Bücher mit dem Tag "zeitgenössische belletristik"

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119 Bücher

  1. Cover des Buches Wie die Stille unter Wasser (ISBN: 9783736305502)
    Brittainy C. Cherry

    Wie die Stille unter Wasser

     (550)
    Aktuelle Rezension von: Pamela_Schubert

    Nachdem ihr Vater sich neu verliebt hat, zieht Maggie gemeinsam mit ihm in das Haus der Frau, die ihre neue Mutter werden wird. Dort lernt sie nicht nur ihren Stiefbruder und ihre Stiefschwester kennen, sondern auch den kleinen Brooks.

    Maggie erzählt Brooks ständig, dass sie ihn später einmal heiraten und mit ihm Kinder haben wird. Dieser ist von dieser Idee ganz und gar nicht begeistert und behauptet felsenfest, dass er Maggie nicht leiden könne. Doch ein Kuss im Wald verändert ihn und seine Ansichtsweise.

    Als nächstes ereignet sich ein Vorfall, der Maggies Welt nicht nur erschüttert, sondern ihr Leben komplett verändert. Sie verliert daraufhin ihre Stimme und hat Angst das Haus zu verlassen. Ab dem Moment lebt sie ihr Leben von Zuhause aus.

    Brooks und Maggie werden langsam erwachsen und Brooks wird klar, dass er sich in Maggie verliebt hat. Maggie hat jahrelang ihre Gefühle für Brooks für sich behalten, aus Angst die Freundschaft zu zerstören, welche die beiden verbindet.

    Die Beziehung findet ein Ende, als Maggie's Stiefbruder und Brooks ihren Durchbruch mit der Band schaffen. Anfangs telefonieren und schreiben sich die Beiden noch, bis Brooks eine Beziehung mit Sasha eingeht. Als ich das gelesen habe, war ich echt verzweifelt. Ich dachte mir nur "Bitte, das darf nicht wahr sein. Um Gottes Willen, das darf jetzt nicht wahr sein." In der Achterbahn der Gefühle kam ein Looping nach dem anderen.

    Zum Glück beendet Sasha die Beziehung, als sie merkt, dass Brooks' Herz bereits einer anderen gehört. Währenddessen erlebt Maggie einen harten Rückschlag, als ihre Nachbarin, mit welcher sie sich unbewusst angefreundet hat, einen schweren Unfall erlebt. Sie sieht keine andere Lösung und ruft Brooks an, der sich sofort auf den Weg zu Maggie macht. Das war ein magischer Moment.

    Brooks und Maggie finden wieder zueinander und ich dachte, ab jetzt kann es nur noch besser werden. Zu früh gefreut.

    Während eines Angelausflugs mit seinen Bandkollegen stürzt Brooks ins Wasser und wird von der Schiffsschraube des Bootes aufgeschlitzt, welches sich die Jungs ausgeliehen haben. Dieser Unfall bringt Maggie dazu, das Haus zu verlassen. Endlich!

    Danach geht es bergab. Brooks hält sich mit Alkohol am Leben und Maggie versucht tapfer zu sein und diese Phase zu überstehen. Was sich als schwieriger herausstellt, als sie angenommen hat. Brooks ist ein richtiges Ekel. Wenn er so mit mir umgegangen wäre, dann hätte ich ihm ordentlich die Leviten gelesen. Was Maggie dann auch endlich macht! HURRA! Der Moment, als Maggie ihre Stimme wiederfindet und Brooks anschreit...Ich bekomme sofort Gänsehaut, wenn ich daran denke.

    Endlich kann sich Maggie Brooks und ihrer gesamten Familie anvertrauen und erzählen was in ihrer Kindheit vorgefallen ist.

    Der Epilog des Buches hat mich emotional fertig gemacht. Am schlimmsten war die Stelle als Brooks zu seiner Tochter sagt "Die Welt dreht sich, weil dein Herz schlägt." Ab da war es bei mir vorbei und ich habe sehr viele Tränen vergossen.

  2. Cover des Buches Wie man die Zeit anhält (ISBN: 9783423281676)
    Matt Haig

    Wie man die Zeit anhält

     (331)
    Aktuelle Rezension von: sommerlese

    "Wie man die Zeit anhält" von Matt Haig erscheint im DTV.

    In diesem Roman geht es um den Einzelgänger Tom Hazard, der aussieht wie Anfang 40, aber wegen einer besonderen Veranlagung, welche sich Anagerie nennt, nur sehr langsam altert. In Wahrheit ist er um die 400 Jahre alt. Alle acht Jahre ändert er seinen Aufenthaltsort, aktuell arbeitet er in London als Geschichtslehrer, dieser Job passt perfekt, schliesslich hat er viele Ereignisse selbst miterlebt. Tom gefällt es in London und mag auch seine Kollegin, die Französischlehrerin Camille sehr. Damit ändert sich sein Leben gewaltig.

    "Die Menschen, die du liebst, sterben nie." Zitat Seite 331  

    Toms Leben ist kein Glücksfall, sondern eher ein Fluch, denn um ihn herum sterben alle geliebten Menschen, nur er überlebt und sein Leben verläuft recht einsam.

    Dieser Roman ist anders als ich es erwartet habe. Rein vom Sprachstil her lässt er sich flüssig lesen und einige Botschaften sind schön formuliert. Echte angekündigte philosophische Sätze habe ich aber nicht entdecken können und auch die Handlung konnte mich nicht packen. Die Liebesgeschichte mit Rose war für mich der einzige Aspekt, den ich gern gelesen habe. Sie wagt den Schritt, gemeinsam mit Tom diese ungewöhnliche Beziehung zu gehen. Sie bekommen ein Kind und werden ständig von den Blicken anderer Menschen verfolgt. Als Rose stirbt, beschliesst Tom, nie wieder Gefühle für einen anderen Menschen zuzulassen. Doch dann taucht Camille auf.

    Eigentlich hätte die Erzählung durch die Zeitwechsel recht spannend werden können, schliesslich springt Matt Haig ständig in eine andere zeitliche Epoche der letzten 450 Jahre und wir sehen von Kapitel zu Kapitel verschiedene historische Ereignisse und Persönlichkeiten wie William Shakespeare oder F. Scott Fitzgerald an uns vorbeiziehen. Doch so richtig tief wird leider nicht auf  auf den Zeitgeist oder das Lebensgefühl eingegangen, die Eindrücke sind recht oberflächlich und hangeln sich an Toms Leben und seinem Selbstmitleid entlang. Das wirkt auf mich nicht überzeugend, es deprimiert und zieht sich leider von Szene zu Szene durch das ganze Buch.

      

    Obwohl ich den Erzählstil und die Botschaft mit der sinnvoll zu nutzenden Zeit mochte, war das einfach nicht mein Buch.

  3. Cover des Buches NSA - Nationales Sicherheits-Amt (ISBN: 9783785726259)
    Andreas Eschbach

    NSA - Nationales Sicherheits-Amt

     (289)
    Aktuelle Rezension von: Obst4

    Ein Buch welches einem aufzeigt was geschehen wäre, wenn es die heutige Technik im 2. Weltkrieg schon gegeben hätte.
    Was bedeutet es eigentlich wenn meine Daten gesammelt werden?

    Bisher  dachte ich immer; ist doch mir Wurst ob jemand weiß wo ich mein Klopapier kaufe.....

    Seit ich das Buch gelesen habe, denke ich etwas anders darüber. Denn was passieren kann, wenn diese, und viel viel mehr Daten, in falsche Hände gelangen zeigt das Buch extrem gut auf.
    Helene und Eugen arbeiten beide im Nationalen Sicherheitsamt, die Geschichte wird abwechselnd von beiden Protagonisten erzählt. Jeder geht anders mit den Gegebenheiten um. Helene ist Programmiererin und so nach und nach erschließt sich ihr WAS das sammeln der Daten für Auswirkungen auf die Menschen hat wären Eugen alles mitnimmt was zu seinem Nutzen ist.

    Ein tolles Buch

  4. Cover des Buches Kleine Feuer überall (ISBN: 9783423281560)
    Celeste Ng

    Kleine Feuer überall

     (268)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Der erste Roman von Celeste Ng besticht durch eine feinfühlige, psychologisch raffiniert erzählte Geschichte, die mir sehr gefallen hat. Bei dem aktuellen Werk der Autorin hatte ich am Anfang den gleichen Eindruck, leider verblasste dieser sehr schnell beim Weiterlesen. Es handelt sich um eine durchaus süffig zu lesende Erzählung, jedoch mehr im Stil einer amerikanischen TV-Serie: eine gut situierte Familie der gehobenen sozialen Schicht, allesamt gut ausgebildet, hübsch, redegewandt und als Klassenunterschied eine alleinerziehende Mutter, Künstlerin, die sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, letztlich aber die moralische Hoheit besitzt. Das erscheint mir doch sehr klischeehaft und verklärt. Die gängigen adoleszenten Probleme werden thematisiert, jedoch gibt es keinerlei tiefere Auseinandersetzung.


    Eventuell waren meine Erwartungen etwas zu hoch, nach dem grossartigen Debütroman ‚Was ich euch nicht erzählte‘.

  5. Cover des Buches Olga (ISBN: 9783257070156)
    Bernhard Schlink

    Olga

     (192)
    Aktuelle Rezension von: Aus-Liebe-zum-Lesen

    Eher schlicht und leise kommt Bernhard Schlinks „Olga“ daher. Das Covermotiv trifft es ganz gut, könnte tatsächlich die Romanfigur Olga zeigen, von hinten, mit Blick auf die unendlichen Weiten des Meeres.

    Der Roman ist in 3 Teile gegliedert, die das Leben der Protagonistin aus 3 Perspektiven schildern. Im ersten Teil erzählt Olga von ihrer schwierigen Kindheit Ende des 19. Jahrhunderts in Pommern, wie sie sich ihren Weg erkämpft, über ihre Liebe zu Herbert, der von Fernweh geplagt die Welt erobern will. Im zweiten Teil erzählt Ferdinand von Olga, die in späteren Jahren als Näherin in ihre Familie kommt und zu ihm eine innige Freundschaft entwickelt. Im dritten Teil dann finden sich die Briefe Olgas an ihren geliebten Herbert, die Ferdinand im hohen Alter aufspürt und liest.

    Durch die 3 Perspektiven kommen immer neue Einblicke in das Leben einer starken Frau und Zusammenhänge mit den Nebenfiguren ans Licht. Was mir trotzdem zu kurz kommt, ist die Tiefe, die Gefühle, die Beweggründe für Entscheidungen. Letztlich bleibt dem Leser die Seele Olgas verborgen. Es bleibt das Portrait einer Frau, die im Leben nichts geschenkt bekommen hat, die gegen alle Widrigkeiten bis zuletzt gekämpft hat.

  6. Cover des Buches Die Geschichte des Wassers (ISBN: 9783442718313)
    Maja Lunde

    Die Geschichte des Wassers

     (313)
    Aktuelle Rezension von: Lichterregen

    "Meine ganze Welt war Wasser. Die Hügel, Berge, Steine, Wiesen waren nur winzige Inseln in dem, was die eigentliche Welt darstellte, und ich nannte meine Welt Erde, aber ich dachte, eigentlich müsste sie Wasser heißen."

    Seite 17


    ">>Aber es hat nichts bewirkt.<<

    >>Du weißt nicht, wie die Welt aussehen würde, wenn du es nicht getan hättest<<, erwiderte er."

    Seite 460


    Wie auch in "Die Geschichte der Bienen" schreibt Maja Lunde auf mehreren (hier zwei) Zeitebenen, eine in der aktuellen Zeit (2017) und eine in der Zukunft (2047), die miteinander verknüpft sind und es geht um unser wertvollstes Gut Wasser. 

    Mir hat die Geschichte um David und seine süße Tochter Lou sehr gefallen und ich habe richtig mitgefiebert, wie sie versuchen zu überleben. Die Geschichte um Signe hingegen fand ich nicht so prickelnd und spannend. Die ist irgendwie sehr dahingeplätschert (Wortspiel^^) und sehr greifbar war der Charakter für mich leider nicht. 

    Das Szenario dagegen ist äußert erschreckend, wenn auch nicht ganz so packend, wie ihr vorheriger Roman, der mir die Augen geöffnet hat. 


    Fazit: Das Buch ist nicht schlecht, die Idee dahinter erschreckend realistisch, aber wie ich finde längst nicht so gut umgesetzt wie in ihrem Roman "Die Geschichte der Bienen". 

  7. Cover des Buches Call Me by Your Name, Ruf mich bei deinem Namen (ISBN: 9783423086561)
    André Aciman

    Call Me by Your Name, Ruf mich bei deinem Namen

     (230)
    Aktuelle Rezension von: Lisa_Hofi
    Die Geschichte von Elio und Oliver hat mich innerhalb kürzester Zeit gefangen genommen. Das Buch ist in einem großartigen Stil geschrieben! Ich liebe die Sprache, die Art, wie der Autor die Szenen beschreibt, wie er mich dazu bringt, Dinge zu fühlen, zu sehen und zu riechen. Ich habe lange, wenn überhaupt schon irgendwann kein Buch mehr gelesen, das mich so gefangen gehalten, mich so viel fühlen lassen hat wie dieses.

    Jetzt, wo ich mit dem Buch fertig bin, bin ich traurig, dass es vorbei ist. Ich will mehr! Also, wer mir ähnliche Bücher empfehlen kann, immer her damit ;D

    Ganz große Empfehlung!


  8. Cover des Buches Von dieser Welt (ISBN: 9783423281539)
    James Baldwin

    Von dieser Welt

     (61)
    Aktuelle Rezension von: People-abroad

     Man spürt, wie sie kämpfen und versuchen sich zu ducken gegen den Rassismus und gegen die Demütigungen und Aussichtslosigkeit. Ein fesselndes Buch.

  9. Cover des Buches Dodgers (ISBN: 9783257070378)
    Bill Beverly

    Dodgers

     (46)
    Aktuelle Rezension von: Enaria
    In „Dodgers“ geht es um vier Jugendliche, die von einem Gangsterboss nach Wisconsin geschickt werden, um dort einen Mord zu begehen. Im Mittelpunkt steht der fünfzehnjährige East, der aus verwahrlosten Verhältnissen stammt. Morde, Razzien, all das sieht der stille, pflichtbewusste Junge nicht zum ersten Mal. East ist ein kleiner Teil einer kriminellen Organisation in Los Angeles und der Boss seiner Jungs, die Wache stehen, um das Geschehen in den Drogenhäusern zu beobachten.

    Der Weg nach Wisconsin ist weit. Als L.A. Dodgers-Baseball Fans verkleidet, um möglichst wenig aufzufallen, machen sich die Vier bereit. Für East ist es das erste Mal, dass er aus seiner Welt ausbricht und sein Viertel verlässt. Ganz simple Dinge sind neu für ihn. Aber auch Kälte, Müdigkeit, Hunger machen die Reise zu keinem einfachen Unterfangen und East bemüht sich das Quartett zusammenzuhalten. Der Roadtrip wird zu einer Mischung aus Verzweiflung und der Akzeptanz des Unvermeidlichen. Währenddessen reflektiert East immer wieder sein eigenes Ich.

    Bill Beverly erzählt anschaulich und mit großem Gespür für seine Figuren. Durch East beobachten wir Leser das Geschehen und folgen seinen Gedanken. Die knappe und oft auch eher sachliche Erzählweise reduziert jedoch die Emotionen auf ein Minimum. Die Jungs sind authentisch gestaltet, ihre Handlungen nachvollziehbar, aber richtig greifbar sind sie für mich dadurch nicht. Die Spannung hält Bill Beverly aber durchweg hoch, denn die Überraschungen in der Handlung machen die fehlenden Emotionen wett. Es ist eine stille Geschichte, die schockiert, fasziniert und nachdenklich macht.

    Der Autor blickt hinter die Fassade vom sogenannten „Land der Freiheit“, richtet den Fokus genau auf den Brennpunkt. Das Buch ist sozialkritisch und verdeutlicht wie viel Freiheit ein einzelnes Kind wirklich hat, wenn es gar nicht weiß was außerhalb seiner eigenen vier Wände vor sich geht. Bill Beverly lässt uns vier Jungs begleiten, die direkt im Sumpf landen.

    Fazit

    Bill Beverlys Coming-of-Age-Buch „Dodgers“ nimmt uns mit auf einen mitreißenden Roadtrip. Mit seinen vier Jungs zeigt er, wie sich bereits durch Geburt bzw. Herkunft das Leben seine Richtung sucht. Nachvollziehbar, authentisch und stimmig.
  10. Cover des Buches Mein Herz in zwei Welten (ISBN: 9783499272349)
    Jojo Moyes

    Mein Herz in zwei Welten

     (550)
    Aktuelle Rezension von: natalia_b

    Dieser Teil kommt zwar nicht an  "Ein ganzes halbes Jahr" ran - das war Herz-Schmerz-pur, dennoch habe ich auch den dritten Teil gerne gelesen (gefiel mir sogar besser, als der zweite). Die Romanfigur Louisa Clark ist so liebenswert-chaotisch, dass es über die Absehbarkeit der Geschichte hinwegsehen lässt.

    Grundsätzlich lese ich die Romane von Joj0o Moyes gerne nach Büchern, die mich sehr mitgenommen haben. Sie hat einen sehr leichten und doch unterhaltsamen Schreibstil und ist aus der Sparte der Liebensromane nicht mehr wegzudenken. 

  11. Cover des Buches Eine Insel zwischen Himmel und Meer (ISBN: 9783423640350)
    Lauren Wolk

    Eine Insel zwischen Himmel und Meer

     (86)
    Aktuelle Rezension von: Damaris

    Mit ihrem Buch "Das Jahr, in dem ich lügen lernte" hat Lauren Wolk mich vor einiger Zeit vereinnahmt und eine ganze Weile nicht mehr losgelassen. Als ich dann "Eine Insel zwischen Himmel und Meer" entdeckte, war klar, dass ich auch diesen Roman lesen möchte. Er gefiel mir sogar noch ein bisschen besser, auch wenn dieser Eindruck wohl subjektiv bleiben wird. Jedenfalls traf mich das Buch mitten ins Herz. Die Autorin erzählt ihre Geschichten besonders feinfühlig und sensibel, sogar mit einer gewissen Poesie, verbindet sie jedoch mit einer Handlung, die äußerst spannend und mitreißend ist. "Eine Insel zwischen Himmel und Meer" wird noch lange nachklingen.

    Die Geschichte wirkt schon etwas, als wäre sie aus der Zeit gefallen. Sie spielt auf den Elizabeth-Inseln, an der Ostküste der USA, in den 1920er-Jahren. Der Zeitpunkt ist für das Lesegefühl nicht so wichtig, er verdeutlicht aber die damaligen Lebensumstände und manche Charaktereigenschaft und trägt viel zur Atmosphäre des ohnehin sehr stimmungsvollen Settings bei.

    Auf einer vorgelagerten Mini-Insel vor Cuttyhunk leben Crow und Osh, ganz alleine in einer kleinen Hütte. Crow wurde in einem lecken Boot auf der Insel angespült, erst wenige Stunden alt. Gefunden wurde sie damals von dem Aussteiger Osh, der das kleine Mädchen zu sich nahm und es groß zog. Nun ist Crow 12 Jahr alt. Ihr gefällt das Leben mit Osh und der Kontakt zu Miss Maggie, einer netten Nachbarin, zu der die beiden viel Kontakt haben. Und doch wächst in Crow mit jedem Jahr der Wunsch, genau zu wissen, woher sie kommt und warum sie als Baby in einem Boot weggeschickt wurde. Als Crow einen Hinweis bekommt, wird sie von Osh und Miss Maggie bei der Suche nach Antworten unterstützt. Keiner der drei ahnt jedoch, welch gefährliches und nervenaufreibendes Abenteuer daraus wird.

    "Eine Insel zwischen Himmel und Meer" ist ein Roman über Herkunft, Zugehörigkeit und Familie - egal wie diese aussehen mag. Die poetische Sprache und die große Feinfühligkeit, mit der die Geschichte von Crow erzählt wird, bringt sofort etwas im Leser zum Klingen, das sich bis zum Schluss fortsetzt. Das ist überhaupt nicht trocken oder schwierig, sondern unglaublich berührend und faszinierend, sodass man die Geschichte für immer bewahren will. Ich gewann das Buch ab der ersten Seite lieb.

    Verbunden mit dem klugen Thema, Crows Suche nach ihrer Identität, ist eine spannende Handlung, die nicht selten dramatisch und gefährlich wird. Sie beruht auf historischen Tatsachen, wirkt dadurch ziemlich überwältigend und anders, ist aber eine Mischung aus Fakten und Fiktion. Die Charaktere, ich spreche hier vor allem von Crow, Osh und Miss Maggie, agieren sehr natürlich und nehmen vollständig für sich ein. Man wünscht sich die ganze Zeit, dass die Sache für Crow gut ausgeht. Das tut sie auch, aber auf ihre eigene Art und Weise. Und die ist einfach schön und genau richtig für die Geschichte.

    Fazit

    Eine dieser Geschichten, die man sofort lieb gewinnt, die man bewahren möchte und die lange in Erinnerung bleiben, ist "Eine Insel zwischen Himmel und Meer". Das Buch ist äußerst feinfühlig und poetisch erzählt, enthält aber auch eine spannende Handlung, die bis zum Schluss nicht loslässt. Dazu trägt die eindrückliche Atmosphäre der Geschichte bei und auch die Charaktere könnten nicht besser gewählt und dargestellt sein. "Eine Insel zwischen Himmel und Meer" ist klug und berührend. Ein Buch, das für immer in meinem Regal bleiben wird. 5 von 5 Sterne vergebe ich dafür.

  12. Cover des Buches Freiheit (ISBN: 9783499252549)
    Jonathan Franzen

    Freiheit

     (260)
    Aktuelle Rezension von: Kaffeesatz19
    Es ist das Lieblingsbuch meines Bruders und wurde mir von mehreren Seiten wärmstens empfohlen. Doch trotz des großartigen Erzählstils, konnte mich der Roman nicht überzeugen. Es passiert so wenig, dass ich jetzt nicht mal sagen könnte, worum es eigentlich geht. Ehrlich gesagt, habe ich mich schrecklich gelangweilt!
  13. Cover des Buches Tyll (ISBN: 9783499268083)
    Daniel Kehlmann

    Tyll

     (249)
    Aktuelle Rezension von: Maseli

    Tyll ist einziger Sohn des Müllers Claus Ulenspiegel, der der Hexerei beschuldigt nach kurzem Prozess zum Tode durch den Strang verurteilt wird. Es ist die schlimme Zeit der Hexenverfolgung und des 30jährigen Krieges. So verliert Tyll seinen Vater und sein Zuhause und zusammen mit Nele, der Bäckerstochter, verlässt er sein Dorf und beginnt ein abenteuerliches Leben.

    Zu viele Romanfiguren, zu viele Zeitsprünge und Szenen, die einfach zusammengewürfelt den Roman im Gesamten nicht ausgeglichen wirken lassen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es wirklich um Tyll geht! Zu oft erhalten Nebenfiguren die ganze Aufmerksamkeit. Sehr flach empfinde ich Beschreibungen von Menschen, Handlungen und Orten. So will mir beim Lesen einfach nicht gelingen, mir Romanfiguren oder Handlungsorte bildlich vorzustellen und in das Geschehen einzudringen.


  14. Cover des Buches Das Mädchen, das in der Metro las (ISBN: 9783832165000)
    Christine Féret-Fleury

    Das Mädchen, das in der Metro las

     (248)
    Aktuelle Rezension von: -Anett-

    "Das Mädchen, das in der Metro las" hat mich neugierig gemacht. Juliette liest jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit in der Metro. Sie beobachtet aber auch die anderen Menschen, und ist interessiert daran, was diese lesen. Eines Tages steigt sie früher aus der Metro und trifft auf Soliman, der zurück gezogen in mitten seiner Bücher lebt. Er glaubt, dass es für jeden DAS richtige Buch gibt, mit dem der Lauf des Lebens desjenigen verändert wird. Auserwählte Bücherboten übernehmen dies und schenken wildfremden Menschen Bücher, wo sie sicher sind, das ist das richtige Buch. Auch Juliette beginnt so.


    Es ist im Grunde wie Bookcrossing. Es geht um Bücher und ob bzw. wie sie Macht über Menschen haben.

    Der Schreibstil ist schön und poetisch. Es erzählt voller Feingefühl. Allerdings verliert sich der zarte, blumige Schreibstil manchmal auch und man ist irgendwie raus aus der Geschichte. den poetischen Schreibstil fand ich trotzdem richtig schön.

    Aber am Ende war ich doch nicht richtig überzeugt. Was will uns die Autorin eigentlich genau mit dem Buch sagen?

    Juliette handelte so unüberlegt - jedenfalls in meinen Augen. Vielleicht bin ich auch zu bürgerlich dafür. Aber Hals über Kopf den Job kündigen? Ja, sie hatte sich bereits lange nicht mehr wohl gefühlt, und als Bücherwurm irgendwas mit Büchern machen ist ja was wirklich tolles. Aber irgendwie muss man doch auch von was leben!?


    Fazit: Der poetische Schreibstil konnte nicht über die blasse Handlung siegen.

  15. Cover des Buches Die Frau, die liebte (ISBN: 9783423281553)
    Janet Lewis

    Die Frau, die liebte

     (40)
    Aktuelle Rezension von: buechertraumzeiten

    Ein historisches Familiendrama, auf Basis eines berühmten französischen Rechtsfall. Das Buch ist mit seinen rund 130 Seiten relativ kurz, trotzdem hat man nicht das Gefühl etwas Wichtiges zu verpassen. Für mich ist es eher eine Seltenheit, dass ich einen historischen Roman lese, aber dieser hier war wirklich interessant, spannend und packend! Wer also vielleicht einen Einstieg in die Welt der historischen Romane sucht, ist mit „Die Frau, die liebte“ genau an der richtigen Stelle. Janet Lewis beschreibt sehr detailreich und einfühlsam über die vergangene Zeit und lässt nichts verstaubt wirken. Ich vergebe 4/5 Sternen für diesen Klassiker aus den 40er Jahren und freue mich sehr, dass der dtv Verlag das Buch übersetzt hat.

  16. Cover des Buches Neujahr (ISBN: 9783442770540)
    Juli Zeh

    Neujahr

     (259)
    Aktuelle Rezension von: Caro_Lesemaus

    Henning ist mit seiner Familie über den Jahreswechsel nach Lanzarote geflogen. Am Neujahrsmorgen fasst er sich ein Herz und geht seinem alten, im Alltag schon lange vernachlässigten Hobby wieder nach: dem Radfahren. Abgesehen von der längst überfälligen körperlichen Bewegung radelt er sich nebenbei den Frust über sein doch eigentlich gutes Leben von der Seele. Da ist die Unmöglichkeit, ein guter Vater zu sein, der sich immer Zeit nimmt und gleichzeitig beruflich Erfolg zu haben. Henning entscheidet sich wie selbstverständlich für die Kinder und hat dabei das Gefühl, nicht zu genügen, auch seiner Frau nicht. Als er schließlich am selbstgesteckten Ziel angekommen ist, wird ihm klar, dass er hier als Kind schon einmal gewesen ist. Und diese Erinnerungen sind nicht nur positiv.

    Was für eine Geschichte! Ich fand das Buch insbesondere ab dem Zeitpunkt des Flashbacks sehr spannend zu lesen. Doch auch der Beginn, in dem Henning über seinen Alltag und seine Lebensrealität nachdenkt, mit allem Frust und dem eigenen Unverständnis über die innere Unzufriedenheit, fand ich sehr gelungen und nachvollziehbar. Ich nehme an, dass fast alle berufstätigen Eltern einen Bezug zu Hennings Gefühlen herstellen können und anderen vermag es vielleicht einen Einblick zu geben, wie zerrissen man sich zwischen diesen beiden Welten fühlen kann. Hennings Flashbacks sind intensiv und haben mir am Höhepunkt eine Gänsehaut über den Rücken gejagt. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber diese Geschichte hat mich wirklich beeindruckt. Letztlich war ich mir aber gar nicht so sicher, ob das klärende Gespräch mit der Mutter ganz der Wahrheit entsprach. So, wie Henning seine Kindheit und Jugend vorher in seinen Gedanken resümiert, ist auch eine andere Erklärung denkbar. 

    Juli Zehs Art zu schreiben entwickelt einen ganz eigenen Sog. Ich mag ihre anschaulichen Beschreibungen. Insbesondere in diesem Roman wähnt man sich trotz des Winters (ich habe das Buch thematisch passend Anfang Januar gelesen) im deutlich wärmeren Lanzarote, riecht das Meer und fühlt in den Flashbacks die Sonne auf der Haut brennen. Von Henning erhält man einen sehr umfassenden Eindruck, den ich gut ausgereift fand. Ich konnte seine Entwicklung nachvollziehen und fand seinen Charakter schlüssig. Die anderen Figuren bleiben dahinter deutlich zurück und werden eher am Rand gestreift bzw. durch Hennings Überlegungen zu ihnen zwischen den Zeilen greifbar, was in Ordnung ist, da der Fokus einfach auf ihm und seinem Seelenleben liegt. 


    Fazit:

    Hennings innere Zerrissenheit, die viele Leser in einer ähnlichen Situation nachvollziehen können, kommt gut zum Ausdruck und wird teilweise erklärt durch die verschütteten Kindheitserinnungen, die sich vor ihm auftun. Ein gut durchdachter Roman, den ich sehr gern gelesen habe.

  17. Cover des Buches Jack (ISBN: 9783257068566)
    Anthony McCarten

    Jack

     (30)
    Aktuelle Rezension von: DerMedienblogger

    Spätestens mit seinem Roman „On The Road“ sicherte sich der US-amerikanische Schriftsteller Jack Kerouac den Platz als einer der wichtigsten Vertreter der Beat Generation: diese bezeichnet die literarische Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg in Amerika. In dieses Buch ließ er seinerzeit autobiographische Elemente miteinfließen, sodass Romanfiguren auf ihre real existierenden Vorbilder zurückgeführt werden können.  Anthony McCarten greift sich dieses Gerüst und entwirft darin geschickt seine eigene Handlung, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zunehmend ineinander verschwimmen. Welche Leseeindrücke ich durch „Jack“ gewinnen durfte, erfährst du in der folgenden Rezension. 


    Dass Jack Kerouac tatsächlich existiert hat und nicht bloß eine Figur aus der Feder McCartens ist, wusste ich, wenn ich ehrlich bin, lange Zeit während des Buchs selbst nicht. Die ergänzenden Informationen sind zwar nicht notwendig für das Begreifen der Handlung, unterstützt aber den unschärfer werdenden Übergang der Ebenen Wirklichkeit und Illusion durch eine zusätzliche Realitätsebene. 

    Anthony McCarten hat einen angenehmen und gut zu lesenden Schreibstil, der in mir die Faszination für die bildhafte und einfühlsame Sprache weckt. „Jack“ ist, auch durch seine überschaubare Länge, so unterhaltsam und kurzweilig, dass ich das Buch bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen konnte. 

    Erzähltechnisch führt der Autor seine Leser*innen mehrfach hinters Licht, was die wahre Identität des Erzählers anbelangt. Somit verliert dieser seine vertrauliche Stellung und man ist als Leser*in dazu angehalten, seine Konzentration zu schärfen und Hinweise aufzuspüren. 

    Durch die geringe Anzahl an Figuren und der konsequenten Bündelung auf einen Schauplatz gelingt es „Jack“ umso besser, näher auf die auftauchenden Personen einzugehen und sie detaillierter zu beleuchten. Die Motivationen und Geisteshaltungen sind glaubwürdig und authentisch dargestellt: sei es triefendes Misstrauen gegenüber einer fremden Person oder auch riesige Faszination gegenüber dem literarischen Idol. Mehr und mehr fühlte ich mich in dem Buch angekommen und verfolgte gebannt dargestellte Entwicklungen: ein tiefgründiger Einstieg in die Handlung wird der Leser*in möglich gemacht. 

    „Jack“ ist für mich aber deshalb so lesenswert, als dass auf vielerlei Arten das Realitätsgerüst grundlegend auf den Kopf gestellt wird. Was ist in der Romanwirklichkeit oder in unserer heutigen Wirklichkeit real? Was entspringt der Autorenfeder, was aus den Worten des Erzählers und was basiert auf echten Fakten? Wer ist der Erzähler, wer ist Jack? Dass während Kerouacs Zeit echte Figuren zunehmend hinter den Schilderungen als Buchcharakteren hinterherhinkten und ihr eigenes Ich hinter dem Roman-Ich zurückblieben, wird hier reflektiert aufgegriffen und geschickt ergänzt. Es ist schwierig, an dieser Stelle darüber zu schreiben, ohne letztlich zu viel über den Inhalt preiszugeben. 

    „Jack“ ist eine Lektüre über die Identität des Individuums, die gut unterhält und zum fröhlichen Philosophieren über Fiktion einlädt. Das Ende jedoch fühlt sich aufgrund der erzählerischen Ruhe, die der Autor sich vorher genehmigt, gehetzt an und fällt daher etwas aus dem Rahmen heraus; die Wendung bleibt zu unkonkret. Daher fehlt der nachwirkende Eindruck, den man stärker hätte erzielen können, und es bleibt auf den letzten Seiten doch zu sehr an der Oberfläche. 


    Mit seinem Roman „Jack“ entfesselt Anthony McCarten einen spannenden Trip zwischen literarischen Ebenen und wirft die Frage nach der eigenen Identität neu auf.

    Ich vergebe gerne vier von fünf möglichen Sternen.

  18. Cover des Buches Tender Bar (ISBN: 9783596176151)
    J.R. Moehringer

    Tender Bar

     (402)
    Aktuelle Rezension von: Dolores999

    Ich bin auf dieses Buch gestoßen, weil mich die Biographie von Andre Agassi, Open, begeistert hat. Sie stammt vom selben Autor.

    In beiden Büchern zieht Moehringer den Leser in eine dichte, intensive Atmosphäre. Im Weiteren konzentriere ich mich nur auf Tender Bar, dem Ort, der einen prägt, zu dem man immer zurückkehrt, der einem eine wichtige Stütze ist - und der gerade deswegen seine negativen Seiten verschleiert.

    Tender Bar ist vor den in den 1970er und 80er vaterlos aufwachsenden JR so ein Ort. Er sucht nach Orientierung und Identifikationsfigur, er bewundert und verehrt alle Männer - einfach weil sie Männer sind, und es im Leben keine gab.

    In gewisser Weise lebt er den amerikanischen Traum, denn obwohl er aus sehr armen Verhältnissen stammt, gelingt es ihm, ein Voll-stipendium für Yale zu bekommen. Doch dort, genau wie in seinem Volontariat bei der Times, fehlt ihm der nötige Biss, um "durchzustarten". Ihm fällt alles schwer, alles gelingt alles spät, aber doch.

    Tender Bar besticht vor allem durch den tiefgründigen, vielschichtigen JR, Moehringer selbst, durch die ergreifende und zugleich unaufdringliche Sprache - bis auf winzige Stellen meisterhaft von B. Jakobeit übersetzt. 

    Von mir eine klare Empfehlung, ein Muss für alle, die in einem Buch, einer Geschichte, in Figuren abtauchen wollten.


  19. Cover des Buches Die Einsamkeit der Primzahlen (ISBN: 9783499291289)
    Paolo Giordano

    Die Einsamkeit der Primzahlen

     (790)
    Aktuelle Rezension von: Naibenak

    Alice und Mattia sind wie Primzahlen – etwas ganz Besonderes, mit Seltenheitswert. Sie stehen mehr oder weniger allein, sind Einzelgänger, einsam. Sich anderen Menschen anzunähern und sich ihnen zu öffnen fällt ihnen unendlich schwer, es ist nahezu unmöglich. Dies alles hat bei Alice und Mattia Ursachen in ihrer Kindheit. Letztlich aber finden sie einen für sie passenden Weg…

    Giordano erzählt unglaublich zartfühlend die Lebenswege dieser beiden jungen Menschen. Er hat einen sehr reduzierten, aber poetisch-fließenden Schreibstil, der zu keiner Zeit schwülstig oder kitschig zu werden droht. Dennoch vermag der Autor, das Herz des Lesers aufs Innigste zu bewegen.

    Alice, die durch einen schweren Skiunfall als Mädchen ein steifes Bein hat, gemoppt wird und nicht zuletzt durch den Einfluss ihres bestimmenden Vaters stark mit ihrem Selbstbewusstsein kämpft, leidet seit dem Unfall zusätzlich an einer extremen Essstörung. Mattia, der Zahlenfanatiker und Mathematikgenie, verliert als Junge seine Zwillingsschwester und gibt sich selbst die Schuld. Er versucht, mit Selbstverletzungen sich selbst zu spüren, wenn er schon ansonsten nichts mehr zu spüren vermag…

    Mit  seiner äußerst liebevollen, respektvollen und zarten Art schafft Giordano es, das Tieftraurige dieser beiden Lebenswege mit ein wenig Hoffnung zu benetzen. Als Leser beginnt man – genau wie auch die beiden Hauptpersonen – das so schwierige Leben dieser Beiden zu akzeptieren und anzunehmen, wie es ist. Ein Leben, das trotz allem wert ist gelebt zu werden.

    Fazit: Die Geschichte der beiden einsamen jungen Leute besticht durch eine poetische, respekt-und liebevolle Kraft, die den Leser tief berührt und die lange nachhallt. Ein ganz besonderer, zarter, traurig-schöner Roman. Highlight!

  20. Cover des Buches Die Herrenausstatterin (ISBN: 9783832165178)
    Mariana Leky

    Die Herrenausstatterin

     (93)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    „Die Herrenausstatterin“ lag für mich unterm Weihnachtsbaum und war der dritte Roman von Mariana Leky, den ich kennen und lieben gelernt habe. Ihr unverkennbarer Schreibstil, der sich durch bedeutungsträchtige Phrasenwiederholungen, bunte Sinnbilder, starke Symbolhaftigkeit und Metapheraneinanderreihungen auszeichnet, sprang mir gleich auf den ersten Seiten förmlich entgegen. Ihre wenigen Protagonisten haben eine so sonderbare und kindlich-wachsame Art, die Welt wahrzunehmen, dass es mich einfach umhaut, wie nah sie mir nach wenigen Seiten erscheinen. Kurz, ihr Stil entzückt mich immer wieder aufs Neue. Zugegebenermaßen ist er aber nicht für jede*n was! Manchmal droht entweder das Erzählte oder die Art des Erzählens oder beide ins Absurde, fast ins Ungreifbar-Lächerliche abzudriften, aber meiner Meinung nach kriegt Leky immer rechtzeitig die Kurve, um es doch poetisch wirken zu lassen und mit ihren Worten berühren zu können. Und ja, auch auf den letzten Seiten von „Die Herrenausstatterin“ kullerten ein paar Tränen.

    Jetzt zu der Handlung: Katja, die Protagonistin in diesem Roman, verliert die Kontrolle über ihr Leben, als ihr Mann plötzlich fort und sie mit sich ganz allein ist: „‘Die Kommode da kann ich mir auch gut in Hellgrün vorstellen‘ Ich kochte Kaffee und fand, dass [er] im Grunde nicht über die Küche, sondern über mich sprach. […] auch ich war ziemlich verdreckt und wackelig und ich gehörte woanders hingestellt, wo ich weniger verloren aussähe, in mir war auch nichts drin und man konnte sich mich auch gut in Hellgrün vorstellen.“ (S. 64) Katja verliert nicht nur ihren Job, sondern auch jeglichen Kontakt zur Realität. In ihrer schrecklich bedrückenden Einsamkeit findet sie einen Wegbegleiter. Nicht nur in ihr: Plötzlich sitzt ein weiterer auf dem Badewannenrand und stellt sich als Altphilologe vor. Und noch ein anderer stürmt in ihre Wohnung und sucht einen Hausbrand mit der Taschenlampe.  Alles in diesem Roman geht so rätselhaft vonstatten – ist unsagbar traurig und komisch zugleich, eine Kunst! Lest selbst! Ich spreche eine dritte Empfehlung für Leky aus und gebe 4.5/5 Sterne! Abzüge gibt es nur für die vielen Fragezeichen nach der Lektüre …

  21. Cover des Buches Die Herzlichkeit der Vernunft (ISBN: 9783630875910)
    Ferdinand von Schirach

    Die Herzlichkeit der Vernunft

     (13)
    Aktuelle Rezension von: Sigismund
    Ich gebe gern zu, dass es mir ohne eine umfassende humanistische Allgemeinbildung nicht immer leicht fiel, diesen beiden klugen Köpfen Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach in ihren fünf Gesprächen über "Die Herzlichkeit der Vernunft", als kleines Büchlein im DIN A6-Format mit nur 187 Seiten im Oktober vom Luchterhand-Verlag veröffentlicht, bis in die letzten Ecken ihrer Gedanken, Überlegungen und Schlussfolgerungen zu folgen. Aber es war in jedem Fall eine literarische Wohltat, in dem sonst überbordenden Angebot leichter und seichter Unterhaltungsliteratur mal wieder ein derart geistig anregendes Werk lesen zu dürfen. Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach, beide Juristen und beide Schriftsteller, tauschen darin ihre Ideen und Gedanken über Sokrates oder das Glück der Bescheidenheit aus, über Voltaire oder die Freiheit durch Toleranz, über Kleist oder das Wissen um den Menschen, über Terror oder die Klugheit des Rechts, über Politik oder das Lob der Langsamkeit. Sie ergänzen sich oft, widersprechen sich auch gelegentlich, werden sich nicht immer einig. Auch wenn man als Leser nicht jedes Zitat aus der Originalschrift kennt, nicht jeden im Gespräch genannten Philosophen oder Schriftsteller gelesen hat, um mit urteilen zu können, ist es doch anregend, den beiden Diskutanten bei ihrem "Kamingespräch" über Grundfragen des Rechts und der Gesellschaft, über Theater und Literatur, über die Gefahren der direkten Demokratie und der sozialen Medien und was den Menschen im eigentlichen Sinn menschlich macht zu folgen. Vielleicht sollte man dieses kleine, äußerlich so unscheinbare Büchlein tatsächlich zwei- oder sogar dreimal lesen, um endlich allen Gedankengängen Kluges und Schirachs wirklich folgen und das Gesagte verstehen zu können. Beim Lesen dieses Buches ist es gewiss keine Schande, für sich den altgriechischen Philosophen Sokrates zu zitieren: "Ich weiß, dass ich nicht(s) weiß." Zumindest hat man nach der Lektüre etwas dazugelernt.
  22. Cover des Buches Strafe (ISBN: 9783442770526)
    Ferdinand von Schirach

    Strafe

     (162)
    Aktuelle Rezension von: Speckelfe

    Mein erstes Buch von Ferdinand von Schirach und bestimmt nicht mein letztes. Ein Buch mit 12 Geschichten zum Oberthema "Strafe", das zum Nachdenken/Gedanken machen anregt und das mich noch länger beschäftigt hat. Kurze, klare Sätze und trotzdem eine deutliche Bildsprache ... sehr angenehm zu lesen!

  23. Cover des Buches Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie (ISBN: 9783596522507)
    Rachel Joyce

    Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

     (135)
    Aktuelle Rezension von: MariWo

    Der Roman „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“ von Rachel Joyce führt in einen Plattenladen. Der Besitzer, ein sanfter Bär von einem Mann, kann Menschen glücklich machen. Mister Frank findet für die Menschen, die Musik, die sie brauchen. Eine tiefgründige Geschichte mit interessanten und sympathische Charakteren – die Ladenbesitzer der Unity Street. Der Erzählstiel von Rachel Joyce wirkt auf mich wie eine Mischung aus Realität und Märchen. Der Roman hat Musik zwischen den Zeilen und es macht Spaß beim Lesen die passenden Songs anzuhören. Eine Frau im grünen Mantel taucht auf und es entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte. Doch lange bleibt unklar was aus den Beiden wird.

    Fazit: Ein Roman über Liebe und Freundschaft, mit Musik zwischen den Zeilen, gewürzt mit einer Prise Märchen. Besonders gefallen hat mir das Ende des Buches. Sehr lesenswert, nicht nur für Musikfans.

  24. Cover des Buches 2666 (ISBN: 9783596187843)
    Roberto Bolaño

    2666

     (119)
    Aktuelle Rezension von: itwt69
    Ich kann mich der allgemeinen Euphorie über dieses vermeintliche "Meisterwerk" leider nicht anschließen. Teil 1 über die leidenschaftlichen Anhänger des Benno von Archimboldi fängt sehr gut an und lässt ein großes Buch erwarten und erhoffen. Teil 2+3 fallen dann schon stark ab, in denen 2 Nebenpersonen bis aufs kleinste Detail beschrieben werden. Teil 4 über die Verbrechen mit fast 400 Seiten finde ich ganz schwach. Wieso muss man sehr ähnlich gelagerte Fälle mehrere dutzend Mal wiederholen? Teil 5, in der es eine Aufklärung des gesamten Komplexes gibt, ist dann wieder in Ordnung, reicht aber nicht, um das ganze Buch als lesenswert zu beurteilen. Besonders die unglaublich weitreichenden Abschweifungen, die fast jede einzelne Erzählung nimmt, kann ich nicht nachvollziehen. Das Buch wäre locker mit 400-500 Seiten weniger ausgekommen. Ich musste mich doch allzu oft durchquälen. Sprachlich allerdings sehr gelungen, auch wenn dadurch das Lesen sehr viel Konzentration erforderte (es gibt Sätze, die sich über eine komplette Seite ziehen). Dem Übersetzer muss dafür ein großes Lob gewährt werden, eine fast unmenschliche Leistung, ein solch komplexes Werk vom Spanischen ins Deutsche zu übersetzen!

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