Bücher mit dem Tag "wiedervereinigung"
58 Bücher
- Juli Zeh
Unterleuten
(680)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannUm es vorwegzusagen: Dieses Buch ist zum Wiederlesen geeignet, auch zum Verschenken. Ja, auch zum Verschenken, trotz seiner über 600 Seiten und erst recht, aus dem Gefühl heraus, es könnte dem Beschenkten nicht gefallen. Diese Gefahr besteht hier kaum. Eher besteht die Gefahr, dass der Beschenke dieses Buch bereits gelesen hat.
Für die Erstleser empfiehlt sich ein gut gespitzter Bleistift, denn hier wird nicht nur eine äußerst vielseitige und vertrackte Geschichte (es sind eher Geschichten, die zueinanderfinden) aufgeblättert, sondern es kommt so manche Lebensweisheit zum Zuge oder ins „Gespräch“, die den Leser einnimmt, ihn aufrüttelt und ein stückweit begleitet – bis zum nächsten Highlight. Und dies alles in einer Sprache, die komponiert erscheint, in denen die Worte stilsicher zueinander finden, die das Lesen als solches schon zu einem Genuss machen.
So werden beim Lesen Verstand und Emotionen vielfach gefordert, ohne zu überfordern. Mal staunt man über die „Hartnäckigkeit“ (oder ist es Sturheit, Überforderung, Verletztheit, Traurigkeit?) mancher Akteure, mal über die Leichtigkeit, mit der Dinge angepackt werden. Wären da nicht diese Einflüsse von außen, so könnte die Geschichte sicher endlos weitergesponnen werden. So aber kann sich auch Unterleuten nicht weiter wegducken und das Lebensspiel „unter sich“ ausmachen. Wie die sich daraus ergebenden alten Fälle in die neuen hineinschleichen, wie all dies verwoben ist, dafür gibt es nur einen Begriff: brillant.
(20.11.2018)
- Ally Condie
Atlantia
(515)Aktuelle Rezension von: Zarina📖 Inhaltsangabe:
In einer geteilten Welt, oben das Land, unten Atlantia, werden die Zwillinge Rio und Bay getrennt, als Bay überraschend zur Oberfläche geht. Rio bleibt zurück, obwohl sie sich nach dem Leben an der Oberfläche sehnt. Entschlossen, ihre Schwester wiederzufinden, beginnt sie zu hinterfragen, warum die Welt getrennt ist und was es mit ihrer eigenen, verborgenen Gabe auf sich hat. In Atlantia offenbaren sich nach und nach die dunklen Geheimnisse ihrer Gesellschaft und ihrer Herkunft.📚 Meine Meinung:
Das Buch hat eine ganz eigene, ruhige Stimmung. Die Idee einer Unterwasserstadt fand ich total faszinierend, auch wenn sich die Geschichte manchmal etwas zieht. Es geht weniger um große Action, sondern mehr um innere Entwicklung, Fragen nach Freiheit, Wahrheit und Familienbande. Besonders schön fand ich, dass die Verbindung zwischen den Schwestern im Vordergrund steht, statt einer typischen Liebesgeschichte. Trotzdem hätte ich mir stellenweise etwas mehr Tempo oder Spannung gewünscht.✅ Fazit:
„Atlantia“ ist kein Buch für schnelle Spannung, sondern für ruhige, tiefgehende Gedanken über Familie, Freiheit und Identität. Wer Geschichten mit viel Atmosphäre mag, wird hier fündig. - Sven Regener
Herr Lehmann
(1.220)Aktuelle Rezension von: winniccxx"Herr Lehmann" ist das erste große Werk des Autoren Sven Regener. Es handelt vom gleichnamigen Protagonisten, der seinen Alltag in Berlin bewältigen muss, und dem dabei allerlei absurde Geschichten passieren. Die handelnden Personen sind meiner Meinung nach sehr schön beschrieben, sowohl die zentralen Hauptpersonen als auch die Nebencharaktere, die immer wieder auftauchen. Die Protagonisten haben alle ihre Ecken und Kanten, Herr Lehmann wirkt bisweilen sogar unsympathisch, aber dennoch waren die handelnden Figuren sehr passend für das Buch. Dabei gibt es zwar wenig spannende Handlung, doch das will das Buch auch gar nicht erreichen, vielmehr geht es um viele kleinere Episonden aus dem Leben des Protagonisten, etwa die Begegnung mit einem Hund, Schichten in seiner Kneipe oder der Besuch der Eltern in West-Berlin. Diese Episoden sind meist sehr humorvoll und stimmig zueinander, sodass sich ein gutes Gesamtbild ergibt. Dazu werden viele stilistisch lange Schachtelsätze verwendet, die aber für mich auch sehr gut zum Stil des Buchs passen.
Das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass man immer wieder lachen oder schmunzeln muss, und ist dadurch für mich eine gute Abwechselung zu der Literatur, die ich sonst lese gewesen. Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich übrigens durch einen Ausschnitt aus dem Literarischen Quartett, in dem Marcel Reich-Ranicki ähnliches berichtet. Ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen und direkt weiter empfohlen. Von mir gibt es also 5 von 5 Sterne!
- Anne Jacobs
Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten
(127)Aktuelle Rezension von: Belle_TristikMit "Das Gutshaus – Glanzvolle Zeiten" liefert Anne Jacobs einen Trilogie-Auftakt ab, der mich mit einer vielversprechenden Grundidee neugierig gemacht, aber mit einer etwas ungleichmäßigen Umsetzung zurückgelassen hat.
Das emotionale Herzstück:
Besonders hervorzuheben ist die Arbeit mit den zwei Zeitebenen. Mein absolutes Highlight waren die Tagebucheinträge von Elfriede aus den 1940er Jahren. Diese Passagen besitzen eine enorme Strahlkraft und vermitteln einen authentischen, tief bewegenden Einblick in das Leben auf dem Gutshof während der Kriegsjahre. Elfriede ist für mich die stärkste Figur des Romans – sie trägt die emotionale Last der Geschichte mühelos.Wo der Glanz etwas bröckelt:
Im direkten Kontrast dazu verblasst die Gegenwartsebene leider spürbar. Protagonistin Franziska blieb für mich erstaunlich konturlos und wenig greifbar. Auch die Handlung macht es sich manchmal zu einfach: Während bürokratische und rechtliche Hürden bei der Rückgewinnung des Familienbesitzes anfangs realistisch aufgebaut werden, lösen sie sich im Finale fast schon märchenhaft schnell in Wohlgefallen auf. Das nimmt der Geschichte leider etwas an Glaubwürdigkeit. Zudem wirkten die romantischen Szenen auf mich hölzern und fühlten sich in der sonst so unaufgeregten Erzählweise deplatziert an.Stil und Unterhaltungswert:
Anne Jacobs schreibt flüssig und angenehm leicht. Es ist eine wunderbare Lektüre zum "Weglesen" ohne hohen intellektuellen Anspruch – perfekt für entspannte Stunden.Fazit:
Wer eine tiefschürfende Familiensaga sucht, könnte enttäuscht werden. Wer jedoch ein Faible für Gutshof-Geschichten mit historischem Flair hat und eine kurzweilige Unterhaltung sucht, kommt hier auf seine Kosten. Trotz der Schwächen in der Charakterzeichnung hat mich das Schicksal des Hauses gepackt – ich werde dem zweiten Band definitiv eine Chance geben. Ein solider Auftakt mit Potenzial nach oben! - Konrad Jarausch
Zerrissene Leben
(16)Aktuelle Rezension von: SatansbratenDas Buch schafft, was Geschichte sonst oft fehlt, es es ist lebendig, zum Anfassen, verstehbar, nachvollziehbar. Es erzählt anhand von konkreten Schicksalen die Geschichte des letzten Jahrhunderts. Die Befragten Menschen haben unterschiedliche Hintergründe, der Sohn wohlhabender Juden, das Kind eines Pastors, andere aus Arbeiter Familien, kommunistischen Familien. Sie erleben daher die Vorkriegszeit sehr unterschiedlich, auch die Zeit des Krieges und die Jahre danach sind neben den politischen Ereignissen auch durch persönliche Entscheidungen geprägt. Gleichzeitig wird auch sehr viel erklärt, das wichtig ist, um Hintergründe und Geschehnisse besser einordnen zu können. Mir hat das Buch erstaunliche Einblicke in diese Zeit gegeben, selbst wenn man mit den geschichtlichen Fakten vertraut ist, bringt diese Herangehensweise ganz neue Einsichten! Lesenswert ! - Charlotte Link
Sturmzeit - Die Stunde der Erben
(280)Aktuelle Rezension von: _jamii_Deutschland 1977. Alexandra Marty hat viel von ihrer Großmutter Felicia geerbt – nicht nur deren Familiensinn, sondern vor allem auch ihren Ehrgeiz und Freiheitsdrang. Aufgewachsen in den Jahren politischer Unruhen und Veränderungen, ist Alexandra eine junge Frau ihrer Zeit, kühl und zärtlich, eigenwillig und anschmiegsam, träumerisch und mit einem ausgeprägten Blick für die Wirklichkeit. Doch als sie das große Erbe Felicias antritt und das Familienunternehmen übernimmt, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung, durch die auf einmal alles auf dem Spiel steht. Ein Zurück in die behütete Idylle auf dem Gut der Familie kann es nicht geben, und Alexandra muss sich erneut entscheiden, ob sie ihren ganz eigenen unabhängigen Weg gehen und sich endlich aus dem Schatten ihrer Familie lösen möchte ...
Ich hatte echt meine Zweifel, ob ich dieses Buch überhaupt lesen sollte, weil ich solche Mühe mit dem zweiten Teil bzw. vor allem mit Felicia und Belle gehabt habe.
Ich bin froh, habe ich es dann doch gelesen, denn Teil 3 ist um Längen besser als der Vorgänger! Zum einen hilft, dass Felicia und Belle nicht mehr die Hauptfiguren sind, sondern eben ihre Erben, mit welchen ich deutlich besser klargekommen bin. Belle nimmt nur noch eine Rolle am Rande ein, Felicia ist immer noch präsent. Während diese am Anfang immer noch schwierig zu ertragen war, ging das im Verlaufe des Buches besser.
Es gibt hier mehr unabhängige Einzelgeschichten als vorher. Man kann an mehreren Schicksalen teilhaben, welche eigentlich nichts miteinander zu tun haben, ausser dass die einzelnen Personen auf welche Art auch immer miteinander verwandt sind. Entsprechend weniger sind sie auch miteinander verknüpft.
Ebenfalls wird die Zeit der deutschen Spaltung sehr interessant und bildlich dargestellt.
Manchmal, vor allem gegen Ende, ziehen sich die Ausführungen etwas in die Länge, aber ansonsten sehr gelungener Roman mit starken Charakteren!
- Alexandra Bracken
Blut und Feuer
(145)Aktuelle Rezension von: SonnenwindZwar fehlt mir noch immer der mittlere Band, aber ich habe diesen dritten trotzdem genossen. Es wäre natürlich interessant gewesen, alle drei der Reihenfolge nach zu lesen, aber man kann nicht alles haben. In die Situation konnte ich mich die ganze Zeit hindurch gut eindenken: Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungen, die von Erwachsenen unterdrückt werden. Das Gefühl hatte ich in dem Alter auch, das ist wohl normal. Aber wenn man seinen Verstand benutzt, kann man viel erreichen - ob in der Welt der SF oder im normalen Leben. Eine angenehm zu lesende Serie.
- Dirk Oschmann
Der Osten: eine westdeutsche Erfindung
(30)Aktuelle Rezension von: pinkdinoprincessInhalt: Dirk Oschmann wurde in der DDR geboren. Mit 22 Jahren erlebte er die Wiedervereinigung, studierte in Deutschland, UK und den USA, und ist nun Germanistik-Professor in Leipzig. Damit ist er eine Ausnahmeerscheinung: Die allermeisten Spitzenpositionen, darunter Professuren, werden in Deutschland mit Personen westdeutscher Herkunft besetzt. Wird Oschmann zu Vorträgen eingeladen, spricht er dort stets als "Ossi". Und so schreibt er über eine Ost-Identität, die er nicht gewählt hat, sondern die ihm auferlegt worden ist.
Fazit: "Der Osten: eine westdeutsche Erfindung" legt den Finger in eine Wunde, der ich mir zwar bewusst war, die mir aber nun noch ein Stück greifbarer erscheint. Selbst als Person, die zehn Jahre nach der Wiedervereinigung im "Osten" geboren wurde, wird mir die Ost-Identität immer wieder auferlegt – und sei es nur, dass ich "das "falsche Jägerschnitzel esse". Wir erschreckend gering auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung der Anteil an ostdeutschen auf Spitzenpositionen ist, war mir jedoch nicht bewusst. Auch auf ostdeutsche Kunst und Kultur wirft Oschmann einen Blick, desweiteren auf mögliche "Gegenbeispiele" erfolgreicher Ostdeutscher wie Angela Merkel. Nicht zuletzt möchte ich den Schreibstil des Autors loben, der durchaus akademisch und dennoch sehr flüssig lesbar war.
Empfehlung: Nicht nur für Ost-Deutsche.
- Thomas Brussig
Das gibts in keinem Russenfilm
(33)Aktuelle Rezension von: DuffyEin Schriftsteller schreibt seine Biografie und gleichzeitig die Gegenwart um. Wie geht das? Thomas Brussig hat es mit diesem Buch vorgeführt und ganz einfach seine Biografie bis 1989, dem Jahr des Erscheinens seines ersten Buch dort belassen, wo sie eben stattfand – in der DDR. Doch es geht weiter, nur dass in diesem Werk die Wiedervereinigung ausfiel. So verknüpft der Autor die Entwicklung einer DDR, die es nicht mehr gibt, deren Scheinexistenz in diesem Buch aber so viel Realität und Seriosität anhaftet, dass man die Fiktion kaum glauben will, mit seinem Schicksal als Schreiber und Widersacher eines Regimes, dass ihn aufgrund seiner immer breiteren Popularität kaum noch Repressalien unterwerfen kann. Das liest sich keinesfalls wie eine unausgegorene Satire, sondern kratzt ganz gehörig an Grundsätzlichem, denn in den 30 Jahren nach der Wiedervereinigung hat sich schon so mancher gefragt, was denn gewesen wäre, wenn es nicht so gekommen wäre. Der Fragenkatalog ließe sich noch erweitern, denn das Wesentliche an der Wiedervereinigung war ja nicht die Vereinigung an sich. Die hatte, wenn man es im Nachhinein sieht, gar nicht stattgefunden, denn man muss konstatieren, dass die DDR „übernommen“ wurde. Wie wäre es eigentlich gekommen, wenn die DDR weiter existiert hätte und nur die Diktatur dieses Staates abgeschafft worden wäre? Dieser Aspekt ist auch Brussigs Anliegen und auch, wenn er hier ab und zu zum Mittel der Satire greift, ohne dabei schrill oder plakativ zu sein, so ist es genau der Punkt, den man aus diesem Buch als Kern herausfiltern kann.Der Humor kommt bei Brussig auch hier nicht zu kurz. Die Figuren Gysi, Wagenknecht, Merkel, Krenz oder Bisky haben ihre eigenen Rollen in der Fiktion bekommen, der Literaturbetrieb und viele Schriftstellerkollegen bekommen kleine Seitenhiebe und der dramaturgische Coup ist im letzten Kapitel die Vorstellung und Abhandlung eines Buches, das ein junger Kollege schrieb, ein Science-Fiction Szenario, das nämlich genau die „Wende“, wie sie sich wirklich zugetragen hat, zum Thema hat und vom Roman-Brussig als „unmöglich“ deklariert wird.
Was sich auf den 380 Seiten abspielt ist gekonnt geschrieben, bestechend scharf gedacht und formuliert. Es lässt schmunzeln, man kann lachen, den Kopf schütteln, doch eines sollte man ganz besonders: Nachdenken und die Untertöne einer genauen Betrachtung unterziehen. Dann wird es nämlich ein Buch, das wichtig ist, um den Standort dieses Landes nachzuvollziehen.
- Eiichiro Oda
One Piece 61
(22)Aktuelle Rezension von: Chianti_ClassicoAus drei Tagen wurden zwei Jahre, in denen die Strohhüte getrennt waren.
Aber jeder von ihnen hat die Zeit gut genutzt, denn sie wussten, dass die Neue Welt nicht ohne ist und sie stärker werden müssen, um sich in ihr behaupten zu können.
Nun ist die Zeit für ihre Reunion gekommen und noch immer heißt ihr Ziel die Fischmenscheninsel.
"Romance Dawn for the new world" von Eiichiro Oda ist der einundsechzigste Band der One Piece Reihe.
Ruffy hat seiner Crew eine Botschaft zukommen lassen, in der er ihr erneutes Aufeinandertreffen auf dem Sabaody Archipel verschiebt. Sie müssen alle stärker werden und entdecken, dass ihre jeweiligen Aufenthaltsorte ihnen viele Möglichkeiten bieten, fast so, als hätte Bartholomäus Bär sich bei der Wahl der Orte etwas gedacht.
In diesem Band gab es den Zeitsprung und zwei Jahre sind vergangen, in der die Strohhutbande quasi aufgelöst war und jeder sein eigenes Ding machen konnte. Nun ist es aber an der Zeit für ihr Wiedersehen und es geht erneut zum Sabaody Archipel, wo neue Abenteuer auf sie warten.
Ich war sehr gespannt auf diesen Band und habe mich auf das Wiedersehen sehr gefreut! Wir durften vorher noch mal jeden der Strohhüte an ihren jeweiligen Aufenthaltsorten besuchen und ich fand es schön zu sehen, dass sie sich darauf eingelassen haben und die Chance nutzen wollten, um zu trainieren und sich neue Fähigkeiten anzueignen.
Das Wiedersehen war wirklich schön, auch wenn sich jemand anderes als Ruffy ausgibt und so für Wirbel auf dem Sabaody Archipel sorgt.
Doch nun ist es endlich an der Zeit, sich auf dem Weg zur Fischmenscheninsel zu machen und ich freue mich sehr auf dieses Ziel!
Fazit:
Auch "Romance Dawn for the new world" von Eiichiro Oda hat mir richtig gut gefallen!
Es war schön, die Strohhüte nach dem Zeitsprung wiederzusehen und sich nun wieder mit ihnen ins Abenteuer stürzen zu dürfen!
- Christiane Wünsche
Wir sehen uns zu Hause
(89)Aktuelle Rezension von: Lo_RojaWir sehen uns zu Hause hat mich mit seiner vielversprechenden Familiengeschichte und der Thematik rund um Geheimnisse der Vergangenheit zunächst sehr angesprochen. Christiane Wünsche schreibt gefühlvoll, und die Atmosphäre des Romans ist gut eingefangen. Die Idee, dass alte Briefe die Geschwister auf eine Spurensuche schicken, versprach Spannung und emotionale Tiefe. Vor allem das Einweben des Themas um mentale Gesundheit und der Umgang mit Angstzuständen trifft nicht nur den Zeitgeist, sondern leistet auch großartige Aufklärungsarbeit, da es mit gesellschaftlichen Tabus bricht.
Leider konnte mich die Umsetzung des Romans nicht vollends überzeugen. Die Handlung entwickelt sich recht vorhersehbar, und der Plot bleibt über weite Strecken sehr einseitig. Es gibt kaum überraschende Wendungen, und viele Entwicklungen sind früh abzusehen. Ich hätte mir mehr Vielschichtigkeit und tiefere Konflikte gewünscht. Vor allem Peters Figur wird nicht ausreichend Charakterisiert. Anne wirkt oft zu passiv und das in einer Zeit, in der Frauen eigentlich in den Vordergrund des Plots gestellt werden. Sogar nach dem Tod ihres Ehemanns läuft sie auf ausgetretenen Pfaden und wird selten eigeninitiativ aktiv. Dasselbe Muster finden wir bei Annes Tochter, die nach Bestätigung ihrer Schwangerschaft auf Hilfe von außen hofft, anstatt ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Besonders enttäuschend war für mich das abrupte Ende. Nach all den Enthüllungen hätte die Geschichte mehr Raum für eine ausführliche Auflösung verdient. Stattdessen fühlt es sich an, als würde die Erzählung plötzlich abgeschnitten, ohne dass alle Fäden zufriedenstellend zusammengeführt werden.
Insgesamt ein solider Familienroman mit einer interessanten Grundidee, aber leider fehlt es an erzählerischer Raffinesse und einem runden Abschluss.
- Loel Zwecker
Vom Anfang bis heute
(19)Aktuelle Rezension von: WolfhoundLoel Zwecker komprimiert uns hier die Weltgeschichte auf unter 500 Seiten.
Dabei schafft er es durch seinen Schreibstil, aber auch durch vereinzelt eingestreute unnütze Anekdoten, den manchmal doch recht trockenen Geschichtsaspekt aufzulockern. An einigen Stellen konnte ich mir ein Schmunzeln oder auch Lachen nicht verkneifen.
Die Themen sind gut aufgearbeitet und machen auch Spaß. So bekommt man einen schönen knackig kurzen Einblick in vielen Aspekte unserer Geschichte.
Jedoch werden auch hier (unvermeidbare?!) Schwerpunkte wie z. b. die französische Revolution gesetzt und andere Bereiche werden nur angerissen. So werden Jahrhunderte der afrikanischen Geschichte nur wenige Seiten.
Auf der anderen Seite sind so schwierige Themen wie Rassismus und die Kolonialisierung meiner Meinung nach gut dargestellt und aufgearbeitet.
Leider ist der lockere, moderne Stil des Buches auch auf einigen Strecken etwas anstrengend und die Coolness und der Humor wirken zu gewollt, was mir zum Ende hin den Lesespaß etwas verhagelt hat. Dennoch ist es ein absolut lesenswertes Buch, aus dem man einiges mitnehmen kann und das mein Wissen in einigen Belangen doch wieder sehr aufgefrischt hat
- André Georgi
Die letzte Terroristin
(53)Aktuelle Rezension von: CallsoRAF gegen BKA ! Die Terrorgruppe RAF sorgt in der Bevölkerung für Schrecken und Aufruhr und das BKA ermittelt unter Hochdruck. Die gegensätzlichen Interessen werden in dem Buch anschaulich, authentisch und spannend skizziert.
Autor Ande Georgi hat einen recht eigenwilligen Stil - manchmal fabriziert er kurze Sätze direkt auf den Punkt. Häufig passt das sehr gut zum Buch.
Mitunter ist es ein politischer Thriller, gleichwohl gelingt es dem Autor wunderbar, die handelnden Personen in den Vordergrund zu stellen. Insofern fiebert man mit und trotz aller politischer Brisanz menschelt das Buch immer wieder.
Zwischendurch gab das Buch richtig Gas, war enorm spannend und ließ sich wunderbar lesen.
Unterm Strich ein feiner, solider Thriller mit einem sehr speziellen und seltenen Schwerpunkt.
- Peter Prange
Unsere wunderbaren Jahre
(90)Aktuelle Rezension von: Lesefee2305„…die Sache mit den Talenten, und was man daraus macht. Als wir damals anfingen, jeder mit seinen vierzig Mark, hatten wir doch alle ziemlich klare Vorstellungen, was wir damit im Leben anfangen wollen.“
„Unsere wunderbaren Jahre“ von Peter Prange liegt schon ziemlich lange auf meinem SuB. Schätzungsweise seit mindestens 2019 - eventuell länger.
Obwohl es mich eigentlich total angesprochen hat, habe ich mich einfach nicht ans Lesen getraut. Warum?
Weil der Roman nahezu 1000 Seiten lang ist. Das Papier ist dünn wie Pergament und ja, das hat mich tatsächlich abgeschreckt.
Glücklicherweise habe ich den Roman jedoch in unseren Urlaub mitgenommen und hatte so viel Zeit zum Lesen! Und ich habe es nicht bereut!
Der Schreibstil des Autors ist wunderbar flüssig und so macht es unglaublich viel Freude die Figuren über mehrere Jahre ihres Lebens zu begleiten.
Fiktion und Realität liegen dabei dicht beeinander, historische Aspekte werden in die Handlung eingebaut und alles startet und endet mit der D-Mark. Eine spannende Zeit auf vielen Ebenen, Freud und Leid liegen eng beeinander. Das Leben nimmt seinen Lauf. Der Leser darf erleben, wie die sechs Hauptfiguren ihr Leben meistern und es wird in keiner Minute langweilig!
Gleichzeitig ist es wohl einer der persönlichsten Romane des Autoren, den er selbst und sein Heimatort haben ebenfalls eine Rolle…
Ich habe den Roman also in unserem Urlaub durchgelesen und vergebe klare 5 von 5 Sternen.
- Shannon McKenna
Die Nacht hat viele Augen
(147)Aktuelle Rezension von: DianaEShannon Mc Kenna – Mc Cloud Brothers, 1, Die Nacht hat viele Augen
Seth Mackey hat nur ein Ziel: er will Victor Lazar vernichten! Und dabei ist ihm jedes Mittel recht. Er observiert die neue Geliebte von Victor, und schon bald muss er feststellen, dass Raine ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Doch verwunderlich ist, das Victor sich noch nicht einmal in der verwanzten Wohnung seiner Geliebten hat blicken lassen. Verblendet von seinem Hass schafft Seth es, sich in Victors Firma einzuschleichen und als ihm Raine als “Belohnung” angeboten wird, greift er zu...
Doch Raine ist selbst in geheimer Mission unterwegs, denn Victor ist ihr Onkel und der hat vor vielen Jahren etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun gehabt. Raine sucht Antworten und sie kann nicht eher ruhen, bis sie die merkwürdigen Träume entschlüsselt hat...
Ich habe lange überlegt, ob ich das Buch lesen soll, welches schon eine ganze Weile in meinem Regal steht. Einige negative Rezensionen haben dazu geführt, dass ich es so lange vor mich hingeschoben habe. Letztendlich habe ich das Buch aufgrund einer Challenge in die Hand genommen.
Der Schreibstil ist locker und flüssig, es lässt sich leicht lesen und man fliegt nur so durch die Story. Die Handlung ist jetzt nicht sonderlich komplex, aber hat mich trotz der Vorhersehbarkeit überwiegend gut unterhalten.
Handlungsorte und Charaktere sind gut ausgearbeitet, auch wenn es bei vielen Figuren noch Luft nach oben gibt. Das hier noch eine besondere Gabe eingebaut wurde, macht die Geschichte zwar nicht wirklich spannender, und eigentlich hätte es das auch nicht gebraucht, aber es fällt zumindest nicht negativ auf.
Was mir nicht so gut gefällt ist, dass die Story sehr vorhersehbar ist, wenig Raum für Spekulationen bleibt und das die Erotik hier deutlichst im Vordergrund steht, was den Rest der Geschichte eher blass wirken lässt.
Sehr schade, denn daraus hätte man sicher mehr machen können.
Was mich hier aber wirklich massiv stört ist, das Seth überhaupt wenig Rücksicht auf Raine nimmt. Er “überredet” sie sehr häufig, obwohl sie gar keine Lust auf ihn hat, ignoriert ihre Wünsche und das “Liebesspiel” wirkt dermaßen übertrieben und auch teilweise grob und brutal (was ihr natürlich nach der ersten Weigerung dann doch gefällt), das es mir zu viel wurde und ich diese Stellen größtenteils überlesen habe.
Bitte nicht falsch verstehen, da ich auch den zweiten Band bereits im Regal stehen habe, werde ich die Fortsetzung lesen und darauf hoffen, dass es einfach nur das “Ding” zwischen Raine und Seth ist. Jeder so wie er mag, für mich war es einfach zu übertrieben.
Seth ist gar nicht mal so unsympathisch, wenn er uns einen Blick hinter seine Fassade erlaubt, allerdings erleben wir ihn zu größten Teilen einfach nur wütend, arrogant, gewalttätig und dominant in diesem Buch. Die wenigen Augenblicke wo wir etwas vom “wahren Seth” erfahren sind leider rar gesät und sicherlich hätte das Buch eine ganz andere Wirkung auf mich gehabt, wenn die Autorin hier ein wenig mehr darauf eingegangen wäre. So wirkt er einfach nur rabiat und zu aufdringlich, besitzergreifend, dominant und erdrückend.
Raine, die bisher kaum Erfahrung mit Männer hat und zig mal Seth darum bittet es langsamer angehen zu lassen war mir nicht sehr authentisch, sympathisch ja, aber irgendwie total realitätsfern. Schon im ersten Drittel des Buches war mir klar worauf das Ende hinaus läuft, und auch wenn der Lesefluss nicht nennenswert gestört wird, gab es in dieser Hinsicht überhaupt keine Überraschungen. Die naive Raine entwickelt sich zu einer Kämpferin, Sexgöttin und zum Schluss entdeckt sie Gefühle für eine Person, die sie jahrelang gehasst hat.
Tja, schade, hier hätte man sicherlich aus der Story sehr viel mehr machen können, wenn man den Fokus ein bisschen anders gelegt hätte, aber es ist wie es ist. Es ist kein schlechtes Buch, wer es erotisch und dominant mit verschiedenen Spielarten mag, und wenig Hintergrundstory brauch, der ist mit diesem Buch sicher nicht schlecht beraten, aber ich hoffe, dass Band 2 ein wenig mehr zu bieten hat.
Das Cover passt zur Story und ist ein netter Blickfang.
Fazit: Wenig Crime, dafür viel Erotik. Konnte mich nicht ganz überzeugen. 2,75 Sterne.
- Christopher Kloeble
Die unsterbliche Familie Salz
(70)Aktuelle Rezension von: lesen_leben_lachenLola Rosa Salz ist die zentrale Figur in diesem Roman. Das Hotel Fürstenhof ist der zentrale Ort im Geschehen, auch wenn die Figuren sich die wenigste Zeit dort aufhalten. Und ein zentrales Motiv ist der Schatten.
Lola ist zu Beginn eine Neunjährige, die mit ihren Eltern in München lebt und als ihr Vater den Fürstenhof erwirbt nach Leipzig umzieht. Sie liebt ihre Mutter sehr und als diese krank wird nimmt es das kleine Mädchen sehr mit. In ihren Augen rettet sie ihre Mutter, als Maria - von dem man nicht weiß ob er existiert - ihr Leben beendet.
Der nächste Abschnitt wird von Lolas Mann Alfons erzählt. Dieser beschreibt Lolas Flucht mit den Kindern am Ende des Zweiten Weltkriegs und erzählt mehr über Lolas Charakter. Dann folgt Aveline, Lolas Tochter, der Schatten ihrer Enkelin, der die Geschichte von Kurt erzählt, wie er seine Frau kennenlernt; ihre Enkelin selbst und ganz zum Schluss Lolas Urenkelin, die einen Brief an ihre Mutter schriebt.
Lola rückt zwar irgendwann in den Hintergrund, aber sie wird immer wieder erwähnt.
Der Fürstenhof ist ebenfalls immer Thema.
Als neuer Wohnsitz der Familie Salz in Lolas Kindheit. Als ein Ort an den Lola auch im Zweiten Weltkrieg unter keinen Umständen zurück kehren will. Als das Objekt Kurts Begierde nach dem deutschen Wiedervereinigung.
Als wiedererlangter Familienbesitz.
Das Motiv des Schattens beginnt harmlos mit den Schattenrissen, die Lolas Mutter für jedes Familienmitglied anfertigt. Allerdings bleibt es nicht dabei. Für Lola bekommen Schatten eine immer größere Bedeutung und besonders Männer ohne Schatten stellen für sie eine besondere Gefahr da.
Das Thema Schatten zieht sich aber durch alle Generationen. Eine Figur in der Geschichte kann ihren Schatten nicht sehen und an einer anderen Stelle kommt sogar ein Schatten zu Wort. Dieser ist zu dem Zeitpunkt natürlich ein allwissender Erzähler und schafft dadurch eine Verbindung zwischen zwei Fragmenten der Geschichte.
Der Schatten zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und verbindet gemeinsam mit Lola und dem Fürstenhof die einzelnen Teile miteinander.
Insgesamt wird die Geschichte beschrieben, wie das Hotel in Familienbesitz gelangt, von der DDR enteignet wird und schließlich wieder zurück in die Familie kommt und wie Lola und alle um sie herum diese Zeit erleben.
Neben den Familienverhältnissen, Streitigkeiten und Problemen erfährt man auch vieles über die politischen Gegebenheiten.
Die ganze Geschichte ist sehr gut recherchiert und macht dadurch einen authentischen Eindruck.
Die Charakterentwicklung ist in diesem Buch schwerer zu beschreiben als in anderen Geschichten,aber ich finde das macht es zusätzlich interessant.
Einem fehlen Ereignisse, die eine Figur erlebt hat um ein gesamtes Puzzle zusammensetzen zu können, aber dadurch kann man sich die Charaktere noch eher so zurecht legen, wie man sie sich vorstellt. Es gibt also mehr Spielraum für Vorstellungen zu den einzelnen Figuren. Allerdings kann man aus diesem Grund einige Handlungen nicht nachvollziehen und findet diese dann nicht gut. Da kann man aber meiner Meinung nach drüber hinwegsehen, denn man kann ja auch im echten Leben nicht immer alles nachvollziehen, was der Gegenüber gerade tut.
Ich würde behaupten der Schreibstil ist eher ein "Erzählstil"Die Perspektive wechselt immer wieder und viele Figuren kommen zu Wort. Dadurch bekommt jedes Kapitel seinen eigenen Charakter mit der Person, die es erzählt.
Als beispielsweise Lolas Mann zu Wort kommt, könnte man zwischendurch beinahe den Eindruck bekommen der eigene Opa erzählt von der Flucht vor dem Zweiten Weltkrieg. Und auch sonst ist der Schreibstil immer gut an die Figuren angepasst. Das sorgt für einen sehr angenehmen Schreibstil, der sich gut lesen und einen in die Geschichte eintauchen lässt.
Ich finde dieses Buch ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert!
Ich lese ja normalerweise eher Jugendbücher und Fantasy, aber dieses Buch konnte mich wirklich überzeugen!
- Peter Kohl
Hannelore Kohl
(5)Aktuelle Rezension von: Imke_BrunnDas Leben von Hannelore Kohl wird von ihrem Sohn und eienr Journalistin von Geburt bis zu ihrem Tod nachvollzogen und zeigt das Bild einer sehr starken Persönlichkeit, die vielen Schicksalsschlägen begegnet (Krieg, Flucht, Nachkriegszeit, Angriffe, Tod, Terrorangst, Krankheit) und die große Herausforderung des Lebens an der Seite von Helmut Kohl und doch mit unabhängigen Engagements meistert.
Das Buch hat berührt, auch wenn ich mir etwas weniger Fokus auf die Politik gewünscht hätte, aber das war bei einer Frau in dieser Position und auch in der Zeit, als das Buch geschrieben wurde weder möglich, noch zu erwarten.
Wer die politische Entwicklung Deutschlands einmal aus einer der Perspektive einer Frau direkt neben dem Kanzler sehen möchte, dem kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Es liest sich sehr angenehm.
- Roland Steinacher
Deutsche Geschichte
(3)Aktuelle Rezension von: Viv29Die Bücher von Dorling Kindersley sind bekannt für ihre herausragend bildhafte und farbige Ausstattung. Jedes Buch, das ich bisher von DK las, war schon ein visuelles Vergnügen. So ist dies genau der richtige Verlag für eine Bild-Enzyklopädie der deutschen Geschichte. Das Buch ist recht groß und schwer, so soll sich ein richtiges Buch anfühlen. Jede Doppelseite widmet sich chronologisch einem Thema der deutschen Geschichte; unterteilt ist das Buch in sieben Hauptabschnitte, die meines Erachtens eine gute Gliederung der historischen Epochen darstellen. Jedem dieser sieben Abschnitte ist eine Zusammenfassung dieser Epoche vorangestellt, gefolgt von einer chronologischen Zeitleiste. Auch diese ist sehr schön gestaltet und bereits mit zahlreichem Bildmaterial versehen.
Selbstverständlich strahlt auch jede Doppelseite dem Leser schon farbenfroh entgegen. Zahlreiche Abbildungen auf jeder Seite sorgen für Anschaulichkeit, passende Zitate im Großdruck oder biographische Übersichten reichern den Haupttext weiter an. Jede dieser Doppelseiten verfügt über eine "Vorher" und eine "Nachher"-Box, die das Thema historisch einordnet, einen Ausblick und Rückblick bietet und auch Zusatzinformationen liefert. Manche Doppelseiten sind fast ausschließlich großformatigen Abbildungen mit kürzeren Erklärungen gewidmet, wie zB eine Limes-Rekonstruktion, der Westfälische Frieden oder der Kniefall Willy Brandts in Warschau. Andere Doppelseiten enthalten Biographien bedeutsamer Deutscher, wieder andere bieten einen Fotoüberblick über prägende Gegenstände der Epoche. So hat man ein gut zusammengestelltes Kaleidoskop aus verschiedenen Informationen. In den doppelseitigen Artikeln geht es vorwiegend, aber nicht nur, um die historischen Entwicklungen, Herrscher, Kriege. Auch Lebensbedingungen, gesellschaftliche Entwicklungen, Kultur oder andere Alltagsthemen haben hier ihren Platz, wie es im Vorwort auch versprochen wird ("Geschichte ist aber viel mehr als das, weil sie letztlich von menschlichen Existenzen berichtet, von Höhen und Tiefen, Großem und Kleinem.").
Natürlich kann ein Buch, das auf 400 Seiten die gesamte deutsche Geschichte behandeln möchte, kein Detailwissen liefern. An manchen (wenigen) Stellen fehlen leider Erklärungen und/oder Hintergründe zu Erwähntem - eigentlich möchte ich nach der Lektüre nicht im Internet nachschauen müssen, worum es genau ging. (Und warum in den Artikeln über die Nachkriegskultur neben zahlreichen Schriftstellernamen einer der wirklich großen literarischen Chronisten unserer neueren Geschichte, Walter Kempowski, überhaupt nicht erwähnt ist, würde mich sehr interessieren).
Für einen Überblick aber ist das Buch hervorragend gelungen, letztlich ist es durchaus mehr als ein Überblick, bietet erstaunlich viele Hintergrundinformationen, Details und erklärt vor allem Zusammenhänge oft prägnant einleuchtend. Ich habe hier sogar zu einigen Themen, mit denen ich mich schon eingehender beschäftigt habe, noch neue Informationen erhalten; zu mir nicht so vertrauten Themen eine erstklassige Einführung.
Deshalb kann ich dieses sowohl informative wie auch wunderbar gestaltete Buch jedem empfehlen - dem Geschichtsneuling, der sich informieren möchte, wie auch dem tiefer Geschichtsinteressierten, der hier immer noch Neues finden wird, oder eben auch Vertrautes, gut dargestellt.
- Hartmut Maurer
Staatsrecht I
(3)Aktuelle Rezension von: HoldenMaurers Buch zum Staatsrecht, mit Staatsrecht beginnend und der Arbeit und Zuständigkeiten von Verfassungsorgane wie Bundestag und Bundestag, mit allen wichtigen Streitigkeiten, die in Klausur und Hausarbeit vorkommen können, bis zur Arbeit des Bundesverfassungsgerichts und dessen Arbeit in den verschiedenen Sorten von Verfahren (Normenkontrolle, Verfassungsbeschwerde, Parteiverbote usw). Eine meiner Lieblings-Jurabuch-Reihen, insgesamt eher für Anfänger gedacht bzw. zur kurzen und knappen Rekapitulation vor den Examina. Für Anfänger also rundheraus zu empfehlen, für Examenskandidaten eher so mittel.
- Harald Bretschneider
Das Wunder der Freiheit und Einheit
(11)Aktuelle Rezension von: ArbutusNein, niemals sollten wir es vergessen, dass von deutschem Boden ein furchtbarer Krieg sowie ein abscheulicher Genozid ausgingen. Aber da gibt es noch etwas. Niemals sollten wir vergessen, dass von deutschem Boden auch eine friedliche Revolution ausging. Und so wichtig es auch ist, sich daran zu erinnern, dass am 9. November in Deutschland die Synagogen brannten (und nie wieder darf es soweit kommen), so wichtig ist es auch, sich daran zu erinnern, dass am 9. November in Deutschland die Mauer fiel.
Dieses Buch ermöglicht es jedem und jeder, eine kleine innere Pilgerreise entlang der Stationen der Friedlichen Revolution von 1989 zu machen.
Und es hält, was es verspricht. Wenn es auch, wie bei jeder vernünftigen Pilgerreise, mühsame Passagen gibt. Dabei ist eigentlich die Struktur gut angelegt. Für jeden Tag vom 3. Oktober bis zum 9. November 1989 gibt es ein Kapitel, das immer eine Schilderung wichtiger Ereignisse an diesem Tag wiedergibt, überschrieben mit einer thematischen Überschrift und einer passenden Bibelstelle, dann je einen Abschnitt "Zeitzeugnis" und "Hintergrund". Gerade die Zeitzeugnisse sind aber nicht immer klar datiert, fassen oft individuell wieder einen größeren Zeitraum zusammen, springen von einer Zeitebene in die andere, so dass die Abfolge chronologisch etwas zerfasert. Zudem sind unter "Zeitzeugnis" meist Statements besonderer Persönlichkeiten abgedruckt, die einerseits zwar wirklich interessant sind, aber eben nicht immer das, was man sich unter dieser Überschrift vorgestellt hatte.
Aber dann ist es einfach nur wunderbar. Es ist ein Buch über den Glauben, der Berge versetzen kann, über die überragende Rolle der Kirchen, ohne die es diese unblutige Revolution nicht hätte geben können. Viele der Stellungnahmen sind Glaubenszeugnisse von Menschen, die überzeugt sind, dass hier Gott seine Finger erheblich im Spiel hatte.
Mit staunender Bewunderung lese ich, dass die DDR-Kirchen in den Achtziger Jahren begannen, den ihnen zugestandenen engen Freiraum zu nutzen, um "nur für den innerkirchlichen Dienstgebrauch" Oppositionszeitungen wie zum Beispiel die "Umweltblätter" herauszugeben und Bibliotheken mit eigentlich verbotenen Büchern zu eröffnen. Einiges hat mich sehr berührt, wie zum Beispiel der Abdruck des Liedes "Der Riss" von Jörg Swoboda, der inspirierende Bericht des Klavierfacharbeiters Frank-Michael Rommert, oder das kraftvolle Glaubenszeugnis eines ehemaligen Bausoldaten (als solche wurden Wehrdienstverweigerer interniert). Ausdrücklich weist das Buch darauf hin, dass der Zusammenfall des Tages der unbeabsichtigten Öffnung der Mauer mit dem Gedenktag an die einstige Reichsprogromnacht eine ganz starke Symbolik aufweist: "Ein Gnadengeschenk am Tag der größten Scham."
Und wir finden wegweisende Zitate wie dieses von Pastor Manfred Kern i.R., der einst in die DDR übergesiedelt war, um dort seine Aufgabe als Seelsorger auszufüllen, und am Tag seiner Ordination vom Mauerbau erfahren hatte (und der, wie ich finde, alle Autorität hat, einen Satz wie diesen zu formulieren):
Ich bin davon überzeugt, dass der Abbruch der Mauer bereits am Tage ihrer Errichtung begann, und zwar mit dem Durchbruch des Vertrauens zu unserem Herrn Jesus Christus, der bei uns bleibt alle Tage, dem wahrhaft gegeben ist alle Gewalt auch hinter allen Mauern der Welt.
Es ist an der Zeit, sich zu erinnern.
- Sebastian Krumbiegel
Courage zeigen
(10)Aktuelle Rezension von: christiane_brokateSchonungslos und ehrlich!
Ich mochte die Band "Die Prinzen" immer sehr und auch Sebastian Krumbiegel, da war klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss.
Man bekommt einen genauen Einblick in die Welt und Vergangenheit des Bandmitgliedes und auch wie wichtig es ist Courage zu zeigen. Für jemanden da zu sein, egal welche Hautfarbe usw. Es hat mich ganz schön bewegt, was er von der DDR berichtet hat und wie es dort war, manchmal hatte ich paar Tränen in den Augen.
Aber manchmal auch lachen,es war ein besonderer Einblick, der mich bewegt hat und mir eine neue Sichtweise auf verschiedene Dinge gezeigt hat. Ein Buch was ich nur empfehlen kann, und Courage und Toleranz ist genauso wichtig heute, wie damals.
Ich war froh, dieses tolle Buch lesen zu dürfen. - Gregor Sander
Was gewesen wäre
(12)Aktuelle Rezension von: GruenenteAstrid wächst in der DDR auf. Mit den normalen Teenager-Problemen, wie sie auch "Wessi"-Jugendliche haben.
Ihre beste Freundin Jana stellt sie Julius vor und verliebt sich total in ihn. Es kommt auch zu einer Beziehung, aber irgendwie klappt es nicht. Er macht Schluss, sie haut ab, es geht auf und ab. Irgendwann leben sie sich total auseinander.
Über 20 Jahre später: Astrid führt ein zufriedenes Leben; zwei Kinder, ein liebevoller Lebenspartner (Paul), der ihr eine Tour nach Bdapest schenkt.
Sie wohnen dort in einem Hotel, in dem Julian sich auch oft mit seinem Wessi-Bruder und Vater traf.
Da sieht sie tatsächlich Julian! Nach einigem Überlegungen trifft sie ihn auch...
Kein typischer "DDR-Roman". Diese politische Konstellation verschärft nur einige Probleme.
Ein Roman über eine große Liebe und darüber, das Astrid erst abschliessen kann, als sie sich ihr stellt.
Nicht schlecht geschrieben, aber das Buch plätscherte für mich so dahin. Sagte mir irgendwie nichts. Vor allem das Ende liess mich ein wenig im Regen stehen.
Trotzdem zwei Zitate:
"Sie hätte sich gerne mit Tobias gestritten, aber der schnarchte schon leise."
"Dem gibst du dein Herz, und der macht Hackfleisch daraus, das weißt du, und du gibst es ihm trotzdem."























