Bücher mit dem Tag "wagenbach"
50 Bücher
- Francesca Melandri
Alle, außer mir
(65)Aktuelle Rezension von: HannaFeilitzschÄthiopien liegt im Fokus dieses Romans. Ich habe ihn im Hinblick auf eine bevorstehende Reise gelesen und wie erwartet viel über das Land erfahren, die italienische Besatzung, aber unter dem Strich zieht sich die Geschichte stellenweise sehr. Schön geschrieben, ohne Frage.
Die Geschichte entfaltet sich über drei Generationen und verknüpft ein persönliches Schicksal mit dem Leben der Flüchtlinge in der heutigen Zeit - sehr spannend und der Kolonialzeit in Afrika.
- Milena Michiko Flašar
Herr Katō spielt Familie
(64)Aktuelle Rezension von: mariameerhabaDie Autorin kann schreiben, das habe ich deutlich gemerkt, aber sie zieht die Handlung in die Länge und überhäuft einen mit so vielen Details, dass ich das auf die Dauer nicht ausgehalten habe. Wären doch die Details irgendwie interessant, würde ich weiterlesen, aber es ist stinknormaler Alltag, sogar noch schlimmer als normaler. Es ist verdammt langweiliger Alltag.
Sobald die Frau auftaucht und dem Protagonisten von ihrer Arbeit erzählt, löst sich die Starre der Handlung und plötzlich war das so interessant, spannend, voller Leidenschaft. Als sie ihm ihre Visitenkarte gab und vorschlug, er solle doch bei ihnen mitarbeiten, da habe ich fast ein Ja gebrüllt. Mach es, tu es, verschwinde aus diesem schrecklichen Alltag und lebe ein Leben, was du dir nicht einmal erträumt hättest.
Aber dann verschwindet die Frau, der Alltag geht weiter, die Starre kehrt zurück und das mit einer Heftigkeit, dass es mir die Augenlider festzugeschlagen hat. Er erzählt von seinem Haus, von den letzten Jahren, der Arbeit, der Gedanken, der simplen Wünsche, die Pensionierung, und ich wollte sofort einschlafen, damit das Buch aus meinen Händen fällt und irgendwo verschwindet.
Die Autorin überhäuft mich mit Details, die ich selbst erlebt habe, die ich selbst erzählen könnte, vielleicht sogar aufregender, wahrscheinlich auch lebhafter. Und dann weigert sie sich, Absätze zu machen, füllt die Seiten ohne Zeilenumbrüche auf, bis ich den Verstand fast verloren habe und mich weigerte, eine weitere Zeile zu lesen.
Das Buch ist eine Schlaftablette. Es hat so eine interessante Idee und doch wird es von der Handlung verdrängt, die zäh ist und dafür sorgt, dass das eigene Leben viel, viel, viel aufregender wirkt. Ich habe mir das nicht lang antun können.
- Daniel Alarcón
Lost City Radio
(13)Aktuelle Rezension von: KrimiratteEin sehr bewegendes Buch! Einfach rundum zu empfehlen. Der Autor kommt den Figuren in seinem Roman sehr nah, es ist traurig, bedrückend und auch wieder total schön.. Nichts für Menschen, die partout ein Happy End brauchen. - Luciano Valabrega
Puntarelle & Pomodori
(1)Aktuelle Rezension von: JulesBarroisPuntarelle & Pomodori – Luciano Valabrega (Autor), Marianne Schneider (Übersetzerin, 144 Seiten, Verlag: Wagenbach, K; Auflage: 1 (18. August 2015), 15,90 € ISBN-13: 978-3803113139
Puntarelle e Pomodori – Dieser Titel alleine ist schon Programm. Puntarelle sind auch als Vulkanspargel bekannt und Pomodori sind Tomaten. Damit umreißt Luciano Valabrega die Hauptbestandteile der römischen Küche: die Gemüsearten, denn Lazio und Rom zeichnen sich durch eine erstaunliche Vielzahl von Gemüse und Salaten aus. Die großen Fleischarten des Piemont und der Lombardei (Bollito misto und Ähnliches) sind dieser Gegend fremd. „Das gekochte Rindfleisch der großen piemontesischen, lombardischen und emilianischen Tradition gibt es in der römischen Küche nicht.“ (Seite 70)
Also erwartet uns ein weiteres Kochbuch aus Italien? Ja und Nein.
Mit 165 römischen Rezepten, die mit den jüdischen Wurzeln sind mit einem * gekennzeichnet, ist diese Rezeptsammlung außergewöhnlich reichhaltig. Der Autor folgt der klassischen Einteilung in Vorspeisen, Primi, Seconi, Contorni und Dessert, wobei natürlich jedes Gericht auch zu einem Hauptgericht werden kann.
Aber es ist mehr als ein Kochbuch. Luciano Valabrega lässt gleichzeitig in vielen Geschichten und Anekdoten die Zeit der 40er und 50er-Jahre auferstehen: über Lebensmittelhändler, Zubereitungsarten, Einkaufsgewohnheiten im jüdischen Viertel um den Piazza Santa Maria in Trastevere. Es ist zum Teil eine „ärmliche“ Zeit in der auch die „cucina povera“ angesiedelt ist. Das heißt nicht in erster Linie, die Küche der armen Leute, sondern die Küche, die mit wenigen Zutaten, ursprünglichen Materialien und sparsamen Gewürzen auskommt. Es sind erlebte Rezepte.
Natürlich findet man auch alle klassischen Rezepte, deren Zutaten heute bei vielen verpönt sind und die auch nicht ohne weiteres hier zu bekommen sind: Kutteln, Gehirn, Nieren, Ochsenschwanz. Darüberhinaus schwelgt Luciano Valabrega in Artischocken, Endiviensalat, Zichorie, Karde, Staudensellerie und viele anderen mehr. Ein unerschöpfliche Fundgrube von Zubereitungsarten, die sofort Lust auf Nachkochen und Genießen macht.
Und es ist ein wahrer Genuss, die Geschmacksfülle dieser einfachen Lebensmittel zu ergründen, in so einfachen Gerichten wie „Pane condito con il pomodoro“ (Mit Tomate gewürztes Brot.) (Seite 135) oder „Fichi secchi con ricotta e noci“ (Dörrfeigen mit Ricotta und Walnüssen) (Seite 81-82) oder mein absolutes Lieblingsrezept „Coda con il sedano“ (Ochsenschwanz mit Staudensellerie) (Seite 97/98)
Mit diesem Büchlein gehen Sie auf eine Entdeckungsreise der römischen Küche und auch von Rom der ganz besonderen Art. Und mit Sicherheit wird Ihr nächster Rombesuch einen ganz anderen Verlauf nehmen, als der sonst übliche. Denn die beschriebenen Ort und die dazu passenden Gerichte finden Sie noch heute z.B. in Trastevere mit seinem unvergleichlichen, leicht demolierten Charme, mit seiner fast „dörflichen“ Atmosphäre.
Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages
https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1005-puntarelle-pomodori.html
Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de
- Michela Murgia
Chirú
(9)Aktuelle Rezension von: ClariEleonore ist 38 Jahre alt, als sie dem Drängen des 18jährigen Musikstudenten Chirú nachgibt, seine Lehrerin zu werden.
Zwischen den beiden entsteht eine erotische, unterschwellige Spannung. In Sardinien, wo die Geschichte zunächst spielt, führt Eleonore den Studenten Chirú in einschlägige Künstlerkreise ein, und der Leser*in erfährt selber, wie es in diesen Kreisen zugeht.
Eleonore hat Freunde und ehemalige Geliebte, die sie auf ihrem Lebensweg begleiten, und mit denen sie in regem Austausch steht, auch in Fragen ihres eigenen Lebens.
Fabrizio, einer von ihnen, warnt sie vor den Folgen, sich mit so einem jungen Studenten abzugeben. Aber sie kann es nicht lassen.
In langen Passagen geht es um Begegnungen aller Art, immer wieder aber auch um die stete Annäherung Chirús an Eleonore. Beide sind voneinander fasziniert.
Sie nimmt ihn mit auf eine Reise nach Rom, wo sie ein Engagement hat. In Museen und beim Essen sehen sie sich und tauschen Gedanken aus. Der Zauber der wunderbaren Stadt lässt Nähe und Sehnsüchte bei den beiden aufkommen. Oh Jugendzeit, Du schöne Zeit! Eleonore spürt erste Zeichen des Älterwerdens, wenn sie auch eine schöne Frau zu sein scheint.
Chirú und Eleonore werden als Antipoden dargestellt. Jeder sucht etwas beim anderen, das man selber nicht hat. Zwei verlorene Seelen, die sich unter dem Deckmantel der Lehre begegnen und in Wahrheit Liebe und Anerkennung suchen. Eleonore bewegt sich wissend durch ihre Kreise und zeigt Chirú, wie man sich gut darstellt.
Richtig spannend wird die Geschichte, als Eleonore ein Engagement in Stockholm erhält.
Chirú will nachkommen. Unerwartet trifft Eleonore einen schwedischen Dirigenten wieder, den sie schon in Cagliari einst getroffen hat. Nun wendet sich das Blatt, und die Geschichte endet geheimnisvoll.
Murgia versteht es wunderbar, einzelne Charaktere hervorzuheben. Es geht ihr dabei auch um Treue, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit. Liebe kommt und vergeht und Dinge geschehen, die man nicht ändern kann. Die Frage nach Unrecht und Wahrhaftigkeit wird zuletzt zur Kernfrage der Geschichte. Ist der Mensch gut oder schlecht? Welche Folgen hat das Glück oder Unglück? Die Antwort bleibt die Autorin schuldig, denn Gefühle und Bedürfnisse wechseln, und die reine Wahrheit gibt es nicht. Aber schuldig wird der Mensch da, wo er Verletzungen auslöst, die nicht vermeidbar sind, wenn man seinen eigenen Weg gehen will. Ambivalenzen zeichnen zwischenmenschliche Beziehungen aus, so dass es immer wieder zu Missverstehen kommen kann. Das alles macht sie Erzählung zu einer faszinierenden Geschichte, die gut und schlüssig erzählt wird!
- Boris Vian
Der Schaum der Tage
(80)Aktuelle Rezension von: JacyntheInhalt
Colin ist ein wohlhabender Hausbesitzer mit eigenem Koch doch ihm fehlt etwas Entscheidendes in seinem Leben: eine Geliebte. Bei seinem Freund Chick ist es umgekehrt. Doch dann begegnet Colin Chloé. Die beiden verlieben sich und heiraten kurz darauf. Kurz darauf wird Chloé schwer krank. In ihrer Lunge wächst eine Seerose, deren Wachstum nur vom Duft anderer Blumen gestoppt werden kann. Fortan ist es Colins einziger Lebensinhalt, Blumen für seine Geliebte zu kaufen. Doch diese welken schnell, ebenso schrumpft Colins Wohlstand zu einem Nichts und das Haus wird immer kleiner und verkommener. Und dann geschieht das unvermeidbare.
Meine Meinung
Vor diesem Buch habe ich noch nie etwas Surrealistisches gelesen. Mir war auch gar nicht klar, was mich erwartete, bevor ich schon noch ein paar Zeilen stutzen musste. Jemand schneidet seine Augenlider, weil sie so schnell nachwachsen?? Spätestens jetzt war mir klar, dass ich definitiv literarisches Neuland betrat.
Ich muss gestehen, dass sich mein Kopf lange gegen das Gelesene sträubte. Nach meiner ersten Reaktion der Neugier wandelte sich diese in Abneigung und ich überlegte ernsthaft, das Buch wegzulegen. Dann dachte ich mir jedoch, warum nicht mal auf Neues einlassen? Abgesehen von den surrealen Dingen handelt das Buch doch von ganz Alltäglichem. Und vielleicht unterstreicht das Surrealistische ja nur die Aussagen des Romands. Danach war es einfacher und am Ende hatte ich sogar Tränen in den Augen...
Eingeschlossen von dem ganzen surrealistischen Konstrukt ist eine berührende und sehr lehrreiche Geschichte über Freundschaft, Liebe und Geld. Neben Colin und Chloé gibt es noch Colins Koch Nicolas, sowie Colins Freund Chick und dessen Freundin Alise. Chick ist ein notorischer Sammler der Werke von Jean Sol Partre - eine Adaption mit parodischem Unterton auf den Philosophen Jean-Paul Sartre -, wofür er sein letztes Geld ausgibt. Auch das, das Colin ihm geliehen hat, um Alise zu heiraten.
Auch, wenn es ihm selbst wahrscheinlich gar nicht bewusst ist und er aus einer naiven Unschuld heraus handelt, ist er in meinen Augen das negative Gegengewicht zu Colin. Guten Gewissens hat dieser ihm Geld geliehen, doch als er später slebst in einer finanziellen Notlage ist, denkt Chick nicht einmal daran, seine Schuld zu begleichen. Er beteuert zwar stets, kein Geld zu haben, doch hinsichtlich seiner Sammlung ist er ein reicher Mann. Colin selbst kommt auch gar nicht darauf, das geliehene Geld zurückzufordern, was ich erst etwas befremdlich fand, letzendlich aber als eine positive Eigenschaft Colins erkannte.
Die beiden Frauen Alise und Chloé sind zwar grundsätzlich zu den Protagonisten zu rechnen, doch während Alise am Ende noch eine tragende Rolle zukommt, fiel mir Chloé vor allem durch ihre Unschuld und Zurückhaltung auf. Obwohl sie voller Liebe für Colin ist, stürzt sie ihn letzendlich in den Ruin, worin sich der typische Verlauf eines Liebesdramas widerspiegelt. Dass es eine Blume ist, die für Chloés Leiden verantwortlich ist, obwohl Blumen ja eigentlich für Schönheit und Leben stehen, verstärkt die Dramatik noch.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Buch mehr als nur ein paar groteske Vorstellungen vonseiten des Lesers hervorruft. Ein paar der surrealen Erfindungen Vians, die im Jahre 1947 entstanden, erscheinen dabei heute gar nicht mal so abwägig, zum Beispiel die automatischen Küchengeräte des Kochs. Das meiste ist und bleibt jedoch grotesk, unterstreicht aber, wie ich anfangs vermutet habe, das Geschehen des Romans. Dass das Haus Colins und Chloés beispielsweise mit dem Fortschreiten ihrer Krankheit verkommt und unwohnlich wird, quasi das Innenleben des Liebespaars widerspiegelt, hat mich tief berührt.
Vians Stil ist sicherlich nichts für jeden. Wer aber bisher noch nie etwas Surrealistisches gelesen hat, sollte das auf jeden Fall einmal ausprobieren. "Der Schaum der Tage" eignet sich sehr gut dafür, wie ich finde. Ich vergebe 4 von 5 Wolken für diesen Roman und werde bei Gelegenheit noch weitere Bücher Vians lesen. Danke, Densy, dass du mich darauf gestoßen hast :) - Tania Blixen
Die Straßen um Pisa
(3)Aktuelle Rezension von: FerranteEin Fund bei Jokers in München. Ein schillerndes kleines Juwel ist dieses Frühwerk aus den 1930ern. Ein reisender Adeliger wird in Italien beauftragt, eine verloren geglaubte Tochter zu finden, und wird eines abends in einer Herberge nahe Pisa, seinem Ziel, in ein kompliziertes Geflecht der Lebenswege rund um eben diese Tochter und Irrungen und Wirrungen verwickelt. Das Ganze ist sehr elegant erzählt und enthält im Mittelteil ein Puppenspiel, das meiner Meinung nicht nur eine Hommage an Shakespeares Hamlet, sondern auch Kleists Essay über das Marionettentheater ist. Die Erzählung schlug mich mich mit ihrem philosophisch-elegantem Ton so in ihren Bann, dass ich sie in einem Satz durchlas. - Manuel Vázquez Montalbán
Carvalho und das Mädchen, das Emmanuelle sein sollte
(4)Aktuelle Rezension von: sternenstaubhhDer Kriminalroman "Carvalho und das Mädchen das Emmanuelle sein sollte" von Manuel Vázquez Montalbán ist eine gelungene Neuausgabe aus dem Wagenbach Verlag. In dem neusten Fall des Privatdetektivs Carvalho geht es um den Mord an einer Frau, einstige Geliebte und Filmstar. Neben der Aufklärung des Mordes steht aber auch, ganz Montalbán, auch die spanische Gesellschaft im Vordergrund des Geschehens. Der Schreibstil des berühmten Autors ist stark und sehr einnehmend. Dadurch wirken die Protagonisten, wie auch die Handlung des Romans an sich sehr lebendig. Das Buch "Carvalho und das Mädchen das Emmanuelle sein sollte" ist zweifellos ein höchst anspruchsvoller Roman. Lesenswert und sehr zu empfehlen. - Tanguy Viel
Das Mädchen, das man ruft
(11)Aktuelle Rezension von: lesehorizontIch hatte den Namen des Autoren schon öfters wahrgenommen, doch war "Das Mädchen, das man ruft" das erste Buch von Tanguy Viel, das ich las.
Der ehemalige Boxer Mac Le Corre ist nun Chauffeur des Bürgermeisters. Er kommt auf die Idee, ihn um einen Gefallen zu bitten, und zwar hofft er, dass seine Tochter Laura bei ihm etwas Geld verdienen kann. Der Bürgermeister erfüllt ihm diesen Wunsch. Doch um welchen Preis? Auch darum geht es in dieser Geschichte. Und um den Gerichtsprozess, den das Ganze nach sich zieht.
Der Roman ist kurz und in mehrere Abschnitte unterteilt, die unvermeidbar auf das Finale zusteuern. Diese Konstruktion hat mir sehr gut gefallen, ebenso die oft bildhafte und metaphernlastige Sprache. Für mich waren die Metaphern in der Regel sehr stimmig. Ich habe die Geschichte insgesamt sehr gerne gelesen. Ich empfand sie als Temporeich, da permanent Perpskeitven abwechseln. Die Charaktere sind vielleicht mitunter stereotyp gezeichnet und auch der Verlauf des Geschehens ist hier und da etwas vorhersehbar. Meinen Lesegenuss hat dies aber nicht geschmälert, wesewegen ich das Buch sehr gerne weiter empfehle und zudem Ausschau halten werde nach weiteren Werken des Autors.
- Alan Bennett
Die soveräne Leserin
(12)Aktuelle Rezension von: mistellorDie Corgies der englischen Queen büxen aus und landen in einer mobilen Bibliothek. Aus reiner, sehr englischen Höflichkeit leiht die Queen sich ein Buch aus, und später noch eins. dann nochmals eins und dann immer wieder. Die englische Queen hat die Welt der Bücher entdeckt und kann sich ihr nicht mehr entziehen. Darüber vergisst sie ihre Pflichten, wird unpünktlich und verunsichert so ihre Umgebung.
Was lernen wir daraus?
Bücher verändern schnell und gründlich unseren Charakter - meist zum Besseren.
Zu diesem Buch habe ich schon eine Rezension geschrieben, aber da diese Ausgabe eine besondere ist, musste ich nochmals eine schreiben, wobei es diesmal nicht um den Inhalt, sondern um die Ausstattung des Buches geht. Ich liebe dieses Buch nicht nur wegen seines Inhalts oder der sehr bildhaften, leichten und tiefgründigen Sprache, sondern auch wegen der wunderbaren liebevollen Ausführung. Gebunden ist diese Sonderausgabe in blauer Seide mit einem schelmischen kleinen Bild der Queen auf dem Cover. Der blaue Seideneinband und fühlt sich sehr edel an.
Der Wagenbach-Verlag ist auch heute noch bemüht Bücher als kleine Wunder zu betrachten und sie werden daher oft noch nach alter Buchmacher-Manier gebunden, geschnitten, verlegt und verkauft. Man spürt in jedem Buch des Verlages den Respekt vor dem geschriebenen Wort.
- Manuel Vázquez Montalbán
Carvalho und die tätowierte Leiche
(8)Aktuelle Rezension von: ChiefCEin großartiges, sprachmächtiges Stück Kriminalliteratur in hervorragender, neu überarbeiteter Übersetzung. Barcelona-Fans kommen um Montalbans Carvalho-Romane kaum herum und solche, die's noch nicht sind, werden's nach der Lektüre vielleicht werden. Die Stimmung Spaniens in der unmittelbaren Nach-Franco-Ära fängt Montalban gleichermaßen eindrücklich wie unaufdringlich ein. Seine Carvalho-Romane sind bei weitem weder simple Whodunits noch als Krimis verbrämte, moralisch aufgeladene Sozialkritik. Sie sind vielmehr gleichermaßen anspruchsvolle wie unterhaltsame Literatur, angereichert mit Carvalhos Schlemmereien und erotischen Abenteuern, gewürzt mit origineller Sprache und einer guten Prise Humor. Die Ermittlungen zu eine anonymen und gesichtslosen aber tätowierten Leiche, die am Strand angespült wird, führen Carvalho in seinem „ersten“ Fall als Privatdetektiv auch nach Holland und auch hier zeichnet Montalban mit leichter Hand ein beeindruckendes Porträt von Land, Einheimischen und Gastarbeitern. - Teresa Wagenbach
Vielleicht ein Wunder
(2)Aktuelle Rezension von: mollissimaWorum es geht:Sarah steht kurz vor der Hochzeit mit Rain, als sie einen Brief von ihrem Vater bekommt, der sie und ihre Mutter vor Jahren wortlos verlassen hat. Er bittet sie, ihn zu besuchen, weil er nicht mehr lange zu leben hat. Sarah ist durcheinander, entschließt sich aber dann zu ihm zu fahren. Dort erwartet sie nicht nur die Wahrheit, sondern auch Luke, der Sohn der neuen Frau ihres Vaters.
Meine Meinung:Das Cover passt perfekt zu dem Buch. Die Geschichte ist abwechselnd aus Lukes und aus Sarahs Sicht in der dritten Person geschrieben, was mir gut gefällt, da man einen guten Einblick in die Gefühlswelt der beiden sympathischen Hauptfiguren bekommt. Sara wirkt teilweise ein bisschen naiv, was Rain betrifft. Sie will es immer allen recht machen, dabei bleibt sie selbst oft auf der Strecke. Man kann aber mit ihr mitfühlen, was die Vergangenheit mit ihrem Vater betrifft, auch das Treffen mit ihrem Vater ist emotional. Ich konnte die Figuren vor mir sehen. Luke ist auch nett, sein Anteil in der Story ist etwas geringer. Über ihn und seine Vergangenheit erfährt man leider nicht ganz so viel. Das Ende war für mich natürlich in groben Zügen vorhersehbar. Überrascht hat mich die Entscheidung von Lisa und Andy, die beiden Figuren mochte ich auch.
Mein Fazit: ›Vielleicht ein Wunder« ist eine schöne Liebesgeschichte, der ich gute 4 Sterne gebe. Fliegenspiel. Sizilianische Geschichten. (Wagenbach SALTO) von Andrea Camilleri (2010) Gebundene Ausgabe
(0)Noch keine Rezension vorhanden- Marina Caba Rall
Esperanza
(2)Aktuelle Rezension von: JulesBarroisEsperanza – Marina Caba Rall (Autorin), 224 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach (4. März 2016), 17,99, ISBN-13: 978-3803132758
Der Roman läuft zwischen Berlin und Caceres, dem Geburtsort des Großvater der Autorin, einem Republikaner, der schließlich durch das Franco-Regime zum Tode verurteilt wurde, nicht hingerichtet wurde. Vielleicht ist das der Auslöser für den Roman „Esperanza“, der ursprünglich als Film geplant war.
Jahrzehnte nach ihrem Leben in Caceres, kehrt Esperanza an den Ort mit den drei Eichen zurück, wo der Körper ihres Onkels gefunden und exhumiert wurde. „Also er wurde ermordet und liegt irgendwo im Strassengraben ...“ (Seite44) Es ist ein traumatisches Unternehmen, privat, komplex und schwer, die Vergangenheit zu überwinden.
Es ist die erschütternde Geschichte einer Frau, die nach Berlin auswanderte. Sie ist glücklich verheiratet mit einem Deutschen und Mutter von zwei Kindern. Sie hat aber ein Leben und einen Sohn in ihrem Dorf in der Nähe von Caceres hinter sich gelassen. „Unsere Erinnerungen bleiben bestehen […] wie eingerahmte Bilder, aber das Leben, das bleibt nicht stehen.“ (Seite 36) Und jetzt ist der Sohn auf der Suche nach ihr.
Die Handlung zieht sich durch die Geschichte von Esperanza und ihrer Tochter Karla, und Juan, dem verlassenen Sohn. Sie springt von der Vergangenheit zur Gegenwart. In einer Erzählung von kurzen Sätzen erzählt sie die Geschichte ihrer Kindheit, vom Leben unter Franco und von ihrem Jugendfreund Alfonso, über die Esperanza nie gesprochen hatte. All das will Karla, ihre Tochter nicht mehr so schweigend hinnehmen, vor allem als plötzlich ein Unbekannter namens Juan in Berlin auftaucht, der offenbar ihr Halbbruder ist.
Die Geschichte wird abwechselnd erzählt von Esperanza „Auf die Freiheit.“ (Seite 119), von Karla „Irgendetwas stimmte nicht, nur was bloß?“ (Seite 132) und von Juan. „... ein übermächtiges Gefühl der Verlorenheit.“ (Seite 150)
Marina Caba Rall verknüpft äußerst gelungen eine Gastarbeitergeschichte aus Berlin und die traumatischen Erfahrungen von der kleinen Esperanza im spanischen Bürgerkrieg.
Man merkt dem Buch die Prägung von Marina Caba Rall als Drehbuchautorin und Regisseurin von Dokumentar- und Spielfilmen an. Dramaturgisch sehr geschickt aufgebaut im Wechsel der drei Hauptpersonen Esperanza, Karla und Joan. Sie schreibt sehr szenisch. Öfters bekommen wir die gleiche Szene aus den unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Protagonisten. Ihr Schreibstil ist sehr atmosphärisch, bildhaft (fast wie die unterschiedlichen Kamaraeinstellungen. Und vor allem beeindrucken mich ihre überaus gekonnten Rückblenden.
Ein Buch für alle, die gute Geschichten lieben, vor allem wenn sie einen realen, historischen Hintergrund haben.
Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages
https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1016-esperanza.html
Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de
- Najat El Hachmi
Der letzte Patriarch
(3)Aktuelle Rezension von: ana-97✨ „Ein aufgeschürftes Knie, nach einem Sturz im Park, eine blutende Nase, Dinge eben, die passieren, wenn man ein Kind ist. Aber ich hatte inzwischen schon begriffen, dass es nicht normal ist, dass dich dein Vater, wenn du ein Kind bist, ins Knie beißt.“ ✨
📍 Najat El Hachmi nimmt uns in „Der letzte Patriarch“ auf eine Reise nach Marokko, die später in Katalonien endet.
📖 Darum geht’s:
Das Buch begleitet Mimoun Driouch, einen marokkanischen Kleinunternehmer und seine rebellische Tochter. Diese versucht zu verstehen, was damals in ihrer Kindheit in der marokkanischen Provinz geschehen ist und versucht sich vom fremdgehenden, gewalttätigen Vater zu lösen. Was dieser am meisten an seiner Tochter kritisiert: sexuell so freizügig zu sein wie er.
💡 Das habe ich durch das Buch über das Land gelernt:
Durch das Atlasgebirge ist das Lang zweigeteilt – Nordwestlich des Gebirges überwiegt ein mediterranes Klima, während südöstlich davon Wüstensteppe herrscht.
💭 Meine Meinung zum Buch:
Das Buch hat mich noch lange beschäftigt, nachdem ich es beendet habe. Ich mochte den Anfang, den mittleren Teil und auch das Ende, bis zur allerletzten Seite, die dann leider alles kaputt gemacht hat. - SPOILER ALERT -Darin beschreibt die Protagonistin nämlich, wie sie endlich dem Patriarchat entfliehen konnte – und zwar indem sie Analverkehr mit ihrem eigenen Onkel hatte. Ich war noch nie so sauer über das Ende eines Buches wie bei diesem hier. So lange hatte die Protagonistin gekämpft und versucht, sich aus den unterdrückenden Strukturen ihrer Familie zu lösen. Und erst als sie ihren Vater mit seinem eigenen Bruder hinterging, war ihr Plan aufgegangen. Keine Ahnung, was sich die Autorin dabei gedacht hat.
Wenn man die letzte Seite weglässt, ist es trotzdem ein tolles Buch. - Helen Weinzweig
Schwarzes Kleid mit Perlen
(4)Aktuelle Rezension von: Giselle74Manchmal passt alles zusammen, Cover, Klappentext und Verlag. Schon beim Durchforsten der Vorschauen weiß man, dieses Buch werde ich auf jeden Fall lesen. So auch hier: eine elegante Dame im Art Nouveau-Stil mit Zwanziger Jahre-Perlenkette auf dem Einband, ein von Wagenbach veröffentlichter Roman über eine Frau, die alles aufgibt, um ihrem Geliebten hinterherzureisen, der als Diplomat in geheimer Mission von Ort zu Ort springt und von Verkleidung zu Verkleidung. Perfekt. Dachte ich.
Im Grunde ist der Roman tatsächlich perfekt, nur ich bin Opfer meiner Erwartungshaltung geworden. Ich habe eine Art literarisch wertvollen Miss Fisher -Roman erwartet, mit einem Hauch Holly Golightly. Nichts könnte ferner liegen. Und trotzdem könnte das Cover nicht passender sein und der Klappentext nicht trefflicher.
Nach der ersten Irritation und leichten Enttäuschung begann der Text mich zu faszinieren. Shirley Kaszenbowskis Leben wirkt so abenteuerlustig und sie so stark, auf den ersten Blick. Immerhin ist sie ständig auf Reisen um die ganze Welt, hat dafür Mann und Kinder aufgegeben. Aber dann bemerkt man die Leere, die verzweifelte Suche nach Codes und Nachrichten, die Erinnerungen an vergangene Treffen, die immer schaler werden. Und schlußendlich stellt sich Shirley die Frage, wie real diese Liebe wirklich ist und ob sie den Aufwand tatsächlich lohnt.
Es war die Sprache, die mich zuerst dazu gebracht hat, weiterzulesen. Die Sätze sind recht schlicht formuliert, aber es steht so viel zwischen den Zeilen. Mit jeder Seite enthüllt sich mehr von Shirleys Gedanken und Überlegungen und mit jeder Seite wird der Leser unsicherer, was davon nun eigentlich Realität und was pure Einbildung ist.
Was aber Shirley für mich als Charakter bemerkenswert macht, ist ihre innere Freiheit. Sie geht ihren Weg kompromisslos, unabhängig von Konventionen und dem, was für Frauen als Lebensweg im Allgemeinen so vorgesehen ist. Sie verläßt Ehemann und Kinder, sie akzeptiert eine Nachfolgerin als Frau und Mutter, sie folgt ihren Instinkten. Solche Frauen gibt es in der Literatur nicht allzu häufig. Und wenn, dann werden sie ganz sicher nicht positiv dargestellt, eher als herzlose Rabenmütter.
Shirley ist nicht gut, sie ist nicht böse, sie schwankt zwischen Emanzipation und psychischer Erkrankung, laviert sich durch, öffnet Türen, auch solche, die sie lieber geschlossen gehalten hätte, sie ist kein Vorbild, sie lebt einfach auf ihre eigene, recht surreale Art. Das macht sie nicht zwingend liebenswert, aber den Roman äußerst lesenswert. - Omar Robert Hamilton
Stadt der Rebellion
(1)Aktuelle Rezension von: reneeDieses Buch ist ein extrem aufwühlender, ergreifender und betroffen machender Bericht über die arabische Revolution in Ägypten 2011. Aus der Sicht von einigen Hauptakteuren werden die Geschehnisse wie in artikelartigen kühl geschilderten Formen dargestellt, dazwischen aber auch immer recht blumig phantasievoll gehaltene Abschnitte, und dann wieder Abschnitte in denen der Groll über die Gewalt, die den Menschen widerfährt, überwiegt. Am Ende ein Teil indem das Ende der Revolution geschildert wird, eigentlich ein Scheitern, aber ist es wirklich ein Scheitern, wenn man den Mut hatte, sich der Macht entgegenzustellen ? Das Grauen, die Gewalt und die Bösartigkeit des Menschen, die da geschildert werden, haben mich zutiefst angeekelt, angewidert und abgestoßen. Dabei wird dieses ganze Negative nicht in den Vordergrund gerückt/gehoben oder besonders dargestellt. Es ist eher wie ein Berichten über die Geschehnisse, aber natürlich nicht vollkommen gefühlsbefreit. Familienangehörige der Opfer schildern ihr Empfinden/kommen zu Wort/schildern das Grauen, das sie durchleben. Freunde der Opfer erzählen ihre Ansichten/schildern ihre Gefühle. Es werden die Hauptdaten der Revolution geschildert und was sich in dem Land zugetragen hat, die politischen Machtverhältnisse offengelegt. Das Berichtete erscheint fundiert, am Ende des Buches erscheinen viele Quellennachweise und im Personenregister viele wichtige im Text genannte Personen. Bruchstückhaft konnte ich mich an Einiges noch erinnern, sah teilweise noch die Nachrichten von damals vor meinem geistigen Auge. Und empfand das Grauen, das ich damals vor dem Fernseher empfand, wieder, nur noch viel schmerzlicher. Es entsetzt mich immer wieder zu sehen, was Menschen anderen Menschen antun können, nur weil ihnen nicht passt, was diese denken/wie diese sind. Ich frage mich immer wie so etwas geht. Klar ich weiß dass das so ist. Aber ich kann und will es einfach nicht nachvollziehen. Aber beim Lesen empfindet man auch das Glück in diesem/unserem Land zu wohnen und ich hoffe sehr, dass wir hier niemals solche Dinge sehen/erleben müssen. Und das Ganze ist in einem artikelhaften absatzartigen Roman untergebracht, der heftig, aber sehr lesenswert ist. Und man kann nur sagen Hut ab vor diesen Menschen !
Ein Buch für das man bereit sein muß ! - Djuna Barnes
Solange es Frauen gibt, wie sollte da etwas vor die Hunde gehen ?
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