Bücher mit dem Tag "wirtschaftsgeschichte"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "wirtschaftsgeschichte" gekennzeichnet haben.

90 Bücher

  1. Cover des Buches Unsere wunderbaren Jahre (ISBN: 9783596522521)
    Peter Prange

    Unsere wunderbaren Jahre

     (72)
    Aktuelle Rezension von: Leseratte7

    Das Buch gibt sehr gute Einblicke in das Deutschland von 1948 bis in die 90er Jahre. Ein paar junge Leute werden auf ihrem Weg durch die Jahre begleitet und deren Wege kreuzen sich immer wieder. Durchaus realistische Lebenswege werden gezeichnet. 

    Man kann super eintauchen in diese Welt. Und gewinnt auch Erkenntnisse über diese Zeit.

    Ich fand das Buch total fesselnd und es hat mir sehr großen Spaß gemacht, es zu lesen. Ich war richtig traurig, als es zu Ende war.

    Die Verfilmung kann leider nicht mithalten, das Buch ist um ein Vielfaches besser.

  2. Cover des Buches Das Kapital im 21. Jahrhundert (ISBN: 9783406688652)
    Thomas Piketty

    Das Kapital im 21. Jahrhundert

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Der französische Wirtschaftler Thomas Piketty hat mit diesem knapp 1000 Seiten fassenden Werk eine mit einer fast erschlagenden Fülle von Belegen versehene Geschichte der Vermögensentwicklung seit dem 18. Jahrhundert vorgelegt. Der Ökonom umkreist die Frage von sozialer Gerechtigkeit bei der Akkumulation von Kapital. Anhand leicht verständlicher Beispiele und richtig gestreuten Wiederholungen analysiert Piketty verständlich den Kapitalismus über die Jahrhunderte hinweg.

    Erst ganz zum Schluss bringt der Autor seine eigenen Vorschläge ein. Hauptthese von Piketty ist den modernen Kapitalismus über eine progressive Kapitalsteuer an die demokratische Kette zu legen. Ob man am Ende gleicher Meinung ist oder nicht, so bleibt das Buch eine absolute Leseempfehlung für jeden der sich an das Thema Kapital bis jetzt noch nicht ran getraut hat!

  3. Cover des Buches Warum Nationen scheitern (ISBN: 9783100005465)
    Daron Acemoglu

    Warum Nationen scheitern

     (11)
    Noch keine Rezension vorhanden
  4. Cover des Buches Berthold Beitz (ISBN: 9783827008923)
    Joachim Käppner

    Berthold Beitz

     (15)
    Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzick
    Diese Biographie von Berthold Beitz ist ein publizistisches Meisterwerk. Denn sie nähert sich einem Mann, dessen Leben so reich, so vielfältig ist, dass es nur schwer zwischen zwei Buchdeckel zu pressen ist. Das Leben von Berthold Beitz ist ein Teil deutscher Zeitgeschichte. Einflussreicher Wirtschaftsboss an der Spitze des Krupp-Konzerns war er und hatte aber anders als die vielen heutigen Manager, die nur an ihr schnelles Geld und an die Rendite denken, immer das Gesamte im Blick. So war, wie Helmut Schmidt in einem Vorwort zu diesem Buch dankbar und mit Hochachtung hinweist, Berthold Beitz in den sechziger Jahren schon gegen viele Widerstände in seiner Zunft ein leidenschaftlicher Vorreiter und Kämpfer für eine neue Ostpolitik. Sehr oft hat Beitz in seinem Leben mutig und entschieden gehandelt, was ihn zeitweise zu einem einsamen Mann machte, der jedoch aus einer großen inneren Freiheit heraus sich nicht beirren ließ und seinem Weg vertraute. Sein Engagement hat vieler Entwicklungen befördert und er hat mit seinem Leben seinem Land gedient und sich um es verdient gemacht. Erst spät etwa wurde bekannt, dass er während des Krieges Hunderte von verfolgten Juden das Leben gerettet hat, wofür er in Israel als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt wurde. Man spürt beim Lesen, wie wichtig solche freien und unabhängigen Unternehmerpersönlichkeiten für unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg waren. Sehr lange allerdings hat ein gegen das Unternehmertum alten Stils gerichteter Zeitgeist die Würdigung solcher Persönlichkeiten erschwert. Dass das nun in diesem Jahr in mehreren Büchern geschieht, (vgl. auch: Berthold Leibinger, Wer wollte eine andere Zeit als diese, Murmann 2010) begrüße ich sehr.
  5. Cover des Buches Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen (ISBN: 9783864892639)
    Ulrike Herrmann

    Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen

     (8)
    Aktuelle Rezension von: kvel

    Inhalt, Text von der Umschlaginnenseite:
    Die Bundesrepublik wird jetzt 70 Jahre alt, und schon ihr Anfang ist sagenumwoben: Nach dem Zweiten Weltkrieg soll Westdeutschland angeblich ein einzigartiges „Wirtschaftswunder“ erlebt haben, das allein der Währungsunion zu verdanken sei. Wie in einem Märchen gibt es auch einen Helden: Ludwig Erhard. Selbst Grüne lassen sich inzwischen mit seinem Konterfei abbilden. Ganz alleine soll Erhard die neue D-Mark eingeführt und die „soziale Marktwirtschaft“ erfunden haben. In diesem Narrativ ist Erhard ein überragender Ökonom und Staatsmann, der Deutschland aus tiefster Not errettet hat. Nichts davon stimmt. Die deutsche Mark war keine westdeutsche Erfindung, sondern wurde von den Amerikanern durchgesetzt. Auch ein rein bundesdeutsches „Wirtschaftswunder“ gab es nicht – fast alle westeuropäischen Staaten wuchsen rasant. Besonders erfolgreich war übrigens Spanien. Die „soziale Marktwirtschaft“ war ebenfalls ein Märchen, denn die Bundesrepublik war nie besonders sozial, und eine „Wirtschaftsreform“ hatte auch nicht stattgefunden. Diese Legende sollte nur verbrämen, wie wenig sich seit der NS-Zeit ökonomisch verändert hatte: In den Großkonzernen dominierten weiterhin die alten Eliten.


    Meine Meinung:

    Ein sprachlich gut verständliches und sehr informatives Sachbuch.


    Es machte mich wütend zu lesen, mit welcher Unwissenheit Regierungschefs, Minister und die Deutsche Bundesbank Entscheidungen fällten und / oder wissentlich das Volk belogen haben.
    Nicht bewusst war mir bisher, wie viel Unterstützung Westdeutschland nach dem Krieg von Amerika erhalten hat.


    Textbeispiel:
    „Erhard hingegen konnte schon deswegen keinen Einfluss nehmen, weil er völlig uninformiert war, wie man auch in der Chemieindustrie ebenso amüsiert wie erfreut feststellte. Im September 1950 befasste sich Adenauers Kabinett mit dem Thema I.G.Farben, und ein Branchenlobbyist wusste anschließend zu berichten: 'Als der Kanzler zur Stellungnahme aufforderte, ergab es sich, dass der Minister (Erhard) keinen eigenen Plan hatte und auch keine Vorarbeiten für eine solche Meinungsbildung vorlagen.' Ein Vertreter der Chemieindustrie habe daher 'in seiner Gutmütigkeit … den gewünschten Bericht diktiert'.“ (S. 117)

    „Die Wirtschaft war kein Einzelfall. Auch in den meisten anderen Sphären der Gesellschaft rückten Ex-Nazis wieder ein und auf: ob in Wissenschaft, Verwaltung, Justiz oder in den Ministerien. Nur allzu sichtbar durften sie nicht sein … Gerade weil die personelle Kontinuität so groß war, musste dringend der Eindruck erzeugt werden, als hätte es eine Wirtschaftsreform gegeben und als hätte sich die Bundesrepublik in eine 'soziale Marktwirtschaft' transformiert. In Wahrheit gab es diese neuartige Marktwirtschaft nicht, sondern es dominierten die alten Konzerne und die alten Eliten.“ (S. 124)


    Fazit: Lesen!

  6. Cover des Buches Der Code des Kapitals: Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft (ISBN: 9783518587607)
  7. Cover des Buches Das Ende der Megamaschine (ISBN: 9783853713846)
    Fabian Scheidler

    Das Ende der Megamaschine

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  8. Cover des Buches Die Fabrikanten (ISBN: 9783257235463)
    Sibylle Mulot

    Die Fabrikanten

     (13)
    Aktuelle Rezension von: verena scott
    gute familiengeschichte, schön geschrieben
  9. Cover des Buches Die protestantische Ethik (ISBN: 9783866473690)
    Max Weber

    Die protestantische Ethik

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  10. Cover des Buches Wohlstand und Armut der Nationen. The Wealth and Poverty of Nations, dtsch. Ausgabe (ISBN: 9783886805259)
  11. Cover des Buches Caliban und die Hexe (ISBN: 9783854766704)
    Silvia Federici

    Caliban und die Hexe

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Catastrophia

    Wer sich mit materialistischem Feminismus, d.h. Feminismus, der Patriarchat und Misogynie in enger Verbindung mit dem Kapitalismus betrachtet,etwas auskennt, hat den Namen „Silvia Federici“ definitiv schon einmal gehört. Sie ist Feministin, Aktivistin, Wissenschaftlerin und eine spannende und wichtige Figur. Deshalb sollte man ihr bekanntestes Werk, „Caliban und die Hexe“, auch definitiv lesen- allerdings nicht unkritisch.

     „Caliban und die Hexe“ erschien im Original 2004 und basiert auf vorherigen Studien, die Federici schon in den 1980ern gemeinsam mit bspw. Lepopldina Fortunati durchgeführt hat. Im Buch postuliert Federici, dass die Entstehung des Kapitalismus untrennbar mit der Ausbeutung weiblicher und kolonisierter Körper verbunden ist. Mit dem Begriff der ursprünglichen Akkumulation bezieht sie sich auf Marx und kritisiert, dass er die Ausbeutung von Frauen kaum thematisiert, obwohl sie für die Entstehung des Kapitalismus und dessen Aufrechterhaltung zentral ist und deshalb auch nicht zufällig mit der Entstehung des Kapitalismus einherging.

    So weit, so gut. Der erste Teil des Buchs ist eine historische Aufarbeitung, von sozialen Bewegungen im Mittelalter und ihrem Kampf gegen Enteignung und Privatisierung, von der sich ändernden Rolle der Frau im Kontext ursprünglicher Akkumulation und sehr informativ. Besonders die Auseinandersetzung mit religiösen, von der Kirche als häretisch verurteilten sozialen Bewegungen, die nach mehr Rechten und Freiheiten strebten, fand ich sehr spannend. Federici verweist auf viele blinde Flecke und so ist zumindest der erste Teil des Buchs eine gute Möglichkeit, das eigene historische Wissen zu erweitern und vor allem auch die Rolle von Frauen in sozialen Bewegungen und Protesten in den Blick zu nehmen. Auch die Verbindungen, die sie zwischen Hexenverfolgungen und Kolonialisierung herausarbeitet, sind interessant.

    Bei all dem schwingt aber auch ein Aber mit. Federicis zentrale These ist, dass es sich bei den frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen um einen kapitalistisch logischen, massiven Angriff auf (aufständische) weibliche Körper handelt, um diese gefügig zu machen. Logisch dabei nicht nur, weil damit gleichzeitig tradierte, religiöse, spirituelle und magische Vorstellungen von der Welt ausgelöscht werden konnten, die der kapitalistischen Verwertungslogik im Weg standen, sondern auch, weil die Hexenprozesse eine Konsequenz einer Entwicklung seien, wonach der Körper mehr und mehr auf seine Rolle als Arbeits- und Reproduktionswerkzeug reduziert und damit eines intrinsischen Werts beraubt wurde. Die Hexenverfolgungen seien dabei insbesondere ein Angriff auf Frauen gewesen, die sich nicht gebeugt hätten, die alt und damit für die Reproduktion unbrauchbar geworden waren, die durch den Ausschluss von Erwerbsmöglichkeiten verarmt waren, die durch die Privatisierung und Enteignung nicht mehr in einer Dorfgemeinschaft oder Familie aufgefangen wurden, sondern Ballast wurden. Die späteren Anschuldigungen armer Frauen als Hexen durch ihre Nachbar*innen also auch ein Resultat der mit der Enteignung und Privatisierung einhergehenden Individualisierung, ein Klassenkampf auf nicht mehr solidarisch zu verstehender Dorfebene, quasi. Und im Zuge der Kolonialisierung ein gern genutztes Machtmittel, um Dorfgemeinschaften in Übersee zu zerstören und magische Vorstellungen auszulöschen. 

    Das ist spannend, bedenkenswert und mit Sicherheit sind einige Elemente auch nicht von der Hand zu weisen. Allerdings ist es m.E. zu monokausal. Während Federici kritisiert, das misogyne und kapitalistische Gründe für die Hexenverfolgung bisher ausgeblendet wurden, tut sie nun das gleiche umgekehrt, indem sie die gesamte Hexenverfolgung nahezu ausschließlich über die Entstehung des Kapitalismus erklärt. Das führt meiner Meinung nach zu einer historisch unsauberen Relativierung des religiösen Anteils, des universalistischen Anspruchs auf kirchliche Allmacht als Gottes Stellvertreter*in auf Erden, weshalb religiöse Abweichler*innen zu bestrafen seien undsoweiterundsofort. Auch die in den Hexenprozessen verstärkte Dichotomie von guter, sich unterordnender Frau und aufrührerischer Alter, Prostituierter o.ä. ist an sich nicht neu und spiegelt sich bereits in religiösen Vorstellungen wie der Dichotomie von Heiliger vs. Hure. Die religiöse Komponente derart auszublenden, verkürzt die Thematik. Deshalb ist es m.E auch kein Zufall, dass strukturelle Ähnlichkeiten von Antijudaismus und Hexenverfolgung mehr oder weniger in einer Fußnote abgehandelt werden, obwohl auch diese klar religiös begründete Ursachen haben – dass das Gruselbild des Hexentreffens als „Hexensabbat“ direkte Bezüge auf den jüdischen Ruhetag legt, ist dabei nur eins von vielen Elementen. Natürlich handelt es sich bei dem Buch um ein feministisches und dementsprechend verstehe ich den Schwerpunkt, aber trotzdem fehlt mir hier eine Kontextualisierung . Dass Federici dann so nebenbei die Shoah relativiert, indem sie die Kolonialzeit rein zahlenmäßig mit dieser aufrechnet, letztere ebenfalls als Holocaust bezeichnet und damit sämtliche Spezifika des Holocaust ignoriert, ist dann noch das i-Tüpfelchen.

    Ich hatte das Gefühl, dass Federici teilweise dem Rückschaufehler unterliegt und mehr Absichten und Kausalitäten erkennt, als sich historisch ableiten lassen, vielleicht auch, weil sie sich auch auf mittlerweile teils überholte Forschung der 1980er bezieht und durch den Fokus auf die misogyne Komponente andere Elemente ausblendet. Außerdem produziert sie durch das Monokausale auch wieder eigene Leerstellen. Leider reicht mein eigenes historisches Wissen hierzu nicht aus und daher kann ich das Folgende nicht belegen, aber ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass gerade auch psychisch erkrankte oder geistig behinderte Frauen den Hexenverfolgungen zum Opfer fielen, weil man ihre Krankheiten nicht einordnen konnte – was natürlich die Gräueltaten nicht im Ansatz relativieren soll, aber wenn ich das entsprechend noch richtig im Kopf habe, wäre damit eine weitere Intention der Hexenverbrennungen benannt, die Federici auslässt. Hinzu kommt dann noch, dass zwar der allergrößte Teil der Verbrannten Frauen waren, die Verfolgung aber durchaus auch Männer betraf (auch hier würde es mich noch mehr interessieren, wie es mit gegen Geschlechterrollen verstoßenden Personen aussah). Hier müsste Federici zumindest etwas mehr ausführen, warum diese Männer dann verbrannt wurden (Entmännlichung? Mitgehangen,mitgefangen wenn ihre Verwandten getötet wurden? Davon unabhängige Bestrafung?), um ihre These der Hexenverfolgung als kapitalistisches und misogynes Unterfangen aufrechterhalten zu können. 

    Das heißt nicht, dass ich ihr Buch nicht für lesenswert halte. Federici ist und bleibt für materialistischen Feminismus wichtig und das Buch ist nicht zu Unrecht ein feministischer Klassiker, aber dass sie in manchen feministischen Kreisen unkritisch abgefeiert wird, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wie bei vielen wichtigen Büchern gilt, dass sie nicht ohne kritische Reflexion und Einordnung gelesen werden sollten. 

  12. Cover des Buches Deutsche Geschichte (ISBN: 9783865399281)
    Günter Naumann

    Deutsche Geschichte

     (4)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Schulden (ISBN: 9783608985108)
    David Graeber

    Schulden

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Lesefreund6203
    Sklaverei durch Schulden Breit diskutiert wurde und wird Graebers „Kulturgeschichte des Kapitalismus“. Eine „Kulturgeschichte“, die im Gesamten eines verdeutlicht, egal wie krude manche Argumente des Autors auch sein mögen und wie wenig an echter Alternative Graeber im Buch entwickelt. Geld regiert die Welt (fast) von Beginn an. Vor allem über das System der Kredite. Ob man dieses als Chance und einzige Möglichkeit „vernünftigen“ Wirtschaftens betrachtet oder, wie Graeber, als zeitloses Mittel der „Versklavung“, das muss dann der Leser selbst entscheiden, zu welcher Sichtweise er sich positioniert. Den Fakt der zentralen Wertigkeit des Kreditwesens mitsamt seiner vielfachen Folgen stellt David Graeber überzeugend argumentiert und historisch verankert eindrucksvoll im Buch klar. Nicht umsonst sind ja gerade in der gegenwärtigen Situation „Schulden“ zum zentralen Thema des politischen Handelns geworden. Ein Thema, welches Graber sprachgewandt bis in die Anfänge menschlichen Miteinanders zurückführt, auf die Entwicklung der Möglichkeit, Schulden quantifizierbar zu machen. Quantifizierbar aber werden Schulden erst durch die Einführung des Geldes. Geld und Schulden tauchen gleichzeitig und unabdingbar miteinander verknüpft auf der Bühne des öffentlichen Lebens auf. Dies ist schon auf uralten Lehmtafeln aus Mesepotamien nachzulesen. Eine Argumentation, in deren Verlauf Graeber die „Standardversion“ der Wirtschaftsgeschichte vom „ausgeglichenen Tauschhandel“ schnell entzaubert und auf die bestimmende Kraft der Kredite verweist. Menschen hatten seit Erfindung des Geldes zu allen Zeiten vielfach „Schulden“ bei anderen Menschen, Schulden, die von Beginn an Freiheiten einschränkten und diese im Verlauf der Geschichte bis in die Gegenwart hinein in potenzierendem Maße immer weiter einschränkten. Aus diesem Gedanken der Freiheit und der Sklaverei entfaltet Graeber im Verlauf der Argumentation seine grundlegende These. Dass nämlich der (auch moralische) Kernsatz, alles an Schulden immer zurückzahlen zu müssen, ebenso wie der wirtschaftliche Druck der Kreditgeber zur Rückzahlung, eben kein „Naturgesetz“ ist, sondern durchaus und einfach durchbrochen werden sollte. Ein dennoch „eingeimpftes“ Gesetz, dass von den Kreditgebern (den „Reichen“, dem „1 Prozent“) im Lauf der Geschichte mit Krieg und Gewalt geschrieben wurde. Ein System des Geldes, das von Beginn an auf Kredite und damit auf Herrschaft über die große Masse der „Schuldner“ aufgebaut war. Gerade dieser geschichtliche Teil aus anthropologischer Sicht liest sich flüssig, überzeugend und deckt sich auch mit den Erfahrungen nicht nur der letzten Jahre über den Druck, den der einzelne, mittlerweile aber auch ganze Staaten durch ihre „Schulden“ erfahren. Bedauerlicherweise bietet Graeber außer dieser Analyse keine strukturierte Synthese, kein Programm, keine ernstzunehmenden programmatischen Ideen, wie es denn nun wirklich anders ginge. Dies, neben so manchen dunklen Verschwörungsideen über die Ursachen der aktuellen Finanzkrise, schmälert zwar nicht den Ertrag der anthropologischen Analyse, wohl aber die Möglichkeiten, mit den Erkenntnissen Graebers im Buch selbst konstruktive Schritte herauszuarbeiten. So verbleibt eine interessante, fundierte, durchaus erhellende Darstellung der „Geld- und Kreditgeschichte“, die überaus lesenswert und mit kritischen Aspekten gegen „Standardlesarten zur Funktion des Geldes“ im Buch vorliegt, ohne aber gewichtige, konstruktive Möglichkeiten zur Überwindung des offenkundigen Problems der Akkumulation des Kapitals und der damit einhergehenden „Versklavung“ von „99 Prozent“ an zu bieten. Diese konstruktive Leistung muss somit noch von anderer Seite her erbracht werden. Graeber bietet hierzu zumindest eine grundlegende und bedenkenswerte Analyse an.
  14. Cover des Buches Wer regiert die Welt? (ISBN: 9783593384061)
    Ian Morris

    Wer regiert die Welt?

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Dr_M
    Einige behaupten, dass bereits im alten Griechenland die Voraussetzungen für die westliche Vorherrschaft geschaffen wurden. War also alles gewissermaßen von Anfang an determiniert? Oder entstanden diese Machtverhältnisse, wie andere meinen, als Produkt kurzzeitig wirkender Zufälle, die den Westen an einer bestimmten, aber entscheidenden Stelle der Entwicklung bevorteilt haben? Ian Morris verneint gleich zu Beginn seines umfangreichen Werkes diese beiden gängigen Theorien und kündigt dann eine völlig andere Erklärung an.

    Doch dazu müssen wir ihn in diesem Buch auf seinem Weg durch die menschliche Geschichte begleiten. Im ersten Kapitel beginnt diese Reise mit der Untersuchung der Wanderbewegung des Homo sapiens aus Afrika nach Europa und Asien. Da dies fast gleichzeitig geschah, sind rassische Gründe aus der Urzeit nicht verantwortlich für den Vorteil des Westens. Um 17000 v.u.Z. schmolzen in nur zwei oder drei Jahrhunderten die Gletscher auf der Nordhalbkugel. Als Folge dieser Erderwärmung kam es im sogenannten Fruchtbaren Halbmond vom heutigen Israel über die Türkei in den Iran und fast bis zum Persischen Golf zur frühzeitigen Entstehung und Kultivierung von Ackerbau und Viehzucht, was den Westen in Führung gehen ließ. Das ist der Inhalt des zweiten Kapitels.

    Das dritte Kapitel spielt eine zentrale Rolle im Buch, denn hier erklärt der Autor seine Methode, die gesellschaftliche Entwicklung zu messen. Dazu bastelt er sich einen Index aus vier Merkmalen: der Energieausbeute, der Organisationsfähigkeit (in Form des Verstädterungsgrades), der Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten und der Fähigkeit, Kriege zu führen. Nachdem geklärt ist, was zu messen ist, wird im Folgenden beschrieben, wie diese Messungen konkret durchgeführt werden. Darauf und auf kritische Punkte dabei näher einzugehen, würde leider den Rahmen dieser Rezension sprengen. Allerdings liegen einige Probleme auf der Hand, denn wir besitzen einfach nicht zu jeder Zeit und für jeden Ort der Vergangenheit die entsprechenden Daten. Klar ist dagegen sofort, dass die Kurve an ihrem Ende explosionsartig ansteigen muss.

    Von nun an arbeitet der Autor mit seinen Messkurven und präsentiert sie im vierten Kapitel für die Zeit von 14000 bis 5000 vor Christus. Dann wendet er sich der Zeit von 5000 bis 1000 vor unserer Zeit zu, in der der Osten ein wenig aufholte. Jedes Kapitel berichtet im angenehmen Erzählstil über die wesentlichen Ereignisse der Weltgeschichte im betrachteten Zeitraum, die für die damals faktisch nicht vorhandene Konkurrenz von Osten und Westen von Bedeutung waren. Obwohl der Text sehr gut geschrieben ist, kann er wegen der ungeheuren Faktenfülle gelegentlich etwas anstrengend werden.

    Von 1000 bis 100 vor Christus verlaufen die beiden Messkurven parallel. In dieser Zeit entstanden die heutigen großen Weltreligionen, und die Gesellschaften entwickelten sich von der Low-End-Organisation zur High-End-Organisation, was nichts anderes bedeutet als die Erfindung des Beamtenstaates. Das erklärt Morris im fünften Kapitel. Hier und schon im vorangegangen Kapitel macht der Autor deutlich, warum die Theorie des langfristigen Determinismus als Erklärungsmodell für die westliche Überlegenheit scheitern muss. Er nennt den Grund "Paradox der gesellschaftlichen Entwicklung". Eine gesellschaftliche Entwicklung, meint Morris, bringt immer auch genau die Kräfte hervor, die sie schließlich untergraben.

    Im sechsten Kapitel beschreibt er die Zeit von 100 vor bis 500 nach Christus, in der sowohl im Osten wie im Westen die Großreiche zerfielen. Von dieser Dauerkrise erholte sich der Osten anschließend viel schneller und ging, wenn man dem Index des Autors Glauben schenkt, erstmals in der gesellschaftlichen Entwicklung am Westen vorbei. Doch obwohl man damals in China mit Kohle etwas anfangen konnte und die Eisenherstellung aufblühte, kam es nicht zu einer industriellen Entwicklung wie mehrere hundert Jahre später in Europa. Und selbst wenn es die Chinesen, wie einige behaupten, in dieser Zeit bis nach Amerika geschafft hatten, so eroberten sie es nicht. Das wird sich später als ein schwerer Nachteil erweisen.

    Inzwischen jedoch hatte es überlegene chinesische Technologie bis nach Europa geschafft, und die Europäer nutzen das, was Morris den Vorteil der Rückständigkeit nennt. Sie holten in der gesellschaftlichen Entwicklung wieder auf (9. Kapitel) und begannen mit der Erfindung der Dampfmaschine das Zeitalter der westlichen Dominanz, das bis heute anhält. Dem Entwicklungssprung durch die industrielle Revolution in Europa (10. Kapitel) hatten die Asiaten zunächst nichts entgegenzusetzen.

    Morris macht in letzter Instanz vor allem geografische Gründe für die Tatsache verantwortlich, dass diese industrielle Revolution im 18. Jahrhundert vom Norden Europas ausging und nicht 600 Jahre früher in China begann. Darüber und auch über einige seiner Interpretationen historischer Vorgänge kann man durchaus geteilter Meinung sein. Wenn man nämlich seine Darlegungen in den einzelnen Kapiteln aufmerksam liest, dann argumentiert er dort manchmal auch anders, zum Beispiel indem er sozio-kulturelle Aspekte ins Spiel bringt oder gelegentlich auch die innere Haltung von Völkern berücksichtigt.

    Trennt man sich einmal von der konstruierten Ost-West-Betrachtungsweise und stellt dann die Frage, warum in Europa heute die nördlichen Länder den Ton angeben, obwohl sie erst in der jüngeren Geschichte Europas eine Rolle zu spielen begannen, dann versagen die geografischen Argumente von Morris, die er im 11. Kapitel noch einmal für seine Ost-West-Frage zusammenfasst, sofort, denn Europas geografische Vorteile liegen ganz eindeutig im Süden.

    Das letzte Kapitel verdirbt den guten Eindruck des Buches dann etwas, denn hier lässt sich der Autor auf viele recht fragwürdige Spekulationen ein. Ganz nebenbei kommt dabei auch sein Hang zu ausladenden Betrachtungen sehr deutlich zum Vorschein, der das Buch künstlich aufgebläht hat. Hätte sich der Autor etwas konzentrierter seiner zentralen Frage gewidmet und sie als wirklichen roten Faden benutzt, dann wäre das Buch deutlich weniger umfangreich geworden.

    Obwohl der Text nach einem riesigen Anlauf einen relativ kurzen und fragwürdigen Sprung zustande bringt, hat es doch den unschätzbaren Vorteil, dass es die wesentlichen Ereignisse der Menschheitsgeschichte auf ungefähr 600 Seiten zusammenfasst, ohne irgendwann langweilig zu werden.

    Im Anhang erklärt Morris noch einmal seinen Index der gesellschaftlichen Entwicklung und bringt Zahlen und Berechnungsmethoden, die in den jeweiligen Kapiteln ausgespart blieben.

    Fazit.
    Ein sehr interessantes Buch, das die Menschheitsgeschichte unter dem Blickwinkel der Entwicklung in Asien und Europa (sowie später Nordamerika) betrachtet. Der Autor untersucht, warum Gesellschaften aufsteigen und fallen. Obwohl man über seine Antwort auf die eingangs gestellte Frage geteilter Meinung sein kann, bietet das Buch einen einzigartigen und sehr gut lesbaren Überblick über die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft in Ost und West.
  15. Cover des Buches Bekenntnisse eines Economic Hit Man (ISBN: 9783442154241)
    John Perkins

    Bekenntnisse eines Economic Hit Man

     (11)
    Noch keine Rezension vorhanden
  16. Cover des Buches Maritime Archaeology and Ancient Trade in the Mediterranean (ISBN: 9781905905171)
  17. Cover des Buches The Ancient Economy (ISBN: 9780520219465)
    M.I. Finley

    The Ancient Economy

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Bosse im alten Europa: Business und Abenteuer von der Antike bis zur Renaissance (ISBN: 9781514132425)
  19. Cover des Buches Die berufliche Spezialisierung in Handel und Handwerk (ISBN: 9783867572521)
  20. Cover des Buches The Company (ISBN: 0812972872)
    John Micklethwait

    The Company

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Bill Gates (ISBN: 9783453089570)
    Bernhard Günter

    Bill Gates

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    The Gates of hell: Günter hat ein erleuchtendes Buch über Bill Gates, eines Genies der heitigen Zeit, geschrieben, und betont dessen Fertigkeiten sowohl im technischen wie auch im marketingmäßigen Bereich, eines unermüdlichen Schöpfers und Erfinders, der durchaus auch seine negativen Seiten hat wie Tobsuchtsanfälle und die Fähigkeite, Geschäftspartner über den Tisch zu ziehen. Seine Anfänge im zukunftsorietierten Seattle werden beschrieben, genauso wie die entscheidenden Wegmarken auf dem Weg zum Weltunternehmen, aber ich hätte mich doch über mehr technische Details gefreut, und dem Buch täte auch eine Neuauflage gut, die ebenfalls sehr interessant ausfallen dürfte.
  22. Cover des Buches Seefahrt und Zivilisation (ISBN: 9783936384857)
    Philip de Souza

    Seefahrt und Zivilisation

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Nemo
    Ein Buch, das interessante Einsichten enthält, klar, ja elegant geschrieben ist und auf wissenschaftlich fundierten Grundlagen aufbaut. Mit dem Titel ist der Inhalt bereits treffend beschrieben; ein dicker Pluspunkt ist, dass der Autor die negativen Auswirkungen der „Christlichen Seefahrt“ sehr genau im Auge hat. Dennoch vergebe ich nur drei von fünf möglichen Sternen. Der Hauptgrund dafür ist, dass viele Aspekte (Entdeckungsreisen, Verbreitung von Religionen und Krankheiten, Handelsgesellschaften, Piraterie, Sklavenhandel und vieles andere mehr) bei der Kürze des Buchs nur angerissen werden können. Es ist klug aufgebaut, aber manchmal drängte sich mir beim Lesen der Verdacht auf, dass der beschlagene Historiker Philip de Souza, der u.a. auch Mitglied der Nautical Archaeology Society ist, sich hier den Popularitätsinteressen der Verleger gebeugt hat und weitaus mehr zu erzählen gewusst hätte. Unter dieser Voraussetzung wäre die Bezeichnung "Standardwerk", die das Times Literary Supplement vergab, gerechtfertigt gewesen.
  23. Cover des Buches Consuming Passions (ISBN: 9780007172962)
    Judith Flanders

    Consuming Passions

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (ISBN: 9783825201722)

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