Bücher mit dem Tag "wirtschaftswunder"
35 Bücher
- Daniel Speck
Bella Germania
(213)Aktuelle Rezension von: MaviBella Germania ist ein Roman, der wie ein Kaleidoskop verschiedener Kulturen auf mich wirkte. Er transportiere mich auf eine Zeitreise geschichtlicher Ereignisse, die mir nahe am Herzen liegt, nämlich die eines Gastarbeiters in Deutschland.
Ich habe die packende deutsch-italienische Familiensaga über 600 Seiten innerhalb weniger Tage gelesen. Auf persönlicher Ebene befand ich mich auf einer kritischen Reise wegen einer Not-OP und war froh, mich in eine völlig andere Welt zurück zu ziehen.
Der historische Teil des Romans ist besonders gut recherchiert und beschränkt sich nicht nur auf die sozialen Aspekte der Einwanderer, sondern enthält die Kernelemente des Wirtschaftswunders in der Automobilindustrie in Deutschland und Italien. Dabei habe ich es auch geliebt eine virtuelle Spritztour mit der Iso Rivolta Gt zu machen. 🫶🛣️
Daniel Speck‘s eloquenter Schreibstil löst starke Emotionen in seiner Leserschaft aus und schafft die Atmosphäre im jeweiligen Land und Zeitfenster, so dass ich mir alles bildlich vorstellen konnte.
Die fehlerhaften und verletzlichen Charakter der Protagonisten transformieren sich glaubwürdig tiefgreifend, während sie alte Morale und Werte über Bord werfen und neue Persönlichkeitsschichten aufbauen.
Zu guter Letzt, spitzt sich der Spannungsbogen von Beginn zu Ende über einen Mordfall zu, wobei lang gehütete Geheimnisse über das Schicksal der Hauptprotagonistin enthüllt werden.
Der Plottwist am Ende hat mich vollkommen vom Hocker gehauen 😳🤯.
Absolute Leseempfehlung ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️.
Bella Germania ist nicht erste Reise mit Daniel Speck und wird auch nicht meine letzte sein.
- Annette Hess
Deutsches Haus
(237)Aktuelle Rezension von: PepaleFrankfurt 1963: Eva ist Dolmetscherin. Durch einen Zufall kommt sie an eine Job als Übersetzerin für Polnisch beim Auschwitz Prozess. Unbedarft und naiv stürzt sie sich in ihre Arbeit, ohne zu ahnen was sie dort erwartet. Die Berichte der Zeugen wie Juden ermordet, gedemütigt, gefoltert wurden, setzen Eva schwer zu. Evas Eltern hatten ihr abgeraten diesen Job zu übernehmen. Am Ende sind ihre Eltern in das ganze Geschehen verknüpft und die Familie zerstört.
Mit ihrem Verlobten führt sie eine typische Beziehung, wie es in den 1960er Jahren verbreitet war, sie ordnet sich ihm unter. Das Gesellschaftliche Rollenbild sah es so vor, sonst galten Frauen als „unweiblich“.
Annegret, die ältere Schwester von Eva, leidet unter dem Helden-Syndrom (Profilneurose). Als Säuglingsschwester infiziert sie Babys mit Bakterien um sie hinterher wieder gesund zu pflegen und dafür Lob und Geschenke zu bekommen.
Die Autorin hat gut recherchiert.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Geschichte ist fesselnd und bewegend. Die Protagonisten sind gut beschrieben und entwickeln sich weiter.
Es handelt sich um eine gelungene Geschichte.
- Konrad Jarausch
Zerrissene Leben
(16)Aktuelle Rezension von: SatansbratenDas Buch schafft, was Geschichte sonst oft fehlt, es es ist lebendig, zum Anfassen, verstehbar, nachvollziehbar. Es erzählt anhand von konkreten Schicksalen die Geschichte des letzten Jahrhunderts. Die Befragten Menschen haben unterschiedliche Hintergründe, der Sohn wohlhabender Juden, das Kind eines Pastors, andere aus Arbeiter Familien, kommunistischen Familien. Sie erleben daher die Vorkriegszeit sehr unterschiedlich, auch die Zeit des Krieges und die Jahre danach sind neben den politischen Ereignissen auch durch persönliche Entscheidungen geprägt. Gleichzeitig wird auch sehr viel erklärt, das wichtig ist, um Hintergründe und Geschehnisse besser einordnen zu können. Mir hat das Buch erstaunliche Einblicke in diese Zeit gegeben, selbst wenn man mit den geschichtlichen Fakten vertraut ist, bringt diese Herangehensweise ganz neue Einsichten! Lesenswert ! - Stephanie Schuster
Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt
(202)Aktuelle Rezension von: Buchwurm05Inhalt:
1953. Endlich geht es in Deutschland wieder aufwärts. Die mageren Jahre sind vorbei. Während Luise von einem eigenen Laden träumt, nehmen Luises Brüder die heimatvertriebene Marie bei sich auf dem Bauernhof auf. Helga, die aus reichem Haus stammt, flüchtet vor ihren Eltern und beginnt eine Ausbildung als Krankenschwester in der Geburtsklinik von Dr. von Thaler. Durch ein Missverständnis zieht sie den Zorn von dessen Gattin Annabel auf sich. Jede versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen. Noch wissen sie nicht, dass sich ihre Wege immer wieder kreuzen werden.....
Leseeindruck:
"Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" ist der erste Band einer Trilogie. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Luise, Marie, Helga und Annabel geschrieben. So konnte ich sie nach und nach besser kennenlernen und wurde tief in die Geschichte hineingezogen. Es hat mich gut und kurzweilig unterhalten, ihren Lebensweg zu verfolgen. Ich habe es bewundert, wie sie das Beste aus ihrer Situation gemacht und immer wieder Mut gefasst haben. Dabei kam es gerade zum Ende hin auch zu Szenen, die ich so nicht erwartet habe. Auf der einen Seite wurde es nicht langweilig und es gab für mich unerwartete Wendungen. Auf der anderen Seite, hat das gar nicht zu den Figuren gepasst. Auch, wenn das jeweils in Ausnahmesituationen geschehen ist, kam mir persönlich das etwas zu unerwartet.
Fazit:
"Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" hat mir unterhaltsame Lesestunden beschert. Es ist eher ein leichter Roman, bei dem ich mich schnell in die Figuren hineinversetzen konnte. Von mir gibt es eine Leseempfehlung. - Wolfgang Koeppen
Tauben im Gras
(238)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerHier geht's zur Kurzmeinung auf meinem Blog.
Kurzmeinung
+ beeindruckender Stil, vor allem die vielen Synonyme und bildhaften Umschreibungen, die sich auseinander entwickeln und in freien Assoziationsketten aneinander gefügt werden
+ fließende Übergänge zwischen den Perspektiven durch Verknüpfung über unvollständige Sätze oder identische Worte
+ starke Verflechtung der Perspektiven, indem die Figuren sich wechselweise begegnen
- sprachlich so komplex, dass es sehr viel Konzentration erfordert und anstrengend zu lesen ist
- fühlt sich ziellos an, auch wenn das Ziel, das München der Nachkriegszeit zu analysieren, durchaus erreicht wird
- Katharina Fuchs
Neuleben
(83)Aktuelle Rezension von: KadoMir fällt die Bewertung des Buchs etwas schwer, das liegt allerdings an meiner eigenen Schusseligkeit. Ich kam sehr schwer in das Buch rein und hatte recht schnell nicht mehr soviel Lust es zu lesen. Mich haben die ganzen Namen am Anfang irritiert zu denen mir ein Kennenlernen gefehlt hat. Beim letzten Buch Drittel hab ich mal etwas in anderen Rezensionen gestöbert und sehr schnell festgestellt das ich Teil 2 einer Diologie am lesen bin. Jetzt macht alles etwas mehr Sinn. Der Rest hat mir dann auch gut gefallen, vorallem weil ein Teil in Wiesbaden, meiner Heimst, spielt und da kannte ich natürlich einiges. Ich werde Band 1 noch lesen und bin gespannt wie mir das dann gefällt.
Die Geschichte an sich war super und ich habe große Sympathie für Gisela und Therese. Zwei sehr taffe Frauen die ihren Weg gingen und Wegbereiterinnen für sicherlich einige Damen waren.
Ich würde 3,5 bis 4 Sterne von 5 vergeben. - Brigitte Riebe
Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus
(184)Aktuelle Rezension von: Elkes_LiteraturwolkeInhaltsangabe:
Im Juni 1932 wird das Modekaufhaus der Thalheims am Berliner Ku’damm eingeweiht und eröffnet. Die 13jährige Rike Thalheim weiß nun, wo ihre Zukunft liegt, in diesem Hause, auch wenn der Vater seinen Sohn bevorzugt!
Mai 1945: Berlin liegt in Schutt und Asche. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und die Menschen kämpfen ums nackte Überleben. Die Villa der Thalheims wird erst von den russischen, dann von den britischen Besatzern beschlagnahmt. Das glanzvolle Kaufhaus ist den Bomben zum Opfer gefallen und der Vater ist noch immer in russischer Gefangenschaft.
Rike Thalheim fühlt sich inzwischen für die Familie verantwortlich, auch wenn ihre Mutter noch vor dem Krieg verstorben ist und sie mit einer Stiefmutter und einer Halbschwester beseelt ist. Und dann ist da noch Miriam, die als Jüdin irgendwie den Krieg in Berlin überlebt hat.
Aus ihren Verstecken holen sie Nähmaschine und Stoffe. In einer kleinen zugigen Wohnung planen und basteln sie an ihrer Zukunft, aber kleine und größere Schicksalsschläge machen ihnen immer wieder einen Strick durch die Rechnung.
Mein Fazit:
Brigitte Riebe kann historische Romane schreiben – das steht ohne Zweifel für mich fest. Ich habe schon einige Romane aus dieser Epoche gelesen, aber dieser Roman gibt mir noch einmal Einblicke in Bereiche, die ich nur vom Hören kann: Trümmerfrauen, Spruchkammer etc. Mir war nicht bewusst, wie beschwerlich das Leben nach dem Krieg war. Ständiger Hunger, strenge Winter, kaum Arbeit und überall verwundete Seelen und Körper.
Die Atmosphäre wurde von der Autorin wunderbar eingefangen, die Nöte und Sorgen, aber auch kleine Hoffnungsschimmer, Durchhalteparolen und kleine Freuden, die den harten Alltag etwas auflockerten und von den Problemen ablenkten. Es war auch eine Zeit der politischen Unsicherheiten. Berlin in vier Sektoren eingeteilt – wie würden die Siegermächte mit dem Volk umgehen? Wie sah die Zukunft der Stadt und ihrer Menschen aus?
Diese Unsicherheiten kamen immer wieder zum Vorschein. Rike ist mit ihren 26 Jahren schon das Familienoberhaupt, solange der Vater aus der Gefangenschaft nicht zurückgekehrt ist. Er gehörte noch zum Volkssturm, zum letzten Aufbegehren des Führers, ehe Berlin endgültig fiel. Die Verantwortung lasten auf ihr und die Umstände machen es ihr nicht gerade leicht. Aber die Familie hält auch zusammen, machen Pläne und arbeiten bis zum Umfallen. Fast vergisst sie ihre eigene Zukunft dabei.
Ich möchte nicht allzu viel verraten, aber es gibt viele interessante Szenen, die mir eine ganze Menge über die damalige Zeit erzählten. Bedauerlich ist das auch so ein Punkt, den ich zu kritisieren habe. Der Spannungsbogen fehlte so ein bisschen, als Leserin wusste ich nicht so recht, wohin die Reise geht und was da noch kommen mag.
Die Fortsetzung werde ich zu dieser Geschichte nicht lesen. Trotz der interessanten Details konnte es mich nicht mitnehmen und packen, deshalb gibt es nur eine Sterne.
- Cora Stephan
Ab heute heiße ich Margo
(100)Aktuelle Rezension von: JulianchenDieses Buch wartete schon etwas länger im Regal darauf, gelesen zu werden. Es hat sich gelohnt. Auf den Spuren von Margo, eigentlich Margarete, begibt sich der Leser auf eine Reise durch die deutsche Geschichte von 1936 bis zur Jahrtausendwende. Margo ist eine selbstbewusste Frau, für die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung sehr wichtig sind. Während der Naziherrschaft ist sie eine Mitläuferin, hat keine politischen Interessen und keine politische Haltung. Sie ist fleißig, tatkräftig und mutig und hält sich nicht mit Emotionalitäten auf. Nach dem Krieg gelingt es ihr mit ihrem Mann Henri, ein neues Leben im Wirtschaftswunder Westdeutschlands aufzubauen. Sie ist pragmatisch, kreativ und zukunftsgerichtet. So wird sie schnell erfolgreich und erarbeitet sich eine eigene Karriere. Henri, der auch als Richter seinen Platz gefunden hat, kocht und kümmert sich hingebungsvoll um den Garten. Ein sehr moderner Mann in der damaligen Zeit. Seine Figur rührt mich sehr. Seine Liebe zu Margo hält auch Betrug und Seitensprünge aus. Neben Margo wird die Handlung auch aus der Perspektive von Helene, einer ehemaligen Kollegin Margos und Alard, eines Adeligen erzählt. Die drei verbindet ein Geheimnis aus den letzten Kriegsjahren. Helene ist eine sehr zwiespältige Figur. Anfangs gefällt sie mir sehr gut mit ihrem Mut und ihrem Aufbegehren. Auch ihre Liebe zu Alard, die sich bis auf wenige Tage im Krieg nicht entfalten kann, ist sehr gut eingefangen. Ihre Wandlung zur Spionin der DDR und ihre emotionalen Intrigen werfen dann aber ein anderes Licht auf sie. Mir bleibt ihre Figur bis zum Ende etwas fremd und unnahbar. Dennoch ist die wechselseitige Perspektive aus Ostdeutschland und Westdeutschland, durch Helene und Margo sehr gut gesetzt. Die Geschichte der beiden Töchter, Leonore und Clara bzw. Emma ist angerissen, wird aber im Nachfolgeroman tiefer erzählt. Am Ende geht es dann etwas schnell und wirkt stellenweise konstruiert. Auch das Geheimnis um die verschwundenen DDR-Millionen hätte es für mich nicht unbedingt gebraucht. Doch der Roman berührt mich, interessiert mich und die Figuren sind sehr facettenreich gezeichnet. Daher absolut empfehlenswert.
- Christian Berkel
Ada
(139)Aktuelle Rezension von: liebeleinDie Geschichte von “Ada“ ist die Fortsetzung des Romans “Der Apfelbaum“ von Christian Berkel, in welcher er seine Herkunft und Familiengeschichte nicht nur erzählt, sondern auch aufarbeitet – mit einer nachhaltigen Tiefe im Gedächtnis.
Es ist die Geschichte eines Mädchens mit ihrer jüdischen Mutter, das weit nach dem Krieg in den 50er Jahren mit der Mutter aus Argentinien in ein ihr sehr fremdes Deutschland nach West-Berlin zurückkehrt. Sie erlangt wieder Kontakt mit ihrem Vater Otto (falls es ihr Vater ist), den sie sehr vermisst hat, doch ihre Vorstellungen von ihrem Vater und Familie werden nicht erfüllt. Auch mit ihrem später geborenen Bruder kann sie wenig anfangen, sie fühlt sich in dem unbekannten Land mit der autoritären Erziehung fehl platziert und vermisst die vorherige Freiheit und freies Denken in einer Familie, die lieber über alle Geschehnisse schweigt. Sie fühlt sich missverstanden und vereinsamt und flüchtet sich in eine Rebellion gegen die Regeln und Spießigkeit der Erwachsenen auf der Suche nach sich selbst.
Und findet dies in ihrem Dasein als Studentin, Woodstock und alle weiteren Randerscheinungen der Generation der 68er, mit freier Liebe, Drogen und Demos mit Gleichen.
In einem angenehmen Erzählstil geschrieben, nimmt Berkel uns mit in die Umbruchphase in Deutschland in der Person von Ada. Man versteht ihren Zwiespalt und ihre Sehnsüchte, die Abspaltung von den Kriegsjahren und jeglichen konstruierten Regeln, die eine junge Frau in dieser Zeit nur einschränkt und oft verzweifeln lässt. Man fühlt in vielen Situationen mit Ada und begleitet sie zu einer emanzipierten Frau. Interessant ist, dass die ganze Geschichte Adas als Erzählung aus einer Therapiesitzung stammt.
Mir hat die Geschichte über die etwas “andere“ Protagonistin gefallen, leider nicht komplett in allen Passagen abgeholt, jedoch empfinde ich es trotzdem empfehlenswert.
- Felicitas Fuchs
Die Akte Schneeweiß
(53)Aktuelle Rezension von: StillesenMit „Die Akte Schneeweiß“ hat Felicitas Fuchs mich wieder einmal komplett abgeholt. Nachdem ich bereits ihre Minna-Trilogie verschlungen habe, war meine Erwartung hoch und ich wurde kein Stück enttäuscht.
Das Buch spielt in Bielefeld zu zwei unterschiedlichen Zeiträumen, von 1936 bis 1946 und 1963 bis 1977, und erzählen die Geschichte von Mathilde und Katja, zwei Frauen, deren Lebenswege durch ein altes Familiengeheimnis miteinander verbunden sind.
Schonungslos ehrlich zeigt die Autorin die Stellung der Frau in beiden Zeiten. Rechte, die uns heute selbstverständlich erscheinen, waren damals hart umkämpft oder schlicht nicht vorhanden. Katjas Kampfgeist in den 60er- und 70er-Jahren hat mich tief beeindruckt. Zu wissen, dass Frauen damals ohne Zustimmung ihres Ehemanns nicht einmal arbeiten durften, ist aus heutiger Sicht kaum zu fassen und es ist noch gar nicht so lange her!
Mathildes Geschichte ging mir besonders unter die Haut. Mehr als einmal hatte ich beim Lesen einen Kloß im Hals. Ich war wütend, fassungslos, traurig und gleichzeitig so dankbar, dass diese Geschichte erzählt wird. Gerade weil sie auf wahren Begebenheiten beruht, entfaltet sie eine enorme Wucht. Manche Szenen sind schwer auszuhalten, aber genau das ist wichtig. Diese Kapitel deutscher Geschichte dürfen nicht verblassen. Sie müssen erzählt, gelesen und erinnert werden.
Besonders eindringlich ist die Auseinandersetzung mit dem Thema ungewollte Schwangerschaft und der Frage, wie häufig Frauen – damals wie heute – mit den Konsequenzen allein gelassen werden. Während Männer sich entziehen können, tragen Frauen Verantwortung, Scham und gesellschaftliche Verurteilung. Dieses Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und macht ihn erschreckend aktuell.
Felicitas Fuchs verwendet eine greifbare Sprache und lässt die Geschichte so im Kopf Wirklichkeit werden. Auch das von ihr selbst eingelesene Hörbuch ist sehr hörenswert!
Die Message der Geschichte ist absolut wichtig: Nie wieder dürfen sich gesellschaftliche Entwicklungen wiederholen, die Ausgrenzung, Entrechtung und Diskriminierung ermöglichen. Wir alle sind gefragt, wachsam zu bleiben!
„Die Akte Schneeweiß“ ist ein intensiver und bewegender Roman über Frauenrechte, gesellschaftliche Zwänge und die Kraft, für sich selbst einzustehen. Hochaktuell, erschütternd und absolut lesenswert. Für mich ganz klar: 5 von 5 Sternen.
- Harald Jähner
Wolfszeit
(22)Aktuelle Rezension von: Viv29Diese Buch stand eine ganze Weile ungelesen in meinem Regal. Keineswegs aus Mangel an Interesse, sondern weil ich mir angesichts des Umfangs und Themas eine zwar lohnenswerte, aber doch schwergängige Lektüre erwartete, der ich mich nicht nebenbei widmen wollte. Nun kann ich sagen: lohnenswert ist diese Lektüre absolut, schwergängig dagegen keineswegs! Ich war sofort gebannt von der Erzählweise des Autors. Hier wird Geschichte so erzählt, wie ich es schätze: fundiert, respektvoll und trotzdem eingängig. Das Buch vermittelt auf ungemein unterhaltsame Weise eine Vielzahl interessanter Fakten, darunter zahlreiche, die mir auch als Geschichtsfan neu waren. Harald Jähner kündigt im Vorwort an, den Nachkriegsjahren den Schleier der Düsternis ein wenig nehmen zu wollen und tatsächlich gelingt es ihm, aufzuzeigen, wie viel positive Stimmung es trotz der Not und dem Leid gab. Überhaupt wohnt der Erzählweise eine Leichtigkeit inne, die das Lesen angenehm gestaltet. Dabei mangelt es ihm aber nie an Ernst und Respekt, wo dieser angebracht ist und natürlich ist den tiefdunklen Aspekten ebenfalls Raum gewidmet. Es wird nichts beschönigt, die allgemeine Ausrichtung des Buches ist aber von einem erfreulichen Facettenreichtum, welcher die emotionale Vielfalt dieser Zeit hervorragend widerspiegelt.
Jähner zitiert zahlreiche Zeitgenossen, die uns teilweise im Laufe des Buches immer wieder begegnen, was eine angenehm persönliche Komponente in das Buch bringt und auf den Blick auf das eröffnet, was ich immer am interessantesten finde: wie sich geschichtliche Ereignisse auf die Menschen auswirkten. Auch die zahlreichen Fotos sind anschaulich, während umfangreiche Quellenangaben im Anhang die sorgfältige Recherche beweisen. Wir erfahren über Politik ebenso wie über Liebesbeziehungen, über den Schwarzmarkt ebenso wie über die Begründung ungewöhnlicher Karrieren wie z.B. der Beate Uhses, oder der Entwicklung Volkswagens, von den Schicksalen derer, die nach einem entwurzelten Leben in Lagern den Weg in einer bürgerliche Existenz nicht (mehr) fanden. Es gibt unterhaltsame Informationen, so mußte ich schmunzeln, daß es gerade Frankfurt gelang, als einzige Stadt die Trümmerbeseitigung so durchdacht anzugehen, daß sie damit noch Gewinn machten. Vereinzelt wechselten mir die Themen zu schnell, hätte ich mir mehr Informationen gewünscht, aber das waren Ausnahmen. Es ist beeindruckend, welche Themenvielfalt hier versammelt ist, ohne daß es auf Kosten der Tiefe geht.
„Wolfszeit“ ist Geschichtsvermittlung, wie es sein soll: unterhaltsam wie ein Roman, dabei bestens recherchiert und von unglaublicher Informationsvielfalt. Rundum gelungen!
- Juliane Michel
Fräulein Wünsche und die Wunder ihrer Zeit
(18)Aktuelle Rezension von: Abby1810Frankfurt 1950 mitten im Wiederaufbau. Die 20 jährige Karin Wünsche arbeitet als Buchhändlerin und ist sehr weltoffen und neugierig. Eines Tages ist sie in der Buchhandlung ihres Vaters, als der gutaussehende, dunkelhäutige GI Billy den Laden aufsucht. Fasziniert von seiner Art und seinem Aussehen, verliebt Karin sich Hals über Kopf in den jungen Mann. Sie erleben schöne und vertraute Momente und für Karin ist es die große Liebe. Doch plötzlich muss Billy zurück in die USA, und kurz darauf entdeckt Karin, dass sie schwanger ist. Schnell schreibt sie ihm Briefe und hofft auf ein Wiedersehen. Jedoch kommen keine Antworten zurück. Karin verliert ihren guten Ruf, muss nun weiterhin mit ihrem Kind bei ihrer Familie wohnen, und darf aufgrund der damaligen Gesetzeslage nicht der Vormund ihres Kindes sein.
Aber Karin ist eine starke und mutige junge Frau. Sie geht trotz aller Widerstände ihren Weg. Sie liebt ihre Tochter Caroline über alles, und kämpft um ihre Zukunft.
Für mich war es das erste Buch, welches Rassismus nach dem Ende des zweiten Weltkriegs behandelt. Es war schmerzhaft zu lesen wie stark das nazionalsozialistische Gedankengut, noch in den Köpfen der Menschen vorhanden war. Caroline wurde aufgrund ihrer Hautfarbe von einigen Menschen als Mensch zweiter Klasse angesehen. Schlimm war auch zu sehen, wie schlecht die Gesellschaft mit alleinerziehenden Müttern umgegangen ist, und wie die damaligen Gesetze ihnen das Leben zusätzlich erschwert haben.
Juliane Michel schreibt mit viel Detailwissen und gibt Einblicke in die Problematik eines Besatzerkindes der Nachkriegszeit. Das Buch liest sich sehr leicht und flüssig, die Handlungen sind bildlich und sehr detailliert beschrieben. Ich habe Karin und ihre herzliche Familie sehr gerne begleitet. Das Buch ist sehr lesenswert.
- Andreas Wunn
Saubere Zeiten
(98)Aktuelle Rezension von: YukBook„Saubere Zeiten“ ist ein sehr treffender, zweideutiger Titel für diesen Roman, der über drei Generationen geht und teils auf wahren Begebenheiten beruht. Details über seine nicht ganz unbefleckte Familiengeschichte erfährt der Ich-Erzähler und Journalist Jakob Auber erst, als sein Vater Hans im Sterben liegt. Mit Hilfe von hinterlassenen Tonbandaufnahmen, Tagebüchern und seinen eigenen Erinnerungen rekonstruiert er in seinem Elternhaus in Trier die verschwiegenen Kapitel.
Die Geschichte von Jakobs Großeltern während des deutschen Wirtschaftswunders ist spannend zu lesen. Theodor, eine schillernde Figur, der mit der Erfindung eines Waschpulvers reich wurde, und seine loyale Frau Lisbeth, die sich um die Stabilität des Erfolgs und der gesellschaftlichen Anerkennung bemüht, hatte ich bildhaft vor Augen. Mitleid hatte ich mit ihrem Sohn Hans, der wenig Aufmerksamkeit bekommt und sich ausgeschlossen fühlt.
Die Zeitsprünge zur Gegenwart sind sehr abrupt. Darin nehmen Jakobs gescheiterte Beziehungen viel Raum ein, die ich nicht so nachvollziehen konnte. Auch war manches für mich vorhersehbar. Davon abgesehen habe ich die Geschichte über den Erfolg und Fall einer Unternehmerfamilie, moralisch belastenden Entscheidungen während der Nazizeit und Spurensuche eines Kriegsenkels gern gelesen.
- Lilly Bernstein
Findelmädchen
(193)Aktuelle Rezension von: Anne_Siem_Auch in diesem Buch spielt Lilly Bernstein ihre ganzen Stärken aus: detailliert, nachvollziehbar und mit viel Gefühl werden die Nachkriegswirren aufgezeigt und man fühlt sich komplett in diese Zeit versetzt.
Helga ist eine starke Protagonistin, welche viel aushalten muss, aber dennoch immer für sich und andere kämpft.
Hochemotional und authentisch konnte ich anhand von Helga die Nöte aus der Nachkriegszeit kennenlernen.
Lediglich das Ende war mir in diesem Fall etwas "zu viel".
Dennoch eine absolute Leseempfehlung, vor allem aufgrund der absolut authentischen Darstellung! - Brigitte Riebe
Die Schwestern vom Ku'damm: Wunderbare Zeiten
(143)Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider1952, Deutschland baut sich wieder auf und so auch die Familie Thalheim. Ihr Warenhaus steht wieder und besondere Mode und tolle Stoffe, sind für die Kundinnen etwas ganz besonderes. Rike treibt das Ganze voran und hat immer neue Ideen. Silvie ist mit ihrer Stimme berühmt geworden und moderiert die super erfolgreiche Sendung Stimmen, auf dem Sender Rias. Als ihr Zwillingsbruder Oskar auftaucht ändert sich mal wieder alles und nicht nur wegen ihm, schlägt Silvies Herz schneller. Flori ist rebellisch und will ihren eigenen Weg gehen und macht der Familie Thalheim große Sorgen. Die Zeit birgt aber viele Überraschungen und nicht alles läuft glatt und das geteilte Deutschland ist für viele immer noch ein fremdes Universum. Auch im zweiten Band packt Brigitte Riebe ihre LeserInnen und entfaltet ein farbenprächtiges Familienbild und lässt die Deutsche Geschichte gekonnt ein fließen. Die Schwestern sind unterschiedlich und jeder bekommt ihren Raum. Ganz toll und spannend geschrieben.
- Loel Zwecker
Vom Anfang bis heute
(19)Aktuelle Rezension von: WolfhoundLoel Zwecker komprimiert uns hier die Weltgeschichte auf unter 500 Seiten.
Dabei schafft er es durch seinen Schreibstil, aber auch durch vereinzelt eingestreute unnütze Anekdoten, den manchmal doch recht trockenen Geschichtsaspekt aufzulockern. An einigen Stellen konnte ich mir ein Schmunzeln oder auch Lachen nicht verkneifen.
Die Themen sind gut aufgearbeitet und machen auch Spaß. So bekommt man einen schönen knackig kurzen Einblick in vielen Aspekte unserer Geschichte.
Jedoch werden auch hier (unvermeidbare?!) Schwerpunkte wie z. b. die französische Revolution gesetzt und andere Bereiche werden nur angerissen. So werden Jahrhunderte der afrikanischen Geschichte nur wenige Seiten.
Auf der anderen Seite sind so schwierige Themen wie Rassismus und die Kolonialisierung meiner Meinung nach gut dargestellt und aufgearbeitet.
Leider ist der lockere, moderne Stil des Buches auch auf einigen Strecken etwas anstrengend und die Coolness und der Humor wirken zu gewollt, was mir zum Ende hin den Lesespaß etwas verhagelt hat. Dennoch ist es ein absolut lesenswertes Buch, aus dem man einiges mitnehmen kann und das mein Wissen in einigen Belangen doch wieder sehr aufgefrischt hat
- Brigitte Glaser
Bühlerhöhe
(159)Aktuelle Rezension von: Lesezeichenfee... Handtuch geworfen. Es sind gaaaaaaaanz viele verschiedene Geschichten miteinander verflochten und etwas wirr geschrieben. Das da jetzt ein Spiegel Bestseller Teil drauf ist, ist typisch, weil ich mag das Buch nicht. Selten bin ich mit dem Aufkleber eine Einheit.
Nun ja, aber es war echt zu langweilig, als dass ich da die normalen 2 Sterne fürs Abbrechen hätte geben können.
- Cosima Thomas
Walnussdonner
(1)Aktuelle Rezension von: pardenVON DER UNMÖGLICHKEIT DER LIEBE...
Der Roman beginnt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, und die Menschen und Ereignisse werden noch von dem Grauen überschattet. Mit 21 Jahren gerade volljährig, sucht Mathilda, die ihre Eltern bei einem Bombenangriff verloren hat und danach bisher im Waisenhaus lebte, händeringend ein preiswertes Zimmer. Sie hält sich mehr schlecht als recht mit zwei Jobs über Wasser, macht gleichzeitig eine Ausbildung zur Lehrerin und hat kaum genug Geld zum Überleben.
Ihre Freundin Margot hat eine Idee, die sie Mathilda jedoch nur zögerlich unterbreitet. Margot hat einen Bruder, der in seinem Haus ein kleines Zimmer vermietet - doch so einfach gestaltet sich die Situation nicht. Theo wurde 1944 schwer verwundet und ist seither blind. Schwer traumatisiert, lebt er seit seiner Verwundung im Haus seiner verstorbenen Eltern und ist nicht in der Lage, dieses auch nur für einen Schritt zu verlassen. Der Kriegsversehrte lebt mit den Gespenstern des Krieges, eingeschlossen in seinem Kopf, und wartet auf den Tod. Er bevorzugt die Einsamkeit und erträgt Gesellschaft nur schwer - und bislang hat er alle Mieter des kleinen Zimmers nach kurzer Zeit vergrault. Doch es gibt keine Alternative, alles andere ist für Mathilda nicht bezahlbar, und so zieht sie tatsächlich in Theos Haus. Doch zunächst bekommt sie ihn gar nicht zu Gesicht...
"Wenn sie abends in der Dunkelheit in ihrem Bett lag, dachte sie manchmal daran, dass Theo tagein, tagaus so lebte. Dunkelheit und relative Stille. Einsam und irgendwie zurückgelassen. Ähnlich wie sie selbst, nur dass Mathildas Einsamkeit endlich war und sie sich mit dem Gedanken, zurückgelassen worden zu sein, arrangiert hatte. Sie hatte weitergemacht, Theo war stehen geblieben, mit dem Rücken zur Wand, und traute sich nicht weiterzulaufen. Weil das Grauen, das er durchlebt hatte, zu tief in seiner Seele verankert war."
Theo wird durch seine inzwischen verheiratete Schwester versorgt, doch ist dies durch ihre Schwangerschaft irgendwann nicht mehr möglich. Mathilda springt ein, so gut sie kann, doch es soll noch Wochen dauern, bevor Theo sie in seine Wohnung lässt. Trotz seiner Widerstände beginnen sich die beiden zu arrangieren, und Mathilda lässt sich auch durch Theos Kratzbürstigkeit nicht abschrecken. Die Tage sind ausgefüllt mit Arbeit und Lernen, und ganz allmählich beginnt aus der Pflichterfüllung und dem Mitleid Theo gegenüber eine echte Zuneigung zu werden, die sich Mathilda anfangs selbst nicht einzugestehen wagt. Durch Mathildas respektvolle aber unerschrockene Art holt sie Theo ganz allmählich aus seinem Schneckenhaus heraus. Sie bevormundet ihn nicht, lässt ihm sein Tempo, wendet sich aber auch nicht von ihm ab, egal wie er sich verhält.
Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine Routine zwischen den beiden, Veränderungen geschehen nur zögerlich und schrittweise, doch die Zuneigung wächst. Einseitig, wie Mathilda lange glaubt, doch ist Theo, der jede Nacht den Krieg erneut durchlebt und der durch das herbstliche Herabprasseln der Walnüsse auf das Blechdach des Schuppens in Todesangst versetzt wird, überhaupt in der Lage zu lieben? Mathilda beschließt, sich mit dem zufrieden zu geben, was eben möglich ist, und was sie genau weiß ist, dass sie die Nähe zu Theo braucht. Dieser ermutigt Mathilda immer wieder, sich einen Mann zu suchen und dann ihren Lebenstraum zu verwirklichen und Kinder zu bekommen doch die junge Frau ist stur. Sie weiß, wen sie liebt, und mit weniger kann sie sich einfach nicht zufrieden geben. Aber wird es für Theo einen Weg in die Zukunft geben?
"'Interessiert Sie das wirklich, was ich davon halte?' - 'Nicht im Geringsten', antwortete Mathilda fröhlich. 'Ich habe heute Morgen die Zeitung von gestern von den Nachbarn abgestaubt. Ich lese Ihnen was vor.' - 'Großartig', sagte Theo freudlos und schloss das Fenster. Mathilda lachte leise in sich hinein. Theo war ein Griesgram, trotz allem hatte sie einen Narren an ihm gefressen. Sie wusste gar nicht genau, warum, aber sie mochte ihn wirklich gerne."
Cosima Thomas hat hier eine langsame Erzählweise gewählt, was mir über weite Strecken sehr gut gefallen hat. Die Charaktere werden auf diese Weise behutsam immer vertrauter, und man erhält so einen guten Einblick in die damaligen Zustände - alles wirkt überaus authentisch. Gesellschaftlich-politische Zusammenhänge (das Lehrerinnenzölibat, die Strafbarkeit von Ehebruch u.v.m.) finden hier ebenso Eingang wie die zahlreichen sichtbaren wie unsichtbaren Verwundungen durch den Krieg. Während Mathilda und Theo im Laufe der Erzählung immer älter werden, spaziert der Leser sozusagen nebenher durch die Nachkriegszeit und die Wirtschaftswunderjahre, durch die wilden sechziger Jahre und die Musik von Elvis, Frank Sinatra und Hildegard Knef und tanzt dazu mit den beiden, die nicht zueinander finden können, durchs beengte Wohnzimmer...
Ein Satz aus dem Klappentext hat mir sehr gefallen: 'Gemeinsam leben sie ein halbes Leben, Theo im Krieg, Mathilda im Frieden.' Doch als Leser wünscht man sich für die beiden auf Dauer ein ganzes Leben. Die zwischenzeitliche Ungeduld und Frustration von Mathilda wird zunehmend auch zu der des Lesers - zumindest war das so bei mir. Etwa ab der Hälfte des Buches war ich zunehmend fassungslos, wie die Jahre der beiden vorbeiflogen, ohne dass sich tatsächlich etwas Gravierendes veränderte. Für mich war das irgendwann überstrapaziert und teilweise nicht mehr vorstellbar, aber Cosima Thomas ließ sich in ihrem Erzähltempo nicht beirren - sie blieb trotz flüssigen Schreibstils konsequent in der besonderen Situation der beiden Hauptcharaktere.
Wie der Roman endete, wird hier natürlich nicht verraten, aber das Nachwort sei noch einmal lobend erwähnt. Hier erklärt die Autorin, wie sie auf das Thema kam und wieviele 'echte Vorbilder' in die Erzählung eingeflossen sind. So viel sei verraten: den Walnussbaum beispielsweise gab es wirklich.
Ein eindringliches Portrait der Nachkriegszeit - Kriegstrauma vs. Liebe: eine Geduldsprobe! Atmosphärisch gelungen, authentisch geschildert, und in jedem Fall ein besonderes Leseerlebnis...
© Parden - Susanne Matthiessen
Ozelot und Friesennerz
(98)Aktuelle Rezension von: sarah83sbookshelfMondän. Das ist das erste Wort, das einem einfällt, wenn man an Sylt denkt.
Zumindest in heutiger Zeit. Den Schönen und den Reichen gehörte die Insel, bevor das Deutschlandticket spruchreif wurde.
Aber stimmt das wirklich? Denn eigentlich gehören die 99 Quadratkilometer den Insulaner, doch diese gibt es immer weniger. Nicht nur, weil sie sich die Häuser kaum mehr leisten können, sondern auch weil die Insel keine Geburtenstation mehr besitzt.
Doch die Geschichte beginnt in den sechziger Jahren. Die Protagonistin lebt mit ihren Eltern in Westerland und Pelze sind ihr Lebensunterhalt. Die Schönen und Reichen kommen zu ihnen, um sich beraten zu lassen und anschließend dem Kaufrausch zu verfallen, denn seien wir mal ehrlich, wer einen Pelz hat, kann auch einen zweiten gebrauchen.
Neben dem Alltag im Laden und zuhause mit den Übernachtungsgästen erzählt sie auch von den anderen Kindern, die ebenfalls mit dem Tourismus zu tun haben. Denn nach dem Krieg floriert dieser auf der Insel. Zu Beginn sind die Unterbringungsverhältnisse vielleicht noch spartanisch, doch auch hier zieht das Niveau immer weiter an. Ebenso wie die Ansprüche der Gäste, denn nichts ist in ihren Augen zu viel verlangt und nichts dürfen die Insulaner ihnen ablehnen, schließlich sind sie zahlende Gäste.
Nicht nur auf Sylt sondern auch in anderen Feriengebieten breitet sich in den letzten Jahren die Problematik aus, dass die Einheimischen dort nicht wohnen können und außerhalb des Tourismus keine anderen Jobs zur Verfügung stehen. Von anderen Menschen oft verpönt, ist es wirklich schwer, sich in die Einwohner hineinzuversetzen, da sie Stück für Stück ihre Heimat und ihre Kultur verlieren. Zudem kommt bei der Familie der Autorin der Wandel zum Tragen, dass ihr Broterwerb ersatzlos weggefallen ist. Sicherlich schwingt der Unmut darüber im Buch mit und auch die fehlende Beachtung dessen, was die Insulaner in der Saison leisten, doch ist das Buch auch ein Stück deutsche Geschichte, da es zeigt, wie Deutschland sich in den sechziger und siebziger Jahren wieder aufgebaut hat und was den Menschen in ihrem Alltag wichtig ist. Das Wechselspiel zwischen arm und reich bildet hierbei einen weiteren Reiz.3,5 von 5 Fellen
- Brigitte Riebe
Die Schwestern vom Ku'damm: Tage der Hoffnung
(94)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderDie Thalheim Schwestern haben alle ihren Weg gefunden und selbst Flori, das schwarze Schaf der Familie, findet in der Kunst und der Fotografie ihre Bestimmung. Deutschland verändert sich und teilt sich immer mehr. 1958 ist der Beginn des Buches und auch wenn man sich langsam erholt in Berlin, so sind die Schatten der Vergangenheit lang. Auch die DDR wird nun stärker und mächtiger und schließt zu. Die Gefühle spielen Achterbahn und die Modeszene entwickelt sich rasant und Dank der neuen amerikanischen First Lady, hat man auch eine neue Stil Ikone. Werden die drei Schwestern alle glücklich? Brigitte Riebe hat mit Band 3 ihre große Ku¿damm Reihe abgeschlossen und begeistert auch hier wieder. Viele historische Ereignisse sind mit eingeflochten und Prominente aus der Zeit kommen in dem Buch mit vor und den Abschluss bilden wahrlich historische Worte. Eine super tolle Buchreihe!
- Andreas Götz
Die im Dunkeln sieht man nicht
(55)Aktuelle Rezension von: walli007Im Jahr 1950 kehrt der Schriftsteller Karl Wieners aus Berlin nach München zurück. Er hat im Krieg alles verloren, insbesondere seine Familie, aber auch seinen Willen zu schreiben. Dennoch nimmt er das Angebot seines alten Kumpels Georg an, für die Zeitschrift, welche dieser neu auflegen will, zu recherchieren. Dass seine Nichte Magda hinter diesem Angebot steht, weiß Karl nicht. Kommissar Ludwig Gruber, mit dem Karl zur Schule gegangen ist, ermittelt in einem Mordfall. Ein Spediteur wurde ermordet und aus seinem Büro wurde ein Bild gestohlen. Hängt dies vielleicht mit dem Verschwinden der Bilder zusammen, deren Spuren sich bei Kriegsende verloren?
Bei diesem zeitgeschichtlichen Kriminalroman um Karl Wieners, seine Nichte und Kommissär Gruber handelt es sich um den ersten Band einer Trilogie. Der zweite Weltkrieg ist noch nicht so lange her und die Menschen haben die Zeit noch nicht überwunden. Es gibt die Ewiggestrigen, die immer noch von einem anderen Staat träumen, aber auch die, bei denen ein Denkprozess eingesetzt hat. Jedoch sind alle vom Krieg geprägt. Karl ist sich nicht sicher, ob es eine gute Idee war zurückzukommen. In Berlin hat ihn allerdings auch nichts mehr gehalten. Gruber hadert mit dummen und faulen Kollegen und mitunter auch mit seinen eigenen Schwächen.
Die 1950er sind eine interessante Epoche in Deutschland. Ein toller Hintergrund für eine spannende Geschichte, die mit vielen Informationen aufwartet und die Nachkriegszeit ehrlich beschreibt. Leider sind die Beschreibungen des privaten Umgangs insbesondere von Karl und Magda nicht so fesselnd, dieser Teil der Story wirkt etwas aufgesetzt. Auch entsteht ein wenig der Eindruck, es habe sich in diesem Fall alles Schlechte versammelt, was München damals zu bieten hatte. Abgesehen davon ist der Zeitkolorit aber sehr gut eingefangen. Man lernt sehr gut, zu verstehen, dass nur fünf Jahre nach dem Krieg eben noch nicht alles in Ordnung war. Vielen fehlte es an Einsicht über die Verbrechen des Krieges und nur langsam konnte ein wenig Hoffnung einsetzen, dass es vielleicht zu einem Umdenken kommen könnte.
- Christine Koschmieder
Frühjahrskollektion
(20)Aktuelle Rezension von: ancla_books4life**** Worum geht es? & Mein Eindruck ****
Die Thematik des Buches ist wirklich einzigartig – ebenso wie ihre Darstellung. Wir begleiten eine Familie durch das Modejahr 1964 und werden dabei immer wieder überrascht. Denn der Alltag kann alles andere als langweilig sein. Dieses Buch ist gut recherchierte Geschichte, gefüllt mit Leben, einem trockenen Ton und Erzählmomenten, die auf den Punkt sind. Ich bin immer wieder gern in das Geschehen eingetaucht – habe das Buch aber auch zwischendurch gerne beiseitegelegt.
An der Seite von Lilo, Harry und Reni erlebte ich das Wirtschaftswunder neu: voller Energie und Tatendrang, aber auch mit dem spürbaren Nachklang der NS-Zeit. Durch die wechselnden Perspektiven und sich überschneidenden Handlungsstränge kam es zu Wiederholungen – und gerade bei einem so kurzen Buch mit einem so prägnanten Stil bin ich davon kein großer Fan.
Die drei Figuren der Familie könnten kaum unterschiedlicher sein: Während die einen schweigen, sehnen sich die anderen nach Freiheit und Selbstbestimmung. Die Stimmung und Atmosphäre der 60er-Jahre wurde hervorragend eingefangen – und so las ich doch immer weiter. Die übergeordnete Botschaft hat gesessen, und genau die gilt es hier zu entdecken. Es hat sich gelohnt.
**** Empfehlung? ****
Insgesamt handelt es sich um ein Buch wie kein zweites – vor allem wegen des besonderen Sprachstils der Autorin. Auch wenn mich die Wiederholungen gelegentlich gestört haben, konnte mich das Buch immer wieder fesseln. Ich spreche daher eine klare Empfehlung aus – besonders für Leser*innen, die in die 60er-Jahre eintauchen möchten und das Thema Freiheit auf literarische Weise erkunden wollen.
- Tanja Janz
Wo der Seewind flüstert. Die St.-Peter-Ording-Saga
(101)Aktuelle Rezension von: LorixxDer erste Teil der "St.-Peter-Ording-Saga" führt ins Jahr 1959 und startet mit Sabine.
Eine Zeit der Aufbruchstimmung, alles war neu, aufregend und man sah voller Zuversicht in die Zukunft. Dieses Gefühl hat die Autorin sehr gut rübergebracht und lässt die Geschichte so authentisch wirken.
Mit Sabine wurde eine Buchfigur geschaffen, die für viele andere junge Frauen ihrer Zeit steht. Sie hat Träume und Sehnsüchte, wollte die Welt kennenlernen...
Die Autorin hat eine Atmosphäre geschaffen, in der man sich gleich wohlfühlt, das Nordseefeeling spürt und die Orte hautnah erlebt.
Ihre Charaktere sind individuell und sympathisch. Wiederkehrende Figuren sorgen dafür, dass es sich wie nach Hause kommen anfühlt.
Eine berührende und nostalgische Liebesgeschichte, rund um Träume von Ruhm und Freiheit vor einer zauberhaften nordischen Kulisse.
Diese Trilogie ist auch ein kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Die Einblicke in diese Zeiten um das Ende der 50er, 70er und 90er Jahre bergen auch viele Erinnerungen. Jede Zeit war anders, einzigartig, hatte ihre Höhepunkte, Besonderheiten und Ereignisse.
Diese Geschichte hat mir gut gefallen, sie ist sehr unterhaltsam und lässt sich gut lesen.























