Bücher mit dem Tag "wien-krimi"
99 Bücher
- Ursula Poznanski
Teufels Tanz
(70)Aktuelle Rezension von: coffee2goDer Kriminalroman ist der dritte Band der Serie mit Fina Plank und ihrem Ermittlungsteam, das sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zusammengefunden hat, um konstruktiv zu arbeiten. Eine Mordserie an älteren Menschen erschüttert Wien und der Zusammenhang ist lange Zeit unbekannt, sodass es die Ermittlungen enorm erschwert. In den einzelnen Kapiteln wird auch „dem Kuckuck“ Platz gegeben, seine Sicht der Dinge zu schildern und als Leser*in bekommt man einen guten Eindruck vom Täter, kann gewisse Rachegedanken auch nachvollziehen und wird so in einen Gewissenskonflikt gedrängt, was ich originell finde. Besonders die persönliche Ebene und der Beziehungsaufbau zum Täter ist sehr gelungen. Auch Fina lässt sich gefühlsmäßig auf private Beziehungen ein und nimmt den Konflikt mit ihrer Schwester in Angriff, sie entwickelt sich von Band zu Band weiter, das ist schön zu beobachten.
Bei den vorigen Teilen hat man besser erkennen können, dass der Krimi in Wien spielt, dies hat mir in diesem Teil etwas gefehlt. Es werden zwar zum Teil Straßen erwähnt oder die Oper, aber nicht so explizit, dass man als Leser*in das Flair eines Wienkrimis spüren würde.
- Beate Maxian
Tödliches Rendezvous
(54)Aktuelle Rezension von: Anne2025Eine sehr spannende Krimi-Story, gesellschaftskritisch und spannend geschrieben. Ich fand es super, dass es hier mal nicht ein Kommissar oder Kommissarin Hauptfigur für die Ermittlungen war, sondern eine Journalistin. Der Täter lies sich nur etwas leicht erraten, aber das ist mein einziger Minuspunkt. Ich freue mich auf den zweiten Teil der Reihe
- Sabina Naber
Leopoldstadt
(10)Aktuelle Rezension von: odenwaldcolliesWien im Sommer 1966: während die Menschen unter der Hitze leiden, wird ein ehemaliger Besatzungssoldat aufgefunden. Seltsamerweise will die US-Botschaft ihn aber nicht kennen – warum? Wurde er wegen seiner Hautfarbe umgebracht oder wegen der Recherchen, die er in Wien betrieben hat? Oder sind Liebe und Eifersucht das Motiv?
Nach „Eine Melange für den Schah“ habe ich mich auf das Wiedersehen mit Wilhelm Fodor und die 60er Jahre sehr gefreut. Diesmal bekommt er es mit einem besonders delikaten und kniffligen Fall zu tun, der auch seine Abteilung zu spalten droht, da das Mordopfer ein US-Afroamerikaner ist, was Fodors Kollegen Fischer immer wieder zu rassistischen Kommentaren verleitet, die zunehmend für Unfrieden unter den Kollegen sorgen.
Fischer ist einer der widersprüchlichsten Figuren in dieser Reihe, da er einerseits keinen Hehl aus seinem Rassismus macht, andererseits aber einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat, der wiederum keinen Rassismus kennt. Dazu kommt, dass er ein ausgezeichneter Ermittler ist.
Die Ermittlungen zu dem Mordfall kommen nur schleppend voran, da anfangs noch nicht mal die Identität des Opfers bekannt ist. Allerdings bekommen nicht nur Fodor und seine Kollegen immer mehr das Gefühl, dass diejenigen, die sie zu dem Fall befragen, mehr wissen, als sie aussagen.
Aber allmählich kristallisieren sich mehrere Spuren heraus, die zum Spanischen Bürgerkrieg, deutschen Nazis und Südtirol-Aktivisten sowie vergangene Liebesbeziehungen führen.
An den Büchern von Sabina Naber gefallen mir immer besonders gut die lebendigen Beschreibungen der Charaktere mit ihren Gesten und Schrullen, die mich mühelos in die damalige Zeit und Handlung versetzen. Aber auch die interessanten Hintergrundinformationen zur gesellschaftlichen und politischen Lage Wiens zu der Zeit, die für mich absolutes Neuland sind. Schockiert war ich über den Einfluss und die Bedeutung der Neo-Nazis auch in Verbindung mit der Südtirol-Frage, die mir so gar nicht bekannt war.
Und dann haben wir noch eine raffiniert aufgebaute Handlung, die mich auf verschiedene falsche Fährten geführt hat und ich bis zum Schluss keine Ahnung hatte, wo denn nun das Motiv konkret liegt. Die Auflösung und das Buchende waren daher ziemlich überraschend für mich. Ich hoffe sehr, bald wieder in das Wien der 60er Jahre reisen zu dürfen, um Fodor und Kollegen bei ihren Ermittlungen begleiten zu dürfen.
- Bernhard Kreutner
Der Preis des Lebens
(53)Aktuelle Rezension von: SaintGermainDr. André Keller und Dr. Eva Vekete betreiben ein lukratives Geschäft mit Organhandel für Transplantationen. Unterstützung bekommen sie aus höchsten Kreisen. Der gerade degradierte Polizist und Philosoph Michael Lienhart und die Ex-Heeresmitarbeiterin Sabine Preiss bilden die österreichische Abteilung für Sonderfälle. Als allerdings eine Leiche am Wiener Zentralfriedhof beginnen sie die Ermittlungen und bekommen schon bald ebenfalls Unterstützung von hoher Ebene, da sie sich in höchste Gefahr begeben.
Das Cover des Buches ist an und für sich gut gemacht; allerdings wirkt er doch aufgrund des Themas sehr zynisch.
Der Schreibstil des Autors ist hervorragend; Orte und Charaktere werden ausgezeichnet dargestellt.
Die Ermittler und ihr Umkreis, die bei den Ermittlungen helfen, sind einfach topp. allen voran natürlich der unkonventionelle Michael Lienhart; aber auch alle anderen sind perfekt gezeichnet und bilden ein sehr interessantes Team.
Die Spannung ist teilweise actiongeladen und auf hohem Niveau. Allerdings da die Täter eigentlich schon von Anfang bekannt sind, nimmt es die Spannung etwas weg.
Genau die Stellen - speziell am Anfang des Buches - waren es auch, die dann trotz dem brisantem Thema, teilweise etwas langweilig waren.
Auch eine Spur Gesellschaftskritik und Humor tritt auf, die das Buch dann auflockern und den letzten Pfiff geben.
Über weitere Bücher der Ermittler würde ich mich sehr freuen (ein 2. Teil existiert bereits).
Fazit: Tolle Ermittler mit brisantem Fall. 4,5 von 5 Sternen
- Alex Beer
Der zweite Reiter
(164)Aktuelle Rezension von: makamaWien 1919 - es ist November und kalt. Reichtum und Armut - der große Krieg ist gerade vorbei. August Emmerich, ehemaliges Waisenkind un vom Krieg angeschlagen ermittelt - zusammen mit seinem jungen Assistenten Ferdinand Winter . Eigentlich sollen sie sich um Schwarzmarkthändler kümmern - aber zu denen hat August eine besondere Beziehung. Da kommt es ihm gut zu passe, als er einige ungeklärte Todesfälle entdeckt --- laut seinem Vorgesetzten Sollen es Selbstmorde sein - doch August zweifelt und ermittelt zusammen mit Winter auf eigene Faust - und beide geraten schon bald in große Gefahr ..... Wird es ihnen gelingen den Fall aufzuklären - er bis in höchste Kreise ragt???
Fazit und Meinung: Ein gut recherchierter historischer Krimi mit tollen Protagonisten und einem interessanten Thema .... obwohl oft die Spannung fehlte hat mir dieser Krimi nicht schlecht gefallen und ich habe mich meist gut unterhalten gefühlt - von mir knappe 4 Sterne für dieses Buch.
- Gerhard Loibelsberger
Morphium, Mokka, Mördergeschichten
(30)Aktuelle Rezension von: MissRose1989Das Cover des Buches ist etwas speziell, es gefällt sich nicht jedem, passt sich aber vom Aussehen her sehr gut in die anderen Bände der Nechyba-Saga mit ein. Es ist eben kein klassisches Buchcover.
Gerhard Loibelsberger präsentiert in diesem Buch 13 Kriminalkurzgeschichten, die im Alten Wien um 1900 angelegt sind. Die Charaktere sind vor allem sehr gut in die Zeit eingepasst, auch das Wien in der Zeit sind gut widergespiegelt.
Jede der 13 Geschichten hat einen anderen Handlungsort und so erleben wir viel von Wien, aber erleben auch immer wieder neue handelnde Charaktere, nur Joseph Maria Nechyba ist immer der Ermittler und bietet damit den Drehpunkt in den Geschichten. Ein weiterer elementarer Punkt in jeder Geschichte ist das Essen, das ist in jeder Geschichte mit eingebaut und teilweise sind es wirklich spannende Gerichte.
Die Geschichten setzen sich zusammen aus realen und fiktiven Personen und so werden auch die Geschichten im Zeitraum zwischen 1873 bis 1917 zusammengetragen.
Gerhard Loibelsberger hat einen schönen flüssigen Schreibstil, der sich sehr gut lesen lässt, auch fliessen immer wieder typisch wienerische Begriffe in seine Geschichten mit ein. Für alle, die damit nicht so vertraut sind, findet sich am Ende des Buches ein Glossar.
Da wir in den 13 Geschichten immer wieder historischen Persönlichkeiten begegnen, ist deren Auflistung zu Beginn des Buches wirklich gut, so kann man nachlesen, wenn einem ein Erzbischof oder ein Name in der Geschichte nichts sagt, kann man da schnell nachschlagen.
Fazit:
Gerhard Loibelsberger hat eine kleine Sammlung von 13 kurzen Kriminalgeschichten geschrieben, die man sehr gut lesen kann und die sich stilistisch sehr gut in die Zeit einpassen und bei der man viel vom Wien um 1900 lernen kann. Der wienerischer Charme kommt auch in der Sprache zu tragen und auch davor muss man sich nicht fürchten, weil das Glossar hinten im Buch ist sehr aufschlussreich.
- Sabina Naber
Die Lebenstrinker
(3)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisFür ihren 5. Fall lässt Autorin Sabina Naber ihre Ermittler Maria Kouba und Philipp Roth in einem brisanten Kapitel der Medizin ermitteln: In der Humangenetik und Reproduktionsmedizin. Einiges, was sich Frau Autorin 2013 ausgedacht hat, ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Der Wettkampf um Forschungsgelder sowie Patente wird mit harten Bandagen geführt. In einigen Ländern sind kaum ethische Grenzen vorhanden. Was machbar erscheint, wird umgesetzt oder zumindest ausprobiert. Einiges ist man ja aus amerikanischen Thrillern gewöhnt, Serienmorde und Menschenversuche inklusive. Hier ist alles ein paar Dimensionen kleiner, österreichisch halt.
Der Krimi beginnt mit dem unfreiwilligen Zusammentreffen Maria Koubas und einer Straßenbahn, in dessen Folge die Polizistin mit einer Gehirnerschütterung und Amnesie im Krankenhaus liegt. Während der durch Medikamente besudelten Stunden bekommt sie mit, dass erstens ein Baby vor den Toren des Spitals ausgesetzt worden ist und zweitens in einer Villa eine Pflegekraft ermordet worden ist. Gleichzeitig kämpft sie mit Erinnerungslücken, die sie rätseln lassen, ob sie sich vom beruflichen Partner und Liebhaber Roth getrennt hat. Weil man aber als Leser Maria Kouba, kennt, die wenig anbrennen lässt, findet sie bald Trost (und statt Rat Sex) bei ihrem Arzt, der dem Ruf des Geldes folgend das Spital verlässt, um eine Praxis als Schönheitschirurg zu eröffnen.
Trotz Bedenken der Ärzte übernimmt Kouba die Ermittlungen im Mordfall in der Villa. Als man herausfindet, dass der ermordete Pfleger ein bekannter Genforscher mit Beziehungen zu obskuren Geheimgesellschaften war, nimmt der Mordfall ungeahnte Dimensionen an, zumal sich eine Verbindung zu dem ausgesetzten Baby ergibt, dem noch weitere gefolgt sind.
Meine Meinung:
Maria Kouba ist eine ungewöhnliche Ermittlerin, weil sie sich in ihrem Privatleben wie ein Mann verhält. Sex zur Entspannung, mal mit Partner Roth und mal mit möglicherweise interessanten Männern, die sie erst kennengelernt hat. Sie nimmt sich, was ihr gefällt! Ein Verhalten, das man eher Männern zubilligt.
Neben den zahlreichen Gedankensprüngen, die manchmal von Höhenangst und Kopfschmerzen begleitet werden, begegnen wir neugierigen Nachbarn, Sektierern sowie gierigen Verwandten. Zu Beginn sorgen die beiden Handlungsstränge, ausgesetzte Babys und der tote Pfleger, die so gar nichts miteinander zu tun zu scheinen haben, für Verwirrung. Doch Sabina Naber führt die beiden geschickt zusammen.
Wie im Nachwort zu lesen ist, sind die einige der Charaktere reale Personen, die in ähnlicher Weise agiert haben bzw. agieren.
Der Schreibstil ist fesselnd, denn es wirft unter anderem die Frage auf, wie weit wohl jeder einzelne gehen würde, wenn er von einem gravierenden medizinischen Problem selbst betroffen wäre, das durch humangenetische Eingriffe „repariert“ werden könnte. Ich habe das Buch an einem Tag gelesen.
Gut gefällt mir, dass das österreichische Idiom durchgängig verwendet wird. Ein kleiner Kritikpunkt ist der Handlungsstrang um Kollegin Elsa, der für mich nicht ganz ordentlich verknüpft worden ist.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem 5. Fall für Maria Kouba, der ein spannendes Thema behandelt, 5 Sterne.
- Theresa Prammer
Lockvogel
(89)Aktuelle Rezension von: Tanja_WueEin Buch und eine Start einer Reihe um Toni und Edgar. Edgar Brehm ist Privatdeketiv und Toni ist Schauspielschülerin, die Ringe Problem hat. Und wie ist der Zufall will, arbeiten die beiden dann gemeinsam.
Es war für mich erfrischend anders und hat mir gut gefallen. Fand einige Szenen ein bisschen vorhersehbar aber dennoch hat es mir gut unterhalten. Konnte es gefühlt sehr schnell weglesen und bin gespannt, was dieses einzigartige Duo noch für Abenteuer erlebt.
- Gerhard Loibelsberger
Wiener Seele
(3)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisBei dem Begriff "Wiener Seele" fallen einem natürlich sofort Siegmund Freud und/oder Viktor Frankl oder Erwin Ringel ein.
13 (Krimi)Autoren lassen uns Leser einen Blick auf die kriminalistische Wiener Seele werfen.
Am besten haben mir ""Wenn Muliar böhmakelt" (Zdenka Becker), "Wiener Wurzeln" (Gerhard Loibelsberger), "Zwei Damen im Herbst" (Hermann Bauer). "Freunderlwirtschaft" (Emily Walton) und "Der Wiener und seine Seele" (Andreas Pittler) gefallen.
Doch jede einzelne Kurzgeschichte setzt sich mit der Wiener auseinander. Jeweils auf ihre eigene Art. Der Rap von Ekaterina Heider ist witzig und ungewöhnlich.
Fazit:
Ein nettes Buch für Zwischendurch und als Mitbringsel sicherlich ein Hit. Gerne gebe ich hier 5 Sterne. - Anni Bürkl
Häusermord
(10)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerRevierinspektor Nowak führt sein aktueller Fall nicht nur in die Gegend seiner Jugend, die er in weiten Teilen lieber vergessen würde, sondern auch zu seiner ehemals großen Liebe Antonia. Bevor er sich jedoch mit ihr und seiner Vergangenheit auseinandersetzen kann, muss er das Rätsel um die abgetrennten Körperteile, die nach und nach auftauchen, lösen. Allem voran: Zu wem gehören die Gliedmaßen? Ein Fall, der mehr Fragen aufwirft, als dass er sie beantwortet und eine immer bedrückendere Wendung nimmt...
Die Autorin schickt mit Revierinspektor Nowak einen Ermittler ins Rennen, der mit einigen seiner Dämonen der Vergangenheit noch nicht abgeschlossen hat. Aber vielleicht erhält er nun, zumindest teilweise, die Möglichkeit dazu. Die Gegend, in der seine Nachforschungen hauptsächlich angesiedelt sind, ist Nowak wohlbekannt, und doch entdeckt er Aspekte, die auch an ihm nicht spurlos vorbei gehen.
Ein abgetrenntes Körperteil, ohne den geringsten Hinweis, von wem es stammt, und eine mehr als grobe Richtung, mehr steht Nowak für seine Ermittlungen nicht zur Verfügung. Kein Wunder, dass er sich an jeden Strohhalm klammert, Befragungen durchführt und doch kaum Hinweise zutage fördern kann. So authentisch das Szenario auch ist, wirkt der Beginn somit dennoch etwas zäh, auch wenn natürlich durchaus etwas geschieht. Der Fortgang der Kriminalhandlung erscheint allerdings zu holprig, zeitweise sogar unmotiviert, was auf Grund der Spurenlage wiederum absolut nachvollziehbar ist.
Nach dem ersten Drittel kippt die Stimmung, die Atmosphäre verdüstert sich und die Spannung nimmt zu. Nowak hat eine Fährte aufgenommen, von der er nicht bereit ist abzuweichen, wenn ihm hin und wieder auch Steine in den Weg gelegt werden. Er lässt sich selten beirren und macht sich dabei nicht nur Freunde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist auch der Leser glücklicherweise in der Geschichte angekommen, die unterschwellig viel mehr birgt als es zunächst den Anschein macht. Dann kann nämlich auch der Leser nicht mehr an sich halten, um eigene Nachforschungen anzustellen, nicht nur was den aktuellen Fall angeht, sondern auch zu Nowaks Vergangenheit. Durch Antonias Einschübe, die man zusätzlich zu Nowaks Beobachtungen erhält, ergibt sich ein recht gutes Bild des Revierinspektors und seiner Umgebung.
„Häusermord“ beginnt zu zaghaft, mausert sich aber nach und nach zu einem waschechten Kriminalroman, der neugierig auf mehr von Revierinspektor Nowak macht. - Beate Maly
Tod an der Wien
(42)Aktuelle Rezension von: Sikal
Wien, 1923: Schön langsam scheint sich Wien vom Ersten Weltkrieg wieder zu erholen und zumindest ein Teil der Bevölkerung kann sich wieder für Unterhaltungen interessieren. Doch ganz viele Menschen müssen immer noch ein Dasein unter der Armutsgrenze ertragen und sind für Almosen dankbar.
Doch Ernestine und Anton gehören zu den Glücklichen, die einen Theaterbesuch anstreben können. Von Ernestine mit Feuereifer geplant, fügt sich Anton dem Unterfangen und hat zumindest Aussicht auf irgendein süßes Stück Apfelkuchen oder dergleichen. Ernestine begibt sich in die Künstlergardarobe um ein Autogramm zu ergattern und bekommt unfreiwillig einen Streit mit. Als man am nächsten Tag die Hauptdarstellerin Hermine Egger tot auffindet, wird Ernestine wieder mal von ihrer Neugierde getrieben und stellt so einige Nachforschungen an. Sehr zum Leidwesen von ihrem Freund Anton, der sich viel lieber um die Naschereien Wiens kümmern würde als um Ungereimtheiten und Zufälle.
Im Prolog kommen Hinweise auf die Hintergründe bereits auf. Wie passen Prügelstrafe und Drill eines Gymnasiums zusammen mit dem Tod einer Operetten-Diva? Oder ist alles doch ganz anders? War vielleicht Eifersucht im Spiel?
Wie von Ernestine gewohnt, wird sie nicht locker lassen, um sämtliche Hintergründe zu analysieren und ihre Fragen (und die des Lesers) zu beantworten. Mit ihrer quirligen Art und ihrer liebenswerten Neugierde entlockt sie dem Leser so manches Schmunzeln.
Gut eingeflochten in den Krimi sind die neuen Errungenschaften im Schulalltag in Österreich. Die Reformpädagogik ist am Start und die ersten Schulen fernab von Prügelstrafe und Züchtigung entstehen.
Der Schreibstil Beate Malys ist kurzweilig, mit einer Prise Humor und einer angemessenen Portion Spannung. Die hervorragend ausgearbeitenden Figuren tragen die Geschichte und zeigen die unterschiedlichen Charaktere sowie viel Lokalkolorit.
Der sympathischen Schnüfflerin Ernestine sowie dem freundlichen Anton gebe ich gerne 5 Sterne.
- Edith Kneifl
Todesreigen in der Hofreitschule
(19)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannAn Mordopfern mangelt es in diesem historischen „Wien-Krimi“ wahrlich nicht. Dennoch ist zumindest der erste Teil, nach fulminantem Auftakt, alles andere als ein Krimi, eher ein Ausflug in betuchte private Verhältnisse in der österreichich-ungarischen (Doppel-)Monarchie. Die Geschichte spielt um die Jahrhundertwende, der Walzerkönig Johann Strauss hat sich gerade von dieser Welt verabschiedet und die Thronfolge in diesem fragiler werdenden politischen Gebilde gilt alles andere als gesichert. Zudem drängt eine größere Zahl von Zuwanderern aus den Kronländern in die Hauptstadt Wien – und erinnert insofern auch an aktuelle Geschehnisse: „Die Reichshaupt- und Residenzstadt platzte aus allen Nähten. Tausende Zuwanderer aus den armen Kronländern suchten Zuflucht in Wien. Wenn es mit der Migration so weiterging, würde die Kaiserstadt bald zwei Millionen Einwohner haben.“
In dieser Situation wird ein politisch motiviertes Attentat auf den Budapester Polizeipräsidenten verübt. Es ist schnell klar, dass hierfür Anarchisten (vulgo Dynamitarden; in Anlehnung an den gleichnamigen Sprengstoff) verantwortlich zu machen sind. So weit so klar, aber ab hier wird aus einem Privatermittler eher jemand, der lieber hinter Frauenröcken hinterherhechelt, als das er seiner eigentlichen Berufung nachginge. Dabei reicht die Palette von einer Femme fatale, über eine naive Nymphomanin bis hin zu einer angebeteten, aber auf Abwehr gestellten Pathologin. So bleibt zwar die Spannung etwas auf der Strecke, aber im Gegenzug erfährt man so einiges über die „Gewohnheiten“ jener Zeit, jedenfalls jenen, die im gehobenen Segment der Gesellschaft spielen. Ansatzweise kommt auch etwas von dem Wiener Schmäh herüber, unterstützt von so manchen Worten, die man nachschlagen muss, wie zum Beispiel: Krispindl (schwache, dünne/magere Person), Strawanzer (Strolch, Müßiggänger), Pülcher (Jemand, der sich gegen ortübliche Moral verhält, Gewalttäter) oder Konfident (Vertrauter, (Polizei-)Spitzel).
Im Gegensatz zu den Krimis der Autorin, die in der Jetzt-Zeit spielen und mit zahlreichen Ausflügen in die „Pschoszene“ bereichert werden, kommt hier es hier nur zu vier Kurzauftritten des Wiener Psychoanalytikers Sigmund Freud: „Gustav [der bereits erwähnte Privatermittler und Frauenheld] war nun einmal ein Busenfetischist, das war ihm bewusst, seit er erstmals die Werke Dr. Sigmund Freuds gelesen hatte.“ Insgesamt in es ein kurzweilig zu lesender Krimi.
(30.10.2024)
- Beate Maly
Mord auf dem Eis
(32)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeWas mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat, ist natürlich die Autorin (ich habe schon andere Bücher von ihr gelesen und mochte sie), aber auch das Setting. Die Geschichte spielt im Wien der 1920er Jahre. Eine interessante Stadt und eine faszinierende Zeit.
Es ist ein eher ruhiger Krimi, würde ich sagen, aber kein cosy crime. Der Fall an sich ist schon recht erschütternd, wird aber nicht zu dramatisch dargestellt. Ein Fokus liegt auch klar auf den Charakteren. Ernestine, eine pensionierte Lehrerin, und ihr guter Freund Anton forschen ein bisschen nach und kommen so der Lösung des Mordfalls immer näher.
Es ist der sechste Band einer Reihe, aber man kann das Buch auch gut ohne Vorwissen lesen.
Mir hat es sehr gut gefallen!
02.02.2024
- Ursel Scheffler
Kommissar Kugelblitz - Kugelblitz in Wien
(3)Aktuelle Rezension von: Pegasus1989Die Miträtselrubrik für die jüngeren Spürnasen finde ich gut gestaltet, sowie auch die kleinen Infos über Wien, die in diesen Krimi einfließen.
Der Krimi an sich ist jedoch einer von vielen, dessen Thema mich mittlerweile ein wenig langweilt, da mir das Besondere fehlt. Ich kenne zu viele Krimis, in denen Juwelen gestohlen werden, sodass ein anderer Diebstahl eine willkommene Abwechslung für mich gewesen wäre.
- Beate Maxian
Der Tote im Fiaker
(25)Aktuelle Rezension von: PlueschkeksDiese Rezension enthält keine Spoiler
Handlung
Sarah ist Journalistin in Wien, und noch dazu eine Gute. Ihre Spezialgebiete sind Aberglaube und Symbolik und von reißerischen Artikeln, die auf die Tränendrüse drücken, hält sie gar nichts - im Gegensatz zu ihren Kollegen bei anderen Blättern.
Da einer ihrer engen Freunde Kommissar Stein von der Mordkommission ist, sitzt sie praktisch an der Quelle was interessante Artikel und exklusive Berichterstattung betrifft. Auch diesmal wird sie um Hilfe gebeten. Ein Unbekannter sprüht sogenannte "Tau-Kreuze" an Denkmäler in ganz Wien und plötzlich taucht die Leiche eines Händlers für Kreuze auf.
Bald schon ist nichts mehr wie es scheint und Sarah findet sich in einem Wettlauf gegen die Zeit wieder, denn nur sie kann die Hinweise des Mörders entschlüsseln. Kann sie ihm auf die Schliche kommen?Meinung
Der Krimi beginnt etwas langsam, stellenweis ein bisschen trocken, nimmt dann aber doch gut an Fahrt auf. Der Täter bleibt bis zuletzt ein Unbekannter und die Schlussfolgerungen der Journalistin Sarah sind äußerst interessant. Man lernt praktisch direkt etwas beim Lesen dieses Krimis.
Dazu sind alle Charaktere äußerst sympathisch und liebenswert, auch der grantige Kommissar Stein. Die Journalistin ist erwartungsgemäß übereifrig, aber nicht nervig oder lebensmüde, was ich persönlich sehr schätze.
Bei "Der Tote im Fiaker" ist zwar der 10. Band dieser Reihe, er lässt sich aber äußerst gut für sich stehend lesen. Der Fokus liegt auf dem Fall und die Beziehungen der Figuren zueinander werden ausreichend erklärt, sodass die vorherigen Bände nicht fehlen. Jeder Aspekt der Handlung ist daher gut verständlich.Ein smarter Krimi mit Humor.
Bewertung
3,5 von 5 Flamingos
♥ mehr exklusive Lesungen und Buch-Previews jeden Samstag live auf https://twitch.tv/plueschkeks ♥
- Ursula Heinrich
Melange ohne
(6)Aktuelle Rezension von: tinstampEin historischer Roman mit Krimielementen, der am Ende des großen Krieges und in Wien spielt. Einfach perfekt, denn ich liebe die Reihe um August Emmerich von Alex Beer, die zur selben Zeit und am selben Ort spielen.
Ursula Heinrich ist hingegen eine neue Autorin für mich und ich war sehr gespannt auf diese Geschichte.
Max Freiherr von Riedenfels befindet sich nach einer Schussverletzung im Militärspital Bozen. Das Ende der Großmacht Österreich-Ungarn ist nicht mehr abzuwenden und eigentlich warten alle nur mehr darauf, dass sie endlich nach Hause dürfen und der Krieg endet. Max und sein Freund, der Miliärarzt Stefan von Brühl, sollen beide in den kommenden Tagen Urlaub bekommen. Doch Stefan möchte ein paar Tage früher nach Hause, denn seine Schwester feiert demnächst Hochzeit. Er überredet Max die Urlaubsscheine zu tauschen. Ein sehr riskantes Unternehmen! Doch Max stimmt zu und es gelingt auch beiden Männern mit den getauschten Urlaubsscheinen Max möchte Stefan im Urlaubsdomizil der von Brühls im niederösterreichischen Eichgraben besuchen, doch bei seiner Ankunft wartet auf ihm eine Schreckensmeldung. Stefan wurde wegen Mordes am Bräutigam seiner Schwester festgenommen. Das macht den Tausch des Urlaubsscheines zu einem großen Problem, denn damit hat er seinen Freund ein Alibi verschafft und gerät selbst in Verdacht. Die Polizei schie0t sich richtiggehend auf Stefan von Brühl ein. Max versucht während seines Genesungsurlaubes zuhause in Wien selbst Nachforschungen anzustellen, denn er ist von Stefans Unschuld überzeugt.
Zusätzlich soll er noch in Wien der Verlobten von Militärarzt Dr. Wegscheid einen Brief überbringen, der sozialistisches Gedankengut beinhaltet. Bei der Übergabe verliebt er sich Hals über Kopf in die Empfängerin, Eveline Kratky, Medizinstudentin und engagierte Sozialistin.
Gemeinsam mit seinem Freund Emil versucht er mehr über Edgar Maienbach, den toten Fast-Schwager von Stefan, herauszufinden. Der reiche Fabrikantensohn war kein unbeschriebenes Blatt. Er konnte die Finger nicht von den Fabriksarbeiterinnen und Haushaltshilfen lassen. Max findet heraus, dass eine dieser jungen Frauen durch einer Abtreibung gestorben ist. Steckt möglicher Weise hier der Grund des Mordes dahinter? Wer zieht Vorteile aus dem Tod des Fabrikssohnes? Max hat 14 Tage Zeit seinem Freund zu helfen, bevor er wieder zurück an die Front muss....
Max ist außerhalb seiner Kriegserlebnisse ein junger und noch unbedarfter Mann, der Krimis liebt und sich mit Feuereifer in die Nachforschungen stürzt. Er will die Unschuld seines Freundes Stefan bezeugen können und den wahren Täter überführen. Freundschaft und Loyalität wird in diesem Roman großgeschrieben.
"Melange ohne" ist jedoch kein wirklicher Krimi, sondern ein historischer Roman mit politischen Hintergrund zum Ende der Monarchie und Krimielementen. Zusätzlich zum Zeitgeist, dem Ende der Kaiserzeit und dem spürbaren Umschwang lebt der Roman vom Wiener Lokalkolorit. Eveline öffnet Max die Augen und zeigt ihm die Armenviertel von Wien. Kriegswitwen, Kriegszitterer und Waisen prägen das Straßenbild. Max und Eveline sind mitten drinnen, als die neue Republik ausgerufen wird. Die Mischung macht diesen Roman von Ursula Heinrich zu einem tollen Zeitzeugnis, den sie mit dem Kriminalfall, den Max zu lösen versucht, verbindet.
Der Schreibstil ist angenehm und liest sich sehr gut. Das eingefärbte Wienerische zu dieser Zeit bringt viel Lokalkolorit mit sich, ist aber nicht beherrschend. Die Charaktere sind bis hin zu den Nebenfiguren facettenreich und authentisch.
Mich hat die erste Hälfte der Geschichte richtiggehend an die Seiten gefesselt. Danach hatte ich einen kleinen Hänger und fand erst am Ende wieder so richtig ins Buch. Ich vergebe sehr gerne gute vier Sterne für diesen historischen Roman mit Krimitouch.
Fazit:
Ursula Heinrich erzählt mit "Melange ohne" eine faszinierende Zeitgeschichte, die den spürbaren Zerfall der Monarchie auferstehen lässt. Verwoben mit einer Kriminalgeschichte bekommt der Leser wunderbare Unterhaltung mit Lokalkolorit. - Beate Maxian
Mord im Hotel Sacher
(25)Aktuelle Rezension von: engineerwife
Mich fasziniert ja immer wieder, dass die Autorin Beate Maxian mich an all die schönen Orte in Wien mitnimmt, die mir so gut gefallen. Ich liebe es und muss deshalb immer wieder den nächsten und den nächsten und den nächsten Band in die Hand nehmen. „Mord im Hotel Sacher“ ist ja immerhin schon Teil neun der Reihe, mit allen Höhen und Tiefen.
Diesmal feiert Sarah, die als Journalistin beim Wiener Boten arbeitet, mit ihrer Familie ein Fest im berühmten Hotel Sacher, als ihr eine Frau auffällt, die sich irgendwie komisch benimmt. Ihr Gefühl trügt sie nicht, denn wenig später liegt diese tot auf der Damentoilette. Sarah wäre nicht Sarah, wenn sie nicht sofort einen neuen spannenden Fall wittern und anfangen würde Nachforschungen anzustellen. Die Tote entpuppt sich als Konditorin, die die schönsten, wenn auch oft etwas eigenwilligen Torten kreiert. Ihr Chef und Liebhaber rückt schnell ins Visier der Polizei, die sich schon am Ziel ihrer Ermittlungen glaubt. Doch so einfach ist das für Sarah nicht, sie gräbt tiefer …
Auch in diesem Teil kommen natürlich tief verwurzelter Aberglaube verbunden mit allerlei Rätseln nicht zu kurz und die Ermittlungen gemeinsam mit Kommissar Stein sind in Teilen durchaus spannend. Dennoch schafft es Beate Maxian diesmal nicht, den Spannungsbogen durchgehend aufrecht zu halten, so dass der Krimi ein wenig vor sich hinplätschert. Anstehende private Veränderungen lassen den Leser auf den nächsten Band fiebern und so kann man auch einen etwas ruhigeren Teil zwischendurch gut verkraften. Von mir gibt es diesmal drei von fünf Sternen verbunden mit beim Lesen gewonnenem Appetit auf ein Stück Sachertorte. Bei jedem Band dieser Reihe, den ich beende, sage ich mir, eine erneute Reise nach Wien ist wirklich überfällig!
- Christian Klinger
(G)LEICHENFEIER
(2)Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis(G)Leichenfeier ist der zweite Fall für den Detektiv Marco Martin aus Wien.
Bei einer unangekündigten Überprüfung einer Baustelle durch die „Einsatzgruppe gegen Sozialbetrug“ stürzt ein illegaler Bauarbeiter zu Tode. Niklas Felder, Chef der Einsatzgruppe gegen Sozialbetrug wird verdächtigt, den Arbeiter gestoßen zu haben. Anja Felder bittet Marco Martin Recherchen aufzunehmen. Obwohl dieser Auftrag seiner üblichen Klientel widerspricht, beginnt der Detektiv mit seinen Nachforschungen, denn Anja ist seine Schwester, mit der er vor längerer Zeit jeglichen Kontakt abgebrochen hat.
Gleichzeitig plagen Marco Martin noch andere Sorgen: Erstens sein Gesundheitszustand. Wegen seiner Vorliebe für gutes Essen und Trinken ziemlich übergewichtig, aber dafür kurzatmig, wird er von seinem Hausarzt auf Diät und Bewegung gesetzt. Zweitens: Martin hat sein Auto an einen jungen Mann verkauft, der blöderweise mit Falschgeld und einem ungedeckten Scheck bezahlt hat.
Noch während Martin mit seinen Vorermittlungen beschäftigt ist, werden weitere Männer aus der Baubranche brutal ermordet.
Da diese aus dem ehemaligen Jugoslawien kommen, ermittelt das zuständige Polizei-Team eher lauwarm. Man hält die Todesfälle für das Ergebnis bandeninterner Machtkämpfe. Doch nicht nur unter den ehemaligen Gastarbeitern gibt es Intrigen. Auch auf der Polizeiinspektion herrscht dicke Luft zwischen Gruppeninspektor Krasberger und seinem Vorgesetzten Grasmugg.
Wird Marco Martin die Unschuld seines Schwagers beweisen können?
Meine Meinung:
Christian Klinger hat mit Marco Martin einen Ermittler geschaffen, der zwiespältige Gefühle in mir auslöst. Einerseits muss ich über seine körperlich nicht berauschende Konstitution schmunzeln, andererseits ist mir sein schnöselige Gehabe ein wenig zuwider. Wieso schnöselig? Es scheint, dass Marco Martin sich für etwas Besseres hält, sich daher lieber in feinen Zwirn (hier eher feines Leinen) hüllt und sich eher mit der leicht snobistischen High-Society aus Döbling beschäftigen möchte. Zu seinem Leidwesen ist der aktuelle Fall genau das Gegenteil: Ehemalige Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien, miefige und ärmliche Wohnungen, Sicherheitsschuhe und Blauzeug sowie Dreck und Unrat wohin man schaut.
Marco stolpert eher in seinen Fällen herum, als klassische Spurensuche zu betreiben. Dazu passt dann der Vorfall im Bad sehr gut, als er ein Kind vor dem Ertrinken retten will und ihm dabei ein Bein bricht.
Gut gefällt mir, dass die Wiener Schauplätze so richtig originalgetreu beschrieben sind. Seien es die Tschocherln in der Favoritner Quellenstraße oder die alten Winzerhäuser, die nach und nach der Baulobby und deren Spitzhacken zum Opfer fallen. Wobei wir wieder beim Thema wären: Das ganze Leben ist eine Baustelle.
Herrlich wieder die Dialoge im breiten Wiener Dialekt und die Schilderung der Charaktere. Besonders amüsiert habe ich mich über Dr. Lichtenfels, seines Zeichens (Winkel)Advokat, der überall dort zu finden ist, wo Beziehungen und juristische Winkelzüge gefragt sind.
„Martin wurde bewusst, dass er eben ein juristische Privatissimum erhalten hatte, und zwar in jenem Fach, das auf keiner Uni gelehrt wurde, denn die Vorlesung ‚Wie lege ich täglich die Welt aufs Kreuz?‘ hatte noch keinen Eingang in den akademischen Lehrplan gefunden.“ (S.331)
Wieder hervorragend gelungen ist das Cover. Wie schon der Vorgänger „Winzertod“ (und auch Nachfolger „Bühnentod“ und „Blutschuld) ganz in weiß gehalten, bietet es dadurch einen perfekten Wiedererkennungswert. Der typische Arbeitshandschuh lässt gleich auf einen blutigen Inhalt schließen.
Die Dissonanzen zwischen dem Arbeiterbezirk Favoriten und dem Nobel-Bezirk Döbling sind perfekt herausgearbeitet, auch wenn sich der Autor vieler Klischees bedient. Immerhin, die kommen ja nicht aus heiterem Himmel.
Fazit:
Ich habe mich wieder gut unterhalten gefühlt. Wer gerne Krimis mit buntem Lokalkolorit und Wiener Dialekt lesen möchte, ist in dieser Reihe gut aufgehoben. Gerne gebe ich 5 Sterne. - Britta Hasler
Bilder des Bösen
(16)Aktuelle Rezension von: Angeliques_Leseecke*Inhalt*
Wien 1906, ein Serienmörder treibt in der Stadt sein Unwesen. Er tötet Prostituierte und hackt anschließend eine Hand ab. Leutnant Tscherba bittet die beiden Privatdetektive Rudolph Lischka und Julius Pawalet um Mithilfe. Kurze Zeit später wird Julius Pawalet dabei beobachtet, wie er einen neuen Tatort verlässt, er wird zum Hauptverdächtigen.
Parallel ermittelt die beiden in einem Fall von Erpressung. Eine Dame der Gesellschaft wird mit pikanten Bildern ihres Ehemanns erpresst.
Nach und nach decken die beide die dunklen Machenschaften der sogenannten gehobenen Gesellschaft auf. Dabei kommen sie dem Mörder gefährlich nahe…
*Meine Meinung*
"Bilder des Bösen" von Britta Hasler ist der Nachfolgeband zu "Das Sterben der Bilder". Die Kriminalfälle sind spannend und sehr interessant.
Mit ihren bildhaften und fesselnden Schreibstil schafft es die Autorin mich in die Geschichte hineinzuziehen. Und auch wenn mich die erotischen Szenen etwas stören, möchte ich wissen, wer der Mörder ist.
Nach und nach offenbart sich dem Leser die Moral und die Abgründe dieser Zeit. Die Polizei schaut bei der Prostitution und bei dem Mädchenhandel weg, hält vielleicht sogar die Hand auf. Der Blick in die menschlichen Abgründe ist der Autorin gut gelungen.
Die Charaktere sind facettenreich und entwickeln sich im Laufe des Buches.
*Fazit*
Ein gut recherchierter Krimi aus vergangener Zeit, spannend und mit einigen erotischen Szenen. Von mir gibt es 4 Sterne. - Edith Kneifl
Der Tod liebt die Oper
(4)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisIn seinem nunmehr vierten Fall begleiten wir Gustav von Karoly, den illegitimen Sohn des Grafen Batheny und Privatdetektiv, auf Mörderjagd nach Abazia (heute Opatija).
Was ist passiert?
In der von Gustav Mahler geleiteten Hofoper wird der italienische Tenor Salvatore Valentino auf offener Bühne ermordet. Stilgerecht wird er erdolcht, gibt man doch den „Othello“. Als wenig später die gefeierte Sängerin Maria Cerutti ebenfalls während der Vorstellung stirbt, ist Gustavs Freund, der Kriminalbeamte Rudi Kasper, in Bedrängnis. Seine Vorgesetzten und die Presse fordern eine schnelle Aufklärung. Antisemitische Äußerungen des Souffleurs, das umtriebige Liebesleben der beiden Mordopfer und allerlei Intrigen in der Hofoper machen es weder Rudi noch Gustav leicht. Und was hat seine Halbschwester Marie Luise mit dem Hauptverdächtigen Jakob Doma zu schaffen?
Wer ist das nächste Opfer? Als dann sowohl Marie Luise als auch Gustav überfallen werden, verfrachtet Graf Batheny die beiden nach Abazia, um sie aus der Schusslinie zu halten. Doch weit gefehlt! Beinahe das gesamte Ensemble trifft sich an der Oberen Adria.
Wird Gustav von Karoly den Mörder aufspüren?
Meine Meinung:
Wie schon in den drei Vorgängerbänden gelingt es der Autorin Edith Kneifl wunderbar, die Stimmung im Wien um die Jahrhundertwende darzustellen. Der latente Antisemitismus ist ebenso zu spüren wie die Dekadenz des auf den Abgrund zustrebenden Habsburgerreiches. Wir können Angehörigen des alten Adels, dem neuen (jüdischen) Bildungsbürgertum sowie einer Vielzahl von Künstlern begegnen. Wir begleiten Gustav und seine Familie zum Heurigen nach Neustift am Walde und besuchen mit ihnen die Hofoper.
Diesmal steht die (noch) unerhörte Liebe Gustavs zu Dorothea ein bisschen mehr im Mittelpunkt. Die Diskussionen Gustavs mit Rudi sind diesmal leider ein wenig im Hintergrund. Dafür erfahren wir, dass die Polizei sich der neumodischen Daktyloskopie bedient, um Verbrecher zu überführen.
Fazit:
Wieder ein atmosphärischer historischer Krimi aus der Feder von Edith Kneifl, dem ich gerne 5 Sterne gebe. - Günter Neuwirth
In der Hitze Wiens
(17)Aktuelle Rezension von: Holger_CastrianSpannend bis zur letzten Seite.
- Sabina Naber
Eine Melange für den Schah
(7)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisDer Kriminalbeamte Wilhelm Fodor und seine Kollegen Fischer und Lukaschek müssen sich mit einer Serie von Morden im studentischen Umfeld herumplagen. 5 Tote in nur 4 Tagen? Sind die Morde politisch motiviert oder doch eine private Fehde? Und wie passt dann der Mann mit dem grünen Schal, den einige Zeugen beschrieben haben ins Bild? Die Geheimdienste sind nervös, wir sind ja mitten im Kalten Krieg, in dem Wien so etwas wie die Informationsdrehscheibe ist. Immerhin steht der Besuch von Schah Reza Pahlavi und seiner Gemahlin Farah Diba ins Haus. Es gehen Gerüchte um Attentatspläne auf den Schah herum.
Schritt für Schritt, befragen die Beamten frierend (es ist ein saukalter Februar) Zeugen und treffen mehr als einmal auf eine Mauer des Schweigens. Und die, die reden, geben braunes Gewäsch à la „wir holen uns die Macht und das Öl“ von sich ....
Meine Meinung:
Dieser Krimi von Sabina Naber katapultiert mich in meine Kindheit von 1965 in Wien. Es ist fast unglaublich, dass die knapp 4,5km lange Prater-Hauptallee von Privatautos, von denen es allerdings recht wenig gab, befahren werden durfte. Kaum jemand hatte einen Fernseher, wenn ja, so konnte nur in schwarz/weiß empfangen werden und man teilte sich zu viert eine Telefonleitung. Das heißt, wenn ein Teilnehmer telefoniert, konnten es die drei anderen nicht. Daran, dass die Ermittler mit einem Puch 500 unterwegs gewesen sein sollen, kann ich mich nicht erinnern, an den legendären dunkelgrünen VW Käfer schon.
Bunte Kleidung sah man auf den Straßen wenig. Vieles war grau und braun - womit wir nun schon wieder fast mitten im Krimi wären. Nach wie vor ist nationalsozialistisches Gedankengut tief in den Köpfen der Menschen eingebrannt. Davon sind weder Polizisten noch Hochschulprofessoren oder altjüngferliche Damen ausgenommen. Es ist die Zeit eines Taras Borodajkewycz, der als Professor der Hochschule für Welthandel (heute WU Wien) antisemitische Tiraden von sich gibt, die dummerweise vom jungen Studenten Ferdinand Lacina, dem späteren Finanzminister, mitprotokolliert werden. Auch Heinz Fischer, der zweimalige Bundespräsident, kennt diese Hetzreden aus erster Hand.
Die Mörderjagd ist spannend und mühsam zugleich. Mehrfach werden die Leser an der Nase herumgeführt. Es dauert einige Zeit, bis ich den roten Faden zu fassen bekommen habe, um die geschickt eingefädelte Story zu entwirren.
Als Wienerin habe ich mich sofort heimisch gefühlt. Ich bin mit Fodor & Co. durch Wien gerast (Wobei, wie rast man mit einem Puch 500? Der hatte gerade einmal 15 PS.) und habe Kaffeehäuser wie das Prückl besucht.
Die Figuren sind allesamt sehr gut gezeichnet, sei es die Guten oder die Bösen. Auch Fodor & Co. haben alle so ihre Stärken und Schwächen. Der Ewiggestrige Fischer, der mit seiner Meinung nicht hinter den Berg halten kann, ist manchmal schwer auszuhalten, verkörpert aber einen bestimmt Typus. Herrlich sind auch die Dialoge, die im breiten Wiener Dialekt abgefasst, für manche Leser exotisch klingen.
Fazit:
Dieser Krimi mit Tiefgang hat mich bestens amüsiert. Die historischen Detail sind penibel recherchiert. Gerne gebe ich für diesen fesselnden Krimi 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
- Christine Grän
Glück in Wien
(4)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisSissy Wallner, eine reiche Witwe stirbt unerwartet. Nicht ganz so unerwartet ist die Hoffnung der Verwandtschaft bzw. des Lebenspartners auf ein üppiges Erbteil. Immerhin gibt es ein Zinshaus nächst der Wiener Staatsoper, Schmuck und einen namhaften Geldbetrag aufzuteilen. Die Überraschung bei der Testamentseröffnung für die gierige Verwandtschaft ist groß, dass der Löwenanteil des Erbes an Maria, die Haushälterin und an Elvis, einen Hundesitter geht.
Als dann Maria vor eine einfahrende U-Bahn fällt, muss deren Erbteil auf die anderen Erben aufgeteilt, weil sie die Erbserklärung noch nicht unterschrieben hat.
Chefinspektor Martin Glück ist nach dem handgreiflichen Eklat mit seinem Chef (siehe „Glück am Wörthersee“) in ein Abstellkammerl verbannt worden und langweilt sich zu Tode. Da kommen ihm die Zweifel an Marias Tod (Unfall/Selbstmord oder Mord) gerade recht. Gemeinsam mit seinem Kollegen Fassbinder beginnt er heimlich und dann auch offiziell zu ermitteln, denn auch Marias Sohn wird tot aufgefunden. Hängen die beiden Todesfälle mit dem Erbe oder mit den Aufzeichnungen der Haushälterin zusammen?
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist unterhaltsam, zeigt er doch die berechnende Gier so mancher Verwandten auf. Sissy Wallner wird von unterschiedlichen Verwandten und Freunden besucht, ja regelrecht hofiert, um ja im Erbfall gut „dazustehen“. Die alte Dame weiß allerdings genau, wie sie die sonntäglichen Besuche einzuordnen hat. Auch ihr Lebensgefährte, ein ehemaliger Adeliger, der sich nach wie vor mit dem in Österreich verbotenen „von“ im Namen schmückt, ist eher an Sissys Vermögen denn an Sissy selbst interessiert. Auch Romana aus Kärnten, die schon im Vorgängerband eine Rolle gespielt hat, ist um nichts besser. Sie ist eine notorische Spielerin und stets klamm. Ihr würde ein üppiger Geldbetrag auch gut gefallen.
Ob Sissys Tod ein natürlicher war oder nicht, ist nicht herauszufinden, da die Verstorbene recht schnell eingeäschert worden ist.
Die Charaktere sind gut gelungen. Allen voran Martin Glück, der nach dem rechten Haken für seinen Chef als „Springer“ eingeteilt ist und immer dort eingesetzt wird, wo gerade Not am Mann ist.
Freund und Kollege Fassbinder, der ob seiner Leibesfülle den Spitznamen „Fassl“ trägt, ist lethargisch. Das Einzige, was ihn aus seiner Antriebslosigkeit herausholen könnte, wäre eine Freundin. Doch bis es so weit ist, muss er sich mit üppigem Essen begnügen.
Eine kauzige Randfigur ist Lotte, Martins Mutter, die auf ihre alten Tage dem Leben als Hippie in einer WG frönt.
Der Krimi ist dem Autorinnenduo Grän und Mezei gut gelungen. So legen sie ihren unterschiedlichen Figuren die jeweils passende Sprache in den Mund. Junkie René spricht anders als der Hochstapler, der „parliert“ statt spricht. Solch Nuancen machen für mir ein gutes Buch aus.
Ein klein wenig mehr Tempo hätten die Ermittler vertragen. Es geht schon sehr gemütlich zu.
Ob sich Martin Glück mit diesem Fall wieder in der Gunst seines Chefs nach oben bewegen kann? Der nächste Band „Glück in Salzburg“ wird es zeigen.
Fazit:
Wer gerne unterhaltsame, eher ruhige Krimis liest, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
- Pierre Emme
Würstelmassaker
(17)Aktuelle Rezension von: twentytwoEin Serienmörder, der Einzelteile seiner Opfer im Grünen verteilt, eine tote Kommerzialrätin im noblen Seniorenstift und amtliches Kompetenzgerangel – im Wiener Bezirk Döbling geht es rund. Nur wenigen, unter ihnen der erprobte Polizeiberater Mario Palinski, gelingt es die Nerven zu behalten und sich ohne Profilierungsabsichten oder andere selbstsüchtige Hintergedanken mit der Aufklärung dieser sonderbaren Fälle zu befassen. Dass es dabei zu etlichen Kollateralschäden kommt, versteht sich von selbst und liegt in der Natur der Dinge. Doch dank entsprechender Nervennahrung relativiert sich so manches und gibt den Ermittlungen neuen Auftrieb. Als sich dann auch noch Kommissar Zufall einschaltet, scheint es nur noch eine Frage der Zeit bis der Mörder dingfest gemacht werden kann. Ganz so rund wie erhofft läuft es dann allerdings doch nicht und so manch einem wird es bis zum dramatischen Showdown noch ganz schön mulmig.
Fazit
Eine vergnüglich, unterhaltsame Kriminalposse, die es nicht versäumt mit kleinen Spitzen für eine gute Portion Systemkritik zu sorgen.























