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- Iain Banks
Lolita
(518)Aktuelle Rezension von: AirdemVladimir Nabokovs Lolita ist kein Buch für schwache Nerven. Es ist ein Werk, das man übersteht, während man von der schieren Qualität der Prosa geblendet wird. Wer hier eine bloße Provokation vermutet, unterschätzt das gefährliche Spiel, das Nabokov mit seinen Lesern treibt.
Das Werk ist ein rhetorischer Kraftakt. Nabokov nutzt die Sprache nicht nur, um eine Geschichte zu erzählen, sondern um den Leser aktiv zu korrumpieren. Während Humbert Humbert seine Verbrechen begeht, kleidet er sie in eine derart lyrische und intellektuelle Sprache, dass man sich dabei ertappt, seinen Ausführungen fast fasziniert zu folgen. Im nächsten Moment ist man von der eigenen Akzeptanz angewidert.
Das Genie des Romans liegt in der Parallelität. Humbert manipuliert Lolita durch emotionale und physische Abhängigkeit. Parallel dazu manipuliert Nabokov den Leser durch unzuverlässiges Erzählen und sprachliche Brillanz.
Wir erhalten einen so präzisen Einblick in die psychologische Planung und die Rechtfertigungsmechanismen eines Täters, dass es schmerzt. Nabokov lässt uns nicht nur den Verbrecher sehen. Er zwingt uns, durch seine Augen zu schauen. Das ist politisch und moralisch unbequem, aber als literarisches Experiment von einer Präzision, die ihresgleichen sucht.
Lolita bleibt ein zutiefst verstörendes Werk über Machtmissbrauch und die Zerstörung einer Kindheit. Dass Nabokov es schafft, den Leser zum Komplizen seiner Ästhetik zu machen, macht das Buch zu einem der wichtigsten Klassiker der Moderne. Wer verstehen will, wie Manipulation auf höchstem sprachlichem Niveau funktioniert, kommt an diesem Albtraum nicht vorbei. 5 Sterne für die literarische Wucht.

