Bücher mit dem Tag "zeitzeuge"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "zeitzeuge" gekennzeichnet haben.

39 Bücher

  1. Cover des Buches Der Vorleser (ISBN: 9783257261349)
    Bernhard Schlink

    Der Vorleser

     (5.685)
    Aktuelle Rezension von: Alexa-Tim

    Manchmal echt verwirrend wie Bernhard Schlink geschrieben hat. Ich musste erst einmal damit klar kommen, dass er aus verschiedenen Zeitformen innerhalb eines Kapitels schreibt.
    Er schreibt aus der Sicht des Jungen.
    Einmal schreibt er von seiner Erinnerung mit Hanna, was in der Vergangenheit liegt und zum anderen wechselt er in die Gegenwart. Das war anfangs verwirrend, aber damit kam ich schnell zurecht und hatte begriffen, dass er seine Geschichte, die er erlebt hat erzählte.

    Die Geschichte ist in drei Teile geteilt und innerhalb der Geschichte geht ein roter Faden durch. Es ist zwar etwas anders geschrieben, aber dennoch sehr interessant. Die Protagonisten sind faszinierend geschildert.
    Das Ende hat mich echt überrascht und damit habe ich gar nicht gerechnet.

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich das Buch gut finden würde. Die Story ist wirklich interessant und spannend. Der Sprachstil natürlich ein anderer als in der heutigen Zeit. Aber dennoch ein guter Klassiker.

    Von mir gibt es 4 Sterne.

  2. Cover des Buches Mein Leben (ISBN: 9783570551868)
    Marcel Reich-Ranicki

    Mein Leben

     (243)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Belka

    Der Meister der Literaturkritik!
    Dieses Buch nehme ich gerne an!!!

  3. Cover des Buches Noah – Von einem, der überlebte (ISBN: 9783328601678)
    Takis Würger

    Noah – Von einem, der überlebte

     (42)
    Aktuelle Rezension von: Marion2505

    Takis Würger hat mich schon mit „Der Club“ komplett begeistert. Mit „Noah – Von einem, der überlebte“ hat er eine ganz besondere Geschichte aufgeschrieben. In kurzen Sätzen gibt er das wieder, was ihm Noah Klieger über sein Leben erzählt hat. Das Buch beginnt mit einem Zitat von Noah Klieger

    "Ich weiß, es ist schwer zu ertragen, aber es war so." (Buchbeginn)

    was mich schon schwer hat schlucken lassen. Doch was ich dann gelesen habe, hat alles übertroffen, mit dem ich gerechnet bzw. was ich gefürchtet habe. Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass mich noch nie ein Buch so sehr berührt und beschäftigt hat wie dieses hier.

    Der Schreibstil von Takis Würger ist kurz und knapp. Dachte ich zu Beginn noch, dass es sehr emotionslos ist, hat dieser Schreibstil dann jedoch die größtmöglichen Emotionen in mir hervorgerufen, die ich kaum zu beschreiben vermag. Es geht nicht nur um das Leben von Noah Klieger, sondern es werden viele Schicksale oft nur kurz angerissen. Diese haben mich aber mit voller Wucht mitten ins Herz getroffen und oft schwer schlucken lassen.

    Tief erschüttert haben mich die brutale Willkür und die unfassbaren Grausamkeiten, denen Noah und natürlich auch alle anderen Menschen, die sein Schicksal auf irgendeine Weise teilten, ausgesetzt waren. Und dennoch gibt es in diesem Buch so viele wunderbare Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen und sich gegenseitig unterstützen.

    Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass das Buch auch nach dem Ende der NS-Zeit Noahs Geschichte weitererzählt. Auch fand ich es sehr schön, dass gegen Ende des Buches viele Schicksale von Menschen, die Noah im Laufe seines Lebens getroffen hat, kurz zu Ende erzählt werden.

    Mein Fazit:

    „Noah – Von einem, der überlebte“ von Takis Würger ist so ein wichtiges Buch, das ich jedem mehr als empfehlen kann. Noahs Geschichte hat mich tief beeindruckt und sehr bewegt. Bitte lest dieses Buch!

  4. Cover des Buches Die Bibel nach Biff (ISBN: 9783442312948)
    Christopher Moore

    Die Bibel nach Biff

     (785)
    Aktuelle Rezension von: Nespavanje

    Die Bibel nach Biff beinhaltet, so wie der Untertitel schon verrät, eine mooresche Biografie des Gottessohnes. Gespickt mit allerlei religiöse Satire und einem Erzähler, der herrlich sarkastisch ist, wird die ganze Geschichte wundervoll infam. Biff, der eigentlich Levi bar Alphaeus heißt, ist dieser besondere Erzähler. Er soll endlich und gut 2000 Jahre nach seinem Tod, sein Evangelium schreiben.

    Witze auf Kosten Jesus zu machen wird wahrscheinlich dem einen oder anderen christlich-religiösen Menschen sauer aufstoßen. Humor und Religion vertragen sich nicht immer mit einander. Vor allem dort wo Fundamentalismus und Religion aufeinanderstoßen. Hier schon und genau das macht den Reiz der Geschichte aus. Aber es geht nicht nur um eine humorvolle Erzählung des turbulenten Lebens von Josh aka Jesus. Christopher Moore schafft es, ein lebendiges und authentisches Bild der Zeit vor 2000 Jahren zu zeichnen und den Leser tief in den Alltag eines einfachen jüdischen Jungens zu erzählen. Näher geht er darauf im Nachwort ein. Der geneigte Leser sollte daher auch jenes lesen. Wem nun diese göttliche Satire auf Jesus Leben gefallen hat, dem kann ich auch wärmstens John Nivens „Gott bewahre“ oder „Jesus liebt mich“ von David Safier empfehlen.

  5. Cover des Buches Wofür es lohnte, das Leben zu wagen (ISBN: 9783958901209)
    Christian Hardinghaus

    Wofür es lohnte, das Leben zu wagen

     (9)
    Aktuelle Rezension von: mabuerele

    „...Angesichts des Todes werden die Werte des Lebens ein Nichts...“


    Das Sachbuch beginnt mit einem Vorwort von Hans Machemer. Dort legt er kurz dar, wie und weshalb es zur Veröffentlichung der Geschichte kam. Es sind die Briefe seines Vaters, die den Inhalt des Buches bilden.

    Anschließend folgen von Christian Hardinghaus eine geschichtliche Beurteilung und die Vorgeschichte.

    Helmut Machemer ist Augenarzt. Mit 36 Jahren und auf Grund seines Berufs wäre er vom Kriegsdienst freigestellt gewesen. Doch seine Frau Erna ist nach Lesart der damaligen Zeit halbjüdisch. Damit gelten sie und die drei kleinen Söhne als Mischlinge. Erna musste deshalb schon ihr Medizinstudium aufgegeben. Da sich Helmut nicht von seiner Familie trennen will, sieht er nur eine Chance. Wenn er sich freiwillig zum Heer meldet und dort alle Tapferkeitsauszeichnungen erhält, kann er damit erreichen, dass seine Familie arisiert wird. Diese Sonderregelung gibt es im Rassengesetz.

    Hans Machemer ist dabei, als die Deutsche Wehrmacht am 22. Juni 1941 ohne Kriegserklärung über die sowjetische Grenze marschiert. Er ist Unterarzt der Aufklärungs-Abteilung der 16. Panzerdivision. Gleichzeitig schreibt er in Briefen seine Erlebnisse und Gedanken nieder und fotografiert das Geschehen. Die Vielzahl dieser Briefe bildet den Hauptinhalt des Buches.

    Der erste Brief datiert vom 5. Oktober 1941. Die Deutsche Wehrmacht befindet sich auf einem fast ungebremsten Vormarsch. Deshalb zeigen die ersten Briefe auch seinen Optimismus. Deutlich wird die Überlegenheit der deutschen Truppen herausgestellt. Es ist nicht zu überlesen, dass die Propaganda der letzten Jahre Spuren hinterlassen hat. Das zeigt sich in einer gewissen Überheblichkeit. Andererseits überwiegt auch im Verhalten gegenüber dem Gegner die Menschlichkeit. Das Regiment zieht durch die Ukraine und trifft dabei nicht nur auf Feinde. Exakt werden die Dörfer und das dortige Leben beschrieben. Schnell machen sie Bekanntschaft mit Wanzen und Flöhen.

    Die ganze Widersprüchlichkeit der Gedankenwelt wird hier an einer Stelle besonders deutlich. Helmut möchte, dass seine Familie arisiert wird, nimmt aber den Judenhass in der Ukraine als gegeben hin.

    Mit dem ersten Wintereinbruch ändert sich der Schriftstil leicht. Plötzlich geht es nicht mehr nach vorn. Die Langeweile des Stellungskrieges, erste Erfrierungen, fehlende Winterbekleidung gewinnen zunehmend Raum in den Briefen. Nachdem er im ersten Teil davon berichtet hat, dass die Rote Armee beim Rückzug verbrannte Erde zurückgelassen hat, verwendet nun die Deutsche Wehrmacht ebenfalls diese Taktik. Doch immer überwiegt die Hoffnung auf den Sieg.

    Hinzu kommt, dass Helmut in den Briefen darauf drängt, Maßnahmen zu ergreifen, um die Arisierung der Familie voranzutreiben. Er hat Angst um seine Kinder. Auf seine Beförderung wartet er seit zwei Jahren. Das ärgert ihn, ändert aber wenig an seinem Pflichtbewusstsein.

    Deutlich wird, wie hart das Leben eines Arztes direkt an der Front ist. Es geht um die Erstversorgung der Verwundeten. Die nächste Schwierigkeit besteht darin, sie in ein Lazarett zu bringen. Das ist nur noch bedingt möglich. Der russische Winter lässt nicht nur Wasser gefrieren, sondern auch Füße und Hände. Fahrzeuge fallen aus. Der Stellungskrieg zermürbt. Bisher registrierte Helmut in seinen Briefen die Menge der gefallenen Russen. Nun werden zunehmend eigene Kameraden beerdigt. Außerdem gibt es Probleme mit der Post. Die mit Sehnsucht erwarteten Päckchen aus der Heimat bleiben aus.

    Berührend zu lesen sind die Briefe der Kinder, die sie an ihren Vater schreiben. Im letzten Drittel des Buches sind auch Briefe von Erna veröffentlicht. Dort tauschen sich die Eheleute über Schreibstil und Lesbarkeit aus. Erna schreibt alle Briefe ihres Mannes ab.

    Wie ein roter Faden zieht sich durch das Buch die Hoffnung auf Sieg und Heimkehr. So schreibt Helmut:


    „...Dass der Russe seine letzten Reserven ausschöpft, ist keine Frage...“


    Auch das Eingangszitat stammt aus einem der letzten Briefe. Seine Zeilen sprechen von Kameradschaft selbst in schwierigen Situationen, setzen sich mit Fehlverhalten auseinander und bescheinigen dem Regiment einen Hauch preußischer Disziplin. Doch gerade in der letzten Zeit kommt er auch mit Ärzten in Kontakt, die die Situation wesentlich kritischer sehen. Helmut hat aber nur ein Ziel vor den Augen, und dafür setzt er sich mit ganzer Kraft ein: die Sicherheit seiner Familie. Dabei ahnt er aus meiner Sicht nicht einmal, wie groß die Gefahr für sie wirklich ist. Trotzdem gibt er Verhaltensratschläge, was zu tun ist, falls er nicht zurückkehrt. Die lange Zeit wirkt zermürbend. Heimaturlaub ist nicht in Sicht oder wird gestrichen.

    Und dann stellt er eine Frage, die Monate vorher überhaupt nicht im Raum stand.


    „...Dankt uns die Heimat einmal, was wir für sie tun?...“


    Die Briefe ermöglichen mir als Leser einen Einblick in eine Gedankenwelt, die schwierig nachzuvollziehen ist. Die Soldaten sahen sich als Verteidiger der Heimat. Sie taten ihrer Ansicht nach ihre Pflicht. Dass es zunehmend von beiden Seiten Grausamkeiten gab, wurde registriert, aber kaum bewertet.

    Die politische Beeinflussung des Gegners durch Kommissare wird häufig angesprochen, die Wirkung der eigenen Propagandamaschinerie nicht registriert.

    Eingebunden im Buch sind viele Originalfotos. Sie veranschaulichen die Situation.

    Außerdem gehört zum Buch eine DVD. Auch dort befinden sich bisher unveröffentlichte Bilder. Gut gefallen hat mir der Kommentar des Autors. Unter anderen führt er aus, welchen Gefahren sich Helmut mit diesen Aufnahmen ausgesetzt hat.

    Außerdem sind Originaldokumente dem Buch beigefügt.

    Helmut erreicht sein Ziel. Seine Familie wird deutschblütigen Personen gleichgestellt. Doch er zahlt dafür einen hohen Preis. Seine Söhne werden ohne ihn aufwachsen.

    Ich bin mir bewusst, dass diese Rezension dem Buch nicht allumfassend gerecht werden kann. Sie spiegelt nur einen Teil des Inhalts wider.

    Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es ist ein wichtiges Zeitdokument, da es ungeschönt die Gedanken eines Arztes an der Front wiedergibt. Der meist sachliche Schriftstil wirkt besonders beeindruckend.

  6. Cover des Buches Sieben Jahre in Tibet (ISBN: 9783492403993)
    Heinrich Harrer

    Sieben Jahre in Tibet

     (121)
    Aktuelle Rezension von: Buchtel

    Ich überlegte zuvor 4 von 5 Sternen zu vergeben, aber nach den grade gelesenen letzten Zeilen konnte ich nicht anders und gab 5.

    Worte aus dem Buch von Heinrich Harrer:Es ist mein großer Wunsch, mit diesem Buch ein wenig Sympathie und Verständnis zu wecken für ein Volk, dessen Wille, in Freiheit und Frieden leben zu dürfen, in der Welt so wenig Beachtung gefunden hat.

    Heinrich Harrer wurde 1912 in Österreich geboren und gehörte 1936 der Olympia-Mannschaft an. Bekannt war es zunächst als Skiläufer und Bergsteiger. Kein Wunder, das der Himalaya ihn lockte.

    Nach einer Expedition in Asien wurde er in ein indisches Internierungslager gesteckt. Nach mehreren Fluchtversuchen gelang ihm die Übersiedlung in das neutrale Tibet. Eine lange Reise auf dem Dach der Welt beginnt und Harrer setzt sich mit tibetischen Beamten, widrigen Witterungsbedingungen und der dünnen Hochlandluft auseinander. 


    Er durchwandert mehrere hundert Kilometer und überwindet viele Höhenmeter (bis zu über 6000 Meter!). Seine Reise führt ihn zur verbotenen Stadt Lharsa, die heilige Hauptstadt der Tibeter in Osttibet, Sitz des 14. Dalai Lama, dem geistigen Oberhaupt, dem Gottkönig oder auch der 14. Inkarnation Tschenresis, dem Lebenden Buddha. 

    Harrer und Kundün, der damals14-jährige Dalai Lama, kommen 1949 auf verschiedene Weisen in Kontakt miteinander. Eine lebenslange Freundschaft verbindet sie schlussendlich. 

    Die Tibeter faszinieren mich. Durch die europäischen Augen Harrers erfuhr ich in dem Buch von den sieben Jahren in Tibet, auf denen Harrer auf der Flucht war, die Gastfreundschaft und den Glauben der Tibeter kennenlernte und es schnell schaffte, unter ihnen ein Leben aufzubauen, dass er nach seinem ungewollten Fortgang aus diesem Land durch die kommunistischen Rotchinesen oft schmerzlich vermissen sollte.

    Zentral im buddhistischen Glauben steht die Überwindung des Ego. Da gibt es Mönche, die bewusst ihren Geist vom Körper trennen, Orakel, die in Trance die Geschehnisse bestimmen und eine unvergleichlich schöne Burg auf einen roten Felsen, in welcher die Inkarnation eines Gottes lebt und ein ganzes Volk segnet. 


    Harrer lebte unter den sanften Tibetern mit ihrem kindlichen Humor, in einer Umgebung, die den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt, missachtet, dennoch anderen Menschen und Religionen tolerant gegenüber aufgestellt war und den Frieden und die Harmonie liebten.

    Heutzutage scheint das tibetische Hochland als Teil von China zu bestehen, ein Gedanke von Unabhängigkeit lebt im Exil. Der Dalai Lama konnte nach Indien fliehen...

    Der Schreibstil des Buches ist eher ein langer und detailreicher Bericht. Wörtliche Rede kommt nicht vor. An manchen Stellen erschien der Text etwas langatmig. In vielen Anekdoten beschreibt der Autor von seiner Reise und seinen Erlebnissen in Lharsa. Die Aussage des Buches hat mich jedoch mitten ins Herz getroffen. Mit Spannung habe ich jede Seite gelesen. Ich habe mich in das mit Worten beschriebene tibetische Hochland und seine Menschen verliebt.

  7. Cover des Buches Großväterland (ISBN: 9783957989420)
    Christian Hardinghaus

    Großväterland

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Booksareworldstotravel
    Diese Rezension wird sich wahrscheinlich sehr von meinen üblichen unterscheiden,aber dieses Buch ist eben auch anders ,als das was ich sonst lese. Großväterland ist eine Graphic Novel ,die Zeitzeugenberichte in Comic Form mit historischen Hintergründen verbindet. Diese Idee des Autors Christian Hardinghaus finde ich super ,da sich dieses Buch einfach viel leichter liest ,als die trockenen historischen Bücher. In Großväterland werden dem Leser auf 80 Seiten 8 bewegende Geschichten von Zeitzeugen erzählt und zwischendurch gibt es immer noch einen Sachtext. Das Buch ist im Panini Verlag erschienen und kostet 16,95€. Was mir an diesem Zeitzeugenbericht aber am besten gefällt ist ,dass genau das geschrieben wurde wie es Herr Hardinghaus erzählt wurde ohne das Ausschmücken mit Adjektiven um die Spannung zu steigern oder hinzuerfundene Dinge. Gerade das macht die Geschichten so berührend. Für das Buch sollte man sich Zeit nehmen und sich intensiv damit beschäftigen ,weil manche Dinge auf den ersten Blick vielleicht komisch und nicht nachvollziehbar wirken ,je mehr man dann aber darüber nachdenkt ,desto verständlicher und logischer erscheint es einem. Besonders an diesem Buch ist auch,dass Hitler und die Juden nicht das Hauptthema sind sondern ,wie die Menschen den Krieg erlebt und letztlich auch überlebt haben. Die Zeichnung sind gut gezeichnet und alles ist insgesamt eher düster gehalten,was ich aber beim Thema Krieg passend finde. Schade ist jedoch das oftmals die Schrift ein bisschen klein oder der Hintergrund zu dunkel ist. Den einzigen Kritikpunkt den ich habe ist ,dass mir das Buch zu kurz war. Ich hätte gerne mehr Rolf,Otto &Co erfahren. Ob das jetzt eine Kritik ist oder ein Kompliment an das Buch ist sei dahingestellt. Als Fazit kann ich das Buch jedem weiter empfehlen,natürlich ist es keine leichte Kost ,aber im Gegensatz zu Geschichten ist es wirklich geschehen und das sollte nicht vergessen werden.
  8. Cover des Buches Aurora (ISBN: 9783453432093)
    Robert Harris

    Aurora

     (61)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Ein packender Thriller, der in der Nachwendezeit in Rußland spielt und die Atmosphäre zur Zeit Stalins genauso wie zur Zeit in den Neunzigern einfängt: "Fluke" Kelso nimmt als Historiker an einem Geschichtssymposium in Moskau teil, als ihn ein ehemaliger Gulaginsasse und sehr trinkfester (Vorsicht Klischee!!) Zeitzeuge aufsucht und ihm von einem geheimen Tagebuch Stalins erzählt. In dem Zusammenhang wird (ähnlich wie in der aktuellen Graphic novel "The death of Stalin" und deren angeblich grottenschlechter Verfilmung) die Geschichte von Stalins Tod erzählt, die superspannend erzählt wird, und mit dem wißbegierigen Fernsehreporter O`Brian macht Fluke sich schnell auf die Suche, das Geheimnis von Stalins Notizbuch zu ergründen...Eine tolle Schilderung der Stalinzeit und der Boris-Jelzin-Zeit (hicks), die immer noch weit verbreitete Stalin-Verehrung macht einen frösteln.
  9. Cover des Buches Bubis Kinnertied. Tüsken Wieken un Wullgras (ISBN: 9783862824700)
    Detlef M. Plaisier

    Bubis Kinnertied. Tüsken Wieken un Wullgras

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Harpo

    Die Originalgeschichte, welche aus den sogenannten Memoiren des Vaters des "Autors", bezogen wurde, hätte eigentlich das Potential zu einer wahrhaft erzählenswerten sein können. Leider macht es der Autor - wir mögen ihn so nennen - einem unmöglich die Geschichte zu genießen. Der Grund: Langweilig und überaus langatmig erzählt. Dazu auch noch schriftstellerisch wenig ausgereifte Stil, der es fast schon zum Kraftakt macht, sich durch das Ganze durchzuarbeiten.

  10. Cover des Buches Der letzte Zeuge (ISBN: 9783492257350)
    Rochus Misch

    Der letzte Zeuge

     (49)
    Aktuelle Rezension von: Igelmanu66

    »Ich werfe mir heute nicht vor, dass ich unter den damaligen Umständen funktionierte, dass ich meinen Dienst immer ordentlich und gewissenhaft versah, selbst dann noch, als mir 1943 klar wurde, dass der Krieg verloren gehen würde. Selbst dann noch, als er längst verloren war. Selbst dann noch, als Hitlers Leiche brannte. Nein, ich werfe dem Rochus Misch von damals nicht vor, dass er keinen Ärger machte.
    Dennoch – dass mir das so selbstverständlich war, das macht mich nachdenklich.«

     

    Rochus Misch, geboren 1917, war nie Mitglied der NSDAP. Wegen seiner Körpergröße und Statur wurde er nach der Musterung für die Leibstandarte SS Adolf Hitler ausgewählt. Er arbeitete bis zum letzten Tag als Leibwächter, Kurier und Telefonist Hitlers, hielt auch noch nach dessen Tod die Stellung im Führerbunker. Hier erzählt er seine Geschichte.

     

    Als ich dieses Buch entdeckte, wurde ich gleich neugierig. Was war das für ein junger Mann, der da in unmittelbarer Nähe Hitlers seinen Dienst tat? Was bewegte ihn und wie dachte er über die furchtbaren Dinge, die um ihn herum geschahen?

    Rochus Misch schrieb diese Autobiographie, eben weil ihn ständig aus aller Welt Fragen erreichten. Er erkannte den Wert, den sein Bericht für die Nachwelt hat, weil dieser den Leser zwingt, sich differenziert mit der Thematik auseinanderzusetzen.

     

    Diese Auseinandersetzung ist nicht leicht, die Wertung fällt schwer. Es ist ein unbequemes Buch, denn wie gerne würde man Misch, treues Mitglied des persönlichen Begleitkommandos Hitlers, einfach als Nazi verurteilen. Und sich sagen, dass man selber garantiert anders gehandelt hätte…

     

    Misch als Person zu beurteilen, fällt schon schwer. Da gibt es so einiges, was Verständnis oder gar Sympathie weckt, andere Dinge befremden. Wie er auf seinen Posten kam, gehört zu den nachvollziehbaren Punkten.

    Die Vollwaise Rochus Misch, aus einfachen Verhältnissen stammend, hatte sich zu den SS-Verfügungstruppen gemeldet, weil diese mit Vergünstigungen und Zukunftsperspektiven lockten. 1939 wurde Misch in Polen schwer verletzt, hatte u.a. einen glatten Lungendurchschuss. Dass anschließend der Gedanke, wieder an die Front zurück zu müssen, ihm nicht gerade verlockend erschien, ist nur zu verständlich. Als für das persönliche Begleitkommando des Führers ein »absolut zuverlässiger junger Mann« gesucht wurde, der »keinen Ärger macht«, kam man auf Misch.

    Dieses Anforderungsprofil trifft seinen Charakter recht gut. Er war zuverlässig auf seinem Posten, tat pflichtbewusst seine Arbeit, war immer da, wenn man ihn brauchte und hielt ansonsten den Mund. Wenn er erzählt, kommt es einem so vor, als hätte er einen ganz normalen Job bei einem ganz normalen Arbeitgeber gehabt. Da ist nichts von Aggressivität in seinem Bericht, er wirkt auch nicht sonderlich politisch. Zu interessieren scheint ihn nur, wie es ihm und seiner Familie geht. Das wirkt nicht bösartig oder egozentrisch, er denkt einfach nicht weiter. Vermutlich gab und gibt es sehr viele Menschen wie ihn.

     

    Befremdlich wird es, wenn er beispielsweise den Privatmann Hitler als »normaler, einfacher Mann, der einfachste Mensch, den ich kannte« beschreibt. Ich möchte ganz einfach Hitler nicht als normalen Menschen betrachten, nicht mal, wenn ich lese, wie er im Schlafanzug nach einer Wärmflasche für seine Füße verlangt. Misch betont immer wieder, dass er keine Kenntnis darüber hatte, was in den Konzentrationslagern vor sich ging. In der Nähe des Führers wäre nie über so etwas gesprochen worden, auch unter den Kameraden nicht. Kann das wirklich so stimmen?

    Zumindest eine Ahnung muss dagewesen sein, alles andere scheint mir nicht realistisch. Und warum sonst sollte Misch an anderer Stelle sagen: »Dass man von diesem Thema besser die Finger ließ … das war völlig klar … Man hatte immer ein bisschen Angst.«

     

    Rückblickend verurteilt Misch die Taten der Nazis, fragt sich sogar, wie »Untaten solchen Ausmaßes nur ein so gut gehütetes Geheimnis bleiben konnten«. Aber damals lebte er ein Dasein voller Widersprüche, vermittelte den ganzen Tag über Telefonate für Hitler und ging abends nach Hause, zur politisch links eingestellten Ehefrau und hörte mit dem Schwiegervater zusammen den Feindsender. Der Eindruck manifestiert sich, dass dieser junge Mann einfach nur überleben wollte und die Realität um sich herum bewusst ausblendete. Wenn er berichtet, wie Magda Göbbels ihren Kindern die Totenhemdchen anzieht, merkt man allerdings, dass der Familienvater Misch dabei an seine Grenzen kam.

     

    Rochus Misch hat vermutlich aktiv nichts Böses getan. Man könnte ihm vorwerfen, dass er für die obersten Nazis arbeitete, Hitler bediente und beschützte. Man könnte sagen, dass er sich hätte verweigern oder sogar etwas gegen Hitler hätte unternehmen müssen. Nah genug dran war er schließlich. Aber man muss sich auch ehrlich fragen, was man selbst an seiner Stelle getan hätte. Misch durchlebte 9 Jahre russischer Kriegsgefangenschaft, wurde grausam gefoltert. Wenn man ihm Schuld anrechnen kann, dann hat er dafür gebüßt.

     

    Das Buch enthält neben vielen Fotos auch detaillierte Karten von Führerbunker und Reichskanzlei, einen umfangreichen Anhang mit geschichtlichen Erläuterungen und zahlreichen Kurzbiographien.

     

    Fazit: Faszinierender chronologischer Bericht eines Zeitzeugen. Die Perspektive ist ungewöhnlich und die Lektüre unbequem, da man sich nicht einfach ein Urteil bilden kann, sondern sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen muss.

  11. Cover des Buches Helden wie wir (ISBN: 9783596133314)
    Thomas Brussig

    Helden wie wir

     (130)
    Aktuelle Rezension von: Lilli33
    Zwanzig Jahre DDR-Geschichte satirisch verpackt

    Inhalt:
    Nach dem Fall der Mauer beansprucht Klaus Uhltzscht dies als sein Verdienst. Einem Journalisten von der New York Times spricht er aufs Band, wie es dazu kam. Angefangen bei seinen Eltern, einem Stasi-Mitarbeiter und einer Hygienefanatikerin, und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des kleinen Klaus, begleiten wir den jungen Mann und seine Triebe über etwa zwei Jahrzehnte durch Ostberlin.

    Meine Meinung:
    Sehr passend ist hier das Cover gewählt, der Ausschnitt einer Statue, in dessen Mittelpunkt das männliche Geschlechtsorgan steht. Denn genau das ist es, was Klaus Uhltzscht – wie wohl die meisten jungen Männer – vordergründig bewegt. In seinem Elternhaus ist Sex ein Tabuthema wie vieles andere auch. Dadurch ist Klaus immer derjenige, der alles als Letzter erfährt, anfangs meist im Sommerlager. Dabei hat es Klaus nicht leicht mit seiner überfürsorglichen Mutter, die überall nur Keime und sonstige Gefahren sieht. Für seinen Vater ist er einfach ein Versager. Und so lernt Klaus schnell die selbsterfüllende Prophezeiung kennen. Er ist ein Sachenverlierer, ein Flachschwimmer, ein Nichtskönner. Als Leser hat man Mitleid mit ihm, muss aber auch immer wieder schmunzeln ob der Hindernisse, die ihm das Leben schwer machen. Er ist liebenswerter Antiheld, der naiv und unbedacht durchs Leben stolpert.

    Wir bewegen uns beim Lesen zwischen satirischer Betrachtung der Gesellschaft und Politik in der DDR und dem außergewöhnlichen Sexualleben von Klaus Uhltzscht. Dieses hat aber in keiner Weise etwas mit Erotik zu tun. Es ist wunderbar in die übrige Handlung eingebettet und sehr humorvoll beschrieben. Normalerweise kann ich mich für Romane, in denen Sex welcher Art auch immer, eine so große Rolle spielt, nicht besonders begeistern. Thomas Brussig hat aber eine ganz besondere Art, mit diesem Thema umzugehen.

    Zuweilen hätte ich mir eine etwas straffere Erzählung gewünscht, aber im Großen und Ganzen gibt es an diesem unterhaltsamen Roman nicht viel auszusetzen.

    Fazit:
    Eine herrliche Satire über das Ende der DDR mit einem wahrhaft bemitleidenswerten, aber sympathischen Helden. Der Roman wurde zum 10. Jahrestag des Mauerfalls 1999 auch verfilmt.

    ★★★★☆


    Format: E-Book
    Dateigröße: 1095 KB
    Seitenzahl der Print-Ausgabe: 336 Seiten (FISCHER Taschenbuch; Auflage: 16 (1. April 1998), ISBN-13: 978-3596133314, Preis: 8,95 €)
    Verlag: FISCHER E-Books; Auflage: 1 (6. September 2015)
    Sprache: Deutsch
    Preis: 8,99 €

  12. Cover des Buches Es geschah im Nachbarhaus (ISBN: 9783401500331)
    Willi Fährmann

    Es geschah im Nachbarhaus

     (46)
    Aktuelle Rezension von: Vespasia

    „Es geschah im Nachbarhaus“ ist ein Buch über vorschnelle Urteile, unbegründeten Hass, aber auch über Freundschaft. Hintergrund ist die Abneigung und die Hetze gegen Juden – nicht zur Zeit des zweiten Weltkrieg, sondern einige Zeit vorher. Der Autor zeigt hier, wie eins zum anderen kommt und Unschuldige plötzlich als Mörder dastehen, ohne dass es dafür irgendwelche Beweise gäbe, welcher Druck auf allen Betroffenen lastet und wie Menschen für den Hass zu schaden kommen und schlimmstenfalls sogar sterben müssen.

    Der Fokus liegt nicht auf dem Mord an dem Kind, der den Ereignissen vorausgeht. Krimielemente, bei denen nach dem Mörder gefahndet wird und dieser durch eine spannende und komplizierte Verwicklung enttarnt wird, gibt es in diesem Buch nicht. Es geht um soziale Verhältnisse, wie aus Nachbarn Feinde werden und wie schwer es ist, unter schlimmen Bedingungen eine Freundschaft zu erhalten – aber es zeigt auch, wie notwendig Freunde sind, die in harten Zeiten zu einem stehen.

    Das Buch behandelt hier ein sehr wichtiges Thema, ist für jüngere Leser verständlich, aber auch für ältere auf jeden Fall lesenswert. Das Buch hat viele starke Szenen, bei denen man nicht nur mitfühlen kann, sondern auch eine Menge Raum für Überlegungen bleibt, wie man sich in solchen Situationen verhalten sollte und wohin Ausgrenzung und Hass uns letztendlich führen. Auch das Ende möchte ich hier nochmal als sehr gelungen hervorheben, durch das Ende wird der Kreis letztendlich geschlossen, wodurch dieses Buch zu den Büchern gehört, die ich so schnell nicht vergessen werde und die ich in einigen Jahren sicher nochmal lesen werde.

    Fazit: Hass und Ausgrenzung – kein leichtes Thema, viele starke Szenen in denen deutlich wird, wie schlimm Vorurteile sein können und wie wichtig es ist, für andere einzustehen. Absolut lesenswert.

  13. Cover des Buches Grafeneck (ISBN: 9783442471188)
    Rainer Gross

    Grafeneck

     (30)
    Aktuelle Rezension von: Christinagirl

    Herman Mauser ist Grundschulehrer in Buttenhausden in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb. Er ist 61 und seit 30 Jahren Lehrer. Da er gerne Nachforschungen betreibt, findet er durch Zufall eine Leiche in einer Hölle. Soe wie es aussieht wurde der Mann schon in der Nazizeit umgebracht. Durch diese Leiche kommen alte Erinnerungen von seinem Vater hoch, der damals Polizit war. Auch die Pistole, die er von seinem Vater bekommen hat, hat etwas mit dem Mord von damals zu tun....

    Finde das Buch mittelmässig

  14. Cover des Buches Der Reisende (ISBN: 9783608981544)
    Ulrich Alexander Boschwitz

    Der Reisende

     (129)
    Aktuelle Rezension von: luisa_loves_literature

    Der Reisende ist ein sehr besonderes Buch. Sicher ist man mit der grundlegenden Thematik vertraut, hat auch schon zahlreiche Romane und Sachbücher dazu gelesen, aber hier wird das Schicksal der jüdischen Bevölkerung im Dritten Reich auf eine ungewohnte, unmittelbare und äußerst intensive Ebene gehoben, die erschütternd ist und einen zusammen mit dem Protagonisten Otto Silbermann verzweifeln lässt: am System, an dem Land, das man Heimat nannte, an der Realität, an der Vergangenheit, an den anderen Menschen und vor allem auch an sich selbst.

    Zusammen mit Otto Silbermann begibt sich der Leser auf eine Reise/Flucht ohne Ziel durch Deutschland, immer in der Hoffnung möglichst lange unerkannt, unauffällig und unentdeckt zu bleiben. Dabei beobachtet der Leser Silbermann und Silbermann sich selbst und beide entdecken dabei zutiefst menschliche, oftmals auch wenig sympathische Aspekte des Charakters – selten sind so authentische und gründliche Innensichten erfolgt. Die Blicke in das Ich gelingen so hervorragend, weil Ottos Austausch mit anderen Menschen nur noch zufälliger Art ist. Es handelt sich um Reisebekanntschaften, ansonsten aber ist er mit sich und seinen Gedanken allein. Besonders eindrücklich wird die Erfahrung transportiert, nicht erwünscht zu sein, nirgendwo und von niemandem: weder im eigenen Land noch im Ausland. Verquickt hiermit ist die Einsicht, dass egal, wie weit oder wohin man fährt, es kein Entkommen geben wird – eine bedrückende und im wahrsten Sinne des Wortes irrsinnige Erkenntnis.

    Ulrich Alexander Boschwitz Roman ist ein lesenswertes und wichtiges Buch, das ich mir auch sehr gut als Schullektüre vorstellen könnte – es ist zugleich Zeitzeugnis und aktueller Kommentar.

  15. Cover des Buches »Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne« (ISBN: 9783835306363)
    Friedrich Kellner

    »Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne«

     (3)
    Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzick
    Als im Jahr 1995, 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unter dem Titel „Ich will Zeugnis ablegen bis zuletzt“, die Tagebücher Victor Klemperers erschienen, das war die Rezeption gewaltig. Der jüdische Romanist Victor Klemperer, Gelehrter von Weltruf, blieb, weil seine Auswanderungspläne scheiterten, in Nazi-Deutschland. Sein Überleben verdankte er der nichtjüdischen Ehefrau. "Für die Zeit danach" hielt er seinen Alltag fest, schrieb auf, was er sah und hörte: Gerüchte, Witze, Frontnachrichten. Immer erbärmlicher wurden die Bedingungen, unter denen er seiner Chronistenpflicht nachkam: Er litt an der zunehmenden Vereinsamung, an Hunger, an dem entwürdigenden Dasein im Judenhaus, aus dem ein Mitbewohner nach dem anderen verschwand. Nun legt der Wallstein Verlag die Tagebücher des Laubacher Justizinspektors Friedrich Kellner (1885-1970) vor, eines „ganz normalen Deutschen“, der als Geschäftstellenleiter des Amtsgerichts der oberhessischen Kleinstadt arbeitete, Mitglied der SPD und des Karnevalsvereins war. Zwischen 1939 und 1945 führte dieser Mann Tagebuch. Auch sein Ziel war es, Zeugnis abzulegen über das, was in Deutschland vor sich ging. Reflexionen über scheinbar kleine Veränderungen im Alltag wechseln sich immer wieder ab mit kommentierten Zeitungsausschnitten. Das Tagebuch, das Kellner nie für eine Veröffentlichung vorgesehen hatte, auch nach dem Krieg nicht, wanderte in den 60 er Jahren als Geschenk zu einem Enkel Kellners in die USA. Dort war es später Teil einer Ausstellung, über die der Spiegel kurz berichtete. Sascha Feuchert und andere Wissenschaftler aus Gießen lasen diesen Bericht und begannen nachzuforschen. Sie entdeckten den bislang fehlenden zehnten Band der Tagebücher und haben nun eine vollständige Ausgabe des Konvoluts ediert. Das große Weltgeschehen trifft hier mehr noch als bei Klemperer auf die Alltagsgeschichte in Laubach während des Dritten Reiches. Und natürlich geht es immer wieder auch darum, was die Deutschen von all den furchtbaren Vorgängen gewusst haben und ab wann. Kellners Werk ist ein wichtiges zeithistorisches Dokument und kann in seiner Bedeutung durchaus mit Klemperers „Ich will Zeugnis ablegen bis zuletzt“ verglichen werden.
  16. Cover des Buches Der letzte Überlebende (ISBN: 9783534273317)
    Sam Pivnik

    Der letzte Überlebende

     (103)
    Aktuelle Rezension von: Lesemaus23
    Es fällt mir in diesem Fall sehr schwer, eine Rezension zu schreiben. Das Buch lässt mich fassungs- und sprachlos zurück. Jedes Wort, das ich dazu schreibe, kann nur banal und angesichts des Themas viel zu harmlos klingen. Die von Sam Pivnik, einem in Polen aufgewachsenen Juden, geschilderten Ereignisse haben mir so manches Mal die Tränen in die Augen getrieben. Was für Monster waren die deutschen Nazis und ihre Helfershelfer! Heutige Generationen, für die die zwei Weltkriege schon in weiter Entfernung liegen, können sich das Ausmaß des Grauens der Nazi-Herrschaft für die Juden wohl nur ansatzweise vorstellen. So viele Millionen Menschen, die wegen einer völlig irrsinnigen Ideologie umgebracht wurden. Dass es tatsächlich Holocaustleugner gibt, ist einfach unglaublich. 

    Die tragische Lebensgeschichte von Sam Pivnik, die auch positive Erinnerungen vor der Besetzung Polens durch die Deutschen nicht ausspart, aber vor allem über die Zeit im KZ Auschwitz-Birkenau, das Lager Fürstengrube, die Todesmärsche und den Untergang der Cap Arcona in der Lübecker Bucht informiert, wurde von einem Ghostwriter, dem Historiker Mei Trow, verfasst. Anhand von Tonbandaufnahmen von Sam Pivnik und sorgfältig recherchierten weiterführenden Details über die verschiedenen Konzentrationslager etc., entstand ein gut zu lesender, erschütternder Einblick in die damaligen Zustände. Einzelne Schicksale werden ebenso gestreift, wie auch allgemeine Daten genannt. Viele Dinge waren mir neu, wie z.B. die Masse an Tötungsarten, die sich die Nazis für die Juden und politischen Gefangenen einfallen ließen. Oder dass inhaftierte Verbrecher eingesetzt wurden, um zum Teil die Drecksarbeit zu übernehmen.

    Einen Augenzeugenbericht zu verfolgen, ist etwas ganz anderes als ein Sachbuch zu lesen. Ich halte das Buch für einen sehr wichtigen Beitrag zum Thema Holocaust. Er ergänzt andere Lebensberichte um bedeutende Details. Den Untergang der Cap Arcona hat Mr. Pivnik ebenfalls persönlich erlebt und trägt seine eigene Einschätzung zu den Geschehnissen vor, die ich sehr interessant fand. Gern hätte ich gewusst, warum Sam Pivnik nicht in Israel geblieben ist, aber er hat das Recht, seine Gründe für sich zu behalten. Genau wie er verstehe ich bis heute nicht, warum so viele direkt an den Verbrechen Beteiligte laufen gelassen wurden. Die Gründe dafür sind vielfältig und keineswegs ehrenhaft. Unter anderem gab es Leute, die das Morden und Quälen unschuldiger Menschen mit reiner Befehlsgewalt entschuldigten. Viele leugneten auch einfach ihre Taten, die ihnen oft nicht eindeutig nachgewiesen werden konnten. Zu viele Zeugen waren tot und Beweise rechtzeitig vernichtet worden.

    Besonders erschreckend fand ich die Gleichgültigkeit der Täter gegenüber den hilflosen, total verängstigten Kindern, die sie grausam umbrachten. Zuhause kümmerten sich diese Bestien dann liebevoll um die eigenen Kinder. Da fehlen einem die Worte. Auch die freudige Bereitwilligkeit, mit der einige SS-Leute und Kapos ihre menschenverachtenden Befehle ausführten, lässt einen normal gearteten Menschen schaudern. Ich wünsche mir für die heutige Zeit, dass gerade junge Menschen sich kritisch mit Massenideologien auseinandersetzen, sich vielfältig und umfangreich informieren, eigene Erfahrungen mit Menschen anderer Glaubensrichtungen und Nationalitäten sammeln und einen gesunden Menschenverstand ausbilden. Ich bin dankbar, dass das Buch „Der letzte Überlebende“ auch ins Deutsche übersetzt wurde und finde es absolut empfehlenswert. Ein großes Dankeschön an Mr. Pivnik!

  17. Cover des Buches Ich war Hitlerjunge Salomon (ISBN: 9783453606012)
    Sally Perel

    Ich war Hitlerjunge Salomon

     (103)
    Aktuelle Rezension von: Miss_Naseweis

    Seitdem habe ich mit vielen Menschen geredet, diskutiert und auch gestritten. Und ich werde das weiter tun, denn es ist die beste Möglichkeit, unser Gedächtnis lebendig zu halten. Und unser Gedächtnis ist das wirkungsvollste Bollwerk gegen die braune Gefahr.“

    Dieses Buch in einer Zeit zu lesen, in der ein Mitglied einer der populärsten Parteien Deutschlands den Holocaust als „Vogelschiss in der Geschichte bezeichnet“, ist besonders bitter und zeigt, dass es mit dem Gedächtnis der Deutschen nicht weit her ist. Dieses Buch ist sehr eindrücklich geschrieben und als ich es schließlich durchgelesen hatte, hatte ich einen enormen Kloß im Hals. Jahrelang mit den potentiellen Mördern Seite an Seite zu leben und jeden Tag Gefahr zu laufen entdeckt zu werden und dann von einer Minute auf die andere von den eigenen Freunden umgebracht zu werden ist so schrecklich, dass ich es mir nicht vorstellen kann. Auch der Verlust des Großteils seiner Familie tat mir als Familienmenschen in der Seele weh. Sally Perel stellt in seiner Biographie die Arroganz der Nazis, die erfolgreiche Indoktrinierung der Jugend, das bereitwillige Wegsehen der Bevölkerung und die Wahnwitzigkeit der Rassenlehre sehr plastisch und dadurch umso erschreckender dar.

  18. Cover des Buches Die enge Welt der kleinen Leute (ISBN: 9783901190933)
    Hans Rotter

    Die enge Welt der kleinen Leute

     (1)
    Aktuelle Rezension von: wauzele
    Ein Zeitzeugenbuch eines Wieners, der den zweiten Weltkrieg miterlebt hat. Aber anders als andere Zeitzeugenbücher. Hier geht es mehr um das Verhalten der "kleinen Leute" nicht unbedingt um das Leid, das Hans Rotter erlebt hat (obwohl in einer Episode auch dies erwähnt wird). In kurzen Episoden wird also erzählt, wie sich die Menschen in Rotters Umgebung zu Hitler, Deutschland, dem Krieg und ihren Mitmenschen verhalten. Einige sehen die Möglichkeit groß rauszukommen und nutzen sie, auch auf Kosten von anderen. Andere versuchen unauffällig weiterzuleben. Wieder andere werden nie mehr gesehen. Ein packendes Buch, das tiefer geht.
  19. Cover des Buches Kein menschlicher Makel: Weder gestern noch heute (ISBN: B075KBC75W)
    Ellinor Wohlfeil

    Kein menschlicher Makel: Weder gestern noch heute

     (7)
    Aktuelle Rezension von: WriteReadPassion

    Klappentext:
    "Kein menschlicher Makel" von Ellinor Wohlfeil ist eine Geschichte, welche an Toleranz und Menschlichkeit plädoyiert.
    Die Protagonistin Ruth wächst als Halbjüdin im nationalsozialistischen Deutschland auf. Als solche erfährt sie viel Hass und Ausgrenzung. Alles, was sie möchte, ist dazugehören. Sie gibt nicht auf und kämpft sich durch alle Widrigkeiten während der Schulzeit, ihrer Ausbildung und auch später im Berufsleben.


    Diese Geschichte hebt sich von anderer Literatur ab, welche die nationalsozialistische Zeit behandelt. Geht es doch auch um die Frage, wie bedeutend es ist, unsere Identität zu finden. Das Hörbuch wurde hochqualitativ und liebevoll umgesetzt. Die klanglichen Untermalungen lassen eine intensive Atmosphäre entstehen. Schnitt und Audio-Bearbeitung, sowie Sound-Engineering wurde von Barbeq-Sound durchgeführt.

     

    Die Autorin:

    Ellinor Wohlfeil

    Ich bin 1925 geboren. Meine Kindheit war überschattet von der Nazidiktatur und dem zweiten Weltkrieg. Seit 1950 lebe ich in Düsseldorf. 1952 habe ich geheiratet. Wir bekamen zwei Söhne. Ab 1965 wurde ich auf dem zweiten Bildungsweg Grundschullehrerin und war bis 1985 im Schuldienst des Landes NRW tätg. Nach meiner Pensionierung begann ich zu schreiben. Zwei Erzählungen und zwei Romane habe ich veröffentlicht. Kurzprosa und Gedichte von mir wurden in Anthologien publiziert. In vielen öffentlichen Lesungen habe ich versucht, meine Bücher bekannt zu machen.

     

    Die Sprecherin:
    Birgit Arnold
    Ich wuchs als jüngstes dreier Geschwister als Tochter von Gastronomen am Starnberger See auf. Während meiner Studienzeit verbrachte ich einige Jahre in Mannheim. Danach war ich lange im Finanzbereich tätig. Bis ich eines Tages aufwachte und mir überlegte, welchen Sinn es macht, irgendwelche Zahlen in Reports zu bauen und so schönzureden, dass sie den Investoren gefallen.


    Der Entschluss stand fest: Ich baue mein Hobby aus und versuche, mich damit selbständig zu machen. Bereits einige Jahre vorher hatte ich nebenbei eine Ausbildung zur Sprecherin und Synchronsprecherin absolviert, welche ich durch diverse Kurse vertieft habe. Außerdem stand ich seit meiner Jugend mit verschiedenen Bands als Sängerin auf der Bühne. Und das Unglaubliche geschah: die Aufträge mehrten sich, und ich konnte (und kann) tatsächlich davon leben. Viele nennen es Glück. Ich muss allerdings sagen, es hat eher mit viel Planung und harter Arbeit zu tun. Aber es ist die wunderbarste Arbeit, die ich mir vorstellen kann. Und nun habe ich schlichtweg einen weiteren Schritt gewagt, und mein erstes Buch geschrieben. Die beiden nächsten sind bereits im Begriff zu entstehen. Ich habe nicht vor, dies zu meinem Beruf zu machen. Es ist ein Hobby, das Spaß macht, das auch befreit, und das mir manch seltsame Gedankengänge meines Gehirns aufzeigt.

     

     

    Bewertung:
    Das Cover des Hörbuchs ist mit dem wunderbarem Foto bestickt, das melanchonisch in schwarz-weiß gesetzt wurde. Einfach wunderschön und passend zu der Autobiografie der Autorin Ellinor Wohlfeil.


    Sobald ich das Hörbuch anmachte, erklang die beruhigende Stimme der Sprecherin Birgit Arnold im Raum. Wunderbar klar und sanft, ohne einzuschläfern, erzählt sie von Ruth, die im nationalsozialistischem Deutschland aufwächst und sich als Kind Anfeindungen entgegensetzen muss. Der Sprecherin gelingt es, verschiedene Tonhöhen den Figuren entsprechend zu setzen und gibt diese überzeugend wieder.


    Die Geschichte wird sehr lebhaft erzählt, sodass ich wirklich das Gefühl hatte, neben Ruth zu stehen oder zeitweise eine Freundin von ihr zu sein, der sie sich anvertraut. Besonders die Beziehung zu ihrer Mutter steht im Mittelpunkt, neben all dem Grauen.
    Ich hätte auch noch mehrere Stunden zusätzlich zuhören können; wenn es nicht dieses traurige Thema wäre, könnte man es als Wellness-Hörbuch nutzen. 😁


    Fazit:
    Für mich rundum überzeugend und realistisch umgesetzt. Eine beruhigende und klare Stimme, die einer anderen eine Stimme gibt. Trotz allem erdrückt die Geschichte einen nicht vor lauter Schwermut, sondern regt zum Nachdenken an. Eine gelungene Umsetzung über ein Thema, das auch für Jugendliche verständlich gemacht wurde.

     



    Rezension: 


    Rezi bei Weltbild wird geprüft

    https://www.thalia.de/shop/home/rezensent/

    https://www.buecher.de/go/my_my/my_ratings/

    https://www.buechertreff.de/forum/thread/101639-ellinor-wohlfeil-kein-menschlicher-makel-weder-gestern-noch-heute/#post2229233

    https://www.lesejury.de/ellinor-wohlfeil/buecher/kein-menschlicher-makel/9783944343440?st=1&tab=reviews&s=2#reviews

    https://www.facebook.com/pg/KeinMenschlicherMakel/posts/?ref=page_internal

    Mein Blog (noch im Aufbau):

    https://writereadpassion.jimdo.com/rezensionen/biografien/



  20. Cover des Buches Des Teufels Werkstatt (ISBN: 9783938045237)
    Adolf Burger

    Des Teufels Werkstatt

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Schwendele

    Der Slowake Adolf Burger erzählt seine Erlebnisse als jüdischer Gefangener und Insasse in verschiedenen Lagern der Nazis im 2. Weltkrieg. Selten habe ich detailliertere Schilderungen eines betroffenen gelesen. Der Autor schildert schonungslos Vorgänge, die einen immer wieder sprachlos machen.

    Die Ankunft im Lager, die Selektion, das Töten. Die unmenschliche Maschinerie, welche die Nazis erdacht haben, um die Gefangenen zu entmenschlichen macht einen fassungslos. Und stellenweise, musste ich das Buch weglegen. Und das nicht in dem Sinne, dass der Schreibstil hier den Ausschlag gegeben hätte. Vielmehr wurde einem bei den Schilderungen des Autors schlicht und ergreifend schlecht.

    Unglaublich, was Menschen an anderen Menschen für Greueltaten verüben können. Und ebenso unglaublich, dass ein Mensch der so etwas erleben musste, in ein „normales„ Leben zurückfinden kann. Der Autor fasst dies am Ende des Buches selbst zusammen. Vermutlich war seine Bestimmung, anderen von diesen Vorkommnissen zu erzählen.

  21. Cover des Buches „Meine Erlebnisse in dem furchtbaren Weltkriege 1914–1918“ (ISBN: 9783218010283)
    Franz Arneitz

    „Meine Erlebnisse in dem furchtbaren Weltkriege 1914–1918“

     (18)
    Aktuelle Rezension von: Mauela
    Der 21-jährige Franz wird 1914 zum Kriegsdienst in der k.u.k. Armee berufen. Die folgenden vier Jahre wird er an der Front kämpfen und führt dabei ein Tagebuch des einfachen Soldaten.

    In dem Roman „Meine Erlebnisse in dem furchtbaren Weltkrieg 1914-1918“ wird die wahre Geschichte des Frontsoldaten Franz Arneitz in Form von Tagebucheinträgen erzählt. Franz ist noch jung, als er in den Krieg ziehen muss. Und trotzdem beschreibt er den Schrecken des Krieges, die Entbehrungen der Bevölkerung und die schlimmen Tage als Soldat eindringlich und ohne sie zu beschönigen. Die anfänglich verhaltene Kritik an der Kriegssituation entwickelt sich im Laufe der Zeit zu klareren Worten und trotz aller schrecklichen Erlebnisse scheint Franz seine Menschlichkeit nicht zu verlieren.

    Besonders schön ist trotz des traurigen Themas, dass dem Roman einige persönliche Fotos und Dokument beigefügt wurden. Damit wird für mich die Person Franz greifbarer. Auch das Kartenmaterial und die Zeittafel, die am Ende eingefügt sind, fand ich hilfreich um mich zeitlich und örtlich besser zu Recht zu finden.

    Ein interessantes, unverfälschtes Zeitzeugnis für geschichtsinteressierte Leser. 
  22. Cover des Buches »Neger, Neger, Schornsteinfeger!« (ISBN: 9783104002996)
    Hans J. Massaquoi

    »Neger, Neger, Schornsteinfeger!«

     (178)
    Aktuelle Rezension von: Armillee

    Ich bin als Hamburgerin besonders an Geschichten aus meiner Stadt interessiert. Dieses Buch hat meine Tochter mir geliehen, denn in der Schule haben die Kinder mit dieser Geschichte von Hans Jürgen - einem farbigen Kind im Nazi-Deutschland - gearbeitet.

    Sie war schockiert über den Besuch im Hagenbecks Tierpark, als dort noch Menschenrassen von fernen Kontinenten ausgestellt waren und ähnlich wie die Tiere gehalten wurden. Darüber habe ich schon einige Dokus im Fernsehen angeschaut.

    Und ich - die ich mich viel mit unserer Geschichte vom 1. und 2. Weltkrieg befasst habe - war unglaublich betroffen über eine Szene, die Hans Jürgen von seiner Arbeitsstelle als Schlosser aus dem Fenster beobachtete : an einem bitterkalten Wintertag in Harburg sah er hinüber zu den Elbbrücken. Eine seltsame Prozession von überwiegend jungen Frauen waren flankiert von SS-Männern und bewegten sich langsam in seine Richtung. Die Frauen hatten den gelben Davidstern an ihrer notdürftigen Kleidung haften und die Wachen beobachteten sie und die Passanten mit strengen Gesichtern. Die Frauen mussten mit schweren Besen und Schaufeln die Strasse fegen. Weder Mütze noch Schal dabei, keine Handschuhe. Sie verrichteten die Arbeit mit ausdruckslosen und leeren Gesichtern.

    Was für eine Zeit. !

    Eigentlich wollte ich nur die Zeit in Hamburg lesen, aber seine Geschichte war so gut und flüssig geschrieben, dass ich auch noch dabei war, als Hans Jürgen nach Liberia zu seinem Vater reiste, dann nach Nigeria und später nach Amerika auswanderte.

    Ich war bis zum Ende angetan von seinem Leben.

    Es gibt so viele Dokumentationen von Juden, Soldaten und Zeitzeugen. Das Buch hier hat nochmal eine etwas andere Sicht auf die Dinge.

    Und eines ist mal klar : Hans Jürgen sein Schutzengel hatte alle Hände voll zu tun. Er hatte sehr viel Glück, um das alles (fast) unbeschadet zu überstehen.

    Am Ende ist mir noch eines klar geworden : Rassismus gibt es überall auf der Welt. Egal wohin sich Hans Jürgen auch wandte , es werden immer Unterschiede gemacht. Überall auf der Welt.

    In der Mitte des Buches sind sehr viele Fotos aus dem Leben von Hans Jürgen. Angefangen mit dem Großvater Momolu - König der Vaj. Und es endet mit Hans Jürgen und seinen beiden erwachsenen Söhnen.


    Danke für diese Geschichte !

  23. Cover des Buches Stube und Küche (ISBN: 9783359004783)
    John Stave

    Stube und Küche

     (4)
    Aktuelle Rezension von: avalon
    Berlin, ick liebe dir ! In kleinen Geschichten zeigt John Stave uns anhand des Hauses seiner Geburt im Berliner Stadtteil Friedrichshain eine Zeitreise durch das Berlin der goldenen Zwanziger bis in die heutige Zeit auf. Er bringt uns den Zeitgeist mit kleinsten Details näher, ohne groß auszuschweifen und drumherum zu reden. Ich hab mich schon oft gefragt, wer vor mir in den Wänden meiner Wohnung gelebt hat und was diese Wände alles schon gesehen haben und Herr Stave gab mir mit seinem Buch einen kleinen Wink, wie es gewesen sein könnte. Seine autobiographischen Erinnerungen haben mir als Berliner Kind eine Stadt gezeigt, in der man auch als kleiner "Mann" ein großes und erfülltes Leben in Symbiose mit seiner Stadt erfahren kann.
  24. Cover des Buches Ein Leben haben (ISBN: 9783936103526)
    Karin Manke

    Ein Leben haben

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Angelika16


    „Ich wusste nie, wer ich wirklich war“, sinniert die heutige Karin Manke-Hengsbach, wenn sie von ihren Kinder- und Jugendjahren in der Stadt Erfurt erzählt. 1946 geboren führt sie uns in eine Umgebung, in der eine gewisse Erziehungsstraffheit offenbar in diversen Facetten der westlichen ähnelte. Hinzu kam jedoch die Ausrichtung in eine sozialistische Gesellschaft, die nach dem Zusammenbruch des dritten Reichs in Ostdeutschland als neues – wiederum übergestülptes – Ideal und Hochziel vermittelt wurde.

    Auf beiden Seiten Deutschlands die vielleicht noch preußisch tradierte Strenge der 50-er und 60-er Jahre, Erziehungsgrundsätze, die richtig von falsch trennen, wenig Widerworte zulassen und nicht allzu viele Zwischentöne enthalten. Das machte es auch den Eltern der Autorin schwer, die in zwei Diktaturen und einem Weltkrieg nicht viel Möglichkeit gehabt hatten, eigene Ziele zu entwickeln, geschweige denn ihnen zu folgen

    Behutsam schildert die Autorin ihre ersten Thüringer Kinderjahre, in welchen vor allem der Vater sich durchaus liebevoll mit den Kindern beschäftigt. Später, als die Eltern bemerken,  dass ihr Kind etwas ‚anders‘ ist, gibt es häufig  Prügel, auch Unverständnis für scheinbar Harmloses. Das Tagebuch wird verbrannt. Manche Feinheiten sind nur zu erahnen. Sie werden so belastend, dass Karin im Alter von erst 14 Jahren ausreißt und zu Fuß zu den geduldigen Großeltern läuft. Dort wird sie in freier Luft groß und kann in den kommenden Jahren sein, wie sie möchte. 

    Karin, die Jugendliche, beginnt, ihre Schicksalsfäden in die Hand zu nehmen, zunächst vielleicht unbewusst. Sie erlebt die Magie der Bücher, auch der Bildung, entwickelt sich aus vielem heraus.

    Später wird sie Buchhändlerin und Bibliothekarin, doch der Weg dahin bleibt nicht leicht. Glücklicherweise gibt es besondere Menschen, meist  ältere, die ihr zur Seite stehen und sie ermutigen. Doch gehört dazu auch der junge Germanistikstudent Camara, der später in seine afrikanische Heimat zurückkehren wird. Mit ihm kann sie sich in vielen Gedanken zum Leben und literarisch austauschen. Sie empfehlen sich Bücher.

    Camara besitzt nur einen Makel in Erfurt, er ist schwarz.

    Als Karin ein Kind von ihm bekommt, steht nicht nur die Verwandtschaft Kopf, sondern auch die Vielzahl der kleinstädtischen Bürger von Erfurt, auch wenn die Großeltern weiterhin zu ihr halten.    Camara erkennt sein Kind sofort an und kommt zu Besuchen. Einen Ausweg angesichts der auch finanziell schwierigen Lage – Karin muss arbeiten und das Kind schweren Herzens in einem Heim lassen – finden die jungen Leute in der damaligen Zeitenenge nicht.

     Das junge Mädchen Karin, das wenig an kindlichem Urvertrauen ausgebildet hat, sucht Liebe. Sie gerät schließlich in den Sog einer neuen Männerbekanntschaft. Ein Mann, der gut zu ihr ist und sie zunächst auch mit dem Mischlingskind heiraten möchte, macht ihr Eindruck, auch wenn die Liebe nicht groß ist.  Später wird er sich als liebevoller Vater für zwei weitere Kinder erweisen. Ihre literarischen Interessen jedoch teilt er nicht. Karin muss lügen, wie so oft, nur weil sie ein neues Buch gekauft hat.

    Als sie geheiratet haben, lehnt der Mann plötzlich ab, das Mischlingskind in die Familie zu holen. Karin gehört jetzt zu ihm, ein weiteres Mal werden Briefe und ihre Tagebücher verbrannt. Karin schaut dem äußeren Auslöschen zu. Erinnerungen kann man zum Glück nicht verbrennen. 

     Hätte sie damals Camara heiraten sollen? Erst in der heutigen Zeit würde das einfacher sein. Stattdessen sagt sie ja zu einer Ehe mit einem Menschen, der ihr in vielem  fremd bleibt.  Sie bekommt zwei weitere Kinder, ist nun  ‚versorgt‘. Bitter bemerkt sie, dass die Verwandtschaft beider Seiten sich nun auf die Enkel stürzt – besitzen sie doch sie die richtige ‚Farbe‘. Sie muss an jedem Wochenende Familienbesuche ertragen, dazu häufig alkoholisiert.

    Bis das junge Paar sich zu einem Umzug entschließt und Erfurt verlässt.

     Das dunkelfarbige Kind aber? Das musste Karin Manke, unter dem Druck der Familienverhältnisse und des Jugendamtes einer sozialistisch ‚rein‘ gewünschten Gesellschaft, irgendwann abgeben. Sie hatte in all‘ diesen Umständen nicht die Kraft, die Unterschrift zur Adoption zu verweigern.

     Die ersten 30 geschilderten Lebensjahre machen neugierig auf mehr, zumal die heutige Autorin und Verlegerin Karin Manke-Hengsbach eine sehr eigenständige Frau geworden ist, die ihren Weg schließlich frei gegangen ist. Feinfühlig und um große Ehrlichkeit bemüht, erzählt sie in anrührender Sprache und eruiert nicht nur  die Zeitumstände, sondern versucht auch, ihnen einiges zu verzeihen.

     

    Angelika Zöllner

     

     

     

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