Bücher mit dem Tag "wien"
839 Bücher
- Nino Haratischwili
Das achte Leben (Für Brilka)
(270)Aktuelle Rezension von: izzy_booksEin überwältigender Generationenroman, welcher Liebe, Verlust und die Narben der Geschichte in einer georgischen Großfamilie vereint. Nino Haratischwilli erzählt mit solch einer großen emotionalen Kraft und lässt hierbei ihre Figuren noch sehr lange nachhallen. Ein Buch, welches einen nicht nur berührt, sondern sehr tief trifft – und für mich schon jetzt für immer einer meiner größten Herzensbrecher bleibt.
- Ursula Poznanski
Layers
(681)Aktuelle Rezension von: MayaBEin weiterer spannender Thriller von Poznanski, der mich sehr schnell überzeugen konnte. Im letzten habe ich eine Weile kämpfen müssen, weil ich die Hauptfigur nicht wirklich mochte, hier war mir Dorian von Anfang an ziemlich sympathisch, und entsprechend habe ich mich wesentlich mehr für sein Leben interessiert.
Die ganze Aufmachung der Geschichte ist verdammt spannend und auch ein wenig düster, und das ein oder andere Mal (gerade am Anfang) lag ich eindeutig falsch damit, worum es ging (ich bin aber ganz glücklich damit, weil für einen Jugend-Thriller wäre das in meinen Augen vielleicht doch etwas sehr düster geworden). Vieles konnte ich gerade ab einem gewissen Punkt dann doch irgendwie vorhersehen, oder habe zumindest damit gerechnet, dass es in entsprechende Richtungen gehen würde, bin gleichzeitig aber auch der Meinung, dass das Buch ein wenig zu einfach in entsprechende Schlussfolgerungen hineingespielt hat.
Und das hat zwar für ein sehr spannendes Leseerlebnis gesorgt, gerade am Ende jetzt frage ich mich aber auch, inwiefern alles davon nun wirklich logisch war. Denn einige Dinge lassen zwar genau die Schlussfolgerungen zu, die Dorian auch macht, aber in Anbetracht der ganzen Auflösung ... weiß ich nicht, inwiefern ich die entsprechenden Handlungen noch abkaufen würde.
Auch recht schwach fand ich wieder die Romanze bzw. generell das zwischenmenschliche Verhältnis zwischen Dorian und Leuten. Also auch seine Mutter wird ein paar mal erwähnt, aber in meinen Augen recht spät und auch sehr spärlich dafür, wie wichtig sie ihm angeblich ist.
Zu lesen also wieder echt gut, und der Fall an sich auch verdammt spannend, ich sehe aber auch eindeutig ein paar Schwächen, und von allem, was ich bisher von Poznanski gelesen habe, befindet sich dieses Buch hier für mich eher im unteren Bereich. Dennoch nichts, was ich bereue gelesen zu haben, unterhalten hat das Buch mich eindeutig gut, auch mit den Schwächen! - Irvin D. Yalom
Und Nietzsche weinte
(418)Aktuelle Rezension von: irmakvakifliEs gibt Bücher, die man liest – und solche, die einen lesen. Und Nietzsche weinte gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Dieses Werk, das mir einst in einem kleinen Antiquariat empfohlen wurde, hat sich seither mühelos in mein Gedächtnis eingebrannt – und das seit Jahrzehnten.
Irvin D. Yalom, selbst renommierter Psychiater, entwirft eine fiktive Begegnung zwischen Dr. Josef Breuer, einem der Väter der modernen Psychotherapie, und dem großen Philosophen Friedrich Nietzsche. Die Bühne: Wien, Ende des 19. Jahrhunderts – jener Zeitpunkt, an dem Psychiatrie noch geboren wird und Philosophie noch das Leben erklären will. Und genau dort treffen sich zwei Geister, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch eine tiefe Verbindung eingehen.
Yalom gelingt es meisterhaft, komplexe Ideen über Seele, Wille, Freiheit, Leid und Heilung in einen erzählerischen Fluss zu bringen, der sowohl anspruchsvoll als auch zugänglich bleibt. Die Dialoge sind scharf, dicht, aber nie prätentiös. Wer Freude an tiefgründigen Gesprächen, existenziellen Fragen und menschlicher Komplexität hat, wird in diesem Buch einen wahren Schatz finden.
Es ist ein Roman über das Ringen mit sich selbst – über die Angst vor Nähe, die Lust an der Kontrolle, die Notwendigkeit der Veränderung. Breuer und Nietzsche therapieren sich gegenseitig – manchmal wissend, manchmal unbewusst. Diese Spiegelung ist nicht nur psychologisch brillant, sondern auch literarisch hoch elegant umgesetzt.
Die Atmosphäre des alten Wiens, die Schatten Freuds, die Entstehung eines neuen Verständnisses vom Menschen – all das verleiht dem Buch Tiefe und geschichtliche Verankerung, ohne dass es je trocken oder akademisch wird.
Für mich persönlich: ein Fünf-Sterne-Buch. Nicht nur wegen der klugen Konstruktion, sondern vor allem, weil es etwas tut, was nur wenige Romane können – es verändert den Leser. Nicht laut, nicht belehrend – sondern leise, nachhaltig und auf eine zutiefst menschliche Weise.
- Mona Kasten
Lonely Heart
(785)Aktuelle Rezension von: luisa2004Das Buch stand schon sehr lange in meinem Regal und ich bin sehr froh, es endlich gelesen zu haben! Es ist eine wunderschöne Geschichte über zwei empfindsame Protagonisten. Die erste Begegnung von Rosie und Adam lief alles andere als ideal für sie – aber gerade das hat es so spannend gemacht, die Entwicklung ihrer Beziehung mitzuerleben.
Stellenweise habe ich wirklich mit Rosie gelitten. Es hat unfassbar wehgetan, wie manche Menschen mit ihr umgegangen sind. Das alles hat das Buch sehr emotional gemacht. Ich hatte sofort Lust, Band zwei hinterher zu lesen, weil ich so von der Geschichte gefesselt war.
Der Schreibstil war angenehm und ich mochte auch die vielen Chatverläufe zwischen den beiden, da sie das Buch lockerer gestalteten.
Definitiv eine Empfehlung für alle, die emotionale Romance-Bücher mögen!
- Andreas Gruber
Todesfrist
(996)Aktuelle Rezension von: blue-jen'Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden herausfinden, warum ich diese Frau entführt habe, bleibt sie am Leben. Falls nicht – stirbt sie.' Mit dieser Botschaft beginnt das perverse Spiel eines Serienmörders. Er lässt seine Opfer verhungern, ertränkt sie in Tinte oder umhüllt sie bei lebendigem Leib mit Beton. Verzweifelt sucht die Münchner Kommissarin Sabine Nemez nach einer Erklärung, einem Motiv. Erst als sie einen niederländischen Kollegen hinzuzieht, entdecken sie zumindest ein Muster
Wie gewohnt ist der Schreibstil gut. Die Geschichte spielt aus der Sicht von mehreren Personen. Hauptsächlich aber aus der von Sabine Nemenz, eine junge Kommisarin. Diese wurde sehr gut dargestellt und ihr Verbindung zu Maartjen ist an manchen Stellen wirklich komisch, aber Sie harmonieren doch sehr gut. Der niederländische Kollege ist schon recht spleenmäßig unterwegs. Aber es passt.
Die Geschichte baut sich sehr gut auf, und man kommt dem Mörder immer näher. Nach knapp 2/3 weiß man jedoch wer es ist, das nimmt etwas die Spannung, auch wenn noch ein zwei Wendungen dazukommen.
Insgesamt ein super Reihenauftakt und ich bin auf die weiteren Teile gespannt
- Robert Seethaler
Der Trafikant
(522)Aktuelle Rezension von: tlowFranz Huchel wird von seiner Mutter mit 16 in die große Stadt Wien geschickt. Als Kind vom Land erlebt er ab der ersten Minute immer wieder neues und man begleitet ihn beim Erwachsenwerden. Seine Arbeit in der Trafik ermöglicht ihm den Kontakt zu Sigmund Freud, der ihn vom ersten Moment an fasziniert. Die beiden haben immer wieder Kontakt und Freud wird zum Ratgeber und Freund. Zudem begegnet ihm die erste Liebe. Als sich die politische Situation immer weiter zuspitzt muss Franz immer neue Entscheidungen treffen und es war wirklich eni spannendes Zusammenspiel aus Charakterentwicklung und historischem Hintergrund.
Ich habe die realistische Darstellung Wiens und der politischen Veränderungen sehr genoßen. Nichts wirkte geschönt oder verkürzt und man kann immer mal wieder weiter recherchieren, wenn die Zeit und die Ereignisse im Roman voran schreiten. Auch das ehrliche Porträt des alten Sigmund Freuds hat mir gut gefallen. Der Charakter wirkt greifbar und passt in seine Zeit, wobei einen manche seiner Weltanschauungen stutzen lassen und zum Nachdenken und Nachrecherchieren anregen.
Der Roman lässt sich aber auch ganz ohne weitere Recherche genießen. Franz wird im Laufe des Geschehens immer reifer, seine Erfahrungen verändern ihn und er zweifelt immer wieder, stellt Dinge in Frage und hinterfragt scheinbar gegebenes. Er ist mutig, steht für sich ein, trifft aber auch immer wieder auf Grenzen des Möglichen. Dadurch fühlt er sich nahbar an und man kann viele seiner Entscheidungen besser verstehen und mitfühlen.
- John Irving
Das Hotel New Hampshire
(747)Aktuelle Rezension von: ReadingWitchRezension "Das Hotel New Hampshire"
Zum Abitur schenkten mir meine Eltern nicht etwa ein Laptop oder gar ein Auto, wie es andere bekamen. Nein sie schenkten mir die Sammlung klassischer Literatur des 20sten Jahrhunderts zusammengestellt von der Redaktion der Süddeutschen Zeitung. Nun gut, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Es handelt sich dabei um 100 ausgewählte Romane der Weltliteratur. Hin und wieder hole ich eines davon aus dem Regal und beginne zu lesen.
So kam ich zum Roman "Das Hotel New Hampshire" von John Irving. Der Autor erzählt die Geschichte der Familie Berry, die etwa 1940 mit dem Kennenlernen der Protagonisten Mary und Winslow (Win) Berry beginnt und in den 1970er Jahren endet. Hauptthema ist dabei das Leben der fünf Kinder, Frank, Franny, John, Lilly und dem Jüngsten, Egg, im Schatten der Träume des Vaters. John nimmt die Rolle des Beobachters und Erzählers ein. Aus seiner Perspektive berichtet er zunächst über die erste Begegnung seiner Eltern während eines Ferienjobs im Hotel Arbuthnot im Sommer 1939. Eine Attraktion dieses Hotels ist der Bär State o` Maine, welcher dem österreichischen Juden Freud gehört. Freud macht diesen Bären Winslow Berry zum Geschenk und besteht darauf, dass die zwei Verliebten so schnell wie möglich heiraten. Mit den Auftritten des Bärs finanziert sich Winslow sein Studium und nach der Heirat bekommen er und Mary kurz nach einander ihre Kinder.
Wins Traum ist es ein eigenes Hotel zu führen. Die erste Chance bietet sich ihm, als die Schule an der er nach seinem Studium als Lehrer arbeitet, schließt. Dort eröffnet die Familie ihr erstes Hotel. Diesem werden noch einige weitere folgen. Dabei lässt Irving seine Charaktere vieles durchmachen. Franny fällt einer Gruppenvergewaltigung zum Opfer, bei Lilly wird Kleinwüchsigkeit festgestellt, Frank kämpft mit seiner Homosexualität und Win muss den Tod seiner Frau und seines Jüngsten verkraften.
Es ist eine nicht vorhersehbare Geschichte, in einen interessanten Sprachstil gehalten, in dem mitten im Plot Rückblenden verpackt werden, die nichts mit dem aktuell Erzählten zu tun haben, ohne dass es deplatziert wirkt. Für meinen Geschmack allerdings ist der Autor an manchen Stellen zu detailversessen und in seiner Ausdrucksweise zu vulgär und an anderen Stellen ist die Erzählweise einfach langweilig und langatmig.
Zu Beginn sind die Charaktere tiefgründig und vielschichtig gezeichnet, und ihre Entwicklung im Laufe der Handlung ist bemerkenswert. Doch nach kurzer Zeit überzeichnet der Autor seine Figuren und die Handlung enorm. Ihm gelingt es meisterhaft, die Dynamik und die Beziehungen innerhalb der Familie darzustellen, wobei er sowohl die humorvollen als auch die tragischen Aspekte des Familienlebens einfängt. Was allerdings auffällt, ist das Trauer und Schmerz in dieser Familie nie wirklich ausgesprochen werden. Einzelne Familienmitglieder überstehen folgenschwere Schicksalsschläge, scheinen aber keine nennenswerte psychische Belastung zu verspüren.
Die Handlung ist voller unerwarteter Wendungen und überraschender Ereignisse, aber ohne jegliche Spannung. Die Geschichte plätschert so dahin zwischen skurrilen Personen und absurden Situationen, ohne dass für den Leser ein richtiger Plot ersichtlich wäre. Irving kreiert eine einzigartige Atmosphäre, die sehr mitreißen hätte sein können, aber kurz bevor die Aufregung kommt, wird eine vollkommen verrückte Szene eingeschoben. Beim Humor gab es tatsächlich ein paar Höhepunkte, die mich zum lauten Auflachen brachten, aber diese Augenblicke sind zu selten. Viel auffälliger waren hier die ständigen Wiederholungen gewisser Sätze, wie: "Kummer schwimmt obenauf." und "Bleib weg von offenen Fenstern!".
"Das Hotel New Hampshire" war mein erster Roman von John Irving und nach dem Lesen habe ich mich gefragt, was ich im Text übersehen oder nicht begriffen hab. Den ganzen positiven Kritiken und Rezensionen kann ich mich mit meiner Einschätzung nicht anschließen. Dieser Autor hat einen eigenen unverkennbaren Schreibstil, mit dem er Szenen gut erfasst und anschließend mit ordinären Extremen zerreißt. In meiner Einschätzung kann ich mich nicht so recht entscheiden, ob in diesem Roman "dem amerikanischen Traum" gehuldigt werden soll oder ob es eine satirische Überzeichnung amerikanischer Vorstellungen ist. Schmerz und Verlust werden ignoriert und es wird weiter gemacht, bis man umfällt. Vielleicht war dieses Buch zum Einstieg in Irvings Welt unglücklich gewählt, aber von mir gibt es dafür keine Leseempfehlung.
https://www.readingwitch.com/post/das-hotel-new-hampshire
- Daniel Glattauer
Gut gegen Nordwind
(5.616)Aktuelle Rezension von: kristinaliestIch habe das ein oder andere Buch des Autors schon gelesen und wollte nun auch endlich dieses Buch hier lesen. Ich fand es spritzig und erfrischen, aber leider waren die E-Mails teilweise such sehr anstrengend zu lesen. Das Ende fand ich, salopp gesagt echt blöd und mocht es so gar nicht. Glaube die Verfilmung könnte ganz gut sein.
- John Irving
Garp und wie er die Welt sah
(799)Aktuelle Rezension von: Christian_FisJohn Irvings "Garp und wie er die Welt sah" ist literarisch ambitioniert und im historischen Kontext interessant, bietet komplexe Themen und originelle Figuren. Er ist zweifellos gut geschrieben und entfaltet seine Stärke vor allem dann, wenn die Handlung an Fahrt aufnimmt.
Garp bleibt jedoch der Nabel der Welt, während die Frauenfiguren vor allem dazu dienen, seine Entwicklung zu ermöglichen – ein altmodisches Rollenbild, das aus heutiger Sicht irritiert, da es völlig unreflektiert bleibt. Hätte Irving die Geschichte auf die Hälfte der Seiten konzentriert und die selbstgefälligen Metafiktionseinschübe samt ihrer Referenzen gestrichen, wäre der Roman deutlich prägnanter geworden. So leidet er unter erheblichen Längen. Ich habe mich stellenweise sehr gelangweilt.
- Andreas Gruber
Todesurteil
(662)Aktuelle Rezension von: witchqueenBibliographische Angaben
Titel: Todesurteil
Autor: Andreas Gruber
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: 16.02.2015
Taschenbuch, 575 Seiten
Zum Inhalt / Klappentext
Wenn eine falsche Spur direkt in den Abgrund führt …
In Wien verschwindet die zehnjährige Clara. Als sie ein Jahr später völlig verstört am nahen Waldrand wieder auftaucht, ist ihr gesamter Rücken mit Motiven aus Dantes „Inferno“ tätowiert – und sie spricht kein Wort. Indessen nimmt der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder an der Akademie des BKA mit seinen Studenten ungelöste Mordfälle durch. Seine beste Schülerin Sabine Nemez entdeckt einen Zusammenhang zwischen den Fällen – doch das Werk des raffinierten Killers ist noch lange nicht beendet. Und die Spur führt nach Wien …
Meine Meinung:
Wieder ein raffiniert ausgeklügelter Thriller aus der Feder von Andreas Gruber. Anfangs hat man es mit zwei völlig unterschiedlichen Handlungssträngen zu tun, die auf den ersten Blick so gar nichts miteinander zu tun haben. Unterschiedliche Handlungsort, unterschiedliche Fälle, unterschiedliche Charaktere. Zwei völlig voneinander losgelöste Geschichten. Nach und nach verstricken sich diese beiden Handlungsstränge immer mehr, bis es am Ende ein großes Ganzes ergibt.
Man wird schon auf den ersten Seiten regelrecht in dieses Buch hineingesogen und nicht mehr losgelassen. Beide Handlungsstränge sind äußerst spannend. Man wird immer wieder zum mitraten und mitermitteln animiert. Jedes Mal wenn man denkt: So könnten die Handlungen zusammenpassen … zack, kommt es anders. Wenn man dann langsam hinter die Zusammenhänge kommt, läuft es einem kalt den Rücken hinunter, wie absolut boshaft doch der Mensch sein kann.
„Todesurteil“ ist der 2. Band um den charismatischen Profiler Maarten S. Sneijder und seine Kollegin Sabine Nemez. Daher sind die Hauptcharaktere auch bekannt. Da das Buch aber in sich abgeschlossen ist, kann man es auch als Einzelband lesen. Vorkenntnisse aus dem 1. Band sind nicht (zwingend) erforderlich. Alle Handlungsorte und weiteren Charaktere sind bestens beschrieben. Man hat zu allem und jedem direkt ein Bild vor Augen. Das Kopfkino bekommt von der ersten Seite an reichlich zu tun. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Sehr flüssig und kommt zügig voran. Aufgeteilt in 69 Kapitel (plus Pro- und Epilog) kann dieses Buch auch bequem in mehreren Abschnitten gelesen werden. Wenn man es denn aus der Hand legen kann. Mir ist das nicht gelungen.Mein Fazit:
Ein Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Tolle Fortsetzung des 1. Bandes. Meine absolute Leseempfehlung mit 5. Sternen. - Daniel Kehlmann
Tyll
(315)Aktuelle Rezension von: Trishen77Romane können unseren Horizont sprengen und im besten Fall setzen sie ihn dann auch wieder neu zusammen, bis wir gebannt sind von der “anderen” Wirklichkeit. Die letzten beiden Romane von Daniel Kehlmann, “Ruhm” und “F”, schienen sich bedenklich weit ins Postmoderne und in die Eigenreflexion zu neigen und sich gleichzeitig mit Zeitgeist schmücken zu wollen. In “Tyll” hat er meiner Meinung nach wieder zu dem Modus zurückgefunden, der seine stärksten Romane (für mich “Beerholms Vorstellung”, “Mahlers Zeit” und “Die Vermessung der Welt”) auszeichnet: die nahtlose Verknüpfung von Wirklichkeit und Phantastik, in deren Grauzone die ganze Palette von menschlichem Fehl und Fatum anzutreffen ist.
“Tyll” ist ein Eulenspiegelroman, ein Schelmenstück, formal wie inhaltlich, aber zugleich ist das Buch auch ein Zeitdokument. Und doch wieder nicht. Das lässt sich schwer verifizieren und auseinander differenzieren. Zu gekonnt spielt Kehlmann mit Sein und Schein, mit Fakten und Phantasmen, mit brutaler Realität und irrealem doppeltem Boden.
Den Rahmen für das Buch bildet im Wesentlichen die Zeit des dreißigjährigen Krieges von 1618-1648, allgemein eine Zeit der Unruhen und Umwälzungen, des Übergangs, auch vom Spätmittelalter in die Moderne (großartig beleuchtet wird diese Umbruchszeit in Philipp Bloms [[ASIN:3446254587 Die Welt aus den Angeln: Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700]]).
Protagonist ist nicht nur Tyll, wichtige Figur ist auch Friedrich der V., Winterkönig von Böhmen und eine der unglücklichsten Gestalten der deutschen Geschichte, und seine Frau Elisabeth aus dem englisch-schottischen Hause Stuart, sowie Athanasius Kircher, eine schillernde Gelehrtenexistenz. Kehlmann schlüpft im Verlauf des Buches nicht nur in ihre Haut, sondern auch in die einiger Nebencharaktere, die den Krieg und die Zeit auf ihre Art erleben, wahrnehmen. “In die Haut” ist hier nicht nur eine rhetorische Floskel: Kehlmann entfaltet hier wieder einmal eines seiner bestechenden Talente, nämlich die authentische Intonierung der Geisteswelten, in denen sich seine Charaktere bewegen, in all ihrer Profanität und Eigenständigkeit. Ich habe schon oft gehört, dass diese Art des inneren Monologs, der detaillierten Sezierung, Leuten auf die Nerven geht, was ich wirklich nicht verstehen kann. Ich bin immer wieder fasziniert wie kompromisslos Kehlmann seine Figuren nicht nur typisiert, sondern ganz tief in ihren jeweiligen Horizonten verankert, ja, einkerkert, auch in Relation mit den Gegebenheiten, die sie umgeben, in denen sie leben müssen. Er unterwirft sie quasi vollends den Realien.
Und doch wieder nicht. Denn da ist natürlich immer mehr zwischen Himmel und Erde, als die Geschichtsbuchweisheit aufzeichnen kann; hinter der Geschichte liegen die Geschichten von unzähligen Individuen und durch sie lebt die Geschichte, aber an ihnen bricht sie auch auseinander. Das “mehr” ist nicht nur die artistische und teilweise magische Kunst des Tyll Eulenspiegel, sondern die allgemeine Unschärfe der Wirklichkeit, die Kehlmann immer wieder herausstreicht, dann wieder zerstreut, die aber nie ganz verschwindet. In dieser Unschärfe tritt nicht nur der Aberglaube, das Mystische und Mythische zutage, sondern auch die Ungeheuerlichkeit des menschlichen Geistes, der menschlichen Vorstellung: Was kann der Verstand ertragen, was kann er erdenken, wie sind Erinnerungen gebaut und erzählen wir uns nicht selbst immer Geschichten, wenn wir erinnern, gibt es Erinnerung denn überhaupt, gibt es nicht nur Narrative, die wir erdenken und über unser Leben legen? Und ist nicht Geschichte oder sogar Wirklichkeit ein Narrativ, das, ebenso erfunden, nur im größeren Stil, unser aller Erinnerung und Wahrnehmung bestimmt?
Diese Fragen tun sich auf, mitten in einem scheinbar historisch akkuraten Szenario, das auf der Mikro- und Makroebene ausgelotet wird. Und in all dem offenbart sich das Übergreifende, Unfassbare und entzieht sich gleichsam. Die Kunst der Fiktion: ein Spiel mit Möglichkeiten, die so schmerzlich nah an der Gewissheit, am Ausweg, an der Sehnsuchtserfüllung und -verdrängung liegen, dass daraus ein tiefer Spiegel wird, so tief, dass man das, was gespiegelt wird, fast nicht mehr erkennen kann.
Es gibt allerhand Gründe, Tyll zu lesen. Es ist, alle Metaphysik und Meta-Textualität beiseite lassend, auch ein recht unterhaltsames Buch, finde ich. Man muss an Kehlmanns profan-phantastischer Art der Darstellung und seiner schnörkelosen Erzählhaltung gefallen finden, sonst wird einem das Ganze ungenießbar und wenig reizvoll erscheinen. Ich plädiere aber dafür, sich genau auf dieses Ungenießbare einzulassen: denn obwohl sein Schreiben Fiktion durch und durch ist und sich nur in den entscheidenden Momenten vollkommen ernst nimmt (was dann umso deutlicher wird) – Kehlmann gelangt darin zu einer Erscheinung der Wirklichkeit, die die Profanität unseres Daseins eben nicht nur darstellt, sondern verkörpert. Das ist mitunter unbequem und unschön. Aber der Mantel der Seriosität, den die Menschen um die Historie, die Wissenschaft, die Vernunft, das Ideal, die Kunst und den guten Willen geworfen haben, er erweist sich oft als Verschleierung der darin liegenden Unseriosität. Das stellt Kehlmann immer wieder, augenzwinkernd, aber auch bezwingend, dar. Für mich: große Erzählkunst.
- Robert Menasse
Die Hauptstadt
(169)Aktuelle Rezension von: Eva_ReichmannVorweg: ich lese gern Menasse. Aber dieses Buch ist angenehm anders als die Menasse-Romane davor.
Eine Kommission der EU benötigt ein besseres Image - und natürlich geht es um die EU. Aber es geht noch um so Vieles mehr (Geschichte aus Europa - um es abzukürzen). Das wirklich großartige an dem Buch aber ist, dass es weder um politische Thesen noch Geschichtsbelehrung geht - sondern um die Geschichten der beteiligten Personen (die halt wegen Beruf oder persönlicher Beziehungen mit der EU-Kommission zu tun haben).
Gut gefallen hat mir die Idee, eine europäische Hauptstadt in Auschwitz einzurichten.
Als Menasse das Buch 2017 veröffentlichte, war es noch möglich von der "Langeweile des Friedens" als Glück und Segen zu sprechen - hätten mehr Politiker das Buch gelesen und ernst genommen, hätten wir diesen zustand heute noch.
- Tonio Schachinger
Echtzeitalter
(138)Aktuelle Rezension von: Trishen77Ich bin immer wieder verblüfft, dass Bücher, obwohl sie im Gegensatz zu anderen Medien keinen unserer Sinne direkt stimulieren, in der Lage sind, eine ganze Welt, ein Erleben wieder gegenwärtig/erfahrbar zu machen – und auch das Empfinden, das damit einherging (und -geht).
Ich habe Tonio Schachingers zweiten Roman innerhalb von zwei Tagen gelesen – und würde dennoch behaupten, dass es ein Buch ist, auf das man sich einlassen muss. Das klingt wie ein Widerspruch und ist vielleicht auch einer; aber dann einer, der für mich unterstreicht, wie gut das Buch ist.
Es erzählt die Geschichte eines Schülers (Till) an einem alteingesessenen Wiener Gymnasium und sein Erwachsenwerden im Kontext von Schikane, Verlieben, Ängsten, Wünschen, etc. (Pubertät, könnte man sagen) und Age of Empires 2. Aber es ist mehr als das. Nicht nur eine Coming-of-Age-Story, sondern auch eine gekonnt inszenierte education sentimentale.
Das zeigt sich schon im Stil, im Satzbau. Der wechselt zwischen einem gewöhnlichen Erzählduktus und einer differenzierten Ausformulierung, die auch schon mal zu verschachtelten, längeren Satzgebilden tendiert.
Das klingt mühsam, ist es aber nicht, weil diese unterschiedlichen Tempi und Intensitäten sehr gut die Gedanken- und Gefühlswelt von Till einfangen, sie in die jeweiligen Situationen und Zustände einbetten. So wird sie nahbar, eindrücklich, ruft vergleichbare Erinnerungen wach.
Man liest die Geschichte von Till und liest zugleich über Gefühle und Erlebnisse, die den Rahmen der Geschichte sprengen, so prägend ist das ihnen Zugrundeliegende. So grundlegend ist das Erleben, bevor es Erinnerung wird und doch wieder Erleben sein will.
"Echtzeitalter" ist beides, ein Buch der Gegenwart und ein Buch der Wehmut. Es erzählt von einer Zeit, von der man wenig begreift, während man sie durchlebt. Und die gerade deswegen etwas Echtes hat. Wenn es denn etwas Echtes gibt, ein wahres Leben im falschen. Ein Glück, das nicht nur eine Pause-Taste ist, sondern gespielt wird, wenn man Play drückt. - Robert Musil
Der Mann ohne Eigenschaften
(112)Aktuelle Rezension von: sarahsdepartmentMusil verliert sich immer wieder in endlose Innere Monologe seines Hauptcharakters. Insgesamt passiert wirklich wenig und trotzdem ist es schwer zu folgen. Ich musste abbrechen. Habe es bis zur Mitte des dritten Teils geschafft. Die Beziehung zur Schwester ist äußerst fragwürdig und es gibt keine sympathischen Charaktere. Dieser 1400 Wörter Wälzer erfordert viel Durchhaltevermögen. Kann ich trotz des Stempels "Weltliteratur" leider nicht empfehlen.
- Stefan Zweig
Die Welt von Gestern
(115)Aktuelle Rezension von: itwt69Das Leben des Autors und Künstlers von den späten 1880-ern bis 1939: Es ist kaum verwunderlich, dass sich Stefan Zweig nach diesem ereignisreichen und niederschmetternden Erfahrungen das Leben nahm, weil er es nicht mehr ertragen konnte, was in seiner Heimat verbrochen wurde. Ein ehrlicher und intimer Blick auf die Kunstszene der ersten 4 Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts liefert dieses Buche ebenso wie für mich neue Einblicke in die Psychologie der vom Krieg gebeutelten Menschen zwischen den Weltkriegen.
- Daniel Glattauer
In einem Zug
(302)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannDas ist durchaus doppeldeutig gemeint. Zum einen legt der Titel dieses Buch nahe, dass der ideale Ort für dessen Lektüre ein wohltemperierter, mit netten Fahrgästen und freundlichen Schaffner bestückter Zug (ein Bordbistro sollte nicht fehlen) ideal wäre. Und zum anderen ist es in der Tat möglich, dieses Buch in einem Zug, also unterbrechungslos zu lesen. Nicht, weil es so anspruchslos wäre, sondern weil man einfach durch Themenauswahl, Erzählstil und die beiden verbal messerschleifenden Protagonisten verzaubert wird. Man kommt einfach nicht umhin, öfter auch bei sich selbst anzuklopfen und seine eigene Geschichte danebenzustellen. Wer allerdings meint, es mal so nebenbei lesen zu können, irrt. Er wird vom Autor sanft an die Hand genommen, indem durch Wiederholungen und Introspektionen (also der Blick nach innen) eine größere Bandbreite offeriert wird als durch die Worte tatsächlich ausgedrückt wird. Es werden teils Fragen gestellt, die ganze Antwortlawinen lostreten.
Eine Frau „frühen, mittleren Alters“ (Psychotherapeutin) und ein seit Jahren in Schreibblockade verharrender, älterer Autor treffen eher zufällig im Zug von Wien nach München aufeinander und beginnen sich verbal zu beschnuppern. Dabei werden die unterschiedlichsten Themen bereist, im Vordergrund steht, wie könnte es anders sein, die Liebe. Und diese bekommt hier einen durchaus passenden Rahmen: „Was ist das Geheimnis einer guten Beziehung?“ Das „Drei-Leben-Model“ scheint eine passende Antwort: „‘Also. Unsere Beziehung besteht aus drei Lebensperspektiven aus einem Ich, einem Du und einem Wir.“ Und damit es nicht bei einem lockeren wie intelligenten Wortgeplänkel bleibt, werden unter anderem Einschübe („kurzer Einschub“) verwendet, die tiefergreifende Betrachtungen ermöglichen.
Insgesamt ist es ein heiter stimmendes Buch, mit einigem Tiefgang, abhängig von der Bereitschaft des Lesers sich dem Geschriebenen anzuvertrauen und dann einfach weiterzudenken, weiterzuerzählen. Die liebenswerten Protagonisten laden jedenfalls mit zum Teil glänzenden Dialogen dazu ein.
- Andreas Gruber
Todesmärchen
(594)Aktuelle Rezension von: zickzackIn Bern wird eine kunstvoll drapierte Leiche gefunden. Der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder und BKA-Kommissarin Sabine Nemez sollen offiziell im Team zusammenarbeiten. Aber der Mörder, der es nicht bei dieser einen Leiche belässt, scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Sein Markenzeichen ist ein eingeritztes, mysteriöses Symbol, dass Sabine auf eine vergangene Mordserie aufmerksam macht.
Währenddessen befindet sich die junge Psychologie Hannah in dem Gefängnis in Steinfels, wo abnormale Verbrecher festgehalten werden. Sie soll eine Therapiegruppe leiten, aber sie ist nur an einen Verbrecher interessiert – Piet van Loon. Diesen hat Sneijder vor fünf Jahren selbst hinter Gitter gebracht und es war wohl der Fall, der ihm das meiste Kopfzerbrechen gebracht hat.
Sabine Nemez agiert in diesem Band als vollwertige BKA-Kommissarin und das hat mir wesentlich besser gefallen, als im letzten Band. Da war sie noch in der Ausbildung in dieser Akademie. Das ganze Umfeld und wie das mit der Akademie beschrieben wurde, klang vollkommen unrealistisch. In einem Krimi/Thriller erwarte ich einfach, dass es weitestgehend realistisch wirkt. Das hat hier besser geklappt, wobei die Ermittler teils Entscheidungen getroffen haben, wo man einfach sich die Haare raufen muss.
Es dauerte eine Weile, bis man sich so richtig in dem Fall befand. Man hatte im Prinzip drei Erzählstränge. Sabine und Sneijder, die den Fall bearbeiten. Hannah auf Steinfels, die die Gefangenen kennenlernte und die teils sehr fragwürdigen Methoden dort. Und Einblicke in die fünfjährige Vergangenheit, als Sneijder auf der Jagd nach Piet van Loon war.
Gerade die ersten Kapitel fand ich sehr amüsant. Allein die Szene, als Sabine von BKA-Präsidenten Dietrich Hess erfahren hat, dass sie ab sofort mit Sneijder ein Team bildet. Für sie war das sicherlich alles andere als witzig, aber für mich als Leser schon. Auch die Szene, wie sich Hannah mit Gefängnisstellvertreterin Kempen rumgeärgert hat, war sehr unterhaltsam.
Später gab es dann nur noch kurz solche Szenen, besonders wenn Sneijder in seine grantige Art wechselte. Eine ist mir im Kopf geblieben. Kein Zitat, sondern als Gedächtnisprotokoll zu verstehen – Sneijder zu einer Stewardess, als er seinen Tomatensaft nicht so bekommen hat, wie er ihn sich vorgestellt hat: „Wissen Sie warum Gott Ihnen zwei Ohren und einen Mund gegeben hat? Damit sie doppelt so gut zuhören können und einmal so wenig reden […].“ Ich musste so lachen, als Sneijder die arme Stewardess so zusammengefaltet hat.
Ansonsten sind Sabine und Maarten von einem Tatort zum nächsten gehetzt, durch gesamt Deutschland, Niederlande, Österreich und die Schweiz (wo es ja angefangen hat). Es waren grausame Orte und dennoch kam Sabine relativ schnell eine Idee, was diese darstellen konnten. Das war schon erstaunlich. Maarten wollten sie natürlich erst einmal abweisen, nach dem Motto, was kann denn so eine junge Kommissarin schon wissen, obwohl er es dort selbst hätte besser wissen müssen.
Rasant und brutal war der Krimi, besonders als man dann in den Fall eingezogen wurde. Auch die Perspektive von Hannah, wo man sich psychologisch mit den Verbrechern auseinandergesetzt hat, war sehr interessant.
Wie schon in den Vorgängerbänden fand ich Maarten sehr anstrengend, während Sabine wiederum sehr sympathisch wirkt. Was mich nur wieder gestört hat, sind die Alleingänge und da haben sich dieses Mal beide nichts genommen. Es wurde hier eine persönliche Sache und dadurch hat man sich wohl auch stark von den Gefühlen leiten lassen, aber wenn man das so stark zulässt, dann muss man sich irgendwann eingestehen, dass es vielleicht nicht der richtige Job ist.
Durch Sneijders Art wurde es stellenweise zwar ziemlich witzig, aber es war auch immer wieder unnötig. Sabine weiß zum Glück inzwischen wie sie damit umgehen muss, wann es wichtig ist, ihm die Stirn zu bieten und wann man ihm einfach machen lässt.
Das Ende, was ich bei einigen Rezensenten als so überraschend gelesen habe, empfand ich jetzt nicht so. Es gab schon ein paar Wendungen, die ich so nicht habe kommen sehen, aber gerade das Ende... man kennt ja nun Sneijder durch diesen und die zwei Vorgänger. Da hat mich seine Reaktion nicht so überrascht.
Mich überrascht es viel mehr, dass es mit der Reihe weitergeht.
Fazit: Der Band hat mir sehr viel besser gefallen, als der Vorgänger. Einerseits weil er emotionaler und persönlicher war, weil er glaubwürdiger war und Sabine und Sneijder hier wirklich gut als Team zusammengearbeitet haben. Okay, gut ist relativ. Maarten als Partner ist eine schwierige Aufgabe, aber insgesamt hat es einfach gut zusammengepasst. Zudem war es unterhaltsam. Doch der ziemlich lange Einstieg, bis es richtig losging und die Alleingänge haben mir weniger gefallen. Bei dem Ende hätte man denken können, dass die Reihe zu Ende ist. 4 Sterne von mir.
- Juli Zeh
Adler und Engel
(275)Aktuelle Rezension von: ArmilleeMit abstrakter Kunst kann ich nix anfangen. Ich kann die Farben schön finden, auch die Formen und die Namen dafür, aber mir fehlt der Blick für das "große Ganze". Und mit diesem Werk von Juli Zeh geht es mir ganz genauso. Das Buch hatte wirklich seine Momente; humorvolle, abstoßende, verstörende, freundschaftliche, zärtliche u.v.m.. Aber was hatte das alles am Emde zu bedeuten ? So viele Abgründe, so viel Sinnloses. So viel Brutales.
Ich möchte nicht zu hart urteilen, denn schließlich habe ich ja nicht kapiert, obwohl ich mich mit Drogen + Materie, sowie dessen Auswirkungen gut auskenne. Dafür kann die Autorin nichts, dass ich nicht begreife.
Dennoch finde ich, dass man Bücher schreiben sollte, die die Menschen dann auch verarbeiten können. Oder die Laune machen, oder die interessant sind.
Und deshalb...weil das hier nicht geklappt hat...gibt es von mir auch nur 2 Sterne.
- Andreas Gruber
Todesmal
(380)Aktuelle Rezension von: Tanja_WueIch mag einfach die Art wie diese Bücher geschrieben sind und auch wie sich die Protagonisten entwickeln. Schön ist es auch zu sehen, dass noch weitere Personen dazu kommen und man diese nicht nur anhand der Name auseinander halten kann, sondern sie Personen greifen kann.
Absolute Empfehlung! Bitte unbedingt bei Band eins beginnen. Macht so am meisten Spaß.
- Andreas Gruber
Rachesommer
(508)Aktuelle Rezension von: stefan182Inhalt: Die junge Anwältin Evelyn Meyers hat es mit einem seltsamen Fall zu tun: Ein Mann hat die Absperrungen einer Baustelle überwunden, ist dort in einen Kanalschacht gekrochen, steckengeblieben und letztendlich ertrunken - weshalb seine Ehefrau nun Evelyns Klienten wegen Fahrlässigkeit verklagt hat. Während ihrer Recherchen stößt Evelyn überraschend auf ähnlich irritierende Todesfälle… In Leipzig wird Kommissar Walter Pulaski in eine psychiatrische Klinik gerufen. Eine Patientin soll Selbstmord begangen haben. Doch als Pulaski sich die Leiche näher anschaut, erkennt er Unstimmigkeiten…
Persönliche Meinung: “Rachesommer” ist ein Thriller von Andreas Gruber. Es handelt sich um den Auftakt der Quadrologie um Walter Pulaski und Evelyn Meyers. Erzählt wird die Handlung wechselweise aus den personalen Perspektiven der beiden Protagonisten. Während Meyers und Pulaski zunächst unabhängig voneinander ermitteln, finden sich, je weiter die Handlung voranschreitet, immer mehr Überschneidungen, ehe sie den Fall gemeinsam aufklären. Sowohl Meyers als auch Pulaski sind sehr dreidimensionale Protagonisten: Beide hatten keine leichte Vergangenheit. Beispielsweise ist Pulaski zu einem Zyniker geworden, nachdem seine Frau gestorben ist (die Vergangenheit von Meyers möchte ich hier nicht spoilern; da müsst ihr schon selbst lesen (subtiler Kaufhinweis Ende 🙃)). Trotz aller Ecken und Kanten haben beide Protagonisten das Herz am rechten Fleck und lassen sich nicht von Anderen von dem Gefühl, das “Richtige” tun zu wollen, abbringen. Die Handlung ist aufgrund der beiden (zunächst) getrennten Ermittlungen sehr abwechslungsreich und fesselnd: Mehrfach finden sich in beiden Ermittlungen Merkwürdigkeiten und Figuren, deren genaue Intention man bis zur Auflösung nicht wirklich einschätzen kann (Die Ermittlungen laufen dabei in einem schönen Tempo, sodass der Thriller trotz seiner 400 Seiten sehr kurzweilig ist!). Auch die Auflösung konnte mich überzeugen, da sie, obwohl man mit der Zeit ahnt, in welche Richtung es ungefähr geht, trotzdem einige Überraschungen bereithält. Der Schreibstil von Andreas Gruber ist anschaulich und sehr flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Rachesommer” ein fesselnder Reihenauftakt mit lebendigen Protagonisten.
- Haruki Murakami
Die Ermordung des Commendatore Band 2
(341)Aktuelle Rezension von: rkuehneDer zweigeteilte Roman "Die Ermordung des Commendatore" - ist ein typischer, klassischer Murakami. Die Geschichte um den Portraitmaler, der nach der plötzlichen Trennung von seiner Frau und einem Roadtrip im verlassen Haus eines früheren Malers einzieht und sich dort mystischen oder übernatürlichen Begegnungen stellen muss. Die Sprache Murakamis ist und bleibt wunderbar und eine wahre Lesefreude. Ich persönlich mag mehr die realistischen als die phantastischen Murakami -Romane, weshalb ich hier nicht volle Punktzahl geben kann. Außerdem fand ich die fixierung auf die Oberweite eines dreizehnjährigen Mädchens am Ende des Buches etwas befremdlich.
- Daniel Glattauer
Der Weihnachtshund
(321)Aktuelle Rezension von: Alexandra1102In „Der Weihnachtshund“ von Daniel Glattauer geht es um Kurt, einen Deutsch-Drahthaar und dessen Besitzer Max, der Kurt über die Weihnachtsfeiertage loswerden will. Deshalb trifft er auf Katrin, die bereit ist, Kurt zu nehmen um ihren Eltern zu entfliehen. Doch diese Bekanntschaft zwischen Max und Katrin entwickelt sich, bis ein gewisses Problem im Raum steht…
Ohne große Erwartungen habe ich mir dieses Buch gekauft und ich muss sagen, dass es mein Weihnachtshighlight war. Es hat genau meinen Humor getroffen. Ich werde dieses Buch nächstes Jahr sicher einige Male verschenken. Definitiv eine Empfehlung über die Weihnachtsfeiertage!
- Andreas Gruber
Racheherbst
(319)Aktuelle Rezension von: stefan182Inhalt: Durch Zufall wird die Leiche einer jungen Frau unterhalb einer Leipziger Brücke entdeckt. Zwar hat die Leipziger Polizei erste Anhaltspunkte, die in das lokale Drogenmilieu führen, doch die Spur verläuft schnell im Sande. Ein Umstand, den Walter Pulaski nicht hinnehmen will, sodass er in seiner Freizeit Ermittlungen anstellt. Schnell wird dabei klar: Pulaski jagt einem Serienmörder nach. In Wien übernimmt die mittlerweile in einer eigenen Kanzlei agierende Anwältin Evelyn Meyers einen neuen Fall - ohne zu wissen, dass dieser ihr Leben auf den Kopf stellen wird...
Persönliche Meinung: "Racheherbst" ist ein Thriller von Andreas Gruber. Es ist der zweite Band um die beiden Ermittlerfiguren Walter Pulaski und Evelyn Meyers. Da der Fall in sich abgeschlossen ist und auch die Figurenbeziehungen, wie sie sich im ersten Band entwickelt haben, skizziert werden, kann man "Racheherbst" auch ohne Kenntnis des Vorgängers lesen. Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Perspektiven: Neben Pulaski und Meyers finden sich u. a. die Perspektive von Mikaela, die auf eigene Faust ermittelnde Mutter des Opfers, sowie die Täterperspektive. Leider hat mich "Racheherbst" zwiegespalten zurückgelassen. Grandios ist der Schreibstil, der sich flüssig und anschaulich lesen lässt; die Handlungsorte - u. a. Leipzig, Wien und Prag - werden atmosphärisch in Szene gesetzt. Auch die anomale Vorgehensweise des Täters ist ein Pluspunkt, da ich sie bisher in der Form noch nicht gelesen habe. Zudem gibt es einige wirklich kaum erwartbare Wendungen, die immer mal wieder für Spannung sorgen. In diesen Wendungen liegt allerdings zugleich ein Wermutstropfen: Insbesondere eine Wendung - ich bleibe hier bewusst vage - hat drastische Konsequenzen für eine handelnde Figur, die aber leider nicht wirklich aufgearbeitet werden. Auch die Täteridentität ist nicht so überraschend wie von Gruber gewohnt (am Ende habe ich mich ein bisschen gefragt, warum ich auf diese Auflösung 500 Seiten gewartet habe). Stellenweise fand ich außerdem Mikaela, die ermittelnde Mutter des Opfers, anstregend: Sie greift mehrfach auf die Ermittlungsergebnisse Pulaskis zurück, der hier sympathischer und menschlicher erscheint als in "Rachesommer", lässt Pulaski dann aber häufig - wortwörtlich - sitzen und begeht Alleingänge, die nicht unbedingt förderlich sind. Unter dem Strich ist "Racheherbst" aber kein schlechter Thriller. Über weite Strecken hat er mich gut unterhaltend; dennoch kommt er für mich nicht ganz an den ersten Band der Reihe heran.
- Eva Menasse
Vienna
(60)Aktuelle Rezension von: YvetteHKurzrezension:
Das Buch war eine Empfehlung, die mich leider nicht fesseln konnte. Die Protagonisten bleiben gesichts- und namenlos und die Aneinanderreihung der Anekdoten ist oft zäh und waren mir zu sprunghaft.
Der Schreibstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig und konnte mich nicht fesseln.
Deshalb vergebe ich 3 Sterne.























