Bücher mit dem Tag "zeugen jehovas"
13 Bücher
- Jussi Adler-Olsen
Erlösung
(1.266)Aktuelle Rezension von: ScriptumFelicisKlappentext / Zusammenfassung:
Ein rätselhafter Fund stellt Carl Mørck und sein Team vom Sonderdezernat Q vor eine erschütternde Aufgabe: In einer alten, verstaubten Flaschenpost, die vor über 15 Jahren angeschwemmt wurde, entdecken sie eine mit Blut geschriebene, kaum noch lesbare Botschaft – ein stummer Hilferuf zweier Jungen, die offenbar entführt wurden. Doch das mutmaßliche Verbrechen scheint nie angezeigt worden zu sein. Warum hat niemand diese Kinder vermisst?
Die Ermittlungen führen das Team in ein Milieu aus religiösem Fanatismus, abgeschotteten Gemeinschaften und einem Netz aus Angst und Schweigen. Mit zunehmender Intensität verfolgt das Sonderdezernat Spuren, durchleuchtet Familienstrukturen, ideologische Abgründe und sektenähnliche Organisationen – bis es zu einem dramatischen und beklemmenden Höhepunkt kommt.
Meinung:
Für mich ist Erlösung bisher der spannendste Band der Reihe. Jussi Adler-Olsen gelingt mit dem dritten Fall für das Sonderdezernat Q ein düsterer, atmosphärisch dichter Thriller, der sich tief in psychologische Abgründe und das Thema manipulativer Machtstrukturen vorwagt. Die Geschichte bewegt sich in einem komplexen Spannungsfeld aus persönlichem Trauma und religiösen Dogmen.
Die Handlung wird auf mehreren Zeitebenen erzählt. Die Ermittlungen in der Gegenwart werden ergänzt durch Einblicke in das Leben des Täters sowie Rückblenden in dessen Vergangenheit. Diese Erzählstruktur ist anspruchsvoll und erfordert Konzentration – verleiht dem Roman jedoch Tiefe und einen vielschichtigen Spannungsbogen.
Adler-Olsen setzt nicht auf schnelle Action, sondern auf eine stetig wachsende Spannung, die sich manchmal zwar nur schleichend, aber unaufhaltsam verdichtet. Kleine Hinweise, scheinbar nebensächliche Details und psychologisch präzise gesetzte Szenen entfalten nach und nach ein erschütterndes Gesamtbild. Zwar ist der Aufbau stellenweise recht langsam – besonders dann, wenn sich die Ermittlungen festfahren –, doch gerade das wirkt authentisch und realitätsnah. Man braucht zu Beginn etwas Geduld, wird aber später mit einer dichten und intensiv erzählten Geschichte belohnt.
Die Figuren sind – wie in den vorigen Bänden – vielschichtig und glaubwürdig. Carl Mørck bleibt ein ambivalenter Protagonist mit Ecken, Kanten und einem trockenen Humor, der ihn sympathisch macht, ohne ihn zu idealisieren. Assad ist nicht nur für sprachliche und kulturelle Reibungspunkte zuständig, sondern auch ein cleverer, aufmerksamer Beobachter, dessen Rolle im Team zunehmend an Bedeutung gewinnt. Doch seine Herkunft wirft immer mehr Fragen auf – wer ist er wirklich? Rose bringt mit ihrer kratzbürstigen, aber eigenständigen Art frischen Wind ins Team und offenbart neue Facetten ihrer Persönlichkeit.
Besonders eindrucksvoll gelingt Adler-Olsen die Darstellung des Täters. Er wirkt über weite Strecken beinahe übermächtig – hochintelligent, manipulativ, mit einem perfekt ausgearbeiteten Plan und erschreckender psychologischer Kontrolle. Trotz (oder gerade wegen) dieser Überhöhung bleibt seine Figur fesselnd, weil ihre Beweggründe glaubwürdig aus einer gewalttätigen Kindheit und einem ideologisch geprägten Umfeld erwachsen.
Der Schreibstil ist klar und hochgradig atmosphärisch. Adler-Olsen versteht es, Spannung aufzubauen, ohne in übertriebene Effekthascherei zu verfallen. Die Schauplätze sind greifbar, die Stimmung ist durchgehend beklemmend – und genau das verleiht dem Roman seine Wirkung.
Fazit:
Erlösung ist ein vielschichtiger, psychologisch intensiver Thriller, der durch seine durchdachte Konstruktion, seine beklemmende Atmosphäre und seine klug gezeichneten Figuren überzeugt. Jussi Adler-Olsen erzählt eine verstörende Geschichte über Schuld, Verdrängung und zerstörerische Machtverhältnisse – leise, aber nachhaltig. Wer Krimis mit Substanz, Tiefe und emotionaler Wucht schätzt, findet hier einen der stärksten Bände der Reihe.
- Ian McEwan
Kindeswohl
(285)Aktuelle Rezension von: EllekensSchon lange wollte ich dieses Buch lesen. Nun haben wir uns es im Lesekreis vorgenommen.
Fiona Maye, Familienrichterin im Londoner High Court, hat in ihrem langjährigen, sehr erfolgreichen Berufsleben schon viele schwere Entscheidungen treffen müssen. Ob es die Trennung eines siamesischen Zwillingpaars war oder die verschieden Bildungswünsche eines getrennten Ehepaars für Ihre Kinder - immer stand und steht bei Fiona das Kindeswohl an erster Stelle.
Nun hat sie selbst Eheprobleme. Ihr Mann möchte mit ihrem Einverständnis fremdgehen.
Gleichzeitig muss sie über einen besonderen Fall richten. In diesem geht es um Adam, der in drei Monaten 18 Jahre und somit volljährig wird und an Leukämie erkrankt ist. Er und seine Eltern sind Mitglieder der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Diese erlauben keine Bluttransfusionen, die jedoch für Adam lebensrettend sind. Kann ein junger Mann kurz vor seiner Volljährigkeit selbst Entscheidungen treffen? (3 Monate später konnte und dürfte keiner mehr was dazu sagen noch richten können.) Fiona will selbst mit ihm sprechen und lernt Adam im Krankenhaus kennen.
Weiter möchte ich hier nicht spoilern, möchte das Buch aber sehr empfehlen!
McEwan gelingt es in diesem schmalen Buch in eindringlicher Sprache eine sehr intime Atmosphäre zu schaffen. Ich habe es in einem Rutsch gelesen und bin schon jetzt auf die Meinungen meiner Lese-Freunde gespannt. - Gernot Gricksch
Morgens in unserem Königreich
(20)Aktuelle Rezension von: SpeckelfeIn Arnes Leben läuft so einiges schief. Beruflich kommt er auf keinen grünen Zweig, im Liebesleben läuft aktuell nichts und jetzt wird er auch noch von einem russischen Kredithai verfolgt und auf der Flucht vor eben diesem landet er auch Umwegen bei den Zeugen Jehovas. Seine Anwesenheit in der Gemeinde sorgt für Trubel und grade als er beschließt, wieder zu verschwinden, lernt er Johanna kennen ...
Der Klappentext lässt eine locker-leichte-lustige Geschichte erwarten und das ist es auch ... aber in Kombination mit einem interessanten Einblick in die Welt der Zeugen Jehovas.Wie von Gricksch zu erwarten, macht die Geschichte Spaß, enthält einige lustige Szenen und durchaus auch rührende Momente.
- Stefanie de Velasco
Kein Teil der Welt
(73)Aktuelle Rezension von: pw1Mit diesem Roman habe ich Einblicke in die Welt der Zeugen Jehovas erhalten, und das besser als es jede Dokumentation liefern kann. Ich fand die Handlung ziemlich spannend, vor allem weil es keine Schwarz-Weiß-Malerei war, sondern immer Für und Wider abgewogen wurde. Der Wechsel zwischen den beiden Zeiten mit dem Aufwachsen am Rhein und später im Osten hat die ganze Geschichte besonders dramatisch werden lassen, etwa wie einen Film.
Nur die fantastische Zwischengeschichte von dieser seltsamen "versalzenen" Insel hat m. E. nichts Sinnvolles beigetragen. Die hätte die Autorin einfach weglassen können.
Meine Empfehlung: Wenn dir der erste dieser kursiv gedruckten Abschnitte (gleich am Anfang) nicht zusagt, kannst du die folgenden einfach überspringen. Du verpasst nichts. Ansonsten hat mir der Roman sehr gut gefallen.
- Frank Goldammer
Roter Rabe
(57)Aktuelle Rezension von: ZahirahWie schon in den vorangegangenen Teilen beschreibt Frank Goldammer großartig die historischen und politischen Hintergründe. Vor allem gelungen ist hierbei die aufgezeigte Verquickung von Geheimdiensten und der neuen Staatsmacht. Das Privatleben Hellers nimmt ebenfalls wieder einen größeren Teil der Handlung ein. So hat er diesmal unter anderem mit der Frage zu kämpfen, ob seine Karin, die eine Besuchserlaubnis zum Sohn in den Westen bekommen hat, auch wieder zu ihm zurückkommen wird. Dem Autor gelingt es meisterlich die Zeitgeschichte in eine durchaus gelungene Krimihandlung zu verpacken und die Nöte und Ängste der „kleinen Leute“ am Fall seiner Hauptfigur deutlich zu machen. Mich konnte auch dieser Teil wieder sehr gut unterhalten.
- Jodie Chapman
Eine ganze Liebe lang
(39)Aktuelle Rezension von: BalkonleserIn diesem Roman geht es um die Liebe und Zuneigung, die die beiden Hauptcharaktere dieses Buches, Nick und Anna, zueinander empfinden. Man erlebt beim Lesen ihr Kennenlernen und einen von intensiven Gefühlen und Zungeigung geprägten Sommer, während ihres ersten Aufeinandertreffens als Teenager, hautnah mit. Dass aus dieser Teenagerliebe mehr wird verhindert damals noch die Zugehörigkeit Annas zu einer Glaubensgemeinschaft, die ihren Anhängern strenge Regeln vorgibt - so auch, dass eine Liebesbeziehung nur durch Schließung einer Ehe möglich ist. Das wiederum widerstrebt Nick, der aufgrund seiner eigenen Vorgeschichte nicht bereit ist, zu heiraten. Nach dem Ende jenes Sommers begegenen sich die beiden immer wieder - mal zufällig und flüchtig, mal länger und intensiv. Über Jahre hinweg tauschen die beiden mal häufiger, mal weniger häufig E-Mails aus, leben jenes Leben, das zu ihrem Umfeld passt. Nie aber kommen die beiden wirklich voneinander los.
Die Geschichte um die Liebe zwischen Anna und Nick zieht sich als roter Faden durch die insgesamt sechs Teile, die als jene auch so benannt sind, durch das gesamte Buch. Innerhalb jener Teile gibt es immer wieder Zeitsprünge: mal in Nicks Kindheit, mal in Nicks Jugend in der Zeit bevor er auf Anna traf, aber auch in jene Zeiten, nach Anna. Was Anna in der Zeit nach dem Sommer mit Nick durchlebt, erfährt der Leser durch vereinzelte E-Mails an Nick oder auch Gedichte von Anna, bei denen nicht klar ist, ob Anna diese lediglich für sich schrieb oder ob diese auch Nick erreichten.
Außerdem gibt der Roman einige Einblicke in die Glaubensgemeinschaft, der Anna angehört. Es ist leicht nachvollziehbar, welche reale Glaubensgemeinschaft gemeint ist, zumal die Autorin des Buches, Jodie Chapman, ihr selbst einst angehörte. Inwiefern diese Einblicke der Realität enstprechen, kann ich selbst nicht beurteilen., da ich dieser Gemeinschaft nicht angehöre und auch niemals angehörte.
Es fiel mir bis in die Mitte des Buches schwer, mich in das Buch einzufinden. Zwar mochte ich Anna und auch Nick. Konnte die Sichtweisen der beiden zum Thema Liebe und Beziehung gut nachvollziehen, allerdings verwirrten die eingangs erwähnten Zeitsprünge innerhalb der einzelnen Teile des Buches doch sehr. Mir selbst wäre es lieber gewesen, wenn die Geschichte nach dem, zu Beginn des Buches erwähnten, Aufeinandertreffen chronologisch rückwärts oder zumindest in einzelne Kapitel, zu Nicks Kindheit/Jugend/jungen Erwachsenenjahren gegliedert wäre. So fragte ich mich nun oftlmals warum genau an jener einen Stelle ein Zeitsprung zurück in Nicks Kindheit stattfand. Nicht immer war dies für mich nachvollziehbar.
Über lange Strecken des Buches quälte ich mich mt dem Lesen, da die Handlung immerwieder abrupt unterbrochen wurde. Auch fand ich die detailreichen Erzählungen zu Nicks Kindheit und Jugend stellenweise viel zu lang.Gänzlich unpassend fand ich die Triggerwarnung am Ende des Buches. Das Buch triggert Menschen, die nahestehende Menschen verloren, an vielen Stellen und macht es eben all jenen nicht leicht, das Buch zu lesen.
Letztlich zeigt dieses Buch, dass sich intensive Gefühle, Zuneigung und Liebe Grenzen überwinden, sobald die Zeit reif dafür ist. Jene Reife lässt sich nicht erzwingen, sie ergibt sich aus den Leben der beiden sich liebenden Personen.
Das Buch lege ich all jenen ans Herz, die selbst Menschen an Glaubensgemeinschaften verloren, um deren Motive ein wenig verstehen zu köönen und all jenen, denen es ähnlich geht wie Nick und Anna, die sich zueinander hingezogen fühlen und sich einander partout nicht finden.
- Monika Deppe
Die Zeugen Jehovas. Auch ich habe ihnen geglaubt
(5)Aktuelle Rezension von: mandalottiNaja, war jetzt vom Stil er nicht so meins. Zuviele Bibelstellen usw. Außerdem frag ich mich, wie die beiden in der Sekte landen konnten, wenn sie von Anfang an alles so hinterfragt haben?
- Frank Goldammer
Roter Rabe. Ein Fall für Max Heller
(15)Aktuelle Rezension von: ZahirahWie schon in den vorangegangenen Teilen beschreibt Frank Goldammer großartig die historischen und politischen Hintergründe. Vor allem gelungen ist hierbei die aufgezeigte Verquickung von Geheimdiensten und der neuen Staatsmacht. Das Privatleben Hellers nimmt ebenfalls wieder einen größeren Teil der Handlung ein. So hat er diesmal unter anderem mit der Frage zu kämpfen, ob seine Karin, die eine Besuchserlaubnis zum Sohn in den Westen bekommen hat, auch wieder zu ihm zurückkommen wird.
Dem Autor gelingt es meisterlich die Zeitgeschichte in eine durchaus gelungene Krimihandlung zu verpacken und die Nöte und Ängste der „kleinen Leute“ am Fall seiner Hauptfigur deutlich zu machen. Mich konnte auch dieser Teil wieder sehr gut unterhalten.
- Jodie Chapman
Drei Schwestern
(1)Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerinAlice nennt sich seit einigen Jahren Zelda und ist eine selbstbewusste, rebellische Frau, die ihr Leben freizügig lebt und sich vor allem von Männern nichts mehr sagen lassen, sondern sie dominieren möchte. Sie redet sich zumindest ein, in Beziehungen die Oberhand zu haben und die Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben, doch ein Trauma, das sie als Jugendliche erleben musste, belastet sie immer noch schwer.
Jen ist nach einer Fehlgeburt, die selbst nur knapp überlebte, und der Trennung von ihrem Mann, allein. Statt Zuneigung und Unterstützung werden ihr Vorwürfe für eine Entscheidung gemacht, die ihr das Leben gerettet hat. Trotz der Demütigung schafft sie es nicht, sich von ihren Peinigern loszusagen, sondern nimmt die Bestrafung an, um wieder dazugehören zu können.
Isobel war ihr ganzes Leben die perfekte Ehefrau und hat sich für die Gemeinschaft aufgeopfert. Als ihr Ehemann sie nach über 30 Jahren für eine andere Frau verlässt, fühlt sie sich ausgestoßen und kann ihren Aufgaben nicht wie gewohnt nachkommen, wodurch sie noch weiter isoliert wird.
Alle drei Frauen sind unterschiedlich, haben jedoch gemeinsam, dass sie alle in einer religiösen Gemeinschaft aufgewachsen sind, die ihr Leben auf irgendeine Weise dominiert. Während Zelda sich losgesagt hat, sind Jen und Isobel unfreiwiilig Ausgeschlossene, die auf der Suche nach Halt sind und sich kaum aus dem Würgegriff der Sekte befreien können, in dem die Männer im Namen des Herrn sie festhalten.
Wie schon in "Eine ganze Liebe lang" verarbeitet Jodie Chapman einen Teil ihrer Biographie und erzählt aus erster Hand, wie es ist, unter den Zeugen Jehovas aufzuwachsen. Die fiktive Geschichte über die "drei Schwestern" wirkt deshalb besonders authentisch und verstörend.
Der Roman wird aus den Perspektiven von drei Frauen geschildert, die ähnliche Erfahrungen mit der von Männer dominierten, extrem bibelfesten und gottesfürchtigen Gemeinschaft gemacht haben. Rückblenden in die Vergangenheit erzählen zudem, dass sich Jen und Zelda noch aus ihrer Kindheit kennen und was zum Bruch von Zelda mit der Religionsgemeinschaft und damit auch mit ihrer Familie geführt hat.
Allen dreien Biographie ist gemein, dass die Frauen für Dinge beschuldigt und bestraft werden, über die sie keine Kontrolle hatten. Das Gebaren der Ältesten und der konformen Glaubensbrüder und -schwestern ist erschütternd und macht wütend. Hier zählt nicht die Wahrheit, sondern wie Männer Worte auslegen. Es ist kaum nachvollziehbar, dass sich Frauen wie Jen und Isobel trotz ungerechter Behandlung danach sehnen, wieder in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Dies zeigt nur, wie effektiv die Indoktrination ist, die sie Zeit ihres Lebens erlebten und die sie erfolgreich von den Weltlichen isolierte. Ohne die Gemeinschaft stehen die Frauen vor dem Nichts.
Anschaulich wird geschildert, wie viel Macht die Sekte über ihre Mitglieder und selbst die Ausgeschlossenen noch hat und wie durch willkürliche Auslegung der Bibel Machterhalt durchgesetzt wird. So manche Episode, die eindrücklich das frauenfeindliche Weltbild beschreibt, erscheint geradezu lächerlich. So ist eine Frau gezwungen ein Geschirrtuch über den Kopf zu ziehen, wenn sie anstatt des Mannes das Tischgebet spricht.
"Drei Schwestern" gibt einen sehr informativen und aufwühlenden Eindruck über das Leben in einer Sekte und schildert gleichzeitig eine fiktive Geschichte über drei Frauen, die durch die Mitgliedschaft in dieser Religionsgemeinschaft als Schwestern verbunden sind und nach vielen negativen, enttäuschenden, Vertrauen zerstörenden Erlebnissen Kraft in sich selbst finden müssen, um sich zu befreien, mit allem zu brechen, was sie bisher kannten, um neu anzufangen. Es ist eindrucksvoller, einfühlsam und lebendig geschriebener Roman, der Mut macht. Gebannt verfolgt man, wie die drei Frauen in ihrem eigenen Tempo gegen die herrschenden Zwänge aufbegehrt, aber nicht jede von ihnen am Ende die Kraft dafür hat, mit ihrem Glauben zu brechen. - Konja Simon Rohde
Ausstieg ins Leben
(5)Aktuelle Rezension von: ulricsEin Klassebuch, dass deutlich zeigt, dass Religiöse, die Liebe predigen, aber mit Angst regieren auf Abwegen sind.
Früher haben mich Zeugen Jehovas eher gestört, nach dem Buch tun sie mir nur leid. Das Lebens so zu vergeuden in ständiger Angst, anstatt in dieser Welt was wirklich positives zu bewirken. - Jana Frey
Das eiskalte Paradies
(147)Aktuelle Rezension von: MiraBerlinInhalt
Hannah ist 15 ahre alt und Zeugin Jehovas. Früher fühlte sie sich geborgen in ihrer Religionsgemeinschaft. Doch jetzt verspürt sie den Wunsch auszubrechen, normal zu sein wie die anderen auch. Hannah fordert ihre Freiheit ein. Und plötzlich werden die Grenzen ihrer einst so behüteten Welt zu unüberwindbaren Mauern. Erst die Liebe zu Paul gibt ihr Mut für den Schritt in eine andere Welt...
Ich selbst interessiere mich sehr für Sekten, weshalb dieses Buch ein absolutes Muss für mich war, als ich es entdeckte. Ich möchte mich einfach näher mit so etwas beschäftigen.
Dieses Buch hier spiegelt die Meinung der meisten wieder - wie schlecht die Zeugen Jehovas doch sind. Aber nicht nur: zu Beginn des Buches merkt man, wie geborgen sich Hannah in ihrer kleinen Welt fühlt.
Als Leser selbst kann man das vielleicht nicht so wirklich nachvollziehen, aber da sie dieses Leben schon früh kennen lernt, ist es für sie normal. Immerhin kennt sie es ja auch nicht wirklich anders.
Das Buch bietet gute Einblicke in das Leben der Zeugen Jehovas, allerdings zugleich auch recht oberflächliche. Damit hatte ich selbst aber kein Problem, weil dieses Buch immerhin vor allem eins soll: unterhalten.
Dennoch hat dieses Buch mich nachdenklich gestimmt und dafür gesorgt, dass ich Sachen, die für Menschen außerhalb der Sekte selbstverständlich und normal sind, aus einer anderen Perspektive gesehen habe - und sei es nur allein das Tragen von Röcken.
Das Einzige, was mir nicht so gut gefällt, ist das Ende des Buches. Für mich verläuft sich die Spur hier zu schnell im Sande und ich persönlich finde es auch zu unrealistisch, was ich sehr schade finde.
Die Autorin ist sehr konzentriert auf das Leben vor dem Widerstand und auf die ersten Probleme. Wenn es aber um den "Schritt in eine andere Welt" geht, wird sie sehr oberflächlich, was ich sehr bedauere. Denn gerade das hätte mich am meisten interessiert!
Dennoch hat die Autorin gute Arbeit geleistet, weshalb dieses Buch verdiente vier von fünf Sternen von mir erhält. :) - Tobias Ain
Alles nur heiße Luft?
(8)Aktuelle Rezension von: grinslausNachdem ich bereits den Youtube Kanal von Tobias Ain kannte, habe ich mich mit Interesse in seine Lebensgeschichte gestürzt und wurde nicht enttäuscht.
Die erste Hälfte des Buches nimmt uns Ain mit in die DDR und all seine Erfahrungen als Kind und Jugendlicher dort. Er schreibt sehr anschaulich und nimmt einen richtig mit rein, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag.
In der zweiten Hälfte geht es dann um seine Erfahrungen bei den Zeugen Jehovas und seinen Abstecher zum Buddhismus. Auch hier schreibt er sehr nahbar und ehrlich über seine Sinnsuche und wie er zum Schluss allein in Jesus seinen Halt findet.
Wie schon beim Lebensbericht von Nina Hagen „Bekenntnisse“, staune ich auch hier wieder über die Wege Gottes und wie er sich auch nach langer Reise finden lässt.
Ein leicht zu lesendes Buch, das ich jedem empfehlen kann, der Lebensberichte mag, Einblicke in den DDR-Alltag und/oder das Leben als Zeuge Jehovas bekommen möchte. - Slata Roschal
153 Formen des Nichtseins
(2)Aktuelle Rezension von: MarcoLHerkunft und Ankunft, verfremdete alte Heimat und zur Gewohnheit gemachte neue Heimat. Es sind zwei Welten, in welchen sich die Ich-Erzäherlin Ksenia Lindau nicht zurecht findet.
Ksenia kam, genauso wie die Autorin selbst, im Kindesalter von Russland nach Deutschland. Hier gelten sie als Russen, dort als Deutsche. Eine eigene Identität zu finden ist schwierig. Zu alle dem kommen noch religiöse Verwirrungen hinzu. Ihre Großvater ist Jude, und übt diesbezüglich einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Mädchen aus. Ihre Eltern hingegen bekennen sich als Hardliner der Zeugen Jehovas.
Die Erziehung ist streng, Züchtigungen gehören genauso dazu wie das Entsagen von gewissen Freuden, wie etwa das ein Weihnachtsfest oder gar Geburtstage. All dies macht Ksenia in Deutschland neben ihrer Herkunft nur noch deutlicher zu einer Außenseiterin.
Die Jahre gehen dahin, ihr Leben wird eines Tages eigenständig, aber gewisse Lücken bleiben. Und sie hinterfragt immer wieder all die erzwungenen Schranken und Normen – sie fühlt sich oftmals fehl am Platz, auch wenn sie versucht zu verstehen. Sie erfasst, was sie nicht ist oder nicht sein will, viel mehr als jene Fakten, welche sie im Leben verankern (könn(t)en).
Und so wie das Seelenleben Ksenias nach außen hin ein Durcheinander darstellt, hat die Autorin die Schreibart angepasst. Es sind meist nur kurze Kapitel, titelgebend 153 Stück, in verschiedensten prosaischen Stilen. Kurzprosa, Briefe, Ebay-Suchergebnisse, Mails, Tagebucheinträge, Gedichte oder sogar Gottesdienste dienen als Botschafter einer Suche, welche die Autorin in nicht chronologischer Reihenfolge aufs Papier bannt und somit die Unschlüssigkeit Ksenias an die Leser:Innen weitergibt.
Die Autorin bedient sich der vielen prosaischen Stilmitteln, um ihr Anliegen und ihren inneren Kampf der Leserschaft plastisch darzulegen. Für mich unterscheidet sich dieser Roman somit sehr von den meisten anderen Büchern. Die Zahl 153 besitzt eine sehr tiefe Symbolik, vor allem in der Religion. Die Autorin hat mit ihren Ausführungen, was explizit ihre Berührungen zu Judentum und Zeugen Jehovas anbelangt, mit dieser mystischen Zahl und der Art der erzählerischen Herangehensweise, ein einzigartiges Werk geschaffen.
Für mich ist das ein sehr gelungenes Stilmittel, wenn auch nicht immer leicht zu lesen oder nach zu vollziehen. Dennoch gebe ich hier sehr gerne eine Leseempfehlung für dieses außergewöhnliche Buch.Der Roman war auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2022
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