Bücher mit dem Tag "weimar"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "weimar" gekennzeichnet haben.

157 Bücher

  1. Cover des Buches NSA - Nationales Sicherheits-Amt (ISBN: 9783785726259)
    Andreas Eschbach

    NSA - Nationales Sicherheits-Amt

     (300)
    Aktuelle Rezension von: Sato

    NSA heißt dieses Buch von Andreas Eschbach, NSA das steht für "Nationales Sicherheits Amt" mit Sitz in Weimar und dort werden die Computerdaten überwacht. Soweit nichts ungewöhnliches, aber die Geschichte spielt 1942 und der 2. Weltkrieg tobt. Das Gedankenspiel ist, was wäre wenn es damals schon Computer, Handys, Kreditkarten und Internet gegeben hätte. Ein interessantes Gedankenspiel und teilweise erschreckend realistisch. Die Datensammlungen geben auch die letzten Geheimnisse der Menschen preis, was sich ein totalitäres System ebenso zu Nutze macht, wie ein skrupelloser Beamter, der über Zugriffsmöglichkeiten auf diese Daten verfügt.

    Eingepackt ist diese Dystrophie in die Geschichte zweier Mitarbeiter des NSA, der grauen Maus Helene, die als Programmstrickerin (Programmierer) die Abfragen kreiert, welche zum aufspüren von versteckten Juden genutzt werden und die erst durch ihre Liebe zu einem Deserteur versucht das Netz zu manipulieren um ihn zu schützen. Die andere Hauptfigur, Eugen Lettke, arbeitet als Analyst beim NSA und nutzt seine Erkenntnisse zur persönlichen Rache und Erpressung.

    Hervorragend sind auch die der Zeit angepassten Begriffe, sei es der Komputer, das Votel - Volkstelephon statt Handy oder das Weltnetz statt Internet. Eschbach verwebt historische Ereignisse, wie die Verhaftung von Anne Frank und ihrer Familie oder die Enttarnung der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" in München geschickt in seine Erzählung.

    Doch sein Finale ist dann sowas von überraschend, das muss man erst einmal verdauen.

    In Summe eine brillante Idee, durch die Geschichte seiner beiden Hauptprotagonisten ein wenig verwässert aber - auch noch im Nachgang - beängstigend, denn die Szenarien sind realistisch. Wer hat Zugriff auf unsere Daten und wofür werden bzw. könnten sie genutzt werden.

    Klare Leseempfehlung

  2. Cover des Buches Der böse Ort (ISBN: 9783423215077)
    Ben Aaronovitch

    Der böse Ort

     (418)
    Aktuelle Rezension von: Lisa_Papyrus

    Zu Beginn möchte ich anmerken, dass ich das Hörbuch zu „Der böse Ort“ im Dezember 2020 gehört habe und ich leider keine Notizen dazu gemacht habe, beziehungsweise kann, ich meine Aufschriebe dazu, nicht finde. Deswegen wird diese Rezension sehr kurz ausfallen und die Detailgetreuigkeit hält sich dementsprechend in Grenzen. An was ich mich noch erinnern kann ich durchwachsen, die Sache mit dem großen magischen Turm fand ich etwas komisch und konnte ihr teilweise nicht richtig folgen. Das weiß ich noch sehr genau, an was ich mich auch noch erinnere, ist, dass die Sache mit dem anderen Magier in diesem Band mehr an Fahrt aufnimmt und dass ich diesen Teil der Geschichte wahnsinnig spannend und auch gruselig fand. Die Charaktere müssten ja mittlerweile bekannt sein und gefallen mir auch noch in diesem Band. Was mich dann aber vollkommen vom Hocker gehauen hat, war das Ende. Als ich fertig war, brauchte ich erst mal etwas Zeit, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Auf der einen Seite war ich geschockt von den Entwicklungen, auf der anderen Seite habe ich das Potenzial hinter der Entwicklung gesehen und was nun auf Peter noch alles zu kommen würde. Das Ganze bekommt die Geschichte eine neue Wendung und eine neue Richtung, eine neue Perspektive. Man beginnt automatisch alles zu hinterfragen. Dank dem grandiosen Ende, bekommt der böse Ort von mir 4 von 5 Sternen.

  3. Cover des Buches Wenn Martha tanzt (ISBN: 9783471351673)
    Saller

    Wenn Martha tanzt

     (108)
    Aktuelle Rezension von: law-and-words

    Enthält Spoiler (am Ende)

    "Wenn Martha tanzt" erzählt die Lebensgeschichte von Martha, die 1900 in einem kleinen Dorf von Pommern aufgewachsen ist und anschließend im Bauhaus in Weimar ihre Leidenschaft zum Tanz entdeckt hat. Marthas Leben wird anhand einer Notizbuches, das Jahre später gefunden wird rekonstruiert. Dabei wird tatsächliches Geschehen, mit Fiktion verwoben.


    Das Leben und die Erfahrungen von Martha haben mich berührt. Die Geschichte bringt einen in vielen Bereichen zum nachdenken. Es ist spannend zu erfahren, wie es im Bauhaus abgelaufen ist und wie der Nationalsozialismus sich auf Marthas Leben in dem kleinen Dorf Türnow ausgewirkt hat. Besonders gut gelungen finde ich die zwei Ebenen der Geschichte. Auf der einen Seite wird Marthas Leben dargestellt und auf der anderen Seite die Auswirkungen die der Fund des Notizbuches haben. Auch der Schreibstil hat mir grundsätzlich gut gefallen, lediglich die Darstellung von Marthas Kindheit erschien mir etwas wirr und hat mir den Einstieg in den Roman schwer gemacht. Zum Glück bin ich dran geblieben, denn ab Marthas Jugend ist der Erzählung gut zu folgen. 


    Abgesehen von dem schwierigen Einstieg stellt auch das Ende einen Kritikpunkt für mich dar. Ich empfinde nicht das ganze Ende als misslungen, ein Teil wird schon früh angeteasert und passt für mich sehr gut zu der gesamten Geschichte und Marthas Persönlichkeit. SPOILER: Ein bisschen zu viel war mir allerdings die Verbindung zu 09/11, dieser Part hat für mich nicht zu dem Buch gepasst und einen faden Beigeschmack hinterlassen.

  4. Cover des Buches Die Affäre Carambol (ISBN: 9783608503548)
    Stefan Lehnberg

    Die Affäre Carambol

     (77)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Frankfurt zur Zeit der Vorherrschaft Napoleons über Europa. Goethe besucht mit seinem Freund Schiller seine Mutter. Am Tag der Abreise werden sie zu einem Gespräch beim Fürsten Thurn und Taxis gebeten. Dort informieren sie zwei Stadträte über rätselhafte Vorgänge in und um Frankfurt, die alle befürchten lassen, dass es zu einer erneuten Besetzung Frankfurts durch die  Franzosen kommen könnte. Goethe schlägt vor, den Gesandten Frankreichs offen zu informieren, doch zu dem anberaumten Gespräch kommt es nicht mehr, denn der Gesandte und sein Gesinde werden ermordet, sein Schloss abgebrannt. Wer ist der mächtige und scheinbar allwissende Gegner? Goethe und Schiller beschließen, vorerst in Frankfurt zu bleiben und den ungleichen Kampf aufzunehmen. Beide geraten mehrfach in Lebensgefahr, können eine wahrhaft gigantische Intrige aufdecken, bleiben aber letzten Endes die Verlierer.

    Mit "Die Affäre Carambol" legt der Autor Stefan Lehnberg bereits den zweiten Roman mit den Ermittlern Goethe und Schiller vor, Parallelen  zu Holmes und Watson sind unübersehbar und gewollt. Ebenso wie Holmes hat der Dichterfürst Goethe so seine Macken und Befindlichkeiten, auf die es Rücksicht zu nehmen gilt. Wer es mit der Wahrheit nicht so ganz genau nimmt, wird mit dieser Räuberpistole bestens unterhalten.

  5. Cover des Buches Unter der Haut (ISBN: 9783827013750)
    Gunnar Kaiser

    Unter der Haut

     (41)
    Aktuelle Rezension von: lesenstattglotzen

    Gunnar Kaisers Debütroman beginnt in New York 1969. Der eher nachlässige Student der Literaturwissenschaften Jonathan lernt den geheimnisvollen Lebemann Josef Eisenstein (beide deutscher Abstammung) kennen. Eisenstein nimmt sich des unerfahrenen jungen Mannes an und führt ihn von einer amourösen Eroberung zur nächsten. In Eisensteins Wohnung soll Jonathan sich dann mit den Mädchen paaren und seinem Meister hinterher jedes pikante Detail beschreiben. Ansonsten rauchen sie, trinken Portwein und hören Wagner in der mit Bücher vollgestellten Lasterhöhle.

    In Buch Zwei wird die Kindheit und Jugend des Josef Eisenstein erzählt und wir erfahren hier wie er dunkle Neigungen und eine unstillbare Gier nach wertvollen und seltenen Büchern entwickelt.


    Die Protagonisten des Jahres 1969 wirken leider etwas zu eindimensional und überzeichnet.

    Im Jahr 1969, in dem es den beiden Protagonisten nur um Triebbefriedingung zu gehen scheint, ist der Student Jonathan der formbare Klumpen Ton in den Händen des älteren Mannes. Aufkeimender Ungehorsam wird wiederholt dadurch bestraft, dass Eisenstein sich rar macht und den Jungen eine gewisse Zeit nicht mehr zu sich in die Wohnung lässt. Jonathans anfänglicher Ärger darüber verwandelt sich allzu schnell in Verzweiflung und lässt ihn jeden Halt verlieren. Auf der Suche nach seinem Meister irrt er durch die Stadt und legt sich schließlich schluchzend in Embryonalhaltung auf die Fußmatte seines Meisters. Man möchte den Jungen einen rückratlosen Waschlappen schimpfen.


    Der Eisenstein von 1969 scheint nur ziellos durch die Stadt zu schlendern und rauchend, trinkend und vor allem belehrend auf seiner Couch zu lungern, wenn er nicht grade die jungen Leute in seinem Wohnzimmer beim Liebesakt beobachtet. Zwischendurch straft er seinen Adlatus durch geheimnisvolle Abwesenheit. Ein schmieriger Typ, der nicht so richtig zusammenzubringen ist mit dem jungen Eisenstein im Berlin der Dreißiger Jahre, der es in der Kunst des Buchbinders und Gerbers zur Meisterschaft bringt und schuftet, an sich arbeitet und in die exklusive Welt der Buchliebhaber drängt.


    Die Sprache und Erzählweise erinnern an die Thomas Manns. Ich persönlich finde das schön und angenehm zu lesen. Dem einen oder anderen modernen Leser mag das vielleicht ein wenig zu blumig sein. Man könnte vermuten, dass dem Autor ein wenig zu sehr an der äußeren Form gelegen ist — ganz wie Eisenstein, der über die kostbaren Einbände der begehrten Bücher in Ekstase gerät, dem der Inhalt aber fast einerlei ist, sei es Hitlers Mein Kampf oder Ovids Kunst der Liebe.


    Fazit: Die Leidenschaft für alte, seltene Bücher bringt der Autor gut rüber. Auch die Entwicklung des jungen Eisenstein und dessen ambivalentes Ringen mit seinen Leidenschaften und Neigungen, sowie seine Lehrzeit in den schönen Handwerkskünsten ist glaubhaft und einfühlsam geschildert. Man fühlt auch die Liebe des Autors für die Schönheit der deutschen Sprache. 
Für die ansonsten aber flache und chauvinistische Handlung, in der es vornehmlich um die Triebbefriedigung geht, und die allzu überzeichneten Charaktere im New York des Jahres 1969 ziehe ich zwei Sterne ab.

    Trotzdem habe ich Respekt für die Leistung des Autors und danke ihm für spannende und unterhaltende Stunden

  6. Cover des Buches Die Vermessung der Welt (ISBN: 9783499332708)
    Daniel Kehlmann

    Die Vermessung der Welt

     (3.392)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald


    Daddy sorgt dafür, dass Kathi guten Lesestoff bekommt. So mögen wir das, bester Papa. 

    .

    Daniel Kehlmann erzählt in diesem biographischen Roman die Lebensgeschichte zweier bedeutender Wissenschaftler: Alexander von Humboldt, dessen Name wahrscheinlich vielen bekannt ist: wissbegieriger und empirischer Naturforscher deluxe, der für seine Expeditionen quer über den Planeten gereist ist. Carl Friedrich Gauß, theoretischer Mathematiker, Astronom, blitzgescheit und Stubenhocker vom feinsten. 

    Der Schreibstil des Buches ist ansprechend, aber gewöhnungsbedürftig. Hier wird nichts beschönigt: mit trockenem Humor und einer guten Portion Zynismus beschreibt Daniel Kehlmann die beiden Persönlichkeiten und ihren Werdegang, was für viele Schmunzler zwischendurch sorgt. Jeder bekommt sein Fett weg. Im Gegensatz zu den positiven Eigenschaften der Herren Forscher werden deren negativen übertrieben dargestellt - was für einen gewissen Unterhaltungsfaktor sorgt. So ist Gauß ein engstirniger sturer Kauz und Humboldt ein prüder Naivling. Beschrieben wird ihr Weg zur Forschung, Ausbildung, wissenschaftlichen Errungenschaften sowie die distanzierte, aber doch freundschaftliche Beziehung der beiden. 

    Die Bedeutung des Titels hat sich mir erst gegen Ende hin erschlossen - Kathi mit Brett vor dem Kopf: da hätte ich auch früher draufkommen können. Die Welt wird natürlich nicht wortwörtlich vermessen, viel eher zeigt der Autor durch die Darstellung der Lebensgeschichten die beiden unterschiedlichen Herangehensweise um die Vorgänge der Natur zu verstehen. Der eine erkundet, erforscht, misst, notiert - der andere berechnet, kalkuliert, denkt. Beide kommen so jedoch zu ihrer Wahrheit. 

    Eine tolle Geschichte - doch trotz des positiv ungewöhnlichen Schreibstils und dem biographischen Ansatz konnte mich das Buch leider nicht gänzlich abholen.


  7. Cover des Buches Amalientöchter (ISBN: 9783746635088)
    Joan Weng

    Amalientöchter

     (44)
    Aktuelle Rezension von: Monika58097

    Das Jahr 1918. Klara, eine junge Frau, die vor Leben und Ideen nur so sprüht. Der Krieg ist vorbei und tatsächlich gibt es endlich ein Wahlrecht für Frauen! Der Beginn der Emanzipation, doch bei näherem Hinsehen dann doch oft nur auf dem Papier, doch Klara möchte etwas bewegen. Sie folgt ihrer großen Liebe Fritz nach Berlin, ein Arzt, der sich um die Armen kümmert, doch das Leben in Berlin ist nicht ungefährlich. Unruhen und Kämpfe überall, doch Klara träumt von Emanzipation und Selbstbestimmung. Sie möchte so sein wie Anna Amalia, die einst allein nach Italien reiste. 

    Klara schreibt inzwischen für eine reine Frauenzeitschrift, doch als es in Berlin immer schlimmer wird, hört sie auf Fritz und kehrt nach Weimar zurück. Schließlich kann sie ihre Artikel auch hier schreiben, doch schnell fehlt ihr das quirlige Hauptstadtleben. In Weimar fühlt sie sich eingeengt. Sie möchte ihr eigenes Geld verdienen und nicht die brave Arztgattin sein. Der Zeichner Max bestärkt sie darin und auf einmal wird ihr bewusst, dass er ihr viel mehr bedeutet. 

    "Amalientöchter" - Joan Weng versteht es wieder einmal hervorragend, den Leser in eine vergangene Zeit zu entführen. Durch sie wird diese Zeit wieder lebendig. Die Anfänge der Emanzipation, das Wahlrecht für die Frauen - für uns heute selbstverständlich, doch die Frauen damals mussten dafür kämpfen. Joan Weng, diesmal sehr politisch, aber auch sehr spannend. Die Autorin versteht es einfach, den Leser zu fesseln.

    Das Ende lässt dennoch einige Fragen offen, so dass ich hoffe, dass es eine Fortsetzung geben wird. 

  8. Cover des Buches Durch Nacht und Wind (ISBN: 9783608503760)
    Stefan Lehnberg

    Durch Nacht und Wind

     (31)
    Aktuelle Rezension von: Ceciliasophie
    Goethe und Schiller werden von Anna Amalia und dem Regenten Weimars Carl August gebeten, den Irrglauben des Großherzogs von N. Einhalt zu gebieten. Dieser ist nämlich der festen Überzeugung, dass ein Ring seiner Familie mit einem Fluch beladen sei. Kurzerhand machen sich Goethe und Schiller auf den Weg ins Lustschloss Belvedere bei Weimar. Doch in der Nacht ihrer Ankunft verstirbt der Großherzog auf mysteriöse und unerklärliche Art und Weise. 

    Die Idee, diese beiden Größen der deutschen Literatur in einem Krimi agieren zu lassen, machte mich wirklich ganz neugierig. Zumal Goethe und Schiller wirklich befreundet waren. 
    In einer Sherlock Holmes und Dr. Watson Art machen sich die beiden dann auch gleich ans Werk und versuchen, die mysteriösen Umstände des Todes vom Großherzog zu klären. Doch gestaltet sich dies schwieriger als erwartet.
    Woran ich mich aber wirklich erst einmal gewöhnen musste, war der Schreibstil. Dieser war angepasst an die damalige Zeit, weshalb einige Ausdrucksweisen und die Rechtschreibung mich öfters aus dem Konzept brachten. Irgendwann legte sich dies jedoch und kaum hatte ich mich an den Schreibstil gewohnt, so konnte ich ein sehr rasches Lesetempo aufrecht erhalten. 
    Begünstigt wurde das Tempo durch die wirklich spannende Handlung. Ja, es erinnert schon etwas zu sehr an Sherlock Holmes, doch da ich die Geschichten von Holmes und Watson sehr gerne mag, hatte ich auch an „Durch Nacht und Wind“ große Freude. 
    Der Autor baute geschickt auch Informationen über Goethe und Schiller und ihre Werke mit in die Geschichte ein, so dass der Leser noch ein wenig mehr über diese erfahren konnte und die Figuren noch lebendiger wirkten. 
    Die Auflösung stellte mich wirklich zufrieden und alle losen Fäden der Geschichte wurden gekonnt miteinander verknüpft. 
    Auf den zweiten Band bin ich nun doch gespannt. 

  9. Cover des Buches Die Feuerreiter Seiner Majestät 03 (ISBN: 9783442244454)
    Naomi Novik

    Die Feuerreiter Seiner Majestät 03

     (189)
    Aktuelle Rezension von: Roman-Tipps

    Wie ich mich darauf gefreut habe, endlich diese Reihe weiterzulesen! „Drachenzorn“ ist der 3. Band der „Die Feuerreiter Seiner Majestät“-Reihe von Naomi Novik mit dem genialen schwarzen Drachen Temeraire und dem ruhigen Kapitän Will Laurence. Die Abenteuer der beiden sind zu wahren „Wohlfühl-Geschichten“ für mich geworden, weil hier durch einen geschickten Schreibstil herzerwärmende Charaktere (ganz besonders sprechende Drachen) erschaffen worden, die spannende Abenteuer erleben, wobei eine schöne Atmosphäre geschaffen wird, Humor und Nervenkitzel hervorragend zur Geltung kommen und alles in einer realen, abgewandelten Vergangenheit spielt – nämlich zur Zeit der napoleonischen Kriege. Wie ich es gehofft hatte, so konnte auch „Drachenzorn“ für mich zu einem Highlight werden!

     

    Ein gefährlicher und mysteriöser Auftrag

     


    „Sag doch mal, mein liebes Temerairechen“, flötete Laurence übertrieben wohlwollend in die nun folgende Stille hinein, „was hast du ihnen denn so alles erzählt?“


    (S. 132 des eBooks „Drachenzorn“ von Naomi Novik, Blanvalet Verlag)

     

    „Drachenzorn“ knüpft an die Geschehnisse aus dem 2. Band „Drachenprinz“ direkt an. Temeraire und Laurence befinden sich noch in China und warten darauf, nach England aufbrechen zu können, als sie plötzlich von einem Boten namens Tharkay eine Nachricht vom Luftkorps bekommen. Auf sie wartet ein neuer Auftrag: Sie sollen so schnell wie möglich nach Istanbul reisen, dort drei Dracheneier abholen und diese nach England bringen. Da sie wegen einiger Probleme nicht übers Meer reisen können, bleibt ihnen nur der weite und gefährliche Weg über das Land. Laurence, Temeraire und ihre Mannschaft begeben sich auf diesen weiten Weg mithilfe des mysteriösen Boten Tharkay, der sie führt und berät. Doch nicht nur auf ihrer Reise warten allerhand Probleme – ihnen drohen gewaltige Rückschläge, die ihren gesamten Auftrag in Gefahr bringen. Und auch die Drachin Lien ist mit dabei und hat ganz genaue Vorstellungen, wie sie sich für den Tod ihres Gefährten an Temeraire und Laurence rächen könnte. Dabei spitzt sich der Krieg mit Frankreich immer mehr zu.

     

    Ein Spannungsbogen nach dem anderen

     


    „Hm“, brummte Temeraire zweifelnd, „den Dämon, der mich fressen kann, möchte ich gerne sehen.“ Denn dafür wäre zweifellos ein gewaltiger Teufel nötig.


    (S. 55 des eBooks „Drachenzorn“ von Naomi Novik, Blanvalet Verlag)

     

    „Drachenzorn“ hat eine gewaltige Menge an spannenden Ereignissen zu bieten – eine Gefahr folgt auf die nächste in rascher Folge. Temeraire, Laurence und ihre Mannschaft müssen über weite, einsame Steppen reisen, eine scheinbar unendliche Wüste durchqueren, Berge überfliegen, Hitze und Kälte überwinden, gegen tückische Windströmungen kämpfen, Überfälle überstehen, mit Orientierungslosigkeit, Sandstürmen, Hunger, Durst und Erschöpfung zurechtkommen. Und dabei bekommen sie Hilfe von ihrem Führer Tharkay, dessen wirkliche Absichten nicht klar ersichtlich sind. Einige Szenen sind später ein bisschen langatmig, sodass mir hier die Konzentration verloren ging, aber kurz darauf gibt es schon den nächsten Spannungspunkt, der alles wieder in Schwung bringt. Mit der Ankunft in Istanbul könnte man mit der Erfüllung ihres Auftrags rechnen, doch in Wirklichkeit geht es dann erst richtig los. Da ich jedoch nicht spoilern möchte, werde ich hierzu nichts mehr sagen. Nur eines: Es wird richtig gut! Und endet mit einem spannungsgeladenen und absolut nervenaufreibenden Showdown! Zwar wird das derzeitige Abenteuer mit diesem Band abgeschlossen, aber für die geliebten Charaktere wird es noch in sechs weiteren Bänden weitergehen.

     


    „Iiih“, schnaufte Temeraire, nachdem er sie beide hinüber in den Garten gehoben hatte und nun voller Abscheu die schleimigen Rückstände an seinen Vorderklauen begutachtete. „Aber mir ist es egal, dass du so entsetzlich stinkst, wenn du nur wieder da bist.“


    (S. 164 des eBooks „Drachenzorn“ von Naomi Novik, Blanvalet Verlag)

     

    Der dritte Band ist in drei Teile unterteilt, wobei jeder Teil mit einem tiefen Schlag für die Reisegruppe endet. Berichtet wird wieder aus der Sicht des ehrenvollen, loyalen und ruhigen Kapitäns Laurence, wodurch der Schreibstil wie immer ganz wunderbar passt: ebenso ruhig, sachlich, geschickt – und kombiniert mit herrlich trockenem Humor, der mich zum Lachen bringen konnte.

    Mir hat „Drachenzorn“, wie auch schon der 1. und 2. Band, wahnsinnig viel Freude bereitet zu lesen. Besonders auf ein Wiedersehen mit Temeraire und Laurence habe ich sehnsüchtig gewartet. Durch Temeraire kommt es wieder zu absolut lustigen Szenen, die mich nicht nur zum Lachen, sondern allgemein zum Lächeln bringen konnten, denn Temeraire ist total herzerwärmend. Alles, was er sagt oder macht, sein Verhalten, seine Kommentare, die Liebe zu Büchern und Schmuck, seine Meinung, Eifersucht, Beschützerinstinkt, Hartnäckigkeit, Traurigkeit, seine Ideen und der starke Wille, für mehr Rechte für die Drachen einzutreten – er ist einfach genial, ein ganz besonderer Drache. Und dann seine Freundschaft zu Laurence, der für den schwarzen Himmelsdrachen das Beste möchte. Auch Leutnant Granby ist wieder mit dabei – und in diesem Band wartet eine ziemlich eigenwillige und kratzbürstige Überraschung auf ihn.

    Wie habe ich das alles vermisst! Und jedes Buch dieser Reihe macht gleich bessere Laune. Da mir diese Drachenfantasy-Reihe mittlerweile so viel bedeutet, habe ich mich doch dazu entschlossen, alle Bücher der „Die Feuerreiter Seiner Majestät“-Reihe von Naomi Novik als Print zu sammeln, anstatt als eBooks. Damit sie als schöne Erinnerung einen besonderen Platz in meinem Regal einnehmen können.

    Fazit:

    Auch der dritte Band „Drachenzorn“ konnte mich wieder begeistern und zu einem Highlight werden. Eine tolle Story, viele Spannungsbögen, Nervenkitzel, Humor und wundervolle Charaktere. Ein Buch, das, wie schon die vorherigen Bände, einfach unglaublich viel Lesespaß bereitet.

  10. Cover des Buches Faust (ISBN: 9783520863010)
    Johann Wolfgang von Goethe

    Faust

     (3.357)
    Aktuelle Rezension von: LeserLeserin

    Ein Buch, dass ich alle paar Jahre wieder in die Hand nehme. 

  11. Cover des Buches Der stumme Tod (ISBN: 9783492316118)
    Volker Kutscher

    Der stumme Tod

     (210)
    Aktuelle Rezension von: Bookstar

    Dieses Buch habe ich gelesen, als ich mir die Wartezeit auf Babylon Berlin verkürzen wollte, weil die dritte Staffel lose auf diesem Buch basiert. Gefallen hat es mir allerdings nicht so. 

    Die Story ist eigentlich vielversprechend: Kommissar Gereon Rath versucht 1929 in Berlin den Tod mehrerer Schauspielerinnen aufzuklären, die erste wurde Opfer eines sabotierten Scheinwerfers, der anderen wurden die Stimmbänder rausgeschnitten.

    Das Ganze spielt vor dem Hintergrund des Wechsels von Stumm- zu Tonfilm, eigentlich interessant, wird aber wenig beleuchtet. Mein Problem war, dass man zu früh wusste, wer die Schauspielerinnnen tötet und daher die ohnehin fehlende Spannung also ziemlich früh flöten geht. Es wird einfach zu viel Zeit auf anderes verschwendet und oft laufen die Handlungen sehr antiklimatisch. 

    Also nein, man muss es nicht gelesen haben. 

  12. Cover des Buches Fabian (ISBN: 9783038820086)
    Erich Kästner

    Fabian

     (314)
    Aktuelle Rezension von: Stephanus

    Der junge Fabian, arbeitsloser Student im Berlin Mitte der 1920er Jahre streift ziellos durch die Metropole. Dabei kommt er nicht nur durch das Nachtleben, den Luxus, die Bordelle und die Sonnenseite, sowie auch die Schattenseiten und das Elend. Dabei lernt er die Liebe kennen, die Menschen und deren falsches Gesicht, aber auch das persönliche Scheitern.

     

    Der Autor erzählt die bewegenden Zeiten in Berlin in den 1920er Jahren mit allen Schattenseiten und Glanzpunkten. Die Großstadt und das moderne Leben werden großartig erzählt und ironisiert. Dadurch gelingt ein, aus heutiger Sicht historischer Blick, auf die Zwischenkriegszeit und das Leben vor dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft, der immer noch aktuell und lesenswert ist.

  13. Cover des Buches Die uns lieben (ISBN: 9783746632230)
    Jenna Blum

    Die uns lieben

     (64)
    Aktuelle Rezension von: KerstinTh

    Trudy ist Professorin für Geschichte an einer amerikanischen Universität. Ihr Spezialgebiet ist der Zweite Weltkrieg. Trudy weiß nicht viel über ihre Vergangenheit. Ihre Mutter Anna stammt aus Deutschland, auch Trudy wurde in Deutschland geboren. An diese Zeit kann sie sich aber kaum erinnern, ihre Mutter schweigt zu vielem, deshalb musste sich Trudy ihre Herkunft selbst zusammenreimen. Hat sie die richtigen Schlüsse gezogen?

     

    Trudy beschäftigt sich den ganzen Tag mit dem Zweiten Weltkrieg – zumindest wirkt es so auf den Leser. Durch ihr neustes Projekt, Deutsche zu interviewen um herauszufinden, wie sie sich damals verhielten, erhält sie viele neue Einblicke und beginnt über ihre eigene Vergangenheit nachzugrübeln. Ihre Mutter ist ihr leider keine Hilfe, diese schweigt. Der Leser ist hier klar im Vorteil, da wir nicht nur mit Trudy in den Neunzigern verweilen, sondern auch mit Anna in Weimar der 30er- und 40er-Jahre unterwegs sind. Somit weiß der Leser über Trudys Vergangenheit sehr gut Bescheid.

     

    Die Geschichte an sich ist super. Ich mag es sehr, wenn wir uns einerseits in der Gegenwart befinden, um Sachverhalte aus der Vergangenheit aufzuklären. Und wir zugleich auch in die Vergangenheit live eintauchen können. Was in an diesem Roman aber nicht so toll fand, waren die Charaktere. Diese wirkten sehr amerikanisch und klischeehaft. Trudy war mir sehr unsympathisch. Anna wurde in den Szenen, die in der Vergangenheit spielen sympathischer dargestellt. Was ich sehr störend fand, waren die fehlenden Dialoge. Es gab die ganze Zeit nur indirekte Rede und so war der Text schwieriger zu lesen. Die direkte Rede hätte das ganze aufgelockert. Allgemein lässt die Übersetzung zu wünschen übrig. Flüssig Lesen, war hier nicht so einfach.

     

    Die Geschichte an sich würde von mir fünf Sterne bekommen, da ich die Umsetzung nicht ganz gelungen finde, vergebe ich drei von fünf Sterne.

  14. Cover des Buches Bürgerin aller Zeiten (ISBN: 9783748141266)
    Heike Wolf

    Bürgerin aller Zeiten

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Babajaga

    Das Buch:

    Nachdem ich von Heike Wolf bereits den ersten Teil ihrer großartigen Allender-Trilogie gelesen hatte, war ich absolut gespannt auf den ersten Teil der Schönau-Dilogie. Meine Erwartungen waren extrem hoch, da mich die Allenders so unglaublich beeindruckt hatten. Ich wurde nicht enttäuscht! 

    Das Cover ziert ein authentisches Familienfoto der 3 Schönau Geschwister, womit es aus den heutigen Standard-Covers für historische Romane hervorsticht und belegt, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Ein Umstand, der die Geschichte in meinen Augen noch einmal emotionaler macht. 

    Die Geschichte wird auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt – einerseits die recht knappen Passagen in 1989 und andererseits die Passagen, die dieses Buch ausmachen, in der Zeit von 1913 bis 1933. Die einzelnen Kapitel sind mit den entsprechenden Jahreszahlen – in 1989 sogar mit kompletten Daten – überschrieben, sodass der Leser stets den Überblick behält, in welcher Zeit er sich gerade befindet. 

    Worum geht’s:

    Am 09.11.1989 wird Charlotte 80 Jahre alt werden. Am 30.09.1989 hört sie in den Nachrichten von den ersten DDR-Flüchtlingen, die offiziell in die BRD ausreisen dürfen und erinnert sich in diesem Zusammenhang an ihre eigene Kindheit in Leipzig.

    Charlotte wird 1909 als Älteste von 3 Geschwistern der Familie Schönau in eine ruhige Zeit in Deutschland und in ein liebevolles, gebildetes Elternhaus – der Vater Anwalt und Goethe-Verehrer, die Mutter eine zarte Frau – hineingeboren. Doch nur 5 Jahre später muss Vater Wilhelm in den ersten Weltkrieg ziehen. Die jüngere Schwester Dorothea ist gerade 3 Jahre alt, Bruder Heinrich eben erst geboren. Es bricht eine schlimme, eine überaus schwere Zeit für die Schönaus an, die sie u.a. mithilfe der tatkräftigen, robusten und überaus fürsorglichen Mathilde überstehen. Nach dem Krieg muss die Familie zunächst erst einmal wieder zusammen wachsen, sieht sich jedoch bereits den nächsten Schwierigkeiten gegenüber. Gerade als es aussieht, als würde Deutschland wieder auf die Beine kommen, sich wieder in der Welt etablieren, wird es von den Nazis überrollt.

    Charaktere:

    Ihre Charaktere schreibt Heike Wolf absolut gekonnt, vielschichtig und so authentisch, dass man als Leser nur allzu oft das Gefühl hat, genau neben einer Figur zu stehen, ihr wie ein Schatten zu folgen und in die beschriebene Situation einzutauchen. 

    So konnte ich mich stets in die 3 Schönau Kinder – Lotte, Dorchen und Heinrich – hineinversetzen. Ich verstand ihre Sorgen und Nöte, ihre Verhaltensweisen. Es war für mich z.B. überaus nachvollziehbar, dass Lotte, die sehr an ihrem Vater Wilhelm hängt, diesem stürmisch in die Arme läuft, als er auf Fronturlaub nach Hause kommt, während Dorchen und Heinrich sich benehmen als stünden sie einem Fremden gegenüber. Tun sie ja auch! Eine solche Situation zu beschreiben, sodass ich als Leser zwar die Traurigkeit Wilhelms fühlen und absolut verstehen kann, aber mich gleichzeitig auch in die beiden Kinder hineindenken kann, ist großartig. Und so füllt Heike Wolf all ihre Figuren mit Leben, mit Charakter. Jede Figur – unabhängig davon, ob es eine Hauptfigur wie Charlotte ist oder ein Nebencharakter – ist ein Unikat, hat ihre ganz eigenen Züge und lebt vor dem inneren Auge des Lesers. So ist es möglich, sie zu lieben und sie zu verabscheuen, mit ihnen zu leiden, sich zu freuen oder zu weinen, so wie die Figuren im Buch es tun. Die Autorin schafft es immer wieder, dass man als Leser glaubt, es mit Freunden zu tun zu haben.

    Im Fall der Augusta – Charlottes Oma – ist es sogar passiert, dass ich sie zunächst überhaupt nicht ausstehen konnte, später sehr viel Sympathie für sie empfand und am Ende nicht mehr wusste, ob ich sie nun mag oder nicht. Ich fand ihre antisemitischen Äußerungen bereits weit vor dem ersten Weltkrieg abstoßend und ich konnte nicht verstehen, warum sie ihre Familie nicht mehr unterstützt. Sie erschien mir egoistisch und kalt. Im Krieg hat sie jedoch bewiesen, dass ihre Entscheidungen vielleicht kalt erscheinen mögen, aber auf jeden Fall sinnvoll und der Situation angepasst waren. Ich konnte sie so gut verstehen, als sie versuchte, ihre Tochter Amalie – Charlottes Tante – zum Arbeiten anzuhalten um den Unterhalt für ihre Familie zu verdienen, da auch deren Mann im Krieg war. Dann wieder traf sie Entscheidungen über die Köpfe vieler anderer hinweg, die ich nicht nachvollziehen konnte und die mich den Kopf schütteln ließen. Als sie starb, war ich traurig. Sie fehlte mir in der Familie.

    Ganz anders ist Mathilde, Haushälterin und Kindermädchen der Familie. Sie ist burschikos und rustikal, muss bisweilen auch schwere Entscheidungen treffen, aber sie ist klug und liebevoll. Bei ihr steht stets das Wohl der Familie im Vordergrund. Als die Schönaus kein Geld mehr haben, arbeitet sie sogar ohne Lohn. Sie hat mich überaus beeindruckt und mit ihrem schrägen Dialekt, den die Autorin so herrlich geschrieben hat, ist sie mir fast sofort ans Herz gewachsen – und dass, obwohl ich diesen Dialekt gar nicht mag. Ich hörte sie jedoch förmlich im Ohr, wann immer sie etwas sagte. Von Mathilde hatte ich ein sehr klares Bild vor Augen. 

    Charlotte ist schon ein recht besonnenes Kind, das ihre jüngere Schwester Dorchen hin und wieder bremsen muss, denn Dorchen ist demgegenüber ein Wirbelwind, fast draufgängerisch. Das ändert sich auch nicht, als aus den Kindern junge Mädchen und später junge Frauen werden. Auch hier gibt es wieder eine Situation, die so nachvollziehbar und herzerweichend war, dass es mir die Tränen in die Augen trieb. Eines Nachts vergriffen sich Dorchen und Charlotte an den Wintervorräten um sich einmal satt zu essen. Ich konnte es so gut verstehen, hatten sie doch immer Hunger. Hier war Dorchen die treibende Kraft und Charlotte wollte sie davon abhalten, aber der Hunger war stärker. Am nächsten Morgen hatten sie ein schlechtes Gewissen, doch weder Mathilde noch Luise haben sie dafür bestraft. Es war so unglaublich emotional und hallt so tief nach, dass ich selbst am Gemüseregal beim örtlichen Kaufmann an sie denken musste, weil Steckrüben – die von allen gehasst wurden, weil es das Einzige war, was es zu essen gab – gerade im Angebot waren. 

    Diese Charaktere können nur als Beispiele dienen. Man muss das Buch lesen um jeden von ihnen kennenzulernen. Und es ist ganz klar, den einen mag man, den anderen nicht. Dazu verändern sich die Charaktere im Laufe der Zeit zum Teil drastisch vor dem Hintergrund des persönlichen Schicksals und der politischen Lage. Manche Veränderung ist überaus angenehm, andere sind erschreckend. Und eben diese Veränderungen machen die Geschichte lebendig, lassen den Leser Verständnis, Widerwillen, vielleicht auch Zuneigung fühlen – ja fühlen! Die Charaktere berühren einen unweigerlich!

    Schreibstil:

    Heike Wolfs Schreibstil ist brillant! Sie schreibt bildgewaltig ohne sich in Details zu verlieren, sie lässt das Leipzig (und alle anderen Orte) Anfang des 20. Jahrhunderts glaubhaft vor dem inneren Auge auferstehen; sie zeigt es dem Leser und spricht nicht nur darüber. Den Ausspruch „Don’t say, show it!“ befüllt die Autorin mit Leben! 

    Wenn ich einen Roman lese, in dem ich Dinge finde, die zu einem bestimmten Landstrich gehören, finde ich das überaus charmant. Auch Heike Wolf hat solche Schmankerl genutzt. So nennt Wilhelm Charlotte liebevoll „mein Modschekiebschn“ (mein Marienkäfer). Es drückt so viel mehr aus als herkömmliche Sätze.

    Wilhelms Liebe zu Goethe verpackt die Autorin geschickt in Dialogen, in denen er sich gern bestimmter Goethe-Zitate bedient und in liebevollen Neckereien in der Familie, wenn er es nicht tut. Und der Familienhund heißt sicherlich auch nicht umsonst Mephisto.  

    Einen Zeitsprung von 1918 nach 1922 schreibt Heike Wolf sehr geschickt, indem sie die Trennung der Ereignisse durch eine Passage in 1989 herbeiführt, in der die fast 80jährige Charlotte ihrer Großnichte aus dieser Zeit berichtet. So bleibt nichts auf der Strecke und dennoch kann diese Geschichte gekonnt unterbrochen und an anderer Stelle weiter geführt werden.

    Der Leser des ersten Teils muss sich darauf gefasst machen, dass er den zweiten Teil unbedingt lesen will. Es bleiben nämlich Fragen offen, deren Antwort man nicht ohne weiteres selbst herleiten kann. Heike Wolf macht neugierig auf mehr und das auf eine sehr charmante Art und Weise – mit kleinen Andeutungen, die eben die Lust auf Teil 2 wecken. 

    Historischer Hintergrund:

    Ich weiß, dass die Autorin stets gründlich recherchiert. Insofern ist der historische Hintergrund nachvollziehbar und belegt. Dennoch steht dieser nicht im Vordergrund, sondern ist stets die Kulisse für die Geschichte, die die Autorin erzählt. Fakten werden nicht oberlehrerhaft präsentiert sondern vielmehr in die Geschichte verwoben – ganz so, als sind sie ein Teil von ihr. Es macht auf diese Art und Weise viel Spaß nicht nur die Geschichte der Familie Schönau zu lesen sondern ganz nebenbei auch noch etwas zu lernen.

    Fazit:

    Ein großartiges Buch, das mich als Leser alle Emotionen, derer ein Mensch fähig ist, durchleben ließ. Es hat mich zu Tränen gerührt und mit einer Wärme für einige Charaktere erfüllt, die unglaublich ist. Der zweite Teil ist Pflichtlektüre, denn es bleiben einige Fragen für diesen zweiten Teil übrig – gekonnt offen gelassen! Must read – nicht nur für Fans von historischen Romanen! 5 von 5 Sternen. 


    Danke Heike!

  15. Cover des Buches Berlin Alexanderplatz (ISBN: 9783596521494)
    Alfred Döblin

    Berlin Alexanderplatz

     (282)
    Aktuelle Rezension von: SotsiaalneKeskkond

    Mir hat der Schreibstil an und für sich sehr gut gefallen. Ich mag es, wenn dieser etwas umschreibend ist und man ein tolles Bild der Handlung und des Handlungsortes suggeriert bekommt. Allerdings nahm die oben bereits angesprochene Reizüberflutung zu drastische Ausmaße an, sodass ich das Buch nicht mehr genießen konnte. Man erlebt zwar hautnah die Erlebnisse einer Großstadt, aber Spannung kommt in der Geschichte gar nicht auf. Das Potential wird durch die ständige Erwähnung von banalen Nebensächlichkeiten komplett unterdrückt. Insofern war die Geschichte zäh und anstrengend zu lesen. Da stellt sich dann aber für jeden die Frage, ob man für den wohl beispiellosesten deutschen Großstadtroman und Döblins wunderbaren Schreibstil absolute Langeweile in Kauf nehmen will.

  16. Cover des Buches Als Deutschland noch nicht Deutschland war (ISBN: 9783462049572)
    Bruno Preisendörfer

    Als Deutschland noch nicht Deutschland war

     (9)
    Aktuelle Rezension von: Buecherfreundinimnorden
    Bisher hatte ich es schwer, verlässliche Informationen über das späte 18. und das frühe 19. Jahrhundert zu finden. Sicher, es gibt einiges über die großen Kriege, wichtige Erfindungen und Entdeckungen. Das Alltagsleben der Menschen allerdings spielte dabei kaum eine Rolle. Wer sich dafür interessiert, ist mit diesem Buch gut bedient. Der Autor hat zahlreiche Quellen ausgewertet und zeichnet ein ausführliches Bild der Goethezeit: Reisen sind noch eine Qual, um die Bildung der meisten Mitbürger steht es nicht allzu gut und von geregelter medizisvher Versorgung keine Spur. Ohne Sozialkitsch schildert der Autor Begebenheiten, die mir zumindest überwiegend unbekannt waren. Ich bin mit seiner Hilfe gerne zur Zeitreisenden geworden und empfehle das Buch für alle, die lebendige Geschichtsstunden mögen.
  17. Cover des Buches Grenzgängerin aus Liebe (ISBN: 9783453292284)
    Hera Lind

    Grenzgängerin aus Liebe

     (18)
    Aktuelle Rezension von: HEIDIZ

    Ich liebe die Romane nach einer wahren Geschichte von Hera Lind - ich habe sie allesamt gesammelt und sie haben einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal - das neue Buch erzählt von einer Grenzgängerin aus Liebe, von der jungen Sophie aus Weimar in Thüringen, die Hermann aus dem Westen kennenlernt. Sie ist eigentlich mit Karsten zusammen, der seines Zeichens in der DDR eine Funktionärstätigkeit ausübt. Von Hermann angestachelt, der über seine Heimat nur Gutes erzählt, stellt sie einen Ausreiseantrag und dieser wird sogar bewilligt, als sie allerdings im "Paradies" ankommt, ist Hermann nicht da, nur seine Eltern, er ist beruflich im Ausland unterwegs - für länger. Sie hat schließlich Sehnsucht nach Karsten und geht wieder zurück ins "Stasiland" .... aber, was dann passiert, erzählt ich euch jetzt nicht ...

     

    Schicksalhaft und extrem spannend und aufwühlend zu lesen hat mich dieser auf Tatsachen beruhende Roman sehr gefangen genommen.  

     

    Leseprobe:
     ========

     

    Weimar, 23. August, 1976

     

    "Sophie? Bist du da?"

    Ein heftiges Klopfen an meine Wohnungstür riss mich aus dem Schlaf. Wieder einmal hatte ich Tabletten genommen. Verwirrter Blick auf den Radiowecker: Es war drei Uhr nachmittags. Mit einem pelzigen Geschmack im Mund und unschönen Schweißrändern unter den Armen taumelte ich zur Tür. ...

     

    Ich fand die Lektüre rundherum gelungen, man konnte sich gut eindenken, die Charaktere wurden sehr nachvollziehbar in Gut und Böse, in ihrem Denken und Tun beschrieben, detailliert, doch nicht langatmig, die Szenen sind lebendig beschrieben, da fühlt man sich direkt involviert. Sehr gut recherchiert hat mich dieser Roman rundherum überzeugt.

  18. Cover des Buches Russendisko (ISBN: 9783442541751)
    Wladimir Kaminer

    Russendisko

     (524)
    Aktuelle Rezension von: cyranelli

    Gekauft hätte ich mir das Buch nie. Habe aber oft laut gelacht beim Lesen. Teils ein bisschen zu grotesk und dick aufgetragen, die Klischees der Wende und der russischen Bevölkerung in Berlin etwas zu geschraubt dargestellt. Alles in allem aber trotzdem lesenswert, obwohl ich dem hype nicht ganz folgen kann.

  19. Cover des Buches Anatomie der Wolken (ISBN: 9783423216661)
    Lea Singer

    Anatomie der Wolken

     (23)
    Aktuelle Rezension von: Buecherfreundinimnorden

    Eines gleich vorweg: Die Geistesgröße Goethe ist mir durch dieses Buch nicht sympathisch geworden. Er kommt als alter, eitler Gockel des Weges, der die Damenwelt gerne noch beglücken möchte, doch dafür ist es scheinbar zu spät - da helfen auch zahlreiche Trinkkuren in Karlsbad und anderswo nichts mehr. Caspar David Friedrich dagegen, ein ungebildeter Naturbursche, ist einzig in seine Malerei verliebt und gibt sich dafür mit einem Leben am Rande und mit dem Existenzminimum zufrieden. Antichambrieren liegt ihm nicht, eher zufällig verkauft er auch mal ein Bild an den Kronprinzen... das Band, das diese Beiden zusammenhält, ist dünn: ganz ehrlich? Für mich war es kaum vorhanden. Ein klein wenig konstruiert wirkte die Geschichte auf mich, denn diese Beiden brauchen einander nicht wirklich, sie können auch gar nicht miteinander...Was mich bei dem Buch durchhalten ließ, war die Atmosphäre, die Lea Singer schafft. Weimar, Sturm und Drang, Romantik, die napoleonischen Kriege - alles verwebt sie gekonnt zu einer sehr plastischen und echt wirkenden Collage. Auch sprachlich fand ich die Geschichte geglückt.Bei der Handlung allerdings kann sie noch nachlegen! 

  20. Cover des Buches Goethe und Schiller: Geschichte einer Freundschaft (ISBN: 9783596187430)
    Rüdiger Safranski

    Goethe und Schiller: Geschichte einer Freundschaft

     (32)
    Aktuelle Rezension von: Viv29
    Auch beim zweiten Lesen war dieses Buch wieder ein reines Vergnügen. Safranski beschreibt die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller so lebendig und unterhaltsam, daß es sich wie ein Roman liest. Der Stil ist flüssig, untermalt mit zahlreichen Zitaten, die sich angenehm in den Text einfinden und diesen nicht unterbrechen (wie es bei anderen Sachbüchern leider manchmal vorkommt). Der Autor hält sich selbst angenehm zurück (dies fiel mir gerade im Gegensatz zu den kürzlich gelesenen Büchern "Schillers Doppelliebe" und "Unser armer Schiller" sehr erfreulich auf), läßt Goethe und Schiller aber durch ihre eigenen Aussagen und jene ihrer Zeitgenossen sehr lebendig werden.

    Es wird gut beschrieben, aus welchen Motiven und Gedanken die beiden großen Dichter anfangs nicht angetan voneinander waren, wie sie sich annäherten, welche Wirkung dies auf ihr jeweiliges Werk hatte. Auf die zur Zeit der Freundschaft entstandenen Werke geht Safranski jeweils ein und liefert dadurch auch für das Verständnis dieser wertvolle Informationen und Einsichten. Es ist beeindruckend zu lesen, wie sehr sich Goethe und Schiller austauschten, welchen Gewinn - und welches Vergnügen - beide dadurch zogen, wie aber auch Mißerfolge erlebt wurden. Ihre sehr gegensätzlichen Charaktere und Weltsichten werden hervorragend ausgearbeitet und ermöglichen dadurch ebenfalls einen neuen Blick darauf, warum und wie sie vieles taten, sahen, schrieben. Diese Gegensätze führten zur anfänglichen Abneigung, wurden dann aber vorzüglich zum beiderseitigen Vorteil genutzt, was beide auch erkannt haben. Die philosophischen Erläuterungen waren mir manchmal, wie auch in Safranskis Goethebiographie, zu ausführlich, aber das liegt in meinem mangelnden Interesse an diesem Thema begründet.

    Nun war diese Freundschaft aber kein reines Zweckbündnis, und auch das wird in diesem Buch sehr angenehm dargestellt - die kleinen gegenseitigen Gesten der Freundschaft, der Sympathie werden anschaulich geschildert und so erfährt man viel nicht nur über die Dichter Goethe und Schiller, sondern auch die Menschen Goethe und Schiller. Es ist eine anschauliche detaillierte Rundumbetrachtung der Freundschaft und der beiden Männer. Wenn Information und Unterhaltung so angenehm verbunden werden, ist es eine Freude, ein Buch zu lesen.
  21. Cover des Buches Todesblau (ISBN: 9783426516164)
    Felix Leibrock

    Todesblau

     (9)
    Aktuelle Rezension von: scarlett59

    Zum Inhalt:
    Der Polizist Sascha Woltmann lässt sich von Berlin nach Weimar versetzen, da er in der Nähe seiner Eltern sein möchte. Sein Traum ist es bei der Kripo zu arbeiten, was in Berlin unmöglich war, in Weimar stehen seine Chancen aber auch nicht gut. Doch durch einen Zufall wird er in die Ermittlungen um den gewaltsamen Tod einer alten Dame eingebunden. Dieser Fall scheint jedoch größere Dimensionen zu haben, als anfangs vermutet.

    Meine Meinung:
    Der Klappentext klang interessant und auch der Einstieg in die Geschichte hat mir gut gefallen. Doch nach und nach empfand ich es als recht mühsam, dem Verlauf zu folgen. Zu viele Nebenschauplätze wurden aufgebaut, die den eigentlichen Kriminalfall in den Hintergrund drängten.

    Hier wurden DDR-Vergangenheit sowie alte Seilschaften, Ossi-/Wessi-Vorurteile, ansatzweise die NS-Zeit und Kulturgeschichte in einem Krimi verarbeitet. Ales für sich betrachtet sicher interessant, aber für meinen Geschmack zu komplex und damit dem Lesefluss bzw. der Spannung eher abträglich.

    Fazit: m.E. hat der Autor zu viel gewollt und ich kann keine Leseempfehlung aussprechen

  22. Cover des Buches Die Geisterseher (ISBN: 9783746633183)
    Kai Meyer

    Die Geisterseher

     (91)
    Aktuelle Rezension von: SaniHachidori

    INHALT:

    Dieses Buch von Kai Meyer entführt uns in das Weimar des frühen 19. Jahrhunderts.
    Er schickt die Gebrüder Grimm auf eine undurchsichtige Reise. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm treffen dabei auf viele bekannte Persönlichkeiten dieser Zeit.
    Die Geschichte beginnt und sie finden sich zu Gast beim großen Geheimrat Goethe wieder. In seinem Auftrag suchen sie den schwer erkrankten Schiller und dessen Frau auf. Sie liefern eine Medizin zu dem im Sterben liegenden Dichter. Gleichzeitig sollen sie sein letztes Manuskript abholen und anschließend Goethe übergeben.
    Auf dem Rückweg werden sie jedoch von einer dunklen Gestalt überfallen, das Manuskript kommt abhanden und sie setzen nun alles daran, es wiederzufinden.

    Aufgrund des Klappentextes könnte der Leser meinen, dass die Suche nach dem Manuskript zum zentralen Element wird, jedoch ist dem nicht im Geringsten so. Das Manuskript taucht bald wieder auf und mit ihm jede Menge Fragen und eine große Verschwörung darum. Auf einmal sehen sich die Gebrüder Grimm mit verschiedensten Parteien konfrontiert, die es auf das Manuskript abgesehen haben.
    Goethe und die ägyptische Geheimloge kämpfen genau so um dessen Besitz wie eine mysteriöse Gräfin und die Nachfahrin der Gräfin Cosel.
    Das Manuskript soll nach Warschau in Sicherheit gebracht werden, doch dort geht ein Mörder um, der nur "Der Sandmann" genannt wird. Außerdem verliebt sich Wilhelm Hals über Kopf in eine Reisegefährtin die für Jacob hexerische Fähigkeiten besitzt.
    Und auf einmal steht nicht nur das Manuskript im Fokus, sondern auch die Brüder - die sich immer mehr gegeneinander wenden.

    SCHREIBSTIL:

    Die Geschehnisse werden von Wilhelm Grimm selbst erzählt. Während dieser eher emotional getrieben und ungestüm ist, stellt sein Bruder Jacob die schiere Vernunft und das rationale Handeln dar. Klar, dass es zwischen diesen beiden Charakteren krachen muss. So werden immer wieder kleine Streitereien zwischen den Brüdern eingebaut, was ich teilweise anstrengend, aber auch authentisch fand.
    Die vielen bekannten Persönlichkeiten, wie Goethe, Schiller oder auch E.T.A. Hoffmann wurden meiner Meinung nach etwas inflationär eingebaut. Da es sehr viele solcher Charaktere gab, fand ich es leider etwas unglaubhaft, dass die Gebrüder Grimm ihnen tatsächlich allen begegnet sein könnten - geschweige denn, dass diese Persönlichkeiten alle dermaßen in ein mysteriöses Komplott verstrickt sein könnten.
    Der Sprachstil an sich hat mir sehr gut gefallen, da Wilhelm sich eines Ausdrucks bedient, der für die damalige Zeit typisch ist. Leider konnte das für mich nicht über die Schwächen der Handlung hinwegtrösten, denn so richtig gepackt hat mich das Buch leider bis zum Ende hin nicht.
    Trotz allem fand ich den historischen Rahmen sehr interessant, denn der Leser lernt auch einiges über die Städte oder Umgebungen, in denen die Gebrüder unterwegs sind. Auch in der Danksagung ist erkenntlich, dass Kai Meyer sehr viel Recherche betrieben hat, um diesen Rahmen der Geschichte zu schaffen.

    FAZIT:

    Die Idee des Buches hat mich direkt zum Lesen animiert, da ich die Märchen der Gebrüder Grimm sammle und mich dafür interessiere. Aus ihrer Sicht ein Abenteuer zu erleben, klang zunächst nach einem spannenden Einfall. Leider ruckelte es für mich in der Umsetzung. Die Handlung war undurchsichtig und für lange Zeit war kein übergeordnetes Ziel erkennbar, sodass der Leser keine Ahnung erhält, wo die Geschichte hinführen soll. Die Aufgaben, die von den beiden Brüdern erledigt werden sollen, finden schnell ihre Lösung, sodass ich mich beim Lesen öfter fragte: "Und was soll jetzt noch kommen?". Nicht unbedingt erleichtert wird dieser Umstand durch die vielen Charaktere, die mal mehr, mal weniger Bewandtnis haben und teilweise sehr blass bleiben. Es fehlte mir an Struktur, es wurden so viele Elemente gemischt, dass mich beim Lesen oft der Eindruck überkam, den Überblick und letzendlich den Überblick zu verlieren. Punktuell war die Handlung immer wieder mal spannend, danach aber auch immer wieder mal recht zäh. Die Atmosphäre war durch einige unheimliche Momente recht düster, aber nicht angsteinflößend. Am Ende spannt sich zwar ein kleiner Bogen, aber die Auflösung bleibt unspektakulär und lässt Fragen offen, weshalb ich doch etwas enttäuscht zurückblieb.
    Sprachlich wunderbar, aber zusammenhangslos und zerstückelt in der Handlung. Sehr viele, teils blasse Charaktere und zu viele gemixte Elemente wie bekannte Persönlichkeiten und Geheimlogen lassen schnell den Überblick verlieren. Das Potenzial wurde für mich nicht ausgenutzt. Eines der schwächeren Bücher von Kai Meyer für mich.

  23. Cover des Buches Schöne Tage in Weimar (ISBN: 9783463406305)
    Susanne Falk

    Schöne Tage in Weimar

     (5)
    Aktuelle Rezension von: MelliSt13

    Was für ein Aufwand war das bloß in damaligen Zeiten(wir befinden uns im Jahr 1852...) ein Denkmal zu erstellen und wieviele Leute da ein mitspracherecht

    hatten, kein Wunder das die Künstler von einst dem Wahnsinn nahe waren ;)

    Riteschel war allerdings ein besonderer Bildhauer, ihm wurde zu ehre das Goethe/von Schiller Denkmal zu konstruieren und es auf einem Sockel in Weimar zu

    präsentieren.

    Doch bis das soweit ist vergehen viele Jahre, viele Gläser Wein und viele Reisen ins Land.

    Wir begleiten Rietschel durch den Teil seines Lebens, der ihn fast zu einem adligen gemacht hätte.

    Doch er bleibt bodenständig und steht seiner großen Familie zur Seite.

    Susanne Falk hat hier einen wunderbaren Roman niedergeschrieben, der einen zum schmunzeln bringt, denn während Rietschel an dem Denkmal

    arbeitet, verfolgen ihn die Geister Goethes und von Schiller, die beiden Streithähne.

    Ein wenig geschichtliches Wissen kann man sich hier aneignen und der fiktive Teil wird am Ende von der Autorin kommentiert.

    Mir hat dieses Buch gefallen und man sollte dieses Buch nicht nur nebenbei lesen, denn ein leichter Anspruch wird von dem Leser gefordert.

  24. Cover des Buches Ein fabelhafter Lügner (ISBN: 9783462043105)
    Susann Pásztor

    Ein fabelhafter Lügner

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Catastrophia

    "Ein fabelhafter Lü"gner ist 2010 erschienen. Protagonist in Abwesenheit ist Joschi Molnár, der zwar schon verstorben ist, anlässlich dessen 100. Geburtstags sich aber dessen drei Kinder (von jeweils unterschiedlichen Müttern) und seine Enkelin treffen. Ort des Treffens ist Weimar/Buchenwald, denn Joschi soll den Aufenthalt dort als jüdischstämmiger Ungar überlebt haben.

    Als Geschichtenerzähler, der es mit der Wahrheit nicht genau nahm, hat jede seiner Familien ein anderes Bild von ihm und so geht es beim Treffen auch darum, auszuloten, wer Joschi eigentlich wirklich war, welchen Einfluss jede seiner Selbstdarstellungen auf seine Kinder hatte, wie sie zueinander stehen. Pásztor beweist mit dem Buch nicht nur ein Händchen dafür, absurd-amüsante Szenen nicht ins Flache abgleiten zu lassen, sondern löst auch unangenehme Fragen in den Leser*innen aus - etwa die, ob man einem ehemaligen KZ-Häftling unterstellen möchte, seine Lebensgeschichte mit fiktiven Elementen "angereichert" zu haben, wie man so etwas nachweisen will und ob das am Ende überhaupt relevant ist.
    Trotzdem, oder vielleicht gerade wegen der lockeren Art der Erzählung, liest sich das Buch gut und sicher trägt dazu auch bei, dass das Familientreffen aus Sicht der 16-jährigen Enkelin Joschis, Lily, erzählt wird.

    Insgesamt ein Buch mit viel Leichtigkeit und Humor, das sich schön für einen Tag am See oder im Garten eignet. Sicher nicht mein letztes Buch von Pásztor

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