Bücher mit dem Tag "weltreligionen"
21 Bücher
- Umberto Eco
Der Name der Rose
(1.630)Aktuelle Rezension von: MH41197Man kann mir mit Recht nachsagen, dass ich historische Romane nicht mag. Das hat seine Gründe - das Genre ist meiner Ansicht nach weder Fisch noch Fleisch, meist trivial, neolibreal dazu auffordernd, sich gleichzeitig an vergangenen Brutalitäten zu ergötzen und dabei dankbar zu sein, heute in der "besseren Welt" (die - Ironie! - natürlich frei von jedem Unrecht ist ... Nicht!) leben zu dürfen, und außerdem überfüllt mit sinnentleerten Gewalt- und Sexszenen.
Mit anderen Worten: Ich hätte vielleicht nicht gedacht, dass ich jemals einem historischen Roman eine volle Punktzahl geben würde, hätte ich Umberto Ecos "Der Name der Rose" nicht gekannt. Denn dieser Roman ist in jeder Hinsicht perfekt - obwohl in vergangenem Setting.
Im Italien des Jahres 1327 reist der englische Franziskanermönch und Ex-Inquisitor William von Baskerville (eine von Ecos humoristischen Anspielungen auf andere Literaten - der Nachname ist klar aus Sherlock Holmes entlehnt) mit seinem jugendlichen deutschen Gehilfen Adson von Melk in eine abgelegene, düstere Abtei in den Appenninen, um dort an einer theologischen Debatte zwischen den zerstrittenen Mönchsorden teilzunehmen. Aufgrund seiner Berühmtheit als früherer Inquisitor - vor allem als einer, der diese Tätigkeit mehr als Richter und Detektiv, denn als Hexenverbrenner verstand -, wird William vom Abt gebeten, den sonderbaren Tod eines jungen Mitgliedes des Klosters aufzuklären. William beginnt zu ermitteln - und stößt dabei schon bald an die Grenzen der Weltbilder seiner Zeit, und zwischen die Machenschaften der Post-Kreuzzugs-Ära der spätmittelalterlichen religiösen Extremisten, die für ihre Überzeugungen zu morden und zu sterben bereit sind und jedem Andersdenkenden keinerlei Existenzrecht zugestehen - sei er Wissenschaftler, Freigeist, kritisch denkender Theologe, Katharer, Jude, Muslim ... oder einfach nur eine Frau zur falschen Zeit am falschen Ort.
Spannend ist dieser Roman allemal - aber nicht im klassischen Stil eines Krimis (der "Der Name der Rose" zweifelsohne ist), dafür ist die Handlung sehr viel dichter gepackt, fast schon eine Milieustudie eines (spätmittelalterlichen) Klosters oder: einer religiös fundamentalistischen (oder wie wir es heute nennen würden: "evangelikalen") Gesellschaft - und damit hat der Roman trotz seines fernen Themas auch noch etwas: Aktualität. Wenn wir die Extremisten in Ecos Kloster über "die Ketzer" reden hören und über den Niedergang der Welt, dann fühlt man sich nicht wenig erinnert an moderne Eiferer, deren Ersatzwort für den Begriff Ketzer "die Woken" geworden sind, wenn man die Selbstherrlichkeit des letztendlichen Antagonisten erlebt, der im Bewusstsein vollkommener Rechtschaffenheit seine Mitbrüder zu einem höheren Ziel tötete und als Kollateralschäden in Kauf nahm, so hat man die Worte von selbstgerechten, brutalen Machtmenschen wie Putin oder Netanyahu im Ohr, und mit dem Selbstmord des Antagonisten und seinem Versuch, dabei alles mit sich zu vernichten, so denkt man unweigerlich an die Selbstmordattentate des ISIS. Umberto Eco hat einen Roman in der Vergangenheit geschrieben, der uns etwas über seine Gegenwart, und aus Ecos Perspektive, der ihn in den 1970er Jahren schrieb, sogar über Ecos damalige Zukunft, die heutige Gegenwart, erzählt. Und darin besteht bereits die Genialität des Namen der Rose - und in seinem Schreibstil: Denn Eco schreibt einen Plot im Plot - macht sich selbst zum zweiten Protagonisten, der im "heute" (oder eben: in den 1970ern) die französische Übersetzung der lateinischen Niederschrift des alten Mönches Adson von Melk ins zeitgenössische Italienische übersetzt - und begibt sich in dieser Eigenschaft dann in die Haut des alten Adson von Melk, der im Rahmen seines mittelalterlich-klösterlichen Weltbildes rückblickend die Geschichte seines jugendlichen Ichs an der Seite von William von Baskerville erzählt.
Der Name der Rose ist ein stilistisch, thematisch, plottechnisch und handwerklich ein Werk der Superlative: Der beste und der EINZIGE historische Roman, der nicht als "Märchen für Erwachsene" daher kommt, sondern einen Plot erzählt, der in tieferer Bedeutung von der erzählten Zeit in die Gegenwart seiner Niederschrift und bis ins Heute übergreift. Der Name der Rose ist kein "alter Schinken". Keine Mittelalterromantik. Er ist relevant - damals wie heute. Und auch morgen - solange es religiösen Extremismus und Machtgefälle in der Welt gibt.
- Catherine Clément
Theos Reise
(242)Aktuelle Rezension von: XirxeTheo, ein 14jähriger Junge aus Paris mit einem ungewöhnlichen Interesse an griechischer Mythologie und am alten Ägypten, leidet an einer lebensgefährlichen Krankheit. Seine vermögende und etwas skurille Tante Marthe lädt ihn zu einer Weltreise ein, die ihn zu den Religionen der Welt führen soll, mit der Hoffnung dass ihr Neffe währenddessen geheilt wird. Schwerpunkt dieses Buches ist eindeutig die Darstellung der unterschiedlichen Religionen und der Erfahrungen, die Theo damit während Gottesdiensten, Riten, Festen und ähnlichem macht. Die Menge an Fakten und Informationen, die hier präsentiert werden, ist zwar manchmal erschlagend, doch wer sich für dieses Thema interessiert, wird trotz der rund 700 Seiten keine Minute gelangweilt sein. Die Darstellung ist gut verständlich und insbesondere für Jugendliche (für die das Buch gedacht ist) und Unwissende sehr informativ. Nicht nur der aktuelle Stand der jeweiligen Religionen wird beschrieben sondern auch die Entstehung und Entwicklung bis hin zum Erscheinen dieses Buches (also Ende des letzten Jahrtausends). Die von manchen Leserinnen und Lesern genannte Oberflächlichkeit konnte ich nicht nachvollziehen: Vielleicht sollte man einfach im Auge behalten, für welche Zielgruppe dieses Buch geschrieben wurde. Und langatmig? Nun gut, wer kein Interesse für Religion aufbringt, dem sei dieses Buch auch nicht empfohlen, die Rahmenhandlung ist wirklich nur Nebensache.
- Salman Rushdie
Die satanischen Verse
(112)Aktuelle Rezension von: BluevanMeerSalman Rushdie spielt mit verschiedenen Mythen, religiösen Ideen, religiösen Überlieferungen, Überzeugungen, Mysterien und verwebt in seine Geschichte die unterschiedlichsten Sagen und Erzählungen aus verschiedenen Religionen. Das ergibt einen unterhaltsamen und ausschweifenden Roman, der es wirklich in sich hat. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber ganz ehrlich: richtig nacherzählen worum es geht und Knotenpunkte aus diesem wilden und wunderbaren Roman herauszudestillieren, ist mir verdammt schwer gefallen. Daher nun in groben Zügen eine Beschreibung dieses Feuerwerks der Literatur.
Die Hauptprotagonisten sind zwei muslimische Männer, Gibril Farishta und Saladin Chamcha, die 111 Tage lang (die 111 ist übrigens eine Zahl sein, die auf die Dreifaltigkeit verweist) in einem von islamistischen Terrorist*innen entführten Flugzeug verbringen, bis die Terrorist*innen das Flugzeug in die Luft sprengen und beide, aneinandergeklammert, durch die Luft fliegen und zum Glück überleben. Doch dann geschehen seltsame Dinge. Während Gibril sich nach und nach in den Erzengel Gabriel verwandelt, wachsen Saladin bald ein Pferdefuß und Teufelshörner. Der Kampf gut gegen böse, Engel gegen Teufel, ist damit eingeläutet. Erzählt wird die Geschichte von einer gesichtslosen und doch scheinbar göttlichen Instanz, die sich selbst als Teil der "höheren Mächte" sieht.
"Was konnten sie auch erwarten? Einfach aus dem Himmel zu fallen: dachten sie, so etwas hätte keine Nebenwirkungen? Sie hatten das Interesse höherer Mächte erweckt, das hätten sie eigentlich merken müssen, und diese Mächte (ich spreche natürlich von mir selbst), haben eine boshafte, ja fast schon gemeine Art, mit Sturzflügen umzugehen. Und noch etwas, lassen Sie mich das klarstellen: ein großer Fall verändert den Menschen." (180)
Farishta und Chamcha stehen sich also als Erzfeinde gegenüber, vom Himmel gefallen sind beide, aber nur Gibril verwandelt sich in einen Engel, der nicht nur Wunder vollbringen kann, sondern dessen Heiligenschein auch die dunkelste Nacht erleuchtet. Kein Wunder, erinnert sein Name Gibril doch an den Erzengel Gabriel.
Zudem hatte Gibril schon früh Kontakt zur Göttlichkeit, in verschiedenen Bollywoodfilmen verkörperte er immer wieder unterschiedliche hinduistische Götter. Er verliebt sich in Alleluja, eine jüdische Bergsteigerin, die in den höchsten Höhenmetern, wenn sie ganz nah am Allmächtigen zu sein scheint, zu religiöser Ekstase fähig ist.
Saladin Chamchawalla verdient sein Geld als Stimmenimitator, im Moment für den synchronisiert er Ketchupflaschen und Knabbergebäck, und ist ebenfalls Schauspieler. In England lebt er seit seiner Jugend, seine muslimische Herkunft lehnt er ab, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass er ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hat.
Während sich die beiden Abgestürzten zu einer alten Dame, Rosa Diamond, retten, entscheiden sich die Richtungen, in denen sich ihre Lebenswege entwickeln werden. Der Heilige in spe, Gibril, nutzt seine Chancen und verrät den Mann mit Pferdefuß. Saladin wird deshalb von rassistischen Polizisten zusammengeschlagen und erlebt die ganze Palette an Polizeigewalt, die man sich vorstellen kann. Das ist so fies zu lesen, das man nur noch Mitleid mit dem Teufelshorn haben kann. Gibril hingegen, nutzt seine wundersamen Fähigkeiten und verhilft Rosa Diamond zu einer göttlichen erotischen Vision. Rosa Diamond hat es also noch gut getroffen, sie ist eine verschwiegene Figur, die verspricht, niemandem von Gibril zu erzählen. Übrigens sind in vielen Beichtstühlen Rosen eingraviert, denn "Sub Rosa" (unter der Rose) teilte man im Mittelalter den katholischen Priestern seine Beichte mit.
Saladin erfährt, dass seine Frau eine Affäre mit seinem Freund Jumpy Joshi hat (immerhin war er fast ein Jahr verschwunden) und ist am Boden zerstört. Immerhin hat er den Flugzeugabsturz, die Polizei und das Krankenhaus überlebt (wo sich übrigens noch andere verwandelte Menschen aufhalten) - nur um dann in einem Zimmerchen von Bekannten untergebracht zu werden. Weil er immer mal wieder aus dem Fenster sieht, bildet sich bald im Viertel eine Art Teufelskult um den Mann mit den Hörnern, der das Viertel in Chaos und Verwüstung stürzt. Zudem erfährt Saladin, dass seine Frau von ihrem Geliebten ein Kind erwartet. Saladin hat nur noch ein Ziel: er will sich an Gibril rächen, den er für sein Unglück verantwortlich macht. Aber Gibril geht es auch nicht gerade rosig: er wird zu einem riesigen Macho und stresst Alleluja. Zudem kann Gibril bald nicht mehr entscheiden, wer er ist: ein Erzengel oder ein Mensch?
Neben dem Hauptkonflikt der beiden Protagonist*innen, wird die Erzählung immer wieder durch Gibrils Träume unterbrochen, die ins Märchenhafte kippen. In seinen Träumen geht es um die Stadt Jahila, eine Stadt aus Sand, in der die Menschen 360 unterschiedliche Götter und Göttinnen verehren, bis der Prophet Mahound kommt, seines Zeichens ursprünglich Kaufmann, und den Menschen, wenn es um den richtigen Glauben geht, mal ein bisschen auf die Sprünge hilft. In Jahila lebt auch das Mädchen Aischa, das vom Erzengel Gabriel als Prophetin ausgewählt wurde. Als Symbol ihrer Göttlichkeit wird sie von einem Schwarm von Schmetterlingen begleitet. Ihr ganzes Dorf Titlipur folgt ihr (wie auf einer Pilgerreise) nach Mekka, denn Aischa hat den Menschen versprochen, dass sie das Meer für sie teilen wird. Die todkranke Mischa Sahil sucht Hoffnung und Heilung bei Aischa, ihr Mann glaubt nicht an Aischas Versprechungen und versucht die restlichen Pilger immer wieder zur Umkehr zu bewegen. Aischa hat noch einen extrem frauenfeindlichen und radikalen Gegenspieler, einen Imam, der um seinen eigenen Einfluss bei den Gläubigen fürchtet und natürlich den mächtigen Propheten Mahound, der passenderweise immer dann eine Vision bekommt, sobald seine Anhänger*innen ihn kritisieren.
"Tod der Kaiserin Aischa und ihrer Tyrannei, dem Kalender, den Vereinigten Staaten, der Zeit! Wir suchen die Ewigkeit, die Zeitlosigkeit Gottes. Seine stillen Wasser, nicht ihren strömenden Wein. Verbrennt die Bücher und vertraut dem BUCH, zerreißt die Papiere und hört das WORT, wie es der Engel Gibril dem Verkünder Mahound offenbart und wie es euer Deuter und Iman erläutert hat." (S.281)
Es ist schon bezeichnend, dass Engelchen und Teufelchen in der Romankonstruktion eigentlich Schauspieler sind und Gibril wie ein Schlafwandler zwischen den Welten hin und hergeistert und in diesem ganzen Chaos irgendjemand - von ganz weit oben - die Puppen tanzen lässt. Die Menschen können nur reagieren. Das nennt man dann wohl Schicksal. Und wenn Gott einmal nicht nur als Erzählinstanz auftaucht, sondern als Figur im Text, dann sitzt er mit schütterem Haar auf Gibrils Bett und hat vor allen Dingen Schuppen. Solche Parodien muss man erst einmal in eine Romanform gießen. Hinzu kommt, dass alle Propheten und Ausgewählten in diesem Text an keiner Stelle halten, was sie versprechen. Während Mahound die Menschen offen betrügt, schickt Aischa ihre Anhänger letztlich ins Wasser, wo sie ertrinken. Denn natürlich gelingt es ihr nicht, das Meer zu teilen. Magischer Realismus mit einer gehörigen Portion Religionskritik, auch das steckt in diesem Buch.
Kurz nach Erscheinen des Romans, am 14. Februar 1989, rief Ajatollah Chomeini über Radio Teheran eine Fatwa gegen den Schriftsteller und all diejenigen aus, die den Text, der eine Beleidigung des Propheten darstelle, verbreiten und übersetzen. Rushdies japanische Übersetzer, Hitoshi Igarashi, wurde 1991 ermordet, sein italienischer Übersetzer Ettore Capriolo und sein norwegischer Verleger Wililam Nygaard wurden bei Anschlägen schwer verletzt.
Wie so oft, und das ist mir bei diesem Text besonders aufgefallen, fehlte mir das Wissen über die religiösen Anspielungen, die über das Christentum hinausgehen. Hinzu kommt, dass ich diesen Roman über einen Zeitraum von sechs Monaten gelesen habe. Ich konnte ihn nicht einfach weglesen - dafür war er zu komplex, zu kompliziert und gleichzeitig auch ein Stück Roman, das ich mir einfach aufsparen wollte. Weil ich gar nicht wollte, dass dieser Roman zu ende geht. Im Satanic Verses Pose Festum, einer Festschrift, die im Jahr 2000 erschienen ist, schreibt der syrische Philosoph Sadik Al-Azm, dass die Einzigartigkeit des Romans darin bestehe, „den muslimischen Osten und den säkularen Westen zum allerersten Mal in eine religiöse, politische und literarische Kontroverse“ zu bringen und beide so auf einer höheren Ebene miteinander zu verbinden. Die satanischen Verse werden für ihn zum "transkulturellen, transnationalen und transkontinentalen Welt-Roman par excellence". Denn es geht nicht nur um Religionen. Ein Großteil der Handlung passt in jede typische Geschichte einer Großstadt, denn sie spielt in London, es geht um Migration, um Identitäten und natürlich auch um Liebe. Von den verschiedenen Liebesgeschichten, die erzählt werden, endet eine sogar glücklich.
Hallelujah!
- Jens Böttcher
Herr Sturm und die Farbe des Windes
(13)Aktuelle Rezension von: Yannah36Dieses Buch hat mich gefesselt wie kaum ein aderes Buch, es ist tiefgründig, spannend und reich an Wortwitz. Als Leser begleitet man Richard Sturm auf seiner Suche nach dem wahren Glauben. Er erhält von einem mysteriösen alten Mann, den Auftrag ein Buch zu schrieben woran Menschen glauben, dazu soll er 12 Menschen interviewen. Gemeinsam mit Herrn Sturm taucht man in unterschiedlichste Lebenswelten und Glaubensvorstellungen ein. Dem Autor gelingt es meiner Meinung nach hervorragend durch dieses schwierige Terrain zu navigieren. Trotz zum Teil schwieriger Theologischer Kost – man Erhält Einblick in die großen Weltreligionen durch einen Relgionsprofesor, trifft mit Herrn Strum einen kämpferischen Atheisten aber auch einen auf mich sehr abschreckend wirkenden Freikirchler genauso wie auf Vertreter der Feröstlichen Kulturen – lässt sich das Buch wundervoll lesen und ist zu jedem Zeitpunkt spannend. Zum einem ist der Roman durch leuchtente Poesie geprägt und verspürt eine tolle Lebendigkeit. Zum anderen fiebert man als Leser mit Richard auf seiner Reise zu Innerenfrieden mit. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, da ich immer wissen wollte wer Richards nächster Gesprächspartner ist, bzw. was der Grund war, dass er so zurückgezogen lebt. Nicht nur die Hauptperson begibt sich auf eine Reise, sondern auch wir als Leser. Die Gespräche rütteln einen immer wieder wach und wirken so, dass man über das Leben und insbesondere die Liebe nachdenkt.
Das Buch klärt nicht alle Fragen, aber das empfand ich an dieser Stelle nicht schlimm, denn manche Fragen zum Thema Glaube und Gott kann man sich wohl nur selbst beantworten.
Das Buch macht Mut und hilft einen sich auf das wesentliche zu besinnen. Ich kann das Buch jedem empfehlen, besonders denen die mal einen anderen Blick auf das Thema Glauben und Religion haben wollen, des es werden wirklich unterschiedliche Sichtweisen dargestellt. - Gotthold Ephraim Lessing
Nathan der Weise
(1.364)Aktuelle Rezension von: kira_murasakiIch habe das Buch in der Schule gelesen und hatte - entgegen der allgemeinen Meinung - weniger Probleme mit der Ausdrucksweise als mit der scheinbaren Erhabenheit aller Charaktere. Wirklich ALLE Personen in dem Buch sind auf ihre Art freundlich und höflich und das erschien mir als Jugendlicher nicht nur unauthentisch, sondern grade heraus verlogen. So ist niemand und wenn jemand doch so ist, dass ist er sicher eine große Ausnahme bzw. einer von 100ten; so empfand ich es damals. (Zum Vergleich: Der gute Mensch von Sezuan ist frustrierend, las sich mich aber viel mehr als Abbild der Realität).
Heute sehe ich diesen Punkt etwas anders: Ich glaube, dass Lessing sehr wohl wusste, dass nicht alle Menschen gut sind, aber vllt wollte er durch eine durch und durch gute und freundliche Personenkonstellation zeigen, wie die Welt aussehen könnte, wenn wir uns wieder klar machen: Freundlichkeit ist eine Entscheidung.
Die Figuren könnten aufgrund ihrer unterschiedlichen Ethnien und / oder gesellschaftlichen Stände (arm, reich ect.) einander mit Hass begegnen, aber sie tun es nicht. Zwar werden die Unterschiede zwischen ihnen (z.B. Aussehen, Religion, Reichtum) besprochen, doch werden diese Themen nie ein Grund sich gegenseitig aufzureiben. Dieser Umstand ist es, weswegen ich finde, dieses Buch hat bedingt durch die heutigen gesellschaftlichen Umstände - um nicht zu sagen Missstände - an Relevanz noch hinzugewonnen.
Im Zentrum der Botschaft, die Lessing vermitteln will, steht die viel besprochene Ringparabel; über die auch ich damals eine Erörterung schreiben musste, die für mich aber an Kraft in ihrer Aussage seit meiner Schulzeit an nichts eingebüßt hat.
Neu hinzugekommen ist für mich, dass ich den Kreuzritter (zu denen ich schon damals keine nennenswert gute Meinung hatte) plötzlich als Menschen verstand. Nicht hinsichtlich seiner missionarischen Ambition!; aber sein häufig schlecht gelauntes, getriebenes und mürrisches (eigentlich möchte ich sagen frustriertes) Wesen sind mir als Erwachsener nicht ganz unbekannt. - Gerne habe ich als Leser mitverfolgt, wie er (quasi gezwungen durch das freundliche Wesen Nathans, dem er zuerst mit Verachtung begegnet) im Laufe der Geschichte seine Haltung den Personen in seinem Umfeld ändert und sehr viel aufgeschlossener wird. Hier gibt Lessing das Beispiel das wir offenbar zu allen Zeit gebraucht haben: Es geht!
- Eric-Emmanuel Schmitt
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
(773)Aktuelle Rezension von: FalkenFederWas mir am meisten im Gedächtnis geblieben ist ist das Monsieur Ibrahim immer sagt "Der Koran ist das wichtigste für mich" und er sagt "Ich brauche den Koran nicht, das Leben lehrt einen" er rettet damit den jungen vor geistiger Verwirrung durch Missverständnis.
Mir geht es eben so: in der Bibel steht "Jesus ist das Wort" also nicht die Bibel. Und da steht "ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben" da dachte ich "dann brauche ich ja die Bibel nicht! in der Bibel kann so vieles falsch verstanden werden, für viele gehört das Buch in den Giftschrank! Aus eigener Erfahrung und um Menschen zu schützen sage ich es auch"Jesus ist das Leben die Wahrheit und der Weg, lerne lieber davon, hör auf dein Herz!"
Das andere in dem Buch das mir sehr im Gedächtnis geblieben ist ist das der junge mit einer Prostituierten schläft und ihr dann sein Kuscheltier schenkt weil ihm damit seine Kindheit genommen wurde.
Ein Freund hat mir erzählt das er nach extremen Herzbruch mit einer Frau geschlafen hat ohne liebe und angefangen hat herum zu vögeln. Er sagt da ist in ihm etwas gestorben.
Wobei ich anmerken muss das ich selbst wärend einem Brocken Heart Syndrom viel mit Prostituierten zutun hatte und sagen muss das es da viele Herzchen gibt und das es im Bordell oft eher so aussieht das dort oft wochenlang kein Sex stattfindet sondern dort traurig Männer sitzen die getröstet werden wollen, reden möchten und gestreichelt werden möchten. Mir hat eine Prostituierten das Leben gerettet. Ohne Bezahlung einfach weil sie ein gutes Herz hat. Wir haben geschrieben und sie hat mich aufgebaut. Ich wollte eigentlich noch einmal fühlen wie es berührt zu werden und mich dann umbringen. Wir haben aber nur sehr viel gechattet und sie gab mir neuen Mut und empfahl auf die richtige zu warten mit Liebe!
- Frido Mann
Babylon
(2)Aktuelle Rezension von: Chrissy87Eigentlich ist die Idee des Buchs richtig gut. Der männlich Hauptcharakter ist Jude der sich am Anfang des Buchs mit einem Moslem anfreundet und später eine Affäre mit einer Pastorin hat. Somit sind die drei großen Religionen in diesem Buch vertreten und unter den Personen im Buch findet ein reger Austausch statt.
Allerdings finde ich die Umsetzung weniger gelungen. Denn es gibt in diesem Buch die ganz normalen Alltagssituationen die in verständlicher Sprache geschrieben sind, aber immer wenn eine Diskussion zum Thema Glaube entsteht, wird mit Fremdwörtern nur so um sich geschmissen bzw. mit "biblischen Ausdrücken" und wer nicht so in der Materie des Glaubens bzw. der Gotteshäuser drin ist, hat echt Probleme dem zu folgen.
Vielleicht liegt es auch nur an mir, da ich nicht so "Bibelfest" bin und jemand der sich mehr mit dieser Materie auseinander setzt hat ja vielleicht doch sein Spaß an dem Buch.
Allerdings fand ich das Ende des Buchs ging gar nicht, dass war mehr als bizarr. - Peter Michel
Karma und Gnade
(1)Aktuelle Rezension von: Sookie70Ist die Karma-Theorie lieblos? Ist die Gnaden-Lehre ungerecht?
So wenig neu wie diese Fragen sind wohl die Ansätze, die der Autor Peter Michel in seinem Buch aus dem Jahr 2002 präsentiert. Dennoch ist dieses hier irgendwie besonders: Weniger ein Ratgeber als ein Nachschlagwerk, gründet sich der Inhalt des Buches auf zahlreiche fundierte Quellen aus den Bereichen Religion, Philosophie, Medizin, Psychologie und Esoterik.
Facit: Es handelt sich um ein gut recherchiertes, bestens belegtes Buch, übersichtlich gestaltet, sprachlich gut verständlich - und, wenn man möchte, mit ein paar durchaus vorprogrammierten geistigen "Aha-Erlebnissen"! - Gertrud Wagemann
Feste der Religionen - Begegnung der Kulturen
(2)Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-PapeInformationen zur rechten Zeit
Voneinander zu wissen und mehr zu wissen, das ist ein wichtiger Schritt im Rahmend er “Begegnungen der Kulturen“, die gerade in der aktuellen Gegenwart ja von vielfachen Spannungen auf allen Seiten belastet sind.
„Integration“ ist zur Zeit eines der meistgenannten Themen der öffentlichen Diskussion und dennoch ist klar, dass Integration und ein „Miteinander“ vor allem auf der persönlichen Ebene greifen muss, um ein gedeihliches Miteinander tatsächlich auch im Alltag zu befördern.
Ein wichtiger Schritt zu diesem „Miteinander“ ist zunächst eine sich vertiefende „Kenntnis voneinander“. Hier bietet das sehr übersichtliche und verständlich abgefasste Buch von Getrud Wagemann einen guten und wichtigen Schritt zu einem besseren Kennenlernen der anderen Kulturen.
Indem Wagemann die „Feste der Religionen“ aufgreift und erläutert bietet sie zugleich einen interessanten Blick auch auf die Traditionen der jeweiligen religiösen Kulturen und eröffnet damit dem Leser eine ebenso gute Möglichkeit der Kenntnis und Einschätzung „fremder Sitten und Gebräuche“.
Allein schon die jeweiligen „Festkalender“ sich vor Augen zu führen ist hier ein guter formaler Einstieg. Im Folgenden geht Wagemann auf alle bekannten und „offiziellen“ Feiertage der einzelnen Religionen sehr differenziert ein.
Christliche Festtage (ausdifferenziert in teils auch exotische Feiern wie das „Johannisreiten“ der Sorben oder das koptische und äthiopische orthodoxe Neujahrsfest), Islamische Feiertage (auch hier mit einzelnen besonderen Exkursen z.B. zum altiranischen Neujahrsfest, aufgeteilt in die iranische und kurdische Tradition) und Jüdische Feiertage bilden im Rahmen der drei großen monotheistischen Religionen das Gros der Darstellung.
Wobei darin sich die Darstellung dankenswerter Weise noch lange nicht erschöpft, sondern auch Feiertage von eher Randgruppen in der westlichen Kultur (Jesiden, Sikhs, Bahai) finden sich ebenso kompakt und verständlich in ihren Hintergründen und Abläufen im Buch beschrieben, wie buddhistische und hinduistische religiöse Feiertage.
Wenn dann noch das abschließende Kapitel zu den „Festen der Stammesreligionen“(Berber, Nigeria, Kamerun, Vietnam u.a.) gelesen worden ist, ist der Leser zumindest im Überblick bestens und rundherum über die religiösen Bräuche und Traditionen der wichtigen Tage der einzelnen Religionen und Glaubensgemeinschaften informiert.
Der jeweilige geschichtliche Hintergrund, einzelne Hintergrundgeschichten („Wie der Herrgott die Roma geschaffen hat“) und praktische Beispiele eines exemplarischen Erlebens des jeweiligen Feiertages bieten eine lebendige Schilderungsform, innerhalb derer die Informationen zudem unterhaltsam vermittelt werden.
Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch für das ganz alltägliche Leben im Dunstkreis auch anderer Kulturen und Traditionen, das über die Darstellung der religiösen „Höhepunkte“ auch vieles für das Verständnis des ganz alltäglichen Lebens der einzelnen Kulturen austrägt. - Eric-Emmanuel Schmitt
Nachtfeuer
(22)Aktuelle Rezension von: AlaisAls er noch Student der Philosophie war, wurde Eric-Emmanuel Schmitt von dem Theater- und Filmregisseur Gérard gefragt, ob er an einem Film über Charles de Foucauld, einem französischen Forscher und Priester, mitwirken möchte. Zur Vorbereitung des Films brachen sie gemeinsam zu einer Reise auf den Spuren Foucaulds auf und schlossen sich einer Reisegruppe an, um in die Sahara-Wüste und zum algerischen Ahaggar-Gebirge zu gelangen. Neben ihrem Reiseführer mit dem heute nicht mehr ganz so sympathisch wirkenden Namen Donald mit dabei: Abayghur, ihr Tuareg-Reiseführer. Konfrontiert mit der eindrucksvollen Kulisse der Wüste entwickelten sich zwischen den Teilnehmern spannende Streitgespräche über große Fragen der Menschheit. Doch Schmitt sollte auf dieser Reise in die Wüste ein noch viel einschneidenderes Erlebnis erwarten …
„Nachtfeuer“ ist ein leise und poetisch erzähltes, sehr persönliches Buch, nicht nur weil es autobiographisch ist, sondern vor allem weil es einen tiefen Blick in die Innenwelt des Autors wirft. Ich bewundere Schmitts Mut, diesen zuzulassen und ein Erlebnis zu schildern, das, wie er sehr wohl weiß, nur schwer zu glauben ist – ich selbst habe ehrlich gesagt damit große Schwierigkeiten.
Gerade das macht mir den Autor in diesem Buch aber auch sehr sympathisch: Schmitt zeigt sich als ein Mensch, der es vorzieht, seinen eigenen Weg zu gehen und notfalls eben gegen den Strom zu schwimmen, gerade weil ihm bewusst ist, dass das eigene Wissen wie das Wissen aller Menschen begrenzt ist. Er pflegt die leider so selten gelobte Tugend der Bescheidenheit und hat doch den Mut, seinen eigenen Standpunkt zu vertreten und den Leser dazu einzuladen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
Mir gefiel die Lektüre dieses Buches sehr, obwohl ich trotz des geringen Umfangs von nur knapp 200 Seiten nur langsam vorankam, weil es neben den Reisebeschreibungen, die akutes Fernweh hervorrufen, wie beispielsweise des atemberaubenden Nachthimmels über der Wüste, viele Perlen der Weisheit, die zum Nachdenken anregen, enthält. - Günter Laube
Gefangener Nummer 343
(11)Aktuelle Rezension von: SaintGermainMaryam floh im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Schon als Kind hatte sie lebhafte Träume, und als Teenager wurden die Träume so intensiv, dass die Familie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen musste. Nach dem Abitur in Berlin verbrachte sie ein Jahr als Entwicklungshelferin im Ausland, in ihrer alten Heimat. In dem Land herrschte nach jahrelangem Bürgerkrieg das Chaos, und Hilfe wurde mehr denn je gebraucht. Nach ihrer Rückkehr beginnt sie ein Lehramtsstudium für Arabisch, Deutsch und Englisch. Doch im dritten Semester sind die Träume wieder da: intensiver und lebendiger als je zuvor! Sie ist Sophia Fernández, eine Sonderermittlerin der Vereinten Nationen, die ein neues Hochsicherheitsgefängnis überprüfen soll. Bei Gesprächen mit verschiedenen Insassen eröffnen sich ihr Einblicke in eine andere Welt. Doch welche Rolle spielt Gefangener Nummer 343 in ihren Träumen und in ihrem Leben?
Das Cover des Buches passt zwar absolut zum vorliegenden Buch, ist aber total lieblos am Computer entstanden, denn es wirkt, absolut nicht ansprechend und sieht nach nichts aus.
Der Schreibstil des Autors ist primär gut, die Protagonisten und Orte sind gut beschrieben, allerdings tauchen hin und wieder auch einige Rechtschreibfehler und Wortwiederholungen auf.
Der Sinn des Buches schien mir nach den ersten 3 Kapiteln erkenntlich zu werden, doch dies war leider nicht so.
Das ganze Buch wirkte irgendwie sinnlos, denn es gab zwar massenhaft wissenschaftliche Fakten aus Physik, Chemie, Biologie, Geschichte und Mathematik und auch sehr gute Einblicke in die Religionen (was mir am besten in diesem Buch gefiel), letztendlich gibt es in diesem Buch aber keine Auflösung auf die Fragen die gestellt wurden.
Ich durfte von dem Autor ja bereits "Die W-Formel" lesen, was mir besser gefiel da er durch die Wissenschaft hindurchphilosophierte und es ja auch ein Sachbuch war. Sachbuch in teilweiser humoristischer Form passt definitiv besser zum Autor.
Dazu fiel mir noch auf:
- Sophia soll einen Bericht über das Gefängnis schreiben, redet aber mit den ersten Gefangenen nur über deren Taten, kein Wort fällt über das Gefängnis.
- Warum deutet der Satz "Wenn Sie einmal Kinder haben, ...", den der Gefangene 343 zu Sophia sagt, darauf hin dass er weiß, dass sie eine Frau ist? Kann man diesen Satz nicht auch zu einem Mann sagen? Meiner Meinung nach schon, und damit wird ein Teil der Handlung ad absurdum geführt.
Fazit: viele religiöse und wissenschaftliche Fakten, eine verwirrende Handlung, einige Fehler und keine Auflösung.
- Angela Kämper
Chronik griffbereit - die wichtigsten Feier- und Gedenktage
(2)Noch keine Rezension vorhanden - Monika Tworuschka
Die Weltreligionen – Kindern erklärt
(5)Aktuelle Rezension von: LesensundspielenddurchslebenWeltreligionen ist ein Thema, dass finde ich besonders aktuell ist. Wir leben in einer gesellschaft vieler Religionen, Kulturen und Weltanschauungen und da ist es gut, über die anderen Bescheid zu wissen. Das Problem dabei ist immer: Wer sind "DIE" anderen? "Der Islam", "das Christentum", "das Judentum", "der Hinduismus", "der Buddhismus" - keines der Weltreligionen ist eine einfach zu erfassende, in sich geschlossene Einheit. Diesem Umstand versucht das Buch gerecht zu werden. Schon bei der Vorstellung der jeweiligen Religion wird als erstes auf die Vielfalt der jeweiligen Religion eingegangen. Dann folgt eine Wimmelseite, Heilige Orte, Glaubenssätze, Feste (im Jahreskreis/ im Leben), Glaubensleben und Zusammenleben. Diesem immer gleichen Aufbau, den ich sehr klug durchdacht und ansprechend fand, folgte ein interreligiöser Abschnitt im Sinne einer vergleichenden Religionswissenschaft. Diesen finde ich besonders zeitgemäß und spannend. Die Abschnitte davor sollte man aber gut kennen, da in diesem die einzelnen Kinder wieder zu Wort kommen und dann nur der Name erwähnt ist (sodass man wissen muss, wofür sie stehen). Besonders gut gelungen fand ich den Abschnitt über die Liebe zu Personen egal welchen Geschlechtes etwa in dem letzten Abschnitt oder auch die Aktuellen Themen Umwelt, Frieden und Flüchtlinge.
Ich finde das Buch sehr gut geeignet, um sich fundiertes Wissen über Weltreligionen als Jugendlicher anzueignen. Für 8 Jährige finde ich das Buch noch ungeeignet, es sind zu viele und zu schwere Informationen (etwa Nazi-Zeit, aber auch konplexe Themen wie den Nahost-Konflikt, oder Gandhis Begriff Satyagraha). Außerdem wird genau durch die große Stärke des Buches, nämlich die Vielfalt, die es durch die vielen verschiedenen Personen, die erzählen und erklären, ein hoher Komplexitätsgrad erreicht, der ein 8/9-Jähriges Kind überfordern könnte. Auch ich musste oft nochmal zurückblättern (zu welcher Religion gehört dieser nochmal?)
Einzelne Seiten finde ich auch inhaltlich nicht ganz gut gelungen. Gerade die Informationen über den Nahostkonflikt haben mich durchaus gestört, weil bei diesen durch die Formulierungen impliziert wurde, dass alle Palästinenser Muslime sind, und die religiöse Bedeutung des Landes wurde nur für Juden und Muslime erwähnt. Das sind aber wirklich nur einzelne Seiten, der Großteil ist sehr gut gelungen und ideal etwa für die offene Arbeit im Religions- und Ethikunterricht. Was mich besonders angesprochen hat, ist die Vielfalt, die abgebildet wird. Etwa wird seitens der Stellung der Frau einmal auf das orthodoxe Christentum verwiesen und nochmal gezeigt, dass auch das Christentum keinesfalls so homogen ist, wie wir glauben wollen. Ich würde einfach die einzusetzenden Seiten immer gut lesen und schauen, ob sie vom Alter her schon passen und auch inhaltlich für die zu unterrichtende Person gut passt. 95% des Buches würde ich durchaus so im Unterricht einsetzen können! - XIV. Dalai Lama
Das Herz der Religionen. Gemeinsamkeiten entdecken und verstehen
(2)Aktuelle Rezension von: WedmaDas Buch habe ich gerne gehört. Ich mag Dalai Lamas Bücher und fand es toll, dass ich auch dieses Buch als Hörbuch kennenlernen konnte.
Klappentext fasst das Buch prima zusammen: „Krieg der Kulturen oder Bündnis der Religionen? Auf diese wohl wichtigste Frage unserer Zeit gibt der Dalai Lama eine überzeugende und sehr persönliche Antwort. So verschiedenartig die Religionen der Welt auch sind, so liegen ihnen doch die gleichen Kerngedanken zu Grunde. Nur wer die Gemeinsamkeiten kennt, kann den Unterschieden mit dem Respekt begegnen, der für eine harmonische Koexistenz und einen dauerhaften Weltfrieden unabdingbar ist. Dieses Hörbuch des Friedensnobelpreisträgers dringt über die Grenzen der einzelnen Glaubensrichtungen hinweg in das Herz der Religionen vor.“
Dala Lama fasst die Kernpunkte der größten Religionen zusammen, zieht Parallele, erzählt auch Fälle aus seinem Leben über Begegnungen mit anderen aktiv Praktizierenden, die ihm die eine oder andere Gemeinsamkeit oder auch den Unterschied zwischen Buddhismus und anderen Glaubensrichtungen deutlich gemacht hatten, und betont, dass man im Endeffekt gerade die Unterschiede kennen und berücksichtigen sollte. Dalai Lama warnt, alle Religionen als Einheitsbrei anzusehen, da man kurzerhand erklärt, dass alles im Grunde auf das Selbe hinausliefe, wäre kaum das Richtige und keine Lösung der heutigen Probleme in diesem Bereich. Nur wenn man Unterschiede kennt und respektvoll damit umgeht, kann man das harmonische Miteinander aufbauen und aufrechterhalten. Er erzählt auch über sein Leben in Indien, wo viele Religionen ihr Zuhause haben und von vielen Menschen praktiziert werden, und dass es grundsätzlich möglich ist, mit Vertretern anderen Religionen dauerhaft friedlich auszukommen. Vom Tao (Dao) und seinen drei Merkmalen ist auch die Rede uvm.
Das Buch wurde wunderbar gelesen von Bernt Hahn. Seine Stimme und seine Art, das Ganze vorzutragen, passen sehr gut zum Inhalt.
Fazit: Ein schönes, ruhiges, weises, optimistisch stimmendes Buch, das das Gute in den Menschen hervorhebt und immer wieder drauf zurückkommt. Man braucht einfach solche (Hör-)Bücher.
Hörbuch, Spieldauer: 3 Stunden und 41 Minuten, gekürzte Version. Gelesen von Bernt Hahn.
- Christine Schulz-Reiss
Das Hausbuch der Weltreligionen
(2)Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzickFünf große Weltreligionen werden in diesem ansprechend gestalteten Hausbuch für Jugendliche und Erwachsene vorgestellt. In der Reihenfolge ihrer Entstehung beschreibt die in Fragen der Religion sehr engagierte Journalistin Christine Schulz-Reiss die Geschichte, die Glaubensinhalte, die Rituale und Traditionen des Hinduismus, des Buddhismus, des Judentums, des Christentums und des Islam. Sie unternimmt diesen gelungenen Versuch in der immer wieder durchscheinenden Absicht, dafür zu werben, dass alle diese Religionen ihre eigene Wahrheit haben und dass es ihnen letztendlich um das Gleiche geht. Ihre Darstellungen betonen bei allen Unterschieden, die sie fein herausarbeitet, auch die Gemeinsamkeiten der großen Weltreligionen und werben für Toleranz untereinander. Der linke und der rechte Seitenrand ist reserviert für zusammenfassende Erklärungen und besondere Fragen. Claudia Liebs Illustrationen sind ansprechend und fügen sich gut in ein schönes Buch ein, dessen Thematik die Autorin so zusammenfasst: „Heute steht für alle Religionen der Schutz des Lebens an oberster Stelle. Juden, Christen und Muslime eint nicht nur der Glaube an denselben Gott, sondern auch ihr Gruß: Shalom, Friede sie mit euch, Salam Aleikum – verschiedene Worte, der gleiche Segenswunsch.“ Ein ausführliches Register hilft, mit dem Buch richtig zu arbeiten. Über eine Art Weltkarte, aus der hervorgeht, wo die Religionen am meisten verbreitet sind und eine, die ihre historische Entwicklung dargestellt, hätte, hätte ich mich gefreut. Ihr Fehlen schmälert aber nicht mein Lob über ein ganz außergewöhnliches Buch über die Bedeutung der Religion in dieser Welt. - Halldór Laxness
Am Gletscher
(17)Aktuelle Rezension von: GinevraEin junger Theologiestudent wird vom Bischof persönlich an den am Snæfells- Gletscher geschickt, um dort einigen unglaublich schockierenden Gerüchten auf den Grund zu gehen.
Angeblich kümmert sich der dortige Pfarrer mehr um Maschinen als um Menschen, die Kirche steht leer, die Toten werden nicht beerdigt, womöglich wird ein Mord vertuscht, und - noch schlimmer - der Pfarrer lebt in Polygamie - mit einer Hauswirtschafterin, die den Spitznamen "Stössel- Dora" trägt!
Der Bischof ist moralisch aufs Höchste besorgt, und der junge Theologe erwartet, am Gletscher eine Mischung aus Sodom und Gomorrha vorzufinden.
Doch als er ankommt, scheint alles sehr ruhig zu sein. Die kleine Gemeinde ist extrem verarmt, seitdem die Fischpreise durch Regierungseingriffe in den Keller gefallen sind. Die Kirche ist verfallen. Der Pfarrer Jon Primus ist ein nachdenklicher Mann, der seinen "Schäfchen" (ob Mensch oder Tier) auf jede erdenkliche Weise hilft, gerne auch als Reparateur der völlig veralteten Wasserboiler. Die Gemeinde am Gletscher wurde von allen öffentlichen Sozialprogrammen offensichtlich vergessen.
Jon Primus zweifelt an der Existenz Gottes und hat sich dem Hinduismus zugewandt, weswegen er sich schwer tut, den kirchlichen Ritualen zu folgen. Seine Haushälterin Dora ist sehr erfinderisch, um mit dem allgegenwärtigen Mangel umzugehen - so mörsert sie z.B. hartgewordene Kekse und arbeitet sie so zu Tierfutter um, denn die Tiere leiden im langen isländischen Winter am allermeisten (daher der Spitzname!).
Am Gletscher leben verschiedene skurrile Personen aus aller Welt, mit den unterschiedlichsten Weltanschauungen. Hier mischt sich der alte isländische Geisterglaube mit der katholischen und der buddhistischen Lehre, und heraus kommen so manche merkwürdigen Rituale, die dem jungen Beobachter zwar fremd, aber auch irgendwie nachvollziehbar erscheinen. Alle Gerüchte bewahrheiten sich - jedoch ganz anders, als erwartet!
Die Rückfahrt des jungen Theologen zögert sich immer mehr hinaus, und am Ende wird er Zeuge einer höchst ungewöhnlichen "Erweckungsfeier"...
Halldór Laxness (1902 - 1998) ist einer der berühmtesten isländischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger.
"Am Gletscher" wurde 1968 geschrieben und in den letzten Jahren (wie auch sein Gesamtwerk) wiederentdeckt und neu übersetzt.
Mich hat dieses Buch sehr gut unterhalten - es ist kurzweilig geschrieben, stellenweise richtig lustig, dabei spannend und vielschichtig. Es steckt voller Weisheiten aus allen möglichen Denkrichtungen. Am Gletscher finden sich Stellvertreter verschiedener Religionen, die friedlich zusammenleben und ihre eigenen Rituale entwickeln. Aufgrund der Armut und Kälte sind die aufeinander angewiesen, was diesen Synergieeffekt verstärkt. Am Ende wird der Roman immer mystischer und altbekannte, logische Denkmuster lösen sich auf - ein sehr ungewöhnlicher Roman also!
Laxness wurde oft mit Thomas Mann verglichen - ich denke, dass es hier Parallelen zum "Zauberberg" gibt, und auch zu Orhan Pamuks "Schnee". "Am Gletscher" ist - wie diese - ein "Pars pro toto"-Roman, in dem die einzelnen Akteure für ganze Denkrichtungen stehen, für Weltanschauungen und unterschiedlichste Wertvorstellungen.
Mich hat der Roman stellenweise sehr verwirrt, man kann ihn vermutlich nicht vollkommen logisch interpretieren, was letztlich aber auch seinen ganz besonderen Zauber ausmacht.
Fazit: ein absolut lesenswertes Buch, für alle, die nicht in festen westlichen Kategorien und Wertvorstellungen denken! 5 von 5 Sternen. - Laurence Gardner
Hüterin des Heiligen Gral
(4)Aktuelle Rezension von: MondracDas Thema "Maria Magdalena", Frau und Lieblingsjüngerin von Jesus, ist aktueller als mancher glaubt. Immerhin hat man kirchlicherseits nun endlich im Jahre 2016 (!) geschafft, sie zu rehabilitieren und sie heilig gesprochen.
Für das kollektive Unterbewusstsein kommt das freilich einige Jahrhunderte zu spät; der Paradigmenwechsel wird wohl noch einiges zu tun haben, die Verleumdungen über sie und auch andere Unwahrheiten oder Unwissenheiten zur heiligen Familie, richtig zu stellen.
Wer gern hinter die Fassaden schulbuchweismachender Geschichte schaut, sollte sich dies Buch genüsslich zu Gemüte führen, wie auch die anderen Bücher von Laurence Gardner.
Es sind sehr gründlich recherchierte Werke eines ehemaligen Freimaurers und für dieses Buch zum "Autor of the Year" gekürten Kenners der geheimen Geschichte der Menschheit. - 8
- 12
- 24




















