Bücher mit dem Tag "wendezeit"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "wendezeit" gekennzeichnet haben.

56 Bücher

  1. Cover des Buches Spreewaldgrab (ISBN: 9783548287607)
    Christiane Dieckerhoff

    Spreewaldgrab

     (95)
    Aktuelle Rezension von: countrywoman

    Ein Regionalkrimi in einer für mich neuen Gegend. Das Cover gefällt mir mit der Flusslandschaft sehr gut. Im Krimi selber kommt mir etwas zu wenig Spreewald vor. Ich hätte gerne etwas mehr von der Gegend gelesen. Aber das kommt bestimmt in den nächsten Teilen.

    In diesem ersten Teil lernen wir Klaudia und viele andere Personen näher kennen. Für den einen oder anderen mag es etwas zu viel gegenüber dem Krimi zu sein. Ich fand es okay, es ist schließlich eine Reihe. Und im ersten Band die Protagonisten schon einmal gut kennen zu lernen finde ich eine gute Grundlage. 

    Und trotz allem Menschlichen, persönlicher Probleme einiger haben wir es mit einem interessanten Mordfall zu tun. Klaudia ist neu auf der Dienststelle und steigt direkt richtig ein. Wächst langsam mit den Kollegen zusammen, erarbeitet sich Respekt. Auch privat hat sie mit einigen Kollegen zu tun. Und Klaudia hat nicht nur mit einem Mord zu tun, nebenbei entdeckt sie noch ein Skelett, es gibt vermisste Personen. Wie passt das alles zusammen?

    Und dazwischen immer wieder Kapitel über eine gefangene Frau. Wie ist der Zusammenhing? Falsche Fährten werden gelegt. Meine ersten Vermutungen waren falsch. Der Krimi lebt nicht von der Spannung, sondern von den Überraschungen. 

    Der Krimi lässt sich leicht und flott lesen. 

    Fazit: Im ersten Teil neben dem Mordfall viel Privates, aber auch dies ist interessant. Ein Mord mit vielen Überraschungen und einer Kommissaren, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Ein Buch, das Lust auf weitere Fälle mit Klaudia und dem Team macht.

  2. Cover des Buches Herr Lehmann (ISBN: 9783442461288)
    Sven Regener

    Herr Lehmann

     (1.204)
    Aktuelle Rezension von: AnjaLG87

    Ich lese selten lustige Bücher und schaue ungern Komödien; mich kann man nur mit intelligentem Wortwitz und dem Spiel mit der Sprache aus der Reserve locken. Und das ist Sven Regener mit diesem Buch gelungen. "Herr Lehmann" ist herrlich witzig, häufig "um die Ecke gedacht" und voller Sätze, die so klug konstruiert sind, dass es Spaß macht, sie mehrmals zu lesen. Es handelt sich insgesamt eher um einen Lebensausschnitt, der dargestellt wird; große Entwicklungen und Ereignisse darf man als Leser also nicht erwarten. Vielmehr stellt Regener den Alltag seines Protagonisten dar, dessen Suche nach Sinn und Ziel, seine "Abnabelung" vom Elternhaus usw. Ich finde, dies alles las sich wirklich flüssig und ich habe Lust bekommen, mehr von Regener zu lesen.

  3. Cover des Buches Unterleuten (ISBN: 9783442719761)
    Juli Zeh

    Unterleuten

     (519)
    Aktuelle Rezension von: julia-elysia

    "Unterleuten" ist mein erstes Buch von Juli Zeh, welches im Rahmen meines Germanistik-Studiums gelesen habe. Ich denke, es ist sowieso immer etwas anderes, wenn man einen Roman in der Schule oder Uni lesen muss, weil man (in-)direkt dazu gezwungen wird, aber ich bin tatsächlich sehr offen an das Buch herangegangen. Ich wohne selbst in einer brandenburgischen Kleinstadt, die eher einem Dorf ähnelt, weswegen ich gehofft hatte, einige inhaltliche Strukturen wiederfinden und auf meine ländliche Gesellschaft anwenden zu können.

    Leider wurde ich enttäuscht.

    Das Buch ist in mehrere Teile unterteilt. Im ersten bekommt man bereits einen groben Überblick über die Protagonist*innen. Jedes Kapitel wird aus einer anderen Sicht geschrieben, was mich nach einer Weile überfordert hat. Wahrscheinlich hätte es mir weitaus mehr geholfen, hätte ich nicht erst am Ende realisiert, dass auf den letzten Seiten eine Personenübersicht zu finden ist, aber alleine die verschiedenen Storylines, die auch mit vergangenen Ereignissen zusammenhängen, haben mir das Lesen erschwert und mir die Konzentration geraubt.

    Das Werk ist auf jeden Fall keine leichte und schnelle Leselektüre, nicht zuletzt durch die 600+ Seiten. Am besten, man schreibt nebenbei mit, damit man nichts durcheinanderbringt.

    Wie gesagt, hatte ich gehofft, einige dort abgebildete Strukturen auch auf meine dörfliche Region anwenden zu können. Auch wenn einige Stimmen und Kritiker*innen meinten, dass dieses Buch eine brandenburgische ländliche Gemeinschaft/Gesellschaft darstellt, konnte ich da nicht wirklich mitgehen. Vielleicht erging es aber auch nur mir so.

    Insgesamt gebe ich dem Buch 3 Sterne. Wäre es vielleicht nicht so langatmig und mit so vielen Protagonist*innen geschrieben worden, hätte man vielleicht eine verständlichere und fesselndere Geschichte gehabt.

  4. Cover des Buches Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche (ISBN: 9783462043921)
    Alina Bronsky

    Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

     (159)
    Aktuelle Rezension von: engineerwife

    Was ich mir hier gewünscht hatte: einen Roman mit viel Biss und schwarzem Humor. Was ich bekommen habe: eine menschenverachtende Geschichte, der jeglicher Humor abhandengekommen war und die einfach nur grausam und niederträchtig daherkam. Schade, Frau Baronsky, aber sowas liegt mir nicht. Um die restlichen Bücher der Autorin werde ich einen großen Bogen machen.

  5. Cover des Buches Kranichland (ISBN: 9783499274015)
    Anja Baumheier

    Kranichland

     (104)
    Aktuelle Rezension von: Annabeth_Book

    Inhalt:

    Durch ein Hauserbe wird das leben von Theresa komplett auf den Kopf gestellt, denn sie findet Dinge heraus, die lange Zeit ein gut gehütetes Familiengeheimnis war.

    Erster Satz:

    Endlich acht.

    Meine Meinung:

    Als das Buch bei mir Zuhause ankam, war ich wirklich sehr gespannt was mich erwartet und ich wurde komplett überrascht.

    Als erstes zum Cover :) ich finde es ist sehr schlicht und sehr nichtssagend gestaltet und ich finde das macht es so besonders, der Inhalt im Buch bleibt eine Überraschung. Die beiden Frauen im Vordergrund, denke ich sind Charlotte und Marlene. Der Leser bekommt zwar eine Vermutung wie sie aussehen, aber kann trotzdem noch seine Fantasie benutzen.

    Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar flüssig zu lesen und die Seiten sind nur so dahin geflogen.

    Im Buch an sich springt man zwischen "Damals" und "Heute" hin und her und es war wirklich super in dem Buch markiert, sodass man sich als Leser auskannte und es nicht zu großen Verwirrungsmomenten kam und man das Buch ohne großes Stocken durchlesen konnte.

    Auch die Charaktere wurden von der Autorin wirklich schön ausgearbeitet, und jeder war auf seine Art besonders.

    Dadurch das wir auch immer wieder in die Vergangenheit springen, kann man die Handlung der Charakteren besser nachvollziehen und ich fand es teilweise erschreckend was sich teilweise dort in der DDR zugetan hat und was die Familie Groen durchstehen musste und welches großes Geheimnis Charlotte jahrelang mit sich rumgeschleppt hat.

    Für Theresa, war das Geheimnis dagegen ein Schock und man konnte mit ihr als Leser richtig mitfühlen und man wollte sie am Ende eigentlich nur in Arm nehmen. Und ich muss auch gestehen das ich den Namen in Gedanken die ganze Zeit verbessert habe, da man mich ja ohne "h" schreibt.

    Auch finde ich es gut das die Autorin ganz langsam Wieland mit in die Gegenwart Geschichte hat einfließen lassen, so konnte man sich noch besser mit ihm vertraut machen.

    Ich finde die Autorin hat uns wirklich toll zurück in eine Zeit geführt, die gerade uns jungen Lesern so gut wie gar nicht bekannt ist und ich finde es immer wieder spannend davon zu lesen und ich finde es wirklich erschreckend, was es für Zustände es damals gab und das es eigentlich auch nicht so lange her ist.

    Alles in einem kann ich wirklich nicht an dem Buch meckern und ich hoffe auch das ich bald wieder was von der Autorin lesen kann.


  6. Cover des Buches Der Turm (ISBN: 9783518461600)
    Uwe Tellkamp

    Der Turm

     (174)
    Aktuelle Rezension von: werthelotte

    Im Jahre 2008 veröffentlicht Uwe Tellkamp seinen dritten Roman „Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land.“ und befasst sich darin mit einer Familiengeschichte in den letzten sieben Jahren der DDR, vor dem Mauerfall. Die Handlung spielt in dem Villenviertel am östlichen Elbgang in Dresden, in dem Tellkamp selbst ab 1977 aufwuchs. Der Roman verfolgt den 17-Jährigen Protagonisten Christian Hoffmann über sein Aufwachsen im bildungsbürgerlichen Milieu der DDR, seine Erfahrungen bei der Nationalen Volksarmee (kurz: NVA) und seinem Wunsch Arzt zu werden um den Erwartungen seines Vaters gerecht zu werden. Neben dem Untergang der DDR, skizziert Tellkamp eine Großfamilie und deren verschiedene Generationen, mit den daraus resultierenden Generationskonflikten.

    Tellkamp gelingt es einen glaubhaften Einblick in die letzten Jahre der deutschen demokratischen Republik zu geben. Seine kritischen Äußerungen gegenüber dem damaligen System und die Veranschaulichung der Notwendigkeit von Anpassung, weckt bei vielen Gleichaltrigen und Generationsvorgängern Erinnerungen an die damalige Zeit und persönliche Schicksale. Doch der Roman beinhaltet noch viel mehr als lediglich die kritische Auseinandersetzung mit dem Sozialismus: Das zahlreiche Auftreten verschiedener Generationen und deren unterschiedliche Werteauffassungen, führen zu einem fast endgültigen Bruch der Familie. Die Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Generationskonflikts wird bei der Behandlung dieses Romans leider zu häufig außer Acht gelassen, verdient aber auf Grund seiner Plausibilität und Zeitlosigkeit mehr Aufmerksamkeit. Denn Generationskonflikte werden zwar erst auf den zweiten Blick richtig wahrgenommen, geschehen aber jeden Tag innerhalb Familie, Beruf oder auf offener Straße.

    Tellkamp hat mit „Der Turm“ ein unglaublich umfangreiches Werk erschaffen, dass eine Vielzahl von Kritikäußerungen und Konflikten innerhalb einer Familie aufzeigt. Die realitätsnahe Schilderung und das Identifikationspotenzial, das dieser Roman aufzeigt, macht es zu einem ganz besonderen und außergewöhnlichen Werk.

  7. Cover des Buches Irgendwann werden wir uns alles erzählen (ISBN: 9783548061726)
    Daniela Krien

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

     (147)
    Aktuelle Rezension von: Nette

    Die Autorin nimmt mit dem Buch den Leser in eine landschaftliche Idylle mit. Die Beschreibungen sind so intensiv, dass man das Gefühl hat mit dem Buch durch die Landschaft und Häuser zu ziehen. Zwar begegnen wir vielen Protagonisten im Buch, allerdings wird die Geschichte aus der Sicht von Maria erzählt. Daniela Krien hat es schafft mich mit dem Buch zu fesseln. Ich wollte unbedingt wissen, wie sich die die Beziehung von Maria und Henner entwickelt. Ist es eine Liebesgeschichte? Ich denke eher, dass die Versuchung und der Reiz zwischen Maria und Henner das Buch ausmachen. Der Versuch die Waage zwischen Begierde, Geheimnis und Sehnsucht zu halten. Über die Beziehung der Beiden möchte ich nicht so sehr ins Detail gehen, denn ich möchte nicht Spoilern. Bildet Euch Eure Meinung zum Buch, mich hat das Buch doch nachdenklich gestimmt.


    Wer ein Buch sucht, welches schockiert, spaltet, emotional und intensiv ist, der ist mit diesem gut bedient.

  8. Cover des Buches Russendisko (ISBN: 9783442541751)
    Wladimir Kaminer

    Russendisko

     (522)
    Aktuelle Rezension von: cyranelli

    Gekauft hätte ich mir das Buch nie. Habe aber oft laut gelacht beim Lesen. Teils ein bisschen zu grotesk und dick aufgetragen, die Klischees der Wende und der russischen Bevölkerung in Berlin etwas zu geschraubt dargestellt. Alles in allem aber trotzdem lesenswert, obwohl ich dem hype nicht ganz folgen kann.

  9. Cover des Buches Stern 111 (ISBN: 9783518471302)
    Lutz Seiler

    Stern 111

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Irisblatt

    Im November 1989 erreicht Carl Bischoff ein dringendes Telegramm seiner Eltern. Er soll so schnell wie möglich zu ihnen nach Gera kommen. Kaum angekommen, erfährt er, dass seine Eltern die DDR sofort verlassen wollen. Carl soll sie in die Nähe der Grenze bringen und sich um das Haus kümmern. Irritiert und überrascht von den Plänen seiner Eltern bleibt Carl zurück und harrt dort tatsächlich mehrere Wochen aus. Als er es nicht mehr aushält, setzt er sich in den Shiguli seines Vaters, fährt nach Berlin und landet schließlich im Osten der Stadt in der Hausbesetzer-Szene. Er findet dort sein "Rudel“, eine Bleibe und trifft seine Jugendliebe wieder, was alles andere als konfliktfrei verläuft. Dank seines Shiguli verdient er sich als Schwarztaxifahrer ein wenig Geld, obwohl er wortwörtlich keinen Plan von Berlin hat. Carl, der eigentlich Gedichte schreiben möchte, und das mal mehr und mal weniger erfolgreich tut, ist als gelernter Maurer und mit seinem handwerklichen Geschick in der Szene begehrt und hat plötzlich die Aufgabe Wände zu verputzen, leerstehende Häuser zu finden und bewohnbar zu machen. Er hilft maßgeblich beim Ausbau der Assel, die als Kneipe zum Treffpunkt der Szene und von Künstlern wird.

    Lutz Seiler schafft es sehr gut die Aufbruchstimmung dieser Zeit, die in Berlin geherrscht haben muss, einzufangen. Dies gelingt ihm letztendlich durch die vielen schrägen Typen und einer Ziege namens Dodo. Ein bunter Haufen unterschiedlichster Charaktere trifft im Roman aufeinander. Es gibt wenig Geld und große Ideale.

    Parallel zu Carls Geschichte erzählt Seiler den Weg von Carls Eltern. Walter und Inge gelangen über unterschiedliche Flüchtlingslager nach Hessen und an andere Orte. In diesem Erzählstrang werden die Schwierigkeiten thematisiert, die Flüchtlinge aus dem Osten hatten. Inge und Walter verfolgen zudem einen unbekannten Plan, den Carl das „Elterngeheimnis“ nennt. Erst gegen Ende erschließt sich für Carl der Sinn ihrer Flucht aus dem Osten und er versteht, was das alles mit Rock 'n' Roll zu tun hat. Seiler baut durch dieses Rätsel geschickt einen Spannungsbogen über den gesamten Roman auf.

    Insgesamt hat mir der Roman über weite Teile gut gefallen. Er ist ein wichtiges literarisches Zeugnis dieser Zeit, in der alles im Umbruch und vieles möglich erschien. Auch die Ausgangslage, dass Carl von seinen Eltern zurückgelassen wird und nicht er seine Eltern verlässt sowie seine Gedanken dazu mochte ich gerne: „Unsere Eltern sollen es einmal besser haben. Etwas stimmte nicht mit diesem Satz.“ (S.31). Leider hatte der Text einige Längen, die das Lesevergnügen für mich immer wieder beeinträchtigten. Insgesamt wohlverdiente 3,5 Sterne, die ich gerne auf 4 Sterne aufrunde.


  10. Cover des Buches Requiem für einen Henker (ISBN: 9783937001722)
    Jacques Berndorf

    Requiem für einen Henker

     (38)
    Aktuelle Rezension von: Thommy28

    Einen kurzen Blick auf das Geschehen erlaubt die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:

    Ich hatte gedacht ich hätte bereits alle Bücher der Reihe "Eifel-Krimis" um den Journalisten Siggi Baumeister gelesen, musste aber just feststellen, dass mir ein paar "durchgerutscht" sind. Das wollte ich mit einem wehmütigen Rückblick und einer sehr guten Erinnerung an vergangene Lesestunden nachholen. Ich würde nicht enttäuscht. Das letzte Buch dieser Reihe hatte ich so um 2013 herum gelesen....!

    Der Schreibstil des Autors ist unnachahmlich, sehr prägnant, ausdrucksstark aber dennoch gut und flüssig lesbar. Der Spannungsanteil ist für einen Krimi recht hoch, wenngleich der Spannungsbogen nicht durchgängig ist. Dafür lockern tolle, manchmal trocken-humorige, Dialoge die Handlung auf. Vielleicht ist in vorliegendem Fall der Autor mit dem Plot etwas über das Ziel hinausgeschossen; das Thema Geheimdienste und Auftragsmord durch staatliche Stellen ist für die Hauptfigur nach meinem Geschmack etwas zu "hoch". Trotzdem - das Buch ist spannend und weckt Erinnerungen weil es zu DM-Zeiten spielt und Bonn (also direkte Eifel-Nähe) noch Bundeshauptstadt war. 

    Die Protagonisten sind sehr gut und mit Tiefe gezeichnet. Es ist schon bemerkenswert, dass ich nach so langer Lesepause heute dennoch das Gefühl hatte, das letzte Buch erst vor ein paar Monaten gelesen zu haben. Das zeigt, dass die Bücher nachhaltig unterhalten....!


  11. Cover des Buches Der Hals der Giraffe (ISBN: 9783518467909)
    Judith Schalansky

    Der Hals der Giraffe

     (251)
    Aktuelle Rezension von: Schwalbe71

    Für Menschen die gerne lesen ist dieses Buch, schon aufgrund seiner literarischen Sprache und Gestaltung,  eine wirkliche Empfehlung. Im Grunde genommen reicht es, wenn Sie, bevor Sie beginnen diesen Roman zu lesen, den Klappentext durchlesen.

    Der Rest ist Literatur. Ein ausgezeichneter, kleiner (Bildungs-) Roman, zudem man der Autorin Judith Schalansky gratulieren muss, ja muss! 

  12. Cover des Buches Kastanienjahre (ISBN: 9783499218569)
    Anja Baumheier

    Kastanienjahre

     (88)
    Aktuelle Rezension von: rose7474

    Nachdem ich von "Kranichland" so begeistert war musste ich auch diesen Roman lesen. Doch dieser hat mich leider ziemlich enttäuscht. Es wurde alles viel zu schnell abgehandelt und ich konnte keine Verbindung zu den Personen aufbauen. Alles blieb für mich oberflächlich und es fehlte mir die Tiefe. Das Buch konnte mich nicht wirklich fesseln und ich war froh als ich fertig war. Daher 3 1/2 Sterne. 

  13. Cover des Buches Aus dunkler Gnade (ISBN: 9783551312112)
    Melissa Marr

    Aus dunkler Gnade

     (98)
    Aktuelle Rezension von: lerurahn

    Der fünfte und letzte Teil der Elfen-Reihe von Melissa Marr bringt alle Irrungen und Wirrungen der vorangehenden Teile zu einem guten, gelungenen Ende.


    Der Roman beginnt mit dem Tod des Königs der Finsternis, Irial, dessen lebloser Körper von Niall, seinem besten Freund am Hof der Finsternis bewacht wird. Niall scheint wahnsinnig vor Wut und Trauer um den gefallenen König zu sein. Irial selbst ist noch nicht tot:


    "Gabriel schaute Niall an und sagte:>> Ich glaube, ich kann Hilfe für meinen König bekommen.<<

    Niall nickte. >>Ja. Die anderen Heiler haben sich geirrt. Sie müssen sich geirrt haben.<< (S.91)


    Im Verlauf des Romans wird deutlich, dass Irial sich im Körper von Niall befindet und sich sozusagen weigert, endgültig zu sterben. Dieser Trick des Königs bringt Niall fast zum ausflippen, er kann Irial in seinem Kopf hören und Nialls Verhalten scheint für die Elfen um ihn herum teilweise extrem unverständlich. Die Lösung bringt schließlich Keenan, als er Niall am Hof der Finsternis aufsucht, um ihm beizustehen. Er erkennt, dass im Körper Nialls tatsächlich Irial und Niall stecken.

    Am Ende des Romans verlässt Irial den Körper Nialls, jedoch nicht um endgültig zu sterben. Er entscheidet die durch Bananachs Tod frei gewordene Position der Zwietracht zu besetzen und weiterhin am Hof der Finsternis bei Niall zu leben. So wird das Gleichgewicht zu Sorchas Hof des Lichts wieder hergestellt. 


    Keenan selbst befindet sich zu Beginn des Romans auf der Suche nach verbündeten Elfen, die seinen Sommerhof unterstützen könnten, da dieser immer noch geschwächt ist, da Ashlyn und er nicht wie König und Königin zusammenleben. Unterstützung findet er bei den Wasserelfen, die im Meer leben und deren König Innis. Innis nimmt Keenan ein bedingungsloses Versprechen ab:


    ">>Als Gegenleistung gebe ich dir mein Wort, dir jeden Dienst den du mir erweist, im gleichen Maße zu vergelten.<<" (S. 34)


    Die Wasserelfen spielen im Verlauf des Romans zunächst keine weitere Rolle, erst am Ende, im finalen Kampf mit Bananach, der Kriegselfe, tauchen sie auf und bringen die nötige Unterstützung und Übermacht, um die Kriegselfe und ihre Anhänger zu vernichten.


    Alle Fans der Reihe, die im letzten Teil doch noch auf ein Happy End von Ashlyn und Keenan hofften, werden leider oder auch zum Glück enttäuscht. Doch Marr gestaltet die endgültige Trennung der beiden taktisch klug für den Sommerhof und ohne großen Abschiedsschmerz. Beide wissen und akzeptieren, dass sie nur wegen des Sommerhofes an einer Bindung interessiert waren und Keenan zieht daher eine sehr mutige Konsequenz: Er übergibt Ashlyn seinen Teil des Sommerhofes. Fortan vereint sie die ganze Kraft und alle Fähigkeiten des Sommerhofes in ihrer Person und der Sommerhof und die Elfen des Sommerhofes erstarken, wie es eigentlich schon länger sein sollte. Dieser erstarkte Sommerhof ist im Kampf gegen Bananach und vor allem im Schlusskampf in der Lagerhallte ein entscheidender Vorteil. Ashlyn verfügt über unglaublich große Kräfte in Form von Sonnenlicht, Feuer und Erde. In Verbindung mit Far Dorcha, dem Tod, der Huntsdale und die Elfen durch seine Anwesenheit verunsichert, gelingt Ashlny und den anderen der Sieg über Bananach:


    "Erdreich. Weinreben brauchen Erdreich. Also zog Ashlyn Erde zu sich heran, hörte sie leise grollend hinter sich heranrollen, sah zu, wie sie um sie herumfloss und Bananach unter sich begrub.

    Die Rabenelfe wurde von dem Gewicht des nun brennenden Schlamms erdrückt, dem weiße Miniaturrosen entsprossen, die sich um ihren Körper wanden.

    >>Jetzt kann sie nicht mehr töten<<, verkündete Ashlyn.

    Der König der Finsternis trat an den Erdhügel und trieb sein aus Schatten geschmiedetes Breitschwert bis zum Heft hinein.

    >>Blut nährt meine Magie<<, sagte eine Stimme so trocken wie eine Maishülse.

    Im Umschauen erblickte Ashlyn Far Dorcha, der sie beobachtete.

    >>Und Tod nährt die Erde>>, fügte er hinzu.  (S.300)


    Seth hält sich zunächst im Elfenreich bei seiner Mutter Sorcha auf. Diese will ihn ungern in die "normale" Welt zurücklassen, sie fürchtet um sein Leben. Doch Seth ist überzeugt davon, seinen Freunden und vor allem Ashlyn zur Seite stehen zu müssen:


    "Er küsste sie auf die Wange. >>Deine Sorgen und dein Wunsch, denen nahe zu sein, die du liebst, sind sehr menschlich. Obwohl du nicht meine leibliche Mutter bist, haben wir offenbar einige Charakterzüge gemeinsam. Ich kehre in die Welt der Sterblichen zurück, um mit denen zusammen zu sein, die ich liebe.>>" (S.58)


    Als Seth auf Niall trifft, um ihm beizustehen und ihn zu beruhigen, befolgt er Sorchas Rat nicht. Er bestätigt Niall dass er über die Sehergabe verfügt und gesehen hat, dass Irial sterben wird. Niall hält ihn daraufhin als einen Gefangenen und verletzt ihn sogar. Seth gelingt es jedoch auch Niall mitzuteilen, dass Bananach mit vereinten Kräften getötet werden kann, ohne dass die ganze Welt zusammenbrechen wird und alle anderen ebenfalls sterben müssen. Den Kampf gegen Bananach verbringt Seth in einem Käfig aus Schatten in der Lagerhalle. Ashlyn und er verlassen den Kampfplatz und ziehen sich am Ende des Romans glücklich vereint in das Loft der Sommerkönigin zurück, nicht ohne dass sie ihm eröffnet hätte nun vollkommen ihm zu gehören. Doch es scheint, dass Marr für den Sohn der Königin des Lichts mehr als nur die Rolle des Liebhabers der Sommerkönigin geplant hat: 


    ">>Nein, ich bin überhaupt kein König. Ich fürchte, ich werde im Elfenreich von höfischen Strukturen und Pomp mehr als genug bekommen. << Bei der Vorstellung, ein König sein zu wollen, verdrehte Seth die Augen. >> Aber ich bin trotzdem dein Gegengewicht.<<

    Niall lächelte.

    >>Es wäre doch nicht das Schlechteste, wen die ungebundenen Elfen jemanden zum Reden hätten, wann immer einer von euch mal wieder völlig durchdreht<<, fuhr Seth fort." (S.315)


    Die zweite Liebesgeschichte, die Geschichte von Donia und Keenan, nimmt ebenfalls ein gutes Ende. Die Winterkönigin wurde im Kampf gegen Bananach schwer verwundet. Doch Keenan gelingt es Far Dorcha, den Tod, dazu zu überreden, einen Tauschhandel einzugehen: Keenans unsterbliches Leben gegen Donias Leben als Winterkönigin. Donia ersteht quasi zu neuem Leben, während Keenan verwundet und sterblich zurückbleibt und von ihr mit an den Winterhof genommen wird. Der Leser fragt sich hier, ob es wohl möglich sein wird, dass die beiden doch noch zusammenleben können? Ein Menschlicher am Hof des Winters als Geliebter der Winterkönigin scheint zunächst schwer vorstellbar. Doch Marr hat auch hier einen genetischen Kunstgriff zur Hand: da Keenan das Produkt aus Winter und Sommer ist, der Sohn des Sommerkönigs und der Winterkönigin, trägt er beides in sich. Er hatte sich nur zuvor für den Sommer entschieden. Dennoch schlummert der Winter in ihm. Der Roman schließt mit der Szene, in der Keenan das Zepter der Winterkönigin annimmt und so zu ihrem Gemahl und fortan zum Winterkönig wird: 


    "Er nahm ihre freie Hand in seine. Eisbänder wickelten sich um ihre Arme und banden ihre Handgelenke zusammen. (...) Und die Winterkönigin und ihr Gemahl ließen weißen Schnee wie eine Decke auf ihren winterlichen Garten rieseln." (S.331)


    Mein Fazit: Ein wirklich gelungener Abschluss der Serie, obgleich die Konstellation der Figuren am Ende des Romans eine eventuelle Fortsetzung möglich machen würde, die Melissa Marr auf ihrer Homepage nach aktuellen und kommenden Projekten gefragt, jedoch anzweifelt: 


    "My publishers have asked the same thing, and right now, my answer is "I doubt it." It could happen, but I'm not planning to write any more right now." (http://www.melissa-marr.com/)


    Bleibt wohl nur abzuwarten und sich unterdessen an der ganz eigenen, phantasievollen und farbenreichen Welt zu erfreuen, die Marr für die Wicked Lovely-Reihe erfunden hat. 

  14. Cover des Buches Sitzen vier Polen im Auto (ISBN: 9783548283746)
    Alexandra Tobor

    Sitzen vier Polen im Auto

     (57)
    Aktuelle Rezension von: Nini61
    Alexandra wächst in Polen Anfang der 80er Jahre auf. Durch Zufall findet sie im Keller der Großmutter einen alten QUELLE-Katalog. Total fasziniert sieht sie sich die Bilder an, von Frauen in unglaublichen Kleidern, Männern und Kindern, die Sachen tragen, die sie noch nie gesehen hat und Spielsachen in unvorstellbarem Ausmaß und Farben. Seit diesem Tag will sie auch „rausfahren“. Der Insider-Begriff für das Auswandern in die gelobte BRD, wo angeblich die Straßen mit weißer Schokolade gepflastert sind und es alles gibt, was man sich nur wünscht. Nachdem ihr Onkel schon seit 2 Jahren drüben ist, beschließen die Eltern von Alexandra, ebenfalls mit ihrem Fiat Polska den Schritt zu wagen. Eine Odyssee über Durchgangslager und Behördengänge beginnt. Aus der Sicht von einem 8-10 Jährigen Mädchen erlebt man hier die Schwierigkeiten und die teilweise unfreiwillige Komik des Aussiedlerdaseins. Auch die Ablehnung der BRD Bürger wird angesprochen. Alexandra Tobor beschreibt die Zeit bis zur Kommunion des kleinen polnischen Mädchens, das Buch ist durchweg schön zu lesen und man sieht die Probleme der Aussiedler mit einem lachenden und weinenden Auge…
  15. Cover des Buches Die Offenbarung (ISBN: 9783746624815)
    Robert Schneider

    Die Offenbarung

     (23)
    Aktuelle Rezension von: EliasWittekind

    Inhalt:

    Jakob Kemper trachtete sein gesamtes bisheriges Leben nach Ruhm und Anerkennung, zunächst als Musiker, dann als Dirigent und Komponist und zuletzt als Musikforscher. 

    Zermürbt von fortwährendem Scheitern fristet der Sonderling ein einsames Dasein und hält sich als Organist und Musiklehrer über Wasser. Dann macht er, versteckt im Gehäuse der Orgel der Naumburger Stadtkirche St. Wenzel, einen spektakulären Jahrhundertfund: eine verschollene Partitur von Johann Sebastian Bach! Anders als erwartet, stellt die Entdeckung sein Leben auf den Kopf.

    Robert Schneider webt ein faszinierend dichtes Geflecht aus verdrängten Erinnerungen, einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung und einem irritierenden Jahrhundertfund der Musikforschung. Die gefangenen Akteure drohen, sich zunehmend zu verstricken und zerrissen zu werden. Am Ende ist der Ausweg ein ganz anderer.

    Protagonist:

    Jakob Kemper möchte ich mit folgender Textpassage charakterisieren, die jedoch nicht alles von ihm zeigt:

    "Oh, wie begehrte er, einer der ihren zu sein! Wie gern hätte er dazugehört! Ein Rad im Getriebe der weltweiten Bachforschung! Ein Rädchen, seinetwegen auch nur eine winzige Sprungfeder! Aber dabei sein! Wie sehnte er sich danach, mitzudenken, mitzureden, mitzuforschen und an dem Mysterium Bach fort und fort zu schreiben! Wie lechzte er nach Anerkennung! Ja, auch er wollte umgeben sein und hofiert von der Öffentlichkeit! Er wollte auch fotografiert werden und sein Bild in der Zeitung sehen (...), es mit stummem Stolz betrachten und die eigenen Worte wieder und wieder lesen! Er wollte gefragt sein, gesucht, umringt von Journalisten, berühmt! Sieht mich denn niemand? Ich bin auf der Welt! Verdammt, ich lebe! Ich habe etwas … dths … zu sagen!"

    Doch er hat auch eine stille Seite, in welcher viel Kraft, Ausgeglichenheit und Zuneigung zu anderen liegen. Seine Vergangenheit allerdings hat ihn geprägt und nur einen halben Menschen aus ihm gemacht.

    Schreibstil:

    Für mich ist Robert Schneider ein klassischer Autor mit einer modern gefärbten Sprache. Mit seiner Mischung aus präzisen und metaphorischen Worten, vermag er dem Leser eine Vorstellung von einem verschollenen Hauptwerk Bachs zu vermitteln. Dies kann ihm umso besser gelingen, je mehr Kenntnis der Leser von musiktheoretischen Begriffen hat.

    Ein Beispiel:

    "Das Solo mit einer kleinen Non zu eröffnen, die in eine verminderte Quart hinabstürzte, eine so unvermittelte, scharf tönende Intervallfolge für den Auftakt eines Oratoriums zu wählen, das hatte es in der ganzen Barockmusik nicht gegeben. Aber nicht genug. Je weiter sich die Linie ausbreitete, desto mehr häuften sich Dissonanzen und unübliche melodische Fortschreitungen. Kemper meinte, er höre eine Art Zwölftonmusik, eine Klangsprache, die erst zweihundert Jahre nach Bach entwickelt worden war. Das Solo war gegen alle Regeln und Prinzipien der damaligen Melodieführung komponiert, hatte etwas Beängstigendes, ja Beklemmendes und ergab doch ein unerklärliches, architektonisches Ganzes. Er konnte nicht glauben, dass so viel Misstöne und scheinbar fehlerhafte Dissonanzbehandlungen eine so wohlklingende und doch unwirkliche Musik ergaben."

    Meinung:

    Mich freute besonders, dass wieder Schneiders Thema aus 'Schlafes Bruder' abgewandelt mitschwingt: Das verborgene Geniale, der unentdeckte weltbewegende Schatz und die Ignoranz der Mitmenschen und Fachleute. Außerdem finden sich auch in diesem Buch wieder übernatürliche und sogar gruselige Begebenheiten. So erscheint Jakob Kemper immer wieder etwas wage Umrissenes, eine unfassbare Gestalt, die in seinem Unterbewusstsein wühlt und vor ein persönliches Jüngstes Gericht stellt.

    Ich schätze auch den Humor von Robert Schneider sehr.

    Ein Beispiel:

    "»Auf der aufgeschlagenen Partitur – das muss sich einer vorstellen! – stand eine Flasche Rotwein. Und zwar an der Stelle, wo es unseren Heiland am Kreuz dürstet. Château irgendwas. Aber vom Feinsten! Unsere Restaurateure waren eine Woche lang damit befasst, den Rotweinrand zu entfernen. Mich hat das fast den Kopf gekostet!« Während sich der Abteilungsleiter so in Rage redete, starrte er mit zutiefst verächtlichem Gesichtsausdruck auf Kempers Hemd mit dem Rotweinfleck."

    Alles in Allem würde ich fünf von fünf Sternen geben, wenn ich mich besser mit Jakob Kemper hätte identifizieren können. Die Gesichte ist genial, bleibt aber seine und wird auch im Buch nicht zu meiner. 4 Sterne

    Interpretation:

    Darum geht es: Das kleine Leben, nicht das große als Ziel. 

    Oder mit den Worten des Autors:

    "Das war es doch gewesen, wofür ihm die unbekannte Musik von Johann Sebastian Bach die Augen geöffnet hatte: Endlich das Alte vergessen, den Unmut, die Kränkungen, das Versagen. Sich versöhnen mit seinem Leben. Sich verzeihen lernen. Sich selber eine Umarmung zu schenken bewirkt mehr, als aller Ruhm dieser Welt, der genau einen Atemzug lang anhält."

  16. Cover des Buches Zonenkinder (ISBN: 9783499235320)
    Jana Hensel

    Zonenkinder

     (125)
    Aktuelle Rezension von: GAIA
    Zonenkinder beschreibt zu Beginn sehr gut das Gefühl in der DDR aufgewachsen und dann den Gewohnheiten dieser Zeit entrissen zu werden. Es gibt viele Wiedererkennungspunkte, die dann jedoch im Verlauf weniger werden. Den Anspruch eine ganze Generation beschrieben zu haben, erfüllt das Buch meines Erachtens nicht. Zu stark bewegt es sich nach dem ersten Drittel im Studenten- und weltgewandten Intellektuellenmilieu. Was kein Makel wäre, wenn nicht das allgegenwertige „Wir“ vorherrschen würde. Somit fühlt sich der Leser in einen Topf geworfen, in den er nicht unbedingt gehört. Insgesamt ein kurzweiliges Lesevergnügen. Angenehme Länge, kann man an einem Nachmittag mal durchlesen, sollte aber um in das Thema tiefer einzutauchen noch weitere Literatur zu Rate ziehen.
  17. Cover des Buches Das ist eine Geschichte (ISBN: 9783351035631)
    Kathrin Gerlof

    Das ist eine Geschichte

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Lilli33
    Gebundene Ausgabe: 396 Seiten
    Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (17. Februar 2014)
    ISBN-13: 978-3351035631
    Preis: 19,99€
    auch als E-Book erhältlich


    Ein Puzzle deutscher Geschichte

    Inhalt:

    Warenberg, ein kleiner Ort in der ehemaligen DDR nach der Wende. Viele Einwohner hatten ihr kleines Häuschen gekauft. Doch nun heißt es von oben: Rückgabe vor Entschädigung. Damit erhalten die ursprünglichen Eigentümer das Recht, ihre Immobilien zurückzuverlangen. Im Fall der Bewohner der Salomon-Weinreb-Straße ist das die Erbengemeinschaft Weinreb/Weizmann. Der Jude will Gerechtigkeit. Und die kann man ihm eigentlich nicht verwehren, denn der Jude ist ein Opfer, oder doch nicht?

    Meine Meinung:
    Kathrin Gerlof pickt sich ein paar Bewohner der Salomon-Weinreb-Straße heraus und lässt sie zu Wort kommen, des Weiteren eine Anwältin aus der Stadt und den längst verstorbenen Salomon Weinreb sowie seinen Bruder Hermann. Sie alle versuchen, mit der Situation klarzukommen und in gewisser Weise die Geschichte ihrer Familien und die Geschichte der Deutschen aufzuarbeiten.

    Die derzeitigen Bewohner der Straße wollen doch nichts weiter, als ihr Leben in Ruhe weiterzuleben. Im Nachbarort haben es die Leute besser. Sie müssen ihr Eigentum gegen den Wessi verteidigen, den man getrost als Feind ansehen kann. Aber der Jude ist kein Feind, sondern selbst ein Opfer. Und man will ja auch nicht als antisemitisch angesehen werden. Aber die heutigen Bewohner der Häuser tragen doch gar keine Schuld an der damaligen Geschichte. So stochert jeder in der Vergangenheit nach einem Beweis, dass die Weinrebs „damals“ freiwillig verkauften und daher nun keine Ansprüche mehr haben. Wirklich wohl fühlt sich keiner dabei.

    Mit jedem Kapitel lernt man die Charaktere besser kennen. Jeder hat eine eigene Art, mit dem Problem umzugehen. Und jeder hat auch noch ganz andere Probleme - es sind eben ganz normale Menschen. Hier zeigt Kathrin Gerlof viel Einfühlungsvermögen. Sie bringt einem die Figuren nahe, sie wirken sehr plastisch, man hat fast das Gefühl, sie als Nachbarn zu kennen.

    Eigentlich ist auch Gerlofs Schreibstil sehr schön und eindringlich. Lediglich das Fehlen von Anführungszeichen bei der seltenen wörtlichen Rede macht das Lesen etwas mühsam, außerdem auch seltsame Satzeinschübe, denen Gedankenstriche besser gestanden hätten.

    Das Ende der Geschichte bleibt offen. Es geht ja auch nicht darum, wer recht hat und wer nachgeben muss. Es geht darum, wie man mit dem Dilemma umgeht, wie man mit den Menschen umgeht.

    ★★★★☆

  18. Cover des Buches Der Schneeleopard (ISBN: 9783293407497)
    Tschingis Aitmatow

    Der Schneeleopard

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Ein wunderbar traurig-schöner Roman über das kirgisische Leben, seine Ureinwohner und die Schneeleoparden. Aitmatow schreibt mit einer Gelassenheit, die einem das Lesen erleichtert und es scheint, als fliegen die Seiten nur so dahin. Die Sprache Aitmatows ist relativ einfach und trotzdem gehoben romantisch. Das Ende kommt sehr abrupt und überrascht vermutlich jeden Leser bis dahin erst einmal. Meiner Meinung nach ein sehr gelungenes Buch über Korruption, die Beziehung zwischen Mensch und Tier, und natürlich der Liebe.
  19. Cover des Buches Als wir träumten (ISBN: 9783104001180)
    Clemens Meyer

    Als wir träumten

     (119)
    Aktuelle Rezension von: Tulpen

    Auch dieses Buch hat meine Aufmerksamkeit durch das Poster der "99 Bücher, die man gelesen haben sollte" geweckt. Ich muss gestehen, dass ich vorher noch nie davon gehört hatte.

    Wir begleiten Daniel und seine Clique durch ihre Kindheit und Jugend, die sie in einer trostlosen Gegend in Leipzig-Ost verbringen. Beginnend mit kleineren Delikten wie dem Schule-Schwänzen und Ladendiebstählen im Kindesalter geraten sie im Laufe der Jahre immer tiefer ins kriminelle Milieu, zum Beispiel durch heftige Schlägereien mit rivalisierenden Banden, Autodiebstähle, Einbrüche und Drogenverkäufe. Die Nachwendezeit erleben sie dabei wie einen Rausch- Hintergründe sind ihnen unklar. Einige Leidenschaften werden beflügelt, wie Autos klauen und eine eigene illegale Disko gründen, andere gehen unter, wie die Fan-Liebe zu Chemie Leipzig, ein Fußball-Club, der plötzlich einen anderen Namen hat und nicht mehr oben mitspielt. Es gibt hier niemanden, der den Jungen die Welt erklärt und ihre Energie in andere Bahnen lenkt.

    Das Buch ist in Episoden erzählt, die unregelmäßig in der Zeit vor und zurück springen. Zuerst war es für mich etwas schwierig, der Linie zu folgen aber im Nachhinein finde ich die Erzähltechnik großartig. Das chronologische Erzählen verliert an Bedeutung, da dem Leser eigentlich klar ist, wohin die Reise geht. Durch das Vorwegnehmen von Ereignissen, die erst später im Detail beschrieben werden, hatte ich das Gefühl einer besonderen Nähe zu den Figuren und ihrer Geschichte. Und sowieso geht mir dieses Buch sehr nah, da es um meine eigene Generation geht (Daniel ist ein Jahr älter als ich). Erzählt wird aus Sicht von Daniel in langen, atemlosen Sätzen in einer sehr authentischen Sprache.

    Ich hatte vor dem Lesen erwartet, dass der Mauerfall noch mehr thematisiert wird, z.B. in Form von großen Erwartungen und (nicht immer erfüllten) Hoffnungen auf eine bessere Zeit, Chancen und Überforderung durch die neue Freiheit. Aber dieser Weg, die Wende an den Jugendlichen einfach so vorbeiziehen zu lassen, ohne dass sie sich je mit den Hintergründen befassen, kommt mir auch irgendwie sehr echt vor.

    Die Geschichte der Jungen ist absolut unbeschönigt. Sie sind ein Produkt ihrer Umgebung und folgen nur ihren eigenen Gesetzen. Man schließt sie ins Herz mit ihrer verqueren Logik (nur noch der Banküberfall und dann mit dem Geld „ganz legal“ ein Auto kaufen) und ihrem abgefahrenen Gerechtigkeitssinn, ihren großen Ideen, Träumen und Zielen. Man ist fast überrascht, dass sie sich einerseits so gehen lassen, auf der anderen Seite aber viele persönliche Ziele und Träume verfolgen und einen so großen Ehrgeiz besitzen. Den sie leider nur einsetzen, um sich immer weiter reinzureiten. Unfassbar authentisch erzählt, wahrscheinlich ist vieles wahr, ich hoffe nicht alles. Ob Stefans Foto gewonnen hat?

    Sehr berührendes Buch.

  20. Cover des Buches Bitte rechts ranfahren (ISBN: 9783872031716)
    Dieter Zimmer

    Bitte rechts ranfahren

     (5)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Machtwechsel auf der Erde (ISBN: 9783453700574)
    Armin Risi

    Machtwechsel auf der Erde

     (6)
    Aktuelle Rezension von: batzn
    Mülltonne auf und rein damit
  22. Cover des Buches Die letzte Instanz (ISBN: 9783442487400)
    Elisabeth Herrmann

    Die letzte Instanz

     (83)
    Aktuelle Rezension von: Maritahenriette
    Die letzte Instanz von Elisabeth Herrmann 

    Die ältere Frau,  Margarethe Altenburg schießt auf einem älteren Mann. Spontan übernimmt Joachim Vernau als Rechtsanwalt den  Rechtsbeistand. Frau Altenburg ist im Endstadium erkrankt und kommt nach der Tat ins Krankenhaus. Vernau fährt zum Haus der Frau, um ihr Kleidung zu holen. Dort stößt er auf eine alte Zigarrenschachtel voller vergilbter Zeitungausschnitte und eine komplett eingerichtetes und nie genutztes Kinderzimmer. 
    Als weitere Morde geschehen wird schnell deutlich das alle Opfer etwas mit dem Landgericht Berlins zu tun haben....

    MEINE MEINUNG:

    Das dritte Buch mit dem Rechtsanwalt Joachim Vernau war ebenfalls spannend und hat mich gefesselt. 
    Der Schreibstil der Autorin konnte ich gut lesen,  den Handlungsstrang folgen und mir sowohl Personen als auch Schauplätze vorstellen. Die Autorin schafft es, mit ihren teilweisen überspitzten Beschreibungen der Personen und Situationen,  mich trotz ernstem Thema auch mal schmunzeln oder den Kopf schütteln zu lassen. Die Anzahl der Personen waren ein wenig viel um nicht ab und zu durcheinander zu geraten. 
    Die Idee des Krimis ist gut durchdacht und der Anwalt Vernau hatte wieder genug zu tun. Die Aufklärung hauptsächlich aus der Sicht des Rechtsanwaltes und deren Staatsanwaltschaft hebt Elisabeth Herrmanns Kriminalroman von anderen Krimis ab. Natürlich darf die Liebe nicht fehlen. 

    Des weiteren erfährt man viel aus dem Privatleben Vernaus und seinem Umfeld. Das gefällt mir persönlich und gerade bei mehreren Bänden hat man einen Wiedererkennungswert. Die Aufklärung ist zum Ende hin abgeschlossen,  sodass man beim lesen nicht unbedingt die Reihenfolge einhalten muss.  Die Protagonisten Vernau und seine Mutter sind auch hier eindeutig meine Lieblingspersonen. 

    Die 438 Seiten werden in 6 Bereichen unterteilt. Durch die vielen Abschnitte war es zwischendurch möglich das Buch aus der Hand zu legen um später relativ gut in die Geschichte wieder abzutauchen. 

    Der Titel ist mit dem  Inhalt stimmig und gleichzeitig kommt die gleichnamige Lokalität als Schauplatz in diesem Buch oft vor. 

    FAZIT:

    "Die letzte Instanz " von Elisabeth Herrmann wird durch den Goldman  - Verlag herausgegeben. 
    Die Autorin hat mir  mit diesem Krimi unterhaltsamen Lesestunden bereitet. Krimifans kann ich bis jetzt die komplette Vernau  - Reihe empfehlen und vergebe hier 5 von 5 Punkte. 
  23. Cover des Buches Hartz IV - Eine Abrechnung (ISBN: 9783499620447)
    Gabriele Gillen

    Hartz IV - Eine Abrechnung

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Jens65
    Dieses Buch ist ein Muss für jeden Bürger, der noch Interesse daran hat, dass unser Land nicht dem neoliberalen Geist und seinen zwielichtigen Gesellen zum Essen vorgeworfen wird, sondern der auch in unseren Tagen noch für ein solidarisches Miteinander in einer humanistisch-demokratischen Gesellschaft eintritt. Neben einer Vielzahl von Grund- und Hintergrundinformationen zum Thema "Hart(z) IV, liefert die Autorin in kurzweiliger Form und mit einer oft gehörigen Portion schwarzen Humors ein Werk, dass in keiner kritischen Bibliothek fehlen sollte. Ich wünsche diesem Buch viele Leser. Auch solche, die nach der Lektüre tobend durch die Wohnung turnen oder aus Wut in die Tischkante beißen, da sie einen Rückfall in vermeintlich sozialistisches Fahrwassser diagnostizieren.
  24. Cover des Buches Wie es leuchtet (ISBN: 9783104037622)
    Thomas Brussig

    Wie es leuchtet

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Duffy

    Zum dreißigjährigen Jahrestag des Mauerfalls scheint das Land in einen Feier- und Erinnerungstaumel zu fallen. Sieht man das mit dem Abstand der Zeit, die vergangen ist, dann wird so mancher diese Euphorie nicht teilen wollen, weil eben diese dreißig Jahre nicht so verlaufen sind, wie man es sich vorgestellt hat. Doch das tut natürlich der geschichtlichen Bedeutung dieses Ereignisses keinen Abbruch. So sind die Angebote der Retrospektive vielfältig. Man kann feiern, bis man nicht mehr weiß, was man da feiert, man kann sich unzählige Dokumentationen auf allen Fernsehkanälen anschauen, die letztlich alle dieselben Bilder zeigen, man kann mit Zeitzeugen reden, Ausstellungen besuchen und an spezielle Menschen erinnern. Man kann allerdings auch – und das vielleicht eher zufällig und unabhängig vom Jahrestag – das passende Buch dazu lesen. 

    Nach der Wende wurde oft genug die Frage gestellt, wann er denn nun käme, der große „Wenderoman“. Es dauerte Jahre, bis sich Schriftsteller diesem Thema zuwandten, zu frisch waren die Ereignisse, als dass man damit hätte treffend umgehen können. Und auch als die ersten Autoren sich des Themas annahmen, gab es nicht viele, die damit adäquat umgehen konnten. Denn das schwierige an so einer Unternehmung ist ja, über was man eigentlich schreiben soll, welche Zeiträume, Perspektiven und Geschichten können da in einem Roman verarbeitet werden.

    Thomas Brussig, der vieles aus eigener Anschauung erzählen kann, hat diese Aufgabenstellung in seinen Romanen sehr gut gelöst. Aber mit „Wie es leuchtet“ liefert er in diesem Zusammenhang eine Meisterleistung ab. Er konzentriert sich auf das Jahr zwischen den Sommern 1989 bis 1990, die wohl interessanteste und intensivste Zeit, weil sie das Ende des einen und den Anfang eines neuen Lebens markiert. Er hat sich eine Anzahl unterschiedlicher Menschen in unterschiedlichen Funktionen herausgesucht, die sich während dieser Zeit auch manchmal in Querverbindungen begegnen und notwendige Beziehungen eingehen. Diese Menschen begleitet er durch die Zeit der stärksten Veränderungen. Er beschränkt sich nicht auf die Konsequenzen des Übergangs, sondern wir erfahren viel über die Lebenseinstellungen aller Beteiligten, ihre Philosophien und welche davon Bestand haben, nachdem sie die Veränderungen vor vollendete Tatsachen gestellt haben. Das ist das Spannendste an diesem Roman, zu erfahren, ob die Charaktere, die dem DDR-Regime standgehalten haben, ihren Einstellungen auch im „neuen“ System treu blieben.

    Auch die Nebenprodukte der Wende, die schnelle Wegwerfmentalität, die Hochstapelei, die Gier, die Korruption, alles das kommt in diesem Roman vor, wird meisterhaft und gekonnt verwoben, beleuchtet, emotional wiedergegeben  und eindringlich erzählt. Das Ende des Romans ist wohl eines der schönsten und ergreifendsten, die man einem Leser schenken kann.

    Oft wurde ein Roman als „Der Wenderoman!“ bezeichnet. Da muss man jetzt diesen nicht auch noch so nennen, denn dann müsste man auch diskutieren, was einen „Wenderoman“ überhaupt ausmacht. Doch eines ist dieses Buch ganz bestimmt: Ein intensiver und großartig erzählter Moment Zeitgeschichte in einer Sprache, die begeistern kann. In einer Form, die unterhält, den Leser aber nie den Blick darauf verstellt, dass es sich hier nicht um eine fiktive Konstruktion handelt, sondern von einer Situation die Rede ist, die es wirklich gegeben hat.

    Man sollte mit den Superlativen wirklich sparsam und sorgfältig umgehen, aber dieses Buch kann man durchaus als Meisterwerk bezeichnen.

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