Bücher mit dem Tag "zensur"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "zensur" gekennzeichnet haben.

106 Bücher

  1. Cover des Buches 1984 (ISBN: 9783548234106)
    George Orwell

    1984

     (3.896)
    Aktuelle Rezension von: Mira123

    Dieses Buch war das einzige, das jeder einzelne Mensch kannte, dem ich von meinem Bachelorprojekt erzählte. Lange habe ich versucht, allen Betroffenen genau zu erklären, was ich denn meine, wenn ich von Dystopien spreche. Irgendwann sah die Erklärung dann so aus: "Du weißt schon... wie 1984 von Orwell..." Dann wusste nämlich immer jeder, um was es ging.

    In "1984" geht es um Winston Smith, der im Ministry of Truth arbeitet und dort den lieben langen Tag damit verbringt, Zeitungsartikel für die Regierung "zu korrigieren", also zu fälschen. Er lebt im Jahr 1984 was aus Orwells Sicht die Zukunft war. Und diese Zukunft hat es in sich! Die Partei Big Brothers ist an der Macht, es gibt keinerlei Privatsphäre und Gedanken können tödlich sein. Das meine ich ernst: Es gibt eine Gedankenpolizei und Gedankenverbrechen. Jeder Mensch wird durchgehend überwacht, entweder vom sogenannten Telescreen oder von seinen Mitmenschen. Verdammt gruselig, wenn ihr mich fragt! Durch Winston tauchen wir sehr tief in diese Welt ein und es ist echt nicht ohne.

    Ich war überrascht, wie "modern" dieser Roman geschrieben ist. Klar, er ist "nur" aus 1948, aber ich kenne auch Klassiker aus den 1970ern, die für mich nur mit viel Anstrengung lesbar sind. Das hier las sich als wäre es erst gestern erschienen. Ich musste mich immer wieder dazu zwingen, nicht in diesem Roman zu versinken. Immerhin musste ich für meine Arbeit ja auch den Ausdruck und so analysieren und konnte den Text nicht einfach verschlingen. Ich habe mir aber schon geschworen, dass ich dieses Buch in ein paar Jahren nochmal lesen werde. Nur für mich, ohne den Druck, es wissenschaftlich zu betrachten.

    Mein Fazit? Wenn ihr Dystopien mögt, müsst ihr diesen Roman gelesen haben!

  2. Cover des Buches Die Rebellion der Maddie Freeman (ISBN: 9783843210409)
    Katie Kacvinsky

    Die Rebellion der Maddie Freeman

     (1.231)
    Aktuelle Rezension von: Lisa_Papyrus

    Unsere Hauptfigur ist wie schon oben und im Titel genannt, Maddie Freeman. Schon rein durch die Inhaltsangabe auf der Buchrückseite wissen wir schon super viel über unsere Protagonistin. Eigentlich kennen wir schon ihre ganze Welt. Denn Maddie lebt nur in der digitalen Welt, doch niemand kennt sie wirklich, online hat sie verschiedene Name und teilweise weiß ein nicht einmal ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelt, so gut ist Maddie darin ihre wahre Identität zu verstecken. Das alles macht sie nicht wirklich schnell, schon in den ersten Kapiteln bekommen wir, als Leser, einen ziemlich guten Eindruck von den Verhältnissen zwischen der Protagonistin und ihren Eltern. Zu einen ist da ihre Mutter, Jane Freeman, sie steht zu Maddie und versucht sie auf ihre Weise zu schützen. Zum anderen ist da ihr Vater, Kevin Freeman. Er ist einer der einflussreichsten Menschen der USA und nicht besonders gut auf seine Tochter zu sprechen. Das Verhältnis der beiden ist, um es milde zu sagen, angespannt. Das hängt hauptsächlich von den unterschiedlichen Denkweisen und Weltbildern der beiden. Kevin Freeman steht mit Herz und Seele hinter der Idee und den Grundsätzen der Digital School, was kaum verwunderlich ist, da er diese mit entwickelt und konstruiert hat. Die beiden Elternteile finde ich von der Persönlichkeit sehr unterschiedlich. Kevin ist stur und hat gern die Kontrolle über seine Umwelt, und damit auch über die Menschen in seinem Umfeld. Vielleicht war er nicht immer so, allerdings kann ich mir vorstellen, dass er durch seine Arbeit an der Digital School und davor als Staatsanwalt (oder Anwalt, bin mir nicht hundert Prozent sicher und finde die entsprechende Buchpassage nicht), jedenfalls sind das Beruf in denen man einen starken Charakter braucht. Außerdem findet er technologische Neuerungen gut und findet eine digitale Welt für am sichersten, nicht nur für seine Kinder, sondern auch für alle anderen Kinder. Maddies Mutter ist da eher das Gegenteil davon, sie hat eine ruhige Art und mir kommt sie besonnen vor. Sie sucht nicht die Konfrontation, sondern Kompromisse, mit denen alle etwas anfangen können. Mir kommt sie allerdings teilweise etwas zu passiv vor. Im Gegensatz zu ihrem Mann schwelgt sie gerne in alten Zeiten, sie lässt sich Prospekte auf Kunststoff drucken (Papier gibt es in dieser Zukunft nicht mehr, es gibt auch fast keine Bäume mehr), außerdem hat sie alte Bücher aus ihrer Jugend behalten und verschenkt diese nach und nach an ihre Tochter. So viel zu Maddies Familie. Sie hat zwar noch einen älteren Bruder, der Joe Freeman, allerdings spielt er erst im letzten Fünftel des Buches eine Rolle, deshalb möchte ich hier noch nichts zu ihm schreiben. Nun zu den Personen, die später zu Maddies Freunden werden. Zuerst die wichtigste Person, Justin Solvis. Justin ist 20 Jahre alt und hauptberuflich Aktivist gegen die Digital School. Die beiden lernen sich über eine Nachhilfeplattform kennengelernt. Er hatte nicht mit einem Mädchen gerechnet, doch ob Junge oder Mädchen ist ihm eigentlich ziemlich egal. Denn sie hat etwas geschafft, was er am liebsten selbst geschafft hätte. Justin bewundert Maddie dafür und hat sie jahrelang gesucht, um sie voll und ganz für seine Sache zu gewinnen. Schnell merken wir als Leser, dass die Welt für ihn viel zu technologisch und nicht mehr menschlich ist. Für ihn sollte Technik nicht einschränkend oder einengend sein. Er möchte vereinfacht gesagt, dass die Menschen so leben wie wir es heute tun. Vielleicht mit ein bisschen fortgeschrittener Technologie. Was ich aus heutiger Sicht durchaus nachvollziehen kann, wer möchten schon den ganzen Tag in seinem Zimmer sitzen und seinen eigenen perfekten Avatar sehen. Das sind im Großen und Ganzen unsere Hauptfiguren, es tauchen natürlich noch einige Nebencharaktere auf, die möchte ich hier aber nicht ganz so detailliert darstellen. Das Lesen soll ja trotz dieser Rezession spannend bleiben.

    Nun möchte ich ein paar Worte zur Handlung verlieren. Die Handlung ist rund, soll viel kann ich sagen. Auch wenn das Buch eine jüngere Zielgruppe anspricht, macht es auch mit 23 Spaß in Maddies Welt einzutauchen. Natürlich darf eine Teenie Romanze zwischen Maddie und Justin nicht fehlen, diese stößt mir zwar manchmal sauer auf, aber mit 15 fand ich sie einfach super und wer möchte keinen gutaussehenden, klugen Mann an seiner Seite. Ohne zu spoilern kann ich leider nicht auf die genauen Gründe eingehen warum, ich heute ein paar Probleme mit der Beziehung habe. So viel es hat etwas mit Lehrer-Schüler-Konstellation. Auch sonst ist zur sonstigen Handlung nicht viel zu sagen, ohne etwas Entscheidendes zu verraten.

    Kleiner Hinweis: sobald ich alle Teile gelesen habe kommt eine ausführliche Rezession mit Spoilern und konkreten Nennungen heraus. Ihr müsst nur etwas Geduld haben.

    Zuletzt möchte ich noch ein kleiner Abschnitt über die uns vorgestellte Zukunft. Ganz allgemein kann ich nur sagen, dass ich sie für durchaus realistisch halte. Die Rodung von Urwälder, Regenwäldern und sonstigen Waldflächen, das schon im ersten Kapitel angesprochen wird, halte ich für durchaus realistisch betrachtet man den jetzigen Flächenverbrauch der Menschen für Ackerland, den fortwährenden Bevölkerungsanstieg und das Verlangen der Menschen nach billigen Nahrungsmitteln und Fleisch. Auch im Bezug auf die Entwicklung der Spielebranche, gerade mit den Grafiktabletts und dem Erfolg von VR-Brillen. Diese Entwicklung kann man als die Vorläufer der in dem Roman beschriebenen Unterhaltungs- und ein Stück weit auch der Kommunikationsgeräte sehen. Auch der Wunsch durch vermeintliche Sicherheit hinter Technologie kann ich durchaus verstehen, aber auf der anderen Seite auch den Wunsch nach einem einfachen Leben, wie es sich Justin und seine Mitstreiter erhoffen erschließt sich mir. Worüber ich bis jetzt noch nicht geredet habe, ist die komplette Überwachung, die die Regierung mit Hilfe der Technik über seine Bürger hat. Auf diesen Aspekt wird ebenfalls nachdrucksvoll eingegangen. Die meisten Menschen der Zukunft sind sich dessen nicht einmal vollständig bewusst, aber das sind wir heute ja auch nicht. Gerade in den Corona-Zeit wird deutlich, wie weit man mit internetfähigen Geräten gehen kann, es wird diskutiert, ob man Apps zur Ortung von Personen einsetzten sollte, darf usw. für mich ist das nicht begeisternd. Die Befürchtungen für alle Obrigkeiten komplett gläsern in Bezug auf meinen Aufenthaltsort zu werden keimen auf, zum Teil auch wegen dieses Romans, hört sich komisch an, aber mittlerweile sehen ich technische Neuerung durchaus auch in einem skeptischen Licht. Kann aber auch daran liegen, dass ich älter geworden bin, zum ersten Mal gelesen habe ich das Buch mit vielleicht 15, da hatte ich noch einen weniger hinterfragenden Verstand.

  3. Cover des Buches Die Auswahl (ISBN: 9783841421197)
    Ally Condie

    Die Auswahl

     (4.443)
    Aktuelle Rezension von: Argentumverde

    Cassia lebt in einer faszinierenden Welt ohne Armut, ohne Krankheiten, mit Arbeit, Essen und Wohnraum. Aber nicht nur das Leben ist geregelt auch die Liebe wird vorgegeben. Mit 17 erfahren Jugendliche ihren zukünftigen Lebenspartner, den sie mit 21 heiraten. Mit 80 sterben die Menschen. Cassia ist 17 und erfährt das ihr Freund Xander ihr zukünftiger Partner ist. Daheim will sie sich das Video über ihn ansehen, aber dort findet sie einen anderen Kindheitsfreund: Ky. Obwohl ihr versichert wird, dass das Video ein Fehler war, beginnt Cassia sich in Ky zu verlieben und gleichzeitig immer mehr das System zu hinterfragen. Bald steht sie vor schweren Entscheidungen. 

    Der Leser begleitet Cassia und lernt dabei immer mehr von der Welt und wie sie funktioniert. Die extreme Kontrolle bis in die kleinsten Details des Lebens und die entstehenden Konflikte um so mehr Cassia sich zu Ky hingezogen fühlt und anfängt das System zu hinterfragen. Ally Condie zieht mit ihrem ganz eigenen etwas kühl anmutenden Schreibstil den Leser schnell in Ihren Bann. Die einzelnen Personen entwickeln mit der Zeit immer mehr Persönlichkeit und die Welt fasziniert durch ihr ganz anderes fremdes System. Schnell kann sich der Leser mit Cassias innerem Konflikt identifizieren und entwickelt mit ihr gemeinsam seine Meinung zur Gesellschaft und dem System. 

    Mein Fazit: Obwohl der Schreibstil etwas ungewohnt ist und auch die Protagonisten noch an Tiefe vermissen lassen, fesselt die Geschichte schnell und fasziniert den Leser von Anfang an. Die Autorin bietet hier einen gelungenen Auftakt zu ihrer Trilogie um Cassia und Ky.

  4. Cover des Buches Die Känguru-Chroniken (Känguru 1) (ISBN: 9783869091082)
    Marc-Uwe Kling

    Die Känguru-Chroniken (Känguru 1)

     (339)
    Aktuelle Rezension von: mirja94

    Habe das Hörbuch beim Autofahren gehört und bin  bis Ende des Kapitels immer sitzen geblieben. Meistens lache ich bei Witzen in mich hinein oder schmunzel ein wenig. Hier musste ich an der einen oder anderen Stelle schallend lachen.

  5. Cover des Buches Der Name der Rose (ISBN: 9783423210799)
    Umberto Eco

    Der Name der Rose

     (1.564)
    Aktuelle Rezension von: Waldspaziergang

    Der Name der Rose enthält viele Gedanken. Gedanken zur Wahrheit und Wissenschaft, die zum Nachdenken anregen, zum Realisieren oder Überdenken seiner eigenen Meinung, seiner Überzeugung zum Thema. Eine Tiefe wird geöffnet in die einzudringen man eingeladen ist. Auch einige Andere Themen werden angesprochen, doch im Vordergrund steht die Suche der Wahrheit.          

    William von Baskerville (eine Erinnerung an Sherlock Holmes weckend) und sein Begleiter Adson ermitteln in einer angesehenen Abtei in Italien, die überschattet wird von der mysteriösen, Nebel umwobenen Bibliothek, deren Betreten allen verboten ist.        
    Eine dunkle Macht scheint umzugehen und immer wieder neue Opfer zu fordern. Hinweise, und Verdächtige gibt es genug. Doch die Zusammenhänge sind verworren. Nutzbringend ist auch nicht die Versammlung Königs- und Papsttreuer Gesandter, zu deren Besprechung William ausgesandt wurde und die zwischen den im Streit liegenden Parteien vermitteln soll. Ihr Ergebnis ist das noch deutlichere Zerwürfnis und die Verhaftung zweier Schuldiger, die die Taten nicht begangen haben, die man ihnen vorwirft.
     Nachdem alle Verdächtige, Einer nach dem Anderen, selbst zum Ofer wurden, blieb letztlich nur noch einer übrig, der von William schließlich gestellt, zum Äußersten schritt und in seinem Wahn die Schrift des Philosophen vor aller Augen bewahren zu müssen, sich selbst mit ihr vernichtet und dabei die ganze Bibliothek in Flammen setzt, mit der schließlich die ganze Abtei zugrunde geht.     

    Ein entmutigendes Ende, wie schmerzlich die Vorstellung von brennenden Büchern und brennendem Fleisch doch ist. Auch William ist entmutigt, muss er am Ende feststellen, dass die Verschwörung, der er auf der Spur zu sein glaubte, nie existierte. Jeder Mord hatte seine eigenen Motive, hing ungebunden und eher zufällig mit den Anderen zusammen.

    Manchmal zeigen mir Bücher neue Gedanken und manchmal helfen sie mir schon vorhandene Gedanken wahrzunehmen. Wie William glaube ich nicht an eine Wahrheit, keine die wir sehen können. Wie William glaube ich an eine Vielzahl, dutzende von Möglichkeiten, die wir nur durch Wahrscheinlichkeiten und Indizien gegen einander abwägen können. Und wie „Der Name der Rose“ so schön veranschaulicht ist am Ende wahrscheinlich keine von ihnen richtig.

    In diesem Gedanken liegt für mich der Hauptwert des Buches. (Ich glaube darin eine Anleitrung für meinen wissenschaftlichen Bericht gefunden zu haben ;)) Daneben gibt es immer wieder mal schleppende Passagen über die Politik, Architektur, Religion der Zeit und die Visionen Adsons, nicht zu vergessen immer mal wieder kleine lateinische Texte, denen ich mit meinem drei Jahre zurückliegendem Schullatein nicht beizukommen vermag. Die Texte sind am Ende des Buches nachzuschlagen und auch die zuvor genannten Passagen, mag man sie sich Satz für Satz zu Gemüte führen und durch Nachschlagewerke ergänzen oder schon ein Vorwissen über die gegebenen Zustände haben, sind gewiss lehrreich. Doch ich sitze abends gemütlich in meinem Sessel warm eingewickelt in meine Decke weit entfernt von Laptop, Handy oder Duden, und so fielen mir genannte Passagen doch eher lästig und seufzend sehnte ich die Seiten mit mehr Absätzen herbei.

    Ein letztes noch: den Titel des Buches finde ich genial! Auf Seite 590 fiel mir auf, dass er sich mir immer noch nicht recht erklären wollte. Ich vergaß darüber und dann auf der letzten Seite, im letzten Satz (den ich auch noch nachschlagen musste) fiel plötzlich alles perfekt ineinander.

  6. Cover des Buches Gute Geister (ISBN: 9783442714506)
    Kathryn Stockett

    Gute Geister

     (675)
    Aktuelle Rezension von: primweltenarchiv

    Wir werden zurückversetzt in eine Zeit, die vielleicht in manchen Belangen besser war, jedoch in keiner Weise in dem Punkt, den dieses Buch behandelt: Die Rassentrennung.

    Inmitten vieler furchtbarer Charaktere, die man aus heutiger Sicht nur verurteilen kann, haben wir eine herrlich sympathische Weiße, die die Rassentrennung für falsch hält – stand sie doch selbst ihrem wunderbaren Häusmädchen näher, als es zur damaligen Zeit "normal" war. Um die Missstände aufzudecken und das System ins Wanken zu bringen, will sie über die Geschichten der schwarzen Dienstmädchen schreiben. Ein absolutes No Go für solche, sich negativ über ihre Hausherren zu äußern. Doch eine mutige Frau wagt den Anfang und viele folgen ihr. 

    Ich liebe die Protagonistin, ihre Aufgeschlossenheit, sie ist ein fröhlicher Wirbelwind in finsteren Zeiten. Und ganz besonders sind mir die verschiedenen Dienstmädchen nahegegangen. Es gab traurige Moment, in denen ich den Kopf schütteln musste, und ich durfte herzlich lachen (insbesondere bei dieser einen speziellen Szene :D)

     

    Mein Fazit:

    Ein Buch, das meiner Ansicht nach jeder Mensch mal gelesen haben sollte. Hier wird ein wichtiges Thema behandelt, das zwar heute nicht mehr in diesem Ausmaß vorhanden ist, aber es ist noch da, wir bekommen es immer wieder mit, wie unsere dunkelhäutigen Mitmenschen herabgesetzt werden. Das muss aufhören und dieses Buch zeigt uns, dass wir zumindest schon einen ganzen Schritt geschafft haben in den letzten Jahrzehnten. Must Read und 5 von 5 Sternen!

  7. Cover des Buches Neva (ISBN: 9783426283486)
    Sara Grant

    Neva

     (612)
    Aktuelle Rezension von: Nora4

    Auch wenn es ein Einzelband ist und ich gewöhnlich nichts gegen Einzelbände habe: Dieses Buch hätte wohl doch besser mehrere Teile gebraucht, denn das Ende ist so offen, weil auch gar nichts grosses gestartet wurde und für mich so nicht wirklich befriedigend.


    Das Buch ist aber zum Glück nicht ganz so typisch, wie man es von einigen klassischen Dystopien kennt: Es gibt nämlich keine Rebellion und keinen Sieg der Guten, stattdessen flieht Neva einfach aus der Kuppel, nachdem sie einen Brief ihrer totgeglaubten Grossmutter bekam. Innen drin bleibt alles gleich, was eigentlich auch heisst, dass keines der anfänglichen Probleme gelöst wurde, weshalb man sich fragt, wohin das Ganze denn nun überhaupt führen sollte.


    Die Geschichte selbst ist eigentlich ganz okay. Nichts zu Tiefgründiges, aber sicher nicht schlecht. Es hat einige spannende Stellen, aber so etwas wie ein grosser Aufstand à la „Tribute von Panem“ sollte man deshalb nicht erwarten.


    Gewissermassen wird es dadurch aber auch etwas realistisch. Sie sind nichts weiter als eine Gruppe Jugendlicher, die nicht einmal durchgehend mit vollen Herzen dabei sind (echt, ihre beste Freundin Sanna ging mir damit so auf die Nerven, dabei war sie diejenige, die rebellieren wollte und danach dieses schlappmachen, was für mich nicht zusammenpasst). Wenn man ehrlich ist, kann eine kleine Gruppe nicht einfach so mal eine Regierung stürzen, vorallem wenn nicht mal das Volk hinter der Idee steht. Dennoch hätte ich eben mehr erwartet, den eine Dystopie darf in dieser Hinsicht ja auch gerne einmal mit etwas unrealistischeren Szenarien spielen.


    Meine Erwartungen waren wohl einfach zu hoch. Auch wenn es ein Einzelband war, hatte ich grössere Rebellionen oder zumindest einen besseren Abschluss, der vielleicht auf einen Kompromiss hinausläuft, erwartet. Hätte ich es vorher gewusst, dass das Buch in eine ganz andere Richtung geht, wäre es wohl besser gewesen. Die Idee selbst ist jedoch gut und auch diese neue Welt ist sehr interessant aufgebaut und ich denke es könnte sicher auch so dem ein oder anderen gefallen. Ich gebe dem Buch jedenfalls drei von fünf Sternen.


    (Die Rezension ist schon um einiges älter (2018), wurde nun aber von meinem Amino Leserunde für diese Seite noch übernommen (und dafür noch leicht angepasst), damit ich sie mit mehr Leuten teilen kann. Weitere ältere Rezensionen werde ich ebenfalls noch teilen). :)


  8. Cover des Buches Der Lärm der Zeit (ISBN: 9783462048889)
    Julian Barnes

    Der Lärm der Zeit

     (74)
    Aktuelle Rezension von: Erzaehlwas_Sascha

    Der Roman "Der Lärm der Zeit" von Julian Barnes erzählt aus dem Leben des berühmten russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch. In drei Stationen wird erzählt wie dieser sich mit den politischen Machtverhältnissen auseinandersetzen muss. Sein Leben wird zum Kampf um künstlerische Freiheiten und die Frage welche Opfer man für Kunst und Leben bringen möchte. Auch wenn der Ausgang des Protagonistenleben bekannt ist, gelingt Barnes zu diesen Aspekt ein gelungener Spannungsaufbau. Dabei wird das Leben nicht überdramatisiert, sondern die Tragik wird kunstvoll passend arrangiert.

    Es ist mein erster Roman von Julian Barnes und sogleich hat er mein Leserherz erobert und so wird es keinesfalls der letzte gewesen sein. Barnes ist ein richtig toller Künstlerroman gelungen, der zugleich auch noch sachlich über die Rolle der Kunst in unserer Gesellschaft nachdenkt. Dies gelingt Barnes, in dem in seinem Roman keine reine Biografie von Schostakowitsch verhandelt wird. 

    Für mich ist das Wunderbare an diesem Buch, dass sich zeigt wie Kunst auch Zeit überdauert und dabei nie nur sich selbst dient, sondern den Menschen. Genau deshalb sollte dieses Buch auch viel gelesen werden.

  9. Cover des Buches Fahrenheit 451 (ISBN: 9783453319837)
    Ray Bradbury

    Fahrenheit 451

     (666)
    Aktuelle Rezension von: bookish_yvonne

    “Fahrenheit 451” von Ray Bradbury ist ein Klassiker, der wohl allen zumindest vom Namen her bekannt ist. Eine zeitlose Geschichte über das Verbrennen von Büchern und dem Verschwinden von kritischem Denken.

    In einer dystopischen Welt mit feuerfesten Häusern ist es Guy Montags Job als Feuerwehrmann Bücher zu verbrennen. Denn es ist ein Verbrechen Bücher zu besitzen oder zu lesen, da sie potenziell unglücklich machen könnten. Deshalb gibt es die Feuerwehrmänner, die den “Seelenfrieden” bewahren. Eines Tages trifft Montag auf Clarisse, die alles verkörpert, was die Gesellschaft zu unterdrücken versucht. Nach den Gesprächen mit Clarisse und einem traumatischen Einsatz widersetzt sich Montag setzt sein Leben auf dem Spiel.

    Mit dem Schreibstil von Bradbury konnte ich mich nicht anfreunden. Für eine dystopische Geschichte waren mir das, ehrlich gesagt,  zu viele blumige Metaphern, die nicht passen.

    Viele nennen “Fahrenheit 451” als das Paradebeispiel für Bücherzensur, aber wenn die Gesellschaft sich zuerst freiwillig dafür entscheidet keine mehr zu lesen, ist es dann trotzdem Zensur? Die Mehrheit der Gesellschaft ist davon überzeugt, dass je mehr Menschen Büchern lesen und aus ihnen lernt, desto mehr Unsicherheit und Verwirrung wird verbreitet. Deshalb werden Menschen mit Büchern angezeigt, woraufhin die Feuerwehrmänner reagieren und das intellektuelle Gedankengut verbrennen. Das bedeutet, dass keine diktatorische Regierung den Menschen diese Zensur aufgezwungen hat, auch wenn sie wohl dafür verantwortlich ist, dass diese Bücher nun verbrannt werden. Auf mich wirkt das Buch eher, als würde es den technischen Fortschritt kritisieren. Die Gesellschaft lässt sich vom Fernseher hypnotisieren, ja ist regelrecht süchtig danach, und sieht die Charaktere darin als “Familie” an, die real ist. Bradbury vermittelt, dass das Fernsehen einen nicht nur verdummen lässt, wodurch das kritische Denken verkommt, sondern auch egoistisch und brutal werden. 

    Leider fehlt das Worldbuilding komplett, denn ich hätte gerne mehr darüber gelesen, wie diese Welt entstanden ist und wie die Regierung agiert (denn auch darüber ist kaum etwas bekannt).

    Das Frauenbild war zwar in den 50er Jahren anders, aber mich hat es dennoch ungemein gestört, wie die Frauen dargestellt werden. Sie sind alle dämlich, nur am Tratschen und lassen sich unentwegt vom Fernseher beschallen. Die große Ausnahme: die Teenagerin Clarisse McClellan. Sie stellt die Hoffnung in dieser verkommenen Gesellschaft dar. Denn sie hinterfragt den Status Quo, genießt die Natur, ist voller Neugier und regt auch Montag zum Nachdenken an. Allerdings war sie lediglich ein Kunstgriff, um die Charakterentwicklung von Montag auszulösen. Das war ziemlich schade. Außerdem wurden zig Autoren genannt, aber nicht eine einzige Autorin (lediglich ein Buch, das von einer Frau geschrieben wurde, wenn ich mich nicht irre).

    Fun Fact: Bradbury stellte im Nachhinein fest, dass er Guy Montag allen Anschein nach unbewusst nach der Papierfirma “Montag” und “Faber” nach dem Schreibwarenhersteller “Faber-Castell” benannt hat.

  10. Cover des Buches Die Insel (ISBN: 9783453721876)
    Richard Laymon

    Die Insel

     (528)
    Aktuelle Rezension von: Buecherbaronin

    Das Szenario in „Die Insel“ ist schon mal vielversprechend: eine Südseeinsel fernab der Schiffsrouten, eine Gruppe Gestrandeter und ein blutrünstiger Killer, der gnadenlos tötet. Und zu Beginn geht dieses Konzept voll auf. Die ausweglose Anfangssituation heizt die Spannung an und das Rätselraten um den Mörder geht los.

    Vor allem mit der Erzählperspektive kann der Roman punkten. Rupert hält die Ereignisse aus seiner Sicht in einer Art Tagebuch fest. Dadurch gibt es immer wieder Andeutungen, offenbarende Rückblenden und Vorausdeutungen, die die Spannung hochhalten.

    Andererseits ist diese Erzählform auch eine Schwäche des Romans, denn sie steht und fällt nun mal mit dem Erzähler. Und der ist ein spätpubertärer, sexistischer, feiger Junge, der mehr Interesse an den Bikinis der Frauen zeigt als an der Mördersuche.

    Und das reicht nicht zu einem guten Horrorthriller. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto abstruser und unglaubwürdiger werden die Ereignisse, zudem sind die 560 Seiten unnötig aufgebläht mit Wiederholungen und sinnfreien Dialogen, die das Tempo merklich herausnehmen.

    Auch die Charaktere können nicht überzeugen, sind sehr oberflächlich gezeichnet und zeigen das typische Klischeeverhalten, bei dem man sich gegen die Stirn hauen und laut losschimpfen möchte. Und was die Story und die Charaktere nicht hergeben, nämlich Sinn, wird mit deftigen Gewaltszenen und Ruperts Sexfantasien ausgeglichen.

  11. Cover des Buches Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften (ISBN: 9783462049916)
    Irmgard Keun

    Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften

     (36)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Die Nachkriegszeit anfangs der zwanziger Jahre bildet den Hintergrund dieses ausgesprochen witzigen und phantasievollen Romans von Irmgard Keun. Ein junges Mädchen, das sich so gar nicht in die bürgerlichen Konventionen einpassen will und mit ihren mutigen aber harmlosen Streichen ihre Umgebung in Schach hält, lässt einem als Leser vermuten, dass Kinder ihre eigene Strategie entwickeln, mit Entbehrungen und einem Leben im Krieg umzugehen und das Erlebte zu verarbeiten. Sie lässt sich auf jeden Fall durch nichts und niemanden unterkriegen und erzählt ihr Leben mit den alltäglichen Unwägbarkeiten voll kindlichem Ernst, der einem immer wieder zum Schmunzeln bringt.


    Ein erhellendes kleines Schmuckstück, das es lohnt, wieder gelesen zu werden. Es erschien erstmals 1936.

  12. Cover des Buches Persepolis - Eine Kindheit im Iran (ISBN: 9783800054015)
    Marjane Satrapi

    Persepolis - Eine Kindheit im Iran

     (162)
    Aktuelle Rezension von: awogfli

    Book2moviechallenge
    Kategorie 11: ein Zeichentrickfilm oder eine Märchenverfilmung darf auch Graphic Novel sein:


    Diese Book2movierezension ist nicht ganz ausgewogen fair und komplett, denn obwohl auf meiner Graphic Novel sich der Aufkleber "Das Buch zum Film" befindet, handelt es sich bei diesem Band nur um Teil 1 Die Kindheit im Iran.

    Der Film umfasst aber doppelt so viel Stoff, nämlich auch den Comicband um die Jugend in Wien, und somit wären nur zwei Bände Graphic Novel mit dem cineastischen Werk wirklich richtig vergleichbar. Dennoch bemühe ich mich, all diese Umstände zu berücksichtigen. Wie immer lasse ich einen Teil meiner Originalrezension genauso stehen, wie er erstellt wurde, damit das Gefühl der Erstentdeckung eines Stoffes nicht verlorengeht. Das ist insbesondere bei diesem Buch sehr wesentlich, denn mit Sartrapis Persepolis habe ich das Genre der Graphic Novel (ich gebe zu, sehr spät) überhaupt erst und dann auch noch mit totaler Begeisterung zufällig entdeckt.


    Buch: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
    Zufällig bin ich in der Caritas 2012 über dieses Buch gestolpert und es hat mich vom Hocker gerissen. Meine Erfahrung in diesem Genre war überhaupt nicht vorhanden - eine Weile habe ich mir überlegt, ob ich fürs Einordnen ins shelf Comic von Euch geröstet oder vom Verlag verklagt werde ;-) (das kommt ja seit November gelegentlich vor).

    Auf jeden Fall weiss ich gar nicht, wo ich mit dem Lob anfangen soll. Die Geschichte ist spannend, politisch, philosophisch und sogar die verkürzte Sprache in den Sprechblasen lässt an Qualität und Poetik nichts zu wünschen übrig. Den Zeichenstil kann ich mangels Vergleich ja nicht beurteilen, aber er gefällt mir sehr gut und ist sehr detailliert ausgeführt.

    So nun bin ich auf weitere politische Comics, Graphic Novels, Mangas oder wie sie auch immer heissen sollen gespannt. Adolf - Mord in Berlin von Osamu Tekuza steht eh schon eine Weile auf meiner Liste, Blankets von Craig Thompson und ein paar andere werden im Nachwort von Persepolis empfohlen und kommen unbedingt auch auf meine Wunschliste.

    Fazit: Grandios! Habe ein ganz neues Genre entdeckt, das mir sehr gut gefällt.

    Heute nach siebenjähriger intensiverer Auseinandersetzung mit dem Genre bin ich noch immer extrem angetan von Persepolis, habe aber auch zumindest schon gleich gute Graphic Novels gelesen. Vielleicht wäre ich heute etwas strenger in der Beurteilung, wenn dieses Werk für mich damals nicht so innovativ gewesen wäre. Der Schwarz/Weiße mit teilweise sehr vielen schwarzen Flächen ausgemalte Stil ist zwar dem sehr tragischen dramatischen Thema geschuldet, lässt aber manchmal im Strich ein bisschen Filigranität vermissen. Das mag zwar der unverkennbare Stil von Persepolis sein, ist aber eben für mich manchmal ein bisschen zu eindimensional und derb in der grafischen Ausrichtung. Nachtsdestotrotz habe ich auch heute bei einem re-read 4,5 Punkte vergeben.

    Film: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️+
    Im Film ist der chronologischen Ablauf etwas anders. Da wird zuerst die sehr freie Kindheit unter dem Schah im französischen Lycee genauer beschrieben und dann erst die Hinwendung des Staates zu einem religiösen Gottesstaat. Im Buch wird das alte Leben im Staate des Schahs nur in Rückblenden kurz angesprochen. Das gibt dem ganzen im Film einen konsitenteren Ablauf, wie sich alle Personen allmählich zu den theokratischen Religionswächtern, die auch gerne andere trietzen und verleumden, verändert haben. Die Zeit in Wien, die mir im Film am besten gefallen hat, weil sie erstens mit spitzer Feder meine Landsleute ironisch skizziert und sich auch noch stilistisch durch farbenfrohe Zeichnungen von der Geschichte im Iran unterscheidet, war ein richtig erfrischender Kontrapunkt in der an furchtbaren Handlungen nicht armen Story. Am Ende der Zeit in Wien holt Marjan aber dann wieder die Depression ein. Um aus einer unglücklichen Liebe und dem Leben auf der Straße, zu dem sie der Liebeskoummer gebracht hat, zu flüchten, will sie nur noch zurück in den Iran. In den Gottestaat zurückgekehrt, heiratet Marjan sehr schnell und unüberlegt einen Mann, den sie gar nicht kennt und kann auch diesmal nicht zu sich selbst finden. Nach der Scheidung versucht Marjan endlich zu leben. Der im Untergrund stattfindende Lebensstil und die Renitenz der jungen Leute, aber auch der älteren Generation der Sartrapis wird sehr gut geschildert, sie gehen einerseits in innere Immigration, versuchen sich aber kleine Freiheiten abgeschottet in ihrer Clique zu erhalten und auf subversive Art gegen die Behörden und die Religionswächter zu verteidigen. Das ähnelt sehr den Reportagen über junge Leute in der inneren und äußeren Immigration, die ich aus dem Iran gesehen habe, z. B. jener über die Snowboardclique. Am Ende flüchtet sie erneut nach Europa, diesmal nach Paris.

    Der Film ist etwas rasanter und spannender als die Comicvorlage, indem er die Handlung der beiden Bände der Graphic Novel etwas gestrafft hat. Zudem haben mir das stilistisch farblich ausgezeichnete Intermezzo und die sehr satirisch präsentierten Wiener Erfahrungen am allerbesten gefallen. Das geht bis zur grandiosen Übersetzung in den Wiener Dialekt bei der deutschsprachigen Filmversion.

    Fazit: Eine sehr gute gelungene cineastische Umsetzung, die durch die Straffung der Handlung noch um eine Nuance besser als die Vorlage bei mir ankommt.

    Fazit Buch gegen Film: Diesmal bin ich tatsächlich für den Film.

  13. Cover des Buches Fahrenheit 451, English edition (ISBN: 9781451690316)
    Ray Bradbury

    Fahrenheit 451, English edition

     (214)
    Aktuelle Rezension von: xoxo_love_books

    In der Hauptrolle geht es um einen Feuerwehrmann, der dafür sorgt, dass Häuser mit Büchern verbrannt werden, da es von der Regierung verboten wird, welche zu besitzen. Allerdings schleichen sich in seinem eigenen Haus auch immer mehr Bücher ein. Das Buch ist spannend vom Anfang bis zum Ende und es ist sehr poetisch geschrieben. Ich selbst las es, weil ich mein Englisch verbessern möchte. Dafür ist es allemal sehr gut, da es übersichtlich viele Charaktere gibt und die Handlung nicht allzu kompliziert ist. Zudem wird ein interessantes Thema, der Umgang mit Wissen und Poesie, thematisiert. Ein gelungenes Buch.

  14. Cover des Buches Amy und die geheime Bibliothek (ISBN: 9783446262119)
    Alan Gratz

    Amy und die geheime Bibliothek

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Fernweh_nach_Zamonien

    Inhalt: 

    Amys Lieblingsbuch wird vom Schulausschuss als "unangemessen" abgestempelt und aus der Schulbibliothek verbannt.

    Ein Schock für die 9-jährige Leseratte!

    Doch nicht nur "ihr" Buch, auch andere verschwinden nach und nach aus den Regalen.

    Was aber bedeutet "unangemessen" und warum sollte es verboten sein, bestimmte Bücher zu lesen?

    Amy schmiedet einen Plan und gründet einen geheimen Buchclub, damit jedes Buch für jeden Schüler zugänglich ist.


    Altersempfehlung: 

    ab 10 Jahre 


    Mein Eindruck:

    Die Geschichte wird aus Amys Perspektive in der Ich-Form und auf eine lebendige und fesselnde Art erzählt. Auch wird der Leser immer wieder direkt angesprochen.

    Die 9-jährige Amy ist ein Charakter, der schnell ans Herz wächst: ein liebenswertes Mädchen, still und zurückhaltend, ein sympathischer Bücherwurm. Denn wenn es um Bücher geht, blüht sie geradezu auf und setzt daher alles in Bewegung, um als Bücherretterin mit Hilfe ihrer Mitschüler die G.S.B. (geheime Schließfach Bibliothek) zu gründen.

    Warum dürfen sie plötzlich keine Bücher mehr lesen, die zu schwer oder zu leicht sind oder die andere Meinungen und Ansichten vermitteln, zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Wichtig ist, dass sich Kinder eine eigene Meinung bilden.

    "Vielleicht ist es ja so, dass Bücher viele wunderbare Dinge für uns tun können, aber sie können uns nicht in schlechte Menschen verwandeln." (Amy vgl. S. 230)

    Amy selbst weiß, dass die Lektüre eines Buch nicht zu Diebstahl, Lügen und Respektlosigkeit verleitet. Wohl aber die Verbannung selbiger: für mehr Selbstbestimmung wird aus dem schüchternen Mädchen eine Rebellin, die im Kampf für die Lese-Freiheit auch ein paar Regeln bricht.

    Denn hätte sie das Buch nicht in der Bücherei entdeckt, hätte sie vielleicht niemals erfahren, wie viel ihr diese Geschichte bedeuten würde. Ihr Vater kauft zwar ein eigenes Exemplar für Amy, aber dies ändert nichts daran, dass diese außergewöhnliche Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln nun für alle anderen Kinder aus der Schulbibliothek verbannt und somit unerreichbar wurde. 

    Einige der "verbotenen" Bücher habe ich noch nicht gelesen und die Faszination der Grundschüler sowie ihr Motto "jetzt erst recht" kann ich sehr gut nachvollziehen ;-) Amys Kurzbeschreibungen zur Handlung oder den Protagonisten, ihre Begeisterung für die Geschichten, die sie bereits gelesen hat oder noch lesen möchte, ist einfach nur ansteckend.

    Eine warmherzig und einfühlsam erzählte Geschichte über Meinungs- und Entscheidungsfreiheit, Kampf für Gerechtigkeit. Aber auch Vorurteile, Ausgrenzung, wahre Freundschaft sowie Trauer und Verlust werden thematisiert.

    Ein Lesevergnügen für alle Bücherwürmer - ganz gleich ob jung oder alt, Mädchen oder Junge!


    Fazit:

    Dank der ansprechenden Erzählweise und der liebenswerten Protagonistin ein Buch, das im Kopf bleibt und dessen Botschaften noch lange nachhallen.

    Eine warmherzige Geschichte, die zeigt, wie wichtig es ist, für seine Überzeugung einzustehen, auch wenn es Rückschläge gibt, und innerhalb der Familie auch Traurigkeit und Wut zu besprechen.

    ... 

    Rezensiertes Buch "Amy und die geheime Bibliothek" aus dem Jahr 2019

  15. Cover des Buches Brave New World (ISBN: 9780061767647)
    Aldous Huxley

    Brave New World

     (559)
    Aktuelle Rezension von: finja472

    Die Dystopie "brave new world" oder im deutschen "schöne neue Welt" von Aldous Huxley wurde bereits 1931 von ihm verfasst und beschreibt ein gesellschaftliches System in der Zunkunft. In diesem System, werden die Menschen nicht mehr auf den normalen, uns bekannten Weg, geboren, sondern durchs Klonen und Gentechnik. Die Gesellschaft ist in fünf hierarchische Kasten aufgeteilt von Alphas bis zu Epsilons. Die Alphas genießen viele Vorteile und sind höher angesehen. Die Babies werden in ihrer Entwicklung manipuliert, durch zum Beispiel Alkoholkonsum, Sauerstoffmangel und das Wiederholen bestimmter Mantras. Dadurch ist jeder Mensch mit ihrer Rolle im System zufrieden. In der Gesellschaft gibt es keine Individien, sondern alle gehören zu jedem und alles ist sehr kurzfristig. Das bedeutet die Menschen haben keine richtigen emotionalen Bedingungen untereinander und veranstalten Sexorgien. Ein gutes Gefühl erlangen sie durch die Einnahme der Droge Soma. Alle scheinen glücklich zu sein, doch das Buch erzählt die Geschichte von Bernard, John und Helmholtz die unzufrieden sind und anfangen zu erkennen, dass nicht alles so goldens ist, was in dieser Welt glänzt. 


    Ich habe dieses Buch auf Englisch gelesen, da ich denke, dass dies eine gute Möglichkeit ist sein Englisch zu verbessern. Ich kann diese Methode wirklich weiter empfehlen. 🇬🇧


    Dieses Buch ist aber nicht für Anfänger gedacht, da der Anfang nicht unbedingt leicht ist. Am Anfang des Buches wird auch viel beschrieben und es passiert wenig Handlung, deshalb bin ich der Meinung war es schwierig in das Buch rein zu kommen. Doch als die Handlung einsetzte, wollte man unbedingt wissen wie es weiterging und wie es endet. Denn die Idee ist wirklich faszinierend, auch wenn die Welt auf mich sehr verstörend gewirkt hat. 

    Besonders spannend finde ich, dass das Klonen und die Gentechnik wirklich ein Teil unserer Zukunft sein kann. Deshalb ist es umso beeindruckender, dass der Autor sich sowas damals schon ausmalen konnte.

    Auch wie das Ende beschrieben wurde, hat mir sehr gut gefallen, da es einen nicht kalt gelassen hat.


    Insgesamt kann ich das Buch an alle empfehlen, die sich für Zukunftsvisionen interessieren oder einfach mal was anderes lesen wollen.


    Bewertung: 4/5 ⭐

  16. Cover des Buches Vom Anfang bis heute (ISBN: 9783328100065)
    Loel Zwecker

    Vom Anfang bis heute

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Wolfhound

    Loel Zwecker komprimiert uns hier die Weltgeschichte auf unter 500 Seiten. 

    Dabei schafft er es durch seinen Schreibstil, aber auch durch vereinzelt eingestreute unnütze Anekdoten, den manchmal doch recht trockenen Geschichtsaspekt aufzulockern. An einigen Stellen konnte ich mir ein Schmunzeln oder auch Lachen nicht verkneifen. 

    Die Themen sind gut aufgearbeitet und machen auch Spaß. So bekommt man einen schönen knackig kurzen Einblick in vielen Aspekte unserer Geschichte.

    Jedoch werden auch hier (unvermeidbare?!) Schwerpunkte wie z. b. die französische Revolution gesetzt und andere Bereiche werden nur angerissen. So werden Jahrhunderte der afrikanischen Geschichte nur wenige Seiten. 

    Auf der anderen Seite sind so schwierige Themen wie Rassismus und die Kolonialisierung meiner Meinung nach gut dargestellt und aufgearbeitet.

    Leider ist der lockere, moderne Stil des Buches auch auf einigen Strecken etwas anstrengend und die Coolness und der Humor wirken zu gewollt, was mir zum Ende hin den Lesespaß etwas verhagelt hat. Dennoch ist es ein absolut lesenswertes Buch, aus dem man einiges mitnehmen kann und das mein Wissen in einigen Belangen doch wieder sehr aufgefrischt hat

  17. Cover des Buches Madame Bovary (ISBN: 9783328106722)
    Gustave Flaubert

    Madame Bovary

     (581)
    Aktuelle Rezension von: Blintschik

    Der Schreibstil ist für einen Klassiker einfach zu lesen, sodass man sich schnell in die Geschichte einfinden kann. Und auch so ist die Handlung nicht schwer zu verstehen. Dennoch muss ich zugeben, dass der Autor dazu neigt abzuschweifen oder einzelne Momente unnötig in die Länge zu ziehen, was das Buch etwas verlängert, obwohl die eigentliche Geschichte ziemlich schnell erzählt wäre. Hierbei geht es letztlich um eine Frau, die vor Langeweile depressiv wird und dann nicht treu bleiben kann. Ehrlich gesagt fand ich, was das angeht, die Protagonistin ziemlich unsympathisch. Sie ist naiv, egoistisch und benimmt sich wie ein dummes Kind und oft musste ich einfach den Kopf über sie schütteln.

    Letztlich habe ich das Buch dennoch bis zum Ende gelesen, weil die steigende Spannung doch interessant war. Irgendwo ist es auch interessant zu sehen, wie das Leben der Frauen damals war. Trotzdem finde ich die Reaktion der Protagonistin überdramatisch und konnte ihr Verhalten deswegen nicht nachvollziehen. Für Leser, die gerne Klassiker lesen würde ich das Buch aber trotzdem empfehlen, da es gut zu lesen ist.

  18. Cover des Buches Das Gleichgewicht der Welt (ISBN: 9783596512621)
    Rohinton Mistry

    Das Gleichgewicht der Welt

     (216)
    Aktuelle Rezension von: hamburgerlesemaus

    Rohinton Mistry erzählt eine Geschichte, die in den 70er Jahren in Indien während des Ausnahmezustands spielt. Ohne Erbarmen, grausam, humorvoll und rührend erzählt und immer wenn man denkt, es geht nicht mehr schlimmer, setzt setzt der Autor noch einen nach.
    Am Ende steht eines fest: Die Welt ist nicht im Gleichgewicht!

    🐭🐭🐭🐭🐭/5

  19. Cover des Buches Das Flüstern der Stadt (ISBN: 9783499234620)
    Rosa Ribas

    Das Flüstern der Stadt

     (50)
    Aktuelle Rezension von: walli007

    Die seit zwei Jahren verwitwete Mariona wird in ihrer Wohnung ermordet. Im Barcelona der 1950er Jahre kann es geschehen, dass eine polizeiliche Ermittlung von oben gelenkt wird. Der Staatsanwalt bestimmt den Ermittler Castro als leitenden Beamten. Dieser wiederum möchte, dass die Zeitung in seinem Sinne über den Fall berichtet. Allerdings ist sein üblicher Kontakt erkrankt und so bekommt die junge Journalistin Ana Martí den Auftrag, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Zunächst darf Ana einem Verhör beiwohnen, bei dem ihr gleich klar wird, wie Untersuchungen unter der Franco-Diktatur laufen. Es fehlt nicht viel und Castro hätte ihr den anschließenden Bericht in die Feder diktiert. 


    Hierbei handelt es sich um den ersten Band einer bisher dreiteiligen Reihe um die Journalistin Ana Martí und ihre Cousine Beatriz, eine Literaturwissenschaftlerin. Beide Frauen sind nicht frei in ihrer Berufsausübung. Dennoch fühlen sich sowohl Ana als auch Beatriz der Wahrheit verpflichtet. Und so erfüllt sich der Wunsch der Polizei, die Berichterstattung zu steuern zwar, aber nicht der Wunsch, dass es Ana damit auch bewenden lässt. Und die journalistische Art, Sachverhalte zu hinterfragen, ist der polizeilichen nicht so unähnlich. Es überrascht daher nicht, dass Ana Hinweise finden, die der Polizei nicht bedeutend genug erschienen.


    Eine spannende Stadt in einer spannenden Zeit. Besonders am Anfang macht das Autorinnenduo Rosa Ribas und Sabine Hofmann klar, wie schwierig und eingeschränkt das freiheitliche Leben in der Diktatur war. Im weiteren Verlauf konzentriert sich die Handlung mehr auf die Nachforschungen der gewitzten Reporterin und ihrer vielleicht etwas phlegmatischen, aber keineswegs dummen Cousine. Mit einfachen Mitteln und ihrer Hartnäckigkeit lassen sie sich einfach nicht einbremsen. Da fallen die obrigkeitshörigen Polizisten doch ab. Dieser Kriminalroman gibt einen packenden Eindruck vom Spanien unter Franco, fokussiert sich aber letztlich auf den verzwickten Fall mit einer überraschenden Auflösung.


  20. Cover des Buches Der Gang vor die Hunde (ISBN: 9783038820017)
    Erich Kästner

    Der Gang vor die Hunde

     (58)
    Aktuelle Rezension von: Kati_Ebner

    In "Der Gang vor die Hunde" gibt Kästner einen unverblümten und klaren Einblick in die Gesellschaft der damaligen Zeit. 

    Bei dieser Erzählung werden viele (unschöne) Themen aufgefriffen und als Satire wiedergegeben. Obwohl einiges zum Lachen ist, wird es bei näherer Betrachtung doch sehr traurig. 

    Für diese Zeit greift Erich Kästner das Thema Sexualität erstaunlich offen auf. Prostitution, gleichgeschlechtliche Liebe, Bordelle mit männlichen Bediensteten die von gut situierten Damen gebucht werden und Frauen, die den Männern zu viel werden. 

    Abseits dieser Themen kommen aber auch Zeitgeist und die unterschiedlichen Sichtweisen der Generationen zur Geltung. Woran glauben die Menschen damals, was hatten sie für Hoffnung und Träume, gab es Moral und Anstand, welche Vorstellungen vom Leben sind realistisch?

    Jakob Fabian, der Protagonist, entspricht nicht der gängigen Vorstellung eines Bürgers seiner Stellung damals. Er ist weder besonders ehrgeizig, noch verfolgt er hochtrabende Ideale oder verspürt den drängenden Wunsch eine Familie zu gründen. Er wohnt in einem kleinen Zimmer bei einer alten Witwe und lässt sich durchs Leben treiben. Das Gegenteil davon ist sein bester Freund Labude, der seit fünf Jahren an einer Arbeit feilt, politisch engagiert und mit sich selbst nie zufrieden ist. 

    Das Buch behandelt diverse komplexe und interessante Themen wie Sexualität, Selbstmord, Depressionen, Liebe, die Stellung der Frauen, die Konflikte zwischen Personen mit unterschiedlichen politischen Ideologien und dem Unterschied von Menschen mit Geld und Macht und denjenigen, die ebendies erreichen wollen.

    Mit kurzen Sätzen und einfachen Worten schafft es Kästner, den Leser die Welt von damals näher zu bringen und ihn über die Situation nachdenken zu lassen. Durch die Augen von Fabian werden die Politischen Entwicklungen und individuellen Einstellungen kritisch

    Diese Auflage beinhaltet einen großzügigen Anhang mit diversen Anmerkungen, sowie zwei Nachworten von Erich Kästner aus verschiedenen Jahren.

  21. Cover des Buches Lolita (ISBN: 9783644056312)
    Vladimir Nabokov

    Lolita

     (466)
    Aktuelle Rezension von: butterflyinthesky
    Synopsis:
    Humbert Humbert - scholar, aesthete and romantic - has fallen completely and utterly in love with Lolita Haze, his landlady's gum-snapping, silky skinned twelve-year-old daughter. Reluctantly agreeing to marry Mrs Haze just to be close to Lolita, Humbert suffers greatly in the pursuit of romance; but when Lo herself starts looking for attention elsewhere, he will carry her off on a desperate cross-country misadventure, all in the name of Love. Hilarious, flamboyant, heart-breaking and full of ingenious word play, Lolita is an immaculate, unforgettable masterpiece of obsession, delusion and lust.

    My thoughts and opinion:
    I was so excited to finally read this book. I've heard os much about it and wanted to see if it lived up to its standards. Aaaaaand ... I didn't like it. At all. I felt so uncomfortable reading this and probably won't pick it up again. (But then again, a lot of people love it so read it yourself to see whether you like or not :) )
  22. Cover des Buches Die Bibliothek bei Nacht (ISBN: 9783596159444)
    Alberto Manguel

    Die Bibliothek bei Nacht

     (37)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Es gibt diese Bücher, die bei der Lektüre ein warmes Licht ausstrahlen, den Rest der Welt in schläfrige Dunkelheit versinken lassen und um sich und ihren Leser herum eine behagliche Atmosphäre intimer Lektüre verbreiten. Das sind Bücher, die in sich die Geborgenheit der Bibliothek tragen – nicht jeder Bücherei, versteht sich, sondern der Bücherstube der Gelehrten, die ihre Bücherregale geschmackvoll mit Bildern und Erinnerungsstücken abwechseln und einen Raum als Rückzugsort kreieren, der die Sicherheit des Mutterleibs verströmt.

    Alberto Manguels „Bibliothek bei Nacht“ ist ein solches Buch, das den Leser schon im Titel auf die Stimmung einstellt, die es vermitteln wird. Manguel erzählt eine ganz persönliche, bisweilen intime Kulturgeschichte der Bibliothek und verbindet seine herumschweifenden Gedanken und Anekdoten mit seinen eigenen Erfahrungen im Umgang mit seinen Büchern. Manguel geht es nicht um das Buch oder das Lesen – denen widmet er sich in anderen Texten. Hier geht es um den Raum, in dem die Bücher versammelt werden. Um das Wie, Warum, Womit, Wie lange und Für Wen.

    Beeindruckend ist der breite Blickwinkel, mit dem Manguel durch die Landschaft seines Sujets schreitet, sich hier von einer Idee ablenken und dort von einer Anekdote locken lässt. Seine Bibliothek ist eine polyglotte Völkerverbinderin, die zu allen Zeiten, seit es Bücher gibt, und an allen Orten alle Menschen verbindet, die man als Leser bezeichnen kann. Alle Zeloten, Eiferer und Fanatiker, die womöglich aus dem Buch ihre zerstörerische Weltanschauung schöpfen, schließt Manguel aus, denn gelehrte Leser, die um des Lesens willen lesen, werden nicht fanatisch. Ihr Wahnsinn liegt allein in der Sucht, Bücher auf Bücher häufen zu wollen.

    Der Text ist nicht in Bibliotheken der Religionen, Epochen, Nationen oder Sprachen gegliedert, sondern in Gedankenbahnen: Bibliothek als Mythos, als Ordnung, als Form, als Insel, als Identität und einige mehr. Manche der Bahnen beschreitet Manguel mit großer Sicherheit und lässt die Strecke wie ein weiches Sofa wirken – die Blibiothek als Ordnung, als Raum oder als Zuhause sind absolut zauberhafte Texte voller intimer Wärme, bibliophiler Begeisterung und wissenswerter Geschichten. Andere lassen bisweilen Details vermissen, die ich gern gelesen hätte: In der Bibliothek als Zufall hätte ich gern auch über die Einzigartigkeit jeder Bibliothek gelesen, weil sie nicht nur durch das Sammlerinteresse, sondern auch durch Zufall und Gelegenheit zu einem Gebilde gewachsen sind, das es so nur ein einziges Mal auf der Welt (und in der Zeit!) gibt. Manguel beschreibt mehr, wie das Schicksal der Welt viele Bibliotheken und Werke hat abhanden kommen lassen, so dass der Zufall bestimmt, was noch übrig ist – oder wie der Altgermanist Burkhart Wachinger ausgerufen hat: „Alle Überlieferung ist zufällig!“ Nicht ganz stimmig ist etwa die Bibliothek als Macht, in der Andrew Carnegie seinen paternalistischen Auftritt hat, weil die hier präzisierten Überlegungen nicht in das Grundkonzept des Buches zu passen scheinen.

    Völlig im Fluss und regelrecht mitreißend sind Manguels Gedanken über die Bibliothek als Werkstatt oder als Zuhause, in denen der völkerverbindende, die Zeiten überdauernde Gemeinschaftssinn der Buchmenschen erklingt, ob es verständige Mullahs in der Wüste der Pilger, Betreiber von Eselsbibliotheken in den Anden oder reumütige Inquisitoren sind. Sie alle lädt Manguel wispernd in seine eigene Bibliothek und als Nachbarn in die Heimat der Lesenden, in die Mitte der angenehmen Lektüreerfahrung seines gelehrten Werkes.

    Was andere kritisieren – die vereinbarte Wohligkeit der Schilderungen in diesem Buch – halte ich für seine Stärke: eine ganz wunderbare Schatzsuche vom heimatlichen Leseort aus.

  23. Cover des Buches Naked Lunch (ISBN: 9783499256448)
    James Grauerholz

    Naked Lunch

     (85)
    Aktuelle Rezension von: jamal_tuschick
    Mütterlicherseits stammte er von Robert E. Lee ab, einem Guerillavirtuosen im konföderierten Generalsrang. William Seward Burroughs (1914 - 1997) fand in dieser verwandtschaftlichen Beziehung das Motiv für einen Avatar namens Bill Lee. Protagonisten mit Zügen des Autors begegnen allen Milieus mit Neugier und Hochmut. Vierzig Jahre nach meiner ersten Burroughs-Lektüre geht mir auf, in welchem Ausmaß sich dieser Schriftsteller selbst aristokratisiert hat, vielleicht mobilisiert von einer sagenhaften Herkunft. (Wie sehr er dem Süden verhaftet war.) Ich stelle mir Burroughs als einen lebenslang Alimentierten vor. Seine Leute waren vermögend, der von Gossen und ihren Typen auf allen Kontinenten faszinierte Spross hatte seinen Kumpanen immer einen Scheck voraus. Sein Habitus verband sich mit einer Förmlichkeit, die aus europäischen Vorstellungen von einer Privatgelehrtenexistenz gewonnen wurden. In den 1940er Jahren geriet er in Abhängigkeit. Dazu regte ihn Herbert Hunke an, der dem Beat und seiner Generation ein paar Präambeln der Verkehrsordnung diktierte. Burroughs Kaltblütigkeit im Verhältnis zur Sucht erscheint mir heute noch genauso großartig wie als Jugendlicher. Die Folgen blank vor Augen: setzte er sich den ersten Schuß. Das erzählt „Junkie“. In „Naked Lunch“ lebt Burroughs als Bill Lee nach den Junk-Gesetzen. Der Autor wähnt sich in einem Zustand äußerster Luzidität. Er erkennt, was die Welt im Innersten zusammen hält. Der amerikanische Alltagsanschein hält keiner Prüfung stand, in Burroughs´ Matrix löst sich das Raum-Zeit-Kontinuum auf. In diesem paranoiden Universum ist alles Lava aus Gier. Bekanntlich wollten nach Burroughs viele auf die andere Seite durchbrechen: Break On Through To the Other Side. Freeland heißt der Bezirk in „Naked Lunch“. Da trifft Alt-Ägyptisches auf humane und semi-humane Hybriden der Handlungsgegenwart in wabernden Prozessen und mit aztekischen Zimbelierungen. So lese ich heute das Buch. Einst diente es der Erweiterung meines Drogenhorizonts. Burroughs stieß als Feldforscher vor, er experimentierte und analysierte. Er schrieb sich mit Kapazitäten.

    Sein großer Groll galt amerikanischen Behörden: „Und ständig Cops: aalglatte Bundesstaatencops mit Collegebildung, einstudiert routinierte Sprüche, elektronische Augen mustern abwägend deinen Wagen ... knurrige Großstadtbullen, Sheriffs auf dem Land mit weicher Stimme und schwarzem drohendem Blick aus alten Augen von der Farbe eines verwaschenen grauen Flanellhemdes“.

    Kiffer und Säureköpfe lagen Burroughs nicht. Stumpf fand er den beatalarmierten Nachwuchs, der lärmend in Sonderzonen eindrang, die bis dahin gespenstisch stille Refugien genuiner Randgruppen gewesen waren. Die Abgesonderten der ersten Stunde, die Bestimmung folgt Burroughs‘ biografischer Warte, bewegten sich wie ferngesteuert auf geheimen Junkrouten, die New York mit New Orleans und Ciudad de México mit Tanger verbanden. Zumindest suggeriert das der Autor, nicht nur in „Naked Lunch“. Die Entstehungsgeschichte von „Naked Lunch“ ist ein Roman für sich, nachzulesen in der „ursprünglichen Fassung“, die bei Nagel & Kimche vor Jahren erschienen ist. In einem nachträglichen „Protokoll“ behauptete Burroughs, die neunjährige Entstehungsgeschichte seines eigenen Werks im Delirium verpasst zu haben: „Aber ich habe offenbar detaillierte Aufzeichnungen ... gemacht“. An einer anderen Stelle wird die Mystifikation entschleiert. „Wenn ich sage, ich könne mich nicht erinnern, wie ich „Naked Lunch“ geschrieben habe, ist das natürlich eine Übertreibung.“ Die Herausgeber James Grauerholz und Barry Miles weisen auf Verdienste von Allen Ginsberg und Jack Kerouac hin. Die Freunde überarbeiteten das Manuskript wieder und wieder, vermutlich rangen sie es Burroughs ab: „Seine finale Form erhielt es aber erst, als Maurice Girodias im Juni 1959 W.B. mitteilte, er brauche binnen zwei Wochen“ einen druckreifen Text. Der Verleger spekulierte auf den Skandal. Die vorliegende Ausgabe folgt der Edition, „nach der Olympia Press das Buch gesetzt“ hat.  

     

  24. Cover des Buches Grimms Morde (ISBN: 9783426306611)
    Tanja Kinkel

    Grimms Morde

     (63)
    Aktuelle Rezension von: Arbutus

    Als hätten sie sich abgesprochen ... Tanja Kinkel fängt da an, wo Karen Duve („Fräulein Nettes kurzer Sommer“) aufhört: die junge Dichterin Annette von Droste zu Hülshoff hat gerade ihre „Jugendkatastrophe“ hinter sich - ein Techtelmechtel, zum falschen Zeitpunkt und von den falschen Personen eingefädelt und ausgeschlachtet - als sie mit ihrer Schwester Jenny vom Münsterland nach Kassel reist, um den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm bei der Aufklärung eines Mordes zu helfen. Die Hilfe der Damen ist Ehrensache, handelt es sich bei dem Tötungsdelikt doch um ein literarisches Verbrechen, denn der Täter muss die Märchensammlung der Brüder Grimm sehr genau gekannt haben, und auch Annette und ihre Schwester sind mit den Texten aufs Präziseste vertraut.

    Die Vorgehensweise bei Tanja Kinkel ist anders: wo Duve sehr nah an den historischen Fakten spekuliert, wie es gewesen sein könnte, wissen wir ziemlich genau, was bei Kinkel alles hinzuerfunden wurde. Und das - hochvirtuos. Denn alle unsere Helden sind reale Personen, und das nicht etwa aus einem blinden Flecken wie etwa dem 6. Jahrhundert, sondern aus der akribisch aufgezeichneten Romantik, und ich ziehe den Hut vor der Rechercheleistung von Frau Kinkel und dem nahtlosen Ineinanderpuzzlen von realen und fiktiven Details.

    Kinkels Erzählstil ist ausholend, aber so muss es bei diesen komplexen Zusammenhängen auch sein. Ich finde detailreiche Szenen, wie die, in der Annette zum ersten Mal einen echten Rembrandt zu sehen bekommt, faszinierend. Und letztendlich ist alles miteinander verwoben, und die Details formieren sich zu einem sinnvollen Ganzen. Kinkel nimmt sich Zeit, ihre vier literarisch versierten Detektive fein zu charakterisieren. Und obwohl alle Vier grundverschieden sind und sich gegenseitig oft sehr skeptisch beäugen, versteht man als Leser doch jeden von ihnen; so jedenfalls ist es mir gegangen. Jacob Grimm mochte ich von Anfang an, trotz seiner Bärbeißigkeit, und im Laufe der Erzählung wuchs er mir sogar richtig ans Herz. Dass Stinkstiefel wie August von Haxthausen oder Polizeioberwachtmeister Blauberg trotz ihrer unverkennbaren Arroganz differenziert dargestellt werden, ist ein weiterer Pluspunkt.

    Die Autorin überzeugt durch eine virtuose Sprachhandhabung, dabei immer darauf bedacht, nicht zu modern zu formulieren. Herrlich, diese lakonischen Kommentare, die sie Jakob Grimm immer wieder in den Mund legt! Aber auch das Fräulein Nette ist nicht auf denselben gefallen, und als Leserin spürt man eine tiefe Genugtuung, dass die später berühmt gewordene Schriftstellerin hier nun endlich einmal das tun darf, was man von ihr als Frau in der Familie nie duldete: im Mittelpunkt stehen und ihre Gerissenheit unter Beweis stellen. Nicht nur in dieser Hinsicht macht das Buch großen Spaß!

    Große Kapitelabschnitte sind mit originalen Brief- oder Gedichtzitaten gesäumt. Dadurch erreicht Kinkel eine vollendete Abrundung. Ich werde wirklich allmählich zu einem Fan dieser Frau. Hin und wieder nur zeugen winzige grammatikalische Unkorrektheiten von einem möglicherweise eilig durchgeführten Lektorat, fallen aber nicht ins Gewicht.

    Tanja Kinkel brilliert hier mit einem historischen Roman, dem es an nichts fehlt: gute Unterhaltung, kriminalistische Spannung, Wortwitz, historische Zusammenhänge, Gesellschaftskritik, hervorragende Recherche. Fünf Sterne!

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