Bücher mit dem Tag "wirtschaftskrise"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "wirtschaftskrise" gekennzeichnet haben.

51 Bücher

  1. Cover des Buches Wasser für die Elefanten (ISBN: 9783832164027)
    Sara Gruen

    Wasser für die Elefanten

    (934)
    Aktuelle Rezension von: Elkes_Literaturwolke

    Inhaltsangabe:

    Jacob, 90 oder 93 Jahre alt, er weiß es selbst nicht so genau, lebt nach einem Hüftbruch im Altenheim und fühlt sich dort völlig fehl am Platz. Eines Tages gastiert ein Zirkus in der Nähe des Heims und er beginnt die Geschichte zu erzählen, die ihn damals als junger Mann selbst zum Zirkus geführt hat.

    Amerika 1931: Jacobs Leben ist ein Scherbenhaufen. Kurz vor seinem Examen zum Tierarzt verunglücken seine Eltern. Und da die schwere Rezession auch bei ihnen nicht spurlos vorbei gegangen ist, hat die Bank auch schon das Elternhaus gepfändet. Während des Examens verlässt er die Uni und sein zielloser Weg führt zu Bahngleisen, an dem ein Zirkus vorbei fährt.

    Er springt auf und kann dort anheuern – für wenig bis gar kein Geld. Die Atmosphäre und der rohe Überlebenskampf der Menschen und des Zirkus‘ faszinieren und stoßen ihn gleichermaßen ab. Trotz seiner Beteuerungen, eben noch kein richtiger Tierarzt zu sein, wird er als solcher eingestellt und kümmert sich fortan um die Tiere, die alle exotischen Bereiche abdecken.

    Doch als er Marlena, eine Artistin auf Zirkuspferden, kennenlernt, ist es um ihn geschehen. Aber sie ist verheiratet, mit dem brutalen und despotischen August, dem Stallmeister. Trotz der Gefahr zieht es ihn magisch zu ihr hin und auch sie scheint ihm nicht abgeneigt.

    Als August eines Tages einen scheinbar dummen Zirkus-Elefanten namens Rosie ergattern kann, steht nicht nur die Existenz des Zirkus auf dem Spiel. August scheint mehr und mehr die Kontrolle über sich zu verlieren und erkennt, das Jacob ein ernstzunehmender Nebenbuhler ist.

    Mein Fazit:

    Hätte ich den Film nicht gesehen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Buch dazu zu lesen. Als es schließlich im Angebot war, schlug ich zu und ich bereue es nicht eine Sekunde.

    Jacob, der zwischen zwei Zeitebenen wechselt, erzählt die Geschichte aus seiner Sicht und lässt dabei viel Humor und Selbstironie erkennen. Er ist inzwischen im Altersheim, seine Frau ist nach über 60 gemeinsamen Ehejahren verstorben und die fünf Kinder führen längst ihr eigenes Leben und haben Kinder und Enkelkinder. Sein Alltag im Heim ist trist und ohne besondere Höhepunkte. Er vermisst nicht nur die körperliche Vitalität, sondern auch das normale Essen. Als schließlich im Park des Heims ein Zirkus sein Zelt aufbaut, ist es jedoch um ihn geschehen. Er beginnt sich zu erinnern, wie seine Lebensreise mit dem Zirkus begann, in einer Zeit, als sein Leben völlig aus den Fugen geraten ist.

    Jacob ist noch jung, unerfahren und mit 23 Jahren noch eine männliche Jungfrau. Diese Tatsache bringt ihm im rauen Leben des Zirkus‘ so manche peinliche Situation, aber er lernt auf ziemlich brutale Art, was Freundschaft und Fürsorge füreinander bedeutet. Trotz aller Frotzeleien und der anstrengenden Arbeit entstehen tiefe Bindungen. Sein Herz jedoch hat er an Marlena verloren, der Frau des Stallmeisters. August ist unberechenbar und ein Mensch mit mindestens zwei Gesichtern. Sehr schnell merkt Jacob, das Marlena nicht wirklich glücklich mit diesem Mann ist, der so erheblich älter ist als sie. Trotz aller Gefühle halten sich Jacob und Marlena zurück, die nahende Katastrophe kann dennoch nicht aufgehalten werden, denn natürlich bleiben die Gefühle nicht unbemerkt.

    Der Titel suggeriert, dass ein Elefant die Hauptrolle in dieser Geschichte spielt. Dem ist jedoch nicht so, was aber meiner Meinung nach auch nicht so schlimm ist. Denn eigentlich ist Marlena der heimliche Star dieser Geschichte. Auch wenn sie sich gelegentlich wie eine Diva aufführt (aber nur ein bisschen), so ist sie eine sympathische Figur, die es an der Seite ihres Mannes nicht leicht hat. Jacob ist zwar naiv und unerfahren, aber er hat das Herz auf dem rechten Fleck und respektiert die Menschen. Und seine Liebe zu Tieren macht ihn für mich sehr sympathisch. Er schlägt sich durch, ignoriert die Armut und den Dreck und versucht seinem Leben einen Sinn zu geben.

    Die Atmosphäre der damaligen Zeit, die Armut, Prohibition und die Abenteuer, die man mit dem Zirkus gelegentlich erlebte, wurde sehr gut eingefangen. Die sozialen Missstände wurden gut ausgearbeitet. Viele ertrugen ihre Situation nur mit Alkohol, was andererseits auch fatal war, denn durch die Prohibition wurde gepanschter Schnaps getrunken, was zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führen konnte. Ein Teufelskreislaus, aus dem es vielfach keinen Ausweg gab.

    Mich hat die Geschichte mitgenommen und bewegt. Beim Lesen hatte ich immer wieder die eine oder andere Szene aus dem Film im Sinn, aber vieles hatte ich auch wieder vergessen. Das Buch begeisterte mich von der ersten Seite und ließ mich ein paar Tage nicht wirklich los. Faszinierte fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung von mir.

  2. Cover des Buches Der Koch (ISBN: 9783257261523)
    Martin Suter

    Der Koch

    (499)
    Aktuelle Rezension von: rkuehne

    Ein wirklich solides Buch um einen tamilischen Koch der eine Kreation entwickelt, die unerwartet aphrodisierend wirkt und daraus ein Geschäftsmodell macht. Angenehm geschrieben, hat ein gutes Tempo und liest sich gut weg. Die Rezeptdetailliertheit war mir an manchen Stellen zu viel und die Parallelgeschichte um das Drama der Tamilen in Sri Lanka hat für mich nie die Distanz zur Hauptgeschichte überwinden können. Aber gute Unterhaltung.

  3. Cover des Buches Die Geschichte der Baltimores (ISBN: 9783492310796)
    Joël Dicker

    Die Geschichte der Baltimores

    (391)
    Aktuelle Rezension von: KatKrn

    In Die Geschichte der Baltimores blickt Marcus Goldman auf das Leben seiner wohlhabenden Verwandten aus Baltimore zurück. Alles wirkt perfekt – bis eine Katastrophe ihre heile Welt auseinanderreißt. Nach und nach setzt Marcus die Puzzleteile zusammen, ohne dass zu viel vorweggenommen wird.

    Meine Meinung

    Für mich war es schon das dritte Buch von Joël Dicker – und auch diesmal hat mir sein typischer Stil sehr gefallen. Im Nachhinein hätte ich allerdings eine andere Reihenfolge wählen sollen: Die Affäre Alaska Sanders direkt nach Harry Quebert und erst dann Die Geschichte der Baltimores. Es ist nicht dramatisch, da die Story hier für sich stehe und mein kein „Vorwissen“ aus den beiden anderen Büchern braucht, aber es wäre halt chronologisch gewesen.

    Dicker versteht einfach, wie man Spannung aufbaut und Leser fesselt. Er schreibt lebendig, atmosphärisch und mitreißend, und genau das mag ich so an ihm. Trotzdem fand ich dieses Buch etwas schwächer als die anderen. An einigen Stellen holt er etwas zu weit aus, erzählt zu viel drumherum und wiederholt sich öfter, als nötig wäre. Auch Marcus’ Bewunderung für die Baltimores wirkt stellenweise ein bisschen überzogen, und die große „Katastrophe“, auf die alles zuläuft, konnte mich nicht ganz so überzeugen, da sie für mich nicht ganz nachvollziehbar war. 

    Trotzdem: Ein gutes, lesenswertes Buch – nur eben nicht sein stärkstes. Ich gebe 4 von 5 Sternen.

  4. Cover des Buches Der Store (ISBN: 9783453424678)
    Rob Hart

    Der Store

    (199)
    Aktuelle Rezension von: KiraNear

    Titel: Der Store

    Autor*in: Rob Hart

    Erschienen in Deutschland: 2019

    Originaltitel: THE WAREHOUSE

    Erschienen in den USA: 2019

    Übersetzer*in: Bernhard Kleinschmidt 

     

    Weitere Informationen:

    Genre: Dystopie

    Preis: € 11,00

    Seiten: 591

    Sprache: Deutsch

    ISBN: 978-3-453-27230-9

    Verlag: Wilhelm Heyne Verlag

     

    Inhalt:

    Der Store liefert alles. Überallhin. Der Store ist Familie. Der Store schafft Arbeit und weiß, was wir zum Leben brauchen. Aber alles hat seinen Preis.

    Paxton und Zinnia lernen sich bei Cloud kennen, dem weltgrößten Onlinestore. Paxton hat einen Job beim Sicherheitsdienst bekommen. Paxton hat einen Job beim Sicherheitsdienst bekommen. Zinnia arbeitet im Lager. Die beiden kommen sich näher, obwohl sie ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Sie ahnen nicht, wie weit das Unternehmen geht, um die perfekte Welt von Cloud vor Gegnern zu schützen.

     

    Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):

    Das Buch hier habe ich vor wenigen Wochen recht günstig im Buchladen bekommen, da es ziemlich stark reduziert war, genauer gesagt nur für drei Euro. Was soll ich sagen, die Beschreibung klang düster und interessant, und zu Büchern im Angebot kann ich generell ja nur schwer nein sein. Außerdem fand ich diesen Barcode mit den vielen Händen auf dem Cover sehr ansprechend. Außerdem fühlt sich der Buchdeckel an, als wäre er aus harter Pappe und gibt dem Buch eine Art "Paketoptik", was passend zu einem Buch über einen Versandhandel. Das Rot sticht heraus, wie auch der rote Farbschnitt. Er fühlt sich so an, wei sich Farbschnitte vor mehreren Jahren noch angefühlt haben, ein wenig rau. Aber hier pappten die Seiten wenigstens nicht so stark zusammen und ich bekam sie leichter auseinander. Da hatte ich in der Vergangenheit schon schlimmere Bücher in der Hand.

    Ok, genug vom Äußeren des Buchs, kommen wir jetzt zum Inneren. Zu einem der leider wenigen Dingen, die mir an dem Buch gefallen: Das Buch bzw die Geschichte wird aus drei Perspektiven. Die erste Perspektive gehört der Protagonistin, deren echten Namen man nie erfährt. Sie arbeitet in Form von Aufträgen und soll herausfinden, wie "Cloud" es schafft, so viel Energie zu nutzen, und dabei offiziell viel weniger Energie in Anspruch zu nehmen. Dass Zinnia ein falscher Name ist, den sie extra für diese Mission nutzt, erfährt man recht schnell. Ansonsten erfährt man kaum was über sie, was ein wenig schade ist. Man erfährt nicht mal ihre Motivation, warum sie diesen Job hat und was ihr daran gefällt.

    Die zweite Perspektive gehört Paxton und ich muss sagen, seine Parts haben mir am besten gefallen. Von ihm erfährt man im Gegensatz zu "Zinnia" ziemlich viel und ich konnte mich auch viel besser in ihn hineinfühlen. Dass seine eigene Firma aufgrund von Cloud pleite ging und dann seine Idee quasi geklaut wurde, das hat ihn ziemlich mitgenommen und ich kann es auch verstehen. Und die letzte Perspektive gehört Gibson, dem Gründer von Cloud, welcher wegen Krebs im Sterben liegt. Bzw schwer an Krebs erkrankt ist, er unternimmt deshalb eine letzte Tour und besucht so viele seiner Standorte, genannt Motherclouds, wie es ihm möglich ist. Von ihm erfährt man nicht nur, wie und warum Cloud entstanden ist, sondern auch, wer sein Nachfolger wird und warum.

    Man verfolgt die Geschichte wie gesagt aus drei Perspektiven und man wird auch recht schnell mit dem harten Arbeitsalltag konfrontiert, der in den Motherclouds mehr oder weniger vorherrscht. Doch vorher sieht man den Einstellungsteil und wie schwer dieser ist. Ebenso, wie man aufgrund seiner Antworten und seines Lebenslaufs durch eine KI in die passende Abteilung geschoben wird. "Zinnia" hat einen sehr, sehr stressigen Job im Laber, wo sie zig verschiedene Sachen für die Kunden aus den Regalen heraussucht und aufs Fließband legt, damit diese an die Kunden verschickt werden. Arbeitssicherheit wird dabei nicht sonderlich groß geschrieben (bzw es ist vorgeschrieben, aber damit man sein Tageslimit erreicht, muss man diese eher ignorieren). Wie alle anderen Mitarbeiter kann sich "Zinnia" irgendwelche Dinge bestellen und die werden dann auf ihr Zimmer gebracht. Paxton dagegen muss die meiste Zeit einfach nur irgendwo herumlaufen und "Anwesenheit" zeigen. Dabei wird er oft mit den Problemen und der Ablehnung, wie sie die Leute vom Sicherheitsdienst oft erfahren, konfrontiert.

    Es gab auch noch viele andere Punkte, die mir natürlich gefallen haben. Ich fand es erschreckend zu sehen, wie stark Cloud die Welt unter Kontrolle hat. Wie hart und schwer die Arbeit dort ist und wie weitläufig die Überwachung über die Mitarbeiter. Wie streng die Strafen sind, wenn man sich nicht an die Regeln hält oder wenn man sein Tageslimit nicht erreicht. Wie schnell es zu Entlassungen kommen kann. Und das möchte man eigentlich nicht, wenn es wird impliziert, dass es kaum noch Arbeitgeber neben Cloud gibt.

    Was ich auch schrecklich, wie auch interessant fand: Welche Gedankengänge Gibson so hat, welche Ideen er hat und wie er seine Taten rechtfertigt. Er sieht absolut nichts falsches an dem, was er getan hat und was heute alles passiert. Anfangs kam er mir jemand vor, mit guten Ideen, Idealen etc, dessen Werk am Ende aber verbastadisiert und missverstanden wurde. Nur, je mehr von man von ihm liest, merkt man, dass er keine gute Person ist. Manchmal konnte ich nicht anders, als über seine Ansichten den Kopf zu schütteln.

    Der teilweise monotone Arbeitsalltag und wie er dargestellt wurde, besonders in den ganz kurzen Kapiteln, die immer kürzer wurden, haben mir sehr gut gefallen. Und hat die Monotonie richtig gut dargestellt, da es immer weniger zu erzählen gab. Es ist immer weniger da, das man hier erzählen könnte und wie das aufgebaut wurde, hat mir richtig gut gefallen.

    Ok, aber jetzt zu den Punkten, die mir nicht so gut gefallen haben, da gab es leider mehrere. Andere Rezensenten haben das schwache World-Building angesprochen und ich muss ihnen leider rechtgeben. Es wird nur hin und wieder erwähnt und gezeigt, dass es sehr heiß draußen ist, dass Essen wie Fleisch, Obst, Gemüse eine teure Seltenheit sind und dass sich die Leute eher günstiges Fastfood oder Ersatzessen leisten können.

    Aber ob es jetzt der Klimawandel ist und was genau in der Welt alles los ist, das erfährt man so gut wie gar nicht.

    Und was ich auch merkwürdig finde: Es heißt auf der einen Seite, dass es kaum noch andere Jobs und Arbeitgeber neben Cloud gibt. Dass viele fast schon verzweifelt versuchen, ein Teil von Cloud zu werden, damit sie Geld und ein Dach über dem Kopf haben.

    Auf der anderen Seite wird ja ganz fleißig bestellt und ich kann mir nicht vorstellen, dass das von den Mitarbeitern kommen kann. Und es wird alles mögliche bestellt, hier und da wird aufgelistet, was "Zinnia" so durch die Gegend tragen darf. Nur: Woher haben die Kunden all das Geld? Wer liefert die Sachen? Wo werden sie hergestellt? Das wird nirgendwo erklärt und das finde ich schade. So wirkt es ein wenig unlogisch bzw wie eine große Logiklücke.

    Die "Beziehung" zwischen "Zinnia" und Paxton fühlt sich ein wenig erzwungen an. Er hat sehr schnell Interesse an ihr, sie will ihn nur für ihre Zwecke ausnutzen. Und irgendwann hat sie dann doch Gefühle für ihn, aber irgendwie auch wieder nicht ... das kam mir alles total merkwürdig vor. Wenn sie auf einer freundschaftlichen Ebene geblieben wären, ohne Liebe, Sex etc, dann wäre es besser für die Story gewesen, finde ich.

    Was die Auflösung, wie auch das Ende angeht, bin ich ein wenig enttäuscht. Besonders, da es Paxton betrifft. Seine Charakterentwicklung fand ich am spannensten, auch wenn ich mir nicht sicher war, was denn genau seine Ziele waren. Zum einen wollte er Rache haben. Zum anderen aber wollte er lieber den Job bei Cloud behalten, weil er damit Geld, Essen, ein Dach über den Kopf hat, einen geregelten Arbeitstag. Und ganz am Ende trifft er eine Entscheidung, die dann aufgrund seiner Charakterentwicklung sehr merkwürdig auf mich wirkte. Und was aus "Zinnia" wird, darüber kann man nur raten. Und ich hasse es, bei sowas raten zu müssen.

     

    Fazit:

    Da das Buch sehr stark an Amazon erinnert, ist das Buch Kritik am Online-Versandhandel, wie auch an Dingen wie Monopolen und geldgierigen Menschen ohne Gewissen. Und auch ohne jegliche Menschlichkeit. In welche Richtung sich unsere Welt vielleicht entwickeln könnte, wenn wir Unternehmen immer mehr und mehr Macht geben, ihnen immer mehr Freiraum geben und sie alles durchgehen lassen.

    Aber das ganze System ist leider nicht ganz komplett durchdacht und hat hier und da Schwächen, die das Fundament der ganzen Geschichte dann doch zum Wackeln bringen können. Manche Punkte der Firma wirken auch wenig durchdacht, bzw wenig weitsichtig. Ich hatte zwar Spaß beim Lesen, aber ...

    Hier hat man leider viel verschenkt. Die Länge hat mich dagegen gar nicht gestört, aber dicke Bücher lese ich genauso gerne wie dünne Bücher.

    Von mir bekommt das Buch insgesamt drei Sterne. 

  5. Cover des Buches GIER - Wie weit würdest du gehen? (ISBN: 9783734105586)
    Marc Elsberg

    GIER - Wie weit würdest du gehen?

    (208)
    Aktuelle Rezension von: mattder

    Das Geld und die sucht danach treib den Menschen um. Wenn man wenig hat versucht man mehr zu haben. Aber auch Getriebe was an man anpflanzt und wen man mehr rauskriegen nicht teil sondern den gewimmten zu mehren oder für sich zu behaltet. Ist ok das Buch liest sich recht zügig durch. Ninja Buch halt. 

  6. Cover des Buches Die vier Winde (ISBN: 9783746640662)
    Kristin Hannah

    Die vier Winde

    (191)
    Aktuelle Rezension von: Saphir610

    Elsa Familie hat es zu Wohlstand in einem kleinen Ort in Texas gebracht. Allerdings wird Elsa von allen als hässlich und schwach abgestempelt und als Leser litt ich schon mit ihr. Dann trifft sie auf Raf und landet auf der Farm seiner Eltern. Dort wird sie angenommen und arbeitet hart. Doch dann trifft die große Dürre die in den dreißiger Jahren die Great Plains erfasste auch die Farm von Elsas Schwiegereltern. Furchtbare Staubstürme kommen dazu und zwingen sie, sich nach Westen, Kalifornien, auf zu machen. Es ist auch die Zeit der großen Depression, wo die Menschen keine Arbeit mehr hatten und so findet Elsa auch in Kalifornien keine bessere Zukunft.

    Ein großes Thema wurde in diesem Roman angesprochen und Elsas Leid konnte ich während des Lesens gut mitempfinden. Es ist heute nur noch schwer vorstellbar was die Menschen in der Zeit ertragen mussten und der Roman stellt das gut dar.

    Trotzdem hat mir etwas gefehlt, die Hauptfiguren konnten mich nicht richtig packen. Aber es ist eine eindringliche Schilderung der damaligen Zeit und mit was die Menschen konfrontiert waren. Dabei sind die Themen Gier, kurzfristiger Gewinn und Ausbeutung weiterhin sehr aktuell. 

    Der damalige Präsident F.D. Roosevelt hat mit zahlreichen Programmen versucht, dass das Land wieder auf die Beine kommt. Die Ergebnisse des CCC und WPA Programms sieht man auch heute noch reichlich in den USA.

  7. Cover des Buches Rückkehr in die Tuchvilla (ISBN: 9783734107726)
    Anne Jacobs

    Rückkehr in die Tuchvilla

    (67)
    Aktuelle Rezension von: MarinaH

    Die anderen bisherigen Teile der Tuchvilla habe ich verschlungen, ich habe es sehr genossen sie zu lesen und nach einiger Zeit die einzelnen Charaktere auch sehr lieb gewonnen. Dieser Band hat mich dann leider etwas enttäuscht.
    Der Schreibstil war immer noch gut, er hat mich gepackt und ich bin schnell durch das Buch gekommen, es gab eigentlich keine Stelle die sich gezogen hat, wenn man jetzt nur den Schreibstil in den Fokus nimmt. Trotzdem haben mich in diesem Teil manche Sachen erheblich gestört, es ist schade wie Marie mit jedem Teil weiter aus dem Mittelpunkt rückt.

     Die Perspektive lag viel mehr auf den Angestellten und anderen Nebencharakteren, was persönlich nicht nach meinem Geschmack ist. Insbesondere die Geschichte mit Liesel war langweilig, ich musste mich zurückhalten um die Kapitel nicht einfach alle zu überspringen, auch bei Tilly war alles sehr vorhersehbar und hat mich enttäuscht. Ich hoffe im nächsten Teil etwas mehr über Dodo erfahren zu können, von ihrem Bruder habe ich jetzt nämlich genug.
    Leider passt der Klappentext auch nicht wirklich zum Inhalt was mich besonders ärgert, denn diese Sachen sind eigentlich gar nicht so vorgekommen.
    Leider muss ich zugeben, dass es bis jetzt der schwächste Teil war. Auch Hannas Schicksal hat mich sehr enttäuscht, ich finde sie hätte ihr Glück verdient.

    Dieser Band bekommt nur 3 Sterne von mir - die anderen Bände waren definitiv besser. 

  8. Cover des Buches Feuernacht (ISBN: 9783596188703)
    Yrsa Sigurdardottir

    Feuernacht

    (110)
    Aktuelle Rezension von: PoldisHoerspielseite
    Was mich an Yrsa Sigurðardóttir immer wieder fesselt, ist dieses typisch isländische Gefühl von Kälte, Weite und unterschwelligem Grauen – und genau das trifft mich in Feuernacht sofort wieder. Schon die ersten Seiten haben etwas Beklemmendes: ein Brand in einem Behindertenheim, fünf Tote, ein junger Mann mit Down-Syndrom, der als Täter feststeht – aber irgendwie spürt man sofort, dass hier etwas nicht stimmt. Genau dieses Misstrauen, dieses leise Unbehagen, ist es, das mich durch den ganzen Roman begleitet hat.

    Was Sigurðardóttir hier erzählt, wirkt nicht wie ein klassischer Whodunit, sondern vielmehr wie ein schleichendes Auseinanderdriften verschiedener Wahrheiten, die erst nach und nach sichtbar werden. Dóra, die ich in den früheren Bänden ohnehin schon gern begleitet habe, wirkt hier noch ein bisschen wacher, vorsichtiger, gleichzeitig viel persönlicher. Man spürt deutlich, wie sehr sie sich von dieser Geschichte berühren lässt, ohne dass es je kitschig oder sentimental wird. Sie geht ihren Weg – mal behutsam, mal mit einer fast schon sturen Hartnäckigkeit –, und gerade das macht sie so glaubwürdig.

    Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent Sigurðardóttir die Themen Behinderung, Ausgrenzung und institutionelle Verantwortung in die Handlung einwebt, ohne sie zu überhöhen oder moralisch zu verkleistern. Man erfährt hier viel über Lebenswelten, die man sonst selten in Krimis liest. Und das tut weh. Man merkt sehr schnell, dass der Brand nicht nur ein Verbrechen gegen fünf Menschen war, sondern auch ein Angriff auf ihre Würde – und auf das fragile System, das sie eigentlich schützen sollte.

    Atmosphärisch funktioniert Feuernacht für mich besonders stark in zwei Bereichen: Erstens in der bedrückenden Darstellung der psychiatrischen Einrichtung, in der Jakob lebt; zweitens in den unheimlichen Szenen rund um den Spukfall, der auf den ersten Blick völlig losgelöst wirkt – und dann doch langsam seine Verbindung bekommt. Yrsa schafft es einfach: diese leisen, irritierenden Momente, die einen kurz frösteln lassen. Nie übertrieben, nie Effekthascherei, sondern diese typisch nordische Art, in der das Übernatürliche als Möglichkeit einfach im Raum stehen darf.

    Auch die Struktur des Romans mochte ich: die parallelen Handlungsstränge, die immer wieder aufeinander zulaufen, ohne dass man jemals den Faden verliert. Es gibt Wendungen, die ich früh erahnt habe, und andere, die mich auf den letzten Metern doch kalt erwischt haben. Vor allem das Ende hat mich überrascht – nicht, weil es einen Schockmoment liefert, sondern weil es in seiner Logik erschreckend plausibel wirkt. Genau die Art Auflösung, die einem erst mal durch den Kopf schießt und dann nachhallt.

    Was mich zusätzlich gepackt hat, sind die kleinen Menschlichkeiten, die Yrsa immer wieder einbaut: Dóras alltägliche Momente, Probleme, Begegnungen. Nichts davon nimmt übermäßigen Raum ein, aber es erdet die Geschichte und hält die düstere Grundstimmung im Gleichgewicht. Der Humor ist typisch isländisch: trocken, knapp, fast beiläufig – und genau deshalb wirkungsvoll.

    Wenn ich Feuernacht in die Reihe einordne, dann gehört es für mich zu den stärkeren Bänden. Vielleicht nicht ganz so brachial atmosphärisch wie Geisterfjord – aber dafür thematisch dichter, gesellschaftlich härter und erzählerisch subtiler. Es ist ein Buch, das weniger auf Schock setzt als auf das stille Entsetzen, das entsteht, wenn man erkennt, welche Abgründe hinter scheinbar „normalen“ Fassaden lauern. Und die Tatsache, dass ein junger Mann mit Down-Syndrom im Mittelpunkt steht, macht das Ganze noch so viel tragischer – und gleichzeitig umso wichtiger.

    Unterm Strich ist Feuernacht für mich ein klug aufgebauter, intensiv erzählter Island-Krimi, der Spannung, gesellschaftliche Relevanz und eine Prise Mystery perfekt miteinander verbindet. Ein Buch, das man nicht einfach nach dem letzten Satz weglegt, sondern das einem noch ein paar Tage im Kopf bleibt – und das ist meistens das beste Zeichen.

  9. Cover des Buches All about the Money (ISBN: 9783959626002)
    Felix A. Münter

    All about the Money

    (20)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Lucas Townsend, hat sich mit seiner Familie, frau und zwei Kinder, ein schönes Leben aufgebaut, zumindest nach außen hin. Als eines Tages seine Frau von den Problemen erfährt, verlässt sie ihn.
    Lucas ist daraufhin so verzweifelt, dass er sich das Leben nehmen will, doch es kommt anders als geplant. Am Strand wo er wieder zu sich kommt, liegt im Wasser ein Boot verlassen da. Lucas wird neugierig und schaut nach. Als er Einschusslöcher findet, will er erst recht nachschauen was da los ist. Er findet Koffer voller Geld, da er mehr wie nur finanzielle Probleme hat, nimmt er es mit.
    Doch die Besitzer wollen es wieder und auch die Polizei ist hinter dem Geld her.

    Ein spannender Thriller, der alles hat was man braucht, Gangster, Drogenbarone, Verfolgungsjagden und viel Action. Es fällt durch den flüssigen Stil des Autors leicht der Handlung zu folgen. In die Protagonisten kann man sich sehr gut hinein versetzen. Die Handlungsorte sind sehr detailgetreu beschrieben, das man sich diese beim Lesen gut vorstellen kann.

    Mich hat das Buch von der ersten Seite an gefesselt, dadurch fiel es mir schwer es wieder aus der Hand zu legen, wie meist bei den Büchern von Felix A. Münter bin ich absolut fasziniert von der Geschichte.
    Ein echter Münter eben.
    Sehr zu empfehlen.
  10. Cover des Buches Die Farben des Feuers (ISBN: 9783442719624)
    Pierre Lemaitre

    Die Farben des Feuers

    (127)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    1927, der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt soll zu Grabe getragen werden. Ein großes Staatsbegräbnis wurde anberaumt. Alles was Rang und Namen hat, ist zu Ehren des mächtigen Bankiers erschienen. Madeleine, seine Tochter, steht unvermittelt an der Spitze des Imperiums. Madeleine ist geschieden, ihr Ex-Mann verbüßt noch eine Haftstrafe, und Mutter des siebenjährigen Paul. Paul verunfallt am Tag des Begräbnisses seines geliebten Großvaters schwer. 

    Mit dem Tode von Marcel Péricourt verändern sich viele Leben. Madelaine sollte zwar die Geschäfte ihres Vaters weiterführen, doch ist sie nach dem Unfall ihres Sohnes ganz auf seine Gesundung bedacht und überlässt die Führung dem langjährigen Buchhalter Gustav Joubert. Der Privatlehrer von Paul, André Delcourt, beziehungsweise Liebhaber von Madelaine, wird nur noch geduldet. Doch er hat schon längst andere Pläne. Charles, der Bruder von Marcel, befindet sich in einer heiklen Lage, denn sein Bruder half ihm immer wieder großzügig mit Geld aus. Nun muss er sich anders behelfen. Er hat auch schon ein besonderes Vorhaben im Auge. 

    Um Paul macht sich Madelaine sehr große Sorgen, denn der Junge wirkt hochgradig depressiv. Erst als die junge, polnische Krankenschwester Vladi, sich seiner annimmt, scheint es mit Paul aufwärtszugehen. Vladi führt ihn ein in die Welt der Oper und Paul entdeckt seine hingebungsvolle Begeisterung für die Opern-Diva Solange Gallinato. Und gerade in dem Moment, an dem Madelaine wieder Hoffnung schöpfen könnte, wird sie Opfer eines gemeinen Komplotts. Sie verliert Hab und Gut. Die Vorboten des Zweiten Weltkrieges warten auf und Madelaine beginnt ihren ganz persönlichen Rachefeldzug.

    Mit einem rasanten Tempo überschlagen sich die Ereignisse in diesem Roman. Es ist faszinierend was sich Pierre Lemaitre so alles einfallen lässt, wie er die Fäden geheimnisvoll und ausgeklügelt zusammen fügt. Das ist Unterhaltung vom feinsten. Gehaltvoll wartet der Roman mit bitterbösen Intrigen und mannigfaltiger Spannung auf.Sehr große Leseempfehlung!

  11. Cover des Buches Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939 (ISBN: 9783218010436)
    Walter Rauscher

    Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939

    (11)
    Aktuelle Rezension von: krimielse
    Der österreichische Historiker und Sachbuchautor Walter Rauscher bietet mit dem Buch "Das Scheitern Mitteleuropas 1918 -1939" einer informativen und lehrreichen, sachlichen, sehr gut lesbaren Überblick über die Geschehnisse zwischen den Weltkriegen. Ich war vor der Lektüre der Meinung, mich geschichtlich recht gut auszukennen und politische Zusammenhänge erkennen zu können, und wurde vom Autor eines besseren belehrt. Das Buch versorgt mit Informationen, die mir bisher so nicht bekannt waren, betrachtet die Ereignisse aus einer überraschenden Perspektive und zeigt so Zusammenhänge auf, die für mich neu und hochinteressant sind. Als sehr gelungen betrachte ich dabei die in meinen Augen völlig neutrale Herangehensweise. Es ist spannend, auf diese Art Wissenszuwachs zu erhalten, eine Erweiterung des Blickwinkels angeboten zu bekommen und aktuelle Bezüge herstellen zu können. Das Lesen wird angenehm und einfach gestaltet durch die chronologische Abfolge und durch die Einteilung des Buches in sieben Kapitel. Der Autor widmet sich in den einzelnen Kapiteln jeweils der Reihe nach verschiedenen europäischen Gebieten und Ländern. In durchgehend verständlichen Formulierungen erklärt Rauscher die Themenbereiche, Differenzen und Spannungen - die geografische Neuaufteilung, politische Entwicklungen und nationalen Bestrebungen von Sieger- und Verliererstaaten, die Darstellung von Entscheidungen und Fehlentscheidungen mit den bekannten verheerenden Folgen stehen im Vordergrund. Man kann als Leser dem zunehmenden Nationalismus in vielen europäischen Ländern, den aus Gebietsansprüchen und national-egoistischer Kurzsichtigkeit entstandene Konflikte ursächlich nachspüren, die Dramatik in der wirtschaftlichen Entwicklung bedingt durch Zwänge und Eingrenzung sehr gut verfolgen und verstehen. Erschreckend war für mich bei der Lektüre, dass sich Geschichte wiederholt, dass egoistischer Nationalismus nach wie vor auf der Tagesordnung steht und zunehmende Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit durchaus wieder zum Scheitern führen könnte. Wenn auch viele Komponenten bekannt sind besticht Rauschers Buch durch Detailtreue und Präzision im Aufzeigen von Zusammenhängen. Dabei schafft es das Buch auf lobenswerte Art, nicht vom Wesentlichen abzuweichen und wirkt dadurch nie verzettelt oder gar langweilig. Das Buch hat mich beeindruckt und überzeugt, es ist wichtig und sehr lesenswert , und mir 5 Sterne wert.
  12. Cover des Buches Alligatoren (ISBN: 9783959673594)
    Deb Spera

    Alligatoren

    (141)
    Aktuelle Rezension von: NinaReads

    Alligatoren von Deb Spera hat mich von der ersten Seite an völlig begeistert. Das Buch erzählt starke Frauengeschichten, die geschickt miteinander verwoben werden und dabei sowohl emotional als auch inhaltlich überzeugen. Jede Figur ist einzigartig gezeichnet, facettenreich und authentisch – man spürt ihre Motivationen, Stärken und Schwächen auf jeder Seite.

    Besonders beeindruckend ist, wie clever Spera die verschiedenen Geschichten miteinander verbindet. Die Handlung entwickelt sich dynamisch, voller Überraschungen, Spannung und tiefgründiger Momente. Gleichzeitig schafft die Autorin eine emotionale Tiefe, die die Figuren lebendig werden lässt und einen starken Bezug zum Geschehen herstellt.

    In Summe ist Alligatoren ein meisterhaft erzähltes, kraftvolles Werk voller faszinierender Frauenfiguren und intelligenter Verknüpfungen – ein Buch, das man einfach lieben muss.

  13. Cover des Buches Göttersommer (ISBN: 9781537219646)
    Sascha Kersken

    Göttersommer

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Calypso19
    Was wäre, wenn der liebe Gott oder, wie in unserem Falle, die Götter des Olymp plötzlich beschließen würden, die armen, unwissenden, umherirrenden Menschen nicht weiter ihrem Schicksal zu überlassen, sondern zu ihnen herabzusteigen und lenkend in das Weltgeschehen einzugreifen?
    Sascha Kersken lässt genau das in seinem Roman geschehen, als in Athen auf der Höhe der Verhandlungen anlässlich der Wirtschaftskrise die Situation so verfahren ist, dass von göttlicher Seite eine Einmischung erforderlich erscheint, um den sich streitenden Verhandlungspartnern mit sanfter oder auch nicht so sanfter Gewalt einen Weg aus der Misere zu weisen.
    Und damit beginnt eine höchst vergnügliche Erzählung, die den Leser bis zum Ende auf das Beste unterhält! Eine Handvoll Götter erscheint und bemächtigt sich einiger Schlüsselfiguren der Verhandlungen, denen sie zu einer neuen, ihnen genehmeren Sichtweise nicht nur in ihrer Haltung gegenüber dem bankrotten Griechenland, sondern auch auf das Leben im allgemeinen und ihr eigenes im besonderen verhilft.
    Doch Uneinigkeit herrscht nicht nur unter den Sterblichen! Auch die Götter untereinander sind sich nicht grün; und der Leser erfährt, dass sie sich keineswegs einmütig für eine Intervention in den Lauf der Dinge auf Erden entschieden haben! Insbesondere sind es Artemis, Poseidon und Pan, die die gegnerische Fraktion anführen und bald ebenfalls in Athen auftauchen, um die hilfreichen Absichten von Hades, Athene, Aphrodite, Ares, Eris und Hermes zu vereiteln. Und das versuchen sie mit allen Mitteln, die ihnen in imponierendem Ausmaß zur Verfügung stehen, wobei ihnen weder an Fairness gelegen ist noch sie sich an irgendwelche Abmachungen gebunden fühlen.
    Beide Fraktionen versichern sich der Unterstützung einer stetig wachsenden Anzahl von Menschen; Radio, Fernsehen, Internet, Zeitungen sind voll von ihrem sensationellen Erscheinen und ihren spektakulären Aktionen auf der Erde. Keiner zweifelt bald mehr an ihrer göttlichen Identität.
    Ganz Athen spricht kaum mehr von etwas anderem, als es gebannt mitverfolgt, was sich da an Unglaublichem, Skurrilem, Niedagewesenem abspielt, das schließlich in einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen beiden Göttergruppen und ihren menschlichen Gefolgsleuten auf einer rasch dafür hergerichteten Insel gipfelt...
    Was für eine - göttliche - Komödie, die Sascha Kersken da vor den Augen des Lesers inszeniert! Er kennt seine Götter gut! Und gemäß den Eigenschaften, die ihnen in der Mythologie zugeschrieben werden, lässt er sie agieren - zur hellen Freude des diesbezüglich ebenso ein wenig bewanderten Lesers! Man mag versucht sein, die Methoden zu kritisieren, mit denen die Götter ihre auserwählten Sterblichen gefügig machen und auf ihre Zwecke konditionieren, denn nicht immer haben die Menschen eine Wahl, oft tun sie etwas gegen ihren Willen, können dem aber keinen Widerstand entgegen setzen. Dann gilt es, sich bewusst zu machen, dass wir es hier mit nichts anderem als einem Märchen zu tun haben, mit "Fantasy", um es modern und zeitgemäß auszudrücken, das den Leser mit urkomischen Szenen, die gelegentlich an Slapstick erinnern, vor allem unterhalten, das aber - wie es in den meisten Märchen der Fall ist - durchaus auch nachdenklich machen möchte.
    Und das gelingt so meine ich, dem Autor in seiner speziellen Art des Erzählens vorzüglich!
    Denn - am Ende erkennen die Menschen, und der Leser mit ihnen, dass auch der vermeintlichen Allmacht der Götter Grenzen gesetzt sind, und dass Probleme nicht einfach über Nacht - und nur mit einem Buch - aus der Welt geschafft werden können. Auf eine Fortsetzung darf also gehofft werden...
  14. Cover des Buches Berlin – Hauptstadt des Verbrechens (ISBN: 9783328105220)
    Nathalie Boegel

    Berlin – Hauptstadt des Verbrechens

    (9)
    Aktuelle Rezension von: Andrea-Karminrot

    Die dunkle Seite Berlins, in den Goldenen Zwanzigern. Die Hauptstadt hat es schon immer etwas bunt getrieben. Während der Weimarer Republik wurden einige Gesetze geändert. Dadurch schien sich Berlin wieder einmal neu zu erfinden. Freizügigkeit und Partylaune, Drogen und erstaunliche Vergnügungslokale verführten die Menschen, gaukelten Wohlstand vor. Das Verbrechen nahm eine eigene Dynamik an. Es gab Ringvereine, Betrüger, Prostituierte, Drogenhändler und wer weiß was sonst noch. Doch auch hervorragende Polizeibeamte, die es verstanden wie keine Anderen, Verbrecher und Mörder zu überführen. Dazu zählte vor allem Ernst Gennat (den man auch aus den Volker Kutscher-Romanen, um den Ermittler Gerion Rath, kennt) Ernst Gennat gründete die Berliner Mordkommission. Eine Art der Ermittlung, die bis heute Bestand hat. Immer hübsch der Reihe nach wird ein jeder Fall bearbeitet. Lasst bloß die Leichen so liegen, wie man sie findet. Bis Gennat seine Ermittlungsroutine eingesetzt hatte, wurden Leichen hübsch auf dem Sofa drapiert, damit sie nicht so grausam hergerichtet aussahen!

    Die Kriminellen machten sich diese verrückte Zeit zu nutze und erschlichen sich sogar vom Staat Millionen. Sie verführten Staatsbedienstete und Bänker dazu, ihnen Gelder zu ermöglichen, die sie in Saus und Braus wieder unter das Volk brachten. Nebenan saßen die armen Schlucker, die den Kitt aus den Fenstern fraßen und oftmals selber Opfer der Betrüger wurden.

    Nathalie Boegel hat sich mit den Verbrechen in der Hauptstadt beschäftigt und eine Zusammenfassung geschrieben, die recht unterhaltsam daher kommt. Spannende Details erfährt man aus den Goldenen Zwanzigern, die gar nicht so golden waren. Sie recherchierte und sammelte interessante Bilder, mit denen sie die Texte in ihrem Buch unterstreicht.

    Da werden die Gebrüder Sass erwähnt, die es, mit großem Applaus der Berliner Bevölkerung, fertig bringen, die sichersten Tresore der Stadt zu knacken. Der erste aktenkundige Massenmörder, Friedrich Schumann vom Falkenhagener See, wird beschrieben. Oder auch wie sich die Nazis in der wohl zweit „Rotesten Stadt“ nach Moskau, breit machten und ihre grausamen Verbrechen betrieben.

    Für mich war dieses Buch eine Bereicherung. Obwohl mir die Berichterstattung manchmal etwas schwer fiel, fand sich immer wieder ein Kapitel, das mich schmunzeln lies oder mich grauste. Das ganze vielleicht in Romanform verpackt, wäre ein richtiger Knüller. So habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt.

    Die Zeiten der Weimarer Republik in Berlin waren allerdings auch etwas besonders. So ausgelassen hat die Stadt Berlin bestimmt noch nie und nie wieder danach getanzt!



    Nathalie Boegel hat schon bei ihrem Volontariat als Polizeireporterin gearbeitet. Sie ist Fernsehjournalistin für Spiegel TV und hat eine Dokumentation Sündenbabel Berlin – Metropole des Verbrechens 1918-1933 veröffentlicht. Sie drehte schon mehrere Dokumentationen über die Polizei in Deutschland.

  15. Cover des Buches Das Bitcoin-Komplott (ISBN: 9783596707195)
    Andreas Brandhorst

    Das Bitcoin-Komplott

    (44)
    Aktuelle Rezension von: BuechermonsterBlog

    Wohl kaum jemand, der schon einmal von Bitcoin und dessen unglaublicher Wertentwicklung in den vergangenen Jahren seit der Gründung der ersten Kryptowährung im Jahr 2009 gehört hat, wünscht sich nicht, damals auch nur ein paar Euro investiert zu haben – es gab vermutlich nie zuvor eine vergleichbare Möglichkeit, Geld nahezu ohne Aufwand in schwindelerregendem Maße zu vervielfachen.

    Andreas Brandhorst, der Autor dieses Buches, hat nach eigener Aussage zwar schon bereits Anfang der 2010er-Jahre zum ersten Mal von Bitcoin gehört, damals aber selbst noch nicht zugeschlagen – und so muss er sich nun eben durch das Erdenken von Geschichten den Lebensunterhalt verdienen, statt als Multimillionär oder gar Milliardär die Füße hochlegen zu können.

    Ein Ergebnis davon ist nun der Roman “Das Bitcoin-Komplott”, der im Jahr 2028 spielt und eine nahe Zukunft zeichnet, in der es um die Weltwirtschaft nach der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg immer noch alles andere als gut steht. Um für den wirtschaftlichen Total-Kollaps gerüstet zu sein schließen sich daher “Die Sieben”, eine kleine Gruppe höchst wohlhabender und einflussreicher Unternehmer:innen zusammen, um als Gewinner aus der vielleicht historisch schlimmsten globalen Krise hervorzugehen. Ihr Ziel: die Kontrolle über die Kryptowährung Bitcoin zu übernehmen und diese durch gezielte Sabotage der Weltwirtschaft als neue Weltwährung zu etablieren – und das eigene Vermögen dabei ins Unermessliche zu steigern.

    Die Geschichte schildert nun wechselweise die Bemühungen der “Sieben”, ihren Plan in die Tat umzusetzen, setzt den Schwerpunkt aber auf den Journalisten Martin Freeman, der als Bitcoin-Fan zunächst unwissentlich ein gemeinsames Ziel wie die Verschwörer:innen verfolgt, nämlich den berüchtigten Satoshi Nakamoto, den mysteriösen Erfinder des Bitcoin ausfindig zu machen. Und natürlich dauert es da nicht allzu lange, bis sich die Wege von Freeman und den mächtigen Strippenzieher:innen im Hintergrund auf gefährliche Weise kreuzen…

    Es dauert zu Beginn ein wenig, mit “Das Bitcoin-Komplott” warm zu werden, was zu großen Teilen an den Figuren liegt, wobei vor allem die “Sieben” anfangs als recht austauschbare und skrupellose Schurk:innen daherkommen und auch Martin Freeman nicht interessant genug gezeichnet ist, um eine große Bindung bei der Leserschaft hervorzurufen. Nach der etwas holprigen und unterkühlt wirkenden Anfangsphase nimmt die Geschichte jedoch mehr und mehr Fahrt auf und wird im Verlauf der rund 600 Seiten zu einem spannenden und fesselnden Thriller – auch, weil mit der Zeit die Figuren mehr an Profil gewinnen.

    Allerdings bleibt “Das Bitcoin-Komplott” auch weiterhin eher oberflächlich. Die Handlung entwickelt sich schon bald zu einer langen Verfolgungsjagd, die zwar rasant ist und die Protagonist:innen an einige interessante Schauplätze verschlägt, aber deren Elemente sich auch regelmäßig wiederholen, etwa wenn Martin Freeman und seine Freundin immer wieder den gleichen Widersacher:innen entkommen müssen – bis zum nächsten dramatischen Aufeinandertreffen.

    Zudem hält Andreas Brandhorst auch das Thema “Bitcoin” eher einfach und erklärt zwar die Grundzüge der Kryptowährung, fokussiert sich aber in erster Linie auf das große Mysterium um dessen Erfinder Satoshi Nakamoto, dessen wahre Identität auch in der realen Welt nach wie vor ein großes Geheimnis ist. Allerdings ist auch dieses Rätsel eher Mittel zum Zweck und greift kaum tatsächliche Hintergründe oder Theorien auf. Wer mehr über den Bitcoin erfahren und das Thema Blockchain & Co. richtig verstehen möchte, darf von diesem Roman nicht zu viel erwarten. Das ist aber auch okay, denn “Das Bitcoin-Komplott” ist eben kein erklärendes Sachbuch, sondern ein Unterhaltungsroman – und als solcher funktioniert das Buch die meiste Zeit über gut, wenn man von den erwähnten Schwächen absieht.

  16. Cover des Buches Schwarzbuch Kapitalismus (ISBN: 9783821873169)
    Robert Kurz

    Schwarzbuch Kapitalismus

    (7)
    Aktuelle Rezension von: paulsbooks
    Der Autor erarbeitet Stück für Stück die Gründe für die regelmäßigen Crashs einer kapitalistischen Marktwirtschaft und erklärt u.a.,
    • weshalb immer weniger Leute immer mehr Arbeit machen, während andererseits ein riesiges Heer Arbeitsloser entsteht
    • weshalb Staatsschulden die letzte große Blase sind und nie zurückgezahlt werden
    • weshalb die 2008er Krise anders und übler ist als alle zuvor, da es sich um ein globales Problem handelt (große "Kreisläufe" China-USA und Deutschland - Süd-EU-Länder)
    • weshalb der Euro Europa nützt und zugleich massiv schadet
    • weshalb totale Inflation oder totale Deflation mit all ihren extrem hässlichen "Nebenwirkungen" unumgänglich sind
    • wie sich das Ganze in eine umfassendere Sicht auf u.a. Karl Marx' Lehre einbettet, die eben nicht bloß dessen immer wieder gleichermaßen verwendeten Thesen der jüngeren Historie wiederkäut.
    Robert Kurz hat auch auf einigen Webseiten interessante Artikel publiziert, die diese Materie ebenfalls, wenn auch nicht so detailliert, erklären.

    Die Ursache für die Konzentration der Arbeit auf wenige Menschen wird im Buch sinngemäß so erklärt: "der Anteil des Sachkapitals, welches keine Werte neu schafft sondern nur reproduziert, wächst auf Grund der durch Konkurrenzdruck verursachten Rationalisierung ständig an, wodurch letztlich die Anlagerendite des Kapitals in der Realwirtschaft unter eine lohnende Schwelle sinkt, was zu Blasen und dem finalen Crash führt".

    Was mich überrascht hat: das Wort "Zins" kommt an den entscheidenden Stellen überhaupt nicht vor; das Buch beinhaltet Kritik am Geld selbst, nicht am Zins - das muss man erstmal verdauen.

    Meine Kritik am umfassenden und lesenswerten Werk:
    • Die Sprache ist sehr komplex, der betrachtete Horizont riesig und die Zusammenhänge zwar äußerst umfassend, aber dadurch auch ohne tiefgehende Vorbildung schwer zu verdauen. Vielleicht wäre ein "Schwarzbuch Kapitalismus für Dummies" eine lohnende Sonderausgabe.
    • Wenn man begriffen hat, wie treffsicher hier unser System zerlegt wird, kommt schnell die Frage auf: "Was ist denn nach Meinung des Autors die Lösung?". Der Autor lässt den Leser hier bewusst allein.
    Dies ist der Grund, warum ich "nur" 4 Sterne gebe. Wer ein gutes Grundgerüst und Zeit zum Lesen mitbringt: sehr empfehlenswert, und es schreit nach Umsetzung!
  17. Cover des Buches Palais Heiligendamm - Stürmische Zeiten (ISBN: 9783404193028)
    Michaela Grünig

    Palais Heiligendamm - Stürmische Zeiten

    (79)
    Aktuelle Rezension von: Marw

    Cover: Das Cover ist wieder sehr schön gemacht mit dem Hintergrund der Seebrücke von Heiligendamm. Ausserdem passt das Cover wunderbar zum ersten Teil der Reihe und fügt sich sehr gut ein. 

    Inhalt: Palais Heiligendamm, 1922: Während der Währungskrise kämpft Elisabeth erneut um das Überleben des frisch renovierten Palais. Erst als ein berühmter Regisseur in der schönen Kulisse des Hotels einen Film dreht, gibt es neue Hoffnung. Während der berufliche Erfolg zum Greifen nah ist, steht Elisabeths Liebe zu Julius unter keinem guten Stern. Auch ihr Bruder Paul muss Abschied von seinen Träumen nehmen. Er ist zutiefst unglücklich. Als er in den Dunstkreis der NSDAP gerät, trifft er eine Entscheidung, die die ganze Familie in Gefahr bringt ... 

    Meine Meinung: Ich habe mich sehr gefreut all die bekannten Charatere aus dem ersten Teil wiederzusehen und diese erneut zu begleiten. Ich war direkt wieder in ihrem Leben drin und ich konnte wieder richtig mitfiebern. Der Schreibstil wie im ersten Teil auch schon sehr bildhaft und und passt sehr gut zur Geschichte. Die Seiten sind regelrecht dahingeflogen und ich hatte das Buch in wenigen Tagen gelesen. Die verschiedenen Charaktere wurden wieder sehr authentisch dargestellt und die meisten waren unglaublich sympathisch aber es gab auch einige sehr erschreckende Entwicklung die mir sehr leid getan haben. In der Geschichte findet sich wieder viel Spannung, Drama, Liebe und überraschende Wendungen. Ausserdem werden bekannte historische Ereignisse in der Handlung gut eingeflochten. Ich konnte durch das Buch viel über die historischen Ereignisse lernen. Die Fortsetzung ist einfach so klasse geschrieben und so gelungen, dass ich es kaum erwarten kann den dritten Teil zu lesen. Von mir erhält das Buch auf jeden Fall 5 von 5 Sternen und eine sehr große Empfehlung!

  18. Cover des Buches Das Kleid meiner Mutter (ISBN: 9783518467770)
    Anna Katharina Hahn

    Das Kleid meiner Mutter

    (23)
    Aktuelle Rezension von: Schmuck_Guggerin

    Wir sind in Madrid im Jahr 2012, die jüngste Wirtschaftskrise zeigt ihre Auswirkungen. Die Protagonistin des Romans, Ana gehört zu der „verlorenen Generation“. Sie findet zwar Halt bei ihrer Familie, aber als eines Tages ihre Eltern tot in der Wohnung sitzen, gerät das Leben für Ana aus den Fugen.

    Ana schlüpft, wie quasi in ein Kleid, in das Leben ihrer Mutter. 

    Von nun an vermischen sich die Ebenen des Denkens und der Handlungen. Ana lebt als ihre Mutter und erfährt auch deren Lebensgeheimnisse. 

    Ein geheimnisvoller Schriftsteller aus der Zeit ihrer Mutter und doch zugleich in Anas Gegenwart handelnd, nimmt im Buch einen entscheidenden Raum ein. 

    Wir fragen uns, was aus den toten Eltern geworden ist? Sie nehmen als Puppen noch immer an der Handlung teil und werden als existierende Puppen das Ende des Romans mitgestalten.

    Anna Katharina Hahn ist hier ein Buch gelungen, das uns beim Lesen „auf Trab“ hält. Mir hat das dauernde Gemänge der verschiedenen Ebenen sehr viel Freude bereitet. 

  19. Cover des Buches No place, no home (ISBN: 9783473584918)
    Morton Rhue

    No place, no home

    (58)
    Aktuelle Rezension von: MoMo

    Dieses Buch ist zwar schon einige Jahre alt, aber aktueller denn je. Es ist ein Jugendbuch und ich kann es absolut empfehlen, wenn man dem American way of life verstehen will. Wie schnell man aus der Mittelschicht in die Obdachlosigkeit abrutschen kann, wie ist es wenn es kein soziales Netz gibt usw.

  20. Cover des Buches Sunset Park (ISBN: 9783499255168)
    Paul Auster

    Sunset Park

    (82)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly

    Wir lernen Miles als Erwachsenen kennen. Miles Heller, der Chronist der aufgegebenen Dinge, ist Teil eines Entrümpelungstrupps einer Immobiliengesellschaft. Immer, wenn er eine von den Bewohnern verlassene Wohnung betritt, schlägt ihm mit voller Wucht ein Schicksal entgegen. Jedes verlassene Haus war einmal ein Heim und ist nun nur noch Heimstatt einer abschreckenden Szenerie. Widerliche Gerüche, wütende Schmierereien, Schmutz, Leere und Dinge. Dinge, die weder über Schulden noch Traurigkeit hinweghelfen konnten und zurückgelassen wurden. Bücher, Schuhe, Spielzeug, Großes, Alltägliches, Lebloses. Miles weiß nicht, was ihn antreibt dies zu dokumentieren, denn diese unzähligen Fotos sprechen nie von Hoffnungen, immer nur von Tristesse. Und dabei könnte Miles doch etwas von der Schönheit dieser Welt gebrauchen. Selbst hat er sich mittlerweile auf das Notwendigste beschränkt, er raucht und trinkt nicht mehr, besitzt lediglich noch ein Auto und ein Handy, weil sie seinen Lebensunterhalt sichern.

    Als er im Park das Mädchen Pilar kennenlernt, scheint eine kleine Sonne aufzugehen. Nicht nur, weil sie denselben Büchergeschmack zu haben scheinen, da ist noch so viel mehr, auch wenn sie einige Jahre Altersunterschied voneinander trennen. Aber dieser Altersunterschied macht ihre Liebe angreifbar und so ergreift Miles in einer misslichen Lage das Angebot seines alten Bekannten Nathan, der für seine kleine Hausbesetzertruppe noch Zuwachs sucht und verlässt Pilar vorerst. In Sunset Park angekommen, ist es nicht die bescheidene Unterkunft, die Miles beschäftigt, sondern die Nähe zu seiner Familie, die ihn verloren glaubt. Miles, der verlorene Sohn, der in Ungnade gefallene, Miles der Sünder. Die Vergangenheit muss bewältigt werden, Ungesagtes ausgesprochen, auch wenn Wunden aufreißen und nie wieder zu heilen drohen.

    Paul Auster versammelt mit den weiteren Protagonisten Ellen Brice und Alice Bergstrom noch weitere Unikate, die mehr oder weniger auf der Suche sind. Alle, Nathan, aber auch Miles‘ Vater Morris treiben in diesem großen dunklen Ozean Leben und klammern sich an jedes Stück Treibholz, das ihren Weg kreuzt. Diese leise Traurigkeit im Roman hat mich unterstrichen, war Begleiter im Jetzt und Hier und „dann nicht mehr hier…, das Jetzt, das für immer verschwunden ist.“

    Auster!

  21. Cover des Buches Bibliothek der Träume (ISBN: 9783868276022)
    Lynn Austin

    Bibliothek der Träume

    (44)
    Aktuelle Rezension von: Arbutus

    Trotz meines Entschlusses, heldenhaft zu sein, machten die Wälder mir Angst. Was, wenn wir uns verfuhren und ewig durch den Wald irrten? Ich beschloss, mich in die sichere Welt der Fantasie zu flüchten, und vertiefte mich wieder in mein Buch.

    Alice ist nicht gerade das, was man einen starken Charakter nennt. Von Abenteuern zu lesen ist doch etwas anders als sie direkt zu erleben. Sie braucht lange, bis sie den Mut findet, die genialen Herausforderungen des Lebens anzunehmen. Und manchmal geschieht das erst, wenn man mit der Nase darauf gestoßen wird. Für Alice beginnt es im Leben zu rumoren, als sie gleichzeitig ihren Freund und ihre Arbeitsstelle in der Bibliothek verliert. Das dadurch entstandene Vakuum versucht sie zu füllen, indem sie sich einer völlig abgelegenen Bücherei in den Bergen von Kentucky als Aushilfe anbietet. Was sie dort aber vorfindet, trifft sie völlig unvorbereitet. Das Abenteuer beginnt - oder nennen wir es eher mit ihren Worten: einen Albtraum ...

    Mir hat das Buch großen Spaß gemacht. Ich liebe diesen immer wieder eingestreuten trockenen Humor. In der zweiten Hälfte wird es dann auch richtig spannend. Tolle Romanidee, gut umgesetzt. Natürlich ist das Ende ein wenig vorhersehbar, und vielleicht auch ein ganz kleines Bisschen unrealistisch. Aber wisst Ihr was? Für ein Buch mit so einem Titel war es erstaunlich realistisch. Ich habe das Buch genossen! 

  22. Cover des Buches Eine amerikanische Familie (ISBN: 9783492314008)
    Lionel Shriver

    Eine amerikanische Familie

    (23)
    Aktuelle Rezension von: Kaethe84

    Genau als die Geschichte an einen interessanten Punkt kommt - gibt es einen Zeitsprung und man erfährt nur noch Bruchstücke von dem was anschließend passiert ist. Das Ende ist insgesamt zu vorhersehbar. Der gesamte Text enthält immer wieder Anspielunge, die rassistisch wirken (bpsw. dass man sich in Deutschland nur noch auf Türkisch verständigen könne). Insgesamt leider deutlich schlechter als „Wir müssen über Kevin reden.

  23. Cover des Buches Das geträumte Land (ISBN: 9783462051841)
    Imbolo Mbue

    Das geträumte Land

    (146)
    Aktuelle Rezension von: Paperboat

    Nachdem Jende Jonga seine Frau Neni und den gemeinsamen Sohn Liomi zu sich nach New York geholt hat, glaubt er, endlich sein Leben hier beginnen zu können. In seinem kamerunischen Dorf träumen alle davon, in Amerika zu leben. Jende lebt den amerikanischen Traum. Er arbeitet hart und findet durch seinen Cousin eine Anstellung als Chauffeur beim erfolgreichen Wallstreet-Banker Clark Edwards.
    Jende arbeitet für Clarks gesamte Familie, lernt so dessen Frau und die beiden Söhne kennen, und bekommt durch die Nähe viel von den Problemen der Familie mit, die so ganz anders sind als die eigenen. Während Jendes Ängste existenzieller Natur sind – denn sein Asylantrag soll vor Gericht verhandelt werden – scheinen besonders Clarks Frau und sein ältester Sohn von Kümmernissen geplagt zu sein, die ihre jeweiligen Leben auf ganz andere Weise beeinflussen.
    Die Finanzkrise des Jahres 2008 schlägt ihre Wellen durch beide Familien, die jeweils auf ihre Arten mit den Wirkungen der Rezession umgehen müssen.

    So wie Jende den Wagen durch den Verkehr New Yorks lenkt, so lenkt Imbolo Mbue ihre Protagonist:innen durch die Höhen und Tiefen des American Dream. Jende versucht seiner Familie ein Leben im verheißenen Land aufzubauen, und auch seine Frau Neni ist darauf bedacht, die Grundsteine für ein besseres Leben für das gemeinsame Kind zu legen. Während Jende im Maßstab zu anderen nicht so viel zu verlieren hat, gilt es für die Clarks, in der Finanzkrise die Verluste so gering wie möglich zu halten. Doch manche Schuld lässt sich nicht tilgen und ihr Verlust ist in keiner Währung der Welt aufzuwiegen.
    Mbue zeichnet vielfältige Figuren in ihrem Buch, jede individuell problembeladen und auf der Suche nach der ganz eigenen Lösung. In jeden Kopf ihrer Geschichte lässt sie ihre Leser:innen einmal hineinblicken. Ihr Erzählstil ist schlicht, und doch wirkungsvoll.

  24. Cover des Buches Kleine Geschichte der Weimarer Republik 1918-1933 (ISBN: 9783402053638)
    Ludger Grevelhörster

    Kleine Geschichte der Weimarer Republik 1918-1933

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Viv29
    In diesem Buch erhält der Leser, wie der Untertitel auch schon sagt, einen Überblick über die Geschichte der Weimarer Republik. Dieser konzentriert sich auf die politischen Entwicklungen und Zusammenhänge. Die Lebensbedingungen finden deshalb nur marginale Erwähnung, Kunst & Kultur gar keine.

    Der Autor schreibt klar, oft etwas zu trocken. Nach den ersten Seiten war ich nicht sicher, ob ich weiterlesen wollte, denn der Text konnte mich nicht wirklich packen. Dies besserte sich dann aber, trotzdem hätte ein zugänglicherer Stil nicht geschadet. Zusammenhänge sind gut (wenn auch gemäß der Natur des Buches knapp) erklärt. Ich war sehr angetan davon, wie verständlich dargestellt wird, welche Faktoren alle zusammenspielten und zu den weiteren Entwicklungen führten. Als Einführung in die Weimarer Republik ist dieses Buch sehr gut geeignet, aber auch für Leser mit Vorkenntnissen ist es nützlich, da man eine Konzentrierung auf das Wesentliche hat und Hintergründe rasch erklärt findet. Sehr gut auch die Darstellung der latenten und offenen Republikskepsis und- feindlichkeit, mit der sich die Weimarer Republik von Anfang an auseinandersetzen mußte. Motive für das Ergreifen oder Unterlassen von Maßnahmen werden ebenfalls anschaulich beschrieben. Sehr schön die Würdigung der Arbeit Ebert und Stresemanns.

    Es gibt einige Schautafeln und Tabellen, die recht hilfreich sind, sowie einige Abbildungen, die leider fast durchweg von nicht besonders guter Qualität sind. Dies liegt natürlich auch am Fotomaterial der Zeit, aber hier hätte qualitativ durch Bearbeitung schon mehr herausgeholt werden können. Da das Buch ein kleines Format hat und oft zwei Abbildungen pro Seite gezeigt werden, sind die Bilder auch entsprechend klein.

    Im Anhang findet sich eine Zeittafel, sowie Kurzbiographien der wichtigsten Personen der Weimarer Republik

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