Bücher mit dem Tag "white trash"

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30 Bücher

  1. Cover des Buches Uns gehört die Nacht (ISBN: 9783257300727)
    Jardine Libaire

    Uns gehört die Nacht

     (109)
    Aktuelle Rezension von: BirPet

    “Uns gehört die Nacht” von Jardine Libaire erschien in der Übersetzung (aus dem Amerikanischen) von Sophie Zeitz im März 2020 als Taschenbuch im Diogenesverlag.


    Elise Perez und Jamey Hyde könnten unterschiedlicher kaum sein. Die halb Puerto-Ricanerin Elise, die weder Schulabschluss, Geld oder intaktes Elternhaus hat trifft auf den reichen Yale-Studenten aus sehr gutem Haus. Die Geschichte der beiden beginnt an einem Winternachmittag in New Haven und es scheint fast als hätte das Schicksal dies so gewollt und die beiden auserkoren. Zunächst beginnen sie eine Affäre, aber die Intensität ihrer Gefühle nimmt rasch zu und steigert sich in eine Obsession, die alles auf den Kopf stellt.


    Das Buch beginnt im Juni 1987 in einem Motel in Wyoming. Elise kniet mit einem Gewehr in den Händen auf dem Boden und richtet den Lauf auf Jamey’s Brust, der in der Mitte des Raumes auf einem Stuhl sitzt. Ich dachte “Wow, starker Start”, jedoch blieb es für mich auch bei diesem Gefühl. Die erste Szene ist kurz und endet damit, dass das Gewehr entsichert wird und wechselt dann nach Connecticut in den Januar 1986, in das Jahr als Elise und Jamey sich begegnen und ihre Geschichte beginnt. In diesen beiden Jahren, 1986 und 1987 spielt der Roman. Nach dem starken Start, dieser bedrückenden Atmosphäre, folgte für mich nichts vergleichbares mehr. Julia und Romeo in den 80’ern des 20. Jahrhundert, aber ganz weit von Shakespeares Meisterwerk entfernt. Die Sprache teilweise voller Potential und toller Formulierungen, aber die Metaphern stellenweise zu abstrakt. Obgleich mir die Sprache gefallen hat wurde ich nicht warm, weder bekam ich einen Bezug zu den Protagonisten, noch zu der Story. Die Gefühle, die Intensität waren für mich nur in den verwendeten Worten lesbar, aber nicht spürbar. Die Geschichte wird sehr dicht und intensiv zwischen den beiden, die Idee ist zwar nicht neu, aber dennoch in den Ansätzen gut, insbesondere sprachlich konnte der Roman mich bewegen diese 455 Seiten komplett zu lesen, aber leider wurden wir bis zur letzten Seiten nicht warm miteinander. 

    Ich denke ich bin nicht Zielgruppe, vermutlich für junge Menschen deutlich packender und interessanter. Prinzipiell lese ich keine Liebesromane, zumindest äußerst selten, wollte aber mal einen Versuch wagen, denn die Leseprobe fand ich gut und war neugierig. Sollte die Autorin ein weiteres Buch veröffentlichen, werde ich sicherlich einen Blick rein werfen, denn der Sprachstil hatte etwas und hat mich schließlich animiert nicht die Flinte ins Korn zu werfen.

  2. Cover des Buches Die Jury (ISBN: 9783453417908)
    John Grisham

    Die Jury

     (507)
    Aktuelle Rezension von: -nicole-
    Band 1 um Anwalt Jake Brigance

    Die 10-jährige Tonya Hailey ist gerade auf dem Heimweg, als sie von zwei Männern überfallen und brutal misshandelt wird. Das Mädchen ist schwer verletzt, die Täter bald darauf gefasst. Doch Carl Lee Hailey, der Vater von Tonya, ist eine Verurteilung nicht genug: Nach einer Anhörung vor Gericht erschießt er die beiden Täter noch im Gerichtsgebäude. War es Mord oder Hinrichtung? Rache oder Gerechtigkeit? Die Verteidigung von Carl Lee Hailey übernimmt der junge Anwalt Jake Brigance, der damals auch schon dessen Bruder in einer anderen Anklage erfolgreich verteidigt hat. Das Verfahren wird schließlich zum Sensationsprozess: Denn Richter und Staatsanwalt sind Weiße, Hailey ist ein Schwarzer. Alte Rassenkonflikte brechen auf, die Menge brodelt…Wie wird die Jury entscheiden?

    Kurz vor zwei Uhr am Montagnachmittag trat er durch die Verandatür und zündete sich eine Zigarette an. Eine seltsame Stille umhüllte das Zentrum von Clanton im Staat Mississippi.“ – Seite 91

    „Die Jury“ erschien erstmals im Jahr 1989 (die deutsche Ausgabe im Jahr 1992) und ist John Grishams erster Roman. Er gehört neben „Die Firma“ und „Der Regenmacher“ mit zu seinen besten Justiz-Thrillern. Die Geschichte spielt im fiktiven Ort Clanton in Mississippi und ist von Anfang an ergreifend und dramatisch: Nachdem zwei weiße Männer seine Tochter brutal vergewaltigt haben, erschießt der Vater Carl Lee Hailey die beiden Täter. Der Prozess gegen ihn schlägt große Wellen – Medien aus dem ganzen Land reisen an und es wird schnell klar, dass sich die Lage in dem kleinen Ort bald dramatisch zuspitzen wird. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite flüssig zu lesen –die Dialoge der sehr gut ausgearbeiteten Charaktere sind packend geschrieben, auch die Abschnitte der Gerichtsverhandlungen sind unheimlich interessant zu verfolgen. Es wird oft erschreckend, wenn man liest, was in machen Menschen vorgeht - gerade die ersten Seiten sind schockierend – doch es gibt auch immer wieder Hoffnung. Der Prozess gegen Carl Lee Hailey selbst ist packend, dramatisch und überraschend.

    „Die beiden Gruppen musterten sich gegenseitig und warteten darauf, dass irgend etwas geschah. Alle wollten vermeiden, was sich nun anbahnte. Die einzigen Geräusche waren das Schluchzen des Mädchens, der Mutter und des jüngsten Bruders.“ – Seite 94

    Mein Fazit: John Grishams Debüt ist nun schon über fünfundzwanzig Jahre alt und hat von seiner Intensität bis heute nichts verloren. „Die Jury“ ist detailreich ausgearbeitet, Dialoge und die Gerichtsverhandlungen sind packend zu verfolgen. Es wird zwar dramatisch, oft erschreckend und traurig, aber auch die Hoffnung kommt nicht zu kurz. Ein packender Justizthriller, der mit zu John Grishams besten Werken gehört – sehr lesenswert!
  3. Cover des Buches Betty Blue (ISBN: 0349101108)
    Philippe Djian

    Betty Blue

     (78)
    Aktuelle Rezension von: myheaven
    Ganz eigener Stil, erinnert an die die 80er, große Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang. Ist es heute noch modern, dass Autoren über ihr Leben als Autor schreiben? ;) Steht im Regal neben Bukowski. Mein Liebling von Dijan.
  4. Cover des Buches Das Herz ist ein einsamer Jäger (ISBN: 9783257242249)
    Carson McCullers

    Das Herz ist ein einsamer Jäger

     (170)
    Aktuelle Rezension von: sydneysider47

    Wer sich mit der „großen Literatur“ der USA auseinandersetzt, muss unbedingt das Buch „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ der US-amerikanischen Schriftstellerin Carson McCullers lesen.

    Als „große Literatur“ bezeichne ich nicht blutige Thriller oder Krimis oder Liebesromane, sondern Literatur, die von der Sprache und Handlung durchaus das Zeug hat oder gehabt hätte, einen oder mehrere Preise zu bekommen. Oder Literatur, deren Verfasser durchaus den „Nobelpreis für Literatur“ hätten erhalten können. Carson McCullers ist eine Autorin, die solche Literatur schuf – aber bei ihr hat es mit dem Literaturnobelpreis nicht geklappt.


    Die Handlung: Die Geschichte des Taubstummen John Singer

    Der Roman spielt in einer Stadt im US-Bundesstaat Georgia Ende der 1930er-Jahre. John Singer ist taubstumm, ein kluger Mann, der als Graveur in einem Juweliergeschäft arbeitet. Er lebt zusammen mit dem taubstummen Griechen Spiros Antonapoulos, der in einem Gemüseladen seinen Unterhalt verdient.

    Als Antonapoulos verhaltensauffällig wird, wird er in eine Irrenanstalt eingeliefert. Das ist ein großer Schock für Singer, denn er denkt, dass nur Antonapoulos ihn versteht. Singer fühlt sich einsam und verlassen. Dabei bekommt er immer wieder Besuch von vier Menschen, die seine Gesellschaft schätzen und sich von ihm verstanden fühlen.

    Einer der vier Personen ist Biff Brannon, der Wirt des Cafés „New York“, in dem Singer zu speisen pflegt.

    Die zweite Person ist Jake Blount, ein Marxist, der sehr aufbrausend sein kann.

    Weiterhin besucht Mick Kelly gerne Singer. Sie ist 13 Jahre alt und liebt Musik. Eines Tages schenkt ihr Singer ein Radiogerät.  Singer wohnt zur Untermiete bei der Familie Kelly. Er ist der einzige Untermieter, der seine Miete pünktlich bezahlt.

    Schließlich kommt noch Doktor Copeland gerne zu Singer zu Besuch. Er ist ein farbiger Arzt, ein alter Mann, der an Schwindsucht leidet. Er kämpft für seine farbigen Mitmenschen, damit sie Gerechtigkeit und Liebe bekommen von der Welt, in der sie leben.

    Der Roman erzählt das Leben von John Singer. Er ist ein Sonderling, genau wie die vier Personen, die ihn gerne besuchen. Auch auf ihr Leben und ihre beruflichen und privaten Umstände geht der Roman ein.


    Meine Leseerfahrung

    Als Elke Heidenreich in ihrer ZDF-Literatursendung „Lesen!“ das Buch vorstellte (man hatte es Anfang der 2000er-Jahre wieder neu entdeckt), kaufte ich es  und las es. Es gefiel mir gut, allerdings vergaß ich die Handlung und Personen, die darin vorkommen, schnell.

    Da war es gut, dass ich das Buch im Rahmen eines Literaturkreises bei der Volkshochschule vor einigen Wochen nochmals lesen musste.

    Das Buch ist aus der auktorialen Erzählperspektive (kein Ich-Erzähler) geschrieben und liest sich gut und flüssig, auch wenn es von der Handlung her nicht oft spannend ist. Aber interessant sind die Personen, ihre Verschiedenheit, ihre verzweifelten Situationen im Leben. Ja, trostlos ist es in dieser US-amerikanischen Stadt, aber so war es in den 1930er-Jahren in vielen Städten der USA. Die Leute ackerten, hatten oft viele Kinder und mussten irgendwie zusehen, wie sie überleben konnten. Wenn man über Personen in solchen Lebenslagen liest, will man als Leser einfach wissen, was aus ihnen wird. Deswegen habe auch ich das Buch gelesen.

    John Singer ist mir sympathisch. Aber ich verstehe nicht, was er an dem Griechen Antonapoulos findet. Er besucht ihn immer wieder in der Irrenanstalt und macht ihm teure Geschenke, die der Grieche gar nicht richtig zu würdigen weiß. Singer ist jedoch wie ein Gefäß für seine Mitmenschen, er kann zuhören und zuhören und zuhören. Wer aber hört ihm zu? Seiner Meinung nach hört ihm nur Antonapoulos zu. Der dicke Grieche, der auch taubstumm ist, der Singer zu verstehen scheint. Und deswegen verehrt er ihn schon beinahe. Antonapoulos,  der einzige Mensch, dem er – seiner Meinung nach - seine Sorgen und Gedanken mitteilen kann.

    Gerne las ich auch die Geschehnisse rund um Mick, eine Jugendliche, die während der Handlung des Buches einige schwerwiegende Entscheidungen treffen muss.

    Unsympathisch finde ich Jake Blount, er ist mir zu aufmüpfig. Er kann sich nicht benehmen. Wahrscheinlich geht es mir da wie Dr. Copeland, der Jake auch nicht mag. Beide fühlen sich von Singer verstanden, dürfen sich aber nicht begegnen, weil sie sich dann gleich streiten.

    Das Buch spielt in den 1930er-Jahren und zeigt auch den Konflikt zwischen der farbigen und der weißen Bevölkerung in den USA. Die Menschen, die in dem Buch vorkommen, sind nicht reich. In der Stadt, in der sie wohnen, gibt es Armenviertel, es ist oft heiß und trostlos. Die Lebenssituation vieler Menschen ist aussichtslos, sie können der Armut nicht entfliehen. Da war es auch normal, dass intelligente Jugendliche ihre Schulausbildung abbrachen und sich einen Job suchten, um ihre Eltern und Geschwister finanziell unterstützen zu können.

    Der Schluss des Romans berührt und bringt zum Nachdenken. Ich habe nicht mit diesem Schluss gerechnet.



    Parallelen gibt es zum Leben der Autorin Carson McCullers

    Wenn man mit mehreren Personen über ein Buch spricht, so wie wir es im Literaturkreis machen, so erfährt man viel, was man sonst nicht erfahren würde. Beispielsweise wusste ich nicht, dass der Vater von Carson McCullers als Graveur in einem Juweliergeschäft arbeitete, so wie John Singer in diesem Buch.

    Außerdem zeigt die Figur Mick Kelly starke Parallelen zu der Autorin Carson McCullers. Ein Mädchen, das Musik liebt und gerne beruflich etwas mit Musik machen würde – dann aber einen anderen Berufsweg einschlagen muss.



    Mein Fazit

    „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ von Carson McCullers ist ein Roman, der das Leben in einer Stadt im Süden der USA in den 1930er-Jahren zeigt. Im Mittelpunkt des Romans stehen der Taubstumme John Singer sowie vier Personen, die ihn gerne besuchen, weil sie sich von ihm verstanden fühlen.

    Der Roman lässt sich gut lesen, da die Personen interessant sind und das Milieu, in dem der Roman spielt, ebenfalls. Der Schluss ist nicht vorhersehbar und bringt den Leser zum Nachdenken. Ich hätte mir einen anderen Schluss gewünscht, aber das soll nicht zum Punktabzug führen. „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ ist ein großartiges Buch, das übrigens – laut Magazin „Time“ – zu den 100 besten englischsprachigen Romanen zählt.

    Ich gebe diesem Buch fünf Sterne und empfehle es weiter.

  5. Cover des Buches Gute Geister (ISBN: 9783442714506)
    Kathryn Stockett

    Gute Geister

     (668)
    Aktuelle Rezension von: monerl

    Meine Meinung
    Dies ist ein Buch, das nicht zu lange in den Regalen ein ungelesenes Dasein fristen sollte, wie es bei mir der Fall war. Einmal begonnen konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen!

    Kathryn Stockett lässt im Buch ihre drei Protagonistinnen erzählen. So erfährt man über die Geschehnisse aus Sicht von Aibileen, Minny und Miss Skeeter. Dies sorgt für intensivere Einblicke in die schwarze wie auch weiße Community von Jackson und steigert die Spannung. Zudem erzeugt dieser Schreibstil Nähe zu den Figuren.

    Als Leser*in wird man regelrecht in die Zeit der 60er Jahre versetzt, als es die gesetzliche Rassentrennung und Diskriminierung von Schwarzen in den USA gab.

    Viele reiche, weiße Haushalte leisteten sich ein schwarzes Dienstmädchen und behandelten es oftmals als Eigentum, mit dem man tun und lassen konnte, was man wollte. War das Arbeitsverhältnis zwischen der Familie und dem Dienstmädchen, wenn die Familie nicht (mehr) zufrieden war, aufgelöst worden, war es überaus schwer für das schwarze Dienstmädchen eine neue Arbeit zu finden. Die schwarzen Frauen waren abhängig von ihren weißen Arbeitgeber*innen, da es für sie kaum andere Arbeit gab.

    Umso riskanter, wie auch gefährlich war es für Aibileen und Minny Miss Skeeter bei ihrem Buch zu helfen, legte es doch die wahren Geschichten offen, was schwarze Dienstmädchen bei ihren weißen Arbeitgebern so alles erlebten.

    Die Spannung, wie das Buch ausgehen würde, war kaum auszuhalten. Mit dem Wissen, wie schnell seinerzeit schwarze Menschen verurteilt oder auch vom Ku Klux Klan getötet wurden, machten ein gutes wie auch schlechtes Ende möglich.

    Ich habe die wunderschöne Sonderausgabe, deren Cover aus bedrucktem Ganzleinen ist, das sich wundervoll anfühlt. Zudem gibt es hier auch einige Kochrezepte aus dem Buch von Minny, der besten Köchin in Jackson.


    Fazit
    Ein wunderbares Buch, das aufklärt, aufrüttelt, Augen öffnet und aufzeigt wie schlimm es ist und wie furchtbar sich Menschen fühlen, wenn man sie zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Es blickt zurück in eine historisch traurige Zeit, die sich zwar gebessert hat, aber den Leser*innen, in Verbindung mit den derzeitigen Nachrichten, auch vor Augen bringt, dass wir heute weder in den USA, noch in Deutschland oder woanders auf der Welt es geschafft haben, Rassismus auszumerzen.
    Solange es den Slogen #BlackLivesMatter gibt, so lange sind wir noch nicht am Ende mit der Aufklärung und dem Kampf gegen Rassismus!

  6. Cover des Buches Schloss aus Glas (Filmausgabe) (ISBN: 9783453359680)
    Jeannette Walls

    Schloss aus Glas (Filmausgabe)

     (526)
    Aktuelle Rezension von: Aus-Liebe-zum-Lesen

    Die guten Rezensionen zu Jeannette Walls‘ Schloss aus Glas kann ich nur der Tatsache zuschreiben, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, was natürlich immer einen gewissen Reiz ausübt.

    Genauer gesagt, handelt es sich um ihre eigene unkonventionelle Vergangenheit. Was immer wieder als Abenteuer dargestellt wird, macht mich zusehends fassungslos. Als Mutter zweier kleiner Kinder kann ich Walls‘ Eltern nicht verstehen. Für mich ist das eher Zeugnis einer zunehmenden Vernachlässigung als eine Abenteuergeschichte. Die teilweise verklärt romantisierte Sichtweise auf die Kindheit und die Eltern kann ich kaum nachvollziehen.

    Die Geschehnisse werden chronologisch als einzelne Episoden aneinandergereiht. Hier sehe ich eine große Schwäche des Buchs. Es kommt selten Spannung auf. Die Kapitel plätschern so vor sich hin und weisen Längen auf.

    Eine zweite große Schwäche sehe ich in der Nüchternheit, zum Teil gar Teilnahmslosigkeit mit der die teils dramatischen Ereignisse, wie Missbrauch, Hunger etc. geschildert und scheinbar hingenommen werden. Hier fehlt mir definitiv der Tiefgang.

    Insgesamt ist der Roman kein literarisches Glanzstück. Die Sprache ist einfach, teilweise, als wäre es von der jungen Jeanette Walls damals selbst geschrieben. Von einer langjährigen Journalistin hätte ich mir gerade da etwas mehr erwartet.

    Die Geschichte an sich ist durchaus interessant, zumal man sich solche Zustände schwer vorstellen kann, aber literarisch finde ich das Buch viel zu schwach.

  7. Cover des Buches Wenn Engel brennen (ISBN: 9783867542395)
    Tawni O'Dell

    Wenn Engel brennen

     (6)
    Aktuelle Rezension von: SalanderLisbeth
    „Da draußen ist ein Typ, der Sie unbedingt sprechen will.“ „Hat das mit unserem Mädchen zu tun?“ „Nein. Er will seinen Namen nicht nennen, aber er sagt, er hat ihre Mutter getötet.“ Er lässt die Schwere dieser Aussage wirken. Bestimmt erwartet er eine Reaktion von mir, aber von mir kommt nichts. „Alles in Ordnung, Chief? Glauben Sie, der Witzbold meint das ernst? Sollen wir mal nach ihrer Mutter sehen?“ „Meine Mutter wurde ermordet, als ich fünfzehn war.“ Auszug Seite 26

    „Wenn Engel brennen“ liegt jetzt schon etwas länger auf meinem SuB, irgendwie konnten mich der reißerische Titel und Cover nicht so richtig überzeugen. Ein Fehler, denn der Kriminalroman hat mich restlos begeistert und zählt zu meinen absoluten Highlights. Es ist der 6. Roman der amerikanischen Schriftstellerin und ihr erster eindeutiger Kriminalroman. Tawni O’Dell stammt aus dem ländlichen Pennsylvania und hier in einer ehemaligen Bergbauregion ist auch die Geschichte verortet.

    In dem fiktiven Städtchen Buchanan ist die 50-jährige Dove Carnahan Polizeichefin. Seit 27 Jahren ist sie in dem ländlichen Ort ihrer Kindheit tätig und meistens für Bagatellfälle zuständig. Das tote Mädchen, das in Campbell’s Run gefunden wird, ist nicht nur für sie das Schlimmste was sie je gesehen hat. Die Geisterstadt ist eine von denen, in der früher der Bergbau und damit die Industrie florierten und vielen Menschen Arbeit gab. Schon seit langem verrotten hier die Maschinen, die Einwohner wurden umgesiedelt und ganze Siedlungen verfielen. Unter der Erde brennen seit Jahrzehnten noch etliche Kohleflöze, die nicht gelöscht werden können und dadurch wurden ganze Regionen unbewohnbar gemacht. An einigen Stellen bilden sich an der Außenseite Risse, schwelende Brände und giftige Rauchschwaden dringen an die Oberfläche. 

    In dieser verwüsteten Landschaft wird der Teenager mit eingeschlagenem Schädel und in eine Decke gehüllt in einer Erdspalte gefunden. Vorher wurde sie mit Benzin übergossen und angezündet. Dieser grausame  Mordfall ist kein Fall für die kleine Polizeieinheit des Countys und der übergeordnete State Trooper Nolan Greely übernimmt.

    Er wirkt wie der große, stämmige, humorlose Trooper, bei dem einem Autofahrer mulmig wird, wenn er ihn in seinem Außenspiegel sieht. Tatsächlich ist der Detective bei der Kriminalpolizei und trägt keine Uniform mehr, aber die braucht er auch gar nicht. Vom stahlgrauen Bürstenhaarschnitt bis zum gemessenen, zielstrebigen Gang ist er durch und durch Cop, da gibt es kein Vertun. Er bleibt vor mir stehen und mustert mich mit regloser Miene durch eine verspiegelte Sonnenbrille. Auszug Seite 9

    Aber Chief Carnahan kennt das Milieu und die Menschen ihrer Gegend besser und sie findet schnell heraus, dass es sich bei dem Opfer um die junge Camino Truly handelt, Mitglied einer in der Gegend  polizeibekannten Familie der weißen Unterschicht. Die Lebensumstände dieser für den Landstrich typischen White-Trash-Familie werden durch Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, Drogen und Gewalt dominiert. Dabei schlug die hübsche und intelligente Camio aus der Art. Trotz der desolaten Familienumstände war sie ehrgeizig, wollte aufs College gehen und studieren. Sie hatte einen Job und einen gutaussehenden Freund aus der Mittelschicht. Diesen machen die Trulys sofort als Täter aus und wählen Selbstjustiz als geeignetes Mittel, während sich Camios Mutter Shawna in eine destruktive Gleichgültigkeit flüchtet. Die Trulys misstrauen der Polizei und verweigern trotzig die Zusammenarbeit. So treten die Ermittlungen lange auf der Stelle und Chief Carnahan beißt sich die Zähne aus.

    Von diesen Kindern erreichten sechs das Erwachsenenalter, fünf kamen nicht ins Gefängnis, vier hielten sich vom Crack fern, drei arbeiteten zeitweise, zwei tranken nicht, und einer fand zu Jesus. Alle pflanzten sich eifrig fort. Auszug Seite 47
     

    Der Fall weckt bei der Ich-Erzählerin Dove Carnahan lang verdrängte Erinnerungen, denn auch sie stammt aus schwierigen Verhältnissen. Ihre promiskuitive Mutter hatte sich mehr für sich und ihre Schönheit interessiert und Dove und die jüngeren Geschwister Neely und Champ stark vernachlässigt. Als Dove 15 Jahre alt war, wurde ihre Mutter von einem ehemaligen Liebhaber erschlagen. Dieser hatte immer seine Unschuld beteuert und kommt jetzt nach 35 Jahren aus dem Gefängnis frei. Er taucht sofort  in Buchanan bei Chief Carnahan auf und will wissen, warum Dove und Neely ihn damals durch ihre Lügen ins Gefängnis gebracht haben.

    Wenn die 50-jährige Polizeichefin zusammen mit Nolan Greely in diesem Konglomerat aus Familienstreitereien, Gewalt und Inzest herausfindet, wer für die Tat verantwortlich ist, werden die Schicksale beider Familien, die Trulys und die Carnahans nach und nach enthüllt. Dabei wird deutlich, dass die meisten Tragödien in der Familie als eingeschworene Gemeinschaft passieren.

     

    Fazit

    Tawni O’Dell ist hier nicht nur ein wendungsreicher, spannender Kriminalroman und ein lupenreiner Whodunnit gelungen, sondern auch eine Sozial- und Milieustudie. Sie erzählt pointiert und empathisch von einem heruntergewirtschafteten Landstrich, dem sogenannten „Rust Belt“ und dessen Einwohnern, die keine Hoffnung auf eine Zukunft mehr haben, die sich abgehängt und von der Politik verraten fühlen. 

    Ihr Kriminalroman lebt dabei von seinen Kleinstadtfiguren, die Tawni O’Dell mit viel Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen sowie einem messerscharfem Blick porträtiert.

    Sie punktet besonders mit der unkonventionellen, taffen Single-Frau Dove Carnahan. Die Protagonistin hat sich durch ihr tragisches Schicksal nicht unterkriegen lassen und, obwohl sie teilweise abgebrüht und zynisch wirkt, Mitgefühl und Selbstironie beibehalten.

    Fast lässig und mit einem intensiven, literarischen Erzählstil schiebt die 55-jährige Autorin diese Geschichten ineinander und macht daraus einen intelligent geplotteten, Country Noir.  

    Eine grandiose Hauptfigur hat Tawni O’Dell hier geschaffen, die das Zeug zur Serienfigur hat und folgerichtig schreibt sie schon an einer Fortsetzung. 

  8. Cover des Buches Fay (ISBN: 9783453677258)
    Larry Brown

    Fay

     (67)
    Aktuelle Rezension von: 3lesendemaedels

    Die 17-jährige lebensfremde Fay läuft vor ihrem gewalttätigen Vater und ihrem armseligen Zuhause im Hinterland von Mississippi davon. Sie wird von ein paar Jungs aufgelesen und geht mit zu ihrer Hütte. Dort kreist der Alkohol und auch eine Haschpfeife macht die Runde. Als einer der Männer versucht, sie zu missbrauchen, kotzt Fay das ganze Zimmer voll. Als sie wieder zu sich kommt kapiert sie, dass es höchste Zeit ist, weiter zu ziehen. Am Highway wird sie vom Polizisten Sam aufgelesen. Dieser nimmt sie aus Mitleid mit zu sich nach Hause. Er und seine Frau Amy haben vor vier Jahren ihre Tochter bei einem Autounfall verloren. Fay bringt frischen Wind ins Haus und wird von beiden wie eine neu gewonnene Tochter umsorgt. Allerdings ist die Beziehung des Paares nur Fassade: Amy ertränkt ihren Kummer in Alkohol und Sam hat eine Affäre mit der heißblütigen Alesandra. Als Amy eines Tages bei einer Spritztour immer wieder nebenbei zur Flasche greift, gerät sie aus der Kurve, unter einen Laster und ist sofort tot. Sam wird vom Dienst freigestellt. Mit der fordernden Alesandra hat er Schluss gemacht. Der wirkliche Grund ist aber nicht der Tod seiner Frau, sondern dass er Fay immer anziehender findet. Auch Fay sieht in ihm mehr als einen Vater-Ersatz und sie verlieben sich ineinander. Nach einem Monat bemerken sie, dass die junge Frau schwanger ist. Doch just an diesem Tag muss der Polizist wieder zum Dienst. Während Fay in der Dunkelheit auf ihn wartet, sieht sie sich plötzlich der wütenden Alesandra mit erhobener Pistole gegenüber. Bei dem anschließenden Gerangel löst sich ein Schuss, der die ehemalige Geliebte tötet. Fay flieht, wird wieder aufgelesen und auch diesmal bringt sie den Menschen kein Glück, sondern reißt sie in den Abgrund. 

    "Das Zeug ist goldenes Feuer" (ein Zitat aus dem Buch), Verderben und Faszination zugleich! Man beobachtet die Protagonisten bei ihren intimsten Instinkten. Schonungslos und mit klarer, schnörkelloser Sprache hat der leider schon verstorbene Schriftsteller, diese fatale Geschichte geschrieben. Eine absolute Leseempfehlung, aber nichts für Romantiker.

  9. Cover des Buches Im nächsten Leben vielleicht (ISBN: 9783492309431)
    Mia Sheridan

    Im nächsten Leben vielleicht

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Anna-Klaire
    In dem Roman "Im nächsten Leben vielleicht" von Mia Sheridan geht es um die Geschichte von Tenleigh und Kyland. Beide wachsen in einem sehr armen Dorf auf, das Überleben steht an erster Stelle. Sie tun alles um ihre Heimat für ein besseres Leben zu verlassen, aber dann lernen sich die beiden besser kennen und plötzlich ist alles anders.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, denn es war eine schöne und romantische Geschichte, sie hat mich zum Träumen verleitet. Das Thema der Geschichte wurde sehr gut umgesetzt, die Autorin hat das Potential voll ausgenutzt. Am Anfang hatte ich kleine Schwierigkeiten gehabt die Sichtweise von Tenleigh zu verstehen, aber das war nach kurzer Zeit vorbei. Ein schöner Roman zum Abtauchen und zum Träumen.
  10. Cover des Buches In der Hitze der Nacht (ISBN: 9783770138326)
    John Ball

    In der Hitze der Nacht

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Papiertiger17

    Die Geschichte bezieht ihren Reiz vor allem dadurch, dass der Autor einen afroamerikanischen Detective in einer von Rassentrennung geprägten Südstaatenkleinstadt der USA ermitteln lässt. Dabei seziert der Autor den irrsinnigen Alltagsrassismus und die gesellschaftlichen Zwänge und Hindernisse, die daraus entstehen. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, ist unterhaltsam und spannend. Zum Ende hin ist die Meinungswandlung mancher Figuren etwas konstruiert und das Ende wirkt ein wenig aufgesetzt, zusammengenommen ist dem Autor aber ein gutes Buch mit wichtiger Botschaft gelungen.

  11. Cover des Buches Der Tod von Sweet Mister (ISBN: 9783453410602)
    Daniel Woodrell

    Der Tod von Sweet Mister

     (32)
    Aktuelle Rezension von: Tausendléxi

    Sweet Mister, so wird der dreizehnjährige Shug Akins von seiner Mutter Glenda genannt. Glenda hängt an der Flasche. Sie trinkt den lieben langen Tag ihren > Tee <, ein Gemisch aus Rum & Cola. Shugs Vater Red, drangsaliert seine Familie mit unberechenbarer Gewalt.

    Gemeinsam leben sie im Süden von Missouri, in einem Haus umgeben von den begrabenen Toten ihrer Gemeinde. Shug hilft seinem Vater bei diversen Einbrüchen und seiner Mutter bei der Instandhaltung des Friedhofs. Alles läuft seinen seinen Weg, ohne Aussicht auf Besserung der Lage.

    Bis zu dem Tag als Jimmy Vin Pearce, in seinem grünen Thunderbird auftaucht. Für Glenda ist er das Ticket in eine bessere Welt. Ihre Zukunft. Doch sie hat die Rechnung ohne Red und Shug gemacht. Emotionen und Gewalt kochen eine schaurige Suppe.

    Fazit :

    Daniel Woodrell zielt in seinem Roman nicht auf die Gewalt hin, sondern richtet den Blick punktiert auf Situationen und Momente. Ohne Schnörkel, eher subtil sind die Protagonisten coloriert. Gekonnt werden einzelne Szenen mit emotionaler Tiefe gespickt. Ein schmales Buch mit gerade mal 185 Seiten, dass einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Leseempfehlung !

  12. Cover des Buches Jesus Von Texas (ISBN: B000IG8G89)
    DBC Pierre

    Jesus Von Texas

     (114)
    Aktuelle Rezension von: nannis_buecherwelt

    Inhalt:

    Jesus Navarro erschießt seine Klassenkameraden und anschließend sich selbst. Der 15 jährige Vernon Gregory Little wird der Beihilfe beschuldigt und festgenommen, da er zur Tatzeit als Einziger der Schüler nicht anwesend war. Es gibt keinerlei Beweise die seine Schuld bezeugen und die Stadt sucht offensichtlich einen Sündenbock. Vernon sieht nur einen Ausweg, er setzt sich nach Mexico ab. Dort wird er durch einen Hinterhalt überführt. Es kommt zur Verurteilung und bis zum Schluss behält er die Hoffnung dass die Wahrheit doch noch ans Licht kommt. Nur noch ein Wunder kann seine Unschuld bezeugen.

     

     

    Meinung:

    Zuerst wollte ich das Buch nicht lesen, da es absolut nicht mein Genre ist und auch der Klappentext und das Cover haben mich nicht angesprochen. Aufgrund einer Empfehlung  habe ich es dann doch gelesen. Von Beginn an war ich gefesselt. Es war spannend, humorvoll und traurig zugleich. Der Teenager Vernon behält bis zum Schluss die Hoffnung, dass sich doch alles zum Guten wendet, für sein Alter einfach unglaublich, was er alles bewältigen muss. Der Schreibstil hat mir auch sehr gefallen. Trotz des ernsten Themas wurde es humorvoll aus der Sicht von Vernon geschrieben. Am Ende hatte ich eine Gänsehaut und auch Tränen in den Augen. Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Ein Buch das unter die Haut geht.

  13. Cover des Buches Herzenslieder (ISBN: 9783442736164)
    Annie Proulx

    Herzenslieder

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Anja_Lev
    Proulx schreibt wunderschön, intensiv in ihren Landschaftsbeschreibungen und doch praktisch und gut lesbar. Ihren Kurzgeschichten hat aber meiner Meinung nach etwas gefehlt, zu wenig passierte, die Figuren blieben eher undeutlich und Beziehungen zueinander oft unklar. Vielleicht lag es auch daran, dass mir die meisten Personen eher unsympathisch waren, das machte es schwierig, sich in ihre Lage zu versetzen.
  14. Cover des Buches Trainspotting (ISBN: 9783453676602)
    Irvine Welsh

    Trainspotting

     (233)
    Aktuelle Rezension von: EmilyTodd
    Dieses Buch ist auf keinen Fall etwas für jedermann. Dieses Buch ist sehr düster und schöne Momente findet man kaum bis gar nicht bzw. sucht diese vergebens. Das Buch handelt von Drogen, Tod, Sex, Aids, Freundschaft und Verrat.
    Die Romanstruktur empfand ich als alles andere als sofort ersichtlich. Die Kapitel werden aus unterschiedlichen Sichtweise der zahlreichen Protagonisten erzählt. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich in manchen Kapiteln nicht wusste um wen es gerade geht. Zu dem haben die einzelnen Charakter verschiedene Spitznamen und dann kommen noch die eigentlichen Namen dazu. Alles sehr verwirrend.
    Zu dem sind eine Vielzahl der Dialoge in einem seltsamen Slang übersetzt (der garantiert den schottischen Slang darstellen soll den Welsh gerne benutzt) den man kaum versteht. Ich musste mehr als einmal raten was grad gemeint ist. Und manche Wortwahl ist wirklich sehr geschmacklos. Viele Szenen aus dem Buch möchte ich mir wirklich nicht bildlich vorstellen. Trotzdem werde ich mir bei Gelegenheit wohl mal den Film ansehen.
    Ich muss leider sagen, dass mir das Buch nicht sonderlich gefallen hat. Was aber vor allem daran lag, das ich ständig durcheinander kam mit den ganzen Namen und Charakteren und dieser Dialekt und die allgemeine Wortwahl machte es auch nicht leichter. Ich fand es einfach nur anstrengend dieses Buch zu lesen. 
    Was mir jedoch gefallen hat, ist die unverblümte Wahrheit die Welsh benutzt hat. Dieses Buch ist wirklich eine Abschreckung jemals solche harten Drogen auszuprobieren. Welsh hat in diesem Buch die richtigen Worte gefunden, die einem zeigen was vom Leben noch übrig bleibt, wenn man das Leben eines Junkies führt und das ist nichts.
    Der zweite Punkt der mir teilweise auch ganz gut gefiel ist Welsh sein Talent einem die vielen Charaktere vorzustellen. Bei den Personen wo es mir gelang die Namen unter einen Hut zu bringen, erkannte ich gut die Absichten und traurigen Geschichten der Personen und verfolgte die auch gerne und mit Interesse.
    Auch das offene Ende hat mir gut gefallen. Die Fortsetzung würde ich trotzdem nicht lesen
    Alles in allem war das Buch ok.

    Daher vergebe ich 3 von 5 Sternen
  15. Cover des Buches Knockemstiff (ISBN: 9783954380145)
    Donald Ray Pollock

    Knockemstiff

     (36)
    Aktuelle Rezension von: stefanb
    „Ich verstand, dass ich mitten in einem dieser Augenblicke des Lebens steckte, in denen große Dinge möglich sind, wenn man nur gewillt ist, die richtige Entscheidung zu treffen.“ [233]
    Knockemstiff, Ohio. Die Hölle auf Erden. Man könnte auch sagen, dass dies ein Kaff ist an dem selbst die Hoffnung stirbt. Düster, hoffnungslos. Ein Ort, den man unter allen Umständen meiden sollte. Denn alles was man hier finden wird, sind vorherrschende Gewalt, Verbrechen, Mord, Sexualdelikte und Drogen. Knockemstiff beherbergt Außenseiter, Psychopaten, Menschen ohne Hoffnung. In „Knockemstiff“
    von Donald Ray Pollock geht es um den wahr gewordenen amerikanischen Albtraum. Facettenreich stellt Pollock die verschiedenen Wege unterschiedlicher Charaktere in seinem Roman dar. Allein gemein, die Tristesse und Hoffnungslosigkeit und den daraus resultierenden falschen Lebenswegen.
    In 18 kurzen Geschichten nimmt der Autor den Leser mit in den Süden von Ohio. Manchmal brillant, hart und immer schockierend. Es ist schon beeindruckend, wie Pollock schreibt. Man findet sich in einem Sumpf, ist gefesselt und liest und liest. Auch wenn es manchmal nicht leicht ist, denn die Geschichte lässt einen nicht kalt.
  16. Cover des Buches The Little Friend (ISBN: 9780747573647)
    Donna Tartt

    The Little Friend

     (7)
    Aktuelle Rezension von: WildRose

    "The Little Friend" war eigentlich Donna Tartts erster Roman, ich hatte zuvor jedoch schon "The Secret History" und "The Goldfinch" gelesen. Beide Bücher hatten mir insgesamt betrachtet sehr gut gefallen, sodass meine Erwartungshaltung recht hoch war. Doch auch von "The Little Friend" wurde ich nicht enttäuscht: Wie immer ist Donna Tartts Schreibstil in meinen Augen brillant: Scharfsinnig, klug und sehr lebendig erzählt sie die Geschichte der zwölfjährigen Harriet, die in einem langen, äußerst atmosphärisch beschriebenen Südstaatensommer beschließt, das Rätsel um ihren höchstwahrscheinlich ermordeten Bruder Robin, zu dessen Todeszeitpunkt sie noch ein Baby war, zu lösen.

    Sehr gelungen fand ich in dem Buch vor allem die Charakterbeschreibungen der handelnden Personen. Vor allem Harriets bester Freund Healy sowie Harriets patente Großmutter Edie und die drei Großtanten sind Donna Tartt wirklich gleungen und fühlten sich für mich beim Lesen unglaublich "echt" an, als handle es sich um tatsächlich existierende Personen, nicht nur um Figuren aus einem Roman.

    Stellenweise erinnerte mich "The Little Friend" ein wenig an mein absolutes Lieblingsbuch - "The Way the Crow flies", wenngleich es für mich nicht ganz an dieses herankam. Gerade im letzten Drittel schwächelte "The Little Friend" dann meiner Meinung nach gelegentlich ein wenig; so interessant die Beschreibungen der Südstaaten-Unterwelt und der kriminellen Ratliff-Familie, die Harriet verdächtigt, etwas mit dem Tod ihres Bruders zu tun haben, auch sein mögen, so waren diese Passagen für mich persönlich manchmal doch ein wenig zu langatmig gehalten und ich hätte die Geschichte lieber weiterhin mit ganz klarem Fokus auf Harriets Sichtweise gelesen.

    Das Ende des Buches passte grundsätzlich zwar gut zur Geschichte, als Leser hätte ich mir aber doch eine etwas abgeschlossenere Handlung gewünscht. Viele Fragen - darunter auch die zentrale Frage nach dem Mörder Robins - werden offengelassen, obwohl man als Leser eigentlich die ganze Zeit über das Gefühl hat, dass dieses Rätsel noch gelöst werden wird. Aber auch Harriets Zukunft und die weitere Geschichte ihrer Familie bleiben recht ungewiss, was ich schon etwas schade fand.

    Nichstdestotrotz ist "The Little Friend" ein lesenswerter Roman einer Schriftstellerin, die wirklich etwas von ihrem Handwerk versteht!

  17. Cover des Buches Peacocks Manifest (ISBN: 9783821809243)
    Stuart David

    Peacocks Manifest

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Durchschnittlich, weiß nicht. ....Soooo, ich habs jetzt noch mal gelesen: Peacock reist von Glasgow nach Chicago, um dort Evil Bob zu treffen, von dem ihm gesagt wurde, daß er "Sachen geregelt kriegt". Peacock möchte einen Song aufnehmen, und beide machen sich auf den Weg quer durch die USA- aber so richtig passiert nichts. Die Idee mit dem DJing ist schön, genauso wie die Vorurteile über Amerika: jeder ist bewaffnet, die Sandwiches sind viel zu groß usw. Der Rest enttäuscht.
  18. Cover des Buches Hillbilly-Elegie (ISBN: 9783548377636)
    J. D. Vance

    Hillbilly-Elegie

     (37)
    Aktuelle Rezension von: Waschbaerin
    Warum bleiben Arme arm? Diese Frage stellt sich auch J.D. Vance, der als Erster in seiner Familie studierte. Eine Antwort auf diese Frage gibt er in dem Buch "Hillbilly-Elegie" Untertitel: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise.

    Dies ist ein amerikanisches Buch und wie der Autor bemerkt, auch hauptsächlich ein amerikanisches Problem. Hillbillies, White Trash oder auch Rednecks nennt man sie, die Verlierer des American Dream. Oftmals sind es "drop outs", also Menschen ohne Schulabschluss und ohne die Möglichkeit oder den Willen gute Bildung zu erlangen. Schuld sind (immer) die Anderen. Der Autor bringt das Beispiel eines jungen Paares: Viel zu frühe Schwangerschaft. Doch sie als auch er bekam einen Job. Nach geraumer Zeit wurde beiden wieder gekündigt, weil die junge Frau, trotz leichter Büroarbeit, jeden dritten Tag der Arbeit fern blieb, er  nur jede Woche einmal. Als die Kündigung kam war der Ärger groß. Die Einsicht oder Erkenntnis des eigene Versagens fehlte. Wobei, das ist nicht nur auf die USA beschränkt. 

    Menschen  arbeiteten in der nahen Fabrik und als die Fabrik schloss, standen sie auf der Straße, hatten mangels Ausbildung keine sonstige Perspektive. So auch im Umfeld des J.D.Vance. Seine Familie nennt er "Sippe von Verrückten" (S. 25).

    Aufgewachsen bei seiner drogenabhängigen und gewalttätigen Mutter, die ihre Männer wechselt wie andere Leute die Handtücher. Seite 264: ".... warum meine Mutter , die zweitbeste Absolventin ihres High-School-Jahrgangs, ein Baby hatte und geschieden war, aber nicht einen Fuß in ein College gesetzt hatte, bevor ihre Teenagerjahre zu Ende waren. ...Chaos erzeugt  Chaos, Instabilität erzeugt Instabilität". Später bekam sie eine Ausbildung zur Krankenschwester, doch da war sie schon zu sehr in der Spirale verhaftet. Immer öfters warf sie Pillen ein, ihren verkorksten Alltag zu bewältigen, bis sie die Arbeit verlor und auf Entzug musste. Doch es wiederholt sich alles.

    Ein Lebensmodell, das von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Ein schlechter Start ins Leben. Und doch bekam J.D. Vance dank seiner resoluten Großmutter noch rechtzeitig die Kurve. Sie setzte ihren alkoholkranken und gewalttätigen Ehemann vor die Tür, für den es selbstverständlich war, am Wochenende mit seinen Kumpels in Bars rumzuhängen und Frauen anzumachen. Als das Zusammenleben mit seiner Mutter für den Enkel unerträglich wurde, zwang sie ihre Tochter den Sohn in ihre Obhut zu geben. Fing an, das bekannte Schema zu durchbrechen. Sie erkannte, dass gute Bildung für den Ausstieg aus diesem miesen Leben eine Grundvoraussetzung ist.

    Der Autor schreibt auf Seite 8: "Ich war eines dieser Kinder mit einer trostlosen  Zukunft. Ich hätte die High School beinahe nicht geschafft. Ich hätte mich fast der tiefsitzenden Wut und Verbitterung ergeben, die alle in meinem Umfeld erfasst hatte...." Die Mahlzeiten holte man aus dem Diner oder einem der vielen Schnellrestaurants. Über das Kaufverhalten auf Seite 160: "...und je mehr Fertigkost er kaufte umso größer war die Wahrscheinlichkeit, dass er arm war". Man kochte nicht zu Hause.

    Alkohol, Drogen und Gewalt waren alltäglich. Herointote keine Seltenheit. Gab es irgendwo Probleme, wurden diese von den Menschen auf eigene Faust - das ist wörtlich zu nehmen - gelöst oder man half auch mal mit der Knarre nach. Seine Großmutter ging nur selten unbewaffnet aus dem Haus.

    Seite 147 wird ein Lehrer zitiert: " Sie wollen, dass wir diese Kinder wie Schafe hüten. Aber niemand redet darüber, dass viele von ihnen zu Hause von Wölfen großgezogen werden."
    Seite 169: "Kriegsgebiet Elternhaus". Damit gibt der Autor Einblicke in Familien und Elternhäuser, die diese Namen nicht verdienen.

    Als er sich zu den Marines meldete und angenommen wurde, bekam er das beigebracht, was bei ihm zu Hause vergessen wurde. Er lernt über den Tellerrand zu schauen. Später studierte er dank eines Stipendiums an einer Elite-Universität. Versucht seit dem, den Hillbilly in sich klein zu halten. Erst im Erwachsenenalter lernt er, dass Menschen auch sorgsam und freundlich miteinander umgehen und nicht aus Frust aufeinander rumhacken müssen. Dies ist ein sehr sozialkritisches Buch, das uns der Autor vorstellt und er beschönigt nichts. Im Grunde will man es nicht wahrhaben, doch wegschauen nützt nichts. Verschiedentlich verweist er auf Studienergebnisse, die aber an der Sachlage nichts ändern.

    Gleichzeitig ist er selbst aber auch das beste Beispiel dafür, (Seite 278) "dass man alles erreichen kann, wenn man sich anstrengt".





  19. Cover des Buches Robbers (ISBN: 9783453675735)
    Christopher Cook

    Robbers

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Arun

    Robbers von Christopher Cook

    Es gibt Geschichten bei denen man schon nach wenigen Seiten spürt dies ist genau dein Stoff, bei Robbers hatte ich dieses Gefühl. Die 560 Seiten haben mich in den beiden letzten Tagen gut unterhalten.

    Zum Inhalt.

    Zwei junge Männer, möchte sie mal liebevoll mit Psychopathen umschreiben. Der eine hochintelligent aus der Hinterwälder und Redneckszene Texas stammend, der andere nicht gerade das hellste Licht, Sprössling einer Cajunsippe aus Louisiana.

    Diese beiden befinden sich auf einem Roadtrip durch Texas und hinterlassen dabei eine Spur von Blut und Gewalt. Unterwegs treffen sich auf eine junge Frau die auch ein dunkles Geheimnis birgt und sich ihnen anschließt.

    Auf ihren Fersen befindet sich ein altgedienter Texas-Ranger welcher dem blutigen Treiben ein Ende setzen möchte.

    Meine Meinung.

    Eine temporeiche Story die mit den bewährten Zutaten Sex & Crime aufwartet.

    Neben blutigen und gewaltsamen Sequenzen gibt es auch mal Momente mit leisen Zwischentönen.

    Gut gefallen haben mir die Charakterzeichnungen der Handlungsträger, hier gibt es kein reines gut und böse oder schwarz oder weiß wobei vieles aber auf ein dunkles Grau hinausläuft.

    Auch Polizisten und Ordnungshüter haben Probleme und ihre dunklen Seiten.

    Fazit.

    Ein Roadtrip der uns durch Texas den zweitgrößten Flächenstaat der USA führt, wobei uns eher die dunklen Seiten präsentiert werden. Ein Querschnitt durch die Bevölkerung mit ihren Eigenarten und Besonderheiten. Nebenbei erfahren wir noch einiges über Religion, über Hunderassen und verschiedene Musikrichtungen.

    Eine Story welche mich sehr gut unterhalten hat, meine Wertung 4,5 Sterne die ich gerne auf 5 Sterne aufwerte.

  20. Cover des Buches Gun Love (ISBN: 9783518428320)
    Jennifer Clement

    Gun Love

     (85)
    Aktuelle Rezension von: Tulpen

    Pearl lebt mit ihrer Mutter in einem Auto am Rande eines Trailerparks in Florida. Ihr Leben haben sie sich so gut es geht eingerichtet, Pearl auf den Vordersitzen, die Mama auf der Rückbank. Neben allerhand gescheiterten Existenzen versuchen sie ihren Alltag zu bestreiten. Und es geht Pearl eigentlich auch nicht schlecht - bis Eli auftaucht.

    Auf nur etwas mehr als 200 Seiten entführt Jennifer Clement uns nach Florida und lässt uns an der schwülen Sommerwärme, der stinkenden Müllhalde, verqualmter Wohnwagenluft, den immer zu hörenden Schüssen der Waffenfanatiker und der Enge im Auto teilhaben. Und das tut sie überraschend gut, wie ich das (als bekennender Fan der gaaanz langen Schinken) in einem so kurzen Roman nur selten erlebt habe. Fast habe ich mit Pearl und April May (was für ein Name) auf dem Steg gesessen und aus Angst vor Krokodilen meine Beine lieber nicht baumeln lassen. Auch mit ihren Themen greift sie viele aktuelle Stimmungen auf: wie schnell es mitunter gehen kann, in die Armut abzurutschen, wie groß in den USA die FREIHEIT geschrieben wird, Waffen zu besitzen (und was dann dabei rauskommt), wie scheinheilig die Kirche sein kann.

    Dabei wendet die Autorin einen wunderschönen Schreibstil an, mit vielen Bildern, die meistens sehr gelungen sind.

    Hat mir sehr gut gefallen.

  21. Cover des Buches Die Buße (ISBN: 9783453436190)
    Meg Gardiner

    Die Buße

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Engelchen07

    Tasia McFarland, Sängerin und Ex-Frau des Präsidenten von Amerika wird bei einem Auftritt von einer Kugel getroffen und stirbt noch am Tatort. Die forensische Psychiaterin Jo Beckett soll die Ermittlungen führen und herausfinden ob Tasia ermordet wurde oder ob sie sich doch mit der eigenen Waffe, die sie in der Hand gehalten hat, vor tausenden Fans erschossen hat…

    Mir hat das Buch leider überhaupt nicht gefallen und ich habe es abgebrochen. Ich bin überhaupt nicht in die Geschichte reingekommen. Die Szenenwechsel waren sehr extrem und die Sicht des Mörders wird sehr konfus geschrieben.

  22. Cover des Buches Kein Land für alte Männer (ISBN: 9783644050617)
    Cormac McCarthy

    Kein Land für alte Männer

     (127)
    Aktuelle Rezension von: letusreadsomebooks

    In der texanischen Wüste stößt der Jäger Llewelyn auf ein Blutbad, das Resultat eines gescheiterten Drogendeals. Er findet zerschossene Pick-ups, Leichen und am Ende einer Blutspur entdeckt er einen Koffer mit über 2 Millionen Dollar. Llewelyn beschließt, das Geld zu behalten und begeht den Fehler, in der Nacht zum Tatort zurückzukehren. Er gerät in das Visier verschiedener Banden und eines Psychopathen.

    Mit seinem von den Coen-Brüdern verfilmten Roman Kein Land für alte Männer kehrt Cormac McCarthy in das Western-Genre zurück. Das Buch ist ähnlich düster und fast schon so apokalyptisch wie sein Meisterwerk Die Abendröte im Westen. Obwohl eigentlich nach dem Fund des Geldes Llewelyn und dessen Flucht mit seiner Frau im Mittelpunkt stehen, wird die Geschichte aus der Sicht des Weltkriegsveteranen Sheriff Bell erzählt, der aus persönlichen Gründen nach Wiedergutmachung sucht.

    Sowohl Bell als auch Llewelyn stehen dem jähen und brutalen Gewaltausbruch in ihrer texanischen Provinz hilflos gegenüber. Die eigentliche Handlung wird immer wieder durch innere Monologe Bells unterbrochen, der vergeblich nach einem Grund für die sinnlose Gewalt sucht, die immer mehr Leben kostet. Besonders das Vorgehen des Psychopathen Chigurh, der seine Opfer mit einem Bolzenschussgerät ermordet und ohne Emotionen nach seinen eigenen Regeln handelt, führt bei den Ermittlern (und Lesern) zu Verstörung.

    Wie es McCarthys Art ist, wird hier kein Wort zu viel oder zu wenig benutzt. Die Dialoge sind eher knapp gehalten und spiegeln das Verstummen und Entsetzen der Figuren, die für die plötzlich einsetzende Gewalt keine Worte mehr finden. Hier versagen alle Erklärungen.

    Die sprachliche Präzision und gleichzeitige Kargheit, mit der McCarthy seine Handlung vorantreibt, ist beeindruckend und ist wie fürs Kino gemacht (was zum Glück bereits passiert ist). Der Leser wird dabei immer tiefer in den Strudel der Gewalt hineingezogen, aus dem es für Llewelyn keinen Ausweg mehr gibt. In den Monologen des Sheriffs kommt der Glaube zum Vorschein, dass früher alles besser war, die Menschen sich noch an Gesetze hielten und es immer einfache Antworten gab. Doch ihm ist selbst klar, wie falsch er damit liegt. Eine Erklärung für die Gewalt liefert der Autor nicht und ist gleichzeitig in der Darstellung nicht pathetisch. Die Gewalt scheint direkt aus einem Albtraum zu kommen.

    Mit seinem szenisch geschriebenen Roman Kein Land für alte Männer hat Cormac McCarthy die perfekte Vorlage für den gleichnamigen Film geliefert. Durch die Inszenierung und sprachliche Präzision lässt er Leser genauso sprachlos zurück wie seine Figuren, die angesichts der Brutalität zu verstummen scheinen. Am Ende erreicht er nicht ganz das Niveau von Die Straße und Die Abendröte im Westen. Dafür ist dieser Roman zugänglicher und setzt sich ebenso mit philosophischen Fragen auseinander, wenn auf melancholische und düstere Weise.

  23. Cover des Buches Winters Knochen (ISBN: 9783453436459)
    Daniel Woodrell

    Winters Knochen

     (86)
    Aktuelle Rezension von: wortberauscht

    | © Janna von www.KeJas-BlogBuch.de |

    Eine Odyssee ins Nirgendwo

    Vorab muss ich direkt sagen, dass ich dieses Buch im Hochsommer gelesen habe – war nicht meine beste Idee! Es fiel mir zu Beginn wirklich schwer, mich auf den winterlichen Flair einzulassen, während die Sonne mit über 30°C auf mich schien …

    … und auch die sehr detaillierten Beschreibungen ließen mich zuerst etwas distanziert lesen. Wer meine Rezensionen schon etwas länger liest weiß, dass ich davon kein großer Fan bin bzw. mich dies in den wenigsten Geschichten einnehmen kann. Nicht das ich es grundlegend als störend empfinde, es darf nur nicht sämtlichen Raum einnehmen. Davon jedoch lebt diese Geschichte und als ich mich darauf einließ, konnte sich mich auch einnehmen.
    Denn so ist es leider mit unseren Erwartungen, hier am Beispiel Klappentext – manchmal sind diese Erwartungen gänzlich eine andere als was man zwischen den Seiten antrifft. Es geht weit über den androhenden Gerichtstermin und dem Finden des Vaters hinaus. Ich wurde mitten ins Nirgendwo geworfen, in ein gänzlich anderes Leben mit seinen ganz eigenen Regeln.

    Die Suche nach Jessup Dolly, ist nur der Ausgangspunkt, ein Teil der Geschichte. Vielmehr geht es um seine 16jährige Tochter Ree Dolly, die sich hingebungsvoll um ihre zwei kleinen Brüder und ihre psychisch erkrankte Mutter kümmert. Eine junge Heranwachsende die viel älter ist, als man aufgrund ihres Alters vermuten mag.
    Ein Leben das von Gewalt bestimmt ist, bei dem der Name über die Zukunft entscheidet. Eine Geschichte über das Überleben.

    Ree trägt die Verantwortung. Sie bringt ihren Brüdern bei, was sie über das Leben und zum Überleben wissen müssen. Auf sich allein gestellt, während ihre Mutter im Schleier verschiedener Pillen den Tag verbringt und ihr Vater in den Meth-Küchen der Umgebung verschwindet. Doch dann steht das Gesetz vor der Tür und Ree läuft Gefahr alles zu verlieren. Während Ree sich auf die Suche nach ihrem Vater begibt, damit er rechtzeitig – lebendig oder tot – rechtzeitig vor Gericht erscheint, lässt sie mich für einen kurzen Zeitraum an ihrem Leben teil haben.

    Das Leben auf der Farm, der Familien-Clan, die Angst. Und mittendrin Ree, ein junges Mädchen, welches zu früh eine Frau werden musste. Eine Heranwachsende die sich entgegen der unausgesprochenen Regeln verhält. Eine Frau die den Weg geht, denn sie gehen muss. Eine Geschichte die durch die Beschreibungen von Ree, ihren Gedanken und Gefühlen, besticht. Eingebettet im Nirgendwo. Ein Buch mit einem ganz eigenen Sog durch das Leben darin.

    Ich denke zu einer anderen Jahreszeit hätte mich Rees Leben zu Beginn direkt gefesselt! Sollte ich es geschafft haben Euch neugierig zu machen, dann schnappt Euch das Buch an einem herbstlichen Nachmittag oder an einem klirrend kalten Abend im Winter. Mukkelt Euch in eine Patchwork-Decke und lasst Euch in Rees Leben entführen. Und ganz wichtig, blendet den leicht reißerischen Klappentext aus. Auch wenn Ree sich auf die Suche begibt, so ist das was wir als Leser*innen mit ihr finden etwas ganz anderes. Es ist die Geschichte einer jungen Frau die sich gegen Jahrzehnte alter Gegebenheit auflehnt, um das (gewohnte) Leben ihrer Familie zu sichern.

    Meine Eindrücke zur filmischen Umsetzung könnt Ihr *hier* nachlesen.


  24. Cover des Buches Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis (ISBN: B01LT8O96W)
    J. D. Vance

    Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Schlehenfee
    „Hillbilly Elegy“ ist nicht nur die Autobiography von J.D. Vance, auch ein erzählerisches Sachbuch. Worum geht es? Es ist die Geschichte einer Familie von Hillbillies: von Nachfahren schottishc-irischer Einwanderer, die sich in den Appalachen niederließen und ein hartes und armes Leben führten.

    Wie es ist, als Enkel zweier Hillbillies aufzuwachsen, die auf der Suche nach einem besseren Leben für ihre Kinder nach Ohio zogen, aber die Probleme und Traditionen aus Kentucky mitnahmen. Wie es ist, zum „White Trash“ zu gehören, mit einer alkohol- und drogenabhängigen Mutter, wechselnden Vätern und einem Alltag, der von Streit und Gewalt geprägt ist.
    Das erzählt J.D. Vance aus eigener Erfahrung, ungeschönt und ehrlich.

    Im englischprachigen Hörbuch erzählt der Autor selbst seine Geschichte, gemischt mit Fakten und Statistiken zum Leben der amerikanischen weißen Arbeiterklasse. Zunächst hatte ich Probleme mit dem Verständnis. Aber nach kurzer Zeit wusste ich, wer „mammaw“ und „pappaw“ sind. Was ein „holler“ ist, blieb mir jedoch verborgen. Aber das ist nicht schlimm.

    Die Essenz des Buches ist: ein Entkommen aus dem Sumpf aus Drogen, Armut und Gewalt gelingt nur, wenn das Kind Resilienz entwickelt durch die Unterstützung von Erwachsenen, die ihm Halt bieten und es zur Bildung anspornen. Bei J.D. Vance waren es seine Großeltern aus Kentucky. Nun hat er an der Elite Universität Yale Jura studiert, ist erfolgreicher Anwalt und somit in der upper class angekommen. Doch er weiß, dass er die Ausnahme ist.

    Vance erzählt vom Niedergang seiner Heimatstadt Middletown, Ohio, mitten im Rust-Belt, von seinem Aufstieg und den Hindernissen, die ihm seine Hillbilly-Herkunft in den Weg gelegt hat. Ich konnte mich oft mit ihm identifizieren, vor allem was das „soziale Kapital“ der unterschiedlichen „Klassen“ oder Gesellschaftsschichten angeht und die unausgesprochenen Regeln des Umgangs bzw. Erfolgs.

    „Hillbilly Elegy“ liefert auch einen Erklärungsansatz, warum Trump in diesen Gegenden so erfolgreich abgeschnitten hat. Vance hat seine „Memoir“ im Sommer 2016 veröffentlicht und steht damit ungewollt mit der Präsidentschaftswahl 2016 in Verbindung.
    Ich finde es auch gut, dass er nicht die großen Lösungen aus dem fernen Washington für seine Leute will, sondern sie selbst auffordert, sich durch Gemeinschaft und Bildung aus der Abwärtsspirale heraus zu arbeiten. Er weiß wie eschwer das ist, gibt in seinem Buch aber auch Tips, z.B. dass ein Studium an einer Ivy-LEague Uni nicht so viel kostet wie erwartet, da die ärmeren Studis gut Unterstützung erhalten. Aber er wusste es vorher halt nicht, und hätte die Gelegenheit zu studieren aufgrund der Armut beinahe nicht ergriffen.

    Ein gutes Buch, wer ein Sachbuch, das sich auf die amerikanische Gesellschaft bezieht, gerne ausprobieren möchte.

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