Bücher mit dem Tag "weimar"
62 Bücher
- Alfred Döblin
Berlin Alexanderplatz
(296)Aktuelle Rezension von: NeuniBerlin Alexanderplatz von Alfred Döblin ist der herausragende deutsch Großstabsroman der klassischen Moderne. Anhand der Geschichte des Totschlägers und proletarischen Gefühlsmenschen Franz Biberkopf entwickelt Döblin ein experimentelles literarisches Kaleidoskop des wilden Berlin der 20er Jahre. Der Roman ist das deutsch Pardon zu großen wegbereitenden Romanen der Moderne wie dem Ulysses von Joyce oder Manhattan Transfer von Dos Passos.
- Andreas Eschbach
NSA - Nationales Sicherheits-Amt
(369)Aktuelle Rezension von: BuecherhexeNSA - Andreas Eschbach
Andreas Eschbachs Roman NSA basiert auf einer ebenso faszinierenden wie beunruhigenden Grundidee: Was wäre geschehen, wenn dem nationalsozialistischen Deutschland bereits die technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters zur Verfügung gestanden hätten? Konkret entwirft Eschbach eine Welt, in der Computer, soziale Netzwerke und allgegenwärtige elektronische Überwachung schon während des Dritten Reiches existieren. Diese Prämisse macht NSA zunächst zu einem äußerst spannenden und beklemmenden Werk der Alternative History.
Besonders zu Beginn überzeugt der Roman durch seine konsequente Ausarbeitung des Szenarios. Eschbach gelingt es eindrucksvoll, die Mechanismen moderner digitaler Überwachung mit den totalitären Strukturen des NS-Staates zu verknüpfen. Die Vorstellung, dass Gestapo und SS nicht mehr mühsam Akten durchsuchen müssten, sondern per Mausklick auf umfassende Datensätze zugreifen könnten, entfaltet eine enorme Wirkung. Gerade weil viele der geschilderten Technologien heutigen Lesern vertraut sind, wirkt die dargestellte Dystopie erschreckend plausibel.
Auch die Figurenzeichnung ist zunächst gelungen. Die Protagonistin Helene Bodenkamp, eine talentierte Programmiererin, steht exemplarisch für Menschen, die sich in autoritären Systemen arrangieren, ohne deren Konsequenzen vollständig zu überblicken. Ihre Entwicklung verdeutlicht, wie technische Expertise und politische Verantwortung miteinander verknüpft sind – oder eben nicht. Eschbach stellt damit wichtige Fragen nach der moralischen Verantwortung von Informatikern und Technikern, die auch für die Gegenwart hochaktuell bleiben.
Dennoch weist der Roman gerade aus Sicht der Alternative History für mich erhebliche Schwächen auf. Zwar ist die Ausgangsidee originell, doch erscheint die technische Entwicklung häufig zu wenig historisch eingebettet. Die digitale Revolution wird nahezu vollständig in die 1930er- und 1940er-Jahre transplantiert, ohne dass die tiefgreifenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Voraussetzungen ausreichend berücksichtigt werden. Dadurch entsteht stellenweise der Eindruck, dass weniger eine alternative historische Entwicklung beschrieben wird als vielmehr die heutige Gegenwart mit NS-Symbolik überzogen wird. Das eigentliche Potenzial alternativer Geschichtsschreibung – nämlich nachvollziehbar zu zeigen, wie sich historische Prozesse unter veränderten Bedingungen entwickeln könnten – wird nur teilweise ausgeschöpft.
Hinzu kommt, dass der Roman im letzten Drittel zunehmend an Plausibilität verliert. Während die Handlung anfangs noch von ihrer beklemmenden Realitätsnähe lebt, steigert sich die Geschichte gegen Ende immer stärker in spektakuläre und teilweise abstrus wirkende Wendungen. Die Ereignisse überschlagen sich, Zufälle häufen sich, und einige Entwicklungen erscheinen eher konstruiert als organisch aus dem zuvor etablierten Szenario hervorgegangen. Dadurch büßt die Geschichte einen Teil jener Glaubwürdigkeit ein, die ihre größte Stärke ausmacht.
Daher mein Fazit: trotz des anfänglichen spannenden Buchs, habe ich die letzten Seiten möglichst schnell hinter mich gebracht - 3 Sterne
- Arno Strobel
Fake – Wer soll dir jetzt noch glauben?
(459)Aktuelle Rezension von: Carolin2In diesem absolut gelungenen Psychothriller von Arno Strobel geht es um einen Mann, welcher zu Unrecht in Untersuchungshaft sitzt.
Jedoch gibt es schlagkräftige Beweise, zb. ein Video auf dem der Unschuldige zu sehen ist, wie er eine Frau verbal als auch körperlich misshandelt.
Wie soll man hier noch seine Unschuld beweisen, wenn alle Fakten klar und deutlich gegen einen sprechen und der Einzige der noch darauf besteht, nicht die Person im Video zu sein, man selbst ist?
Für mich persönlich mal wieder ein absolut gelungenes Werk von Arno Strobel.
Absolute Leseempfehlung von meiner Seite aus👍🏻
- Ben Aaronovitch
Der böse Ort
(457)Aktuelle Rezension von: juniaWie kam ich zu diesem Buch?
Durch Zufall wurde ich bereits vor langer Zeit auf die Reihe bzw. den Autor aufmerksam. Ich hatte damals auch einige Bücher der Reihe gelesen. Nachdem der Rest dann einige Zeit im Bücherregal vor sich hin schlummerte, startet nun der Re-Read und das Schmökern der ganzen Reihe.
Wie finde ich Cover und Titel?
Die Cover waren es, die mich vor zehn Jahren angesprochen haben und das tun sie immer noch. Das Taschenbuch hat eine Art Prägung, man kann die Schrift fühlen. Der Titel passt auch.
Um was geht’s?
Auf den Inhalt gehe ich an dieser Stelle nicht allzu detailliert ein, den Klappentext könnt ihr ja selbst lesen, und eine Zusammenfassung des Buches muss ja nun nicht in die Rezension. Lasst euch aber gesagt sein, dass so einiges passiert in der Welt von Peter Grant, seines Zeichens Magielehrling, offiziell in der Abteilung für Spezialermittlungen bei Inspector Thomas Nightingale. Mittlerweile haben Charaktere und Leser sich in das Setting eingefunden, das echt süchtig macht, und schon gibt es einen neuen, selbstverständlich übernatürlichen Fall, sehr komplex und mit überraschendem Ende. Ich bin gespannt, wie es in Band 5 weitergeht. Auch hier wurde das Hörbuch extrem gekürzt. Wer es hat, sollte lieber das Buch lesen. Es fehlen natürlich keine kriegsentscheidenden Fakten, aber die Kürzung nimmt schon viel Flair der Geschichte und vor allem den Humor.
Wie ist es geschrieben?
Es handelt sich um den 4. Teil einer Serie, und ich hatte keine Probleme, wieder in die Rahmenhandlung einzutauchen. Ich war ja auch gleich angefixt und wollte wissen, wie es weitergeht. Es wird zwar immer wieder Bezug auf die vorherigen Bände genommen, Quereinsteiger dürften es aber schwer haben, die Zusammenhänge zu erfassen. Der Schreibstil ist locker-flockig und zügig zu lesen, der Ausdruck ist gut und leicht zu verstehen. Sehr gut gefällt mir, dass der Roman in der Ich-Form (von Peter) geschrieben ist, man versucht sich gleich mit dem Protagonisten zu identifizieren und ist irgendwie näher dran am Geschehen. Die Beschreibungen sind nicht zu ausschweifend, aber detailliert und bildhaft genug, um gleich in der Story zu sein. Die Gegebenheiten konnte ich mir sehr gut vorstellen. Ein fast beiläufig eingestreuter schwarzer und trockener Humor rundet das Ganze ein wenig ab und trifft genau meinen Geschmack. Ja, man muss schon ziemlich schmunzeln beim Lesen.
Wer spielt mit?
Die Charaktere und deren Entwicklung sind gut gezeichnet. Ich habe sie kennengelernt, ich habe mitgefiebert und mitgelitten. Die Stimme des Sprechers finde ich echt gut. Er liest recht zügig, was ich sehr mag, dennoch sind die Hörbücher – wie erwähnt – extrem gekürzt.
Mein Fazit?
Das Buch hat mir mit seinen aberwitzigen Dialogen sehr gut gefallen, somit erhält es von mir 5 von 5 Sternchen und kann guten Gewissens weiterempfohlen werden. Es wird nicht das letzte Buch des Autors sein, das ich lese. Die Reihe steht zum Glück fast lückenlos und lesebereit im Regal.
- Gunnar Kaiser
Unter der Haut
(45)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchEin geheimnisvoller Mann, Josef Eisenstein, ist Mäzen und Verführer, nicht im sexuellen, sondern ideologischen Sinne. Eines jungen Mannes. Jonathan Rosen. Zusammen gabeln sie junge Mädels auf. Jonathan beschläft sie. Eisenstein ist Voyeur
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an wie eine Klinge berührt, die leicht über meine Haut fährt mit einem gewissen Druck..... und mir über die mehr als 500 Seiten durchweg Gänsehaut verschafft. Die unterschwellige Spannung ist grandios in drei Erzählsträngen verflochten. 1969, die beiden ungleichen Männer lernen sich kennen und ein spezieller und für Jonathan unvergesslicher Sommer in New York nimmt seinen Lauf. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, als Josef Eisenstein geboren wird, und eine Kindheit einen Menschen prägt. Und dann 1990, als sich Jonathan auf den Weg macht, um die wahre Geschichte seines alten Freundes aus dem Sommer 1969 aufzudecken.
Gunnar Kaiser schafft eine so unglaubliche Atmosphäre, die in den verschiedenen Erzählsträngen durch die spezifische Sprache der Zeit und auch im Buch durch die unterschiedlichen Schriften deutlich gemacht wird.Absolut lesenswert
- Ian McEwan
Kindeswohl
(286)Aktuelle Rezension von: EllekensSchon lange wollte ich dieses Buch lesen. Nun haben wir uns es im Lesekreis vorgenommen.
Fiona Maye, Familienrichterin im Londoner High Court, hat in ihrem langjährigen, sehr erfolgreichen Berufsleben schon viele schwere Entscheidungen treffen müssen. Ob es die Trennung eines siamesischen Zwillingpaars war oder die verschieden Bildungswünsche eines getrennten Ehepaars für Ihre Kinder - immer stand und steht bei Fiona das Kindeswohl an erster Stelle.
Nun hat sie selbst Eheprobleme. Ihr Mann möchte mit ihrem Einverständnis fremdgehen.
Gleichzeitig muss sie über einen besonderen Fall richten. In diesem geht es um Adam, der in drei Monaten 18 Jahre und somit volljährig wird und an Leukämie erkrankt ist. Er und seine Eltern sind Mitglieder der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Diese erlauben keine Bluttransfusionen, die jedoch für Adam lebensrettend sind. Kann ein junger Mann kurz vor seiner Volljährigkeit selbst Entscheidungen treffen? (3 Monate später konnte und dürfte keiner mehr was dazu sagen noch richten können.) Fiona will selbst mit ihm sprechen und lernt Adam im Krankenhaus kennen.
Weiter möchte ich hier nicht spoilern, möchte das Buch aber sehr empfehlen!
McEwan gelingt es in diesem schmalen Buch in eindringlicher Sprache eine sehr intime Atmosphäre zu schaffen. Ich habe es in einem Rutsch gelesen und bin schon jetzt auf die Meinungen meiner Lese-Freunde gespannt. - Theresia Enzensberger
Blaupause
(25)Aktuelle Rezension von: Viktoria_von_SchoelerTheresia Enzensbergers Unterfangen ist im Grunde löblich: Sie versucht zu zeigen, wie auch in einer sich selbst als fortschrittlich verstehenden sozialen Gruppe, dem Bauhaus, die alten patriarchalischen Rollenbilder fortleben: Den Männern den Ruhm, die Frauen an die Webstühle.
Nun ist diese Erkenntnis, dass auch das Bauhaus gegen Vorurteile gegenüber der Frau und klassische Rollenbilder keineswegs immun war, nichts Neues (und wer wäre so naiv zu glauben, dass in einem Land mit einer tiefwurzelnden patriarchalen, anti-demokratischen und militaristischen Tradition wie Deutschland ein Jahr nach dem Ersten Weltkrieg plötzlich alles die Zeichen plötzlich auf Gleichberechtigung stünden?), aber um einen guten Roman zu schreiben, braucht es bekanntlich nicht zwingend ein originelles Thema. Doch wer es dann auch noch so unbedarft umsetzt wie Theresia Enzensberger, der muss sich dann eben auch diesen Vorwurf - unter vielen - gefallen lassen.
Der Plot ist schnell erzählt: Das etwas naive, an ihrer Welt, die bekanntlich an politischen, wirtschaftlichen und sozialen Konflikten nicht gerade arm ist, gänzlich desinteressierte Luise Schilling fängt am Bauhaus in Weimar ein Studium an, verliebt sich in einen ominösen Jakob, dem sie geradezu willenlos nachhängt, die Beziehung scheitert, sie geht von Weimar weg. Ein paar Jahre später kommt sie zurück, das Bauhaus ist mittlerweile in Dessau, sie verliebt sich wieder, und wieder wird nichts daraus. Am Schluss plagiiert Walter Gropius ihre Pläne, für das sie sich Jahre später, mittlerweile in den USA, an ihm rächt.
Als erstes begegnet man Enzensbergers Sprache, ein klassischer Präsensroman, wie er seit gut zwei Jahrzehnten zuhauf geschrieben wird. Einfache Satzkonstruktionen, viele Haupsätze, Parataxe, ab und an eine Hypotaxe. Manche Sprachbilder gelingen ihr durchaus, was aber spätestens ab Seite 15 zu stören beginnt: Es ist eben unmöglich der Sprache eines Menschen, der in den 1910er und 1920er Jahren spricht, vielmehr ist es der Sprech der 2010er Jahre, der auch immer wieder mit Wörtern und Begriffen aufwartet, die um 1920 völlig unbekannt oder zumindest gänzlich ungebräuchlich waren. Würde man den Roman ins Mythische und damit Allgemeingültige ziehen (man denke etwa an die Antigone des Jean Anouilh), man also deutlich machen würde, dass nicht eigentlich die 1920er gemeint sind, wäre eine rund 100 Jahre jüngere Sprache in Ordnung. Hier wird aber klar gegen die Regeln der Fiktion verstoßen. Immerhin lässt sich die Sprache leicht und schnell lesen.
Flach, oft sogar klischiert und erstaunlich unkomplex ist das gesamte Personal. Luise lässt sich alles gefallen, und zwar von Mitstudenten und Freundinnen gleichermaßen, sie ist desinteressiert, phlegmatisch. Das wirkt zuweilen unfreiwillig komisch, oft schämt man sich aber auch, ertappt sich bei dem Gedanken, ob der Autorin einfach nichts Besseres eingefallen ist. Ob sie sich vielleicht selbst nicht für die Weimarer Republik interessiert, aber wusste, dass sie bei der Wahl eines solchen Themas die politischen Hintergründe doch streifen muss. Das hat Theresia Enzensberger getan, doch auch hier bleibt alles an der Oberfläche.
Was mir auch bereits nach wenigen Seiten aufgefallen ist: Man sieht sofort in den Maschinenraum des Textes. Es ist stets glasklar ersichtlich, warum jetzt Figur XY in den nächsten Minuten um die Ecke gebogen kommt, denn sonst könnte der Plot nicht weitergehen. So macht Luise etwa einmal in Weimar an einem Kiosk Halt, wo zwei Arbeitslose (natürlich!) über die Tagespolitik diskutieren. Damit der Leserin nun etwas mehr Hintergrundwissen mitgegeben werden kann, muss sie ihren Kaffee nun langsam trinken, denn nur so kann sie dem Gespräch zuhören. Daraus ergeben sich dann aber keinerlei Konsequenzen für Luise, es interessiert sie ja auch nicht. Man merkt: Hier wollte jemand eine Prise Politik in seinen Text einstreuen, leider bleibt es Einstreusel und also folgenlos.
Diese Defizite machen die Lektüre allesamt schwer erträglich. Spannung kommt so gut wie nie auf, alles plätschert doch recht unmotiviert daher. Und so fragt man sich, ob Theresia Enzensberger mit diesem emanzipatorischen Roman dem Feminismus nicht eher einen Bärendienst geleistet hat. Der Zweck jedenfalls heiligt auch hier nicht die Mittel.
Ich habe dieses Buch auf Anraten meiner Buchhändlerin des Vertrauens gekauft. Sie fand den Roman großartig, weil er ein feministischer Roman sei. Das ist alles schön und gut, aber eben nicht genug. Nur weil das Anliegen der Autorin ein gutes ist, wird daraus nicht automatisch ein gelungener Roman.
Ich weiß, dass Enzensberger eine Debütantin ist, deswegen gibt es von mir aufgerundete zwei Sterne.
- Charles Lewinsky
Rauch und Schall
(30)Aktuelle Rezension von: PitCGoethe hat eine Schreibblockade. Sein Schwager, der leichte, anspruchslose Texte schreibt, hilft ihm: zuerst schreibt er für ihn ein Auftragsgedicht, dann zeigt er ihm, wie er die Blockade überwinden kann. Weitere Turbulenzen und Verwechslungen. Witziger Text, amüsant, zeigt die Nähe von anspruchsloser zu anspruchsvoller Literatur.
- Bruno Preisendörfer
Als Deutschland noch nicht Deutschland war
(11)Aktuelle Rezension von: BuecherfreundinimnordenBisher hatte ich es schwer, verlässliche Informationen über das späte 18. und das frühe 19. Jahrhundert zu finden. Sicher, es gibt einiges über die großen Kriege, wichtige Erfindungen und Entdeckungen. Das Alltagsleben der Menschen allerdings spielte dabei kaum eine Rolle. Wer sich dafür interessiert, ist mit diesem Buch gut bedient. Der Autor hat zahlreiche Quellen ausgewertet und zeichnet ein ausführliches Bild der Goethezeit: Reisen sind noch eine Qual, um die Bildung der meisten Mitbürger steht es nicht allzu gut und von geregelter medizisvher Versorgung keine Spur. Ohne Sozialkitsch schildert der Autor Begebenheiten, die mir zumindest überwiegend unbekannt waren. Ich bin mit seiner Hilfe gerne zur Zeitreisenden geworden und empfehle das Buch für alle, die lebendige Geschichtsstunden mögen. - Joan Weng
Amalientöchter
(48)Aktuelle Rezension von: SusziDeutschland 1918 - nach den Ende des großen Krieges herrscht Aufbruchsstimmung. Die junge Klara fühlt sich in dem kaisertreuen Elternhaus eingeengt und folgt ihren Verlobten nach Berlin.
Klara besitzt die Ungestühmtheit und Risikobereitschaft der Jugend. Ohne viele Bedenken, folgt sie ihrer großen Liebe Fritz nach Berlin, wo der Umbruch sehr viel ausgeprägter als in dem beschaulichen Weimar ist. Das moderne Leben fördert ihre Entwicklung von der behüteten Tochter der gehobenen Gesellschaft mit vorgezeichnetem Lebensweg zu einer selbstbewussten Frau, die ihre Ziele verwirklicht. Während Fritz zunehmend desillusioniert seine Ideale nach und nach aufgibt, blüht Klara regelrecht auf und will mehr als das Leben einer Arztgattin.
Prinzipiell ist der Stoff sehr interessant, vor allem auch wegen der politischen Umbrüche. Leider bleiben die Akteure relativ farblos. Der Zusammenhang zu Prinzessin Amalia erschließt sich mir, bis auf Karlas Schwärmerei dafür nicht wirklich. Auch ihre Postkartensammelleidenschaft die die Grundlage für ihre Schreiberei bildet, bleibt darüber hinaus etwas zusammenhanglos.
Für mich ein Buch was einen zwar ganz nett unterhält, jedoch nicht wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
- Udo Weinbörner
Der lange Weg nach Weimar
(14)Aktuelle Rezension von: EuridikeUdo Weinbörner schildert in zwei Teilen das Leben und Wirken Friedrich Schillers so interessant und detailliert, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann, obwohl der Schreibstil durch das Biographische und die Genauigkeit des Autors nicht leicht zu lesen ist.
Ich war von Schiller und seinem Leben fasziniert, kein Wunder, dass es den Frauen seiner Zeit nicht anders ging.
Obwohl er ja beileibe kein Adonis war, lagen ihm die Frauen scharenweise zu Füßen und der Vorname "Charlotte " hat es ihm scheinbar angetan.
Ansonsten hat das Leben ihm übel mitgespielt und auch das wurde hier sehr ausdrucksvoll und einfühlsam geschildert.
Interessant war sein Verhältnis zu Goethe, das ich so noch nicht gehört hatte.
Ein Anliegen des Autors ist es, auf Schillers Werke aufmerksam zu machen und es ist bei mir zumindest gelungen. Die Räuber sind gelesen und das wird nicht das letzte Drama von ihm sein.
- Jenna Blum
Die uns lieben
(65)Aktuelle Rezension von: Stella_StellarisTrudy, geboren 1940 in Weimar, hat ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Anna. Die Tochter fühlt, dass ihre Mutter ein Geheimnis mit sich herumträgt. Aber Anna spricht nicht über die Vergangenheit in Deutschland.
Trudy ist das Kind einer verbotenen Beziehung. Als junge Frau verliebt sich Anna in den jüdischen Arzt Max und versteckt ihn längere Zeit im elterlichen Haus. Annas Vater verrät ihn. Trudy wird geboren, als ihr Vater im KZ Buchenwald gefangengehalten wird.
Anna schließt sich dem Widerstand gegen Hitler an, versorgt KZ-Insassen mit Brot und schmuggelt Nachrichten.
Eines Tages sieht sie sich, um Trudy zu schützen und ihr eigenes Leben zu retten, gezwungen, sich mit einem SS-Mann einzulassen. Diese Verbindung sowie ihre Erlebnisse und Erfahrungen während dieser Zeit lassen sie ihr Leben lang nicht mehr los.
Direkt nach dem Krieg lernt Anna den amerikanischen Soldaten Jack kennen. Sie heiraten, und Jack nimmt seine kleine Familie mit auf seine Farm in Minneapolis / USA.
Trudy ist eine namhafte Geschichtsprofessorin geworden. Aus ihrer frühen Kindheit in Weimar sind ihr nur einzelne, diffuse Erinnerungsschnipsel geblieben. Aufgrund eines alten Fotos, welches sie zufälligerweise in den Sachen ihrer Mutter findet, hält sie sich für die Tochter eines Nazis.
Nicht umsonst hat sich dieser Roman zwei Jahre auf der Bestseller-Liste der New York Times gehalten. Jenna Blum hat vor dem Schreiben dieses Buches über einen längeren Zeitraum hinweg umfassend und tiefschürfend recheriert. Ihr ist ein außergewöhnlicher, packender Debütroman mit authentischen Charakteren und einem glaubhaften Inhalt gelungen. Er hat mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen hat und ist mir sehr nahe gegangen. Der Schreibstil ist flüssig. Zudem mag ich Romane, die auf verschiedenen Zeitebenen angesiedelt sind.
Ich wünsche diesem historischen Roman, in dem ein dunkles Kapitel der jüngsten deutschen Geschichte lebendig wird, noch zahlreiche geneigte Leser:innen.
Mein Lieblingsstelle befindet sich auf Seite 504, dort heißt es: „Es ist ihre Entscheidung, nicht über die Dinge zu sprechen, die sie getan hat, ob sie nun mutig waren oder nicht. Als Heldin ist es sogar ihr Recht. Und andererseits spielt es keine Rolle, ob sie nun eine Heldin ist oder nicht. Jedem Menschen steht die Entscheidung darüber zu, wie er mit der Vergangenheit lebt, diese Würde, dieses unverletzliche Recht.“
- Peter Neumann
Sternstunden
(11)Aktuelle Rezension von: MatthiasBreimannIm Jahre 1789 ist Europa im Wandel, denn mit dem Sturm auf die Bastille unter dem berühmten Motto “Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit, beginnt die Französische Revolution und der Ruf nach Freiheit wird immer lauter und erreicht auch den Rest Europas. So auch unter den einflussreichsten Philosophen Deutschlands. Doch zu jener Zeit entwickelt sich auch eine neue Hochburg des denkerischen Lebens und der geistigen Elite, denn was früher Weimar war ist jetzt Jena.
Hier kommen sie zusammen, Goethe, Schelling, Schlegel, Tieck, Novalis und andere große Denker und gehen nicht nur wissenschaftlichen, metaphysischen Fragen nach sondern auch politischen und humanistischen Fragen, wie “was ist Freiheit?“ nach…….
Ein sehr interessantes Werk, wobei der Autor viele Facetten abdeckt und kombiniert. Zusammengefasst könnte man sagen, es ist ein Werk das Geschichte, Philosophie, Poesie und Biografien harmonisierend vereint. Denn einerseits erzählt das Buch über die Lage Europas/Deutschlands während der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege, andererseits geht er auf viele philosophische Ideen, Schriften und Gedanken ein und erläutert sie dem Leser und zusätzlich geht er genauer auf den Alltag und das Leben einiger großer Geister des Deutschen Idealismus ein, unter anderem eben Novalis, die Brüder Schlegel, Schelling, Fichte uvm. Dazu kommen sogar einige poetische Werke nicht zu kurz und schwarz-weiß Abbildungen.
Zusätzlich gibt es im Buch eine kurze Zusammenfassung der Lebenswege der genannten Philosophen, eine Zeittafel wo alles nochmalig und kurz erläutert wird und Anmerkungen zu Gedichten, Schriften und einiges mehr.
Zwar ist es ein Werk für Interessierte für Philosophie, aber auch für Leser zeitgeschichtlicher Werke kann man es ohne weiteres nur empfehlen. Aber auch für jeden interessierten Leser ist es ohne weiteres geeignet da es verständlich und unterhaltsam mit einigen humoristischen Pointen und Fakten verfasst ist.
Viele Themen in einem kurzen und interessanten Werk, harmonisch vereint.
- Sigrid Damm
Das Leben des Friedrich Schiller
(17)Aktuelle Rezension von: Viv29In "Das Leben des Friedrich Schiller" entwirft Sigrid Damm ein sehr gründliches Bild Schillers, unterstützt durch zahlreiche, gelungen in den Text eingefügte Zeitzeugenzitate. Es gelingt nicht immer so gut, solche Zitate derart angenehm in den Text einzubauen, und obwohl dies die dritte oder vierte Schillerbiographie ist, die ich las, erfuhr ich doch noch neue Informationen. Hauptsächlich sind es die Worte von Schiller selbst, die wir hier lesen können, gut in den Kontext gesetzt, aber auch viele Weggefährten kommen zu Wort. Auf viele Aspekte, die in anderen Biographien nur am Rande (wenn überhaupt) vorkommen, geht Sigrid Damm angenehmer Ausführlichkeit ein. Die Beziehung Schillers zu seinen Eltern ist zum Beispiel in diesem Buch gut beleuchtet worden, auch über die Eltern selbst gibt es Hintergrundinformationen. Das, was mir in Safranskis Biographie oft gefehlt hat: der Mensch Schiller, findet sich hier auf sehr erfreuliche Weise. Die Persönlichkeit, das Wesen Schillers, sein Umgang mit seiner Vaterrolle, seine sehr direkte Art, die Mischung aus Empfindlichkeit und fehlender Diplomatie, all dies wird hier gut dargestellt, hilft, auch den Menschen hinter dem Werk kennenzulernen. Lediglich die Ehe kommt ein wenig zu kurz.
Schillers Werk selbst wird ebenfalls gut dargestellt, wenn auch manchmal ein wenig mehr Ausführlichkeit hier willkommen gewesen wäre. Interessant die spannungsreiche Beziehung zwischen Schiller und Herzog Carl August, die auch durch einige Zitate aus Briefen Carl Augusts gut illustriert wird. Normalerweise kommt der Herzog selbst in derlei Biographien kaum zu Wort, so wurde auch er hier für den Leser etwas anschaulicher.
Sigrid Damm schafft es sehr gut, dem Relevanten genug Raum zu geben und sich nicht zu sehr in Nebensächlichkeiten zu verlieren. Dadurch liest das Buch sich flüssig. Etwas störend fand ich, daß sie sich selbst immer wieder ins Spiel brachte. Am Anfang des Buches steht ein ausführlicher Bericht, wie sie früher zu Schiller stand, wie sich dem Werk und dem Menschen näherte. Auch später kommen immer wieder Einschübe über ihre Besuche an manchen Orten, ihre Gedanken bei diesem und jenem - ich finde es immer eher unangenehm, wenn ein Autor sich derart in den Vordergrund schiebt. Wenn ich eine Biographie über Schiller lese, dann, weil ich etwas über Schiller erfahren möchte. Wann und warum der Autor der Biographie Schiller für sich entdeckt hat, oder welche Gedanken beim Anblick des Grabes der Mutter aufkommen, ist für mich nicht relevant.
Der andere Kritikpunkt ist die - mir schon aus anderen Büchern bekannte - Vorliebe Sigrid Damms für unvollständige Sätze bei der Einleitung oder Zusammenfassung eines Themas (zB "Die Nachricht vom Tod der Schwester. Die Trauer der Eltern um den Verlust der Tochter. Elisabetha Dorotheas Angst um den Ehemann." oder "Schillers Vorliebe für Geschichte. Sein Interesse am Wallenstein-Stoff, den er bereits als Historiker bekundet hat."). Gerade inmitten des ansonsten so angenehm lesbaren Stils fallen sie auf und sind zumeist ohnehin überflüssig.Manche Absätze bestehen lediglich aus einer Aneinanderreihung von Fragen ohne Antworten. Auch dies finde ich überflüssig. An manchen Stellen können wir nur mutmaßen, das ist normal. Die Mutmaßungen müssen dem Leser aber nicht vorgekaut werden.
Erfreulich ist es, daß Sigrid Damm meistens die Zeitzeugen sprechen läßt und ihre Interpretationen den Leser nicht aufdiktiert (was die Autorinnen von "Schillers Doppelliebe" leider nur zu gerne taten). Sie schildert zum Beispiel zwar ihre Eindrücke des Goethe-Schiller-Denkmals (welche sich von meinen grundlegend unterscheiden), maßt sich aber nicht an, die Freundschaft der beiden Dichterfürsten zu beurteilen oder kleinzureden. Sie läßt die beiden Freunde und andere Zeitzeugen zu Wort kommen. Das geschieht auch bei anderen Punkten und gefiel mir sehr gut (leider wurde diese Neutralität aber nicht durchgängig beibehalten).
So ist dieses Buch recht lebendig und erfreulich zu lesen, für mich eine hervorragende Ergänzung zu Safranskis Schillerbiographie, weil der Mensch und sein Umfeld hinter dem Werk hervortritt. Die oben genannten Eigenheiten der Autorin haben für mich an manchen Stellen das Lesevergnügen ein wenig beeinträchtigt, im Ganzen kann ich das Buch aber sehr empfehlen.
- Heike Wolf
Bürgerin aller Zeiten
(22)Aktuelle Rezension von: BabajagaDas Buch:
Nachdem ich von Heike Wolf bereits den ersten Teil ihrer großartigen Allender-Trilogie gelesen hatte, war ich absolut gespannt auf den ersten Teil der Schönau-Dilogie. Meine Erwartungen waren extrem hoch, da mich die Allenders so unglaublich beeindruckt hatten. Ich wurde nicht enttäuscht!
Das Cover ziert ein authentisches Familienfoto der 3 Schönau Geschwister, womit es aus den heutigen Standard-Covers für historische Romane hervorsticht und belegt, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Ein Umstand, der die Geschichte in meinen Augen noch einmal emotionaler macht.
Die Geschichte wird auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt – einerseits die recht knappen Passagen in 1989 und andererseits die Passagen, die dieses Buch ausmachen, in der Zeit von 1913 bis 1933. Die einzelnen Kapitel sind mit den entsprechenden Jahreszahlen – in 1989 sogar mit kompletten Daten – überschrieben, sodass der Leser stets den Überblick behält, in welcher Zeit er sich gerade befindet.
Worum geht’s:
Am 09.11.1989 wird Charlotte 80 Jahre alt werden. Am 30.09.1989 hört sie in den Nachrichten von den ersten DDR-Flüchtlingen, die offiziell in die BRD ausreisen dürfen und erinnert sich in diesem Zusammenhang an ihre eigene Kindheit in Leipzig.
Charlotte wird 1909 als Älteste von 3 Geschwistern der Familie Schönau in eine ruhige Zeit in Deutschland und in ein liebevolles, gebildetes Elternhaus – der Vater Anwalt und Goethe-Verehrer, die Mutter eine zarte Frau – hineingeboren. Doch nur 5 Jahre später muss Vater Wilhelm in den ersten Weltkrieg ziehen. Die jüngere Schwester Dorothea ist gerade 3 Jahre alt, Bruder Heinrich eben erst geboren. Es bricht eine schlimme, eine überaus schwere Zeit für die Schönaus an, die sie u.a. mithilfe der tatkräftigen, robusten und überaus fürsorglichen Mathilde überstehen. Nach dem Krieg muss die Familie zunächst erst einmal wieder zusammen wachsen, sieht sich jedoch bereits den nächsten Schwierigkeiten gegenüber. Gerade als es aussieht, als würde Deutschland wieder auf die Beine kommen, sich wieder in der Welt etablieren, wird es von den Nazis überrollt.
Charaktere:
Ihre Charaktere schreibt Heike Wolf absolut gekonnt, vielschichtig und so authentisch, dass man als Leser nur allzu oft das Gefühl hat, genau neben einer Figur zu stehen, ihr wie ein Schatten zu folgen und in die beschriebene Situation einzutauchen.
So konnte ich mich stets in die 3 Schönau Kinder – Lotte, Dorchen und Heinrich – hineinversetzen. Ich verstand ihre Sorgen und Nöte, ihre Verhaltensweisen. Es war für mich z.B. überaus nachvollziehbar, dass Lotte, die sehr an ihrem Vater Wilhelm hängt, diesem stürmisch in die Arme läuft, als er auf Fronturlaub nach Hause kommt, während Dorchen und Heinrich sich benehmen als stünden sie einem Fremden gegenüber. Tun sie ja auch! Eine solche Situation zu beschreiben, sodass ich als Leser zwar die Traurigkeit Wilhelms fühlen und absolut verstehen kann, aber mich gleichzeitig auch in die beiden Kinder hineindenken kann, ist großartig. Und so füllt Heike Wolf all ihre Figuren mit Leben, mit Charakter. Jede Figur – unabhängig davon, ob es eine Hauptfigur wie Charlotte ist oder ein Nebencharakter – ist ein Unikat, hat ihre ganz eigenen Züge und lebt vor dem inneren Auge des Lesers. So ist es möglich, sie zu lieben und sie zu verabscheuen, mit ihnen zu leiden, sich zu freuen oder zu weinen, so wie die Figuren im Buch es tun. Die Autorin schafft es immer wieder, dass man als Leser glaubt, es mit Freunden zu tun zu haben.
Im Fall der Augusta – Charlottes Oma – ist es sogar passiert, dass ich sie zunächst überhaupt nicht ausstehen konnte, später sehr viel Sympathie für sie empfand und am Ende nicht mehr wusste, ob ich sie nun mag oder nicht. Ich fand ihre antisemitischen Äußerungen bereits weit vor dem ersten Weltkrieg abstoßend und ich konnte nicht verstehen, warum sie ihre Familie nicht mehr unterstützt. Sie erschien mir egoistisch und kalt. Im Krieg hat sie jedoch bewiesen, dass ihre Entscheidungen vielleicht kalt erscheinen mögen, aber auf jeden Fall sinnvoll und der Situation angepasst waren. Ich konnte sie so gut verstehen, als sie versuchte, ihre Tochter Amalie – Charlottes Tante – zum Arbeiten anzuhalten um den Unterhalt für ihre Familie zu verdienen, da auch deren Mann im Krieg war. Dann wieder traf sie Entscheidungen über die Köpfe vieler anderer hinweg, die ich nicht nachvollziehen konnte und die mich den Kopf schütteln ließen. Als sie starb, war ich traurig. Sie fehlte mir in der Familie.
Ganz anders ist Mathilde, Haushälterin und Kindermädchen der Familie. Sie ist burschikos und rustikal, muss bisweilen auch schwere Entscheidungen treffen, aber sie ist klug und liebevoll. Bei ihr steht stets das Wohl der Familie im Vordergrund. Als die Schönaus kein Geld mehr haben, arbeitet sie sogar ohne Lohn. Sie hat mich überaus beeindruckt und mit ihrem schrägen Dialekt, den die Autorin so herrlich geschrieben hat, ist sie mir fast sofort ans Herz gewachsen – und dass, obwohl ich diesen Dialekt gar nicht mag. Ich hörte sie jedoch förmlich im Ohr, wann immer sie etwas sagte. Von Mathilde hatte ich ein sehr klares Bild vor Augen.
Charlotte ist schon ein recht besonnenes Kind, das ihre jüngere Schwester Dorchen hin und wieder bremsen muss, denn Dorchen ist demgegenüber ein Wirbelwind, fast draufgängerisch. Das ändert sich auch nicht, als aus den Kindern junge Mädchen und später junge Frauen werden. Auch hier gibt es wieder eine Situation, die so nachvollziehbar und herzerweichend war, dass es mir die Tränen in die Augen trieb. Eines Nachts vergriffen sich Dorchen und Charlotte an den Wintervorräten um sich einmal satt zu essen. Ich konnte es so gut verstehen, hatten sie doch immer Hunger. Hier war Dorchen die treibende Kraft und Charlotte wollte sie davon abhalten, aber der Hunger war stärker. Am nächsten Morgen hatten sie ein schlechtes Gewissen, doch weder Mathilde noch Luise haben sie dafür bestraft. Es war so unglaublich emotional und hallt so tief nach, dass ich selbst am Gemüseregal beim örtlichen Kaufmann an sie denken musste, weil Steckrüben – die von allen gehasst wurden, weil es das Einzige war, was es zu essen gab – gerade im Angebot waren.
Diese Charaktere können nur als Beispiele dienen. Man muss das Buch lesen um jeden von ihnen kennenzulernen. Und es ist ganz klar, den einen mag man, den anderen nicht. Dazu verändern sich die Charaktere im Laufe der Zeit zum Teil drastisch vor dem Hintergrund des persönlichen Schicksals und der politischen Lage. Manche Veränderung ist überaus angenehm, andere sind erschreckend. Und eben diese Veränderungen machen die Geschichte lebendig, lassen den Leser Verständnis, Widerwillen, vielleicht auch Zuneigung fühlen – ja fühlen! Die Charaktere berühren einen unweigerlich!
Schreibstil:
Heike Wolfs Schreibstil ist brillant! Sie schreibt bildgewaltig ohne sich in Details zu verlieren, sie lässt das Leipzig (und alle anderen Orte) Anfang des 20. Jahrhunderts glaubhaft vor dem inneren Auge auferstehen; sie zeigt es dem Leser und spricht nicht nur darüber. Den Ausspruch „Don’t say, show it!“ befüllt die Autorin mit Leben!
Wenn ich einen Roman lese, in dem ich Dinge finde, die zu einem bestimmten Landstrich gehören, finde ich das überaus charmant. Auch Heike Wolf hat solche Schmankerl genutzt. So nennt Wilhelm Charlotte liebevoll „mein Modschekiebschn“ (mein Marienkäfer). Es drückt so viel mehr aus als herkömmliche Sätze.
Wilhelms Liebe zu Goethe verpackt die Autorin geschickt in Dialogen, in denen er sich gern bestimmter Goethe-Zitate bedient und in liebevollen Neckereien in der Familie, wenn er es nicht tut. Und der Familienhund heißt sicherlich auch nicht umsonst Mephisto.
Einen Zeitsprung von 1918 nach 1922 schreibt Heike Wolf sehr geschickt, indem sie die Trennung der Ereignisse durch eine Passage in 1989 herbeiführt, in der die fast 80jährige Charlotte ihrer Großnichte aus dieser Zeit berichtet. So bleibt nichts auf der Strecke und dennoch kann diese Geschichte gekonnt unterbrochen und an anderer Stelle weiter geführt werden.
Der Leser des ersten Teils muss sich darauf gefasst machen, dass er den zweiten Teil unbedingt lesen will. Es bleiben nämlich Fragen offen, deren Antwort man nicht ohne weiteres selbst herleiten kann. Heike Wolf macht neugierig auf mehr und das auf eine sehr charmante Art und Weise – mit kleinen Andeutungen, die eben die Lust auf Teil 2 wecken.
Historischer Hintergrund:
Ich weiß, dass die Autorin stets gründlich recherchiert. Insofern ist der historische Hintergrund nachvollziehbar und belegt. Dennoch steht dieser nicht im Vordergrund, sondern ist stets die Kulisse für die Geschichte, die die Autorin erzählt. Fakten werden nicht oberlehrerhaft präsentiert sondern vielmehr in die Geschichte verwoben – ganz so, als sind sie ein Teil von ihr. Es macht auf diese Art und Weise viel Spaß nicht nur die Geschichte der Familie Schönau zu lesen sondern ganz nebenbei auch noch etwas zu lernen.
Fazit:
Ein großartiges Buch, das mich als Leser alle Emotionen, derer ein Mensch fähig ist, durchleben ließ. Es hat mich zu Tränen gerührt und mit einer Wärme für einige Charaktere erfüllt, die unglaublich ist. Der zweite Teil ist Pflichtlektüre, denn es bleiben einige Fragen für diesen zweiten Teil übrig – gekonnt offen gelassen! Must read – nicht nur für Fans von historischen Romanen! 5 von 5 Sternen.
Danke Heike!
- Stefan Lehnberg
Durch Nacht und Wind
(32)Aktuelle Rezension von: ReiShimuraDie Großmeister der deutschen Literatur als kriminalistisches Duo, als ich dies gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch lesen muss. Natürlich kam mehr oder weniger sofort die Assoziation mit Sherlock Holmes und Dr. Watson auf und ich denke, dies war vom Autor auch so gedacht.
Denn meiner Meinung nach, spürt man während des Lesens des Buches, dass Stefan Lehnberg nicht nur sehr gut mit der deutschen Literatur vertraut ist und sich intensiv mit Goethe und Schiller auseinander gesetzte hat, sondern auch, dass er ausgiebig die Romane rund um Sherlock Holmes genossen hat.
Die Umsetzung der Idee des Ermittlerduos finde ich so gelungen, dass man sich wirklich vorstellen kann, dass dies nicht nur eine fiktive Idee des Autors ist, sondern die beiden wirklich den einen oder anderen Kriminalfall gelöst haben. Unterstützt wird dies durch die altertümliche Sprechweise der Protagonisten und der der damaligen Zeit entsprechenden Rechtschreibung. Beides ist auf den ersten Blick ein klein wenig gewöhnungsbedürftig, aber obwohl ich schon lange keine Werke mehr aus dieser Zeit gelesen habe, hatte ich damit keinerlei Schwierigkeiten.
Leider habe ich sehr vieles, das ich über das Leben von Schiller und Goethe in der Schule gelernt habe, mittlerweile wieder vergessen. Daher habe ich zwar die eine oder andere Anspielung bemerkt, konnte diese aber nicht wirklich einordnen und ich vermute auch, dass ich viele Hinweise auf das Leben und die Werke der beiden nicht bemerkt habe. Umfangreiche Kenntnisse über das Leben und Wirken der beiden Herren ist nicht zwangsläufig notwendig, um das Buch genießen zu können, intensiviert aber sicherlich das Vergnügen.
Der Roman vermischt mehrere Genres auf mehr oder weniger gelungene Weise miteinander. Neben den beiden offensichtlichen Genres, nämlich Historien- und Kriminalroman, kommt da auch noch Komödie, Tragödie und Satire dazu und Komponenten eines modernen Actionfilms. Viele der Elemente verwebt der Autor ganz geschickt miteinander, manche waren für mich ein wenig übertrieben und haben das Gesamtbild ein wenig verzerrt.
Der Roman hat mich im Großen und Ganzen recht gut unterhalten, trotzdem bin ich von dem Konzept nicht wirklich überzeugt. Vielleicht liegt es an meinen mangelhaften literarischen Kenntnissen oder daran, dass der Kriminalfall zwar recht interessant, aber auch ein wenig durchschaubar war.
- Stefan Lehnberg
Die Affäre Carambol
(79)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerFrankfurt zur Zeit der Vorherrschaft Napoleons über Europa. Goethe besucht mit seinem Freund Schiller seine Mutter. Am Tag der Abreise werden sie zu einem Gespräch beim Fürsten Thurn und Taxis gebeten. Dort informieren sie zwei Stadträte über rätselhafte Vorgänge in und um Frankfurt, die alle befürchten lassen, dass es zu einer erneuten Besetzung Frankfurts durch die Franzosen kommen könnte. Goethe schlägt vor, den Gesandten Frankreichs offen zu informieren, doch zu dem anberaumten Gespräch kommt es nicht mehr, denn der Gesandte und sein Gesinde werden ermordet, sein Schloss abgebrannt. Wer ist der mächtige und scheinbar allwissende Gegner? Goethe und Schiller beschließen, vorerst in Frankfurt zu bleiben und den ungleichen Kampf aufzunehmen. Beide geraten mehrfach in Lebensgefahr, können eine wahrhaft gigantische Intrige aufdecken, bleiben aber letzten Endes die Verlierer.
Mit "Die Affäre Carambol" legt der Autor Stefan Lehnberg bereits den zweiten Roman mit den Ermittlern Goethe und Schiller vor, Parallelen zu Holmes und Watson sind unübersehbar und gewollt. Ebenso wie Holmes hat der Dichterfürst Goethe so seine Macken und Befindlichkeiten, auf die es Rücksicht zu nehmen gilt. Wer es mit der Wahrheit nicht so ganz genau nimmt, wird mit dieser Räuberpistole bestens unterhalten.
- Saller
Wenn Martha tanzt
(116)Aktuelle Rezension von: AbnunchaEin Debütroman von Tom Saller, eine Reise eines jungen Mannes nach New York um ein Büchlein seiner Urgroßmutter zu versteigern, ein unbekannter Käufer bietet viel Geld dafür, aber wofür fragt man sich, es gilt ein Geheimnis zu Lüften. Das Buch ist eine Hommage an das Bauhaus in Weimar an Studierende und Künstler bis hin zur Machtübernahme der Nationalsozialisten, was zur Schließung der Schule führt. Martha, die als Studierende an der Kunstschule ist reist bei der Schließung der Schule zurück zu ihren Eltern in ein Dorf in Pommern. Eine Familie die mit der Musik lebt und deren Haus immer lebendig ist. Im Gepäck nicht nur das besagte Notizbuch, hier ist noch nicht zu erahnen was für einen immensen Wert es einmal haben wird, sondern auch ein Kind. Wer ist dieses Kind und wie kann der Weg hier weitergehen, der Krieg droht. Ein sehr gelungener Debütroman, den ich gerne gelesen habe. Allerdings hat mir das Ende nicht gefallen, wirkt wie unüberlegt, leider. Vielen Dank.
- Ralf Günther
Als Bach nach Dresden kam
(12)Aktuelle Rezension von: Vorleser2Die Geschichte vom "Tastenduell" beruht auf einer wahren Begebenheit, fand aber ganz anders statt als von Jean Baptiste Volumier, Konzertmeister und Direktor der französischen Hofkapelle August des Starken, gedacht. Ralf Günther hat daraus einen mitreisenden Roman gemacht. Hier hofft Volumier, dass sich die beiden Flammen in einem musikalischen Wettkampf gegenseitig verzehren werden. Doch kaum in Dresden angekommen, bringen der sittenstrenge Bach und der ausufernde Marchand Volumens Liebesleben und den gesamten Hofstaat durcheinander ... mehr bei www.dievorleser.blogspot.de - Sandra Rehschuh
Vergangenheit tötet: Ein Thüringen - Weimar - Krimi (Ein Fall für Arnold Borge und Christian Griso 1)
(0)Noch keine Rezension vorhanden - Daniela Krien
Freiheit
(4)Aktuelle Rezension von: Nicolai_LevinDieses Buch ist schmal und kurz: Binnen einer, maximal zwei Stunden hat man es ausgelesen. Und doch brennt es sich tiefer ins Gedächtnis als manch dicker Schinken. Bei mir jedenfalls.
Es geht um Eva, die in einer katholischen Familie in der DDR großgeworden ist, aber den Glauben verloren hat. Für ihren Freund Paul zählen Kinder zum Lebensplan, er kann und will sich ein Leben ohne eigenen Nachwuchs nicht vorstellen. Eva ist sich da nicht so sicher, und dann wird sie schwanger und spät, viel zu spät eigentlich, entdeckt man, dass das Baby eine schwere Behinderung hat. Trisomie 21 und einen Herzfehler dazu. Eva entschließt sich abzutreiben, eine Entscheidung, die eigentlich vorgezeichnet scheint und die dann doch in der Umsetzung unendlich schwer fällt. Gerade, als sie den Eingriff hinter sich hat und ich mich frage, wie es in der Geschichte weitergehen wird, wie sich dieser dramatische Einschnitt auf die Beziehung auswirken wird (mir schwant, dass es schlimm wird) und auf Evas Seelenzustand (auch hier fürchte ich Arges), ist die Geschichte zu Ende, das vermeintlich zweite Kapitel ist dann eine ganz andere Erzählung.
Die handelt von Nina. Nina wollte immer Kinder, sie ist glücklich im Umgang mit ihnen, sie hat zwei eigene, hat den Vater, Holger, einen in materiell-praktischen Dingen lebensunfähigen Künstler, davongejagt und nun arbeitet sie als Tagesmutter. In pubertärer Renitenz weigert sich ihre Tochter, zur Schule zu gehen, die Situation eskaliert und Nina rutscht die Hand aus. Das Kind berichtet in der Schule prompt, misshandelt worden zu sein, die Polizei kommt, das Jugendamt im Schlepptau, das die Tochter in Gewahrsam nimmt; Nina ist ihre Zulassung als Tagesmutter los und steht vor dem Nichts. Das folgende Gerichtsverfahren rehabilitiert sie zwar, aber es ist ein unerfreulicher, unbefriedigender Sieg, zu viel ist zu Scherben gegangen durch diesen folgenschweren Vorfall.
Mit ihrer zweiten Geschichte hat Daniela Krien Pech bei mir, denn die kann ich toppen: in meinem Bekanntenkreis ist etwas ganz Ähnliches geschehen: Pubertier reklamiert elterliche Misshandlung ohne substantiellen Grund, großer Aufwasch - nur dass bei unseren Bekannten nichts gut ausgegangen ist, das Kind kam in eine betreute Wohngruppe, war den Eltern entzogen, die Familie entzweigerissen, und zum Hohn kam noch jeden Monat eine Rechnung vom Jugendamt über zweitausend Euro, die Eltern waren ja nach wie vor für den minderjährigen Schrazen versorgungspflichtig und mussten das betreute Wohnen, das sie nie wollten, aus eigener Tasche zahlen! Seither mahnt die Frau meiner Träume mich bei jeder Auseinandersetzung mit unseren Teenagern, ich möge mich um Himmels willen zurückhalten, ich wolle doch nicht, dass es bei uns so ende wie mit Sophie …
Die erste Erzählung aber hat mich tief berührt, gerade, weil sie mir so - Gottseidank! - nicht passiert ist. Aber in jeder Beziehung mit der Überlegung, Kinder zu bekommen, gibt es einen, der das mehr will als der andere. Und irgendwann stellt sich die Frage, wer wie weit bereit ist, welches Opfer auf sich zu nehmen, um Kinder zu bekommen und großzuziehen. Ich verstehe die Abneigung, sich die Müh und Plage anzutun, ein schwerbehindertes Kind zu pflegen, und auch die Verbindung mit dem Glaubensverlust fand ich höchst gelungen.
Meine Eltern waren oder sind nicht übermäßig religiös, aber dass wir Gott dankbar sein dürften, dass es uns so gut ging, das wurde uns schon vermittelt. Und ich war es, und ich bin es bis heute. Ich betrachte mit Wohlwollen, wie meine Kinder - gesund und nicht dumm - sich machen, ich bin stolz auf den Beitrag, den die Frau meiner Träume und ich dazu geleistet haben, ich habe keinen Grund, an Gott zu verzweifeln oder mich von ihm abzuwenden, weil er mich so hart geprüft hätte. Ich blicke in mich und denke, dass ich kein guter Hiob wäre, der alle Schicksalsschläge gottergeben und fromm erträgt. Ja, ich bin schwach und feige, mein ungetrübter Glaube, meine schlichte Dankbarkeit gegenüber dem Schicksal (oder Gott) tun sich leicht, weil ich nie so richtig geprüft wurde. Dass das auch ganz anders hätte kommen können, macht mir Daniela Kriens großartige Erzählung klar.
- Manfred Mai
"Was macht den Mensch zum Menschen?"
(5)Aktuelle Rezension von: Viv29Manfred Mai legt hier eine ganz hervorragende Biographie Friedrich Schillers vor. Er kommt ohne die langatmigen philosophischen Exkurse Safranskis aus, bringt sich anders als Sigrid Damm nicht selbst ins Spiel und benötigt auch nicht die anti-Goethe-Polemik von Johanens Lehmann. Natürlich haben all diese Autoren auch gute, teils ausgezeichnete, Schillerbiographien verfaßt, aber so ein richtiges Rundumvergnügen ist für mich endlich einmal diese hier von Manfred Mai.
Das Buch ist übersichtlich gegliedert, mit mehreren, oft kolorierten Abbildungen, die mir teilweise neu waren. Mai schreibt farbig, konzentriert sich auf das Wesentliche. An einigen Stellen hätten ein paar Details mehr nicht geschadet, aber man bekommt hier auf knapp über 300 Seiten einen informativen Eindruck von Schiller, gut gewichtet zwischen Dichter und Mensch. Schiller kommt uns hier persönlich nahe, mit Stärken und auch Schwächen, es ergibt sich ein gutes, rundes Bild. Der angenehm lesbare Text Mais wird durch einige Textauszüge aus Briefen und Berichten ergänzt. Diese werden in für meinen Geschmack genau richtiger Menge eingesetzt.
Bei der Diskussion des Werkes Schillers konzentriert sich Mai ebenfalls auf das Wesentliche. Wer hier mehr Details benötigt, dem sei Safranskis Schiller-Biographie wärmstens empfohlen. Die Informationen hier im Buch sind ausreichend, fassen die relevanten Punkte recht gut zusammen, könnten an manchen Stellen ebenfalls ein wenig ausführlicher sein. Mai läßt hier oft Schillers Werke für sich selbst sprechen, es sind längere Auszüge aus den Theaterstücken enthalten, sowie einige der Balladen. Diese Auszüge sind an manchen Stellen etwas zu lang geraten, gerade die "Räuber" nehmen hier 22 Seiten in Anspruch.
Sehr gelungen fand ich es, daß Mai von Schillers letzten Tagen und Stunden berichtet, hier auch mit einigen zeitgenössischen Zitaten, dann aber darauf hinweist, daß der Tod Schillers zwar von mehreren Augenzeugen beschrieben wurde, diese Berichte aber "sehr mit Vorsicht zu genießen" sind, "weil da Beschönigungen und Verklärungen mit eingeflossen sein dürften." Da ich diese Berichte in anderen Büchern las, kann ich diesem Eindruck zur zustimmen. Mai verzichtet deshalb darauf, diese Berichte zu verwenden und schließt sein Buch, Schillers Leben mit den letzten Versen Schillers, "die nach seinem Tod auf dem Schreibtisch lagen". Das ist ein würdevolles und passendes Ende.
So findet hier der Schiller-Neuling ein gut lesbares informatives Buch vor, aber auch Leser, die mit Schiller vertrauter sind und eventuell schon andere Biographien über ihn gelesen haben, finden hier eine unterhaltsame komprimierte Lektüre, die auch einige neue Perspektiven bietet. Insofern eine Empfehlung für jeden neuen oder erfahreneren Schillerbewunderer.























