Bücher mit dem Tag "zeitgeschehen"
28 Bücher
- Jonas Jonasson
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
(5.948)Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue"Richtig war nicht unbedingt das, was richtig war, sondern das, was von der maßgeblichen Person für richtig erklärt wurde."
Die Geschichte fängt genauso an, wie der Titel es vorhersage. Der Hunderjährige Allan hat keine Lust seinen 100ten Geburtstag zu feiern und stieg aus dem Fenster des Altenheim und verschwand. Was dann passiert ist sowohl skurill und an manchen Stellen humorvoll. Weil ich mir einfach nicht das vorstellen konnte und kopfschüttelnd lachen musste um mir das was gerade passiert sein soll, vorstellen zu können.
Insgesamt war es aber mehr eine Erzählung über Allan, wie er aus dem Fenster stieg und was dann passiert, sowie Rückblicke was alles in seinem Leben passiert ist. Fand durch die Erzählung der Schreibstil sehr monoton und dadurch viel es mir schwer manchmal dran zu bleiben, weil es auch schnell langatmig wurde.
Eine solide und skurille Geschichte, die bestimmt mal was anderes ist!
- Angie Thomas
The Hate U Give
(746)Aktuelle Rezension von: Isabelle_Kocher"The Hate U Give" behandelt das Themen wie Rassismus, Polizeigewalt und Black Lives Matter, jedoch erzählt aus der Perspektive eines 16-jährigen Mädchens. Dadurch wirkt die Geschichte nahbarer und berührt auf eine viel intensivere Weise. Statt den Fokus auf die harten Fakten der zu richten, wirkt dieser Roman fast philosophisch, wenn die Hauptfigur, Starr, sich fragt, was falsch und was richtig ist, was es wert ist, dafür zu kämpfen und wie sie die zwei Welten, in denen sie lebt, miteinander vereinen kann. Besonders gut hat mir an diesem Buch gefallen, dass es der objektiven Berichterstattung unserer Nachrichten nun ein persönliches Gesicht verleiht. Wir sehen nicht mehr einen Afro-Amerikaner, der erschossen wird - wir sehen ein Mädchen, dass sich an die vielen Momente der Freundschaft mit einem Jungen erinnert, dessen Leben nun viel zu früh endet, während sie ohne ihn weiterleben muss. Ein Buch, das bewegt und einem die Augen öffnet.
MEIN TIPP: Als englisches Audiobook kommt die besonderes Sprache des Buchs am besten zur Geltung! - Marc-Uwe Kling
QualityLand (QualityLand 1)
(878)Aktuelle Rezension von: Christoph_Schade„QualityLand“ fühlt sich an wie ein Spiegel, den man uns viel zu lange nicht vorhalten wollte, und plötzlich steht er da, poliert bis zur Perfektion und gnadenlos ehrlich. Marc-Uwe Kling beschreibt eine Zukunft, die so überzogen wirkt, dass man lachen muss, und gleichzeitig so nah an unserem Alltag klebt, dass das Lachen im Hals stecken bleibt. Die digital optimierte Welt, in der Algorithmen alles besser wissen sollen als wir selbst, zieht einen sofort hinein, weil sie eben nicht nur Zukunft ist, sondern ein logisch weitergedachter Kommentar auf unsere Gegenwart.
Kling schreibt pointiert, komisch, hellwach, und zwischen den satirischen Spitzen leuchtet eine fast tragische Wahrheit auf: dass wir längst in einer Vorversion von QualityLand leben und uns kaum fragen, welche Entscheidungen wir abgegeben haben – freiwillig, bequem, fast beiläufig. Sein Humor funktioniert wie ein Tranquilizer, der uns erlaubt, Dinge auszuhalten, die eigentlich weh tun müssten.
Ein Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch entlarvt; der zeigt, wie dünn die Grenze ist zwischen digitalem Komfort und dem Verlust von Selbstbestimmung. Und genau deshalb wirkt er noch lange nach, auch wenn das Buch längst zugeklappt ist.
- Ransom Riggs
Die Stadt der besonderen Kinder
(607)Aktuelle Rezension von: AnnejaAuch wenn mich die Bücher schon wirklich sehr lange reizten, fand ich erst durch das erneute Anschauen des Filmes meinen Weg in diese Welt. Band 1 überraschte bereits, da es doch einige Abweichungen zum Film gab, die mir sogar besser gefielen. Nun ging es den 2. Band, welcher mich ehrlich gesagt nicht weniger überraschte und weiter in die Welt zog.
Wer wie ich, anfangs nur den Film geschaut hat, dachte das schnell alles gut wird. Doch weit gefehlt, denn die Kinder rund um Miss Peregrine sind noch lange nicht am Ziel, zumal ihre Beschützerin sich nicht mehr zurückverwandeln kann. Die größte Aufgabe war daher eine andere Ymbryne zu finden, welche ihr helfen könnte. Doch dies war in der aktuellen Lage nicht sehr leicht, denn natürlich waren noch immer Hollows hinter ihnen her und so gut wie alle Ymbrynes wurden bereits gefangen.
Wer die Charaktere nicht mehr alle kannte, fand vorne die Bilder und markantesten Eigenschaften der Einzelnen. Allgemein fand ich es toll, dass der Autor mit Bildern arbeitete, denn stellenweise sorgten diese dafür das eine Szene noch intensiver wurde. Hierzu sei gesagt, dass es sich gänzlich um echte Bilder handelte, welche jedoch hin und wieder bearbeitet wurden.
Die Geschichte begann da, wo der Vorgänger aufhörte und ermöglichte somit einen nahtlosen Übergang. Hatte der erste Band jedoch noch etwas Freundliches, musste man hier damit Leben, dass die Kinder durchweg auf der Flucht waren. Dies soll jedoch nicht heißen, dass sie nicht positives erlebten, im Gegenteil, denn während ihrer Reise trafen sie interessante Charaktere, die ihnen oft auch halfen.
Auch wenn die Kinder diesmal viele Ängste durchleben mussten, zeigte sich, dass sie dadurch ihre Fähigkeiten erst so richtig zu schätzen wussten. Besonders Jacobs, noch recht unerforschte, Fähigkeiten fand im Verlauf des Bandes immer weiter ihren Weg an die Oberfläche und dürften gerade zum Ende hin, einige überraschen. Doch auch die anderen Charaktere machen Veränderungen durch. Dies jedoch eher charakterlich, als in Bezug auf ihre Fähigkeiten. Besonders Millard und Enoch stachen hier für mich heraus, wobei Enoch etwas mehr ins Negative abrutschte. Millard dagegen zeigte wie vielfältig es sein kann, unsichtbar zu sein. Allgemein dürfte Hoffnung das passende Wort sein um den Band zu beschreiben.
Und wenn wir schon beim Schreiben sind, möchte ich gleich anmerken, dass sich der Band genauso gut lesen ließ wie sein Vorgänger. Da es diesmal kein Filmmaterial gab, labte sich meine Fantasie an den Beschreibungen und den im Buch befindenden Bildern. Das reichte aus um eine abenteuerliche Welt zu erstellen, welche gerade durch die Wechsel in andere Zeitschleifen auch immer wieder Abwechslung bot und interessante Einblicke in die Geschichte gab. Zwar endete dieser Band, wie sein Vorgänger, auch mit einem offenen Ende, aber da hier so spannende Dinge passierten, freue ich mich schon darauf, den nächsten Teil zu lesen.
Fazit:
Dieser Band bot neben reichlich abwechslungsreichen Erlebnissen, viel Spannung, aber eben auch emotionale Momente. Mir wuchsen mit jeder Seite die Kinder von Miss Peregrine mehr ans Herz, auch wenn ihre Charaktere einen manchmal zur Weißglut bringen konnten. Ich persönlich freue mich schon auf den nächsten Band, denn natürlich möchte ich wissen, was nun noch alles auf sie zukommt.
- Florian Illies
1913
(298)Aktuelle Rezension von: bibliophilaraGeschichte fand ich früher meistens furchtbar langweilig. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass ich einen Lehrer hatte, der ununterbrochen nur zusammenhanglose Monologe geführt und irgendwelche Daten von unterzeichneten Verträgen in seinen Bart genuschelt hat, ohne jemals etwas an die Tafel geschrieben zu haben. Aber der Kunsthistoriker Florian Illies beweist, dass es auch anders geht. 2012 veröffentlichte er ein historisches Sachbuch, das nur in einem einzigen Jahr spielt: „1913“. In über 300 Seiten entführt er den Leser in ein Zeitalter, das selbst unsere Großeltern nicht miterlebt haben und bietet eine neue Perspektive auf längst vergangene Epochen.
Was ist eigentlich 1913 so alles Wichtiges passiert? Ich wusste vor dem Lesen dieses Buches nur, dass ein Jahr zuvor die Titanic unterging und ein Jahr danach der erste Weltkrieg durch die Ermordung Franz Ferdinands ausgelöst wurde. 1913 selber war für mich aber ein unbeschriebenes Blatt Papier. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich fast alles weiß: Wie Louis Armstrong an seine erste Trompete kam oder Sigmund Freud an seine Katze, welche Intentionen der Kubismus hegte, wie Thomas Mann seine Homosexualität vertuschte und noch vieles mehr. Illies beschäftigt sich mit zahlreichen Themen wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Mode, Musik, Literatur, Architektur, Philosophie und vor allem Kunst. Dabei stellt er die bedeutendsten Persönlichkeiten dieser Zeit vor. Ein besonderes Augenmerk legt er dabei unter anderem auf Franz Kafka, Adolf Hitler, Alma Mahler, Ernst Ludwig Kirchner oder Else Lasker-Schüler und wirft einen Blick hinter die Kulissen dieser großen Namen.
Das Sachbuch ist in insgesamt zwölf Kapitel unterteilt. Jedes Kapitel steht für einen Monat und beginnt jeweils mit einem Bild und einer Vorschau. Innerhalb dieser Kapitel wird wieder in Abschnitte gegliedert, die nicht mehr unbedingt chronologisch vorgehen. Ihre Länge kann von einem Satz bis zu maximal fünf Seiten variieren und befasst sich entweder mit einem Ereignis oder einer Anekdote über eine Berühmtheit, bei der häufig auch Zitate aus Büchern, Briefen, Tagebüchern oder anderen Niederschriften eingefügt werden.
Illies schreibt optimistisch, humorvoll und manchmal auch sarkastisch, verwendet außerdem den Präsens und wendet sich gelegentlich direkt an den Leser, um Wissenswertes, das inzwischen 103 Jahre auf dem Buckel hat, wieder lebendig zu machen. Sein schriftstellerisches Talent zeigt sich ebenfalls darin, wie geschickt er Verknüpfungen zwischen an sich voneinander unabhängigen Abschnitten mit Wortspielen, Randinformationen, Vergleichen, Wiederholungen oder rhetorischen Fragen schafft und somit aus der episodischen Erzählung, wie aus tausend kleiner Scherben, ein buntes, vollständiges Mosaik kreiert. Der intellektuelle Anspruch wird neben dem Inhalt, der gewisse künstlerische Vorkenntnisse erfordert, mit hoher Eloquenz und komplexem Vokabular fortgeführt. Nicht Wenige werden von Begriffen wie Galopin, exaltieren, Mäzen, Samowar, Clochard, sakrosankt oder Päderastie zumindest einen nicht aus dem Stegreif definieren können.
Bemerkenswert ist ebenfalls der große Aufwand an Recherchen, den Illies über sich hat ergehen lassen. Die Auswahlbibliographie ist klein gedruckt und ellenlang. Es ist demnach nur ein Ausschnitt aus den zahllosen Werken, die er durchwälzt hat, um das Jahr 1913 perfekt zu rekapitulieren. Allein das hat meiner Meinung nach volle Anerkennung verdient. Leider ist ihm dann doch ein kleiner Fehler unterlaufen, denn er verwechselt Kokoswasser mit Kokosmilch. Kokoswasser ist die Flüssigkeit, die im Hohlraum einer Kokosnuss liegt; Kokosmilch wird dagegen aus dem gepressten Fruchtfleisch gewonnen. Die Anekdoten sich gleichermaßen faszinierend, wie auch verstörend. Neben Homosexualität sind auch Inzest, Polygamie, Prostitution, Drogenkonsum und Psychosen keine Tabuthemen.
Warum gerade das Jahr 1913 gewählt wurde, vermag ich lediglich zu mutmaßen. Es könnte einerseits daran liegen, dass der erste Weltkrieg sich bereits anbahnte, das Jahr also historisch betrachtet wie ein Wetterumschwung war und die Menschheit damit gut repräsentiert: Eine Mischung aus Gut und Böse. Künstlerisch gesehen waren die 1910er ein Zusammenprall vieler verschiedener Stile, die facettenreiche und widersprüchliche Kunstwerke zutage brachten. Genau das Richtige also für einen Kunsthistoriker wie Florian Illies. Andererseits liegt das Jahr auch inzwischen weit genug zurück, um keine Zeitzeugen mehr zu haben, die sich noch daran erinnern könnten. Es bleiben uns also nur noch Archive, um Informationen einzuholen.
Falls es jemals eine Fortsetzung von „1913“ geben sollte, würde ich sie definitiv auch lesen, jedoch bezweifle ich, dass es dazu kommen wird. Es würde mich wirklich brennend interessieren, für welches Jahr sich Illies dann entscheiden würde. Aber vielleicht kann sogar er die Frage nicht richtig beantworten.
Wer weder vor Kunstgeschichte noch vor hochgestochener Sprache zurückschreckt, hat mit „1913“ von Florian Illies das perfekte Lesefutter gefunden. Egal wie viel Vorwissen man besitzen mag, niemand wird nach dem Lesen behaupten können, nichts spannendes Neues in Erfahrung gebracht zu haben. Wer sich allerdings eher als Kulturbanause bezeichnet, sollte um dieses historische Sachbuch einen großen Bogen machen. Ich zolle Illies‘ Recherchearbeit und fantastischem Schreibstil höchsten Respekt. Besser hätte man ein Buch zu diesem Thema gar nicht umsetzen können. Der kleine Fehler mit der Kokosnuss ist zu gering, als dass er hier ins Gewicht fallen könnte, deswegen erhält „1913“ von mir verdiente fünf Federn.
- Annett Gröschner
Die Städtesammlerin
(9)Aktuelle Rezension von: AlexandraKAnnett Gröschner nimmt den Leser mit auf Reisen. In den verschiedensten Ländern fährt sie mit der Straßenbahnlinie 4 und berichtet von ihren Erlebnissen.
Das Buch beginnt mit einem Einführungskapitel. In diesem wird erklärt warum die Autorin immer mit der Linie 4 fährt. Dieses Kapitel ist etwas holprig zu lesen wegen den ganzen Straßennahmen, jedoch lohnt es sich dran zu bleiben.
Generell sind die Kapitel kurz und man kann immer mal schön zwischendurch in eine andere Welt abtauchen. Natürlich gibt es über einige Orten mehr zu erzählen als über andere. Die Kapitel sind abwechslungsreich und passend gestaltet. Einige sind besser andere nicht ganz so gelungen. So fand ich das Kapitel 13.27 Uhr – an der Trolleybushaltestelle Horeastraße vollkommen unnötig. Denn darin erzählt die Autorin auf 2 1/2 Seiten wie sie an der Haltestelle Kinder beobachtet.
In anderen Kapiteln erzählt sie auf ca. 10 Seiten ausführlicher über die Strecke und die Eindrücke, die sie auf der Straßenbahnfahrt sammelt. Was mir sehr gut gefällt ist, dass das Buch sehr gut recherchiert ist. Die Autorin verwebt gekonnt geschichtliche Hintergründe über die Städte, ihre Bauten und ihre Bewohner. Auch über die technischen Voraussetzungen der Straßenbahn ist sie bestens informiert.Was ich als sehr störend empfand, waren die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler in diesem Buch. Die Autorin ist studierte Germanistin und das Buch durchlief ein Lektorat, da sollten solche groben Schnitzer, wie sie hier zu finden sind, nicht passieren.
Die Städtesammlerin hat mich für zukünftige Reisen inspiriert, mir fremde Kulturen näher gebracht und mir auch etwas die Angst genommen. Letztlich ist es ein nettes Buch für zwischendurch und vor allem für reiselustige Leser zu empfehlen. Man kann das Buch gerne lesen, man muss es aber nicht.
- Regina Scheer
Machandel
(63)Aktuelle Rezension von: rose7474Dieser Roman wurde mir empfohlen und er sprach mich gleich an, da es um zeitgeschichtliches geht in der DDR. Ich mag solche Geschichten sehr und wurde hier nicht enttäuscht.
Ich brauchte etwas Zeit um in die Geschichte reinzukommen. Dann jedoch packte es mich und wollte immer weiterlesen. Die verschiedenen Perspektiven gefielen mir sehr gut und die Schicksale berührten mich sehr ubd brachten mich zum Nachdenken. Ein Buch wofür man etwas Zeit braucht aber wichtig gegen das Vergessen ist. Ich werde es irgendwann nochmal lesen und noch mehr von Regina Scheer.
Daher eine absolute Leseempfehlung von mir und wohlverdiente 5 Sterne.
- Peter Scholl-Latour
Der Fluch der bösen Tat
(18)Aktuelle Rezension von: Renate1964Herr Scholl-Latour verfügt über umfangreiches Wissen, Kompetenz und Erfahrung. Dennoch fehlt mir in diesem Buch der rote Faden. Der sprunghafte Erzählstil -sowohl durch Zeiten wie auch Orte- lässt mich viel nicht verstehen. Wahrscheinlich braucht man mehr Vorkenntnisse. Für mich ein Anreiz, mich zum Beispiel mit dem Islam oder der Nahostpolitik zu beschäftigen
- Jenny Erpenbeck
Gehen, ging, gegangen
(129)Aktuelle Rezension von: JorokaEin emeritierter und verwitweter Professor schließt Bekanntschaft mit einer Gruppe junger, männlicher Flüchtlinge aus Afrika, die durch eine Protestaktion die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich gezogen hatten. Er zeigt keine Berühungsängste und interessiert sich für die Geschichten der Männer, die auf ihrem Weg nach Europa Traumatisches erleben mussten.
Richard öffnet auch seine Tür, gibt einem der Männer Unterricht am Klavier und besorgt Gelegenheitsjobs. Er nimmt Teil an ihren Schicksalen und dem quälenden Warten auf eine Zukunft....
Frau Erpendeck durchleuchtet verschiedene Aspekte der aktuellen 'Flüchtlings-Krise' an Einzelschicksalen. Die AfD wird dieses Buch sicherlich nicht als Lieblingslektüre empfehlen. Doch für mich war vor allem das Zwischenspiel mit dem alten Mann und den jungen Männern aus einem anderen Kulturkreis interessant. Man kann es so sehen, dass er in seinem Ruhestand eine neue Aufgabe gefunden hat und darin aufgeht.
Überraschenderweise wirken die meisten der Begegnungen zwar höflich, aber überraschend distanziert. Vielleicht kann das auch gar nicht anders sein. Diesbezüglich sicherlich nicht sonderlich förderlich ist, dass Richard einem Großteil der Männer Phantasie-Namen verpasst. Doch es von Richards Seite auch keine überstülpende Annäherungen. Einen wenig erschleicht er sich schon den Zugang, doch im weiteren Verlauf möchte er vor allem helfen.
Und die jungen Afrikaner? Sie bleiben trotz oder gerade wegen ihrer großen Zahl im Roman wenig greifbar. Vor allem ahnt man das verschwendete Potential ihrer Leben.
Fazit: Ihr Stil wirkt zum Teil ungewöhnlich, aber auf mich nicht schwerfällig oder gar mühsam. Ich habe das Buch mit zunehmendem Interesse gelesen. Sehr aktuelles Thema, anders als erwartet umgesetzt.
- Ray Celestin
Gangsterswing in New York
(13)Aktuelle Rezension von: LesemietzeDieser Teil hat mir nicht so gut gefallen. Allgemein war die Reihe für mich etwas holprig. Auf der einen Seite finde ich das Setting nicht schlecht, aber einen guten Lesefluss hatte ich nie so recht.
So geht es mir auch wieder in diesen Teil auch. Der Kriminalfall war interessant, aber so recht rein gekommen bin ich in die Geschichte nicht so recht. Ich empfand zwar die Charaktere gut und authentisch dargestellt. Nur gab es doch die ein oder andere Länge und konnte mich daher nicht wirklich überzeugen.
Fiktion und wahre Begebenheiten, sowie Personen, werden zwar gut mit einander verwoben, aber für mich war es dann Teils zu sehr von der eigentlichen Handlung weg.
Über die Jahre konnte man die Entwicklung der Protagonisten verfolgen, etwas was ich ganz gut gelungen empfand.
Insgesamt hat die Reihe interessante Cover und Titel und das Setting hat was, aber so ganz begeistern konnte mich leider keins.
- Arundhati Roy
Das Ministerium des äußersten Glücks
(70)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeDas Buch führt in eine Art Kommune der Außenseiter auf einem indischen Friedhof. Die dort Gestrandeten haben Geschichten, Leben, die wiederum andere Leben berührten - diese Geschichten erzählt die Autorin.
Der Leser wird tief ins heutige Indien hineingezogen. Ein Vielvölkerstaat mit den verschiedensten Sprachen, Religionen und Interessen. Ein Land zwischen Moderne und Tradition, bitter arm und reich. Natürlich ist es ein politisches und ein kritisches Buch, das die immer noch aktuellen Probleme Indiens ins Auge fasst, doch es ist eben nicht nur das. Es ist ein bedrückendes, schockierendes, ein erhellendes, aber auch berührendes Buch. Roy verbindet das Schreckliche mit dem Opulenten, den blutigen Kaschmir-Konflikt, die Kasten- und Gaubenskämpfe mit "pathetisch-ästhetischen" Fabeln über Leben und Liebe. Auch wenn es als Leser nicht immer leichtfällt, den mannigfachen Erzählfäden zu folgen, das immer wieder auftauchende Pathos zu verdauen, beeindrucken die vielen Liebeserklärungen der Autorin an ihr Land und seine Menschen. Wer vorher noch nicht mit der Geschichte Indiens vertraut war, zumindest im Groben, der wird vor allem im ersten Teil mit Fakten überhäuft, so dass die Handlung leicht verloren gehen kann. Roy setzt viel an Wissen voraus und reiht die Fakten teils nur so aneinander.
Mein Fazit: Das Chaos Indiens einfach literarisch zu wiederholen, indem man die Gewalt und das Leid der vielen Konflikte auf dem Subkontinent möglichst gnadenlos und haufenweise schildert, führt für mich zu keinem befriedigenden Ergebnis. Zu viele Geschichten von Folter, Misshandlung und Blut können von den im Text vorhandenen literarischen Momente nicht aufgefangen werden. Wer sich nicht mit der Politik Indiens und einer entsprechenden Gesellschaftskritik auseinandersetzen möchte, der sollte sich nicht an dieses Buch wagen.
- Agnès Poirier
An den Ufern der Seine
(76)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerAgnès Poirier entführt die Leser*innen an die Ufer der Seine, in die magischen Jahre von Paris 1940 bis 1950. Dies ist kein trockenes Sachbuch, das Fakten trostlos aneinanderreiht. Hier wird eine Epoche lebendig, hier wird Geschichte erlebbar. Während des Lesens singen Juliette Gréco und Édith Piaf ihre klassischen Chansons leise im Hintergrund. Ich versinke im Ohrensessel, ein heißer Tee steht auf dem Bistrotisch und weht mir seinen Vanilleduft unter die Nase. Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre sitzen mir gegenüber im Café de Flore. Fast scheint es mir als würde der Pfeifenrauch durch mein Lesezimmer ziehen.
Die 1940er Jahre, eines der schlimmsten Jahrzehnte der Menschheitsgeschichte, totaler Krieg, totale Vernichtung und totale Kontrolle stehen dem Willen zur totalen Freiheit gegenüber. Und in einem kleinen, alten, verwinkelten Stadtteil von Paris, gegenüber von Notre Dame, einen Steinwurf von der Seine entfernt, begegnen sich einige der wichtigsten Intellektuellen und Ikonen jener Zeit. Philosophen, Schriftsteller, Musiker, Künstler aber auch Lebemänner und Dandys. Existenzialismus und Kommunismus, neue Werte in einer alten Welt, prägen die Diskussionen. Nelson Algren, Simone de Beauvoir, Samuel Beckett, Saul Bellow, Albert Camus, Jean Cocteau, Miles Davis, Janet Flanner, Alberto Giacometti, Juliette Gréco, Arthur Koestler, Jean Paulhan, Pablo Picasso, Jean-Paul Sartre Boris Vian und Richard Wright, um nur einige zu nennen, leben in den 40er Jahren auf wenige hundert Quadratmeter verteilt, am linken Seineufer, dem Rive Gauche. Wie kann es sein, dass so viele bedeutende Persönlichkeiten in Paris zusammenkommen, um die Weltgeschichte zu verändern?
Leben am Rive Gauche
Leider geht die Kontinuität des Rive Gauche in Poiriers Erzählung etwas unter. Bei ihr erscheint es so, als würden die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts den Mythos des linken Seineufers, des intellektuellen Stadtteils begründen. Dabei haben in den 20er Jahren bereits eine ganze Reihe Künstler dort gelebt und gewirkt, z.B. Ernest Hemingway, Henry Miller, Anaïs Nin, Gertrude Stein, und Sylvia Beach. Und auch davor, war das Quartier geprägt durch die Sorbonne und den zahlreichen Studenten, die hier wohnten. Das traditionelle Universitätsviertel war seit jeher das intellektuelle Zentrum. Auch weil man hier, im Vergleich zum bürgerlichen rechten Seineufer, weitaus günstiger leben konnte.
In diesem Quartier Latin konzentriert sich in den 40er Jahren ein bedeutender Teil der westlichen Intelligentzija. Die meist 20 bis 30jährigen sind gezeichnet vom Weltkrieg, von den Erfahrungen der deutschen Besatzung, der Kollaboration oder der Résistance. Drehte sich jahrelang alles ausschließlich ums Überleben und den Widerstand gegen die Faschisten, veränderte sich mit der Niederlage Nazideutschlands die ganze Welt. Die jungen Erwachsenen fanden sich zurückgeworfen auf existenzielle Fragen: wie konnte es zum Krieg kommen, was fängt man mit seinem Leben nach dem Krieg an? Was ist der Sinn des Lebens? Und wie kann man ihn verwirklichen? Geprägt durch eine grundlegende Skepsis am Kapitalismus, der sich allzu schnell mit dem Faschismus verbrüderte, kokettieren viele Intellektuelle jener Zeit mit dem Kommunismus, dem der Nimbus des Antifaschismus anhaftet.
Erst langsam nehmen einige Wenige auch die Grausamkeiten des Stalinismus wahr und versuchen einen „dritten Weg“ in der Politik zu gehen. Ausgehend von der Philosophie des Existenzialismus, müsse es doch einen Weg jenseits von Kapitalismus und Kommunismus geben. Doch so politisch auch der Alltag war und so produktiv die Künstler und Schriftsteller waren, so wollten alle ihr junges Leben nach den Entbehrungen des Krieges, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und manchmal auch darüber hinaus, genießen. Eine neue Freizügigkeit nicht nur im Denken brach sich Bahnen. Neue Lebensentwürfe wurde erprobt, bürgerliche Traditionen abgelehnt. Simone de Beauvoir erkämpfte sich einen Lebensstil der bis dahin nur Männern vorbehalten war. Ungebunden, frei und mit vielen wechselnden Sexualpartnern, sogar beiderlei Geschlechts. Was für viele junge Frauen Vorbild werden sollte, war für das Bürgertum vor allem eines: ein Skandal.
Exzessiver Exitenzialismus
Und an Skandalen war das arme Paris der 40er Jahre reich. Poirier fängt das Sittengemälde und die Rebellion gegen verkrustete Strukturen grandios ein. Die Leser*innen folgen Sartre und Beauvoir die Treppenstufen hinab in dunkle Kellergewölbe in denen bei Jazzmusik gefeiert und vor allem viel getrunken wird. Die Partner vieler Intellektuellen scheinen im munterem Reigen wechselnde Tête-à-Tête einzugehen. Exzessives Leben in allen Bereichen. Wer will es jungen Menschen verübeln im Angesicht der Grausamkeiten, die nach und nach über den Holocaust bekannt werden oder angesichts einer zunehmenden Weltuntergangsstimmung der sich konfrontierenden Atommächte USA und Russland.
Die Produktivität gepaart mit der verzehrenden Lebensweise hat seinen Preis und Poirier schildert auch die Schattenseiten der so leuchtenden Biographien. So war die Einnahme von Amphetaminen vollkommen gewöhnlich, Drogen und Aufputschmittel verschiedenster Art, anschließend Schlaftabletten um wieder Ruhe zu finden, gehörten zum Alltag. Ebenso wie Alkohol geschwängerte Streitigkeiten, die teils jahrelange Freundschaften zu ruinieren vermochten. So explosiv wie sich die Weltgeschichte darstellte, so heftig, hitzig und obsessiv lebten die jungen Intellektuellen jener Zeit. Und Poirier schafft es mit ihrer Sprache eine geradezu hypnotische Wirkung zu entfachen, ein Mahlstrom, der hinab in die Begierden und Leidenschaften einer unterdrückten Jugend führt. Wer die Menschheit liebt, muss an ihr verzweifeln.
Moderne Zeiten
Dabei darf man allerdings nicht übersehen, dass mitunter Genauigkeit und Differenzierung dem lockeren Schreibstil geopfert werden. Es ist ein erzählendes Sachbuch, eher eine Reise an die vergangenen Ufer der Seine, denn eine historisch korrekte Betrachtungsweise. Wenn man sich damit anfreunden kann und über die ein oder andere spekulative Szene, die als solche allerdings leider nicht deutlich gekennzeichnet ist, die ein oder andere Stereotypisierung und die ein oder andere verklärte Perspektive hinwegsehen kann, bekommt man eine wunderbare und informative Zeitreise in eines der intellektuellsten Jahrzehnte.
Poirier reicht mit „An den Ufern der Seine“ einem jungen und neuem Publikum die Hand, um den intellektuellen und moralischen Aufbruch einer ganzen Generation zu verstehen. Geschichte wird gemacht und wirkt in die Gegenwart. Es wurden nicht nur literarische Grundfeste erschaffen, sondern zugleich weltanschauliche Wertemaßstäbe entworfen. Der Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung, gegen Faschismus und Autoritarismus, die Intoleranz gegenüber den Intoleranten und Antidemokraten sind zeitlose Imperative. Die Erinnerung daran erscheint nötiger denn je.
Für Bibliophile sei allerdings die Warnung ausgesprochen, dass sehr viele literarische Werke angesprochen werden, die die Liste der zu lesenden Bücher mal wieder zu verlängern vermag.
- Petra Ramsauer
Siegen heißt, den Tag überleben
(14)Aktuelle Rezension von: BuchsensibelSyrien.
Als 2011 die ersten Proteste gegen das Regime Baschar al-Assads laut werden, ahnt niemand, wie schnell sie eskalieren werden. Welche verheerenden Folgen, welche grauenvollen Entwicklungen diese nach sich ziehen werden, überstieg alle Vorstellungskraft.
Ein Funke, der einen Brand unvorstellbaren Ausmaßes auslöste.
Eine Wirtschaftskrise, die vor allem auf dem Land zu schweren Existenznöten führte, Wut, die schon lange schwelte gegenüber einem korrupten Regime und seinen Mitarbeitern. Ein leiser Protest in Form von Graffiti.
Daraufhin folgenschwere Gewalt und Brutalität als Einschüchterungstaktik seitens des Regimes, aber auch die Hoffnung auf einen arabischen Frühling, wie er in Tunesien und Ägypten zu beobachten war bei der Bevölkerung.
Die Hoffnung auf Hilfe durch den Westen oder der NATO bei Kundgebungen wie in Libyen … Doch die Hoffnungen wurden schnell zerschlagen.
Denn es wird nur allzu sehr auf die beschwichtigenden Reden Baschar al-Assads gehört, die sich letztendlich aber als leere Worte erweisen.
Innerhalb kürzester Zeit mischen sich auf beiden Seiten ausländische Verbündete ein. Zahlreiche oppositionelle Gruppierungen entstehen, dass kaum noch ein Überblick darüber möglich ist, extremistische Terrornetzwerke finden einen Nährboden in all dem Chaos, um eigene Interessen und Ideologien zu verfechten.
Der Krieg ist längst zu einem Stellvertreterkrieg der Großmächte ausgeartet. Unter dem explosiven Zerfallsprozess des Landes leidet vor allem die Bevölkerung. Eine halbe Million Tote, elf Millionen Flüchtlinge (die Hälfte aller Einwohner Syriens) sind Vertriebene im eigenen Land, eine Million Flüchtlinge ziehen weiter nach Europa.
Die Grausamkeiten kennen kein Ende. Die Zivilbevölkerung wird mit Fassbomben und Foltermethoden terrorisiert. Infrastruktur und Kulturschätze des Landes sind längst zerstört, medizinische und Lebensmittelversorgung liegen darnieder.
Doch wie hat das alles begonnen?
Die Wurzeln liegen eigentlich schon in den Ereignissen nach dem 1. Weltkrieg, als das osmanische Reich unter Großbritannien und Frankreich aufgeteilt wurde, sowie bei der Gründung von Israel und Palästina nach dem 2. Weltkrieg.
Grenzen wurden willkürlich gezogen inmitten von Bevölkerungsgruppen unterschiedlichster Ethnien und Glaubensgruppen, was zu immensen Spannungen führte.
So wird deutlich: der Aufstieg des Islamischen Staats (2014 gegründet), dessen Interesse es ist, diese Grenzen wieder aufzulösen und ein grenzübergreifendes Kalifat zu errichten, ähnlich wie andere Terrornetzwerke, ist weniger eine Ursache, als ein Symptom der Konflikte Syriens.
Es zeigt aber auch: dass der Sturz des Assad-Regimes allein hier keine langfristige Lösung bieten kann, zu vielschichtig sind die Interessen der einzelnen Oppositionsgruppen, die das Machtvakuum nach eigenem Gutdünken ausnutzen würden.
Apokalyptische Szenen, was bleibt sind tiefe Wunden und Narben
Allein die syrische Küche hat als Substitut für Heimat überlebt.
Und einen einheitlichen Konsens gibt es nur noch im Stolz auf die historische Tiefe und Kultur des Landes als „Anker einer gemeinsamen Identität“ (S.33).
Dass dies nur noch eine Farce, ein Konstrukt ist, wissen wir spätestens nach den Bildern, die wir alle gesehen haben.
Die meisten Menschen haben nicht mehr ausreichend Zugang zu Wasser, Nahrung, Strom, medizinischer Versorgung, Arbeit oder Schulen und sind inzwischen verarmt. Sie bleiben gezielten Anschlägen auf Krankenhäuser und Wohnorte ausgesetzt – Schutz gibt es nirgendwo mehr.
Von den zahlreichen Verstößen gegen das Völkerrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ganz zu schweigen.
Gebiete werden belagert und weiterhin erbitterte Luftkriege geführt. Russland, Iran und das Regime auf der einen Seite, der Westen, Saudi-Arabien, die Türkei auf der anderen, zahlreiche extremistische Gruppen, dazwischen die Zivilbevölkerung. Selbst die Vereinten Nationen ziehen sich aufgrund der Lebensgefahr schlussendlich mit Hilfsprojekten zurück.
Siegen heisst, den Tag überleben … oder?
Der Kampf um die zweigeteilte Stadt Aleppo ist dabei eine Analogie für ganz Syrien.
Zwei Lager, die sich nur noch mit Hilfe von Extremisten auf dem Schlachtfeld halten können. (S. 130) Aus den ursprünglichen Rebellen ist längst „eine“ heterogene Opposition geworden: Clans, Gruppen mafiöser, religiöser oder terroristischer Strukturen und Strömungen der moderaten Opposition kämpfen gegeneinander.
Bei all dem gehen in der Wahrnehmung des Westens und der Medien Gruppierungen unter, die für friedlichen Widerstand eintreten.
Es gibt sie noch, demokratisch gewählte Stadt- oder Lokalverwaltungen, die selbst organisiert den Alltag und Politik gestalten.
Oder Aktivisten-Gruppen, wie z.B. die „Weißhelme“, die Initiativen ins Leben rufen, um überparteilich zu helfen, ohne Verfolgung eigener Machtinteressen. Unter Einsatz ihres Lebens, im Untergrund, für einen letzten Rest Würde und Menschlichkeit.
Und vielleicht ist deren Bedeutung wichtiger denn je, für eine langfristige Lösung…
Auch wenn diese momentan in weiter Ferne scheint …
Die Autorin Petra Ramsauer ist studierte Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Nah-Ost. Seit 20 Jahren steht in ihrem Fokus die dortige Krisen- und Kriegsberichterstattung, zu denen sie auch vor Ort reist.
Sie beleuchtet in ihrem Buch die geopolitische Entwicklung des Kriegs (bis Ende 2016), die historischen Hintergründe und wichtige Eckdaten des Assad-Regimes, sowie die Interessen der verschiedenen Akteure.
Der Fokus ist hier ganz klar auf Syrien selbst, weniger auf dem „Stellvertreterkrieg“ und seinen Parteien. Ein aufklärendes Buch, das das Verstehen der Zusammenhänge erleichtert, wenngleich die Ratlosigkeit bezüglich Lösungen natürlich weiterhin bestehen bleibt, sachlich und erschütternd, aber wert, gelesen zu werden! Denn dieser Krieg geht uns alle etwas an – spätestens wenn wir auf die Geschichte der Geflüchteten hier treffen!
www.buchsensibel.de
- Julia Schramm
Fifty Shades of Merkel
(4)Aktuelle Rezension von: YoyomausZum Inhalt:
Angela Merkel scheint im Berliner Politikbetrieb vor allem eines zu sein: alternativlos. Die größte Stärke der "Mutti der Nation" und mächtigsten Frau der Welt ist das Arrangieren und Aushalten von Widersprüchen. Darum muss ein Buch, das ihr gerecht wird, all diese Widersprüche annehmen. In "Fifty Shades of Merkel" porträtiert Julia Schramm die Bundeskanzlerin mit allen Untiefen und Zwischentönen. Was macht für Angela Merkel Freiheit aus, was Kontrolle? Welche epochemachenden Stunden verbrachte sie in der Sauna? Welche Rolle spielen Richard Wagner und der Fußball? Und: Wie virtuos kann man eigentlich schweigen? - In 50 pointierten Betrachtungen gelingt Julia Schramm eine grandiose Annäherung an die Unnahbare und an den bundesdeutschen Zeitgeist - analytisch und humoristisch, klug und anekdotisch.
Cover:
Das Cover ist ja mal sowas von cool, das muss man schon zugeben. Wer sich mit der Politikerin Angela Merkel etwas beschäftigt hat, der hat schön öfter die „Kampfraute“, die sie immer mit den Händen macht bemerkt – auch als Zeichen der Illuminati bekannt. Zu sehen ist auf diesem Cover die typische Körperhaltung unserer derzeitigen Kanzlerin sowie ein weiteres typisches Kennzeichen. Nämlich, dass sie scheinbar nur einen Anzug besitzt, zumindest vom Schnitt her und diesen dafür aber in allen Farbnuancen, die es gibt. Absolut passend gestaltet und ein echter Blickfang!
Eigener Eindruck:
Angela Merkel. Eine Politikerin, die es ganz weit nach oben geschafft hat und so unscheinbar ist. Trotzdem ist sie eine der mächtigsten Frauen der Welt. Über sie und ihr Leben ist kaum etwas bekannt und das was bekannt ist, das ist doch recht dürftig. Doch wer ist Angela Merkel überhaupt? Wie ist sie zu der Person geworden, die sie ist? Wie ist sie zur Politik gekommen? Was hat sie in ihren Jugendjahren bewegt? Wie war es als Westkind in der DDR zu leben? Was bewegt sie bei ihren politischen Entscheidungen? In 50 Kapiteln betrachtet die Autorin Julia Schramm die Kanzlerin und gibt erstaunliche Einblicke.
Ich bin lange um dieses Büchlein herum geschlichen, um ehrlich zu sein. Wollte ich wirklich etwas über die Kanzlerin lesen, die mit ihren Entscheidungen öfter oder weniger oft meine Zustimmung bekommt? Doch ich wollte, denn ich war neugierig, wer die Person Angela Merkel ist. Einfach betrachtet, ganz ohne Vorurteile, so wie es in der Inhaltsangabe versprochen wird. Doch so einfach ist es dann doch nicht gewesen. So ein bisschen wurde ihre Art zu leben und zu entscheiden dann doch ausgewertet, wenn auch die Autorin immer wieder versucht hat unparteiisch (Wortwitz) zu bleiben. Sieht man von dieser Tatsache ab, dann bekommt man hier aber ein ganz solide recherchiertes Werk rund um die Kanzlerin. Es war für mich interessant ihre familiären und biografischen Hintergründe zu erfahren und auch die eine oder andere Begebenheit zu lesen, bei der sich die Kanzlerin doch auch einmal rebellisch verhalten hat, auch wenn der Hauptteil ihres Lebens sehr durchdacht und durchstrukturiert liest. Man beginnt ihre Beweggründe zu verstehen, aber auch zu hinterfragen. Das ist an sich nicht schlecht gemacht. Aber leider ist das Buch vor allem auch eines, nämlich in seiner Schreibweise sehr trocken, wenn auch sehr detailliert. Ich bin ehrlicherweise so oft über diesem Buch eingeschlafen, dass ich dachte, dass ich es nie beenden werde. Schlussendlich habe ich es mir immer wieder in Portionen von Kapitel zu Kapitel einteilen müssen, um es zu schaffen. Mal hat es sich besser, dann wieder zäher gelesen, was ich wirklich schade fand. Auch, dass die Kanzlerin an manchen Stellen doch von der Autorin nicht kritisiert, sondern eher verteidigt wurde, fand ich dann auch ein bisschen schade, wurde doch erst versprochen, dass es ein neutrales Buch sein sollte. Aber das ist auch Ansichtssache. Fakt ist, dass man dieses Büchlein durchaus einmal gelesen haben kann, vor allem, weil unsere Kanzlerin bei vielen Diskussionen immer ein top aktuelles Thema ist.
Fazit:
Interessante und detaillierte Aspekte zu der Person Angela Merkel. Wer sich für unsere derzeitige Kanzlerin und ihr Leben interessiert, der könnte hiermit richtig glücklich werden.
3 von 5 Sterne
Daten:
ISBN: 9783455504101
Sprache: Deutsch
Ausgabe: Fester Einband
Umfang: 240 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum: 10.03.2016
- Karsten Krepinsky
Geheimnis der ISombies
(20)Aktuelle Rezension von: ZsadistaFrank geht es immer schlechter. Wird er etwas den Kampf gegen die Würmer verlieren? Sophia, Can und Kai suchen verzweifelt nach Lucia, dem Professor und dem Luftschiff. Sie sind fest der Meinung, die beiden haben ein Gegenmittel gegen den Wurmbefall.
Während unsere Freunde sich durch Berlin kämpfen läuft in einem Dessous Geschäft ein ganz anderer Kampf.
Lothar Schlappthäus und Donald Strumpf sitzen zusammen mit der „Bag One“ in dem Geschäft fest und versuchen einander auszustechen. Ist doch jeder vom anderen genervt. Wer wird den Kampf wohl gewinnen? Und finden die Freunde Lucia und das Gegenmittel?
„Rückkehr der ISombies 5 – HB“ ist der fünfte Teil der satirischen Zombie Romane aus der Feder des Autors Karsten Krepinsky.
Den fünften Teil habe ich ebenfalls als Hörbuch genossen. Gelesen wird es auch der Teil von meinem Lieblingssprecher David Nathan, für mich die Stimme von Nick Stokes aus CSI.
Auch der Inhalt des fünften Teiles ist alles andere als politisch korrekt und eher bei bitterböse anzusiedeln.
Auch dieser Teil hat mich wieder absolut unterhalten. Sehr lustig war der Teil mit Lothar und Donald. Ich sage nur, Lothar mein Held!!
Auch dieser Teil endet wieder mit mit einem gewaltigen Cliffhanger. Ich bin sehr gespannt auf den sechsten und letzten Teil der Serie.
Der Autor trifft mit seiner Serie absolut meinen Humor. Es ist natürlich nicht jedermanns Humor und einige dürften denken, der Autor spinnt. Was ich alleine in diesem Teil über die „Bag One“ gelacht habe, da ich selbst eine Pinkfarbene Tasche besitze. Ganz klar, welchen Namen meine Tasche jetzt hat. Die Ideen des Autors sind einfach umwerfend und genial.
Auch diesen Teil kann ich uneingeschränkt an Fans des schrägen satirischen Humors weiter empfehlen. Und Vorsicht für alle anderen Leser, es könnten einige Fragezeichen und viel Unverständnis zurück bleiben, bei den vielen bösartigen Anspielungen.
Ich freue mich schon auf den letzten Teil der Hörbücher.
- Ulrike Schelhove
Salomons Liste - Ein Eifelkrimi: Der 10. Fall für Landwehr & Stettenkamp (Ein Fall für Landwehr & Stettenkamp)
(0)Noch keine Rezension vorhanden - Alessandro de Poloni
Achtung der Countdown läuft bereits II
(3)Aktuelle Rezension von: Rose75Ich habe Band 1 dieser Reihe schon mit großem Interesse gelesen und war sehr neugierig auf diesen Folgeband. In Band 1 ging es hauptsächlich um Technik/Physik ( HAARP, Cern, UFOs, Nahtoderfahrungen,.. )
Wer erst ein Gefühl für diese Buchreihe bekommen möchte, dem kann ich empfehlen sich die Cover erstmal genauer anzuschauen. Bei Band 1 sieht man im Zentrum das Portrait eines Mannes ( der Autor ) der sich Fragen stellt, bei Band 2 ist der Mann auf die Seite gerückt und hat einem sich ausweitenden Netz ( über der Erde ) Platz gemacht. Es deutet für mich eine Mehrdimensionalität an, die auch im Buch thematisiert wird.
Hier im zweiten Band beschäftigt er sich u.a. intensiv mit dem Themen JESUS / SEELE / KIRCHE. Seine Gedanken dazu waren für mich schlüssig und durchaus nachvollziehbar. Wer in festen Glaubensstrukturen verankert ist, könnte sich eventuell an einigen Stellen und Interpretationen stören.
Wie schon in Band 1 springt der Autor von einem Thema zum Nächsten ohne Übergang. Das ist eigenwillig und gewöhnungsbedürftig. Ich bin aber gut damit zurechtgekommen. Allerdings habe ich immer wieder Pausen nach den Kapiteln gemacht und über das Gelesene nachgedacht oder Vertiefendes im Netz gesucht.
Passend zur Corona-Krise hat er auch der WHO und den modernen Seuchen ein Kapitel gewidmet.
Im Vergleich fand ich Band 1 aber etwas besser, weil mir die Themen da näher waren, aber den Grundanspruch des Autors, den Leser zum Nachdenken anzuregen, hat dieses Buch bei mir auf jeden Fall erfüllt.
- Mario Vargas Llosa
Harte Jahre
(14)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerRezension von meinem Blog www.schreibgewitter.de
Die Tragweite dessen, was der Roman schildert, bleibt den meisten Lesern lange verborgen. Zum Glück rundet Mario Vargas Llosa sein Werk „Harte Jahre“ mit einem Kapitel ab, das die Überschrift „Nachher“ trägt. Es steht anstelle eines Nachworts klassisch-dröger Natur, die oft eine Art Bekenntnis oder Ablass-Bitte enthalten, vor allem, wenn es sich um historische Romane handelt.
Das munter und lebendig geschriebene „Nachher“ ist mehr ein Teil der Erzählung, ein Nachklang oder Echo des Vorangegangenen. Es schildert die Begegnung Vargas Llosas mit einer der Protagonistinnen! Ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlicher Umstand. Um wen es sich dabei handelt, seit hier verschwiegen, denn die handelnden Menschen in diesem Buch tragen keine Plot-Rüstung.
Der Abschnitt „Nachher“ ist ein wunderbarer Spiegel dessen, was der Leser gerade durchlitten hat. Vor allem aber wird diese Begegnung und mit ihr auch der politisch-historische Hintergrund des Buches, vom Autor selbst noch einmal reflektiert. Und spätestens dann geht dem Leser ein ganzer Kronleuchter der Erkenntnis auf: Vargas Llosa thematisiert einen zentralen Wendepunkt in der Geschichte Lateinamerikas und der US-Außenpolitik, mit ihren verhängnisvollen Entscheidungen.
Seit zwei Jahren stelle ich mir diese Frau vor, erfinde sie, schreibe ihr alle möglichen abenteuerlichen Erlebnisse zu, dichte ihre Person um, damit niemand – nicht einmal sie selbst – sich in dieser herbeifantasierten Geschichte wiedererkennt.
Wie so oft sind die Folgen von derartigen Wendepunkten bekannter als die richtungsweisenden Geschehnisse selbst. Zum Beispiel Cuba: Der Autor verweist explizit auf das bis in die Gegenwart betonierte Regime, das sich ohne die in Harte Jahre thematisierten Ereignisse nicht etabliert hätte. Ein historischer Treppenwitz mit Ironie, denn die USA haben dort eine ihrer bitteren Niederlagen nach 1945 kassiert.
Wer nun einen langweiligen Historienschinken erwartet, wird positiv überrascht. Vargas Llosas ist Schriftsteller und zwar ein ganz herausragender. Als solcher hat er gar nicht erst versucht, irgendeine Form historischer Wahrheit, austariert und vorsichtig zu Papier zu bringen. Er hat einen Roman mit lebendigen, widersprüchlichen Figuren verfasst, die auf der Bühne des historischen Umfeldes ein tragisches Stück aufführen.
Bei allem, was mir passiert ist, Arturo, bei allem, was dieses Land mitmacht, weißt du, zu welchem Schluss ich da gekommen bin? Dass der Mensch eine armselige Kreatur ist. Man könnte meinen, auf dem Grund eines jeden von uns wäre ein Monster. Das nur darauf wartet, ans Licht zu kommen und das schlimmste Unheil anzurichten.
Wie es sich für einen herausragenden Roman gehört, belässt es Vargas Llosa nicht bei einer glatten, gleichmäßig dahinströmenden Erzählung, die Struktur des Werkes fordert dem Leser etwas Aufmerksamkeit ab, weil die einzelnen Kapitel die Perspektiven und die Zeit wechseln. So entsteht ein Kaleidoskop, dessen Bestandteile durch die Hand des Autors geschickt und hochspannend miteinander verwoben sind.
Der Anfang braucht etwas, um ins Rollen zu kommen, die Tragödie ist noch fern wie dunkle Wolken am Horizont. Das Ende – nun, was soll man sagen? Es ist Lateinamerika. Guatemala. Jeder, der nicht blind und taub durch die Welt irrt, dürfte um die Tragik der gesamten Region wissen. Aber so einfach ist es nun auch wieder nicht, wie spätestens das Kapitel „Nachher“ zeigt.
- Josef Braml
Der amerikanische Patient
(2)Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzickEs ist ein Buch über die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation der USA, das der ausgewiesene USA- Experte und Politikberater Josef Braml hier mit großer Detailkenntnis und Akribie geschrieben vorlegt. Doch es richtet sich hauptsächlich an die politisch Verantwortlichen in Europa. Denn die wirtschaftliche Misere in den USA, geprägt durch eine extrem hohe Staatsverschuldung und die schlimmste Rezession seit den 30 er Jahren des 20. Jahrhunderts, wird Folgen haben. Die amerikanische Politik wird die hohe Arbeitslosigkeit im Land, die Krise ihrer Automobilindustrie, den auch nach der Lehman Pleite immer noch leidenden Immobilenmarkt, die hohe soziale Ungleichheit und Armut, die sogar den Wahlkampf der Republikaner zu bestimmen beginnt und ihre nach wie vor starke Energieabhängigkeit zum Thema machen müssen. Es deuten sich schon die Grundzüge einer neuen Politik an, auf die sich vorzubereiten Braml den Europäern dringend rät. Er sieht eine Art neuen amerikanischen Protektionismus am Horizont aufziehen und eine verschärfte ökonomische Konkurrenz mit China im Kampf um die Hegemonie über Rohstoffe. Im Zuge der dringend nötigen Einsparungen auf der einen Seite und der schon durch Obama eingeleiteten politischen und militärischen Orientierung in den asiatischen Raum ( Konkurrent China!) werden die USA in Rahmen der Sicherung ihrer eigenen Interessen immer mehr versuchen, finanzielle und friedenspolitische Lasten auf ihre westlichen Verbündeten in Europa abzuwälzen. Ein Begriff des Historikers Reinhard Kosellek anwendend, sagt Braml, die USA befänden sich derzeit in einer „Sattelzeit“, das bedeutet eine Zeit dynamischer Umbrüche, sowohl politischer und wirtschaftlicher als auch gesellschaftlicher Art. Man werde wohl erst in der historischen Rückschau in einigen Jahrzehnten das von Braml prognostizierte weltweite Ausmaß dieser Veränderungen ermessen können. Doch die Ursachen diese Umbrüche seien heute schon klar: „Es sind die sozialen Gleichgewichtsstörungen, die politische Ohnmacht, die wirtschaftlichen Herzrhythmusprobleme und die energetische Antriebsschwäche der vom Kollaps bedrohten Supermacht. Diese Beschwerden werden den amerikanischen Patienten daran hindern, seine vitalen Interessen in der Welt so umsichtig zu vertreten wie bisher. Wir sollten uns in unserem eigenen Interesse darauf einstellen.“ - Volker Weidermann
Mann vom Meer
(24)Aktuelle Rezension von: Alisha70Dieses Buch über Thomas Mann war durchaus gut geschrieben und sehr interessant. Mir hatte es jedoch zu viele Längen und Zitate aus den Werken von Thomas Mann.
Auch hatte es mir ein bisschen zu viel Pathos, aber das mag an der an Thomas Mann angelehnten Schreibweise liegen.
Sehr interessant fand ich die Entwicklung von Manns politischer Einstellung vom konservativen Patrioten zum überzeugten Demokraten. Das wurde sehr gut aufgezeigt und war mir bisher so auch nicht bekannt.























