Bücher mit dem Tag "wehrmacht"
38 Bücher
- Kristin Hannah
Die Nachtigall
(621)Aktuelle Rezension von: Wafaooo„In Liebe und in Krieg erkennt man den wahren Mut.“
Kristin Hannahs „Die Nachtigall“ erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die während der deutschen Besatzung in Frankreich auf ganz unterschiedliche Weise ums Überleben kämpfen – und dabei zeigen, was es wirklich heißt, mutig zu sein.
Die ältere Schwester Vianne versucht, ihre Tochter und ihr Zuhause zu schützen, während sie sich in einer gefährlichen und bedrückenden Welt zurechtfinden muss. Isabelle, die jüngere, rebellische Schwester, kann nicht schweigen. Sie schließt sich der Résistance an, um aktiv für Frankreichs Freiheit zu kämpfen.
Beide Frauen gehen an ihre Grenzen – körperlich, seelisch, moralisch. Und obwohl sie so unterschiedlich sind, verbindet sie eines: die Liebe, die sie antreibt, und der Wille, trotz allem Mensch zu bleiben.
Hannah beschreibt die Schrecken und Opfer des Krieges detailliert, aber immer verständlich und nahbar. Man spürt die Angst, die Hoffnung, den Mut. Ich habe beim Lesen viel gelernt, geweint und mitgelitten.
Dieses Buch ist tiefgründig, emotional und historisch eindrücklich – eines der Werke, die lange nachhallen. Für mich eines der schönsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. 💔✨
Ich werde auf jeden Fall noch mehr von Kristin Hannah lesen. - Benjamin Monferat
Welt in Flammen
(124)Aktuelle Rezension von: P_GandalfWiedermal eine tolle Idee, wo es bei der Umsetzung hapert.
Im Mai 1940 stehen die Truppen der deutschen Wehrmacht kurz vor Paris und der Simplon Orient Express ist eine der letzten Gelegenheiten Paris vorher zu verlassen. Unterschiedlichste Personen wollen diese Chance nutzen, um sich vor den Schrecken des Krieges aber auch vor der Verfolgung durch die SS in Sicherheit zu bringen. Außerdem an Bord, der Exil-König des fiktiven Balkanreiches Carparthien, der zurück an die Macht möchte.
Die Franzosen möchten gerne den Kurswagen, in dem der Versailler Friede 1918 diktiert wurde, vor Hitlers Zugriff retten und hängen den Wagon kurzfristig an.
Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass viele Reisende nicht das sind, was sie vorgeben zu sein, sondern Agenten im Auftrag der verschiedenen Regierungen sind.
Eigentlich eine Story, die Spannung verspricht - sie aber nicht hält.
Der Roman wechselt in vielen kurzen Kapiteln von einer Person zur anderen. Das führt leider auch zu elendigen vielen Wiederholungen, was mein Lesevergnügen erheblich beeinträchtigt hat. Mit der Zeit werden Handlungsstränge vorhersehbar; einzig der Handlungsstrang um die Fürstin Romanowa hat mich in seiner Absurdität immer wieder überrascht.
Fazit: Tolle Geschichte für Fans des Orient Express - man fühlt sich als Teil dieser Reise (deswegen 3 anstelle von 2 Sternen) - ansonsten aber nicht lesenswert.
- Daniel Speck
Piccola Sicilia
(167)Aktuelle Rezension von: StolliPiccola Sicilia von Daniel Speck ist der direkte Nachfolger von Bella Germania und hat mich erneut mitgerissen, die teilweise sehr bedrückenden Stimmungen, insbesondere in Tunis, waren ganz tief zu spüren.
Die Charaktere waren sehr gut beschrieben, ich konnte mich gut einfühlen. Gerade Yasmina war sehr negativ aber das war wohl so gewollt.
Der Schreibstil wunderbar, ich konnte das Buch oft nicht aus der Hand legen.
Wie in anderen Rezensionen war auch für mich das Ende einfach zu offen aber dies soll ja in Jaffa Road aufgeklärt werden.
- Noa C. Walker
Die Weite des Horizonts
(42)Aktuelle Rezension von: AlHomiEinblicke in den zweiten Weltkrieg bekommt man in der Schule genug, mögen einige denken, aber hier ist die Geschichte lebendig.
Und leider ist das Thema immer wieder aktuell (man sollte meinen, man lernt aus der Vergangenheit).
Wir können alle froh sein, dass wir damals nicht gelebt und diese Zeit erlebt haben!
Wer nicht gerade von sich behauptet er/sie hätte ein Herz aus Stein, wird bei diesem Roman viele Stelle haben, die ihn/sie berühren und tief durchatmen lassen.
Das Ende kam etwas überraschend und ich hätte gerne noch erfahren, ob Fitzi es geschafft hat, dennoch lohnt sich dieses Buch.
Der Klappentext für alle:
Sommer 1942: Gegen ihren Wunsch wird Cara Biber als Wehrmachtshelferin aus dem Schwarzwald in die besetzte Normandie entsandt. Die herrliche Alabasterküste kennt die junge Deutsche von früheren Familienurlauben. Damals war sie in den jungen Nic Poulin verliebt – der inzwischen als Radar-Ingenieur für die Engländer im Einsatz ist. Ziel seiner nächsten gefährlichen Mission ist ausgerechnet der Ort, an dem Cara stationiert ist.
Auch über ihrer Familie im Schwarzwald braut sich Unheil zusammen: Ihr Bruder Alexander wird wegen kritischer Äußerungen von den Nazis inhaftiert, also muss ihre Schwägerin mit den Kindern allein zurechtkommen. Und dann überschlagen sich die Ereignisse … Noch kann niemand sagen, ob sich die Bibers je wiedersehen. Werden Liebe und Hoffnung den Krieg überdauern?
- Daniela Ohms
Winterhonig
(70)Aktuelle Rezension von: BuechervorhersageIn Winterhonig begleiten wir die junge Mathilda in ihrem Leben während des zweiten Weltkriegs auf einem Bauernhof in Westfalen mit neun älteren Geschwistern. Das Leben ist hart und sehr eingeschränkt. Nachdem ein Mann nach dem Anderen als Soldat eingezogen wird, bleiben die Mädchen alleine mit dem Vater zurück und müssen harte Arbeit leisten, um die Familie und den Hof über Wasser zu halten. Mathilda verliebt sich in den älteren Nachbarsjungen Karl, doch ihre Liebe hat kaum eine Chance, da er versucht, seine wahre Identität und wahre Abstammung geheim zu halten. Im Laufe der Zeit nehmen die Krankheiten, Verletzungen und Verluste zu, außerdem werden die psychischen Belastungen sichtbar. Doch neben all dem Leid schwebt weiterhin die Hoffnung über allen, auf gute Botschaften, auf ein Wiedersehen mit den Liebsten, auf eine Beendigung des Krieges. Und in den schlimmsten Stunden hilft ein Löffel voller Winterhonig.
Die Geschichte startet sehr ruhig, doch nach und nach nimmt die Intensität der Themen stetig zu. Die Autorin hat sich sehr viel Mühe mit ihren Recherchen gegeben und das merkt man der Geschichte auch an. Selbst wenn sie selbst keine Berührungspunkte mit dem Krieg hatte, hat sie es geschafft, die Situation gleichzeitig authentisch, bedrückend, aber auch ein wenig hoffnungsvoll zu gestalten. Sie hat Schlüsselpersonen aus der deutschen Geschichte gekonnt in eine fiktive Welt platziert und gleichzeitig die Erfahrungen ihrer Großmutter als Rahmen gewählt. Auch wenn nicht alle Personen der Realität entsprechen, hat sich die Geschichte sehr real angefühlt. Ich habe mitgefiebert und gebangt, sowohl mit Mathilda als auch mit Karl, dessen Sicht wir direkt von der Front auch miterleben dürfen. Diese Perspektive finde ich sehr wichtig, um gerade jüngeren Generationen einen Einblick in den Kriegsalltag zu geben und zu zeigen, wie schlimm die damaligen Ereignisse tatsächlich waren. Anfangs wirkt die hohe Seitenzahl abschreckend, doch sobald ich einmal in der Geschichte versunken war, konnte ich nicht mehr aufhören.
Ein absolut wertvoller Roman, den jeder gelesen haben sollte.
- Heinrich Böll
Gruppenbild mit Dame
(61)Aktuelle Rezension von: Marla_HumiZwar drehen sich die Recherchen des "Verfassers" vorrangig um Leni Gruyten/ Pfeiffer, aber die zu Wort kommenden Freundinnen und Bekannten Lenis erzählen selbst auch ihre eigenen Geschichten und berichten von ihrem Über-Leben während des 2. Weltkrieges und in der Nachkriegszeit in Köln.
Böll präsentiert eine Fülle von Episoden und Eindrücken. Indem er die Figuren in ihrer eigenen Sprache reden lässt, werden die unterschiedlichsten Charaktere und Milieus lebendig. Alle vereint die schrecklichen und traumatischen Erfahrungen des Krieges, sei es als sowjetischer Kriegsgefangener oder als versteckte Jüdin, als Zivilisten, die irgendwie die Bombenangriffe auf die Stadt Köln überstehen, als Väter, Mütter, Frauen, die ihre Liebsten betrauern. Geschickt wird dokumentarisches Material eingeflochten.
Aber bei aller Tragik und Trauer werden auch lustige Episoden eingebaut, z.B. der "Tote-Seelen-Skandal", der dazu führt, dass Lenis Vater sein gesamtes Vermögen verliert und nur mit Mühe der Todesstrafe durch die Nazis entgeht.
Der "Verfasser" geizt nicht mit ironischen und unterhaltsamen Kommentaren zu seinen Gesprächspartnern und ihren Marotten, wobei er sich selbst nicht ausnimmt. Allein die stellenweise Neigung zu unnötigen Abkürzungen und Ausuferungen schmälert den Lesegenuss.
Schade, dass Böll vielen nicht mehr bekannt ist.
- Katharina Füllenbach
KRIM
(31)Aktuelle Rezension von: AdlerhorstÜber die Krim wird in unseren Medien in einem mehr oder weniger immer gleichen Grundton berichtet und wenige westliche Europäer trauen sich in diesen Tagen, die Halbinsel zu besuchen. Umso lesenswerter also der Reisebericht von Katharina Füllenbach, diesich im November letzten Jahres aufgemacht hat, um die aktuellen dortigen Lebensverhältnisse in Augenschein zu nehmen. Sie blendet die politischen Verhältnisse nicht aus, aber sie richtet den Blick auch auf die kulturellen Höhepunkte der Region und bringt eine Reihe historischer Zusammenhänge in Erinnerung, die man durch die jüngsten politischen Turbulenzen aus dem Auge verloren hat. Ingesamt eine spannende und informative Lektüre und eine interessante Lektion über die Differenz von Eigen- und Fremdwahrnehmung.
- Christian Hardinghaus
Die verdammte Generation
(24)Aktuelle Rezension von: NiWaDreizehn deutsche Soldaten erzählen, wie sie den Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Christian Hardinghaus ergreift die letzte Chance, die Geschichten dieser Männer zu bewahren und damit die Menschen der Gegenwart und Zukunft mit einem differenzierten Blick auf die verdammte Generation des Zweiten Weltkriegs zu versehen.
Das Schweigen der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg wurde gebrochen als offen über den Holocaust und die Judenverfolgung gesprochen wurde. Es handelt sich um wichtige Themen, die aus unserem Bewusstsein nicht wegzudenken sind. Zahlreiche Dokumentationen berichten über die Verbrechen der Nationalsozialisten, wie tragisch es den Juden erging und wie fassungslos die ganze Welt vor den Taten der Deutschen und Österreichern stand.
Aber eine Frage wurde bisher übersehen. Wer waren die Männer, die für den Nationalsozialismus in die Schlacht gingen? Wer sind unsere (Ur-) Großväter im Krieg gewesen? Wie haben sie diesen erlebt und was haben sie bis zuletzt darüber gedacht?
Christian Hardinghaus widmet sich in seinem Buch dieser verdammten Generation. Er gibt ihr stellvertretend dreizehn Namen und Lebensgeschichten, er stellt die alten Männer vor, und lässt sich an die stattlichen Burschen von damals heranführen.
Bevor der Autor die einzelnen Zeitzeugen vorstellt, geht er allgemein auf die Soldaten-Generation ein. Dazu thematisiert er die historischen Hintergründe und gegenwärtigen Zwischentöne, die Entwicklung der Kriegsaufarbeitung im gesellschaftlichen Bewusstsein und nähert sich behutsam den dreizehn Herren und ihrer Geschichten an.
In den einzelnen Porträts stellt er die alten Männer vor. Wer sie jetzt sind, wie sie ihren Lebensabend verbringen und welcher Weg sie bis dahin geführt hat. Danach geht es ans Eingemachte. Er lässt sie von ihren Erfahrungen im Krieg berichten, was mitten in der Seele trifft. Als Leser wird man mit damaligen Schrecken konfrontiert, erfährt, wie die Männer zum Soldaten geworden sind und wie sie sich dabei und danach gefühlt haben.
„(…) so habe ich mir Krieg nicht vorgestellt. Das war die Hölle. Man kann dann, wenn man in Sicherheit ist, kaum glauben, dass man das überlebt hat.“ (S. 228)
Bemerkenswert war für mich, dass viele Aspekte besprochen wurden, welche ich so bisher nicht wahrgenommen bzw. über die ich nie bewusst nachgedacht habe. Dazu zählt beispielsweise, wie unterschiedlich der Krieg erlebt wurde oder wie verschieden der Beginn der Soldatenlaufbahn war. Während der eine auf Rache für seine Familie aus war, hat der andere getan, was er tun musste, um zu überleben, und der Nächste war anfangs aus politischer Überzeugung und Inbrunst dabei.
„Vielleicht habe ich mich von der Propaganda blenden lassen. Wir haben geglaubt, dass wir kommen, sehen und siegen.“ (S. 200 - 201)
In allen dreizehn Berichten ist mir eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit aufgefallen. Trotz all der Gräuel, die sie erlebten, haben sich diese Männer bis zuletzt eine zuversichtliche und optimistische Einstellung bewahrt. Ich frage mich, ob sie vom Krieg geläutert waren, und wussten, dass sie ohnehin das Schlimmste schon gesehen hatten, oder ob sie aufgrund dieser positiven Energie so alt geworden sind.
Sämtliche Interviews sind mit Fotografien, u.a. der interviewten Männer von damals, versehen. Gewünscht hätte ich mir, von den alten Herren Fotos zu sehen, weil sie dadurch noch greifbarer geworden wären. Ich vermute, dass die Männer damit nicht einverstanden gewesen sind, oder andere Gründe dagegen gesprochen haben.
In einem Punkt muss ich Christian Hardinghaus widersprechen, weil an dieser Stelle Äpfel mit Birnen verglichen werden. Es wird angeprangert, dass in den USA Soldaten an Schulen vom Krieg und ihren Erlebnissen sprechen, während in Deutschland und Österreich Schweigen bewahrt wird. Meiner Ansicht nach ist das differenzierter zu betrachten. Einem Sieger fällt es eindeutig leichter, von seinen Heldentaten zu erzählen. Außerdem ist das amerikanische Militär ein anderes Kaliber, als das Heeresprogramm hier. Denn in den USA wird mittels Propagandamaschinerie mächtig der Nachwuchs gefördert. Es werden weder Kosten noch Mühen - oder ehemalige Soldaten an Schulen - gescheut.
„Die verdammte Generation“ ist jedenfalls ein wichtiges Buch. Es ist ein Gedenken an die Kriegsgeneration, an unsere Ur-Opas und Großväter und ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen - welche umso wichtiger werden, je länger der Zweite Weltkrieg vergangen ist.
- Kirsten Boie
Dunkelnacht
(84)Aktuelle Rezension von: wordworldKirsten Boies Novelle "Dunkelnacht" ist eine erschreckende, aber notwendige literarische Auseinandersetzung mit einem weitgehend unbekannten Kapitel deutscher Geschichte. Auf 129 Seiten schildert sie eindringlich die sogenannten „Penzberger Mordnacht“, ein reales Massaker an Zivilisten durch die nationalsozialistische Organisation Werwolf am 28. und 29. April 1945 in einer bayrischen Kleinstadt – nur zwei Tage vor Hitlers Tod und dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Damit sind die Geschehnisse ein Beispiel für ein sogenanntes Endphasenverbrechen, das mir persönlich nicht bekannt war.
Die Kinderbuchautorin verpackt die realhistorischen Geschehnisse zugänglich in einer fiktive Geschichte um die drei Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl, deren Perspektiven sich mit weiteren Stimmen aus dem Ort abwechseln, um ein dichtes Stimmungsbild jener Tage zu malen. Zunächst beobachten wir, wie nach einer Ankündigung im Reichsempfänger, dass die Amerikaner beinahe da sind, verschiedene Reaktionen in der Kleinstadt hervorgerufen werden. Während die einen bereits Bettlaken für weiße Fahnen sammeln, versuchen andere noch schnell Dokumente zu vernichten oder denken darüber nach, einen letzten Sabotageakt durchzuführen. Doch dann kommt ein Trupp Wehrmachtssoldaten und eine Gruppe der sogenannten "Werwölfe" in die Stadt und ein schreckliches Verbrechen nimmt seinen Verlauf. Am Ende der "Dunkelnacht" sind 16 Erwachsene und ein Ungeborenes ermordet, zwei weitere Menschen schwer verletzt und eine Dorfgemeinschaft traumatisiert - die Täter hingegen werden Jahre später freigesprochen.
"Sechzehn Ermordete und kein einziger Mörder. Das soll man verstehen können."
Die Tragik entfaltet sich dabei nicht nur im Inhalt, sondern auch in der Erzählstruktur: Durch erzählerische Vorgriffe ist früh klar, dass es kein gutes Ende geben wird. So steuern wir machtlos auf ein Desaster hin, das unnötig, geradezu leicht zu verhindern gewesen wären, wenn nur andere Entscheidungen getroffen worden, wenn nur jemand Verantwortung übernommen hätte. Die kurzen Kapitel sind klar strukturiert, durch Zeit- und Personenangaben bleibt die Handlung trotz des häufigen Perspektivwechsels stets nachvollziehbar. Erzählt wird dabei im Präsens, was die Intensität der Lektüre noch verstärkt. Man steht förmlich am Rand des Geschehens, beobachtet sprachlos wie eine Situation kurz vor dem herbeigesehnten Frieden nochmal zu kippen droht und schließlich blutig eskaliert.
"Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist."
Obwohl sich die Mischung aus Panik, Verwirrung, Gehorsam, Stolz, Loyalitäten und die sanfte Hoffnung auf Frieden von der ersten Seite an auf mich als Leserin übertragen hat, bleibt Kirsten Boies Erzählstil durchgehend nüchtern, fast schon sachlich und verzichtet auf emotionale Formulierungen. Diese erzählerische Distanz wirkt fast schon wie ein Akt des Selbstschutzes – für die Figuren, die Autorin wie uns Lesende gleichermaßen -, denn der Schrecken der Handlung wirkt trotzdem viel zu lebendig nach. Auf den 129 Seiten kann sie bei den einzelnen Figuren nicht in die Tiefe gehen, aber das muss sie hier auch gar nicht und nach wenigen Kapiteln ist man auch fast froh, dass die Autorin vieles nicht weiter ausführt. Besonderen Nachdruck erhalten die Geschehnisse durch die Tatsache, dass es sich hier natürlich um echte Daten, echte Namen und echte Schicksale handelt. Sowohl an die Opfer als auch an die Täter wird namentlich erinnert und Dokumente sowie überlieferte Gesprächsfetzen sind historisch korrekt abgebildet.
"Wer heute nach Penzberg kommt, ahnungslos und ohne zu wissen, den wird nichts mehr erinnern an dieses Grauen der Mordnacht am Ende des Zweiten Weltkriegs."
So vermischt Boie Kirsten Historie mit literarischer Fiktion zu einer beklemmenden, aber wichtigen Mahnung. Gerade heute, in einer Zeit, in der 80 Jahre nach Kriegsende eine neue Phase des Rechtsrucks, der Ignoranz und des Hasses anzubrechen droht, wirkt "Dunkelnacht" aktueller und notwendiger denn je. Die Novelle ist ein klares Plädoyer gegen das Vergessen und erinnert eindringlich daran, wie schnell Demokratie, Menschlichkeit und Verantwortung untergehen können. Was damals geschehen ist, darf nie wieder passieren und um dies zu vermeiden ist es wichtig, sich mit diesem Kapitel unserer Geschichte zu befassen, sich an die Vergangenheit zu erinnern und daraus zu lernen.
"Penzberg zeigt: Eine unmenschliche Politik betrifft am Ende selbst diejenigen, die glaubten, unbeteiligt bleiben zu können."
Fazit
Kirsten Boies "Dunkelnacht" ist eine erschütternde und gleichzeitig notwendige Novelle, die ein reales Verbrechen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zugänglich für junge LeserInnen aufarbeitet
- Sönke Neitzel
Deutsche Krieger
(7)Aktuelle Rezension von: geraldruschDIeses Buchch erstaunte mich mehrfach in seiner Detailtiefe, wie sie nur von einem anerkannten Experten der Gewaltforschung kommen kann. Ein kurzweiliges, wenngleich 600 Seiten langer Abstrich über Debatten, Realitäten, Interviews, Artikel, Skandale, Bücher etc. die die deutschen Armeen begleiteten, gespickt mit einer unheimlichen Menge an Zahlen und Wissenswertem. Wer sich für die Bundeswehr oder die Weltkriege interessiert, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen. Geschichtswissenschaftliche Fragestellungen werden ausgiebig betrachtet, z.B. Reichswehr eine Staat im Staate?; Wehrmacht alles Nationalsozialisten?; NVA Angriffsarmee?; Handwerkliches Können NVA; konnte die Bundeswehr je glaubhaft abschrecken?. Das Ganze Buch ist sehr spannend geschrieben und nur zu empfehlen.
» Träume recht süß von mir « Eine deutsche Freundschaft in Briefen 1940-1943
(1)Noch keine Rezension vorhanden- Claudius Crönert
Letzter Tanz auf Sankt Pauli
(22)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisDieser Reihenauftakt zeigt deutlich, wie perfide das NS-Regime auch die Polizei durchdrungen hat. Was nicht passt, wird passend gemacht, indem man die Kollegen bespitzelt und/oder mit Denunziation deren Familie unterdrückt.
Hannes Krell ist ein integrer Kriminalbeamter, der jedes Verbrechen aufklären will. Doch nun wird er daran gehindert, Ermittlungen zu einem Mord zu führen. Denn er kommt der Gestapo und SS in die Quere. Denn was einem Angehörigen der SS erlaubt ist, ist dem „Normalbürger“ verboten und bringt ihn unverzüglich ins KZ: Homosexualität nämlich.
Um den Anordnungen Nachdruck zu verleihen, macht das Regime auch vor Jette, Krells Tochter nicht Halt. Dabei will Jette nur Musik hören und tanzen - den verbotenen Swing. Und es kommt, wie es kommen muss: Christian und Gregor, Schulfreunde Jettes, die mit ihr Swingmusik hören, erhalten als allererste in der Klasse ihren Einberufungsbefehl. Und während Gregor, Sohn eines Industriellen nach der Grundausbildung in Hamburg stationiert wird, muss Christian an die Ostfront ...
Wird Hannes Krell sich selbst treu bleiben oder vor den Repressalien in die Knie gehen?
Meine Meinung:
Dieser historische Krimi ist sehr gut gelungen. Er führt uns die Angst, niemandem mehr vertrauen zu können, drastisch vor Augen. Noch hält die Familie Krell zusammen. Doch wird das so bleiben? Aus zahlreichen Beispielen weiß ich, dass die Risse quer durch die Familien gegangen sind. Kinder haben ihre Eltern bespitzelt und ein nicht regelkonformes Verhalten der Gestapo gemeldet und umgekehrt.
Natürlich kann es für Jette und ihre erste Liebe kein Happy End geben.
Die Charaktere sind sorgfältig und vielschichtig gezeichnet. Auch die Zweifel von Hannes Krell, sich anzupassen, um seine Familie zu schützen oder doch zu ermitteln, sind sehr gut herausgearbeitet.
Die Personen aus dem Umfeld der Familie Krell sind Menschen, die so typisch für die NS-Zeit sind: der Vorgesetzte, der seine eigene Karriere im Auge hat, die überzeugten Nazi-Lehrer, die Mitschüler, die indoktriniert auf Andersdenkende losgehen und die Eingeschüchterten wie Elisabeth.
Fazit:
Nachdem hier einiges offenbleibt, freue ich mich auf die Fortsetzung. Gerne gebe ich für diesen Reihenauftakt 4 Sterne.
- Irene Eckwolf
Schattenfamilien
(6)Aktuelle Rezension von: Rose75Durch eine Buchverlosung für eine Leserunde bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Da ich mich schon länger mit dem Thema Krieg, Kriegstrauma und vererbte Traumas beschäftige, hat mich dieses Buch gleich angesprochen.
Titel, Cover und Klappentext haben ein interessantes Sachbuch versprochen, das hilft ein tieferes Verständnis für die Kriegs- und Nachkriegszeit zu bekommen. Inhaltlich kann das Buch dieses Versprechen leider nicht halten.
Hauptsächlich geht es in diesem Buch um den jungen Hans ( Vater der Autorin ) und die Briefe die er von verschiedenen Stationen nach Hause zu den Eltern schickt. Durch die Briefe bekommt man ein Gefühl für damalige Zeit aus seiner Sicht.
Die Fragen vom Klappentext," Warum ist es möglich gewesen, so viel Unkenntnis über die Rolle unserer eigenen Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus bis heute zu bewahren?"und"Wodurch ist dieses Unwissen entstanden und weshalb kommen erst in den letzten Jahren so viele wichtige historische Details aus dieser Zeit an Licht?"fand ich durch das Buch nicht beantwortet.
Die Autorin hat sich mutig ihrer eigenen Familiengeschichte gestellt und für sich den Weg der Öffentlichkeit gewählt um möglichst viel Licht auf die Schatten ihrer eigenen Familie zu werfen.
Für den Mut und die Ehrlichkeit der Autorin gebe ich 3 Sympathiepunkte. - Jürgen Albers
Crossroads
(26)Aktuelle Rezension von: WoerterkatzeKlappentext von der Autorenseite
Juni 1940: Der Frühsommer erstrahlt über der britischen Kanalinsel Guernsey. Für den erfahrenen Londoner Inspektor Charles Norcott scheinen die beschaulichen Inseln im Ärmelkanal keine Herausforderung bereit zu halten. Doch das freundliche Sonnenlicht ist trügerisch und beleuchtet die Leiche einer jungen Frau. Kaum haben die Ermittlungen begonnen, als sich bereits neues Unglück zusammenbraut. Die deutsche Wehrmacht hat Frankreich überrannt und besetzt nun auch die britischen Kanalinseln in einem Handstreich. Nach einem zweiten Mord überschlagen sich die Ereignisse. Auf einer kleinen Insel, abgeschnitten und besetzt vom Feind, muss Norcott erkennen, dass er es mit mehr als einem Gegner zu tun hat. Grenzen verwischen sich und die Welt scheint voller Masken. Auch im hellen Sonnenschein bleibt die entscheidende Frage: Hinter welcher Maske steckt ein Freund, hinter welcher der Gegner?
Autoreninfo von der Verlagsseite:
Jürgen Albers erkundete bereits als Jugendlicher die britischen Inseln. Die Heimat seines britischen Großvaters kennenzulernen war ein starker Antrieb, sich mit den Menschen und der Geschichte zu beschäftigen. Sein beruflicher Start als Luftwaffenoffizier bescherte dem Autor mehr als ein Jahrzehnt Wanderleben, u.a. mit Stationierungen in Italien und den U.S.A. Nach einigen Jahren als Personalleiter arbeitet Albers heute als Hochschuldozent. Die Liebe zu den britischen Inseln ist geblieben und so werden auch die nächsten Romane dort spielen.
Erster Satz:
Er drehte langsam sein Handgelenk, bis er einen unauffälligen Blick auf das Ziffernblatt seiner Uhr werfen konnte.
Meinung:
Ein Krimi, der auf den britischen Inseln spielt, hat bei mir schon immer ein Stein im Brett. Wenn dann auch noch die Zeit des 2. Weltkriegs hinzu kommt liegt das Buch schneller bei mir im Regal als man schauen kann. Nun ja in diesem Fall eher auf dem Reader, aber sei es drum. Hauptsache, das Buch ist bei mir eingezogen.
Guernsey, zugegeben schon einmal gehört, und auch auf der Landkarte gefunden, aber nie weiter in Betracht gezogen, sei es als Handlungsort für einen Roman bzw. Krimi oder als Urlaubsziel. Jürgen Albers, der Erschaffer von Inspector Norcott, hat dies geändert. Er beschreibt die Insel so eindrücklich in all ihren Facetten und Schönheit, dass ich direkt Reiselust bekam.
Trotz der Schrecken des Krieges und der Invasion der deutschen Wehrmacht ist die Insel malerisch. Kleine gemütliche Häuser, eine typische Inselbevölkerung, die sich vom Festland abhebt und mit der Bedrohung lebt. Denn die deutsche Armee ist schon bis an die französische Küste vorgedrungen und die Insel wird sicherlich auch nicht mehr lange standhalten. Soweit zum Setting, das Albers gewählt hat, und just in dieser Zeit geschieht ein Mord. Eine junge Frau wird erdrosselt und Inspector Norcott, vom Scotland Yard, auf die Nachbarinsel versetzt, muss die Ermittlung in Guernsey übernehmen.
Norcott ist ein eigenartiger Charakter, auf der einen Seite ruppig in manchen Momenten, dann aber auch wieder sehr ruhig und gewissenhaft bis hin zu zurückhaltend. Ein wundervoller Charakter, den man so schnell nicht einordnen kann und sich im Laufe der 616 Seiten sich weiter entwickelt. Jürgen Albers gelingt es nicht nur Norcott glänzend darzustellen, sondern auch die vielen Nebencharaktere. Nach gut hundert Seiten war ich so in die Story versunken, dass ich alle Charaktere liebgewonnen habe. Sei es Norcotts Kollegen, der Bürgermeister oder auch die Besatzer.
Ja, auch die Besatzer, denn im Laufe des Falles wird die Insel besetzt. Albers schafft es dabei, bei aller historischen Genauigkeit, dass er nicht in Schwarz-Weiß-Malerei abdriftet Denn auf beiden Seiten gibt es Gutes als auch Böses. Wer damit rechnet, dass er auf böse deutsche Besatzer und arme unterdrückte Kanalinseln-Bewohner bei ihm trifft den muss ich enttäuschen. Weder beschönigt Albers etwas noch stellt er es drastischer dar.Gerade dies hat mir sehr gut gefallen. Er schafft es nicht nur die Spannung im Kriminalroman aufrecht zu erhalten, ihm gelingt es auch die sich änderden Lebensumstände durch die Besatzung deutlich rüber zu bringen. Auch die Probleme, die Norcott erwarten als ein weiterer Mord geschieht, sind treffend erläutert.
Gespannt war ich vor allen Dingen, wie er die vielen unterschiedlichen Handlungsstränge, die er nach und nach eingeflochten hat, am Ende zusammen bringt. Verzettelt er sich da? Ist da irgendetwas nachher nicht eindeutig? Beide Fragen muss ich eindeutig verneinen. So oft ich auch in den Handlungssträngen springen musste, um alles zu verfolgen, so gekonnt finde ich die Umsetzung. Auch wenn es zwischenzeitlich ruhig wird im Krimi und ich, wie Inspector Norcott glauben musste, dass es nicht weiter geht und wir auf der Stelle treten, hat sich am Interesse und an Spannung nichts verloren.
Ohne weiteres ist es Jürgen Albers gelungen, mich nach Guernsey der vierziger Jahre zu entführen. Durch die bildgewaltige Sprache hatte ich immer das Gefühl entweder an der Kaimauer des Hafens zu stehen, im Pub dabei zu sein oder auch auf der Obstplantage. Gerade jetzt bei dem Tippen der Besprechung habe ich wieder die Bilder vor Augen, mein Kopfkino kann sehr prägnant sein, und ich bin wieder zurückversetzt in das Lesegefühl im Januar. Ich rieche wieder das Meer, spüre die Aufregung des Bewohner, schmecke den schalen Tee im Polizeirevier und spüre den Wind in meinen Haaren als ich über die Felder streife.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung “Erased“, die laut Jürgen Albers in diesem Jahr erscheinen wird. Dieses Mal ist das Setting, die altehrwürdige Universitätsstadt Oxford.
Fazit
Ein packender historischer Kriminalroman vor einem eindrucksvollen Setting auf den Kanalinseln. Für Leser von historischen Kriminalromanen mit britischen Charme sehr geeignet.
- Annette Oppenlander
Heimat aus Eis und Asche: Historischer Roman (Moving Love Stories of WWII Germany)
(2)Aktuelle Rezension von: KleinerVampirBuchinhalt:
In der Gegenwart erfährt die 50jährige Lena nach dem Tod ihrer Mutter, dass sie selbst adoptiert wurde. Auf der Suche nach ihrer wahren Identität deckt sie ihre eigene Geschichte auf, die mit Vertreibung und Flucht aus Ostpreußen 1944 zu tun hat. Zusammen mit Ansgar, ihrem Rechtsanwalt, macht sich Lena auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter.....
Persönlicher Eindruck:
Über 14 Millionen Menschen aus den deutschen Ostgebieten verloren im Zweiten Weltkrieg ihre Heimat, ihre Angehörigen und viele auch ihr eigenes Leben: eines dieser Kinder ist die aus Ostpreußen stammende Lena, genannt Lenchen – die Hauptfigur dieses Romans, der sich auf zwei Zeitebenen abspielt. Flucht und Vertreibung sollen laut Klappentext das zentrale Thema sein, was mich auch zu der Lektüre dieses Buches bewogen hat. Ostpreußen hat mich schon immer fasziniert, auch wenn ich selber keine familiären Verflechtungen diesbezüglich habe. Und Heimat aus Eis und Asche ist auch nicht der erste Roman zum Thema, den ich lese. Daher waren meine Erwartungen auch sehr hoch. Würde die weibliche Hauptfigur, die erst im Erwachsenenalter von ihre Adoption erfährt, zu ihren Wurzeln finden?
Ich bin ganz ehrlich: mich hat die Geschichte nicht überzeugt und die Enttäuschung überwiegt. Der Gegenwartsteil ist mehr als dominant und drängt den Weltkriegs-Teil weitgehend in den Hintergrund, der Plot wird dem Schicksal der Heimatvertriebenen nicht wirklich gerecht und baut auch auf seinen 300 Seiten keine nennenswerte Tiefe auf.
Autorin Oppenlander hat zweifelsfrei viele Ideen und verwurstet diese auch in ihrem Plot, der sich laut eigener Aussage „fast wie von selbst schrieb“ (Zitat). Da liegt wohl auch das Problem: vieles wirkt wenig durchdacht, einige Passagen wie die Vergangenheit ihres Ziehvaters werden immer wieder angesprochen, verpuffen aber ohne Bedeutung für die Handlung sodann im Nichts. Und gerade der historische Teil hätte Potential gehabt, das so aber gar nicht genutzt wurde.
Lena als Hauptfigur ist nicht sonderlich sympathisch, sobald sie von der Adoption erfuhr, war die Frau, die ihr Leben einst rettete und ihr 50 Jahre lang Mutter war, in ihren Augen nichts mehr wert. Das Aufeinandertreffen mit Lenas leiblicher Mutter ist wie vieles andere im Roman auch wenig glaubhaft. Es gibt so einiges, was unglaubwürdig erschien und die sich schon früh in der Handlung abzeichnende Liebesschmonzette trug auch nicht gerade zum Tiefgang eines Romans mit dem Thema Flucht und Vertreibung bei.
Abseits des Plots krankt das Buch zudem an einem mangelhaften Lektorat, denn Schreibfehler, fehlende oder falsche Wörter und unterschiedliche Schriftgrößen ohne Funktion treten gehäuft auf und ziehen sich durch den ganzen Roman. Bei einem Verkaufspreis von 19 € zudem eine Enttäuschung.
Wenn ich das Buch mit Romanen wie So weit die Störche ziehen (Theresia Graw) oder Die Flucht (Tatjana Gräfin Dönhoff) vergleiche, kann er absolut nicht mithalten. Mir fehlte die historische Tiefe, die Gegenwartshandlung war 08/15 und hat den historischen Teil unangenehm dominiert.
Keine Leseempfehlung, das können andere bedeutend besser.
- René Freund
Mein Vater, der Deserteur
(32)Aktuelle Rezension von: TanteGhostEine Story im und nach dem 2. Weltkrieg. Ein Schicksal, bei dessen Entdeckung der Leser Life dabei ist.
Inhalt:
Der Vater von René Freund starb früh und hinterließ keine Reichtümer. Statt dessen aber ein Tagebuch, welches er selber geschrieben hat. Über die Tatsachen, wie er den Krieg gesehen und erlebt hat.
So erfährt René, dass sein Vater desertiert ist. Ein sehr lebensgefährliches Unterfangen, denn wurde man erwischt, gab das die Todesstrafe. - René ist mit seiner Familie in Paris und wandelt auf den Spuren seines Vaters. Immer in der Hoffnung, ihn besser verstehen und kennen lernen zu können.
In dem Buch setzt sich der Autor mit der Vergangenheit des Vaters und seinen eigenen Ansichten sehr bildhaft auseinander.
Der erste Satz:
"Vater, dich stell ich in die Mitte."
Der letzte Satz:
"Die Liebe verbindet uns."
Fazit:
Zunächst einmal ist das Buch nicht unbedingt nach Kapiteln aufgeteilt. Der Autor, der gleichzeitig Familienvater ist, hat hier sehr geschickt die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander verwoben. Er berichtet auf der einen Seite über die Pannen und Ärgernisse auf seiner Reise, lässt den Leser aber an Passagen aus dem Tagebuch des Vaters teil haben. Das macht die Sache sehr interessant. Zum Beispiel dann, wenn der Sohn an Orten weilt, die der Vater so ganz anders erlebt hat.
Später wurde das Buch für mich uninteressanter. Der Autor hat sich selber und seine Gedankengängen mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als es gut gewesen wäre. Das macht für mich schon einmal einen Punkt Abzug.
Aufgelockert werden Stoff und Gegebenheiten durch ein paar Fotos, aus der Zeit, von der die Rede ist. Es wird erklärt, welches die Person ist, im die es geht. - Ziemlich interessant, wenn man bedenkt, dass einige der Bilder entstanden sind, als die Männer in Gefangenschaft waren.
Der Text ist einfach gehalten. Schachtelsätze und Fachbegriffe werden sparsam bis gar nicht eingesetzt. Allerdings hat es eine Weile gebraucht, bis ich mit der Kapitelauteilung zurecht gekommen bin. Das war stellenweise ein ziemliches Durcheinander. Und dann hat der Autor im Buch auch über die Entstehung des Buches geschrieben. Das hat die Verwirrung dann stellenweise komplett gemacht. Eine wirklich mehr als seltsame Art zu schreiben.
Kopfkino hatte ich bei der Lektüre nicht. Hier waren es ab und an mal ein paar einzelne Fotos von Menschen und Örtlichkeiten, die ich vor mir gesehen habe. - Dem Lesevergnügen hat das aber keinen Abbruch getan. Denn die Story an sich ist jetzt absolut nicht schlecht.
Auch von der Seitenzahl her, war das Buch ein recht kurzes Vergnügen. Der Autor hat den Stoff, den er hatte, eben nicht gekünstelt in die Länge gezogen. In der Kürze lag in dem Fall die Würze...
Leicht enttäuscht war ich am Ende schon. Ich habe mir eindeutig mehr von der Lektüre versprochen. Die war eben am Ende anders, als ursprünglich gedacht.
(Auszüge des Textes sind auch auf meiner Website und in meinem Blog zu finden.) - Iris Muhl
Die Nacht der Versprengten
(15)Aktuelle Rezension von: BuchbloggerinIn Die Nacht der Versprengten von Iris Muhl wird eine wahre Begebenheit erzählt, die ich – und sicher auch viele andere Leute – in Teilen schon mal gehört habe. Es handelt sich hierbei also um eine bekannte Erzählung, die man in diesem Buch nochmal detaillierter geschildert bekommt.
Autorin: Iris Muhl, Fontis-Brunnen Basel, 160 S., gebunden, erschienen am: 01.09.2015, Neupreis: 15,00 €
Heiligabend 1944. Es klopft an einer Berghütte. Draußen stehen drei halberfrorene amerikanische Soldaten. Kurze Zeit später klopft es erneut. Diesmal sind es vier deutsche Soldaten, durchgefroren und bis an die Zähne bewaffnet. Was nun passiert, ist dramatisch und bewegend zugleich.
In dieser Erzählung findet man ein sehr prägnantes Beispiel dazu, wie man als Mensch, der fest im Glauben steht, in einer sehr schwierigen Situation reagieren sollte. Gerade dann kann man erkennen, wie viel Gottvertrauen man tatsächlich hat. Das sieht man auch in diesem Buch an der Frau Vincken, die trotz ihrer großen Furcht sowohl die amerikanischen als auch deutschen Soldaten aufnimmt.
Nur durch die Weisheit, die Gott ihr geschenkt hat, haben alle diese Weihnachtsnacht überlebt.Dieses Beispiel zeigt, dass Glaube an sich nicht viel mit Rationalität zu tun hat. Wir Menschen versuchen, immer für alles eine logische Erklärung zu finden, und wenn etwas nicht zusammenpasst, sehen wir es als falsch an. Das ist bei Gott nicht so.
Zum Beispiel sahen es die deutschen Soldaten als falsch an, dass sie die Nacht mit den Amerikanern unter einem Dach verbringen sollten. Am liebsten hätten sie diese sofort erschossen. Der Krieg hatte die Männer so weit, dass ihre menschliche Seite mittlerweile irgendwo tief in ihnen begraben lag und nicht sofort zum Vorschein kam.Durch ihre Taten, ihre Worte und ihre Geduld, aber auch Bestimmtheit hat Frau Vincken den Männern, aber auch ihrem skeptischen Sohn Fritz ihr Gottvertrauen vorgelebt. Das fand ich mitunter am stärksten an der Erzählung, denn ihr Verhalten hat nach einiger Zeit Früchte getragen. Das ließ sich besonders dadurch sehr gut herauslesen, da die Kapitel aus unterschiedlichen Sichten geschrieben waren.
An Gott zu glauben heißt nicht, dies „einfach nur zur erzählen“, sondern den Worten Taten folgen zu lassen.Meiner Meinung nach ist diese Erzählung nicht nur sehr spannend, sondern auch sehr lehrreich. Man kann daraus so vieles für sich selbst mitnehmen und dadurch, dass sie sich in Wirklichkeit so zugetragen hat, fordert sie einen auf, selbst so zu handeln, wie die Frau Vincken.
- Nikolai Tolstoy
Die Verratenen von Jalta. Englands Schuld vor der Geschichte
(0)Noch keine Rezension vorhanden - Jürgen Ehlers
Sturm in die Freiheit
(45)Aktuelle Rezension von: Gedankenlabor>>Vier Attentäter in geheimer Mission für Frieden und Freiheit<<
Im Roman "Sturm in die Freiheit" von Jürgen Ehlers begleiten wir den jungen U-Boot-Kommandant Wolf Littke, der in britische Gefangenschaft gerät. Ihm wird Exekution oder die Beteiligung eines Himmelfahrtskommandos zur Ermordung Hitlters zur Wahl gestellt. Er wählt letzteres und so starten wir als Leser mit Wolf Littke und den anderen Geheimagenten in diese Geschichte.
Die Ausgangslage hat mich hier wirklich sehr neugierig gemacht und man merkt beim Lesen sehr schnell, wie intensiv Jürgen Ehlers sich mit der ganzen Thematik rund um den 2. Weltkrieg befasst und hier eben auch mit eingewoben hat. Ein Aspekt, vor dem ich wirklich den Hut ziehe, denn das ist sicher nicht immer ganz einfach innerhalb eines Romans doch so detailliert und genau auf die Fakten zu achten und diese mit einzubinden. Im Nachwort bringt der Autor uns als Leser auch noch mal ganz genau nahe, was frei erfunden und was an welchen Fakten aus der Zeit orientiert ist, was für mich im Nachgang informativ und sehr gut platziert war!
Die Geschichte nimmt ihren Lauf und Jürgen Ehlers konnte mir alles sehr bildlich vermitteln- leider blieben mir die einzelnen Charaktere doch zu blass. Ich hätte gern mehr in sie hineingeschaut, hätte gerne mehr von ihren Ängsten, Gefühlen etc. erfahren- schließlich bewegen wir uns hier in einer sehr bewegenden und prägenden Zeit für jeden der Beteiligten.
Insgesamt kann ich das Buch aber dennoch jedem empfehlen, den die Thematik anspricht und der sich nicht an einem doch eher nüchternen- nach meinem Empfinden doch eher dokumentarischen Erzählton stört und der mehr in die Geschichte eintauchen möchte als eben den Blick auf die Charaktere zu richten.
- Ellin Carsta
Die Wege der Söhne
(51)Aktuelle Rezension von: Jeanette_LubeDieses Buch erschien 2021 im Verlag Tinte & Feder und beinhaltet 296 Seiten.
„Die Lage spitzt sich zu für die Familien von Falkenbach und Lehmann.“
Wieder befinden wir uns in Bernried am Starnberger See, dieses Mal im Jahr 1938. Ferdinand, Elisabeth Lehmanns Mann darf endlich vom Stützpunkt der Wehrmacht heimkehren. Elisabeth könnte kaum glücklicher sein. Doch es wird klar, dass er nur aufgrund seines Plans, die Waffenproduktion zu erhöhen, vom Dienst freigestellt wurde. Seine Mutter ist erbost und fragt sich, ob ihr eigener Sohn vom Mitläufer zu einem aktiven Förderer der Nazis wurde. Durch ihre Liebe zum Widerstandskämpfer Martin kommt Wilhelmine von Falkenbach immer weiter in Bedrängnis. Auch ihrem Bruder Gustav, der heimlich jüdische Patienten in seiner Praxis behandelt, geht es nicht anders. Wie lange noch können diese beiden Geheimnisse bewahrt werden? Die jahrelange Freundschaft zwischen Paul-Friedrich von Falkenbach und Heinrich Lehmann scheint zu bröckeln. Paul-Friedrich erfährt von einer Sabotage in der Waffenproduktion und ahnt sofort, dass diese Entdeckung das Schicksal beider Familien besiegeln könnte.
Dies ist bereits der vierte Teil der Falkenbach-Saga aus der Feder der Autorin Ellin Carsta. Ihr Schreibstil begeistert mich. Was war das nur für eine Zeit? Am Ende des Buches kann man erfahren, dass die Autorin mit vielen Menschen gesprochen hat, die bereit waren, ihre Erlebnisse der damaligen Zeit zu erzählen. Und ich kann es mir sehr gut vorstellen, wie schwer es ihnen gefallen sein muss. Ja, es geht hier hauptsächlich um die Familien von Falkenbach und Lehmann. Diese stehen aber für viele Menschen der damaligen Zeit. Ich bin echt bedrückt und konnte mir aufgrund des tollen Schreibstils der Autorin alles sehr klar vorstellen, ja, ich hatte Bilder im Kopf! Und ich habe so mitgelitten, mit Inge ganz besonders, mit Martin, mit Wilhelmine… und vielen anderen. Wie muss es sein, wenn du nicht weißt, wem du noch vertrauen kannst? Gestern waren sie noch deine Freunde und heute sind sie deine Feinde. Diese Geschichte geht zu Herzen und mir kullerten oft die Tränen. Ich habe mitgelitten, gebangt, gehofft und mein Herz schlug bis zum Hals! Die Geschichte ist spannend, aufregend, fesselnd und packend. Es gibt einige Personen, die mir mittlerweile echt ans Herz gewachsen sind. Und dann gibt es auch welche, die ich zutiefst verurteile. Und den Mut von Gustav bewunderte ich über alles. Ich finde es toll, wie die Autorin über jedem Kapitel einen Spruch der entsprechenden Person als Überschrift nimmt, sodass ich immer sofort weiß, aus wessen Perspektive dieses Kapitel erzählt wird. Die Geschichte berührt mein Herz und regt. mich zum Nachdenken an. Wilhelmine ist und bleibt meine persönliche Heldin. Warum? Das verrate ich nicht! Lest einfach selbst! Ich bin jetzt schon gespannt, wie es weitergehen wird. Diese Saga empfehle ich sehr gern weiter. Mich konnte die Autorin Ellin Carsta, die alles so wunderbar beschreibt, dass ich das Gefühl hatte, alles selbst mitzuerleben, wieder einmal komplett begeistern, faszinieren und überzeugen. Eine tolle Reihe, die ich mir auch als Verfilmung gut vorstellen könnte. Ein absolutes Lesehighlight!!! Ich hoffe, ich konnte euch überzeugen. Eine Hommage an eine Zeit, die man nie vergessen darf und an die man unbedingt erinnern muss!
- Tara Haigh
Die Klänge der Freiheit
(83)Aktuelle Rezension von: Annabeth_BookAutorin
Tara Haigh schreibt seit vielen Jahre große TV-Unterhaltung und als Tessa Henning Frauenromane, die bereits erfolgreich verfilmt worden sind und Besteller geworden sind. In ihren Historischen Romanen erzählt sie spannende Liebesgeschichten, die mit viel Liebe für das Detail recherchiert worden sind.
Inhalt
Gegen des Willen ihren Vater geht Inge zu den Rotkreuzschwestern, den sie will ihr Land unterstützen und auch helfen. Doch der Schein trügt und Inge ist froh, dass sie dank Preuss nach Italien kommt und dem ganzen Elend an der Ostfront entfliehen kann. Doch wird in Italien alles besser?
Erster Satz
Der Winter wollte nicht vergehen.
Meine Meinung
Als das Buch bei mir ankam, habe ich mich wirklich sehr darüber gefreut und war schon sehr neugierig darauf.
Auch die Blogtour, mit 5 andere Mädels hat das Buch umso spannender gemacht, da es mega cool war das Buch nochmals aus verschieden Aspekten zu sehen.
Kommen wir als erstes zum Cover, ich finde es wirklich sehr ansprechend und ich gehen davon aus, dass die Krankenschwester auf dem Cover Inge darstellen soll, die in einem wunderschönen Klatschmohnfeld steht. Ich gehe mal davon aus das sie sich hier schon in Italien befindet.
Der Schreibstil der Autorin, lies sich sehr gut lesen, sodass man in dem Buch wirklich schnell voran kam, außerdem hat er einen gefesselt sodass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte, weil man auch unbedingt wissen möchte wie es mit Inge weiter geht.
Inge war mir eine wirklich sympathische Protagonistin. Sie nimmt ihren Beruf wirklich sehr ernst und sie möchte helfen und unterstützen. Doch als sie dann an die Ostfront kommt, wird ihr relativ schnell klar das ihr Vater in vielen Dingen recht hatte und das man sie in vielen Dingen belogen hatte.
Die Zustände die in dem Buch beschrieben werden, was das Lazarett betrifft, sind einfach nur grauenvoll und mir hätte es damals ganz sicher vor Ort den Magen umgedreht. Für mich wäre das definitiv kein Beruf und ich bewundere auch jeden der Krankenschwester ist, weil viele Anblicke sind wirklich nur was für Hartgesottene.
Inges einiger Halt ist ihre Violine, die sie mitgenommen hat und als diese zerbricht, zerbricht auch so gefühlt ein Teil von Inge.
Das Buch nimmt an Fahrt auf, als Preuss in Rampenlicht tritt. Mir was er nicht sonderlich sympathisch, da man ihm direkt anmerkt das er etwas im Schilde führt und er Inge natürlich nicht ohne Hintergedanken mit nach Italien mitnimmt. Auf der einen Seite hat er somit wahrscheinlich ihr Leben gerettet.
Italien ist natürlich nach der Ostfront, der Himmel auf Erden, aber hier lässt der Krieg auch nicht lange auf sich warten. Und wäre das alles nicht schon kompliziert genug, tritt auch noch die Liebe in Inges Leben.
Und genau hier ist der Moment wo Inge anfängt wieder richtig aufzublühen, obwohl sie weiß das sie mit dem Feuer spielt. Man kann auch als Leser wirklich richtig schön rauslesen, wie sie ständig mit sich selber hadert, wie sie plötzlich jede Handlung von Preuss auch infrage stellt und auch sich selbst fragt ob es gerade richtig ist was sie hier tut.
Alles in einem wirklich ein packender Roman, den ich wirklich sehr gerne weiterempfehle.























