Bücher mit dem Tag "warschau"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "warschau" gekennzeichnet haben.

103 Bücher

  1. Cover des Buches Kinder der Freiheit (ISBN: 9783404173204)
    Ken Follett

    Kinder der Freiheit

     (449)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte

    Band III der Jahrhundertsaga

    „Wie ironisch, dachte George: Um die Türkei zu beschützen, müssen wir die Kernwaffen von dort abziehen. Außenminister Dean Rusk warnte: >>Die Sowjets können aber woanders aktiv werden, Sir, und zwar in Berlin.<< George nickte. Es war paradox, dass der amerikanische Präsident eine Karibikinsel nicht angreifen konnte, ohne die Auswirkungen zu berücksichtigen, die eine solche Entscheidung siebentausend Meilen entfernt in Mitteleuropa hätte. Die ganze Welt war für die beiden Supermächte zum Schachbrett geworden.“ (S. 362)

    Eine komplexe, vielschichtige Handlung vereint historische Eckpunkte aus 30 Jahren amerikanischer, deutscher, englischer und russischer Geschichte. Thematisch durchschreitet Ken Follett, der Stephen King des Historischen Romans, im dritten Teil seiner Jahrhunderttrilogie den Kalten Krieg von vorne bis hinten – beginnend mit dem Mauerbau 1961 (1. Kritikpunkt: Warum beginnt er nicht bei der Nachkriegszeit mit interessanten Ereignissen wie dem Aufstand vom 17. 06. 1953) über die Kubakrise und JFK, die Rassendiskriminierung in den USA und M. L. King, Ost-West-Flucht, Korruption und Intrigen im Kreml (2. Kritikpunkt: Wo bleibt die Aufarbeitung der Nazivergangenheit mit den Nürnberger Prozessen? Richtig. Nirgendwo. Auch zur Mondlandung hätte ich wenigstens eine Erwähnung erwartet) bis hin zu Glasnost & Perestroika und dem Mauerfall (3. Kritikpunkt: Bei Follett hört es sich so an, als wäre mit dem Einsturz einer betonierten Wand alles getan und alle Menschen springen in Blümchenkleidern zu >I’ve been looking for Freedom< über einen Regenbogen…Dass wir auch heute noch, zu einem Zeitpunkt, an dem die Mauer länger abgerissen ist, als sie stand, mit Ungleichheiten und Vorurteilen zwischen Ost und West zu tun haben, lässt er unbetrachtet).

    Ken Follett hat mit diesem Abschluss seiner Familiensaga des 20. Jahrhunderts wieder einen dramatischen Liebesroman kreiert. Alle Protagonisten finden wieder auf magische Weise zueinander von den USA über England und das geteilte Deutschland zur Sowjetunion. Die Stammbäume der beteiligten Familien im Anhang und in den Klappen haben wirklich geholfen mit den umfänglich vorhandenen Protagonisten umzugehen, dennoch kam ich einige Male raus. „Zu wem gehörst du jetzt? Ich dachte, du hast etwas mit dem anderen Typen am Laufen? Oh, ach ne, doch nicht.“ Nach kurzer Orientierung und vielleicht ein paar Seiten zurückblättern ging das bei mir aber wieder.

    Es muss Follett zugutegehalten werden, dass er einen komplexen historischen Zeitrahmen mit vielen politischen Strängen (mehr als in den ersten beiden Teilen der Trilogie) gut gemeistert hat. Er vereint die wichtigsten politischen Themen aus diesen 30 Jahren geschickt, immer ist ein Protagonist live im oder am Geschehen dran ganz wie bei Forest Gump – Montgomery-Bus-Boykott & Martin Luther King’s >I have a Dream<-Rede; JFK’s >Ik bin ein Berliner< -Rede & das Attentat, Vietnamkrieg, Mauerfall u.v.m.

    Die Leserinnen und Leser bekommen einen groben Überblick über politische Zusammenhänge des Ost-West-Konflikts im historischen Kontext. Die Umsetzung in Romanform erlaubt es dem Rezipienten in lockerer Atmosphäre Geschichte spannend und informativ zu erleben. Ich muss zugeben, dass ich mich mit diesem Zeitabschnitt weniger auskenne als das noch beim ersten und zweiten Teil der Fall war. Einfach, weil im Lehrplan besonderer Fokus auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den beiden Weltkriegen gelegt wird, da wird nach hinten heraus die Zeit knapp. Jahrgänge nach 1990 wie ich kennen sich da weniger gut aus bzw. beziehen ihre Informationen von Eltern und Großeltern. Auch gibt es mehr filmische Adaptionen über die NS-Zeit als über den Kalten Krieg. Daher bewerte ich hier besonders die Auswahl der Eckdaten, die Follett getroffen hat, und deren Zusammenspiel positiv. Gerade zur Rassendiskriminierung und der damit verbundenen Polizeigewalt in den USA konnte ich in diesem Roman etwas lernen. Leider ein immer noch hoch brisantes Thema.

    Dennoch kann ich nicht mehr als drei Sterne vergeben. Wie im Vorgängerband macht Ken Follett einen entscheidenden Fehler, über den ich nicht hinwegsehen kann. Er denkt in Schwarz-Weiß-Schemen, am Ende wird alles gut, alle Protagonisten sind glücklich, gesellschaftliche Probleme werden ignoriert. Beispielsweise sind die Stasi-Mitarbeiter so gezeichnet wie die Nazis in Teil zwei – strunz dumm. Nur einer hat es auf die Familie abgesehen und benutzt seinen Gripps komplett nur zum Schikanieren der Protagonisten. Der Roman suggeriert außerdem, dass die gesamte DDR-Bevölkerung in den Westen will, die Grenzsoldaten werden als handelnde und nicht denkende Schachfiguren bewegt. Was ist denn mit den regimetreuen intelligenten Bürgern und Funktionären? Was ist mit den Ängsten bei der Wiedervereinigung? Follett legt den Fokus besonders auf die Swinging Sixties. Das Jahrzehnt erstreckt sich auf fast 900 der 1200 Seiten, dadurch werden die anderen zwei Jahrzehnte sehr gedrängt.

    Ein großer Kritikpunkt in den Vorgängerbänden war die Häufigkeit von romantischen Bettgeschichten. Hier hat sich das etwas gelegt, Follett lässt vieles nur angedeutet. Es gibt zwar ein kleines Durcheinander, wer mit wem und wann, aber der historische Rahmen mit den Ereignissen überwiegt.

    Fazit

    KINDER DER FREIHEIT ist der Abschluss der Familiensage über das 20. Jahrhundert von Ken Follett. 30 Jahre Weltgeschichte drängen sich auf 1200 Seiten, da können nicht alle Details abgebildet werden. Als dramatische Liebesromane im historischen Setting ist die Reihe gut zu lesen. Ich empfehle, die Erwartungen nicht zu hoch zulegen. Die Leserinnen und Leser finden in diesem dritten Band einen soliden, zufriedenstellenden Abschluss.

     

    KINDER DER FREIHEIT| Ken Follett| Bastei Lübbe| 2014| 1208 Seiten| 29,99€ (Hardcover nicht mehr erhältlich; als Taschenbuch für 17,00€

  2. Cover des Buches 28 Tage lang (ISBN: 9783499266638)
    David Safier

    28 Tage lang

     (547)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    1942 lebt die 16-jährige Jüdin Mira im Warschauer Ghetto und schmuggelt Lebensmittel, um sich, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester Hannah zu ernähren. Ihr Vater hat sich vor der Deportation das Leben genommen, ihr Bruder Simon arbeitet bei der Judenpolizei. Beide empfindet sie als Verräter. 

    Als sich die Lage im Warschauer Ghetto zuspitzt und die Deutschen beginnen, die jüdische Bevölkerung weiter in den Osten "umzusiedeln", schließt sich Mira, die vor lauter Hoffnungslosigkeit empfindet, nichts mehr zu verlieren zu haben, der jüdischen Widerstandsorganisation ŻOB an. 

    "28 Tage lang" wird aus der Perspektive der 16-jährigen Mira geschildert, die einerseits mutig, aber andererseits auch kopflos und naiv agiert. Schon während ihrer Schmuggeltätigkeit bringt sie sich laufend in Gefahr, hat jedoch immer wieder aufs Neue Glück, nicht von der SS erwischt zu werden. Auch ihre Träume von Liebe und Tanzen und einer Sehnsucht nach New York wirken kindlich. Das Buch würde ich deshalb eher als Jugendbuch einordnen, als einen Roman. 

    Aufgrund der eindringlichen Thematik und der wirklich erschütternden Schilderungen über Hunger, Leid, Angst und Gewalt ist es jedoch auch für Erwachsene ein relevantes Buch über den Holocaust und #GegendasVergessen. 

    Mir war der Roman zu wenig bildhaft geschrieben, das jüdische Ghetto wurde für mich nicht lebendig und vorstellbar, auch die Charaktere wirkten blutleer. Die Geschichte verliert sich häufig in der Gedankenwelt von Mira. Auch wenn man das als Flucht vor der schrecklichen Realität nachvollziehen kann, hatte die Geschichte damit, gerade bis zum Anschluss Miras an den Widerstand, immer wieder ihre Längen. 

    Phasenweise vermittelte der Roman zudem eine sehr einseitige Botschaft hinsichtlich der Frage von Anstand und Moral. Man erhielt die Vorstellung, dass nur der unbedingte Kampf gegen die herrschenden Zustände und die Gefährdung des eigenen Lebens als integer galt. 

    Dagegen fehlte mir ein Gefühl für die Atmosphäre im Warschauer Ghetto, da die Schilderungen des Alltags arg an der Oberfläche blieben. Die junge Mira, die mehr Glück als Verstand hat, konnte mich als Heldin nur bedingt überzeugen, taugt jedoch als Identifikationsfigur für jugendliche Leser*innen.  

  3. Cover des Buches Das Mona-Lisa-Virus (ISBN: 9783785725672)
    Tibor Rode

    Das Mona-Lisa-Virus

     (158)
    Aktuelle Rezension von: MartinMeyer

    Die Romanidee mutet an wie ein Vabanque-Spiel: Achtmal blind im Lexikon getippt und die hierbei ertippten Stichwörter zu einem Thriller-Plot entwickelt: Mona Lisa, Ästhetik, Boston, Honigbiene, Virus, Warschau, Goldener Schnitt, Brasilien.
    Diese scheinbar inkommensurablen Ingredienzien verwebt der Autor zu einem Thriller der Extraklasse. Knisternde Spannung, bereits von der ersten Seite, souveränes Wissen, Empathie und Witz. Chapeau.

  4. Cover des Buches Der Wald (ISBN: 9783961610525)
    Nell Leyshon

    Der Wald

     (56)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    "»Ein Roman ist ein Buch. Eine Geschichte über erfundene Dinge.«

    »Also lauter Lügen?«

    Sie lächelt. »Nein. Lauter Geschichten. Geschichten sind wichtig. Mit ihrer Hilfe versuchen die Menschen zu verstehen, warum es die Welt gibt, und warum es uns gibt.«" - Nell Leyshon, "Der Wald"


    Pawel lebt mit seiner Mutter Zofia und der Familie in einem Stadthaus in Warschau. Seine frühe Kindheit ist wohlbehütet, seine Familie ist wohlhabend und sie leben ein gutes Leben - bis der 2. Weltkrieg über sie hereinbricht. Von nun an sind sie in Gefahr. Als Pawels Vater Karol eines Tages einen verwundeten englischen Soldaten mit nach Hause bringt, um ihn von der Großmutter verarzten zu lassen, gerät alles aus den Fugen und Zofia muss mit Pawel in den Wald abseits der Zivilisation flüchten...


    "Der Wald" von Nell Leyshon ist Vieles: eine Erzählung über den zweiten Weltkrieg, eine Familiengeschichte, eine Natur-Beschreibung, eine Reflexion über das Mutter- und Frau-Sein,  eine Erzählung von schleichender Toleranz und ein Bericht über das Erwachsen-Werden. Genau diese Vielfalt hat den Roman für mich zu etwas Besonderem gemacht. Ich fand es sehr fesselnd, mich durch das Innenleben von Pawel und Zofia zu bewegen, ihre widerstreitenden Gefühle füreinander zu beobachten und nachzuvollziehen und sie durch Warschau, die Scheune im Wald und London beziehungsweise Glastonbury zu begleiten.


    Nell Leyshons Art, zu erzählen, beschwört die buntesten und ausgefallensten Bilder vor dem inneren Auge. Sie versteht es, mit Worten zu spielen und so bei den Lesenden verschiedenste Gefühle hervorzurufen - viel Traurigkeit und Leid, aber auch Freude und Wärme. Ich mochte tatsächlich jeden Schauplatz des Romans und fand die Geschichte auf allen Seiten fesselnd. Es ist immer wieder bemerkenswert für mich, wenn so ruhige Bücher dann doch mit dieser krassen Wucht daher kommen.


    "Der Wald" ist ein Roman - eine Sammlung von Geschichten, um es mit den Worten von Pawels Großmutter zu sagen - der wirklich lesenswert ist: still und doch gewaltig, facettenreich aber trotzdem nicht überladen und sprachlich so herausragend, dass man ihn gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Große Empfehlung!

  5. Cover des Buches Libellenjahre (ISBN: 9782496701500)
    Izabelle Jardin

    Libellenjahre

     (63)
    Aktuelle Rezension von: Gartenfee-Berlin

    Nachdem der Anfang ein wenig schleppend zu hören war, habe ich mich dann doch gut in die Geschichte eingefunden. Das Leben der Constanze von Wartenberg in Königsberg und Danzig wurde sehr schön und bildhaft geschildert. Die Charaktere fand ich ebenfalls sehr gut beschrieben, so dass es mir eine Freude war, ihren Entwicklungen zu lauschen bis der Krieg kam. Aber auch ab da war die Geschichte geprägt von gut recherchierten Geschehnissen ohne Übertreibungen oder unnützen Informationen. Leider endete das Hörbuch mit einem Cliffhanger, so dass ich möglichst schnell den Nachfolgeband hören möchte.

  6. Cover des Buches 28 Tage lang (ISBN: 9783839813065)
    David Safier

    28 Tage lang

     (61)
    Aktuelle Rezension von: Mira123

    Für dieses Hörbuch habe ich fast ein Jahr lang gebraucht. Warum? Nun, weil ich es gemeinsam mit meiner Mutter gehört habe. Und wisst ihr, wie selten es vorkommt, dass wir mal beide gleichzeitig Zeit haben, um ein Hörbuch zu hören UND alleine sind, damit wir keinen anderen Familienmitgliedern auf die Nerven gehen? Nicht wirklich oft. Eigentlich nur, wenn wir mal alleine zu meiner Großmutter fahren.

    Meine Mutter ist Hörbüchern gegenüber eher kritisch eingestellt. In der Kindheit von meinen Geschwistern und mir musste sie sich so vieles anhören, dass sie wahrscheinlich ihr restliches Leben lang an "Ritter Rost" und "Spongebob" denken muss, wenn sie an Hörbücher denkt. Ich konnte sie trotzdem davon überzeugen, sich mit mir "28 Tage lang" anzuhören. Sie kannte das Buch schon und wusste, dass es ihr gefällt, ich kannte nur den Beginn des Buchs.

    Diese Geschichte spielt zur Zeit des Nationalsozialismus. Es geht hier um die Jüdin Mira, die sich als Schmugglerin im Warschauer Ghetto durchschlägt. Sie schmuggelt vor allem auch, um ihre kleine Schwester zu ernähren. Sie hat zwar nicht viele Hoffnungen für die Zukunft, aber wenn jemand dafür sorgen kann, dass ihre Schwester überlebt, dann sie. Immerhin leidet ihre Mutter an schweren Depressionen und ihr Bruder hat sie und die anderen Juden hintergangen indem er sich der Judenpolizei angeschlossen hat. Doch dann erfährt Mira, dass die gesamte Bevölkerung des Ghettos umgebracht werden soll. Was bleibt ihr da anderes übrig, als sich dem Widerstand anzuschließen?

    Mit dem Ghetto in Warschau hat sich David Safier, den ich davor eigentlich nur von humorvollen Büchern kannte, ein sehr schweres Thema ausgesucht. Die Umsetzung ist ihm meiner Meinung nach aber gut gelungen.

    Es fällt mir schwer, Mira als Protagonistin zu bewerten. Ich mochte ihre Gedankenwelt, ihre Geschichten und dass sie immer wieder über philosophische Fragen nachdenkt. Mir gefällt, dass sie bereit ist, alles für ihre Familie zu geben. Was mich ein bisschen gestört hat, war, dass ich oft das Gefühl bekam, dass Miras Handlungen oft nur durch viel Glück gut ausgehen. Sie wirkte auf mich manchmal etwas impulsiv und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das in ihrem Fall für authentisch halte.

    Mein Fazit? Hat sowohl mir als auch meiner Mutter gut gefallen.

  7. Cover des Buches Warschauer Verstrickungen (ISBN: 9783833310102)
    Zygmunt Miloszewski

    Warschauer Verstrickungen

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Anneja

    Mein erster polnischer Krimi und ich bin mehr als überrascht, denn in Polen scheint so einiges anders zu sein als bei uns. Was wir als, fast schon normal, in Krimis bezeichnen würden, gibt es in unserem Nachbarstaat nicht. Sich da rein zu finden erfordert dabei sehr viel Aufmerksamkeit, denn nicht nur die Gepflogenheiten sind gewöhnungsbedürftig sondern auch die Namen, welche für Laien teils unaussprechlich sind. Gelesen wurde er trotzdem und war am Ende doch recht gut.


    Während eines Therapie-Wochenendes wird ein Mann ermordet aufgefunden. Ein Bratspieß wurde ihm direkt ins Auge gerammt. Theodor Szacki, ein Staatsanwalt ,ermittelt. Dabei lernen wir nicht nur etwas über die polnische Kultur sondern auch über eine Therapie kennen, welche sich Familienaufstellung nennt. Die Suche nach dem Täter beginnt und führt Szacki nicht nur zu den Therapieteilnehmern sondern auch in das Netz des polnischen Geheimdienstes. Eine Geschichte voller Emotionen beginnt, in der man niemals weiß wer sein gegenüber wirklich ist.


    Die Geschichte spielt im Jahr 2005 und wir erhalten immer zu Kapitelbeginn, Informationen zum aktuellen Tag. Dies sind die aktuellen Geschehnisse in der Welt, der polnischen Regierung und die derzeitigen Wetterverhältnisse. Wer nicht mit der polnischen Kultur aufgewachsen ist oder sich für jene nicht direkt interessiert, wird allerdings leichte Probleme haben, den Verlauf dieser Neuigkeiten zu verstehen.


    Ich kenne eigentlich nur Kriminalromane in denen die Polizei die Hauptermittlungen durchführt. In Polen übernehmen dies anscheinend die Staatsanwälte, was erst einmal sehr verwirrt. Dazu kommt das Theodor Szacki, ein für mich sehr schwieriger und nicht immer sympatischer Charakter war. Zum einen wirkt er stark, zum anderen einfach nur schwach. Gespräche mit Verdächtigen oder Zeugen, sind für ihn kein Problem, mit seiner Frau zu reden ein Ding des Unmöglichen, dabei ärgert er sich in einem Atemzug über sämtliche Angewohnheiten von ihr. An sich scheint er aber ein sehr emotionaler Mensch zu sein, der über seine Handlungsschritte gut nachdenkt, eine der wenigen Eigenschaften die mir an ihm gefiel.


    Grundsätzlich gibt es keinen Charakter im Buch der auch nur ansatzweise glücklich ist. Jeder ist unzufrieden, rachlüstig oder überfordert. Dies macht das Buch nicht gerade spannender sondern zog es ehr in die Länge. Ich muss leider zu geben, das ich nach einer gewissen Seitenzahl, die Namen nur noch überflog, da es teilweise unmöglich war jene zu lesen oder gar auszusprechen. Dies machte es dann auch schwierig der Geschichte zu folgen, da einen Namen genannt werde, die man auch nach 200 gelesenen Seiten nicht zu ordnen konnte.


    Der Schreibstil war sehr angenehm und machte Spaß zu lesen. Leider fehlte es dem Buch hin und wieder an Spannung, was ich den vielen Nebengeschichten zusprechen würde. Der Fall bricht immer aus dem rotem Faden aus und verwirrt dadurch meist. 


    Die Nebengeschichten waren einfach zu massig. Egal ob die Therapie, sein Familienleben + Probleme oder der polnische Geheimdienst, etwas weniger hätte dem Buch gut getan, so wirkte es überfüllt.


    Etwas, was mich zudem sehr irritierte, war der Umgang mit der Währung Zloty. Im Buch erfährt man immer wieder das Szacki und seine Frau zwar Staatsbedienstete sind, aber dafür nicht gerade gut bezahlt werden. Immer wieder liest man das nicht genug Geld übrig bleibt um mal Essen zu gehen oder ähnliches. Immer wieder fragte ich mich dann wie der Protagonist einen Einkaufskorb mit 2 Zloty Inhalt einfach stehen lassen konnte oder einer Fremden einfach mal 10 Zloty gibt. Ich kenne mich mit der Währung nicht aus und entnahm die Informationen, die das Buch mir gab, wunderte mich aber doch.


    An sich war das Buch interessant, da es einfach mal anders war, als das was ich bisher kannte. Leider sagten mir weder der Protagonist, noch sein Umfeld wirklich zu. Mehr über diese Art der Therapie zu erfahren, weckte mein Interesse wurde aber durch den Umstand, das der polnische Geheimdienst mit ins Spiel kam, sehr in den Hintergrund geschoben. Dieser war für mich einfach zuviel, für eine Geschichte.


    Traut euch ruhig mal an dieses Buch und bildet euch eure eigene Meinung, auch zum Land selbst. 
  8. Cover des Buches Adams Erbe (ISBN: 9783257242218)
    Astrid Rosenfeld

    Adams Erbe

     (228)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Man mag daran zweifeln, ob es eine relativ junge Autorin vermag, das schwerwiegende Thema der Judenverfolgung angemessen zu erzählen und man staunt darüber, wie gut ihr das gelingt.

    Das Buch fängt äusserst amüsant und humorvoll an, wird dann etwas exaltiert und verschroben und endet zum Schluss sehr traurig und bitter. Drei Kapitel unterteilen den Roman in Gegenwart und Vergangenheit. Der junge Edward Cohen, der mit seiner Mutter und Grossmutter in einem Haushalt lebt, wird immer wieder auf die Ähnlichkeit mit seinem Onkel, welchen er selber nie gekannt hat, angesprochen. Erzählt wird das schrullige Zusammenleben der drei. Man fragt sich als Leser nach bald 100 Seiten, was es mit dieser Ähnlichkeit auf sich hat.

    Das zweite und längere Kapitel des Buches handelt dann von eben diesem Adam, dessen Suche nach seiner grossen Jugendliebe ihn ins Warschauer Ghetto führt und im drittel Teil eine geschickte Verknüpfung zum Anfang nimmt.

    Es handelt sich um einen sehr authentischen Bericht über ein Stück deutsch/polnische Vergangenheit, die sehr spannend erzählt wird und den Leser nachdenklich zurücklässt.

  9. Cover des Buches Mein Leben (ISBN: 9783570551868)
    Marcel Reich-Ranicki

    Mein Leben

     (243)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Belka

    Der Meister der Literaturkritik!
    Dieses Buch nehme ich gerne an!!!

  10. Cover des Buches Jakobs Mantel (ISBN: 9783426304426)
    Eva Weaver

    Jakobs Mantel

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Sahnchen

    Das ist eins meiner Lieblingsbücher. Super geschrieben. Kann ich nur empfehlen. 

  11. Cover des Buches Die Frau des Zoodirektors (ISBN: 9783453270824)
    Diane Ackerman

    Die Frau des Zoodirektors

     (29)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Diane Ackerman hat unter anderem auf Grundlage der Tagebücher von Antonina Zabinski ein Buch erschaffen, das mich beeindruckt hat.

    Es beleuchtet die Einzelschicksale während des Zweiten Weltkriegs in Warschau, insbesondere im dortigen Zoo. Zunächst geht es um die Zootiere und um das Leben des Zoodirektors und dessen Familie. Schließlich spitzt sich die Situation zu, als die Nazis in Warschau einmarschieren und den Zoo zunächst für ihre Zwecke nutzen. Sie züchten ausgestorbene Tierarten zurück. Als sie später keine Verwendung mehr für den Zoo haben, nutzen Jan und Antonina dies, um Juden in den leeren Gehegen zu verstecken. Somit retten sie über 300 Juden das Leben. 

    Ich hatte mir zuvor wenig Gedanken gemacht, was ein Krieg für Tiere bedeutet. Dies wird in diesem Buch ebenso aufgezeigt wie die Schicksale der Menschen, die von Jan und Antonina gerettet werden sowie das Leben von Jan und Antonina selbst.

    Am Ende des Buches finden sich die Quellenangaben sowie ein Bildteil, der die Geschichte noch einmal veranschaulicht hat.

    Mich hat der Mut von Antonina und deren Mann beeindruckt, wie sie der Gefahr zum Trotz eine Art Untergrundorganisation erschaffen und damit Hunderten Menschen das Leben gerettet haben.
  12. Cover des Buches Aron und der König der Kinder (ISBN: 9783406689598)
    Jim Shepard

    Aron und der König der Kinder

     (19)
    Aktuelle Rezension von: czytelniczka73

    "Angenommen diejenigen von uns,die hier waren,begegnen sich später wieder"sagte er schließlich zu ihr "wie können wir dann einander in die Augen sehen,ohne zu fragen:Wie kommt es,dass ausgerechnet du überlebt hast?" (Seite 226)


    Inhalt:

    "Aron, ein kleiner polnisch-jüdischer Junge, ist in seiner nicht gerade kleinen, armen Familie so etwas wie eine Katastrophe auf zwei Beinen. Nichts will ihm so recht glücken und alles macht er kaputt. Doch halb Tom Sawyer, halb Simplicius – er ist ein guter Kerl. Aron hat leider keine Zeit, ein vernünftiger Erwachsener zu werden. Denn seine Familie zieht nach Warschau, die Deutschen überfallen Polen und die Juden werden ins Ghetto gepfercht. Er freundet sich mit einer Gruppe Jugendlicher an, die für sich und ihre Familien ums Überleben kämpfen, arbeiten, schmuggeln und stehlen und sich immer fragen müssen, wieviel Freundschaft und Liebe sie sich noch leisten können. Verrat und Tod lauern jederzeit. Als der König der Kinder, der berühmte Arzt und Pädagoge Janusz Korczak, Aron in sein Waisenhaus aufnimmt, beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft, die den Jungen verändert und beide über sich hinauswachsen lässt."


    Meinung:

    "Als ein paar Kinder ihrem Unmut Luft machten,erklärte er,dass er uns dies sage,weil er sein Leben lang Achtung für das Kind gefordet habe und es jetzt an der Zeit sei,seine Predigten in die Praxis umzusetzen" (Seite 254)

    Janusz Korczak war ohne Zweifeln ein Mann,der das,was er "gepredigt"  auch gelebt hat.Sein ganzes Leben hat er den Kindern gewidmet,vorallem denen,die am meisten Hilfe und Unterstüzung gebraucht haben,den Weisen.Daher ist es sehr passend (und fast schon genial) eine Geschichte in der Korczak wichtige Role spielt aus Kindersicht zu erzählen.Auch wenn der Erzähler Aron noch zu klein ist um richtig zu begreifen was um ihn herum passiert,ist sein Bericht aus  dem Warschauer Ghetto genauso erschüternd und bewegend wie alle andere,die ich gelesen habe.Und auch wenn schon unzählige Bücher zu dem Thema gibt,jedes davon finde ich wichtig,weil wir einfach nie vergessen durfen was damals passiert ist.Jedes mal,wenn ich etwas zu Nationalsozialismus lese bin ich aufs neue  schockiert und kann einfach nich begreifen,dass Menschen zu solchen Untaten fähig waren (oder immer noch sind).Um so wichtiger ist es auch an die Menschen zu erinnern,die trotz der Umstände die Menschlichkeit bewahrt haben.Das Bild von Korczak fand ich sehr berühren und authentisch.Er ist kein Superheld,auch er verliert langsam die Hoffnung und fühlt sich machtlos,aber er macht weiter ( auch wenn es nur betteln für die Kinder ist),weil aufgeben einfach keine Option ist.

    Ja,ich finde solche Zeitgeschichten sehr wichtig und lesenswert.Diese hier ist auch ziemlich gut gelungen mit einem ungewöhnlichen Erzähler und einem wahren Helden.Das einzige Kritikpunkt-der Schreibstil.Anfangs hat mich sehr gestört wie holprig und sprunghaft die Geschichte erzählt wird (was vielleicht auch daran liegt,dass ein Kind der Erzähler ist?)Man kann sich aber dran gewöhnen und je interessanter die Geschichte wurde,desto weniger hat es mich gestört.Zum Schluß war mir der Schreibstil und Sprache auch egal,mit Tränen in den Augen achte ich nicht mehr auf Details.


    Fazit:

    Sehr lesenswert!

  13. Cover des Buches Wann wird diese Hölle enden? (ISBN: 9783280057131)
    Mary Berg

    Wann wird diese Hölle enden?

     (54)
    Aktuelle Rezension von: aminimiii

    Die fünfzehnjährige Mary berichtet in ihrem Tagebuch über ihr Leben im Warschauer Ghetto. Sie wird schließlich, da ihre Mutter amerikanische Staatsbürgerin ist, interniert und kann ausreisen.

    Die Tagebuchform erinnerte mich direkt an das Tagebuch der Anne Frank. Ich wundere mich, dass dieses Buch erst 2019 auf deutsch verlegt wurde. Warum?

    Das Buch ist inhaltlich brandinteressant, es ist ein grosses Glück, das diese Informationen aus erster Hand nicht verloren gegangen sind. Ich finde sowohl die Alltagsbeschreibungen wervoll, als auch die Schilderungen der Grausamkeiten der Deutschen. Das Buch bringt den Leser ganz nah heran an das Leben im Warschauer Ghetto, und auch wenn von Anfang an bekannt ist, dass Mary überlebt, so wird doch die Ungewissheit jedes Tages deutlich, weil es ein Tagebuch ist.

    Am Schreibstil gäbe es sowieso nichts zu meckern, da die Brisanz des Inhalts die Wichtigkeit dessen meiner Meinung nach übertrifft. Aber ich finde, es ist gut und flüssig geschrieben, sehr leicht zu lesen.

  14. Cover des Buches Der Pianist (ISBN: 9783548364674)
    Wladyslaw Szpilman

    Der Pianist

     (95)
    Aktuelle Rezension von: UteSeiberth
    Der jüdische Pianist  die Geschichte Szpilman erzählt ohne Anklage die Geschichte seines unerwarteten Überlebens während des Krieges 1940 .Er soll mit seiner Familie zum Abtransport in ein Vernichtungslager bereitgestellt werden und es gelingt ihm zu entkommen.Er schildert die verschiedenen Orte,wo er sich verstecken musste.Eines Tages trifft er einen Wehrmachtsoffizier,
    der ihm,statt ihn zu töten,hilft das Getto zu überleben.
    Das sind wirklich beachtliche Erinnerungen an ein Überleben
    in sehr schwierigen Zeiten., es lohnt sich sehr sie zu lesen!
  15. Cover des Buches Lauf, Junge, lauf (ISBN: 9783407741073)
    Uri Orlev

    Lauf, Junge, lauf

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Der achtjährige Jude Srulik lebt um das Jahr 1942 im Warschauer Ghetto. Nachdem er seine Mutter verloren hat, ist er ganz allein auf sich gestellt und muss sich durchs Leben schlagen. Die Flucht gelingt ihm knapp, doch damit ist er nicht gerettet. Es beginnt eine Expedition ins Ungewisse, eine Flucht ohne Ziel. Wie soll sich ein Kind allein durchschlagen? Mit anderen jüdischen Kindern, bei Bauern, in Wäldern und selbst bei einem deutschen Soldaten findet er Rückhalt. Sie riskieren alles, um dem kleinen Waisen, der ein Jude sein könnte, zu helfen. Viele hingegen andere  verraten und misshandeln ihn. Kann er jemandem vertrauen und wenn ja, wem? Hunger, Einsamkeit und die kalten Winter bringen ihn immer wieder dazu, sich aus dem geschützten Wald in Richtung Zivilisation zu bewegen. Er lernt seine Herkunft zu verleugnen, um sich und seine Unterstützer nicht in Gefahr zu bringen. Aus dem Juden Srulik wird der Katholik Jurek. Doch auch auf diesen warten harte Schicksalsschläge - trotzdem übersteht er die Zeit.

    Mich fesselte das Buch, das auf der Lebensgeschichte von Yoram Friedman basiert, von Beginn an.  Tatsachenberichte aus der Zeit sind an sich schon sehr bewegend, doch das Schicksal eines Kindes zu verfolgen ist zuweilen sehr hart. Ganz auf sich allein gestellt, ohne eine Vorstellung, wie er in den polnischen Wäldern überleben soll, oft verraten und verkauft und nicht wissend, was mit seiner Familie geschehen ist, schlägt sich der Junge durch. Besonders traurig machte mich, dass der Junge so sehr seine Identität leugnen musste, dass er selbst irgendwann vergaß, wie er ursprünglich hieß. Bei der Lektüre wütend wurde ich, als sich der Junge bei der Arbeit verletzte. Durch eine Operation hätte seine rechte Hand gerettet werden können, doch der Arzt weigerte sich den Juden zu operieren. Am Folgetag musste der Arm über dem Ellbogen abgenommen werden. Doch neben abscheulichen Gräueltaten und menschlicher Härte gibt es auch Lichtblicke. Hilfsbereite Menschen, die ihr Leben riskieren, um dem Jungen zu helfen. Besonders bewegte hier der deutsche Soldat Werner, der den Jungen nicht auslieferte, sondern in einem Schutzbunker versteckte und sich um ihn sorgte, bis er abgezogen wurde. Srulik / Jurek überrascht durch unheimliches Geschick, Auffassungsgabe und Gespür für Menschen - sonst hätte er keine Überlebenschance gehabt. Neben der Emotionalität steckt auch viel Spannung in dem Jugendbuch, da man unbedingt erfahren möchte, die es dem Jungen ergeht.

    Ein emotional aufwühlendes Buch,  dass auch meinen 10-jährigen Sohn begeisterte. Es ist jedoch kein Kinderbuch! Viele Szenen müssen mit dem Kind besprochen werden, doch auch das ändert nichts an der harten Realität. Empfehlen würde ich es jedem vom Jugendalter ab.

  16. Cover des Buches Die Geisterseher (ISBN: 9783746633183)
    Kai Meyer

    Die Geisterseher

     (91)
    Aktuelle Rezension von: SaniHachidori

    INHALT:

    Dieses Buch von Kai Meyer entführt uns in das Weimar des frühen 19. Jahrhunderts.
    Er schickt die Gebrüder Grimm auf eine undurchsichtige Reise. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm treffen dabei auf viele bekannte Persönlichkeiten dieser Zeit.
    Die Geschichte beginnt und sie finden sich zu Gast beim großen Geheimrat Goethe wieder. In seinem Auftrag suchen sie den schwer erkrankten Schiller und dessen Frau auf. Sie liefern eine Medizin zu dem im Sterben liegenden Dichter. Gleichzeitig sollen sie sein letztes Manuskript abholen und anschließend Goethe übergeben.
    Auf dem Rückweg werden sie jedoch von einer dunklen Gestalt überfallen, das Manuskript kommt abhanden und sie setzen nun alles daran, es wiederzufinden.

    Aufgrund des Klappentextes könnte der Leser meinen, dass die Suche nach dem Manuskript zum zentralen Element wird, jedoch ist dem nicht im Geringsten so. Das Manuskript taucht bald wieder auf und mit ihm jede Menge Fragen und eine große Verschwörung darum. Auf einmal sehen sich die Gebrüder Grimm mit verschiedensten Parteien konfrontiert, die es auf das Manuskript abgesehen haben.
    Goethe und die ägyptische Geheimloge kämpfen genau so um dessen Besitz wie eine mysteriöse Gräfin und die Nachfahrin der Gräfin Cosel.
    Das Manuskript soll nach Warschau in Sicherheit gebracht werden, doch dort geht ein Mörder um, der nur "Der Sandmann" genannt wird. Außerdem verliebt sich Wilhelm Hals über Kopf in eine Reisegefährtin die für Jacob hexerische Fähigkeiten besitzt.
    Und auf einmal steht nicht nur das Manuskript im Fokus, sondern auch die Brüder - die sich immer mehr gegeneinander wenden.

    SCHREIBSTIL:

    Die Geschehnisse werden von Wilhelm Grimm selbst erzählt. Während dieser eher emotional getrieben und ungestüm ist, stellt sein Bruder Jacob die schiere Vernunft und das rationale Handeln dar. Klar, dass es zwischen diesen beiden Charakteren krachen muss. So werden immer wieder kleine Streitereien zwischen den Brüdern eingebaut, was ich teilweise anstrengend, aber auch authentisch fand.
    Die vielen bekannten Persönlichkeiten, wie Goethe, Schiller oder auch E.T.A. Hoffmann wurden meiner Meinung nach etwas inflationär eingebaut. Da es sehr viele solcher Charaktere gab, fand ich es leider etwas unglaubhaft, dass die Gebrüder Grimm ihnen tatsächlich allen begegnet sein könnten - geschweige denn, dass diese Persönlichkeiten alle dermaßen in ein mysteriöses Komplott verstrickt sein könnten.
    Der Sprachstil an sich hat mir sehr gut gefallen, da Wilhelm sich eines Ausdrucks bedient, der für die damalige Zeit typisch ist. Leider konnte das für mich nicht über die Schwächen der Handlung hinwegtrösten, denn so richtig gepackt hat mich das Buch leider bis zum Ende hin nicht.
    Trotz allem fand ich den historischen Rahmen sehr interessant, denn der Leser lernt auch einiges über die Städte oder Umgebungen, in denen die Gebrüder unterwegs sind. Auch in der Danksagung ist erkenntlich, dass Kai Meyer sehr viel Recherche betrieben hat, um diesen Rahmen der Geschichte zu schaffen.

    FAZIT:

    Die Idee des Buches hat mich direkt zum Lesen animiert, da ich die Märchen der Gebrüder Grimm sammle und mich dafür interessiere. Aus ihrer Sicht ein Abenteuer zu erleben, klang zunächst nach einem spannenden Einfall. Leider ruckelte es für mich in der Umsetzung. Die Handlung war undurchsichtig und für lange Zeit war kein übergeordnetes Ziel erkennbar, sodass der Leser keine Ahnung erhält, wo die Geschichte hinführen soll. Die Aufgaben, die von den beiden Brüdern erledigt werden sollen, finden schnell ihre Lösung, sodass ich mich beim Lesen öfter fragte: "Und was soll jetzt noch kommen?". Nicht unbedingt erleichtert wird dieser Umstand durch die vielen Charaktere, die mal mehr, mal weniger Bewandtnis haben und teilweise sehr blass bleiben. Es fehlte mir an Struktur, es wurden so viele Elemente gemischt, dass mich beim Lesen oft der Eindruck überkam, den Überblick und letzendlich den Überblick zu verlieren. Punktuell war die Handlung immer wieder mal spannend, danach aber auch immer wieder mal recht zäh. Die Atmosphäre war durch einige unheimliche Momente recht düster, aber nicht angsteinflößend. Am Ende spannt sich zwar ein kleiner Bogen, aber die Auflösung bleibt unspektakulär und lässt Fragen offen, weshalb ich doch etwas enttäuscht zurückblieb.
    Sprachlich wunderbar, aber zusammenhangslos und zerstückelt in der Handlung. Sehr viele, teils blasse Charaktere und zu viele gemixte Elemente wie bekannte Persönlichkeiten und Geheimlogen lassen schnell den Überblick verlieren. Das Potenzial wurde für mich nicht ausgenutzt. Eines der schwächeren Bücher von Kai Meyer für mich.

  17. Cover des Buches Jakob der Lügner (ISBN: 9783518468098)
    Jurek Becker

    Jakob der Lügner

     (300)
    Aktuelle Rezension von: valyien

    Inhalt:

    Die Rote Armee ist nur noch wenige hundert Kilometer entfernt, das hat Jakob Heym zufällig erfahren. Und er erzählt es den anderen, die mit ihm eingeschlossen sind im Ghetto einer polnischen Stadt und schon fast alle Hoffnung verloren haben. Und damit die anderen ihm auch glauben, behauptet Jakob, er habe ein Radio. Nun kommen alle zu ihm, um nach Neuigkeiten zu fragen, die Mut machen, weiter auszuhalten in einer Welt, in der die Deutschen die Vernichtung der Juden betreiben. So wird aus ihm Jakob der Lügner; er lügt, um den Menschen wieder Hoffnung zu geben und damit die Kraft zu widerstehen.

    Meinung:

    Am Anfang ist das Buch ein bisschen verwirrend. Der Einstieg passt einfach irgendwie nicht zum Rest des Buches und ich hatte Mühe den Ich-Erzähler zu entziffern, sofern ich erst gegen Mitte gemerkt habe, dass es einen Ich-Erzähler gibt und es kein Auktorialer-Erzähler ist. Es gibt keine grosse Spannung, jedoch wird es gegen Ende richtig gut. Das Thema ob lügen okay ist und ob es gutes und schlechtes lügen gibt ist unglaublich interessant – Es bringt einem ein wenig ins grübeln. 

  18. Cover des Buches Der Engel von Warschau (ISBN: 9783492062152)
    Lea Kampe

    Der Engel von Warschau

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    „Ihr müsst jetzt stark sein. Nein, stärker, Wir alle müssen so viel stärker sein als die da draußen … Dann werden wir das hier vielleicht überleben.“

     Mit diesen und ähnlichen Sätzen versucht Irena Sendler der immer größer werdenden Zahl von Armen in der polnischen Stadt Warschau Unterstützung zu bieten. Irena ist Mitarbeiterin des Sozialamtes und ist es gewöhnt, um Hilfe zu betteln, egal bei wem. Daher hat sie ein dicht gewebtes Netzwerk, das sie nun, da die Deutschen die Stadt besetzen und alle Juden in ein Getto sperren, vortrefflich nützen kann. 

    Als Schlüsselerlebnis gilt, der Schmuggel eines kleinen jüdischen Mädchens aus dem Getto, das sie bei einer polnischen Familie unterbringt. Daraus entwickelt sich eine groß angelegte Rettungsaktion für zahlreiche Kinder. Babys und Kleinkinder lassen sich relativ leicht aus dem Getto schmuggeln und mit gefälschten Dokumenten versorgt. Um die Tarnung nicht auffliegen zu lassen, werden die Kinder oft getauft, was deren Eltern in Gewissenskonflikte bringt. Irena versteht dies und führt eine geheime Liste auf der die wahre Identität und der Tarnname aufgezeichnet sind.  

    Irena arbeitet rund um die Uhr und muss noch um das Leben ihrer großen Liebe Adam bangen, denn Adam ist Jude. Mehr als einmal steht das Unternehmen auf der Kippe und droht aufzufliegen. Als sie 1943 von den Deutschen verhaftet und zum Tod verurteilt wird, gelingt es anderen Untergrundaktivisten, sie freizukaufen. Dann muss sie untertauchen und kann nicht einmal dem Begräbnis ihrer Mutter beiwohnen.  

    Meine Meinung: 

    Dieser historische Roman beruht auf wahren Begebenheiten und ist Teil der Reihe „starke Frauen der Geschichte“ aus dem Verlag Piper. Irena Sendler (1910-2008) hat tatsächlich wie beschrieben rund 2.500 jüdischen Kindern das Leben gerettet. Sie wird 1965 als „Gerechte unter den Völkern“ von Yad Vashem gewürdigt. 

    Irena Sendler wird häufig mit Oskar Schindler verglichen. Doch ich sehe hier gravierende Unterschiede. Während Schindler vermögend ist und durchaus vom NS-Regime profitiert, hilft Sendler selbstlos. Ohne die zahlreichen kleinen und größeren Hilfestellungen anderer wäre es Irena Sendler nicht gelungen, so viele Kinder zu retten. Das kommt in diesem Roman auch deutlich zur Sprache. Der Fokus liegt auf der Rettung der Kinder, obwohl Irena hier die treibende Kraft ist. So gibt es auch den einen oder anderen deutschen Soldaten, der davon überzeugt ist, Unrecht zu begehen und deshalb dezent wegsieht. Leider waren es viel zu wenige. 

    Fazit: 

    Für mich der bislang beste Roman aus der Reihe „Starke Frauen der Geschichte“. Gerne gebe ich hier 5 Sterne. 

     

  19. Cover des Buches Ein Stück Himmel (ISBN: 9783423626422)
    Janina David

    Ein Stück Himmel

     (47)
    Aktuelle Rezension von: HannaSkya
    Die drei Bücher von Janina David erzählen das Leben der Autorin in den Kriegsjahren und den Jahren danach. Man begleitet Janina durch ihre letzten Jahre der Kindheit und ihren Jugendjahren.

    Selten habe ich ein Buch aus dem 2. WK gelesen, das mich mit solch einer Wucht gefesselt und gerührt hat. Mit einer wundervoll poetischen Sprache begleitet der Leser das jüdische Mädchen  Janie David und erfährt dabei alles aus ihrer Sicht. So wird man tief in ihre Gedanken und Gefühle hineingesogen und kann gar nicht anders, als mit ihr mitzufühlen und mitzufiebern. 
    Man bekommt ein gutes Bild des Lebens der Juden zu der Zeit in Polen, wie sie behandelt wurden und wie der Antisemitismus stärker und ausgeprägter wurde, und wie es die Gefühle und Gedanken von Janina beeinflusst hat.

    Die Tatsache, dass es eine autobiographische Erzählung ist, gibt dem Buch einen unglaublich hohen Wert.


  20. Cover des Buches Morphin (ISBN: 9783499238253)
    Szczepan Twardoch

    Morphin

     (11)
    Aktuelle Rezension von: TinaGer

    Szcezepan Twardoch ist der neue Star am polnischen Literaturhimmel. Auch mir hat sein ‚Morphin’ den Atem geraubt. Ein schier unbeschreibliches Lesevergnügen. Formal vollkommen überirdisch, denn neben dem erzählenden Konstanty Willemann setzt Twardoch eine körperlose zweite Erzählinstanz, die Willemann liebt und liebkost, wie er es selbst nicht vermag. Diese Stimme kann reisen und mäandern, sie nimmt vorweg und verwirrt, sie schwankt hin und her durch die Irren und Wirren Warschaus 1939. Da ist die einst blühende Stadt plötzlich von den Deutschen besetzt und alle Freiheit erstickt. Sie ist gefangen zwischen dem verwundeten Stadtbild und den ehemals rauschenden Festen aus denen Konstanty, der Dandy, Bonvivant und Morphinist, sich nicht lösen mag. Wer ist er denn, das schöne Leben aufzugeben? Ist er nicht stolzer Pole oder doch - wie einst der Vater - Deutscher oder ganz wer anderes? Also schließt er sich dem Widerstand an und geht in den Untergrund. Eine Prüfung und auch eine Chance. Twardoch sucht und findet, er verliert seinen Protagonisten und fängt ihn wieder ein. Und das alles in dieser expressionistischen, fetten, gewinnenden Sprache, in diesen leuchtenden Bildern, die trotz Krieg und Kälte, trotz Verwüstung und Verrohung zu fesseln wissen.

    Unbedingte Empfehlung und bisher unerreichtes Highlight des Jahres!

  21. Cover des Buches Der Junge im Schrank (ISBN: 9783442741755)
    Senek Rosenblum

    Der Junge im Schrank

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Yvo3
    Der Junge im Schrank ist ein Roman nach wahrer Begebenheit. Senek Rosenblum erzählt, wie er in Polen als jüdischer kleiner Junge den Krieg überlebt hat. Er berichtet von der Flucht aus dem Ghetto sowie von Verstecken bei meheren Familien. Unter anderem musste er sich bei einer Familie in einem Kleiderschrank verstecken.

    Die Geschichte geht einem unter die Haut und berührt tief. Schrecklich, wie ihm die Kindheit gestohlen wurde und welche Ängste er ausgesetzt wurde. Ein ständiger Begleiter ist der Hunger und das beschaffen von Essen. Senek wird durch die Not immer einfallsreicher und skrupelloser. 

    Der Schreibstil ist sehr flüssig und anschaulich. Seine Gefühle und Ängste kommen authentisch rüber. Auch schildert er immer mal wieder, wie einzelne Situationen sein weiteres Leben geprägt haben.
    Ich hätte mir aber gewünscht, mehr zu erfahren, wie es ihm nach dem Krieg ergangen ist. Das wird nur kurz angeschnitten.
    Ansonsten ein bewegender Zeitzeugenbericht.
  22. Cover des Buches Asche fällt wie Schnee (ISBN: 9783791519647)
    Jerry Spinelli

    Asche fällt wie Schnee

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Sonntagsschreiber

     

    „Jetzt wo ich eine eigene Armbinde hatte, dachte ich: Ich bin eine Jude. Ein schmutziger Sohn Abrahams. Sie schreien mich an. Ich bin jemand.“ (Seite 112)

    Das Buch „Asche fällt wie Schnee“ spielt während des Nationalsozialismus und wird von diesen stark beeinflusst.

     Mischa weiß Garnichts mehr, weder wie seine Eltern heißen noch ob er Jude ist oder Polnischer Abstammung ist. Er wird bei einen Taschendiebstahl erwischt, aber nicht von der Polizei, sondern von jemand der es auf dasselbe Brot abgesehen hatte wie er. So gelangt er zu einer jüdischen Gruppe die sich mit Taschendiebstahl über Wasser halten. Sie geben ihm nicht nur einen Namen, sondern vielmehr geben sie ihn eine Familie oder zu mindestens eine Unterkunft. Am Anfang, ist Essen für die Jungen im Überfluss vorhanden und überall laufen Personen mit Brottüten durch die Straßen. Es kann sich sogar jeder leisten einen besonderen Essens Wunsch zu haben. So hat Mischa eine Vorliebe für Nougatpralinen mit einen Haselnusskern und Uri sein bester Freund für eingelegte Gurken. Doch es wird zunehmend schwieriger Essen zu stehlen, besonders nachdem die Deutschen einmarschiert sind. Anhand solcher erstmal banal klingenden Sätzen wird die Geschichte dahinter deutlich, der Krieg macht sich erst langsam bemerkbar, bis keiner mehr Brot hat und es entsprechend weniger überhaupt noch zu klauen gibt

     Er lebt von seinen schnellen Beinen und Händen. Sie werden für ihn das wichtigste denn alles was irgendwie ansprechend aussieht, als könne man es gebrauchen oder gut schmecken ist nicht mehr vor ihm sicher. Auch ist das der kleine Körperbau über, die die Anderen nur Spotten, eher ein Vorteil als ein Nachteil. Durch Zufall lernt er Janina kennen, ein jüdisches Mädchen, das mit ihrer Familie unter ganz anderen Umständen lebt als Mischa, denn sie haben keine Möglichkeit an Essen heranzukommen oder zumindest nur schwierig. Als die Deutschen schließlich in Warschau einmarschieren wird es immer schwieriger zu klauen und die Angriffe der hier im Buch genannten „Knobelbecher“ werden immer schlimmer. Mischa bringt nun auch der Familie vom Janina Essen, bis sie ins Ghetto müssen. Mischa und die anderen Jungen müssen am Anfang nicht ins Ghetto, da sie sich nicht als Juden zu erkennen geben. Doch sie werden Entdeckt und so bleibt ihn nichts anderes übrig, als mit den anderen ins Ghetto zu gehen.

    Von nun schmuggelt er Essen ins Ghetto, durch eine kleine Mauernische hindurch gelangt in die Stadt und bringt von dort immer Essen mit. Er Kommt der Familie von Janina näher sodass er ein weiteres Mal Adoptiert wird.

     

    Das Buch ist sehr Einfühlsam aus Sicht des kleinen Jungen geschrieben. Dadurch wird die  naive Sichtweise gut hervorgebracht. Besonders tragisch wird es in den Moment, wenn der Leser mehr weiß als die Hauptperson.

    Mischa besucht an einer Stelle den Siegeszug der „Knobelbecher“, als sie in die Stadt einmarschieren. Er Bewundert sie, wie sie im Gleichschritt marschieren und was für tolle Stiefel sie anhätten. In den Moment wünscht sich Mischa, dass er ein Knobelbecher wär. Für den Leser ist dieses verlangen völlig Fremd und für mich jedenfalls abstoßend, aber doch irgendwie verständlich. Denn man kann nicht erwarten, dass der kleine Junge einen Überblick hat, für sie ist das einfach nur toll wie sie da marschieren.

    Ein anderes Beispiel ist: Vor Mischas Augen werden die Schaufenster jüdischer Geschäfte eingeschmissen, als einer der Inhaber auf die Straße geht und sich bemerkbar macht, wird er mit der gelben Farbe angemalt.

    Auch wenn die Hauptfigur an diesen Tag für sich entscheidet ich möchte kein Jude sein, so fände er es lustig mit Farbe überall bemalt zu werden lustig und verurteilt den Angemalten das er kein empfinden könne. Die Erzählweise setzt sich aus einfachen Hauptsätzen zusammen, kombiniert mit schönen Satzgefügen sodass es sich Insgesamt recht gut lesen lässt. Die einfachen Sätze untermalen einmal mehr die Kindliche Sichtweise. Durch Wörter wie „Knobelbecher“  erhält das Buch noch einmal eine Interessante Sichtweise. Denn Natürlich wurden auch damals Spitznamen verwendet, das Buch wirkt durch solche Insgesamt betrachteten Kleinigkeiten viel authentischer und der Leser kann sich gut in die Geschichte einfühlen.

    Insgesamt ist dieses Buch sehr interessant zu lesen da es aus einer ungewöhnlichen Perspektive geschrieben ist. Dieser naive Erzählstil wird sehr gut über das gesamt Buch verfolgt. Hier ist es für den Charakter gar nicht von Nöten, dass er am Ende alles verstanden hat. Es Reicht wenn sich die Hauptfigur selbst einordnen kann. Für mich zeigt das einmal mehr das Jemand der in dieser Zeit gelebt hat, zwar nah am Geschehen ist, aber manchmal genauso weit vom Begreifen entfernt ist wie wir. Weiterempfehlen würde ich dieses Buch an jeden der gerne andere Perspektiven des Schreibstils kennenlernt und Bücher über den Nationalsozialismus liest.

  23. Cover des Buches Der Mann, der Luft zum Frühstück aß (ISBN: 9783552063365)
    Radek Knapp

    Der Mann, der Luft zum Frühstück aß

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Bavaria123
    Walerian, der nach einem Beruhigungsmittel benannt wurde und somit nicht Jan heißt, hat sein erstes Lebensjahrzehnt bei seinen Großeltern im ländlichen Polen verbracht, da seine Mutter gern selbst noch etwas von ihrer Jugend haben wollte. 
    Dann nimmt sie den Jungen aber mit nach Wien, wo er auf sich selbst gestellt ist. Allein in einem fremden Land, mit einer für ihn unverständlichen Sprache und einer fremden Mentalität. 

    Das Cover des Buches ist auf eine Art schlicht, auf der anderen aber durch diese Schlichtheit auch wieder interessant und auffällig. 

    Den Schreibstil des mir bis dahin unbekannten Autors empfinde ich als gelungen. Das Buch kann man flüssig lesen und ist von der Ironie gepaart mit einer Tiefgründigkeit doch beeindruckt. 
    Allein schon der Name des Protagonisten und der Grund warum er in trägt, ist durchaus humorvoll. 
    Aber hinter den Kulissen ist da eben auch der Blick auf die Heimatsuche, auf die Suche nach sich selbst in der Gesellschaft und auf die Suche nach einer emotionalen Bindung. 
    Das erscheint zunächst manchmal erst oberflächlich. Man muss das Geschriebene immer mal wieder auf sich wirken lassen, dann verschwindet das Lustige und kommt das Nachdenkliche mehr zum Vorschein. 

    Der Autor scheint ein Kapitel seines Lebens mit diesem Buch zu beschreiben und nach zu erleben. Für mich ist dabei die große Portion Optimismus doch erstaunlich. 

    Der Schluss hat mir nicht ganz so gefallen. Zumal das Buch mit seinen gut 120 Seiten doch recht kurz ist und man ein etwas ausgefeilteres Ende dann erwartet hätte. 

    Alles in allem aber ein empfehlenswertes Werk, für das aber 16,00 € schon ein stolzer Preis ist.


    Unter meinem Namen Bavaria123 auch auf anderen Seiten veröffentlicht.
  24. Cover des Buches 22 Britannia Road (ISBN: 9783423248976)
    Amanda Hodgkinson

    22 Britannia Road

     (14)
    Aktuelle Rezension von: RosaEmma

    Kein anderes Buch hat mich in letzter Zeit so berührt wie dieses Erstlingswerk der britischen Schriftstellerin Amanda Hodgkinson, denn sie erzählt diese tragische Geschichte mit einer solchen Ausdrucksstärke, dass die Bilder und Szenarien des Romans mir noch lange präsent geblieben sind.

    Die Schrecken des Krieges

    22 Britannia Road spielt im England der Nachkriegszeit 1946 und erzählt die bewegende Geschichte der polnischen Familie Nowak. Silvana, Janusz und ihr achtjähriger Sohn Aurek leben in Warschau, bis 1939 der Krieg ausbricht und die Familie getrennt wird. Als polnischer Soldat kämpft Janusz gegen die Deutschen, während Silvana mit Aurek in Warschau zurückbleibt. Entsetzt und völlig verstört von den grausamen Kriegserlebnissen, flieht Janusz in einem günstigen Moment von der Truppe und kämpft sich schließlich bis Großbritannien durch. Auch Silvana und Aurek müssen aus Warschau fliehen und leben jahrelang untergetaucht in den Wäldern unter menschenunwürdigen Bedingungen.

    Janusz fasst schließlich Fuß in Großbritannien und baut sich ein neues Zuhause in Ipswich auf. Nach intensiver Suche findet er schließlich Frau und Kind wieder und lässt sie per Schiff nach England kommen.

    Entwurzelte Überlebende

    Doch das Zusammenleben gestaltet sich für beide Seiten nach sechsjähriger Trennung viel schwieriger als erwartet. Während sich Janusz an seine neue Heimat fast bis zur Selbstverleugnung angepasst hat, verharren Silvana und der völlig verängstigte Aurek in einer Art Schockstarre und sind viel zu traumatisiert, um sich auf ihre neue Umgebung einzulassen.

    Das Unaussprechliche

    Auch Silvana und Janusz haben sich entfremdet und finden keinen Zugang mehr zueinander. Ihre Sprachlosigkeit bzw. ihre Unfähigkeit, das Erlebte einander mitzuteilen, bringt ihre Beziehung an ihre Grenzen. Doch letztendlich müssen sich Silvana und Janusz den Traumata ihrer Vergangenheit stellen, wenn sie wieder eine Familie werden wollen...

    Einzigartiger Debutroman

    Amanda Hodgkinson ist mit 22 Britannia Road ein außergewöhnlicher Debutroman gelungen. Dieser stille und berührende Roman bringt abschließend noch eine erstaunliche Wendung zutage, die der Leser in keiner Weise voraussehen kann.

    Amanda Hodgkinson: Eine Britin in Südfrankreich

    Die Autorin wurde in Somerset/Großbritannien geboren und wuchs in Suffolk und Essex auf. Sie studierte Creative Writing an der University of East Anglia. Schließlich zog sie dann mit ihrer Familie nach Südfrankreich. Ihr zweiter Roman Spilt Milk ist 2014 erschienen. Sie arbeitet derzeit an einem neuen Buch.

    Weitere Informationen über Amanda Hodgkinson findet ihr auf ihrer Website www.amandahodgkinson.com.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks