kommunistische Propaganda vaterlandsverratender Schreiber angestachelten Kampagnen haben den Rückhalt der amerikanischen Bevölkerung unterwandert und damit ein früheres Kriegsende erzwungen.

    Militär und Politik zogen Lehren aus den Konsequenzen der einseitigen Zensur des Vietnamkriegs und etablierten das neue Konzept der Poolregelung. Ab der Grenadainvasion wurden ausgewählte Journalisten exklusiv informiert und als Berichterstatter an die Front geschickt, um den Anschein einer freien und unabhängigen Presse vorzutäuschen.

    Die Nähe zur Perfektion jedoch stellte sich mit dem Golfkrieg und den beiden Irakkriegen ein. Da auch an der Poolregelung noch genug Kritikpunkte bestanden, wurden „embedded reporter“ zum neuen Mittel zum Zweck. Mit den Soldaten im Feld gemeinsam berichteten diese von ausgewählten Kriegsschauplätzen und stellten damit nicht nur den Schein von Objektivität her, sondern ermunterten, da geschickt auf verschiedenste Truppenkontingente aus verschiedenen Teilen der USA verteilt, auch allerorts Hurrapatriotismus.

    Präsentiert wird Krieg als große Fernsehunterhaltung, pathetische Bilder abhebender Kampfflugzeuge untermalt von Populärmusik wechseln sich mit Computergrafiken und Animationen ab während regelmäßig Sondermeldungen ins Programm geworfen werden. Schon lange werden PR- und Marketingspezialisten für die Konzipierung von Kriegsberichterstattung herangezogen und die Videos von Mord und Elend werden von den besten Köpfen der Filmbranche imposant in Szene gesetzt.

    Am befremdlichsten mutet der Wandel der Reaktion der Presse im Laufe eines knappen Jahrhunderts an. Die ursprünglich empörte Reaktion auf eigentlich in Diktaturen zu findende Arten der Öffentlichkeitsarbeit begann sich mit dem Vietnamkrieg von Grund auf zu wandeln. Die Medien fanden sich in der gefährlichen Lage, im Falle unpatriotischer oder auch nur allzu kritischer Berichterstattung, sich plötzlich inmitten einer erbosten Protest- und Boykottkampagne der Bevölkerung wiederzufinden und überlegten daher gründlich, allzu objektive Berichte zu veröffentlichen. Hinzu kam, ab Beginn der Poolregelung, die Monopolisierung der Wissensweitergabe an ausgewählte, durch regierungsfreundliche Berichterstattung hervorstechende Journalisten, was progressiven Richtungen einen beträchtlichen Nachteil verschaffte. Wer die neuesten und wertvollsten Informationen haben wollte, musste gewisse Zugeständnisse machen. Das war einer der letzten staatlich notwendigen Schritte vor einem Paradigmenwechsel von der Zensur zur freiwilligen Selbstzensur.

    Der bisher finale Höhepunkt der Entwicklung ist der Wegfall eines größten Teils der eigentlichen Propaganda und Beeinflussung durch den Staat und der Etablierung der „Schere im Kopf“ und dem „mental embedding“. Darunter versteht man eine Kombination aus Selbstzensur, blindem Vertrauen auf offizielle Quellen und das Ignorieren alternativer Meinungen samt Berichterstattung. Die Evolution der Zensur hat sich somit auf eine neue Stufe erhoben, die Medien sind reif und erwachsen genug geworden, ohne künstliche Eingriffe von Militär und Regierung, sich selbst freiwillig zu willfährigen Helfern der zu etablierenden Meinung zu machen. Handeln die großen Fernsehsender und Verlage allzu potentiell konspirativ, drohen nicht nur Einschaltquoten, sondern auch Werbeeinnahmen in den Keller zu rasseln. Denn die konservative Lobby besteht zu guten Teilen aus Industrie und Hochfinanz, die als Werbeträger unverzichtbar sind.

    So wird zwischen den beiden Blöcken der wichtigen Werbeeinschaltungen und der Gefahr, als Nestbeschmutzer und Kommunist gebrandmarkt und gemieden zu werden, das letzte Quäntchen unabhängiger, demokratischer Journalismus zerrieben. Und mit ihm eine freie, unabhängige Presse als Bestandteil eines funktionierenden Staatswesens. Keinerlei direkte Gewalt, Geheimpolizei oder Razzien waren dafür notwendig, der Markt hat es selbst geregelt und das Volk als Publikum hat sich entschieden, lieber Fox als CNN zu wählen. Ganz frei und demokratisch.

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