Bücher mit dem Tag "zeitgeschichte"
225 Bücher
- Anne Frank
Gesamtausgabe
(2.725)Aktuelle Rezension von: AukjeAnne Frank, die aus einer jüdischen Familie stammt, muss während des zweiten Weltkriegs von ihrer Heimat Frankfurt am Main, 1933 mit ihrer Familie nach Amsterdam flüchten. Während dieser Zeit führt sie über zwei Jahre lang ein Tagebuch, das deutlich die Ängste und wünsche einer Jugendlichen zeigt, die in diesen schweren Zeiten aufwächst. Und wenn das nicht schon ausreicht erhält man auch noch einen guten Einblick über eine jüdische Familie, die versucht eine einigermaßen erträgliche Normalität aufrecht zu erhalten während sie versuchen zu überleben, in ständiger Angst vor den Nationalsozialisten.
Da meine 13jährige Nichte sich zurzeit mit der Zeit des zweiten Weltkriegs auseinander setzt, habe ich ihr dieses Buch gegeben und es selber nach vielen Jahren noch mal gelesen. Auch nach all den Jahren als ich es zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich wieder sehr bewegt. Nach wie vor halte ich dieses Buch wichtig, damit Jugendliche beginnen sich mit dieser Zeit zu beschäftigen, da es ein autobiografisches Buch einer Jugendlichen ist, die sie nachvollziehen können.
- Thomas Mann
Buddenbrooks
(2.426)Aktuelle Rezension von: HarryPlotterDie Buddenbrooks ist kein optimistischer Roman. Im Mittelpunkt stehen Johann Buddenbrook und später seine Kinder Thomas und Tony; am Ende bleibt nur noch Hanno. Man erlebt, wie die Familie nicht nur an gesellschaftlichem Ansehen verliert, sondern allmählich zerfällt.
Schon zu Beginn wird deutlich, dass alles auf einen Niedergang hinausläuft. Während sich gesellschaftliche Verhältnisse und Machtstrukturen verändern, versuchen Thomas und Tony, den Namen und die Würde der Familie zu bewahren – doch die neuen Zeiten sind unerbittlich. Viele Nebenfiguren verstärken dieses Bild einer Welt, die zunehmend überholt wirkt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn einige Passagen – besonders um Hanno – etwas schwerfällig waren.
- Lucinda Riley
Die sieben Schwestern
(1.336)Aktuelle Rezension von: VanessaMia„Die sieben Schwestern“ ist der gelungene Auftakt einer Reihe, in der es um das Herausfinden der wahren Herkunft & Identität jeder einzelnen Schwester geht. Lucinda Riley hat dabei jeder Schwester ein eigenes Buch gewidmet. Band 8 erzählt dann die Geschichte von Pa Salt. Dem geheimnisvollen Mann, der all seine Töchter auf der ganzen Welt gesucht, gefunden, adoptiert & nach Atlantis, dem gemeinsamen Zuhause am Genfer See, gebracht hat.
In diesem Buch geht es um Maia, deren Wurzeln im Herzstück Brasiliens, in Rio de Janeiro, liegen. Da ich selbst in Rio geboren wurde, war diese Geschichte für mich, wie eine wundervolle Reise in mein eigenes Herkunftsland. Mit Maia auf Spurensuche zu gehen, hat mir ganz große Freude bereitet. Lucindas Schreibstil ist atemberaubend und so konnte ich tief in die Geschichte eintauchen, mich fallen lassen & mit den Zeilen jeder Seite verschmelzen. Ich freue mich auf jeden weiteren Band dieser wundervollen Reihe.
- John Irving
Gottes Werk und Teufels Beitrag
(1.029)Aktuelle Rezension von: Fynn_AugustusFinde das Buch wirklich sehr gut. Vielschichtige Personen, die die Handlung schon fast unwichtig machen. Der Erzählstil ist sehr langsam, was ich persönlich sehr gerne mag wenn es gut gemacht ist. Es geht um die Personen, ihre Beziehungen zueinander und zu ihrer Umwelt, ihre Persönlichkeiten und ihre Leben. Die Abtreibungsdebatte wird humanisiert. Rassismus ist kein Hauptthema, aber trotzdem weißt der Autor auf einige Probleme hin.
Ich kann das Buch grundsätzlich jedem empfehlen, nicht geeignet ist es meiner Meinung nach für Lese(wieder)einsteiger, da eben wenig passiert und das für Leute, die nicht viel lesen, öde sein kann, vor allem, da das Buch über 800 Seiten hat.
- Florian Illies
1913
(304)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannIn dem es hoch her geht – vor allen Dingen in den Betten zahlreicher Kunstschaffender. Wer hätte das gedacht. Was hier allerdings vor dem staunenden Auge des Lesers entblättert wird, ist nicht nur der flotte eskapistische Tausch der Partner, sondern auch ein Wechselspiel von menschlicher Größe wie schamloser Niedertracht, von exzellenten Leistungen wie heuchlerischen Intrigen, von weitblickender Großzügigkeit wie von kleinkarierten Animositäten. Aber auch außerhalb dieser Bettgeschichten gibt es viel zu beobachten, so kurz vor Ausbruch der großen Katastrophe, in einer Zeit, in der große Namen aus dem Bereich Kultur, Politik und Wirtschaft (auch die Wissenschaft bekommt ihren Auftritt; doch davon später mehr) die Bühne betreten – vom Autor dieses Buches unterhaltsam wie kenntnisreich erzählt.
Bei all diesen Konflikten, all dem Amourösen und all den Widersprüchen, die sich so vielfältig wie widersprüchlich in der Kunst in Szene setzen lassen, bleibt es nicht aus, dass manche Zeitgenossen an diesen teils überhitzen Abläufen verzweifeln. Und so ist es denn nicht verwunderlich, wenn sich in dieser Zeit ein neuer Begriff Bahn bricht, wenn über allem so ein Hauch von „Neurasthenie“ schwebt, „das Burn-Out-Syndrom des Jahres 1913“, ein Begriff, der in diesem Jahr „in das 11-bändige Werk ‚Spezielle Pathologie und Therapie innerer Krankheiten‘“ Aufnahme findet. Ein Lehrstück für dieses Krankheitsbild gibt Franz Kafka ab, hinter dessen literarischen Größe ein von Minderwertigkeitskomplexen (insbesondere gegenüber Frauen) geplagter Mann steht. Und so schreibt er denn in seiner Verzweiflung hunderte von Briefen und Karten an seine Geliebte Felice Bauer, um dann doch zu schlussfolgern: „Der Coitus als Bestrafung des Glücks des Beisammenseins. Möglichst asketisch leben, asketischer als ein Junggeselle, das ist die einzige Möglichkeit für mich.“
Und Kafka ist auch eine der Personen, die uns durch das gesamte Jahr 1913 begleiten. Und damit bekommt der Leser nicht nur einen fundierten Einblick in das Schaffen und Leiden dieses an sich und der Welt leidenden Mannes, sondern wird zugleich Zeuge einer Zeit, in der vieles im Umbruch ist und viel Neues entsteht. Die Personen, die hier in ihren Stärken und Schwächen gar meisterlich porträtiert werden, bilden ein Konglomerat an Ereignissen, die je für sich betrachtet schon interessant zu lesen sind, die allerdings in ihren vielfältigen Verbindungen ein Zeitbild entstehen lassen, dass in dieser Form wohl einzigartig ist. Dabei senden die teils lapidaren Sätze zu Beginn von Abschnitten einen ersten Reiz, der in der Folge allerdings substanziell untermauert wird: „Emil Nolde hält Berlin nicht mehr aus.“ Das sich daraus eine Weltreise entwickelt, wird erst in den nächsten Passagen deutlich. Nüchterne Naturbetrachtungen wie „Piero Ginori Conti gelingt es in Larderello in der Toskana, Wasser aus dem Erdinneren für die Stromerzeugung zu nutzen. Die Geothermie ist entdeckt“ bekommen ebenso Raum wie schwärmerische Naturbeschreibungen: „Mächtig erheben sich hier die Buchen in den Ostseehimmel, der salzige Wind hat ihre Stämme ganz glatt gerieben und ihre Kronen in die Höhe geschraubt.“
Es sind allergings die tiefen Einblicke in die Psyche der handelnden Personen, die das meist noch vorhandene eher blasse Schulwissen mit Leben erfüllen und so aus den eher „geschlechtslosen“ Künstler*innen solche mit einem prallen Leben machen, die diesem Buch die besondere Würze geben. Diese Sichtweise bringt uns den hier „auftauchenden“ Personen auf jeden Fall sehr nahe – und macht sie zugleich ein stückweit menschlicher.
(17.2.2024)
- Saša Stanišić
HERKUNFT
(293)Aktuelle Rezension von: Trishen77Saša Stanišić ist ein Autor, der sich, ähnlich wie bspw. Kazuo Ishiguro, viel Zeit für seine Romane lässt. Zwischen dem ersten Roman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“, der ihn zu einem Shootingstar der deutschen Literaturszene machte, und dem zweiten Roman „Vor dem Fest“ lagen acht Jahre, zwischen dem zweiten und dem dritten Roman „Herkunft“ dann immerhin auch noch fünf (wobei hier in der Zwischenzeit auch ein schmaler Band mit Erzählungen erschien).
Diese Langsamkeit hat etwas Sympathisches und lässt die Romane schon vor der Lektüre wie etwas Kostbares (und auch wie etwas sehr Gewissenhaftes) erscheinen. Möglicherweise ist es diesen Erwartungen und dem Sympathievorschuss geschuldet, dass ich mich mit „Herkunft“ ein bisschen schwergetan habe. Aber vielleicht zunächst zum Inhalt, auch wenn er wohl bereits jeder/m an dem Buch Interessierten durch Klappentext und andere Besprechungen bereits bekannt sein dürfte:
Der Roman liest sich wie eine fiktionalisierte und mit Ausschmückungen versehene Biographie des Autors, mit speziellem Fokus auf die Beziehung zu seiner Großmutter und den Jahren nach der Flucht aus dem ehem. Jugoslawien in der neuen „Heimat“ Deutschland. Die einzelnen Kapitel sind kurz und Stanišić bedient sich immer wieder unverhofft schöner Sprachkapriolen, statt einfach nur einen gelungenen Stil zu pflegen und springt viel in der Zeit hin und her, was manchmal einen etwas übereifrigen Eindruck macht.
So entsteht aus der Schilderung eines Lebens ein Gestrüpp/Geflecht von sich überlagernden Empfindungswelten, das zwar immer wieder beeindruckende Muster hervorbringt, aber auch genauso oft zu leichten Verhedderungen in der Wahrnehmung führt, zumindest bei mir war es so. Stanišić greift auf viele Register und Stilmittel zurück, sein Roman ist ein sehr agiles Konstrukt, aber manchmal wirkt es dabei nicht nur bravourös, sondern wie auf allzu flüchtigen Ideen erbaut.
Was dabei vor allem verloren geht, ist die Anschaulichkeit. In vielen Momenten hatte ich das Gefühl, das Stanišić einem wichtigen Detail viel Mühe angedeihen lässt, dabei aber über das Ziel hinausschießt, weil das Anschauliche eben eine Frage der Balance und nicht der Kompensation ist. Es mag vermessen wirken, dass ich über einen hochverdienten Autor solch eine Kritik verhänge, aber auch wenn ich viele meiner Eindrücke relativieren kann, dieser Eindruck bleibt doch bestehen.
Dabei ist Stanišićs Sprache keineswegs ohne Prägnanz. Vielmehr hat sie alles: Witz, Prägnanz, Ruhe, Dynamik, nur eben manchmal in für mich unpassenden Verhältnissen/Ausprägungen. So schwingt viel mit, aber wenig verdichtet sich zu einem Begriff, einem Verstehen, in das man sich begeben kann. Vielleicht ist die Erwartung, die aus dieser meiner Auseinandersetzung hervorscheint, auch einfach fehl am Platze. Vielleicht haben diese meine Erwartungen etwas mit der oben bereits genannten Aura der Sorgfalt zu tun, die (für mich) Stanišićs Romane umgibt. In jedem Fall ist „Herkunft“ ein wichtiges Buch, das mitunter auch blendend unterhält, aber auch einige Längen hat. - Andreas Eschbach
NSA - Nationales Sicherheits-Amt
(366)Aktuelle Rezension von: Hanns_Steffen_RentschlerAndreas Eschbach hatte eine geniale Idee.
Also wirklich.
Was wäre, wenn die Nazis schon Computer gehabt hätten?
Eine dieser Fragen, bei denen man als Leser das Popcorn fallen lässt und denkt:
„Holy shit – das wird böse.“
Aber was kommt?
Ein Roman wie ein eingeschlafener Systemadministrator.
Eschbach öffnet die Hölle – und macht dann erstmal ein Backup.
Er ersetzt Goebbels durch Google, Himmler durch Hashwerte und den totalen Krieg durch eine sehr gründliche Datenbankpflege.
Widerstand? Fehlanzeige.
Konsequenz? Abgemildert.
Technologischer Impact?
So revolutionär wie eine Fritzbox im Reichstagsbunker.
Denn wer glaubt, man könne dem Dritten Reich digitale Macht geben, ohne die Welt gleich mit in den Abgrund zu ziehen, der schreibt nicht spekulativ – der schreibt feige.
Statt einer rasenden Neuinterpretation der Geschichte gibt’s kleinteiliges Hackerpathos, moralisches Rumschleichen und ein bisschen Metaethik auf Unterhaltungsniveau.
Eschbach will warnen – aber bitte so, dass es niemandem den Schlaf raubt.
Die Vision bleibt brav. Die Dystopie harmlos.
Die Pointe?
Technik ist gefährlich.
Danke. Das wussten wir schon.
Eschbach zeigt mal wieder wie ungefährlich Literatur bleibt –
wenn sie ihre eigenen Ideen nicht zu Ende denkt.
Stell dir vor, Hitler hat Zugriff auf Big Data – und Eschbach macht daraus einen Roman über Datensparsamkeit.
- Vera Buck
Runas Schweigen
(232)Aktuelle Rezension von: Kitty_CatinaEigentlich hat mich dieses Buch nie wirklich interessiert, bis es dieses dann als Mängelexemplar zu kaufen gab und die Buchkaufsucht zugeschlagen hat. Kein Wunder, dass es deshalb auch so lange ungelesen im Regal stand. Nun war es aber Zeit für die Lektüre dieses doch schon besonderen Werkes, welches ich einerseits schon interessant und streckenweise recht spannend fand, welches aber gerade am Anfang leider lange brauchte, um in Fahrt zu kommen und auch ansonsten einige Dinge an sich hatte, die mir nicht so gut gefallen haben.
Man begibt sich mit diesem Roman ins Paris des Jahres 1884, wo der junge Medizinstudent Jori versucht, Heilung für seine heimliche Liebe Pauline zu finden. Ihn begleitet man dann auch größtenteils durch die Geschichte, wobei es sehr medizinisch wird, aber nicht so, wie wir es heute kennen, sondern teilweise auf sehr makabere, teils schon bösartige Weise. Gerade Dr. Charcot war dabei ein Beispiel für Machtgehabe und fehlende Liebe für den Mitmenschen, was mich extrem sauer und traurig gemacht hat, zumal der Roman sich sehr an der Realität entlang schlängelt. Vieles, was man hier erfährt, gab es zu dieser Zeit wirklich und obwohl ich davon bereits wusste, hat es mich teilweise sprachlos gemacht.
Jori ist dabei ein Charakter, von dem ich nicht so richtig wusste, was ich von ihm halten soll. Einerseits will er unbedingt Pauline retten, will wirklich heilen und scheint eigentlich kein schlechter Kerl zu sein. Andererseits scheint er manchmal etwas schwer von Begriff und macht vieles mit, was er eigentlich nicht tun sollte. Dennoch zeigt er wenigstens ein Gewissen und im Laufe der Geschichte entwickelt er sich weiter. Auch zu Runa entwickelt er eine fast schon liebevolle Beziehung.
Doch wer denkt, dass Jori, der eigentlich Johann Richard Hell heißt, die einzige wichtige Person in diesem Buch ist, der täuscht sich, denn dieses wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, allesamt aus der personellen Sicht, bis auf einen Fall, was im Endeffekt eine tiefere Bedeutung hat. Aber kommen wir erst einmal zu den anderen Charakteren.
Da ist zum Beispiel der ehemalige Polizist Lecoq, der sich selbst als Verbrecher betitelt, aber durch einen alten Bekannten auf einen Fall angesetzt wird, der ihn, ohne, dass er es selbst merkt, immer mehr in die Machenschaften rund um Jori, die Salpêtrière und Runa verwickelt. Außerdem gibt es die beiden Kinder Isabelle und Frédéric, die sich mehr oder weniger mit Lecoq anfreunden und ihm helfen. Und dann ist da noch Maxime, der einzige Ich-Erzähler in diesem Buch, der mit der eigentlichen Geschichte gar nicht so viel zu tun hat, aber dennoch im Großen und Ganzen eine wichtige Rolle spielt. Hier will ich aber nicht zu viel verraten.
Am Wichtigsten ist aber die Figur, die hier im Mittelpunkt steht und das ist natürlich Runa selbst, von der man anfangs gar nicht allzu viel erfährt und die mehr wie ein großes Rätsel wirkt. Dieses Mädchen ist besonders, scheint aggressiv und unnahbar, redet nicht und interagiert auch nicht wirklich. Dafür aber gibt es an verschiedenen Orten mysteriöse Botschaften, welche nach und nach mehr und mehr Sinn ergeben und ein Stück weit erklären, warum Runa so ist, wie sie ist. Leider wird aber nie alles ganz aufgeklärt und es bleiben am Ende viele Fragen offen, was ich echt schade fand.
Alles in allem begann dieser Roman sehr langsam. Schon allein, bis Runa tatsächlich auftauchte, dauerte es um die hundert Seiten und selbst dann kam die Geschichte nur allmählich in Fahrt. Irgendwann wurde es allerdings echt spannend und ich habe auf eine allumfassende Auflösung hin gefiebert, was es mit Runa und ihrem Verhalten auf sich hat, was eben nicht so kam, wie erwartet. Dafür war das Buch aber wirklich gut geschrieben und bis auf das Medizinische und die französischen Namen ließ es sich flüssig lesen. Ob ich es empfehlen würde, kann ich aber nicht wirklich sagen, da es eben nicht schlecht war, mich aber auch nicht umgehauen hat. Dennoch wird die Geschichte sicher in meinem Kopf bleiben, weil sie doch recht einprägsam und besonders ist.
- Stefan Zweig
Die Welt von gestern
(116)Aktuelle Rezension von: itwt69Das Leben des Autors und Künstlers von den späten 1880-ern bis 1939: Es ist kaum verwunderlich, dass sich Stefan Zweig nach diesem ereignisreichen und niederschmetternden Erfahrungen das Leben nahm, weil er es nicht mehr ertragen konnte, was in seiner Heimat verbrochen wurde. Ein ehrlicher und intimer Blick auf die Kunstszene der ersten 4 Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts liefert dieses Buche ebenso wie für mich neue Einblicke in die Psychologie der vom Krieg gebeutelten Menschen zwischen den Weltkriegen.
- Eva Stachniak
Der Winterpalast
(285)Aktuelle Rezension von: WolfhoundDie junge Varvara kommt als Dienstmädchen in den Winterpalast und ist plötzlich so viel mehr. Denn schnell sieht sie sich in der Rolle einer Spionin wieder und wird zu einer Art Vertrauten von Sophie von Anhalt-Zerbst, der zukünftigen Katharina die Große.
Wenn man so ein bisschen die Geschichte von Katharina kennt, wird man nicht viel Neues mehr erfahren, jedoch steht hier auch mehr das Leben "hinter den Kulissen" im Vordergrund.
Leider hatte ich mit dem Buch selbst ein paar Problemchen, da meiner Meinung nach viele Füllsätze genutzt wurden und auch Dinge lang und breit ausgeführt wurden, die nicht wirklich zur Handlung beigetragen haben. Deshalb bin ich zwischendurch aufs Hörbuch umgestiegen, das es tatsächlich überall nur in gekürzter Version gibt. Ein Vergleich hat gezeigt, dass in diesem Fall definitiv sinnvoll gekürzt wurde ohne den Kern der Geschichte zu verfälschen oder den Hörer durch zu starke Kürzung zu verwirren und dadurch zu verlieren. Auch hat Anna Thalbach wieder mal einen tollen Job als Sprecherin gemacht.
Immer wieder erschreckend finde ich, wenn ich etwas über die Zarenzeit lese, wie willkürlich mit Menschenleben umgegangen wurde. Natürlich ist dies in allen Monarchien, sei es England, Frankreich, Spanien oder auch Deutschland, genauso geschehen, aber in Russland wirkt alles immer nochmal extremer und willkürlicher. Das hat dieses Buch wieder einmal deutlich gezeigt. - Michel Houellebecq
Unterwerfung
(309)Aktuelle Rezension von: Jule6243Zum Inhalt:
Der Roman ist aus der Sicht des Literaturprofessors Francois geschrieben, der in Paris an der Sorbonne lehrt und mit seinen Worten im besten Alter ist. Sein ganzes Leben hat er sich mit den Gedanken eines anderen Mannes beschäftigt, dem Schriftsteller Huysmans. Ehe und Kinder lehnte er ab, ganz im Gegensatz zu wesentlich jüngeren Studentinnen. Ab und an trifft er sich mit Mirijam. Zu Beginn des Romans wird in Frankreich gewählt. Dabei kommt der Politiker Mohammed Ben Abbas an die Macht, führt eine Theokratie, die Scharia und die Polygamie ein. In Paris gibt es daraufhin Unruhen und Francois verlässt die Stadt für einige Zeit. Mirijam hat bereits das Land verlassen, die und ihre Familie sind Juden und sehen keine sichere Zukunft mehr in Frankreich. Nach einer Zeit der Untätigkeit kehrt Francois nach Paris zurück. Er stellt fest, dass er Pensionsgehalt bekommt, also nicht mehr an der Universität unterrichten soll. Im Hinblick auf seinen Alkoholismus stellt er fest, dass er ohne sinnvolle Arbeit nicht mehr lange leben wird. Kurz darauf verbringt er einige Zeit in einem Schweigekloster und kehrt dann nach Paris zurück. Um wieder an der Universität arbeiten zu dürfen, muss er zum Islam konvertieren. Einige Kollegen haben es schon getan und empfehlen diesen Schritt. Der letze Abschnitt ist im Konjunktiv geschrieben, sodass offen bleibt, ob Francois wirklich konvertiert.
In paar Gedanken dazu:
Der Roman greift zwei große Gedanken der aktuellen französischen Politik auf: Einerseits das Erstarken extremer Rechter, andererseits die Islamisierung Europas. Den Roman als Europäer mit christlichem Glauben zu lesen, kann sehr spannend sein. Hier wird den Figuren der Islam, bzw. einige herausgepickte Werte, Normen und Regeln dieser Religion übergestülpt, wie über Jahrhunderte hinweg Christen ihren Glauben anderen Gruppen aufgezwungen haben. Manche mögen meinen: Ausgleichende Gerechtigkeit. Andere sehen den Spiegel, der vorgehalten wird.
Ich habe von Houellebecq bereits Ausweitung der Kampfzone gelesen. Dass Frauen in seinen Büchern nicht besonders gut wegkommen war mir bereits klar. Doch muss man sich immer vor Augen halten, dass er hier aus der Sicht eines alten weißen privilegierten Mannes schreibt. Ein Mann der sich sein Leben lang nur mit den Texten eines anderen alten weißen Mannes beschäftigt hat. Der Frauen nur durch die Brille sexueller Lust wahrnimmt. Dass von diesem Protagonisten tiefere Gedanken für das andere Geschlecht übrig sind, wäre eine Überraschung.
Doch bleiben wir bei den Frauen. Francois nimmt die politischen Veränderung vor allem an den Frauen wahr. Er bemerkt andere Kleidung, sieht, dass ein ehemaliger Kollege von ihm nun plötzlich eine zweite Frau hat, ein fünfzehnjähriges Mädchen, obwohl er sein langem schon mit seiner vierzigjährigen Frau verheiratet ist.
Ganz bewusst wird nicht näher auf die Situation der Frauen eingegangen. Nicht weil es nicht wichtig wäre oder weil Houellebecq keine Relevanz darin sähe. Es geht um die Sicht Francois, für ihn ist es nicht relevant, Für ihn hat eine Islamische Herrschaft im Land völlig andere Auswirkungen, als auf Frauen. Bevor er dem Islam beitreten will, bekommt er ein Buch ausgeliehen, das die Grundzüge des Glaubens erklärt. Natürlich interessiert er sich besonders für die Polygamie. So ganz kann er der pseudointellektuellen Erklärung nicht folgen und er fragt bei der ersten Gelegenheit bei seinem Kollegen nach. Was er hört, könnte auch aus einem Alphamale-Video transkribiert worden sein. Phrasendreschen vom maskulinen Mann. Ein wildes umher schmeißen von angeblichen biologischen Fakten. Gekrönt mit der, in Incelforen gängigen Meinung, dass manche Männer, gerade gebildete einen Anspruch auf eine oder mehr Frauen haben, er dürfe sich eine aussuchen. Sie sollen glücklich sein, mit einem alten Uniprofessor vermählt zu werden.
Wenn die männlichen Figuren um Francois jemals Werte hatten, die die Trennung von Religion und Staat beinhalten oder die Eigenständigkeit der Frauen beinhalten (die dürfen ab den Hälfte des Buches größtenteils nicht mehr arbeiten), dann wurden diese schnellstens über den Haufen geworfen. Opportunismus in seiner reinsten Form und natürlich leicht, denn für diese Männer wird es noch angenehmer im leben.
Der Titel verweist auf das Wort Islam, das übersetzt Hingabe heißt. Hingabe hat etwas sanftes, etwas, was tief aus dem Herzen kommt, wohl überlegt, mit Leidenschaft vorgebracht. Unterwerfung ist mit Widerwillen verbunden. Hier folgt das massenhafte Konvertieren nicht auf eine Hingabe, sondern die Unterwerfung. Von viel Widerwille kann aber nicht die Rede sein, wenn man die Figuren betrachtet, die Uniprofessoren im besten alter sind. Hier verschwimmen die Begriffe.
Es ist erschreckend zu lesen, dass sich männliche Figuren sofort eine zweite Ehefrau zulegen, obwohl sie mit dem Islam nie etwas am Hut hatten und seit 20 Jahren verheiratet sind. Er darf, also sollte er, also muss er? Der Religion wegen? Er hat die zweite Frau doch verdient, der Maskuline Mann. Sie ist Ware.
Die Geschichte steht im Kontrast mit den Personen, die auf Demos am lautesten schreien, sie würden "ihr" Abendland vor einer Islamisierung schütze. Die privilegierten schreien, die Männer, die sich nicht fürchten müssen. Genau die, welche davon in diesem fiktiven Roman profitieren würden. (Meine Meinung: Niemand muss sich vor einer Islamisierung des Abendlandes fürchten, das ist Quatsch)
Alles in Allem ist der Roman sehr gelungen. Er hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich halte die Herangehensweise für originell und mutig. Es wird sich nicht hinter hohlen Phrasen versteckt, denn der Inhalt muss nicht hinter der Sprache versteckt werden. Trotzdem kam mir der Protagonist ausgewaschen und völlig von Emotion befreit vor. Ihn gern zu haben kam gar nicht in Fragen, doch dann hätte ich ihn gerne leidenschaftlicher gehasst.
- Meg Wolitzer
Die Interessanten
(117)Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerinJulie Jacobson erhält nach dem Tod ihres Vaters durch ein Stipendium die Chance, an dem Sommercamp "Spirit-in-the-Woods", ein Ferienlager für künstlerisch ausgerichtete Schüler und Schülerinnen, teilzunehmen. Dort trifft sie auf eine elitäre, privilegierte Gruppe von Jugendlichen aus New York City, mit denen sie sich anfreundet. Aus einer Laune heraus nennen sie sich "Die Interessanten". Jeder von ihnen hat andere Talente und Ziele. Ethan Figman möchte Trickfilmzeichner werden, Cathy Kiplinger träumt von einer Karriere als Tänzerin, Jonah Bay möchte in die Fußstapfen seiner Mutter, einer berühmten Folksängerin, treten und Musiker werden, Goodman Wolf möchte Architektur studieren, während seine Schwester Ash Schauspielerin werden möchte.
Jules und Ash werden enge Freundinnen und Jules orientiert sich stark an ihr, möchte auch Schauspielerin werden, obwohl ihr das Talent dafür fehlt. An der Seite der reichen Jugendlichen fühlt sich das Mädchen aus dem Vorort stets unzulänglich und nicht wirklich zugehörig, auch wenn den anderen ihre Herkunft gleichgültig ist.
Drei Sommer verbringen sie miteinander, aber im letzten ist alles anders. Ein Ereignis zum Jahreswechsel 1976 stellt die Freundschaft auf eine harte Probe und von sechs Freunden sind am Ende nur noch vier übrig.
Der Roman beginnt im Sommer 1974 und wechselt dann in die Gegenwart in das Jahr 2009, als Jules verheiratet, Mutter einer Tochter und Psychotherapeutin ist. Anschließend erfolgt wiederum eine Rückblende in die Vergangenheit und eine chronologische Schilderung der Lebenswege der "Interessanten".
Nur Ethan hat es geschafft, seinen Traum zu verwirklichen und sich erfolgreich in der Trickfilmbranche einen Namen zu machen. Er ist inzwischen mit Ash verheiratet, die als Theater-Regisseurin um Anerkennung kämpft. Cathy konnte aufgrund ihres Körperbaus keine Tänzerin werden und Goodman hat sich durch einen fatalen Fehler seine Zukunft verbaut. Jonah wurde durch ein traumatisches Erlebnis die Lust an der Musik genommen, weshalb rt sich komplett umorientiert und Maschinenbau studiert hat.
"Die Interessanten" erzählt von einer langjährigen Freundschaft, die als Teenager begann und Höhen und Tiefen erlebte. Die Jugendlichen haben sich weiterentwickelt und sind erwachsen geworden, haben selbst Kinder bekommen.
Der Fokus der Geschichte rückt im Erwachsenenalter insbesondere auf die beiden Paare Ash und Ethan sowie Jules, die unabhängig von den Sommern im Camp den Ultraschalltechniker Dennis Boyd geheiratet hat. Die Paare führen unterschiedliche Leben, denn während Ethan und Ash im Luxus leben, haben Jules und Dennis stets mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Jedes der Paare hat zudem eigene Probleme, hat mit Krankheiten, Geheimnissen und den Belastungen des Alltags zu kämpfen.
Erzählt werden 40 Jahre, in denen sich naturgemäß nicht immer viel ereignet, weshalb der Roman seine Längen hat. Durch kleinere und größere Dramen, die die Protagonisten erleben und durchmachen müssen, erhält die Geschichte immer wieder neuen Schwung.
Der Roman handelt von den Wünschen, Träumen und Vorstellungen, die die Jugendlichen haben und was letztlich aus ihnen geworden ist. Es geht um Selbstverwirklichung und das Streben nach Glück.
Das starke Band der Freundschaft hält die Clique - oder Teile davon - zusammen. Es geht dabei um Zusammenhalt und Vertrauen, Geheimnisse, die trennen und zusammenschweißen, um Vergleiche, Eifersucht und Neid. Der Roman ist geprägt von vielen ernsthaften Themen, mit denen die Figuren umgehen müssen und auch zeitgeschichtliche Ereignisse und gesellschaftliche sowie politische Entwicklungen werden stimmig in die fiktive Geschichte eingearbeitet. Die Charaktere bleiben jedoch unnahbar und auf Distanz, so dass ihre Schicksale trotz aller Dramatik nicht emotional berühren können.
Nach einem langatmigen Mittelteil fehlte mir ein befriedigender Abschluss der Geschichte. Auch wenn es keine offenen Handlungsstränge gab, die zwingend hätten weitererzählt werden müssen, endet der Roman einfalls- und belanglos ohne noch einmal einen Bezug zu den wirklich interessanten Jahren der Jugendlichen und jungen Erwachsenen herzustellen.
- Anne Jacobs
Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten
(127)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerIch habe das Buch unheimlich schnell weggelesen. Die Grundidee hinter der Geschichte ist interessant, aber die Umsetzung bleibt insgesamt doch eher seicht. Es ist kein Buch, das tief schürft oder einen noch tagelang beschäftigt, aber die Seiten fliegen beim Lesen einfach so dahin. Für mich war es eine nette, unaufgeregte Unterhaltung für ein paar gemütliche Lesenachmittage. Mal schauen, ob ich Band zwei der Reihe auch noch lesen möchte.
- Annette Hess
Deutsches Haus
(239)Aktuelle Rezension von: PepaleFrankfurt 1963: Eva ist Dolmetscherin. Durch einen Zufall kommt sie an eine Job als Übersetzerin für Polnisch beim Auschwitz Prozess. Unbedarft und naiv stürzt sie sich in ihre Arbeit, ohne zu ahnen was sie dort erwartet. Die Berichte der Zeugen wie Juden ermordet, gedemütigt, gefoltert wurden, setzen Eva schwer zu. Evas Eltern hatten ihr abgeraten diesen Job zu übernehmen. Am Ende sind ihre Eltern in das ganze Geschehen verknüpft und die Familie zerstört.
Mit ihrem Verlobten führt sie eine typische Beziehung, wie es in den 1960er Jahren verbreitet war, sie ordnet sich ihm unter. Das Gesellschaftliche Rollenbild sah es so vor, sonst galten Frauen als „unweiblich“.
Annegret, die ältere Schwester von Eva, leidet unter dem Helden-Syndrom (Profilneurose). Als Säuglingsschwester infiziert sie Babys mit Bakterien um sie hinterher wieder gesund zu pflegen und dafür Lob und Geschenke zu bekommen.
Die Autorin hat gut recherchiert.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Geschichte ist fesselnd und bewegend. Die Protagonisten sind gut beschrieben und entwickeln sich weiter.
Es handelt sich um eine gelungene Geschichte.
- Garrett M. Graff
Und auf einmal diese Stille
(131)Aktuelle Rezension von: Universum_der_WoerterEin Buch, das sprachlos macht.
Keine detaillierte Analyse der Ereignisse. Kein Fokus auf das „Wie“ oder „Warum“.
Stattdessen: Stimmen. Echte Menschen. Überlebende, Angehörige, Retter, Polizisten, Zeugen.
Sie erzählen. Direkt. Ungefiltert. Und genau das trifft mitten ins Herz.
Das Buch wirkt wie ein Logbuch – chronologisch aufgebaut, mit kurzen Einschüben des Autors, die helfen, das Gesagte zeitlich und historisch einzuordnen.
💔 Besonders schwer zu ertragen: Aussagen von Opfern, die letzte Nachrichten auf den Anrufbeantworter sprachen – und nie wieder zurückkamen.
Was bleibt, ist tiefe Trauer. Und unfassbare Tragik.
Aber auch: ein unglaublich wichtiges, eindringliches Zeitdokument.
Ein kollektives Erinnern.
🇺🇸 Die große Rolle, die Patriotismus für viele Amerikaner spielt, wird dabei ebenso deutlich wie der Schmerz, der über Generationen nachwirkt.
📖 Keine leichte Lektüre – aber eine, die man gelesen haben sollte.
- Nathan Hill
Geister
(134)Aktuelle Rezension von: Sikal
Samuel ist erst 11 Jahre alt als ihn seine Mutter Faye verlässt und er allein bei seinem Vater Henry zurückbleibt. Was war geschehen und wie soll ein kleiner Junge dies verstehen können? Jahre später – Samuel ist mittlerweile Dozent an einem College - erhält er eine Nachricht von einem Anwalt, der seine Mutter verteidigen soll. Faye wurde als Attentäterin verhaftet und genießt zweifelhafte Medienpräsenz.
Samuel hat als Dozent einige Schwierigkeiten am College als eine Studentin gegen ihn wettert, weil er von ihr Leistungen einfordert. Doch diese Studentin ist mit allen Wassern gewaschen und so steht Samuel plötzlich einer Wand aus Misstrauen und Intrigen gegenüber.
Samuel ist mit seinem derzeitigen Leben unzufrieden, so verbringt er den Großteil seiner Zeit damit, in einem Computerspiel zu punkten während alles andere an ihm vorbeizuziehen scheint. Auch das Buch, das er eigentlich schreiben möchte und einem Literaturagenten bereits seit Jahren versprochen ist, scheint nicht mehr zustande zu kommen. Als jedoch die Attentats-Geschichte seiner Mutter aufkommt, wittert Samuel seine Chance und beginnt über die tatsächlichen Hintergründe zu recherchieren.
Die Geschichte rund um diese Mutter-Sohn-Beziehung reicht zurück bis in die 68-er-Bewegung, in eine Zeit als seine Mutter als junge Studentin zwischen Hippies, radikalen Protestbewegungen und dem Gesetz hin und her schwankt. Begleitet von einem Geist, dem Nix, dessen Reise quer über den Erdball führt.
Der Autor Nathan Hill hat hier eine wunderbare Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit geschaffen. Er schwadroniert immer wieder über die politischen und gesellschaftlichen Wirrungen, verknüpft diese mit der gegenwärtigen Computerwelt und schafft den Spagat zu den 68ern ohne dabei in eine sentimentale Fantasiewelt abzudriften.
Humorvoll vor allem der Part, den die Studentin mit Samuel ausficht – herrlich.
Das Buch war jetzt schon einige Zeit bei mir im Regal und hat auf einen geeigneten Moment gewartet. Der war wohl jetzt, denn das Buch hat mich gefesselt und gerne lasse ich es nochmal Revue passieren. Trotz einiger Längen zwischendurch, hat mich die Geschichte letztendlich überzeugt. 4 Sterne
- Konrad Jarausch
Zerrissene Leben
(16)Aktuelle Rezension von: SatansbratenDas Buch schafft, was Geschichte sonst oft fehlt, es es ist lebendig, zum Anfassen, verstehbar, nachvollziehbar. Es erzählt anhand von konkreten Schicksalen die Geschichte des letzten Jahrhunderts. Die Befragten Menschen haben unterschiedliche Hintergründe, der Sohn wohlhabender Juden, das Kind eines Pastors, andere aus Arbeiter Familien, kommunistischen Familien. Sie erleben daher die Vorkriegszeit sehr unterschiedlich, auch die Zeit des Krieges und die Jahre danach sind neben den politischen Ereignissen auch durch persönliche Entscheidungen geprägt. Gleichzeitig wird auch sehr viel erklärt, das wichtig ist, um Hintergründe und Geschehnisse besser einordnen zu können. Mir hat das Buch erstaunliche Einblicke in diese Zeit gegeben, selbst wenn man mit den geschichtlichen Fakten vertraut ist, bringt diese Herangehensweise ganz neue Einsichten! Lesenswert ! - Regina Scheer
Machandel
(65)Aktuelle Rezension von: rose7474Dieser Roman wurde mir empfohlen und er sprach mich gleich an, da es um zeitgeschichtliches geht in der DDR. Ich mag solche Geschichten sehr und wurde hier nicht enttäuscht.
Ich brauchte etwas Zeit um in die Geschichte reinzukommen. Dann jedoch packte es mich und wollte immer weiterlesen. Die verschiedenen Perspektiven gefielen mir sehr gut und die Schicksale berührten mich sehr ubd brachten mich zum Nachdenken. Ein Buch wofür man etwas Zeit braucht aber wichtig gegen das Vergessen ist. Ich werde es irgendwann nochmal lesen und noch mehr von Regina Scheer.
Daher eine absolute Leseempfehlung von mir und wohlverdiente 5 Sterne.
- Heinrich Böll
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
(873)Aktuelle Rezension von: caro_linIch fand die Bericht-Form in der es geschrieben ist irgendwie ziemlich zäh, und die verschiedenen Nebencharaktere zu verwirrend, um bis zum Schluss durchzublicken. Vielleicht hätte ich es zügiger durchlesen müssen, aber wie man sieht hat es mich dafür nicht genug gepackt.
Die Story ist ganz nett, mal was anderes, da man das Ende schon kennt, aber irgendwie auch einfach frustrierend. - Florian Illies
Liebe in Zeiten des Hasses
(96)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannEin Roman sprühenden Sprachwitzes, zahlreichen Anspielungen, gespickt mit Anekdoten, historischen Ereignissen sowie Blicken tief hinab in menschliche Abgründe.
Apropos Roman. Als solcher wird dieses Werk nicht geführt, sondern – möglicherweise zu Recht – als eine Chronik, als die „Chronik eines Gefühls“. Liebe und Hass die Gegenpole treffen hier zwar gelegentlich auch aufeinander, aber hier bildet des sich aufbauende und aufstauende Hass „nur“ den wackligen Untergrund für übereinander herfallende Lebensgeschichten, die sich ergänzen, oft aber auch in Verletzungen erschöpfen.
Da es sich allesamt um historische, mehr oder weniger bekannte Personen des öffentlichen Lebens handelt, und zudem die Zitate die eher romanhaften Geschichten untermauern, kann hier zurecht auch von einem authentischen Sittengemälde jener Zeit gesprochen werden. Hier wird geliebt, rauf und runter, quer und querbeet, und man wundert sich, dass sogar in jener Zeit das Triebleben einen derart freizügigen „Auslauf“ hatte.
Dieses Buch liest sich weg wie nichts, um es einmal salopp zu formulieren, denn nur zu gerne sind wir bereit, der eigenen Vorstellungswelt eine überraschende Realität gegenüberzustellen. Aber dieses Buch ist nicht nur informativ und kurzweilig zugleich, sondern in vielen Passagen von einer sprachlichen Eleganz, die in Sätzen wie diesem münden: „Es gibt manchmal diesen Moment, in dem das Leben kippt. All die Jahrzehnte danach läuft man weiter auf dieser schiefen Ebene, versucht hochzuklettern und rutscht doch wieder ab.“
Großartig!
(26.7.2022)
- Gregor Gysi
Ein Leben ist zu wenig
(29)Aktuelle Rezension von: Henri3tt3Ich habe noch nie die Linke gewählt, auch nicht die Vorgängerin PDS und für die SED war ich erstens zu jung und zweitens auf der falschen Seite der Mauer. Ich bin auch in einigen Punkten anderer Meinung als Gregor Gysi. Trotzdem ist er mein deutscher Lieblingspolitiker. Seine Reden kann man verstehen, weil er jedes Thema ohne eine Flut von Fremdwörtern oder Fachbegriffen und auch ohne verschachtelte Bandwurmsätze behandelt. Er hat eine feste Haltung und dadurch eine beneidenswerte Selbstsicherheit, die manchmal zu einer gewissen Selbstgefälligkeit führt, die ihm aber gegönnt sei. Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern ist er nicht arrogant, sondern sehr nahbar, oft selbstironisch, schlagfertig, manchmal sogar frech, aber immer sympathisch. Seine Autobiographie ist sehr interessant, vor allem die Geschichte seiner Eltern, aber auch seine eigene Kindheit, Jugend, Schule, Studium und seine Arbeit als Jurist haben mich sehr beeindruckt. Mein Highlight ist, wie er sich um den Wehrdienst gedrückt hat. 😄
- Laurence Rees
Auschwitz: Geschichte eines Verbrechens
(20)Aktuelle Rezension von: CarinaElenaMeine neue #errungenschaft 🤗 war gar nicht so einfach dieses Buch in dieser Ausgabe zu einem verünftigen Preis und Zustand zu bekommen
☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
In dieser ebenso fundierten wie erschütternden Darstellung gelingt es Laurence Rees, dem Leser die unfaßbaren Geschehnisse des Holocaust nachvollziehbar vor Augen zu führen – mit einem beunruhigenden Fazit: Der Holocaust ist kein düsterer Alptraum, kein singulärer Exzeß, sondern Ergebnis der menschlichen Veranlagung. ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆ - Ralf Isau
Das Jahrhundertkind - Der Kreis der Dämmerung
(120)Aktuelle Rezension von: TanteGhostAnders als erwartet, aber auf seine Art richtig genial. Einfach nur ein super Auftakt zu einer Reihe.
Inhalt: David wird als Jahrhundertkind geboren. Das hat aber für sein Leben erst einmal keine weitere Bedeutung. Er lebt schon immer mit den seltsamen Anwandlungen seines Vaters. Immer wieder bekommt dieser seltsame depressive Anfälle.
Nach dem Tod des Vaters bekommt David mit dem Erbe auch endlich das geschriebene Vermächtnis seines Vaters. Nun weiß er, warum sein Vater diesen Verfolgungswahn hatte. Aber er weiß nun auch, nach was er selber jagen muss.
David will im Weltkrieg sterben, schafft das aber nicht. Er kehrt zurück, beendet seine Ausbildung, findet eine Frau, einen Job und ist doch immer wieder auf der Flucht und gleichzeitig auf der Jagd.
Fazit: OK, es sind insgesamt vier Bände. Das ist mir aber auch erst bewusst geworden, als ich die Buchdaten für diesen Blogpost zusammen gesucht habe. Im Grunde ist das aber erst einmal egal. Die drei Bände, die ich habe, werden ja zeigen, ob ich mir auch den vierten holen werde.
Erwartet habe ich mir Fantasy. Dem Titelbild nach schon fast epische Fantasy. Aber bekommen habe ich hier irgendwie Geschichtsunterricht. - Durch die eingewebte Geschichte um David war es recht interessanter Geschichtsunterricht. Aber vieles ist mir eben doch durch etliche Podcasts oder auch aus der Schule bekannt gewesen.
Fantasy gab es durch den Kreis der Dämmerung, der vorerst nur am Anfang erwähnt wurde. Dass die Herren der Schöpfung nicht ganz koscher sind, war mir irgendwie von Anfang an klar, aber was sie dann am Ende wirklich im Schilde führen, schlägt dem Fass fast den Boden aus. - In der folgenden Handlung tritt dieser Kreis erst einmal in den Hintergrund und gerät fast in Vergessenheit.
Beim Lesen bin ich ab und zu über die Sprache gestolpert. Stellenweise drückt sich Herr Isau schon recht altbacken und umständlich aus. Es passt zur Handlung, keine Frage. Und ich habe mich auch daran gewöhnt, dass der eine oder andere seltsame Begriff fällt, aber aus der Handlung hat es mich doch immer wieder heraus befördert.
Leseunterbrechungen waren aber kein Problem. Ich bin immer wieder einfach und schnell in die Handlung hinein gekommen. Da brauchte es nicht mal Kapitelunterbrechungen dazu.
Auch hat mich das Buch auf eine seltsame Art und Weise gefesselt. Einen Film in meinem Kopfkino hatte ich nicht, aber trotzdem wollte ich unbedingt wissen, wie es dem Protagonisten weiter ergeht. Die Geschichte war einfach zu genial in wirklich geschehenes eingearbeitet. Irgendwie hat es sich wirklich so gelesen, als wenn es diesen David in Echt gegeben hätte und Herr Isau sein Leben hier zu Papier gebracht hätte.
Das Ende hat mich etwas unzufrieden zurückgelassen. Aber da sollten ja noch weitere Bände folgen.
Das Lesen an sich, war schon angenehm, aber ein gewisses Grad an Konzentration hat es mir schon abgefordert. Das war jetzt kein Buch, über das man mal eben so weg liest. Aber es war spannend und hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt.
Auf jeden Fall handelt es sich hier um Fantasy, die ich so noch nicht hatte. Es musste keine eigene Welt dafür erschaffen werden und trotzdem war ich gefesselt und am Ende komplett überzeugt.
Empfehlen kann ich dieses Buch in jedem Fall. Alles ist so detailreich wie nötig, aber eben auch genau richtig beschrieben worden. Echt klasse.
- Gloria Goldreich
Die Tochter des Malers
(68)Aktuelle Rezension von: SchimmerEs ist in dieser umfangreichen Lebensgeschichte, erzählt von der Tochter des Ehepaares Marc und Bella, vielleicht nicht alles authentisch, aber die Grundzüge der Charaktere werden deutlich gezeichnet, die Fakten stimmen sowieso. Schade, dass das Buch keine Abbildungen der Gemälde enthält, die und deren Entstehung beschrieben wird. Kann man ja aber anderweitig nachschlagen.
Mir hat das Lesen des Romans Freude gemacht, auch wenn er etwas kürzer hätte sein können, war es doch eine interessante und kurzweilige Lektüre.
Befremdlich fand ich nur Idas Geduld mit ihrem Vater, und dieses oft wiederkehrende Traum-Thema.























