Bücher mit dem Tag "wissenschaftsgeschichte"
41 Bücher
- Lindsey Fitzharris
Der Horror der frühen Medizin: Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner (suhrkamp taschenbuch)
(176)Aktuelle Rezension von: xdexx7Kurzbeschreibung: In dem Buch geht es um die Karriere des englischen Chirurgen Joseph Lister. Er wurde dadurch bekannt, dass er als einer der ersten Chirurgen die Lehre der Desinfektion vertrat. Anders wie seine Kollegen, befasste er sich mit der hohen Sterblichkeit der Patienten und versuchte dieser entgegenzuwirken. Das dieses Unterfangen nicht von Anfang an mir Erfolg gesehnt war ist voll klar. Trotz aller Kritik und Gegenwehr, gelang es im eine wirksame Methode zur Desinfektion von Mensch, Wunde und Material zu finden und seine verdiente Reputation zu erlangen.
Meinung: Meiner Meinung nach ist der Titel etwas schlecht gewählt. Der Titel besagt, dass es um den Horror der frühen Medizin geht, dabei geht es aber um einen Chirurgen die zu dieser Zeit nicht mal als Mediziner angesehen wurden. Der Untertitel macht genau so Probleme, dieser suggeriert mir, dass Joseph Lister aktiv gegen Kurpfuscher, Quacksalber und Knochenklempner vorgegangen. Dies ist jedoch überhaupt nicht der Fall. Er hat "nur" eine neue Methodik zur Desinfizierung entwickelt und hat sich somit mit alteingesessenen Medizinern angelegt. Diese waren nämlich der Meinung, dass seine Lehre und Methodik unnötig und falsch sei.
Fazit: Erwarten sie sich keine Veranschaulichung von Horrorgeschichte über die frühere Medizin des 19. Jahrhunderts. Es geht hier eher um die Revolution der Arbeitsweise der damaligen Chirurgen und wie diese sich auf die Zukunft der Schulmedizin ausgewirkt hat. Trotz allem muss ich sagen, dass es ein sehr unterhaltsames Buch ist, welches sich schnell, spaßig und unkompliziert lesen lässt. Lässt sich auch gut mit dem zweiten Buch "Der Horror der frühen Chirurgie" kombinieren.
- Andrea Wulf
Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur
(85)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderAlexander von Humboldt ist Namensgeber von Schulen, Straßen und mehr und ist fast jedem ein Begriff. Wer war der Kerl aber eigentlich und was hat er mit unserem heutigen Leben und vor allem, mit dem Klimaschutz zu tun? Andrea Wulf hat recherchiert, geforscht, gefragt und beleuchtet und uns ein tolles Buch beschert. Auf über fünf Hundert Seiten, tauchen wir in das Leben von Alexander von Humboldt ein und erfahren sehr viel und sie zieht eben Schlüsse bis heute und nimmt uns so mit, auf eine ganz spannende Reise. Tolle Lektrüe und auch gut als Vorbereitung für Vorträge und Referate.
- Thomas de Padova
Das Weltgeheimnis
(13)Aktuelle Rezension von: Gulan„Nun aber, erfindungsreicher Galilei, preise ich deinen unermüdlichen Fleiß, wie er es verdient. Du hast alle deine Hemmungen beiseite geschoben, bist geradewegs darauf ausgegangen, deine Augen die Probe machen zu lassen, und hast, da nun durch deine Entdeckungen die Sonne der Wahrheit aufgegangen ist, alle jene Gespenster der Ungewissheit mit ihrer Mutter, der Nacht, vertrieben und durch die Tat gezeigt, was gemacht werden konnte. Unter der Kraft deines Beweises anerkenne ich die unglaubliche Feinheit der himmlischen Substanz.“ (S.81)Das Jahr 1609 ist ein herausragendes Jahr für die Wissenschaft und insbesondere für die Astronomie. In Venedig verbessert Galileo Galilei das kurz zuvor in den Niederlanden entwickelte Fernrohr, beobachtet den Mond, zeichnet die Mondgebirge und entdeckt kurze Zeit später die vier großen Jupitermonde. Zur gleichen Zeit veröffentlicht Johannes Kepler seine ersten beiden Planetengesetze in der „Neuen Astronomie“. Zwei Ausnahmewissenschaftler, die sich auf den Weg machen, das Weltbild zu verändern, aber auf so manche Widerstände stoßen. Zwei Wissenschaftler, die auch in einem Austausch miteinander stehen, die aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Charaktere nie so richtig zusammenfinden.
Autor Thomas de Padova hat dieses Buch in drei Teile unterteilt. Er beginnt den ersten Teil mit dem Jahr 1609 und den bahnbrechenden Entdeckungen der beiden Wissenschaftler. Im zweiten Teil holt er die Lebensläufe der beiden nach und erzählt von ihrer Kindheit und Jugend und ihrem Werdegang als Wissenschaftler. Schließlich werden im letzten Teil die teilweise dramatischen Ereignisse rund um Galilei nach 1609 erzählt.
Wenn es um eine Neubestimmung der Grundbegriffe geht, sind die Erwartungen an wissenschaftliche Gipfeltreffen hoch. […]
So wenig Kepler zunächst einer solchen Aufforderung bedarf, so sehr geht Galilei einem wirklichen Dialog aus dem Weg. Lebt Kepler für die Wissenschaft, macht Galilei in seinen Briefen deutlich, dass er auch von der Forschung lebt und diese weniger als kooperative, denn als kompetitive Angelegenheit betrachtet. Ihre Kommunikation scheitert an ihrem unterschiedlichen Temperamenten, ihren individuellen Ambitionen und wissenschaftlichen Fragestellungen. (S.266)
Schon 1597, nachdem Kepler sein Erstlingswerk, „Das Weltgeheimnis“, veröffentlicht hat, kommt es zu einem ersten Briefwechsel zwischen den beiden Forschern. Dort versichern sich beide ihrer Anhängerschaft zum kopernikanischen Weltbild. Doch die Korrespondenz kommt ins Stocken. 12 Jahre später kommt es zur Wiederaufnahme der Briefwechsel, aber Keplers euphorische Begeisterung über Galileis Entdeckungen werden von diesem bestenfalls höflich beantwortet. Galilei will Karriere machen, wird Hofphilosoph der Medici und ist auch in Rom beim Papst hochangesehen. Kepler will den wissenschaftlichen Austausch, Galilei sieht sich eher in einem ständigen Wettbewerb. So überreizt er schließlich sein Blatt: Zunächst ergeht ein Dekret der Kirche gegen die Lehre des Kopernikus und 1633 wird er selbst von der Inquisition angeklagt.
Eine auch für Laien der Astronomie und Physik gut lesbare Doppelbiografie von Galilei und Kepler. Sehr interessant auch immer wieder die Einbettung in die damalige politischen Verhältnisse kurz vor und während des Dreißigjährigen Krieges.
- Charles Darwin
Die Fahrt der Beagle
(6)Aktuelle Rezension von: Stadtbuecherei_WuerzburgCharles Darwin, gerade mal 22 Jahre jung, brach am 27.12.1831 zu seiner Forschungsreise an Bord der „Beagle“ auf. Die Welterkundung mit dem Vermessungsschiff unter dem Kommando von Kapitän Fritz Roy dauerte ganze fünf Jahre. In dieser Zeit legte der passionierte Käfersammler Darwin schließlich 1529 Spezies in Spiritus ein, etikettierte 3907 Häute, Knochen und andere Fundstücke. Die Reiseroute führte zu den Kapverdischen Inseln, nach Patagonien, Feuerland, Chile, über die Galapagos-Inseln, Neuseeland und Australien. In dem sehr ausführlichen Reisetagebuch hielt er all seine Beobachtungen und Entdeckungen fest. Er berichtete von der Schönheit Haitis, den atemberaubenden Korallenriffen der Südsee ebenso wie über seine geologischen Exkursionen. Hier erweist sich der junge Charles Darwin als glänzender Stilist, der keinen Hehl aus seiner Liebe für poetische Impressionen und literarische Metaphern machte. Wir lernen einen Menschen kennen, der sich stets wissbegierig über bereits vorhandene Vorurteile und festgefahrene Meinungen erhob und die Welt mit wissenschaftlicher Akribie und exakten empirischen Forschungen, aber auch mit den offenen und staunenden Augen eines Kindes betrachtete. Dabei stellte er bereits spektakuläre Theorien auf, erkannte sehr bald, dass alle Tiere und Pflanzen auf gemeinsame Vorfahren zurückzuführen sind und sich nur allmählich von einfachen zu höheren Lebewesen entwickelt haben. Somit keimte seit dieser Reise die Evolutionstheorie in ihm, die er erst viele Jahre später ausarbeiten und dank seines Kontrahenten Alfred Russel Wallace, der unabhängig von Darwin eine Evolutionstheorie entwickelte, dann auch publizieren sollte. Denn Darwin quälte sich jahrelang mit den Erkenntnissen dieser Theorie herum, ließen sie sich doch überhaupt nicht mit der biblischen Schöpfungsgeschichte unter einen Hut bringen. Selbst heute noch wird er dafür als Häretiker und Ketzer verachtet, denn mit Darwin wurde die Welt verändert und nichts sollte mehr so sein wie es einst war. Endlich nun liegt dieses Buch in einer spannend zu lesenden neuen deutschen Übersetzung vor, die dank des Marebuch Verlags in einer wunderschönen, bibliophilen, edlen Ausgabe mit Kartenmaterial, Illustrationen im Schuber zum Schmökern einlädt. So kann man sich als Leser hervorragend in die Welt des jungen Charles Darwin hineinversetzen und findet dabei eine Welt vor, die noch nicht ausgebeutet und durch des Menschen Hand verunstaltet war. Daniel Kehlmann nimmt im Vorwort den Leser bei der Hand und macht durch seinen engagierten und fundierten Text sofort neugierig auf dieses einmalige Lesevergnügen. Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
(25)Aktuelle Rezension von: BM2TE22aDas Buch ist gut zu lesen, wobei anfangs die Gefahr besteht, dass man ein bisschen die Übersicht verliert. Dies ist dem Start beim Zusammentreffen der Leben der beiden Protagonisten geschuldet. Die Geschichte verläuft als Doppelbiographie, welche die Leben von Gauss und Humboldt bis zu deren zusammentreffen erzählt. Dort ist jedoch gewisse Vorsicht geboten, wenn auch der geschichtliche Rahmen passend ist, so sind einige Details und Anekdoten frei von Kehlmann erfunden oder in der Zeitachse verschoben worden, um der Botschaft der Geschichte nicht zu widersprechen. Mir gefiel, wie die beiden Leben aufgezeigt wurden und der ironische Erzählstil. Das Buch eignet sich gut als Zeitvertrieb oder um es beispielsweise in der Schule zu analysieren, da es viele gute Quellen dazu gibt. Weniger geeignet ist es jedoch, um es selbst als geschichtliche Quelle zu verwenden, da es ein Roman ist, welcher kein Wert auf geschichtliche Korrektheit legt. S.C.
- Florian Freistetter
Newton. Wie ein Arschloch das Universum neu erfand
(10)Aktuelle Rezension von: Anna_ResslerInhalt: Wer war dieser Newton eigentlich und was hat es mit seinen Gravitationsgesetzen auf sich? Welche Auswirkungen haben seine Entdeckungen auf die heutige Wissenschaft? Und was war das Genie Newton eigentlich für ein Mensch? Auf all diese Fragen gibt Florian Freistetter Antworten...
Meine Meinung: Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch, durch den eher unkonventionellen Titel. Es ist leicht verständlich geschrieben und das benötigete "Wissenschaftswissen" wird für Laien verständlich erklärt - was wie ich hier anmerken möchte sehr gut gelungen ist. Freistetter schreibt mit viel Humor über die wichtigsten Episoden im Leben des Genies Newton, auch wenn das manchmal etwas sprunghaft wirkt. Er stellt auch immer wieder den Bezug zur modernen Wissenschaft her - hier wiederholt er sich leider einige Male. In sieben Kapiteln, abgegrenzt immer durch eine kreative Karikatur werden die verschiedenen Seiten Newtons beleuchtet und als Leser kann man feststellen - der Buchtitel ist Programm.
Mein Fazit: Unterhaltsam geschrieben und sehr zu empfehlen.
- James D. Watson
Die Doppelhelix
(15)Aktuelle Rezension von: PhilippWehrliEigentlich wünschte ich mir mehr solche Bücher. Dennoch gebe ich nur drei Sterne. Das verlangt nach einer Erklärung.
James Watson beschreibt die Entdeckung der DNA-Doppelhelix, das „wahrscheinlich grösste Ereignis in der Biologie seit Darwins Buch“. Die Protagonisten sind im Wesentlichen Maurice Wilkins, Rosalind Franklin, Linus Pauling, Francis Crick und James Watson selbst, die sich ein Wettrennen um den Nobelpreis für diese Jahrhundert-Entdeckung liefern, das Watson und Crick schliesslich gewannen.
Es ist spannend nachzuvollziehen, wie Theorie, intuitive Eingebung und präzise Beobachtung sich gegenseitig befruchten, und zu sehen, wie sich das Bild der Doppelhelix Puzzlestück für Puzzlestück zusammensetzt.
Der Physiker Francis Crick hatte sich bereits 1946, inspiriert von Schrödingers Buch ‚Was ist Leben?’ der Biologie zugewandt. Zusammen mit dem erst 25-jährigen James Watson, über den Crick allenfalls in einem Buch unter dem Titel „die lockere Schraube“ berichten würde, bildeten die zwei ein Aussenseiter-Team im Rennen um die Entdeckung der DNS-Struktur. Von Biologen mal als ‚geniale Dilettanten’ mal als ‚wissenschaftliche Clowns’ bezeichnet, schlugen sie einen von Biologen belächelten Weg ein: Sie versuchten ‚wie Kinder im Kindergarten’, das Riesenmolekül aus Metallbausteinen zusammen zu setzen. Diese Methode verwendete zwar auch der begnadete Chemiker Linus Pauling. Die Biologen meinten aber, Biologie sei viel zu kompliziert, als dass man mit chemischen Methoden etwas ausrichten könnte.
Ausserordentlich überrascht hat mich, dass Watson und Crick die für mich naheliegendste Frage praktisch nicht gestellt haben: Wie muss ein Molekül aufgebaut sein, damit es sich selbst replizieren kann?
Diese Frage hätte sich meiner Ansicht nach aufgedrängt, wie im Laufe des Buches immer deutlicher wird. Seit nahezu 30 Jahren spukte die Idee in den Kreisen der theoretisch interessierten Genetiker, die Verdoppelung der Gene beruhe auf abwechselnder Bildung komplementärer Oberflächen. Dass die DNS dabei das entscheidende Molekül war, war die Grundannahme, die Crick und Watson überhaupt in dieses Gebiet geführt hatte. Weshalb also nicht nach solchen komplementären Oberflächen suchen?
Von Anfang an vermuteten Crick und Watson, dass die DNS aus zwei oder drei Polynukleotidketten zusammengesetzt ist, also Ketten von vielen Nukleotiden. Das Rückgrat schien eine spiralförmige Zucker-Phosphat-Kette zu sein. Ihr Fehler war, dass sie lange Zeit dachten, das Rückgrat müsse im Zentrum des Moleküls liegen. An diesem Rückgrat sollten vier Arten von Nukleotiden aufgereiht sein, denn nur diese vier Arten wurden in der DNS gefunden. 1952 erfuhr Watson dann von der Schlüssel-Entdeckung des österreichisch-stämmigen Biologen Erwin Chargaff, bei der doch alle Alarmglocken hätten läuten sollen: Bei allen DNS-Präparaten entsprach die Anzahl der Adenin-Moleküle ziemlich genau der Zahl der Thymin-Moleküle, während die Anzahl der Guanin-Moleküle der Zahl der Cytosin-Moleküle sehr nahe kam. Es scheint mir nachträglich schwer nachvollziehbar, weshalb da nicht sogleich die Idee aufkam, dass diese Moleküle die komplementären Oberflächen bilden. Weshalb sonst hätten sie immer paarweise auftreten sollen?
Aber offensichtlich spielte die Frage nach der Replikationsfähigkeit bei der Entdeckung der DNS kaum eine Rolle. Selbst nachdem die Doppelhelix entdeckt war, zweifelte Watson noch, ob sie damit auch den Kopiermechanismus kannten. Fast gegen Watsons Willen fügte Crick dem Paper die berühmten Worte hinzu: „Es ist unserer Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass die spezifische Paarbildung, die wir postuliert haben, unmittelbar einen möglichen Kopiermechanismus für das genetische Material nahelegt.“
So schön der Einblick in die Gedankengänge eines Genies ist, so störend scheint mir, wie Watson über seine Mitmenschen berichtet. Stossend ist vor allem, wie er Vermutungen darüber anstellt, was andere wohl gedacht haben. Wie er verschiedenen Leuten schäbige und verwerfliche Motive zuschreibt, die wohl seiner eigenen Denkweise entsprechen. Und wie er diese Vermutungen dem Leser als Tatsachen präsentiert. Speziell unfair behandelt er dabei Rosalind Franklin, eine attraktive Frau und brillante Forscherin, die anders als die anderen Frauen in Watsons Umkreis auch ohne Make-up und tiefem Ausschnitt Respekt einforderte, nämlich als Wissenschaflterin.
Zumindest gibt das Buch einen unschönen Einblick, wie Frauen damals wohl an vielen wissenschaftlichen Instituten behandelt wurden. Obwohl Franklin als erfahrene Kristallographin angestellt war und obwohl sie dieses Gebiet offensichtlich wesentlich besser beherrschte als Willkins, nennt Watson sie Wilkins’ ‚Assistentin’. Stets steht der Gedanke über Franklins körperlichen Vorzüge oder Mängel als Schleier vor ihrer wissenschaftlichen Leistung, etwa wenn Watson über ihren Vortrag berichtet, in dem sie für Watson und Crick entscheidende neue Fakten erklärte, während Watson sich „überlegte, wie sie wohl aussehen würde, wenn sie ihre Brille abnähme und irgend etwas Neues mit ihrem Haar versucht.“
Als Frau musste sie in einem anderen, schäbigeren Speisesaal essen als die Männer. Vor allem aber galt gegenüber Frauen offensichtlich ein ganz anderer Fairness-Codex, als gegenüber Männern. So hielten sich Watson und Crick ‚aus Fairness’ anfangs zurück, über die DNS zu forschen, weil dies Maurice Wilkins Gebiet sei. Gegenüber der Forscherin hatten die Männer aber keinerlei Skrupel. Wilkins stahl heimlich von Rosalind Franklin angefertigte Röntgenaufnahmen der DNS und reichte diese Aufnahmen ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung an Watson und Crick weiter. Ohne die Entwendung dieser Aufnahmen wäre die Entdeckung der Doppelhelix wohl einiges später gelungen, womöglich auch nicht durch Watson und Crick, sondern durch Linus Pauling oder durch Rosalind Franklin.
Immerhin ergänzt Watson seinen Bericht durch einen Epilog, in dem er einige freundliche Worte für Rosalind Franklin findet und sie auch als Forscherin würdigt. Traurigerweise schrieb er diese Worte erst, nachdem Rosalind Franklin im Alter von nur 37 Jahren an einer unheilbaren Krankheit gestorben war. Obwohl Watson in diesem Epilog eingesteht, dass sich seine „ersten (in diesem Buch festgehaltenen) Eindrücke von ihr – sowohl in persönlicher als auch in wissenschaftlicher Hinsicht – weitgehend als falsch erwiesen haben“, fiel ihm nicht ein, die Schilderungen zu korrigieren. So verdüstert Watsons negative und falsche Schilderung bis heute das Bild dieser brillanten Wissenschaftlerin.
Das Beispiel Franklin ist keineswegs das einzige Entgleisung an Respektlosigkeit, die Watson sich leistet. Francis Crick war über die Darstellung so erzürnt, dass der universitätseigene Verlag von Harward die Publikation ablehnte, sogar, nachdem Watson seine Darstellung überarbeitete. Watson entschuldigt diese Respektlosigkeiten im Vorwort mit der Bemerkung, dies zeige, „wie ich damals – von 1951 bis 1953 – die Ideen, die Leute und mich selber gesehen habe.“ - Das ist keine vorbildliche Art, über seine Mitmenschen zu schreiben. Mehr als drei Sterne verdient das nicht. - Antonio Pigafetta
Mit Magellan um die Erde
(3)Aktuelle Rezension von: Axel_IflandDas Buch umfasst nicht nur den Reisebericht Antonio Pigafettas, sondern auch ein Vor- und ein Nachwort des Autors. Als Einleitung wird Magellans Werdegang in Diensten Portugals beschrieben, wobei er schon zu dieser Zeit unglaubliche Abenteuer erlebt hat. Dieser Teil führt den Leser gut in den historischen Kontext ein und schafft die Grundlage dafür, die Ursachen und die Problematik von Magellans Reise um die Welt zu verstehen.
Der Hauptteil des Buches ist der Reisebericht von Pigafetta, der wie ein Logbuch geschrieben ist. Er beschreibt die Ereignisse an Bord und die Erlebnisse der Mannschaft an Land, wo diese auf immer neue unbekannte Völker, Tiere und Pflanzen stößt. Pigafetta gibt sein Eindrücke sehr anschaulich wider. Angesichts der unmenschlichen Strapazen, welche die Besatzung erleiden musste, ist es ein Wunder, dass überhaupt einige der Seefahrer lebend nach Spanien zurückgekehrt sind. Der Verdienst von Magellan wird vor allem daran deutlich, dass es erst 50 Jahre später Francis Drake gelang, noch einmal die Erde zu umrunden.
Das Nachwort gibt Aufschluss über den weiteren Verlauf der Geschichte und die Schicksale der Matrosen, die im Laufe der Überfahrt auf diversen Inseln zurückblieben oder desertierten.
Ein absolut mitreißendes Sachbuch, das einen in die damalige Welt eintauchen lässt und dem Leser eine völlig neue Perspektive auf unser Leben im 21. Jahrhundert eröffnet.
- Tanja Wenz
Max und der Sternenforscher
(4)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeIch mag Kinderbücher, die ganz nebenbei auch noch Wissenswertes vermitteln. So ein Buch ist auch dieses.
Wir begleiten Max auf eine spannende Zeitreise ins Jahr 1609, wo er auf Galileo Galilei trifft. Ein aufregendes Abenteuer beginnt.
Sehr interessant zu erfahren war natürlich alles über die damalige Zeit und den bekannten Universalgelehrten. Ob dieses Buch reicht, um Kinder für Physik und Mathematik zu interessieren, sei mal dahingestellt, aber es gibt bestimmt einen Denkanstoß.
Ein klein wenig mehr "Leben" hätte das Buch noch brauchen können; zum Teil wirkte es ein wenig hölzern auf mich. Dennoch mochte ich das Buch sehr, da mich auch die Thematik sehr angesprochen hat.
Richtig gut fand ich dann am Ende noch die Kurzbiografie von Galileo Galilei.
- Reto U. Schneider
Das Buch der verrückten Experimente
(22)Aktuelle Rezension von: PhilippWehrliWie wiegt man die Seele? Kann man künstlich Regen erzeugen? Wie bringt man einen Toten dazu, mit den Augen zu zwinkern? Wie lange geht es, bis ein Psychiater merkt, dass sein Patient völlig normal ist? Gibt es Leben auf dem Mars? Woran erkennt man an einem Spinnennetz, wie bekifft die Spinne ist? Wie findet ein Hund den schnellsten Weg, um einen Stock aus dem Wasser zu fischen, obwohl er nichts von Analysis versteht und sogar Mühe hat, ein einfaches Polynom zu differenzieren?
Reto Schneider stellt 111 der verrückte Experimente aus unterschiedlichen Fachbereichen vor.
Um ihre Neugier zu befriedigen, machen Forscher die unglaublichsten Dinge. Stubbins Ffirth träufelte sich das Erbrochene von Gelbfieberpatienten in eine eigens dazu in den Unterarm geschnittene Wunde, er trank vom Blut und vom Erbrochenen des Patienten, um zu beweisen, dass Gelbfieber auf diese Weise nicht übertragen wird. F. Eigenberger spritzte sich Mambagift in den Unterarm, um dessen Wirkung zu testen.
Studenten mussten sich während einer halben Stunde in nassen Socken in den kühlen Durchzug stellen, um das Erkältungsrisiko zu messen. Barry Marshall infizierte sich absichtlich mit Bakterien, um eine Magenschleimentzündung zu kriegen und damit zu beweisen, dass Bakterien im Magen überlebten und dass Magenschleimentzündungen und Geschwüre mit Antibiotika geheilt werden können.
Einige Erkenntnisse haben im Alltag Bedeutung. Z. B.: Frauen setzen sich in Wartzimmern mit Vorliebe auf einen Stuhl, der mit männlichem Achselschweiss bestrichen wurde. Männer verlieben sich eher auf einer Hängebrücke als auf einer Steinbrücke. Totaler Schlafentzug führt schneller zum Tod als das totale Fehlen von Nahrung. Eine Karfreitagspredigt unter Drogen wird von fast allen Testpersonen auch 25 Jahre später als einer der Höhepunkte ihres spirituellen Lebens bezeichnet. Wenn ein Menschenkind mit einem Affenbaby zusammen grossgezogen wird, lernt zwar das Menschenkind, sich wie ein Affe zu benehmen, der Affe bleibt aber ein Affe. Frauen mit Lippenstift übertragen beim Küssen 40% mehr Keime als Frauen ohne Lippenstift. (Das ahnen die meisten Männer instinktiv. Lippenstift wird denn auch nicht für die Männer aufgetragen, sondern weil die Frauen andere Frauen ärgern wollen).
Andere Experimente sind tragisch. Affenbabys, die von ihrer Mutter getrennt werden, hüllen sich in weiche Decken und wenn ihnen nichts Weiches gelassen wird, sterben sie in wenigen Tagen. Aus heutiger Sicht ist dieses Experiment nichts als widerliche, sinnlose Tierquälerei. Das Experiment stammt aber aus einer Zeit, als Erziehungsratgeber junge Mütter davor warnten, ihren Babys zu viel Liebe zu schenken. Der Forscher Harry Harlow erklärte dies einem Journalisten mit den Worten: „Bedenken Sie, dass auf jeden misshandelten Affen eine Million misshandelter Kinder kommen. Wenn meine Arbeit dies verdeutlicht und auch nur eine Million Menschenkinder rettet, kann ich mich über zehn Affen nicht übermässig ereifern.“
Das Buch der verrückten Experimente ist unterhaltsam, leicht zu lesen, teils lustig, teils ekelerregend. Einige Experimente sind lehrreich, andere stimmen nachdenklich, wieder andere sind vollkommen schräg. - John Horgan
An den Grenzen des Wissens. Siegeszug und Dilemma der Naturwissenschaften
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Niles Eldredge
Darwin: Discovering the Tree of Life by Niles Eldredge (2005-11-17)
(0)Noch keine Rezension vorhanden - Lars Jaeger
Wissenschaft und Spiritualität
(8)Aktuelle Rezension von: BooksAreGreatMeinung:
Mir hat dieses Buch gut gefallen. Es ist definitiv kein Buch für zwischendurch. Der Autor setzt sich detailliert mit den beiden Polen Wissenschat und Spiritualität auseinander. Durch die zahlreichen Nachweise und die sehr wissenschaftliche Sprache, erscheint es nicht nur als Sachbuch, sondern als wissenschaftliche Abhandlung des Verhältnisses zwischen den beiden Bereichen.
Mir hat gefallen, dass so viele geschichtliche Herleitungen und Details bestens recherchiert in Szene gesetzt wurden. Auch, dass zwischen beiden kein reines Exklusivitätsverhältnis besteht und sie sich vielmehr gegenseitig durchaus beeinflussen, wird herausgearbeitet.
Auch die verschiedenen Ansätze der Biologie, Psychologie, Astronomie usw. haben mich begeistert. Das Buch ist sehr vielfältig.
An manchen Stellen ist es für den Laien oder jemanden, den dieses Thema als Hobby interessiert vielleicht etwas zu ausführlich und geht über das hinaus, was ich mir erwartet habe. Was aber keinesfalls negativ ist, sondern mein Interesse verstärkt hat.
Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Es ist sehr gut geschrieben und liefert glaubwürdige Analysen sowie Fakten, die das ein oder andere anders beleuchten und mich auch ein wenig zum Umdenken gebracht haben. - Paul Murdin
Die Kartenmacher
(5)Aktuelle Rezension von: PMelittaMAusgerechnet ein Roman Dan Browns bringt den Astromomen Paul Murdin dazu, sich näher mit dem Pariser Meridian zu beschäftigen. In diesem Buch lässt er uns daran teilhaben.
Ich habe das Buch im Bücherregal meines Ehemannes, Physiker und Hobbyastronom, entdeckt, und Lust bekommen, es auch einmal zu lesen. Ich selbst bin absoluter Laie des Themas, aber die Geschichte des Pariser Meridians, der schließlich gegenüber dem Greenwich-Meridian um die Rolle des Nullmeridians unterlag, obwohl er älter ist, ist spannend und interessant zu lesen. Bereits unter Louis XIV beginnt die Grundlagenarbeit zu seiner Vermessung, im späteren Verlauf ergibt sich u. a. die Frage nach der Gestalt der Erde (an den Polen oder am Äquator abgeflacht), was zu spannenden und gefährlichen Expeditionen führt. Während der französischen Revolution wird schließlich das metrische System eingeführt, und auch andere Fragen hängen eng mit dem Meridian zusammen.
Teils anekdotenhaft, teils sehr wissenschaftlich, oft spannend und immer interessant, geht es in den zehn Kapiteln des Buches zu. Immer wieder gibt es auch kleine Exkursionen zu Personen und Orten, die mit diesem Thema eng verbunden sind, ebenso gibt es veranschaulichende Abbildungen. So lässt sich das Ganze gut auch von Laien lesen – und am Ende hat man ziemlich sicher einiges Neue erfahren. - Alain Ehrenberg
Das erschöpfte Selbst
(6)Aktuelle Rezension von: SandraWerDie Depression hat einen Aufwind, wird zur Volkskrankheit. Diese Entwicklung beginnt aber frühestens seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Davor gab es so etwas wie Depression noch gar nicht. Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert war vielmehr ein Hysterie-Hype vorherrschend.
In unserer heutigen Gesellschaft geht es oftmals darum zu funktionieren und zuerst einmal muss man natürlich wissen, was man eigentlich will. Das hört sich einfach an, aber nicht jeder kommt mit diesen Anforderungen zurecht. Außerdem beruht Zivilisation auf einer Unterdrückung der Triebe. Viele rutschen in die Depression ab.
Die „Krankheit“ selbst ist schwer eingrenzbar. Ab wann ist ein Mensch depressiv? Die Erkrankung führt zu einer Ermüdung, die zu einer Verminderung der Spannung (=Kraft, Lebenskraft, Motivation) führt. Es kommt zu einer Erkrankung der Funktionen.
Zur Behandlung, werden zumeist hauptsächlich die Symptome behandelt. Dazu dienen die heutzutage weit verbreiteten Antidepressiva. Doch ist es nun so wie bei anderen Krankheiten, dass ein Grundschmerz existiert, ein Leiden, das überhaupt erst zur Depression führte? Ist es so, dass das Leiden zuerst kommt und die Depression der Ausdruck des Körpers/Geistes ist mir zu sagen, da stimmt etwas nicht? Das sind Fragen, mit denen sich das Buch befasst. Selbst der Geist ist ein neuer Begriff, der immer häufiger verwendet wurde. Er hat den Begriff der Seele abgelöst.
Der Autor des Buches Alain Ehrenberg ist keineswegs Gegner von Antidepressiva. Er erhebt zunächst einen historischen Grundriss, der Behandlungsmethoden, die gegen Depression verwendet wurden. Anfangs wurden Elektroschocks als erfolgreiche Therapie gegen Depressionen angesehen...
(ich habe bis jetzt nur die ersten 100 Seiten des Buches gelesen und werde gegebenenfalls weiterlesen. Allerdings wird das noch einige Zeit dauern...) - Matthias Glaubrecht
Am Ende des Archipels - Alfred Russel Wallace
(5)Aktuelle Rezension von: tomsDeutschlandfunk Kultur bringt es gut auf den Punkt: „Ein bisschen Krimi, ziemlich viel Abenteuer, vor allem aber Wissenschaftsgeschichte.“ Viel mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.
Der Autor erzählt Wallace’ Lebensweg sehr nachvollziehbar. Man folgt ihm auf seinen Reisen durch den malaiischen Archipel und erlebt mit, wie die Evolutionstheorie entsteht. Mit fast kriminalistischer Genauigkeit untersucht er alte Notizen, Briefe und Papiere, um historische Details zu klären. Diese Akribie verleiht dem Buch Tiefe und Glaubwürdigkeit – manchmal geht sie aber etwas zu weit. Wenn sich seitenlang der Briefwechsel zwischen Wallace, Darwin und anderen Gelehrten zieht, verliert die Erzählung an Spannung. Etwas weniger davon hätte dem Buch gutgetan.
Inhaltlich gibt es zwei Schwächen. Wallace’ wichtigste wissenschaftliche Leistung – seine Theorie der Artenbildung – wird nur kurz gestreift; hier hätte man sich mehr greifbare Beispiele gewünscht. Auch die Gestaltung überzeugt nicht ganz: Eine Karte des Archipels fehlt, was die Orientierung erschwert. Und statt vieler Abbildungen alter Briefe wären ein paar anschauliche Illustrationen – etwa der Tiere, die Wallace entdeckt hat – hilfreicher gewesen.
Trotz dieser Kritikpunkte ist das Buch lesenswert. Es vermittelt ein lebendiges Bild eines großen, heute oft übersehenen Naturforschers des 19. Jahrhunderts und zeigt, wie spannend Wissenschaftsgeschichte erzählt werden kann.
Shores of Knowledge: New World Discoveries and the Scientific Imagination 1st edition by Appleby, Joyce (2013) Hardcover
(1)Noch keine Rezension vorhanden- Filippo Camerota
Museo Galileo. A Guide to the Treasures of the Collection
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Jean Echenoz
Blitze
(3)Aktuelle Rezension von: franzziWas haben wir da? Ein dünnes Büchlein mit einem Nikola Tesla auf dem Cover, Blitze schießen aus seinen Händen. Tesla. Nicht das Elektroauto, sondern der Erfinder, dem es sicherlich sehr gut gefallen würde, dass ein E-Auto-Hersteller sich mit seinem Namen schmückt. Denn Tesla war ein Pionier in Sachen Elektrizität, er war ein wichtiger Spieler im Stromkrieg, den Hollywood gerade mit Top-Besetzung verfilmt hat - und zu dem gerade aktuell die Romane wie Pilze aus den Boden sprießen. Zum Beispiel das kurzweilige "Die letzten Tage der Nacht" von Graham Moore oder das noch auf meinem Sub schlummernde "Licht" von Anthony McCarten.
Jean Echenoz hat sein Büchlein schon früher verfasst, vor dem Hype. "Blitze" heißt es, was ich noch nachvollziehen kann. "Roman" heißt es auch, wo es aus meiner Sicht schon schwieriger wird. Ja, diese fünf Buchstaben gelten als verkaufsfördernd bei den Verlagen. Aber ein bisschen romanig sollten entsprechend gelabelte Bücher dann auch sein. Doch Echenoz' Version von Teslas Leben wirkt eher wie jene gerafft nacherzählten Sagen des klassischen Altertums von Gustav Schwab, die viele Eltern ihren Kindern schenkten, damit sie das mit der Odyssee auch ohne Homer verstehen.
Denn das ist, was Echenoz macht: Er rafft zusammen, was sich raffen lässt. Aus Nikola wird Gregor, sonst hält sich Echenoz, nach allem, was ich einschätzen kann, an die tatsächliche und äußerst bemerkenswerte Lebensgeschichte des Genies, der nicht so kann, wie er will, der mit seinen übersprudelnden Ideen (Wechselstrom, kostenloser Strom für alle, Telegraphie, Internet, Roboter, Rakete) und seinen Spleens und Zwängen, seinem Basteldrang und seiner Aufschreibfaulheit, seinem Idealismus und seiner Gutgläubigkeit zwischen den Lattenrost der Geldquellensucher und Finanzhaie fällt. Nicht umsonst ringen gerade so viele gute Geschichtenerzähler aus Film und Literatur ihre Stoffe der Lebensvorlage von Tesla ab. Ein spannender Mensch, vielschichtig, unnahbar genial, und trotz allem doch gescheitert.
Echenoz reißt das in seinem dünnen Roman an, rennt durch den Stromkrieg, die Patentstreitigkeiten, die aufsehenerregenden Experimente vor Publikum und die Suche nach immer neuen Finanziers und hält beim Erzählen kaum inne. Gregor/Nikola bekommt ein paar der Charakterzüge herausgemeißelt, die ihm auch seine Biographen zuschreiben, garniert wird das ganze mit einigen wenigen Anekdoten. Gerade in der zweiten Hälfte des Buches entwickelt der Autor darin einige Stärke, leider geht es dabei ausgerechnet um eine verkappte Romanze - und die Freundschaft mit einer Taube. (Jaja, das mit den Spleens arbeitet Echenoz in diesem Teil brillant heraus.) Der Wissenschaftler Tesla bleibt blass.
Wenn die letzte Seite umgeblättert ist, bleibt man ratlos. Weder die Sprache überzeugt, noch der Stil, noch die Perspektive. Es bleibt ein blasser Gregor/Nikola, dessen Leben man daumenkinoartig im Schnelldurchlauf angerissen mitgelesen hat - und von dem man jetzt nicht viel mehr weiß als vorher: Dass er ein ziemliches Genie war (oder sich zumindest so verkaufen konnte, wie Echenoz unterstellt) und dass er eine ziemliche Macke hatte. "Tesla für Eilige" würde ich gelten lassen, Porträt - okay. "Roman" ist für diese atemlose Nacherzählung einer vielschichtigen Biographie ein zu großes Wort.























