Bücher mit dem Tag "wirtschaftsgeschichte"

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28 Bücher

  1. Cover des Buches Unsere wunderbaren Jahre (ISBN: 9783596522521)
    Peter Prange

    Unsere wunderbaren Jahre

    (90)
    Aktuelle Rezension von: Lesefee2305

    „…die Sache mit den Talenten, und was man daraus macht. Als wir damals anfingen, jeder mit seinen vierzig Mark, hatten wir doch alle ziemlich klare Vorstellungen, was wir damit im Leben anfangen wollen.“


    „Unsere wunderbaren Jahre“ von Peter Prange liegt schon ziemlich lange auf meinem SuB. Schätzungsweise seit mindestens 2019 - eventuell länger.

    Obwohl es mich eigentlich total angesprochen hat, habe ich mich einfach nicht ans Lesen getraut. Warum?

    Weil der Roman nahezu 1000 Seiten lang ist. Das Papier ist dünn wie Pergament und ja, das hat mich tatsächlich abgeschreckt.

    Glücklicherweise habe ich den Roman jedoch in unseren Urlaub mitgenommen und hatte so viel Zeit zum Lesen! Und ich habe es nicht bereut!

    Der Schreibstil des Autors ist wunderbar flüssig und so macht es unglaublich viel Freude die Figuren über mehrere Jahre ihres Lebens zu begleiten.

    Fiktion und Realität liegen dabei dicht beeinander, historische Aspekte werden in die Handlung eingebaut und alles startet und endet mit der D-Mark. Eine spannende Zeit auf vielen Ebenen, Freud und Leid liegen eng beeinander. Das Leben nimmt seinen Lauf. Der Leser darf erleben, wie die sechs Hauptfiguren ihr Leben meistern und es wird in keiner Minute langweilig! 

    Gleichzeitig ist es wohl einer der persönlichsten Romane des Autoren, den er selbst und sein Heimatort haben ebenfalls eine Rolle…

    Ich habe den Roman also in unserem Urlaub durchgelesen und vergebe klare 5 von 5 Sternen.

  2. Cover des Buches Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen (ISBN: 9783864892639)
    Ulrike Herrmann

    Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen

    (10)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle

    Ich schätze Ulrike Herrmann sehr, sie hat Ahnung von Wirtschaft und sie kann schreiben. Oft gibt sie sich nonkonformistisch (in unserem Wirtschaftssystem wird viel mehr geplant, es gibt nur begrenzt freie Märkte), so auch hier. Zwei Figuren, die in Deutschland hohes Ansehen genießen - Ludwig Erhard und der Bundesbank - weist sie nach, dass sie große Fehler begangen haben und eine ist in ihren Augen sogar verächtlich.

    Das Buch ist im Grunde eine Aufsatzsammlung, alles in allem interessant, gut lesbar und zugespitzt. Andererseits ist es eigentlich nur eine kleine Einführung ins Thema, aber Dank des ausführlichen Literaturverzeichnesses kommt man leicht weiter.

  3. Cover des Buches Der Code des Kapitals: Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft (ISBN: 9783518587607)
    Katharina Pistor

    Der Code des Kapitals: Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    «Grundsätzlich besteht das Kapital aus zwei Komponenten: einem Gut und dem Rechtscode. ... ‹Gut› hier in einem weiteren Sinn für jedes Objekt, jede Forderung, Fähigkeit oder Idee, unabhängig von seiner oder ihrer Form. ... ein Stück Boden, ein Gebäude, das Versprechen zu einem späteren Zeitpunkt eine Zahlung zu erhalten, eine Idee für ein neues Medikament ... Mit der richtigen rechtlichen Codierung kann jedes dieser Güter in Kapital und dadurch seine Tendenz, Vermögen für seine(n) zu schaffen, verstärkt verwandelt werden.»


    Das «Kapital» genießt seit 300 Jahren erstaunliche juristische Sonderrechte. Geschickte Firmenanwälte bauen Konstrukte, verschleiern, oft legal, bestimmen das Geschick ganzer Gesellschaftsstrukturen. Gesetze, die für die Vermehrung von Kapital stehen – Gesetze dagegen könnten das ändern. Alles fing damit an, dass der Mensch sesshaft wurde. Plötzlich steckte er einen Claim ab, nannte dies seinen Besitz. Land, Vieh und Ernte definierten das Besitztum. Es bildeten sich Rechtsbegriffe; Kapital begründete sich früher meist über Grund und Boden. Heute befindet sich Vermögen oft in abstrakten Werten wie Aktien, Anleihen, Immobilien und Patente, ein mobiles Vermögen, das global «verschifft» werden kann, mit windigen Tricks verschleiert und versteckt wird, oder in Trusts und Stiftungen im Verborgenen liegt, um sich dem Steuerzugriff zu entziehen. Man sucht sich global aus den vielen Rechtssystemen die vorteilhaftesten Regularien heraus. Und hier kommen die Anwälte, «Herren des Codes», ins Spiel, die in diesem Geflecht eine große Rolle spielen.


    Katharina Pistor zeigt in diesem Buch die Rechtsgeschichte des Kapitals auf. Römer, die bereits Firmenkonstrukte installierten, die eine Haftung von Eigentümern beschränkte, ähnlich den heutigen Kapitalgesellschaften. Die Fugger waren Meister darin. Es gibt sehr interessante Beispiele – bis hin zur kriegerischen Übernahme der Europäer von Land in fremden Kontinenten: Was ich erobert habe, gehört mir. Die Ureinwohner waren auch nicht in der Lage, Grundbücher vorlegen, die ihren Besitz im Sinn der Europäer legitimieren konnten. In England des 16. Jahrhunderts erreichen die Landlords mit Hilfe von gewitzten Anwälten Ländereien, für den sie zuvor lediglich Nutzungsrechte besaßen, die nun in persönliches Privateigentum umgewandelt wurden. Jetzt gehörte ihnen nicht nur die Ernte der Feldfrüchte, sondern sie besaßen enormes Kapital in Form von Grund und Boden, den man gegebenenfalls verkaufen oder beleihen konnte. Der Anfang zu den ersten Gesetzen zu Grund und Boden. Dem nicht genug. Um den Familienbesitz der Landlords vor Gläubigern zu schützen, übertrugen sie ihn in eine dem heutigen Trust ähnliche Kapitalgesellschaft, dessen Nutzungsberechtigte sie waren und die sie gleichzeitig «im Namen und im Auftrag künftiger Generationen» leiten durften. Damit entgingen sie dem Recht auf Pfändung des gesamten Besitzes, den sie ja theoretisch Gläubigern aushändigen mussten. Familienbesitz war nicht pfändbar. Dieses Recht wurde von der jungen USA nach der Unabhängigkeit übernommen. In England hingegen wurden diese Privilegien bald abgeschafft.


    Die vorindustriellen Gesellschaften erfanden Kapitalgesellschaften, die es den Besitzern ermöglichte, ihr Privatvermögen zu schützen. War die Gesellschaft pleite, blieben die Gläubiger auf ihren Forderungen sitzen, die Eigentümer behielten pikanterweise ihr Privatvermögen. Man konnte später Untergesellschaften gründen, bei dem der Absturz einer einzelnen nicht den ganzen Konzern herunterzieht (z.B. eine AG mit mehreren GmbH’s). Das Konstrukt haben bereits die Medici zur Perfektion installiert. Das Privatrecht wird so ausgehebelt, bei dem der Schuldner mit seinem Privatvermögen haftet. Beispielhaft und detailliert erklärt die Autorin, wie die Anpassung des Rechts an die Wünsche der Besitzenden sich im Lauf der Geschichte entwickelt hat. Historisches, wie die «institutionelle Autopsie» der Lehman Brothers, wird erklärt, in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung vom Schuldschein zum Wechsel und der der Handel damit.


    «Das Recht ist ein mächtiges Werkzeug für die Ordnung des Sozialen und hat das Potential, einem großen Spektrum gesellschaftlicher Ziele zu dienen; dennoch wurde es fest in den Dienst des Kapitals gestellt.»


    Wie sieht es eigentlich mit Naturgütern aus? Bodenschätze, Wasser. Ist dies ein Gemeingut oder gehört es in privates Besitztum? Alles ist juristisch codiert. Das angelsächsische Rechtssystem basiert auf Präzedenzfälle. Das «Common Law» (von England in die USA getragen) gibt privaten Anwältinnen einen großen Spielraum. «Denn diese sind nicht nur als Berater zum bereits existierenden Recht tätig, sondern formen aus dem alten Stoff ständig neue Rechte.» Die Rechtsauffassung eines Anwalts vor Gericht, kann zur Urteilsbegründung herangezogen werden, neue Rechtscods entstehen, die in anderen Verhandlungen wieder als gültiges Recht herangezogen werden, ohne von einem Parlament beschlossen zu sein. Im Zivilrecht von Deutschland, Frankreich usw. handeln wir nach dem «Code Civil», der von Napoleon verbreitet wurde. Im Süden galt damals in Frankreich das «römische Recht», im Norden das «Gewohnheitsrecht». Napoleon fasste sie zusammen und modernisierte das neue System als ein vernunftgegründetes allgemeines Recht, das dem Richter Handlungsspielraum zur Entscheidung gab, und es floss soziales Gedankengut aus der Französischen Revolution mit hinein. Freies individuelles Eigentum wurde gewährt, der Zopf des Feudalismus abgeschnitten, eine strikte Trennung von Staat und Kirche eingeführt. Hier wird nach geltendem Recht entschieden, ohne dass Anwälte ihre eigenen Cods in die Entscheidung durch Argumente einfließen lassen können. «So werden auch noch in der Gegenwart alle Jurastudierenden in Deutschland zum Richter und nicht zum Rechtsanwalt ausgebildet. Erst nach der Richterqualifikation dürfen sie den Anwaltsberuf ergreifen.» Dazu kommt nach dem Studium eben auch das Referendariat mit abschießendem Staatsexamen. Im «Comen Law» muss man zunächst nach dem tudium in privaten Kanzleien gearbeitet haben, um zum Richter berufen zu werden. Das Studium ist auf den Rechtsanwalt ausgerichtet. Es gibt in allen Kapiteln interessante Exkurse in die Rechtsgeschichte, die ziemlich spannend sind, verständlich erklärt für den Laien. Allein für die vielen Ausflüge in die Rechtsgeschichte ist das Sachbuch lesenswert. Katharina Pistor stellt Thesen auf, bringt Zusammenhänge, die mir gut gefallen haben, anderen stehe ich ein wenig skeptisch gegenüber. Aber allein die Informationen und Vervindunen, das eigene Orientieren und Nachdenken bringt den Leser weiter. 


    «Deshalb haben sie auch zunehmend darauf gedrängt, juristische Streitigkeiten außergerichtlich beizulegen oder der Schiedsgerichtsbarkeit dem offiziellen Verfahrensweg den Vorzug zu geben. Doch auch das bringt die Anwälte in eine eigenartige und potenziell recht angreifbare Lage: Sie sind auf die Autorität des staatliche Rechts angewiesen, meiden aber die Gerichte, die traditionellen Hüter des Rechts, aus Angst davor, dass diese sich in ihre Codierungsbemühungen einmischen könnten.»


    Die Globalisierung bringt erweiterte Wahlmöglichkeiten für Firmen und ihre Anwälte. Firmenkonstrukte, Steuerrecht umgehen, verschleiern ... Auswahlmöglichkeit des Firmensitzes, verschiedene Rechtssysteme, Vertragsfreiheit, Verhandlungsort für Rechtsstreitigkeit. Ein Dschungel des Rechtsgeflechts. Nehmen wir als Beispiel das Café von Heike Mustermann in der Fußgängerzone, die brav ihre Steuern bezahlt, auf der anderen Straßenseite der hippe Multikonzern, der überteuerten Kaffee verkauft und kaum Steuern abgibt. Und dann hat man globale Schiedsgerichte erfunden, die ja dazu dienen sollen, Einigkeit schnell zu regeln, die Gerichte zu entlasten. Wer glaubt es? Seit TTIP und CETA ist erlaubt, was von vielen Juristinnen für nicht rechtsstaatlich und verfassungswidrig gehalten wird – von Anwalt zu Anwalt Streitigkeiten ohne Richter beseitigen. Man einigt sich schnell, wenn es um die Verletzung der Rechte von Verbraucher*innen geht. Das alles hinter verschlossenen Türen ohne den Blick der staatlichen Richter, die diese Beschlèsse dann aber als rechtsgültig akzeptieren müssen.


    Katharina Pistor fordert Korrekturen im Rechtssystem. Die demokratische Gesellschaft muss unbedingt die Kontrolle über ihr Recht zurückgewinnen. Gesetze können das ändern und man kann falsche Gesetze auch abschaffen. Sie schlägt u. a. vor, private Schiedsgerichte bei öffentlichem Interesse zu verbieten. Ebenso, die Möglichkeit für Vermögende, ihre finanziellen Risiken der Allgemeinheit aufbürden. Siehe Banken und Firmenpleiten. Spekulative Verträge sollten nicht mehr vor Gerichten durchsetzbar sein. Das Sachbuch ist ein Füllhorn von interessanten Ausflügen in die Rechtsgeschichte – aber nicht nur das, Zusammenhänge werden gut erklärt, ihre Auswirkung auf unsere Gesellschaft. Recht schützt Kapital teilweise sehr ungerecht und trägt somit dazu bei, ein Ungleichgewicht in der Gesellschaft herzustellen.


    Katharina Pistor, geboren 1963, ist Edwin B. Parker Professorin of Comparative Law und Direktorin des Center on Global Legal Transformation an der Law School der Columbia University in New York. Für ihre Forschungen wurde sie vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Max-Planck-Forschungspreis 2012. Der Code des Kapitals. Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft wurde von der Financial Times und von Business Insider zu einem der besten Bücher 2019 gekürt. Dieses Buch steht in der Longlist: Wissenschaftsbuch des Jahres 2022. 

    https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/der-code-des-kapitals-von-katharina.html


  4. Cover des Buches Die protestantische Ethik (ISBN: 9783866473690)
  5. Cover des Buches Das Ende des Glaubens an den freien Markt: Lehren aus der Wirtschaftsgeschichte: Warum wir eine sozial-ökologische Wirtschaftswende brauchen (ISBN: 9783740719555)
    Johann Baier

    Das Ende des Glaubens an den freien Markt: Lehren aus der Wirtschaftsgeschichte: Warum wir eine sozial-ökologische Wirtschaftswende brauchen

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Engi-Eli
    Über den Inhalt : Es ist ein Sachbuch das man gut durch lesen kann. In den Thema wird auf die Theorie eingegangene , finazkreise , Krise , lobilysmus ...usw. Kann man es noch verbessern ? Die Ungleichheit wächst die Kluft größer den je ... Meinung : Es werden verschiedne Aspeckte gebracht Es werden bespiele erwähnt Ananas von Statistiken aber auch geselchaftlich ... Die Hintergründe von damals bis heute wird es erklärt Geschehnisse von damals werden rangezogen um daran zu zeigen ... Das nicht alles ist wie ist immer dargestellt ist-> warum ist es so , Auslöser ...
  6. Cover des Buches Weltwirtschaft und Weltpolitik 1922/24-1931. Zwischen Rekonstruktion und Zusammenbruch (ISBN: 9783518112618)
  7. Cover des Buches Die ganze Welt von MAD MEN (ISBN: 9783821836898)
  8. Cover des Buches The Early Growth of the European Economy: Warriors and Peasants from the Seventh to the Twelfth Century (World Economic History Series) (ISBN: 9780801491696)
  9. Cover des Buches Bill Gates (ISBN: 9783453089570)
    Bernhard Günter

    Bill Gates

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    The Gates of hell: Günter hat ein erleuchtendes Buch über Bill Gates, eines Genies der heitigen Zeit, geschrieben, und betont dessen Fertigkeiten sowohl im technischen wie auch im marketingmäßigen Bereich, eines unermüdlichen Schöpfers und Erfinders, der durchaus auch seine negativen Seiten hat wie Tobsuchtsanfälle und die Fähigkeite, Geschäftspartner über den Tisch zu ziehen. Seine Anfänge im zukunftsorietierten Seattle werden beschrieben, genauso wie die entscheidenden Wegmarken auf dem Weg zum Weltunternehmen, aber ich hätte mich doch über mehr technische Details gefreut, und dem Buch täte auch eine Neuauflage gut, die ebenfalls sehr interessant ausfallen dürfte.
  10. Cover des Buches Herrschaft der Dinge (ISBN: 9783570553824)
    Frank Trentmann

    Herrschaft der Dinge

    (5)
    Aktuelle Rezension von: 101844
    Frank Trentmann hat ein wirklich ansprechendes Buch verfasst. Es beginnt mit einem thematisch passenden und zum Nachdenken anregendem Gedicht. Dem folgt eine Einleitung, in der die Inhalte und Schwerpunkte des Buches verdeutlicht werden. Das stimmt auf das Kommende ein und bietet gleich zu Beginn Orientierung. Der Autor begleitet die Lesenden durch den Text und verfolgt konsequent und souverän den roten Faden. 
    Das Buch gliedert sich in zwei Teile und die Vorgehensweise des Autors wird an geeigneten Stellen erläutert. Gerade bei einem so umfassenden Text, ist das eine willkommene Unterstützung. 



    Zum Inhalt: Entstehung und Prozess von Konsumkulturen werden mittels vieler guter Beispiele veranschaulicht. So erfahren die Lesenden z. B. die Bedeutung von Gabeln, was es mit "Luxusgesetzen" auf sich hat und wieso gelbe Lederstiefel zum Tode führen konnten.  Dabei bereisen die Lesenden die verschiedenen Kontinente und werden, dank des geschickten Schreibstils des Autors, in die Zeit von vor über 500 Jahren versetzt. Diese Reisen verdeutlichen gesellschaftliche und kulturelle Wandel und deren Einfluss auf den Konsum. Karten, 
    Diagramme und Grafiken unterstützen anschaulich das Verständnis für wirtschaftliche Prozesse und Entwicklungen. Frank Trentmann gelingt es, das Tempo der Verbreitung von Konsum spürbar deutlich zu machen. Es wird nachvollziehbar, wie aus luxuriösen Exoten in kürzester Zeit Alltagsdinge wurden. 
    Ein spannender Exkurs zum Thema Identitätsbildung in unmittelbarem Zusammenhang mit Konsum ist nur ein Beispiel für viele weitere. Dabei führt der Autor immer wieder zum Hauptthema zurück und schafft so ein ganzheitliches Bild. 
    Des Weiteren wird mit gängigen Klischees, wie dem der "Amerikannisierung" Europas, aufgeräumt. Frank Trentmann scheut sich nicht, sich mit der vernichtenden Kritik an den Konsum auseinanderzusetzen. Schlussendlich entwickelt er eine ganz eigene Perspektive, die zeigt, was getan werden muss.
  11. Cover des Buches Thurn und Taxis (ISBN: 9783492033367)
    Wolfgang Behringer

    Thurn und Taxis

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  12. Cover des Buches Caliban und die Hexe (ISBN: 9783854766704)
    Silvia Federici

    Caliban und die Hexe

    (5)
    Aktuelle Rezension von: Paperboat

    Wahrscheinlich wäre „Caliban und die Hexe“ noch immer auf meinem Haufen ungelesener Bücher, hätte es nicht einen Vortrag dazu gegeben. Ich wünschte, ich könnte in diese Rezension alles Wissen packen, das Silvia Federici in diesem Buch zu offerieren hat!
    Wo Marx Thesen über den Kapitalismus Lücken hinterlassen haben, besonders aus weiblicher Sicht, füllt Federici auf. Sie beginnt bei den Bauernaufständen, die vom 15. bis zum 17. Jhd. immer wieder die Vorherrschaft höherer Stände und Klerus herausgefordert haben. Sie benennt die Pest als einen signifikanten Faktor, durch den die herrschende Klasse den Wert von Arbeitskraft erkannt hat, den als zusammen mit Boden als Kapital sich anzueignen galt. Seit Jahrhunderten kollektiv genutzte Acker-, Wald- und Landflächen wurden den Menschen durch Privatisierung genommen. Die kapitalistische Gesellschaft wurde geschaffen, und wer sich der aufkommenden Lohnarbeit nicht unterordnen wollte, wurde arbeits- und obdachlos. Vor allem gegen Verarmung revoltierende Frauen wurden nach dem Teile-und-Herrsche-Prinzip zur Zielscheibe, von Häretikerinnen über Prostituierten bis zu Grundbesitzerinnen. Die Hexenverfolgung als geschlechtlicher Genozid (80% der als Hexen Angeklagten waren Frauen) erreichte seinen Höhepunkt in der Mitte des 16. Jhd. bis Mitte des 17. Jhd. mit 40.000 bis 60.000 Opfern und war mitnichten ein Kapitel des „dunklen“ Mittelalters, sondern fällt in die Zeitspanne, die wir als Renaissance kennen. Die Folterkammern und Scheiterhaufen, auf denen die Angeklagten starben, waren (Zitat a.d. Buch) „die Orte, an denen die bürgerlichen Ideale der Weiblichkeit und Häuslichkeit erfunden wurden“. Klerus und Weltlichkeit begannen, sowohl den weiblichen Körper als auch den weiblichen Geist als etwas Schändliches zu sehen, das es mit Gesetzen und Geboten im Zaum zu halten galt. In jenem Zuge wurden Frauen auch aus Professionen verbannt, die sie bis dahin Jahrhundertelang ausgeübt haben wie jene der Hebamme. Netzwerke von Frauensolidarität wurden zerstört, altes weibliches Wissen ging verloren.

    Das Buch möchte ich allen empfehlen, die sich für Feminismus interessieren. „Caliban und die Hexe“ sammelt einfach so fundamentales Wissen, wie gestern auf dem Vortrag auch gesagt wurde, es gar nicht im Geschichtsunterricht gelehrt wird.
    Übrigens: Wer sich für eine romanhafte Thematisierung zu Hexenprozessen interessiert, dem lege ich von Herzen nahe, Jarka Kubsovas „Marschlande“ zu lesen, ein Buch, in dem eine Bäuerin enteignet und als Hexe angeklagt wird.

  13. Cover des Buches Das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus (ISBN: 9783596315475)
  14. Cover des Buches Die Pastakönigin (ISBN: 9783822505366)
    Maria Orsini Natale

    Die Pastakönigin

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Von diesem historischen Roman habe ich ursprünglich ein bisschen etwas anderes erwartet, habe aber dann in diese Familiensaga, die auch die politischen Ereignisse in Italien von Garibaldi bis Mussolini einflicht, als ziemlich interessant empfunden.  

    Das Buch schildert die Entstehung der italienischen Pasta-Industrie von einem kleinen neapolitanischen Familienbetrieb von reiner Handarbeit über die frühe Mechanisierung unter Zuhilfenahme von Knetstangen, Matrizen und Bronzeformen bis hin zur Nudelindustrie, wie wir sie von aus den Supermärkten kennen.  

    Es wird weder die harte Arbeit, das karge Einkommen noch die Anfänge der Mafia ausgespart. Anhand der Familienmitglieder zieht die regionale oder auch dei Weltgeschichte an uns Lesern vorüber. Das eine oder andere Ereignis wird nur kurz gestreift oder eben ausführlicher behandelt. 

    Fazit: 

    Wer etwas über die Entstehung der vielfältigen italienischen Pasta lesen will und über den Ideenreichtum der echten italienischen Pasta (abseits von Spaghetti oder Penne) staunt, ist hier richtig. Gerne gebe ich dieser Familiensaga mit Mehrwert 4 Sterne.

     

     

  15. Cover des Buches Iacocca - Eine amerikanische Karriere (ISBN: 9783548343884)
    Lee Iacocca

    Iacocca - Eine amerikanische Karriere

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Hypochrisy
    Iacocca, Lee (eigtl. Lido Anthony Iacocca) US-amerikan. Industriemanager *15.10.1924 Allentown (Pennsylvania) Iacocca. Eine amerikanische Karriere, 1984 Durch die erfolgreiche Sanierung des angeschlagenen US-amerikanischen Automobilkonzerns Chrysler und das autobiografische Buch Iacocca. Eine amerikanische Karriere, das er darüber schrieb, wurde der Manager Lee Iacocca in der Mitte der 1980er Jahre weltweit bekannt. Iacocca, Sohn italienischer Einwanderer, machte 1954 an der Lehigh University in Bethlehem (Pennsylvania) seinen Abschluss in Ingenieurwissenschaften. Im Alter von 22 Jahren trat er bei der Ford Motor Company in Detroit ein, wo er sich bis zur Unternehmensspitze hocharbeitete. 1960-78 war er in Führungspositionen tätig, die letzten acht Jahre als Präsident der Gesellschaft. 1978 wurde er von Henry Ford II. (1917-87) entlassen. 1979 trat er als Vorstandsvorsitzender bei Chrysler an und führte den mit 3,5 Milliarden US-Dollar verschuldeten Konzern innerhalb von vier Jahren in die Gewinnzone. 1993 verließ er Chrysler nicht ganz freiwillig und befasste sich mit Unternehmungen in verschiedenen Branchen, bemühte sich u.a.um die Rettung der Freiheitsstatue.
  16. Cover des Buches Das Evangelium der Erfrischung. Coca-Colas Weltmission. Kultur und Ideen. (ISBN: 9783499178849)
  17. Cover des Buches Aufstand der Obdachlosen! - Die Idee vom Streben nach Wohlstand und 'Glück' (ISBN: 9781475066586)
    Richard Ben Martin

    Aufstand der Obdachlosen! - Die Idee vom Streben nach Wohlstand und 'Glück'

    (1)
    Aktuelle Rezension von: FHe

    Das Erstlingswerk von Richard Ben Martin aus dem Jahre 2012 spricht mit Armut und Obdachlosigkeit sowie dem Streben nach Wohlstand und Glück ein sensibles Thema an, das seitdem durch Bankenkrise, Eurokrise, Migration und Flüchtlingsströmen an Brisanz gewonnen hat. Die drei Hauptfiguren läßt er in seiner fiktiven Geschichte nicht nur sozial  abstürzen und den Leser zusammen mit ihnen die Obdachlosigkeit auf den Straßen Frankfurts mit all seinen Facetten durchleben. Den Leser erwarten spannendende Ereignisse, wundersame Wendungen unterlegt mit interessanten historischen Fakten und Begebenheiten meist an Spielorten in und um Frankfurt. Auf Umwegen findet die Geschichte doch noch ihr gutes Ende und der Hauptprotagonist Kalle zum persönlichen Glück.

     

    Vielmehr als nur um eine ‚tolle‘ Geschichte geht es dem Autor jedoch um die Rolle, die der Mensch im Wechselspiel von Armut und Reichtum, von Macht und Ohnmacht, von Mitläufertum und Hilfsbedürftigkeit, von Verlassen sein und Geliebt werden einnimmt. Es beschäftigt ihn, ob und wie man sich -im übertragenen Sinne- aus seiner Rolle und der wechselnden Szenerie des Theaterstücks drumherum befreien kann. Symbolhaft wechselt die mehrschichtige Szenerie zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Realität und Fiktion.  "Was wäre wenn… - …vielleicht ja doch" lautet das Spiel, mit dem der Autor den Leser fesselt und gespannt bis zum Ende des Buches treibt. Die Mischung aus knallharter Straßenrealität, eingebettet in eine rührende Freundschaftsgeschichte hätte schon ausgereicht als Ben Martin unerwartet und mittendrin eine märchenhaften Wendung vollzieht. Mit dramatischen Rückblenden in historische Zeiten, belehrenden Exkursen zum besseren Verständnis und einem romantischen Schluss wird der Leser kurzweilig zu einem Happyend geführt, das ihn schmunzelnd und in Zufriedenheit an den Beginn der Geschichte erinnern lassen dürfte. Aus Sicht Ben Martins ist es vollbracht: der Kreis schließt sich.

     

    Die Geschichte spricht historische Begebenheiten, Schauplätze und Zusammenhänge an, die den Leser nicht nur unterhalten, sondern auch über Frankfurts Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung informieren. Im Mittelpunkt des historischen Teils steht die Frankfurter Bankiersfamilie Rothschild sowie die noble Gesellschaft der damaligen Zeit. Die Figuren sind mit Bedacht gewählt, die Hinweise auf ihre Herkunft, Bildung und Lebensumstände wichtig zum Verständnis. Der Leser ist gehalten, zwischen den Zeilen zu lesen und auf Details zu achten.

     Viel Spaß beim Lesen!

  18. Cover des Buches Kritik des Neoliberalismus (ISBN: 9783531200064)
    Butterwegge

    Kritik des Neoliberalismus

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Spätfeudalismus und Handelskapital (ISBN: 9783525334416)
  20. Cover des Buches Philipp II und Alexander der Grosse (ISBN: 9783534245901)
    Johannes Engels

    Philipp II und Alexander der Grosse

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Admiral
    Wir befinden uns im Jahr 336 vor unserer Zeitrechnung. Philipp ist ermordert worden. Er ist jedoch nicht irgendwer, nein, sondern der 2. seines Namens und der König von Makedonien. Aus labilen Anfängen hat er seinem Land eine aussichtsreiche Grundlage aus Sicherheit und Macht verschafft, das Alexander III. nun übernimmt.

    Doch halt. Bevor wir medias in res gehen, noch kurz die ganzen Formalia. Ja, ich weiß, etwas nervig. Aber das sollte schon sein, denke ich. Kennt ihr die Bücherreihe bereits ? Orange-gelber Softcover-Einband mit dunkelblauem Titel. Dazu den Reihentitel "GESCHICHTE KOMPAKT". Ich lese sie auch ganz gerne: die Einführungsreihe des WBG. Sie gibt Bücher zu allen möglichen Themen der Geschichte heraus. Diesen Band "Philipp II. und Alexander der Große" (2012²) hat Johannes Engels verfasst, der sich hier an ein altes, heiß umstrittenes, sehr zeitgebundenes, ideologisch aufgeladenes und äußerst umfangreiches Thema herangewagt hat. Das Thema ist Alexander der Große. Nun entspricht diese Angabe von mir nicht so ganz dem Buchtitel, doch das hat schon seinen Sinn. Denn in seiner Einleitung erklärt Engels recht plausibel, dass Alexanders Erfolge sehr stark auf den Erfolgen und Vorbereitungen seines Vaters (und das ist eben Philipp II.) beruhen (S. 5). Zusätzlich führte Alexander "lediglich" den bereits beschlossenen Kriegszug seines Vaters aus. Denn dieser hatte bereits alles in die Wege geleitet (S. 39).

    Somit macht Engels gleichzeitige Behandlung der beiden Personen, Vater und Sohn, durchaus Sinn, auch wenn es dann doch auch andere Beifügungen in diesem Buch gibt, die sich mir nur sehr rudimentär erklären. Doch dazu will ich euch erst später mehr sagen. Zunächst will ich ein wenig mit dem Buch mitgehen. Von den 126 Seiten des Buches sind die ersten 69 Seiten den Quellen (S. 8-19), der Person Philipps mitsamt dem Königreich Makedonien (S. 20-41) und Alexander (S. 42-69) gewidmet. Die Darstellungen sind chronologisch und sind auf die Ereignisgeschichte ausgerichtet.


    Ähnlich wie bei den Monographien von Alexander Demandt und John Grainger habe ich auch dieses Buch recht selektiv gelesen, denn meine Lektürefokus lag hauptsächlich auf Alexander dem Großen. Dementsprechend werde ich auch hauptsächlich über die Teile des Buches sprechen, die sich direkt auf Alexander den Großen beziehen. Das Kapitel, dass sich speziell auf Alexander bezieht, ist "IV. Alexander III. der Große, Makedonien, Griechenland und der Verlauf des Alexanderzuges (336-323 v- Chr.)", S. 42-69.

    Die Darstellung von Alexander beginnt der Kapitelüberschrift entsprechend (Alexander ist nicht alleiniges Hauptthema) mit einem lediglich kurzen Abriss der persönlichen Vorgeschichte zun de Feldzügen nach Kleinasien und in den weiteren Osten. Engels beschränkt sich hier auf lediglich 3 Aspekte: körperliche und geistige Erziehung, erste Stadtgründungen unter seinem Vater Philipp und die Thronfolgewirren mit der rigorosen Positionsfestigung Alexanders (S. 44-45). Der 3. Punkt leitet zum nächsten Kapitel, in dem Engels die systematische Bekämpfung der Unruhen ud drohenden Revolten durch Alexander nachzeichnet, über. Alexander habe direkt die Balkanregionen und die Gebiete im südlich gelegenen Griechenland für sich und seine Herrscherposition, die auf andere einen labilen Eindruck machte, erneut gefestigt. Als Alexander in die Balkanregionen einmarschierte, habe er bereits die dortige Grenze der bekannten und zivilisierten Welt überschritten: die Donau. Denn Alexander habe hier, von seinem pothos (eine Art innerer und grenzenloser Antrieb) getrieben, nicht nur eine Machtdemonstration präsentieren wollen, sondern sei auch seinem internen Verlangen nach Entdeckungen nachgegangen. Dieses Verhalten beeinflusste Alexander auch in späteren Feldzügen (S. 45-47). Den "Befreiungskrieg" (oder eher "Beutezug"), den er 330 in Kleinasien (damals griechisch bewohnt und von den Perser an das eigene Reich angeschlossen) begann, führte er mit besonderer Schnelligkeit aus und ließ ihn von zahlreichen Propagandamitteln begleiten. So beschrieb einerseits Kallisthenes, der offizielle Hofhistoriker Alexanders, von Anfang an mit umfangreichsten Lobesworten den ganzen Feldzug, und andererseits vollführte Alexander mehrere symbolische Handlungen durch, wie bspw. den Speerwurf auf die Küste Asien als "speergewonnenes Land" (ein wichtiges Propagandamittel wurde später natürlich dann auch die Münze).
    4 Jahre später (330) beendete Alexander den panhellenischen Rachfeldzug gegen das Perserreich: er hatte mehrere Schlachten überraschend gewonnen (Granikos, Issos, Gaugamela), hatte Städte belagert und erobert (Tyros, Gaza), hatte Ägypten besucht, wo er zum Pharao ausgerufen worden war, hatte Städte gegründet (Alexandreia !), hatte die persischen Reichsmetropolen besetzt (Babylon, Susa, Persepolis, Ekbatana) und hatte in einer symbolischen Geste die Palastanlagen in Persepolis niedergebrannt. Ab hier griff Alexanders Propaganda der griechischen Rache und Befreiung von der Perserherrschaft nicht mehr und es beginnen seine eigenen persönlichen Feldzüge.
    Alexander leitet nun seine Feldzüge ins persische Hinterland weiter, wo er die nächsten 5 Jahre zubringt ("3. Der Alexanderzug von 330 bis zu Alexanders Rückkehr aus Indien", S. 56-63). In sehr verlustreichen Eroberungszügen unterwirft er Gebiete wie Baktrien und Sogdien. Dabei gerät er jedoch immer wieder in Konflikt mit seinen Generälen: der General Philotas soll wohl in Opposition zu Alexander gstanden haben, da Alexander immer mehr persische Praktiken und Verhaltensweisen an den Tag legte. Alexander ließ ihn hinrichten. Ein weiterer Punkt war die heftige Auseinandersetzung um die persische Proskynese, bei der der Untergebene vor dem Herrscher eine besonders unterwürfige Begrüßung vollführen musste. Das war für die Makedonen, die stets eng verbunden mit ihrem Herrscher waren, undenkbar. Alexander ließ hier seinen widerspenstigen Hofhistoriker (ihn habe ich bereits erwähnt) Kallisthenes töten. Doch der wohl berühmteste Fall war wohl die Sache mit Kleitos. Der Offizier Kleitos und Alexander gerieten 328 in völlig betrunkenem Zustand bei einem Trinkgelage aneinander, da Kleitos dem Alexander wohl Übermut und Realitätsferne vorwarf. In blinder Wut und alkoholisiertem Zorn tötete Alexander seinen Offizier "versehentlich". Alexander habe sich danach sogar selbst umbringen wollen (stimmt hier die Zeit-/Modusbildung ? :D). Der Höhepunkt dieser Widersprüchlichkeiten war im Indienfeldzug erreicht. Für Alexander war der Zug erfolgreich, da er die alten Helden der mythischen griechischen Vergangenheit (zB Herakles) übertrumpfen konnte. Doch allgemein betrachtet war der Indienfeldzug alles andere als ein Erfolg. Die Eroberungen konnten nicht gehalten werden und die Verluste an Menschen und Material war unverhältnismäßig hoch (vergleicht hierzu mal das Fazit des Indienfeldzug bei Grainger. Er sieht das noch viel drastischer).
    Alexander wollte weiter nach Indien vordringen, doch dann meuterten seine Soldaten. Alexander musste nachgeben und zog sich mit seinen Truppen in einem (vielleicht als Strafe für seine meuternden Soldaten) Todesmarsch durch die gedrosische Wüste nach Karmanien zurück.
    Auch in seinen letzten Regierungs- und Lebensjahren hielt sich Alexander nur noch in Persien auf. Nach seiner Rückkehr musste er die persischen Satrapien teilweise wieder neu unterwerfen und begann anschließend mit nicht gerade umfassenden Verwaltungsarbeit (er plante bereits den nächsten Feldzug nach Arabien, um evtl. der Administration zu entkommen). In dem Verbanntedekret destabilisiert er vielleicht bewusst, um sich eine weitere Klientel (der ehemaligen Verbannten) zu verschaffen. Denn mit diesem Dekret muss jede Stadt ihre Verbannten wieder aufnehmen. Bzgl. seines Verwaltungsstabs und seines Heeres in Persien betreibt er eine langsame, aber sichere "Entmakedonisierung": Soldaten schickt er nach Griechenland zurück und nimmt immer mehr Perser in seine Regierung mit auf. Zusätzlich lässt er auch noch die Masenhochzeit von Susa arrangieren, um evtl. eine erweiterte Reichsaristokratie zu schaffen, doch die meisten Ehen hatten keinen Bestand.

    323 stirbt Alexander (wahrscheinlich nicht durch einen Giftmord, sondern) an einer kurzen und heftigen Krankheit. Nach seinem Tod begannen die sprichwörtlichen Leichenspiele um seine Person in Form von jahrelangen blutigen Diadochenkriegen.



    Was jetzt auf den nächsten Seiten folgt (S. 70-118) hat sich mir nicht ganz erschlossen. Was nun nämlich folgt sind geographisch und thematische Abhandlungen zu Einzelbereichen der Zeitgeschichte zu Philipp und Alexander: Athen (S. 70-82), Sparta (S. 83-94), Theben (S. 95-104), Kleinasien (S. 105-110) und Wirtschafts- und Sozialgeschichte (S. 111-118). Das widerspricht mMn dem Buchtitel, wird jedoch aus der Einleitung eher ersichtlich, wo er eben nicht beginnt, von den beiden titelgebenden Personen zu sprechen, sondern von der politischen Lage in Griechenland. Die Einzeldarstellungen sind ziemlich zielorientiert und beziehen sich zum Ende hin jeweils mehr oder weniger stark auf Alexander und Philipp, doch gibt es zu diesem Thema eine eigene WBG-Darstellung: "Athen und Sparta" von Raimund Schulz. Wie gesagt, machen diese Einzelansichten schon irgendwie Sinn, doch fehlt mir stattdessen evtl. anderes: eine "Bewertung"/"Interpretation"/ein "Kommentar" (was auch immer) zu den beiden Personen oder eine Rezeptionsgeschichte. Und die ist auf jeden Fall äußerst umfassend (bereits in der Antike selbst !). Da eine grobe Richtung zu zeigen, wäre bestimmt sehr hilfreich und interessant gewesen.

    Das Buch thematisiert also weniger Philipp II. und Alexander den Großen als Personen (vgl. Titel), sondern vielmehr diese gesamte griechische Epoche Griechenlands bis zum Tod Alexanders 323 (vgl. S. 1). Deher auch die intensiven Thematisierungen der einzelnen Städte und Faktoren, die sich in der 2. Hälfte des Buches befinden. Wer hier eine Abhandlung über Alexander den Großen erwartet, bekommt somit zu dieser Person eher ereignishistorische Aspekte zu lesen, die sich nämlich in das Gesamtthema einbetten sollen.
    Alles in allem muss ich natürlich trotzdem sagen, dass die ereignishistorische Darstellung fundiert, gut lesbar und hilfreich ist.



    Natürlich fehlen nicht die recht umfangreiche Bibliographie und das Register, die für diese Reihe typisch sind.

    Wäre zu diesem Thema allerdings wohl eher nicht meine 1. Wahl.


    Seht euch auch uU noch die Rezensionen an, die ich mir ebenfalls zu diesem Buch angesehen habe.
    1. Rezension von Sabine Müller, in: H-Soz-Kult, vom 04.07.2006 (http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-7881).
    2. Rezension von Gerhard Wirth, in: HZ 283 (2006), S. 715-6.
  21. Cover des Buches The Company (ISBN: 0812972872)
  22. Cover des Buches Die Korruptionsfalle (ISBN: 9783498039158)
    Hans Leyendecker

    Die Korruptionsfalle

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Leyendecker berichtet uns aus der um sich greifenden und flächendeckenden Korruption, die vor keiner Branche und keiner Gesellschaftsschicht halt macht. An manche der ganz bekannten Fälle (zB Mannesmann-Vodafone) konnte man sich noch erinnern, nach 20 Jahren wäre eine aktualisierte Neuauflage wünschenswert. Daß in Deutschland bei diesen Zuständen überhaupt noch "was läuft"! Grotesk, was da abgelaufen ist, wie dreist und selbstüberzeugt die Betreffenden vorgegangen sind. Leider kann man keine Partei ausnehmen, auch nicht die selbst favorisierte. Irgendwie denkt man doch, daß das Ganze eher in den Großstädten und den Metropolregionen stattgefunden hat, aber die größeren Unternehmen in unserer Provinz hier (v.a. die Entsorgungsbetriebe) sieht man jetzt auch mit anderen (mißtrauischen) Augen. H.L. ist uns bei unserer Pragfahrt mit der Referendars-AG 2002 in zwei Tagen mindestens drei Mal über den Weg gelaufen. Entscheidungsträger, hört den Autor!

  23. Cover des Buches Geburt der Neuzeit. Vom Feudalsystem zur Marktgesellschaft. (ISBN: 9783423044660)
  24. Cover des Buches Der Sektor (ISBN: 9783608964042)
    Michael Hudson

    Der Sektor

    (4)
    Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-Pape
    Ernüchternd, treffend, mit starken Argumenten und Analysen versehen

    „Die Themen, die mich interessierten, wurden an der New York University…… nicht unterrichtet“.

    Was Wunder, wenn Hudson, mit scharfem Verstand und mannigfaltigen Erfahrungen in der Finanzbranche und den Wirtschaftswissenschaften, schon in frühen Jahren Problematiken ansprach, die sich bis heute exponentiell gesteigert haben, aber dennoch der herrschenden Meinung eines „Die Wirtschaft muss laufen“ stark entgegenstehen.

    Und noch schwieriger wird es im Feld der allgemeinen Verständnisse und Setzungen der Wirtschaft und des Finanzsektors, wenn Hudson sehr gründlich die primäre Stellung des „Gläubigers“ hinterfragt, auf der Blaupause der lateinamerikanischen Pleiten mit ihren Schuldenschnitten bis hin zur Erlassung von Schulden Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts anführt und den Vergleich zur Gegenwart zieht, in der anscheinend auch gewählte Regierungen, ihrem Volk eigentlich als erstes verpflichtet, diese Fürsorgepflicht hintenanstellen müssen um einen „Ausverkauf ihres Landes“ zur Bedienung von Schulden aktiv selbst noch mit vorantreiben zu müssen. Wie in Griechenland zu sehen, in der am Ende die öffentliche Infrastruktur, Häfen und anderes verkauft werden müssen zur Deckung von nationalen Schulden.

    Dies, so führt Hudson durchaus mit gewichtigen Argumenten aus, ist eben der Kernantrieb der globalen Finanzwirtschaft. Geld immer mehr zu akkumulieren in wenigen Händen, herauszuholen was herauszuholen ist und am Ende ein gar ganzes „geplündertes Land“ zurückzulassen um sich des nächsten „Opfers“ weltweit „anzunehmen“.

    Ein System, dem Hudson die Wirtschaftsordnungen der Jahre nach dem zweiten Weltkrieg bis etwa zum Ende der 70er Jahre hin gegenüberstellt, in der „plangeleitetetes staatliches Handeln“ Zeichen der Stunde war und damit Kontrolle, soziale Verteilung und Einhegen von Auswüchsen ob der Erfahrungen der Entwicklung hin zu zwei Weltkriegen (für die ebenfalls wirtschaftliche Entwicklungen mit angeführt werden können) das politische Handeln geleitet hat.

    Dass dann zwei Behauptungen mehr und mehr erkennbar gegenüberstehen, ist eine überaus umstrittene Frage dann, die aber Dank Hudson nicht lapidar beantwortet werden kann. Während Hudson einem „starken Staat“ das Wort führt, darin die wohl einzige wirksame Möglichkeit einer stabilen, den Menschen dienenden Wirtschaft sieht, richtet sich dies natürlich gegen jede Form der „freien Marktliberalität“, in der ebenso vehement behauptet wird, dass der Staat (immer) der „schlechtere Wirtschafter“ ist.

    Wobei für den Leser eine einfache Gegenprobe natürlich möglich ist. Wie stellten sich Vermögensverteilung, Infrastruktur, Arbeit und Wirtschaften zwischen 1950 und 1980 oder 1990 dar mit welchen Folgen für die Menschen und den sozialen Frieden im Land und wie stellt sich die weltweite Vermögensverteilung, der soziale und politische Friede, die Infrastruktur und mehr in der Gegenwart dar? In der doch scheinbar nurmehr jemand selbst nur eine Wohnung an vielen Orten findet, für den Geld nicht die wichtigste Rolle im Leben spielt, während selbst die Mittelschicht (und das nicht nur beim Wohnraum), mehr und mehr an die Ränder gedrückt wird.

    Am Ende bleibt: Es sind die Schulden und die Form, in der Schulden erzeugt und für eigene Machtansprüche genutzt werden, was die Welt an den Abgrund führt.

    Was Hudson ebenso ruhig und beredt erläutert, wenn er die Kulturgeschichte des Geldes und der Schulden ebenso fundiert im Buch vorführt, wie er die Auswirkungen dieser „Schuldenlasten“ und der „Lust, Geld zu verleihen“ um es dann gnadenlos einzutreiben und auf diesem Weg den Schuldner nicht nur „in den Schulden“ zu halten, sondern diese immer weiter zu erhöhen (Zinseszinseffekt).

    Dass Hudson dies mit den „Parasiten“ des Tierreiches vergleicht, passt da wie die Faust aufs Auge. Bis hin zur „Fledderei“ des irgendwann toten Wirtes umgehend einen neuen Wirt „anzufallen“.

    Ob man diesen Linien und dieser Analyse nun zustimmt oder nicht, ob man Hudsons Lösungsvorschläge als sympathisch oder überzeugend oder beides oder das Gegenteil bewertet, das Buh stellt in allen Fällen eine wichtige und fundierte Lektüre dar, die man einfach gelesen haben sollte.

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